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Heft 5/6-05 Natur findet Stadt Herrlich, wie die Betonwüste lebt! Alte

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©Österreichischer Naturschutzbund; download unter www.biologiezentrum.at
Hef t 5 / 6 - 0 5 N a t u r f i n d e t S t a d t
Herrlich, wie die Betonwüste lebt!
sche Fauna und Flora in ihrer jetzigen Verfassung schlicht
und einfach Leid tun.
Mag. Manfred Wasmayr, 5202 Neumarkt a.W.
Also ich bin wohl nicht der Einzige, dem bei der Lektüre
von Univ. Prof. Holzners Artikel „Die Betonwüste lebt!" der
Mund vor Staunen offen geblieben ist. Das nennt man
„die Kraft positiven Denkens", was hier praktiziert wird.
Offenbar hatte Univ. Prof. Holzner bei seinen botanischen
Alte Bäume - totes Holz
Zum dem Beitrag, darf ich feststellen, dass - ungeach­
tet der unbestreitbaren Bedeutung von liegendem und
Streifzügen durch die Stadt Wien eine rosarote Brille auf.
stehendem Totholz in unserer Kulturlandschaft - die Aus­
Es ist also halb so schlimm, dass sich unsere Großstädte
sagen zur Verkehrssicherheitspflicht völlig an den recht­
nimmersatt in die sie umgebenden Grünlandschaften hin­
lichen Vorgaben Vorbeigehen. Grundeigentümer sind für
ein fressen, denn im Gegenzug wird dieses so entstandene
die auf ihren Grundstücken stockenden Bäume voll haf­
versiegelte Grauland von vielen mutigen Pionierpflanzen
tend. Bei Beschädigungen durch umstürzende Bäume er­
wieder zurück erobert. Keine Rede davon, wie es den Tie­
geben sich somit immer eine strafrechtliche (bei Körper­
ren bei diesem endlosen Siegeszug von Asphalt- und Be­
verletzungen) und zivilrechtliche (bei Beschädigungen)
tonwüsten geht, z. B. davon, wie etwa unser so anpas­
Relevanz. Die österreichische Gesetzgebung und Rechts­
sungsfähiger Haussperling in manchen Ländern auf die
sprechung verlangt demnach vom Grundeigentümer ent­
Roten Listen gelangen konnte.
sprechende Vorsorge zu treffen, die in einem derartigen
Univ. Prof. Holzner verfügt offenbar über den gleichen
Umfang zu erfolgen hat, dass nur noch wirkliche Fälle von
Optimismus wie die fundamentalistischen Verfechter einer
„höherer Gewalt" straffrei bleiben. Aber auch in derartigen
absolut freien Marktwirtschaft. Der wirkliche freie Markt
Verfahren hat der Grundeigentümer nachzuweisen,
weiß sich mit seinen Regelmechanismen in so gut wie al­
dass er alles unternommen hat um der gebotenen
len Lagen selbst zu helfen. Nur von den Verlierern spricht
Sorgfaltspflicht zu entsprechen. Es liegt nicht am
niemand, weil die Geschichte immer von den Siegern ge­
Geschädigten diesen Nachweis zu erbringen.
schrieben wird. Genauso hier die Natur: „Natur ist, was
Wahrscheinlich würde der Autor nicht derart
von selbst kommt! Die Natur weiß sich immer selbst zu
oberflächlich und abgehoben argumentieren,
helfen, egal was da an aggressiven Eindringlingen aus der
wenn er konkrete Sachverhalte zu beurteilen und
Fremde daherkommt (z. B. die Killeralge an der Riviera!)".
diese Gutachten auch zu verantworten hätte.
Warum hat wohl das „Lebensministerium" vor zwei Jahren
Meine bisherige gerichtliche Sachverständigentä­
eine Broschüre aufgelegt mit dem Titel „Die Aliens kom­
tigkeit in derartigen Fällen war somit auch emo­
men", in der vor der Einschleppung, Einfuhr und Ausbrin­
tionell belastend, wenn man im Nachhinein die Ur­
gung von nicht heimischen Arten gewarnt wird? Offenbar
sachen für derartige Fehlverhalten aufzeigen muss und
ist es nicht allen Ökologen, Botanikern aber auch biolo­
dabei noch froh ist, wenn es keine größeren Verlet­
gisch „unbescholtenen" Normalbürgern gleich, welchen
zungen gegeben hat. In einem Fall - und ich denke
Naturmix sie vor ihrer Haustüre vorfinden. Mich z. B. hat
mit Gänsehaut daran - haben eine Mutter und ihre
es ungeheuer gestört, die sog. wilde Balsamine (auch Drü­
Tochter die Folgen eines Baumwurfes nicht überlebt,
siges Springkraut genannt) letzten Sommer sozusagen ba­
der überlebende Ehegatte und der Sohn wurden schwer
taillonsweise die Flussufer und Bachraine entlang (etwa im
verletzt.
Naturschutzgebiet der Salzachauen!) vormarschieren und
Die im Artikel angezogene Verharmlosung könnte somit
diese für die heimische Flora und Fauna so unverzichtba­
vom naturschutzbewussten Baumeigentümer falsch ver­
ren, ökologischen Standorte besetzen zu sehen. Genauso
standen werden und diesen zur Unterlassung der gebote­
hat es mich gestört, den Riesenbärenklau (der mit her­
nen Kontrollpflicht verleiten.
kömmlichen Mitteln inzwischen als unbesiegbar gilt, so
Auch der pauschale Hinweis auf unsachgemäße Arbeit
dass man ihm in den ostdeutschen Bundesländern mit
bei Holzfällern widerspricht den tatsächlichen Verhältnis­
Flammenwerfern zu Leibe rückt!) nahe dem Ortszentrum
sen. In der Regel sind Unfälle bei der Waldarbeit nicht auf
von'.Neumarkt a.W. Fuß fassen zu sehen. Was mir Univ.
eine unsachgemäße Ausführung zurückzuführen, sondern
Profi Holzner völlig unter den Tisch zu kehren scheint, ist
gründen in einem statischen Versagen des gefällten Bau­
die Tatsache, dass viele unserer Pflanzen derzeit einem
mes aufgrund innerer - von außen nicht ausreichend er­
■\\
doppelten Uberlebensstress ausgesetzt sind: dem von der
kennbarer - Defekte.
globalen Erwärmung ausgeübten Klimastress und dem von
DI Dr. Gerald Schlager, allgemein beeideter
auf yerschiedenste Weise eingeschleppten, äußerst aggres­
und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für
siven B.ioinvasoren ausgeübten „Lebensraumstress". So ge­
Naturschutz, 5020 Salzburg
sehen muss jedem sensiblen Naturbeobachter die heimi­
N A TU R & Land 91. JG . -
H eft
1/2-2005
Frühlingsheft
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Seele and Geist
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