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Ernährungskommunikation, die greift – aber wie? - Verband der

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1/06
März 2006
15. Jahrgang
ISSN 1029-9823
zeitschrift des verbandes der
ernährungswissenschafter österreichs
Ernährungskommunikation, die greift – aber wie?
„Information is only useful, when it can be unterstood“ (Muriel Weper)
Mag. Irene Schiefermaier
Am 27. Jänner 2006 fand in Wien die VEÖ-success-MultiplikatorInnenveranstaltung mit dem Thema „Ernährungskommunikation, die greift – aber wie?“ statt. Über 100 Interessierte fanden sich im Rathauskeller ein, um mehr darüber zu erfahren, was Ernährungskommunikation im Detail
bedeutet, wie dieses Kommunizieren funktioniert und warum es oft scheitert oder die Kommunikation ein einseitiger
Monolog bleibt.
Modelle der Ernährungskommunikation
Als Einstieg in die Thematik erläuterte Univ.-Prof. Dr. Ralf Risser (Factum, Wien) das Thema Ernährungskommunikation anhand von
Modellen aus psychologischer
Sicht. Ein mögliches Modell für
Ernährungsmarketing beruht auf
dem Aspekt des Verkaufens. Um
eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten mittels Kommunikation zu erzielen, wird eine
Idee „verkauft“; z. B. die Idee, wie attraktiv und schmackhaft
eine bestimmte Änderung der Gewohnheiten sein kann.
Diese Idee kann nur fruchten, wenn eine Kommunikationsform gewählt wird, die die Zielgruppe versteht. Folgende
Fragestellungen sind in diesem Zusammenhang hilfreich:
Sind meine Argumente für diese Zielgruppe passend? Wähle
ich Ausdrücke, die verständlich sind? Welche Anreize kann
ich anbieten, die meine Zielgruppe dazu bringen, ein bestimmtes Verhalten auszuprobieren?
Multiplikator oder Meinungsmacher?
Über die Rolle der Medien bei der Ernährungskommunikation berichtete Mag. Riki Börner, Chefredakteurin
des Magazins „Gesund + Leben in Niederösterreich“.
Kaum ein Massenmedium kommt
ohne das Thema „Essen“ aus.
Kein Wunder – Essen gehört zu unseren Grundbedürfnissen und Essen gilt noch dazu als der Sex des
Alters. Die Publikumsmedien sind
dabei ein wichtiger Transporteur
für Ernährungsthemen. Wir ErnährungswissenschafterInnen sind
nun am Zug, unser ExpertInnenwissen den Medien anzubieten, es
ihnen schmackhaft zu machen. Es
geht darum, offensiv zu werden. Mag. Riki Börner gab wertvolle Tipps, wie eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen ErnährungswissenschafterInnen und JournalistInnen gelingen kann.
Wind of Change
Im Vortrag „Wind of Change – Zustand versus Veränderung“ machte
sich Mag. Karin Lobner (Ernährungswissenschafterin) auf die
Suche nach der Lücke zwischen
ExertInnenmeinung und individuellem Verhalten. Warum sind die
Menschen so „unfolgsam“, obwohl sich die Ernährungswissenschaft doch solche Mühe gibt, ihnen ein vernünftiges Ernährungsverhalten verständlich zu machen?
Für eine optimale Verständigung zwischen ErnährungswissenschafterInnen und ihren KlientInnen hält Mag. Karin
Lobner eine individuelle Vermittlung für wichtig. Die Fertigkeiten und Bedürfnisse der Einzelnen müssen ins Zentrum des Interesses gerückt werden und die Vermittlung
soll alltagsnah und praxistauglich erfolgen. Ernährungsberatung ist grundsätzlich als Serviceangebot zu verstehen,
Lesen Sie weiter auf Seite 3.
Editorial
Eva Unterberger stillt auf den Seiten 8 und 9 unseren Wissensdurst zum Thema Neuerungen und Entwicklungen bei
alkoholfreien Getränken (AfG) und berichtet von der diesbezüglichen IIR-Veranstaltung vom Herbst 2005.
Liebe Kolleginnen und
Kollegen,
voll Elan hat ein neues VEÖJahr begonnen. Am 27. Jänner
fand die VEÖ-MultiplikatorInnenveranstaltung zum Thema „Ernährungskommunikation, die greift – aber wie?“
im Wiener Rathauskeller
statt. Ein hochkarätiges Team
von ExpertInnen behandelte das Thema aus interdisziplinärer Sicht. Einen umfassenden Bericht zu dieser gut besuchten und erfolgreichen VEÖ-Veranstaltung hat Irene Schiefermaier für Sie auf den Seiten , 3 und 4 zusammengestellt.
Weiters fand im Jänner 2006 der erste Nutrition Day in 320
europäischen Krankenhäusern statt. Karin Schindler und
Romana Schlaffer berichten auf den Seiten 6 und 7 von
diesem erfolgreichen Projekt. Ziel des Nutrition Days ist
es, Daten über die Situation der ernährungsmedizinischen
Betreuung in europäischen Krankenhäusern und in einem
großen PatientInnenkollektiv zu erheben. Krankheitsassoziierte Mangelernährung soll eine höhere Priorität im
Bewusstsein politischer Institutionen und Entscheidungsträger bekommen.
In der Rubrik „Neues vom IfEW“ auf den Seiten 13 und 14
bietet Kollegin Petra Rust eine Richtschnur im Dschungel
der Ernährungspyramiden.
Im Praxisdialog geben diesmal die Kolleginnen Alexandra Hofer
und Therese Lindahl Einblicke in ihre beruflichen Tätigkeitsfelder. Lesen Sie mehr dazu auf den Seiten 18 und 19.
Abgerundet wird das Einblicke-Leseangebot wieder mit zahlreichen Buch- und Webtipps, die Britta Macho für Sie zusammengestellt hat.
Ich wünsche Ihnen im Namen des VEÖ-Vorstands und des
Einblicke-Redaktionsteams spannende Lesestunden mit
der vorliegenden Ausgabe der Einblicke.
Ihre
Sonja Reiselhuber
VEÖ-Geschäftsführung
E-Mail: veoe@veoe.org
Impressum
Redaktion und Layout:
Mag. Sonja Reiselhuber
Anzeigenannahme:
Mag. Sonja Reiselhuber
Mitarbeiterinnen dieser Ausgabe:
Mag. Dr. Birgit Hauer, Mag. Alexandra Hofer, Mag. Therese Lindahl, Mag. Karin Lobner, Dipl. oec. troph. Britta
Macho, Mag. Christine Mahringer-Eder, Mag. Sonja Reiselhuber, Univ.-Ass. Dr. Petra Rust,
Mag. Irene Schiefermaier, Dr. Karin Schindler, Mag. Romana Schlaffer, Mag. Eva Unterberger.
Veröffentlichung gem. § 25 (1) Mediengesetz:
Medieninhaber, Herausgeber:
Verband der Ernährungswissenschafter Österreichs
VEÖ-Geschäftsstelle:
Leithastraße 16/6/46
1200 Wien
Tel./Fax: 01/333 39 81
E-Mail: veoe@veoe.org
Geschäftsführerin: Mag. Sonja Reiselhuber
Vorstand:
Vorsitzende: Mag. Eva Unterberger, Dr. Karin Schindler
Schriftführerinnen: Mag. Helga Cvitkovich-Steiner, Dipl. oec. troph. Britta Macho
KassierInnen: Univ.-Ass. Dr. Petra Rust, Mag. Markus Reichhart
Grundlegende Richtung:
Informationsweitergabe über Ernährung. Die Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion
wieder. Sie sind ausschließlich die Meinung der Verfasserin bzw. des Verfassers.
LeserInnenbriefe an: veoe@veoe.org
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Einblicke 1/2006
Ernährungskommunikation, die greift - aber wie?
Fortsetzung von Seite 1.
das die Eignenverantwortlichkeit der KlientInnen und deren
kompetente Selbstentscheidung in den Vordergrund stellt.
Welchen Einfluss auch prominente Vorbilder und Idole auf
unser Ernährungsverhalten haben, zeigte Mag. Karin Lobner
anhand von Jamie Oliver. Der Fernsehkoch vermittelt als
Persönlichkeit klare Werte; er propagiert die Verwendung
qualitativ hochwertiger Lebensmittel und setzt sich für
Bio-Produkte ein. Aufgrund der Initiative dieses Prominenten hat sogar die Regierung Englands einer Verordnung zugestimmt, die u. a. vorsieht, Junkfood von den Speiseplänen
der Londoner Schulen zu verbannen.
Veränderungen von Ernährungsgewohnheiten brauchen Zeit.
Veränderungswillige erleben dabei verschiedene Stadien,
deren Durchlebung notwendig und zielführend ist.
Do’s and Don’ts in der Ernährungskommunikation
„Viele KonsumentInnen sind über
die Grundsätze einer gesundheitsfördernden Ernährungsweise hinlänglich aufgeklärt“, meinte Mag.
Helga Cvitkovich-Steiner (forum.
ernährung heute), „es hapert allerdings an der Umsetzung.“ Es kann
nicht nur um das Vermitteln von
Wissen gehen; der einzelne
Mensch will verstanden sein und „abgeholt“ werden – nur so
kann Gehörtes und Gesagtes in die Tat umgesetzt werden.
Ernährungskommunikation soll nicht nur verständlich, glaubwürdig und motivierend sein, sie soll auch unterhaltsam sein.
Es ist wichtig, das Herz zu berühren und dadurch den Kopf
zu drehen!
Mag. Helga Cvitkovich-Steiner brachte Beispiele für derartige
Ansätze in der Ernährungskommunikation: „Storytelling“, die
„Kraft der Bilder“ und „Entertainment Education“ zählen dazu.
Das Prinzip beim Storytelling ist, die ZuhörerInnen in die Geschichte einzubeziehen. Geschichten lassen Bilder entstehen, sie rufen Vorstellungen hervor und sprechen nicht nur
den Verstand, sondern auch das Gefühl an. Sie zeigen neue
Denk- und Handlungsmöglichkeiten auf.
Die sinnvolle Kombination von Text und Bild kann die Wirkung von Kommunikation verstärken, z. B. indem das Bild
anschaulich und überzeugend darstellt, was der Text beschreibt. Ein gutes Bild trifft ins Herz, weckt Wünsche und
Erwartungen.
Entertainment Education nutzt die Tatsache, dass Menschen
lernen, indem sie Vorbilder – vor allem auch mediale Vorbilder – beobachten. Das Gesehene wird verarbeitet und ins
eigene Verhaltensmuster integriert. Einem Film muss es
gelingen, die ZuschauerInnen zu involvieren und einen
Identifikationsprozess auszulösen. Mag. Helga CvitkovichSteiner meinte, dass Entertainment Education eine sinnvolle Strategie der Gesundheitsaufklärung darstellt, wenn es
Lesen Sie weiter auf Seite 4.
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Ernährungskommunikation, die greift - aber wie?
Fortsetzung von Seite 3.
gelingt, hierfür starke und engagierte (Fernseh-)PartnerInnen
zu gewinnen.
Vom Mut zur Lücke in der Ernährungskommunikation
Mag. Angela Mörixbauer (eatconsult) beschäftigte sich in ihrem Beitrag damit, wie man als
Ernährungsfachkraft inmitten der
zunehmenden Informationsflut
überhaupt gehört oder gelesen
wird. Sie konzentrierte sich
dabei auf die drei Kernfragen
WEM, WAS und WIE:
- Wem sage ich es? Es ist notwendig, unsere Zielgruppe
kennen zu lernen: Was interessiert sie, welche Ausdrücke
verwendet sie und welche Sprache spricht sie?
- Was sage ich? Mut zur Lücke bei der Wissensvermittlung
ist gefragt. Will man zu viel in den Text oder das Interview
packen, so bleibt bei den EmpfängerInnen im besten Fall
nichts hängen. Im schlechtesten Fall sind die LeserInnen,
HörerInnen und SeherInnen verwirrt oder schalten ganz ab.
- Wie sage ich es? Dafür zitierte Mag. Angela Mörixbauer Arthur Schopenhauer: „Man gebrauche gewöhnliche Worte und
sage ungewöhnliche Dinge“, und fügte die Devise „KISS“
hinzu: „Keep it simple and stupid!“
Im Folgenden gab Mag. Angela Mörixbauer noch wertvolle
Anregungen für das Schreiben gelungener Texte und für einen gelungenen Umgang mit Medien. Auch sie räumte dem
Aspekt der Unterhaltung einen hohen Stellenwert bei der
Ernährungskommunikation ein.
Nach einer köstlichen Stärkung in der Mittagspause
(organisiert von „Club
Menü Service“) wurden am
Nachmittag Praxisbeispiele
für gelungene Ernährungskommunikation vorgestellt.
platz“ wird den MitarbeiterInnen von Bautrupps gesundes
Essen schmackhaft gemacht.
„Maxima“ ist ein Ernährungserziehungsprogramm für Vorarlberger Kindergärten, geleitet von Mag. Angelika
Stöckler (aks – Arbeitskreis für Vorsorge und Sozialmedizin gGmbH).
Sie vermittelt damit Kindergartenkindern auf spielerische Art und Weise einen lustvollen Umgang mit natürlichen, gesunden Nahrungsmitteln.
Generationswechsel zu den Senioren: Mag. Dr. Erika Diallo-Ginstl
(xundessen) stellt bei ihrem Projekt
in einem Wiener Seniorenheim die
Zufriedenheit der Pensionäre in den
Vordergrund, berücksichtigt dabei
Vorlieben und Wünsche, die ältere
Menschen beim Essen haben, und
lässt die Pensionäre aktiv am Projekt teilhaben.
Dr. Martin Hofer (Wiener Lebensmittel- und Ernährungsservice) stellt
das Projekt „Bunte Lebensmittel für
eine farbenfrohe Stadt – Das Wiener Lebensmittel- und Ernährungsservice“ der Stadt Wien vor.
Prof. Dr. Kirsten Schlegel-Matthies
(Universität Paderborn) stellt abschließend das deutsche Projekt
„REVIS – Reform der Ernährungsund Verbraucherbildung in Schulen“
vor.
Praxisprojekte
Mag. Birgit Beck (Verein für Konsumenteninformation) stellte die „Ernährungshotline“ vor – ein Projekt des
Fonds Gesundes Österreich und des
Vereins für Konsumenteninformation.
Die Veranstaltung hat deutlich gezeigt, dass Ernährungskommunikation, so sie greift, auch wirksam sein kann. Das
individuelle Eingehen auf die jeweilige Zielgruppe und eine
gute Portion Unterhaltungswert tragen zum Gelingen eines
Projektes enorm bei. Wir freuen uns auf die nächste Motivation und Unterhaltung durch eine Veranstaltung des VEÖsuccess im Juni 2006 zum Thema „Ernährung mit allen Sinnen – Sensorik“.
Mag. Verena Rainer (ESS.art Ernährungsconsulting) berichtete von zwei
Gesundheitsförderungsprojekten. Im
Projekt „I bau auf mi – Fit am Arbeits4
Anschrift der Verfasserin:
irene.schiefermaier@gmx.at
Einblicke 1/2006
Die Dicken werden immer dicker
Die Dicken werden immer dicker
Tagungsbericht des 32. Pädiatrischen Symposiums Obergurgl
Mag. Karin Lobner
Dass die Adipositas vor allem im Kindes- und Jugendalter
epidemische Ausmaße angenommen hat, scheint gesichert.
Grund genug, sich im Rahmen eines pädiatrischen Symposiums genauer mit diesem Thema zu beschäftigen. Im Jänner
dieses Jahres haben sich in Obergurgl/Ötztal bei Wind und
Schneesturm PädiaterInnen aus Deutschland, der Schweiz
und Österreich eingefunden, um das Thema von der Epidemiologie über die Prävention bis hin zu Therapieoptionen zu
diskutieren.
Univ.-Prof. Dr. Karl Zwiauer hat ein Programm auf höchstem
fachlichen und mit fast 2.000 m Seehöhe auch geographischen Niveau zusammengestellt.
hatte 58,7 kg, d. h. einen BMI von 22,1. 1999 ist er durchschnittlich 1,80 m und 74,2 kg schwer. Der durchschnittliche
BMI 1999 ist 22,9. Normalität ist also relativ. Doch so klar ist
die Sache nicht – das, was scheinbar normal aussieht, ist in
Wirklichkeit oft gar nicht gesund (Ursula Nuber, Psychologie
heute, Februar 2006).
Die Klassifikation von Übergewicht und Adipositas erfolgt
bei Kindern und Jugendlichen über Perzentilenkurven.
Es wird der BMI des Kindes berechnet und in der geschlechts- und altersspezifischen Kurve nachgeschaut, in
welchem Bereich das Kind liegt. Zur Erstellung dieser Kurven wurden tausende deutsche Kinder vermessen und gewogen. Die 50. Perzentile entspricht dem „Normalwert“ –
dem 50 % aller Kinder entsprechen.
1875 lag dieser Wert allerdings an einer anderen Stelle als
1999. Die logische Konsequenz daraus wäre, in regelmäßigen
Abständen neue Vermessungen vorzunehmen, um den „Normalwert“ anzupassen.
Dr. Kathrin Kromeyer-Hauschild, die an der Universität in
Jena diese Perzentilen erstellt, plädiert für das „Einfrieren“
der Werte – da eine ständige statistische Anpassung an
dem Risiko für Komorbiditäten vorbeimisst. Zusätzlich ist
allerdings eine neue Validierung mit dem Krankheitsrisiko
notwendig und in Arbeit.
Obergurgl im Ötztal
Die Quintessenz des Symposiums ist schnell erklärt: Die
Übergewichtigen werden mehr, die Komorbidität der Adipositas ist alarmierend, die Therapieoptionen sind bescheiden. Der Output befindet sich in guter Gesellschaft mit anderen Adipositastagungen.
Können WissenschafterInnen und ExpertInnen die Lawine
aufhalten, oder stehen wir einem Naturereignis gegenüber,
dem wir nur mit großem technischem Aufwand Paroli bieten
können? Dr. Hermann Mayer bezeichnet die Adipositas als
„Epiphänomen unserer Gesellschaft“ – eine Begleiterscheinung, der wir nur mit einer vernetzten Versorgung begegnen
können.
Die Verteilung von normal- und übergewichtig zeigt aber noch
ein weiteres Bild: Während 1875 0,4 % der Bevölkerung
adipös waren, sind es 1999 5,7 %. D. h. ab der 90. Perzentile
(Cut-off für Übergewicht) ist eine deutliche Steigerung erkennbar. Die Adipösen heute sind deutlich adipöser als
früher.
Mit dem Grad der Adipositas steigt nicht nur das Krankheitsrisiko, auch die Lebensqualität leidet. Die Selbsteinschätzung adipöser Kinder ist gegenüber normalgewichtigen in
den Dimensionen Lebensqualität, Selbstbewusstsein und
soziale Kompetenz deutlich verringert. Auch im Vergleich mit
anderen Erkrankungen wie Asthma oder Neurodermitis schneiden Kinder und Jugendliche mit Adipositas schlechter ab.
Wären nicht die unangenehmen Komorbiditäten der Adipositas, wie z. B. Typ-2-Diabetes könnte man geneigt sein,
die Adipositas als Epiphänomen zu akzeptieren und als normale Spielart unserer Gesellschaft anzuerkennen.
Um der Epidemie Adipositas in einigen Jahren nicht vollkommen wehrlos gegenüberzustehen, sind gemeindenahe,
präventive, niederschwellige Angebote notwendig. Nur eine
Koordination von einzelnen Projekten gemeinsam mit legislativen Maßnahmen wird die bereits losgetretene Lawine
stoppen können. Das internationale pädiatrische Symposium Obergurgl hat vom 18. bis 21. Jänner 2006 stattgefunden.
Dr. Michael Toschke hat in alten Stellungsurkunden geblättert und interessante Werte gefunden: Der durchschnittliche
stellungspflichtige Jungmann war 1875 1,63 m groß und
Anschrift der Verfasserin:
k.lobner@chello.at
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NutritionDay in European Hospitals
Der 1. „NutritionDay in European Hospitals“, ein unerwarteter Erfolg
887 Stationen haben am 19. Jänner 2006 Daten zur Ernährung im Krankenhaus erhoben
Dr. Karin Schindler, Mag. Romana Schlaffer
WIESO ein „NutritionDay?
Faktum ist: Mangelernährung ist weltweit ein enormes Problem. Über 850 Millionen Menschen waren zwischen 2000
und 2002 unterernährt, sie konnten ihren Energiebedarf nicht
jeden Tag decken. Konfrontiert mit dieser Tatsache assoziieren Menschen, die in den Überflussgesellschaften der
westlichen Welt leben, primär den Hunger in der so genannten Dritten Welt. Die wenigsten können sich vorstellen, dass
Mangelernährung auch Menschen in unserem Land, in Europa oder anderen Industrienationen, sogar PatientInnen in
Krankenhäusern betrifft.
Mangelernährung ist nicht nur ein Problem in wirtschaftlich schwachen Regionen
In zahlreichen klinischen Studien wurde gezeigt, dass Mangelernährung ein häufiges Problem in Zusammenhang mit
verschiedenen Erkrankungen ist. Die Prävalenz liegt zwischen 14 und 50 %. Besonders betroffen sind PatientInnen,
die aufgrund der Schwere ihrer Erkrankung stationär behandelt werden müssen. Die krankheitsassoziierte Mangelernährung beeinflusst den Krankheitsverlauf negativ, verlängert die Krankenhausaufenthaltsdauer und ist mit einer erhöhten Mortalität assoziiert.
Die Problematik der Mangelernährung im Krankenhaus wurde im Rahmen einer rezenten Resolution des Europarates
(Resolution ResAP 2003, über die Verpflegung und Ernährungsversorgung in Krankenhäusern) behandelt.
Tatsächlich ist diese sehr ausführliche und ins Detail gehende Resolution ein zahnloses Instrument – die Resolutionen des Europarates haben keinen zwingenden, höchstens einen normativen Einfluss auf die Praxis in den Mitgliedsstaaten.
Mangelernährte PatientInnen sind, im Gegensatz zu solchen
mit seltenen Erkrankungen bzw. auch sehr häufigen Erkrankungen wie z. B. Diabetes, nicht in Selbsthilfegruppen organisiert. Der dänische Ernährungsmediziner Jens Kondrup
formulierte sehr richtig: „Patienten mit Schmerzen schreien,
der mangelernährte Patient ist apathisch und still.“ Dieses
Faktum ist ein Grund dafür, dass die Mangelernährung häufig weder von den betreuenden Personen der verschiedenen Berufsgruppen noch von den PatientInnen selbst als
ein Problem wahrgenommen wird.
Ob die Entwicklung bzw. der Status einer Mangelernährung
erkannt und eine Ernährungstherapie durchgeführt wird,
hängt u. a. von den betreuenden Personen, den PatientInnen
und ihren Angehörigen ab. Inwieweit die betreuenden Per-
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sonen der Mangelernährung Beachtung schenken, wird
durch deren Ausbildung, in der Praxis aber häufig vor allem
vom persönlichen Interesse für dieses Thema beeinflusst.
Bisher häufig vernachlässigte Faktoren, die zu einer nicht
adäquaten Nahrungsaufnahme während des Krankenhausaufenthaltes führen, sind die Abläufe und Strukturen in Krankenhäusern. Dazu zählen z. B. längere Nüchternzeiten, weil
PatientInnen auf eine Operation oder Untersuchung warten.
Gibt es auf einer Station genügend Personal, um PatientInnen,
die nicht allein essen können, zu füttern? In Zeiten des steigenden Kostendruckes auch in Krankenhäusern ist dies
sicherlich eine nicht unberechtigte Frage.
Ein wichtiges Beispiel zur Verbesserung von Strukturen und
Ernährungstherapie ist die Gründung von Ernährungsteams
in österreichischen Krankenhäusern. Diese interdisziplinären Teams arbeiten einerseits strukturell – erstellen u. a.
krankenhausinterne Standards zur enteralen und parenteralen Ernährungstherapie, organisieren Fortbildungen
für ihre KollegInnen – andererseits sind sie direkt in die PatientInnenbetreuung einbezogen – sie führen z.B. das Mangelernährungs-Screening durch, erstellen Therapievorschläge
und kontrollieren deren Durchführung.
Die Einrichtung eines Ernährungsteams ist leider nicht verpflichtend für die Krankenhäuser, in den seltensten Fällen
sind Stellen dezidiert der Arbeit im Ernährungsteam gewidmet. Wieder hängen diesbezügliche Maßnahmen vom persönlichen Engagement der MitarbeiterInnen und der Bereitschaft, eigene freie Zeit einzubringen, ab.
WAS erwarten wir vom NutritionDay?
Der NutritionDay bietet die einmalige Chance, Daten über
die Situation der ernährungsmedizinischen Betreuung in
europäischen Krankenhäusern und in einem großen PatientInnenkollektiv zu erheben.
Diese multizentrische Erhebung betrachtet die Situation der
Ernährungspraxis aus drei Perspektiven:
a.) der Sicht der PatientInnen (aktuelle und vergangene Nahrungsaufnahme und die Gründe für eine etwaige Einschränkung)
b.) dem Blick auf die Strukturen (die die Nahrungsaufnahme
und den Einsatz einer Ernährungstherapie beeinflussen) und
c.) dem Blick auf die medizinischen Fakten (Eckdaten wie
Grunderkrankung, Begleiterkrankungen, Dauer des Krankenhausaufenthaltes, Outcome u. a.)
Lesen Sie weiter auf Seite 7.
Einblicke 1/2006
NutritionDay in European Hospitals
Fortsetzung von Seite 6.
Diese Daten können die Grundlage dafür sein, dass die
krankheitsassoziierte Mangelernährung eine höhere Priorität im Bewusstsein politischer Institutionen, der Krankenversicherungen, der Krankenhausverwaltung, der verschiedenen Berufsgruppen und der PatientInnen und Angehörigen bekommt.
19. Jänner 2006
NutritionDay in European Hospitals
In mehr als 320 Krankenhäusern, auf 887 Stationen in
26 europäischen Ländern (s. Abb.) wurden an einem Tag,
dem 19. Jänner 2006, Daten zur Ernährung im Krankenhaus erhoben. In Österreich haben 43 Krankenhäuser mit
139 Stationen teilgenommen.
Ein wichtiger Punkt bei diesem Projekt ist die Verfügbarkeit
der Erhebungsinstrumente in insgesamt 26 Sprachen. Hierdurch ist es gelungen, die sprachlichen Barrieren sowohl
des Stationspersonals als auch von PatientInnen zu überwinden. Fremdsprachige PatientInnen werden in klinischen
Studien nicht selten aufgrund der sprachlichen Probleme
ausgeschlossen.
Durch die Einfachheit der Fragebögen war die Teilnahme
von Stationen, die nicht routinemäßig in klinische Studien
involviert sind und daher an die dafür erforderlichen Abläufe
nicht gewöhnt sind, ebenfalls möglich. Derzeit werden die
Daten entweder direkt von den TeilnehmerInnen (für die Online-Eingabe kann wiederum zwischen Oberflächen in allen
verfügbaren Sprachen gewählt werden) oder im österreichischen Koordinationszentrum eingegeben. Die Auswertung
erfolgt in Wien in Zusammenarbeit mit dem Institut für Medizinische Statistik (Leiter: Prof. P. Bauer).
Jede Station erhält eine Auswertung der eigenen Daten und
kann die eigene Situation mit der anderer Stationen vergleichen. Das Voneinander-Lernen wird gefördert und erleichtert. Die Teilnahme am nächsten NutritionDay 2007 ermöglicht die Evaluation von Veränderungen. Aus den ersten Rückmeldungen und eigenen Beobachtungen zeigt sich schon
jetzt, dass das Projekt die interprofessionelle und interkulturelle Zusammenarbeit gefördert hat. Für die vielfältige
Unterstützung bedanken wir uns speziell bei Jasmin Kehrberg, unserer deutschen Praktikantin, den DiätologInnen und
Pflegenden des Wiener AKH, den Studierenden der Diätakademie des Wiener AKH und jenen der Ernährungswissenschaften der Universität Wien sowie allen österreichischen TeilnehmerInnen.
Der nächste NutritionDay 2007 wird am 25 Jänner stattfinden. Weitere Informationen unter http://www.nutritionday.org.
Teilnehmende Länder:
Anschrift der Verfasserinnen:
karin.schindler@meduniwien.ac.at, office@ake-nutrition.at
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Wissensdurst
Wissensdurst
Alkoholfreie Getränke (AfG) 2005:
Entwicklung – Zukunft – Innovation
Mag. Eva Unterberger
Das Institute for International Research (IIR) veranstaltete
im Herbst 2005 die Fachkonferenz „Wissensdurst AfG 2005“.
An zwei Tagen wurden Aspekte wie Verpackung, Ernährungswissenschaft und Produktentwicklung behandelt. Viel Diskussionsstoff lieferte auch das Spannungsfeld Hersteller –
Handel – Konsument. Des Weiteren erhielten die TeilnehmerInnen ein Update hinsichtlich des rechtlichen Stands
der gesundheitsbezogenen Werbung.
Wasser, Fruchtsaft, Fruchtsaftgetränke, Limonaden und
Molkereigetränke konkurrieren, wenn es darum geht, den
Durst der Kunden zu löschen. Fragen wie „Welche Trends
gibt es derzeit am alkoholfreien Getränkemarkt?“, „Welche
Rolle spielen Near-Water-Produkte und Molke- bzw. Joghurtgetränke?“ und „Worauf sollte man bei Vermarktungskonzepten achten?“ wurden beantwortet.
Wenn du Klitschko besiegen willst, boxe nicht mit ihm!
Einblick in den österreichischen Getränkemarkt am Sektor
„alkoholfreie Getränke“ gab Mag. Tobias Schediwy von Fessel-GfK. Nach seinen Ausführungen hält Hofer derzeit 50 %
des AfG-Marktes. Generell tätigen die österreichischen KonsumentInnen rund 40 % aller Getränkeeinkäufe bei Diskontern, die Hälfte davon bei Hofer. Er rät Getränkeherstellern
dazu, statt auf billige Me-toos auf Differenzierung zu setzen,
und sieht gute Chancen für Premium-Produkte. Der aktuelle
Promotionwahn führe langfristig dazu, dass die Preise sinken.
Auch für eine Expansion in den Osten prognostiziert Schediwy
für österreichische Getränkehersteller gute Aussichten.
verhalten der Österreicherinnen unter die Lupe genommen,
mit folgendem Ergebnis: Einkäufe werden von dreimal so
vielen Frauen wie Männern getätigt, und zwar durchschnittlich ein- bis zweimal pro Woche, jede 7. Frau geht sogar
täglich einkaufen, jede 4. würde Mineralwasser kaufen, wenn
es nicht so schwer wäre. Denn: Fast die Hälfte muss den
Einkauf 15 Minuten oder länger tragen.
Vöslauer fand dies Anlass genug, Verpackungsinnovationen
für das „schwache Geschlecht“ maßzuschneidern. Die Antworten lauten Leichtdrehverschluss, Komforttragegriff (2 mm
dicker, ergonomisch in Längsrichtung angebrachter Tragegriff beim 6er-Tray), 9er-Kiste und CityBag®.
Nahe am Wasser gebaut
Mag. Clemens Brugger, Marketingleiter bei Römerquelle,
beleuchtet den westeuropäischen Near-Water-Markt in seiner Entwicklung. Die Absatz- und Umsatzentwicklung am
österreichischen Markt spiegelt den im ersten Referat erwähnten Trend zu billigen Me-too-Produkten, seit 2003 liegt
das Umsatzwachstum unter dem Absatzwachstum. Die Bedeutung des Near-Water-Segments liegt für Hersteller eindeutig im Wert: Mit einem mengenmäßigen Anteil am
gesamtösterreichischen Mineralwasser-Markt von 9 % werden 74 % der Umsätze erzielt. In seinen Augen ist der Handel in diesem Getränkesegment allmählich ausgereizt, Hersteller werden sich in Zukunft verstärkt um Kunden aus der
Gastronomie bemühen müssen.
Liquid Food, denn Gesundheit muss man trinken
können
CEE – das Fruchtsaftmacherwunderland
Herbert Emberger, Verantwortlicher für den Raum Zentralund Osteuropa (CEE) bei Pago, bestärkt Schediwys Ausführungen zur Osterweiterung. Er präsentiert eine umfassende
To-Do-Liste, wie die Nachbarländer im Osten erfolgreich erobert werden könnten. Keinesfalls darf der CEE-Markt als
billiger Exportkanal oder Auffanglager für gescheiterte westeuropäische Manager behandelt werden. Im Gegenteil ist
eine Expansion in den Osten nur dann erfolgreich, wenn der
dortige Markt als Inlandsmarkt mit Etiketten in der jeweiligen
Landessprache und jeweils akzeptierten Geschmacksrichtungen mit den besten Leuten der Organisation vor Ort behandelt wird. Die Menschen dort sind ernstzunehmende und
gleichwertige Geschäftspartner. Das Geschäft im Osten kann
nicht vom Schreibtisch in Österreich aus gelenkt werden.
„Dafür ist der Konsument bereit, deutlich mehr Geld auszugeben“, so NÖM-Marketingleiter Mag. Alfred Berger. Selbst
bei „schwierigen“ Zusatznutzen oder direkter „Medikation“
erwarten sich die KonsumentInnen für ihr Geld aber auch
ein positives Geschmackserlebnis.
Im Jahr 2004 wurden in Europa 3,2 Milliarden 125-ml-Fläschchen von den 7 größten Molkereien verkauft. Berger sieht für
Molkereien gute Chancen im Functional-Drink-Markt im Handel, in der Gastronomie und auch in alternativen Vertriebskanälen. Dafür gilt es, das gelernte Gesundheitsimage der
Milch zu nützen. Österreichische Molkereien brauchen sich
im internationalen Wettbewerb nicht zu verstecken, denn
„Österreich ist bekannt für Mozart, Berge und gesunde Kühe“.
Weniger Übergewicht durch weniger Limonaden?
Was Frauen wollen …
… erforscht der österreichische Wellnessgetränk-Pionier
Vöslauer im Rahmen unzähliger Markttests und berücksichtigt dies bei der Produktentwicklung. So wurde das Einkaufs8
Weltweit steht derzeit erstmals die gleiche Zahl an hungernden Menschen der gleichen Zahl übergewichtiger gegenüber. Alkoholfreie Softdrinks stehen im Rahmen der aktuellen
Lesen Sie weiter auf Seite 9.
Einblicke 1/2006
Wissensdurst
Fortsetzung von Seite 8.
Obesity-Diskussion in einem besonderen Spannungsfeld.
Die Ergebnisse der Kieler Obesity Prevention Study (KOPS)
zeigen, dass es Unterschiede in der Nahrungsauswahl zwischen dicken und dünnen Kindern gibt. Die Prävalenz für
Übergewicht bei Kindern, die täglich Limonaden trinken, liegt
bei 22 %. Dem gegenüber stehen 9,7 %, die angeben, selten oder nie Limonaden zu trinken. Können aber wirklich
einzelne Lebensmittel für die derzeitige Übergewichtsproblematik verantwortlich gemacht werden? Natürlich nicht.
Denn Übergewicht ist ein multifaktorielles Problem. In erster Linie ein Bilanzproblem, wobei sich mangelnde körperliche Aktivität stärker auswirkt als eine überhöhte Energieaufnahme. Frau Mag. Helga Cvitkovich-Steiner (forum.
ernährung heute) wünscht sich daher Vorsorgeprojekte, die
diesen Aspekt verstärkt berücksichtigen, also Bewegungsanreize für Kinder und Erwachsene bieten.
Anschrift der Verfasserin:
eva.unterberger@essenziell.at
Wir begrüßen die folgenden neuen VEÖ-Mitglieder:
Melanie Bruckmüller
Olivia Denk
Isolde Driussio
Mag. Bettina Dworak
Susanne Frisch
Mag. Barbara Gallist
Mag. Marlies Gruber
Thomas Habenschuss
Mag. Birgit Hausberger
Berit Hippe
Mag. Katharina Kashofer
Maria Kerschberger
Cornelia Koch
Eva Krainz
Karin Lakner
Elisabeth Mayer
Birgit Neuhold
Silvia Orthofer
Mag. Barbara Pichlmaier
Renate Reingruber
Anna Rokop
Einblicke 1/2006
Irene Savernik
Ramona Stellnberger
Christiane Stepanek
Karin Windischhofer
Kathrin Zach
9
Berichte aus den Arbeitskreisen
Berichte aus den Arbeitskreisen
Arbeitskreis success – VEÖ-Weiterbildung
Arbeitskreisleitung: Mag. Sonja Reiselhuber
ArbeitskreismitarbeiterInnen:
Mag. Renate Brüser, Dr. Petra Burger, Mag. Rikki Diallo-Ginstl,
Mag. Mare Heiling, Mag. Sonja Lemberger, Mag. Karin Lobner,
Dipl. oec. troph. Britta Macho, Mag. Martin Schiller,
Mag. Irene Schiefermaier
Am 27. Jänner 2006 veranstaltete der Arbeitskreis success
im Wiener Rathauskeller eine MultiplikatorInnenveranstaltung zum Thema „Ernährungskommunikation, die greift
– aber wie?“. Ein hochkarätiges, interdisziplinäres ExpertInnenteam widmete sich diesem Thema.
Einen detaillierten Veranstaltungsbericht finden Sie auf den
Seiten 1, 3 und 4.
Es freut die MitarbeiterInnen von success besonders, dass
die Feedbackauswertung für diese Veranstaltung ein sehr
gutes Ergebnis lieferte – der Verband erhielt auch zahlreiche
lobende mündliche Rückmeldungen zu diesem gelungenen Veranstaltungstag.
Dies bestärkt uns natürlich in unserer zukünftigen Veranstaltungs- und Workshopplanung.
Im Frühjahr 2006 hat VEÖ-success wieder ein interessantes Veranstaltungsangebot für Sie zusammengestellt:
Am 27. März 2006 fand ein Workshop zum Thema „HACCP,
Qualitätssicherung, IFS & Produktentwicklung: ErnährungswissenschafterInnen als Drehscheibe im Innovationsprozess“ statt. Die Bereiche Produktentwicklung und Qualitätssicherung zählen zu den zukunftsträchtigen Berufszweigen für ErnährungswissenschafterInnen. Der thematische
Bogen des Workshops spannte sich von der praktischen
Umsetzung des International Food Standards (IFS) über innovative Produktentwicklungsprozesse bis zur Erstellung von
Produktspezifikationen und Produktsicherheitskonzepten
(HACCP). In diesem Workshop bekamen die TeilnehmerInnen von Mag. Andreas Schmölzer praxisnahe Einblicke in die Chancen und Möglichkeiten dieser Berufsfelder.
Aufgrund des großen Interesses bieten wir eine Wiederholung bzw. Fortsetzung der Kursreihe „Specific English für
Ernährungsfachkräfte“ an.
An sechs Abenden (18., 25. April, 2., 9., 16. und 23. Mai 2006)
werden in lockerer und angenehmer Atmosphäre der allgemeine sowie fachspezifische Wortschatz aufgefrischt bzw.
vertieft. Je nach Wunsch der TeilnehmerInnen werden wissenschaftliche Fachartikel bearbeitet, der Vokabelschatz zu
speziellen Themen wiederholt und erweitert sowie Präsentationen erarbeitet und vorgestellt.
Die nächste VEÖ-success-MultiplikatorInnenveranstaltung
zum Thema „Ernährung mit allen Sinnen – Sensorik“ ist im
Juni 2006 geplant. Wir werden Sie demnächst über Termin
und Inhalt informieren. Wir hoffen, mit unserem FrühjahrsVeranstaltungsangebot auch Ihren Geschmack bezüglich Weiterbildung getroffen zu haben.
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Wir freuen uns auch über Anregungen und Vorschläge zu
weiteren Veranstaltungsthemen. Schicken Sie diesbezüglich einfach ein E-Mail an die VEÖ-Geschäftsstelle
(mailto:veoe@veoe.org).
Anschrift der Verfasserin:
Mag. Sonja Reiselhuber
veoe@veoe.org
Arbeitskreis Mitgliederservice
Arbeitskreisleitung:
Mag. Therese Lindahl
Arbeitskreismitarbeiterinnen:
Mag. Sonja Brandlhofer, Mag. Ines Köhler,
Mag. Sonja Reiselhuber, Irene Schiefermaier,
Christine Smoliner, Johanna Sommer
Am 7. März 2006 fand die diesjährige ordentliche Mitgliederversammlung des VEÖ im Café Schottenring statt. Der VEÖVorstand, die Geschäftsführung und die Arbeitskreise berichteten über die Verbandsaktivitäten im Jahr 2005 und über
geplante Projekte im heurigen Verbandsjahr.
Bei dieser Gelegenheit konnte der Arbeitskreis Mitgliederservice
über folgende Aktivitäten des vergangenen Jahres berichten:
· Networking bei den VEÖ-Stammtischen, bei welchen GastreferentInnen über ihren beruflichen Werdegang sowie ihren Berufsalltag berichteten. Insgesamt wurden, zu unterschiedlichsten Themen, fünf Stammtische organisiert, die
bei den Mitgliedern auf großes Interesse gestoßen sind.
· 2 Neumitgliederempfänge beim jeweils ersten Stammtisch
nach Semesteranfang, wobei neu beigetretene VEÖ-Mitglieder bei einem Glas Sekt begrüßt wurden.
· Come together: nettes Zusammentreffen und Networking
für alle Mitglieder nach der VEÖ-MultiplikatorInnenveranstaltung im Juni 2005.
· VEÖ-Infoservice: regelmäßig verschickte E-Mail-Aussendungen mit Informationen über Veranstaltungen, Literaturtipps u. v. a.
· VEÖ-Jobservice: 26 Jobangebote wurden im Jahr 2005 an
die Mitglieder weitergeleitet!
· Präsentation des Verbandes mit anschließender Neumitgliederwerbung bei den Semestervorbesprechungen am
Department für Ernährungswissenschaften.
· Präsentation der VEÖ-Praktikumsbroschüre im Oktober 2005.
Die Praktikumsbroschüre erfreut sich bei den StudentInnen
großer Beliebtheit – es wurden bereits mehr als 80 Exemplare
abgegeben. Die Bestellung ist in der VEÖ-Geschäftsstelle
möglich – Kosten: 7,00 Euro (inkl. Versandkosten).
Bei der Mitgliederversammlung wurde eine wichtige Änderung
in den Verbandsstatuten mit Stimmenmehrheit beschlossen:
Lesen Sie weiter auf Seite 11.
Einblicke 1/2006
Berichte aus den Arbeitskreisen
Fortsetzung von Seite 10.
Die Mitgliedschaft von StudentInnen des Instituts für Ernährungswissenschaften ist nun wieder ab dem 1. Studienabschnitt möglich!
Im Anschluss an die Generalversammlung fand der erste
VEÖ-Stammtisch im Jahr 2006 statt. Das hochaktuelle Thema „Neues vom Department für Ernährungswissenschaften“
und die prominenten Gäste Univ.-Ass. Dr. Petra Rust, Univ.Doz. a. o. Univ.-Prof. Dr. Karl-Heinz Wagner und Univ.-Prof.
Dr. Jürgen König lockten etwa 60 Personen zu diesem
Stammtisch. Die TeilnehmerInnen nützten die Gelegenheit,
sich über die aktuelle Situation am Department für
Ernährungswissenschaften und über geplante Änderungen
des Studiums zu informieren. Die eingeladenen Gäste berichteten außerdem über ihre interessante Forschungstätigkeiten und weiteren Aufgabenbereiche an der Universität.
Anschrift der Verfasserin:
Mag. Therese Lindahl
therese.lindahl@gmx.at
Weiters konnte im Rahmen des FNA erreicht werden, dass
die bestehende ON-Regel „Ernährungsberater“ ersatzlos
zurückgezogen wurde, da sie gegen sämtliche Berufsgesetze verstößt, von Ausbildungsinstituten jedoch immer
wieder als Qualitätsargument in Werbeaktionen herangezogen wurde. Für die Aufhebung besagter ON-Regel hat sich
der VEÖ besonders intensiv eingesetzt und wurde dabei vom
Verband der DiätologInnen aktiv unterstützt.
Eine ÖNORM stellt grundsätzlich keine gesetzliche Regelung dar, im Fall der ÖNORM D 1501 wird die Ausbildung von
WellnesstrainerInnen geregelt. Ausbildungsinstitute haben
bei Einhaltung der vorgegebenen Anforderungen die Möglichkeit, sich nach dieser ÖNORM zertifizieren zu lassen.
Dem VEÖ war es ein Anliegen, dass mit Hilfe dieser Norm
die Grenzen des Berufsfeldes und die Tätigkeitsfelder der
WellnesstrainerInnen klar und unmissverständlich festgelegt werden.
Anschrift der Verfasserin:
Mag. Sonja Reiselhuber
veoe@veoe.org
Bericht Arbeitskreis Recht:
Fachnormenausschuss FNA 248
„Gesundheits- und Wellnesstrainer“
Der Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit setzt
auf zwei neue Pferde
Arbeitskreisleitung: Mag. Markus Reichhart
Arbeitskreismitarbeiterinnen:
Mag. Helga Cvitkovich-Steiner, Mag. Karin Lobner,
Mag. Sonja Reiselhuber, Dr. Karin Schindler
Arbeitskreisleitung: Mag. Eva Unterberger
Arbeitskreismitarbeiterin:
Mag. Sabine Bisovsky
Am 1. Jänner 2006 wurde die ÖNORM D 1501 „Anforderungen an die Ausbildung von Wellnesstrainern“ veröffentlicht.
Besagte Norm wurde in mehrjähriger Arbeit am österreichischen Normungsinstitut vom Fachnormenausschuss FNA
248 erarbeitet. Dem Fachnormenausschuss gehören u. a.
Vertreter der verschiedensten Organisationen und Berufsgruppen an (Bundesministerium für Gesundheit und Frauen, ÄrztInnen, PsychotherapeutInnen, Physiothera-peutInnen,
ErnährungswissenschafterInnen, DiätologInnen u. a.).
Unsere Berufsgruppe ist durch den VEÖ vertreten. In der
ersten Phase der Normarbeit war Kollegin Angela Mörixbauer
im Fachnormenausschuss tätig, seit 2004 wurde dieser
Aufgabenbereich von mir übernommen.
Die ÖNORM D 1501 schafft Mindestanforderungen für die
Ausbildung von WellnesstrainerInnen und definiert deren
Berufsbild. Die Ausbildung umfasst ein Gesamtstundenausmaß von 320 Unterrichtseinheiten. WellnesstrainerInnen
sind hauptsächlich im Bereich Bewegung tätig. Aspekte der
Ernährung und Entspannung bilden nur Randbereiche der
Ausbildung und haben daher auch im Berufsbild kaum praktische Relevanz.
Ein wesentlicher Aspekt der Norm sind die Grenzen des
Berufsfeldes. Dem VEÖ war es ein besonderes Anliegen,
dass WellnesstrainerInnen aufgrund des geringen Ausbildungsumfangs im Bereich Ernährung nicht zur Ausübung
von Ernährungsberatung befugt sind.
Nach fast 15-jähriger Tätigkeit als Pressesprecherin des
Verbandes übergibt nun Frau Mag. Sabine Bisovsky dieses
Amt an die VEÖ-Vorsitzende Mag. Eva Unterberger. Eva Unterberger ist sich der großen Herausforderung bewusst. In den
vergangenen Jahren ist es Sabine Bisovsky als Sprachrohr
des Verbandes in mehr als 80 Presseaussendungen, unzähligen Zeitungs-, Radio- und TV-Interviews gelungen, den
VEÖ als ernstzunehmendes Meinungsbildungsorgan in
Sachen Ernährung zu positionieren. Nahezu lückenlos wurden Medienvertreter von Acrylamid bis Zitronensaftkur neutral informiert und stets hat der Verband seriös Stellung bezogen.
Inhaltlich-strategisch geht der Arbeitskreis nun geringfügig
neue Wege. Neben anlassbezogenen Fragen (z. B. zu Ostern,
im Advent etc.) wurde der Verband vor allem in Krisenzeiten –
z.B. während der BSE-Krise – verstärkt mit offenen Fragen
der Presse konfrontiert. Daher wird versucht, den Schwerpunkt auf Aufklärungsarbeit in Krisenfällen, wo große Verunsicherung auf Seiten der KonsumentInnen herrscht, zu legen. In dieser Mission stützt der Verband sich auf die Expertise von SpezialistInnen aus dem Bereich der Lebensmittelsicherheit und arbeitet eng mit der Agentur für Gesundheit
und Ernährungssicherheit (AGES) zusammen.
Einblicke 1/2006
Anschrift der Verfasserin:
Mag. Eva Unterberger
eva.unterberger@essenziell.at
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Einblicke 1/2006
Neues vom IfEW
Ernährungspyramiden im Wandel?
Univ.-Ass. Dr. Petra Rust
Welche Nahrungsmittel sollen wir essen? Welche Menge
von welchen Lebensmitteln ist gesundheitsfördernd? Um
Ernährungsempfehlungen für KonsumentInnen anschaulich
darzustellen, kursieren zahlreiche Ernährungspyramiden.
Doch einige davon sind umstritten und missverständlich.
Pyramiden gibt es in unzähligen Ausführungen: nationale,
internationale, mediterrane, ernährungsmedizinische, vegetarische, vegane. Inhaltliche Unterschiede ergeben sich
durch unterschiedliche Interpretationen wissenschaftlicher
Daten und durch verschiedene Zielgruppen.
Die weltweit vermutlich bekannteste Pyramide stammt von
Prof. Willett – sie wird jedoch in vielerlei Hinsicht in Frage
gestellt. Prof. Willett möchte die Fettqualität der Ernährung
verbessern, bei der Fettquantität ist er liberal. So empfiehlt
er einen hohen Verzehr von Obst, Gemüse, Vollkornprodukten
und Meeresfischen. Aufgrund des ungünstigen Einflusses
auf den glykämischen Index soll der Verzehr von Kartoffeln,
Reis und Nudeln eingeschränkt werden. Der Konsum von
Milch und Milchprodukten soll reduziert werden, da ohnehin
zu viel tierisches Protein zugeführt wird.
Seine Kritik an anderen Pyramiden: Alle Fette sind ungünstig! Alle komplexen Kohlenhydrate sind günstig! Protein ist
gleich Protein! Milchprodukte sind lebenswichtig! Außerdem
fehlen Prof. Willett zufolge in den meisten Ernährungsempfehlungen Hinweise zu einem gesunden Körpergewicht,
zu körperlicher Aktivität, zum Alkoholkonsum und zur Vitaminsubstitution.
Robert C. Atkins publizierte seine Diät-Empfehlungen erstmals 1973 und wurde 2002 zum Bestseller. Das Prinzip seiner Diät: kohlenhydratreiche Lebensmittel vom Speiseplan
streichen (d. h. sie stehen an der Spitze der Pyramide) und
stattdessen eiweißreiche Lebensmittel vermehrt verzehren.
Bisherige Untersuchungen zeigen, dass eine moderate
Senkung der Kohlenhydratmenge vor allem bei stark Übergewichtigen Vorteile bringen kann. Insbesondere Backwaren aus Weißmehl, weißer Reis und gesüßte Getränke liefern nur leere Kalorien und sind daher nicht zu empfehlen.
Auf Obst und Vollkornprodukte sollte allerdings entgegen
seiner Empfehlungen nicht verzichtet werden. Zur langfristigen Beurteilung seiner Diät-Empfehlungen fehlen jedoch
Langzeitstudien.
David Ludwig propagiert seit 2000 eine Ernährungspyramide, die den glykämischen Index berücksichtigt. Die
Basis seiner Pyramide bilden Gemüse, zubereitet mit pflanz-
lichen Ölen und Obst. An der Spitze seiner Pyramide finden
sich Weißmehlprodukte, Kartoffeln und Süßigkeiten. Diese
Form der Pyramide unterstreicht die Bedeutung von Gemüse,
Obst und von pflanzlichem Öl. Auch Ludwig unterscheidet
bei den Getreideprodukten hinsichtlich ihrer Qualität. Nicolai
Worm beruft sich mit seiner LOGI-Pyramide auf Ludwig.
Positiv sind die hohen Obst- und Gemüse-Empfehlungen;
umstritten sind allerdings die Aufwertung von Lebensmitteln
tierischen Ursprungs (insbesondere von Fleisch) und die
Positionierung von Kartoffeln an der Spitze der Pyramide.
Was all diese verschiedenen Formen von Ernährungspyramiden verwirrend erscheinen lässt, ist die gleichzeitige
Darstellung von quantitativen und qualitativen Aspekten.
Mit Hilfe der neuen dreidimensionalen Lebensmittelpyramide der DGE kann man sowohl quantitative (Lebensmittelmengen) als auch qualitative (ernährungsphysiologischer Wert) Empfehlungen verbrauchernah darstellen.
Die Basis bildet der seit langer Zeit bekannte Ernährungskreis, der das prozentuale Mengenverhältnis der einzelnen
Lebensmittelgruppen zueinander darstellt. Erweiterte Informationen über die ernährungsphysiologische Qualität der
Lebensmittel liefern die vier Pyramidenseiten (Dreiecke). Die
Lebensmittel sind darin nach objektiven Kriterien, vorrangig
nach Energiedichte und Nährstoffgehalt, eingeteilt.
Die Auseinandersetzungen zwischen den ErnährungsexpertInnen rund um das Thema „Ernährungspyramiden“
fördert sicher deren Optimierung, allerdings können die ohnedies bereits verwirrten VerbraucherInnen mit den vielen,
sich teilweise widersprechenden Variationen nicht Schritt
halten. Selbst Ernährungsfachkräfte kommen ins Schleudern.
Der grundsätzliche Schwachpunkt von Pyramiden besteht
darin, dass die am wenigsten wünschenswerten Lebensmittel an der Spitze erscheinen, als seien sie die „herausragendsten“. Deshalb wäre die Pyramide eigentlich auf den
Kopf zu stellen, wie es auch schon versucht wurde.
Der Einordnung der Lebensmittel in die vier Seiten der dreidimensionalen DGE-Pyramide wurden folgende Kriterien zugrunde gelegt:
1. Lebensmittel vorwiegend pflanzlichen Ursprungs
Kriterien: Energiedichte; Nährstoffdichte (Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe, Ballaststoffe); präventive
Aspekte (Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen)
Lesen Sie weiter auf Seite 14.
Einblicke 1/2006
13
Neues vom IfEW
Fortsetzung von Seite 13.
2. Lebensmittel vorwiegend tierischen Ursprungs
Kriterien: Energiedichte; Nährstoffdichte (z. B. Calcium, Eisen,
Zink, Selen, B-Vitamine, Vitamin D); Fettqualität (gesättigte
Fettsäuren, n-3-Fettsäuren)
Werden die 4 Pyramidenseiten aufgeklappt, ist das Modell
auch zweidimensional nutzbar.
Die dreidimensionale Lebensmittelpyramide der DGE:
3. Speisefette und Öle
Kriterien für Fette: Fettsäurezusammensetzung (n-3-, n-6-,
n-9-Fettsäuren, gesättigte Fettsäuren, Verhältnis von n-6- zu
n-3-Fettsäuren); Vitamin E; Cholesterin; trans-Fettsäuren;
küchentechnische Nutzung. Kriterien für Öle: Verhältnis von
n-6- zu n-3-Fettsäuren; Vitamin-E-Gehalt
4. Getränke
Kriterien: Energiegehalt (mäßig: < 7 % Kohlenhydrate, hoch:
> 7 % Kohlenhydrate); essenzielle Nährstoffe; sekundäre
Pflanzenstoffe; anregende Substanzen; Süßungsmittel
Die dreidimensionale Lebensmittelpyramide bezieht nicht
nur wünschenswerte Lebensmittel, sondern insbesondere
auch Produkte des täglichen Verzehrs ein. Ziel ist es, eine
ausreichende Zufuhr der lebensnotwendigen Nährstoffe in
einem ausgewogenen Verhältnis zu erreichen.
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http://www.dge.de
Einblicke 1/2006
Anschrift der Verfasserin:
petra.rust@univie.ac.at
VIP-Mitglieder des VEÖ
VIP-Mitglieder des VEÖ
Einblicke 1/2006
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Neues von den VIP-Mitgliedern
Frenkenberger BIO-BOX und Hanfprodukte
1996 gründete der Salzburger Bio-Unternehmer Christian Frenkenberger seinen Hauszustelldienst
„Frenki’s BIO-BOX“, der ein reiches Sortiment an frischen Bio-Lebensmitteln vertreibt. Die ProduzentInnen
sind mehr als 40 Salzburger Bio-Bauern und Bio- Bäuerinnen, beliefert werden Privat- und
FirmenkundInnen im Großraum Salzburg. Eine Ausweitung des BIO-BOX Zustellservice auf benachbarte Bundesländer ist in Vorbereitung.
Als zweites Standbein des Unternehmens dient die Erzeugung von Hanfprodukten für Mensch und
Tier. „Hanfnudeln“ erfreuen sich besonders bei Sportlern großer Beliebtheit, die „Hanfwurst für Hunde“ bei bewegungsfreudigen Vierbeinern. Als echte Revolution im Lebensmittelsektor hat sich der
TRINKHANF erwiesen, den Christian Frenkenberger gemeinsam mit dem Department für
Lebensmittelwissenschaften und -technologie an der Wiener Universität für Bodenkultur entwickelt
hat. Das innovative Frischgetränk wurde wegen seiner positiven Wirkungen auf Gesundheit und
Leistungsfähigkeit des Menschen bereits in mehreren Zeitungs- und Fernsehberichten vorgestellt.
TRINKHANF wird aus biologisch angebauten Hanfsamen und reinem Quellwasser erzeugt und basiert auf einem uralten Rezept aus Zentralasien für ein Lebenselixier. Mit seinem hohen Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren,
Spurenelementen und Aminosäuren hat sich der Hanfsamen auch aus westlich-medizinischer Sicht als maßgeschneidert für den menschlichen Organismus erwiesen. TRINKHANF ist frei von Cholesterin und Milchzucker und wird daher
von entsprechend sensiblen Personen gerne als Milch-Ersatz verwendet. Im Biofachhandel wird TRINKHANF derzeit pur
sowie als Mischgetränk mit Kaffee und Kakao angeboten.
Laut Christian Frenkenberger ist das gewaltige Potential des Hanfsamens als Lebensmittel heute bei weitem noch nicht
ausgeschöpft. Auch bietet der Hanfanbau die Chance zu einer grundlegenden Erneuerung der Landwirtschaft. Denn die
älteste Kulturpflanze der Menschheit hat keine natürlichen Feinde und kann daher ganz ohne Einsatz von Insektiziden,
Pestiziden und Gentechnik rein biologisch angebaut werden.
ATB & G Frenkenberger GmbH
Petersbergstraße 6, A-5300 Hallwang
Tel.: 0662/66 25 96-20
http://www.trinkhanf.at
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Einblicke 1/2006
LehrerInnen-Netzwerk
Diplomarbeiten in der Schule
Mag. Christine Mahringer-Eder
Mag. Dr. Birgit Hauer
Seit einigen Jahren besteht u. a. in den höheren land- und
forstwirtschaftlichen Schulen die Möglichkeit, statt wie gewohnt zur schriftlichen Matura mit unbekannter Fragestellung anzutreten, eine Diplomarbeit zu verfassen.
Die SchülerInnen entscheiden sich zu Beginn des letzten
Schuljahres verbindlich für das Verfassen der Arbeit zu einem bestimmten Thema. Davor haben sie bereits im vorletzten Schuljahr eine Einführung in diesen Themenkomplex
erhalten, zwei Unterrichtsgegenstände gewählt, die das Thema der Diplomarbeit umfassen, und den BetreuungslehrerInnen und den außerschulischen PartnerInnen ein Konzept
zur Durchführung vorgelegt. Aus den Erfahrungen der letzten
Jahre entstand die Idee, den SchülerInnen als Hilfestellung
eine Einführung über unterschiedliche Methoden zur Datenerfassung, zur Auswertung von Daten, zur Zitier- und Formatierweise zu geben. Die Diplomarbeit darf nie eine reine
Literaturarbeit sein.
PartnerInnenbetriebe sind Firmen, landwirtschaftliche Betriebe, Kammern, soziale Einrichtungen, Fitnessstudios etc.
Die außerschulischen PartnerInnenbetriebe haben die Möglichkeit, Fragestellungen vollständig oder in einem genau
abgegrenzten Rahmen durch die SchülerInnen bearbeiten
zu lassen. Neben dem Ergebnis der Arbeit können die PartnerInnenbetriebe so auch mögliche zukünftige Angestellte
kennen lernen.
Zwei konkrete Beispiele, deren inhaltliche Schwerpunkte im
Bereich „Ernährung, Lebensmittelverarbeitung und -vermarktung“ angesiedelt sind:
Agnes Eitzinger:
„Ein Buch entsteht – von der Idee bis zur Umsetzung“
Der Themenbereich für das Buch war schnell gefunden –
interessierte Eltern und SchülerInnen sollten von einer Schülerin praktikable Vorschläge und Anregungen für eine gesunde Schuljause bekommen. Die Jausentipps waren
dermaßen ausgelegt, dass die Jausen einerseits ohne
größere zeitliche Belastung für die Eltern zubereitet werden
können, und andererseits auch ohne „Unfälle“ in der Schultasche zu transportieren sind und nicht im Mülleimer landen. Zusätzlich sollte das Buch „Gesunde Ernährung für kluge Köpfe“ auch die wichtigsten wissenschaftlichen Fakten
zum Thema „Gesunde Schuljause und Bewegung“ in leicht
verständlicher Form abdecken.
prüfen und Fotos für das Buch zu machen. Praxistage im
Trauner Verlag in Linz ermöglichten einen Einblick in das
Entstehen eines Buches und die Beantwortung der Frage,
wie das Buch vermarktet werden soll. Bereits bei der Präsentation der Diplomarbeiten konnten einige Exemplare des
Buches verkauft werden.
Magdalena Singer:
„Kundenorientiertes Marketingkonzept für den Absatz von Schaf- und Ziegenmilchprodukten“
Ziel dieser Arbeit war es, Grundlagen für die Weiterentwicklung des elterlichen Betriebes zu erarbeiten, um den Absatz
zu steigern und zu optimieren, damit die Bewirtschaftung im
Vollerwerb auch in Zukunft möglich ist. Mit einem KundInnenfragebogen wurden die KundInnenwünsche ermittelt
und darauf basierend das Marketingkonzept entwickelt. Die
Schülerin hat ein Betriebslogo entwickelt, das auch für die
Gestaltung der Etiketten verwendet wird. Ein großes Anliegen war ihr die Lebensmittelkennzeichnung und die Qualitätssicherung. Am Beispiel eines Produktes wurden die kritischen Kontrollpunkte ermittelt und analysiert sowie ein Erzeugungsprotokoll erstellt, das der Betriebsleiterin zur Kontrolle dient.
Agnes Eitzinger meint stellvertretend für die SchülerInnen,
die sich zum Verfassen einer Diplomarbeit entschlossen
haben: „Ich habe lange überlegt, bevor ich mich auf eine
Diplomarbeit einließ. Selten zuvor hat mich eine Arbeit für
die Schule so viel Zeit und Engagement gekostet. Im Nachhinein betrachtet weiß ich aber, dass das die richtige Entscheidung war. Ich habe enorme Erfahrungen gemacht, die
mir auch bei meiner weiteren Ausbildung und später im Berufsleben helfen werden – Selbstständigkeit, Engagement
und vor allem ein gutes Zeitmanagement waren die Voraussetzungen für das Gelingen meiner Diplomarbeit. Für mich
persönlich soll das eigenständige Erarbeiten von Inhalten
aus dem Bereich Ernährung eine gute Voraussetzung sein,
meinem Berufswunsch Diätologin einen Schritt näher zu
kommen!“
Wir würden uns freuen, wenn sich ErnährungswissenschafterInnen aus „schulfremden“ Branchen eine Zusammenarbeit mit SchülerInnen im Rahmen der Diplomarbeit
vorstellen könnten. Wir leiten Angebote gerne weiter bzw.
stehen für ausführlichere Informationen zur Verfügung. Bei
Interesse schicken Sie bitte einfach ein E-Mail an
ernaehrung.schule@gmx.at.
Neben einer umfangreichen Literaturrecherche wurden die
Rezepte auch tatsächlich zubereitet, um die Eignung zu über-
Einblicke 1/2006
Anschrift der Verfasserinnen:
ernaehrung.schule@gmx.at
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Praxisdialog
Name:
Mag. Alexandra Hofer
Ausbildung:
1992–1998
Diplomstudium Ernährungswissenschaften, Universität Wien, Diplomarbeit: „Ernährungs- und
Gesundheitssituation von PilotInnen und FlugbegleiterInnen“
1986 Abschluss der Höheren Lehranstalt für Tourismus, Modul Wien
Berufsweg:
Seit 1999 Geschäftsführerin bei der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung (ÖGE)
Seit 1998 bei der ÖGE beschäftigt
diverse nebenberufliche Tätigkeiten als Ernährungswissenschafterin in Form von Vorträgen, Mitkonzeption von
Gesundheitsförderungsprojekten und Fachausstellungen, Autorin und Mitautorin von Publikationen für verschiedene
AuftraggeberInnen wie die Stadt Wien, die Arbeiterkammer Niederösterreich, die Agrarmarkt Austria, das forum. ernährung
heute, etc. sowie journalistische Tätigkeiten für diverse Printmedien
Wichtige berufliche Erfahrungen:
Teamarbeit, Begeisterungsfähigkeit, Belastbarkeit, zielorientiertes Handeln und Flexibilität sind Voraussetzungen für
den Erfolg.
Die eigene Arbeit, Sichtweisen und Motive stets selbstkritisch reflektieren.
Netzwerke, Kontakte und Freundschaften pflegen.
Motto: „Glückliche Momente genießen und dabei Kraft tanken.“
Die Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE)
Interview mit Mag. Alexandra Hofer
Wer ist die Österreichische Gesellschaft für Ernährung –
worin liegen die Hauptaufgaben?
Die Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE) ist
ein gemeinnütziger und unabhängiger Verein. Zu den 1.000
Mitgliedern zählen Personen aus den Bereichen Ernährung,
Lebensmittel und Gesundheit. Durch die breit gestreute Zusammensetzung des Vorstands und ihrer Mitglieder hat die
ÖGE ein in Österreich einzigartiges Netzwerk an geballter
„Ernährungskompetenz“ geschaffen. Erfreulich ist, dass die
ErnährungswissenschafterInnen im ÖGE-Vorstand stark vertreten sind (7 von 21)!
Zu den wichtigen Aufgaben der ÖGE zählt die Intensivierung
internationaler Kontakte und Partnerschaften mit Gesellschaften im Ernährungs- und Lebensmittelsektor. National ist die
gute Zusammenarbeit mit dem Verband der Ernährungswissenschafter Österreichs (VEÖ) ein besonderes Anliegen.
Diese soll in Zukunft noch intensiviert werden! Heuer am
8. Juni findet zum zweiten Mal eine gemeinsame Veranstaltung zum Thema „Innovative Getreideprodukte“ statt.
Zu den weiteren Aktivitäten zählen die laufende Dokumentation
und Veröffentlichung neuer ernährungswissenschaftlicher
und lebensmittelbezogener Erkenntnisse und Entwicklungen. Publikationen, wie die Zeitschrift „Ernährung aktuell“
(für Mitglieder kostenlos), die D-A-CH-Referenzwerte für die
Nährstoffzufuhr, die Leitlinie für Getreide und Getreideprodukte, Broschüren und Tagungsbände sowie ein umfangreiches Bestellservice sind nur ein kleiner Auszug des Angebots. Unsere Mitglieder halten wir mittels Newsletter, der
Mitgliederzeitschrift „Ernährung aktuell“, der Zeitschrift „Ernährung – Nutrition“ (für StudentInnen gratis) und der
Homepage über aktuelle Veranstaltungen und Projekte auf
dem Laufenden. Besonders stolz sind wir auf unsere neu
strukturierte Bibliothek (mehr als 800 Werke!) und das umfangreiche Zeitschriftenarchiv (60 Zeitschriften). BesucherInnen sind uns herzlich willkommen!
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Was ist für Sie bei Ihrer Tätigkeit besonders
wichtig?
Mein Job macht mir riesig Spaß! Ein gehöriges Maß an Idealismus ist allerdings für die Arbeit bei einer unabhängigen NonProfit-Organisation Voraussetzung. Besonderen Wert lege ich
bei meiner Tätigkeit auf eine hervorragende Betreuung unserer Mitglieder bzw. ein gutes Klima bei der Zusammenarbeit mit
dem Vorstand, NetzwerkpartnerInnen und meinem Team. Als
Geschäftsführerin bin ich in Abstimmung mit dem Vorstand für
die Kommunikation nach außen in den Bereichen Marketing
und Öffentlichkeitsarbeit, Fortbildung und Projekte zuständig.
In meinen Aufgabenbereich fallen weiters die Redaktionsleitung
der Zeitschrift „Ernährung aktuell“, die Erstellung von Budgetkalkulationen sowie von Geschäftsberichten. Für meine derzeitige Position kommen mir die im Rahmen früherer beruflicher Tätigkeiten erworbenen Qualifikationen, aber auch die
Bereitschaft, sich ständig weiterzuentwickeln, zugute.
Welche Projekte planen Sie für die Zukunft?
Zu den interessantesten Projekten zählt derzeit die Umsetzung eines Gütesiegels für die Gemeinschaftsverpflegung.
Die Kriterien dazu werden gemeinsam mit dem Referat für
GV der DGE erarbeitet und in einem QM-Handbuch publiziert.
Ein weiteres erfolgreiches Projekt ist die Akademie für Ernährung und Lebensmittelqualität für PädagogInnen in Kindergärten und Volksschulen. Die ÖGE ist an der Organisation
mitbeteiligt und ist weiters für die Evaluation zuständig.
Weitere Informationen finden Sie auf unserer Homepage, die
übrigens gerade komplett überarbeitet wird und sich ab Ende
April im neuen „Outfit“ unter http://www.oege.at präsentiert.
E-Mail: info@oege.at
Das Interview führte Mag. Sonja Reiselhuber.
Einblicke 1/2006
Praxisdialog
Name:
Mag. Therese Lindahl
Aus- und Weiterbildung:
Lehramtsstudium, Mathematik und Naturwissenschaften, Universität Linköping, Schweden
(1989–1990)
Lehramtsstudium, Biologie und Erdwissenschaften, Universität Wien (1992–1993)
Diplomstudium Ernährungswissenschaften (Schwerpunkt Technologie), Universität Wien
(Sponsion 2003)
Fortbildung durch Teilnahme an Veranstaltungen in den Bereichen Ernährung und Marketing
Berufsweg:
Sept. 1997 bis Dez. 1998: Assistentin der Geschäftsführung bei der Generalvertretung der Schwedischen Staatsbahnen in Wien
April 1999 bis Sept. 2004: Assistentin der Geschäftsführung bei Nordisk Transport Rail Austria GmbH
Seit Sept. 2004: Projektmitarbeiterin, FFG – Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft, Bereich EIP
Wichtige berufliche Erfahrungen:
Vor und während meines Studiums war ich in verschiedenen Bereichen mit unterschiedlichen Tätigkeiten beschäftigt.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man in jedem Job dazulernen und dass man von überall Kenntnisse mitnehmen
kann, die sich im späteren Berufsleben als nützlich erweisen, auch wenn es einem im Moment nicht so erscheint.
Motto: „Zögere nicht, neue Herausforderungen anzunehmen – man wächst mit der Aufgabe.“
Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG)
Interview mit Mag. Therese Lindahl
Was sind die Aufgabenbereiche und Zielsetzungen der FFG?
Die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft
mbH (FFG) ist die zentrale Organisation in Österreich zur
Förderung von Forschung, Technologie und Innovation. Wir
bieten Beratung, Unterstützung und Förderung bei Forschungs- und Innovationsprojekten. Der Bereich Europäische und Internationale Programme (EIP) ist die Schnittstelle zwischen österreichischen und europäischen bzw. internationalen F&E-Programmen. Das mit Abstand wichtigste
europäische Programm ist das 6. EU-Rahmenprogramm
(6. EU-RP) für Forschung und technologische Entwicklung.
Welche Schwerpunkte umfasst Ihre Tätigkeit bei der FFG?
Ich bin im Bereich EIP, Abteilung Biowissenschaften und
-technologien, tätig. Hauptsächlich betreue ich die Thematische Priorität 5 (TP5) Lebensmittelqualität und -sicherheit
im 6. RP. Die wichtigste Aufgabe ist hier die Betreuung der
KundInnen, die ihre Forschungsprojekte durch eine Förderung von der Europäischen Kommission finanzieren wollen.
Die EinreicherInnen werden mit Informationen zu Ausschreibungen, Beteiligungsregeln, Finanzierung usw. unterstützt.
Außerdem prüfen wir die Formalkriterien, machen Vorschläge
zur inhaltlichen Verbesserung der Anträge. Mein zweiter Schwerpunkt ist „SMEsforFOOD“. Diese EU-Initiative, mit 19 PartnerInnen aus 16 Ländern, hat das Ziel, die Beteiligung von
KMU (Klein- und Mittelbetriebe) an EU-Forschungsprojekten
zu erhöhen, und bietet eine Plattform für Firmen, die ihr
Forschungs-Know-how im Bereich Lebensmittelqualität und
-sicherheit europaweit präsentieren wollen.
die fachlich breit gestreuten Forschungsthemen und Anträge zu verstehen. Außerdem ist der interdisziplinäre Ansatz
bei bestimmten Projekt-Typen besonders wichtig und hier
gehen die Projektanträge oft in angrenzende Bereiche hinein, wie beispielsweise die Landwirtschaft oder Human- und
Veterinärmedizin.
Welchen Stellenwert haben ernährungsassoziierte Projekte
im Bereich der EU-Förderung?
Die Lebensmittelkrisen der letzten Zeit haben die Komplexität
der Fragen der Lebensmittelsicherheit sowie ihre meist internationale und grenzüberschreitende Dimension aufgezeigt. TP5 hat im 6. RP ein Budget von 685 Mio. Euro, das
sind etwa 3,9 % des Gesamtbudgets (17,5 Mrd. Euro) im
6. RP. Die geplanten Maßnahmen sollen dazu beitragen,
jene Grundlagen zu schaffen, die erforderlich sind für den
Aufbau einer umweltfreundlichen Herstellungs- und
Vertriebskette für unbedenklichere, gesündere und abwechslungsreichere Lebensmittel sowie die Bewältigung ernährungsbedingter Risiken.
Die Forschung in TP5 ist eher technologisch ausgerichtet
durch Bereiche wie „Sichere und umweltfreundliche Herstellungsverfahren und -technologien sowie gesündere Lebensmittel“ und „Verfahren zur Sicherstellung der Rückverfolgbarkeit“. Aber auch Themen wie „Epidemiologie ernährungsbedingter Erkrankungen und Allergien“ und „Auswirkungen
von Lebensmitteln auf die Gesundheit“ gehören zu den
Forschungsschwerpunkten.
In welcher Form können Sie sich als Ernährungswissenschafterin dort einbringen?
FFG – Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft
Bereich EIP
E-Mail: therese.lindahl@ffg.at
Homepage: http://www.ffg.at
Die interdisziplinäre Ausrichtung des Studiums der Ernährungswissenschaften bietet ausreichend Basiswissen, um
Das Interview führte Mag. Sonja Reiselhuber.
Einblicke 1/2006
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Buchtipps
CD-ROM DGE-Ernährungskreis
herausgegeben von der DGE
Artikelnummer: 122610, 25,00 Euro, zuzüglich Versandkosten.
Ergänzend zu den Materialien „Die dreidimensionale Lebensmittelpyramide“ (besprochen in den Einblicken 4/05) gibt es jetzt den Ernährungskreis und die
Lebensmittelpyramide auf CD-ROM.
Im PDF-Format werden hier 1 Langvortrag, 1 Kurzvortrag und Einzelfolien angeboten, z. B. zu den 10 Regeln der DGE oder zum Thema „5 am Tag“. Weiters enthält die
CD-ROM 40 Sprechzettel, 62 Textseiten mit Hintergrundinformation (neben den Beschreibungen der einzelnen Lebensmittelgruppen auch zum Diskussionsthema
Low Carb) sowie 6 Seiten Handouts zum Ausdrucken für die TeilnehmerInnen des Vortrages. Weiters befinden sich im
Anhang ein Basisplan für eine vollwertige Kost, PAL-Werte, weiterführende Literatur und Medien.
Zu bestellen unter:
DGE Medienservice
Bornheimerstraße 33b
D-53111 Bonn
http://www.dge-medienservice.de
Dipl. oec. troph. Britta Macho
Das neue EU-Hygienepaket
Heeschen W.
244 Seiten, ISBN 3-89947-192-X, B. Behr’s Verlag GmbH & Co. KG, 2004, 32,50 Euro.
Im April 2004 wurde in Form von drei EU-Verordnungen das neue gemeinschaftliche Hygienerecht erlassen. Die Verordnungen traten bereits im Mai 2004 in Kraft und sind seit 1. Jänner
2006 anzuwenden. Die kompletten Verordnungstexte des so genannten EU-Hygienepakets
(VO 852/2004, VO 853/2004, VO 854/2004) sowie die Richtlinie 2004/41/EG sind in dieser
Ausgabe abgedruckt. Weiters werden die Grundlagen der Lebensmittelhygiene sowie wesentliche Grundsätze und Inhalte des neuen Regelwerkes erläutert. Das Werk liefert umfassende
Informationen zu den Hintergründen, zur Entstehung und zu den Zielen des EU-Hygienepakets.
Mag. Sonja Reiselhuber
Ernährungsmedizin
Widhalm K.
644 Seiten, gebunden, zahlreiche Tabellen und Abbildungen, ISBN 3-901488-51-0, Verlagshaus der Ärzte, 2., überarbeitete und erweiterte Ausgabe, 2005, 49,90 Euro.
Ein Werk, an dem zahlreiche ErnährungswissenschafterInnen und MedizinerInnen geschrieben haben. Der inhaltliche Bogen spannt sich von den allgemeinen Aspekten der Ernährung über Nahrungsbestandteile, Ernährungsanamnese und -erhebungen, klinische Ernährung bis hin zu Ernährung in bestimmten Lebensabschnitten. Für ErnährungswissenschafterInnen besonders interessant sind die folgenden Bereiche: Lebensmittelgesetz
und Gesundheitsschutz – Rechtsfragen, Literatursuche in ernährungswissenschaftlichen
und medizinischen Datenbanken sowie Ernährungsanamnese und -erhebung.
Ein interessanter Beitrag zum Thema Ernährungsmedizin aus österreichischer Feder.
Dipl. oec. troph. Britta Macho
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Einblicke 1/2006
Buchtipps
Naschkatze & Suppenkasper
Mit Spiel und Spaß essen und trinken
Erkert A.
107 Seiten, zahlreiche Zeichnungen, ISBN 3-936286-60-4, Ökotopia Verlag Münster,
2005, 17,00 Euro.
Dieses Buch bietet vielfältige Ideen für Aktivitäten für die Kleinen im Kindergarten und der
Volksschule rund um das Thema „Essen und Trinken“. Lustige Spiele, Bastelanleitungen
und Rezepte machen Themen wie „Spritzige Durstlöscher“, „Milch, Käse und Co.“, „Kräuter
und Gewürze“, „Knackfrische Gemüse und Salate“ für die Kinder zum Erlebnis. Auch die
Ausrichtung des Elternabends, einmal nicht als Vortrag, sondern als praktisches Erlebnis,
wird thematisiert.
Ein gutes Buch mit vielen Ideen zu Stationen-Spielen in Kindergarten und Volksschule.
Dipl.Mag.
oec. Sonja
troph. Britta
Macho
Reiselhuber
Geschmacksschule
Dollase J.
192 Seiten, gebunden, zahlreiche Farbfotos, ISBN 3-937963-20-0,
Tre Torri Verlag, 2. Auflage 2005, 51,30 Euro.
Wer sich gerne genussvoll mit dem Thema Sensorik befassen möchte, dem bietet dieses
Buch dazu die Gelegenheit. Ein geschmackvoll und aufwendig gestaltetes Werk vom bekannten Restaurantkritiker und Kolumnisten Jürgen Dollase. Genaue Schritt-für-Schritt
Anleitungen zum Schmecken bis hin zur graphischen Darstellung der geschmacklichen
Wahrnehmung stehen in engem Zusammenhang mit Rezepten zum Selbst-Ausprobieren.
Spannend für alle, die sich gerne mit dem Thema Genuss und Geschmack beschäftigen.
Allein das Lesen bereitet Genuss!
Dipl. oec. troph. Britta Macho
Vitamin-Geschichten
Wie verrückte Hühner und britische Leichtmatrosen
der Medizin auf die Sprünge halfen
Biesalski H-K, Kleiböhmer D., Come R.
60 Seiten, zahlreiche Illustrationen,
kostenlos zu beziehen bei Orthomol pharmazeutische Vertriebs GmbH,
Presse und Öffentlichkeitsarbeit, Herzogstraße 30, D-40764 Langenfeld,
Manuela Rohman, mrohman@orthomol.de
Der Ernährungsmediziner Hans-Konrad Biesalski, die Biologin Daniela Kleiböhmer und der Künstler Raymond Come
haben es geschafft, das Thema Vitamine, ihre Entdeckung und Bedeutung, auf amüsante Weise in Wort und Bild zu
fassen. Geschichten über verrückte Hühner, Zahnausfall bei Matrosen oder den Vitaminräuber Avidin werden von
lustigen Illustrationen begleitet.
Unterhaltsam und trotzdem wissenschaftlich fundiert macht das Buch nicht nur kleinen Leuten Spaß beim Lesen.
Dipl. oec. troph. Britta Macho
Einblicke 1/2006
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Webtipps
WWW-TIPPS
http://www.efsa.eu.int/press_room/press_release/1340_de.html
Risikowahrnehmung und Lebensmittelsicherheit
Die im Februar 2006 publizierte Eurobarometer-Umfrage gibt wertvolle Einblicke in die
Wahrnehmung der KonsumentInnen zu Gesundheitsrisiken, insbesondere in Zusammenhang mit Lebensmittelsicherheit. Die Untersuchung wurde von der Europäischen
Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und der Generaldirektion Gesundheit und
Verbraucherschutz (GD SANCO) der Europäischen Kommission gemeinsam in Auftrag gegeben und fand in der Zeit von September bis Oktober 2005 statt.
http://www.ecc-kiel.de/food/enummern.html
Wörterbuch der Zusatzstoffe
In der Europäischen Union sind zurzeit über 300 Zusatzstoffe für Lebensmittel zugelassen, wobei ständig neue hinzukommen. Sie sind in allen Ländern der Europäischen
Union und zum Teil sogar weltweit gültig. In der Deklaration muss immer der Klassenname enthalten sein, danach kann entweder der spezifische Name oder die EWGNummer folgen. In diesem Wörterbuch können nun die spezifischen Namen in fast
allen europäischen Sprachen nachgeschlagen werden sowie die chemische Formel
und die Zulassung, z. B. für biologische Lebensmittel, leicht erkannt werden.
http://www.gmo-compass.org
GMO-Compass ist ein von der Europäischen Kommission finanziertes Internetportal,
das von unabhängigen WissenschaftsjournalistInnen geschrieben wird. Es informiert
umfassend über gentechnisch veränderte (GV-) Pflanzen und Lebensmittel. Die EU
möchte mit diesem englischsprachigen Portal zu einer sachbezogenen Meinungsbildung bei den europäischen KonsumentInnen beitragen. Der GMO-Compass bietet
viele Hintergründe und Informationen zu Züchtungszielen sowie zur Verwendung und
zum Zulassungsstatus von GV-Nutzpflanzen in der EU. Die Rubrik „Regulations“ dient
als Orientierungshilfe bei der Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit von GV-Lebensmitteln. Das Glossar enthält Fachbegriffe aus der Genetik und der Gentechnik.
http://www.bfr.bund.de/cd/7245
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat auf dieser Seite ausgewählte Fragen
und Antworten zu Geflügelfleisch und daraus hergestellten Produkten zusammengestellt. U. a. nimmt es sich auch der Frage an, was im Hinblick auf die Vogelgrippe zu beachten ist. Dieser Punkt, der bei Vorträgen öfters zur Sprache kommt, wird hier kompetent abgehandelt.
http://www.agrarinfo.at
Agrarmarkt Austria, Berglandmilch, Lebensministerium, Österreichische Jungbauernschaft, Raiffeisen Ware Austria und Telekom Austria bieten unter dieser Seite eine
gemeinsame Homepage rund um die Themen Landwirtschaft und Genuss an. Unter
„Verzeichnis“ findet man derzeit ca. 7.000 Agrarlinks und 3.000 Genussadressen, u. a.
auch mit vielen Veranstaltungshinweisen, Messeterminen und Presselinks.
http://www.wien.gv.at/who/pdf/ernaehrung-2004.pdf
Der 2. Wiener Ernährungsbericht ist online verfügbar.
http://www.codexalimentarius.net
Der Codex Alimentarius ist eine Sammlung von Normen für die Lebensmittelsicherheit
und -produktqualität, die von der FAO und der WHO erstmals 1968 herausgegeben
wurde. Diese Normen sind zwar nicht rechtsverbindlich, haben aber dennoch national
und international eine große Bedeutung und werden als wissenschaftlich basiert anerkannt. Ziel des Codex ist es, die Gesundheit der VerbraucherInnen zu schützen und
faire Geschäftsmethoden im Lebensmittelhandel zu garantieren.
Die Webtipps wurden zusammengestellt von
Dipl. oec. troph. Britta Macho.
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Einblicke 1/2006
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Seele and Geist
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