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- und wie ! (1) - Schiering

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Nr. 72 Oktober 2004
Es Hartzt
- und wie ! (1)
Hartz IV - das Thema füllte das Sommerloch in der Presselandschaft, inzwischen ist es ruhiger
geworden. Dabei geht es jetzt erst richtig los. Seit 1. Oktober läuft die Probephase zu den
Arbeitsgelegenheiten nach Sozialgesetzbuch II (SGB II), obwohl das SGB II erst zum 1.1.2005 in Kraft
tritt. Und die Katholische Kirche – dabei vor allem die Caritas – ist vornedran dabei. Bereits in der
Sommerpause hat sich der Deutsche Caritasverband positioniert und erklärt, die nun gesetzlich
verankerte Verpflichtung, jungen Erwerbslosen ein Angebot zur Arbeit, Ausbildung oder
Arbeitsgelegenheit zu machen, statt sie einfach durch Sozialhilfe ruhig zu stellen, sei positiv zu werten.
Dieser einseitige Vorstoß stieß bei den anderen in der LIGA der Wohlfahrtsverbände
zusammengeschlossenen Organisationen zunächst auf Zurückhaltung und Kritik. Doch bald merkten
diese Organisationen, dass ja Caritaseinrichtungen eventuell einen Wettbewerbsvorteil einheimsen
könnten, wenn man da nicht auch selbst mitmache. Und schon waren alle dabei, denn - regional
unterschiedlich- ist der Wettbewerb auf dem Sozial – und Gesundheitssektor unter den
Gemeinnützungen, aber auch mit den privaten Anbietern inzwischen heiß umkämpft!
Worum geht es eigentlich? In Kürze: Ab dem 1.1.2005 wird die Arbeitslosenförderung umgestellt.
Arbeitslosengeld I (Alg. I) gibt es nur noch 1 Jahr, Arbeitslosengeld II (Alg II), danach, je nach
Anspruchsberechtigung. Alg II ist künftig identisch mit der Grundsicherung (früher Sozialhilfe) und
erlaubt bei der Aufnahme einer Arbeitsgelegenheit nach § 16 Abs. 3 SGB II einen Zuverdienst, der nicht
auf die Grundsicherung angerechnet wird. (sog. 1 € Job).
Solche Alg. II Personen können für Beschäftigungen eingesetzt werden, die im öffentlichen Interesse
liegen ( gemeinnützig) und zusätzlich sind („nicht der örtlichen Wirtschaft ins Gehege kommen“
Minister Clement). Vor allem für Personen unter 25 Jahren müssen nach dem Willen des Gesetzgebers
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bevorzugt solche Beschäftigungen gesucht werden. Die gesetzliche Regelung steht unter dem Motto
„Fordern und Fördern“.
Die Bundesagentur für Arbeit überweist der Einrichtung, die einen Arbeitslosen nach § 16 Abs. 3 SGB II
beschäftigt, bis zu 500 € im Monat. In diesem Betrag ist eine Verwaltungs- und Förderpauschale für den
Träger der Einrichtung sowie das „Gehalt“ (Mehraufwandsentschädigung) für den so Beschäftigten
enthalten. Es entstehen dabei keine Arbeitsverhältnisse im arbeitsrechtlichen Sinne, die Vorschriften
zum gesetzlichen Arbeitsschutz und zur Urlaubsgewährung sind jedoch entsprechend anzuwenden.
Durch diese Arbeitsgelegenheiten dürfen reguläre Arbeitsplätze nicht verdrängt werden.
Die Organisation der Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben ebenso wie die Kontrolle gegen Missbrauch
hat der Gesetzgeber komplett dezentralisiert.
Was hat das nun mit MAV zu tun? Der Gesetzgeber hat in § 18 Abs. 1 SGB II festgelegt:
Die Agenturen für Arbeit arbeiten bei der Erbringung von Leistungen zur Eingliederung in Arbeit
unter Berücksichtigung ihrer Aufgaben nach dem Dritten Buch mit den Beteiligten des örtlichen
Arbeitsmarkts, insbesondere den Gemeinden, den Kreisen und Bezirken, den Trägern der freien
Wohlfahrtspflege, den Vertretern Arbeitgeber und Arbeitnehmer sowie den Kammern und
berufsständischen Organisationen zusammen,, um die gleichmäßige oder gemeinsame
Durchführung von Maßnahmen zu beraten oder zu sichern und Leistungsmissbrauch zu verhindern
oder aufzudecken. Die örtlichen Träger der Sozialhilfe sind verpflichtet, mit den Agenturen für
Arbeit zusammenzuarbeiten.
Wie diese Zusammenarbeit aussehen wird, ist zunächst der Bundesagentur oder optierenden Kommunen
überlassen. Da jedoch zu erwarten steht, dass Einrichtungen der kath. Kirche in nicht unerheblichem
Maße solchen Beschäftigten Arbeitsmöglichkeiten bieten, ist es nötig, dass sich auch unsere
Arbeitnehmervertretungen einmischen. Je nach Organisation und Struktur in den Diözesen bietet sich
hier ein Engagement der Diözesanen Arbeitsgemeinschaften an.
Die BAG – MAV organisiert derzeit den Informationsaustausch und hält Kontakt zum Deutschen
Caritasverband. Es ist jedoch davon auszugehen, dass auch im verfasst kirchlichen Bereich, vor allem in
Kirchengemeinden, solche Arbeitsgelegenheiten angeboten werden.
Auf der betrieblichen Ebene ist die MAV ebenfalls beteiligt. Überall, wo es um Maßnahmen geht, die
sich auf die gesamte Einrichtung beziehen (z.B. Arbeitszeitregelung, Urlaubsregelung, Fortbildung,
Arbeitsplatzgestaltung), ist die MAV auch für diese Beschäftigten zuständig. Und sie ist dazu
verpflichtet darauf zu achten, dass die regulär beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht
über kurz oder lang aus ihren Arbeitsverhältnissen gedrängt werden.
Die BAG – MAV hat auf ihrer Homepage eine Abteilung Hartz IV eingerichtet, auf der umfangreiche
Materialien heruntergeladen werden können.
Die Mitgliederversammlung der BAG – MAV wird sich Mitte November intensiv mit dem Thema
befassen und ggfs. ein konkretes weiteres Vorgehen beschließen.
GD
BAG-MAV zwischen Porsche und Mercedes
Nach Gastspielen zuletzt in Berlin und Münster und vor dem Abtauchen in die oberpfälzische Provinz
Regensburg im Jahr 2006 macht der Wanderzirkus der BAG-MAV -Vollversammlung heuer im Ländle
von Mercedes und Porsche Station. Verkörpern doch die beiden Autofirmen mit roten und schwarzen
Zahlen die Situation kirchlicher Einrichtungen perfekt. Die einen verzichten auf Lohn und Gehalt und
malochen länger, um dem Druck ihrer roten Zahlen zu entgehen, die anderen schreiben schwarze
Zahlen und halten darüber hinaus auch noch die betriebliche Mitbestimmung für eine gute Sache. Wie
bei Kirche und Caritas, allerdings recht unterschiedlich verteilt.
In Stuttgart - Hohenheim trifft sich diesmal die DiAG - Prominenz, um aktuelle Themen abzuarbeiten.
Höhepunkt der Veranstaltung ist dabei die Begegnung mit der Bistumsleitung. Der HH Bischof Dr.
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Gebhard Fürst wird mit seinem Generalvikar Werner Redies mit den Delegierten Gottesdienst feiern
und zum Thema „Arbeitsplatz Kirche – eine Zukunftsperspektive?“ sprechen.
Weiterhin: Die KAGO kommt. Die kirchliche Arbeitsgerichtsordnung, lange in Rom verschollen, jetzt
aufgetaucht und endlich zu neuem Leben erweckt, wird in drei Referaten auf den Prüfstand gestellt.
Professor Lüdicke, Münster beleuchtet den kirchenrechtlichen Aspekt, Willi Frank, Feiburg stellt die
Entwicklungsgeschichte des Werkes dar und Arbeitsrichter Mayerhöffer, Schwäbisch-Gmünd stellt die
Frage nach der Praxistauglichkeit des Werkes. Eine Podiumsdiskussion mit den drei Referenten rundet
die Thematik ab.
Auch Hartz IV ist in der Versammlung präsent. Die Aussicht, demnächst Tausende von neuen
Kolleginnen und Kollegen in Diensten und Einrichtungen zu bekommen, verlangt nach Handlungshilfen
für den politisch korrekten Umgang mit diesem Personenkreis. Die MAVen sollen für dieses Thema
sensibilisiert werden, über ihre Rolle und Rechte aufgeklärt werden und für die Integration dieser
Personen interessiert werden. Der MAVO - Gesetzgeber soll in einer Resolution aufgefordert werden,
die MAVen für diesen Personenkreis ausdrücklich für zuständig zu erklären. (s. auch Leitartikel: Es
hartzt.)
Daneben steht der Erfahrungsaustausch über die Sparbemühungen in den verschiedenen Diözesen im
Mittelpunkt. Was da in einzelnen Diözesen abgeht, ist zwar beispielhaft, aber beileibe nicht vorbildlich.
Hier wird nicht nur ein Defizit an Geld, sondern auch an sozialen Umgangsformen deutlich. Da werden
ganze kirchliche Berufszweige wie Gemeinde- und Pastoralreferenten mit einem Federstrich von
künftiger Berufsausübung ausgeschlossen, da wird betriebsbedingt gekündigt und das ganze Repertoire
neoliberaler Sanierungsmethoden durchgezogen – alles unter Hinweis auf die laufenden Haushalte. Von
den Vermögenshaushalten redet ja keiner. Aber auch die Erfahrungen der DiAGen mit den im
Caritasbereich abgeschlossenen Gehaltsabsenkungen aufgrund von Öffnungsklauseln stehen zur
Diskussion.
Insgesamt spiegelt die Versammlung und ihre Themen einen Querschnitt durch die derzeitige
Kirchenlandschaft wieder, gut gemeinte Reformansätze stehen gleichzeitig neben Finanz- und
Zuständigkeitschaos. Der kirchliche Gesetzgeber erweist sich als überfordert und produziert dabei
handwerklich miserabel gestaltete Gesetze. Kein Wunder, wenn persönliche (MAVO) Betroffenheit von
Leitenden sich im Gesetzestext niederschlägt und man sich z.B. vorbehält, über die Genehmigung der
Wahl von MAV - Vorsitzenden zu entscheiden. Mit dieser Kirchturmpolitik beweist man keine
politische Weitsicht, verliert aber Reputation. (s. auch neulich in Bayern).
Wbf
Wilder Osten ! Wilder Westen ?
Die Sucht von Orden, sich eine eigene MAVO al gusto zu stricken, reißt nicht ab. Der Kath.
Wohltätigkeitsanstalt zur Hl. Elisabeth Reinbek folgten inzwischen die Thuiner Schwestern nach und
erklärten einfach die vom Kardinal gerade für ungültig erklärte MAVO für das Franziskus-Krankenhaus
Berlin als weiterhin geltendes Recht. Andere Einrichtungen des Ordens in Osnabrück wenden dagegen
die neue Fassung der MAVO des Bistums Osnabrück an. Und es gibt noch einen weiteren Fall in Berlin.
Dieser betrifft nun das Marien-Krankenhaus in Berlin. Für Kenner der Berliner Szene ist hier ein
Zusammenhang durchaus erkennbar, der in der persönlichen Beziehung zwischen dem
Verwaltungsdirektor des Franziskus - KH und dem Kaufmännischen Direktor der Stiftung Maria
Immaculata liegt.
Aus der Erzdiözese Köln vernehmen wir, dass die Malteser die neue MAVO auch noch nicht
übernommen haben; sie seien offenbar noch in der Überlegungsphase.
Auch das Bistum Aachen bleibt in den Schlagzeilen. Seit 1999 gibt es bereits eine eigene MAVO an
den Schulen der Ursulinenkongregation Calvarienberg – Ahrweiler e.V., (eine MAVO very light, die
vom damaligen Bischof von Trier, Hermann Spital erlassen wurde).
Und selbst in der Erzdiözese Freiburg gibt es ein schwarzes Schaf: Das Jesuitenkolleg St. Blasien
wendet schon seit vielen Jahren mit Kenntnis der Bistumsleitung eine eigene MAVO – very light an.
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We are not amused at all, denn...
....damit dürfte das Selbstbestimmungsrecht der Kirchen langsam aber sicher auf die schiefe Bahn
geraten. Wenn die Kirche sich als unfähig erweist, ihren eigenen Bereich rechtskonform zu ordnen, wird
man ihr wohl irgendwann diese Ordnungsfunktion entziehen.
Und wann wird eigentlich die allseits geforderte Leistungslohnvergütung für die Rechtsberater/innen
dieser Einrichtungen eingeführt? Da könnten die Orden richtig sparen!! Geld, das sie demnächst
vielleicht dringend für die Unterhaltung von Betriebsräten benötigen!!
Und noch eine Meldung von der AVR – Ausstiegsfront: der DICV Fulda hat, unter Hinweis auf
die schlechte wirtschaftliche Lage einzelner Einrichtungen von sämtlichen Mitarbeiter/innen den
freiwilligen Verzicht auf die tarifliche Gehaltserhöhung von 1% (ab 11.04) erbeten. Die
Arbeitsrechtliche Kommission des Deutschen Caritasverbandes habe zwar für die ArbeitsvertragsRichtlinien Öffnungsklauseln verabschiedet, die allerdings lediglich auf Ebene der einzelnen
Einrichtungen Wirkung entfalten könnten.
Die Geschäftsleitung des Diözesan-Caritasverbandes sei daher der Auffassung, auf die Umsetzung der
Öffnungsklauseln bezüglich einzelner Einrichtungen zu verzichten und stattdessen auf einen
freiwilligen Verzicht von jedem Mitarbeiter, der bei ihm beschäftigt sei, zu bauen.
Freiwillig bedeutet dabei, die Mitarbeiter/innen müssen eine Erklärung unterschreiben, wenn sie
nicht verzichten!!
Nicht zu fassen, meint
GD
Neulich in Bayern...
Alles rieb sich verwundert die Augen. Da hatte man doch monatelang alle Bistümer kopfscheu gemacht
mit der Forderung, Diözesane Arbeitsgemeinschaften der MAVen dürften zu Vorhaben der
Arbeitsrechtlichen Kommissionen nur noch dann Stellung nehmen, wenn der jeweilige Vorsitzende der
KODA (oder AK) sie dazu ausdrücklich auffordere.
Komme keine entsprechende Aufforderung, hätten sie gefälligst den Mund zu halten und das Denken
einzustellen.
Und dann das! Im entsprechenden Text der MAVO der Erzdiözese München und Freising ließ sich der
inkriminierende Zusatz beim besten Willen nicht auffinden – er fehlte einfach. Da kaum anzunehmen
ist, dass irgend eine menschliche Person absichtlich diesen der Dienstgeberseite so wichtigen Zusatz
gestrichen haben könnte, muss man wohl oder übel an überirdische Mächte glauben. Oder es ist damit
der Beweis geführt, dass Computer zumindest in der Kirche klüger sind als Menschen.
Wir glauben allerdings fest daran, dass es sich um keine Computerpanne handelt, wie Stimmen aus dem
Münchner Ordinariat uns glauben machen möchten, sondern dass es sich um ein vorsätzliches
Eingreifen des Medienerzengels Michael handelt, der weit- und vorausschauend das Ordinariat vor
einer weiteren Blamage wie den katholischen MAVO-Muss-Vorsitzenden retten wollte.
Doch wie in München bei himmlischen Botschaften üblich, werden die entweder nicht verstanden oder
nicht transportiert. Daher hat das Münchner Ordinariat bereits angekündigt, bei nächster Gelegenheit die
angebliche Compterpanne korrigieren zu wollen.
Schade. Statt sich nach innerer Umkehr als geläutert zu bekennen und an die Spitze des Fortschritts zu
stellen, reiht man sich verstockt und ungläubig wieder in die Phalanx der ewig Gestrigen ein. Bayern
halt. Na ja, wenn's anders wär, wär's wirklich ein Wunder.
wbf
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Noch Chancen für die Kleinen?
Die Krankenhauslandschaft in Deutschland verändert ihr Gesicht. Wo früher kleinräumige Versorgung
vor Ort dominierte, beginnt das Sterben in der Fläche. Übrig bleiben große Einheiten mit mehreren
hundert Betten. Das ist Folge des politischen Willens, mindestens 30% der Krankenhausbetten
abzubauen und die Krankenhauslandschaft unter Effizienzkriterien umzugestalten, also mit einem
Minimum an Ressourcen ein Maximum an Effektivität herauszuholen. Ein Kernstück der Bemühungen:
Die Anpassung der Arbeitszeit und die unterschiedlichen Forderungen und Interessen von Trägern,
Krankenkassen, Arbeitsschutzgesetzgebung, Rechtsprechung, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Das Urteil des EuGH „Bereitschaftsdienst ist Arbeitszeit“ setzte eine Lawine von Begehrlichkeiten in
Bewegung. Manche glaubten, sie könnten jetzt für Bereitschaftsdienste volle Vergütung einfordern,
andere sahen sich berechtigt, Bereitschaftsdienste neben der Regelarbeitszeit rundweg abzulehnen.
Inzwischen klärt sich langsam die Lage. Der für Arbeitsschutz zuständige europäische Kommissar
Stavros Limas ließ durchblicken, man denke daran, zur Differenzierung eine „arbeitsfreie
Bereitschaftsdienstzeit“ einzuführen, also den Bereitschaftsdienst in eine aktive und eine inaktive
Arbeitszeit zu unterteilen. Damit fällt das Problem Bereitschaftsdienst endgültig wieder in bekannte
Muster: Bereitschaftsdienst zerfällt in Arbeits- und in arbeitsfreie Zeit. Erstere wird wie Arbeitszeit
vergütet, für letztere gibt es eine Art Entschädigung in Form einer vermutlich pauschalierten Abgeltung.
Soweit waren wir doch schon einmal.
Die BAG-MAV versucht seit geraumer Zeit, die MAVen des Krankenhausbereiches in die Diskussion
über die neuen Entwicklungen mit einzubeziehen. Sie tut das im Rahmen einer fruchtbaren Kooperation
mit dem „Katholischen Krankenhausverband Deutschlands (KKVD)“, dem Fachverband der
Katholischen Krankenhäuser im Deutschen Caritasverband. Eine erste Tagung zum Thema Arbeitszeit
im Krankenhaus befasste sich bereits im Februar 2004 vorwiegend mit den Lösungsmöglichkeiten, die
große Häuser für die Arbeitszeitprobleme entwickelt haben. So stellten z.B. das Klinikum Ingolstadt
oder der Hamburger Klinikverbund ihre Ergebnisse vor. Doch dabei wurde auch klar: diese Lösungen
nutzten die enorme Flexibilität, die aufgrund des stattlichen Personalbestandes möglich ist. Kleinere
Häuser können von solchen Möglichkeiten nur träumen und müssen versuchen, mit ihren knappsten
Ressourcen zurecht zu kommen. Zu zeigen, wie das funktionieren könnte, war Ziel der zweiten
Krankenhaustagung in Köln am 6.7.2004.
Die Reihe der Statements eröffnete Reine Maljutin mit einem kurzen Abriss des Diskussionsstandes in
der Arbeitsrechtlichen Kommission (AK) des Deutschen Caritasverbandes. Man arbeite an einer
Lösung, die den unterschiedlichsten Bedürfnissen der Dienste und Einrichtungen gerecht werden solle.
Die
Regelung
müsse
Rettungsdienste,
Altenund
Pflegeheime,
Krankenhäuser,
Behinderteneinrichtungen, Jugendhilfeeinrichtungen und weitere einbeziehen. Den speziellen
Bedürfnissen solle eine einrichtungs-, ggfs. abteilungsbezogene Dienstvereinbarung vor Ort Rechnung
tragen, die die Möglichkeiten einer „kleinen“ bzw. „großen“ Öffnungsklausel nutzen können.
Martin Leo, Oberarzt in Köln – Hohenlind, setzte fort mit einem Appell an die Mitarbeiter, die noch
schlummernden Ressourcen zeitlicher wie materieller Art in ihren jeweiligen Tätigkeitsbereichen zu
entdecken und in die Arbeitszeitdiskussion mit einzubringen. Das habe natürlich nur Sinn, wenn die
Mitarbeiterseite dafür nicht „bestraft“ werde, indem ihr dann etwas „weggenommen“ werde. Daher sein
Appell an die Dienstgeberseite, die Mitarbeiterseite bei der Lösung der Arbeitszeitprobleme nicht als
Gegner, sondern als Verbündete anzunehmen. Seine Lösungsvorstellungen gehen in die Richtung, zur
Vermeidung von Drei-Schicht-Modellen organisatorisch möglichst viele Tätigkeiten in die betriebliche
Kernzeit zu verlagern, um für möglichst viele Kolleginnen und Kollegen sozial akzeptable Arbeitszeiten
zu erreichen. Restzeiten könnten dann durch Bereitschaftsdienste oder Rufbereitschaften abgedeckt
werden. Seine Besorgnis: Bei weiter unattraktiv werdenden Arbeitsbedingungen würden die meisten
guten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen die Krankenhäuser verlassen, das Mittelmaß bleibe zurück – und
mit dieser Art Personalpolitik sei die Zukunft der Krankenhäuser nicht zu meistern.
Bruno Vering von der Unternehmensberatung BPG stellte dar, welche unterschiedlichen Parameter bei
einer seriösen Arbeitszeitdiskussion zu erfassen und auszuwerten seien. Er stelle immer wieder fest,
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dass den Einrichtungen der Überblick fehle, wer zu welcher Zeit an welchem Arbeitsplatz sei.
Hauptaufgabe sei festzustellen, wann welche Arbeiten anfallen und wie viel Personal dafür vorzuhalten
sei. Erst auf den Basis einer soliden Bedarfsanalyse könne dann über eine dazu passende neue
Arbeitszeitverteilung nachgedacht werden. Wichtig vor allem: Die MAV muss von Anfang an und mit
ins Boot! Nur dann hätten Änderungen die Chance auf Akzeptanz.
Den Abschluss des kompakten Intensivseminars am Vormittags bildete das Referat von Rechtsanwalt
Franz-Michael Petry von der Ecclesia Versicherungsgesellschaft über die Haftungsrisiken, denen sich
ein Träger aussetze, wenn er es vor lauter Sparen am fachärztlich gebotenen Behandlungsstandard
mangeln lasse. Am Beispiel der Geburtshilfe stellte er dar, wie die Rechtsprechung auf
Organisationsverschulden reagiert habe. Werde nicht sorgfältigst darauf geachtet, in möglichst knapper
Zeit fachärztlichem Standard entsprechendes Eingreifen zu gewährleisten, steige das Haftungsrisiko
unverhältnismäßig an. Folge seien entweder enorme Prämiensteigerungen für die
Haftpflichtversicherung des Krankenhausträgers, im schlimmsten Fall finde er keinen Versicherer mehr
und könne seinen Betrieb folglich nur noch schließen. Sein Fazit: Jede Lösung müsse auch darauf hin
abgeklopft werden, ob sie auch haftungsrechtlich haltbar sei.
Damit war das Mittagessen im für seine tadellose Koch- und Service-Qualität berühmten Maternushaus
verdient. Der Nachmittag brachte Gelegenheit, sich mit den Referenten in Diskussionen auseinander zu
setzen. Etliche nutzten die Chance, den acht anwesenden Vertreter und Vertreterinnen der AK der
Caritas ihre Wünsche und Vorstellungen mit auf den Weg zu geben.
Den Abschluss bildete Peter Bantle von der DiAG B Stuttgart, der das von DiAG und DiCV zusammen
mit der Firma ASD entwickelte EDV-gestützte Dienstplanprogramm „Cari-Plan“ vorstellte. Eine damit
verbundene Dienstvereinbarung schaffe genügend Flexibilität für die Einrichtungen, belohne die
Mitarbeiter für ihre Flexibilität und schaffe ärgerliche Streitpunkte wie z.B. angeordnete Minusstunden
aus der Welt. Ein erfolgversprechender Ansatz.
Fazit der Veranstalter: Eine dichte Tagung, die Perspektiven eröffnete und Lust auf Veränderung
weckte.
Wbf
Das Krankenhaus – in Zukunft ohne Personal?...
..... war das Thema einer Podiumsdiskussion bei der Krankenhaustagung Anfang Oktober in Berlin.
Zum Jahresthema des Deutschen Caritasverbandes (DCV) „Soziale Berufe – wir sehen uns“ wollte auch
die BAG – MAV beitragen und organisierte in enger Kooperation mit der Hauptvertretung des DCV
Berlin ein Gespräch von Beteiligten an der Thematik. Frau Dr. Margit Spielmann MdB SPD betrachtete
die Frage aus der Sicht der Lenkungsaufgabe der Regierungspolitik, während Dr. Arne Manzeschke,
Theologe und Gesundheitsökonom, vom sozialethischen und gesellschaftspolitischen Ansatz her
argumentierte. Als Dienstgebervertreter vertrat Herr Reinhard Nieper nicht nur die Interessen des
Katholischen Krankenhausverbandes (KKVD), Dr. Andreas Borkamp, Oberarzt und frischgebackener
DiAG –Vorsitzender des Erzbistums Hamburg schilderte, wie es im richtigen Leben am Arbeitsplatz
Krankenhaus zugeht. Gekonnt verknüpfte dabei die Moderatorin Frau Dr. Jeanne Nicklas – Faust von
der Ärztekammer Berlin die verschiedenen Ansätze und band sie an die Ausgangsfrage. Wie meist bei
solchen Podiumsgesprächen konnten keine konkreten Ergebnisse erzielt werden; dem Ziel der
Veranstalter, die Bandbreite verschiedener Diskussionsansätze zu diesem Thema im hochkomplexen
Gebilde Gesundheitswesen quasi als Blick über den eigenen Tellerrand hinaus darzustellen, entsprachen
die Diskutanten in ihrer fast 2-stündigen spannenden und engagierten Diskussion jedoch in vollem
Maße.
GD
Herausgegeben vom Vorstand der BAG-MAV, Postfach 25, 77949 Ettenheim, Tel 07822/4762 , Fax 07822/896195 ,
Wolfgang Becker-Freyseng, Caritasverband München-Freising , Hirtenstr. 4 , 80335 München , Postfach 201143 ,
80011 München , Tel 089/55169-405
Fax 089/55169-402
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