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4 Wie sieht der Soldat in Zukunft aus? - Heer

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2 / 12
4 Wie sieht der Soldat in Zukunft aus?
10 Berufschancen dank der Armee
14 GMTF: Das jüngste Fahrzeug der Infanterie
24 Neuer Test für zukünftige Gebirgsspezialisten
Editorial
armee.ch – Heeresausgabe
Liebe Leserinnen, lieber Leser
Nein, wir haben keine Adressen verwechselt – Sie halten die erste Ausgabe des armee.ch – Heeresausgabe in Ihren Händen und die Zeitschrift ist auch für Sie bestimmt.
«Ihr» armee.ch soll Ihnen Neuigkeiten aus den Bereichen liefern, in
denen Sie, geschätzte Armeeangehörige, Dienst leisten. Sie werden in
dieser Ausgabe diverse Beiträge finden: da gibt es unter anderem einen Erfahrungsbericht über einen WK mit FIS HE, einen Artikel über
die Umstellungen der Schulen im Lehrverband Panzer und Artillerie
oder ein Interview mit dem neuen Kommandanten der Militärmusik.
Die Heeresausgabe soll eine Wertschätzung für Ihren Einsatz zu Gunsten unserer Milizarmee sein. Sie gehören genauso dazu wie jeder Mann
und jede Frau, die in unseren Brigaden eingeteilt sind. Ich danke Ihnen herzlich für Ihren Einsatz und wünsche Ihnen bei der Lektüre
viel Vergnügen.
Ihr Kommandant
Korpskommandant Dominique Andrey
2 armee.ch Heer 2 / 12
Bild: ZEM
Bisher mussten Sie sich mit der so genannten «CdA-Ausgabe» begnügen, währendem jede Einsatzbrigade unserer Armee eine eigene Ausgabe mit eigenen Themen hatte. Ich freue mich sehr, dass nun auch alle anderen im Heer – die Lehrverbände, die Territorialregionen und
die Kompetenzzentren – die Gelegenheit bekommen, eine eigene Ausgabe zu produzieren.
Titelbild
So könnte der Soldat der Zukunft aussehen
(Bild: ZEM)
Inhalt
4 IMESS: Integriertes Modulares Einsatzsystem Schweizer Soldat
6Einführung des FIS HE beim FU Bat 21
8 Die Territorialregion 2 übt den Spagat!
10 Die Schweizer Armee: Freiheit, Sicherheit … und Berufschance!
Die Territorialregion 3 an der ESPOprofessioni in Lugano
12Erneute Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg
13 «Von der Schnittstelle zur Nahtstelle»
Interview mit Divisionär Hans Peter Kellerhals
14 GMTF: jüngstes Fahrzeug der Infanterie
4 Der Soldat der Zukunft
IMESS will die Fähigkeiten des kämpfen-
den Soldaten verbessern.
16 Projekt «OPTIMUS» im Lehrverband Panzer und Artillerie
18 Genie und Rettung – WIR SIND BEREIT!
Aufgaben und Organisation des Lehrverbands Genie/Rettung
20 Sanitätskompanie 3: Einsatz am WEF 2012
22 Ein WK im kanadischen Halifax
24 Steil bergwärts – auch in der Armee
Komp Zen Geb D A: vordienstliche Eignungsprüfung
26 Spitzensportförderung in der Armee
10
28Agenda
Impressum
«armee.ch», die Zeitschrift für die Angehörigen der Schweizer Armee, Ausgabe des Chefs der Armee,
erscheint zweimal jährlich auf Deutsch, Französisch und Italienisch
Nächste Ausgabe:
1/2013 Redaktionsschluss:05.05.2013
Erscheint am: 05.07.2013
Herausgeber: Kommandant Heer
Redaktion: Kommunikation Heer, Papiermühlestrasse 14, 3003 Bern
Übersetzungen: Übersetzungsdienste VBS
Gestaltung: Zentrum elektronische Medien (ZEM), LBA
Druck: Ziegler Druck- und Verlags-AG, 8400 Winterthur
Adressänderungen: Schriftlich beim Sektionschef des Wohnorts
Copyright: VBS, Bereich Verteidigung
Internet: www.armee.ch/heer
22
Ter Reg 3 an der ESPOprofessioni
Die Armee stellte sich als Arbeitgeberin vor.
Ein WK im kanadischen Halifax
Erstmals absolvierte das Schweizer
Armeespiel einen WK ausserhalb
von Europa.
armee.ch Heer 2 / 12
3
HEST
IMESS
Integriertes Modulares
Einsatzsystem Schweizer Soldat
1Ausgangslage
Infanteriekräfte werden auch künftig gegen
fast alle Bedrohungen zum Einsatz kommen:
um die Zivilbehörden zu unterstützen, um
Räume zu überwachen und zu sichern und
letztlich auch um Räume zu nehmen und
zu halten.
Diese Fähigkeit mit «Männern am Boden» zu wirken ist eine Stärke des Heeres,
insbesondere der Infanterie, der abgesessenen Panzergrenadiere und der Grenadiere, deren kleinstes taktisches Element der
Zug ist.
Der Erfolg dieser Aufträge hängt von
der Durchsetzungsfähigkeit und der Leistungsstärke der Kräfte ab.
Mit dem Projekt IMESS hat das Heer
die Absicht, die zukünftige Entwicklung der
abgesessenen kämpfenden Kräfte zu steuern
und die Fähigkeiten seines kleinsten taktischen Verbandes zu verbessern.
Insbesondere geht es darum, den Infanteristen bis auf Stufe Zug in folgenden
4 armee.ch Heer 2 / 12
Bereichen zu stärken:
•Führungsfähigkeit
•Durchsetzungsfähigkeit
•Beweglichkeit
•Überlebensfähigkeit
•Durchhaltefähigkeit
Ziel des Projektes ist auch, die Allwettertauglichkeit zu verbessern sowie Teile der
heute verwendeten Ausrüstungskomponenten besser aufeinander abzustimmen und
auf den neuen Stand der Technik zu bringen.
Dabei spielen die Faktoren Ergonomie und
Modularität eine wesentliche Rolle.
2Programmumfang
IMESS wurde bisher – und wird noch bis
mindestens 2016 – aus dem Kredit für Projektierung, Evaluation und Beschaffungsvorbereitung (PEB) gespiesen. Armasuisse führt
das Vorhaben IMESS im Auftrag der Abteilung Armeeplanung. Sie führt dazu ein integriertes Projektteam mit Spezialisten aus den
Bereichen armasuisse, Heer, Führungsunterstützungs- sowie Logistikbasis der Armee.
3Programmablauf
• Ende 2004 Projektstart (erstellen von
Prototypenausrüstungen)
• 2008: Truppenversuche
• SRM (Serienreifmachung) Vertragsabschluss im Januar 2011 mit der Firma
EADS / Cassidian
• Bis 2013 werden noch technische Versuche mit dem aktuellen Mengengerüst von
25 Sdt-Systemen und 5 Fz (4 RadSpz 93
und 1 Duro I) durchgeführt.
• Ab 2014 ist ein zweiter Truppenversuch
IMESS mit einem erweiterten Mengengerüst (zirka 50 Systeme = 1 vollständiger Inf DD Zug) geplant.
• Abschliessend sollen die Systeme in eine
ganzjährige Testphase zur Truppe gehen.
Als erste Nutzer wurden die InfanterieDurchdiener bestimmt.
HEST
4 Stand heute
Die modernisierte Ausrüstung umfasst auf
der Stufe jedes einzelnen Soldaten die folgenden Teile (nicht abschliessende Aufzählung
und den Fähigkeitsbereichen zugeordnet):
• für die Verbesserung der Führungsfähigkeit:
– ein digitales Funkgerät;
–ein kombiniertes Headset- & Gehörschutzsystem;
–ein auf Mann tragbarer Kleinstcomputer mit Karten- sowie Informationsdarstellungen für die Einsatzplanung;
– ein Informationsdisplay (klappbar, auf
dem Schutzhelm montiert).
• für die Erhöhung der Überlebensfähigkeit:
– Schutzhelmsystem mit Halterung für
optronische Geräte;
–Schutzbrillen;
–Einsatzhandschuhe;
– Schutzweste gegen Stich- und Schusswaffen.
• für die Erhöhung der Beweglichkeit:
– eine möglichst gewichts- und volumenoptimierte sowie modulare Ausrüstung;
• für die Erhöhung der Durchhaltefähigkeit:
–ergonomisch optimierte Trageweste
für die persönliche Ausrüstung sowie
Munition;
–ausdauernde System-Akkus (in der
Trageweste eingebaut);
– Sensoren für GPS und Trägheitsnavigation (in der Trageweste eingebaut);
–eine leistungsfähige, gewichts- und
energieoptimierte Rechnerausrüstung (Computer Soldat) zur Koordination und Steuerung aller elektronischen Systemteile (in der Trageweste
eingebaut);
– Trinksysteme (mehrere Liter Inhalt).
• für die Erhöhung der Durchsetzungsfähigkeit:
–optronische Komponenten zum wirkungsvollen Einsatz der persönlichen Waffe, dem Sturmgewehr 04/07
(Videovisier mit Tagbild- und Wärmebildgerät,
Restlichtverstärker,
Laserzielmarkierer, holografisches
Zielvisier).
Dazu gehören unter anderem optronische
Komponenten für den Einsatz der Maschinengewehre, Geräte für das Laden der
System- und Geräte-Akkus und gehärtete
Notebooks für die Einsatzplanung auf Verbandsstufe.
Im Weiteren müssen spezifische Anpassungen an den Einsatz- und Logistikfahrzeugen der IMESS-Formation (Radspz 93
und DURO I) vorgenommen werden.
5Fazit
Es ist allen Projektmitgliedern bewusst, dass
die Realisierung eines solch hochkomplexen
Vorhabens Zeit in Anspruch nimmt, um allen Forderungen gerecht zu werden.
Das Vorhaben IMESS wird noch bis
mindestens 2016 als Projekt weitergeführt.
Dieser Prozess bietet uns die besten Voraussetzungen, um in Zukunft weitere Entscheide sachlich und objektiv zu treffen.
Selbst wenn eine grössere Beschaffung
erst nach Jahren erfolgen sollte, ist der bereits realisierte Aufbau von militärischem
und technischem Know-how ein Gewinn für
moderne Soldatensysteme und eine wertvolle Investition in die Zukunft. n
armee.ch Heer 2 / 12
5
Ter Reg 1
Einführung des FIS HE beim FU Bat 21
Im Rahmen seines WK 2012 wurde das FU Bat 21 am neuen Führungsinformationssystem Heer (FIS HE) ausgebildet. Es ist
damit der zweite Truppenkörper seiner Art, der dieses Jahr Bekanntschaft mit dem vernetzten Informationssystem gemacht
hat, das ermöglicht, ein Bild der taktischen Lage auf sämtlichen Stufen zu erstellen und somit den Führungsprozess der Kommandanten unterstützt. Als erstes Bataillon konnte es die neue Ausbildungsinfrastruktur des FIS HE in Frauenfeld nutzen, die
insbesondere dank der Einrichtungen, die der Waffenplatz bietet, enorm zum Erfolg dieses Dienstes beigetragen haben.
Oberstlt i Gst Christophe Lehmann,
Stab FU Bat 21
Ein System mit Milizeignung?
Unklar war zu Beginn unter anderem, ob die
Milizangehörigen in der Lage sein würden,
ein dermassen komplexes System in so kurzer Zeit verstehen und anwenden zu können.
Im Laufe des vollständig von einer Berufskomponente geleiteten Kaderkurses wurden
die anfänglichen Zweifel jedoch zerstreut.
Auch wenn die in die Führungsunterstützungstruppen eingeteilten AdA aufgrund
ihrer spezifischen, bei ziviler Ausbildung
und Tätigkeit erworbenen Fachkompetenz
ausgewählt wurden, hat sich schnell gezeigt,
dass das Verständnis des FIS HE vor allem
eine Generationenfrage ist. Kdt HQ Kp bestätigt diesen Eindruck: «Die erforderlichen
Grundkompetenzen zur Inbetriebnahme,
6 armee.ch Heer 2 / 12
Nutzung und Wartung des FIS HE durch
die Truppe waren bereits durch den Erfahrungsschatz im Bereich Informations- und
Kommunikationssysteme gegeben, den die
heutige Generation aus dem Zivilleben mitbringt. So habe ich zum Beispiel bei einer
spontanen Umfrage festgestellt, dass 100%
der AdA täglich mindestens ein «Smartphone» verwenden und mindestens einmal wöchentlich am Computer arbeiten.»
Auch wenn das FIS HE dem AdA umfangreichere IT-Kenntnisse abverlangt als
eine einfache Büroanwendung, kann man
das Fehlerrisiko durch Einhaltung der Prüflisten und Verfahrensvorgaben derart minimieren, dass sich etwaige Bedienfehler
im Allgemeinen schnell korrigieren lassen.
Trotzdem müssen noch Lösungen zur Vereinfachung des Programms und seiner Konfiguration gefunden werden, um auch bei
mitunter längeren Abständen zwischen zwei
Diensten eine Inbetriebnahme ohne die Unterstützung von Berufsmilitärs zu gewährleisten.
Ein System zur Prozessunterstützung
Während der ersten Dienstwoche, die der
Grundausbildung der verschiedenen Funktionäre gewidmet war, erfolgte parallel eine
Stabsübung unter dem Decknamen «SISMA»: Das fiktive Szenario beschrieb eine
Katastrophe infolge eines grossflächigen
Erdbebens im Rheintal. Beteiligt waren die
Territorialregion 4, ihre kantonalen Verbindungsstäbe sowie die zahlreichen zivilen
Partner. Ein weiteres Mal hat das System seine Vielseitigkeit bewiesen, wie der stellvertretende Bataillonskommandant bestätigt:
«Das FIS ist ein äusserst nützliches Werkzeug für alle Stäbe. Es ermöglicht während
sämtlicher Planungsprozesse eine zentrale
Dokumentenverwaltung und eine massive
Ter Reg 1
werden kann; die Hauptschwierigkeit dabei
liegt darin, über einen so langen Zeitraum
die Konzentration und Präzision auf sämtlichen Stufen aufrechtzuerhalten.»
Vorwärts
Die dritte Woche, die der Aktionsführung
auf Bataillonsstufe gewidmet war, begann
mit der Implementierung des FIS HE im
Hauptquartier sowie in den kantonalen Stäben – stets gemäss dem «SISMA»-Szenario.
Krönender Abschluss war dann der mobile
Einsatz des Systems mit Auslösen der Führungsstufe auf einer Führungsachse zwischen Frauenfeld und Gossau, wobei das System zur Freude seiner Nutzer bis an seine
Leistungsgrenze eingesetzt wurde: «Die Anwendung ist genial! Als Kommandant kann
ich auf einen Blick meinen eigenen sowie die
Standorte aller Fahrzeuge der Führungsstufe
erfassen. Die kantonalen Territorial-Verbindungsstäbe werden quasi in Echtzeit über die
Lage im Schadengebiet informiert.»
Trotz dieses leidenschaftlichen Plädoyers lassen sich jedoch die mit der Unausgereiftheit des Systems einhergehenden Mängel nicht leugnen, insbesondere hinsichtlich
Datenfluss und Verbindungsstabilität, welche für eine optimale Funktionstüchtigkeit
während der Verschiebung erforderlich sind.
Fazit
Zeitersparnis bei der Erstellung und Weitergabe von Karten und anderen graphischen
Hilfsmitteln…».
Drill, Drill, Drill…
Die zweite Woche war den Kompanieübungen gemäss den Vorgaben des «SISMA»Szenarios gewidmet. Dabei handelte es sich
weniger um Übungen im üblichen Sinne,
sondern vor allem um Drill der Phase «0»,
also das Konfigurieren und Starten der Systeme auf allen Terminals und Fahrzeugen ei-
ner Einheit. Tatsächlich ist im Prinzip jede
Verschiebung illusorisch, wenn dieser erste
Schritt nicht genaustens befolgt wird: «Da
der Erfolg oder Misserfolg jedes Einsatzes
von der Phase «0» abhängt, muss diese detailliert geplant werden: genauer Zeitplan,
präzise Zuweisung der personellen, materiellen und technischen Ressourcen usw.
Die zahlreichen Wiederholungen dieser Abläufe haben letztendlich dazu geführt,
dass das System innert vier Stunden für das
gesamte Bataillon in Betrieb genommen
Das FU Bat 21 hat bei seinem WK bewiesen,
dass ein Milizverband – mit Unterstützung
eines kleinen professionellen Kerns – durchaus in der Lage ist, das FIS HE einzusetzen.
Die Übungen haben gezeigt, dass das System bei subsidiären Einsätzen nutzbringend
verwendet werden kann und für den Kommandanten unleugbare Vorteile bei der Erstellung eines konsolidierten Lagebildes aufweist. Es bleibt festzustellen: Das FIS HE
weist zwar noch Verbesserungspotenzial auf,
ist aber schon jetzt durchaus einsatzfähig. n
armee.ch Heer 2 / 12
7
Ter Reg 2
Die Territorialregion 2 übt den Spagat!
Das Gebiet der Ter Reg 2 erstreckt sich vom Mittelpunkt der Schweiz bis an die Landesgrenze zu Frankreich und Deutschland. Um allen Ansprüchen in diesem Raum gerecht zu werden, befindet sich die Ter Reg 2 in einem interessanten und anspruchsvollen Spagat. Als Bindeglied zwischen Kanton und Armee gilt es, die regionalen Besonderheiten zu erkennen und die
zu erbringenden Leistungen entsprechend anzupassen. Dies wird in unterschiedlichen Übungen trainiert und konnte schon in
verschiedenen Einsätzen bewiesen werden.
Florian Ulrich, C Komm Ter Reg 2 ad interim
Der Raum der Ter Reg 2 erstreckt sich über die Kantone Luzern, Obwalden, Nidwalden, Solothurn, Basel-Stadt, Basel-Landschaft und
Aargau. Dass die Ansprüche und Erwartungen an die Armee unter
den Kantonen stark variieren, ist dabei offensichtlich. Die Gebirgskantone Ob- und Nidwalden erwarten von der Armee andere Leistungen als die Grenzkantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft. Diese
Erwartungen muss die Ter Reg 2 erkennen, um der jeweiligen Situation angepasst begegnen zu können. Grundsätzlich sind alle Kantone
autonom um ihre Sicherheit besorgt. Bei Ereignissen grösseren Ausmasses sind deren Mittel jedoch rasch erschöpft und als Folge daraus wird bei der Stufe Bund um Unterstützung nachgefragt. In diesen
Fällen kann die Armee subsidiäre Hilfe leisten, wobei die Ter Reg 2
eine entscheidende Rolle als Bindeglied zu den Kantonen übernimmt.
Doch was oder wer ist überhaupt die Ter Reg 2?
Die Ter Reg 2 ist die Scharnierstelle zwischen der Armee und den
Kantonen. An der Schnittstelle zu den kantonalen Behörden gewährleistet sie mit ihrem spezifischen Wissen für den eigenen Raum unter anderem einen zeit- und lagegerechten Informationsaustausch
8 armee.ch Heer 2 / 12
bzw. –fluss und koordiniert je nach Fall den Einsatz von ihr unterstellten Mitteln zugunsten der Kantone. Sie besteht aus dem Stab, je
einem Kantonalen Territorial-Verbindungsstab pro Kanton (KTVS),
dem Führungsunterstützungs Bataillon 22, dem Katastrophenhilfe
Bataillon 2 und dem Genie Bataillon 6. Im Rahmen eines Einsatzes
können ihr zusätzliche Bataillone zugewiesen oder unterstellt werden. Kommandiert wird die Ter Reg 2 seit 2009 von Divisionär Andreas Bölsterli.
Aufgabenumsetzung
Um die an sie gestellten Aufgaben erfüllen zu können, unternehmen
die Angehörigen der Ter Reg 2 verschiedenste Anstrengungen. So
unterstützt die Ter Reg 2 zum Beispiel namhaft die alljährliche «Regionale Militärdirektorenkonferenz» im angestammten Raum, oder
es werden in Stabsübungen mit unterstellten Bataillonen gemeinsam
mit den zivilen Partnern verschiedene Themen trainiert. Dass der
Kommandant persönlich einen engen Kontakt mit den verantwortlichen Regierungsrätinnen und -räten das ganze Jahr hindurch pflegt,
gehört ebenfalls zu seiner Aufgabe und versteht sich von selbst. Al-
Bilder: Ter Reg 2
Ter Reg 2
le Anstrengungen dienen letztlich einem übergeordneten Ziel, nämlich dem des «Sicherheitsverbundes Schweiz».
Auch mit der Bevölkerung und speziell den Arbeitgebern sucht
man den Kontakt, um die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und den
Wert der Armee und ihrer Kaderausbildung aufzeigen zu können.
Stetiges Training notwendig
Die Bataillone der Ter Reg 2 sind speziell für die Bewältigung von
Naturkatastrophen geschult. Um bei einem Einsatz Professionalität
und Sicherheit gewährleisten zu können, wird das benötigte Handwerk in den jährlichen Fortbildungsdiensten trainiert. Zudem müssen das Kommando und Teile des Stabes die Führungsbereitschaft
im Sinne eines Piketts über das ganze Jahr lückenlos sicherstellen.
Unter der Bezeichnung «SEISMO 12» fand im Frühjahr eine
gross angelegte, internationale Stabsrahmenübung statt. Das Szenario dieser Erdbebenübung basierte auf dem schweren Erdbeben
von Basel von 1356. Das Schadensausmass eines solchen Erdbebens
in die heutige Zeit übertragen, zeigte ein eindrückliches Szenario,
das es zu bewältigen galt. Die Ter Reg 2 nahm mit dem alarmierten
Kernstab inkl. Kantonale Territorialverbindungsstäbe an der Übung
teil und wurde in dieser interessanten und lehrreichen Übung auch
stark gefordert.
Andreas Bölsterli wertete die Übung als Erfolg, denn «durch
die enge Zusammenarbeit mit mehreren Kantonsregierungen während der Übung konnten einige Schwachstellen in der Kommunikation zwischen den Behörden und uns aufgedeckt und anschliessend
verbessert werden.»
In naher Zukunft sind weitere anspruchsvolle Übungen geplant.
Im 2014 soll mit der «Sicherheitsverbundsübung 14» die Zusammen-
arbeit der Partner im Sicherheitsverbund Schweiz überprüft und weiterentwickelt werden. Im 2015 beabsichtigt der Kdt Ter Reg 2, eine
rund eineinhalb Wochen dauernde Volltruppenübung («CONEX 15»)
durchzuführen. Dabei sollen aufgrund des Szenarios jene Truppen
in den Einsatz kommen, die den Überlegungen der Weiterentwicklung der Armee im Bereich der Territorial Regionen entsprechen. Das
Thema dieser Übung ist der subsidiäre Sicherungseinsatz zum Schutz
des Rheinhafens und weiterer kritischer Infrastrukturobjekte in den
Kantonen Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Solothurn und Aargau. Anhand solcher anspruchsvoller Übungen können die Erwartungen
der Kantone festgestellt und die Zusammenarbeit trainiert werden.
Übungen sind kein Selbstzweck
Dass diese Übungen nicht nur Selbstzweck sind, wurde schon an
verschiedenen Anlässen und Katastropheneinsätzen bewiesen. So
war beispielsweise die Ter Reg 2 massgeblich an der Ereignisbewältigung beim Unwetter 2005 beteiligt. Mit über 14 000 Manntagen, vielen Fahrzeugen und schwerem Gerät wurden Verkehrs- und Kommunikationswege wieder hergestellt und die von der Infrastruktur
abgeschnittene Bevölkerung mit Hilfslieferungen unterstützt. Auch
an erfreulicheren Anlässen war die Ter Reg 2 aktiv beteiligt. So unterstütze sie die zivilen Behörden und Organisationen bei der EURO
08 und übernahm die Planung und Durchführung des Einsatzes in
den ihr zugewiesenen Kantonen.
2014 wird die Schweiz den Vorsitz der OSZE innehaben. Im Zusammenhang mit der Ausübung dieses Vorsitzes ist eine Ministerratstagung Ende 2014 auszurichten, die unter anderem in Basel stattfinden könnte. Im Falle, dass Basel den Zuschlag erhält, wäre auch
hier der Einsatz seitens Ter Reg 2 gefordert. n
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Ter Reg 3
Die Territorialregion 3 an der ESPOprofessioni in Lugano
Die Schweizer Armee: Freiheit,
Sicherheit … und Berufschance!
Alle zwei Jahre organisiert die Abteilung für Berufsbildung des Kantons Tessin eine Ausstellung. Dort werden den jungen
Menschen Berufsgattungen und Lehrgänge vorgestellt, welche ihnen nach Abschluss der obligatorischen Schulzeit offen
stehen. Die Armee wurde von der Direktion für Bildung, Kultur und Sport ebenfalls zur Teilnahme eingeladen. Als wichtige
Arbeitgeberin und aktiv in der Berufsbildung von jungen Leuten, gab es für die Armee nur eine Antwort: «Anwesend!»
Oberstlt Graziano Regazzoni,
Kommunikation Territorialregion 3
ESPOprofessioni heisst die Berufsausstellung der italienisch-sprachigen Schweiz.
Diese Berufsmesse ist inzwischen für junge
Leute der Anlass, den es schlichtweg nicht
zu verpassen gilt, wenn sie sich über ihre
berufliche Zukunft informieren wollen:
über Plätze in öffentlichen Schulen oder in
öffentlichen oder privaten Institutionen,
welche sich in der Berufsbildung engagieren. Die Ausstellung wird von Durchführung
zu Durchführung erfolgreicher. Während
der fünf Ausstellungstage 2012 waren ungefähr 30 000 Besucherinnen und Besucher
in Kontakt mit mehr als 200 vorgestellten
Berufen. Darunter befanden sich auch die
Berufslehrgänge innerhalb der Verteidigung.
Die Armee ist in der Tat eine wichtige
Arbeitgeberin und Akteurin in der Berufssowie Weiterbildung von jungen Menschen.
Ihr Angebot von Berufsgattungen und
Lehrstellen blieb indessen auch von den
Organisatoren der ESPOprofessioni nicht
unbeachtet, welche auch für die diesjährige
Ausstellung einen Platz reservieren wollte für
die mannigfaltigen Berufschancen innerhalb
der Armee.
Für die Territorialregion 3 war es eine
Freude und Ehre zugleich, der Aufforderung
des Chefs der Armee Folge zu leisten und sich
um die Organisation des Pavillons und der
Koordination der verschiedenen Einzelheiten zu kümmern. Der Stand war draussen
vor dem Ausstellungszentrum Lugano positioniert und wurde vom Lehrverband Genie/
Rettung aufgebaut. Dabei konnten die in der
Grundausbildung erworbenen Fähigkeiten
gleich praktisch umgesetzt werden. Es wurde
ein gut sichtbarer Aufbau zur Verfügung
gestellt, welcher das Interesse der Ausstellungsbesucher zu wecken vermochte.
Am Armeestand konnten die jungen
Schülerinnen und Schüler die Berufe im zivilen und militärischen Bereich der Verteidigung kennenlernen, wobei die Letzteren erst
10 armee.ch Heer 2 / 12
nach Abschluss der Rekrutenschule möglich
sind. Aus diesem Grund begann der Durchgang des Pavillons gleich mit der Rekrutierung. In Zusammenarbeit mit der Sektion
Militär des Kantons Tessin illustrierte hier
das Personal des Rekrutierungszentrums
Ceneri das breite Spektrum der militärischen
Funktionen, welche in der Rekrutenschule
zugänglich sind.
Den Besuchern wurde ein Weg durch
die verschiedenen Einheiten der Streitkräfte aufgezeigt. Vertreter der Luftwaffe, der
Logistikbasis der Armee, des Personals der
Armee und des Rotkreuzdienstes unterhielten sich mit den jungen Leuten und konnten
so die verschiedenen Möglichkeiten für die
Berufsbildung und die berufliche Laufbahn
erklären. Neben den nach wie vor attraktiven
Berufen wie z.B. Pilot/-in wurden auch die
fünf Lehrstellen innerhalb der Logistikzentren vorgestellt, oder der Weg zum Berufsoffizier oder –unteroffizier.
Die Besucher schienen sehr interessiert.
Der Einsatz der Berufs- und Milizsoldaten
erfolgte einmal via Informationen auf eine
Anfrage, ein andermal mit einer Auskunft
über die physische Eignungsprüfung an der
Rekrutierung, sowie mit viel Unterhaltung
der jungen Menschen anhand der GesichtsTarnfarben oder eines Erinnerungsfotos
auf einem Motorfahrrad der Militärischen
Sicherheit. Die Frauen schenkten vor allem
einem Objekt speziell Aufmerksamkeit: dem
Lippenbalsam in der Tarnfarbenhülle, markiert mit «Frauen in der Armee».
«Der Armee-Pavillon war sehr gut besucht und wurde von den jungen Leuten
sehr geschätzt», sagte Rita Beltrami, Leiterin
des Amtes für Berufsbildung des Kantons
Tessin. «Eines der Ziele der ESPOprofessioni
ist es, den jungen Menschen Möglichkeiten
zu zeigen für die erste Berufswahl, sowie
auch jungen Erwachsenen und Erwachsenen
weitere Karriere- und Ausbildungsmöglich-
keiten in einer Art 360-Grad-Präsentation zu
zeigen. Die interaktive Komponente und die
Dynamik des Armeestandes erlaubt es den
Jungen und Mädchen, eine Institution zu
verstehen, von welcher in den Massenmedien
viel die Rede ist, von welcher man jedoch
selten als Arbeitgeberin oder Berufsbildende
Institution denkt.»
Divisionär Marco Cantieni, Kommandant der Territorialregion 3, beurteilte die
Erfahrung folgendermassen: «Die Territorialregionen sind es gewohnt, Aufträge zu
erhalten, welche sie mit der Zivilbevölkerung
in Berührung bringen; es ist sogar eines unserer Spezialitäten. In diesem Fall war die
Herausforderung jedoch von besonderem
Mass, weil die erforderte Leistung sehr ungewöhnlich war. Gelegenheiten wie diese
sind von höchster Bedeutung für uns. Neben
dem primären Ziel, den jungen Menschen
Ausbildungsmöglichkeiten in der Armee
näherzubringen, konnten wir den Anlass
dazu nutzen, mit Eltern und Lehrern zu
sprechen, die sie begleiteten. Es ist zu einer
PR-Aktivität geworden, welche zu positiven
Konnotationen im Zusammenhang mit der
Armee-Uniform führt. Für einige der jungen
Menschen, die uns besucht haben, war es der
erste Kontakt überhaupt mit der grauen oder
grünen Uniform.» Die Territorialregion 3
wird die Gelegenheit haben, die Erfahrung
noch einmal zu machen, nämlich in der
nächsten Ausstellung 2014. Sie wird dort
sein – darauf können Sie wetten! n
Ter Reg 3
armee.ch Heer 2 / 12
11
Ter Reg 4
Erneute Zusammenarbeit über
die Grenzen hinweg
«Sehr gut» – so lautet das Fazit aus dem Übungsbericht zu «TERREX 12». Die Katastrophenhilfeübung wurde im vergangenen Mai
von der Territorialregion 4 in Zusammenarbeit mit zivilen Behörden und Blaulichtorganisationen aus der Schweiz, Deutschland
und Österreich durchgeführt. Im Frühjahr und Sommer 2013 folgen mit «KOMBI 13» zwei weitere grenzüberschreitende Übungen.
Diesmal arbeitet die Territorialregion 4 mit zivilen Partnern aus dem Fürstentum Liechtenstein und St. Gallen zusammen.
Ziel von «KOMBI 13»: erfolgreiche zivil-militärische Zusammenarbeit.
Soldat Thomas Färber,
Kommunikation Territorialregion 4
Der Alpenrhein führt Hochwasser und droht
über die Ufer zu treten. Im oberen Rheintal
und in Teilen des Fürstentums Liechtenstein
kommt es zu Überschwemmungen und Murgängen. Ausserdem ist ein Dammversagen im
Bereich der Fliessgewässer zu befürchten. Auslöser ist ein sehr seltenes Niederschlagsereignis. Die Niederschlagsmenge wird durch einen
Temperaturanstieg und eine starke Schneeschmelze verstärkt. Das ist die Ausgangslage
für die Einsatzübungen «KOMBI 13», die im
April und Juli 2013 stattfinden werden.
Sowohl für die Territorialregion 4 als
auch für die liechtensteinischen und St. Galler
Partner werden die Katastrophenhilfeübungen kein Neuland sein. Die Territorialregion
4 hat an der trinationalen Katastrophenhilfeübung «TERREX 12» unter dem Motto «Hilfe
kennt keine Grenzen» neben Deutschland
und Österreich mitgewirkt; Vertreter aus
dem Fürstentum Liechtenstein haben die
Übung als Besucher mitverfolgt.
12 armee.ch Heer 2 / 12
Aus «TERREX 12» lernen
Alle Beteiligten haben dabei nicht nur
qualitativ hochstehende Leistungen, nahe
an der Realität stehende Szenarien und den
wirksamen und motivierten Einsatz der militärischen und zivilen Einsatzkräfte erlebt.
Sie haben ebenfalls gesehen, dass komplexe
Übungen wie «TERREX 12» über längere Zeit
und auf allen Stufen viele Ressourcen binden. Leistung auf Anhieb – so ein wichtiges
Fazit – ist keine Selbstverständlichkeit aber
eine absolute Notwendigkeit. Beim Einsatz
zugunsten der Bevölkerung gibt es keine
zweite Chance. Es hat sich ausserdem gezeigt,
dass die Kader ihre Führungsverantwortung
noch stärker wahrnehmen müssen und die
verbindliche Festlegung von Zuständigkeiten im Rahmen einer grenzüberschreitenden
Übung eine Herausforderung ist.
Zivil-militärisches Teamwork trainieren
Die zivil-militärische Zusammenarbeit
über die Landesgrenzen hinaus wird mit
«KOMBI 13», die mit den Katastrophenhilfebataillonen 23 (16.–18. April 2013) und 4
(16.–18. Juli 2013) durchgeführt wird, erneut
aktuell. Ziel ist laut «KOMBI 13»-Projektleiter Oberstleutnant im Generalstab Daniel
Reimann, dass allen Beteiligten die Abläufe,
Schnittstellen und Verantwortungen im Falle
einer grenzüberschreitenden Hilfeleistung
bekannt sind und gemeinsam geübt werden
können. Reimann erwartet, dass in «KOMBI 13» sichtbare Fortschritte bei der Arbeit
an den Erkenntnissen und Konsequenzen
aus «TERREX 12» erzielt werden können.
«Für uns steht die militärische Leistung eines Katastrophenhilfebataillons im Fokus.
Daneben wollen wir die Zusammenarbeit
der Territorialregion 4 mit kantonalen und
Landes-Führungsorganen sowie den zivilen Einsatzkräften trainieren.» Reimann ist
überzeugt: «KOMBI 13» wird für alle Beteiligten eine herausfordernde und spannende
Erfahrung sein, die helfen wird, die Abläufe
und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit weiter zu verbessern.» n
Ter Reg 4
«Von der Schnittstelle zur Nahtstelle»
Divisionär Hans Peter Kellerhals führt die Territorialregion 4 seit Anfang Juli. Bereits kurz nach dem Start in seiner neuen
Funktion stand für Kellerhals und seinen Verband die Stabsrahmenübung «STABILO DUE» auf dem Programm.
Sdt Christof Krapf, Komm Zelle Ter Reg 4
Herr Divisionär Kellerhals, wie haben Sie den Start als Kommandant
Wie haben Sie «STABILO DUE» erlebt?
der Ter Reg 4 erlebt?
Ich war mit der Leistung des Stabes zufrieden. Besonders beeindruckt
war ich davon, wie schnell sich die Offiziere in der Übung zurechtgefunden haben. Obwohl sie am Tag zuvor noch in ihrem zivilen
Beruf tätig waren. Dies ist meiner Meinung nach eine der grossen
Stärken unserer Armee: Wir können uns rasch auf eine neue Situation
einstellen und reagieren. Ich bezweifle, dass so schnelle Reaktionen
mit einer Berufsarmee möglich wären. n
Der Antritt meines Kommandos verlief aus meiner Sicht positiv. Aber
ich bin natürlich noch in der Phase des Lernens und Abtastens. Ich habe mich auf die neue Herausforderung ausserordentlich gefreut, denn
ich weiss schon in etwa, was von einer Territorialregion erwartet wird.
Mir kommt nämlich zugute, dass ich als junger Generalstabs-Offizier
bereits einmal in verschiedenen Funktionen in einer Territorialregion
eingeteilt war. Ich weiss also, was auf mich zukommt.
Wo setzen Sie die Prioritäten für Ihre Arbeit?
Als Kommandant sitze ich an der Schnittstelle zwischen den sieben
Kantonen der Ter Reg 4 und der Armee. Die Priorität muss also bei der
Zivil-Militärischen Zusammenarbeit liegen. Damit ich meine Arbeit
optimal ausführen kann, braucht es starke und in die kantonalen
Führungsorganisationen gut integrierte kantonale Verbindungsstäbe
(KTVS). Die Offiziere dieser Stäbe sind meine Augen und Ohren in
den Kantonen. Es geht mir nun darum, das Vertrauen zwischen Ter
Reg 4, den kantonalen Behörden und den KTVS zu stärken. Aus
Schnittstellen müssen Nahtstellen werden.
Sie haben von der Panzerbrigade 11 zur Ter Reg 4 gewechselt. Wo
liegen die grossen Unterschiede in Ihrer täglichen Arbeit?
Meine tägliche Arbeit hat sich stark verändert. In der Pz Br 11 lag
das Schwergewicht meiner Tätigkeit auf der Ausbildung der Kader
der mir unterstellten acht Bataillone. Ich habe die Offiziere vor allem
in raschen Angriffs- und Verteidigungs-Operationen geschult. Als
Kommandant der Ter Reg 4 sitze ich nun an der Schnittstelle zwischen
Militär und Kantonen. Ich bin dadurch öfter mit zivilen Behörden in
Kontakt, als in meiner alten Funktion. Die Kader-Ausbildung nimmt
hingegen weniger Zeit in Anspruch, weil mir statt acht lediglich noch
drei Bataillone unterstellt sind. Trotzdem fühle ich mich nach wie vor
als Truppenkommandeur und nicht als Stabsoffizier.
Bereits nach rund zwei Monaten als Kdt Ter Reg 4 stand mit «STABILO
DUE» eine grosse Herausforderung auf dem Programm. Wie haben Sie
sich darauf vorbereitet?
Ich habe «STABILO DUE» mit der Pz Br 11 vorbereitet. Ich wusste aber
bereits im vergangenen Herbst, dass ich diese Stabsrahmenübung mit
der Ter Reg 4 durchführen würde. Deshalb habe ich an den operativen
Dialogen immer genau hingehört, wenn es um den Einsatz der Territorialregion 4 ging. Eine Herausforderung war aber zweifellos, dass ich den Stab
vor «STABILO DUE» nicht kannte. Während der Übung wurden beide
Seiten quasi ins kalte Wasser geworfen – Zeit, einander kennen zu lernen,
blieb wenig. Ich denke aber, wir haben diese Herausforderung gemeistert,
getreu meinem Motto: «Einander trauen, einander etwas zutrauen».
armee.ch Heer 2 / 12
13
LVb Inf
MEILENSTEIN REGLEMENT
Br Lucas Caduff
Zwar existieren in der Infanterie Grundlagenpapiere, Ausbildungsunterlagen, Booklets und Waffenreglemente, aber seit 2003 kein definitiv herausgegebenes und unterschriebenes Reglement.
Aus diesem Grund ist der LVb Inf daran, mit Hochdruck das
Reglement «Einsatz der Infanterie» zu verfassen. Ziel ist es, das Reglement ab Beginn 2013 in Schulen und Kursen in Kraft zu setzen.
Das Reglement 53.005 besteht aus vier Teilen und regelt das taktische Können der Infanterie auf den Stufen Bataillon, Kompanie und
Zug über das ganze Einsatzspektrum der Armee. Im vierten Teil finden sich Musterunterlagen und Tabellen. Neben sechs Bataillonseinsatzverfahren werden 11 Kompanie- und 17 Zugseinsatzverfahren
beschrieben und definiert.
Das Reglement beschreibt infanteriespezifische Taktik und die dazu notwendigen führungs- und fachdienstlichen Grundlagen. Die
Umsetzung in Standardverhalten und Stoff- / Lektionspläne ist Sache der Ausbildung.
Das Reglement soll ab Stufe Offiziersanwärter abgegeben werden, die gesamte Laufbahn eines Offiziers begleiten und auf diese
Weise sowohl den logischen Aufbau als auch die nötige Vertiefung der
Inhalte ermöglichen. Überlegungen zu Führung, Taktik und Doktrin sollen infanteriespezifisch konkretisiert werden.
Ich bin überzeugt, dass das Reglement «Einsatz der Infanterie» weiter zur Vereinheitlichung der Einsatzvorstellungen und -verfahren und
damit zur Stärkung der Glaubwürdigkeit der Infanterie beitragen wird.
DAS GMTF
Oberstlt i Gst Patrick Huber, S3
Die Infanterie muss laufend modernisiert, angepasst und auf den neuesten Stand gebracht werden. Seit 2011 nutzt sie ein neues gepanzertes Radfahrzeug, das GMTF. Dieses neue, vielseitigere Fahrzeug hat
mit den Kampfpanzern, die in Städte einfahren und das Gefühl eines Belagerungszustandes auslösen, nichts mehr zu tun.
Das GMTF beruht auf eingehender Analyse. Die Armeen agieren heutzutage immer häufiger in Städten. Die Städte sind dicht besiedelt, voller Leben und stehen ständig im Fokus von Medien und
Amateurfilmern. In ihren wahrscheinlichsten Einsätzen wird die
Armee in Krisensituationen die zivilen Behörden unterstützen müssen. In diesem Kontext ist das GMTF optimal, denn es unterstützt
nicht unbedingt die Kriegsvorbereitung, sondern vielmehr den Aufruf zum Frieden.
Das neue Fahrzeug bietet unten und seitlich besseren Schutz für
die Truppe. Es ist mit neuen Technologien ausgerüstet, insbesondere
für die Beobachtung und den Schutz vor chemischen Gefahren. Neu
ist auch seine Hauptwaffe, ein 12,7mm-Maschinengewehr.
Das Umfeld zwingt unsere Infanterietruppen zur Weiterentwicklung. Das GMTF ist in diesem Sinne ideal: Es kann zwar nicht
mehr, aber macht es besser und ist vor allem vielseitiger.
Ausb KIUG in der Inf OS 1
Département fédéral de la défense,
de la protection de la population et des sports DDPS
Armée suisse
Forces terrestres - Formation d'application de l'infanterie
DURO IIIP 6x6 (GMTF)
Leistungen
Max Leistung
Steigfähigkeit
Seitenneigung
Reichweite
Watttiefe
Bodenfreiheit
:
:
:
:
:
:
90 km/h
60%
30%
600 km (180l)
0,5 m
0,4 m
Motor
Cummins 6.7 l Turbo Diesel
250 PS / 950 Nm
5 Gänge / Automatisch
Permanent 6x6
4 T / 6 Zylinder
Divers
Gewicht : 12 – 14t
EURO 5 (Adblue)
1/3
Der Unterstützungsstab für die Ausbildung des LVb Inf
IM DIENSTE UNSERER MILIZARMEE
Kollektivum FFG 7, OS Inf
Entwicklungen bei Technik und Kapazität
sind der Spiegel unserer Gesellschaft und
können zuweilen den Eindruck einer radikalen «Umgestaltung» des Tätigkeitsfeldes
der Infanteristen erzeugen. Der Stab Ausbildung des LVb Infanterie ist für die Einführungen und Umstellungen zuständig.
Seine Hauptaufgabe besteht dabei darin, die
14 armee.ch Heer 2 / 12
Truppen sowohl bei den Vorbereitungen als
auch bei der Umsetzung der Ausbildungen
zu begleiten. Die Einbindung hat auf natürliche Art und Weise, unter Beachtung
der jeweiligen Auflagen der Bataillone und
insbesondere auch ohne die Infragestellung
des in vielen Jahren erworbenen Knowhows zu erfolgen.
Um erfolgreiche Einführungen sicherzustellen, erfolgen diese fortlaufend und mit
dem Ziel, den spezifischen Bedürfnissen jedes Bataillons zu entsprechen. Auch wenn ein
einheitliches Vorgehen die Regel ist, möchte
jede Truppe ihre eigene Identität bewahren
und strebt danach, die Ziele zu erreichen, die
sie sich selbst gesetzt hat.
In der Ausbildung, die während der
Truppendienste erfolgt, sollen schliesslich
die methodischen Prinzipien verwendet
werden, an die unsere Kader gewohnt sind.
LVb Inf
Im Gelände wird das Milizkader weiterhin
die volle Verantwortung über die Ausbildung seiner Truppe tragen, wird dabei
jedoch vom Berufsmilitär unterstützt und
beraten.
In diesem Punkt liegt die ganze Komplexität dieser Ausbildungen: Die professionelle Betreuung darf auf keinen Fall die
dem Milizkader übertragene Verantwortung schmälern. Es ist normal, dass dieses
nicht umgehend effizient sein und höchste
Leistung vollbringen kann, aber für den
Fortbestand unseres Milizsystems ist es von
entscheidender Bedeutung, dass das Milizkader für die Erteilung seiner Ausbildung
eine weitgehende Autonomie erlangt. Eine
glaubwürdige und selbstsichere Infanterie
kann sichergestellt werden, indem über eine
qualitativ hochwertige Grundbildung Kader
ausgebildet werden, die innert Kürze und
über längere Zeit die Ausbildungen selbst
durchführen können.
Ausbildung Inf Bat 19
Einführungen ab 2008
Maschinengewehr G 05
RSG 2000
Kdo Pz 6x6
LASSIM Rad Spz
40mm GwA 97
Zielgerät «DOCTER»
Mw Feuerleitrechner 04
Zukünftige Einführungen ab 2013
GMTF
Familie HG 11
Sortiment Fhr St
FIS HE
Reglement zum Einsatz der Infanterie
Internationale Zusammenarbeit im Ausbildungsdienst
EINER GUTEN IDEE KANN MAN SICH
SCHWER WIDERSETZEN
Kollektivum FFG 3
Seit über zehn Jahren macht der Lehrverband
Infanterie seine Kurse für Lehrpersonen regelmässig auch für Angehörige ausländischer
Armeen zugänglich, so zum Beispiel die Kurse
für die persönliche Schiessausbildung, die
Schützenmeisterkurse, die OPFOR-Kurse
und die Patrouillenkurse. Zu diesen ausländischen Armeen zählen die Landesstreitkräfte
der belgischen Armee («Composante Terre»),
das Marinekommando, die Marineinfanterieschule, das Luftkommando und die Infanterieschule Frankreichs sowie das militärische
Ausbildungszentrum Luxemburgs. Auch
Deutschland, Österreich und Spanien interessieren sich für unsere Arbeit.
Die Kontakte wurden vor allem an europäischen Infanterieseminaren geknüpft und
gepflegt, an denen die jeweiligen Kommandanten des LVb Inf teilnahmen.
Unsere Partner interessieren sich vor allem
für unsere Arbeitsmethode.
– Sie basiert auf denselben Prinzipien für den
Einzel- und Gruppenkampf, unabhängig
von der Distanz und von der Art der Waffe.
– Sie ermöglicht die Ausbildung qualifizierten Personals in kurzer Zeit, indem das
laufend erworbene Know-how weiterverwendet wird.
– Sie erhöht das Sicherheitsniveau deutlich,
da sie das Risiko schlimmer Unfälle praktisch ausschliesst.
Unsere kurzen Dienstzeiten, unsere Milizarmee und zugegeben auch unser typisch
schweizerischer Hang zu permanentem
Streben nach Perfektion führten im Laufe
der Jahre zur kontinuierlichen Verbesserung unserer Ausbildungsmethoden. Die
Mehrsprachigkeit zwang uns zu maximaler
Vereinfachung. Wir beschränken uns auf das
Wesentliche (all jene, die schon einmal eine
mehrsprachige Gruppe ausgebildet haben,
wissen, worauf wir anspielen).
Im Gegenzug haben uns unsere Partner
Plätze in Kursen zu Themen angeboten, in denen bei uns noch Lücken bestanden, so zum
Beispiel in der Kontrolle von Menschenaufläufen durch bauliche Massnahmen (französische
Luftwaffe), der Sensibilisierung auf Sprengfallen (Marinekommando) und der Einsatzvorbereitung (belgische Landesstreitkräfte).
Win-win-Situation für beide Parteien
Die Ziele der Zusammenarbeit wurden vom
Kdt LVb Inf sehr rasch festgelegt:
–Erfahrungsaustausch in den Bereichen
Ausbildung und Einsätze.
– Koordination der technischen und taktischen Ausbildung für eine möglichst nahtlose Zusammenarbeit auf unterer Stufe,
vor allem im Rahmen von Einsätzen zur
Friedenssicherung im Balkan.
Unser Interesse besteht weiterhin darin, unsere Methoden zu testen und unsere
Ideen mit jenen der anderen zu vergleichen,
denn wir profitieren von einem neugierigen,
motivierten und kritischen Zielpublikum.
Schliesslich haben Lücken in der Ausbildung
unmittelbare Folgen für die Einsätze. n
Französische Soldaten in der SAT-Ausbildung.
armee.ch Heer 2 / 12
15
LVb Pz/Art
Projekt «OPTIMUS» im
Lehrverband Panzer und Artillerie
Mit dem Projekt «OPTIMUS» setzt der Lehrverband Panzer und Artillerie die Vorgabe vom Kommandant Heer zur Anpassung
der Stabs- und Schulstrukturen seit 2012 um. Das Ziel war, Vorgaben betreffend Stellenetat einzuhalten, flache und schlanke
Hierarchien zu schaffen, Doppelspurigkeiten zu vermeiden und Möglichkeiten von Einsparungen und Synergien zu überprüfen.
Brigadier Jean-Pierre Leuenberger,
Kommandant Lehrverband Panzer und Artillerie
Ausgangslage
Bis dato strukturierte sich der Lehrverband Panzer und Artillerie in
einen Stab, drei Rekrutenschulkommandos (Pz S 21, Art S 31 und Infra/HQ S 35), ein Kaderschulkommando (Pz/Art KS 22) mit je einer
Unteroffiziersschule für die Panzer- und Artillerietruppen sowie einer Offiziersschule, ein Kommando Mechanisiertes Ausbildungszentrum (MAZ), ein Kommando Artillerieausbildungszentrum (CIA)
und Waffenplatz Bière sowie ein Kommando Waffenplatz Thun.
Die Panzer- und Artillerieschulen waren in Lehrbataillons-/
Abteilungsstrukturen gegliedert.
Ende 2009 erhielt der Lehrverband Panzer und Artillerie folgenden
Auftrag (sinngemässer Auszug):
• Die Unteroffiziersschulen sind in die Rekrutenschulen zu integrieren;
• Die Offiziersschule wird durch den Kommandanten direkt geführt;
• Die Bataillons- respektive Abteilungsstrukturen sind in eigenständige Rekrutenschulen mit flachen Hierarchien zu überführen;
• Das vorgegebene Stellenetat muss eingehalten werden.
Vorgehen
Mit dieser Ausgangslage wurde folgende Handlungsrichtlinie formuliert und der Stabsarbeitsprozess initiiert:
«Überprüfen und optimieren der Ausbildungsabläufe und zugleich
für das Berufspersonal bessere Arbeitsbedingungen und mehr Flexibilität generieren».
Dabei galt im Speziellen zu prüfen:
• Anpassungen der Schulorganisationen an die neuen Bedingungen;
• Integration der UOS in die RS;
• Eigenständige OS mit Spartenmodell;
• Einsatz der Berufsmilitärs in Bezug auf die neuen Ausbildungsbedürfnisse;
• Möglichkeiten der Reduktion von Funktionen (Spartenmodelle);
• Rahmenbedingungen der Milizlaufbahnen insbesondere die Offizierslaufbahnen;
• Optimierungsbedarf der Logistikprozesse (personell und inhaltlich).
Ende 2010 genehmigte der Kommandant Heer das vorgeschlagene Konzept. Per Beginn 2011 wurde der Umsetzungsbefehl erlassen.
Nachstehend die wesentlichsten Eckwerte daraus:
• Umsetzung in der Rekrutenschule per Start 1/2012;
• Umsetzung in der Offiziersschule per Start 3/2012;
• Dienstleistungsplanung für alle Mitarbeiter per August 2011 erstellt;
• Günstige Voraussetzungen für die Überführungen schaffen;
• Die Ausbildung aller Stufen in Weisungen für die Ausbildung festhalten;
• Die Artillerieschule 31 verbleibt weiterhin in Abteilungsstruktur,
integriert ebenfalls die Unteroffiziersschule;
• Der Stab wird mit einem FGG 6 ergänzt.
16 armee.ch Heer 2 / 12
Die Umsetzung vom Projekt wurde mit 3 Rapporten (Meilensteine)
zur Umsetzung geführt.
Erfahrungen – Fazit
• Die Fachkompetenz der Unteroffiziere konnte mit dem System
4/4/1 gesteigert werden und verleiht ihnen mehr Sicherheit bei der
Direktausbildung;
• Die Führungskompetenz konnte generell nicht gesteigert werden,
da den jungen Kadern nach wie vor Erfahrungen und Bilder fehlen. Dies bedingt weiterhin ein sehr enges Coaching durch die Berufsmilitär;
• Die Rekrutenschulen haben zu einem grossen Teil in eigener Hand
ihre Kader zu selektionieren und auszubilden;
• Die Führungshierarchien wurden flacher und der Einfluss vom
Schulkommandant unmittelbarer;
• Mit dem Auflösen der Panzer- und Artilleriekaderschule verlor
die Offiziersschule ihren Partner zum Erwerb gegenseitiger praktischer Führungserfahrung. Ersatz konnte in den Rekrutenschulen
in Form einer Zusammenarbeitswoche gefunden werden. Dies erlaubt, dass gewisse Kader der Rekrutenschulen zur Weiterbildung
freigestellt werden können;
• Die Infrastruktur- und Hauptquartierschule 35 mit eigenständiger Unteroffiziers- und Offiziersschule war zunächst nicht Bestandteil vom Auftrag. Aufgrund der bisherigen Erfahrungen werden
die Organisation und Abläufe per Rekrutenschulstart 3/2012 analog den Panzer- und Artillerieschulen angeglichen. Zudem wird
die Offiziersschule per Start 2/2012-13 in die Panzer- und Artillerie Offiziersschule integriert;
• Aufgrund teilweise geringen Nachwuchsbedarfs bestimmter Funktionen und zur Steigerung derer Ausbildungseffizienz wurden
Spartenmodelle beurteilt; da diese nicht in Einklang mit technischen und administrativen Auflagen gebracht werden konnten,
wurden sie jedoch verworfen.
Mit «OPTIMUS» entstand die Herausforderung, Prozesse zu überprüfen und optimieren, um dem erhaltenen Auftrag gerecht zu
werden. Für ein abschliessendes Fazit ist es noch zu früh, da erst
Erfahrungen von knapp zwei Rekruten-/Unteroffiziers- und Offiziersschulen vorliegen. n
LVb Pz/Art
"OPTIMUS" - Zeitplan Organisationen
Monat
K-Woche
Januar
Montag
KW 20 Do, 19.05.2011
Meilenstein 1 (Grobkonzepte Lehr- und
Ablaufpläne)
KW 4 Di, 25.01.2011
Präsentation und Genehmigung der internen
Zeitpläne
Externer Zeitplan
Freitag
1
3
7
RS Wochen
UOS Wochen
OS Wochen
Stab
Pz S 21
Pz Art KS 22
Art S 31
Infra/HQ S 35
MAZ
CIA
Waffenplatz Thun
Februar
März
2
10
14
3
17
21
4
24
28
5
31
4
6
7
11
7
14
18
8
21
25
9
28
4
9
2
4
10
3
5
11
4
6
12
5
7
13
6
8
14
7
9
15
8
10
16
10
7
11
11
14
18
K
17
1
18
12
21
25
2
19
April
13
28
1
3
20
14
4
8
4
21
KW 5-9
Planung neue Kp Struktur + Kick Off
optimierte Sim Ausb (LBat A / Kdt MAZ)
KW 5-12
Team CAP & Infra Pz S 21
eigener Zeiplan
KW 10-12
Grobkonzept
Ausbildung (Kdt 21 /
Se)
Interner Zeitplan
Stand: 25.01.2011
INTERN
15
11
15
5
Mai
17
25
29
18
2
6
19
9
13
9
10
11
12
13
14
15
1
2
1
3
2
4
3
5
4
6
5
7
6
8
7
9
8
10
6
7
8
20
16
20
22
30
3
23
6
10
24
13
17
25
20
24
Juli
26
27
1
16
K
27
4
8
17
1
28
11
15
29
18
22
18
2
19
3
KW 6, Di 08.02.2011
Rap C --> Bf Ausgabe Umsetzung
20
4
31
1
5
21
5
32
8
12
September
Oktober
33
15
19
34
22
26
35
29
2
36
5
9
37
12
16
38
19
23
39
26
30
40
3
7
41
10
14
42
17
21
6
7
2
8
1
3
9
2
4
10
3
5
11
4
6
12
5
7
13
6
8
14
7
9
15
8
10
16
1
KW 9-14
Ausrichtung der Ausbildung mit Simulatoren
Umfang der Ausbildung definienren
November
43
24
28
K
17
44
31
4
1
18
45
7
11
2
19
46
14
18
47
21
25
3
20
4
21
Dezember
48
28
2
5
49
5
9
50
12
16
51
19
23
1
2
1
3
6
7
8
52
26
30
KW 47/48
Auflösung LBat B
KW 38
Reservation Arbeitstag
KW 49-51 Anpassungsarbeiten
KW 26 Fr, 01.07.2011
Rapport Feinkonzepte / Wochenpläne
Dezember
Verifikation
KW 42-47
Detailplanung 1. RS Start 2012
KW 25-31
Lehrpläne Kader und Rerkuten erstellen
KW 14 Fr 08.04.2011
Rapport Schnittstellen
KW 5, Fr 04.02.2011
Rap Verantwortlichkeiten definieren
August
30
25
29
KW 27, 28
Präsentation Teilprojekte intern
KW 25
Präs Ausbildung / Ausb Log&Infra /
CAP&Infra Pz S 21
KW 11, 12, 14
Projektbearbeitung
KW 8, 24/25.02.2011
Arbeitstag "OPTIMUS"
Output: Möglichkeiten Ausbildung
21
23
27
KW 15-22
Feinkonzept Ausbildung RS / UOS
Kozept Ausb Log & Infra RS / UOS
KW 14
BR Team Ausbildung / Log
(Feinkonzept)
KW 10
Bf Ausgabe an Projektteam
Juni
16
18
22
KW 34 Mi, 24.08.2011
Meilenstein 2 (Feinkonzepte)
KW 30-33
AVOR Kernstab (+)
KW 12
Rap Lehrpläne / Prozesse /
Ausbildungsstufen
Grafische Darstellung Umsetzungsprozess «OPTIMUS» im Lehrverband Panzer und Artillerie
Organigramm LVb Pz/Art 2012
INTERN
Kommandant Lehrverband Panzer/Artillerie
Kdt Stv / C ELS
Pers Stab
Stabschef
HR
FGG 1
FGG 3
FGG 4
FGG 5
Panzerschule 21
Pz/Art Offiziersschule
Panzerschule 22
Artillerieschule 31
Mech Ausbildungszentrum
Art Ausbildungszentrum
und Waffenplatz Bière
Waffenplatz Thun
Infra/HQ Schule 35
FGG 6
Die Struktur des Lehrverbandes Panzer und Artillerie nach der Umsetzung des Projektes «OPTIMUS».
Befehlsausgabe "OPTIMUS" an DU Kdt LVb Pz/Art vom 05.01.2011
Schweizer Armee / Heer - Lehrverband Panzer und Artillerie, Br Jean-Pierre Leuenberger
1
armee.ch Heer 2 / 12
17
LVb G/Rttg
Aufgaben und Organisation des Lehrverbands Genie/Rettung
Genie und Rettung – WIR SIND BEREIT!
Die Genie- und Rettungstruppen werden immer bedeutender – ob für die Mobilität der Armee oder für
die rasche Katastrophenhilfe zu Gunsten der Bevölkerung. Die Genie- und Rettungstruppen leisten über
alle Lagen entscheidende Beiträge zur Sicherheit in unserem Land.
Der Lehrverband Genie/Rettung wird von
Brigadier Jacques F. Rüdin geführt. Das
Kommando befindet sich in Zuchwil SO und
ist verantwortlich für die gesamte Grundausbildung der Genie- und Rettungstruppen
(2’500 Rekruten und Milizkader pro Jahr
auf vier Waffenplätzen) sowie für die Weiterausbildung in den Wiederholungskursen.
Dazu kommen die Koordination der vor- und
ausserdienstlichen Tätigkeiten mit zivilen
Verbänden und die Erprobung von neuem
Material. Es finden enge Ausbildungskontakte
mit militärischen und zivilen Partnern im
In- und Ausland statt. Der Lehrverband ist für
die Einsatzbereitschaft des ständig auf Pikett
stehenden Einsatzkommando Katastrophenhilfe Bereitschaftsverband verantwortlich.
Leitsatz
Durch Leistung und Präzision haben die
Genie- und Rettungstruppen ihre Stellung
in der Armee und vor allem gegenüber
der Bevölkerung gestärkt. Der Leitsatz des
Lehrverbands Genie/Rettung lautet für
18 armee.ch Heer 2 / 12
alle Tätigkeiten und das Verhalten seiner
Berufsmilitärs, den zivilen Mitarbeitenden
und Zeitmilitärs sowie alle Auszubildenden:
Akzeptanz durch Leistung und Präzision!
Genietruppen
Die heutige Armee ist extrem mobil und
muss sich rasch von einem Landesteil in
einen anderen verschieben können. Das erfordert Transporte von Truppen, Panzern,
Artillerie und Logistik. Dazu müssen die
Verkehrswege im Einsatzraum offen sein. Die
Genietruppen können schnell Strassen reparieren, Brücken bauen, Hindernisse räumen
und Sprengungen vornehmen.
Die Genietruppen haben folgenden Auftrag:
• Sicherstellen der Beweglichkeit
• Einschränken der gegnerischen Beweglichkeit
• Sicherstellen von Schutz und Überleben
• Katastrophenhilfe und weitere subsidiäre
Unterstützung der Behörden
Rettungstruppen
Mit grossem Einsatz unterstützen die Rettungstruppen die Behörden bei der Bewältigung von Grossereignissen und helfen damit
direkt der Bevölkerung. Die Rettungstruppen sind in der normalen Lage wie auch
in der Krise und im Krieg die Hauptträger
der militärischen Katastrophenhilfe. Dabei
leisten sie hauptsächlich Rettungseinsätze in
schweren und ausgedehnten Schadenlagen
sowie bei Grossbränden. Zusätzlich erbringen
sie Beiträge zur Unterstützung humanitärer
Hilfeleistung. Neben der fundierten Ausbildung und dem Einsatzwillen des einzelnen
Retters, ist die Zusammenarbeit mit den
zivilen Einsatzkräften zentral für einen erfolgreichen Einsatz. Die Rettungstruppen
werden subsidiär eingesetzt. Dabei liegt die
Einsatzverantwortung bei den zivilen Stellen,
die Führungsverantwortung bei der Truppe.
Zukunft
Neues Material: Unterstützungsbrückensystem 46 m
LVb G/Rttg
Da die bisherige Feste Brücke 69 veraltet ist
und Ende 2012 liquidiert wird, beantragte
der Bundesrat mit dem Rüstungsprogramm
2011 den Kauf des Unterstützungsbrückensystems 46 m.
Mit dem Kauf sind die Genietruppen ab
2014 wieder in der Lage, innert zwei bis drei
Stunden Hindernisse über eine überwiegende Mehrheit der Schweizer Flüsse stützenfrei
bis zu einer Breite von 46 m überwinden zu
können. Bei einer Distanz von 45 bis 120 m
dient weiterhin die Schwimmbrücke 95, für
die gemäss Planung 2014 eine Werterhaltung
vorgesehen ist. Auch die Stahlträgerbrücke 95
wird weiterhin eingesetzt. Zusätzlich verfügt
das Einsatzkommando Katastrophenhilfe
Bereitschaftsverband über die Mabey Brücke.
angepasst. In Genf wird eine neue Truppenunterkunft im Übungsdorf Epeisses erstellt;
zudem wird das Übungsdorf modernisiert.
Bei den Genietruppen wird ein neuer Ausbildungsplatz für Baumaschinen evaluiert.
Für die Schiffsführerausbildung ist ein Ausbildungslehrbecken in Planung.
Gelebte Strategie des Lehrverbandes
Genie/Rettung
Der Lehrverband Genie/Rettung bildet alle
Angehörigen der Genie- und Rettungstruppen aus und garantiert einen einheitlichen
Ausbildungsstand aller Truppenkörper der
Genie und Rettung.
Im Lehrverband sind alle Kompetenzen
der Armee vorhanden für:
•militärische Katastrophenhilfe, Rettung
in Schwersttrümmerlagen, Bekämpfung
von Extrembränden, Öl- und Chemiewehr,
Überschwemmungen, Murgänge, Lawinen
• Gefechtsbeweglichkeit und Hindernisführung
• Gebäude- und Zerstörungssprengungen
• Feldlagerbau sowie für die Bereiche Tauchen und Schifffahrt
Es ist eine ehrenvolle Pflicht, die Bevölkerung zu jeder Zeit gegen mögliche Risiken
zu schützen. Zudem stellen die Genietruppen
im Verteidigungsfall die Beweglichkeit der
Kampfverbände sicher und unterstützen
massgeblich für allfällige Kampfvorbereitungen. Wir sind bereit! n
Weitere Beschaffungen
Genietruppen
• Ersatz-Fahrbahnplatten für die Stahlträgerbrücken
• Ersatz der 11 Patrouillenboote 80 (P80)
Rettungstruppen
• 27 Sortimente «Lenzeinsatz», bestehend
aus Lastwagen und Anhänger inkl. Hochleistungspumpe, Schläuchen und Löschwasserbecken, für Wassertransport und
Wasserpumpen bis 50 000 Liter pro Minute.
Modernisierung der Ausbildungs­
infrastruktur
Das 8 000 m 2 umfassende Übungsdorf
Wangen an der Aare stammt aus den 70er
Jahren und wird bis 2014 modernisiert und
den heutigen Ausbildungsanforderungen
armee.ch Heer 2 / 12
19
LVb Log
Sanitätskompanie 3
Einsatz am WEF 2012
Bei jedem Grossanlass stellen der Schutz und die Sicherheit aller Beteiligten eine zentrale Rolle der Organisation dar.
Sicherheit bedeutet aber nicht nur fähige und gut ausgebildete Sicherheitskräfte in seinem Dispositiv zu wissen, sondern
auch auf eine gut funktionierende medizinische Versorgung vertrauen zu können. Ein Teil der Verantwortung für die
sanitätsdienstliche Versorgung am WEF 2012 in Davos wurde der Sanitätskompanie 3 übergeben.
Oberleutnant Thomas Keller, Zugführer San Kp 3
ner sorgfältigen Planung konnte diese wertvolle Zeit optimal genutzt
werden. Letzte Einsatzvorbereitungen, Material- und Funktionskontrollen waren für meinen Zug vorher noch nie so wichtig gewesen.»
Vorbereitungen
Einsatz in Davos
Der erste Kontakt mit den Verantwortlichen des WEF 2012 wurde vier Monate vor dessen Durchführung hergestellt. Die Sanitätskompanie 3 durfte schon das WEF 2011 mit einem Sanitätszug unterstützen und konnte so eine gewisse WEF-Erfahrung aufweisen.
Trotz oder eben genau aufgrund jener Erkenntnisse wurde der Standort in Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen des WEF und des
Zfhr (Zugführers) genau erkundet. Ein MSE 2 (Modulares sanitätsdienstliches Element Stufe 2) benötigt in seiner Standardausführung
ca 35m x 35m ebene Fläche. Es zeigte sich schnell, dass diesbezüglich
im Raum Davos kreative Lösungen gefragt waren, was eine besondere Herausforderung für den Zfhr darstellte.
«Bereits im Herbst erfuhr ich von Hptm Tobias Marthy, dass
mich der nächste WK nach Davos führen würde. Die ersten Gedanken zu Einsatzplan, Materialliste, Zugseinteilung, Führungsstil hielt
ich für diese spannende Aufgabe bereits im Spätherbst 2011 für mich
fest,» erzählt der Zugführer, Oberleutnant Keller.
Im Januar begann auf dem Sattel (SZ) der Kadervorkurs der San Kp
3. Es erfolgte eine zweitägige Ausbildung in Chur, an der alle Kader
des Einsatzzuges im Sinne von «Train the Trainers» teilnahmen. Nach
dem Abschluss der einsatzbezogenen Kaderausbildung konnten die
verantwortlichen Chefs mit einem gut gefüllten Wissensrucksack mit
der Soldatenausbildung beginnen.
Am Montagmorgen Woche 2 wurde der Zug durch den Kp Kdt nach
Davos geschickt. Ein Sanitätszug ist im Gegensatz zu vielen anderen Zügen auf sich alleine gestellt, da die Kompanie am WK-Standort bleibt und der Sanitätszug seine Aufgaben im Einsatzraum wahrnimmt. Dies verlangt von einem Sanitätszugführer ein hohes Mass
an Selbstständigkeit und Auftragstreue.
Den weiteren Verlauf des Einsatzes schildert der Zfhr wie folgt:
«Nach der Ankunft wird der Zug bereits von den Einsatzverantwortlichen erwartet. Als Erstes werden die Container der MSE 2 abgeladen. Nach 10 Minuten kann der Zug mit dem Aufbau beginnen, der
bis zum späten Abend andauert. Die Handgriffe sitzen, die Befehle
der Gruppenführer sind kurz und klar. Der Zugführer kann sich auf
seine Kontrollen konzentrieren und beginnt mit der Erstellung seiner
Führungswand. Am nächsten Tag ist die MSE 2 bereit für die Aufnahme von Patienten. Die Verbindung ins BlueCenter (Koordinationsstelle des Sanitätsdienstes) im Spital ist hergestellt, und die Zufahrt zur MSE 2 ist für den Krankenwagen sichergestellt. Um einen
reibungslosen Betrieb zu gewährleisten, wird durch den Arzt nochmals eine Ausbildung direkt auf der MSE 2 durchgeführt. Der Zfhr
überwacht in dieser Zeit die Ausbildungsmethodik, koordiniert die
Verpflegung sowie die Einsatzzeiten auf der MSE 2. Im BlueCenter
laufen die Fäden des San Dienstes für das gesamte WEF zusammen.
Hier erhält der Zfhr alle für die Auftragserfüllung notwendigen Informationen.»
Einsatzbezogene Ausbildung der Soldaten
Medizinische Tätigkeiten
Der Sanitätszug Keller wurde massgeschneidert für das WEF zusammengestellt. Das Interesse der Soldaten an diesem Einsatz war
so gross, dass der Kp Kdt am Einrückungstag leider gezwungen war,
verschiedene Anträge auf Umteilung in den Einsatzzug abzulehnen.
Über die Vorbereitungsphase in der ersten WK Woche sagt Zfhr Keller: «Nach einem ganzen Jahr Pause hatte ich vier Tage Ausbildung
und Refreshing zur Verfügung. Ich war froh, dass die Soldaten die
Handgriffe beim Zeltbau noch beherrschten. Auch Infusionen und
Verbände anlegen funktionierte nach ein paar Übungen sehr gut.»
Der Zfhr war während der ersten WK Woche sehr gefordert, und seine Verantwortung war enorm. Keller dazu: «Die Arbeit als Zfhr ist intensiv und erfordert eine Menge Fingerspitzengefühl. Die Aufgaben
an die Unteroffiziere zu delegieren und im intensiven Alltag trotzdem den Überblick nicht zu verlieren, ist dann keine Kunst mehr,
sondern Können. Können, welches man sich während der Offiziersausbildung aneignen kann.»
Das Wichtigste für den Einsatz ist eine exakte Vorbereitung. Es
war dem Kommandanten wichtig, dem Zfhr während den Vorbereitungen auch eine gewisse Handlungsfreiheit zu gewähren. «Der Freitag Woche 1 stand mir als Zugführer frei zur Verfügung. Dank ei-
Im Gegensatz zum ersten Einsatz am WEF 2011 mussten 2012 keine schweren Verletzungen und ernsten Ereignisse bewältigt werden.
Letztes Jahr musste ein Patient mit Kopfverletzungen in der MSE 2
erstversorgt und anschliessend in ein umliegendes Spital verlegt werden. Dieses Jahr durften sich die Sanitätssoldaten und der Arzt mit
weniger gravierenden Fällen, wie z.B. Erkältungsbeschwerden, auseinandersetzen.
Hauptmann Tobias Marthy, Kommandant San Kp 3
Einsatzbezogene Ausbildung für Kader
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Fazit
Auf der soliden Basis seriöser Einsatzvorbereitung von Kompanie
und Zug konnten Kader und Soldaten als eingespieltes und zuverlässiges Team auftreten. Eine klare Linie, Respekt vor dem Auftrag
und Vertrauen in Fertig- und Fähigkeiten der Soldaten sowie gezielte Aus- und Weiterbildung haben der San Kp 3 zum Erfolg verholfen. Eine gewissenhafte Vorbereitung vor und während dem Dienst
erfordern viel Aufwand, Zeit und Kraft. Der Einsatz hat den Soldaten gezeigt, dass das erlernte Handwerk auch in der Praxis umgesetzt
werden kann. Das Lob und die positiven Rückmeldung von Seiten
der Organisatoren haben uns in unserem Tun bestärkt und die AdA
des Zuges Keller mit Stolz erfüllt. n
LVb Log
Übermittlungsspezialisten beim Bedienen des SanHist Managers
(Sanitätshilfsstellen Manager).
Inneneinrichtung des Triagezeltes der MSE 2
(Modulares Sanitätsdienstliches Element).
Dies ist der Ort wo der Arzt seine Hauptar­
beiten durchführt. Die Patienten werden hier
wie in einem Spital auf der Notaufnahme
­untersucht und beurteilt.
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21
KompZen MilMusik
Ein WK in Halifax
Sie machen Musik, marschieren in den verrücktesten Formationen und unterhalten dabei tausende von Zuschauern: Die
Militärformationen, die traditionell an europäischen Tattoos auftreten. Im Sommer 2012 fand für das Schweizer Armeespiel
der WK zum ersten Mal ausserhalb Europas statt. Unter der Leitung von Major Aldo Werlen und Stabsadjutant Philipp Rütsche
reiste das Orchester nach Kanada, um am Royal Nova Scotia International Tattoo in Halifax teilzunehmen.
Samuel Weissman, Kompetenzzentrum Militärmusik
«Die Show gestaltet sich, als ob ein Kanadier
wahllos durch die Fernsehkanäle zappte»,
lässt sich Stabsadjutant Philipp Rütsche vom
Veranstalter des Tattoos in Halifax erklären.
Rütsche, seit 2006 Leiter der TambourenFormation des Repräsentationsorchesters
Schweizer Armeespiel, zeichnet für die
Choreographie verantwortlich. Rütsche beteuert, dass der Veranstalter Recht hatte mit
seiner Aussage. «Das Tattoo in Halifax war
nicht nur tempogeladen und abwechslungsreich, sondern auch äusserst ungewöhnlich.
Normalerweise startet ein Tattoo mit einem
Opening aller Bands. Nicht so in Halifax,
wo jede Band während sechs Minuten seine
Show aufführte», sagt Rütsche. «Dazu kamen
Akrobaten, Chöre, Tänzer und Filme. Speziell war auch die Einlage mit den bekannten
kanadischen ’Mounties’, der berittenen kanadischen Polizei.»
Das kanadische Publikum war von den
Schweizern begeistert
Als die Schweizer Musiker am 25. Juni in Halifax ankamen, hatten sie zuerst eine Woche
Proben vor sich. Bereits die Woche zuvor
übten sie in der Schweiz intensiv und boten
22 armee.ch Heer 2 / 12
dem Schweizer Publikum Gelegenheit, die
Generalprobe in Sursee zu bestaunen.
In Halifax hiess es für die Band sich in
dieser neuen Umgebung zu behaupten. Da
waren Militärformationen aus Deutschland,
den USA und aus Kanada dabei. Die Show
fand in einer Halle statt, im Halifax Metro
Center. Am 30. Juni ging’s los. Die Swiss
Army Central Band trat zum ersten Mal vor
kanadischem Publikum auf und überzeugte
auf der ganzen Linie. «Die Schweizer sind
sehr gut angekommen», betont Rütsche.
Dies möglicherweise auch dank einem ungeschriebenen Gesetz, wie der Stabsadjutant
erklärt: «Je später man dran kommt, desto
besser gefällt die Show.» Doch allein daran
wird es nicht gelegen haben, denn das Programm war im Vorfeld auf das kanadische
Publikum ausgerichtet worden.
Die sechsminütige Show startete mit dem
Schweizer Marsch «Triumph» von Hans
Heusser, einem Stück, um die Schweiz vorzustellen. Darauf folgte «Winter Games» vom
kanadischen Komponisten David Foster: ein
sehr bekanntes Stück, das 1988 allein für die
Winter Olympiade in Calgary geschrieben
wurde. Weiter ging es mit «Heidi» und «Gloria», einem Stück von Umberto Tozzi. Die
letzten beiden Vorführungen waren Kanada
gewidmet. «My love Cape Breton and Me»,
eine Hommage an Nova Scotia sowie zum
Abschluss «Farewell to Nova Scotia». «Die
Zuschauer waren begeistert», schwärmte
Rütsche.
Die Kanadier mögen’s emotional
«Was uns in Halifax überrascht hat, war
die unglaubliche Dynamik zwischen den
Auftritten», betont Rütsche. So erinnert
er sich an einen Programmpunkt, wo die
Schauspieler den tragischen Untergang der
Titanic simulierten. «Da war zuerst dieses
völlig ergreifende Stück zum Gedenken
an die Titanic-Opfer: Schauspieler, die in
Rettungsboote stiegen und das Unglück inszenierten, während ein Chor mit Kerzen in
den Händen Lieder anstimmte. Und dann im
nächsten Moment war alles vorbei. Auf der
Grossleinwand lief ein schwarz/weiss Slapstick, wie bei Charlie Chaplin. Dazu spielte
ein Pianist Ragtime, und plötzlich war eine
Turn-Show mit Trampolin im Gange. Es war
überwältigend! Dem Zuschauer wurde es nie
langweilig; es ging von ergreifender Trauer
direkt in humorvolle Komik über.»
Emotionale Momente in Peggy’s Cove
Emotionale Momente gab es auch für die
KompZen MilMusik
Schweizer. Während das Publikum den
Opfern des Titanic-Unglücks vor rund 100
Jahren gedachte, hatten auch die Schweizer
Grund einem Unglück zu gedenken, das erst
vor 14 Jahren 43 Kilometer südwestlich von
Halifax geschehen ist. Die Swiss Army Central Band reiste nach Peggy’s Cove, wo 1998
der Swissair Flug 111 vor der Küste ins Meer
stürzte. Beim sogenannten Swissair Flight
111 Memorial versammelte sich das Orchester. Ein Trompeter spielte zum letzten Gruss
«Der gute Kamerad» von Friedrich Silcher.
«Es war ein sehr ergreifender Moment für
viele von uns, als wir dort zusammenkamen
und der Trompete lauschten», sagt Rütsche.
Erfolgreicher Abschluss eines aussergewöhnlichen Dienstes
Trotz rührender Augenblicke standen im
Mittelpunkt des Tattoos doch der Humor
und die Unterhaltung. «Wir hatten lustige
und unterhaltende Elemente in unsere Show
eingebaut, welche bei den Kanadiern gut ankamen. Sie haben sehr viel gelacht», berichtet
Rütsche. «Auch die Logistik lief glatt über die
Bühne, sowohl die Musikanten wie auch das
Equipment haben die Reise heil überstanden.»
Die Organisatoren des Royal Nova Scotia International Tattoo hatten das Schweizer
Armeespiel vor längerer Zeit eingeladen; 2012
konnte die Teilnahme realisiert werden. Es
war ein voller Erfolg, und die Musiker dürfen
auf ein grossartiges Erlebnis zurückblicken.
Für sie ging damit einer der aussergewöhnlichsten WKs zu Ende. n
Oberstleutnant Philipp Wagner
Der neue Kommandant der Schweizer Militärmusik
Per 1. Oktober 2012 wurde durch Korpskommandant Dominique Andrey, der neue Kommandant Militärmusik ernannt. Mit
gleichzeitiger Beförderung zum Oberstleutnant folgt Philipp Wagner auf Oberst Beat Diener, welcher in die Pension geht.
Einige Fragen und ein kurzes Porträt.
Philipp Wagner, Sie haben neu die Zügel
des Kompetenzzentrums, in welchem
Sie seit 18 Jahren arbeiten, in die Hand
genommen. In welchem Zustand befindet
sich heute die Schweizer Militärmusik?
Die Zeit, welche ich persönlich überblicken
kann, umfasst zwei Armeereformen in
welchen die Militärmusik ihre heutigen
Strukturen erlangen konnte. Wichtige
Pfeiler dabei sind die Zentralisierung der
Ausbildung und die Einsatzkompetenz (und somit die Einsatzgerechtigkeit). Dies hat sich als vorteilhaft erwiesen und hat die Militärmusik
zu einem starken Aushängeschild der Armee und einem interessanten
Partner für Verbände und Musik(hoch)schulen gemacht.
Welche Herausforderungen warten morgen auf die Musiker und Kader
der Schweizer Militärmusik?
Die Herausforderung wird sein, genügend Musiker und qualifizierte
Kader zu finden! Die Nachwuchsproblematik bei den zivilen Musikvereinen wirkt sich natürlich auch immer mehr bei der Nachwuchsgewinnung der Militärmusik aus. So ist es enorm wichtig, dass die
militärische und die zivile Blasmusik noch enger zusammenarbeiten
als sie es ohnehin schon tun.
Was wird Ihr persönliches Markenzeichen sein, welches Sie der
Militärmusik, im Herzen der Schweizer Musikszene, geben werden?
Ich will mit einem starken Team in der Militärmusik – den Berufs- und
Milizkadern – die Herausforderungen der Zukunft angehen.
Persönliches…
Was sind Ihre Stärken?
Optimismus, Zuversicht und Humor
Welches sind Ihre Schwächen?
Zu schnelles Reden! Deshalb ist es ab und zu gut einen Dirigierstab in der
Hand zu halten um mit Gestik das, was man sagen möchte, auszudrücken.
Welches ist Ihre Lieblingsmusik?
Ich finde in der Klassik, im Jazz, in der Volksmusik und in der Unterhaltungsmusik meine Lieblinge.
Welches Konzert würden Sie nie besuchen?
Das kann ich so nicht sagen – ich würde es einfach nicht besuchen.
Was ist Ihr Lieblingsmenu?
Ich habe eigentlich kein Lieblingsmenu. Ich liebe gutes Essen, bin dabei
offen für so ziemlich alles und geniesse dann «das Lieblingsmenu des Momentes».
Wie entspannen Sie sich?
Mit meiner Familie, beispielsweise in unserem grossen Garten.
Philipp Wagner wurde am 2. Oktober 1965 in Reigoldswil BL geboren. Er
ist mit Patricia Wagner verheiratet. Zusammen haben sie eine 3½-jährige
Tochter namens Sarah. 1989 erlangte er am Konservatorium Basel bei
Felix Hauswirth seinen Abschluss als Blasorchesterdirigent. 1990 schloss
er das Studium mit Lehrdiplom für Trompete als Schüler von Roger Delmotte am Konservatorium Lausanne ab. Philipp Wagner dirigiert in seiner
Freizeit die Stadtmusik Basel und deren Big Band. In seiner Milizfunktion
ist er der musikalische Leiter des Symphonischen Blasorchester Schweizer Armeespiel.
Philipp Wagner erhielt 1992 den Kulturförderpreis Baselland und im April
2012 den bedeutenden Stephan-Jaeggi-Preis.
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23
KompZen GebD
Komp Zen Geb D A: vordienstliche Eignungsprüfung
Steil bergwärts – auch in der Armee
Jedes Jahr wollen über hundert junge Schweizer zur Gebirgsspezialistin oder zum Gebirgsspezialisten der Armee ausgebildet werden, um auch im Militärdienst ihrer Passion nachzugehen. Es bestehen jedoch nur etwa 50% die anspruchsvolle
Ausbildung. Mit einer Anpassung des Auswahlverfahrens soll dieser Prozentsatz nach oben korrigiert werden, ohne dabei
an Qualität und Kompetenzen einzubüssen.
Stabsadjutant Roger Würsch, Berufsunteroffizier am Komp Zen Geb D A,
Bergführer, Skilehrer und Instruktor der Alpinen Rettung Schweiz
«Jeder junge Schweizer, welcher Bergsport im Sommer wie Winter
betreibt und sich dabei weiterentwickeln will, soll sich für die vordienstliche Eignungsprüfung anmelden», sagt Oberst im Generalstab Ivo Burgener, Kommandant des KOMPETENZZENTRUM GEBIRGSDIENST DER ARMEE (Komp Zen Geb D A).
Der steile Weg zur Gebirgsspezialistin / zum Gebirgsspezialisten
Die Ausbildung zum Gebirgsspezialisten ist sehr umfangreich. Viele Bereiche und Facetten des Bergsteigens sowie der Rettung werden
vertieft behandelt und im Gelände praktisch angewendet. Am Ende
der Ausbildung wird den stolzen Alpinisten das Hochgebirgsabzeichen überreicht. Diese Auszeichnung steht für umfangreiche gebirgstechnische Fähigkeiten, für solide Kenntnisse in der Führung von
Menschen im Hochgebirge und für ein ausgeprägtes Flair im Bereich
der Methodik. Um dies zu erreichen, müssen diverse Hürden erfolgreich übersprungen oder besser überklettert werden. Im Alter von 18
Jahren werden die angehenden Rekruten an den Orientierungstagen
der Kantone über die Rekrutierungsfunktionen informiert. Bis zur
Rekrutierung ist es vorteilhaft, wenn der Interessent für die Gebirgsspezialistenausbildung einen J+S Gruppenleiterkurs in den Sportfächern Skitouren, Bergsteigen oder Sportklettern erfolgreich bestanden hat. Anschliessend sind auf dem Weg zum Gebirgsspezialisten
folgende Leistungsprüfungen zu bewältigen:
• sehr gutes Sportresultat anlässlich der Rekrutierung;
• vordienstliche Eignungsprüfung;
• Basisprüfung in den ersten Wochen der Rekrutenschule;
• Prüfung Sommergebirgs- und Wintergebirgstechnik in der
Schlussphase der Rekrutenschule.
Vordienstliche Eignungsprüfung
Während zwei Tagen muss das theoretische und praktische Können
gezeigt werden. Dabei wird durch Bergführer der «Ist-Zustand» jedes Einzelnen beurteilt. Es geht darum, Alpinisten mit einem guten
Grundniveau im Sommer- und Winterbergsteigen zu finden. In einer
schriftlichen Prüfung werden nebst dem gebirgstechnischen Basiswissen die Kenntnisse in den Bereichen Meteorologie, Sanitätsdienst,
Eine der schwierigsten Disziplinen,
aber auch eine der schönsten im
Bergsteigen – das korrekte Führen
eines Kameraden am kurzen Seil.
24 armee.ch Heer 2 / 12
KompZen GebD
Der Rettungsspezialist muss in der Lage sein, schwierige Situationen
unter der Berücksichtigung der eigenen Sicherheit zu analysieren und
Lösungen zu finden. Das Beherrschen der persönlichen Seiltechnik,
das sichere Handeln im schwierigen Gelände und das Verständnis für
komplexe Seilsysteme ist dabei Grundvoraussetzung für den Erfolg.
Kartenlehre und Orientierung geprüft. Praktisch muss der Kompetenznachweis im Beherrschen der Sommergebirgstechnik (Seilhandhabung, Sportklettern 5c+, alpines Bergsteigen im IV. Grad) und in
der Wintergebirgstechnik (Skitechnik in Aufstieg und Abfahrt abseits
von Pisten) erbracht werden. Die bereits vorhandene und nachgewiesene Erfahrung in den verschiedenen Disziplinen des Bergsteigens
sowie eine sehr gute physische Verfassung bilden dabei die Grundvoraussetzungen für das «Ticket» nach Andermatt.
Weitere Tests warten
Die Rekrutenschule (RS) der Gebirgsspezialisten dauert 21 Wochen
und ist in Andermatt stationiert. Zu Beginn der RS werden die Rekruten im allgemeinen Soldatenhandwerk ausgebildet. Nach zwei Seiltechnikwochen wird das Grundniveau mit einer Basisprüfung getestet.
Wer diese besteht, wird anschliessend von Berufskadern und Bergführern in den folgenden Bereichen zum Gebirgsspezialisten ausgebildet:
• Sommer- und Wintergebirgstechnik;
• Technik im Steil- und Gletschereis;
•Risikomanagement;
• Lawinendienst mit dem künstlichen Auslösen von Lawinen;
• Planen und Durchführen von Verschiebungen in schwierigem
Gelände;
• Führung von Gruppen in alpinem Gelände;
• Begehbarmachung von unwegsamem Gelände mittels Fixseilen,
Leitern, Seilbahnanlagen und Stahlkabelinstallationen;
• Beratung von Kommandanten diverser Formationen, welche gebirgstechnisch nicht ausgebildet sind (Erkundungen, Gefahren
der Berge, Verschiebungen);
• Rettungsspezialist im Bereich der Kameradenrettung und der
organisierten Rettung.
Am Komp Zen Geb D A wird nach den gängigen Grundlagen des
Schweizer Bergführerverbandes (SBV), des Schweizerischen Alpenclubs (SAC) und der Alpinen Rettung Schweiz (ARS) ausgebildet. In
der Schlussphase der RS werden die Kompetenzen im Winter- und
Sommerbergsteigen der Rekruten auf Herz und Nieren getestet. Die
Prüfungen bestehen aus schriftlichen und mündlichen Tests, technischen Aufgabenstellungen sowie der Führung von Personen im
schwierigen Gelände und im Gebirge. Dem besten Absolventen jeder Rekrutenschule wird der «piolet d’or» des Kompetenzzentrums
verliehen. Nach erfolgreichem Abschluss der Rekrutenschule werden die Soldaten in die Gebirgsspezialistenabteilung 1 eingeteilt und
leisten ihre jährlichen Wiederholungskurse am Komp Zen Geb D A.
Das Trainieren und Optimieren der persönlichen Gebirgstechnik (auf
diesem Bild: die Klettertechnik im alpinen Gelände) ist der Schlüssel
zum erfolgreichen Absolvieren sämtlicher Prüfungsanforderungen.
So ist es in Andermatt nicht selten, dass sich die Kandidaten während ihrer Freizeit nicht im Dorf aufhalten, sondern mit technischem
Training beschäftigt sind.
Ein Versprechen für die Zukunft
«Diese Fülle von Gelerntem bildet für so manchen jungen Alpinisten
die Basis, um nach der Rekrutenschule den Berufsweg des Bergführers anzugehen», sagt Adjutant Christoph Linder, Berufsunteroffizier
und Ausbildner am Kompetenzzentrum in Andermatt. Er weiss, wovon er spricht, da er zur Zeit selber die dreijährige Bergführerausbildung absolviert. Auch bei der Alpinen Rettung Schweiz (ARS) sind
die Absolventen der Gebirgsspezialisten-Rekrutenschule gerne gesehen. Sie können bei dieser Rettungsorganisation direkt als Retter Stufe 2 einsteigen und Kaderfunktionen übernehmen. Und zu guter Letzt
ist der Ausbildungslehrgang in Andermatt eine Plattform, auf der sich
junge, ambitionierte Bergsteiger kennenlernen und gemeinsam ein
Ziel verfolgen. Es entstehen Freundschaften, welche über Jahre bestehen bleiben und oftmals mit einem Bergseil eng verbunden sind.
Die Funktion des Gebirgsspezialisten ist für junge Alpinisten eine Einteilung, in welcher sie ihre Leidenschaft in den Militärdienst
einbringen können. Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es einer konkreten und strukturierten Vorbereitung. Die Eignungsprüfung – unmittelbar nach der Rekrutierung – ist eine fordernde und harte Selektion, bei welcher keine Zugeständnisse betreffend nicht erfüllter
Anforderungen gemacht werden. Den Weg der Vorbereitung begleitet das Komp Zen Geb D A mit den Informationen auf der eigenen
Internetseite und der Unterstützung der Partnerverbände, welche
mit Werbung und Information mithelfen die geeigneten Leute zu
begeistern. n
armee.ch Heer 2 / 12
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KompZen Sport
Kompetenzzentrum Sport der Armee
Spitzensportförderung in der Armee
In der heutigen Ausgabe stellen wir Ihnen mit Spitzensportförderung und Sportausbildung zwei der Hauptaufgaben des
Komp Zen Sport vor. In der nächsten Ausgabe werden wir über die Bereiche CISM, Wettkämpfe und freiwillige Militärsportkurse informieren.
Hptadj Pierre-Yvan Fahrny, Chef Sportausbildung der Armee
Stabsadj Urs Walther, BU Spitzensport
Das Konzept der Spitzensportförderung zielt darauf hin, den Spitzensport optimal mit der militärischen Dienstpflicht zu kombinieren. Die Armee unterstützt Spitzenathletinnen und -athleten mit internationalen Zielsetzungen in den drei Fördergefässen:
•Spitzensport-RS
• Olympia/WM Wiederholungskurse
• Zeitmilitär Spitzensportler
•CISM
Spitzensport RS
1999 wurde durch Bundesrat Adolf Ogi der erste Spitzensportlehrgang in der Armee eingeführt. Seit der Armeereform XXI (ab 2004)
gibt es eine eigene Spitzensportrekrutenschule (Spi Spo RS). In Zusammenarbeit mit Swiss Olympic und den Verbänden werden die
Teilnehmer selektioniert. Die ersten 5 Wochen der AGA werden bei
der Instandhaltungsschule 50 in Lyss durchgeführt. Die Rekruten
sind jeweils am Morgen in der Ausbildung und am Nachmittag in
den sportart-spezifischen Trainings.
Die FGA findet anschliessend in Magglingen statt. Sie beinhaltet in
den ersten drei Wochen die Militärsportleiterausbildung sowie jeweils ein zweimaliges Training pro Tag. Zusätzlich werden die Rekruten in den Bereichen Medientraining, Massage und Mentaltraining aus- und weitergebildet.
Während der ganzen RS kann die ausgezeichnete Infrastruktur (Hallen, Kraftraum, Sauna) des BASPO genutzt werden. Der gesamte medizinische Bereich wird durch das Swiss Olympic Medical
Center Magglingen abgedeckt.
Olympia / WM WK
Mit den sieben dienstpflichtigen Wiederholungskursen sowie zusätzlichen Diensttagen werden den Athletinnen und Athleten in der
Vorbereitung auf die Olympischen Spiele resp. WM weitere Trainingsmöglichkeiten angeboten. Die Spitzensportler/Innen absolvieren die mehrwöchigen Wiederholungskurse als sportspezifisches Training.
Zeitmilitär Spitzensportler
Die aktuell 18 Spitzensportler ZM-Stellen zu 50% stehen grundsätzlich allen Einzelsportarten von olympischen Disziplinen offen. Nebst
dem Absolvieren der Spitzensport-RS muss insbesondere ein sehr hohes sportliches Potenzial ausgewiesen werden. n
Sportausbildung in der Armee
Der Bereich Sportausbildung ist die Ansprechstelle für alle Angehörigen der Schweizer Armee im Bereich des Sports. Sport in der Armee umfasst die Gesamtheit der sportlichen Ausbildungs- und Wettkampftätigkeit, sowohl während als auch ausserhalb des Dienstes. Die Arbeit und
die Grundlagen basieren auf einer engen Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Sport (BASPO).
Was machen wir
Der Bereich Sportausbildung der Armee
• erstellt sämtliche Ausbildungsvorgaben (u.a. Reglemente, Dokumentationen) im Bereich der Sportausbildung der Armee;
• stellt die physische Leistungsbereitschaft der Angehörigen der Armee für ihre bevorstehenden Aufträge sicher;
• unterstützt und fördert die physische Leistungsbereitschaft der Berufskader für ihre Aufgaben und Anforderungen;
• schafft wirksame Rahmenbedingungen, Anlässe und Strukturen
für die nachhaltige Sport- und Bewegungsförderung der Armee;
• stellt möglichst optimale Infrastrukturen und Grundlagen für die
Sportausbildung bereit;
• bietet professionelle Aus- und Weiterbildungen für sämtliche
Sportverantwortlichen in der Armee an;
• schafft bestmögliche Voraussetzungen für aktiven Sport und regelmässige Bewegung in der Armee.
• vermittelt Kompetenzen anhand der aktuellsten Erkenntnisse der
Sportwissenschaft und Trainingslehre für das Ausbilden und Unterrichten des Sports in der Armee;
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• verbreitet als «grösstes Fitnesscenter der Schweiz» Freude am Sport
und der Bewegung über die Armee hinaus (Beitrag zur lebenslangen Gesundheit);
• ist für die Kaderausbildung der Militärsportleiter und Experten
zuständig;
• ist bei nationalen Sport-Events der Armee (z.B. «Go for Five») für
die Umsetzung und Durchführung des Anlasses verantwortlich
und arbeitet eng mit den Organisatoren und den Sportchefs der
Organisationseinheiten zusammen;
• führt verschiedene Fitnesstage und Fitnesskurse für Berufskader
und das Zivilpersonal durch;
• unterstützt die Sportverantwortlichen der Waffenplätze bei der Beschaffung und dem Unterhalt von Sport- und Fitnessmaterial;
• führt die Sommer-Armeemeisterschaften (SAM) und den Winterwettkampf der Armee (WiWA) durch;
• hilft mittels Prävention zur Verringerung von Sportunfällen und
Krankheiten;
• engagiert sich für die ethischen Werte im Sport.
KompZen Sport
Nino Schurter
Spitzensport-RS 07/08,
Weltmeister 2009/2012,
Weltcupsieger 2010/2012,
Olympia:
Bronze 2008, Silber 2012
Interview mit Zeitmilitär Nino Schurter, Silbermedaillengewinner in London und Weltmeister 2012
Nino, wie hast du die ersten Wochen nach Olympia erlebt?
Seit mehr als vier Jahren waren die Olympischen Spiele in London
mein grosses Ziel. Während vielen harten Trainingsstunden war ich
auf dieses Rennen fokussiert und habe gezielt auf diesen Moment
hingearbeitet. Auf einmal ist es dann Geschichte, man muss sich erst
mal neu orientieren können und sich neue Ziele stecken. Was mich
sehr gefreut hatte, waren die vielen Reaktionen auf mein Rennen. Nach
der ersten Enttäuschung über die verpasste Goldmedaille, freue ich
mich heute sehr über die Silberne.
Wie konntest du von der Spitzensportförderung der Armee profitieren?
Ich habe die letzten fünf Jahre sehr von der Spitzensportförderung
der Armee profitiert. Während der Spitzensport RS im Winter 07/08
konnte ich mich optimal und in einer tollen Trainingsgruppe auf
die Spiele 2008 vorbereiten. Die Bronzemedaille in Peking war ein
wichtiger Erfolg für meine Karriere und eine unbezahlbare Erfahrung
für die Spiele in London. Während vielen WKs konnte ich von einem
perfekten Umfeld in Magglingen profitieren. Die Spitzensportförderung der Armee war ein Sprungbrett für meine Karriere. Ich bin sehr
dankbar, dass ich dank der Armee noch professioneller auf meine
Ziele hinarbeiten durfte.
Wie geht es weiter, was sind deine nächsten Ziele?
Ich liebe die Bewegung in der Natur und hoffe, dass ich den MTBSport noch viele Jahre professionell ausüben darf. Zudem fehlt mir
noch eine Medaille in meiner Olympiasammlung – diese möchte ich
in Rio 2016 vervollständigen! n
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Agenda
9. Februar Rekrutenspiel 16-3
Tag der Angehörigen, Beförderungsfeier, 09:30-16:00 Uhr
www.militaermusik.ch
14. Februar Rekrutenspiel 16-3Kreuzlingen
Konzert, Dreispitz, 20 Uhr
www.militaermusik.ch
19. Februar Schlusskonzert I des Rekrutenspiel 16-3
Bärenmatte, 20 Uhr
www.militaermusik.ch
Suhr AG
20. Februar Rekrutenspiel 16-3
Konzert, Forum im Ried, 20 Uhr
www.militaermusik.ch
Landquart GR
Kaserne Aarau
21. Februar Generalstabsschule GST S / AAL LuzernKriens
Korpsgeistanlass, 08:00 - 16:00 Uhr
28. Februar - 1. März Winterwettkämpfe der Armee (WiWA)Andermatt
1. März Generalstabsschule GST S / AAL LuzernLuzern
Promotionsfeier GLGII/13, Pauluskirche
1. März Symphonisches Blasorchester SAS & AMAR Quartett
Konzert Mühlemattsaal, 17 Uhr
www.militaermusik.ch
2. März Frühjahrstagung MILAK an der ETH Zürich
ETH Zürich
3. März Symphonisches Blasorchester SAS & AMAR QuartettWinterthur
Konzertsaal Liebestrasse, 17 Uhr
www.militaermusik.ch
Trimbach SO
8. März Rekrutenspiel 16-3
Konzert, Festhalle, 20 Uhr
www.militaermusik.ch
9. März Repräsentationsorchester SAS & Swiss BandBern
Konzert, Kursaal, 19:30 Uhr
www.militaermusik.ch
10. März Repräsentationsorchester SAS & Swiss BandLuzern
Konzert, KKL, 17 Uhr
www.militaermusik.ch
13. März Rekrutenspiel 16-3
Workshop, Musikschule, 9 -18 Uhr
www.militaermusik.ch
Stansstad NW
13. März Rekrutenspiel 16-3
Konzert, Festhalle, 20 Uhr
www.militaermusik.ch
Stansstad NW
14. März Rekrutenspiel 16-3
Théâtre de Grand-Champs, 20 Uhr
www.militaermusik.ch
Gland VD
15. März Repräsentationsorchester SAS & Swiss BandZürich
Kongresshaus, 19:30 Uhr
www.militaermusik.ch
19. März Rekrutenspiel 16-3Neuchâtel
Konzert, Temple du Bas, 20 Uhr
www.militaermusik.ch
21. März Rekrutenspiel 16-3
Théâtre du Martholet, 20 Uhr
www.militaermusik.ch
3. April Schlusskonzert Rekrutenspiel 16-3Thun
Kultur- und Kongresszentrum, 19 Uhr
www.militaermusik.ch
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Sempach LU
St. Maurice VS
3
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2 KP-Netz: die IT-Lösung für Kommandoposten
4 Der direkte Draht der AdA zum CdA
5 Alkoholfreie Drinks: Präventionskampagne der Armee
6 Das Rekrutenspiel 16-1/12 am Basel Tattoo
Grosser Mehrwert für die Truppe
Truppenversuch mit dem KP Netz
Rubriktitel
KP-Netz
Die IT-Lösung für Kommandoposten
Major Nico Kern leitete den Truppenversuch und stellte einen grossen Mehrwert fest.
Die Führungsunterstützungsbasis (FUB) hat auf Basis der Büroautomationsplattform eine miliztaugliche Informatik-Lösung
für Kommandoposten (KP) geschaffen, die den Betrieb von militärischen Anwendungen wie «Mil Office 4» und Standardsoftware ermöglicht. Eine Notwendigkeit, da die Aufgaben der Truppenkörper-Kommandanten und deren Einheiten zunehmend anspruchsvoller und komplexer werden. Das KP-Netz besteht aus einer zentral betriebenen Server-Umgebung, einer
flexiblen Vernetzung der Systeme sowie aus Arbeitsplätzen mit Notebooks, Druckern, Scannern und Kopierern. Die FUB
bietet damit eine truppengerechte und kostengünstige Lösung an, welche die isolierten Einzelarbeitsplatzsystem-Notebooks
(EAPSN) in den Kommandoposten ablöst.
Jacqueline Howald, Kommunikation FUB
Dank Vernetzung ermöglicht das KP-Netz eine rasche Kommunikation per E-Mail, den Zugang zu Internet und Intranet sowie eine
zentrale Ablage gemeinsamer Daten. Der Systemzugriff ist von sämtlichen VBS-vernetzten Standorten aus möglich. Die TruppenkörperKommandanten haben jederzeit Zugriff auf das System, die übrigen
Benutzer während ihrer Dienstzeit. Die IT-Lösung steht für Grundausbildungs- und Fortbildungskurse sowie für militärische Einsätze zur Verfügung.
Sicherheit als Voraussetzung
Das KP-Netz entspricht den Sicherheitsstandards im VBS. Das Login
erfolgt daher mit starker Authentisierung, konkret mit einer SmartCard. Diese macht ein Signieren und Verschlüsseln von Nachrichten zusammen mit der Sicherheitssoftware «SecureCenter» möglich.
Der Benutzer kann mit «SecureCenter» Dokumente bis Stufe VERTRAULICH bearbeiten und abspeichern sowie Daten als verschlüsselte Mailnachrichten übermitteln.
Die Notebooks sind so konfiguriert, dass die User keine Fremdsoftware installieren oder ausführbaren Programme starten können. Im Weiteren fehlen die Berechtigungen für Änderungen an
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der Konfiguration. Eine Umkonfiguration des lokalen Systems oder
Netzwerks ist somit nicht möglich. Aufgrund der hohen Sicherheitsanforderungen und der Providerpflichten der Führungsunterstützungsbasis werden Systemaktivitäten aufgezeichnet.
Prozess SmartCard
Die SmartCard wird durch den Vorgesetzten des Angehörigen der
Armee (AdA) bestellt. Im System ist ersichtlich, ob der AdA bereits
aus früheren Wiederholungskursen (WK) oder Einsätzen eine SmartCard besitzt, womit sich eine neue Bestellung erübrigt. Vor WK-Start
übergibt der Kommandant die Karte dem Soldaten und orientiert
ihn über seine Rechte und Pflichten. Mit Abgabe der Karte muss der
Empfänger eine ID oder einen Pass vorweisen und Identifikationsdokumente unterzeichnen.
Die persönliche SmartCard ist drei Jahre lang gültig. Der AdA
behält sie bei sich und muss sie bei erneuten Einsätzen oder WK vorgängig reaktivieren lassen. Dafür muss eine Durchlaufzeit von einem
halben Tag eingerechnet werden. Ansonsten ist der Zugang zum KPNetz nicht möglich.
Unser Bild zeigt eine Arbeitsstation inklusive Zubehör.
Grosser Mehrwert für die Truppe
Major Nico Kern hat anlässlich des Starts der Rekrutenschule (RS) 2-11 in der Führungsunterstützungsschule Luftwaffe 95 in
Dübendorf einen Truppenversuch mit dem KP-Netz durchgeführt. Die Schule gliederte sich in zwei RS-Kompanien, die aktiv
mit dem System arbeiteten. armee.ch befrage Major Kern zu den gesammelten Erfahrungen.
Worin besteht der Mehrwert von KP-Netz?
Erstens sehe ich eine grosse Vereinfachung im Datenaustausch, da KP-Netz
eine vernetzte IT-Umgebung bereitstellt.
Zweitens hatten wir mit den SmartCards
weniger Probleme als in anderen RSStarts, da der Kompaniekommandant
respektive der Fourier diese selber bestellen und verwalten können.
Eine Verbesserung zeigte sich auch
mit «Mil Office 4», da die Images von KPNetz alle dieselben Versionen von «Mil Office 4» beinhalten. Dies war
bei den BURAUT-PC im Rahmen der Sofortmassnahmen zu Gunsten
der Einführung von «Mil Office 4» immer problematisch.
Festgestellt habe ich zudem, dass im Schulbetrieb oder generell
in der BURAUT-Umgebung alle Geräte (Instruktoren-Notebooks,
Drucker etc.) mit KP-Netz kompatibel sind beziehungsweise mit KPNetz angesteuert werden können. Das schafft ebenfalls einen grossen Mehrwehrt.
Allerdings mussten wir uns noch mit einigen «Kinderkrankheiten»
des KP-Managers herumschlagen.
Wo besteht aus Ihrer Sicht Verbesserungspotenzial?
Das Hauptziel des KP-Netzes ist die «Verbannung» privater Informatikmittel aus der Armee. Dieses Ziel wird nur dann erreicht,
wenn die Zugführer ins LAN eingebunden werden. Die FUB sollte
deshalb die Anzahl zugeteilter Notebooks erhöhen. Zusätzlich bin
ich der Meinung, dass mehr Installationsmaterial mit dem System
mitgeliefert werden sollte. Beispielsweise Trittschutzleisten und flexible Kabelkanäle.
Was können Sie zur Ausbildung von KP-Netz sagen?
Die Ausbildung empfand ich als ziemlich umfassend. Im Hinblick
auf meine Milizfunktion wäre ich froh, wenn ich zu den Funktionsmailboxen noch mehr Erklärungen und Angaben erhalten würde,
inklusive deren Konfiguration. Alle anderen Ausbildungsinhalte
fand ich verständlich und gut nachvollziehbar.
Wie beurteilen Sie die Ausrüstung von KP-Netz?
Was erachten Sie als wichtigste Funktionen von KP-Netz?
Am wichtigsten erachte ich die zur Verfügung stehenden Shares
und die Mail-Funktion. Wichtig ist zudem der KP-Manager, denn
er erlaubt dem Kommandanten eine effiziente Verwaltung der Zugriffsrechte auf die Daten jener AdA, die mit KP-Netz arbeiten.
Es ist alles vorhanden, was es braucht. Besonders nützlich finde ich
die beiden Switches. Bei den Komponenten sehe ich zudem einen
Mehrwert beim Multifunktionsgerät (HP Drucker mit integriertem
Fax, Scanner und Kopierer), da dieses das Standalone-Kopieren
ermöglicht. Die Verpackung ist zweckmässig und leicht.
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Bewertung des Militärdienstes per SMS
Der direkte Draht der AdA zum CdA
Von «Laueribetrieb» bis «supercool» – die Bewertungen des Militärdienstes könnten bei den AdA
kaum weiter auseinanderklaffen. Und daraus ein allgemeingültiges Urteil über die Qualität
der Dienstleistungen zu fällen, ist gänzlich unmöglich. Die Armee befragt deshalb erstmals alle
AdA systematisch, und geht dabei gleichzeitig ganz neue Wege in der Erhebung der Daten.
Lorenz Schmid, Kommunikation V
Die Befragung über die «Persönliche Beurteilung des Militärdienstes» wurde Anfang 2012 armeeweit lanciert. Grundlage dafür bildet
der Auftrag des Armeechefs, den AdA aller Stufen die Möglichkeit
zu geben, sich zu ihrer Dienstleistung zu äussern. Diese ungefilterten
Eindrücke stellen – neben den gewohnten Kursberichten der Kommandanten – einen weiteren Puzzlestein im Gesamtbild der Armeeführung über die geleisteten Militärdienste dar.
Die zum Projektstart dominierenden Fragen waren natürlich,
welcher Art die Fragen an die AdA sein sollen und insbesondere, in
welcher Form die Befragung erfolgen soll – schliesslich lag der Effektivbestand 2011 noch immer bei 162‘000 aktiven AdA. Die erste
Frage nach dem «Was» war durch den Auftrag des Armeechefs, die
Qualität zu erfassen, schon grob umrissen. Im Projektteam wurden
daher einzelne wichtige und interessante Aspekte des Dienstes definiert und dazu 16 Aussagesätze formuliert. Diese Aussagen haben
die AdA in der Befragung auf einer Skala von 1-4 zu bewerten. Ergänzt werden diese durch Angaben zu Grad, Ausbildung und anderen persönlichen Eckwerten.
Die Wahl einer geeigneten Befragungsmethode erwies sich als
nicht minder anspruchsvoll, müssen doch verschiedene Anliegen
berücksichtigt werden. Insbesondere soll der Dienstbetrieb nur minimal tangiert werden und der Aufwand für die involvierten Kommandanten und Einheiten möglichst tief bleiben. Anderseits hat die
Auswertung rasch und einfach erfolgen zu können. Zudem dürfen
von Seite der Armee keine Rückschlüsse auf die teilnehmenden Personen möglich sein.
Ein langer Weg zur «SMS-Befragung»
Im Rahmen von insgesamt fünf Pilotversuchen wurden verschiedene
Formen des Fragebogens und Methoden wie beispielsweise ein elektronisch lesbarer Papierfragebogen und Onlinelösungen evaluiert.
Gemessen am Anforderungsprofil wiesen allerdings beide Methoden Schwächen auf. Als drittes Medium wurde das Mobiltelefon als
möglicher Antwortkanal ins Auge gefasst. Erwies sich eine «App»für
Mobiltelefone, nicht nur bedingt durch die nicht flächendeckende
Verbreitung von geeigneten Smartphones, als ungeeignet, blieb noch
die altgediente Kurzmitteilung (SMS) als zu prüfende Variante üb-
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rig. Mit einem im Bereich von SMS-Dienstleistungen seit Jahren erfolgreichen Unternehmen als Partner wurden zwei Pilotversuche erfolgreich durchgeführt. Damit war die «SMS-Befragung» geboren.
Einige der Vorteile der «SMS-Befragung» gegenüber
etablierten Methoden:
• anonymisiertes Datenhandling durch unabhängiges
Drittunternehmen
• im Vergleich zum Papierfragebogen kein Handling der
Datenblätter, weder durch den befragten Verband, noch durch
die auswertende Stelle (Postversand und Scannen der
Antwortbögen)
• im Vergleich zur Onlineplattform kein Bedarf an
PC-Infrastruktur und Internetanschluss
• praktisch jederzeit und überall durchführbar
• kein vorgängiger Download einer Software, kein
Datenfunkverkehr nötig
• der Versand der SMS ist für den AdA gratis
Wie funktionierts?
Die Kommandanten von Schulen, WK’s und Kursen von mehr als
zwei Wochen Dauer sind befohlen, die Befragung durchzuführen.
Dazu haben sie aus ihrem Verband eine Zufallsstichprobe im Umfang von 15 Prozent des aktuellen Bestandes zu ziehen. Die ausgewählten AdA müssen an der Befragung teilnehmen, was auch von
den Kadern kontrolliert wird. Um aber zu verhindern, dass der AdA
dabei seine Antworten offenlegen muss, erhält er vom SMS-System
eine automatische Antwort, welche als Teilnahmenachweis dient.
Der Rest der Truppe hat die Möglichkeit, freiwillig an der Befragung teilzunehmen.
Die Kommandanten melden dem SMS-System im Voraus die Bezeichnung und den Bestand ihres Verbandes, den Umfang der Zufallsstichprobe sowie Teilnahmedatum und das Zeitfenster, in welchem die Befragung erfolgen wird. Zu dem definierten Zeitpunkt
müssen lediglich in erster Priorität die die befohlenen AdA im Besitz
des Fragebogens sein, was z.B. durch die Projektion in einem Theoriesaal erfolgen kann. Und natürlich muss am Standort der Truppe
ein normales Mobilfunknetz empfangen werden können. Die Bearbeitung des Fragebogens und das Absetzen der Antwort-SMS nimmt
nur wenig Zeit in Anspruch – danach können die AdA wieder am ordentlichen Dienstbetrieb teilnehmen.
Die SMS werden nach dem Empfang vom Dienstleister anonymisiert und überprüft. Danach kommen sie zur Komm V zur Auswertung. Die dabei erstellten Berichte sind ausschliesslich für den Armeechef und die Kommandanten Grosse Verbände bestimmt, welche
über die weitere Verwendung entscheiden.
Die Erfahrung aus den Pilotversuchen und aus der laufenden
Umsetzung zeigt, dass die AdA ihre Antworten sehr sorgfältig nach
dem vorgegebenen Muster verfassen und pro Verband häufig in einem sehr engen Zeitfenster absenden.
NEWSLETTER: Neue Präventionskampagne in der Armee
Zum Glück gibt es alkoholfreie Drinks!
Zur Verhütung von Unfällen in der Armee, lanciert die Koordinationsgruppe Militärische Unfallund Schadenprävention (Ko-MUSP), gemeinsam mit der Beratungsstelle für Unfallverhütung bfu,
für die Jahre 2012 bis mindestens 2014 eine neue Kampagne zum Thema Alkohol.
Ab dem dritten Schulstart im laufenden Jahr,
konkret per 29. Oktober 2012 stehen Schulen
und Kursen verschiedene Medien für die
Präventionsarbeit zur Verfügung.
Die ursprüngliche Kampagne der bfu
«Fit für die Strasse?» wurde auf die Bedürfnisse der Armee angepasst, ohne aber das
grundsätzliche Layout zu verändern. Synergien werden so genutzt und durch den
Wiedererkennungswert (Zivil / Armee), die
Nachhaltigkeit der Präventionskampagne
sichergestellt.
Wussten sie… ?
Dass schon wenig Alkohol Ihre Reaktionsfähigkeit vermindert und das Unfallrisiko
erhöht und Stress, Müdigkeit, Krankheiten,
Drogen oder Medikamente die Wirkung
zum Teil massiv verstärken können? Alkohol kann nicht nur im Bereich militärischer
Strassenverkehr gravierende Konsequenzen
haben, sondern auch zu Fehlverhalten beim
Wachtdienst oder zu Stürzen im Ausgang
führen. Restalkohol bei Arbeitsbeginn (nach
Ausgang oder Urlaub) birgt Risiken, ist kein
Kavaliersdelikt und zieht gemäss Militärstrafgesetz MStG, Art. 80, Sanktionen nach sich.
Nulltoleranz oder ist ein Glas OK?
In den nächsten Jahren werden die Angehörigen der Armee mit dieser Kampagne
aufgefordert, bei ihren Aktivitäten während
des Dienstbetriebes und in der Freizeit, die
Reglemente, Sicherheitsvorschriften und
Anweisungen ihrer Vorgesetzten strikte einzuhalten und die Präventionsmassnahmen
zu berücksichtigen.
Für militärische Fahrzeugführer gilt
Nulltoleranz! Sechs Stunden vor der Fahrt
und während dieser ist der Konsum von
Alkohol verboten. Ansonsten wird darauf
hingewiesen, dass ein normales Glas Bier
oder ein Glas Wein im Ausgang oder Urlaub
OK sind, das Zweite könnte aber bereits zu
viel sein…
wieder an die Gefahren des Alkoholkonsums
erinnern. Die Kampagne soll alle ansprechen
und erreichen, dass Einsicht und Vorsicht,
sowie Selbst- und Mitverantwortung den
Stellenwert erhalten, der ihnen zusteht.
Die Bestrebungen von Kommandanten
und Kader werden damit unterstützt. Auch
verstärkte präventive Einsätze der militä-
rischen Polizeiorgane zielen darauf hin, die
Sicherheit der Angehörigen in der Armee
zu gewährleisten und das Unfallrisiko zu
senken.
«Zum Glück
gibt es
alkoholfreie
Drinks.»
Schon wenig Alkohol
vermindert Ihre
Reaktionsfähigkeit.
Präventionsmittel
Plakate, Flyer, verschiedene Streuartikel sowie Werbefolien an den Fahrschulkombinationen werden Kader und Mannschaft immer
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Bild: Daniel Laroche
Das Rekrutenspiel 16-1/12 begeisterte Hunderttausende am Basel Tattoo 2012
«Das Basel Tattoo ist rüüdig schön»
Seit der ersten Austragung 2006 zog es schon mehr als eine halbe Million Zuschauer aus der ganzen Welt im Juli nach Basel
ans weltweit zweitgrösste Tattoo unter freiem Himmel. Fast seit Beginn weg mit dabei sind Formationen der Schweizer Militärmusik. Am diesjährigen Basel Tattoo glänzte das Rekrutenspiel 16-1/12 unter der Leitung von Hauptmann Bernhard Meier
und Stabsadjutant Philipp Rütsche vor ausverkauften Rängen.
Christine Hartmann, Kommunikation Heer
Die 42 Militärtrompeter, 13 Tambouren
und 5 Schlagzeuger des Rekrutenspiels 161/12 hatten zur Vorbereitung der Auftritte
am Basel Tattoo ein strenges Programm.
Einstudieren der Stücke, verinnerlichen der
Choreographien, Videoanalysen, Auswertungen und üben, üben, üben. Nebst den
Vorbereitungen fürs Tattoo standen noch
andere, nicht weniger wichtige Konzerte an,
darunter musikalische Umrahmungen von
Staatsempfängen und das Schlusskonzert in
Thun vom 26. Juli 2012.
Vom theoretischen Punkteschema zur
perfekten Show
Bernhard Meier, Chef Rekrutenspiel, und
Philipp Rütsche, Fachlehrer Tambouren,
hatten bereits anfangs Jahr mit einem
Brainstorming für die Show des Basel Tattoo
begonnen. Weitere Sitzungen und nächtliche
Eingebungen folgten. Musikstücke wurden
gesucht, Schrittfolgen skizziert, gegeneinander abgewogen. Schritt für Schritt wurde
auf Papier festgehalten bis die Choreografie
stimmte und zur gewählten Musik zum Thema Swiss Tradition passte. Die Planer waren
frei in der Gestaltung ihrer Show – bis auf
die Zeitvorgabe von 8 ½ Minuten für ihren
Auftritt und dem Wunsch der Organisatoren
des Basel Tattoo, den Aufzug nicht durchs
Haupttor, sondern durch die Seiteneingänge
zu machen.
Die Frauen und Männer des Rekrutenspiels 16-1/12 studierten ab der 11. RS-Woche
die Stücke und die Choreografie unter der
Führung ihrer Milizkader Note für Note und
Schritt für Schritt ein. In den letzten Wochen
wurden zusammengerechnet während etwa
30 Stunden, d.h. an rund 10 Halbtagen à 3
Stunden, die Figuren und die Musikstücke
einstudiert. «Die Show wird perfekt, wenn
die Musikerinnen und Musiker einen Takt
hören und intuitiv wissen, in welche Richtung sie gehen und welche Noten sie spielen
müssen,» so Fachlehrer Rütsche. Mit Videoaufzeichnungen der Proben wurde immer
wieder analysiert und die Musiker konnten
so sehen, weshalb es wichtig ist an der einen
Stelle zwanzig Zentimeter weiter links zu
stehen und wo es bereits perfekt ist.
Drill und Perfektion
Das Basel Tattoo 2012 wurde am Freitag, 13.
Juli 2012 unter der Leitung von Major Christoph Walter, Principal Director of Music des
Bild: Ruth van der Zypen
Superman
Stabsadjutant Philipp Rütsche und Hauptmann Bernhard Meier erklären Christine
Hartmann, Leiterin Printmedien Heer, den Aufbau ihrer Choreografie.
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Eine Sequenz aus der Choreografie zur
Musik aus Superman.
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Schritte Schliessen
– STOP
Bild: zvg
Basel Tattoo und dem ergreifenden Gesang
des kleinen Jonathan mit «I Have a Dream»
eröffnet. Nach den imposanten Massed
Pipes and Drums, die sich aus Formationen
aus vier Kontinenten zusammensetzten,
ging es Schlag auf Schlag. Renommierte
Spitzenformationen aus aller Welt präsentierten Höchstklassemusik in farbenfrohen
Uniformen, imposanten Kopfbedeckungen
und das alles mit Drill und Perfektion. Die
Conscript Band of the Finnish Defence
Forces imponierte dem Tambur des Rekrutenspiels André Rütti aus Münchenstein am
meisten. Wie das Schweizer Rekrutenspiel ist
auch die finnische Band ein Milizorchester,
welches Bestandteil der finnischen MilitärMusikschule ist.
Nicht nur militärische Formationen
nahmen am Basel Tattoo teil. Highland
Dancers sind ein traditioneller Standard
eines jeden Tattoo-Programmes. Das Baslerpublikum begeisterten dieses Jahr die
Ailsa Craig Highland Dancers aus Schottland mit höchster Präzision und flinken,
eleganten Bewegungen zu keltischer Musik.
Das Lochiel Marching Drill Team reiste aus
Neuseeland an und entlockte dem Publikum
Bild: Daniel Laroche
Das Rekrutenspiel 16-1/12 bei einer der unzähligen Proben für den Auftritt.
Tromp Sarah Bossart, Tromp Phil Bonadimann und Tamb André Rütti erzählen von ihren
Erfahrungen in Basel
einige verwunderte Ausrufe, als sie ihr perfektes Präzisionslaufen ohne Blickkontakt
präsentierte. Die Formation ist Meister im
Präzisions-Drill.
Das Rekrutenspiel 16-1 konnte zwar
nicht mit farbenfrohen Uniformen auftrumpfen, wohl aber mit einer perfekten
Show. Zur Musik von Superman «flog» das
Rekrutenspiel in einer Pfeilformation in die
Arena der Kaserne Basel ein. Die Trompeter, Schlagzeuger und Tambouren des RSSpiels bewiesen bei Polo Hofers Alpenrose
und dem Basler Marsch, dass sie nicht nur
ihre Instrumente beherrschen, sondern auch
wohlklingend singen können. Das Publikum
war begeistert.
Höhepunkt und Bereicherung für das
Rekrutenspiel
(24) 2 bzw. 4
Schritte Schliessen
– STOP
Für die Rekruten, die noch bis zum 1. August im Dienst sind, ist es ein einmaliges
Erlebnis. «Es ist für uns eine grosse Ehre
und Freude, dass die Organisatoren des Basel
Tattoo einem Rekrutenspiel und nicht nur
dem Armeespiel das Vertrauen schenken und
uns für diesen Event eingeladen haben. Für
die Truppe und auch die Kader war die Teilnahme eine grosse Bereicherung», so Hauptmann Meier, Chef des Rekrutenspiels. Die
Rekruten schätzten den kollegialen Kontakt
unter den verschiedenen Bands enorm und
freuten sich, so die verschiedenen Menschen
und Kulturen kennen zu lernen. Der Handshake und die gegenseitige Gratulation zum
gelungenen Auftritt nach der Show wurde
zum festen Bestandteil, erzählte Trompeter
Phil Bonadimann, der im Rekrutenspiel Tenorsaxophon spielt. Trompeter Sarah Bossart
fasste es begeistert zusammen: «Das Basel
Tattoo ist rüüdig schön.»
Die Zusammenarbeitsvereinbarung
zwischen dem VBS und dem Basel Tattoo
wurde kürzlich bis ins Jahr 2017 durch den
Schirmherr Bundesrat Ueli Maurer verlängert. So kann sich die Fangemeinde des
Basel Tattoo bereits heute die kommenden
Shows mit Spitzenformationen aus aller Welt
freuen. Und hoffentlich bereichert auch im
nächsten Jahr ein Schweizer Rekrutenspiel
oder das Armeespiel das Basel Tattoo.
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Impressum armee.ch 2/2012, Teil für die ganze Armee
Redaktion: Kommunikation Verteidigung / Interne und Truppenkommunikation, Stauffacherstrasse 65/31b, 3003 Bern
Übersetzungen: Übersetzungsdienste VBS Gestaltung: Zentrum elektronische Medien (ZEM), LBA
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