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Ackerfuchsschwanz – Machen wir weiter wie bisher?

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Pflanze
■ BAUERNBLATT l 13. September 2014
Zweijährige Versuchsergebnisse: Spät säen zahlt sich aus
Ackerfuchsschwanz – Machen wir weiter wie bisher?
Die Meinung, den Winterweizen
möglichst Anfang bis Mitte September in die Erde zu bringen, hält
sich nach wie vor hartnäckig in der
Praxis. Als Argumentation dienen
Mehrerträge, die in einzelnen Jahren mal deutlicher sind, im Schnitt
der Jahre aber an Deutlichkeit verlieren, und Wetterrisiken, die zugegebenermaßen entscheidend
sein können, wie das Beispiel im
Jahr 2012 an der Westküste gezeigt
hat. Aber können Frühsaaten auf
Ackerfuchsschwanzflächen nach
wie vor so sorglos durchgeführt
werden? Nunmehr zweijährige
Versuchsergebnisse liefern die
Antwort und zeigen, welchen Einfluss Saattermin und Sorte haben.
Der Versuch der Landwirtschaftskammer startete mit der Aussaat
2012 nach Vorfrucht Winterraps.
Abbildung 1: Überblick über die Versuchsfläche
1. Saatzeit - 1. Oktober 2013
320 K./m2 (,Inspiration‘ 300 K./m2)
2. Saatzeit - 24. Oktober 2013
420 K./m2 (,Inspiration‘ 380 K./m2)
Foto: Landschreiber
Hierfür wurden in einer randomisierten Blockanlage mit vierfacher Wiederholung zu zwei Saatterminen
fünf Sorten (,Farandole‘, ,Julius‘, ,Inspiration‘, ,Tobak‘ und ,Orcas‘) ausgebracht und mit Herbiziden behandelt. Der eine Block wurde zum ersten Saattermin am 20. September
2012 mit 250 K./m2 und der andere
Block zum zweiten Saattermin am
12. Oktober 2012 mit 320 K./m2 gedrillt. Die gewählten Saattermine ergaben sich aufgrund der schwierigen
Witterungsbedingungen zwangsweise und sind somit weder klassische
Früh- noch Spätsaattermine. Die Sortenauswahl orientierte sich am aktuellen Angebot und berücksichtigte
dabei Punkte wie Frohwüchsigkeit,
Bestockungsverhalten und Abdeckung durch breite Blätter. Dies wurde mehr oder weniger von den Sorten ,Farandole‘, ,Julius‘ und ,Orcas‘
33
Pflanze
BAUERNBLATT l 13. September 2014 ■
den Beständen. So profitierte besonders die zweite Saatzeit von der milden Winterwitterung. Der Weizen
befand sich Ende November erst in
ES 11 bis 12, die erste Saatzeit war
zu diesem Zeitpunkt zum Teil schon
bestockt (ES 15 bis 21). In den Varianten Bodenherbizid der zweiten
Saatzeit wurden teilweise Aufhellungen und Pflanzenverluste bonitiert. Besonders die Sorten ,Julius‘
und ,Orcas‘ reagierten mit diesen
Symptomen. Aufgrund des milden
Winters wuchsen sich die Pflanzen
zurecht und starteten mit ausreichend Blattmasse ins Frühjahr.
Die Düngung und der Pflanzenschutz wurden betriebsüblich durch
den Landwirt durchgeführt. Bei der
Düngung wurde nicht noch extra
Überblick über die Fläche der zweiten Saatzeit am 12. Juni 2014.
erwartet. Die Sorte ,Inspiration‘ wurde geprüft, da sie aufgrund ihrer guten Bestockung oft als „Ackerfuchsschwanzsorte“ gewählt wird. Als
vermeintlicher Gegenspieler wurde
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Fotos: Manja Landschreiber
gen in die Auswertung ein: Kontrolle, Bodenherbizid, Kontrolle + Atlantis WG und Bodenherbizid + Atlantis
WG.
Nach einer Herbstbonitur folgten
im Frühsommer die Feststellung des
Ackerfuchsschwanzbesatzes durch
Zählung der Ähren und, um die Bestockungsleistung der Sorten auch in
Abhängigkeit vom Einsatz des Atlantis festzustellen, eine Zählung der
Weizenähren. Der Versuch wurde mit
dem Parzellenmähdrescher gedroschen und statistisch ausgewertet. Im
Folgenden wird besonders auf das
letzte Versuchsjahr eingegangen. Die
Ergebnisse 2012/13 können im Bau-
ernblatt 2013, Ausgabe 34, Seite 32
bis 40 nachgelesen werden.
Ergebnisse aus
zwei Versuchsjahren
Die zwei zurückliegenden Versuchsjahre hätten unterschiedlicher
kaum sein können. 2012/13 war geprägt durch einen langen Winter mit
Frost und langen Schneeperioden,
daran anschließend ein später Vegetationsstart Anfang April. Im Gegensatz dazu präsentierte sich der Winter 2013/14 von seiner milden Seite. Ackerfuchsschwanzdruck kann aufDie Vegetation startete einen Mo- grund der hohen Samenproduktion
nat früher. Dies zeigte sich auch in schnell zunehmen.
Abbildung 2: 2013/14 – Vergleich der Saatzeiten – Sorte ,Tobak’
AFU-Ähren/m2
1.200
800
WW-Ähren/m2
1.100
700
1.000
600
900
800
500
700
600
400
500
300
400
300
200
200
100
100
0
1. Saat - Kontrolle
Bo.-Herbizid
Bo.-Herbizid+Atlantis WG
2. Saat-Kontrolle
Bo.-Herbizid
Bo.-Herbizid+Atlantis WG
0
Tobak: WW-Ähren/m2
als offener, nicht so bestockungsfreudiger Typ die Sorte ,Tobak‘ gewählt. Für das Versuchsjahr 2013/14
wurde die Fläche gepflügt und der
Versuch erneut auf derselben Fläche
angelegt. Der angestrebte Aussaattermin Mitte/Ende September konnte aufgrund der Niederschläge nicht
realisiert werden, sodass die erste
Saatzeit am 1. Oktober mit 320 K./m
2
gedrillt wurde. Zum zweiten Saattermin (24. Oktober 13) wurde aufgelaufener Ackerfuchsschwanz mit
Glyphosat gespritzt, die Fläche flach
gekreiselt und dann mit 420 K./m2
gedrillt. Die Sorten wurden in zwei
langen Streifen randomisiert gedrillt. Der eine Streifen blieb als unbehandelte Kontrolle, der zweite
Streifen wurde mit Bodenherbiziden
behandelt. Im Frühjahr wurden die
Parzellen geteilt und der jeweils hintere Teil mit 0,5 kg/ha Atlantis WG +
30 l AHL gespritzt. So flossen pro Sorte und Saattermin vier Behandlun-
AFU-Ähren/m2
34
Pflanze
■ BAUERNBLATT l 13. September 2014
Erste Saatzeit Sorte ,Tobak‘, Kontrolle Erste Saatzeit Sorte ,Tobak‘, Boden- Zweite Saatzeit Sorte ,Tobak‘, Konam 2. Juni 2014.
herbizid (2. Juni 2014).
trolle am 2. Juni 2014.
Zweite Saatzeit Sorte ,Tobak‘, Bodenherbizid (2. Juni 2014).
Saattermin (2012 bis 2014) dargestellt. Die Skala wurde in den einzelnen Jahren bewusst gleich gehalten, um die Werte besser miteinander vergleichen zu können. Bei allen fünf Sorten ist eine sehr deutliche Reduzierung des Ackerfuchsschwanzbesatzes zum zweiten
Saattermin über alle Varianten fest-
zustellen. Im Versuchsjahr 2013/14
lagen alle unbehandelten Kontrollen des zweiten Saattermins im
Ackerfuchsschwanzbesatz
unter
der Bodenherbizidvariante der ersten Saatzeit. In der ersten Saatzeit
wies die Sorte ,Tobak‘ in der unbehandelten Kontrolle den stärksten
Ackerfuchsschwanzbesatz auf. In
zwischen erster und zweiter Saatzeit
unterschieden. Die Maßnahme wurde einheitlich mit Alzondünger
durchgeführt. Die Unkräuter wie
zum Beispiel Stiefmütterchen wurden im Frühjahr nachbehandelt, und
die Fungizidmaßnahmen wurden intensiv geführt, um keine Sorte zu bevorzugen oder zu benachteiligen.
Spät säen
lohnt sich
In den Abbildungen auf der folgenden Seite ist ein Auszug der Daten der einzelnen Sorten dargestellt. Aus Platzgründen wurde nur
,Tobak‘ abgedruckt und ein Vergleich der Sorten zum jeweiligen
35
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BAUERNBLATT l 13. September 2014 ■
AFU-Ähren/m2
WW-Ähren/m2
1.200
1.100
800
1.100
500
700
400
600
500
300
400
200
300
200
0
500
700
400
600
500
300
400
200
200
100
100
0
der zweiten Saatzeit hatten die Sorten ,Inspiration‘ und ,Orcas‘ den geringsten Besatz.
Der immer wieder heraufbeschworene Ertragseinbruch für die
zweite Saatzeit blieb auch dieses
Jahr glücklicherweise aus. Die Ernte
600
800
300
100
100
700
900
AFU-Ähren/m2
800
800
1.000
1. Saatzeit: WW-Ähren/m2
600
900
AFU-Ähren/m2
WW-Ähren/m2
1.200
700
1.000
AFU-Ähren/m2
Abbildung 4: 2013/14 – Vergleich der Sorten – 2. Saatzeit
0
0
aller Versuchsparzellen erfolgte am
8. August 2014. Aufgrund des starken
Ackerfuchsschwanzbesatzes
liegt der Grenzdifferenzwert (GDWert) in der ersten Saatzeit deutlich
höher als bei anderen Versuchen.
Das ist aber bei so einem Besatz nor-
2. Saatzeit: WW-Ähren/m2
Abbildung 3: 2013/14 – Vergleich der Sorten – 1. Saatzeit
mal, zumal man nicht nur eine Kon- schwächeren Ackerfuchsschwanztrollvariante hatte, sondern mehre- besatzes einen guten GD-Wert auf.
re „schlechte“ Parzellen. Es zeigte
Manja Landschreiber
sich sehr gut, dass AckerfuchsLandwirtschaftskammer
schwanz Ertrag kostet, schlimmsTel.: 04 51-31 70 20-25
tenfalls bis zu 45 dt/ha. Die zweite
mlandschreiber@lksh.de
Saatzeit wies aufgrund des deutlich
Fazit und Empfehlungen
Ertrag dt/ha
bc
140
bc
120
60
40
c
200
Ertrag rel.
c
bc
c
c
bc
ab
100
80
bc
a
180
160
140
a
a
a
a
120
100
80
60
40
20
20
0
0
spuren und die Aufstockung der
Drillkapazität Optionen, sodass
auch späte Saattermine bei schwierigen Witterungsbedingungen zu
realisieren sind. Und zu guter Letzt
gehört natürlich neben einem starken Nervenkostüm auch eine Portion Glück dazu. Von vornherein zu
sagen, es geht alles nicht, ist sicher
der falsche Weg; es sollte wenigstens versucht werden. Wenn es zu
spät ist, soll keiner sagen, das hätte
er nicht gewusst.
Dank geht an alle Versuchsbeteiligten, insbesondere an den Betrieb in
Klein Schenkenberg, der es der Landwirtschaftskammer ermöglicht hat,
diese Versuchsideen umzusetzen.
Abbildung 6: 2013/14 – Vergleich der Erträge – 2. Saatzeit
160
Ertrag dt/ha
140
120
100
ab
bcd
ab
bcd
cde de
cde
ab
bcd
140
Ertrag rel.
e
e
cde
cde
cde
bc
120
100
80
80
60
40
60
40
20
20
0
0
Ertrag rel. (GD 5% 6,96 dt/ha; 7,15 rel.)
160
Ertrag rel. (GD 5% 15,39 dt/ha; 23,74 rel.)
Abbildung 5: 2013/14 – Vergleich der Erträge – 1. Saatzeit
duziert werden konnte. Besonders
im zweiten Jahr waren weniger Ähren pro Quadratmeter in der unbehandelten Kontrolle in der zweiten
Saatzeit als in der Bodenherbizidvariante der ersten Saatzeit. Auch der
Einsatz von Atlantis nach dem Bodenherbizid hätte sich damit in der
zweiten Saatzeit erübrigt. Damit
wird Druck von den Herbiziden genommen. Diese Erkenntnisse sollten
eigentlich nachdenklich stimmen.
Sicherlich ist dies nicht jedes Jahr
problemlos umzusetzen. Doch sollte
die Witterung einen Strich durch die
Rechnung machen, müssen auch
Sommerungen in Betracht gezogen
werden. Allerdings sind feste Fahr-
2. Saatzeit: Ertrag dt/ha
und bei zu hohem Samenvorrat im
Boden die schmerzliche Erkenntnis,
ein paar Jahre auf den Winterweizenanbau verzichten zu müssen.
Damit dies nicht die generelle Zukunft wird, muss jetzt gegengesteuert werden. Denn glücklicherweise
gibt es sie noch, die Flächen, wo
„das Kind noch vor dem Brunnen
sitzt“. Hier muss zwingend ein anderer Ansatz gewählt werden: Eine
Option ist der späte Saattermin. Auf
Ackerfuchsschwanzflächen haben
Frühsaaten definitiv nichts zu suchen. Die zweijährigen Versuche haben sehr deutlich gezeigt, wie stark
der
Ackerfuchsschwanzbesatz
durch spätere Saattermine hier re-
Problemflächen mit Ackerfuchsschwanz, wo auch Atlantis WG Wirkungslücken zeigt, nehmen verstärkt zu. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, da die rosarote Brille abgenommen werden muss und sich
Industrie, Handel und Beratung eingestehen müssen, dass das Ackerfuchsschwanzproblem allein mit
Herbiziden nicht mehr zu lösen ist.
Erst dann wird auch die Praxis bereit
sein zu folgen.
Auf Flächen, wo „das Kind schon in
den Brunnen gefallen ist“, bringen
auch Spritzempfehlungen diverser
Wunderheiler keine nachhaltige Lösung. Hier hilft nur noch die Rückbesinnung auf den reinen Ackerbau
1. Saatzeit: Ertrag dt/ha
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