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Botschaften auf dem Elternabend: Wie sich (Lehrerinnen und

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www.mediaculture-online.de
Autor/en:
Gora, Stephan.
Titel:
Botschaften auf dem Elternabend: Wie sich (Lehrerinnen und) Lehrer in
ein positives Licht setzen können.
Quelle:
www.schule-der-rhetorik.de.
Verlag:–
Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Von StD Stephan Gora (Schwäbisch Gmünd, BaWü)
Botschaften auf dem Elternabend:
Wie sich (Lehrerinnen und) Lehrer in ein
positives Licht setzen können
Einleitung
Besonders zu Schuljahresbeginn beschleicht selbst gestandene Lehrerinnen und
­Lehrer ein ungutes Gefühl: Schon wieder Elternabend! Was offiziell der «vertrauensvollen Zusammenarbeit» zwischen Elternhaus und Schule dienen sollte, wird häufig
als eine lästige Pflichtübung wahrgenommen, die wenig Begeisterung, mitunter sogar
Beklemmungen und Ängste hervorruft. Viele Kolleginnen und Kollegen fühlen sich auf
dem Präsentierteller; wird der Unterricht kritisiert, so empfinden dies die Kritisierten
in Einzelfällen sogar als «Tribunal».
Dieser Beitrag möchte aus rhetorischer und schulpraktischer Perspektive Anregungen
geben, wie sich Lehrerinnen und Lehrer auf Elternabenden positiv darstellen können:
Wie können Eltern strukturiert und in aller Kürze über das Wesentliche informiert
werden und gleichzeitig die Botschaft «Bei diesem Lehrer sind unsere Kinder in guten
Händen!» vermittelt bekommen?
Es empfiehlt sich, diese Anregungen bei passender Gelegenheit (Gesamtlehrerkonferenz, Pädagogischer Tag o. Ä.) im Kollegium zu thematisieren oder rechtzeitig vor den
Elternabenden im Kollegium bekannt zu machen. Besonders jüngere bzw. neue Kollegen, die sich in der ungewohnten Redesituation noch unsicher fühlen, sind erfahrungsgemäß dankbar für diese Hilfestellung.
Gelingt es, Elternabende zu einer konstruktiven Begegnung zwischen Eltern und
Lehrern zu machen, so hat dies positive Auswirkungen auf das Schulklima und auf die
Atmosphäre in den einzelnen Klassen, wie die folgende Rückmeldung von der Mutter
eines Achtklässlers an den Verfasser belegt:
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«Sehr geehrter Herr Gora, danke für den gestrigen Elternabend. Es ist schön,
wenn sich Lehrer die Zeit nehmen, sich in den Klassen vorzustellen. Als Mutter
und Vater kann man mit manchen Namen dann auch ein Gesicht verbinden.
Im Nachhinein kam mir der Gedanke … Mit herzlichem Dank A. W.»
1. Situationsanalyse
Lehrer sind gut beraten, wenn sie sich zunächst die vorhersehbaren Erwartungen der
Eltern vor Augen führen.
––Eltern wollen die für sie und ihre Kinder relevanten Informationen erfahren: Wie
schätzen die einzelnen Lehrer Verhalten und Leistungsstand der Klasse ein? Welche
Leistungsanforderungen werden gestellt? Und wie werden die Noten ermittelt?
––Darüber hinaus wollen sie sich aber auch von den verschiedenen Lehrerpersönlichkeiten ein Bild machen: Wie kompetent, wie engagiert sind die Lehrer, die in
der Klasse unterrichten? Gehen sie pädagogisch und methodisch geschickt mit
den ­ihnen anvertrauten Kindern um? Kann das Lernen bei diesen Lehrern Spaß
­machen? Natürlich wird auf dem Elternabend auch die menschliche Seite der
Lehrerpersönlichkeit wahrgenommen: seine Freundlichkeit, sein Wohlwollen den
Schülern gegenüber, vielleicht sogar sein Humor.
––Was in den einzelnen Fächern behandelt wird, mag zwar durchaus interessant sein,
ist aber sicherlich nicht der ausschlaggebende Grund, weshalb Eltern ihren freien
Abend opfern. Daher ist es wenig ergiebig, Lehrpläne für die Eltern zu kopieren
oder den «Stoff» in aller Ausführlichkeit darzulegen. Wenn allerdings bei der Darstellung des Unterrichtsstoffs «durchscheint», dass der Lehrer seinen Unterricht
sorgfältig plant und es versteht, die Schüler für sein Fach zu motivieren, dann darf
diese Chance durchaus genutzt werden!
––Willkommen sind erfahrungsgemäß auch allgemeine pädagogische Fragen, sofern
sie in der konkreten Klasse bzw. Altersstufe relevant sind. Dies anzusprechen ist
meist Aufgabe des Klassenlehrers, kann aber auch von Fachlehrern übernommen
werden, falls deren Fach dafür eine gewisse Affinität besitzt (etwa Gewaltprävention in Gemeinschaftskunde oder Suchtprävention in Biologie). Für solche Fragen
sollte auf jedem Elternabend Zeit eingeplant werden, diese Themen sollten mit den
Elternvertretern abgesprochen und gut vorbereitet sein. (Dieser Aspekt wird, weil
er den Rahmen dieses Beitrags sprengen würde, im Folgenden aber nicht vertieft.)
––Zu den Erwartungen der Eltern gehört es mitunter auch, dass sie in den Fragen Vorschläge machen oder Bitten äußern dürfen, in denen eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule sinnvoll und für die Schüler hilfreich ist:
etwa bei der Kontrolle der Hausaufgaben, der Terminierung von Klassenarbeiten
oder der Planung von Ausflügen.
Zu vermeiden sind umgekehrt die Punkte, die weder für die Eltern noch für deren Kinder relevant sind, die vom Elternabend aus nicht regelbar sind oder die erfahrungs­
gemäß Unbehagen bzw. sogar Widerstand seitens der Eltern hervorrufen:
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––eine pauschalisierend-herabsetzende Kritik an der ganzen Klasse – sofern diese
nicht wohlbegründet und wirklich gerechtfertigt ist;
––eine kritische Auseinandersetzung mit der jeweiligen Schulorganisation oder dem
Lehrplan – weil solche Themen im Rahmen eines Elternabends kaum sinnvoll
­behandelt werden können;
––eine allgemeine Schelte über den Internet-, Fernseh- oder Handykonsum der
­Schüler – peinlich, wenn während einer solchen «Predigt» das eigene Handy
­klingelt;
––Klagen über die Arbeitsbedingungen der Lehrer – denn so berechtigt sie mitunter
auch sein mögen, so bewirken sie selten das, was sich Lehrer davon bei den Eltern
erhoffen;
––eine unangemessene Profilierung der eigenen Person oder des eigenen Fachs:
So hat der Verfasser selbst einmal miterleben müssen, wie ein Physiklehrer
22 ­Minuten lang über den Segen seines Fachs für die Menschheit referierte, während nicht nur die Eltern andächtig zuhören, sondern auch einige Kollegen zähneknirschend auf ihre Vorstellung warten mussten.
Unabhängig von diesen negativ besetzten Themen sollte der Elternabend grundsätzlich nicht länger als zwei Stunden dauern – es sei denn, dass sich Eltern und Lehrer
aufgrund der Dringlichkeit des Themas auf eine Verlängerung um eine halbe Stunde –
nicht länger! – einigen.
Nach stichprobenhafter Erfassung dauert eine Lehrer-Vorstellung auf Elternabenden
im Durchschnitt 7,5 Minuten. Was für den Einzelnen zunächst angemessen erscheinen mag, erweist sich als Qual für alle Anwesenden, wenn sich wirklich alle Lehrer
der Klasse vorstellen sollen – auf weiterführenden Schulen sind dies oft mehr als zehn
Lehrer! Für diesen Fall sollte die Redezeit – von der des Klassenlehrers abgesehen –
auf fünf Minuten begrenzt sein. Dass dies ohne inhaltlichen Verlust möglich ist, zeigt
der folgende Gliederungsvorschlag.
2. Wesentliche Botschaften – in fünf Punkte gegliedert
Mithilfe einer Fünf-Punkte-Gliederung können Lehrer strukturiert und prägnant über
die wichtigsten Punkte informieren und zugleich durch die Art der Darstellung wesentliche Botschaften über ihren Unterricht und ihre Person vermitteln.
Nun können Lehrer schlecht von sich selbst behaupten, sie wären etwa kompetent,
menschlich oder gerecht; eine solchermaßen eitle Selbstdarstellung käme sicherlich
nicht gut an. Sie können aber durch die Art und Weise, wie sie über ihren Unterricht,
ihre pädagogische Vorgehensweise und ihre Notengebung sprechen, stillschweigend
zum Ausdruck bringen, was sich im Kopf ihrer Zuhörer allmählich zu einem Bild zusammensetzt: dass dieser Lehrer offensichtlich kompetent, menschlich und gerecht
ist. Folgende fünf Gliederungspunkte haben sich in der Praxis bewährt:
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1.Einige wenige Worte zur Person
2.Erster Eindruck von der Klasse
3.Das Fach in diesem Schuljahr
4.Formal-Juristisches
5.Kooperation mit den Eltern
Diese Botschaften werden nicht explizit ausgesprochen, sie bleiben vielmehr dem
Urteil der Eltern überlassen! Aus der Persuasionsforschung wissen wir, dass allein
durch Informationsvermittlung noch keine Überzeugung entsteht! Es bedarf vielmehr
bestimmter Orientierungsaspekte, damit Eltern zu der Gewissheit gelangen, dass ihr
Kind bei diesem Lehrer in guten Händen ist. Nur diese bewirken einen Wechsel im
Urteil oder in der Einschätzung der Zuhörer. Auf den Elternabend bezogen wären das
etwa folgende «Veränderungen im Kopf» der Eltern:
––evaluativ: Dass sich Lehrer nur auf ihrem Beamtenstatus ausruhen, ist vermutlich
doch ein Vorurteil; die Lehrer, die ich heute Abend erlebt habe, sind wirklich engagiert und wollen für die Schüler nur das Beste.
––emotiv: Das Fach, das ich in meiner Schulzeit am meisten gehasst habe, kommt bei
den heutigen Schülern offensichtlich besser an, als ich gedacht hätte.
––voluntativ: Eigentlich hatte ich keine Lust auf den Elternabend, aber nun hat es sich
doch gelohnt!
3. Zwei Beispiele aus der Praxis
Die beiden nachfolgenden Beispiele mögen das Senden von überzeugenden Botschaften verdeutlichen. Der erste Beitrag, in dem sich der neue Klassenlehrer mit dem Fach
Deutsch vorstellt, dauert etwa fünf bis sieben Minuten, der zweite Beitrag, in dem
sich der Lehrer im Nebenfach Geschichte vorstellt, fällt mit etwa fünf Minuten etwas
knapper aus.
a) Vorstellung des Klassen- und Deutschlehrers vor den Eltern einer 9. Klasse
Herzlich willkommen, meine Damen und Herren, auf dem ersten Elternabend der
Klasse 9 a. Schön, dass Sie sich die Zeit genommen haben, um die Lehrer, die Ihre
Kinder unterrichten, kennenzulernen. Darüber hinaus soll auch Zeit sein für einen
Gedankenaustausch zum Thema «Teambildung zum gemeinsamen Lernen». Denn
Schule ist für Ihre Kinder nicht nur ein Lernort, sondern der Lebensraum, in dem sie
wichtige soziale Erfahrungen machen. In einer funktionierenden Klassengemeinschaft lässt sich vieles leichter bewältigen, zumal wenn auch Lehrer und Eltern in
Grundfragen an einem Strang ziehen.
Doch zuerst darf ich mich vorstellen: Ich heiße Felix Huber [Namen an Tafel schreiben!], komme von der …-Schule in … und unterrichte hier seit Schuljahresbeginn
Deutsch, Geschichte und Ethik. Sehen Sie es mir bitte nach, wenn ich weder alle
Regelungen der neuen Schule noch Ihre Namen kenne. Um Sie rascher kennenzulernen, habe ich einige Kärtchen vorbereitet, damit Sie Ihre Namen darauf schrei-
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ben können! Dass ich mich nach drei Schulwochen hier schon außerordentlich wohl
fühle, liegt sicherlich auch an der 9 a, die ich als Klassenlehrer übernommen habe.
Die 9 a ist eine ausgesprochen angenehme Klasse: viele aufgeweckte Schüler, die
gerne lesen und sich lebhaft am Unterricht beteiligen. So sehr ich mich darüber
freue, so habe ich einige Schüler bereits ermahnen müssen, sich etwas zurückzunehmen und die Mitschüler mehr zu Wort kommen zu lassen. Mir ist es wichtig,
dass sich die ruhigeren Schüler ebenfalls einbringen können. Auch zwei Schüler mit
Migrationshintergrund bedürfen besonderer Förderung und Ermutigung. Ich bitte
also um Verständnis, dass ich den Unterrichtsfortschritt nicht nur an den leistungsstarken Schülern ausrichten möchte.
Was den Leistungsstand angeht, so habe ich bereits feststellen können, dass die
Schüler über solide Kenntnisse aus den vorangehenden Schuljahren verfügen.
Allerdings lässt die Hausaufgabenmoral bei einigen Schülern noch zu wünschen
übrig. Ich kontrolliere regelmäßig die Hausaufgaben und halte dabei fest, wer seine
Hausaufgaben nicht gemacht hat – aber auch, wer sie besonders gut gemacht hat.
Für mich ist es nicht akzeptabel, dass Schüler bereits im ersten Monat drei Mal ihre
Hausaufgaben «vergessen» haben. Das haben wir im Klassenparlament besprochen, und die Schüler wissen, dass ich die jeweiligen Eltern informiere, wenn im
Halbjahr mehr als drei Hausaufgaben nicht gemacht worden sind.
Was wir in diesem Schuljahr in Deutsch behandeln, wird Ihnen vermutlich noch
aus Ihrer Schulzeit bekannt vorkommen. Zunächst zwei Dramen: Schillers «­Maria
­Stuart» und «Andorra» von Max Frisch, und für den Bereich der Epik steht die
«­Judenbuche» von Annette von Droste-Hülshoff auf dem Programm. Danach
­möchte ich mit den Schülern einen aktuellen Roman lesen: den «Joker» von
­Markus Zusak, die «Löcher» von Louis Sachar oder «Lila, Lila» von Martin Suter.
Diese Bestseller werden von drei Schülern vorgestellt und dann stimmt die Klasse
darüber ab, welchen dieser Romane wir gemeinsam lesen. Bei diesen Lektüren
werden wir besonders darauf achten, wie sich Menschen in existenziellen Situationen verhalten – Stoff genug für interessante Diskussionen.
Ein besonderer Höhepunkt wird im Januar der Wettbewerb von «Jugend debattiert» sein. Zuerst debattieren wir im Klassenverband die unterschiedlichsten
Themen, die zurzeit aktuell und für die Schüler relevant sind. Besonders reges
Interesse fand – wie Sie sich vorstellen können – das Thema: «Sollen Schüler bei
der mündlichen Notengebung mitwirken dürfen?» Die besten Debattanten dürfen
dann am Schulwettbewerb teilnehmen. Ich bin selbst schon gespannt, wie Ihre
Kinder dabei abschneiden. Die Debatten sind öffentlich und dazu sind Sie herzlich
eingeladen!
In der Notengebung orientiere ich mich an den Beschlüssen der Fachkonferenz: Wir
schreiben sechs Klassenarbeiten und jeder Schüler erhält im Verlauf des Schuljahrs
vier mündliche Noten. Jeweils nach den Herbst-, den Weihnachts- und den Oster-
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ferien sowie zum Schuljahresende erfährt Ihr Kind von mir seine mündliche Note,
sodass auch im Mündlichen jeder weiß, wie er steht. Da jede dieser Noten 10 % der
Gesamtnote ausmacht, ergibt sich ein Verhältnis schriftlich – mündlich von 6 zu 4.
Soweit die wichtigsten Informationen zur Klasse, zum Deutschunterricht und zur
Notengebung. Hätten Sie dazu noch Fragen? … [Es empfiehlt sich, Papier und Bleistift bereitzuhalten, um die Anregungen und Bitten von Elternseite aufschreiben zu
können! Nicht nur, um diese nicht zu vergessen, sondern auch, um ein sichtbares
Signal zu geben: Der Lehrer nimmt die Anregungen ernst!]
Schön, damit sind die allgemeinen Fragen offensichtlich geklärt. Wenn sich bei Ihren Kindern Lernschwierigkeiten oder andere Probleme zeigen, so stehe ich Ihnen
nach Voranmeldung gerne dienstags in meiner Sprechstunde zur Verfügung. Zum
Abschluss hätte ich noch eine Bitte: Die aktuellen Romane sind im Klassensatz nicht
verfügbar, ich müsste Sie also bitten, die Lektüre, für die sich die Klasse entscheidet, aus Ihren Mitteln anzuschaffen. Gerne übernehme ich die Sammelbestellung,
damit wir die Bücher etwas günstiger erwerben können. Und damit darf ich das
Wort weitergeben an meine Kollegin, die in unserer Klasse Mathematik unterrichtet.
b) Vorstellung des Geschichtslehrers vor den Eltern einer 6. Klasse
Guten Abend, meine Damen und Herren, ich bin der Geschichtslehrer in der 6 c,
mein Name ist … [Tafel!]. Ich freue mich immer wieder, wenn ich Geschichte im
Anfangs­unterricht behandeln darf, denn unter uns gesagt: In der 6. Klasse macht
dieses Fach den Kindern besonders viel Spaß! In diesem Alter sind sie noch begeisterungsfähig und machen daher eifrig mit.
Als es anfangs um einen ersten Epochenüberblick ging, konnten erstaunlich viele
Schüler Alexander den Großen oder Cäsar, aber auch Ereignisse wie die Erfindung
des Buchdrucks oder die Entdeckung Amerikas historisch einordnen; erfreulicherweise kannten sie nicht nur die aktuelle Bundeskanzlerin, sondern auch den ersten
Bundeskanzler! Für den Anfang ist das wirklich vielversprechend!
Vor lauter Begeisterung kommt mitunter allerdings die Ordnung etwas zu kurz:
Immer wieder vergessen einzelne Schüler das Buch oder das Heft: Das ist ärgerlich,
denn wir arbeiten regelmäßig mit dem Buch und wir schreiben in jeder Stunde etwas ins Heft. Auch in der Heftführung gab es bei zwei Schülern anfangs noch massive Probleme, aber inzwischen hat sich dies deutlich gebessert.
Nach einer allgemeinen Einführung in die Methoden des neuen Fachs ­Geschichte
beginnen wir mit den «Sammlerinnen und Jägern» der Steinzeit, und wir sind dabei, wenn die Menschen in der Jungsteinzeit sesshaft wurden, also Häuser bauen
und zu Ackerbauern und Viehzüchtern werden.
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Dann geht’s zu den frühen Hochkulturen, am Beispiel der Ägypter werden die Kinder miterleben, wie die jährliche Nilüberflutung eine Hochkultur gefördert hat, die
weit mehr umfasst als nur die Hieroglyphen und die Pyramiden.
Bei den Griechen und Römern geht es darum, die Wurzeln Europas nachzuspüren,
also die Ursprünge der Demokratie in Griechenland zu ergründen und zu staunen,
wie aus einem kleinen Dorf am Tiber ein Weltreich wird, das schließlich unter dem
Ansturm unserer Vorfahren wieder untergeht.
In dem neuen Fach Geschichte dürfen die Schüler noch viel staunen, aber allmählich werden sie lernen, in historischen und politischen Dimensionen zu denken. So
wollen wir uns einige Entscheidungssituationen, in denen die Menschen standen,
genauer betrachten: Sollen die Politiker in der attischen Demokratie Diäten erhalten oder soll das Geld lieber für andere Zwecke ausgegeben werden? Soll Karthago
zerstört werden oder stellt es in Wirklichkeit gar keine Bedrohung für die Römer
dar? Angesichts solcher Alternativen lässt sich besser nachvollziehen, worum es
eigentlich ging und warum über diese Fragen so heftig gestritten wurde.
Da wir hier in unmittelbarer Nähe des Limes leben, werden wir natürlich das Limes­
museum besuchen und uns das Dalkinger Tor anschauen. Für diese Geschichts­
exkursion bitte ich Sie als Eltern um Unterstützung, denn Eintritt, Führung und
Fahrtkosten belaufen sich auf etwa 12 Euro.
So sehr Geschichte Spaß machen darf, so ist es doch ein reguläres Schulfach, für
das es Noten gibt: Wir schreiben zwei Klassenarbeiten, die erste am 10. ­Dezember
und die zweite am 20. Mai. Beiden Klassenarbeiten machen 60 Prozent der Note
aus. Etwa eine Woche vor dem jeweiligen Klassenarbeitstermin erhalten die
­Schüler eine Liste mit Leitfragen, die ihnen helfen, den Stoff zu wiederholen.
Selbstverständlich gibt es für die Mitarbeit im Unterricht auch mündliche Noten.
Drei mündliche Noten, das sind weitere 30 Prozent, die verbleibenden 10 Prozent
erhalten Ihre Kinder für die sogenannte Projekt-Hausaufgabe. Im Laufe des Schuljahres soll nämlich jeder Schüler ein bestimmtes Thema seiner Wahl bearbeiten
und vor der Klasse präsentieren. Wie das aussehen kann, zeige ich gerne auf zwei
Fotos aus dem letzten Schuljahr. Hier sehen Sie ein Lernplakat zu der Frage: Mit
welchem mathematischen Trick konnten die Ägypter nach der Nilüberflutung die
Felder neu vermessen? Und auf diesem Foto präsentiert ein Schüler eine Pyramide,
die er selbst maßstabsgetreu rekonstruiert hat.
Sie spüren also, in Geschichte geht es nicht nur um das Auswendiglernen von
­Daten und Fakten, sondern auch um Einsichten, um Problembewusstsein und um
die unterschiedlichsten Kompetenzen.
Haben Sie dazu vielleicht noch Fragen? …
Als Eltern können Sie Ihrem Kind den Zugang zur Geschichte erleichtern, indem Sie
selbst Interesse an historischen Themen zeigen oder Ihr Kind zum Lesen anhalten:
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Gerade für die 6. Klasse gibt es anregende Jugendbücher zu historischen Themen,
etwa «Rokal der Steinzeitjäger» oder «Feuer am Limes». Eine Auswahl geeigneter
Jugendbücher finden Sie im Geschichtsheft Ihrer Kinder.
Die Projekt-Hausaufgabe sollen im Übrigen die Schüler machen – nicht die Eltern!
Sie können allenfalls helfen, indem Sie sich in einer «Generalprobe» die ProjektHausaufgabe vortragen lassen. Ermutigen Sie Ihr Kind, das Referat auf Stichworte
gestützt möglichst frei zu halten. Dann hat die Klasse mehr davon – und Ihr Kind
vielleicht ein echtes Erfolgserlebnis.
Solche persönlich gehaltenen Ansprachen tragen zu einer konstruktiven und vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Lehrern und Eltern bei. Bei den im Schulalltag
unvermeidlichen Konflikten haben solche Lehrervorstellungen auch eine ausgleichende Funktion: Schimpfen Schüler zuhause über ein Zuviel an Hausaufgaben oder
zu strenge Noten, so wird dies ganz anders aufgenommen, wenn die Eltern auf dem
Elternabend ein positives Bild von dem Kollegen gewonnen haben.
4. Wie sich der Redebeitrag rhetorisch verbessern lässt
Die vorgestellte Fünf-Punkte-Gliederung gibt eine sinnvolle Struktur vor, erfüllt damit
eine zentrale Regel der Rhetorik: «Sprich strukturiert!»
In der Ausrichtung von «Essentials» auf die Erwartung der Eltern werden zwei Regeln berücksichtigt, die zueinander in einem positiven Spannungsverhältnis stehen:
«Sprich nur so sachorientiert wie nötig!» und «Sprich möglichst du-orientiert!» Es versteht sich von selbst, dass sich die Darstellung nicht an die anwesenden Fachkollegen
richtet, sondern für die Eltern «verständlich» und nachvollziehbar sein soll.
Souverän wirkt es, wenn der Lehrer «möglichst frei» spricht. Das schließt nicht aus,
dass er sich zu den fünf Gliederungspunkten einige Stichworte notiert, meist genügt
dann ein kurzer Blick auf den Stichwortzettel oder auf die Karteikärtchen, um den
Gedanken frei zu entwickeln.
Ob es ratsam ist, bei der Vorstellung vor den Eltern zu stehen oder mit ihnen «auf
Augenhöhe» zu sitzen, hängt von den räumlichen und situativen Gegebenheiten, aber
auch vom Selbstverständnis des Lehrers ab: Begreifen sich Lehrer als Erziehungspartner der Eltern, die mit diesen konstruktiv zusammenarbeiten wollen, oder wollen sie
demonstrieren, dass sie leiten und führen können?
Hilfreich ist für diese Redebeiträge auch die Orientierung am «Pentagon der Rhetorik». Kurz gesagt geht es darum, dass mit einem Redebeitrag unterschiedliche Textfunktionen erfüllt werden. Im Idealfall wird der Lehrer …
––nicht nur über die Essentials informieren, sondern auch …
––zum Ausdruck bringen, dass er gerne Lehrer ist;
––eine vertrauensvolle Beziehung zwischen sich und den Eltern seiner Schüler aufbauen;
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––durch seine unterhaltsame Darstellung andeuten, dass Lernen durchaus Spaß
­machen kann;
––die Eltern davon überzeugen, dass ihre Kinder einen guten Unterricht genießen.
Diese Art der Öffentlichkeitsarbeit dient nicht nur dem jeweiligen Lehrer: Wenn sich
die Mehrheit der Kollegen gut vorbereitet auf den Elternabenden präsentiert, wirkt
sich das positiv auf das Image der gesamten Schule aus. Denn jede gelungene Kommunikation zwischen Eltern und Lehrern stellt ein gutes Stück Öffentlichkeitsarbeit
dar, die Eltern für die Schule gewinnt.
5. Weiterführende Literaturhinweise
Brehm, Anton (2007): Elternabend. Modelle für die Praxis. Lambertus-Verlag
Gora, Stephan (2001): Schule der Rhetorik. Ein Lese- und Arbeitsbuch. Klett
Gora, Stephan (2004): Ein Standardaufbau für (fast) jede Rede. Strukturiertes Sprechen in der Sekundarstufe I [In: Praxis Schule 5-10. Heft 4/04. Westermann-Verlag]
Gora, Stephan (2010): Praktische Rhetorik. Rede- und Gesprächstechniken in der
Schule. Kallmeyer
Nohl, Florian (2009): Lernen lehren – effektiv und lebendig: Materialien für den
­Unterricht und den Elternabend. Persen-Verlag
Winkler, Maud / Commichau, Anka (2008): Reden. Handbuch der kommunikations­
psychologischen Rhetorik. rororo
6. Angaben zum Verfasser
Stephan Gora absolvierte ein Lehramtsstudium in Stuttgart sowie ein ergänzendes
Rhetorik-Studium in Tübingen. Heute unterrichtet der Verfasser am Parler-­Gymnasium
Schwäbisch Gmünd die Fächer Deutsch, Geschichte und Ethik. Als ­Mitglied des Schulleitungsteams ist er unter anderem für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.
Rhetorische Fähigkeiten vermittelt er seinen Schülern im Deutschunterricht, in AGs,
auf Methodentagen und in der Vorbereitung auf den Bundeswettbewerb von «Jugend
debattiert». Daneben ist Stephan Gora als Rhetoriktrainer in der Referendarsausbildung, in der Lehrerfortbildung sowie in der Weiterqualifizierung von Funktionsträgern
(«Rhetorik für Schulleitungen») tätig. In seinen Vorträgen und Veröffentlichungen ist
es ihm ein Anliegen, Rhetorik in einen ganzheitlichen Bildungszusammenhang zu stellen, der jenseits einzelner Techniken Mündigkeit fördert und Verantwortung fordert.
Aktuelle und ergänzende Informationen sind auf seinen Webseiten www.schule-derrhetorik.de zu finden; für Lehrerinnen und Lehrer ist 2010 unter dem Titel «Praktische
Rhetorik» eine Didaktik und Methodik der wichtigsten Rede- und Gesprächstechniken
erschienen.
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7. Arbeitshilfen
––Fünf-Punkte-Gliederung: Botschaften auf dem Elternabend
Gliederung für den ersten Elternabend
Gliederungspunkte
1.Einige wenige Worte
zur Person
2.(Erster) Eindruck von
der Klasse
––Verhalten
––Leistung
––besondere ­Probleme
3.Das Fach in diesem
Schuljahr
––Stoffverteilung /
Lehrplan
––bes. Lernziele,
­Probleme
––Lerntipps /
­Anschaffungen
4.Formal-Juristisches
––Zahl u. Art der
­Klassenarbeiten
––Hausaufgaben
––Notenregelung
(­Gewichtung)
5.Kooperation mit den
Eltern
––Fragen und
­Anregungen
––Erwartungen an die
Eltern
––Hilfestellung für
Eltern
––Ausblick auf das
Schuljahr
Art und Weise
freundlich, souverän, sich
»Farbe« geben; Namen
(evtl. auch Sprechzeiten)
an Tafel schreiben!
positiv, aber nicht
­unkritisch, Negatives ganz
­konkret, keine Pauschal­
urteile
auf den Punkt gebracht,
interessant, spannend,
sinnvoll
Botschaften
menschlich, nett, vertrauenswürdig, vielleicht sogar
humorvoll
beobachtend, ­einfühlsam,
wohlwollend («mag
­Kinder»), erziehender
und leistungsbetonter
­Unterricht
kompetent und motivierend, strukturierter,
vorbereiteter Unterricht,
didaktisch-methodisch
reflektiert
klar, genau, überschaubar, gerecht (!)
transparent
berechenbar, unvorein­
genommen
realistisch, ehrlich,
­konkret, gezielter SchlussSatz
offen, dialogbereit,
­hilfsbereit, rhetorisch
­geschickt
Vgl. beispielsweise das Schulgesetz von Baden-Württemberg, § 56.
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