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Kein Jahr ist wie das andere Der Ökosortenversuch zu Kartoffeln

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Kein Jahr ist wie das andere
Ergebnisse des Sortenversuchs Ökokartoffeln in RLP 2012 von Christine Zillger
Kompetenzzentrum Ökologischer Landbau (KÖL) RLP
Der Ökosortenversuch zu Kartoffeln fand in bewährter Weise auf einer Fläche des
Biolandbetriebs Blaul in Kleinniedesheim bei Worms statt. Dieser Standort ist von Boden
her besonders gut, daher sind die Ergebnisse nicht als typisch für einen durchschnittlichen
Ökobetrieb in Rheinland-Pfalz zu bewerten. Typisch für Ökobetriebe ist allerdings leider
das diesjährige sehr niedrige Ertragsniveau, bedingt durch eine frühe und intensive
Krautfäule-Infektion. Erfreulicherweise konnte eine als relativ krautfäuleresistent
eingeordnete Sorte dieses Potential bestätigen, bei einer weiteren wurde das in diesem
Extremjahr entdeckt.
Die 12 zu prüfenden Sorten (siehe Tab. 1) wurden in vierfacher Wiederholung in
Kleinparzellen (1,50 x 10 m) angepflanzt. Das Sortenspektrum umfasste mehlige und
festkochende Sorten sowie eine vorwiegend festkochende Sorte aus den sehr frühen bis
mittelfrühen Reifegruppen. Alle Sorten wurden im Frühjahr in weißen Kunststoffkisten
vorgekeimt. Um das Risiko des Krautfäulebefalles weiter zu reduzieren, wurde bei der
Sortenwahl, neben der Sortenanfälligkeit, der Schwerpunkt auf früh abreifende Sorten
gelegt. Diese vorbeugenden Maßnahmen waren in 2012 bei den meisten Sorten nicht
ausreichend.
Drei neue Sorten wurden erstmalig angebaut: Belmonda (Zulassung 2010), Amanda
(Zulassung 2006) und außer Konkurrenz die blaue Anneliese, eine Eigenzüchtung von
Karsten Ellenberg. Sie war Ersatz für die ursprünglich vorgesehene mehlig kochende
Sorte Margit (2006), die nicht geliefert worden war. Mittlerweile steht fest, dass SaKa
Pflanzenzucht diese wohlschmeckende Sorte wegen pflanzenbaulicher Mängel nicht mehr
weiterführt.
Das Kartoffeljahr 2012
Das Jahr 2012 zeigte eine ausgeglichenere Niederschlagsverteilung als die Vorjahre.
Dennoch war das Ergebnis dieser Witterung für den Kartoffelanbau im negativen Sinne
erinnerungsträchtig. Der März brachte schon viele warme Tage mit noch kalten Nächten,
doch der Sortenversuch konnte wie geplant ausgepflanzt werden. Der April war etwas
feuchter und kälter als die Vorjahre, entsprechend verzögerte sich der Aufgang. Die kühle
Witterung zog sich bis in den Mai hinein, und kulminierte mit den Eisheiligen, die in
mindestens zwei Nächten Bodenfrost brachten. Die Frostschutzberegnung legte erste
Keime für die Krautfäuleepidemie, die bedingt durch häufige Regentage bereits Anfang
Juni ausbrach. Wer nicht rechtzeitig mit den zugelassenen Pflanzenschutzmitteln auf
Kupferbasis vorgebeugt hatte, musste den raschen Zusammenbruch des Krautes und
empfindliche Ertragseinbußen hinnehmen.
Ernteergebnisse
Geerntet wurde am 2. August, mehr als 2 Wochen früher als die Jahre zuvor. Der Bestand
war komplett abgestorben. Mit einem Durchschnittsertrag von 311,4 dt der beiden
Verrechnungssorten Ditta und Allians war es die schlechteste Kartoffelernte seit Beginn
der Sortenversuche im Jahr 2008 und lag nur bei 75% des Durchschnittsertrages dieser
beiden Sorten über 5 Jahre. Der Gesamtdurchschnitt des Versuches lag bei 195 dt/ha.
Das Ergebnis wäre noch weit schlechter ausgefallen, hätten nicht die Sorten Biogold und
überraschenderweise Allians gute Erträge von über 400 dt/ha erbracht. Sie waren erst
spät von der Krautfäule befallen worden. Rein optisch konnte man bereits an der
Knollengröße auf dem Roderband erkennen, welche Sorten von der Krautfäule früh
befallen waren, denn diese hatten sehr kleine Knollen (s. Tab. 3). Daher ist der
Marktertrag dieser Sorten noch mal deutlich nach unten korrigiert, denn bis zu einem
Drittel der Knollen waren kleiner als 35 mm Durchmesser und mussten aussortiert werden.
Ebenfalls spät von der Krautfäule befallen war die außer Konkurrenz ausgepflanzte Sorte
Blaue Anneliese. Dies schlug sich leider nicht im Ertrag nieder. Sie bildete zusammen mit
der Sorte Sissi das Schlusslicht.
Stärkegehalte und Nitratgehalte
Die Stärkegehalte liegen bei den durch Krautfäule beeinträchtigten Sorten durchgehend
niedriger als im Vorjahr, das auch schon niedrige Werte gezeigt hatte. Eine Ausnahme
bildet die Sorte der Sorte Anuschka. Biogold konnte eine der Einstufung als mehlige Sorte
entsprechenden Stärkegehalt von 15,7 % vorweisen, auch Allians hatte mit 13,7% einen
deutlich höheren Stärkegehalt als im Vorjahr. Diese sortentypischen Stärkegehalte wirkten
sich anscheinend positiv auf den Geschmack aus, denn Anuschka, Allians und Biogold
bildeten in dieser Reihenfolge die Spitzengruppe beim Testessen.
Die Nitratwerte bewegten sich im unauffälligen Bereich, trotz des frühen
Wachstumsstopps. Überraschend, dass die Blaue Anneliese den Grenzwert von 250 ppm
der Diätverordnung knapp überschritt, möglicherweise eine Folge des sehr niedrigen
Ertrages.
Als Fazit kann den Öko-Landwirten die Sorte Allians empfohlen werden, die im 5-jährigen
Mittel immer deutlich über 100% des Durchschnittertrages erzielte und insbesondere in
diesem aus Pflanzenschutzgesichtspunkten besonders schwierigen Jahr ebenfalls einen
sehr guten Ertrag bei guten Geschmackswerten erbracht hat.
Wer Kunden hat, die auch eher mehlige Kartoffeln schätzen, kann aus Gründen des
vorbeugenden Pflanzenschutzes die Sorte Biogold probieren. Bei ihr ist darauf zu achten,
dass sie einen niedrigen Knollenansatz hat, zu Übergrößen neigt (so auch im Jahr 2012)
und daher unbedingt vorgekeimt werden sollte. Sofern sie im Jugendstadium nicht durch
Trockenheit beeinträchtigt wird und sie ihr Wachstumspotential ausschöpfen kann, ist sie
auch sehr schmackhaft.
In Bezug auf gute Geschmackseigenschaften sind auch die zweijährig geprüften Sorten
Anuschka und Venezia im Auge zu behalten. Sie waren in jeweils einem Jahr ihrer
Prüfung Spitzenreiter, liegen ertraglich aber unter dem Durchschnitt.
Die Kraut- und Knollenfäule wird auch weiterhin die Ökolandwirtschaft in Atem halten.
Nach diesem extremen Jahr werden viele ihre Überzeugung, keine der noch bis Anfang
2016 zugelassenen Kupferpräparate anzuwenden, revidieren. Mit dem Prognosemodell
Ökosimphyt steht inzwischen ein sinnvolles Werkzeug zur Verfügung, den epidemischen
Druck mit den eigenen Beobachtungen abzugleichen und rechtzeitig Maßnahmen zu
ergreifen. Das KÖL RLP plant hierzu eine Fortbildung zur kommenden Pflanzsaison. Es
bleibt zu hoffen, dass den verschiedenen Projekten auf EU- und Bundesebene zur
Entwicklung alternativer Pflanzenschutzmittel sowie der Resistenzzüchtung gegen
Phytophthora infestans bei Kartoffeln bald Erfolg beschieden sein wird.
Tabelle 1: Sortenliste
BSA-Nr.
Sorte
Prüfjahre
Kochtyp
Reifezeit
Züchter/Vertreter
1
K 3627
Anuschka
2
A-B
2
Europlant
2
K 3837
Biogold
2
B-C
2
von Rijn KWS
3
K 3533
Mirage
2
A-B
3
Solana
4
K 3749
Venezia
2
A-B
3
Europlant
5
K 3642
Sissi
3
A-B
3
Bavaria Saat
6
K 3450
Finessa
2
A-B
5
Solana
7
K 3566
Allians
VRS
A-B
4
Europlant
8
K 2821
Ditta
VRS
A-B
5
Europlant
9
K 3869
Fidelia
2
A-B
3
Norika
10
K 3576
Amanda
1
B-C
5
Solana
11
K 3782
Belmonda
1
B
5
Solana
Blaue Anneliese
1
B-A
5
Ellenberg, Barum
12
Tabelle 2: Standort- u. Anbaudaten
Versuchsort
Kreis
Höhenlage über NN
Mittlere Jahrestemperatur *
Jahresniederschlag *
Bodenart
Ackerzahl
Bodenuntersuchung
N-min kg/ha 0-60 cm
pH-Wert
P2O5 mg/100 g Boden
K2O mg/100 g Boden
Mg mg/100 g Boden
Kleinniedesheim
Rheinpfalz
105 m
10,8°C
612,1 mm
sL
60/65
Vorfrucht
Pflanzung
Reihenabstand
Bioilsa kg N/ha
Beregnung
Ernte
*6jähriges Mittel (2005-2010)
div. Gemüse
27.03.2012
0,75
60
3x
02.08.2012
77
7,7
22
15
9
Tabelle 3: Ertragsergebnisse
Nr.
Sorte
1 Anuschka
2 Biogold
3 Mirage
4 Venezia
5 Sissi
6 Finessa*
7 Allians (VRS)
8 Ditta (VRS)
9 Fidelia
10 Amanda
11 Belmonda
12 Blaue Anneliese
Mittel (VRS)
GD 5%
Versuchsdurchschnitt
Koch- Knollen- Knollen- Nitrat Stärke
typ
ertrag
ertrag Knolle
A-B
B-C
A-B
A-B
A-B
A-B
A-B
A-B
A-B
B-C
B
B
dt/ha
163
438
144
145
79
172
421
202
133
145
192
113
311
35
196
rel. %
52
141
46
47
25
55
135
65
43
47
61
36
100
11
ppm
87
90
70
155
104
107
61
153
77
120
116
264
%
12,4
15,7
11,4
11,0
9,8
11,7
13,7
11,5
9,6
12,7
12,2
13,7
<35
mm
>65mm
%
12
1
22
14
11
4
0
3
3
33
8
24
%
0
10
0
0
0
0
5
0
0
0
0
0
117
12,1
11
1
* Sortierung lange Sorten 30-60 mm
Tabelle 4: Ergebnis Knollenbonitur
Nr.
Sorte
Schorf Zwie- Grüne Wachstumswuchs Knollen
risse
%
0
0
%
1
11
%
0
1
RhizocRhizoctonia
tonia
Deformatio. Sklerotien
%
%
1
3
2
7
1
2
Anuschka
Biogold
%
2
1
3
4
5
6
7
Mirage
Venezia
Sissi
Finessa
Allians (VRS)
11
0
0
9
0
0
0
0
0
11
1
1
3
0
4
0
0
1
11
0
0
0
1
2
2
8
0
22
10
16
8
Ditta (VRS)
1
1
0
0
2
30
9
10
11
Fidelia
Amanda
Belmonda
0
1
1
1
0
0
1
0
4
0
0
2
2
4
2
2
3
1
12
Blaue Anneliese
0
0
0
1
0
4
2
1
2
1
2
9
Mittel (B)
GD 5%
Versuchsdurchschnitt
Tabelle 5: Ergebnisse Testessen 2012 und Mittelwert über 5 Jahre (Noten 1 sehr gut - 9 sehr
schlecht)
Sorte
KochNote
Note
Note
Note
Note
MW
typ
2008
2009
2010
2011
2012
fk
--4,8
2
Sissi
8,1
5,0
mk
---2
Margit
-2,0
fk
---2,6
Venezia
5,1
3,9
fk
---2,6
Mirage
5,2
3,9
fk
-4,8
4,3
2,6
Agila
-3,9
mk
-4,6
4,4
3
Melody
-4,0
fk
2,9
2,8
2,9
3,4
Allians
3,1
3,0
fk
---3,4
Finessa
4,7
4,1
fk
5,4
5
4,4
3,8
Ditta
5,4
4,8
mk/vfk
---4
Biogold
3,2
3,6
fk
---4,4
Fidelia
5,9
5,2
---4,6
Anuschka fk
3
3,8
mk/vfk
Amanda
5,1
5,1
Belmonda mk/vfk
4,4
4,4
Ertrag relativ 2011
Marktware relativ
Nitratgehalt ppm
160,0
300
140,0
250
120,0
%
80,0
150
60,0
100
40,0
50
20,0
Bi
og
ol
d
Al
lia
ns
(V
RS
)
a(
VR
S)
Di
tt
on
da
Be
lm
Fi
ne
ss
a
An
us
ch
ka
ia
an
da
Am
Ve
ne
z
M
ir a
ge
An
ne
lie
se
Bl
au
e
Fi
de
lia
0
Si
ss
i
0,0
Abb.1: Knollenertrag, Marktware (incl. Übergrößen) und Nitratgehalte des Sortenversuchs
Ökokartoffeln RLP 2012
ppm
200
100,0
Ns 2010
Ns 2011
Ns 2012
Temp.2010
Temp.2011
Temp.2012
140
25,0
120
20,0
100
15,0
°C
mm
80
60
10,0
40
5,0
20
0
0,0
Mrz
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Abb. 2: Vergleich der Temperaturen und Niederschläge 2010 bis 2012 in der Vegetationszeit der
Kartoffeln
Quelle: Agrarmeteorologie RLP
Ertrag relativ 2011
Ertrag relativ 2012
160
140
120
%
100
80
60
40
20
Al
lia
ns
(V
RS
)
Fi
de
lia
Fi
ne
ss
a
ia
Ve
ne
z
a(
VR
S)
Di
tt
Si
ss
i
An
us
ch
ka
M
ir a
ge
Bi
og
ol
d
0
Abb. 3: Vergleich der Relativerträge der Knollen der vergleichbaren Sorten 2011 und 2012
SORTENEIGENSCHAFTEN KARTOFFELN
(nach Beschreibende Sortenliste" des BSA, 2010 und Züchterangaben)
Eigenschaften
Qualität:
Resistenz:
Anfälligkeit gegen:
Neigung zu:
Knollen-
Fleisch- Mängel Krebs Nema Virus Kraut Schorf Eisen Zwie
BeKeim- zahl
farbe
Form
toden Y * fäule
fleck- wuchs schä freudig
digung
igkeit
keit
Sorte:
Allians**
tiefgelb
o.A.
-
Amanda
hellgelb
4
1,6
Anuschka**
gelb
o.A.
-
Belmonda
gelb
3
1
Biogold**
hellgelb
o.A.
1
Ditta
gelb
3
1
Fidelia**
gelb
o.A.
1
Finessa**
gelb
o.A.
1
Mirage
gelb
3
-
Sissi
tiefgelb
4
1
Venezia
tiefgelb
3
-
Blaue
Anneliese
lila
Ro
1,4
Ro
1,4
Pa
2,3
Ro
1,4
Ro
1,4
Ro
1,4
Ro
1,4
Ro
1,4
Ro
1,4
Ro
1,4
Ro 15
Ro
1,4
form
o.A.
o.A.
6
4
5***
3
2
mittel lgoval
8
5
4
4
3
-
4
hoch
oval
o.A.
o.A.
4
5
o.A.
3
3
mittel
oval
8
4
4
3
3
4
2
2
4
5
o.A.
3
3
3
miroval
ho
mittel oval
4
5
4
4
4
3
3
mittel lgoval
2
4
3
3
o.A.
2
3
3
4
3
3
o.A.
3
3
2
5
6
4
3
3
4
2
4
3
3
3
5
4
1
5
5
3
3
4
3
miho
miho
miho
miho
hoch
Keine Angaben
lgoval
lgoval
lgoval
lgoval
oval
oval
* Einstufung bezieht sich auf Y-Virus am Laub. Sie ist nicht identisch mit der Ausprägung von Nekrosen auf
der Knolle ( YNTN Virus);
** Züchterangaben;
*° mi-ho = mittel bis hoch; ho sho = hoch bis sehr hoch
Die Boniturnoten 1 - 9 gelten für "Mängel in der Formschönheit", "Anfälligkeit für Krankheiten" und "Neigung
zu". 9: sehr starke Ausprägung des Merkmals, 5: mittlere Ausprägung, 1: sehr geringe Ausprägung.
o.A. = ohne Angaben.
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