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Euro-Länder verschuldet wie nie zuvor - Pier Paolo Vincenzi

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Billigarbeiter und Luxusschiffe: Schock auf der Meyer Werft
R Die
Seite Drei
MÜNCHNER NEUESTE NACHRICHTEN AUS POLITIK, KULTUR, WIRTSCHAFT UND SPORT
WWW.SÜDDEUTSCHE.DE
2MG
MÜNCHEN, DIENSTAG, 23. JULI 2013
69. JAHRGANG / 30. WOCHE / NR. 168 / 2,30 EURO
SZFERNSEHEN
(SZ) Wie schlecht die Fortpflanzung in unsere Zeit passt, sieht man schon daran,
dass die Deutschen im Schnitt nur noch
knapp 1,5 Kinder bekommen. Das ist mindestens ein halber Indianer zu wenig, um
Cowboy und Indianer zu spielen, weshalb
die Kinder heute auch gar nicht mehr Cowboy und Indianer spielen, sondern EgoShooter, denn das können sie alleine vor
dem Computer tun. Und wenn zum Beispiel die Schule früher aus ist, können sie
es noch ein bisschen mehr tun. Anders als
in den Familien gibt es bei den Ballerspielen wenigstens keine halben Sachen: Man
ist tot oder man lebt und rennt weiter. Früher, als noch auf der Straße gespielt wurde,
lief man auch halb tot noch weiter und erstickte den Widerspruch des Angreifers
mit dem Argument: nur ein Streifschuss!
Der Streifschuss war ein begehrtes Zwischenstadium, denn er bedeutete, ehrenhaft ins Freibad abziehen zu können. Streifschuss, das hieß hitzefrei für den Cowboy.
Und umgekehrt war hitzefrei so etwas wie
der Streifschuss des Sommers.
Wobei beide Phänomene mehr durch
ihre Wortmagie bestachen als durch ihre
tatsächliche Existenz. Wer zum Beispiel in
Nordrhein-Westfalen aufgewachsen ist,
für den war die Chance größer, dass die
Schule wegen eines Smogalarms ausfiel,
als deswegen, weil das Thermometer über
25 Grad kletterte, so der Richtwert in der
damaligen Hitzefrei-Regelung. Und im Gegensatz zum Fieberthermometer konnte
man das Thermometer im Lehrerzimmer
nicht einfach in den Tee stecken, um den
Erwachsenen klarzumachen, dass man in
dieser bedauernswerten Verfassung unmöglich eine Mathe-Arbeit schreiben könne – „erhöhte Temperatur“, auch so ein
Zauberwort der Kindheit. „Du fieberst ja“,
wenn diese Mutterformel fiel, hatte man
gewonnen. Nur fieberte leider der Sommer
allzu selten. Dass man im Rückblick gefühlt von Ostern bis zur Zeugnisausgabe
mit blauen Lippen und aufgequollenen Fingerkuppen Fritten im Freibad futterte,
geht wohl mehr auf die von Chlor und Nostalgie getrübten Augen zurück.
Heute haben die Schulkinder zwar die
Erderwärmung auf ihrer Seite, dafür andere Widersacher. Zu groß ist das Lernpensum, um die Kleinen früher zu entlassen,
nicht verhandelbar sind die Fahrzeiten der
Schulbusse. Aber vor allem: Zu Hause ist
gar keiner, der mit einem warmen Essen
oder kalten Wickeln wartet. Denn die Eltern haben eben nach geltendem Arbeitsrecht keinen Anspruch auf hitzefrei, worauf jedes Jahr noch mal eigens hingewiesen wird, wenn es heiß wird in Deutschland. Im Gegenteil: Aus einer neuen Studie
geht hervor, dass jeder dritte Deutsche sogar im Urlaub bis zu drei Stunden arbeitet,
14 Prozent arbeiten in ihrer Ferienzeit genauso viel wie sonst. Und schicken ihre
1,5 Kinder auch in den Sommerferien in
den Hort – wie gesagt, Kindheit in Deutschland ist nur noch eine halbe Sache.
TV-Programm
vom 23. bis 29. Juli 2013
Kanzleramt prüft
Spähvorwürfe
Ronald Pofalla will Ergebnisse
im Kontrollgremium vorstellen
Berlin – Das Bundeskanzleramt hat nach
neuen Enthüllungen zur Zusammenarbeit
von deutschen und US-Geheimdiensten eine Prüfung angekündigt. Über das Ergebnis werde Kanzleramtschef Ronald Pofalla
(CDU) „kurzfristig“ dem Parlamentarischen Kontrollgremium (PKGr) des Bundestags berichten, sagte Vize-Regierungssprecher Georg Streiter am Montag. Pofalla stehe ab Mittwoch zur Verfügung, um alle Fragen zu klären. Die Sitzung wird nach
Angaben des PKGr-Vorsitzenden Thomas
Oppermann (SPD) allerdings erst am Donnerstag stattfinden. „Die Fakten müssen
endlich auf den Tisch. Gründlichkeit geht
hier vor Schnelligkeit“, sagte er der SüdR Seite 6
deutschen Zeitung. DBR
Es ist ein Junge
Ein Stadtschreier verkündet am Montagabend vor dem Londoner St. Mary’s Hospital, was um 16.24 Uhr Ortszeit im Inneren des
Krankenhauses geschah: Herzogin Kate brachte einen Sohn zur Welt. Der Junge wiegt 3800 Gramm und ist nun die Nummer drei in
der britischen Thronfolge hinter seinem Großvater Prinz Charles und seinem Vater Prinz William. Mutter und Kind gehe es gut, teilte
der königliche Palast mit. Der Name des Jungen wurde zunächst noch nicht bekannt gegeben. FOTO: ANDREW COWIE/AFP
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Euro-Länder verschuldet wie nie zuvor
Obwohl viele hart sparen, geraten vor allem die Etats der südlichen Staaten aus dem Lot.
Italien beunruhigt Brüssel am meisten, weil die Regierung wenig gegen die Krise unternimmt
VON CERSTIN GAMMELIN
Brüssel – Die öffentlichen Schulden der europäischen Länder wachsen ungebremst
weiter. Im ersten Quartal 2013 summierten sich allein die Verbindlichkeiten der
17 Euro-Länder auf 8750 Milliarden Euro,
teilte das Europäische Statistikamt am
Montag in Luxemburg mit. Gemessen an
der Wirtschaftskraft der Euro-Länder liegt
der öffentliche Schuldenstand jetzt bei
92,2 Prozent – ein neuer Rekord in der Geschichte der Währungsgemeinschaft.
Euro-Politiker werten die neuen Schuldenstände als Signal dafür, dass die Krise
nicht allein mit harten Spar- und Haushaltsvorgaben zu überwinden ist. In einer
Zeit, in der die meisten Länder keine Überschüsse erwirtschafteten und in der es absehbar kaum Wachstum geben werde, stie-
gen die Schuldenquoten immer weiter an,
hieß es in Brüssel. Um diesen Teufelskreis
zu durchbrechen, müssten die Regierungen unbedingt mehr tun, um ein unternehmerfreundliches Klima zu schaffen.
Den absoluten Rekord hält Griechenland. Die Schuldenquote des Landes stieg
im ersten Quartal 2013 im Vergleich zum
Vorjahreszeitraum um 24 Prozentpunkte
auf 160,5 Prozent an, gemessen an der Wirtschaftskraft. Das liegt auch daran, dass die
griechische Wirtschaft in der Krise bisher
um ein Viertel schrumpfte, was wiederum
die Schuldenquote hochtreibt.
Auch in Irland stieg die Quote rekordverdächtig an. In dem Land, von dem die EuroPolitiker hoffen, dass es Ende des Jahres
wieder in die finanzielle Freiheit entlassen
werden kann, wuchs der Schuldenberg um
18,3 Prozentpunkte auf 127,2 Prozent an.
Damit liegt Irlands Schuldenquote erstmals über der Schwelle von 120 Prozent,
bis zu der sich ein Land nach gängiger Meinung an den Kapitalmärkten selbst langfristig refinanzieren kann. In Brüssel wurde dies betont gelassen aufgenommen. Die
Schwelle von 120 Prozent sei nur ein Indikator von mehreren, hieß es. Irland habe gute
Aussichten, aus der Rezession zu kommen,
es habe wichtige Reformen durchgesetzt
und sei zudem vor allem wegen seiner Banken – und nicht aus wirtschaftlicher Schwäche – unter den Euro-Rettungsschirm
EFSF geschlüpft.
Weniger optimistisch, aber grundsätzlich positiv sehen die Prognosen auch für
Portugal aus. Das Land hat zwar mit
127 Prozent die dritthöchste Schuldenquote der Euro-Zone, jedoch auch vor allem wegen seiner schrumpfenden Wirtschaft.
Was die Euro-Politiker mehr beunruhigt als die Verbindlichkeiten in jenen Ländern, die Hilfskredite bekommen, sind die
Schulden in Belgien und Italien. Deren Quoten liegen deutlich über dem Durchschnitt
in der Euro-Zone, mit klarer Tendenz nach
oben. Die Schuldenquote Italiens ist mit
mehr als 130 Prozent die zweithöchste der
Euro-Zone. Da sich Rom zugleich weigert,
Strukturreformen anzupacken und zu wenig unternimmt, um die Wirtschaft zu stimulieren, wächst die Sorge, dass die Rezession in Italien anhalten und das Land weiter in den Schuldensumpf ziehen könnte.
Wie Eurostat weiter mitteilte, wuchsen
auch die Schulden in der gesamten EU. Sie
summierten sich im ersten Quartal 2013
auf knapp 11112 Milliarden Euro, die Quote
lag mit knapp 86 Prozent deutlich unter jener der Euro-Länder.
R Seite 4
HEUTE
Meinung
Europa braucht ein starkes
Frankreich, um sein
Sozialmodell zu retten
4
Panorama
Robert Redford sieht auch mit 76
gut aus – und hat der Welt
noch einiges zu sagen
9
Das Politische Buch
Noch immer prägt der Kalte Krieg
die politische Landschaft –
viel mehr, als wir meinen
15
Wirtschaft
SAP ist die einzige IT-Firma aus
Europa von Weltrang. Jetzt
will sie sich ändern
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Scheich Younis al-Mauretani gilt als Außenminister der al-Qaida. Strategiepapiere von ihm haben die Amerikaner im geheimen Hauptquartier Osama bin Ladens
gefunden, als sie den Al-Qaida-Chef 2011
in Pakistan überfielen und töteten. In einem der Briefe fabuliert Scheich Younis
von Anschlägen auf Untersee-Pipelines
und die Loveparade, auf den Kanaltunnel
und den Reichstag. Und er schreibt von einem Mann aus Marokko, der ihm bei seinen Anschlägen zur Hand gehen werde
und den Treueschwur abgelegt habe. Er
nannte sogar dessen Geburtsdatum, den
15. 6. 1981.
Ein Mann, der an diesem Tag geboren
wurde und aus Marokko stammt, steht
seit einem Jahr vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf – angeklagt wegen der
Bildung einer terroristischen Vereinigung. Abdeladim el-K. soll mit drei Gefolgsleuten versucht haben, mitten in
Düsseldorf eine Bombe zu bauen. Die Ge-
Ein Scheich und 38 Fragen
Deutsche Richter dürfen Al-Qaida-Anführer in Afrika vernehmen
heimdienste hatten eine Mail von ihm abgefangen: „Oh Scheich, wir halten noch
unser Versprechen. Ich trainiere einige Jugendliche aus Europa. Nach dem Training
werde ich mit dem Schlachten der Hunde
beginnen.“
Ob es sich bei dem Angeklagten wirklich um den Vertrauten des Scheichs handelte, das können die Richter womöglich
bald selbst von Younis erfahren. Denn die
mauretanischen Behörden sind nach Informationen der SZ bereit, den Scheich
durch das deutsche Gericht vernehmen
zu lassen. Der Verbindungsbeamte des
Bundeskriminalamts in Marokko hat den
Kontakt hergestellt, das Rechtshilfeersuchen ist auf dem Weg, nun braucht das Gericht noch die Reisegenehmigung. Dann
könnte sich im Herbst eine kleine Karawane nach Nouakchott, der Hauptstadt Mauretaniens, aufmachen: Richter, Staatsanwälte, Verteidiger. Am besten nimmt das
Gericht eine Maschine der Turkish Airlines, die fliegt von Frankfurt über Istanbul in 25 Stunden in die Wüste.
Johannes Pausch, der den Hauptangeklagten verteidigt, drängt zur Reise: „Das
Gericht hat ein Aufklärungsgebot. Und
wenn es den Scheich befragen kann,
muss es fragen.“ Der Scheich wird die Delegation aus Deutschland sicher empfangen – er hat keine andere Wahl. Denn er
sitzt nun in Mauretanien in Haft. Die Pakistaner, die den Mann vor zwei Jahren
verhaftet hatten, haben ihn am 31. Mai in
seine Heimat überstellt, offenbar aus Ver-
ärgerung über den US-Angriff auf Bin Laden auf ihrem Staatsgebiet. Noch ist nicht
klar, wie sicher die Deutschen in Mauretanien sind. Das Auswärtige Amt sieht keine sonderlich hohe Gefahr, außer dem für
die Gegend üblichen Entführungsrisiko
für Menschen aus dem Westen.
Schon haben Ankläger, Gericht und
Verteidiger Fragen vorbereitet. 38 Fragen
hat allein der Senat. Von: „Welche Funktion hatten Sie bei der al-Qaida?“ Bis zu:
„Waren Sie befugt, einen Treueschwur abzunehmen?“ Was deutsche Juristen eben
so fragen. Und sicher werden sie fragen,
warum das Geburtsdatum von el-K. in diesem Brief auftaucht, obwohl darauf im
Orient kein Wert gelegt wird. Man könnte
auf die Idee kommen, das Datum sei hinzugefügt worden auf dem Weg des Briefs
aus Osamas Haus in Abbottabad über die
CIA zum Düsseldorfer Gericht. Zumindest macht sich die Verteidigung solche
Gedanken. ANNETTE RAMELSBERGER
Sport
Krönung auf den Champs-Élysées:
Marcel Kittels Sprintleistung
bei der Tour de France
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Medien
TV-/ Radioprogramm
München · Bayern
Rätsel
Familienanzeigen
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im Lokalteil
9
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Süddeutsche Zeitung GmbH,
Hultschiner Straße 8, 81677 München; Telefon 089/2183-0,
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dkr. 22; £ 2,90; kn 26; sfr. 4,80; czk 85; Ft 750
23030
4 190655 802305
Immer mehr Arbeitnehmer brauchen Reha-Therapie
1,1 Millionen Beschäftigte müssen in Behandlung, um wieder fit fürs Berufsleben zu werden – 25 Prozent mehr als 2005
Berlin – Immer mehr Arbeitnehmer in
Deutschland müssen in die medizinische
Rehabilitation, um fürs Berufsleben wieder fit zu werden. 2012 wurden fast 1,1 Millionen dieser Reha-Behandlungen genehmigt, das sind etwa 25 Prozent mehr als
noch 2005. Dies geht aus einer Statistik
der Deutschen Rentenversicherung (DRV)
hervor, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Die DRV rechnet damit, dass sich die
Nachfrage nach diesen medizinischen Hilfen für den Erhalt der Gesundheit in den
nächsten Jahren weiter erhöhen wird.
Nach Angaben der Behörde kommen
die geburtenstarken Jahrgänge verstärkt
in ein Alter, in denen sie krank werden
oder ihren Beruf nicht mehr mit voller Leistungskraft ausüben können. Deshalb steige der Reha-Bedarf. Laut den amtlichen
Zahlen bekommt derzeit mehr als jeder
Dritte, der medizinische Reha-Leistungen
erhält, wegen gesundheitlicher Beschwerden an Skelett, Muskeln oder Bindegewebe
die Rehabilitation genehmigt. Der Anteil
dieser Erkrankungen ist leicht rückläufig,
während die Ärzte psychische Störungen
stärker als früher diagnostizieren. Bei Männern war zum Beispiel eine Reha-Behandlung in 18 Prozent aller Fälle wegen psychischer Krankheiten nötig. 2005 lag der Anteil noch bei 15,6 Prozent. Bei den Frauen
gibt es eine ähnlich starke Zunahme.
Neben der medizinischen Rehabilitation gibt es die berufliche Reha. Davon profitierten 2012 fast 270 000 Versicherte. Sie
erhielten etwa eine Umschulung für einen
anderen Beruf, oder ihr Arbeitsplatz wurde so umgebaut, dass sie weiterhin arbei-
ten können. Die Zahl aller Reha-Anträge ist
bis 2012 deutlich gestiegen: Sie erhöhte
sich in den vergangenen sieben Jahren um
461 000 auf den Rekordwert von knapp
2,1 Millionen. Ein Teil der Anträge wird allerdings abgelehnt. 2012 wurden etwa
65 Prozent der Anträge bewilligt. Der Sprecher der DRV versicherte aber: „Bei der
Rentenversicherung gibt es keine Reha
nach Kassenlage.“
Im Durchschnitt ist ein Beschäftigter,
der auf eine medizinische Rehabilitation
angewiesen ist, 50 Jahre alt. Sie dauert
29 Tage und kostet durchschnittlich 3600
Euro. In der Rentenversicherung gilt der
Grundsatz: „Reha geht vor Rente“ – auch
aus finanziellen Gründen. So bleiben
85 Prozent der Arbeitnehmer, die medizinische Hilfen in Anspruch nahmen, auch
zwei Jahre nach Erhalt der Leistungen im
Berufsleben und zahlen Sozialbeiträge.
Das Prognos-Institut hatte ermittelt, dass
die Gesellschaft für einen in die Reha investierten Euro fünf Euro zurückerhält.
Das Geld für die Ausgaben ist seit 1997
gedeckelt. Die Berechnung des Budgets bemisst sich an der Entwicklung der Bruttolöhne der Arbeitnehmer. 2012 standen
5,666 Milliarden Euro zur Verfügung.
Zwölf Millionen Euro mehr gab die Rentenversicherung aus. Damit wurde erstmals
das Budget überschritten. Die Koalition
hatte geplant, den Spielraum für Ausgaben zu erweitern. Ein neuer Rechenfaktor
sollte widerspiegeln, wie sich die Altersstruktur der Arbeitnehmer verändert. Die
Pläne scheiterten aber mit dem gesamten
Renten-Reformpaket. THOMAS ÖCHSNER
Papst Franziskus
zu Besuch in Brasilien
Rio de Janeiro – Papst Franziskus ist am
Montag zur ersten Auslandsreise seiner
Amtszeit in Brasilien eingetroffen. Am
Flughafen von Rio de Janeiro wurde das
Oberhaupt der katholischen Kirche unter
anderem von Staatschefin Dilma Rousseff
empfangen. Nahe einem Schrein, den der
76-Jährige am Mittwoch besuchen will,
wurde ein Sprengsatz entschärft, teilte die
brasilianische Armee mit. AFP R Seite 7
Ex-Minister Scharping
belastet de Maizière
Berlin – Die ersten Zeugen im DrohnenUntersuchungsausschuss des Bundestags
haben Verteidigungsminister Thomas de
Maizière weiter belastet. Ex-Ressortchef
Rudolf Scharping (SPD) warf dem CDU-Politiker am Montag vor, sich unzureichend
über das Milliardenprojekt Euro Hawk informiert zu haben und damit seiner politischen Verantwortung nicht gerecht geworden zu sein. Der frühere Bundeswehr-Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan
zeigte sich verwundert über die KommuniR Seite 5
kation im Ministerium. DPA
EU stuft Hisbollah
als Terrororganisation ein
Brüssel – Die Außenminister der Europäischen Union haben auf ihrem Treffen in
Brüssel beschlossen, den militärischen
Arm der radikalislamischen Hisbollah als
Terrororganisation einzustufen. Die Miliz
wird für einen Anschlag auf einen Bus mit
israelischen Touristen in Bulgarien verantwortlich gemacht. Da die EU Kontakt zur
Regierung Libanons halten möchte, wurde
nicht die ganze Organisation als terroristisch eingestuft, die in Libanon an der Regierung beteiligt ist. SZ
R Seite 7
Sicherheitslücke
bei Handys
München – Hunderte Millionen Handys
weltweit sind offenbar angreifbar, weil die
darin eingesteckten SIM-Karten mit einer
veralteten Verschlüsselungstechnik arbeiten und diese auch noch schlecht umgesetzt ist. Dies hat ein Berliner Sicherheitsexperte entdeckt. Angreifer können so das
Handy quasi aus der Ferne steuern und Daten der SIM-Karte abgreifen. Deutsche Anbieter sind nach bisherigem Kenntnisstand kaum betroffen. sz
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Dax c
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Xetra Schluss
8331 Punkte
N.Y. Schluss
15546 Punkte
22 Uhr
1,3185 US-$
- 0,01%
- 0,01%
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DAS WETTER
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n
NACHTS
Überwiegend sonnig. Nur über der Mitte,
sowie über dem Südwesten und im Nordosten sind ein paar Wolkenfelder unterwegs.
Vor allem über den Mittelgebirgen und
den Alpen sind Schauer oder Gewitter möglich. 27 bis 34 Grad. R Seite 15 und Lokales
Die SZ ist auch als App für das
iPad und Windows 8 erhältlich.
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THEMA DES TAGES
HF2
Dienstag, 23. Juli 2013, Nr. 168 DEFGH
Sicherheitslücken bei SIM-Karten Sie sind das elektronische Hirn eines jeden Handys. Wer ihren Code knackt, kann alles:
kostenlos telefonieren, SMS verschicken, vielleicht sogar Bankkonten abräumen. Ein Achtel aller Geräte weltweit dürfte gefährdet sein,
weil ihr Sicherheitssystem fast 40 Jahre alt ist. Handys in Deutschland sollen nicht betroffen sein. Ganz sicher ist das aber nicht
Nur Ärger unter dieser Nummer
Das eigene Mobiltelefon wird fremdgesteuert, ohne dass der Besitzer davon weiß: Hunderte Millionen Handys weltweit
könnten leichtes Spiel sein für eine Hackerattacke. Für den Angriff reicht eine SMS – die der Nutzer nicht einmal bemerkt
D
as Herzstück ihres Handys haben
viele Menschen exakt ein einziges
Mal in der Hand. Dann nämlich,
wenn sie die SIM-Karte ihres Mobilfunkanbieters in ihr neues Telefon einsetzen. Es
folgen der Akku und die Abdeckung, und
fortan gibt es eigentlich keinen Grund
mehr, sich noch über die SIM-Karte Gedanken zu machen. Dabei sind in ihr die wichtigsten Daten des Besitzers gespeichert:
das Adressbuch, Anruflisten, Kurznachrichten (SMS) und bei neuen Modellen sogar Zahlungsinformationen, wenn die Besitzer das Telefon zum mobilen Bezahlen
verwenden.
Ebenjene nur fingernagelgroße SIMKarte kann bei Mobiltelefonen aber zum
Einfallstor für Angreifer werden. Der Berliner Sicherheitsexperte und Kryptospezialist Karsten Nohl hat herausgefunden,
dass Unbefugte mittels simpler Textnachrichten die Kontrolle über fremde Handys
übernehmen können. Nohl zufolge könnten bis zu einem Achtel aller SIM-Karten
weltweit diese Sicherheitslücke aufweisen. Das wären insgesamt eine halbe Milliarde Telefone, allein in Deutschland möglicherweise mehrere Millionen Geräte.
Mit ein paar Grafikkarten im
Laptop lässt sich viel ausrichten
Wie funktioniert die Lücke?
Was kann passieren?
Hat ein Angreifer erst die Kontrolle über
die SIM-Karte eines fremden Mobiltelefons übernommen, kann er nach Gutdünken agieren. Der arglose Besitzer des Geräts bemerkt davon nichts. Das unterscheidet den Angriff per SMS etwa von einem
Virus. Um sich in einem Computer oder
Handy einnisten zu können, braucht der
Virus eine Aktion des Nutzers, zum Beispiel einen Klick auf den verseuchten Anhang einer E-Mail oder einen Link.
Im Fall der aktuellen SIM-Sicherheitslücke hält Kryptospezialist Karsten Nohl Betrug für das wahrscheinlichste Szenario. So
könnte der Betreiber eines teuren Telefonservices mit einem Hacker zusammenarbeiten – und über ein gekapertes Handy mas-
Selbst Amateure knacken
heute Geheimcodes
Verschlüsselte Botschaften gab es schon
im alten Ägypten, aber erst im digitalen
Zeitalter ist Kryptografie zum wesentlichen Bestandteil vieler Geräte des täglichen Lebens geworden. Der kleine Taster,
mit dem man das elektrische Garagentor
öffnet, überträgt die Steuerbefehle ebenso
codiert wie das digitale Schnurlos-Telefon
daheim die Gespräche. Wäre ja noch schöner, wenn Autodiebe das Tor ganz bequem
per Funk öffnen oder die neugierigen Nachbarn bei vertraulichen Telefonaten heimlich mitlauschen könnten.
Die eigentliche Botschaft, also zum Beispiel der Zahlencode fürs Garagentor,
wird dabei mit einem Schlüsselverfahren
in eine geheime Botschaft umgewandelt.
Nur wer den Schlüssel hat – in diesem Fall
der Funkempfänger in der Garage –, kann
diesen Code entschlüsseln, das Tor geht
auf. Doch wie sich jedes Schloss öffnen
lässt, wenn man nur das richtige Werkzeug hat und Zeit und Mühe nicht scheut,
so ist es auch mit elektronischer Verschlüsselung. Beide Verfahren – die Verschlüsselung der Garagenöffner wie die der schnurlosen Telefone – gelten seit Jahren als geknackt und damit als potenziell nicht
mehr sicher.
VON JAKOB SCHULZ
Damit ein Angreifer ein Telefon erfolgreich
kapern kann, muss die SIM-Karte einen veralteten Verschlüsselungsstandard namens
Data Encryption Standard (DES) nutzen.
Dieser Schlüssel wurde in den Siebzigerjahren entwickelt, wegen seiner kurzen Schlüssellänge von nur 56 Bit gilt er seit Längerem
als nicht mehr sicher, heute werden 128 Bit
oder auch mehr als sicher angesehen.
Viele Handys kommunizieren mit den jeweiligen Mobilfunkanbietern „over-theair“ (OTA), also drahtlos, ohne dass die Kunden es merken. Über OTA schicken die Anbieter sogenannte stille SMS an die SIMKarte, um zum Beispiel eine aktuelle Version der Software aufzuspielen. Diese Schnittstelle können Hacker nutzen, um das Telefon zu übernehmen. Sie tarnen sich als Mobilfunkanbieter und schicken vorgebliche
Wartungs-SMS mit einer gefälschten Signatur an ihre Opfer. Die meisten SIM-Karten
reagieren auf diese Nachricht gar nicht erst,
weil die Signatur falsch ist. Ältere Kartentypen antworten allerdings zum Teil mit
einer Fehlermeldung, ebenfalls per stiller
SMS. Diese Antwort ermöglicht es dem Angreifer, den korrekten 56-Bit-Code zu berechnen und fortan schädliche Steuerungsbefehle an das gehackte Telefon zu erteilen.
Per SMS kann der Angreifer sogar sogenannte Java-Applets auf das Telefon laden,
die zum Beispiel Daten kopieren können.
Wehrlose
Technik
Angreifer können nach einer erfolgreichen Attacke Anrufe mithören, eingehende Gespräche auf eine andere Nummer umleiten oder sogar den Inhalt der gekidnappten
SIM-Karte komplett kopieren. Eine andere Möglichkeit ist, über die Sicherheitslücke sogenannte Bezahl-Tokens zu stehlen.
FOTO: ACTION PRESS
senhaft teure SMS senden oder Anrufe unter der eigenen, kostenpflichtigen Nummer
machen. Eine andere Möglichkeit sei, über
die Sicherheitslücke sogenannte BezahlTokens zu stehlen, sagt Nohl. In vielen afrikanischen Ländern sind Handy-basierte Bezahlsysteme üblich. Dabei ersetzt das Mobiltelefon ein Bankkonto und Onlinebanking.
Die Währung – sogenannte Tokens – ist dabei auf der SIM-Karte des Telefons. Die Tokens könnten durch Ausnutzen der Sicherheitslücke gestohlen werden. Doch Nutzer
müssen ihr Telefon gar nicht zum Bezahlen
verwenden. Angreifer könnten nach einer
erfolgreichen Attacke auch Anrufe mithören, eingehende Gespräche auf eine andere
Nummer umleiten oder sogar den Inhalt
der gekidnappten SIM-Karte komplett kopieren, die Karte quasi klonen.
Wer hat die Lücke entdeckt?
Der Berliner Verschlüsselungsspezialist
Karsten Nohl hat die Sicherheitslücke in
SIM-Karten entdeckt. Gemeinsam mit seiner Firma Security Research Labs probierte der 32-Jährige, mithilfe der stillen SMS
die Kontrolle über fremde Mobiltelefone
zu erlangen. Den Angriff bereiteten die Spezialisten von langer Hand vor und berechneten im Vorhinein einen Großteil der
Codes, mit denen die Nachrichten der SIMKarten verschlüsselt werden. Anschließend gaben sie sich in ihrem Testaufbau
als Mobilfunkanbieter aus und verschickten fingierte Nachrichten an die Nummern
der Testgeräte. Enthalten waren in den falschen Nachrichten zwei Elemente: Einerseits ein Steuerungsbefehl mit einer konkreten Anweisung an das Gerät, andererseits eine digitale Signatur, mit der sich Mobilfunkanbieter normalerweise gegenüber
den SIM-Karten in den Geräten ihrer Kunden legitimieren, sagte Nohl.
Die SIM-Karten in den attackierten Handys reagierten unterschiedlich auf die gefälschten Nachrichten. Manche antworteten vorsichtshalber gar nicht, andere sendeten zwar eine Fehlermeldung, aus welcher der richtige Schlüssel aber nicht rekonstruiert werden konnte. Manche SIMKarten jedoch schickten eine Nachricht an
den angeblichen Provider zurück, die eine
Spur zum korrekten Schlüssel enthielt.
Auf dieser Grundlage gelang es Karsten
Nohl und seinem Team, den korrekten
Schlüssel zu berechnen und das angegriffene Handy zu kapern.
Nohl machte daraufhin den internationalen Mobilfunkverband GSMA auf die
Schwachstelle aufmerksam. In ihm sind
auch deutsche Anbieter wie die Telekom,
Vodafone oder E-Plus organisiert.
Wer ist betroffen?
Branchenkreisen zufolge sind Kunden in
Deutschland von der potenziellen Sicherheitslücke vermutlich weniger betroffen,
weil sie bereits neueste SIM-Karten in ihren
Geräten haben. So gibt die Telekom als größter deutscher Anbieter für seine Kunden
Entwarnung. Demnach seien die SIM-Karten ihrer deutschen Nutzer bereits besser
verschlüsselt und daher nicht gefährdet.
Dass Kunden von ausländischen TelekomTochterfirmen betroffen sind, will das Unternehmen allerdings nicht ausschließen.
Auch E-Plus sieht für seine Kunden kein
Risiko. „Der Angriff auf unsere Karten ist
nicht möglich“, so ein Sprecher. Auf gefälschte Nachrichten antworteten SIM-Karten des Betreibers nicht, heißt es.
Telefónica Deutschland, hierzulande bekannter unter der Marke O2 , äußert sich
vorsichtiger. „Unsere Kunden sind größtenteils nicht betroffen“, sagt eine Sprecherin. Das Unternehmen prüfe derzeit eine
geringe Zahl älterer SIM-Karten, die mehr
als elf Jahre alt sind. Selbst so alte Karten
seien aber nicht automatisch gefährdet.
Der Anbieter Vodafone will sich nicht äußern und verweist auf den internationalen
Mobilfunkverband GSMA. Der bestätigte
der SZ die Sicherheitslücke. Ob auch deutsche Kunden gefährdet sind, sei aber noch
nicht bekannt. Sicherheitsexperte Nohl fordert die Betreiber jetzt auf, die Verschlüsselung alter SIM-Karten schnellstmöglich zu
aktualisieren. Das sei oftmals auch per stiller SMS möglich.
Wie die Gefahr herausfinden?
Wer Gewissheit haben möchte, ob sein Gerät angreifbar ist, muss sich gedulden.
Zwar schließen Firmen wie die Telekom
und E-Plus aus, dass ihre Kunden in Gefahr sind. Selbst können Nutzer aber nicht
ermitteln, ob ihre SIM-Karte mit einer veralteten Verschlüsselung arbeitet, heißt es
bei allen Mobilfunkanbietern. Konzerne
wie Telefónica versprechen aber, Betroffene schnell zu informieren.
Bei der Kundeninformation sind jetzt
die Anbieter in der Pflicht, sagen Verbraucherschützer. Handynutzer könnten in dieser Situation guten Gewissens an ihre
Mobilfunkbetreiber herantreten und bessere Verschlüsselungsstandards fordern,
sagt Boris Wita von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Angriffe auf die Telefone von normalen Verbrauchern hält
der Jurist allerdings für weniger wahrscheinlich. Er sieht eher die Gefahr, dass
Politiker und Akteure in der Wirtschaft Opfer solcher SMS-Angriffe werden könnten.
Dass immer wieder scheinbar sichere
Systeme geknackt werden, hat hauptsächlich zwei Gründe: Zum einen steigt die Rechenkraft von Computern seit vielen Jahren exponentiell. Was vor nicht allzu langer Zeit noch als sicher galt, das können
inzwischen auch Amateure mit nicht allzu
großem Aufwand entschlüsseln. Für solche Aufgaben – zum Beispiel das millionenfache Ausprobieren von Kombinationen –
werden oft Computer verwendet, in die
mehrere leistungsfähige Grafikkarten eingebaut sind. Normalerweise werden diese
Bauteile dazu verwendet, Spiele besonders
realistisch aussehen zu lassen. In den vergangenen Jahren aber nutzt man ihre Fähigkeit, Tausende simpler Rechenjobs parallel zu erledigen, mehr und mehr für andere Zwecke. Sogar einige Supercomputer haben mittlerweile Cluster von Grafikchips,
die bestimmte Rechenaufgaben extrem beschleunigen.
Zum anderen tun sich Sicherheitslücken aber auch auf, weil die Hersteller
Sicherheitsstandards nicht einhalten. Entweder, weil man es nicht besser weiß oder
weil man darauf setzt, dass niemand herausbringen würde, wie die Geräte verschlüsselt sind – ohne die Informationen,
die nur der Hersteller kennt. Oft spielen
natürlich auch die Kosten eine Rolle –
Sicherheit hat auch ihren Preis.
Keineswegs sind nur weitverbreitete Geräte wie Schnurlos-Telefone oder wie im
gerade aktuellen Fall manche SIM-Karten
von Handys betroffen. Sicherheitsexperten kennen auch Fälle von medizinischen
Geräten, die sich von außen manipulieren
lassen. Und vor einigen Monaten wurde bekannt, dass manche Heizungsanlagen, die
eine Internetschnittstelle haben, über das
Internet für jedermann offen zugänglich
waren.
Den Nutzer bleibt in vielen Fällen nichts
anderes übrig, als auf den jeweiligen
Dienst zu verzichten. Denn es liegt an den
Herstellern, ihre Geräte abzusichern, zum
Beispiel durch ein Update der sogenannten
Firmware, also der Software, die das Gerät
zum Betrieb braucht. Viele Hersteller gehen dabei aber ziemlich nachlässig vor. Ist
ein Gerät einige Zeit auf dem Markt, werden dafür oft keine Updates mehr bereitgestellt.
HELMUT MARTIN-JUNG
AUSSENANSICHT
W
as hat die deutsche Entwicklungszusammenarbeit in mehr als
50 Jahren in Afrika erreicht? Welche Wirkung hatten die Milliarden für die
Menschen – und wurden die eigenen Potenziale der Länder nicht genügend gefordert, weil einfach zu viel Geld von außen geflossen ist? Sicher es gibt Fortschritte.
Aber besser als schlecht bedeutet nicht
gut. Natürlich ist Afrika keine zusammenhängende Einheit. Dennoch ähneln sich
die Probleme der Staaten und Menschen
südlich der Sahara. Die Diskussionen innerhalb der Entwicklungspolitik umgehen
allerdings grundlegende Fragen peinlich
oder schließen sie gleich kategorisch aus.
Eine Hilfe kann aber nur erfolgreich sein,
wo Verwaltungs-und Rechtsstrukturen
einigermaßen gesichert sind. Einzelne
Hilfsprojekte mögen sinnvoll sein. Aber
Projekte ersetzen keine Strukturen.
Zu den schärfsten Kritikern der gegenwärtigen staatlichen Entwicklungshilfe gehören Afrikaner wie der nigerianische Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka, der
ugandische Journalist Andrew Mwenda,
der Wirtschaftswissenschaftler George
Ayittey aus Ghana, sowie der südafrikanische Publizist Moeletsi Mbeki. Sie wollen,
dass ihre Länder nicht mehr abhängige Opfer und Bittsteller sind. Sie wollen die Solidarität des reichen Nordens, als Hilfe in unverschuldeter Not. Solidarität aber kann es
nur geben, wenn beide Partner eigenverantwortlich handeln. Im Norden will man
Tödliche Hilfe
Die Entwicklungspolitik ist an ihre Grenze gekommen,
weil sie die Staaten Afrikas in Abhängigkeit hält. Von Volker Seitz
aber nicht verstehen: Politik hat in vielen
Teilen Afrikas nichts mit Überzeugungen
und Gemeinwohl, sondern alles mit Klientelismus und schamloser Bereicherung zu
tun. Politik hat dort mit der Zugehörigkeit
zu einer Ethnie zu tun, mit Identität. In Afrika ist jeder in ein soziales Netzwerk mit all
seinen Verpflichtungen eingebunden. Hilfe fließt in Systeme, die seit Jahren nicht
funktionieren und nur selten reformiert
wurden. Von Hilfe profitieren hauptsächlich die Regime, die jetzt schon für das
größte Elend die Verantwortung tragen.
Maßgebend sollte aber nicht das Bemühen der Entwicklungshelfer, sondern der
Erfolg sein. Es kann sich richtig lohnen,
vom Mitleid und von steter Fürsorge zu leben. Fragen nach Ursachen, weshalb Entwicklungsprojekte scheitern, sind unbequem. Viel einfacher ist es, mehr Geld zu
fordern; doch einfach Geld zu geben, bedeutet, die Probleme zum immer höheren
Preis fortzuschreiben. Entwicklungshilfe
ist ein Geschäft, von dem allein in Deutschland etwa 100 000 Menschen leben. Entwicklungshelfer im Ausland zahlen oft kei-
ne Steuern. Sie haben ein wesentliches Interesse daran, für den Rest des Arbeitslebens in der Entwicklungshilfe zu bleiben.
Die Arbeitsplätze der Helfer hängen von
der Fortsetzung der Hilfsprojekte ab.
Wohltätigkeit besiegt nicht die Armut.
Nichts ist gegen spontane Solidarität nach
verheerenden Naturkatastrophen zu sagen, nichts gegen Spenden für Nothilfe.
Aber in der Entwicklungshilfe müssen wir
den Mut haben, einen einmal eingeschlage-
Das bisherige System wird gegen
jede Kritik abgeschottet – es leben
zu viele Menschen gut damit
nen Weg als falsch zu erkennen und umzukehren. Der Weg der Entwicklungshilfe
war für viele Länder in Afrika falsch, vielleicht nicht generell, aber sie hat nicht das
bewirkt, was beabsichtigt war. Meines Erachtens ist Ermutigung und Stützung der
Eigenverantwortung das beste Rezept, um
bescheidenen Wohlstand zu schaffen. Die
Betreffenden müssen es allerdings auch
wollen. Afrika wird erst dann ein Hoffnungskontinent, wenn es ernsthafte wirtschaftliche Reformen, eine Öffnung der innerafrikanischen Märkte, bessere Investitionsgesetze, Verbesserungen im Bildungsund Gesundheitssystem und vor allem keine Eliten mehr gibt, die das Volksvermögen rauben und ins Ausland transferieren.
Ein Gutteil der Entwicklungshilfe, die
wir in der Vergangenheit in Afrika an den
Mann zu bringen versucht haben, hat nicht
den gewünschten Effekt erzielt, weil sie
die Menschen in Afrika in ihrer Unselbständigkeit bestärkt haben. Das System der Hilfe ächzt hinten und vorne, aber es wird gegen jede Kritik abgedichtet. Die Betreuungsindustrie hat die Tendenz, den Afrikanern vorschreiben zu wollen, wie sie zu leben haben. Der weitverbreitete Paternalismus, die Neigung, besser als der Betroffene zu wissen, was gut für ihn ist, entmündigt die Menschen. Warum wird den Afrikanern immer wieder eingeredet, dass sie ihre Probleme nicht selbst lösen könnten?
Erst wenn wir nicht mehr das Wunschbild verbreiten, dass sich Entwicklung von
außen steuern lässt, wird sich etwas ändern. Es gibt keine überzeugenden Argumente für immer mehr Hilfe, wenn die Impulse für Entwicklung nicht aus dem Land
selbst kommen. Regieren in vielen Ländern Afrikas ist ein ständiges Improvisieren und Durchwursteln. Heute schaffen
diese Eliten durch Nichtstun etwa in der
Landwirtschaftspolitik erst die Probleme,
zu deren Lösung sie danach die westlichen
Steuerzahler auffordern.
Entwicklungshilfe, ob sie nun den Empfängern nutzt oder nicht, ist leider positiv
besetzt, sodass die Verantwortlichen ganz
offensichtlich nicht bereit sind, etwas zu
unternehmen. Das Afrikabild wird immer
mehr von den sich selbst erhaltenden Hilfswerken geprägt.
Mehr als je zuvor wäre es dringend nötig, die gesamte Entwicklungshilfe auf den
Prüfstand zu stellen, doch sollte man das
endlich ideologiefrei, unvoreingenommen
und ohne politische Vorgaben wirklich unabhängigen Fachleuten überlassen. Man
würde dann vielleicht merken, dass Entwicklungshelfer in der Vergangenheit den
Afrikanern die Fähigkeit zum eigenen Engagement abgewöhnt haben.
Afrika braucht starke Persönlichkeiten
mit Selbstbewusstsein und dem Willen zu
handeln. An erster Stelle sollten eigene
Ideen und nicht die Fremdförderung stehen. Hilfe sollten nur noch Länder bekommen, die sich nachweislich anstrengen, ihre Schwierigkeiten selbst zu beseitigen.
Wir sollten endlich umdenken und künftig
nur noch dort Hilfe leisten, wo sich Regierungen ihren Bevölkerungen verpflichtet
fühlen und wo Förderung der Bildung und
Ausbildung absoluten Vorrang hat. Dann
sollten Wege für zeitlich begrenzte Hilfen
beschritten werden.
Wann hören wir endlich auf Afrikaner
wie den südafrikanischen Wirtschaftswissenschaftler Themba Sono? Er sagt: „Die
afrikanischen Länder haben bisher stets eine Politik der Sammelbüchse betrieben
und immer nur gebettelt: mehr Hilfe,
mehr Hilfe, mehr Hilfe. Genau das muss
sich ändern, kann sich aber nicht ändern,
solange die großen Länder selbst die Bedeutung der Entwicklungshilfe betonen.“
Und wir müssen uns eines Tages fragen
lassen, warum wir wider besseres Wissen
die korrupten alten Männer, die teils jahrzehntelang Macht und Kontrolle über die
Bevölkerungen hatten, so lange unterstützt haben.
Volker Seitz, 70, war von
1965 bis 2008 in verschiedenen Funktionen für das
Auswärtige Amt tätig,
davon 17 Jahre in Afrika,
zuletzt als Botschafter in
Kamerun.
FOTO: PRIVAT
DEFGH Nr. 168, Dienstag, 23. Juli 2013
DIE SEITE DREI
HF2
3
Auf dem Sonnendeck:
die Aida Diva im Mittelmeer.
Das Kreuzfahrtschiff wurde
bei der Meyer Werft in
Papenburg gebaut. Wer die
Schiffe zusammenschweißt,
wissen sicher nur die
wenigsten Touristen.
FOTO: GUNNAR KNECHTEL/LAIF
Mann über Bord
Die Meyer Werft im Emsland: Hier entstehen Traumschiffe wie die „Aida Diva“ – mit Hilfe von rumänischen Arbeitern. Einer von ihnen war Florin Grigore.
Er soll 3,50 Euro die Stunde verdient haben. Dann verbrannte er in seiner Unterkunft
VON KRISTINA LÄSKER
Papenburg – Brandgeruch hängt in der
Luft. Rote Grabkerzen stehen vor einem
Einfamilienhaus, dessen verkohlte Dachbalken in den Sommerhimmel ragen. Zwei
Herzen sind mit Kreide auf das Pflaster gemalt. Auf einem der Herzen steht ein
schmächtiger Mann, seine Hände sind
schwarz vor Ruß und sein Gesicht ist ganz
starr. „Warum hat niemand meinen Bruder gerettet?“, fragt der junge Mann. Er
spricht Rumänisch, eine Bekannte übersetzt. „Warum hat ihn niemand aus dem
Flammen geholt?“
Der Bruder, das ist Florin Grigore, aus einem Dorf nahe der Stadt Braila in Rumänien. Im Mai war er aus der Walachei ins Emsland gekommen, um auf der Meyer Werft
in Papenburg zu arbeiten. Nun ist Florin
Grigore tot. Er und ein Kollege sind verbrannt in einem Haus, in dem sie mit anderen Arbeitern untergebracht waren. Der
32-Jährige hinterlässt einen Sohn – und eine aufgewühlte Stadt.
Grigore chattete mit seinem
kleinen Sohn, und dann
muss er eingeschlafen sein
Denn in Papenburg begreifen die Bürger langsam, dass sie zum Symbol geworden sind für die hässliche Seite der Arbeitswelt auch in Deutschland. Eine Welt der
Ausbeutung und des Lohndumpings.
Das Haus, das zur Feuerfalle wurde,
liegt mitten in der Stadt. Untenende heißt
das Viertel, hier wohnen auch Akademiker.
Zwei Autominuten entfernt steht eine Villa
mit weißen Fenstern. Auch von dort war
die Rauchsäule zu sehen, die am Tag des
Feuers aufstieg. Eine Mauer schützt die Villa, am Tor sind Kameras montiert. Dahinter wohnt Bernhard Meyer, 65, einer der
reichsten Unternehmer des Landes. Seiner
Familie gehört die Meyer Werft in Papenburg seit sieben Generationen. In den Hallen an der Ems haben sie in den vergangenen Jahren mehr als 30 Kreuzfahrtschiffe
gebaut. Wie die Disney Dream, die Celebrity Reflection und die Aida Diva, mit dem roten Kussmund. Auf dieser TraumschiffWerft hat Florin Grigore gearbeitet, für
3,50 Euro in der Stunde, wie sein Bruder
Gelu Grigore sagt.
Das Vermögen der Meyers wird auf
500 Millionen Euro geschätzt. Sie tun damit viel Gutes für die Stadt, die Werft sei
ein Segen, sagen die Leute. Zum Tod von
Florin Grigore sagen sie wenig.
Im Brandhaus in der Landsbergstraße
waren 33 Menschen angemeldet, es gab
38 Schlafplätze. Auf knapp 200 Quadratmetern. Am Samstag, als das Feuer ausbrach, hielten sich zehn Rumänen in dem
Rotklinkerbau auf. Gegen Mittag saß Florin Grigore noch auf einem Sofa mit seinem Laptop, er chattete mit dem siebenjährigen Sohn. So erzählt es der Bruder.
Irgendwann muss er eingeschlafen
sein, die meisten Männer lagen im Bett
und erholten sich von einer Nacht voller Ar-
beit. Gegen halb zwei kam ein Transporter,
um die Arbeiter zur nächsten Schicht zu holen. Der Fahrer ging ins Haus, da brannte
es schon. Überall war Rauch, das Feuer breitete sich schnell aus. Die Feuerwehr rückte
mit 80 Leuten an, zwei Rumänen sprangen
in Panik aus dem Fenster.
Warum keiner Florin Grigore und seinen Kollegen wach bekommen und aus
dem Haus geholt hat, weiß niemand so genau. „Dahinten hat er gelegen, ganz nahe
der Tür“, sagt sein Bruder Gelu und zeigt
auf einen Anbau. Dort ist Florin Grigore an
Rauchgas erstickt. Das Grundstück ist abgesperrt, die Polizei hat die Suche nach
dem Brandherd ergebnislos abgeschlossen. Der Bruder durfte hinein, um nach
Resten zu suchen. Deswegen sind seine
Hände so schwarz, er hat in den Trümmern
gewühlt. Jetzt schüttet er einen Müllsack
aus. Verkohlte T-Shirts und ein blauer Pulli landen auf dem Asphalt. Gelu Grigore
sagt: „Mein Bruder wollte in Deutschland
bloß ein bisschen Geld verdienen und alles, was bleibt, sind diese Klamotten.“
Wer in Papenburg zu fragen wagt, was
die Meyer Werft oder die Inhaberfamilie
mit dem Tod von Florin Grigore zu tun haben könnten, schaut in entgeisterte Gesichter. Wie in das von Martin Lutz. Der 53-Jährige ist der Erste Stadtrat. Der CDU-Politiker sitzt im Rathaus. Wie ein Schloss
thront der Barockbau an einem der vielen
Kanäle der Stadt. Draußen fotografieren
Touristen die Idylle. Drinnen herrscht Krisenstimmung. Weil der Bürgermeister
zum Urlaub an der Ostsee weilt, muss sich
Lutz zum Feuertod äußern und zur Rolle
der Werft. „Meyer ist der Dreh- und Angelpunkt der Region“, sagt er. Die Werft beschere dem Emsland und Ostfriesland mindestens 15 000 Jobs. Dann sagt Lutz: „Das
Unglück ist in einer Unterkunft passiert,
auf die Meyer gar keinen Zugriff hat.“
Und genau das ist das Problem. Auf der
Werft arbeiten 3100 feste Mitarbeiter.
Dann sind da noch die 290 Leiharbeiter
und die 1500 Werkvertragsarbeitnehmer,
sie sind woanders angestellt. Viele von ihnen kommen aus Osteuropa. In Papenburg
sind gut 700 Rumänen und Bulgaren gemeldet. Wie Florin Grigore. Er war nicht
bei der Werft angestellt, sondern bei einem
Sub-Betrieb von einer der mehr als
1000 Partnerfirmen. Florin Grigore war
das letzte Glied einer Kette und einer der
Letzten, um die man sich schert.
Man fragt sich: Wer regiert hier
in Papenburg – die örtliche
Politik oder die Meyer Werft?
„Bordo Mavi“ heißt der Arbeitgeber des
Toten, die Firma sitzt in Constanta am
Schwarzen Meer. Die Angestellten aber
sind an die Firma SDS aus Emden verliehen. Diese arbeitet schon lange mit der
Meyer Werft zusammen, gerade hat sie
120 Osteuropäer unter Vertrag. Vier Millionen Euro Umsatz hat SDS im vergangenen
Jahr mit der Meyer Werft gemacht. SDS
bringt die Arbeiter dafür privat unter,
Werft-Inhaber Meyer hat damit nichts zu
tun. Womit er aber zu tun hat: Die Rumänen und Bulgaren werden nicht mehr nur
zu schlichten Jobs wie Lackieren und
Schleifen eingesetzt. Sie erledigen
Schweiß- und Schneidarbeiten am Schiff.
Florin Grigore war Schweißer. Er hat vieles
gemacht, was früher festangestellte Mitarbeiter erledigt haben.
In den Fenstern des Brandhauses hängen Laken, als Sichtschutz. Im Wohnzimmer stehen immer noch die verkohlten Betten, sagt die Polizei. In jüngster Zeit sei häufig der Strom ausgefallen, sagen Nachbarn. Sie erzählen, sie hätten gesehen, dass
die Männer eingepfercht waren, wie „in einem Stall“. Ihre Kinder haben die Nachbarn nicht vor diesem Haus spielen lassen.
Warum keiner das Ordnungsamt gerufen
hat? „Das hätte keinen Sinn gehabt, die
Männer waren doch alle bei der Meyer
Werft.“ Sie reden, als würde die Werft die
Stadt regieren und nicht die CDU. Wer
Stadtrat Lutz fragt, ob solche Unterkünfte
nicht unwürdig sind und ob die Stadt nicht
hätte eingreifen müssen, bekommt eine erstaunliche Antwort. „Was meinen Sie, wie
ich bei der Bundeswehr untergebracht
war?“, fragt Lutz zurück. Außerdem habe
die Stadt baurechtlich keine Handhabe gehabt. Jetzt aber ist der Druck hoch. Nach
dem Brand hat Lutz 28 Briefe an Hausbesitzer rausgeschickt. In ihren Häusern sind
mehr als zehn Personen gemeldet, das will
die Stadt nun prüfen.
Volker Eissing kann erzählen, was den
Osteuropäern in Papenburg widerfährt. Regelmäßig kommen Arbeiter in seine Arztpraxis. Der Mediziner wurde auch zum
Brand gerufen. „In dem Haus herrschten
unerträgliche Zustände“, sagt er. Der
Mann mit den weißen Haaren sitzt jetzt in
seinem Behandlungszimmer, im Regal
liegt eine weiße Kugel aus Stein, so groß
wie ein Handball. „Es gibt einen Platz, auf
dem ein Engel landen kann“, steht in goldenen Buchstaben auf der Kugel. Das klingt
kitschig, und es könnte doch einen wahren
Kern haben. Vielleicht ist Eissing so etwas
wie ein Engel für die Männer aus Osteuropa. Kaum einer prangert deren Lage an.
Doch er tut es. Häufig hätten die Arbeiter
in seiner Praxis keinen Pass dabei, sagt Eissing. „Den hat der Chef einkassiert“, sagten die Männer. Einige seien nicht krankenversichert. Regelmäßig fragt Eissing nach
ihrem Lohn. Damit er weiß, ob er Geld verlangen darf. „Viele verdienen nicht mehr
als drei Euro in der Stunde“, sagt der Arzt.
Solche Aussagen sind unbequem. Wer
bei der Firma SDS in Emden nachfragt, ob
das alles stimmt, muss einige Stunden warten. Dann meldet sich der Anwalt Günther
Kunz am Telefon. Er vertritt die Firma
SDS, Firmenchef Selon Sahinler ist nicht
zu sprechen. Sein Anwalt bezeichnet alle
Vorwürfe als falsch. Pässe würden von SDS
nicht eingesammelt, die Firma habe nur
Kopien. Krankenversichert seien die Männer auch. Die Arbeiter erhielten Stundenlöhne zwischen 20 und 35 Euro brutto. Was
davon bei den Menschen ankommt? „Acht
bis zehn Euro netto“, sagt der Anwalt. Auch
Lambert Kruse will von Billigarbeit nichts
wissen. Kruse ist Geschäftsführer der Meyer Werft und er hat sich nach dem Brand
die Lohnauszüge der toten Rumänen zeigen lassen. „Ihr Nettolohn betrug 1800 Euro im Monat“, sagt er. Das ist zumindest
der Lohn, den die Werft an die Subunternehmer gezahlt hat. Die Männer hätten
umsonst in dem nun ausgebrannten Haus
wohnen dürfen. Er zweifele nicht an den
Aussagen des Dienstleiters SDS, sagt Kruse. Trotzdem hat sich Kruse nach dem Unglück mehrere Arbeiter-Häuser angesehen. Die Wohnungen seien verwohnt, aber
sauber, sagt er. Bisher hat die Werft kaum
über Probleme mit Osteuropäern gesprochen. Das änderte sich vor etwa drei Wochen: Da wurden mehr als 60 rumänische
und bulgarische Arbeiter kurzerhand vom
Gelände der Werft verwiesen. Sie hatten
keine Arbeitserlaubnis.
Den Bruder von Florin Grigore machen
solche Worte wütend. Sein Bruder habe
auf der Werft nur 35 Euro am Tag bekommen, sagt er. Das ist wenig, aber es ist mehr
als die 170 Euro, die es in Rumänien als Monatslohn gibt. Gearbeitet hätte der Bruder
in Deutschland mehr als zehn Stunden.
Manchmal nachts, manchmal tagsüber. Offiziell will die Meyer Werft das nicht bestätigen. Doch aus dem Unternehmen verlautet, dass Florin Grigore und seine Kollegen
zuletzt sechs Tage die Woche auf der Werft
waren und zehn bis zwölf Stunden gearbeitet haben. Wenn das stimmt, und wenn es
stimmt, was Florin Grigores Bruder zum
Arbeitslohn sagt, hätte Florin Grigore pro
Stunde zwischen 2,90 und 3,50 Euro verdient.
In diesem Haus starb Florin Grigore.
33 Menschen waren hier angemeldet, es
gab 38 Schlafplätze für Arbeiter. FOTO: DPA
Doch wo ist dann das Geld hin, das die
Werft angeblich gezahlt hat und das nie bei
den Leuten ankam? Wo ist es hängengeblieben? Wer sich im Werk umhören will, stößt
auf verschlossene Tore. Seit dem Unglück
darf kein Journalist mehr in die Hallen an
der Ems. Wer vor Tor 2 parkt, begreift auch
so eine Menge über den Arbeitsalltag. Die
Halle ist offen. Es dröhnen Hammerschläge herüber. Das Surren der Schweißgeräte
mischt sich mit den Warntönen der Fahrzeuge – es ist der Beat einer Werft. In der
Halle liegt ein mehr als 300 Meter langes
Kreuzfahrtschiff im Trockendock. Das weiße Luxusschiff heißt Norwegian Getaway.
Es soll einmal durch die Karibik kreuzen.
Die Festangestellten haben gelbe
Helme, die Leiharbeiter tragen
Helme mit anderen Farben
Eine Gruppe von Männern sitzt neben
der Halle im Gras. Sie gehören zur Stammbelegschaft, zu sehen ist das am gelben
Helm. Wer ihn trägt, hat es geschafft. Gelbhelme haben feste Verträge und beziehen
Tariflohn. Dann gibt es noch die anderen.
Deren Helme sind rot, grün oder blau. Das
sind oft Leiharbeiter, sie erhalten meist ein
Viertel weniger Lohn. Dann sind da noch
die Werkvertragsarbeitnehmer, sie werden unterschiedlich bezahlt. Die Gruppen
mischen sich kaum: Nirgendwo sitzen
Gelbhelme und Blauhelme beisammen.
Thomas Gelder ist Betriebsratschef der
Werft, er kennt das System der Helme und
Löhne. Gelder kann erklären, warum bei
deutschen Schiffbauern jeder vierte Arbeiter einen Werkvertrag hat. Luxusschiffe
sind besonders ausgestattet, sie haben ein
Schwimmbad, ein Theater, eine eigene
Brauerei. So etwas kann die Werft nicht
selbst bauen, das lagert sie aus. Das machten dann Fachbetriebe auf Basis von hochdotierten Werkverträgen, sagt Gelder. Daneben gibt es noch die schlichten Werkverträge für Billigarbeiter aus Osteuropa.
„Seit drei Jahren werden immer mehr
Werkverträgler statt Leiharbeiter eingesetzt“, klagt der Betriebsrat. Was ihn ärgert: Für diese Arbeiter ist er nicht zuständig, er darf sich nicht um ihre Arbeitsrechte kümmern.
Dass die Massenunterkünfte für die Arbeiter in Papenburg oft erbärmlich sind,
war schon länger bekannt. Zu Jahresbeginn hatte der Betriebsrat von den Grünen
den Tipp bekommen, sich doch mal das
Haus eines Subunternehmers in einem
Nachbarort anzuschauen. Dazu gab es sogar Gespräche mit der Geschäftsleitung.
Passiert ist seither: nichts. Genau wie im
Stadtrat von Papenburg. Dort hatte die
Fraktion der Grünen im Mai darum gebeten, dass die Lage der Häuser in Papenburg
überprüft wird. Auch das hat zu nichts
geführt.
Der Fraktionschef der Grünen im Stadtrat heißt Nikolaus Schütte zur Wick. Er ist
schockiert über so viel Passivität. „Warum
musste es erst so weit kommen, damit jetzt
reagiert wird?“, fragt er. Schütte zur Wick
ist ein Zweimetermann, er lässt sich nicht
so schnell einschüchtern. Gerne hilft er dabei, die überlebenden Arbeiter aus dem
Brandhaus aufzutreiben. Hauptkanal
rechts, so heißt die Einkaufsstraße der Papenburger, in der Nähe sollen sie jetzt wohnen. Lila Campanula blühen hier in großen
Töpfen. Doch wer bei einer Bäckerei durch
eine Einfahrt geht, gelangt in einen Hinterhof, in dem nichts mehr blüht.
Hier wohnen 13 Familien auf engstem
Raum, die meisten sind Rumänen. Satellitenschüsseln kleben an den Wänden, der
Putz bröckelt. Tatsächlich sind hier ehemalige Kollegen von Florin Grigore untergebracht, bestätigt ein Mann. Der Blick
durch ein Fenster zeigt vier Betten in einem Zimmer. Einer der Rumänen ist zu
Hause, er ist zum Gespräch bereit. Plötzlich bekommt der Politiker Schütte ein
fremdes Handy in die Hand gedrückt.
„Wer sind Sie, was wollen Sie?“, fragt eine
männliche Stimme. Kurz später fährt ein
blauer Transporter der Firma SDS vor. Der
Fahrer steigt aus und verweilt im Hof. Sprechen möchte jetzt niemand mehr.
Auch mit deutschen Nachbarn sprechen
die Osteuropäer kaum. Das liegt nicht nur
an der Sprache. „Es ist eine Kultur des sich
Fremdseins“, sagt der evangelische Pastor
Johannes Treblin. Die Bürger schauten
zwar nicht aktiv weg, aber sie fühlten sich
für das Fremde nicht verantwortlich,
meint er. Auf Anregung des Politikers
Schütte und gemeinsam mit einem Pastor
der katholischen Kirche hat Treblin die Arbeiter, die Bürger und die Firma Meyer zu
einem runden Tisch eingeladen. Damit
man ins Gespräch kommt. Es ist fraglich,
ob die Osteuropäer kommen. Zu groß ist
wohl die Angst. Nach dem Brand habe SDS
einige Männer zusammengetrommelt und
Klartext gesprochen, erzählt ein Betroffener. Wer zu viel und zu laut über Gehälter
und über Unterkünfte redet, muss zurück
nach Rumänien. Das erzählt man sich. Wer
bei SDS nachfragt, hört etwas Anderes: Die
Firma dementiert diese Aussagen.
Auch Werft-Inhaber Meyer hat reagiert.
Nach Gesprächen mit dem Wirtschaftsminister in Niedersachsen und der Gewerkschaft hat er am Montag eine Sozialcharta
vorgestellt. Künftig will die Werft ihre Subunternehmer verpflichten, die Unterkünfte von der Stadt Papenburg zertifizieren zu
lassen. Auch gegen Billiglöhne – das wäre
alles unter einem Mindestlohn von 8,50
Euro – will Meyer vorgehen. Dazu müsste
er das tiefe Geflecht der Subunternehmer
durchdringen.
Vielleicht könnten sie in Papenburg erst
einmal genauer auf ihre jeweiligen Nachbarn schauen. Kürzlich wurde in der evangelisch-lutherischen Pfarrgemeinde ein
Beschluss gefasst, den Pastor Treblin auf
Nachfrage bestätigt und über den er unglücklich ist. Er betrifft ein neues Bauvorhaben. So grenzt der Hof mit den 13 Familien aus Osteuropa direkt an die Nikolaikirche, einen neogotischen Backsteinbau.
Nur ein Stück Rasen trennen die Welten.
Das soll sich bald ändern.
Für mehrere Zehntausend Euro will die
Gemeinde dort eine Mauer hochziehen.
4
MEINUNG
HBG
Dienstag, 23. Juli 2013, Nr. 168 DEFGH
E U R O PA
AKTUELLES LEXIKON
Ängstliches Frankreich
Reha
VON STEFAN ULRICH
Die Franzosen tun sich schwer
mit dem notwendigen Wandel
Alle europäischen Staaten durchleiden
seit Jahren einen bisweilen brutalen Anpassungsprozess. Sie verändern ihre Wirtschaft, die Finanz- und Sozialsysteme, ja
die ganze Gesellschaft, um sich auf ein
Phänomen einzustellen, das sich Globalisierung nennt. Frankreich tut sich besonders schwer damit. Gerade weil das Land
eine so hohe Meinung von sich hat, akzeptiert es nicht, sich grundsätzlich ändern
zu sollen. Weil in Frankreich einst der
Staat die Nation geschaffen hat, und nicht
umgekehrt, wie in Deutschland, hängen
die Franzosen an einem Vater Staat, der
sich um alles kümmert. Ein schlanker
Staat, wie ihn Globalisierer fordern, erschiene ihnen als Rabenvater.
Allerdings wäre es verkehrt, die Franzosen als hoffnungslose Nostalgiker abzutun. Die meisten Bürger wissen, dass sie
auf einen Teil ihrer sozialen Errungenschaften verzichten müssen. Doch sie tun
das nur widerwillig und voller Zweifel, ob
der Kurs, den die Welt fährt, der richtige
ist. Die Krisen des Kapitalismus, die Exzesse des Finanzsystems, die Massenarbeitslosigkeit in vielen Staaten der EU
und eine Dumping-Konkurrenz aus Ländern wie China nähren diese Zweifel. Daher marschieren die Franzosen nicht wie
früher, zu Zeiten der Aufklärung, Revolution und Menschenrechtsbewegung, an
der Spitze der Entwicklung. Sie trotten
missmutig hinterher.
In dieser Lage würde ein Präsident gebraucht, der führt. Die Verfassung gäbe
ihm die Macht dafür. Dennoch klagen viele Franzosen – und viele ihrer Freunde im
Ausland – es kämen kaum Impulse aus
dem Élysée. Präsident François Hollande
reformiere zu ängstlich und widersprüchlich, taste die Privilegien, etwa im Rentensystem, nicht an und erhöhe im Zweifel
nur die Steuern. Der Präsident warte lethargisch auf Wirtschaftswachstum, statt
die Zukunft Frankreichs zu gestalten.
Die Vorwürfe mögen überzogen sein.
Grundlos sind sie nicht. Hollande war ein
Jahrzehnt lang Parteichef der kakofonen
Sozialisten. In dieser Zeit hielt er die Partei zusammen, indem er zwischen allen
Gruppen moderierte. Das hat ihn geprägt.
Und so weigert er sich heute als Präsident,
sich offensiv zu einem sozialdemokratischen Reformkurs zu bekennen, aus
Angst, den linken Flügel zu verprellen.
Frankreich ist unversöhnlich zwischen
rechts und links gespalten, und deswegen
ist es riskant, zur Mitte hin zu regieren.
Wenn Hollande die Parteilinke verstößt,
könnte seine Machtbasis zerfallen.
Das erklärt Hollandes Regierungsstil.
Doch es rechtfertigt ihn nicht. In Umbruchzeiten wird von einem Nachfolger
Charles de Gaulles mehr erwartet, als nur
die Macht zu verwalten. Er muss Mut zeigen, Risiken eingehen, ein Bild des künftigen Frankreichs entwerfen und so die Bürger aus ihrer ängstlichen Zukunftsverdrossenheit reißen. Frankreich braucht einen entschlossenen Hollande – und Europa braucht ein tatkräftiges Frankreich.
Das Ringen um die Balance zwischen
Staat und Markt, Solidarität und Konkurrenz, darf nicht nur angelsächsischen Hurra-Kapitalisten und bisweilen allzu folgsamen Deutschen überlassen werden. Die
Franzosen werden gebraucht, um vom
westeuropäischen Sozialmodell, das in guten Jahrzehnten herangereift ist, zu erhalten, was eben erhalten werden kann.
Die Franzosen können ihre Welt jedoch
nicht allein bewahren. Dafür reicht ihre
Macht nicht mehr aus. Wenn sie sich abschotten, sich rechten oder linken Nationalisten anvertrauen, ist ihr Land einem
schleichenden Niedergang geweiht.
Wenn sie sich dagegen einbringen in Europa, selbstbewusst, reformbereit und bewahrend zugleich, so kann Frankreich jene Ausstrahlung zurückerlangen, der es
heute so nachweint.
Der ideale Verteidigungsminister
STEUERPOLITIK
Wettbewerb zum Schaden aller
VON CLAUS HULVERSCHEIDT
D
as Wesen des Wettbewerbs besteht
in dem beständigen Versuch zweier
oder mehrerer Rivalen, sich gegenseitig zu übertrumpfen und vor allen anderen ein Ziel zu erreichen. Dieses aus dem
Sport und der Kriegführung stammende
archaische Prinzip hat den Deutschen und
vielen anderen Völkern ein nie gekanntes
Maß an materiellem Wohlstand beschert,
denn es zwingt die Anbieter von Waren
und Dienstleistungen dazu, möglichst viele Produkte in möglichst guter Qualität zu
möglichst niedrigen Preisen zu offerieren.
Ein Unternehmen, das dabei nicht mithalten kann, ist schnell aus dem Rennen.
Auch der Steuerwettbewerb, den sich
Staaten untereinander liefern und zu dem
sich die Bundesregierung in einem internen Papier gerade erst wieder bekannt hat,
ist deshalb zunächst nichts Verdammenswertes. Er versperrt schlampig haushaltenden Politikern immerhin den einfachen
Ausweg über Steuererhöhungen und führt
damit tendenziell zu einer geringeren Belastung von Bürgern und Betrieben.
HISBOLLAH
Druck auf die Täter
VON JAVIER CÁCERES
M
an kann nicht behaupten, dass
es sich die Regierungen der Europäischen Union mit der Listung
der israelfeindlichen Hisbollah als Terrorbande einfach gemacht hätten. Schon seit
Jahren fordern Israel und die USA von
den Europäern, zumindest den sogenannten militärischen Arm der radikalislamischen, in Libanon beheimateten Bewegung auf die offizielle Liste der Terrorgruppen zu setzen; das tödliche Attentat
im bulgarischen Bulgar und der – vereitelte – Anschlagsversuch in Zypern, die jeweils der Hisbollah zugeschrieben werden, liegen nun auch schon ein Jahr zurück. Doch erst jetzt votierten EU-Minister für die Einstufung.
Sie vollzogen damit einen überfälligen
Schritt – und setzten ein deutliches Signal. Nun tritt auch die EU Terrortätern
entschlossen entgegen, nennt sie beim Namen, ächtet sie und macht ihnen damit
das Leben so schwer wie möglich. Das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit
sein.
Dem steht auch nicht entgegen, dass
die EU mit dem politischen Teil der Hisbollah im Gespräch bleiben will. Gewiss:
Es ist mindestens schwierig, zwischen einem militärischen und einem politischen
Arm der straff organisierten Hisbollah zu
trennen. Aber es wäre töricht zu verkennen, dass die Hisbollah ein politischer
Faktor ist, den man in Nahost braucht.
Die Tür einen Spalt breit offen zu halten,
ist wohl ein notwendiges Übel.
S TA AT S S C H U L D E N
Sorge um Italien
VON CERSTIN GAMMELIN
V
erkehrte Welt: In Griechenland hat
der Schuldenstand einen neuen Rekordwert erreicht, dennoch sorgen
sich die Euro-Politiker mehr um Italien.
Die Athener Schuldenquote von gut
160 Prozent der Wirtschaftsleistung löst
bei den Verantwortlichen weniger Nervosität aus die 130 Prozent, mit denen Rom
zu kämpfen hat.
Dafür gibt es gute Gründe. In Griechenland hat die Krise angefangen, die sich
seit Jahren durch die Euro-Zone frisst.
Das Land hat mehr als ein Viertel seiner
Wirtschaftskraft verloren. Viele Unternehmen mussten schließen, Angestellte
wurden entlassen. Nichts ist mehr, wie es
vor der Krise war. Das Land liegt am Bo-
den – aber es versucht, sich zu modernisieren und hat die Chance auf einen wirtschaftlichen Neuanfang.
Nicht so in Italien. Dort wachsen die
Schulden, ohne dass irgendein Zeichen
auf einen Neuanfang hindeutet. Die Italiener haben im Februar unmissverständlich klargemacht, was sie von einer Regierung halten, die sparen oder reformieren
will: nichts. Sie jagten den Reformer Mario Monti einfach davon. Seither verharrt
die drittgrößte Volkswirtschaft der EuroZone wie ein unbeweglicher Koloss in der
Währungsgemeinschaft. Noch tolerieren
die Finanzinvestoren diese gefährliche
Starre. Doch sobald sie nervös werden,
kann das italienische Nichtstun sehr
schnell sehr gefährlich werden, und zwar
für die gesamte Euro-Zone.
SAP
Da war es nur noch einer
VON VARINIA BERNAU
Z
wei sind oft besser als einer. So begründete Jim Hagemann Snabe immer, warum er den Technologiekonzern SAP gemeinsam mit dem Amerikaner Bill McDermott führt. Nun zieht er
sich zurück. Und SAP verabschiedet sich
damit auch von der Doppelspitze.
Das ist ein ärgerliches Signal. Denn in
Zukunft braucht die deutsche Wirtschaft
eher mehr als weniger Mannschaftsgeist.
Die Globalisierung hat sowohl die Komplexität als auch die Dringlichkeit vieler
Entscheidungen erhöht. Aber auch der
Tag eines Vorstandschefs hat nur 24 Stunden. Deshalb verbirgt sich hinter der Behauptung, alles im Griff zu haben, vielerorts die traurige Wirklichkeit, dass alles,
was nicht ganz so wichtig ist, mit weniger
Sorgfalt erledigt wird. Hinzu kommt, dass
gerade junge Menschen nicht mehr bereit
sind, ihr Privatleben der Karriere unterzuordnen. Wenn gute Mitarbeiter knapp
werden, müssen sich Unternehmen also
erst recht überlegen, wie sie Arbeit auf
mehrere Schultern verteilen.
Natürlich sind zwei nicht automatisch
besser als einer. Es kommt schon darauf
an, was das für zwei sind. Bislang sind in
den Chefetagen deutscher Unternehmen
nämlich noch zu wenige bereit, die Mühen des Miteinanders auf sich zu nehmen: sich abzustimmen und Kompromisse zu suchen; Wissen, aber auch Anerkennung zu teilen. Dabei braucht es gerade
an der Spitze Teamgeist. Denn daran orientieren sich alle anderen.
SZ-ZEICHNUNG: DIETER HANITZSCH
Der Gedanke, besonders potente Steuerzahler, allen voran große Unternehmen,
mittels immer niedrigerer Sätze und immer großzügigerer Ausnahmen ins Land
zu locken, hat jedoch eine selbstzerstörerische Eigenheit: Auf lange Sicht produziert
er unter den Wettbewerbern nämlich nur
Verlierer, weil alle beständig Einnahmen
einbüßen. Die Konzerne hingegen verschieben ihre Erträge so lange auf der Welt
hin und her, bis die in einem Steuerparadies landen. Am Ende zahlt ein Gigant wie
Amazon in Deutschland auf neun Milliarden Euro Umsatz nur 0,5 Promille Steuern.
Irland zum Beispiel ködert Firmen
mit einem Satz von 12,5 Prozent
Die Steuerparadiese liegen dabei keineswegs nur in der Karibik, es gibt sie auch in
Europa. Irland etwa ködert Auslandsfirmen mit einem Steuersatz von 12,5 Prozent. Es ist dasselbe Irland, das wegen seines aufgeblähten Bankensektors Milliardenhilfen der EU-Partner benötigte – mit
einer perversen Folge: Heute haften Deutsche und Franzosen mit ihrem sauer Er-
sparten dafür, dass ihnen die Iren die Steuerzahlungen deutscher und französischer
Unternehmen wegnehmen.
An solchen Missständen wird auch der
Plan der 20 führenden Wirtschaftsnationen nichts ändern, die „Steuergestaltung“
einzudämmen. Natürlich ist es richtig,
mehr Licht in firmeninterne Finanzströme
zu bringen. Und natürlich ergibt es Sinn, einen Rahmen für die Besteuerung von Konzernen wie Google und Facebook zu erarbeiten, weil Nationalität für die Internetriesen längst keine Kategorie mehr ist. Solange aber die Firmen weiter verschweigen
dürfen, was sie wo tatsächlich verdienen,
solange jede Regierung etwas anderes besteuert und es keinen allgemeinen Mindestsatz gibt, solange die Staaten also versuchen, sich Steuerzahler abzujagen – solange sind alle Bemühungen für die Katz.
Im erwähnten Papier der Bundesregierung wird der „Steuerwettbewerb der Staaten“ als ein Grund für die Misere genannt.
Exakt zwei Sätze weiter heißt es, Deutschland dürfe keinesfalls seine „Standortattraktivität“ verlieren. Mehr Widerspruch in zehn Zeilen geht kaum.
PROFIL
Wenn es bei der Deutschen Bahn im Moment einen Job gibt, bei dem Tatkraft und
Stehvermögen gefragt sind, dann ist es der
Posten des Technikvorstands. In diesem
Ressort türmen sich die Probleme, seitdem die Industrie bestellte Züge – wenn
überhaupt – nur noch mit jahrelanger Verspätung liefert. Und selbst dann funktionieren sie häufig nicht einwandfrei. Wer
sich bei der Bahn also darum kümmert,
braucht nicht nur technischen Sachverstand, sondern auch besonders viel Durchsetzungskraft. Für diesen Job holt die
Bahn nun eine Frau.
Heike Hanagarth, 54, promovierte Ingenieurin und derzeit Leiterin des Motorenbaus im BMW-Werk München, wird künftig im Konzernvorstand das Thema Technik übernehmen. Das hat der Aufsichtsrat
am Montag beschlossen. Hanagarth wird
damit die einzige Frau in dem sechsköpfigen Vorstand sein. Für die Bahn ist die Personalie ein Novum. Zwar saß dort schon
einmal, von 2005 bis 2009, eine Frau im
Vorstand – Margret Suckale, die heute Arbeitsdirektorin der BASF ist. Allerdings
war sie für das Thema Personal zuständig
und damit für ein sogenanntes weiches
Ressort, das häufiger mal mit einer Frau besetzt wird. Mit der Ernennung von Hana-
FOTO: DB/KRANERT
W
undersames Frankreich.
In drei Stunden durchbraust der TGV die 800 Kilometer von Marseille
nach Paris. Dort kommt
der Reisende nachts an – und wartet eine
Stunde auf ein Taxi. Man tröstet ihn: Es
gebe zu wenig Taxis in Paris.
Verblüffendes Frankreich: Die Präsidenten fangen Kriege in Libyen oder Mali
an. Doch sie scheuen davor zurück, ihr
Rentensystem seriös zu reformieren.
Widersprüchliches Frankreich: Am
14. Juli feiern Zehntausende Franzosen aller Couleur auf dem Marsfeld ihr Fest der
Nation. Ein paar Tage später genügt die
Polizeikontrolle einer verschleierten
Frau, um die Wut in der Banlieue lodern
zu lassen. Auch psychologisch schwankt
Frankreich zwischen Grandeur und Tristesse. Viele Bürger schätzen ihr Land und
seine Lebensweise so, dass sie nichts daran ändern möchten. Zugleich sagen die
Meinungsforscher: Die Franzosen sind
das depressivste Volk der Welt. Ihre
Freunde in Europa, die Deutschen zumal,
zweifeln am komplizierten Frankreich;
und manche verzweifeln.
Heike Hanagarth
Ingenieurin und künftig
Technikvorstand der Bahn
garth aber sei nun „in einem großen deutschen Konzern erstmals eine Frau ausschließlich für das Thema Technik zuständig“, sagte Bahn-Chef Rüdiger Grube. Er
freue sich, „dass eine solch exzellente Kollegin künftig zu unserem Vorstandsteam
gehört“.
Die Freude ist aufrichtig. Grube, der eine gesetzlich verordnete Quote immer abgelehnt hat („Leistung setzt sich auch so
durch“), hatte sich fest vorgenommen, eine Frau für den Posten zu finden. Er setzte
sich sogar selbst an den Computer, um im
Internet nach Kandidatinnen zu forschen.
Dabei stellte er, wie er einmal im kleinen
Kreis einräumte, sehr überrascht fest, dass
es „da ja ganz tolle Ingenieurinnen gibt“.
Und noch etwas räumte er ein: dass er ohne
die Diskussion über die Quote wahrscheinlich nie nach ihnen gesucht hätte.
Hanagarth, verheiratet und Mutter eines Sohnes, begann ihre Karriere nach
dem Maschinenbau-Studium in Karlsruhe
bei Daimler in Mannheim. Mit 39 wechselte sie zum Dieselmotor-Hersteller Tognum nach Friedrichshafen, wo sie zunächst die Montage leitete und später den
Fertigungsprozess mit 500 Beschäftigten
insgesamt neu organisierte. Sie führte
strengere Qualitätsstandards ein, straffte
Abläufe und reduzierte Kosten. 2011 wechselte Hanagarth zu BMW.
Bei der Bahn wird sie sich zunächst dem
Thema ICE-Züge widmen müssen. Eigentlich sollte Siemens bereits 2011 die ersten
von 16 neuen ICEs liefern. Die Deutsche
Bahn wollte mit ihnen nach Marseille und
später auch nach London fahren. Inzwischen wäre Grube froh, sie wenigstens in
Deutschland auf die Strecke schicken zu
können. Doch dafür müsste Siemens erst
mal liefern. Hanagarth wird das Problem
lösen müssen.
DANIELA KUHR
Rehabilitation, kurz Reha, bedeutet wörtlich „Wieder-Befähigung“. Ein Mensch soll danach wieder etwas können,
was ihm zuvor wegen eines
Unfalls, einer Krankheit oder einer Behinderung unmöglich war: arbeiten, am gesellschaftlichen Leben teilhaben oder auch
nur schmerzfrei laufen. In Deutschland ist
dafür je nach Art des Leidens und des Ziels
der Reha einer von sieben Trägern zuständig. Die Bundesagentur für Arbeit etwa bezahlt Reha-Maßnahmen, die Behinderten
im Erwerbsleben helfen, auch die Sozialbeziehungsweise Jugendämter kümmern
sich um Reha für deren Eingliederung in
die Gesellschaft. Nach einem Arbeitsunfall
ist die Unfallversicherung zuständig; die
Krankenversicherung wiederum kann
Mutter- und Vater-Kind-Kuren oder einen
Spezialstuhl nach einem Bandscheibenvorfall bezahlen. Versorgungsämter und Fürsorgestellen müssen etwa für die Psychotherapie aufkommen, wenn Soldaten ein
Kriegstrauma erleiden. All das ist Reha.
Und schließlich kümmert sich die gesetzliche Rentenversicherung (DRV) um RehaLeistungen, die verhindern sollen, dass
Menschen vorzeitig in Rente gehen müssen, weil sie ihrem Beruf physisch oder psychisch dauerhaft nicht mehr gewachsen
sind. Wie Zahlen der DRV nun zeigen, betrifft das immer mehr Personen. Sie erhalten medizinische Therapien, aber auch Reha-Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, zum Beispiel eine Umschulung. WEIS
BLICK IN DIE PRESSE
Die Zeitung aus Hannover schreibt über das
Verhalten von Angela Merkel in der NSA-Affäre:
„Die Kanzlerin, das muss man vermuten,
sagt die Unwahrheit, während sie beschwichtigt und abwiegelt. (. . .) Es könnte
sein, dass die Opposition endlich ihr großes Wahlkampfthema gefunden hat. Merkels Regierung gerät mit jeder neuen
Enthüllung mehr unter Druck. Nichts
sehen, hören und sagen – damit darf die
Kanzlerin diesmal nicht durchkommen.“
Das Blatt aus Madrid äußert sich zum
Thronwechsel in Belgien:
„Die Zeremonie machte deutlich, dass die
Monarchie der einzige Garant für die Einheit dieses komplexen Landes ist. Philippe genießt nicht den politischen und gesellschaftlichen Rückhalt, den sein Vater
hatte. Er gilt als schüchtern und erhält
nach Umfragen nur von 40 Prozent der
Bevölkerung Zustimmung. Der neue König wird seine Popularität steigern müssen, um zu verhindern, dass die Monarchie ins Wanken gerät.“
Die Tageszeitung aus Amsterdam kommentiert
die Pläne der G-20-Staaten gegen Steuerflucht:
„Es ist moralisch nicht vertretbar, dass
Konzerne in Ländern, wo sie ihre Waren
oder Dienstleistungen liefern oder ihre
Rohstoffe gewinnen, keine Steuern zahlen. Die soziale Ungleichheit in der Welt
stellt eine der größten Bedrohungen für
ein nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum und politische Stabilität dar. In ihrem
eigenen Interesse dürfen Regierungschefs
diese Tatsache nicht länger ignorieren.“
HERAUSGEGEBEN VOM SÜDDEUTSCHEN VERLAG
VERTRETEN DURCH DEN HERAUSGEBERRAT
CHEFREDAKTEUR:
Kurt Kister
STELLVERTRETENDER CHEFREDAKTEUR:
Wolfgang Krach
MITGLIED DER CHEFREDAKTION, INNENPOLITIK:
Dr. Heribert Prantl
MIETEN
Bauen, bauen, bauen
VON CLAUDIA HENZLER
B
ei der Problembeschreibung zumindest sind sich alle einig: Es gibt in
größeren Städten zu wenig bezahlbare Wohnungen für Leute mit geringem
Einkommen. So stand es vor wenigen Tagen im Stadtentwicklungsbericht der Bundesregierung, so ruft es der Städtetag seit
Langem, die Mieterlobby sowieso, sogar
der Verband der Wohnungs- und Immobilienunternehmen stellt das fest. Und nun
mahnt auch eine Studie der BertelsmannStiftung: In 60 der 100 größten Städte erhöhen die Mietpreise das Armutsrisiko von
Familien enorm.
Was die Ursachen angeht, gibt es unterschiedliche Einschätzungen. Die Immobilienbranche verweist zuerst auf staatliche
Auflagen. Wer bei einem Neubau die energetischen Anforderungen einhalte, der
könne nicht billig bauen und deshalb keine
billigen Mieten anbieten. Und auch der
Mieterschutz schrecke Investoren.
Allgemein anerkannt sind folgende Ursachen: In Städten wie Hamburg, Frankfurt oder München wächst das Wohnungsangebot nicht in gleichem Maß wie die Einwohnerzahl. Hinzu kommt deutschlandweit ein Trend zum Alleinwohnen. In
41 Prozent der Haushalte wohnt heutzutage nur ein Mensch. Die Bautätigkeit ist
zwar zuletzt gestiegen, aber doch über-
schaubar: Im Jahr 2012 wurden in ganz
Deutschland exakt 71 041 Mehrfamilienhäuser errichtet. Auch die steigenden Baukosten sind Konsens; dabei spielen auch
die hohen Grundstückspreise eine Rolle.
Seit Jahren versuchen die Städte, sich gegen die Entwicklung zu stemmen: Sie bauen selbst. Sie bieten im Rahmen ihrer Möglichkeiten Darlehen an. Sie stellen ihren
Einwohnern Grundstücke unterhalb des
Marktpreises zur Verfügung. Sie beraten
Immobilienbesitzer, aus welchen Fördertöpfen sie schöpfen könnten, wenn sie ihre
Mietshäuser ausbauen oder sanieren. Die
Städte bemühen sich auch, den Druck vom
Grundstücksmarkt zu nehmen: indem sie
etwa ein zusätzliches Stockwerk genehmigen, dichtere Bebauung erlauben und frei
werdende Flächen schnell neu beplanen.
Es gibt zu wenig Wohnungen –
das ist das Grundproblem
Von Berlin bis München wird außerdem
experimentiert: mit dem Verbot, in beliebten Vierteln Miet- in Eigentumswohnungen umzuwandeln oder dem Schutz eines
Stadtgebiets vor Luxusmodernisierungen
mittels einer sogenannten Erhaltungssatzung: Dort ist es dann zum Beispiel verboten, Schwimmbäder oder riesige Balkone
zu planen. Und die Stadtverwaltungen verpflichten Investoren auch mal vertraglich,
einen Teil des Geländes mit geförderten
Wohnungen zu bebauen. Andernfalls wird
das gewünschte Areal eben nicht als Bauland ausgewiesen.
Das alles reicht aber nicht. Kommunen
und Immobilienlobby schlagen deshalb
vor, das staatliche Wohngeld zu erhöhen:
also den Menschen, die sich die ortsüblichen Mieten nicht leisten können, mehr
Geld als bisher draufzulegen. Doch das
kann nur eine Art Erste Hilfe sein. Um die
Situation dauerhaft zu entschärfen, müssen mehr billige Wohnungen gebaut
werden.
Dazu braucht es auf Bundesebene größere Anstrengungen, als eine Mietpreisbremse zu fordern. Jahrzehntelang galt
der Wohnungsbau als eine wichtige Aufgabe der Politik, der Bund förderte ihn mit hohen Subventionen. Seit 1990 aber hat er
sich aus dem Wohnungsmarkt weitgehend
zurückgezogen und ihn den Kräften des
Marktes überlassen. In der Folge hat sich
das Verhältnis zwischen Eigentums-,
Miet- und Sozialwohnungen verschoben.
Die Anzahl der Sozialwohnungen ging
stark zurück, sodass auch die Nachfrage
auf dem freien Markt stieg und damit das
Preisniveau. Hier müssen Bund und Länder wieder stärker fördernd eingreifen.
Denn Geld, das in den sozialen Wohnungsbau investiert wird, ist nachhaltiger angelegt als in Wohngeld.
AUSSENPOLITIK: Stefan Kornelius;
INNENPOLITIK (STELLV.): Detlef Esslinger, Jan Heidtmann;
SEITE DREI: Alexander Gorkow;
INVESTIGATIVE RECHERCHE: Hans Leyendecker;
KULTUR: Andrian Kreye, Dr. Thomas Steinfeld;
WIRTSCHAFT: Dr. Marc Beise, Ulrich Schäfer;
SPORT: Klaus Hoeltzenbein; WISSEN: Dr. Patrick Illinger;
GESELLSCHAFT UND WOCHENENDE: Tanja Rest;
MEDIEN: Claudia Fromme; MOBILES LEBEN: Jörg Reichle;
BEILAGEN: Werner Schmidt; MÜNCHEN, REGION UND
BAYERN: Nina Bovensiepen, Christian Krügel; Sebastian Beck,
Peter Fahrenholz, Christian Mayer
ARTDIRECTOR: Christian Tönsmann; Stefan Dimitrov;
BILD: Jörg Buschmann
GESCHÄFTSFÜHRENDE REDAKTEURE:
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LEITENDE REDAKTEURE:
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Die für das jeweilige Ressort an erster Stelle Genannten
sind verantwortliche Redakteure im Sinne des Gesetzes
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POLITIK
DEFGH Nr. 168, Dienstag, 23. Juli 2013
Airbus für Bundeswehr
Vorwürfe gegen Grünen
Düsseldorf – Die nordrhein-westfälischen Grünen wollen Pädophilie-Vorwürfe gegen ein Vorstandsmitglied aus
der Gründungsphase des Landesverbandes aufklären. „Die Opfer haben ein
Recht auf schonungslose Aufklärung“,
sagte der Grünen-Landesvorsitzende
Sven Lehmann. Die Welt am Sonntag
hatte zuvor berichtet, ein damaliges
Vorstandsmitglied der NRW-Grünen
habe in den Achtzigerjahren eine Wohngemeinschaft in Kamp-Lintfort geleitet, in der es sexuelle Übergriffe auf
Minderjährige gegeben habe. Die Zeitung berief sich auf Berichte von ehemaligen jugendlichen Bewohnern der
Wohngemeinschaft. Der Mann war
nach Angaben eines Sprechers der Landespartei von 1979 bis 1989 Mitglied
des Landesvorstands. Da er nicht mehr
lebe, könne er „leider nicht zur Rechenschaft gezogen werden“, sagte Lehmann. Die Schilderungen der ehemaligen Mitglieder der Lebensgemeinschaft
machten ihn sehr betroffen. DPA
Fachhochschüler promovieren
Bonn – Immer mehr Absolventen von
Fachhochschulen erwerben auch noch
einen Doktortitel. Von 2009 bis 2011
wurde 47 Prozent mehr Inhabern von
Fachhochschuldiplomen ein Doktortitel
verliehen als von 2006 bis 2008. Das
zeigt eine Umfrage der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), die am Montag in
Bonn veröffentlicht wurde. HRK-Präsident Horst Hippler sieht in diesem
Trend auch einen Indikator für die
wachsende Durchlässigkeit des Hoch-
schulsystems. Universitäten und Fachhochschulen hätten inzwischen sehr
gute Kooperationsmodelle entwickelt,
„die stark zum Anstieg der Promotionszahlen beigetragen haben“. Die meisten
abgeschlossenen Promotionsverfahren
von FH-Absolventen kommen aus den
Ingenieurwissenschaften, gefolgt von
den Naturwissenschaften (FOTO: DPA). SZ
Kontaktverbot für Freier bleibt
Hamburg – Das Kontaktverbot für
Freier in Hamburg-St. Georg soll bestehen bleiben. Eine entsprechende Stellungnahme wird der Hamburger SPDSenat aller Voraussicht nach an diesem
Dienstag an die Bürgerschaft weiterleiten. Seit Anfang 2012 müssen Männer
in dem Stadtteil am Hauptbahnhof mit
einer Geldbuße von bis zu 5000 Euro
rechnen, wenn sie eine Prostituierte
ansprechen. Zuvor hatte es nach Angaben der Hamburger Innenbehörde immer wieder massive Beschwerden gegeben, weil unbeteiligte Frauen und Mädchen angesprochen wurden und es
laute Streitereien zwischen Prostituierten und Freiern gab. Die Verordnung
habe offensichtlich abschreckende
Wirkung, sagte ein Sprecher der Innenbehörde am Montag. DPA
Der frühere Verteidigungsminister Rudolf Scharping hat im Untersuchungsausschuss zur Drohnen-Affäre den Ankauf des Fluggeräts verteidigt.
Allerdings sei schon früh auf technische und rechtliche Probleme hingewiesen worden – und damit auf mögliche Kostensteigerungen
parat, da habe ein Minister „eine Holschuld“. Zudem sei zur Klärung offener
Fragen nicht immer eine Vorlage notwendig, vielmehr böten sich auch auf Dienstreisen oder „beim abendlichen Glas Rotwein“
Gelegenheiten zum Gespräch. Die SPD
wird diese Einlassungen als Beweis dafür
zu deuten wissen, dass ein Minister de Maizière mit Scharpings Führungsstil schon
viel früher von den Problemen beim Euro
Hawk hätte wissen können.
VON NICO FRIED
S
o“, sagt Rudolf Scharping, „fangen
wir an?“ Es ist schon eine gute Weile
her, dass er solche Fragen entscheiden dufte. Als wolle Susanne Kastner, die
resolute Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, ihm das noch einmal klarmachen, begrüßt sie den „Herrn Verteidigungsminister a. D.“ mit einer deutlichen
Betonung auf den beiden Abkürzungen.
Es ist ein Tag für Nostalgiker: Rudolf
Scharping wieder auf der politischen Bühne. Er war Ministerpräsident, SPD-Chef,
Kanzlerkandidat, Fraktionschef und Verteidigungsminister, nicht nur als Radfahrer gelegentlich vom Pech verfolgt, bisweilen aber auch selbst politisch unsensibel,
zum Beispiel beim Baden auf Mallorca während des Mazedonieneinsatzes der Bundeswehr, was ihn das Amt kostete. Heute lebt
Scharping als Berater in Frankfurt. Dem
Ausschuss präsentiert er sich sommerlich
mit offenem Hemd und ohne Krawatte.
Das verbliebene Haar fällt dünn, aber
sonst ist Scharping ganz der alte, sonore
Stimme und stets betont langsam in Sprache und Gestik. In der Zeit, in der er einen
Schluck Wasser nippt, trinken andere locker ein ganzes Glas leer.
Der „Euro Hawk“ sollte
bis zu 30 000 Meter
in die Höhe steigen können
Der Opposition geht es darum,
de Maizière kurz vor der Wahl
am Zeug zu flicken
Scharping ist nur für eine Stippvisite in
Berlin, aber doch zu einem bemerkenswerten Anlass. Der Verteidigungs- hat sich zu
einem Untersuchungsausschuss heraufgestuft und befasst sich mit den Umständen
des Rüstungsprojekts Euro Hawk, jener unbemannten Aufklärungsdrohne, deren
Entwicklung vom Verteidigungsministerium im Mai 2013 gestoppt wurde. Es geht
um die Klärung des finanziellen Schadens,
vor allem aber geht es der Opposition darum, dem amtierenden Minister Thomas de
Maizière (CDU) kurz vor der Wahl am Zeug
zu flicken. De Maizière selbst hat durch –
gelinde gesagt – unglückliches Defensivverhalten SPD, Grünen und Linken die
Hoffnung auf Erfolg bewahrt.
In Scharpings Zeit von 1998 bis zu seiner Entlassung durch Gerhard Schröder
2002 fielen die ersten Planungen für ein
neues Aufklärungssystem. Die Bundeswehr, so erinnert er sich, habe damals vor
neuen Aufgaben gestanden, sei aber in viel-
Für ein paar Stunden zurück auf der politischen Bühne: Ex-Minister Rudolf Scharping (SPD).
facher Hinsicht darauf nicht eingerichtet
gewesen. Der Kosovo-Krieg 1999 habe
auch ein Defizit bei der Nachrichtenbeschaffung deutlich gemacht. Um Einsätze
besser verantwortbar zu machen, sei es unabdingbar gewesen, ein neues Aufklärungssystem bereitzustellen. Dafür habe
man erste Konzeptstudien anfertigen lassen. Mehrmals weist Scharping darauf hin,
dass in seinem Ministerium der damalige
Hauptabteilungsleiter Rüstung „öffentlich wahrnehmbar“ auf technische, rechtliche und insbesondere verkehrsrechtliche
Probleme hingewiesen habe – die fehlende
Zulassung war 2013 einer der Hauptgründe für das Scheitern des Projekts.
In der Befragung durch die Abgeordneten sind die jeweiligen Intentionen nicht
allzu schwer zu dechiffrieren. Die Fragen
aus der Union zielen vor allem darauf ab,
dass Rot-Grün geschlossen hinter der Entwicklung eines neuen Systems gestanden,
also eine Mitverantwortung habe. Scharping antwortet, er habe noch nie erlebt,
dass Parteien bei schwierigen politischen
Entscheidungen „auftreten wie das Wach-
FOTO: THOMAS PETER/REUTERS
bataillon“. Natürlich habe es Debatten gegeben, aber ihn hätte nur aufhalten können, wenn Kanzler oder Außenminister gesagt hätten, „Scharping, du spinnst“. Der
Zeuge führt diesen Punkt nicht weiter aus,
aber es ist offenkundig, dass in diesem Fall
beide nicht zu einem solchen Urteil kamen.
Die SPD-Seite hebt mit ihren Fragen darauf ab, Scharping als Kümmerer darzustellen. Dem widerspricht er natürlich nicht.
Es sei eine strategisch wichtige Entscheidung gewesen, so etwas überlasse man
nicht einfach nur dem bürokratischen Ap-
Vor Scharping war an diesem Tag als erster Zeuge Wolfgang Schneiderhan vernommen worden, der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr. Schneiderhan
beschrieb die Fähigkeitslücke, die sich aufgetan hatte, weil die früheren Aufklärungsflugzeuge zu alt waren und nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden konnten. Zugleich sei Aufklärung und Nachrichtenbeschaffung jedoch zu einer Schlüsseltechnologie geworden. Dabei sei allen Beteiligten
klar gewesen, dass „flugtechnisch gesehen
Neuland betreten werden musste“.
In mehreren Schritten wurden konkrete
Pläne entwickelt, ein luftgestütztes Aufklärungssystem zu schaffen, für dessen Trägersystem man sich die bereits vorhandene Drohnentechnologie der USA zunutze
machen wollte. Das Fluggerät sollte bis zu
30 000 Meter in die Höhe steigen können,
um eine möglichst weite und störungsfreie
Signalüberwachung leisten zu können. Dabei sei eines immer klar gewesen: „Das
muss irgendwie da hochkommen, wo es
hingehört, und dann wieder runterkommen auf den Boden – und dazwischen ist
normaler Flugverkehr.“
Schon 2006, also noch vor dem Vertragsabschluss mit den Herstellern 2007, musste Schneiderhan einmal feststellen, dass
zeitliche Verzögerungen auch wegen der
Zulassungsproblematik zu einer Kostensteigerung führen könnten. Daran, das Projekt deshalb abzubrechen, habe seinerzeit
aber niemand gedacht. Seine größere Sorge sei damals gewesen, dass es für deutsche Soldaten im Einsatz zeitweilig gar keine Luftaufklärung mehr geben könnte.
Am späten Nachmittag wurde auch
noch Ex-Minister Franz Josef Jung (CDU)
vernommen. Er sagt, er habe wenig gehört
von den Problemen beim Drohnenprojekt.
Teurer wohnen
Hohe Mieten belasten Familien mit geringem Einkommen
München – 666 Euro. So viel hat eine einkommensschwache Familie, zwei Kinder,
zwei Erwachsene, nach Abzug der Miete
monatlich zur Verfügung. Zumindest,
wenn die Familie in Jena lebt. Dort, so hat
es die Bertelsmann Stiftung in einer am
Montag veröffentlichten Studie beschrieben, ist das Zusammenspiel von Einkommensniveau und Mietpreisen besonders
prekär. In München, der Stadt mit den
höchsten Mieten, ist die Situation etwas
besser – denn hier liegt das Durchschnittseinkommen deutlich höher als in Jena.
666 Euro. Das sind 503 Euro weniger als
der Hartz-IV-Regelsatz, der der Familie zustünde. Offiziell gilt als armutsgefährdet,
wer weniger als 60 Prozent des mittleren
Einkommens erhält. Doch ob ein kleines
Gehalt dazu führt, dass Kinder und Eltern
in die Armut rutschen, hängt in Deutschland davon ab, in welcher Stadt sie leben.
Denn unter den gleichen Bedingungen –
Vier-Personen-Haushalt, weniger als 60
Prozent des mittleren Einkommens, familientaugliche Wohnung – hätte eine Familie
in Heilbronn noch 1941 Euro in der Kasse.
Wohnen, das macht die Studie deutlich,
bestimmt die wirtschaftliche Situation eines Haushalts heute mehr als jeder andere
Faktor. Das verschärft soziale Ungleichheit: Während die Deutschen im Jahr 2011
durchschnittlich 28,3 Prozent fürs Wohnen ausgaben, mussten Geringverdiener
50 Prozent ihres Einkommens aufwenden.
Besonders hart trifft es arme Haushalte
mit Kindern: Die vierköpfige Modellfami-
lie zahlte 42,9 Prozent für die Wohnung, armutsgefährdete Alleinerziehende 52,3 Prozent. Dabei können Familien vielerorts
froh sein, eine Wohnung zu haben: Nach
Angaben der Stiftung sind in Städten wie
Frankfurt, Freiburg, Hamburg, München,
Potsdam und Jena kaum bezahlbare Angebote für Familien auf dem Markt – auch
nicht mit einem normalen Einkommen.
Den Grund sieht die Studie in einer Binnenwanderung, die das Land immer deutlicher in Schrumpfungs- und Wachstumsregionen teilt. Die gute Arbeitsmarktsituation zieht Familien in Wachstumsregionen –
doch wegen der hohen Mieten ist dort auch
das Armutsrisiko hoch. In 60 der 100 größten deutschen Städte hat die vierköpfige
Modellfamilie weniger zur Verfügung als
den Hartz-IV-Regelsatz, der nach Abzug
der Unterkunftskosten bei 1169 Euro liegt.
„Familien aus der unteren Mittelschicht
und der oberen Unterschicht“ geraten in
Boom-Städten unter finanziellen Druck –
das ist das Fazit von Jörg Dräger, Vorstand
der Bertelsmann Stiftung. Er fordert, Armut müsse stärker regional erfasst und bekämpft werden. Eine Forderung, die nicht
so schwer umzusetzen sein könnte: Eine
Folge der hohen Mieten ist eine immer klarere räumliche Trennung armer und reicher Haushalte. So kommen für arme Familien nur etwa zwei Prozent des Münchner
Stadtgebiets in Frage. Wer Armut in deutschen Großstädten erforschen wollte,
wüsste zumindest eines: Wo er suchen
muss. CHARLOTTE THEILE
R Seite 4
DEUTSCHLAND
WÜNSCHT SICH
EINE REISE
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heiß
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Viel Geld für die Unterkunft
Prozentsatz des Einkommens, der für die Wohnung ausgegeben wird
Augenmerk auf Rassismus
Berlin – Das Bundesjustizministerium
prüft nach einer Rüge der Vereinten
Nationen im Fall Thilo Sarrazin, ob
Änderungen bei der Auslegung des
Volksverhetzungs-Paragrafen 130 im
Strafgesetzbuch nötig sind. Es werde
überlegt, ob künftig schon im Ermittlungsverfahren ein besonderes Augenmerk auf rassistische Motive gelegt
werden müsse, sagte der Sprecher von
Justizministerin Sabine LeutheusserSchnarrenberger (FDP) dem Tagesspiegel. Der Antirassismus-Ausschuss der
Vereinten Nationen hatte im April die
Aussagen des früheren Berliner Finanzsenators und damaligen Vorstands der
Bundesbank Sarrazin in einem Interview der Zeitschrift Lettre als rassistisch eingestuft und kritisiert, dass
Betroffene in Deutschland davor nicht
ausreichend geschützt würden. KNA
5
Ein Tag für Nostalgiker
INLAND
Berlin – Die Bundeswehr soll trotz der
Probleme bei der Zulassung des MilitärAirbus A400M im nächsten Jahr ihre
erste neue Maschine bekommen. Das
Verteidigungsministerium bestätigte
am Montag in Berlin, dass es im Zeitplan derzeit „Lieferrückstände“ gebe.
Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) sei aber „zuversichtlich,
dass wir diese Probleme lösen“, sagte
sein Sprecher Stefan Paris. „Es gibt
derzeit keinen Anlass, daran zu zweifeln, dass wir Ende 2014 über die Maschine verfügen.“ Über die Probleme
mit dem neuen europäischen Militärtransporter hatte am Wochenende der
Spiegel berichtet. Ursprünglich hätte
der erste A400M bei der Bundeswehr
schon 2009 in Dienst gestellt werden
sollen. Er soll das in die Jahre gekommene Transportflugzeug Transall ablösen.
Als erste der an dem Projekt beteiligten
Nationen soll Frankreich bereits in diesem August das erste Airbus-Transportflugzeug erhalten. DPA
HBG
Bundesdurchschnitt
Einkommensschwache
Alleinerziehende
Einkommensschwache
Familien
28,3
52,3
42,9
oder unter
www.der.com
Was einkommensschwachen Familien* im Monat übrig bleibt
Teure Städte
Günstige Städte
1
Jena
666 €
1
Heilbronn
1941 €
2
Frankfurt am Main
739 €
2
Iserlohn
1784 €
3
Freiburg
784 €
3
Witten
1733 €
4
Regensburg
865 €
4
Bergisch Gladbach
1691 €
* errechnet für eine vierköpfige Familie, die im regionalen Vergleich einkommensschwach ist,
d. h. weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat.
SZ-Grafik: Julia Kraus; Quelle: Bertelsmann Stiftung
Gewinnspiel
jetzt in Ihrem
o
DER Reisebür
in der Nähe
Jetzt Reisewünsche abgeben und
eigene Wunschreise gewinnen.*
* Teilnahmeschluss ist der 31.07.2013. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Teilnahmeberechtigt sind alle Personen ab 18 Jahren, ausgenommen Mitarbeiter von DER Touristik. Alle Gewinner werden
schriftlich benachrichtigt. Teilnahme direkt in Ihrem DER Deutsches Reisebüro oder online auf www.wunschreise.der.com. Die weiteren Teilnahmebedingungen auf www.wunschreise.der.com.
6
POLITIK
HBG
Dienstag, 23. Juli 2013, Nr. 168 DEFGH
Wie viel Geheimwissen hat das Kanzleramt? Der Bundesnachrichtendienst (BND) und die Aufklärung der NSA-Affäre
„Nicht die Wahrheit gesagt“
SPD kritisiert Merkel, muss sich aber selbst Vorwürfen stellen
Berlin – SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat am Montagmorgen eine Pressemitteilung verschicken lassen, in der er „offensichtliche Eigenmächtigkeiten und
eventuelle Rechtsverletzungen deutscher
Geheimdienste“ beklagt und die in ihrem
letzten Satz in der Frage mündet: „Wo ist eigentlich Herr Pofalla . . .?“ Die Frage ist
mittlerweile beantwortet. Der Kanzleramtschef und Geheimdienstkoordinator
Ronald Pofalla habe vergangene Woche im
Urlaub geweilt, sei nun aber wieder im
Dienst, teilte Vize-Regierungssprecher Georg Streiter am Montag mit. Streiter informierte auch über Pofallas gewissermaßen
erste Amtshandlung: einen Anruf bei Thomas Oppermann, dem Parlamentarischen
Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion und Vorsitzenden des Parlamentarischen Kontrollgremiums für die Geheimdienste (PKGr). Von Mittwoch an, erfuhr
Oppermann, stehe Pofalla dem PKGr zur
Verfügung.
Geheimdienstkoordinator Pofalla
soll den Kontrollausschuss
am Donnerstag informieren
In Berlin-Mitte entsteht die neue Zentrale des deutschen Auslandsgeheimdienstes BND. 4000 Menschen sollen hier einmal arbeiten.
FOTO: EUROLUFTBILD.DE / VISUM
Kleine und große Fischer
Während die NSA riesige Netze auswirft, angelt der BND gezielt nach Daten. Die Geheimdienste behaupten,
ihre Zusammenarbeit habe schon viele Anschläge verhindert. Stimmt das wirklich?
VON HANS LEYENDECKER
München – Verglichen mit dem Geheimdienst-Konzern National Security Agency
(NSA) ist der Bundesnachrichtendienst
(BND) nur ein mittelständisches Unternehmen. Die NSA hat mehr als 30 000 Mitarbeiter, der BND etwa 6300. Der Jahresetat der
NSA wird auf zehn Milliarden Dollar geschätzt. Der BND erhielt 2012 erstmals
mehr als 500 Millionen Euro, sechs Prozent mehr als im Jahr zuvor. Aber nur deshalb, weil der Neubau der Zentrale in Berlin viel teurer wird als erwartet.
Wenn der eine ein Riese ist und der andere nicht, freut sich der Kleine gewöhnlich,
wenn der Große ihn ernst nimmt. Das ist eines der Probleme in der langen und nicht
selten unheimlichen Kooperation zwischen NSA und BND, die in den Fünfzigerjahren begann und bis heute fortdauert.
Wie stolz war doch der BND, als er das
erste Telefonat abhören konnte, das belegte, dass al-Qaida hinter den Terroranschlägen vom 11. September 2001 steckte. Und
auch der Dienstherr, die Bundesregierung,
war beeindruckt, weil sich sogar der amerikanische Präsident George W. Bush bei
den Deutschen für die Hilfe bedankt hatte.
Wer klein ist, möchte dem Großen auch
imponieren. Diese Haltung kann gut sein,
aber manchmal ist sie auch gefährlich. Der
Spiegel hat in dieser Woche aus geheimen
NSA-Papieren zitiert. BND-Präsident Gerhard Schindler soll den Wunsch geäußert
haben, enger mit der NSA zusammenzuarbeiten: Die Deutschen suchten bei der NSA
„Führung und Rat“, gingen mit „Eifer“ ans
Werk und versuchten, die amerikanischen
„Informationsbedürfnisse“ zu befriedigen. Man muss solche Erklärungen nicht
wörtlich nehmen, aber ganz frei erfunden
sind sie vermutlich auch nicht.
Der BND, der angeblich Führung sucht,
ist in zwölf Abteilungen unterteilt. Die Klimaveränderung, der Kampf ums Wasser
und die letzten Energiereserven gehören
zu den Aufklärungsarbeiten des Dienstes.
Auch in diesem Bereich geht es um Sicherheitsfragen. Etwa jeder zweite Mitarbeiter
ist Angestellter, jeder dritte Beamter, jeder
neunte Soldat. Etwa 730 Soldaten gibt es
beim BND. Fast die Hälfte aller Mitarbeiter
ist operativ im Einsatz. Allein in Afghanistan sind um die 100 Mitarbeiter.
Die meisten nachrichtendienstlichen Erkenntnisse liefert die Abteilung „Technische Aufklärung“ (TA), die im Kleinen versucht, was die NSA im ganz Großen macht.
Sie zapft beispielsweise Kabel an, sammelt
Metadaten und verwendet bei der Suche
im Netz Schlagwörter. In früheren Zeiten
stammten drei Fünftel aller BND-Meldungen aus der fernmelde-elektronischen Aufklärung. Heute ist es etwa die Hälfte. Circa
1300 Mitarbeiter arbeiten in dem Bereich
der „Technischen Aufklärung“.
Es gibt Unterschiede bei den Methoden:
Die Amerikaner fischen gleichsam mit einem Riesennetz in großen Datenmengen
auf der Suche nach Detailinformationen.
Der deutsche Dienst geht eher gezielt vor
und umschreibt die eigene Tätigkeit als
„Harpunen-System“.
Ob Netz oder Harpune – jeder Dienst
schützt eher seine Landsleute und hält Ausländer für vogelfrei. Material wird ausgetauscht. Wie viel ist nicht ganz klar. Der Verdacht liegt nahe, dass westliche Dienste eine Art Vereinigung gebildet haben, deren
Mitglieder nur daheim mehr oder weniger
die Gesetze achten.
Und wozu das alles? Der Austausch mit
Partnerdiensten habe Anschläge in
Deutschland und in Afghanistan auf deutsche Soldaten verhindert, behaupten in diesen Tagen Nachrichtendienstler und Politiker. Das ganz große Lagebild zum internationalen Terrorismus sei ausländischen
Quellen zu verdanken, sagt ein BND-Mitarbeiter. Aber stimmen die umlaufenden
Zahlen über den angeblichen Erfolg der
NSA-Tipps? Von sieben angeblich verhinderten Anschlägen in Deutschland war die
Rede, dann von fünf oder nur zwei. Und
mindestens 20 am Hindukusch. Allein in
den Jahren 2011 und 2012.
Bei solchen Erfolgsbilanzen ist Misstrauen angesagt. Was ist ein geplanter An-
Gigantische NSA
Der US-Geheimdienst National Security
Agency (NSA) wächst und wächst: Die Zahl
der Mitarbeiter ist auf 33 000 gestiegen, wie
die Washington Post berichtet. Das ist ein
Drittel mehr als zur Zeit des Terroranschlags
vom 11. September 2001. An der Zentrale in
Fort Meade im US-Bundesstaat Maryland
wird weiter gebaut. Schon jetzt ist sie flächenmäßig größer als das US-Verteidigungs-
ministerium Pentagon. In den nächsten
zehn Jahren soll das Gelände nochmals um
50 Prozent wachsen. Ein weiteres NSA-Gelände entsteht in Bluffdale (Utah). Dort wird auf
einer Fläche von neun Hektar – das entspricht 13 Fußballfeldern – Platz für Datenspeicher geschaffen. Die Zahl der Firmen,
die der NSA zuarbeiten, hat sich seit 2010 auf
etwa 500 mehr als verdreifacht.
DPA
schlag? Ist das Geschwurbel eines radikalen Islamisten am Telefon oder die Verhinderung der geplanten Ausreise eines Islamisten ein verhinderter Anschlag? Stichproben zeigen, dass weder die Zahlen für
Afghanistan und schon gar nicht die für
Deutschland ganz ernst zu nehmen sind.
In diesem Metier wird von Berufs wegen getrickst und finassiert. US-Geheimdienste
vor allem messen der Fassade einen höheren Wert bei als der Wirklichkeit.
Und die deutschen Dienste, der BND vorneweg, sind Ziehkinder der Amerikaner.
Der Historiker Josef Foschepoth hat in seinem Buch „Überwachtes Deutschland.
Post-und Telefonüberwachung in der alten Bundesrepublik“ aufgeschrieben, wie
eilfertig und umfassend deutsche Behörden ausländischen Diensten bis Ende der
Sechzigerjahre behilflich waren.
Es gab auch ein paar Aufs und Abs in der
Zusammenarbeit. Der Draht zur NSA glühte nach Ende des Kalten Krieges nicht
mehr so wie zuvor, aber der 11. September
hat dann eine neue Allianz entstehen lassen. Aber wer ist Freund, wer ist Feind?
Seit 2006 wird im Niemandsland an der
Chausseestraße, wo Berlin-Mitte aufhört
und Wedding noch nicht richtig beginnt,
die künftige BND-Zentrale gebaut. Ein Riesenprojekt, das voraussichtlich alles in allem 1,5 Milliarden Euro kosten wird – der
größte Bundesbau der Nachkriegsgeschichte. Es gibt immer neue Verzögerungen. Fremde Mächte sollen keinen Einblick ins Innere des deutschen Geheimdienst bekommen. Bauaufträge wurden
wie Staatsgeheimnisse behandelt. Die Sorge galt nicht so sehr Trockenbauern aus
Tschechien. Der BND sorgt sich, dass der
große Bruder aus Amerika sein Ohr in der
deutsche Zentrale haben will. Diese Sorge
muss man ernst nehmen.
Die Affäre um die Ausspähaktivitäten
des US-Dienstes National Security Agency
(NSA) tritt damit in eine neue Etappe. In ihr
soll es gut zwei Monate vor der Bundestagswahl zumindest nach dem Willen der SPD
ungemütlich werden für Kanzlerin und
CDU-Chefin Angela Merkel. „Die Kanzlerin kann hier die Verantwortung nicht abschieben auf einen Minister. Die Geheimdienste stehen im Kanzleramt unter ihrer
direkten Leitung. Es geht hier auch um die
Gesamtverantwortung der Kanzlerin“,
sagt Oppermann. An diesem Dienstag will
er einen ausführlichen Fragenkatalog ans
Kanzleramt schicken. Erst am Donnerstag
soll das geheim tagende PKGr zu einer Sondersitzung zusammenkommen, obwohl
die Koalitionsfraktionen sich Pofallas Auftritt schon für Mittwoch gewünscht hatten. „Die Fakten müssen endlich auf den
Tisch. Gründlichkeit geht hier vor Schnelligkeit“, begründet das Oppermann.
Auskunft geben soll Pofalla zunächst
darüber, was die Bundesregierung wann
über das von Ex-Geheimdienstmitarbeiter
Edward Snowden enthüllte Spähprogramm Prism wusste. Die bisherige Antwort „nichts“ hält Oppermann angesichts
der Erkenntnisse über den Prism-Einsatz
in Afghanistan bereits für erwiesenermaßen falsch. „Die Bundesregierung hat der
Öffentlichkeit und dem Parlamentarischen Kontrollgremium nicht die Wahrheit gesagt“, klagt er. Die Frage sei, „ob es
sich um einen gezielten Täuschungsversuch handelte oder um komplette Ahnungslosigkeit“.
Gefragt werden wird Pofalla auch nach
der NSA-Software XKeyscore, deren Erprobung Verfassungsschutz und Bundesnachrichtendienst (BND) bereits eingeräumt haben. Auch in welchem Umfang Datensätze
an die USA übermittelt wurden, wird zur
Sprache kommen. Ebenso wie die Rolle
von BND-Chef Gerhard Schindler, der einem Spiegel-Bericht zufolge den Amerikanern eine laxere Auslegung deutscher Datenschutzgesetze in Aussicht gestellt haben soll, um den Austausch zu erleichtern.
„Wir wollen wissen“, sagt Oppermann, „ob
Herr Schindler wirklich die Interessen der
Bundesrepublik vertritt. Es wäre ein unerhörter Vorgang, wenn er sich nicht an geltende Gesetze hält. Damit würde er in grober Weise seine Amtspflichten verletzen.“
Nach Oppermanns Darstellung geht es
um eine „brennende politische Frage. Es
geht um die Souveränität Deutschlands“.
Die SPD bemüht sich – was im Wahlkampf
auch niemand ernstlich erwarten wird – also nicht eben um Mäßigung. Von Regierungsseite trägt ihr das in den Worten von
CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe
den Vorwurf der „verantwortungslosen
Heuchelei und unverfrorenen Doppelmoral“ ein. Gröhe beruft sich auf den Ex-NSAChef Michael Hayden, der sich angesichts
deutscher Empörung an die Filmszene aus
„Casablanca“ erinnert fühlt, in der Polizeichef Renault informiert wird, dass in
Rick’s Café Glücksspiel stattfindet. Nach
den Terroranschlägen des 11. September
habe er die Partner persönlich über die Absichten der NSA informiert, sagte er dem
ZDF. Und: „Wir waren sehr offen zu unseren Freunden.“
Die Freunde, auch die deutschen, standen damals unter dem Eindruck einer veränderten Weltlage und des Wissens, dass
„sich der Gang der Geschichte ändern“
würde, wie es der grüne Außenminister
Joschka Fischer später formulierte. Die
vom SPD-Kanzler Gerhard Schröder am
Tag nach den Terroranschlägen bekundete „uneingeschränkte Solidarität“ war
zwar nicht primär, aber wohl auch auf Geheimdienstzusammenarbeit gemünzt. Gerade hier geriet Deutschland wegen der
Rolle der „Hamburger Zelle“ bei den Anschlägen des 11. September unter Druck.
Dass die Terroristen unentdeckt blieben,
hatte „Zweifel bei den US-Behörden hinsichtlich der Wirksamkeit des rechtlichen
Instrumentariums der deutschen Sicherheitsbehörden bei der Bekämpfung des internationalen Terrorismus“ provoziert,
wie die Bundesregierung 2006 in einem Bericht an das PKGr schrieb. Zweifel, die die
Deutschen ausräumen wollten.
Frank-Walter Steinmeier (links) war als
Kanzleramtschef unter Gerhard Schröder für die Geheimdienste zuständig. DPA
Der damalige Pofalla hieß Steinmeier.
Als Kanzleramtschef war der SPD-Mann
für die Geheimdienste zuständig. Heute betont er, die technische Möglichkeit der Totalüberwachung des Internets habe es damals noch gar nicht gegeben.
„Das sehen wir mit allergrößter Gelassenheit“, kontert Oppermann in diesem
Sinne die Angriffe aus der Union. Natürlich
habe es seit 2001 eine verstärkte Zusammenarbeit der Nachrichtendienste gegeben. „Wir sind ja dafür, dass die Dienste kooperieren, aber Kooperation darf doch
nicht bedeuten, dass es eine Kumpanei bei
der Komplettausspähung deutscher Bürger gibt.“
DANIEL BRÖSSLER
Aufbau Deutschland
Rekord-Steuereinnahmen
Die Kanzlerin kämpft für den Soli, will damit aber die Infrastruktur in Ost und West erneuern. Die Liberalen ärgert das
Aufkommen erhöht sich im ersten Halbjahr auf 277 Milliarden
Berlin – Man kann sagen, was man will –
beim Thema Steuern ist auf die schwarzgelbe Regierung einfach Verlass. Da mag
sie seit Wochen einigermaßen ruhig vor
sich hinregieren, wenn es um Steuern
geht, ist und bleibt zwischen Union und
FDP alles vergiftet. In den bald vier Jahren
gemeinsamen Regierens haben sie sich regelmäßig gezofft über die Frage, ob Steuersenkungen gut und machbar wären. Und
genau das gelingt ihnen jetzt wieder. Das
Beste, was sich über diesen Streit noch sagen lässt, ist die Tatsache, dass er diesmal
schon vor der Wahl stattfindet. Aus Sicht
der Wähler ist das ein echter Fortschritt:
Sie können den Konflikt diesmal in ihr Votum mit einfließen lassen.
In dem aktuellen Streit geht es um den
Solidaritätszuschlag, der inzwischen jährlich rund 13 Milliarden Euro in die Kassen
des Bundes spült. Er beträgt 5,5 Prozent
auf die Lohn- und Einkommen- sowie die
Kapitalertrags- und Körperschaftssteuer.
Die FDP will den Soli bis zum Ende des Solidarpakts II 2019 abschaffen. Mancher FDPPolitiker hat sogar erklärt, dass der Soli
schon bis zum Ende der nächsten Legislaturperiode 2017 auslaufen sollte. Das hat
nun Bundeskanzlerin Angela Merkel auf
den Plan gerufen. Wohlwissend, was so eine Debatte insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern auslösen könnte, erklärte sie am Wochenende, mit ihr sei das
nicht zu machen. Ja, es gebe mittlerweile
manche Region im Osten, der es besser gehe als mancher Region im Westen. Das
aber sei kein Grund, den Soli abzuschaffen. Vielmehr könnten einige Mittel nun
auch in notleidende Gebiete anderswo in
Deutschland umzuwidmen? Wie man am
Montag hören kann, beschleicht selbst prominente Christdemokraten hier Zweifel.
Offene Kritik freilich übten nur Liberale, allen voran FDP-Spitzenkandidat Rainer
Brüderle. Er sagte der SZ, der Soli sei ein
„Fremdkörper“ im Steuersystem und allein zur Finanzierung der Aufgaben aus
der Deutschen Einheit gedacht gewesen.
Deshalb müsse er spätestens mit dem Solidarpakt II im Jahr 2019 enden. „Wer andere Aufgaben zusätzlich finanzieren will,
FDP-Spitzenkandidat Brüderle
hält den Soli für einen
„Fremdkörper“ im Steuersystem
Es gibt auch im Westen Städte wie Mülheim, die hochverschuldet sind und Zuschüsse
FOTO: RALPH ORLOWSKI/GETTY
gut gebrauchen könnten.
Deutschland fließen. „Wenn ich auf die
nächsten Jahre blicke, sehe ich großen Investitionsbedarf, und zwar in ganz
Deutschland, etwa in Straße und Schiene“,
sagte sie der Welt am Sonntag. Sie könne
deshalb nicht erkennen, wie man einen Betrag von 13 Milliarden Euro „an anderer
Stelle einsparen könnte“.
Damit ist wieder Musik drin im Streit
zwischen Schwarzen und Gelben. Während die Liberalen in diesem Jahr auf große Steuersenkungsversprechen verzichten und deshalb wenigstens beim Solidaritätszuschlag ein bisschen Entlastung er-
kämpfen möchten, ruft die Kanzlerin:
Kommt mit mir nicht in Frage. Dabei verschweigt die CDU-Vorsitzende freilich,
dass sie die FDP-Idee nicht nur im Grundsatz für falsch hält, sondern auch als Gefahr für die eigene Glaubwürdigkeit empfindet. Denn ausgerechnet die MerkelCDU hat in ihrem Wahlprogramm jene Investitionen in die Infrastruktur ankündigt,
die Merkel offenbar auch aus Mitteln des
Solidaritätszuschlags finanzieren möchte.
Deshalb stellt sich eine Frage: Ist es redlich, ein für den Aufbau Ost geschaffenes
Instrument in ein Aufbauprogramm
soll klar sagen, dass er eine neue Steuer
möchte.“ Wer das nicht wolle, müsse angesichts der Schuldenbremse „konkrete Einspar- beziehungsweise Umschichtungsvorschläge machen.“ Brüderle wehrt sich gegen Merkels Stopp-Ruf. Noch mehr aber ärgert ihn der Versuch, eine Sondersteuer
ewig fortzuschreiben.
Dabei stellt nicht einmal Brüderle in Frage, dass der Investitionsbedarf groß ist. Gerade in westdeutschen Flächenländern
sind viele Straßen und Schienen marode.
Thüringens Ministerpräsidentin Christine
Lieberknecht hatte deshalb einen Deutschland-Fonds ins Spiel gebracht – und viel
Lob geerntet. Wahrscheinlich wird über solche Ideen frühestens in zwei, drei Jahren
entschieden. Trotzdem ist dieser schwarzgelbe Streit kein Scheingefecht. Es geht
um Redlichkeit und um viele Milliarden Euro. STEFAN BRAUN
R Wirtschaft
Berlin – Es klingt paradox: Da dümpelt die
Wirtschaft in Deutschland lange mehr
schlecht als recht vor sich hin, zugleich
aber eilen die Steuereinnahmen von Bund,
Ländern und Gemeinden von Rekord zu Rekord. So auch im Juni: Laut Finanzministerium stieg das Steueraufkommen im Vergleich zum Vorjahresmonat um kräftige
4,3 Prozent. Im gesamten ersten Halbjahr
strichen die Minister und Kämmerer damit 277 Milliarden Euro ein. Das entspricht
einem Plus von 3,5 Prozent und ist deutlich
mehr, als der Arbeitskreis Steuerschätzung noch vor Wochen vorausgesagt hatte.
Tatsächlich ist es gar kein Widerspruch,
denn die Steuereinnahmen sind das, was
Ökonomen einen „nachlaufenden Indikator“ nennen. Einfacher gesagt: Die wirtschaftliche Entwicklung macht sich wegen
des nachträglichen Zahlungseingangs vieler Steuern stets erst mit sechs bis neun Monaten Verspätung in der Staatskasse bemerkbar. Gut möglich also, dass es im
Herbst genau umgekehrt kommt: Die Wirtschaft wächst längst wieder ordentlich,
gleichzeitig findet der Steuerboom wegen
der Nachwirkungen des trüben Winters
2012/13 ein vorläufiges Ende.
Zum guten Ergebnis im ersten Halbjahr
trug vor allem die Lohnsteuer bei. Ihr Aufkommen erhöhte sich um fünf Milliarden
auf gut 75 Milliarden Euro. Laut Finanzministerium hat der deutliche Anstieg gleich
zwei Ursachen: die hohe Beschäftigtenzahl
und die teils kräftige Erhöhung der Tariflöhne. Noch kräftiger war das Plus bei der
veranlagten Einkommensteuer, zu der etwa die Steuervorauszahlungen der Selbständigen gehören. Der Zuwachs weist laut
Regierung ebenso auf ein „stabiles binnenwirtschaftliches Umfeld“ hin wie die gute
Entwicklung des Körperschaftsteueraufkommens. Es stieg im Vorjahresvergleich
um mehr als neun Prozent auf gut 11,4 Milliarden Euro. „Angesichts des schwierigen
außenwirtschaftlichen Umfelds, von dem
besonders und unmittelbar die stark exportorientierten Kapitalgesellschaften betroffen sind, weist auch das Aufkommen
der Körperschaftsteuer bisher ein erstaunlich beständig hohes Niveau auf“, heißt es
im Bericht des Finanzministeriums. Bezahlt wird die Steuer im Wesentlichen von
Aktiengesellschaften und GmbHs.
Die Einnahmen aus der Mehrwertsteuer legten hingegen nur um 0,8 Prozent auf
96,3 Milliarden Euro zu. Grund für den vergleichsweise geringen Anstieg war der Negativtrend bei der Einfuhrumsatzsteuer,
der wiederum auf ein gesunkenes Importvolumen und niedrigere Preise für die Einfuhr von Rohstoffen zurückzuführen ist.
Die insgesamt gute Entwicklung der
Steuereinnahmen machte sich allerdings
in den einzelnen öffentlichen Kassen sehr
unterschiedlich bemerkbar: Während sich
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble
mit einem Plus von 1,1 Prozent zufrieden
geben musste, verbuchten seine Länderkollegen einen Zuwachs von 3,5 und die Europäische Union gar von 16,7 Prozent. Die
Länder profitierten dabei vor allem von
den Steuerarten, deren Aufkommen ihnen
allein zusteht. Dazu zählen unter anderem
die Grunderwerb- (plus 8,7 Prozent), die
Erbschaft- (plus 16,9 Prozent) sowie die
Rennwett- und Lotteriesteuer (plus 28,5
Prozent).
CLAUS HULVERSCHEIDT
POLITIK
DEFGH Nr. 168, Dienstag, 23. Juli 2013
2MG
EU bewertet Hisbollah
als Terrororganisation
AUSLAND
Weniger Mädchen beschnitten
Washington – Die Tradition der Mädchenbeschneidung verliert an Bedeutung. Inzwischen spreche sich die Mehrheit der Menschen in den meisten betroffenen Ländern dafür aus, diese
Form der Genitalverstümmelung abzuschaffen, heißt in einem UNICEF-Bericht, der am Montag in Washington
vorgestellt wurde. Dennoch liefen weiter jährlich drei Millionen Mädchen
Gefahr, beschnitten zu werden. EPD
Radikalislamische Miliz heizt auch den Konflikt in Syrien an.
Dialog mit der Regierung in Beirut soll aber weitergehen
VON JAVIER CÁCERES
Syrien will Kredit aufnehmen
Moskau – Nach mehr als zwei Jahren
blutigen Bürgerkriegs verhandelt das
syrische Regime mit dem engen Partner
Russland über einen Kredit. Er hoffe,
dass es noch in diesem Jahr eine Einigung geben werde, sagte der syrische
Vizeregierungschef Kadri Dschamil am
Montag nach einem Treffen mit dem
russischen Außenminister Sergej Lawrow in Moskau. Der Minister kündigte
zudem an, dass sowohl die Führung um
Machthaber Baschar al-Assad als auch
die regierungsnahe Opposition an der
geplanten Friedenskonferenz in Genf
teilnehmen würden. DPA
PKK-Chef hofft auf Einigung
Istanbul – Trotz deutlicher Warnungen
vor einem Scheitern hält der inhaftierte
Kurdenführer Abdullah Öcalan am
Friedensprozess mit der türkischen
Regierung weiter fest. „Ich habe die
Hoffnung vorläufig nicht aufgegeben “,
sagte Öcalan laut der Kurdenpartei
BDP. „Aber die Regierung muss sich
schnell bewegen.“ BDP-Vertreter hatten
Öcalan auf der Gefängnisinsel Imrali im
Marmarameer besucht. DPA
Misstrauensvotum blockiert
Kabul – Das afghanische Parlament hat
Innenminister Ghulam Mudschtaba
Patang wegen der anhaltenden Gewalt
im Land das Vertrauen entzogen. Parlamentspräsident Abdul Rauf Ibrahimi
rief nach der Abstimmung am Montag
Staatsoberhaupt Hamid Karsai auf,
Patang zu entlassen. Der Präsident will
aber eine Entscheidung des Verfassungsgerichts abwarten. In den vergangenen vier Monaten sind 2748 Polizisten bei Angriffen der Aufständischen
getötet worden. REUTERS
Offensive gegen Farc-Guerilla
Rio de Janeiro – Kolumbiens Präsident
Juan Manuel Santos hat eine Offensive
gegen die Rebellen der Guerillagruppe
Farc angekündigt. Zuvor waren bei
Kämpfen 19 Soldaten ums Leben gekommen. Auch mehrere Rebellen wurden getötet. Regierung und Farc führen
auf Kuba Gespräche zur Beendigung
des Jahrzehnte andauernden Krieges. EPD
Briten erhalten
Porno-Filter
Premier Cameron geht
gegen Angebote im Internet vor
München – Premierminister David Cameron will gefährlicher sexueller Freizügigkeit im Netz den Kampf ansagen, mit einem automatischen Filter gegen Pornografie für alle britischen Nutzer des Internets.
Für neue Kunden sollen die Internetanbieter bis zum Ende des Jahres entsprechende
Seiten blockieren – es sei denn, der Nutzer
verzichtet explizit auf diesen Filter. Alle
19 Millionen Haushalte, die bereits einen
Internetanschluss besitzen, werden zwingend mitteilen müssen, ob sie die Blockade
ein- oder ausschalten möchten. Wer die
Frage ignoriert, erhält den Filter.
Es ist der bisher schärfste Schritt der britischen Regierung gegen Online-Pornografie und Teil eines ganzen Pakets an Maßnahmen: Cameron will den Besitz von „extremer Pornografie“ genau wie in Schottland nun auch in England und Wales gesetzlich verbieten, darunter fällt zum Beispiel die Nachahmung von Vergewaltigungsszenen. Die Polizei soll durch eine
spezielle Datenbank schneller verbotene
Kinderpornos und deren Konsumenten
aufspüren können. Außerdem fordert Cameron eine „schwarze Liste“ bestimmter
pornografischer Begriffe, damit Suchmaschinen wie Google oder Bing solche Ergebnisse erst gar nicht anzeigen. Dass die Pläne nicht nur auf Wohlwollen stoßen werden, ist Cameron bewusst: Er rechnet mit
einer Auseinandersetzung zwischen Regierung und Internetanbietern. Letztere würden sich nach Meinung Camerons nicht
hinreichend ihrer Verantwortung stellen.
„In den dunkelsten Ecken des Internets
gibt es Dinge, die eine direkte Gefahr für
unsere Kinder darstellen und die ausgemerzt werden müssen“, sagte der britische
Premier. Zugleich regte er an, dass sich
beim Zugriff etwa auf Seiten mit Kinderpornografie ein Fenster (Pop-up) öffnet,
das die Telefonnummer einer Beratungsstelle für Pädophile anzeigt.
Der frühere Chef des britischen Zentrums zum Schutz vor Ausbeutung von Kindern, Jim Gamble, sieht die geplanten Neuerungen jedoch skeptisch: Man müsse jene
fassen, die Kinderpornografie produzierten, und nicht nur die Konsumenten. Über
Pop-ups lachten die meisten Internetnutzer doch sowieso nur. Bisher stand Premier Cameron in der Kritik, zwar viel über seine Pläne gegen Online-Pornografie zu reden, aber nichts davon in die Tat umzusetzen.
PIA RATZESBERGER
7
Papst auf Reisen
Die erste Auslandreise von
Papst Franziskus begann turbulent: Unmittelbar nach seiner Ankunft in Rio de Janeiro am
Montag wurde sein Auto mehrmals von jubelnden Menschenmassen gestoppt (FOTO: ALINE MASSUCA/DPA). Die Sicherheitskräfte
schafften es nicht, die Menschen auf Distanz zu halten. Einige
warfen Briefe und Geschenke in das Auto. Am Abend teilte die
Armee dann mit, dass nahe einem Schrein, den der Papst am
Mittwoch besuchen will, ein Sprengsatz entschärft worden sei.
Der Pontifex ist zum Weltjugendtag nach Brasilien gereist, in ei-
ne belagerte Hochburg des Vatikans. Zwar finden sich nirgendwo auf der Welt mehr Katholiken, etwa 123 Millionen. Aber evangelikale Kirchen machen dem Klerus Konkurrenz. Seit Wochen
protestieren Brasilianer gegen Korruption, Geldverschwendung und miserable Infrastruktur. Auch während des Besuchs
von Jorge Bergoglio bis Sonntag sind Demonstrationen vorgesehen, jedoch in der Regel nicht gegen den Papst. Dennoch wollte
er im offenen Auto durch Rio fahren, zum Schrecken der Veranstalter. Erwartet werden Hunderttausende Pilger. Zum Schutz
bietet Brasilien Zehntausende Soldaten und Polizisten auf. PB
Brüssel – Die Europäische Union stuft den
militärischen Arm der libanesischen Hisbollah-Bewegung als Terrorgruppe ein. Eine entsprechende Entscheidung fällten
die Außenminister der 28 EU-Regierungen am Montag in Brüssel. „Es ist gut, dass
die EU entschieden hat, die Hisbollah als
das zu bezeichnen, was sie ist: eine terroristische Organisation“, sagte der niederländische Außenminister Frans Timmermans, dessen Land vor Jahren die gesamte
Hisbollah-Bewegung, also auch den politischen Arm, als terroristisch eingestuft hat.
Bundesaußenminister Guido Westerwelle
(FDP) sprach von einer „glasklaren Entscheidung“, die „nicht nur gerechtfertigt,
sondern auch notwendig“ sei. Diese Entscheidung besage: „Wir dulden keinen Terror von nichts und niemandem in Europa.“
Die Entscheidung bedeutet, dass Geldmittel und Vermögenswerte der Hisbollah
in der EU beschlagnahmt werden können.
Zudem gelten verstärkte Maßnahmen zur
Polizei- und Justiz-Zusammenarbeit. Unklar ist, wie groß die Vermögenswerte der
Hisbollah in Europa sind. Offenbar sind
zurzeit auch keine Maßnahmen gegen Angehörige der Hisbollah vorgesehen. Allerdings zeigte sich Timmermans überzeugt
davon, dass mit der Listung die Handlungsfähigkeit der Hisbollah entscheidend begrenzt wird. Der Antrag auf Listung der israelfeindlichen Hisbollah war Ende Mai
von der britischen Regierung eingebracht
worden. Er fußte insbesondere auf Erkenntnissen der bulgarischen und zyprischen Justizbehörden zu je einem vollendeten und einem vereitelten Anschlag, die
der Hisbollah zugeschrieben werden.
Im bulgarischen Ferienort Burgas waren bei einem Attentat auf einen mit israelischen Touristen besetzten Bus im Juli 2012
sechs Menschen ums Leben gekommen;
im zyprischen Limassol wurde ein Mann
mit Verbindungen zur Hisbollah verurteilt,
der israelische Touristen ausgespäht hatte. Westerwelle nannte zwar keine Ermittlungsdetails. Er unterstrich allerdings,
dass die Faktenlage hinreichend klar sei,
um eine juristisch wasserdichte Entscheidung über die Listung der Hisbollah zu treffen. Organisationen, die als terroristisch
eingestuft werden, können juristisch gegen diese Entscheidung vorgehen.
Befeuert wurde die Debatte über die Listung der Hisbollah aber nicht nur durch
die Terrorattacken des Sommers 2012, sondern auch durch die Solidarisierung der radikalislamischen Miliz mit dem syrischen
Diktator Baschar al-Assad. Die Hisbollah
kämpft in Syrien an der Seite der regierungstreuen Truppen. Darauf spielte auch
der österreichische Außen-Staatssekretär
Reinhold Lopatka an. Er erklärte am Ran-
de der Außenministertagung, letztlich sei
„das Gesamterscheinungsbild der Hisbollah“ entscheidend gewesen.
Anträge auf Listung der Hisbollah waren in früheren Jahren stets im Sande verlaufen. Auch der jüngste Vorstoß war lange
umstritten. Eine Gruppe von Ländern
scheute die Ächtung der Hisbollah, weil ihr
politischer Arm ein wichtiger innenpolitischer Faktor in Libanon ist und befürchtet
wurde, dass eine demonstrative Ächtung
der Miliz das Land noch weiter destabilisieren könnte. Die Hisbollah ist dort über ihre
Partei im Parlament vertreten und eine
wichtige Stütze der Regierung. Eine Reihe
von EU-Ländern willigten der Listung daher nur unter der Bedingung ein, dass der
politische Dialog, insbesondere mit der libanesischen Regierung, fortgesetzt werden könnten. Westerwelle nannte dies eine
„kluge, balancierte Entscheidung“.
Der libanesische Premier
bedauert die Entscheidung
der EU-Außenminister
Weitere Bedenken kamen von EU-Mitgliedstaaten, die in der Region an UN-Missionen beteiligt sind, etwa an der Unifil-Beobachtungsmission in Libanon selbst. Der
britische Außenminister William Hague
versuchte, derartige Befürchtungen zu zerstreuen – unter anderem mit Verweis darauf, dass London den militärischen Arm
der Hisbollah schon vor gut fünf Jahren als
Terrororganisation bezeichnet hatte, aber
dennoch mit den Libanesen und ihrer Regierung im Gespräch geblieben ist. Man
steuere beispielsweise Geld zum Unterhalt
der Grenztruppen, aber auch für humanitäre Hilfsaktionen bei. Die Listung werde
„die starken Beziehungen der Europäischen Union und Großbritannien zum Libanon in keiner Weise in Mitleidenschaft ziehen“, unterstrich Hague.
Die libanesische Regierung bedauerte
den Beschluss: „Wir hätten uns eine besonnenere Bewertung der Tatsachen gewünscht“, erklärte Premier Nadschib Mikati. Die libanesische Gesellschaft werde
aber weiterhin die „besten Beziehungen“
zu den EU-Ländern unterhalten. Israels Regierung hingegen begrüßte die Entscheidung. Vize-Außenminister Zeev Elkin erklärte, Israel habe viel Zeit investiert, um
diesen „bedeutenden“ EU-Beschluss zu erreichen. Allerdings wäre Israel eine Einstufung der gesamten Hisbollah als Terrororganisation noch lieber gewesen. Premier
Benjamin Netanjahu hatte skeptische europäische Politiker telefonisch zu der Entscheidung gedrängt. US-Außenminister
John Kerry erklärte, der Beschluss sende eine „starke Botschaft“ an die Hisbollah,
dass ihre Taten nicht straflos blieben.
Schlappe für Präsidenten
Krawalle nach Polizeikontrolle
Portugals Parteien lehnen Regierung der nationalen Einheit ab
Eine Muslima soll bei Paris ihren Schleier lüften – am Ende brennen Autos
München – Der Staatspräsident ist in Portugal mehr als ein Abnicker von Gesetzen
und Ernennungen. Die Verfassung stattet
das Staatsoberhaupt mit Kompetenzen
aus, die überdurchschnittlich sind in einem parlamentarischen System. So kann
er ohne großes Wenn und Aber das Parlament auflösen und Neuwahlen ansetzen.
Daran hat Aníbal Cavaco Silva die konservativ-liberale Regierungskoalition in einer
Rede am Sonntagabend eindringlich erinnert. Es klang wie eine letzte Warnung, keinen solchen Zirkus mehr zu veranstalten
wie in den vergangenen drei Wochen.
Portugals Präsident
Aníbal Cavaco Silva
hat sich in der Krise
des Landes bisher
als Mahner profiliert, der dazu aufruft, beim Sparen
das rechte Maß nicht
aus den Augen zu
verlieren. FOTO: AFP
Das ist allein deshalb bemerkenswert,
weil Präsident Cavaco Silva und Regierungschef Pedro Passos Coelho eigentlich
demselben politischen Lager entstammen. Bisher sind sie mit verteilten Rollen
aufgetreten: Während Passos Coelho für
die Härten zuständig ist, profiliert der Präsident sich gerne als überparteilicher Mahner, der dazu aufruft, beim Sparen Maß zu
halten. Nach Meinung der Opposition ist
das nichts anderes als ein Böser-Bulle-Guter-Bulle-Spiel. Dabei mitzumachen, hat
sich die Opposition nun geweigert. Cavaco
Silvas Plan, die Parteien zu einer Regierung der nationalen Rettung zu überreden,
ist gescheitert. So blieb ihm nichts anderes
übrig, als der bisherigen Koalition am
Sonntag grummelnd sein Placet zu geben.
Mit dem wochenlangen Streit hatte das
Bündnis dem Land etwas beschert, was es
am wenigsten braucht: Aufmerksamkeit –
was sich sofort an den Kapitalmärkten bemerkbar machte. Nicht umsonst betonte
Cavaco Silva am Sonntag, Portugal sei ein
„regierbares“ Land. Zweifel daran geweckt
hatte vor allem einer, der als Krisengewinnler nun mehr Macht hat als je zuvor: Paulo
Portas, Chef des kleinen Koalitionspartners CDS.
Alles begann vor drei Wochen, als der Architekt des Sparkurses, Finanzminister Vitor Gaspar, zurücktrat. Er war der beliebteste portugiesische Minister in Brüssel,
was in einem südeuropäischen Krisenland
fast automatisch mit sich bringt, zu Hause
der unbeliebteste Politiker zu sein. Das
aber war es nicht, was Gaspar zum Rücktritt trieb. Es war der aus seiner Sicht nachlassende Wille der Regierung, das Sparprogramm so umzusetzen, wie es die Troika
will und damit das Ziel zu erreichen, 2014
den Euro-Rettungsschirm zu verlassen.
Als Nachfolgerin wurde Maria Luís Albuquerque nominiert, die in Gaspars Sinne
weitermachen will. CDS-Chef Paulo Portas
ergriff die Gelegenheit für einen Akt, den
seine Kritiker ihm als Populismus ankreiden. Schon vorher hatte er stets betont,
dass er den Sparprogrammen nur notgedrungen zustimme. Nun erklärte Portas
seinen Rücktritt als Außenminister wegen
grundsätzlicher Differenzen. Die Koalition
wackelte – solange, bis Passos Coelho nachgab, und für Portas den neuen Posten eines
Vizeregierungschefs erfand, als der er
auch noch Verhandlungsführer mit Brüssel ist. Cavaco Silva, der Portas für einen unsicheren Kantonisten hält, schäumte. Der
Präsident verweigerte seine Zustimmung,
sodass Portugals Regierung wochenlang
praktisch handlungsunfähig war.
Derweil bastelte Cavaco Silva an einer
Lösung, die ihm besser gefallen würde: eine Regierung unter Einschluss der Sozialisten. Die hatten das erste Sparpaket 2011
während ihrer Regierungszeit in einem suizidalen Akt beschlossen, um danach vom
Wähler auf die Oppositionsbank verbannt
zu werden. Seitdem sind sie nicht müde geworden, gegen neue Sparpakete zu opponieren. Die Parteien verhandelten, das Ergebnis war das zu erwartende: kein Pakt.
Die Sozialisten haben gute Umfragewerte
und würden Neuwahlen bevorzugen – was
genau der Grund ist, warum Cavaco Silva
diese auf keinen Fall will. Das Ergebnis
nach drei Wochen Krise lautet also: Fast alles bleibt beim Alten.
Derweil befindet sich das Land im dritten Rezessionsjahr in Folge. Die Notenbank hat die Wachstumprognose für 2014
auf 0,3 Prozent gesenkt – was schon eine
enorme Steigerung wäre angesichts eines
Rückgang des Bruttoinlandsproduktes
von zwei Prozent dieses Jahr. Aus welchen
Sektoren dieser Schub kommen soll, darauf hat bisher keine Partei eine Antwort.
Die Notenbank erwartet daher einen weiteren Rückgang des privaten Konsums, was
nicht überrascht: Der durchschnittliche
Bruttojahresverdienst in der Industrie und
in der Dienstleistung liegt bei etwa 16 000
Euro, in der Gastronomie und auf dem Bau
erheblich niedriger. SEBASTIAN SCHOEPP
Paris – Der seit Jahren schwelende Streit
zwischen der laizistischen Republik Frankreich und der radikalen Minderheit unter
ihren etwa sechs Millionen muslimischen
Einwohnern ist in der kleinen Stadt Trappes westlich von Paris mit voller Wucht ausgebrochen. Anlass war die Routinekontrolle einer Polizeistreife. Die Beamten hielten
am Freitagabend eine vollverschleierte
Frau an und forderten sie auf, den Gesichtsschleier zu entfernen, um sie zu identifizieren. Das Tragen der Burka ist seit dem Jahr
2010 per Gesetz verboten. Daraufhin soll
der Mann der Frau die drei Polizisten angeschrien, bespuckt und geschlagen haben.
Angeblich hat er auch einen der Beamten
am Hals gefasst und gewürgt.
Während ein Gerichtsmediziner am
Hals des Polizisten Würgemale feststellte,
behauptet ein Verein zur Bekämpfung der
Islamophobie, die offizielle Darstellung
stimme nicht. Die Polizisten hätten es an
Respekt fehlen lassen und die Frau wie einen Hund angeschrien. Der Ehemann der
Betroffenen wurde festgenommen, später
aber bis zum Prozess wieder nach Hause
geschickt. Noch während seines Gewahrsams auf der Polizeiwache forderten drei
Dutzend Gleichgesinnte seine Freilassung,
wurden jedoch abgewiesen. Darauf kam es
zu schweren Krawallen, in deren Verlauf
mehrere Hundert Demonstranten die Polizeiwache mit Pflastersteinen und MolotowCocktails bewarfen. Mehr als 20 Autos gingen in Trappes und anliegenden Gemeinden in Flammen auf. Bushaltestellen wurden demoliert, Mülltonnen angezündet.
Ein Unbekannter versuchte, Polizisten auf
der Straße mit seinem Auto zu überfahren.
Trotz Verfolgung durch einen Hubschrauber konnte er entkommen.
Seit Sonntag herrscht in Trappes wieder
Ruhe. Mannschaftswagen der Polizei
schützen die zentralen Punkte der Stadt,
die im Krieg unter schweren Luftangriffen
zu leiden hatte und in den vergangenen
Jahren unter beträchtlichem Aufwand saniert wurde. Die soziale Erneuerung, so
Vier Formen der Verschleierung (von links im Uhrzeigersinn): der Hijab, der Niqab, die
FOTOS: AFP
Burka und der Tschador.
werfen Kritiker der Regierung vor, sei jedoch völlig vernachlässigt worden. Wegen
der Ausschreitungen wurde in einem
Schnellverfahren ein 19-Jähriger zu sechs
Monaten Haft verurteilt; es soll aber geprüft werden, ob ihm die Haft etwa durch
das Tragen einer Fußfessel erspart bleibt.
Zwei weitere Angeklagte, denen ebenfalls
vorgeworfen worden war, Steine auf Polizisten geworfen zu haben, sprach das Strafgericht von Versailles am Montag frei.
Das Tragen einer Burka
ist seit dem Jahr 2010 verboten
Sowohl die verschleierte Frau als auch
ihr Mann sind Konvertiten zum Islam. Die
20 Jahre alte Cassandra B. stammt aus Martinique, ihr Mann Michael K. soll russischnordafrikanischer Herkunft sein. Beide gehören einem Zirkel von Salafisten an, die einen besonders strikten Islam pflegen und
in Trappes offenbar relativ viele Anhänger
haben. Wie stets, wenn Fundamentalisten
mit der Staatsgewalt in Konflikt geraten,
tritt ein gewisser Solidarisierungseffekt
zwischen den Radikalen und der großen
Mehrheit der gemäßigten Muslime ein.
„Warum kann die Polizei die verschleierten Frauen nicht wenigstens ein paar Tage
in Ruhe lassen?“, zitiert die Zeitung Le Monde eine Einwohnerin. „Bei dieser Hitze ist
es im Ramadan schon schwierig genug, zu
fasten.“ Der Präsident des Departements
Yvelines, Erard Corbin de Mangoux, erklärte, eine kleine Gruppe nutze jede Gelegenheit, um in der Stadt Feuer zu legen.
Die sozialistische Regierung muss ein
Verbot durchsetzen, das ihre Mehrheit
nicht wollte. Das einschlägige Gesetz wurde auf Betreiben des früheren konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy eingeführt. Im Parlament wurde es von der damaligen Mehrheit der Rechten und der Mitte verabschiedet. Nur 14 sozialistische Abgeordnete stimmten dafür, unter ihnen
freilich der jetzige Innenminister Manuel
Valls. Der französische Premierminister
Jean-Marc Ayrault nahm an der Abstimmung nicht teil, gab jedoch zu verstehen,
dass seine Fraktion sich der Annahme der
Vorlage nicht widersetzen werde.
Minister Valls besuchte am Montag die
Wache in Trappes und sprach der Polizei
sein volles Vertrauen aus. „Der Staat lässt
mit sich keine Scherze treiben“, sagte er.
„Die Lage ist unter Kontrolle.“ Von einem
Teil seines eigenen Lagers wird Valls für seine kompromisslose Haltung immer wieder heftig kritisiert. RUDOLPH CHIMELLI
8
POLITIK
HMG
Dienstag, 23. Juli 2013, Nr. 168 DEFGH
Demokratie per Dekret
Experten erarbeiten Korrekturen an der ägyptischen Verfassung. Diese sollen Wahlen in nicht einmal sechs Monaten
ermöglichen. Doch die Gräben zwischen den politischen Lagern sind tief. Bei Krawallen sterben vier Menschen
Mehr als hundert Tote bei Anschlägen seit dem Wochenende
Paris – Im Irak sind durch Bombenattentate und Überfälle seit dem Wochenende
mehr als hundert Menschen umgekommen. Die schlimmste Serie von Anschlägen ereignete sich am Samstagabend, als
in Bagdad an zwölf verschiedenen Stellen
der Stadt zeitgleich mit Sprengstoff präparierte Autos explodierten. Dabei wurden
71 Menschen getötet und 125 verletzt. Die
Täter hatten den Zeitpunkt offensichtlich
so gewählt, dass nach dem abendlichen
Fastenbrechen im Monat Ramadan möglichst viele Leute ihre Häuser verlassen hatten. Einkaufsstraßen und Cafés sind um
diese Zeit gut frequentiert. Die schlimmste
Welle von Gewalt, die das Land seit fünf
Jahren erlebt, hat allein seit Beginn des Ramadan am 10. Juli etwa 300 Opfer gefordert.
VON SONJA ZEKRI
Kairo – Während der Graben zwischen
den politischen Lagern in Ägypten unverändert groß ist, hat die Arbeit an der neuen
Verfassung begonnen. Am Sonntag ist eine
Expertenkommission aus vier Jura-Professoren und sechs Richtern zusammengetreten. Diese soll in den nächsten 30 Tagen
Korrekturen an der Verfassung vorlegen.
Der Anfang Juli durch Massenproteste und
das Militär entmachtete Präsident Mohammed Mursi hatte mithilfe der Islamisten
unter dem Protest von Säkularen, Moderaten und Christen im Herbst 2012 eine Verfassung durchgesetzt. Nach seinem Sturz
war diese außer Kraft gesetzt worden. Interimspräsident Adli Mansur erließ per Dekret eine Rumpfverfassung, in der einige
der umstrittenen islamistisch geprägten
Passagen enthalten sind, ebenso wie die
Unabhängigkeit der Militärgerichte.
Auch der Zeitplan für die neue Verfassung und Wahlen ist nach Ansicht von Beobachtern ambitioniert. So soll das erste juristische Gremium nach 30 Tagen seine
Vorschläge einer Kommission mit 50 Mitgliedern vorlegen, unter ihnen Vertreter
aus Parteien, Gewerkschaften, Kirchen,
der Ashar-Universität, von Militär und Polizei sowie der Jugend und Frauen. Zwei Monate später soll die Kommission ihren Entwurf Übergangspräsident Mansur vorlegen, der wiederum 30 Tage später ein Referendum abhalten soll. Danach werden ein
neues Parlament und der Präsident gewählt. Alles in allem soll diese neue Übergangsphase kein halbes Jahr dauern.
In der aufgeheizten Atmosphäre haben
bisher nur wenige politische Gruppen erfasst, dass auch dieser neue Fahrplan zur
Demokratie in den Händen weniger mächtiger Männer liegt, dass er von der Armee
verordnet, von Richtern umgesetzt und
von einer verstörten Öffentlichkeit kaum
in allen Details erfasst werden kann. Damit ist es wahrscheinlich, dass die Vorschläge der Kommission und der Öffentlichkeit
eben dieses bleiben werden: Vorschläge.
Die Muslimbrüder und ihre Anhänger
halten an ihrem Protest gegen die Entmachtung Mursis fest. Am Montag starben
bei Zusammenstößen vier Menschen. Auf
dem Tahrir-Platz in Kairo wurde ein Demonstrant getötet, in Kaljub am Nordrand
der Hauptstadt starben laut Polizei drei
weitere Menschen. Die Muslimbrüder lehnen jede Teilnahme am politischen Leben
ab, solange Mursi nicht zurückkehrt. Da-
Schlimmste Welle der Gewalt
seit fünf Jahren im Irak
Die Schlachtfelder in Syrien
und im Irak wachsen zusammen,
sagt UN-Vertreter Kobler
Ein Land auf der Suche nach seiner Identität: Die starke Rolle des Militärs in Ägypten bereitet vielen Beobachtern große
FOTO: MOHAMED ABD EL GHANY / REUTERS
Sorge.
bei ist nicht einmal klar, wo sich der frühere Präsident aufhält. Seine Familie beschuldigte am Montag die Armee, Mursi entführt zu haben. Sie mache das Militär verantwortlich für die „Sicherheit“ ihres Vaters, sagte seine Tochter Schaimaa.
Auch die Außenminister der EU forderten am Montag in Brüssel die Freilassung
Mursis. Verwirrung hatte eine Meldung in
der staatlichen Zeitung Al-Ahram ausgelöst, in der von einer 15-tägigen Untersuchungshaft für Mursi die Rede war. Armeesprecher Ahmed Ali hatte diese Meldung
scharf zurückgewiesen, der Chefredakteur der Zeitung, Abdel Nasser Salama, sei
daraufhin vom Staatsanwalt vorgeladen
worden. Insofern ist es fraglich, ob die EU-
Außenminister mit ihrer jüngsten Forderung nach zügigen Neuwahlen wirklich zur
Stabilisierung des Landes beitragen. Gewiss, der Aufruf zur Freilassung der aus politischen Motiven Festgenommenen trägt
der Angst der Islamisten vor einer neuen
Verfolgungswelle Rechnung. Auch die Mahnung an das Militär, die Streitkräfte dürften keine politische Rolle in einer Demokratie spielen, wäre dringend zu beherzigen.
Allerdings gehen Experten davon aus,
dass eine sechsmonatige Übergangsphase
eher zu knapp als zu lang ist und ganz sicher nicht ausreicht, um die tief greifenden Differenzen und das Misstrauen auf
beiden Seiten auszuräumen. Viele Ägypter
reagieren mit Unmut auf die zaghaften In-
tegrationsversuche der Regierung; diese
möchten die Muslimbrüder und die Islamisten am liebsten aus dem politischen Leben ausschließen. Dies aber wird nur um
den Preis weiterer Unruhen und damit einer größeren Rolle der Sicherheitskräfte
zu erreichen sein. Die Muslimbrüder und
die Islamisten, das zeigen die Proteste der
vergangenen Tage, vertreten Millionen
Menschen in Ägypten. Die Versuche, sie
aus dem politischen Prozess auszuschließen, ähneln frappierend den Versuchen
der Islamisten, die den Einfluss der Säkularen und Moderaten begrenzen wollten.
Zwei Jahre nach dem Ende des Regimes
von Hosni Mubarak ringt Ägypten verbitterter denn je um seine Identität.
Am Sonntag griffen Bewaffnete einen
Kontrollposten der kurdischen Peschmerga-Miliz in Kirkuk, 300 Kilometer nördlich von Bagdad, an und erschossen fünf
der Wächter. Am Montag folgte ein Selbstmordattentäter mit seinem Auto einer Militärkolonne, bis diese bei Mossul, etwa
400 Kilometer nördlich der Hauptstadt,
hielt, um dann die Sprengladung zu zünden. Acht Soldaten und zwei Passanten
wurden getötet. Weitere 18 Personen, die
meisten davon Soldaten, wurden verletzt.
Schon in der Nacht auf Montag hatten
Terroristen zwei Gefängnisse angegriffen,
darunter den berüchtigten Kerker von Abu
Ghraib im Westen des Iraks, wo vorwiegend sunnitische Extremisten inhaftiert
sind. Während der zehnstündigen Gefechte konnten sieben Häftlinge fliehen, mindestens zwölf Angehörige des Wachpersonals wurden erschossen.
Obwohl niemand sich als Urheber der
Anschläge bekannte, deuten die Umstände auf Kampfgruppen hin, die al-Qaida nahestehen. Die sechs Stadtviertel von Bagdad, die am schwersten betroffen waren,
sind überwiegend von Schiiten bewohnt.
Am Tag zuvor hatte ein anderer Selbstmörder bei einem Sprengstoffanschlag auf eine sunnitische Moschee bei Bagdad
20 Menschen getötet. Seit Beginn des Jahres sind landesweit mehr als 2700 Iraker,
ganz überwiegend Schiiten, Opfer des Terrors geworden.
Fachleute führen die dramatische Verschlechterung der Lage auf die wachsende
Zusammenarbeit irakischer und syrischer
Extremisten zurück. „Die Schlachtfelder
wachsen zusammen“, wird der scheidende UN-Vertreter für den Irak, Martin Kobler, zitiert. „Das Geschehen in beiden Ländern steht in enger Verbindung.“ Irakische
Dschihadisten kämpfen in Syrien gegen
das Regime von Präsident Baschar al-Assad. Zugleich rüsten sie sich dort mit Waffen aus, welche die syrischen Rebellen in
den Lagern der Armee erbeutet haben, um
sie in der irakischen Heimat zu verwenden. Der Irak, so Kobler, sei die Bruchstelle
zwischen der sunnitischen und der schiitischen Welt. „Alles, was in Syrien geschieht, wirkt sich auf die politische Landschaft des Iraks aus.“ Programmatisch haben die sunnitischen Extremisten beider
Länder einen gemeinsamen „Islamischen
Staat im Irak und an der Levante“ proklamiert.
Die Grenzen beider Länder wurden
nach dem Ersten Weltkrieg ohne Rücksicht auf Ethnien oder Konfessionen von
den Kolonialmächten Großbritannien und
Frankreich gezogen. Bis zum Sturz des Diktators Saddam Hussein hatte stets die sunnitische Minderheit den Irak regiert. Nun
ist die Unzufriedenheit der Sunniten mit
der Herrschaft des schiitischen Premiers
Nuri al-Maliki die Wurzel der Unruhe. Als
besonders verletzend empfinden es die
Sunniten, dass Maliki ihren Vizepräsidenten Tarik al-Haschemi wegen „Anstiftung
zum Terrorismus“ zum Tode verurteilen
ließ. Dieser rettete sich durch Flucht erst
ins autonome Kurdistan, dann ins Ausland.
RUDOLPH CHIMELLI
TÜRKEI
SYRIEN
Mosul
Kurden
Kirkuk
Sunniten
IRAN
Abu Gbraib
IRAK
Bagdad
Schiiten
SAUDIARABIEN
200 km
Persischer
Golf
SZ-Karte: Mainka
Die Mission des Herrn Abe
Japans Regierungschef kündigt nach Wahlsieg umfassende Wirtschaftsreformen an
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spiegel-geschichte.
de/digital
Tokio – Japans Premier Shinzo Abe hat eine Mission. Er will das konservative stolze
Japan wiederaufleben lassen, das in den
Dreißigerjahren Nordostasien dominierte,
wie er in seinem Buch „Für eine schöne Nation” schrieb. Mit dem Sieg der Koalition
seiner Liberaldemokraten (LDP) und der
buddhistischen Komeito bei den Oberhauswahlen am Sonntag kontrolliert Abe nun
beide Kammern des Parlaments. Abe verstehe das Ergebnis als „Vertrauensbeweis”, sagte Kabinettssprecher Yoshihide
Suga am Montag.
Shinzo Abe hat in den vergangenen Monaten verstanden, dass er seine Mission gefährdet, wenn er zu laut über sie spricht. Er
hat auch von der Meiji-Restauration gelernt – der Revolution von oben, die Japan
zu einem modernen Staat und zur Kolonialmacht machte. Ihre Führer hielten sich an
das Prinzip „eine reiche Nation, eine starke
Armee”. Als Abe am Montag sagte, seine
Regierung werde sich auf den Kampf gegen die schon 15 Jahre anhaltende Deflation konzentrieren, dann tat er das auch,
weil er die Japaner nur mit einer erstarkten Wirtschaft für das ihm persönlich wichtigste Anliegen gewinnen kann, nämlich
die Änderung der Verfassung.
Zudem könnte ein ökonomisch stärkeres Japan Südkorea und China gegenüber
viel fordernder auftreten. In den Sechziger- und Siebzigerjahren hatte Tokio die
Entwicklung dieser Länder unterstützt;
und sich so der moralischen Pflicht entzogen, seine Vergangenheit aufzuarbeiten.
Sie wurde bislang verharmlost und geleugnet. Die Aufarbeitung der Gräuel, die
die japanische Armee in den Nachbarländern begangen hatte, ist Abe ein persönliches Anliegen: Sein Großvater Nobusuke
Kishi, Japans Premier von 1957 bis 1960, gehörte zu den Führern des militaristischen
Japan. Die US-Besatzer warfen Kishi als
Kriegsverbrecher ins Gefängnis, machte
ihm aber nie einen Prozess. Der Großvater
dankte es Washington, indem er 1960 gegen den Willen einer Mehrheit die Verlängerung der Militär-Allianz durchboxte.
Abe hätte, obwohl er am Montag erneut
davon sprach, keine Möglichkeit, die Verfassung zu ändern. Der Juniorpartner Komeito ist dagegen; er hat Abe am Montag
auch aufgerufen, seinen Nationalismus unter Kontrolle zu halten und nicht zum Yasukuni-Schrein zu pilgern – jener shintoistischen Gedenkstätte, mit der Japan seiner
Kriegstoten sowie 14 Kriegsverbrechern
gedenkt.
Die Unternehmen sitzen
auf 200 Billionen Yen
Ersparnissen
Die Rosskur, mit der Abe die Wirtschaft
ankurbeln will, nennt man „Abenomics”.
Das Programm setzt sich aus drei Maßnahme-Paketen zusammen, Abe selber
spricht von „drei Pfeilen in meinem Köcher”: einer radikal lockeren Geldpolitik,
großen Konjunkturprogrammen und
Strukturreformen. Mit letzteren, dem sogenannten „dritten Pfeil”, enttäuschte Abe
die Experten und die Märkte, als er sie im
Juni vorstellte. Es waren nur alte Pläne,
neu verpackt. Inzwischen hat er deshalb eine vierte Maßnahme und als fünften Pfeil
nun Steuererleichterungen für Unternehmen angekündigt.
Eine lockere Geldpolitik zur Bekämpfung der Deflation betrieb Japans Notenbank schon vor Abe, sie finanziert das Defizit des japanischen Staates seit Jahren.
Auch Konjunkturpakete schnürten alle Regierungen der vergangenen Jahre. Ohne Effekt. Japans Unternehmen sitzen auf
200 Billionen Yen Ersparnissen, das sind
1,5 Billionen Euro, sie wollen gar keine billigen Kredite. Derweil hat der Staat so hohe
Schulden, dass er die gesamten Steuereinnahmen von 24 Jahren bräuchte, um diese
TROUBADOURS Die Kunst der Minne
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KATHEDRALEN Die Schönheit der Gotik
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Japans rechtsnationaler Ministerpräsident Shinzo Abe in erster Reihe inmitten seiner Anhänger – beim Treffen der LDP im März in Tokio.
FOTO: REUTERS
abzuzahlen. Trotz minimaler Zinsen geht
ein Viertel des Staatshaushalts in den
Schuldendienst. Die bekannte Ökonomin
Noriko Hama glaubt, aus dieser Falle komme Japan nur mit einem Schuldenschnitt
heraus. Tokio müsse sich für insolvent erklären. Mit der Geldpolitik des gegenwärtigen Notenbank-Chefs Haruhiko Kuroda
rückte der Moment der Staats-Insolvenz
bedrohlich näher.
Auch mit seinen Konjunkturpaketen
hat Abe, der von Großprojekten träumt,
die Japan an die Weltspitze zurückbringen
würden, bisher wenig erreicht. Er hat das
Wiederaufbau-Budget der Tsunami-Gegend fast verdoppelt, aber die Leute dort
merken nichts davon. Das Geld versickert
irgendwo. An echten Reformen, die auch
die Privilegien seiner Freunde in der Industrie beschneiden und die Wirtschaft für
Startups, Frauen und Junge öffnen würde,
zeigt Abe bisher kein Interesse.
Böse Zungen nennen Abenomics auch
Kabukinomics. Nach dem traditionellen
Kabuki-Theater: nur Schein und Masken.
Nach der konfusen Regierungsführung
der Demokratischen Partei (DPJ) hat Abe
es mit selbstsicheren Auftritten und einem
bisher disziplinierten Kabinett geschafft,
die Leute zu überzeugen, er habe Japan unter Kontrolle – und sich selbst auch. Er hat
sich seltener Patzer und Ausfälle geleistet
als in seiner ersten Zeit als Premier. Das
hat viele Japaner, die seit Jahren auf den
Aufschwung warten, bewogen, ihm eine
Chance zu geben.
Zum Schein gehört auch, dass Abe es
schaffte, alle großen Medien zu Anhängern von Abenomics zu machen. Und dass
es Abe, einem Mann der Atomlobby, gelang, den Japanern einzureden, der damalige Premier Naoto Kan sei mitverantwortlich für die Katastrophe von Fukushima.
Der frühere Premier Kan hat deshalb kürzlich Strafanzeige gegen Abe eingereicht.
Nicht nur die Japaner warten seit Langem auf einen Aufschwung ihres Landes,
auch viele ausländische Fonds-Manager
und Immobilien-Anleger tun dies. Schon
als sich Abes Wahl im Dezember abzeichnete, begann deshalb ein Spekulations-Tourismus. Aus den USA und Europa floss viel
Geld in japanische Aktien und Top-Immobilien. Der Börsenkurs stieg um mehr als
die Hälfte. Abe deutete dies als Beleg, die
Wirtschaft ziehe an, die Märkte glaubten
an Abenomics. Die japanischen Investoren
warten ab, ob Abe tatsächlich dringend notwendige Strukturreformen gegen den Widerstand von Lobbygruppen durchsetzt.
Die Deflation zu überwinden, sagte Regierungschef Abe am Montag, sei „fast
schon eine historische Aufgabe”. Es sei geboten, „dass wir Entscheidungen für die
Zukunft Japans treffen“. Demnach hat der
59-jährige jetzt ein Mandat, Geschichte zu
schreiben. Aber seine bisherige Laufbahn
deutet eher darauf hin, dass er letztlich die
Geschichte umdeuten will.
CHRISTOPH NEIDHART
PANORAMA
DEFGH Nr. 168, Dienstag, 23. Juli 2013
9
HMG
Das Leben nach
dem Massaker
Ende einer
Geschäftsreise
Norwegen gedenkt der Opfer des
Massenmörders Anders Breivik
Norwegerin wird in Dubai nach
Vergewaltigungsurteil begnadigt
Der Massenmörder hat sein Ziel nicht erreicht. Anders Breivik, heute 34 Jahre alt,
wollte die vernichten, die er in seiner hasserfüllten Ideologie als Vaterlandsverräter
ansah, weil sie Norwegen dem Ansturm
der Muslime auslieferten. Am 22. Juli 2011
zündete er vor dem Regierungsgebäude in
Oslo eine gewaltige Bombe, die acht Menschen in den Tod riss, ehe er, als Polizist verkleidet, auf der Insel Utøya 69 Teilnehmer
eines Ferienlagers der AUF, der sozialdemokratischen Arbeiterjugend, erschoss
oder in den Tod trieb. Zwei Jahre später beweisen die Norweger, dass man Ideen
nicht mit dem Sturmgewehr auslöschen
kann. Zum ersten Mal nach dem Massaker
von Utøya lud die AUF wieder zu einem
Sommerlager ein, und es kamen mehr Teilnehmer als je zuvor. 750 Jugendliche trafen sich im Ferienlager Gulsrud am Ufer
des Tyrifjord-Sees. Bei klarem Wetter
kann man von dort Utøya sehen. Auf der Insel kamen am Montag – unter Ausschluss
der Öffentlichkeit – Überlebende des
Amoklaufs und Angehörige der Opfer zu einer Gedenkfeier zusammen.
In Oslo legte der norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg vor dem Gebäude, in dem sich bis zum Tag des Anschlags
auch sein Arbeitszimmer befand, einen
Kranz nieder. „Wir dürfen unsere Werte,
die am 22. Juli angegriffen wurden, nie aufgeben: Humanität, Vielfalt, Solidarität und
eine offene Gemeinschaft“, sagte Stoltenberg. „Sie sind unsere stärkste Waffe und
unsere stärkste Verteidigung gegen Gewalt und Terror.“ Stoltenberg hatte sich in
den Tagen nach Breiviks Terroranschlag
durch sein besonnenes und mitfühlendes
Auftreten großen Respekt erworben. „Unsere Antwort auf den Terror lautet: mehr
Offenheit, mehr Demokratie, aber keine
Naivität“, sagte er damals. Nachdem Breivik knapp ein Jahr nach dem beispiellosen
Verbrechen zu 21 Jahren Haft verurteilt
worden war, wurde aber auch Kritik an den
Sicherheitsvorkehrungen und am teilweise chaotischen Einsatz der Polizei laut.
Heute sei das Land besser auf Terrorangriffe vorbereitet, sagte Stoltenberg. „Wir haben analysiert, gelernt und gehandelt. Wir
haben eine bessere Überwachung, mehr
Hubschrauber und mehr Polizei.“
Kairo – Eine Norwegerin, die in Dubai
nach einer Vergewaltigung unter anderem
wegen außerehelichem Sex zu einer 16-monatigen Haftstrafe verurteilt worden war,
ist begnadigt worden und kann Dubai nun
verlassen. Die Innenarchitektin Marte Deborah Dalelv war im März bei einer Geschäftsreise nach Dubai von einem Kollegen vergewaltigt worden. Drei Tage nachdem sie Anzeige erstattet hatte, war sie
selbst angeklagt und zu 16 Monaten verurteilt worden. Zuvor hatte die Polizei ihren
Pass und ihr Bargeld konfisziert. Das Dokument hat sie nun zurückbekommen, sie
kann das Land verlassen.
Die norwegische Regierung hatte den
Fall als Menschenrechtsverletzung behandelt und war nach eigenen Angaben in täglichem Kontakt mit den Behörden in Dubai.
Norwegens Außenminister twitterte nach
der Entlassung Dalelvs: „Marte ist entlassen! Dank an alle, die mitgeholfen haben.“
Die letzten Tage nach der Verurteilung hatte Marte Deborah Dalelv in einem norwegischen Seemannsheim verbracht. Dort hieß
es jetzt, sie sei „erleichtert und glücklich“
über die Nachricht von ihrer Begnadigung.
Arabische Menschenrechtsorganisationen hatten kritisiert, der Fall zeige, dass Gewalt gegen Frauen vom Rechtssystem
nicht hinreichend erfasst werde. Eine Vergewaltigung gilt in Dubai nur dann als justiziabel, wenn ein Geständnis vorliegt oder
vier männliche Zeugen die Tat bestätigen.
Auch der Vergewaltiger von Marte Deborah Dalelv wurde begnadigt. Er war ebenfalls wegen außerehelichem Sex und Alkoholkonsums verurteilt worden. Dubai gilt
als einer der weniger konservativen Golfstaaten, etwa im Vergleich zu Saudi-Arabien, und bemüht sich um seinen Ruf als Touristen-Destination. Die Zahl der Ausländer
– Touristen, aber auch Gastarbeiter – übersteigt die der Einheimischen deutlich. An
den archaischen sozialen Regeln des Landes ändert dies jedoch nichts. Vor drei Jahren erst war ein britisches Paar zu einem
Monat Gefängnis verurteilt worden, weil
es sich öffentlich auf den Mund geküsst haben soll.
SONJA ZEKRI
Ort des Schreckens: Auf der Insel Utøya
starben vor zwei Jahren 69 Menschen. RTR
Es gibt aber auch Zweifel, dass Breiviks
Terroranschlag die norwegische Gesellschaft nachhaltig aufgerüttelt hat. „Es gibt
heute nicht weniger ausländerfeindliche
und vor allem muslimfeindliche Norweger
als vor dem Massaker“, sagt der Sozialwissenschaftler Lars Gule von der Universität
Oslo. Der Wirtschaftswissenschaftler Ali
Esbati, der das Utøya-Massaker überlebte,
beklagt, dass starke politische Kräfte wie
die rechtspopulistische Fortschrittspartei,
kein Interesse an einer Diskussion über
Ausländerfeindlichkeit hätten. „Norwegen
hat es nicht geschafft, die Ereignisse in einen politischen Kontext einzubetten“, sagte Esbati in einem Interview mit dem Wiener Standard. Umfragen zufolge müssen
die Sozialdemokraten bei der bevorstehenden Parlamentswahl in Norwegen mit erheblichen Verlusten rechnen. Dann könnte
es auch zu einer Mitte-rechts-Koalition unter Beteiligung der Fortschrittspartei kommen.
HANS HOLZHAIDER
In der grauen Zone zwischen Jäger und Beute: Robert Redford in „The Company You Keep – Die Akte Grant“, der am kommenden Donnerstag in die Kinos kommt.
DPA
Der Unbestechliche
Robert Redford sieht auch mit 76 noch gut aus. Entscheidend ist aber, dass er was zu sagen hat.
Zum Beispiel, dass es den jungen, bellenden Journalisten an Ethos mangelt. Was für eine Ohrfeige
VON REBECCA CASATI
R
obert Redford ist soeben reingekommen, hat an der Tür noch ein Kalauerchen gemacht („Hi – stör ich?“)
und sitzt da jetzt vor einem. Eine Legende.
Und das Erste, was man denkt, ist: Er hat
sein Hemd falsch zugeknöpft. Dabei sah er
doch nicht mal in den Siebzigern schlampig aus.
Noch etwas ist anders. Plötzlich ist sein
Blick sehr offen, das gibt ihm etwas Dauerüberraschtes. Wohl ein kosmetischer Tribut ans Großleinwanddasein, auf jeden
Fall ein Kontrast zu seiner sanften Art. Er
scheint sehr in sich zu ruhen, spricht im
gutturalen Kalifornien-Englisch, manchmal seufzt er seine Antworten. Immerhin,
sein Unterkiefer ist noch so ausgeprägt wie
früher, und er hat immer noch dieses unfassbare Haar. . .
Das klingt komisch, bei einem Mann.
Und das war auch damals schon so. Niemand hatte in den Sechziger-, Siebzigerjahren schönere Haare als Robert Redford,
Frauen inklusive. Sie lagen blond und
strahlend und voll um seinen Kopf, eigentlich wie ein Heiligenschein, und sie waren,
wie er auch sagt, Segen und Fluch zugleich,
genau wie sein schönes, regelmäßiges Gesicht, desentwegen man ihm anfangs nicht
viel zutraute. Neben Redford wirkten
selbst ultraattraktive Filmpartnerinnen
wie graue Mäuse. Weshalb man ihm irgendwann nur noch Charakter-Darstellerinnen
oder Männer an die Seite stellte: Paul Newman, Dustin Hoffman, Barbra Streisand,
Meryl Streep und Kristin Scott Thomas.
Redford wurde in den späten Sechzigerjahren ein Star. Mittlerweile ist er 76, und
hier, heute, sitzt er in Paris, um seinen neuen Film „The Company You Keep – Die Akte Grant“ zu bewerben. Ihn haben immer
die amerikanischen Geschichten interessiert, und darin vor allem die Dynamik Jäger und Beute, und in diesem Verhältnis
vor allem das Dazwischen, die Komplexität, Redford nennt es: die graue Zone.
Davon ausgehend, ist „Die Akte Grant“
ein ziemlich smarter, komplexer Thriller
geworden, Redford spielt nicht nur mit, er
führte auch Regie. Er verkörpert einen Anwalt, der zu Zeiten des Vietnamkriegs in einen Mord verwickelt war, nun seit Jahren
eine bürgerliche Existenz führt. Bis er von
einem jungen, hungrigen Journalisten, gespielt von Shia LaBeouf, enttarnt wird.
Natürlich denkt man dabei – und soll es
wohl auch – sofort an den Film, mit dem
Robert Redford 1976 unsterblich wurde:
an „Die Unbestechlichen“, in dem er als Washington-Post-Reporter Bob Woodward
mit seinem Kollegen Carl Bernstein die Watergate-Affäre aufdeckte und Präsident Nixon zu Fall brachte.
Hat er, Redford, je darüber nachgedacht, wie viele Menschen er damals dazu
inspirierte, in den Journalismus zu gehen?
„Sicher“, sagt Redford, „schon weil viele
Journalisten mir davon erzählen, im Positiven wie im Negativen . . . “
Im Negativen – weil viele von ihnen mittlerweile um ihre Jobs kämpfen müssen?
„Ja. Als ich Woodward spielte, war der
Journalismus am Zenit. Mittlerweile hat
das Internet alles verändert. Ich finde, es
ist wichtig, den Journalismus in seiner ursprünglichen Definition am Leben zu erhalten. Also verfolge ich genau – was ist der
Stand?“
Und? Wie lautet er?
„Ich mache mir Sorgen. . . “
Die Fragen eher zu stellen, als sie eindeutig zu beantworten; das entspricht dem antiautoritären Gestus der Sechziger und
Siebziger, Redfords politischer Sozialisierung. Selbst im Hollywood von damals er-
„Macht er seinen Job,
um die Wahrheit zu finden,
oder macht er ihn für sein Ego?“
setzte Integrität mal kurz das Sixpack. Und
Redford hatte sogar beides. Er kam aus der
Arbeiterklasse, sein Vater war Milchmann,
und sein erster Kontakt mit dem Journalismus war die Zeitung, die er als kleiner Junge in seinem ärmlichen Viertel in Los Angeles verteilte. In der Schule war er keine
Leuchte, aber er liebte Geschichten, er las
und las. Er dachte lange, er würde Maler
Keine Einzelkämpfer, sondern ein Team: Dustin Hoffman und Robert Redford als jourFOTO: DPA
nalistische Aufdecker im Großraumbüro („Die Unbestechlichen“, 1976).
werden, er dachte das sogar noch, als er
schon ein paar erfolgreiche Filme gedreht
hatte. Er war und blieb immer ein politischer Mensch, engagierte sich gegen Vietnam, für Frauenrechte, für den Umweltschutz, für die Wahrheit. Immer auf seine
sanfte, entspannte, fragende Art.
Ganz anders als Shia LaBeouf den jungen Journalisten in seinem Film verkörpert. Ruhelos, einzelkämpferisch, schnüffelnd, markierend und kläffend; wie ein illoyaler Straßenköter. Der wiederum ganz
anders ist als der Typ Journalist, den Redford in „Die Unbestechlichen“ spielte. Man
sah ihn und Dustin Hoffman gefühlte neunzig Prozent im Großraumbüro hinter riesigen Schreibmaschinen Papiere einspannen. Oder mit kiloschweren Telefonhörern
hantieren. Vor allem aber waren sie keine
Einzelkämpfer, sondern ein Team.
Ist der Pitbull die neue Generation Journalist? Das fragt man Redford. „Tatsächlich“, sagt er, „begegnen mir heute Journalisten, die so laut bellen, als wollten sie alle
anderen vertreiben. Sie sind ehrgeiziger,
bewegen sich schneller und reden lauter
als früher. Bob Woodward oder Walter
Cronkite sprachen ganz langsam, würdig.
Auch weiß man beim modernen Typus nie:
Was motiviert ihn eigentlich, macht er seinen Job, um die Wahrheit zu finden, oder
macht er ihn für sein Ego? Es gibt heute zu
viele Informationen, und zu wenige Quellenangaben, zu wenig Ethos.“
Es hat durchaus etwas Surreales, so mit
Robert Redford zu diskutieren. Seit „Die
Unbestechlichen“ stand sein Gesicht für eine Orientierung, um die heute erst wieder
gerungen werden muss. Damals überwachten Politiker andere Politiker, wurden enttarnt, die Enthüller waren Helden, die Enttarnten traten zurück, es gab das Prinzip
Schwarz-Weiß. Heute überwacht ein Staat
die Welt, der, der das enthüllt, gilt als
Staatsfeind Nummer eins, und Redfords
Gesicht ist nicht mehr sein Gesicht. Die
graue Zone hat sich ziemlich ausgeweitet.
Vielleicht sollte man Legenden nicht
ausfragen. Vor allem nicht dann, wenn ihre
Filme eigentlich alles sagen.
Mehr als 70 Tote
bei Erdbeben in China
Peking – Bei zwei schweren Erdbeben im
Nordwesten Chinas sind mehr als 70 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als
400 weitere Menschen seien verletzt worden, teilten die Behörden in der nordwestlichen Provinz Gansu mit. Die Erschütterungen brachten Hunderte Häuser zum Einsturz, 21 000 weitere wurden schwer beschädigt. Nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS ereignete sich das erste Beben
mit einer Stärke von 5,9 um 7.45 Uhr Ortszeit (1.45 Uhr MESZ) westlich von Beidao in
einer Tiefe von 9,8 Kilometern. Anderthalb Stunden später erschütterte ein zweites Beben mit einer Stärke von 5,6 die Region.
AFP
Drei Frauenleichen
in Ohio gefunden
Washington – Die Leichen dreier getöteter Frauen sind in einer Kleinstadt im USBundesstaat Ohio gefunden worden. Die in
Plastiktüten eingewickelten Toten wurden
an mehreren Stellen rund um ein Grundstück in East Cleveland im Cuyahoga County entdeckt, ein Verdächtiger wurde festgenommen. Es soll sich laut der Zeitung The
Plain Dealer dabei um einen 35-Jährigen
handeln, der 2002 wegen versuchter Vergewaltigung zu vier Jahren Haft verurteilt
wurde. Zudem sei der Mann in der Nachbarschaft dadurch aufgefallen, sich Frauen gegenüber aggressiv verhalten zu haben, sagte der Chef der Polizei von East
Cleveland laut CNN.
DPA
SZ-RÄTSEL
Schwedenrätsel
Str8ts schwer
Sudoku mittelschwer
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Str8ts: So geht’s
Die Ziffern 1 bis 9 dürfen pro Spalte und Zeile
nur einmal vorkommen. Zusammenhängende
weiße Felder sind so auszufüllen, dass sie nur
aufeinanderfolgende Zahlen enthalten (Straße), deren Reihenfolge ist aber beliebig. Weiße
Ziffern in schwarzen Feldern gehören zu keiner Straße, sie blockieren diese Zahlen aber in
der Spalte und Zeile (www.sz-shop.de/str8ts).
© 2010 Syndicated Puzzles Inc.
23.7.2013
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Lösungen vom Montag
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10
PANORAMA
2MG
Dienstag, 23. Juli 2013, Nr. 168 DEFGH
LEUTE
Lauryn Hill, 38, inhaftierte US-Sängerin, hat sich bei ihren Fans bedankt. Auf
der Online-Plattform Tumblr veröffentlichte ihr Team nun eine Mitteilung aus
dem Gefängnis, in der Hill sich namentlich bei einigen ihrer Unterstützer für
deren aufmunternde Briefe bedankt.
Sie sei „sehr herzlich von Menschen
aufgenommen worden, die einen Weg
gefunden haben, das Beste aus der Situation zu machen“, schreibt Hill. Vor
zwei Wochen hat die Mitbegründerin
der Hip-Hop-Band The Fugees eine
dreimonatige Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung angetreten.
Shah Rukh Khan und Salman Kahn,
beide 47, beide Bollywood-Stars, haben
sich nach fünf Jahren wieder versöhnt.
Die Schauspieler, die nicht miteinander
verwandt sind, waren befreundet, bis
sie auf einer Geburtstagsparty in Streit
gerieten. Seitdem herrschte ein Kleinkrieg zwischen den beiden Superstars.
Am Sonntagabend trafen sie sich laut
indischen Medien bei einer Fastenbrechen-Feier in Mumbai. Der Gastherr
führte die Streithähne zusammen, und
nach einem kurzen Zögern umarmten
sie sich. „Der ganze Raum jubelte ihnen
zu“, schrieb die Hindustan Times.
Bernardo Johannes Bahlmann, 52,
deutschstämmiger Bischof des Bistums
Obidos in Brasilien, findet den Weltjugendtag in Rio de Janeiro wichtiger als
die ebenfalls bevorstehenden Olympischen Spiele und die Fußball-Weltmeisterschaft. Das sagte er am Montag dem
Pressedienst des Ordinariats Würzburg.
Das Treffen von Papst Franziskus mit
katholischen Jugendlichen aus aller
Welt sei „das einzige Mega-Event, das
im ganzen Land seine Auswirkungen
hat“. Die Proteste in Brasilien richten
sich laut Bahlmann nur gegen die beiden Sport-Großereignisse, nicht aber
gegen den Weltjugendtag. „Beim Sport
geht es sehr viel um ökonomische Faktoren“. Das sei beim Weltjugendtag anders. Der gehe „direkt an die Basis“.
Nikita Michalkow, 67, russischer Regisseur, hat Angst vor Homosexuellen, die
heiraten. So etwas sei schädlich für die
Filmindustrie, sagte Michalkow nach
Angaben der Nachrichtenagentur Interfax: „Es kann kein gesundes und energiegeladenes Kino in einer Welt geben,
in der gleichgeschlechtliche Ehen erlaubt sind.“ Er habe nichts gegen Homosexuelle, doch die Legalisierung solcher
Ehen führe zur „Ausrottung der Menschheit“. Der 67-Jährige ist einer der bekanntesten Regisseure Russlands. Für
„Die Sonne, die uns täuscht“ wurde er
1994 mit dem Oscar für den besten
fremdsprachigen Film ausgezeichnet.
Michalkow ist auch politisch aktiv und
gilt als eifriger Unterstützer von Wladimir Putin. Russlands Präsident hat erst
kürzlich ein Gesetz unterzeichnet, das
„homosexuelle Propaganda gegenüber
Minderjährigen“ verbietet.
Studie: FDP-Wähler
gehen häufiger fremd
Berlin – FDP-Wähler gehen besonders
häufig fremd, Piraten-Anhänger sind am
treusten: Zu diesem Ergebnis kommt eine
Studie, die von einer Online-Singlebörse in
Auftrag gegeben wurde. Etwa 15 000 Menschen wurden darin nach ihren Vorstellungen zu Liebe und Treue sowie nach ihrem
Wahlverhalten gefragt. Der Studie zufolge
finden zwar 85 Prozent der FDP-Wähler,
dass Treue in einer Beziehung Pflicht sei,
gleichzeitig gab aber jeder vierte von ihnen
an, seinen Partner oder seine Partnerin
schon einmal betrogen zu haben. Unter
den Anhängern der Linken und Bündnis
90/Grüne ging demnach jeder fünfte
fremd, unter den Wählern von CDU/CSU
und SPD etwa jeder sechste. Am treuesten
seien die Piraten-Wähler, hieß es: Von ihnen waren nur 15 Prozent schon untreu.
Unterschiede gab es auch bei der Frage,
wer bei einem Rendezvous bezahlen soll.
CDU-Wählerinnen lassen sich demnach
gerne einladen: 45 Prozent von ihnen finden, der Mann sollte bei Verabredungen
die Rechnung zahlen. Bei den Linke-Wählern möchte das nur jede dritte. Für die Studie wurden 14 432 erwachsene deutsche Internetnutzer befragt. 71 Prozent der Befragten waren zum Zeitpunkt der Erhebung in
Partnerschaft, 29 Prozent waren Single. SZ
Deutsche Asset
& Wealth Management
Jetzt ist es offiziell: Um 20.48 Uhr Ortszeit wird die Geburt des königlichen Kindes am Montag auf einer Staffelei vor dem Buckingham Palace in London bekannt gegeben.
FOTO: JOHN STILLWELL/ AP
Ein kleiner Prinz
Herzogin Kate und Prinz William haben einen Sohn. Wie der britische Königshof am Abend mitteilte, kam das Kind um 16.24 Uhr Ortszeit im
Londoner St.-Mary’s-Krankenhaus zur Welt. Royalisten und Reporter aus aller Welt hatten der Geburt den ganzen Tag entgegengefiebert
VON CHRISTIAN ZASCHKE
London – Es war ein Montag, an dem britische Royalisten glauben konnten, dass die
Natur im Bunde mit dem Königshaus
steht. Zwischen fünf und sechs Uhr am
Morgen, just zu der Zeit, als Kate, die Herzogin von Cambridge, ins Krankenhaus fuhr,
um ihr Kind zur Welt zu bringen, waren gewaltige Donnerschläge über London zu hören. Die Hitze, die sich seit Tagen in der
Stadt staut, entlud sich in einem Gewitter,
dessen Blitze geneigten Interpreten wie
Fingerzeige aus den Himmeln erschienen
sein mögen. Am Abend, eine halbe Stunde
nachdem der Palast offiziell verkündet hatte, dass Kate einen Jungen zur Welt gebracht hatte, stand ein rötlich schimmernder Vollmond wie ein stiller Wächter am
Londoner Firmament. Zufall, natürlich,
die Natur macht, was sie will. Aber für Zeichenleser ein allzu verlockender Zufall.
Schließlich war diese königliche Geburt
von den Medien seit Wochen mit Bedeutung aufgeladen worden. Erstmals, das
war klar, würde es drei Thronfolger in direkter Linie geben, während der britische
Monarch noch bei bester Gesundheit auf
dem Thron sitzt. Der Sohn von Prinz William und Kate ist nun Nummer drei der britischen Thronfolge, er hat Williams Bruder
Harry auf den vierten Platz verdrängt. William selbst steht an zweiter Position, erster
Anwärter auf den Thron von Elisabeth II.
ist seit mehr als 60 Jahren Prinz Charles.
Seit dem frühen Morgen hatten Hunderte Medienvertreter vor dem St.-Mary’sKrankenhaus in Paddington ausgeharrt
und darauf gewartet, dass ein Angestellter
des Palasts die Klinik mit einem Schriftstück verlassen würde – denn das bedeutet, dass das traditionelle Prozedere der Unterrichtung des Volkes seinen Gang
nimmt. Kate und William wollten von der
Geburt ihres Kindes auf altmodische Weise künden. Bei dem Schriftstück handelt
es sich um eine von den Ärzten unterschriebene Geburtsurkunde.
Als der Angestellte erschien, brandete
Jubel auf. Jubel der Freude, aber womöglich auch Jubel der Erleichterung, dass das
lange Warten am bislang heißesten Tag
des Jahres endlich ein Ende hatte. Der Palast-Angestellte wurde im Auto zum Buckingham Palace gefahren, begleitet von einer Motorradeskorte der Polizei. Dort wur-
de das Bulletin um Viertel vor neun entgegengenommen. Um Punkt 20.48 Uhr wurde es dann auf einer goldfarbenen Staffelei
platziert, die im Vorhof des Palastes bereitstand. Ein unscheinbares Stück Papier, gerahmt, auf einer Staffelei. Die Aufschrift:
„Ihre Königliche Hoheit, die Herzogin von
„Ihrer Königlichen Hoheit
und ihrem Kind geht es gut“,
steht auf dem Palast-Bulletin
Cambridge, wurde heute um 16.24 von einem Sohn entbunden. Ihrer Königlichen
Hoheit und ihrem Kind geht es gut.“ Genauso sind schon die Geburten der Prinzen William und Harry verkündet worden. William war übrigens bei der Geburt dabei, er
hat den ganzen Tag im Krankenhaus verbracht. Sein Großvater Prinz Philip hatte
das bei der Geburt von Charles noch anders gehalten: Er hatte sich eine Verabredung zum Squashspielen arrangiert.
Charles Name wurde seinerzeit erst
nach einem Monat verkündet, bei William
dauerte es eine Woche, Harrys Namen ver-
rieten die Eltern Charles und Diana hingegen gleich nach der Geburt. Wie es nun Kate und William halten wollen, ist noch
nicht bekannt. Der Palast äußerte sich zu
dem Thema dahingehend, dass er sich zu
dem Thema explizit nicht äußern werde.
Das gilt im Übrigen für fast alles, was
mit der näheren Zukunft des Kindes zusammenhängt. Spekuliert wird, dass William, Kate und Kind rund sechs Wochen
bei Kates Eltern in Berkshire verbringen
könnten. Der Palast schweigt dazu. Als
möglich gilt auch, dass die drei nach Balmoral in Schottland fahren, wo die Queen am
Wochenende ihren Sommerurlaub antritt.
Der Palast schweigt dazu ebenfalls. Vielleicht bleiben die jungen Eltern auch in
London? Oder begeben sich in die Abgeschiedenheit von Wales, wo William als Rettungshubschrauberpilot stationiert ist?
Oder sie reisen vollkommen überraschend
in ein bis dato vollkommen unbekanntes
Dorf an der Küste des Ostens. Was auch immer sie tun: Der Palast schweigt.
Es ist durchaus möglich, dass das auch
daran liegt, dass der Palast keine Ahnung
hat. William gilt als stur, und vielleicht hat
er sich in den Kopf gesetzt, in den Wochen
nach der Geburt mit seiner Familie ein wenig Privatheit zu genießen. Zumindest in
den ersten beiden Wochen, danach muss
er zurück zum Dienst.
Es gibt jedoch ein paar Fakten, die trotz
des Schweigen des Palastes bekannt sind.
Zu Ehren des Neugeborenen werden am
Tower of London 61 Kanonenschüsse abgegeben. Weitere 41 Kanonenschüsse ertönen im Green Park. Das Kind wird den Titel „Prinz von Cambridge“ tragen. Die korrekte Anrede für den Kleinen lautet „Königliche Hoheit“.
Premierminister David Cameron suchte
und fand am späten Montagabend die großen Worte: „Dies ist ein wichtiger Moment
in der Geschichte unserer Nation“, sagte
er, „und es ist ein wichtiger Moment für
das junge Paar. Ich bin sicher, dass die Menschen im ganzen Land und im ganzen Commonwealth feiern werden und dem Paar alles Gute wünschen.“ Die vergangenen Jahre mit der Hochzeit von Kate und William
und dem 60. Thronjubiläum Elisabeths II.
seien für die königliche Familie bemerkenswert gewesen. „Sie können sich sicher
Royalisten-Party: Vor dem Buckingham Palace bricht Jubel aus, als der Hof die Geburt des Prinzen am Abend bestätigt.
FOTO: AFP
sein, dass eine sehr stolze Nation heute mit
einem sehr stolzen und glücklichen Paar
feiert“, sagte Cameron.
Das Ehepaar hatte das St.-Mary’s-Krankenhaus am frühen Morgen fast unbemerkt erreicht. Lediglich zwei Fotografen
waren auf einen besonders unauffälligen
Wagen aufmerksam geworden, der am Nebeneingang gehalten hatte. Sie verbreiteten ihre Erkenntnis im Internet, und dann
dauerte es nicht mehr lange, bis Kensington Palace, der Wohnsitz des Paares, eine
Erklärung herausgab: „Ihre Königliche Ho-
Der Premier zeigt sich ergriffen:
„Dies ist ein wichtiger Moment in
der Geschichte unserer Nation.“
heit, die Herzogin von Cambridge, ist heute Morgen mit Wehen ins St.-Mary’s-Krankenhaus, Paddington, London, gebracht
worden.“ Diese Nachricht sollte die letzte
des Palasts bis zur Geburt sein, und sie löste unter britischen und internationalen Medien eine Art Stampede aus.
Bereits früh am Morgen war gegenüber
dem privaten Lindo-Flügel des Krankenhauses kein Quadratzentimeter Boden
mehr zu finden, auf dem nicht entweder
eine Kamera oder ein Fernsehmensch
stand, der in eine Kamera sagte, dass es im
Moment noch nichts Neues gebe. Eine besondere Meisterschaft in der Vermittlung
des Nichts entwickelte der BBC-Journalist
Simon McCoy, der in sanfter Selbstironie
wieder und wieder sagte: „Die Medien der
Welt sind hier, um die Nachricht zu verbreiten, dass es keine Nachrichten gibt. Niemand von uns wird heute exklusive Nachrichten verkünden. Das macht allein Buckingham Palace.“ Genau so kam es auch.
Kate hat davon im Inneren des St.-Mary’s-Krankenhauses vermutlich nichts mitbekommen. Der private Lindo-Flügel verfügt über eine der luxuriösesten Geburtsstationen des Landes, seit Tagen war alles
für die Ankunft der Herzogin vorbereitet
worden. Dass die Öffentlichkeit erst knapp
vier Stunden nach der Geburt informiert
wurde, deutet darauf hin, dass Kate und
William sich eine kurze Weile der Ruhe gegönnt haben. Für die beiden ist die Geburt
trotz des gewaltigen, mitunter grotesken
Medienrummels ja zuerst ein beglückendes und sehr privates Ereignis.
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Deutschlands. Na, sagen wir, ein Teil davon.
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eine erhöhte Volatilität auf, d.h., die Anteilspreise können auch innerhalb kurzer Zeiträume stärkeren Schwankungen nach oben und nach unten unterworfen sein. Quellen: frr.feri.de, 28.11.2012. www.morningstar.de. Category Winner 2013: Best Germany Large-Cap Equity Fund. © 2013 Morningstar,
Inc. Alle Rechte vorbehalten. Die hierin enthaltenen Informationen: (1) sind für Morningstar und/oder ihre Inhalte-Anbieter urheberrechtlich geschützt; (2) dürfen nicht vervielfältigt oder verbreitet werden; und (3) deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wird nicht garantiert. Weder Morningstar
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FEUILLETON
DEFGH Nr. 168, Dienstag, 23. Juli 2013
VON ANDREAS ZIELCKE
A
m vergangenen Freitag verkündete
ein Aufsichtsbüro der US-Geheimdienste die Entscheidung des
Foreign Intelligence Surveillance Court
(FISC, nach dem ihm zugrunde liegenden
Gesetz auch FISA Court), dass die Geheimdienste weiterhin Telefondaten sammeln
dürfen. Die bisherige Genehmigung war
befristet und musste verlängert werden.
Der FISC ist das Geheimgericht, auf dessen
Existenz die breite Öffentlichkeit durch
die Enthüllungen Edwards Snowdens aufmerksam wurde. Seine Aufgabe ist es,
über die Rechtmäßigkeit der Telekommunikationsüberwachung durch die NSA und
andere Geheimdienste zu entscheiden.
Dass man die Entscheidung veröffentlichte, durchbricht die Regel, die Urteile
des FISC streng geheim zu halten. Man habe sich „wegen des erheblichen öffentlichen Interesses“ ausnahmsweise dazu entschlossen. Geht es nach dem Willen einiger
Kongressabgeordneter, soll es nicht bei diesem einmaligen Fall bleiben. Der kalifornische Abgeordnete Adam Schiff, ein Demokrat, hatte bereits im Juni ein Gesetz eingebracht, das den Justizminister verpflichten soll, „bedeutende“ Entscheidungen
des FISC zu publizieren.
Und jetzt geht Schiff noch einen Schritt
weiter und schlägt ein weiteres Gesetz vor,
wonach die Richter des FISC nicht mehr ohne Bestätigung des Senats berufen werden
können. Bislang ernennt sie der Vorsitzende Richter des Supreme Court. Zehn der elf
jetzigen Richter des FISC werden dem republikanischen Lager zugerechnet.
und kommt in allen Gerichten zur Anwendung, wenn zu befürchten ist, dass geheimdienstliche Belange für die Beweisführung
relevant sind. Auf Antrag der Regierung
wandelt sich der Prozess dann in ein Geheimverfahren, bei dem das Publikum,
aber auch der Angeklagte oder die Zivilparteien ausgeschlossen werden.
Die präsentierten Beweise dürfen nur
der Richter und ein sicherheitsüberprüfter
„Spezialanwalt“ sehen. Dieser „vertritt“
zwar den ausgeschlossenen Angeklagten,
ist aber weder von dessen Zustimmung
noch gar Vertrauen abhängig und darf ihm
auch keine konkreten Informationen über
das vorgelegte Material mitteilen. Gegen
Beschuldigte können auf diese Weise Vorwürfe erhoben und zur Anklage gebracht
werden, deren wahren Umfang sie nicht erfahren und gegen die darum auch keine
echte Gegenwehr möglich ist. „Nichtwissen ist Stärke“, lautet einer der berühmten
Zynismen in Orwells „1984“.
Nimmt man schließlich noch die Manipulationsmöglichkeiten durch prozessuale Geheimniskrämerei hinzu, die in allen
Staaten gang und gäbe sind, auch in
Deutschland, dann rundet sich das Bild,
vor dessen Hintergrund sich der FISC abhebt. Manipuliert werden Strafverfahren,
wenn wegen Staatsschutzdelikten oder
Terroraktivitäten verhandelt wird und Regierungsbehörden ihre Beamten, die womöglich – etwa als Hintermänner von
V-Leuten – in die Sache verwickelt sind
und darum wichtige (Entlastungs-)Zeugen
sein können, zum Schweigen verpflichten.
Immerhin aber bleibt es hier im Übrigen
beim öffentlichen Verfahren, das Mitspracherecht des Angeklagten ist zwar durchlöchert, aber nicht völlig beseitigt.
Unter dem großen Siegel der USA wird vom Landgericht bis zum
Supreme Court in der Regel öffentlich Recht gesprochen. Nur der Foreign Intelligence Surveillance Court entscheidet im Geheimen.
Grundsätzlich gilt: Ein Gericht,
das geheim „Recht spricht“,
spricht kein Recht
So spärlich solche politischen Vorstöße
noch sind, drücken sie doch ein deutliches
Unbehagen an dem Gericht aus, das nun
zum ersten Mal seit seiner Gründung im
Jahre 1978 ins Rampenlicht rückt. Bliebe
es allerdings bei solchen marginalen gesetzlichen Korrekturen, änderte sich wenig an der Ungeheuerlichkeit, die dieser Gerichtshof darstellt.
Das Gesetz, auf dem er beruht (FISA),
wurde durch das „Church Committee“
initiiert, einen Senatsausschuss, der seit
1975 viel zur Aufklärung illegitimer Geheimaktivitäten der US-Regierung vor allem während des Vietnamkriegs beigetragen hat. Doch die Restriktionen, die man
damals noch den Geheimdiensten auferlegte, hielten dem Klimawandel nach 9/11
nicht stand. Seither erhielten der FBI und
die NSA immer weiter reichende Überwachungsvollmachten. Entsprechend ausgeweitet wurde die Kompetenz des FISC.
Was dies für Freiheit und Rechtsstaat bedeutet, zeichnet sich allerdings erst ab, seit
das Ausmaß der elektronischen Überwachung zu Tage tritt. Die Mentalität des Krieges gegen den Terror, deren Eigenart
schon bei Guantanamo, beim Irak, Drohneneinsatz und bei anderen Exzessen zum
Ausdruck kam, offenbart sich jetzt auch
hier: Die extreme Kontrollmacht, die man
den Geheimdiensten und dem Gericht einräumt, ist ein Spiegelbild der Macht, die
der Terrorismus in den Köpfen von Politikern und Bürgern erobert hat.
Wie das Erdbeben von Lissabon, das die
Stadt am 1. November 1755 verheerte, seinerzeit die ganze Welt schockierte und ihr
mit einem Schlag die Zuversicht nahm,
sich weiterhin auf die göttliche Fürsorge
verlassen zu können (in Goethes Worten:
„Vielleicht hat der Dämon des Schreckens
zu keiner Zeit so schnell und so mächtig seine Schauer über die Erde verbreitet . . .
Gott hatte sich keineswegs väterlich erwiesen“), so tief hat sich weltweit der Schrecken eingegraben, den der Terroranschlag
des 11. September ausgelöst hat. Er hat
kein Vertrauen mehr in eine göttliche Vorsehung erschüttert, dafür aber das Vertrauen in die vielleicht menschlichste aller Freiheiten, die Freiheit der Kommunikation.
Diese Freiheit, zumal in ihrer digitalen
Dimension, genießen natürlich auch Terroristen. Das ist ein Makel, der die Kommunikationsfreiheit grundsätzlich verdächtig
macht und erlaubt, sie mit gutem Gewissen einzuschränken, selbst wenn dafür
nur ein minimaler Gewinn an Sicherheit
gegenüber Terroristen zu erwarten ist. Die
Logik ihrer Diskreditierung und Dienstbarmachung ist seit 2001 ebenso pathologisch
wie die Terrorangst, die den Staaten im Nacken sitzt. Und diese Logik kommt, wie wir
HBG
Das Ausspähen der digitalen
Kommunikation verschiebt die
Macht von den Bürgern zum Staat
Schattenreich der Justiz
Die Urteile des US-Gerichts für Internationale Überwachung kennen nur
die Antragsteller – das ist nicht Kafka, das ist die Verdunkelung des Rechts
heute wissen, in allen Ländern zum
Tragen. Aber kein Staat außer den USA
geht so weit, dem freiheitsverachtenden
Überwachungswahn mit dem FISC auch
noch den Segen der Justiz zu geben. Ausgerechnet die USA, das muss man betonen,
denn deren Rechtskultur enthält erheblich
mehr Transparenz und demokratische
Elemente als etwa die kontinentaleuropäische. Zudem sollte man nicht vergessen,
dass alle Staaten, die von der NSA Daten erhalten, von der Rechtsprechung des FISC
profitieren.
Grundsätzlich gilt: Ein Gericht, das geheim tagt und geheim „Recht spricht“,
spricht kein Recht. Es spricht auch kein Unrecht. Es ist lediglich eine Blackbox, die
Nicht-Recht produziert, ein normatives
Nichts. Lord Hope, Richter am Supreme
Court von Großbritannien, hat es kürzlich
so formuliert: „Geheimjustiz ist in Wahrheit überhaupt keine Justiz.“ Im Unterschied zu Kafkas „Der Process“, der jetzt
häufig in diesem Zusammenhang zitiert
wird, steht der FISC nicht einfach für die
Undurchsichtigkeit und verborgenen Fallstricke des gerichtlichen Prozedere. Er
steht vielmehr für das totale Verdunkeln
und Verschließen des Rechts gegenüber allen, die davon betroffen sind.
Josef K. wusste immerhin, dass über ihn
verhandelt und geurteilt wird. Die vom FBI
oder von der NSA mit Autorisierung des Geheimgerichts Überwachten wissen selbst
dies nicht. Urteile des FISC werden nur
dem Antragsteller bekannt gegeben (die
oben genannte Ausnahme bestätigt die
Regel). Den Antrag stellt entweder die amerikanische Regierung oder einer der USGeheimdienste. Die Öffentlichkeit erfährt
so wenig wie die kontrollierten Telefonund Internetnutzer.
Hinreichend deutlich aber wird die Einzigartigkeit des FISC erst beim Vergleich
mit historischen und auch heutigen Geheimgerichten.
Schon zu ihrer Zeit waren insbesondere
zwei Gerichtstypen berüchtigt, die mittelalterlichen Femegerichte und Gerichte der
spanischen Inquisition. Bei beiden erfuhr
der Betroffene von dem heimlich gefällten
Schuldurteil meist erst dann, wenn man es
an ihm vollstreckte. Rechtsmittel gab es in
den seltensten Fällen, das Urteil kam über
den Verurteilten wie ein ins Böse und Heimtückische gewendeter Deus ex machina.
Ähnliche geheimgerichtliche Praktiken
wurden in indigenen Völkern beobachtet.
Meist waren es Geheimbünde, die sich zur
Aufgabe gemacht haben, die Ordnung ihres Stammes aufrechtzuerhalten, und mit
drakonischen, in geheimen Verfahren gefällten „Strafurteilen“ gegen Abweichler
und Denunzierte vorgingen. Bekannte
Beispiele sind der Egboe-Orden und der
Pakasséro-Orden, beide in Afrika.
Von 33 949 Anträgen auf
elektronische Überwachung hat
der FISC bisher nur elf abgelehnt
Ob aber in „Natur“-Völkern oder in sogenannten zivilisierten Nationen, stets
waren solche Geheimrichter kaum mehr
als juristische Mordanstifter, mochten sie
sich noch so gemeinnützig-staatstreu wähnen. Ihr Vorbild reicht bis in die Jetztzeit.
Unter Stalin (im Schatten der Schauprozesse), in der DDR (Waldheimer Prozesse) und
in anderen Diktaturen gehörten und gehören Geheimverfahren dieser Machart zum
normalen tyrannischen Inventar.
Mit der blutigen Härte dieser Gerichte
hat der FISC nichts zu tun, da er nicht über
Leben und Tod befindet. Er teilt mit diesen
Gerichten aber die Geheimhaltung des gesamten Verfahrens, auch den Betroffenen
gegenüber, mit der kleinen Differenz natürlich, dass das Urteil der Strafgerichte
dem Verurteilten spätestens, wenn der
Henker ihm gegenübertritt, bekannt wird.
Tatsächlich spielt Geheimhaltung auch
in heutigen rechtsstaatlichen Prozessen eine bedeutsame Rolle. In Verfahren, in denen es um jugendliche Angeklagte geht,
um familienrechtliche Streitigkeiten oder
um Intimitäten wie bei Vergewaltigungsvorwürfen, wird die Öffentlichkeit zumindest zeitweise aus der Verhandlung ausgeschlossen. Doch dieser Schutz von Minderjährigen oder der Privatsphäre ist begrenzt
und führt nie so weit, die Verhandlung ohne Beteiligung des Angeklagten oder der
beteiligten Parteien durchzuführen. Und
Urteile werden auch hier stets öffentlich
verkündet.
Allerdings gibt es hiervon Ausnahmen,
die den FISC-Prozessen schon näherkommen. In Großbritannien etwa entscheidet
der „Court of Protection“ über die Betreuung und Angelegenheiten von Personen,
die (angeblich) nicht selbst dazu in der Lage sind, Behinderte, Alte, Demente, etc.
Das schier Unglaubliche dabei ist – denn
hier steht keinerlei Staatsschutz, Terroroder Spionageabwehr auf dem Spiel, sondern das Schicksal hilfloser Menschen –,
das Unfassbare also ist, dass dieses spezielle Gericht im Geheimen verhandelt und
entscheidet. Weder die Betroffenen noch
deren Angehörige werden beteiligt oder erfahren auch nur von dem Verfahren. Oft erlangt auch hier das arme Schwein, um das
es geht, von dem Urteil erst Kenntnis,
wenn es vollzogen wird. Man kann dies als
schlimmes Relikt mittelalterlicher Rechtstradition sehen, man kann darin aber ebenso die Arroganz des Staates erkennen, die
auch den FISC-Prozessen eigen ist: Die Betroffenen werden nicht gefragt, sondern
zu ihrem vermeintlich eigenen Schutz absolutistisch bevormundet.
Noch ein ganzes Stück näher aber
kommt dem FISC, nicht zufällig auch in
Großbritannien, ein Verfahren, das eben
zur Jahresmitte in Kraft getreten ist. Es
nennt sich „closed material procedures“
Beseitigt hingegen ist die Mitsprache, ja
schon die Kenntnis jeglichen Verfahrens
beim FISC für alle, die es betrifft, für alle also, die man ausspäht. So potenziert das Gericht die Entmündigung, die in jeder unbemerkten Überwachung der Kommunikation von Individuen liegt, indem er das unbemerkte Überwachen durch ein unbemerktes Verfahren seinerseits „überwacht“ und
mit der Weihe des Rechts versieht.
Dabei geht es gar nicht darum, ob die abgehorchten Daten für die meisten Bürger
nur von flüchtiger Bedeutung sind oder
nicht. Denn unabhängig davon verschiebt
das Sammeln der Kommunikationsdaten
die Macht auf folgenreiche Weise von den
Bürgern hin zu den Organen des Staates.
Es reicht, dass die Individuen, eben weil
man auf ihre Ahnungslosigkeit baut,
gegenüber dem sie ausforschenden Staat
objektiv immer ausgelieferter und machtloser werden. Zumindest potenziell hat er
sie mit seinen überlegenen Einblicken in
ihr Kommunikationsverhalten unter Kontrolle. Er kann, wenn es denn je opportun
erscheinen sollte, für ihren Lebensweg Weichen stellen, von denen sie gar nicht wissen, dass er der Drahtzieher ist.
Allein die Tatsache, dass er zu dieser
„unsichtbaren Hand“ der zivilen Kommunikation wird, schafft das neue Machtgefälle. Es ist der primäre Zweck von Recht und
Justiz, sich dagegenzustellen. Doch der
FISC macht sich zum unsichtbaren Handlanger der unsichtbaren Hand.
Das angesehene „Electronic Privacy
Information Center“ berichtet, dass der
FISC von 1979 bis 2012 ganze elf Anträge
der US-Regierung auf elektronische
Überwachung abgelehnt hat – bei
33 949 Anträgen insgesamt. Der FISC ist eine mit Anti-Rechtsschutzmittel geölte
Lizenzerteilungsmaschine.
Das betrifft nicht nur die Zahl, sondern
genauso die Inhalte der Lizenzen. Die New
York Times weist nach, so gut das mit den
wenigen enthüllten Urteilen des FISC geht,
wie ergeben das Gericht der NSA bei der
Massenausspähung juristisch entgegenkommt. So eindeutig sind weder der „Patriot Act“ noch der „Foreign Intelligence Surveillance Act“, da wären auch viel engere
Auslegungen möglich. Erst das Gericht hat
den Geheimdiensten die extremen Vollmachten ausbuchstabiert, die sie nun nutzen, was das Zeug hält.
„Wo sind unsere ,unveräußerlichen
Rechte‘ geblieben“, fragt ein amerikanischer Kommentator. Wo immer sie geblieben sind, mit dem Hüter dieser Rechte,
dem FISC, hat man jedenfalls den Gärtner
zum Bock gemacht.
11
HEUTE
Feuilleton
Neues vom Trickser: Das
Universalgenie Elvis Costello
betört die Düsseldorfer
12
Literatur
Wie der Philosoph Jürgen Goldstein
die Entdeckung
der Natur inszeniert
14
Wissen
Sie sind weg: Wenn einzelne
Hummelarten verschwinden,
hat das sofort Folgen
Klassikkolumne
16
12
R www.sz.de/kultur
Wormser Wechsel
TV-Produzent Nico Hofmann
übernimmt Nibelungenfestspiele
Nein, es wird keine dieser steuerfinanzierte Geschichtsstunden dabei herauskommen. Auch wenn man das annehmen möchte angesichts der Meldung, nach der sich
nun der Film- und Fernsehproduzent Nico
Hofmann um die Geschichte der Nibelungen kümmert. Im Jahr 2015 wird er Intendant der Nibelungenfestspiele, jenes Theaterfestivals, in dessen Zentrum immer wieder Interpretationen des Nibelungen- Stoffes stehen. Bis 2014 regiert in Worms noch
der Regisseur Dieter Wedel wie Hofmann
aus der eher glatten Oberflächenwelt des
Fernsehens stammt.
Worms’ Oberbürgermeister Michael Kissel beschreibt den künftigen Intendanten
Hofmann als einen der „einflussreichsten
Produzenten Deutschlands“. Das ist er,
seit er 1999 mit der Firma Teamworx begann, die jüngere deutsche Geschichte zu
bebildern. Das Bombardement Dresdens,
die Flucht der Deutschen aus Ostpreußen,
die Sturmflut in Hamburg, die Berliner
Luftbrücke, Rommel, Kohl, Mauerfall und
demnächst noch die Jugendjahre Hitlers:
Nico Hofmann hat alles in üppige Bilder
und Melodramen übersetzen lassen.
Künstlerisch wertvoll war davon nicht
immer alles, doch Hofmann hat vor etwa
zehn Jahren einmal gesagt, er sei fürs Fernsehen tätig, deswegen interessiere ihn die
Einschaltquote. Und das kann er: Drama
für Millionen. Seine Herangehensweise
ans Drama war dabei stets: Alles musste
fühlbar, erklärbar, zutiefst menschlich
sein. Zuletzt hat er das in seinem Kriegsgenerationen-Mehrteiler „Unsere Mütter, unsere Väter“ und der Literaturverfilmung
„Der Turm“ auch auf künstlerisch hohem
Niveau hinbekommen.
Nico Hofmann, 53,
ist einer der erfolgreichsten TV-Produzenten Deutschlands.
Zu seinen bekanntesten Filmen gehören
„Dresden“, „Die Luftbrücke“ und „Unsere
Mütter, unsere Väter“. FOTO: DPA
Was das für die Nibelungenfestspiele in
Worms bedeutet, wird man sehen. Hofmann sagt, die Lust auf den komplexen Nibelungenstoff und die Spielstätte vor dem
Wormser Dom hätten ihm die Entscheidung leicht gemacht, die Intendanz des
Theaterfestivals zu übernehmen. Für die
künstlerische Leitung hat er sich den Regisseur Thomas Schadt ausgesucht, mit dem
er den Kohl-Film „Der Mann aus der Pfalz“
drehte. Das neue Nibelungenstück soll der
Lyriker und Dramatiker Albert Ostermaier
schreiben.
Nachdem
Wedel
zwischendurch
„Jud Süß“-Fassungen inszeniert hatte, sollen unter Hofmann die Nibelungen im Mittelpunkt stehen – wie in den Anfangsjahren des Festivals, als unter anderem Karin
Beier den Hebbel-Klassiker inszenierte.
Hofmann nennt als Grund für sein Engagement in Worms seine heimliche Liebe zum
Theater. Es war eine bisher verdammt
heimliche Liebe.
CHRISTOPHER KEIL
Globaler Sachschaden ist garantiert
Superman vs. Batman: Auf der Comic Con in San Diego, der größten Messe für Popkultur, kündigt das Warner-Studio einen Superhelden-Superblockbuster an
Warum die Comic Con in San Diego immer
noch diesen Namen trägt, ist im Grunde
ein Rätsel. Das Publikum interessiert sich
von Jahr zu Jahr weniger für die Hefte aus
dem Goldenen oder Silbernen Zeitalter der
Comic-Kunst, sondern sehr viel stärker für
die allerneuesten Filme, TV-Serien oder
Games. Hier, zur weltweit größten Messe
der populären Kultur, lässt Hollywood seine Stars aufmarschieren. „Hollywood
Con“ wäre ein durchaus passender Name.
In diesem Jahr gab es einen echten Knaller, als „Man of Steel“-Regisseur Zack Snyder bei einer Präsentation der Warner Studios, die die Rechte an den DC-Superhelden besitzen, verkündete, dass er demnächst einen weiteren Superman-Film drehen und darin auch Batman auftreten werde. Seit Monaten wurde über dieses Spitzentreffen spekuliert, nun ist die Sensation perfekt, dass die beiden größten Superhelden der Geschichte zum ersten Mal gemeinsam auf der Kinoleinwand zu sehen
sein werden. In den Comics war dies bereits der Fall; im Film werden Elemente
aus Frank Millers Klassiker „The Dark
Knight Returns“ enthalten sein. Wer Batman spielen wird, steht noch nicht fest,
Christian Bale wird es höchstwahrscheinlich nicht sein. Sicher aber ist, dass sich der
dunkle Ritter und der Mann aus Stahl
nicht als Freunde begegnen werden, gigantischer globaler Sachschaden ist also garantiert. Der Kinostart ist für 2015 geplant.
Bis es so weit ist, hat DC-Konkurrent
Marvel die Nase vorn. Das liegt auch daran,
dass deren Superhelden-Ensemble gleich
von mehreren Film-Studios betreut wird.
So startet Sony nächstes Jahr im Mai einen
zweiten „Amazing Spider-Man“-Film. Als
Besitzer von Marvel Comics hat Disney
gleich mehrere Eisen im Feuer. Neben
„Thor: The Dark World“ startet bald „Captain America: The Winter Soldier“, außerdem entsteht „Guardians of the Galaxy“.
Und auch andere Studios setzen weiterhin
auf Superhelden. Die 20th Century Fox
wird demnächst nicht nur „Wolverine:
Weg des Kriegers“ in die Kinos bringen,
sondern – ebenfalls mit Hugh Jackman –
Superman und Batman werden zusammen im Film auftauchen.
„X-Men: Days of Future Past“. Dies wurde
auf der Comic Con mit einem Staraufgebot
gefeiert, das sogar jenen fast schon legendären Moment übertraf, als Disney vor
drei Jahren alle „Avengers“ in San Diego
aufmarschieren ließ. Neben Jackman zeigten sich die Mutanten-Darsteller Ian
McKellen, Patrick Steward, Ellen Page, Hal-
FOTO: MARCELO SAYAO/DPA
le Berry, Jennifer Lawrence und Michael
Fassbender sowie Regisseur Bryan Singer.
Weit mehr als 130 000 Besucher kamen
in diesem Jahr zur Comic Con, kaum vorstellbar, dass die 1970 gegründete Messe
als quasi-private Fanveranstaltung in einem Hotelzimmer begann. In diesem Jahr
waren die Eintrittskarten zur Convention
knapp zwei Stunden nachdem sie im Februar im Internet angeboten wurden, bereits
ausverkauft. Doch selbst wer eines der begehrten Tickets ergattert hatte, fand nicht
automatisch Zutritt zu allen Veranstaltungen. Viele Besucher kampierten deshalb
vor dem Convention Center, um in der
Früh einen der 6500 Plätze in der Halle H
zu bekommen, wo Hollywood seine Stars
aufmarschieren ließ. Dass das nicht eben
kleine Convention Center aus allen Nähten
platzte, hatte aber nicht nur Nachteile. Etliche Attraktionen mussten ausgelagert werden und wurden somit auch für Besucher
zugänglich, die keine Tickets mehr bekommen hatten. Im Stil einer Freizeitpark-Attraktion gab es in einem Lagerhaus erste
Einblicke in einen im nächsten Jahr startenden „Godzilla“-Film. Die Kulissen aus
„Ender’s Game“, einem Science-FictionFilm mit Harrison Ford, wurden in einer eigens dafür errichteten Halle zur Schau gestellt. Bei einigen der lautstark um die Aufmerksamkeit der Passanten buhlenden
Selbstdarsteller war nicht auf Anhieb fest-
zustellen, ob sie Medienprodukte promoteten oder – religiös bewegt – Besucher der
Comic Con wachrütteln wollten. Dieses
Straßenfest mit seinen phantasievoll kostümierten Besuchern, Marktschreiern und
Wanderpredigern sowie Open Air Partys
geriet oftmals sehr viel lebendiger als das
mehr oder weniger geordnete Chaos im
voll klimatisierten Convention Center.
Bei den Eisner Awards, den wichtigsten
Preisen der amerikanischen Comicbranche, wurde Chris Ware als bester Künstler
und Autor ausgezeichnet. In Deutschland
ist gerade seine Graphic Novel „Jimmy Corrigan“ erschienen, nominiert war er für
„Building Stories“. Dafür bekam er auch
den Preis für den besten Comic des Jahres;
außerdem wurde er als bester Letterer geehrt und für das beste Design einer Veröffentlichung. Als beste neue sowie beste laufende Serie wurde die Science-Fiction-Reihe „Saga“ von Brian K. Vaughan und Zeichnerin Fiona Staples ausgezeichnet.
Vaughan wurde zudem auch als bester Autor geehrt.
HEINER LÜNSTEDT
12
FEUILLETON
KLASSIKKOLUMNE
VON BURKHARD MÜLLER
Die Geburts- oder Todestage von Komponisten zu feiern, ist eine in musikalischer Hinsicht unsinnige Praxis. Auf
dem Plattenmarkt aber haben die Jubiläen die durchaus sinnvolle Funktion,
dass Stücke der Gefeierten neu beleuchtet und unbekanntere Seiten ihres
Werks oft erstmals greifbar werden.
n Weimar hatte Henry van de Velde
sich fest niedergelassen, hier standen
die Gewerbeschule, deren Direktor er
war, und das Haus Hohe Pappeln, das er
für sich selbst erbaute; in Weimar auch findet gegenwärtig die große Schau aus Anlass seines 150. Geburtstags statt. Aber van
de Velde, wie vor ihm Goethe, benützte die
kleine Residenzstadt als Hauptquartier
und Sprungbrett, von wo aus er weit ins
Umland wirkte. Wer diesen Wegbereiter
des „Neuen Stils“, wie er selbst ihn nannte,
besser kennen lernen will, der sollte sich
die vielen kleinen Ausstellungen nicht entgehen lassen, die derzeit in Sachsen und
Thüringen stattfinden.
In Chemnitz konnte er im Jahr 1902 sein
erstes Haus auf deutschem Boden bauen,
die Villa Esche; ihr folgte etwas später das
Haus Schulenburg in Gera. Beide Auftraggeber waren erfolgreiche Textilfabrikanten, die, so darf man vermuten, ihr Vermögen machten, indem sie den damals noch
herrschenden Geschmack der späten
Gründerzeit bedienten. Für sich selbst
aber wollten sie etwas Anderes, etwas Exklusives und zugleich Wegweisendes, und
vertrauten sich van de Velde nicht nur als
ihrem Außen- und Innenarchitekten an,
sondern geradezu als ihrem Lebensführer.
Selbst Kleider und Schmuck entwarf er für
Frau Esche, und sie ließ es geschehen, dass
er ihr dermaßen dicht auf die Haut rückte.
Dieses umfassende Schönheitsdiktat hat
auch etwas Erstickendes; die Villa Esche
zeigt unter anderen Exponaten ein PfeifenEtui, passgenau aus edlem Material um
das Gerät geschneidert. Wo blieb in einem
solchen Haus noch Platz, um selbst zu leben? Das Leben soll eine Fasson haben, gewiss; aber hier gibt es keine Luft mehr zum
Atmen. Im Haus Schulenburg hat van de
Velde das Ehebett zu einem Altar auf einem Podest erhöht; auf dem einen Nachttischchen steht ein Telefon, auf dem anderen eine Leselampe: Man rate, welche Rolle er dem Gatten zudenkt.
Erotik
„Halb Mönch, halb Lausbub“ nannte
ein Kritiker den französischen Komponisten Francis Poulenc. In dessen 50.
Todesjahr vereint der Dirigent Stéphane Denève beide Seiten auf einer Platte:
das geistliche Hauptwerk „Stabat Mater“ mit „Les Biches“, dem Ballett mit
erotischem Stoff und stilistisch wildem
Mix aus Jazz und Neobarock. Das RadioSinfonieorchester Stuttgart hat sich in
den vergangenen Jahren unter Denève
zu einem farbintensiven und gerade für
das französische Repertoire hochidiomatischen Ensemble entwickelt. Vereint mit dem SWR
Vokalensemble
Stuttgart und dem
NDR Chor zeigt es
hier, dass Geist und
Sinnlichkeit in
beiden Stücken
stecken. (hänssler)
Nuancen
Was bei Francis Poulenc immer fasziniert, ist die formale Intelligenz. Sein
spätes Klavierkonzert ist Klassizismus
pur – und zugleich dessen ständige
Brechung. Der Pianist Florian Uhlig
kombiniert es mit dem G-Dur-Konzert
von Ravel, dem Concertino von Jean
Françaix und der selten gehörten Fantasie für Klavier und Orchester von Debussy. Gemeinsam mit der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern unter Pablo González liefert er
ein sensibel nuanciertes Plädoyer für
diese französische
Musik, die in
Deutschland leider
insgesamt unterrepräsentiert ist.
(hänssler)
Epigramme
Die Kunstlieder von Benjamin Britten
sind Muster kompositorischer Ökonomie: In oft epigrammatischer Kürze
bringen sie lyrische Texte auf ihren
atmosphärischen, nicht selten leise
abgründigen Punkt. Zum 100. Geburtstag des Briten legt nun Ian Bostridge
gemeinsam mit Antonio Pappano am
Klavier einige der wichtigsten Zyklen
neu vor: die „Winter Words“ nach Thomas Hardy, die „Michelangelo-Sonette“, in deutscher Sprache die „Sechs
Hölderlin-Fragmente“. Trotz problematischer Höhen und Registerbrüche
bleibt Bostridge in gestalterischer Hinsicht der berufenste Britten-Tenor unserer Tage. Auch weil
sein Timbre dem
von Brittens Lebensgefährten
Peter Pears ähnelt,
für den die meisten
Lieder komponiert
sind. (EMI)
Absolutist
Böse Zungen behaupten gern, Richard
Wagner habe jenseits der Opernbühne,
unter rein instrumentalen Bedingungen gar nicht richtig komponieren können. Wer das glaubt, der höre sich einmal die Klaviersonaten oder die fisMoll-Fantasie des noch nicht 20-Jährigen an: ziemlich redundant, aber formal absolut „gültige“ Musik. Nur dass
Wagner später für das Klavier fast nur
dann noch komponiert, wenn er kleine
Stücke als besonders edle Geschenke
braucht: für reiche Gönnerinnen meistens, vor allem natürlich die geliebte
Mathilde Wesendonck. Pier Paolo Vincenzi hat das gesamte Klavierwerk auf
zwei CDs eingespielt, mit organischem
Schwung und zugleich Sensibilität
für das Detail. Im
Jahr des 200. Geburtstags für echte
Wagnerianer alternativlos. (Brilliant
Classics)
Dämmrung
Kein Jubiläum, aber doch eine Huldigung: Wie durch Schleier blickt man auf
die vier Symphonien von Johannes
Brahms in vier Orchesterstücken, die
Wolfgang Rihm als Seitenstücke zu
diesen für das Luzerner Sinfonieorchester komponiert hat. „Nähe fern“ eben,
wie Rihm die nun aus diesen vier Stücken gebildete Symphonie nennt – nach
einer Wendung in Goethes Gedicht
„Dämmrung senkte sich von oben“, das
er als Orchesterlied integriert. Im Dirigat von James Gaffigan taucht man ein
in ein Reich voll maßloser Schönheit,
das wie so oft bei
Rihm mit entschiedenem Willen zur
Überwältigung
daherkommt. (harmonia mundi)
MICHAEL
STALLKNECHT
I
Dienstag, 23. Juli 2013, Nr. 168 DEFGH
Erstarrt in Schönheit
Nicht nur in Weimar, auch in vielen anderen Orten Thüringens und
Sachsens feiert man van de Veldes 150. Geburtstag mit Ausstellungen
Wo es aufs Funktionieren ankam,
da zeigte er sich seinen Plänen
manchmal nicht gewachsen
Von der Natur lässt
sich der Designer eher anregen,
als dass er sie nachahmt
Beide Häuser sind, nach einer langen
Phase traurigen Verfalls, seit einigen Jahren wieder aufwendig hergerichtet und zu
besichtigen. Hier lässt sich am besten studieren, welches Gesamtkonzept van de Velde im Blick hatte; Vorhangstangen und
Salzstreuer hielt er nicht für unter seiner
Würde. Die ihm unmittelbar nachfolgende
Epoche hat ihn darum gern als Kunstgewerbler geschmäht; und dass der Zweckverband der mitteldeutschen Aussteller
sich auf den Gesamttitel „Alleskünstler“
geeinigt hat, scheint nur wenig geeignet,
ihn vor diesem Odium zu erretten. Wie so
viele seiner Zeitgenossen kurz nach 1900
wollte er das Leben als Ganzes ergreifen
und reformieren. Er verstand sich darum
als Entwurfskünstler, der die Gegenstände
nicht eigentlich selber schuf (wie es beispielsweise ein Maler tut), aber auch nicht
bloß ein Design für die Massenproduktion
liefert, sondern sich die Handwerker heranzog, die er brauchte.
In der Keramikstadt Bürgel arbeitete er
gleich mit mehreren Werkstätten zusammen. Aufschlussreich ist es hier, außer der
van de Velde-Ausstellung auch die Dauersammlung anzuschauen: Kurz bevor van
de Velde kam, hatten dieselben Töpfermeister wilhelminische Urnen-Ungeheuer
mit Löwenpranken und Adlerschwingen
gefertigt; nun überließen sie sich widerspruchslos den Weimarer Vorschlägen. Selten kann man den Stil sich mit solch plötzlicher Gewaltsamkeit wandeln sehen. Selten
auch erblickt man so viel Lust am Experiment mit ungewissem Ausgang. Die Vitrinen haben Überfluss an Formen und Farbkombinationen; der verblüffte Besucher
findet seine ästhetischen Maßstäbe gründlich in Frage gestellt. Ist das schön, eine Vase mit verlaufender Glasur aus Türkis, Altrosa und einem Braun, das allmählich von
Gold in Schokolade übergeht? Die Antwort
muss lauten: ja – aber nur, weil dieser kühnen Zusammenstellung an entscheidender Stelle kleine plastische Schneckenvoluten zu Hilfe eilen, die das Ganze auf einmal
zu einer Geburt des Meeres umdeuten.
heute keine endgültige Antwort gefunden.
Van de Velde ist lehrreich wegen der Anstrengung, die er ihr widmet – und auch
der Ausflüchte wegen, die er macht. Die
Chemnitzer Kunstsammlungen zeigen gegenwärtig eine große Palette von Geschirr
und Besteck, das er entworfen hat. Manches ließe sich in seiner Schlichtheit nicht
von Erzeugnissen des Bauhauses unterscheiden; anderes verrät seine Herkunft
nur durch eine wellen- oder peitschenhiebförmige Linie, von der das Objekt weniger
geschmückt als vielmehr gepackt wird.
(Denn Ornament in dem Sinn, wie Adolf
Loos es hasste, als die nichtsnutzige Überkrustung eines Gebrauchskerns, findet
sich bei ihm nirgends.) So betont einfach jedoch diese Dinge sich darbieten, so komplex ist ihre rituelle Nutzung: drei Sets von
Gläsern, fünf Sets von Löffeln, Messern
und Gabeln entfalten sich auf einem einzigen gedeckten Tisch, alle für wohlunterschiedene Zwecke geformt, dazu Spezialgerätschaften wie Sardellenheber und Hummerzangen: Das täuscht arbeitsteilige
Funktionalität vor, zelebriert aber zuletzt
vor allem den feinen Unterschied gegenüber Zeitgenossen, die sich weder einen
Hummer noch einen van de Velde leisten
konnten.
Für das Haus Schulenburg in Gera entwarf van de Velde das Gesamtkonzept, Salzstreuer inklusive.
Zwei Anforderungen wollte sich van de
Velde zu gleichen Teilen und auf einmal unterwerfen: Schön und praktisch sollte sein,
was er hervorbrachte. „Du sollst die Form
und die Konstruktion aller Gegenstände“,
so zitiert ihn die Ausstellung im Jenaer
Stadtmuseum, „nur im Sinne ihrer elementaren strengsten Logik und Daseinsberechtigung erfassen. Du sollst diese Formen
und Konstruktionen dem wesentlichen Gebrauch des Materials, das du auswählst, anpassen und unterordnen.“ Das klingt in seiner biblischen Diktion hart und kompromisslos. Doch nicht von ungefähr wandte
er seine Aufmerksamkeit bevorzugt Dingen wie Gefäßen, Lampen und Tapeten zu,
solchen Gebrauchsgegenständen also, bei
denen man den Anteil der funktionalen
Festlegung an der Gesamtgestalt als insgesamt eher gering einschätzen darf. Seine
Stoffe sind Metall, Ton, Glas, Textil, alle
weich im Augenblick, wo die formende
Hand sie berührt – die beschworene Logik
des Materials gestattet hier mehr Freiheit,
als es auf Anhieb scheint. Man begreift, wie
van de Velde mit seinen Prinzipien zum
Vorläufer des Bauhauses werden konnte
(das ab 1919 die Tradition seiner Weimarer
Schule fortsetzte, übrigens auf seine ausdrückliche Empfehlung hin), ohne dass er
sich doch zwingen ließ, sie bis zu dessen
eckiger Härte zu treiben.
Besonders die Jenaer Ausstellung ist geeignet, diese Sonderposition van de Veldes
zwischen Alt und Neu zu beleuchten, indem sie eine große Menge anderer zeitge-
FOTO: JENS HAUSPURG
nössischer Produktion zeigt. Zwar laufen
auch diese Vasen und Broschen, viele aus
Frankreich und Wien, unter dem Sammelbegriff des „Jugendstil“ mit. Aber ihre Neigung zu allegorischen Maiden und realistisch floralem Dekor lässt sie eher als leicht
aufgehellte Nachzügler des 19. Jahrhunderts erscheinen denn als Vorboten der Moderne, als den man van de Velde trotz allem
zweifellos bezeichnen kann. Von der Natur
lässt er sich eher anregen, als dass er sie
nachahmt. So etwas wie der Jenaer Leuchter, der mit zwei ausufernden zinnernen Armen ein ganzes Luftorchester zu dirigieren
scheint, ehe er bei seinen Kerzen anlangt,
wäre ihm nicht passiert.
Wie man Schönheit und Brauchbarkeit
zusammenbringen soll, diese Frage hat bis
Wo es hingegen auf echtes Funktionieren ankam, da zeigte er sich seinen Plänen
manchmal technisch nicht gewachsen. In
der Villa Esche sind die Heizkörper als kostbare Schreine gestaltet; aber richtig geheizt haben sie nie. Der Auftraggeber ermahnte sich schließlich dazu, van de Veldes unbenutzbares Bad herauszureißen.
Da war es schon zu spät: Frau Esche starb,
noch jung, an einer Lungenerkrankung.
Wer die Schönheit angeschaut mit Augen,
sagt der Dichter August von Platen, sei
dem Tode schon anheimgegeben; insbesondere, möchte man hinzufügen, wenn
sie in Gestalt eines defekten Warmwasserhahns daherkommt.
Van de Velde denkt und formt für das industrielle Großbürgertum. Dessen und folgerichtig auch seine große Zeit war mit
dem Ersten Weltkrieg vorüber. In Erfurt
wird das Projekt eines riesigen Museums
dokumentiert, welches die Stadt bei ihm
1913 in Auftrag gegeben hatte und aus dem
in der Folgezeit nichts wurde. Betrachtet
man die Zeichnungen und Modelle, wird
man das Gefühl nicht los, dass van de Velde
hier nicht nur die Wirren des Kriegs in die
Quere kamen. Einen weiten, einen allzu
weiten Weg hat er zurückgelegt von Hummerzangen und Pfeifenetuis und ist jetzt
müde. Ungelenk hantiert er mit den Massen dieses Riesenkastens und findet etwa
nicht zu einer einheitlichen Traufhöhe
(was mit Problemen der Wasserableitung
zu tun hat). Traditionellen Museumskonzepten weiß er mit seiner kleinkammerigen Gliederung nicht im Ernst etwas Neues entgegenzusetzen; vielleicht wäre sogar
der ursprünglich ins Auge gefasste Neurenaissance-Bau, gegen den er und seine Anhänger polemisiert hatten, überzeugender
geraten.
Henri van de Velde hatte viel Zeit, sich
selbst zu überleben. Erst 1957, im Alter von
94 Jahren starb dieser ebenso vielseitige
wie vieldeutige Schöpfer, diese in ihrem Zögern, hinüberzutreten, vielleicht interessanteste künstlerische Figur auf der
Schwelle zur Moderne.
Das eigenartigste Exponat in diesem
ganzen reizvoll kleinteiligen Bouquet von
Ausstellungen stellt ein Zufallsfund dar,
der bei der Renovierung des Hauses Schulenburg in Gera ans Licht kam: eine überaus zierliche Damenpistole, unlösbar fest
eingewachsen ins Holz der Buchenhecke.
Naturschönes und zweckhaft Künstliches
innigst verschlungen, ein anmutiges Rätsel nicht ohne Gefahr. Van de Velde hätte es
gefallen.
Alleskünstler. Das Van-de-Velde-Jahr 2013 in Thüringen und Sachsen. Stadtmuseum Jena, bis 1. September; Angermuseum Erfurt, bis 1. September;
Keramik-Museum Bürgel, bis 22. September; Haus
Schulenburg Gera, bis 22. Dezember; Kunstsammlungen Chemnitz, bis 8. September; Villa Esche
Chemnitz. Infos unter: www.vandevelde2013.de
Neues vom Trickser
Schockierend
Elvis Costello präsentiert sich in der Tonhalle Düsseldorf als charmantes Universalgenie
Offene Solidarität von Künstlern
für „Pussy Riot“-Aktivistinnen
Einen Konzertraum ohne Probleme gibt es
fast nirgendwo. Ein problematischer
Raum ist auch die ehrwürdige Tonhalle in
Düsseldorf, zumindest für Elvis Costello
und seine Imposters. Die vier Männer auf
der Bühne möchten an diesem Sonntagabend zunächst ein wenig Rockmusik spielen. Doch die Plätze des ersten und zweitens Parketts sind für lange Konzertabende mit Orchestern konzipiert. Viel zu gemütlich sitzt man dort, die brillant gespielten Songs perlen am Publikum ab.
Der Künstler merkt sofort, dass hier etwas nicht stimmt. Seit fast 40 Jahren steht
Costello nun auf Bühnen, da weiß er, was
nun zu tun ist. Er schnappt sich ein Funkmikro, lässt seine Imposters mit höchster
Eleganz das Charles-Aznavour-Chanson
„She“ spielen und unternimmt einen Ausflug ins Parkett.
Wieder zurück auf der Bühne, hat sich
die Tonhalle in einen anderen Ort gewandelt. Die vier Männer spielen wieder Rockmusik, doch die Distanz zwischen Bühne
und Publikum ist verschwunden. Der Kuppelbau am Rhein glüht nun wie ein kleiner
Club, nur ist die Luft wesentlich besser.
Costello ist sichtlich zufrieden. Es muss ein
erhabenes Gefühl sein, als Musiker das Talent zu besitzen, problematische Räume zu
erobern. Das gelingt nur den musikali-
schen Universalgenies. Davon gibt es nur
sehr wenige, Costello ist eines der größten.
Er beherrscht mehr Stile, als iTunes benennen kann: New Wave und Ragtime,
Kneipenrock und Reggae, Folk und Chanson, Jazz und Pop – und das ist nur ein kleiner Auszug. Ende Juni spielte der Brite
beim Glastonbury-Festival, der größten
Rocksause des Planeten. Die Rolling Stones waren drei Stunden später dran, einen
Song wie den frühen Costello-Hit „(What's
So Funny 'Bout) Peace, Love And Understanding“ könnten sie in ihrem Repertoire
auch gut gebrauchen.
Ein paar Tage später war er dann Headliner eines exquisiten belgischen Jazz-Festivals. Zwischen Glastonbury und Gent liegen Welten, doch die Filmchen im Internet
beweisen: Der Trickser kriegt sie alle, das
berauschte Gummistiefel-Klientel genau
so wie die konzentrierten Jazzniks. Und
dann eben auch die Düsseldorfer.
Nun könnte man denken, einem wie Elvis Costello sei diese Gabe in den Schoß gefallen. Schon sein Vater Ross MacManus
verdiente sein Geld als Jazz-Trompeter,
und statt zum Fußball nahm er seinen
Sohn Declan Patrick mit zur Bandprobe.
Doch Costellos Geheimnis ist, dass er auch
mit 59 Jahren nicht aufhört, von den Besten zu lernen. Er begann damit, als seine
tete Stadt. Vor allem aber zog es Costello in
die Bars, wo die Jazz-, Soul- und Funk-Ensembles für ein warmes Abendessen aufspielen. Wie viel Leben in der kaputten Bude New Orleans noch herrscht, zeigt die hervorragende Fernsehserie „Treme“. Costello hat in der ersten Staffel sogar einen kurzen Gastauftritt: In einer Kaschemme
schaut er einer Kapelle dabei zu, wie sie die
Schwermut an die Wand spielt. Den Umständen trotzen – eine wichtige Lektion.
Dann sagt das „Wheel of Songs“,
was jetzt gespielt wird
Elvis Costello hört nicht auf, von den Besten zu lernen. FOTO: DIMITRI HAKKE / GETTY IMAGES
Karriere in den Neunzigerjahren nach mittelprächtigen Alben bereits auszulaufen
schien.
Costello arbeitete mit Burt Bacharach
und Anne Sofie von Otter, schrieb ein Orchesterwerk und spielte mit Jazzmusikern. Zuletzt besuchte er häufig New Orleans, nahm dort mit Allen Toussaint auf
und musizierte auf Benefiz-Veranstaltungen für die vom Hurrikan Katrina verwüs-
Und das Lernen geht weiter: Im September erscheint Costellos Zusammenarbeit
mit The Roots, Amerikas wichtigster HipHop-Band. Es wird das Pop-Ereignis des
Spätsommers werden, doch bevor es soweit ist, zieht Elvis Costello noch ein wenig
durch Europa. Manchmal hat er sein
„Wheel of Songs“ dabei, sein LiederGlücksrad. Dann bestimmt der Zufall die
Setlist. In Düsseldorf lässt sich Costello
nur einmal reinreden. „Welcher Song fehlt
noch?“ fragt er mitten im Zugabenblock.
Die Leute stehen längst und rufen wild
durcheinander, wie bei einer Auktion auf
der nahegelegenen Kö: „Allison!“, „Pump
It Up!“, „Radio, Radio!“
ANDRE BOSSE
Mehr als einhundert internationale Künstler haben die sofortige Freilassung der beiden noch inhaftierten Mitglieder der russischen Frauenpunkband „Pussy Riot“ gefordert. Den von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International initiierten
Solidaritätsbrief unterzeichneten Bryan
Adams, Adele, Bob Geldof, Elton John, Radiohead, U2, Bruce Springsteen, Madonna
und Coldplay.
Mit der Aktion wollen sie Nadeschda Tolokonnikowa und Maria Aljochina unterstützen: Die 23 und 25 Jahre alten Frauen
waren im August letzten Jahres wegen eines Protestkonzerts gegen den russischen
Präsidenten Wladimir Putin in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale zu zwei
Jahren Lagerhaft verurteilt worden. In
dem Brief verweisen die Unterstützer auf
das „schockierend unfaire“ Verfahren und
fordern die russischen Behörden auf, die
„harten Urteilssprüche zu überprüfen.“
„Viele Musiker sagten mir, wenn man
keinen Protestsong singen kann, ohne
Angst vor einer Haftstrafe haben zu müssen, dann läuft etwas falsch“, begründete
Organisatorin Lucy Macnamara den starken Zuspruch von Kreativen. Für den 24.
und 26. Juli sind Anhörungen zur vorzeitigen Haftentlassung der beiden „Pussy-Riot“-Aktivistinnen angesetzt.
AFP
FEUILLETON
DEFGH Nr. 168, Dienstag, 23. Juli 2013
HF2
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Kosmos
der Elite
Spanien sucht nach den tieferen Gründen der Krise
Walker Evans konnte mit den Augen eines Fremden das „Parkende Auto, Hauptstraße einer Kleinstadt“ ( 1936) entdecken. FOTO:© WALKER EVANS, MOMA NEW YORK / COURTESY SCHIRMER/MOSEL
Die literarische Kamera
Eine genuin amerikanische Kunst: Das Museum of Modern Art feiert das 75. Jubiläum von
Walker Evans’ epochaler Fotografie-Ausstellung und dem Bildband „American Photographs“
VON HEINZ LIESBROCK
W
enn das New Yorker Museum of
Modern Art (MoMA) dieser Tage
eine Ausstellung mit 60 frühen
Fotografien von Walker Evans aus der eigenen Sammlung eröffnet, erinnert es nicht
allein an dessen erste museale Ausstellung
und den epochalen Bildband „American
Photographs“, deren 75. Jubiläum jetzt ansteht. Das Haus richtet damit den Blick
auch auf seine eigene Geschichte. Denn
mit der ersten Einzelausstellung eines Fotografen begann das MoMA, lange vor allen anderen Institutionen, seine systematische Beschäftigung mit der Fotografie, die
hier als Bildkunst eigenen Rechts verstanden wurde. Zugleich entdeckte das noch
junge Museum, dem es in seinem Programm bis dahin vor allem um die europäische Moderne gegangen war, in Evans’ Fotografien eine genuin amerikanische
Kunst in ihren unverwechselbaren Ausdrucksmöglichkeiten.
Wie lässt sich die künstlerische Leistung dieses wirkmächtigsten Fotografen
des 20. Jahrhunderts beschreiben? Tatsächlich muss man von Europa ausgehen,
sein Werk ist unauflöslich mit der modernen, vor allem der französischen Literatur
verbunden. Evans kam 1923 zum LiteraturStudium an die Pariser Sorbonne, sein Ziel
war eine Karriere als Schriftsteller. Erst
später wandte er sich der Fotografie zu,
machte so die ästhetischen Lehren Flauberts und Baudelaires für sich fruchtbar.
Nach seiner Rückkehr in die USA begriff er,
dass das Material, nach dem er suchte, auf
den Straßen und in den kleinbürgerlichen
Wohnungen offen zutage lag. Das Vorbild
der französischen Literatur half ihm, die
prosaische Lebenswirklichkeit der USA in
ihren ästhetischen Möglichkeiten zu begreifen. Denn er blickte nun mit den Augen
eines Fremden auf Amerika. Dabei war
sein Zugriff von einer Direktheit, die sich jede offensichtliche Ästhetisierung verbat,
etwa durch eine Annäherung an die Sprache der Malerei, wie sie in der Fotografie
um 1900 vielfach gepflegt worden war.
Walker Evans benötigte nur wenige Jahre, um seine neue Vorstellung einer künstlerischen Fotografie auszuformulieren.
Die Merkmale seiner Bildsprache sind innere Distanz, Ökonomie der Mittel und intellektuelle Schärfe. Was ihn faszinierte,
waren jene Sujets, die bis dahin für die Fotografie ohne Interesse gewesen waren:
die Zeichen und Symbole der kommerziellen Welt, eine gesichtslose, anonyme Architektur und die vernachlässigten Ränder
William Carlos Williams erkannte
hier, „dass wir in unserer
Anonymität doch wertvoll sind“
der industriellen Landschaft. Unübersehbar auch die Nöte der Wirtschaftskrise. In
diesem Werk begegnen wir dem Antlitz
der amerikanischen Nation. Es ist die Kultur einer Massengesellschaft, die, obwohl
nicht im traditionellen Sinn durch Bildung
und Wohlstand geprägt, doch eine eigene
Ästhetik und Kreativität offenbart. Das
scheinbar Banale wird bei Evans zum Außerordentlichen. „Wir begreifen, dass wir
in unserer Anonymität doch wertvoll
sind“, so hat William Carlos Williams damals seine Erfahrung mit den Bildern von
Evans beschrieben.
Als Autor wollte sich Evans unsichtbar
machen, jeder moralisierende Gestus war
ihm, nach Flaubert, ein Gräuel. Dennoch:
Was auf den ersten Blick wie eine bloße Dokumentation des Sichtbaren erscheinen
kann, bleibt ein besonderer Stil, der sich
ganz an die Erscheinung der Dinge bindet
und sie gleichzeitig, insbesondere mit dem
weich seitlich einfallenden Licht, künstlerisch transzendiert. Für Evans war die innere Distanz des Autors Bedingung, um den
Anschein der Dinge durchsichtig zu machen. Es galt, sie einzuordnen in eine tiefere historische Dimension, die in eine Zukunft reicht, in der das Raunen der Tagespolitik, das sie jetzt noch begleitet, verstummt sein wird. Er selbst hat diese Überzeugung prägnant formuliert: „Evans war
und ist interessiert daran, wie jede Gegenwart einmal als Vergangenheit erscheinen
wird.“
So transformierte der Fotograf das Erbe
von Eugène Atget und August Sander, die
ihm unmittelbar vorausgegangen waren,
im Angesicht Amerikas in eine bis dahin
unbekannte Bildsprache. Es stellt gewissermaßen den Kurs der Fotografie neu ein.
Kaum ein Fotograf in Europa und den USA
– von Robert Frank, William Eggleston
und Gary Winogrand bis zu Bernd und Hilla Becher und deren Schülern –, der seitdem nicht von Evans’ Blick berührt worden wäre. Das im Jahr 1938 zur Ausstellung „American Photographs“ erschiene-
ne Buch, das nun erstmals in einer deutschen Ausgabe des Verlags Schirmer/Mosel vorliegt, wurde gleichfalls zum Vorbild
eines Genres: Man darf es das Opus magnum unter den vielen Fotografiebüchern
nennen, die seitdem erschienen sind. Es ist
kein Katalog, denn Evans hatte früh erkannt, wie weit das fotografische Buch
über die Vermittlungsmöglichkeiten einer
Ausstellung hinausreicht. Über Konzeption und Produktion dieses Buchs hatte er
sich deswegen die vollständige Kontrolle
gesichert. Das nur leicht ins Hochformat
gestreckte Quadrat bietet sowohl den
quer-, als auch den hochformatigen Bildern Raum. Jeder der 87 Fotografien steht
eine Vakatseite gegenüber, auf der lediglich die Paginierung vermerkt ist. Alle Titel, die auch nur spärlichstes Notat des Was
und Wo sind, finden sich am Ende der Sequenz. Das fotografische Bild in seiner formalen Struktur ist für Evans das eigentliche Dokument, und nichts soll von dessen
genauer Lektüre ablenken, was auch
durch die strenge, rein typografische Gestaltung des Schutzumschlags unterstrichen wird: Die künstlerischen Bilder sollten nicht einfach die Neugier des Publikums wecken, sondern ihre Wirkung erst
im Innern des Buchs entfalten.
„American Photographs“ ist das
erste moderne Fotobuch: Keine
Aufnahme steht für sich allein
Alltags-Stillleben: Der Fotograf Walker Evans fokussierte
genauso auf den „Straßenstand bei Birmingham“ wie auf die
„Auslage eines Passbildfotografen, Savannah Georgia“ (beide 1936).
FOTO: WALKER EVANS, MOMA NEW YORK / COURTESY SCHIRMER/MOSEL
Evans gliedert die Fotografien in zwei
Kapitel. Im ersten Teil geht es um Porträts
von Menschen, die anonym bleiben, um
Denkmäler und Werbezeichen. Vor allem
Interieurs deuten den Menschen im Spiegel seiner Dinge. Der zweite Teil konzentriert sich auf Architekturen und deren Details, sowie auf städtebauliche Ensembles,
in denen die Nähe von Lebens- und Arbeitssphäre deutlich wird. Über all dem liegt eine unübersehbare Einförmigkeit. Evans
war überzeugt, dass unsere Häuser, Automobile und Kleider direkter Ausdruck unserer Lebensentwürfe sind.
Die Abfolge der Bilder ist genau komponiert. Dabei wird die einzelne Fotografie
perspektiviert, erst im Zusammenhang
mit den anderen erreicht sie ihre volle Bedeutung. Im Vor- und Zurückblättern begreift man den Sinn einer solchen Sequenzierung, wie sie nur im Buch möglich ist:
Denn der Bedeutungshorizont jeder der Fotografien wird durch die anderen mit gesteuert. Es geht dabei nicht um eine stringente Erzählung, sondern um freie Verbindungen, eine vielschichtige, assoziationsgesättigte Lektüre.
Evans war ein Künstler mit einem Auge
für visuelle Strukturen und einem pointierten Intellekt. Seine Fotografien geben in ihrer Komplexität Zeugnis von dieser doppelten Begabung. Dabei gibt eine Maxime, die
er spät im Leben formulierte, seiner Ästhetik ihre besondere Wendung: „Mich interessiert eigentlich alles – und letztlich auch
nichts.“ Nur der innere Abstand des Künstlers vermag den Phänomenen der Welt eine dauernde Form zu geben. „American
Photographs“ markiert den Moment, als
der amerikanische Alltag erstmals sein kulturelles Potenzial offenbarte.
Der Autor Heinz Liesbrock ist Direktor des Josef Albers Museums in Bottrop, er bereitet für den
Herbst 2014 eine Ausstellung zum Werk von Walker Evans vor.
American Photographs. Im Museum of Modern Art
bis zum 26. Januar 2014. Das Buch „Walker Evans,
American Photographs“, mit einem Text von Lincoln Kirstein, Nachwort von Sarah Meister, ist bei
Schirmer/Mosel erschienen und kostet 39,80 Euro.
„Porträts der Parlamentspräsidenten“
heißt ganz harmlos die 42 Seiten dicke Broschüre im Format eines CD-Booklets. Sie
enthält Schwarzweiß-Reproduktionen der
Konterfeis, wie sie die höchsten gewählten
spanischen Volksvertreter bei Künstlern in
Auftrag gegeben haben. Ein überaus nüchtern geschriebener Aufsatz über „Kunst
und Macht in Zeiten der Krise“ richtet keineswegs über den künstlerischen Geschmack oder gar die offenkundige Eitelkeit einiger der Porträtierten – da sprechen die Bilder für sich. Der Text informiert schlicht über deren Preise und stellt
diesen aktuelle amtliche Finanzdaten gegenüber. So kostete das nicht kitschfreie
Porträt der früheren konservativen Parlamentspräsidentin Luisa Fernanda Rudi
Úbeda 75 400 Euro, die Kürzungen der jetzigen konservativen Regierung im Gesundheits- und Bildungswesen machten zehn
Milliarden Euro aus.
Die Broschüre entstand im Rahmen eines Projekts, zu dem das Goethe-Institut
in Madrid unter dem Namen „participar.de“ junge spanische und deutsche
Künstler eingeladen hat. Die Konzeptkünstlerin Núria Güell sah auch die Entstehung des Heftes als Teil ihrer Aktion, denn
sie musste sich den Zugang zu den Abrechnungen der Porträts erstreiten. Die Parlamentsverwaltung gab schließlich nach, offenkundig, um drohende Pressepublikationen über diese besondere Art der Verschwendung öffentlicher Gelder zu vermeiden. Denn ein Anrecht auf die Ziffern hat eigentlich kein Bürger. In diesem Punkt passte sich das Projekt „participar.de“ in die
derzeitige Debatte über eine neue politische Kultur ein.
Die spanische Demokratie hat
keine Mechanismen entwickelt,
ihre Politiker zu kontrollieren
Diese Debatte kreist um die Kontrolle
der Machtausübung. Somit befindet sich
der Diskurs über die spanische Krise in einer neuen Phase: Die Energie der Indignados (Empörten) – Studenten, Gewerkschaften, Linksgruppen –, die vor zwei Jahren
die politische Szene beherrschten, war in
Katzenjammer umgeschlagen, als sie erkennen mussten, dass die „schweigende
Mehrheit“ nicht auf ihrer Seite steht: Diese
gab Ende 2011 den Konservativen das Mandat, das Land aus der Krise zu führen, obwohl einige von deren Spitzenleuten in Korruptionsaffären verstrickt waren.
Doch in den vergangenen Monaten
scheinen immer mehr Intellektuelle diese
Stimmung der kollektiven Depression
überwinden zu wollen. Vielerlei Versuche,
die tieferen Ursachen der Krise zu ergründen, führten zum selben Ergebnis: Es handle sich letztendlich um einen krassen Fall
von Elitenversagen. Möglich sei die Entwicklung geworden, weil die Bevölkerung
es den politischen Eliten gestattet habe,
die staatlichen Ressourcen als ihnen zustehende Verfügungsmasse zu betrachten.
Der Romancier Antonio Muñoz Molina
hatte vor einem Jahr in einem aufsehenerregenden Essay mit dem Titel „Tode lo que
era sólido“ (Alles, was einmal solide war)
dazu aufgerufen, die kollektive Wehleidigkeit zu überwinden und stattdessen schonungslos die Gründe und Motive des spanischen Absturzes zu analysieren.
Muñoz Molina, der kürzlich mit dem angesehenen Prinz-von-Asturien-Preis für
Literatur ausgezeichnet worden ist, beschreibt eine politische Kultur, die von
Großmannssucht geprägt und von Partikularinteressen dominiert ist. Entwickeln
konnte sie sich nach seinen Worten, weil
die spanische Demokratie keine Mechanismen entwickelt hat, ihre Repräsentanten
wirksam zu kontrollieren. Die öffentlichen
Ausgaben für die Repräsentation – Bauten, Zeremonien, Personalstäbe, in denen
oft Verwandte Anstellung finden – wuchsen ins Unermessliche, ebenso wie der Einfluss korrupter Seilschaften.
Die Krise sieht Muñoz Molina auch als
Spätfolge der Transición, des Übergangs
von der Franco-Diktator zur Demokratie
vom Ende der Siebzigerjahre an. Der damals geschlossene politische Burgfrieden
zwischen den großen politischen Gruppierungen habe zwar den Systemwechsel ermöglicht, aber auch zur Herausbildung einer auf materiellen Profit versessenen politischen Klasse geführt, deren Konflikte
und Rivalitäten oft nur inszeniert seien.
Die Botschaft des streitbaren Romanciers:
Die Krise ist hausgemacht, sie ist das Ergebnis des Verfalls der Gesellschaftskultur, deren Schlüsselbegriff das Gemeinwohl sein sollte, auch im Hinblick auf künftige Generationen.
An diesem Punkt setzen zahlreiche Essayisten mit ihren Plädoyers für eine neue
politische Kultur an. Der Madrider Volkswirtschaftler César Molinas beschreibt in
seinem Buch „Qué hacer con España“ (Was
tun mit Spanien?) mit geradezu mathematischer Präzision die Schwachpunkte des
jetzigen demokratischen Systems. Zu den
Ursünden zählt er die Übereinkunft der beiden dominierenden politischen Gruppierungen, der nun regierenden konservativen Volkspartei (PP) und der ebenfalls in
zahlreiche Korruptionsaffären verstrickten Sozialisten (PSOE), die Institutionen
untereinander aufzuteilen, die sie eigentlich kontrollieren sollten: Verfassungsgericht und Rechnungshof, überdies die
staatlichen Medien und die Staatskonzerne mit ihren lukrativen Vorstands- und
Aufsichtsratsposten.
Molinas erklärt daher, die spanische Demokratie sei zur „Partokratie“ degeneriert. Dabei stellt er die Funktion von Parteien als Institutionen der politischen Willensbildung keineswegs infrage, erst recht
nicht die Grundideen von Demokratie und
Marktwirtschaft, wie dies einige Wortführer der Indignados getan haben.
Vielmehr liefert er bei seinen zahlreichen öffentlichen Auftritten erst einmal eine beruhigende Lagebeschreibung: Alle
Umfragen und Analysen belegen eindeutig, dass die überwältigende Mehrheit der
Spanier nicht an Demokratie und Gewaltenteilung zweifelt, sondern an ihrer jetzigen politischen Elite, eingeschlossen den
zunehmend unglücklich agierenden König
Juan Carlos I., der für den offenkundig bis
ins Königshaus reichenden Korruptionssumpf zumindest moralisch mitverantwortlich gemacht wird.
Der Schlüsselbegriff für die Herausbildung einer neuen politischen Kultur, den
ja auch die Künstleraktion des Goethe-Instituts aufgegriffen hat, lautet: Partizipation, Bürgerbeteiligung. Voraussetzung dafür ist Transparenz, bisher eine Leerstelle
in der spanischen Demokratie. Bislang ist
es den Bürgern wie auch der Presse verwehrt, in Akten zu Entscheidungen der
politischen Gremien und der Verwaltung
Einblick zu nehmen. Nur die gewählten
Volksvertreter dürfen dies, vom Gemeinderat bis zum Parlamentsabgeordneten.
In den überlaufenen Seminaren, die die
früher kaum beachtete spanische Sektion
von Transparency International anbietet,
legen Fachleute aus Justiz, Verwaltung
und den Universitäten dar, dass dieser abgeschottete politische Kosmos den idealen
Nährgrund für Korruption darstellt, die
längst als einer der Hauptgründe für die
Krise ausgemacht ist.
Das Land leidet an mangelnder
politischer Erziehung und
seiner „mediterranen Mentalität“
Der Madrider Sprecher von Transparency International, der Wirtschaftsprofessor
Jesús Lizcano, hält deshalb eine breite gesellschaftliche Debatte über das von der Regierung zugesagte Transparenzgesetz für
unabdingbar. Es müsse sichergestellt werden, dass der Gesetzesentwurf der politischen Klasse nicht weiterhin Dunkelräume garantiert. Lizcano sieht allerdings das
Problem bei Weitem nicht nur in der Ausgestaltung von Gesetzen. Vielmehr nennt er
es eine Generationenaufgabe, die Gesellschaft zu mehr politischer Partizipation zu
ermuntern: Das Problem liege in der fehlenden politischen Erziehung und der „mediterranen Mentalität“.
Ursprünglich in kleinen Zirkeln und im
Internet ausgetragen, dominieren die Diskussionen um die Konstruktion einer neuen politischen Kultur längst die Kommentarspalten und die TV-Talkrunden. Die Zivilgesellschaft ist nach dem Schock, den
der Absturz in die Krise ausgelöst hat, wieder aufgewacht. Die Künstlerin Núria Güell jedenfalls hegt die Hoffnung, dass es so
bald kein Politiker mehr wagen werde, eine fünf- oder sechsstellige Summe aus
Steuermitteln für sein amtliches Porträt zu
verschwenden.
THOMAS URBAN
NACHRICHTEN
Urteil nach Tintenangriff
De Gemini gestorben
Eine Leserin wurde vor einem Gericht
in Sunderland verurteilt, weil sie die
schottische Krimi-Autorin Val McDermid während einer Signierstunde mit
Tinte übergossen hatte. Nach einem
Bericht des Guardian habe die Frau
namens Sandra Botham zwanzig Jahre
lang einen Groll gegen McDermid gehegt. In ihrem Buch „A Suitable Job for
a Woman“ (1994) beschreibt die Schriftstellerin eine Sandra „mit der Figur
eines Michelin-Männchens“. Botham
bezog die Stelle auf sich selbst und erschien bei einer Lesung McDermids an
der Sunderland University im vergangenen Dezember mit Perücke, Filzhut und
Sonnenbrille. Sie bat die Autorin um
eine Widmung für „Michelin Man San“
und griff sie mit einem Tintenfass an.
Auch vor Gericht sei es zu dramatischen
Szenen gekommen. Botham habe
McDermid beschimpft und sei aus dem
Saal gestürmt. SZ
Der italienische Musiker und Mundharmonikaspieler Franco De Gemini ist
nach langer Krankheit gestorben. De
Gemini, der vor allem mit Ennio Morricones Soundtrack zu dem Westernklassiker „Spiel mir das Lied vom Tod“ bekannt wurde, starb im Alter von 84
Jahren in Rom. Der auch „Mundharmonika-Mann“ genannte Italiener wirkte
an mehr als 800 Filmmusiken mit. DPA
De La Patellière tot
Der französische Filmemacher Denys
de La Patellière ist am Sonntag im Alter
von 92 Jahren in der Bretagne verstorben. Er drehte unter anderem mit Jean
Gabin, Jeanne Moreau und Charles
Aznavour. Zu seinen bekanntesten Filmen gehören das Kriegsdrama „Taxi
nach Tobruk“ mit Hardy Krüger und
der Historienfilm „Im Reich des Kublai
Khan“ mit Horst Buchholz. DPA
14
LITERATUR
HF2
Dienstag, 23. Juli 2013, Nr. 168 DEFGH
Stünd’ ich vor dir allein
Vom Kampf mit Berggipfeln, Vulkanen, Steilwänden und Wildnissen: Der Philosoph Jürgen Goldstein inszeniert
die Entdeckung der Natur als eine Folge individueller Dramen
Vertreter der damaligen Restaurationszeit, finanzieren lassen und war in dessen
Auftrag unterwegs. Daraus ist allerdings
Humboldts prekärstes, spannendstes und
bis heute in Deutschland nicht eingeholtes
Werk entstanden: „Zentral-Asien“ heißt
es, ist 1840 zuerst in Paris erschienen und
liegt seit 2009 auch auf Deutsch in einer
herausragend edierten Prachtausgabe vor.
Die Lücke in Goldsteins Text, die der
Fehler nicht verdecken kann, öffnet aber
das Denken auf Humboldts Zentral-Asien,
und das macht im Widerspruch gute Laune. Wobei der philologische Furor, mit
dem man Goldstein von der ersten Seite an
liest, auch durch seine exakte Behandlung
der zitierten Quellen befeuert wird. Außerdem schreckt er auch vor sonst verschwiegenen Wahrheiten nicht zurück, wie Darwins Diktum, nach dem es gut wäre, „wenn
alle Wissenschaftler im Alter von sechzig
Jahren stürben“, weil sie danach gegen alle
neuen Lehren seien. Und nicht zuletzt
führt er seine Naturerfahrungsgeschichte
in ein furioses Finale. Was bleibt einem
denn noch zu tun, wenn die Welt dank der
Humboldts und Darwins endgültig vermessen ist und die Natur kein unbekanntes
Außen mehr bietet?
VON CORD RIECHELMANN
D
ie Natur ist heute kein politischer
Kampfbegriff mehr. Wer im botanischen Garten von Singapur dem
Rundweg folgt, landet in einem Kinosaal
mit bequemen Stühlen und Bänken. Zu sehen gibt es dort einen Film über die Verheerungen des Klimawandels und die damit
einhergehende Verwüstung der Erde. Die
Bilder sind glanzpoliert wie die ganze
Stadt und erzeugen keinen Kontrast zu
den nur unweit vom Garten in langen
Schlangen auf dem Meer vor dem Hafen
wartenden Containerschiffen, die die Waren in die Stadt bringen, mit deren Umschlag Singapur reich geworden ist. Konsum und Natur kommen unter dem Signum der Erde im Naturpark zusammen.
Wenn es um „the Whole Earth“ geht,
fügt sich zusammen, was Gott getrennt
hat. Ökonomie und Ökologie blinzeln sich
in den Verlautbarungen der Deutschen
Bank genauso freundlich an wie in den Erklärungen chinesischer Staatskonzerne.
Das war nicht immer so. Judith Schalansky
liefert mit den Bänden zwei und drei der
von ihr im Verlag Matthes & Seitz herausgegebenen Reihe „Naturkunden“ Dokumente des politischen Naturbegriffs wie seiner
Neutralisierung. Dadurch führt sie in ihre
Reihe einen Kontrast ein, der schärfer
nicht sein könnte und deshalb politisch im
Sinne einer Kontrast- und Widerspruchsverschärfung ist.
Nach der Vermessung der Welt
bleibt das Innere
Chateaubriand musste sich 1804
richtig anstrengen, um vom
Vesuv beeindruckt zu sein
Während John Muirs „Die Berge von Kalifornien“, im amerikanischen Original
1894 erschienen, ein Werk des militanten
Kampfes gegen die Privatisierung der Natur durch die Kolonisierung des amerikanischen Wilden Westens ist, ist Jürgen Goldsteins „Die Entdeckung der Natur“ das Gegenteil: die hochkomplizierte Akzeptanz
der Privatisierung der Natur. Muir gilt als
Vater der Nationalparkidee in den USA. Vergessen wird dabei, dass der amerikanische
Nationalpark aus einer Bewegung hervorging, der eine nie veraltete Erfahrung zugrunde liegt: Die Naturschönheiten, vor allem die Ur- und Regenwälder, lassen sich
nur erhalten, wenn man sie dem privaten
Besitz und damit der Ausbeutung entzieht.
Das war in den USA nicht nur im Wilden
Westen ein Kampf um Leben und Tod. Von
Henry David Thoreau über John Muir bis
zu Gary Snyder und Robert Pogue Harrison haben amerikanische Naturdenker immer darauf bestanden, dass die Natur nur
als besitzloser Gemeinschaftsraum betrachtet werden kann. Damit wollten und
wollen die Aktivisten auch ein uneingelöstes Versprechen der amerikanischen Revolution wachhalten: die Tatsache, dass sich
im amerikanischen Traum das Naturschöne und das Sozialschöne nicht ausschließen, sondern zusammengehören.
Auch bei Goldstein geht es in einigen
Etappen der Erfahrungsgeschichte der Naturwahrnehmung um Leben und Tod,
doch geht es in den von ihm geschilderten
Kämpfen nicht um die Gestaltung von Räumen zum sozialen Gebrauch. Goldstein in-
Jürgen Goldstein geht es in seiner „Entdeckung der Natur“ um eine Geschichte der rein kontemplativen Betrachtung der nackten Tatsachen der Natur. Schon die Unmittelbarkeit des Eindrucks zu erlangen, bedarf einiger Anstrengung. Blick auf die Everest-Gruppe.
FOTO: DPA
szeniert die Kämpfe mit der Natur als individuelle Dramen. Seine Protagonisten
scheitern allein an Steilwänden, Berggipfeln oder in der Wildnis Alaskas. Es geht
ihm um eine Geschichte der rein kontemplativen Betrachtung der nackten Tatsachen der Natur. Und mit nackten Tatsachen beginnt er auch.
In dem Schock, der Charles Darwin befiel, als er am 18. Dezember 1832 auf seiner
langen Reise mit der Beagle den ersten Ureinwohner Feuerlands sah, verdichtet sich
eine Epochen übergreifende Erfahrung,
die alle Naturentdecker auf eine ähnliche
Art machen. Der Feuerlandindianer mit seinen verfilzten Haaren, seiner rauen Stimme und seinen gewalttätigen Gesten hatte
nichts mit dem zu tun, was Darwin bis dahin über die „Wilden“ wusste. Um dem Anblick, der sich ihm bot, angemessen begegnen zu können, musste Darwin alles bisher
Gehörte und Gelesene aus seiner Wahrnehmung ausschließen. Das ist eine Erfahrung, die Petrarca bereits 1336 machen
musste, als er in einer wesentlich ruhigeren Gegend als dem unwirtlichen Feuerland den Mont Ventoux bestieg. Petrarcas
Blick vom Mont Ventoux, heute vor allem
als eines der Bergetappenziele der Tour de
France bekannt, kann als Beginn der europäischen Landschaftsbetrachtung gelten.
Und um den Berg als Landschaft zu sehen,
wie sie geschaffen worden ist, muss Petrarca wie Darwin alles bisher Geschriebene
vergessen.
Für Schreibmenschen wie Petrarca ist
das keine leichte Aufgabe. Chateaubriand
muss sich, als er 1804 den Vesuv besteigt,
schon „geradezu anstrengen“, um sich von
dem Vulkan überwältigend beeindrucken
zu lassen, wie Goldstein schreibt. Die Unmittelbarkeit des Natureindrucks überhaupt erst zu erreichen, ist ein komplizierter Vorgang und was dabei herauskommt,
hängt eben auch von dem Temperament
ab, das sich dieser Erfahrung aussetzt.
Goldstein schafft es in fast schon mimetischer Perfektion, sich zum Diener der Er-
fahrungen seiner Helden zu machen. Das
mit Abstand langweiligste Kapitel des ersten Teils des Buches erzählt von Goethes
Besteigung des Brocken 1777 und wird damit beidem – Goethe und dem Brocken –
absolut gerecht. Wobei mit ersten Teil keine Kapitel- oder Seiteneinteilung gemeint
ist, sondern eine Erfahrungsbewegung. Es
geht im ersten Schritt der Naturerfahrungsgeschichte darum, wie eine noch
nicht bestimmte und vermessene Natur
als Außen in die Inneneinsicht des Menschen vordringen kann, ohne im Strom der
Konventionen als Natur abzusaufen.
Die Helden dieser Erfahrungslinie heißen bei Goldstein Charles Darwin und Alexander von Humboldt. Das Problem ist nur,
dass bei durch und durch intellektuellen
Naturen wie Humboldt und Darwin, Goldsteins Methode, die Erfahrungen seiner
Helden durch lange und phantastisch flüssig in den eigenen Text eingebaute Zitate
zu beglaubigen, nicht ohne Verkürzungen
zu haben ist.
Humboldt wie Darwin wussten sehr genau, dass Beobachtungen mit den Wahrnehmungsapparaturen der Zeit zu tun haben. Beide kontrollierten zum Beispiel den
Druck ihrer Bücher mit den Abbildungen
äußerst aufmerksam und kleinlich genau.
Eine Genauigkeit, die Darwin während seiner Reise auf der Beagle um die Welt, um
deren Beschreibung es Goldstein geht,
nicht immer an den Tag legte. Die Schlampigkeit, mit der Darwin etwa seine auf Galapagos gesammelten Vögel etikettierte, ist
mittlerweile legendär.
In Goldsteins Individualerfahrungserzählung würde die Abhängigkeit des Beobachters von den Bedingungen die Emphase des Augenblicks nur stören und so umgeht er sie. Das tut er aber sehenden Auges,
wenn er den Satz schreibt, Humboldt werde alle seine Reisen selbst finanzieren, einschließlich jener nach Sibirien. Aber so war
es nicht: Humboldt war vor seiner Russlandreise 1829 das Geld ausgegangen. Er
hat sie sich vom Zaren, dem reaktionärsten
Im Glanzkapitel des Buches – Reinhold
Messner besteigt 1980 den Mount Everest
– führt Goldstein es vor: Wenn das Außen
vermessen ist, kann man es nur noch im Innen finden, als Kampf gegen seine eigenen
Grenzen, als stetiges Eigenblutdoping.
Goldstein schafft es, dass man mit Messner selbst in diesen Kampf gegen eine Natur eintritt, die einem komplett egal ist, die
nur als Anlass für die Steigerung der eigenen Fähigkeiten taugt. Man fällt dabei mit
Messmer acht Meter tief in eine Gletscherspalte, kommt wieder raus und ist oben
auf dem Gipfel tatsächlich der Tatmensch,
der es allen verweichlichten Nieten gezeigt
hat.
Wenn da nicht der Goldstein wäre, der
Philosophie lehrt und in Münster neben
Philosophie auch katholische Theologie
studiert hat. Diesem Goldstein fällt nämlich in der eigenen Hingabe an die Messner’schen Erfahrungen der Name Nietzsche ein, dessen Übermenschen-Heroismus Messner, darauf angesprochen, auch
immer wieder bedient. Für Goldstein ist
der Nietzsche-Weg aber nicht begehbar, also muss er Messner und seine Erzählung
vor diesem Abgrund retten und das schafft
er auch. Er dreht den Messner-Heroismus
der Berggipfeleroberung in eine Innenansicht um, wie sie Augustinus in seinen Confessiones gepriesen hat. In eine Schau der
Grenzen des Selbst, die man aber – folgt
man Augustinus – auch erleben kann,
wenn man ganz ruhig zu Haus in einem
Zimmer bleibt.
Durch diese Spannung wird „Die Entdeckung der Natur“ zu einem Buch, mit dem
sich zu arbeiten lohnt.
Jürgen Goldstein: Die Entdeckung der Natur. Ein
Panorama in sechzehn Kapiteln. Verlag Matthes &
Seitz (Reihe Naturkunden), Berlin 2013. 310 Seiten,
38 Euro.
Winter und Rosen
Wir Versehrten
Strittige Insolvenz
Die Berliner Schriftstellerin Irina Liebmann wird siebzig
Ugo Riccarelli ist tot – sein letzter Roman bündelt seine Lebensthemen
Das Frankfurter Landgericht stärkt
Hans Barlach im Suhrkamp-Streit
Als sie im Juli 1943 in Moskau geboren wurde, war der Vater Irina Liebmanns, der
Journalist Rudolf Herrnstadt, seit einigen
Monaten Chefredakteur der Zeitung für
die deutschen Emigranten und Kriegsgefangenen. In dem Buch „Wäre es schön? Es
wäre schön!“ (2008), in dem sie aus Dokumenten, Befragungen von Zeitgenossen
und eigenen Erinnerungen die Lebensgeschichte ihres Vaters zusammensetzt,
kommt in wenigen Zeilen auch ihre eigene
Geburt vor, zwischen der Neuausrichtung
der Zeitung Freies Wort und der Gründung
des Nationalkomitees „Freies Deutschland“. Die Mutter, Valentina, eine Lehrerin, die aus Sibirien stammte, spielt nur eine Nebenrolle in der Vater-Geschichte,
aber in ihrem jüngsten Buch „Drei Schritte
nach Russland“ (2013) nähert sich Irina
Liebmann der Welt der Mutter. Mit ihr war
sie im Juli 1953 von der sibirischen Provinz
aus nach Berlin gereist. Der Vater, der Kommunist bürgerlich-jüdischer Herkunft, hatte nach Kriegsende das Neue Deutschland
mitbegründet – und war nach dem 17. Juni
vom Chefredakteursposten zum „Parteifeind“ und von Ulbricht attackierten Verräter hinabgestürzt.
Vielleicht hat Irina Liebmann ihre Neigung zur Wortmagie, zur rhythmisierten
Prosa und zu lyrischen Notizen, die so klingen, als wollten sie vertont werden, schon
als Kind in Merseburg ausgeprägt, im Abseits, wo der Vater im August 1953 landete.
Denn dort lebte die Familie nicht nur zwischen dem „Deutschen Zentralarchiv“ und
der Chemieindustrie, sondern auch in einer Bischofsstadt mit einem alten Schloss,
in dessen Hof ein lebender Rabe im Käfig
gehalten wurde, der natürlich auch die
Merseburger Zaubersprüche kannte: „Eiris sazun idisi . . .“.
Über Halle, wo sie das Abitur machte,
und Leipzig, wo sie studierte, kam Irina
Liebmann nach Ost-Berlin. Dort wurde sie
zur Autorin, schrieb seit den mittleren Siebzigerjahren Reportagen für die Wochenpost, porträtierte Menschen und Mietshäuser, stellte Berliner Figuren auf Theater-
bühnen und erweiterte nach dem Ende der
DDR ihre Stadterkundungen. In dem Band
„Die schönste Wohnung hab ich schon Was
soll denn jetzt noch werden“ (2010) – auch
so ein Titel, der wie ein Couplet klingt –
gibt es dazu einen Vierzeiler: „Wir / Ham
uns immer an der Mauer orientiert, / War
das schwer? / Ich würde sagen: Nein!“
Der Band „Stille Mitte von Berlin“
(2002) mit Essays und Fotografien trug seinen Titel nicht von ungefähr. So wie im Leben und Schreiben Irina Liebmanns die
Achse Moskau-Berlin unübersehbar ist, so
ist ihr Blick auf Berlin um die alte Mitte zentriert. Darin steckt aber keine Nostalgie,
sondern hartnäckige Bodenhaftung in der
Gegenwart, politisch wie poetisch. In dem
Bändchen „Das Lied vom Hackeschen
Markt“ (2012) lässt sich das nachlesen, es
enthält Texte aus den frühen Neunzigerjahren, in denen Berlin mehrfach belichtet
wird, vom Kriegsende über den 17. Juni
1953 bis hinein in die entstehende Berliner
Republik.
Irina Liebmann, geboren
1943 in Moskau, gewann
mit ihrem Buch „Wäre es
schön? Es wäre schön!“,
der Lebensgeschichte
ihres Vaters, den Sachbuchpreis der Leipziger
Buchmesse 2008.
FOTO: WITI DE TERA/OPALE
Vom Hackeschen Markt aus gesehen,
Russland im Rücken, verschwimmen die
Straßennamen weiter westlich ins LuftigPoetische: „Ja es ist Winter an der Winterfelder Straße / Und Rosen blühn am Rosenthaler Platz.“ Es ist nicht weit vom Hackeschen Markt zum Rosenthaler Platz, aber
eine Winterfelder Straße gibt es nicht in
Berlin. Irina Liebmann, die sie erfunden
hat, wird an diesem Dienstag siebzig Jahre
alt.
LOTHAR MÜLLER
Ugo Riccarelli hatte ein Ohr für die Versehrten. Zeit seines Lebens von schweren Lungen- und Nierenleiden gezeichnet, machte
er Erfahrungen der Schwäche zum Ausgangspunkt seiner literarischen Arbeit. In
seinem letzten auf Deutsch erschienenen
Roman „Die Residenz des Doktor Rattazzi“
standen die Insassen eines Irrenhauses im
Mittelpunkt: Einer isst Blumen, ein anderer singt lauthals, ein dritter springt wie besessen herum, ein vierter rezitiert von früh
bis spät Homer. Seit seiner Kindheit beobachtet Riccarellis Held Beniamino die Patienten des benachbarten Krankenhauses,
und nach und nach kommt dem jungen
Mann der Verdacht, dass es mit ihrer Verrücktheit eine besondere Bewandtnis haben könnte. Mitten im Zweiten Weltkrieg
scheinen die Männer und Frauen seltsam
geschützt zu sein durch ihren Wahn. Als
plötzlich Beniaminos Vater stirbt, und er
zum Lebensunterhalt der Familie beitragen muss, liegt es nahe, in der psychiatrischen Anstalt um Arbeit zu bitten.
Im Unterschied zu den anderen Pflegern begegnet Beniamino, der selbst Invalide ist und ein Medizinstudium abgebrochen hat, den Kranken mit Anteilnahme
und lässt sich auf ihre Wirrnis ein. In diesen Fähigkeiten erkennt der neue Arzt Doktor Rattazzi Beniaminos eigentliche Bestimmung. Vom Personal wegen ihrer ungewöhnlichen
Behandlungsmethoden
eher verlacht, verwirklichen die beiden
Männer eine Vision. Inmitten der Bombenangriffe retten sie die Kranken an einen
Ort, wo sie unbehelligt leben können, bis
sie auch dort zum Spielball der politischen
Verhältnisse werden.
Ugo Riccarelli, 1954 als Sohn toskanischer Eltern im piemontesischen Cirié bei
Turin geboren, Wahlrömer und Mitarbeiter des langjährigen Bürgermeisters Walter Veltroni, starb am Sonntag mit nur
58 Jahren. In „Die Residenz des Doktor Rattazzi“ kehrte er in den Erzählraum zurück,
der viele seiner Werke prägte und Teil seiner eigenen Familiengeschichte war: die
ländliche Toskana. Die kleinen Dörfer sind
Hort eines ursprünglichen Anarchismus
und politischer Gewitztheit; hier tobten
nach 1943 die Kämpfe zwischen Partisanen und Faschisten besonders heftig. Seit
seinem autobiografisch inspirierten Debüt
„Le scarpe appese al cuore“ (1995) über eine Herz- und Lungentransplantation behandelte Ugo Riccarelli neben historischen
Sujets immer wieder Grunderfahrungen
des menschlichen Daseins.
Der italienische Schriftsteller Ugo Riccarelli (1954-2013).
FOTO: MONDADORI
„Der Mann, der vielleicht Schulz hieß“,
das 1999 als erstes seiner Bücher auf
Deutsch erschien, war eine poetische Annäherung an den jüdischen Dichter Bruno
Schulz. Viele von Riccarellis Romanen
changierten zwischen Vision und Wirklichkeit: In „Stramonio“ (2000) ging es um einen Straßenfeger, Träumer und Alltagsdeuter zugleich, der die Stadt wie ein Buch
entzifferte. Zu seinen schönsten Werken
zählt der Erzählungsband „Fausto Coppis
Engel“ (2001) über die Schicksale berühmter Sportler wie den Radrennfahrer Coppi,
den brasilianischen Stürmer Garrincha
oder den Langstreckenläufer Emil Zátopek, deren Aufstiege und Niederlagen zu
Chiffren des Lebens werden. Die gegenläufigen historischen Strömungen zwischen
italienischer Einigung und Faschismus entfaltete Riccarelli in seinem preisgekrönten
historischen Roman „Der vollkommene
Schmerz“ (2006) und erfand dafür eine lyrisch-archaisierende Sprache. Der „Residenz des Doktor Rattazzi“ stellte der Autor
ein Motto von Karl Jaspers voran, in dem
von einer allgemeinen Verstellung die Rede ist und das Schizophrene als eine Bedingung für Echtheit bestimmt wird. Sein Doktor Rattazzi ist eine Art Vorläufer Franco
Basaglias (1924–1980), der mit seinen neuen Ansätzen die italienische Psychiatrie in
den Sechzigerjahren revolutionieren sollte. Der Arzt zahlt für seine Utopie mit dem
Leben, aber Beniamino tritt sein Erbe an.
Ugo Riccarelli lässt seinen Helden erkennen, dass gerade die Versehrungen den
Menschen ausmachen. Beniamino muss
erst aufhören, mit seiner eigenen Invalidität zu hadern, um dann die Symptome der
Kranken als Teil ihrer Persönlichkeit zu begreifen und zuzulassen. Riccarellis Menschenbild ist berührend, sein Roman gewinnt an Dramatik, als die Faschisten die
neu eröffnete Zufluchtsstätte für die Kranken überfallen. Der Schriftsteller pflegte
die Tugenden des Erzählens und stand unverkennbar in der Tradition des Humanismus. Er ging von den ursprünglichen
menschlichen Erfahrungen aus, die sich
spiralförmig in jeder Generation wiederholen: Liebe, Hass, Betrug, Versöhnung, Hoffnung. Die Conditio humana war für ihn das
Leiden.
Stilistisch knüpfte er auch in diesem Roman an den Gestus der mündlichen Rede
an. Seine Bücher wirkten mitunter wie aus
der Zeit gefallen, so als befände er sich in einer ästhetischen Lücke zwischen den Epochen. So wie Beniamino seine Kranken in
ihren Phantasien ernst nahm, kultivierte
auch Ugo Riccarelli bis zum Schluss die Tugenden des Erzählens.
MAIKE ALBATH
Ugo Riccarelli: Die Residenz des Doktor Rattazzi.
Aus dem Italienischen von Annette Kopetzki. Zsolnay Verlag, Wien 2013. 189 Seiten, 18,90 Euro.
Das Reservoir an Störmanövern, mit dem
im Streit um den Suhrkamp Verlag die Opponenten einander das Leben schwer machen, scheint noch längst nicht ausgeschöpft. Das Frankfurter Landgericht hat
am vergangenen Freitag auf Antrag der Medienholding AG Hans Barlachs die Siegfried und Ulla Unseld-Stiftung dazu verpflichtet, ihre Gewinnforderungen für die
Jahre 2010 und 2011 an die Suhrkamp Verlag GmbH & Co KG zu stunden.
Mit der Gewinnforderung hatte die Stiftung die Zahlungsunfähigkeit des Verlags
und damit das von ihr angestrebte Insolvenzverfahren sichern wollen, von dem
sich Ulla Unseld-Berkéwicz eine Stärkung
ihrer Position gegenüber der des Minderheitsgesellschafters Hans Barlach erhofft.
In einer Presseerklärung fordert dieser
nun, es müsse nach dem Wegfall der
„künstlich herbeigeführten Zahlungsunfähigkeit“ der vor dem Amtsgericht
Charlottenburg gestellte Insolvenzantrag
zurückgezogen werden.
Die Pressesprecherin des Suhrkamp Verlags, Tanja Postpischil, erklärte hierzu:
„Der Insolvenzantrag wurde aufgrund einer vorliegenden Überschuldung gestellt,
nicht aufgrund der Zahlungsunfähigkeit,
die die Medienholding nun beseitigt sieht.
Dieser Insolvenzgrund wird durch den
Frankfurter Beschluss nicht berührt. Ob
die Zahlungsunfähigkeit der Verlagsgruppe durch den vom Landgericht Frankfurt
erlassenen Beschluss beseitigt wurde,
ebenso wie die sich hieraus gegebenenfalls
ergebenden Konsequenzen, wird im Augenblick durch den Verlag und seine Berater geprüft.“
Kern des Vorgangs ist im Rahmen eines
Insolvenzverfahrens nach dem sogenannten „Schutzschirmverfahren“ die mögliche Umstrukturierung des Verlages. Der
Rechtsstreit vor dem Frankfurter Landgericht zeigt, dass Ulla Unseld-Berkéwicz
schon die Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Berlin-Charlottenburg als Chance,
der Minderheitengesellschafter Barlach
aber als Risiko für seine Position sieht. SZ
15
DAS POLITISCHE BUCH
DEFGH Nr. 168, Dienstag, 23. Juli 2013
„Weil ich
den Frieden will“
Spuren im Schnee
der Geschichte
Peter Köpf über Deserteure, die in die DDR flüchteten
Der Kalte Krieg prägt die politische Landschaft
immer noch – viel mehr, als wir meinen
In den Debatten über die DDR und ihre Bevölkerung fällt eines immer wieder auf:
Die, die nicht dabei waren, glauben am besten zu wissen, wie es gewesen sein muss.
So aber entsteht ein nur künstlich homogenes Bild dieser Vergangenheit. Darin ist neben der Schilderung von Unrecht, Armut
und Überwachung eigentlich kein Platz für
andere, womöglich weniger eindeutige Erzählungen. Der Journalist Peter Köpf war
nicht dabei, aber ein paar Erzählungen dieser Art hat er zusammengetragen.
Bekannt und gelernt und richtig ist,
dass schon bald nach dem Krieg viele Menschen aus dem Ostblock versuchten, in
den Westen zu flüchten. Bis zum Mauerbau desertierten zum Beispiel 6000 Soldaten der DDR-Streitkräfte. Kaum bekannt
und überraschend und ebenfalls richtig
ist, dass einige Nato-Soldaten ihrerseits in
die DDR überliefen. Köpf hat in den Archiven der Stasi und des DDR-Innenministeriums Akten studiert, denen zufolge etwa
200 Deserteure in der DDR Zuflucht suchten. So widersinnig dieses Ansinnen in seiner Abstraktion zunächst klingen mag, so
nachvollziehbar kann es im Einzelfall gewesen sein. Es gab Soldaten, die sich einem
möglichen Einsatz in Korea oder Vietnam
entziehen wollten; andere, die unter dem
real existierenden Rassismus in der US-Armee litten. Und dritte, die schlicht aus privaten oder politischen Gründen das Weite
suchten, wie der amerikanische Kommunist Victor Grossman, der bei der Musterung seine Mitgliedschaft in kommunistischen Jugendverbänden verschwiegen hatte. Das konnte ihm eine Haftstrafe einbringen. Als Grossman eine Vorladung des USMilitärgerichts in Nürnberg bekam, fasste
er einen Entschluss und schwamm bei
Linz über die Donau.
Die DDR jedenfalls nahm ihn und alle anderen gern, mit unlauterer Absicht. Dies
zeigt nicht nur das Propaganda-Lehr-
auch durch die Familien ging – und bis heute zum Beispiel im landestypischen Ahnengedenken weiterlebt. Historisch stigmatisierter Personen, wie etwa südvietnamesischer Soldaten, wird erst allmählich und
vorsichtig wieder gedacht, wie in einem
der gut zwei Dutzend Beiträge des Buches
sehr anschaulich beschrieben ist.
Wer in jüngerer Zeit in Vietnam unterwegs war, konnte zudem feststellen, dass
vor allem im Süden die Vorbehalte gegen
den Norden keineswegs beseitigt sind, sondern direkt unter der Oberfläche kräftig
weiterbrodeln. „Die da sind Kommunisten, wir sind frei“, sagte eine Fremdenführerin noch im Februar in Ho-Chi-MinhStadt – die dort übrigens immer noch Saigon genannt wird.
VON FRIEDERIKE BAUER
I
n Berlin demonstrierten Aktivisten vor
einiger Zeit wieder für den Erhalt von
Mauerresten: Ausgerechnet jenes Bauwerk, das jahrzehntelang Ost und West
trennte und wie kaum etwas sonst für den
Wettbewerb zweier Systeme stand,
braucht schon geschichtsbewusste Helfer,
um nicht vollends zu verschwinden. Das
Symbol des Kalten Krieges schlechthin
wurde so gründlich weggeklopft und abgetragen, dass seine Reste nur noch an einigen Stellen zu besichtigen sind. Genau wie
die Erinnerungen verblassen an jene Zeit,
für die die Mauer einst stand.
Hat sich unsere Welt nicht grundlegend
geändert seit damals? Nicht nur die Mauer
ist weg. Auch die beiden Blöcke sind gewichen, die Sowjetunion ist zerfallen; aus der
bipolaren Welt wurde eine multipolare.
Neue Akteure und Allianzen haben die
schablonenhafte Aufteilung der Staaten
abgelöst. Die Brics-Länder – Brasilien,
Russland, Indien, China und Südafrika –
machen von sich reden, Afrika hat sich inzwischen genauso zu einer Union vereinigt
wie die Staaten Südamerikas. Entwicklungsländer sind zu Schwellenländern aufgerückt, manche sogar zu Industrienationen. Dazu kommt das grenzenlose Wirtschaften, Handeln und Informieren, das
vom Ende des Ost-West-Konflikts erst richtig befeuert wurde.
Die Globalisierung hat uns derart
schnell in den Griff genommen, dass der
Kalte Krieg wie ein Relikt aus einer fernen
Zeit erscheint: passé, überwunden – Geschichte eben. Zumal für uns Deutsche, die
wir nicht mehr eine gefährdete Grenzregion bewohnen, sondern in die Mitte eines
friedlichen, wenn auch wirtschaftlich anfälligen, Europas gerückt sind.
Aber stimmt dieser Eindruck wirklich?
Sind die Reste dieser langen und einzigartigen Ära der Weltpolitik tatsächlich so sorgfältig beseitigt wie die Mauer zwischen
den beiden deutschen Staaten? Wer sich
auf Spurensuche begibt, stellt fest, dass
sich der Kalte Krieg tiefer in die politische
Landschaft eingegraben hat, als wir bei
oberflächlicher Betrachtung meinen. Die
Herausgeber Bernd Greiner, Tim Müller
und Klaas Voß haben viele Indizien gesammelt, die zeigen, dass es, wie sie schreiben,
„Vergangenheiten mit eigenartigem Nachleben“ gibt. Dazu gehört der Ost-WestKonflikt.
Der UN-Sicherheitsrat ist in
seiner jetzigen Formation, wie
alle Welt weiß, völlig veraltet
Aber bis nach Asien braucht man gar
nicht zu gehen, um auf Reste aus dem Kalten Krieg zu stoßen, die uns noch heute begleiten. Die Europäische Union gehört dazu; ohne die Bedrohung aus dem Osten hätte der Leitspruch „Nie wieder Krieg“ womöglich nicht bis zu einem gemeinsamen
Parlament und fallenden Grenzen getragen. Auch die Nato sähe anders aus; vielleicht gäbe es sie gar nicht. Die Vereinten
Nationen wurden zwar auf den Trümmern
des Zweiten Weltkriegs errichtet, aber so
nachhaltig von der Ost-West-Auseinandersetzung geprägt, dass sie bis heute nach
einer Neuorientierung suchen.
Das gilt vor allem – aber nicht nur – für
den UN-Sicherheitsrat, der, wie alle Welt
weiß, in der bisherigen Formation völlig
veraltet und weithin handlungsunfähig
ist. Syrien, bei dem China und Russland nahezu jede Initiative im Rat blockieren, ist
das beste Beispiel dafür. Ein Vetorecht, dazu noch beschränkt auf die Sieger des Zweiten Weltkriegs, hat siebzig Jahre später keine Berechtigung mehr. Aber es fehlt die
politische Kraft, diese Strukturen zu ändern, weil der Kalte Krieg sie erst noch zementiert hat.
Ganz zu schweigen von den physischen
Überresten: Den – atomaren – Waffen, die
zu den Hauptmerkmalen jener Zeit zählen.
Trotz aller Abrüstungsbemühungen stehen beiden Seiten auch 2017 noch
5000 strategische Sprengköpfe zur Verfügung, wie Bernd Greiner ausführt. Es
bleibt ein „Overkill-Potenzial von weit
mehr als 120 000 Hiroshima-Bomben gebunkert“. Wie viel sich Russland sein Waffenarsenal gut zwei Jahrzehnte nach dem
Fall der Mauer kosten lässt, dazu macht
Moskau keine verlässlichen Angaben.
Wohl aber die USA: Dort sind es bis heute
so viele Milliarden, dass sich das „Nuklearbudget des Verteidigungs- und Energieministeriums noch immer in der durchschnittlichen Größenordnung des Kalten
Krieges“ bewegt.
Auch politisch-mental ist die Ära keineswegs getilgt. Ob Präsident Bushs „preemptive strike“, seine Freund-Feind-Rhetorik
im Irak-Konflikt („wer nicht für uns ist, ist
gegen uns“) oder das absolute Primat der
Vietnam ist nach wie
vor politisch in
Nord und Süd gespalten
Dass Korea in einen nördlichen und einen südlichen Teil gespalten bleibt und
weiterhin eine ernste Gefahr für den Weltfrieden darstellt, ist noch der offensichtlichste Beweis für das Fortwirken des Kalten Krieges. Subtiler wird es schon in Vietnam, das immerhin seit fast vierzig Jahren
wiedervereinigt und wirtschaftlich inzwischen sehr erfolgreich ist. Trotzdem hat
die Bevölkerung das blutige Kriegsgeschehen noch gut in Erinnerung, weil der Bruch
nicht nur quer durch das Land, sondern
stück, welches mit dem britischen Fallschirmjäger Jack Stuart in einer Hauptrolle aufgeführt wurde. Im August 1949 überquerte Stuart bei Helmstedt die Sektorengrenze zu Fuß, also noch vor Gründung der
DDR. 1950 schon grüßte Stuart vom Cover
der zweiten Ausgabe der Neuen Berliner Illustrierten. Die Überschrift: „Warum ich
über die Elbe ging? Weil ich den Frieden
will!“ Er sei, sagte Stuart dem Blatt, „von
den Kriegsvorbereitungen der Westmächte so angewidert und empört“, dass er sich
für eine Flucht in die DDR entschieden habe. So habe, befand die Zeitschrift, „das Lager des Krieges“ einen Soldaten weniger,
und „das des Friedens zwei Hände mehr“.
Abenteuergeschichten und
Kriminalgeschichten, die sich
wirklich zugetragen haben
Peter Köpf hat diese Geschichten detailtief recherchiert und er versteht es dankenswerterweise, die Aktengrundlage weitgehend zu verbergen, ohne ihr aber untreu
zu werden. So entstehen reale Abenteuerund Kriminalgeschichten wie die des Jack
Stuart, der später übrigens die Frau seines
Vermieters ermordete und zurück in den
Westen floh. Nicht ganz so hoch ging es in
einer Villa im sächsischen Bautzen her, in
der die Führung der DDR alle Deserteure
von Soldaten zu „Kämpfern für den Sozialismus“ umschulen wollte. Gleichzeitig
aber war die Belegschaft dieser Weigangschen Villa von Spitzeln westlicher Militärgeheimdienste unterwandert. Ihnen gelang es mehrfach, Abtrünnige zurückzuholen.
CORNELIUS POLLMER
Peter Köpf: Wo ist Lieutenant Adkins? Das Schicksal desertierter Nato-Soldaten in der DDR. Ch.
Links Verlag, Berlin 2013. 224 Seiten, 19,90 Euro.
Kluges Kuchenblech
Der neue Atlas der Globalisierung
„Ermattet, auf Getrenntesten Bergen“, wie Hölderlin dichtete, stehen zwei Lager
einander gegenüber. Der Kalte Krieg ist noch nicht vorüber.
ZEICHNUNG: HURZLMEIER
Sicherheit – das sind klare Rückgriffe auf
den Kalten Krieg. Und Bushs Nachfolger
Barack Obama hat trotz schöner Sonntagsreden längst nicht alles davon beseitigt:
Guantanamo, zwar später eröffnet, aber
von der Denkweise ein Produkt des Kalten
Krieges, existiert weiter. Auch am vermeintlichen Recht auf Präventivkriege
hält Obama fest, wie der Einsatz von Drohnen gegen Terrorverdächtige zeigt.
Der umfangreiche Band zum „Erbe des
Kalten Krieges“ enthält eine Fülle an Informationen und Details zu den Überresten
aus dieser Ära. Manche davon sind überraschend – wie die Geschichte des Lügendetektors –, andere sind bekannt, nicht alle
sind spannend oder lehrreich, dies zumal,
wenn es sich um Umstände handelt, die
mit dem Kalten Krieg wenig zu tun haben:
Chinas Aufstieg als Wirtschaftsmacht hat
sich davon unabhängig abgespielt, was
selbst dem zuständigen Autor auffiel.
In der Gesamtschau allerdings zeigt das
Buch eindrucksvoll: Wir haben noch manches an Eigentherapie zu leisten, um die
Muster aus früheren Tagen wieder loszuwerden. So erleben wir derzeit die Spätfolgen eines Wirtschaftssystems, das – entsprechend der Spieltheorie aus dem Kalten Krieg – noch weitgehend SchwarzWeiß-Kategorien folgt. Diese und viele andere Verbindungslinien nachgezeichnet zu
haben, darin liegt der besondere Wert des
Buches. Denn auch hier gilt wie in der Psychologie: Nur was wir wissen und kennen,
können wir bearbeiten und beseitigen.
Bernd Greiner, Tim B. Müller, Klaas Voß (Hg.): Erbe des Kalten Krieges. Hamburger Edition, Hamburg 2013. 507 Seiten, 35 Euro.
Friederike Bauer arbeitet als freie Journalistin; sie
schreibt hauptsächlich über Außen- und Entwicklungspolitik.
Der „Atlas der Globalisierung“ ist fast so
groß wie ein Kuchenblech; und in vielen
der knapp fünfzig Kapitel geht es darum,
wer weltweit den Kuchen verteilt und wer
welches Stück erhält. Veranschaulicht werden diese kommentierten Momentaufnahmen vor allem mit Säulen- oder Tortendiagrammen und thematischen Karten.
Auf ihnen finden sich kaum geografische Begriffe, eher die Vokabeln der politischen Poesie: zum Beispiel Geldwäscheparadies, Finanzströme und Steueroasen, mexikanischer Drogensumpf, Bildungsgefälle in Nordafrika, neue Migrationswege
oder Sevilla-Gipfel (2002). Vor zehn Jahren
erschien diese formidable Kombination
aus Atlas und Almanach erstmals. Nun
liegt die vierte Ausgabe mit verbessertem
Konzept und aktualisierten Daten vor.
Gleich geblieben bei dieser Koproduktion
der französischen Zeitschrift Le Monde diplomatique und der Berliner taz ist dagegen der unbestechliche Blick auf das Weltgeschehen.
Blättern wir exemplarisch vier Seiten zu
einem Staat auf, der hier immer wieder
auch in anderen Länderbeiträgen kritisch
erwähnt wird: „China, die kapitalistische
Volksrepublik“. Auf einem übersichtlich
gestalteten Blatt sind die ethnischen Minderheiten und die Bevölkerungsdichte kartiert; eine weitere Seite zeigt grafisch umgesetzte Wirtschaftsdaten im Vergleich zu
asiatischen Nachbarn. Mit diesen visualisierten Informationen wird der Leser aber
nicht allein gelassen, ein anschaulich verfasster Essay verdeutlicht zudem die gegenwärtige Situation in der Volksrepublik.
Dabei werden vorhandene Widersprüche nicht mit Yin und Yang erklärt, sondern konkret benannt: „Die Ungleichheiten bei Einkommen und Besitz haben sich
verdoppelt, und die Umweltverschmutzung hat dramatisch zugenommen.“
WERNER HORNUNG
Atlas der Globalisierung. Die Welt von morgen.
taz, Berlin 2013. 176 Seiten, 14 Euro.
SUEDDEUTSCHE ZEITUNG (USPS No. 0541550) is published daily
except Sunday and holidays by Sueddeutsche Zeitung GmbH. Subscription price for USA is $ 590 per annum. K.O.P.: German Language
Pub., 153 S Dean St, Englewood, NJ 07631. Periodicals postage is paid
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DAS WETTER
Örtlich steigendes Gewitterrisiko
25° bis 30°
Ein kleines Tief über Frankreich bringt vor allem über dem
Westen und Süden Mitteleuropas Quellwolken und über den
Bergen örtliche Gewitter. Sonst scheint gebietsweise die
Sonne, oder es sind nur lockere Wolkenfelder unterwegs.
20° bis 25°
Aussichten
über 30°
27°
12°
Ostwind 20 km/h
Kiel
Hamburg
Münster
Köln
Rostock
28°
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10° bis 15°
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29°
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5° bis 10°
Berlin
0° bis 5°
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Deutschland
Wetterlage
Dresden
28°
11°
Meist scheint die Sonne. Nur über der Mitte, über dem Südwesten sowie anfangs im Nordosten sind ein paar Wolkenfelder unterwegs. Später bilden sich vor allem über den Bergen größere Quellwolken, und es kann dort kräftige Gewitter geben. 27 bis 34 Grad werden erreicht. In Küstennähe
bleibt es kühler. Der Wind weht im Norden und Osten schwach
bis mäßig aus Ost bis Nordost.
-5° bis 0°
Mittwoch
Donnerstag
Freitag
-10° bis -5°
unter -10°
Frankfurt
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32°
17°
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Genf 17°
Zürich
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30°
16°
Nordwind 10 km/h
30°
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31°
15° Wien
München
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14°
30°
14°
Sonne und Mond
(Angaben für München)
Salzburg
Innsbruck
29°
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21:02
21:06
06:35
29.07.
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Quelle: www.wetterkontor.de
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WISSEN
Dienstag, 23. Juli 2013, Nr. 168 DEFGH
Lauern
im Untergrund
80 Jahre alte Physik-Theorie
im Experiment überprüft
In Experimenten der modernen Physik
wird manchmal etwas gesucht, das nicht
auftaucht. Und genau das werten die Physiker dann als Erfolg. Im aktuellen Fall geht
es um ein unterirdisches Experiment im
italienischen Gran-Sasso-Massiv namens
Gerda (für Germanium Detector Array).
Mit einem haushohen Behälter voller flüssigem Argon und einer Reihe hochempfindlicher Germanium-Detektoren wird
dort beobachtet, ob Atomkerne gelegentlich auf äußerst ungewöhnliche Weise radioaktiv zerfallen. Physiker nennen es den
neutrinolosen doppelten Betazerfall.
Beim normalen Betazerfall verwandelt
sich ein Neutron des Atomkerns in ein Proton und sendet dabei ein Elektron sowie
ein Anti-Neutrino aus. Dies ist der Mechanismus der normalen radioaktiven BetaStrahlung, wie sie zum Beispiel in radioaktivem Abfall vorkommt. Der normale BetaZerfall hat demnach drei Endprodukte,
das Proton, das Elektron und das Neutrino,
ein kaum mit anderer Materie wechselwirkendes, aber im Universum sehr häufiges
Teilchen. Theoretische Physiker halten es
jedoch für möglich, dass auch zwei Neutronen eines Atomkerns gleichzeitig zerfallen
können und dabei kein Neutrino frei wird.
Mit dem derzeit gültigen Standardmodell wäre dieser Zerfallsweg zwar nicht vereinbar. Einen Ausweg böte jedoch die Idee
des legendären italienischen Physikers Ettore Majorana aus den 1930er Jahren: Er
vermutete, dass Neutrinos identisch mit ihren eigenen Antiteilchen, den Antineutrinos sein könnten. Dann wäre der neutrinolose doppelte Betazerfall – wenn auch äußerst selten – möglich. Im Gerda-Detektor
wurden unter maßgeblicher Beteiligung
der TU München und des Münchner MaxPlanck-Instituts für Physik zwei Jahre lang
mehrere Kilogramm des Germanium-Isotops Ge-76 mit extremer Präzision auf Anzeichen dieses seltenen Zerfalls beobachtet. Nachdem bislang kein einziges solches
Ereignis gemessen wurde, haben die Physiker errechnet, dass im Ge-76 höchstens alle 21 000 000 000 000 000 000 000 000
Jahre ein doppelter Betazerfall ohne Neutrinos vorkommt, womöglich auch nie. Damit widersprechen sie Ergebnissen eines
früheren Experiments, und die Theorie Majoranas bleibt eine Spekulation. Sollte jedoch eines Tages bewiesen werden, dass
Neutrinos ihre eigenen Antiteilchen sind,
müssten die Formelwerke der Teilchenphysik neu geschrieben werden.
PAI
Mit dem ungeschützten Auge in die Sonne
zu blicken, ist eigentlich nie eine gute Idee
– besonders dann nicht, wenn sie wie zurzeit von einem weitgehend wolkenlosen
Himmel auf Deutschland niederbrennt.
Iris ist aber genau dafür gebaut, und hat
ihr Auge vor wenigen Tagen zum ersten
Mal geöffnet. Iris ist ein neuer Satellit der
Nasa mit einem Spezialteleskop, der die tiefer gelegenen Schichten der Sonnenatmosphäre studieren soll. Der Name steht für
„Interface Region Imaging Spectrograph“,
und die Interface Region liegt zwischen
Oberfläche und Korona der Sonne.
Der Späher soll den Wissenschaftlern
dabei helfen, den Fluss von Materie und
Energie aus dem Gasball in die brodelnde
äußere Atmosphäre des Gestirns zu verfolgen. Dabei heizt sich das Plasma, also das
ionisierte Gas, das die Sonne ausmacht,
enorm auf: Ist die Oberfläche noch etwa
5700 Grad Celsius heiß, liegt die Temperatur einige Tausend Kilometer höher bei einer Million Grad. Durchgemischt und gepumpt vom dynamischen Magnetfeld der
Sonne entstehen hier nicht nur der stetige
Sonnenwind, ein Strom herausgeschleuderter Teilchen, sondern auch gewaltige
Ausbrüche, die als Sonnenstürme die Erdatmosphäre erreichen und die Satellitenkommunikation oder sogar den Stromfluss in Überlandleitungen stören können.
Solche Ausbrüche werden auch von anderen Satelliten aufgezeichnet, wie dem
ebenfalls von der Nasa betriebenen Solar
Dynamics Observatory, von dem das hier
gezeigte Bild stammt. Viel ist zurzeit nicht
los auf der Sonne, oft ragen große Bögen
oder Streifen deutlich weiter aus der Rundung der Sonne heraus. Aber auch die kleineren Verschiebungen auf diesem Bild (bei
– fasst man den Kreis als Zifferblatt auf –
zwei, sieben oder zehn Uhr) sind für Forscher interessant. Iris soll die Bedingungen ihrer Entstehung genauer erkunden.
Mit dem Wetter auf der Erde hat das Gebrodel allerdings wenig zu tun. Weder die
Juli-Hitze noch die Erderwärmung lassen
sich durch Schwankungen der Sonnenaktivität erklären. Die Produktion von Licht
und Wärme auf dem Gestirn verläuft in
weitaus ruhigeren Bahnen. Mit normalen
Kameras oder Ferngläsern, deren Linsen
geschwärzt sein müssen, lassen sich darum auch keine Bilder wie das links einfangen. Iris und die anderen Satelliten blicken
mit Ultraviolett-Filtern auf den brodelnden Gasball. CHRISTOPHER SCHRADER
FOTO: NASA SDO
Wer fliegt vorn?
Der Ofen
über uns
Die Hierarchie unter Tauben
Wer vorneweg fliegt, ist das immer der
Chef? Für Tauben gilt das nicht, und wenn
dann nur aus Zufall. Das schreiben Wissenschaftler um Máté Nagy von der EötvösUniversität in Budapest (PNAS, online). Ihnen zufolge sagt die Reihenfolge, in der
sich die Tauben im Flug anordnen, nichts
über die soziale Stellung innerhalb der
Gruppe. Wer vorne fliegt, kann der Prügelknabe der Gruppe sein, ein „Sandwich“-Vogel aus der Mitte der Hierarchie oder der
Anführer. Je nach Situation haben Tauben
verschiedene Rangordnungen, die voneinander unabhängig sind. Diese empirischen Erkenntnisse widersprechen der Hypothese, wonach die sozial am höchsten gestellte Taube auch die Gruppe im Flug anführen muss, weil von ihr bestimmt wird,
was passiert: Will die Chef-Taube irgendwo hin fliegen, bricht sie auf – und die anderen Tiere folgen ihr. So einfach jedoch geht
es in der Taubenwelt nicht zu, wie Videoaufzeichnungen und GPS-Daten der Forscher zeigten. Zwar sei die soziale Dominanz innerhalb der Taubengemeinschaft
wichtig, etwa wenn es um den Zugang zu
Futter geht. Darüber hinaus basiere die
„Führung in der Luft aber auf anderen individuellen Kompetenzen“. So drücken sich
Forscher aus, wenn sie sagen wollen: Irgendwas kann jeder gut.
KABL
Du fehlst mir
DIE ZAHL
38,6
Viele Blumen sind auf Hummeln als Bestäuber angewiesen – aber nicht auf irgendwelche Hummeln,
sondern eine bestimmte Art. Wie eng die Beziehung ist, zeigt sich, wenn die Insekten ausbleiben
Prozent
VON KATRIN BLAWAT
W
enn eine Paarbeziehung endet,
hört der Verlassene alles andere
lieber als den Trostversuch, es gebe ja noch andere potenzielle Partner. Der
Partner fehlt, und die anderen Kandidaten
können einem erst mal gestohlen bleiben.
Egal, wie attraktiv sie sind.
Allein unter dem Fortpflanzungsaspekt
betrachtet, ist diese Haltung nicht sehr hilfreich. Trotzdem findet man sie nicht nur in
menschlichen, sondern auch in weit weniger emotionalen Beziehungsgeflechten.
Zum Beispiel in denen zwischen Hummel
und Pflanze, wie Berry Brosi und Heather
Briggs vom Rocky Mountain Biological Laboratory in Crested Butte (Colorado) zeigen (PNAS, online).
Die weltweit zahlreichen Hummelarten
gehören zu den wichtigsten Bestäubern.
Die Fortpflanzung und damit das Überleben vieler Pflanzenarten hängen von ihnen ab. Unter anderem in den USA werden
Hummelkolonien daher kommerziell zur
Bestäubung von Nutzpflanzen gehandelt.
In freier Natur ist die Beziehung zwischen
Insekt und Gewächs nicht weniger eng –
und vor allem: alles andere als beliebig.
Das zeigte sich eindrücklich in den Freilandexperimenten von Brosi und Briggs.
In verschiedenen Parzellen, alle in den Rocky Mountains in Colorado gelegen, entfernten die Forscher kurzzeitig jeweils eine von insgesamt elf verschiedenen Hummelspezies. Die Tiere wurden mit Netzen
gefangen und nach dem Versuch wieder in
ihr jeweiliges Areal entlassen. Doch das
Fehlen einer Art hatte Folgen für die Pflanzen. Diese produzierten ein Drittel weniger
Samen als die Gewächse in Kontrollarealen, in denen die Hummelpopulationen
nicht manipuliert wurden. Die reine Anzahl der Hummeln habe dabei keine Rolle
gespielt, betonen die Forscher. In den Kontrollarealen befanden sich zum Teil weniger Tiere als auf den Versuchsflächen.
Promiskuität statt
„floraler Treue“
Vielmehr erklären die Forscher ihre Ergebnisse mit Begriffen aus der Beziehungsforschung. „Viele Bestäuber zeigen eine
Art floraler Treue“, sagt Brosi. „Sie konzentrieren sich auf eine Pflanzenart, solange
diese blüht. Dann wechseln sie ein paar Wochen später zur nächsten Spezies, die dann
in voller Blüte steht. Man könnte die Hummeln als serielle Monogamisten bezeichnen.“ Immer nur einen einzigen Partner haben, diesen aber regelmäßig wechseln – zumindest für manche Insekten und Pflan-
zen scheint das der richtige Weg zu sein. Er
bringt vor allem den Pflanzen Vorteile,
denn fortpflanzen können sie sich nur,
wenn die Hummel Pollen zwischen den Gewächsen einer Art überträgt. Entfernten
die Forscher jedoch eine Hummelspezies
aus einer Parzelle, gaben die verbliebenen
Insekten ihre florale Treue teilweise auf.
Sie wurden – in Bezug auf die Blumen –
promisk. Der verminderte Wettbewerb unter den Insektenspezies habe dieses Verhalten ausgelöst, vermuten die Forscher.
Ihre Studie widerspricht Berechnungen, denen zufolge es Pflanzen wenig ausmache, wenn eine ihrer Bestäuberspezies
plötzlich ausbleibt. Könnten dann nicht andere, noch vorhandene Insekten den Job
übernehmen? Theoretisch schon. In der
Praxis aber bestätigen die Hummeln und
Blumen: Beziehungen sind oft komplizierter, als es für Außenstehende aussieht.
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DEFGH Nr. 168, Dienstag, 23. Juli 2013
WIRTSCHAFT
HF3
17
STEUERN
Der Soli muss weg
VON MARC BEISE
W
undenlecken am Tag danach.
Angela Merkel habe „unverständlicherweise einen Fehler
gemacht“, bekümmerte sich die BundesFDP am Montag, Bezug nehmend auf ein
Interview der Bundeskanzlerin vom Sonntag. Dort hatte Merkel die Meinung vertreten, dass zwar die spezifische Förderung
Ostdeutschland („Solidarpakt II“) wie geplant mit dem Jahr 2019 beendet werden,
der Solidaritätszuschlag aber beibehalten
werden solle: Das Geld werde anderswo
gebraucht, befand Merkel kurz und
knapp: „Ich sehe nicht, wie wir einen Beitrag in dieser Höhe an anderer Stelle einsparen könnten.“
Das konnte der FDP natürlich nicht gefallen, die sich nach langer emotionaler
Durststrecke schon wieder im nächsten
Bundestag sieht und am liebsten auch wieder auf der Regierungsbank. Die FDP will
den Solidaritätszuschlag erklärtermaßen
binnen vier Jahren abschaffen – womit
Streit in dieser und einer möglichen
nächsten Koalition programmiert ist.
Viele Bürger denken immer
noch, sie würden gezielt
für den Aufbau Ost zahlen
Bei Lichte betrachtet, ist der „Fehler“
der Kanzlerin eher ein wahltaktischer: Er
zwingt die FDP zum Widerspruch und stiftet also Unfrieden. In der Sache dagegen
hat sich die Kanzlerin, der man gerne
(und häufig zurecht) das Einnehmen nebulöser Positionen vorwirft, um etwas
mehr Klarheit in der Politik bemüht.
Denn Merkel erkennt an, dass man im
Jahr 2019 nicht mehr ernsthaft einen Solidaritätsbeitrag für Ostdeutschland erheben kann. Nicht, weil im Osten alles glänzen würde, sondern weil dort manches
glänzt und anderes nicht – genau so wie
im Westen. Nicht von ungefähr läuft der
Solidarpakt II mit dem Jahr 2019 aus.
Stattdessen wird man bedürftige Länder
und Regionen weiter unterstützen müssen, in Deutschland genauso wie übrigens auch in Europa. Dafür aber gibt es innerdeutsch den Länderfinanzausgleich,
der allerdings ebenfalls umstritten ist
und dringend neu geregelt werden muss.
Merkel sieht stattdessen länderübergreifend Bedarf für Investitionen in Straße und Schiene. Und sie will die Schuldenlast des Bundes verringern. Schon ist es
mit der Klarheit der Kanzlerposition vorbei: Denn mit dem Solidaritätszuschlag
haben solche Projekte nichts zu tun.
Man kann über die Frage lange streiten, wie viel Geld der Staat heutzutage
braucht. Ob es eher mehr (so die Wahlprogramme von SPD, Grünen und Linkspartei), genauso viel (Union) oder weniger
sein sollte (so FDP) – man sollte aber den
Solidaritätszuschlag aus dem Spiel lassen. Tatsächlich wurde der Aufschlag auf
die Einkommen- und Körperschaftsteuer
nach der Einheit im Juli 1991 eingeführt,
ausdrücklich um den Aufbau Ost mitzufinanzieren, in Höhe von 3,75 Prozent und
übrigens nur auf ein Jahr.
Das Bundesverfassungsgericht hat diese seitdem langlebige Konstruktion wiederholt abgesegnet, aber lange geht das
nicht mehr gut: Der Gesetzgeber darf
nach dem Grundgesetz nicht auf alle
Ewigkeit eine chronische Finanzierungslücke stopfen, indem er eine verkappte
Steuererhöhung als Ergänzungsabgabe
tarnt. Genau dies tut er aber – parteiübergreifend – seit beinahe 20 Jahren.
Viele Bürger denken noch immer, sie
würden gezielt für den Aufbau Ost zahlen,
nennen das Ganze zärtlich „Soli“ – und
merken gar nicht, wie sie irregeführt werden. Denn nach dem programmgemäßen
Auslaufen der Ein-Jahres-Abgabe führte
die schwarz-gelbe Regierung unter Helmut Kohl den Zuschlag schon 1995 wieder ein, diesmal mit einem Satz von
7,5 Prozent, nun unbefristet und kaum
noch bemäntelt mit dem Ziel, Löcher im
Bundeshaushalt zu stopfen; seit dem Jahr
1998 liegt der „Soli“ bundeseinheitlich
bei 5,5 Prozent.
Das Geld von heute jährlich bis zu
13 Milliarden Euro fließt komplett an den
Bund und in den allgemeinen Etat. Es ist
also mittlerweile eine allgemeine Steuer,
die von allen Steuerzahlern in Ost und
West entrichtet werden muss. Wenn man
das Geld für außergewöhnliche Aufgaben
braucht, wie es Merkel ankündigt, dann
soll es auch so benannt werden, dann bitte über die allgemeinen Steuern. Dann
muss die Einkommen- und Körperschaftsteuer entsprechend angehoben werden,
oder die Mehrwertsteuer.
In jedem Fall braucht es Klarheit, die
der Bürger im Wahlkampf erleben soll
und nach der Wahl bei den entsprechenden Koalitionsverhandlungen. Und was
noch viel besser wäre: in der Politik der
kommenden vier Jahre. Also sollten sich
die Parteien auf eine schlichte Entscheidung einigen: Der Soli kommt weg. Anschließend mag man dann diskutieren,
ob und um wie viele Prozentpunkte Einkommen-, Körperschaft und Mehrwertsteuer erhöht werden. Auf diese Klarheit
hat der Bürger einen Anspruch.
NAHAUFNAHME
„Closed for indignation“,
hieß es drei Tage lang an
den neun D&G-Läden
in Mailand:
„Wegen Empörung
geschlossen.“
Stefano Gabbana
FOTO: CATTERMOLE/GETTY
Mailänder Wutbürger
Modedesigner Stefano Gabbana fällt aus der Rolle
Sein Tag beginnt – wie meist – mit dem
Durchblättern der Presseschau. Viel Unerfreuliches bekam Stefano Gabbana, 50, die
Mailänder Hälfte des glamourösen ModeDuos Dolce & Gabbana, in den vergangenen Monaten da zu früher Stunde vorgesetzt. Oft ging es um ein Strafverfahren gegen ihn und seinen sizilianischen Partner
Domenico Dolce wegen Steuerhinterziehung. Eine hässliche Angelegenheit, besonders für jemanden, der wie er von Stil und
Image lebt. Nun stieß Gabbana bei der Lektüre auf die Bemerkung eines Mailänder
Lokalpolitikers. Ihn überfällt die Rage.
Sein Wutausbruch entlädt sich augenblicklich in drei Tweets. „Die Stadt Mailand ist zum Kotzen!!!“. Kurz darauf: „Ihr
seid abscheulich und erbärmlich!!!“. Und
zum Schluss: „Schämt Euch!!!“.
Auch nach den Tweet-Salven und neun
Ausrufezeichen beruhigt sich Gabbana keineswegs. Er twittert die Kommentare seiner Follower weiter. Es bricht ein virtueller
Kreuzzug gegen das Mailänder Rathaus
los. Auf der Unternehmens-Homepage
wird eine Petition veröffentlicht. Trotz der
Besänftigungsversuche von Bürgermeister Giuliano Pisapia ist der Sturm in den Social Media nicht zu stoppen. Bis in die
Nacht entlädt sich die Wut der D&G-Fans.
Ausgelöst hatte den Furor der Handelsdezernent Franco D´Alfonso, der starke
Mann im Rathaus gegenüber von der Mailänder Scala. „Man sollte Symbolorte der
Stadt nicht namhaften Persönlichkeiten
und VIP-Labeln zur Verfügung stellen, die
in einem Moment der Wirtschaftskrise wegen besonders widerwärtigen Handlungen
wie der Steuerhinterziehung verurteilt
wurden“, hatte D´Alfonso gesagt.
Er meinte damit: Mailand solle seine berühmten Sehenswürdigkeiten im kommenden September Dolce & Gabbana nicht
mehr für ihre Modeschauen überlassen. Er
nennt keinen Namen. Das ist auch nicht nötig. Jeder weiß, wen er meint. Denn die bei-
den Luxusschneider sorgen derzeit nicht
so sehr mit ihren kreativen Kollektionen
für Aufsehen, sondern vielmehr mit ihren
kreativen Steuererklärungen. Nach sieben
Monaten Gerichtsverhandlung sind sie am
19. Juni zu 20 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Nach Überzeugung der Mailänder Richter haben sie mit fiktiven Firmen in Luxemburg 130 Millionen Euro
Steuern hinterzogen. Auf Geheiß ihrer
Berater hatten die beiden 2004 einige
Markenrechte ihres Modeimperiums an
die luxemburgische Briefkastenfirma Gado übertragen. Der italienische Fiskus wurde so um Einnahmen geprellt und das Designerduo sparte durch die niedrigere Besteuerung in Luxemburg einen Haufen
Geld, befand das Gericht.
Die Anwälte der Modemacher weisen
die Vorwürfe zurück. Die Behörden verlangten Steuern für „nie bezogene Einkommen“, entgegnen sie und kündigten an, in
die Berufung zu gehen.
Soweit, so unschön. Doch Gabbana betrieb die Eskalation des Streits weiter. Seine Wut verwandelte sich am Freitag in Empörung. Er ordnete die Schließung der
D&G-Läden an. Drei Tage hingen Schilder
in den Schaufenstern: „Wegen Empörung
geschlossen“. In neun Mailänder Geschäften. „Closed for indignation“ unterrichtete
man die internationale Klientel.
Das Geschäft der Modemacher läuft in
der kriselnden Heimat nur noch dank zahlungskräftiger Touristen rund. In einer
Pressemitteilung und ganzseitigen Anzeigen in italienischen und internationalen
Tageszeitungen informierten Dolce und
Gabbana, dass sie es leid sind, sich diffamieren zu lassen. Die Behandlung durch
die Stadt Mailand habe ihnen nun den Rest
gegeben. Angefügt wurde die Rangliste
der größten Steuerzahler Mailands, in der
die beiden mit jeweils mehr als zwölf Millionen Euro im Spitzenfeld auf Platz vier und
fünf liegen.
ULRIKE SAUER
Demnächst getrennt: Die beiden SAP-Chefs, Bill McDermott (rechts) und Jim Hagemann Snabe, Anfang Juni auf der Hauptversammlung.
FOTO: FREDRIK VON ERICHSEN/DPA
Ab in die USA
Querelen bei SAP, der einzigen IT-Firma aus Europa von weltweiter Bedeutung. Der Amerikaner McDermott
übernimmt die Führung. Das Machtzentrum könnte sich in die Vereinigten Staaten verlagern
VON KARL-HEINZ BÜSCHEMANN
UND MAX HÄGLER
Stuttgart/München – Es ist nicht lange
her, da versprach Jim Hagemann Snabe,
47, gut gelaunt ein außerordentlich erfolgreiches Jahr: „2013 will be legendary“, erklärte der SAP-Co-Chef zu Jahresbeginn.
Zu den eigentlich ordentlichen Geschäftszahlen sprach er an dem Januartag in der
Zentrale in Walldorf. Davon, dass unter seiner Führung die Entwicklungszeit von Software von 14 Monaten auf nicht mal mehr
acht gedrückt worden sei. Und dass die
Kunden „lieben“ würden, was SAP ihnen
präsentiere – soweit das eben überhaupt
geht bei Geschäftssoftware. Kurzum: Es
herrsche allenthalben „eine gute Atmosphäre“. So klingt einer, der sich auf die
kommenden Aufgaben seines noch fünf
Jahre laufenden Vertrags freut.
Doch daraus wird nichts mehr. Im Mai
hatte er bereits die Verantwortung für Forschung und Entwicklung weitgehend an
Vishal Sikka verloren. Jetzt, am Sonntagabend, teilte SAP mit, Snabe werde im Mai
2014 in den Aufsichtsrat wechseln – ein
entspannterer Teilzeitjob also statt Rundum-die-Uhr-Manager. Der Amerikaner
Bill McDermott, 51, wird dann allein die Geschäfte führen. Er habe sich nach mehr als
20 Jahren bei SAP entschieden, „einen neuen beruflichen Lebensabschnitt zu beginnen“, ließ sich Noch-Co-Chef Snabe zitieren. Er war zuletzt schon viel daheim in Kopenhagen, bei seiner Familie und seiner
Frau, die bei einer Stiftung arbeitet. Er hat
das Unternehmen aus Hotels geführt, per
iPad, das er in einer abgegriffenen, unscheinbaren Hülle mit sich herumträgt.
Aber der Abgang, die Umstände, der Zeitpunkt – abseits des regulären Aufsichtsratsturnus – haben alle überrascht: Manager, Mitarbeiter, Analysten.
Hier der zurückhaltende Däne,
da der offensive Amerikaner –
das passte nicht immer
SAP – 16 Milliarden Euro Umsatz,
65 500 Mitarbeiter – entwickelt Software,
die die Globalisierung erst möglich macht.
Viele Unternehmen arbeiten damit, zwei
Drittel aller Finanzgeschäfte in der Welt
durchlaufen SAP-Systeme, jede Sekunde,
jeden Tag. Bestellungen und Rechnungen
werden mit den Systemen verwaltet, Geschäftszahlen analysiert. Die Kunden heißen BMW, Walmart, Nike, Coca-Cola oder
US Air Force. SAP, 1972 gegründet, ist das
einzige europäische IT-Unternehmen von
weltweiter Bedeutung, ist an der Börse so
wertvoll wie VW, Siemens oder Bayer.
Was also ist passiert? Wieso diese Eile?
Ist es ein Wegloben? Wie geht es weiter mit
SAP? Schon lange wird darüber spekuliert,
dass der zurückhaltende Snabe und der offensiv auftretenden McDermott nicht miteinander können – zu unterschiedlich seien die Stile. Offiziell dementieren die beiden stets heftig – so auch am Montag: Von
einer „einzigartigen Partnerschaft und
Freundschaft “ reden sie beide in einer
kurzfristig anberaumten Telefonkonferenz. Und immer wieder erklärt Snabe,
dass er die Prioritäten nun anders gesetzt
habe, dass er seiner Familie etwas zurückgeben wolle. Mit diesem Anliegen, sagt
Hasso Plattner, Aufsichtsratschef und der
rührigste aller fünf Gründer, sei Snabe zu
ihm gekommen. Als die Gespräche konkreter wurden, habe man sogleich Meldung
machen müssen an die Börse. Plattner hatte die Doppelspitze 2010 installiert, als Léo
Apotheker gescheitert war. Nun war er es,
der dem ganzen ein Ende bereitet.
Snabe will nun vom Aufsichtsrat aus seinen ehemaligen Partner beaufsichtigen. Eigentlich ist das nicht möglich. Das Aktiengesetz schreibt für Vorstände eine zweijährige Pause zum „Abkühlen“ vor. Die kann
nur umgangen werden, wenn mindestens
25 Prozent der Aktionäre auf der Hauptversammlung einen Wechsel erlauben. Plattner und zwei SAP-Mitgründer verfügen
über 22,7 Prozent der Anteile.
Fest steht, dass SAP nun ein noch amerikanischeres Unternehmen werden dürfte.
Schon seit längerem verliert dieser Weltkonzern seine deutschen Wurzeln, was vor
allem den immer noch 17 000 Mitarbeitern am Standort Walldorf nicht behagt.
Der stets braungebrannte McDermott, immer ein Lachen im Gesicht, kam 2002 zu
SAP. Er gilt als guter Verkäufer. Von ihm
wird erzählt, dass er schon als 17-jähriger
Schüler ein kleines Lebensmittelgeschäft
in Long Island übernahm, in dem er zuvor
gejobbt hatte. Vier Jahre später verkaufte
er es und finanzierte seinen Eltern ein
Strandhaus. Er kommt bislang nur alle
paar Monate nach Walldorf und bevorzugt
als Arbeitsplatz die USA, die SAP-Nieder-
Fair Play
Doppelspitzen sind in der Theorie gut, in der Praxis selten
Als die Römer im Jahr 509 vor Christus
ihren König stürzten und die Republik
ausriefen, da besetzten sie das neue Amt
des Konsuls mit zwei Männern: Das kollegiale Miteinander sollte verhindern,
dass einer allein das Amt missbrauche.
Klingt gut in der Theorie, funktioniert
in der Praxis aber selten: Nun findet also
wieder einmal eine Doppelspitze ihr Ende. Jim Hagemann Snabe gibt seinen Vorstandsposten bei SAP auf. Ausgerechnet
Snabe. Der Mann, der noch vor wenigen
Wochen von den Stärken eines Tandems
geschwärmt hatte. Der Manager möchte, wie er sagt, wieder mehr Zeit für die
Familie haben. Was er nicht sagt, darf
man sich dazu denken: In der deutschen
Wirtschaft geht noch immer nur eines,
Familie oder Karriere. Manager sind hierzulande rund um die Uhr im Einsatz: Nur
fünf Prozent aller Manager arbeiten weniger als 30 Stunden pro Woche, wie aus
einer Untersuchung vom Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) hervorgeht. In
den Niederlanden sind es zwölf, in Großbritannien immerhin acht Prozent.
Einst waren Spitzenmanager rund
um die Uhr im Einsatz. Und in ihrer Freizeit haben sie für den Marathon trainiert. Junge Menschen halten dies heute
nicht mehr für das richtige Modell. Und
dennoch sind Doppelspitzen bislang
eher eine Verlegenheitslösung: Snabe
und McDermott traten bei SAP an, nachdem Léo Apotheker rausgeflogen war.
Der Entwickler und der Vertriebler, der
Zwei Männer, zwei Kulturen: Die Doppelspitze bei der Deutschen Bank soll
Vertrauen wecken.
FOTO: BLOOMBERG
Däne und der Amerikaner, sie sollten
auch unterschiedliche Gruppen in der
Belegschaft gewinnen. Ganz ähnlich wie
bei der Deutschen Bank, wo Jürgen Fitschen für das traditionelle Bankgeschäft
steht und Anshu Jain für das Investmentbanking. Bei dem Mittelständler Miele
teilen sich zwei Familien seit drei Generationen die Verantwortung: Eine stellt
den kaufmännischen, die andere den
technischen Vorstand. Wenn jeder einen
eigenen Charakter und einen eigenen
fachlichen Schwerpunkt hat, dann ergänzen sich zwei. Wenn nicht, dann kommen sie sich in die Quere.
Wenn jeder seinen Schwerpunkt
hat, ergänzen sich zwei. Sonst
kommen sie sich in die Quere
Einfach aber ist so ein Tandem nicht.
Es brauche, so sagt Sörge Drosten, Personalberater bei Kienbaum, viel Vertrauen, Glaubwürdigkeit, Offenheit. Wer es
zum Chef bringen will, der müsse nun
einmal entschlossen und robust sein –
aber dabei auch fair bleiben. Wer immer
nur gegen andere keile, habe irgendwann keine Verbündeten mehr. „Wenn
einer das Gefühl hat, der andere zieht
ihn über den Tisch, wird das mit der Doppelspitze nichts.“
Nicht ohne Grund gebe es eine Reihe
von Unternehmen, die wie Hewlett-Packard zwei Familiennamen in ihrem Firmennamen tragen, betont Drosten. „Gerade am Anfang ist man zu zweit besser
dran, um all die Aufgaben zu bewältigen,
aber auch um die Entwicklung zu reflektieren.“ Der Berater glaubt, dass die Einzelkämpfer auch in den Vorstandsetagen der Dax-Konzerne zu einer aussterbenden Art gehören. Dass es mehr Teamplayer vom Schlag eines René Obermann gebe als unnahbare Patriarchen.
Je stärker die Welt zusammenwachse,
desto stärker setzten auch die Unternehmen auf die Vielfalt. Drosten: „Einen eigenen Fahrstuhl für die Vorstandsriege
gibt es heute kaum noch in Unternehmen.“ VARINIA BERNAU R Seite 4
lassung in Newtown Square, einem Vorort
von Philadelphia. Sein Ziel: SAP soll eines
der fünf wertvollsten Unternehmen der
Welt werden. Es passt, wenn ihn Geschäftspartner als „Machtmensch“ beschreiben.
Snabe war der Gegenpol. Der studierte
Mathematiker ist nicht groß gewachsen, redet leise und wahlweise in makellosem
Deutsch oder Englisch. Es gibt keinen Akzent, der ihn als Dänen verrät. Im Gespräch legt er Nachdenklichkeit und Selbstbewusstsein an den Tag. Er ginge in der
Walldorfer Campus-Landschaft, die an eine Uni erinnert, als Professor durch. „Mein
Wort ist nur Anfang einer Diskussion“, ist
eine dieser beinahe schon provozierend bescheidenen Aussagen. Mitarbeitern und
Kunden hat das gefallen. „Das Tandem hat
gut funktioniert, gerade in der Aufteilung:
Bill vor allem in der USA, Jim in Europa“,
glaubt Betriebsratschef Stefan Kohl.
Doch jetzt ist die Geschichte von Jim
und Bill eben zu Ende – und viele sind beunruhigt, gerade am alten Heimatstandort. „Wir sehen mit Blick auf die Arbeitsplätze mit gewisser Sorge, dass sich damit
der Konzern-Schwerpunkt weiter weg von
Walldorf bewegt, hin in die USA“, sagt
Kohl. Und fordert vom neuen Allein-Chef:
„Es ist an Bill McDermott diesen Eindruck
zu entkräften.“
Der drückt sich am Montag bei der Telefonkonferenz vor einem solchen Bekenntnis. SAP sei weder deutsch, noch amerikanisch, noch chinesisch, sondern eine weltweite Firma, sagt er. Und er sei entsprechend ein echter globaler Manager. Erst
als die Nachfragen immer drängender werden, da behauptete er dann doch noch:
„Ich bin Deutschland sehr verbunden.“
Und, ja, er werde nun öfter mal hierher fliegen, nun da es die Arbeitsteilung bald nicht
mehr gebe. Und der Amerikaner auch noch
für Europa zuständig sein wird.
HEUTE
Schwerpunkt
Steuergerechtigkeit im Ausland:
Friseure plaudern über ihre
Steuererklärung
18
Politik und Markt
Das Erbe der guten Taten:
Detroit war bei Zusagen an
Beamte großzügig
19
Unternehmen
Happy End gesucht: Der
TV-Konzern Pro Sieben Sat 1
will unabhängig werden
20
Geld
Kleinmacherei: Die Deutsche
Bank möchte ihre Bilanzsumme
um ein Fünftel kürzen
Dax-Serie: Wie Unternehmen
mit ihren Anlegern
kommunizieren
R www.sz.de/wirtschaft
21
26
18
WIRTSCHAFT
HF2
Dienstag, 23. Juli 2013, Nr. 168 DEFGH
Steuergerechtigkeit im Ausland Warum die Schweizer gerne an den Fiskus zahlen und Schweden keine Steuerberater brauchen
Steuererklärung
per SMS
Darf es etwas mehr sein?
Korrespondenten fragen Friseure nach der Steuererklärung
In der Schweiz
Mithilfe der Banken füllt das Finanzamt sein Formular
selbst aus, die Schweden finden nichts dabei
VON GUNNAR HERRMANN
W
enn in Deutschland über Steuerhinterziehung und Steuergerechtigkeit debattiert wird, dauert es
meist nicht lange, bis irgendein Experte
die skandinavischen Länder als Vorbild anpreist. Denn im Norden, das zeigen Ländervergleichsstudien immer wieder, ist die
Steuermoral besonders hoch.
Die Menschen dort geben dem Fiskus offenbar gerne etwas von ihrem Geld ab. Und
das, obwohl die Steuersätze dort bekanntermaßen unverschämt hoch sind. Aber
stimmt das wirklich? Wenn ja, woher
kommt dieses ungewöhnliche freundschaftliche Verhältnis zum Fiskus? Und:
Was genau machen die eigentlich anders
als wir? Zeit für eine Innenansicht.
DIE RECHERCHE
Wie gerecht ist unser
Steuersystem?
Man stelle sich einen deutschen Handwerker vor, der auf der Suche nach einem
Job in Schweden fündig geworden ist. Er
könnte Hans Müller heißen, aus Sachsen
stammen und nun nach Södertälje, eine
Stadt südlich von Stockholm, auswandern.
Hans Müller verdient dort umgerechnet
3300 Euro brutto im Monat, das entspricht
ziemlich genau dem schwedischen Durchschnittseinkommen. Und bei der ersten Gehaltszahlung bekommt er einen Schreck:
Er muss feststellen, dass etwa die Hälfte
dieser Summe nie bei ihm ankommt, sondern gleich ans Skatteverket, das Finanzamt, weitergereicht wird. Auf den ersten
Blick sieht das nach einer erdrückenden
Steuerlast aus. Aber der Schein trügt.
Tatsächlich hatte Schweden einst in den
1970er-Jahren Steuersätze, die geradezu
wahnwitzig hoch waren. Berühmt ist die
Geschichte von Astrid Lindgren, die 1976
ausgerechnet hatte, dass Steuern und Abgaben im vorangegangenen Jahr mehr als
100 Prozent ihrer Einnahmen ausmachten. Sie schrieb daraufhin ein böses Märchen mit dem Titel „Prinzessin Pomperipossa in Monismanien“ . Und viele Schweden glauben, dass dieser Text entscheidend beigetragen hat, dass die Sozialdemokraten damals die Wahl verloren. In den folgenden Jahrzehnten sind die Steuersätze
jedenfalls immer wieder gesenkt worden.
Wenn Herr Müller seinen ersten schwedischen Steuerbescheid genauer ansieht,
wird er feststellen, dass mit der Hälfte seines Gehalts, die ans Skatteverket fließt, bereits eine Reihe von Leistungen bezahlt
sind, die er in seiner alten Heimat Sachsen
extra hätte bezahlen müssen. Insbesondere werden über die Steuerbehörde auch
gleich die Abgaben für die staatliche Kranken- und Rentenversicherung abgerechnet. So betrachtet ist der Unterschied zu
Deutschland dann nicht mehr so groß.
Zieht man die Sozialabgaben ab, bleibt
Müllers Einkommensteuer übrig: Sie beläuft sich auf lediglich 32,23 Prozent. Dieser Satz ist für alle Arbeitnehmer in Södertälje gleich. Wer allerdings mehr als umgerechnet etwa 48 000 Euro im Jahr verdient, der muss auf den Teil seines Einkom-
Der Coiffeur Gody Heidelberger gehört zu
Stäfa wie die Weinberge über dem Dorf
und der Schiffsanleger unten am Zürichsee. Generationen von Männern hat er
schon die Haare geschnitten, und seit zwei
Jahren kümmert er sich auch um meinen
Kopf. Wie jeder Friseur redet auch Gody
gern mit der Kundschaft, aber Klagen hört
man den 64-Jährigen nie. Schon gar nicht
über die Steuern. Nicht etwa, weil er nur
sehr wenig bezahlen würde. Ganz im Gegenteil. Die Schweiz ist kein Steuerparadies, und auch Gody führt an die 30 Prozent seines Einkommens an den Fiskus ab.
Aber wie die meisten seiner Landsleute
findet er Steuern grundsätzlich gut, gerechtfertigt und
auch gerecht. „Wir
zahlen ja letztlich
für uns, für unsere
Gemeinschaft“,
sagt Gody Heidelberger. „Das Geld
kommt uns allen
zugute.“ Zu dieser
entspannten Haltung trägt der
Umstand bei, dass
mens, der über dieser Grenze liegt, weitere
20 Prozent Steuern zahlen. Und ab einer
Grenze von umgerechnet 68 000 Euro jährlich kommen noch einmal fünf Prozent hinzu. Für Spitzengehälter müssen somit
mehr als 50 Prozent Steuern bezahlt werden. Die ersten 48 000 Euro im Jahr werden aber stets nur mit 32,23 Prozent belastet. Arvid Malm vom schwedischen Bund
der Steuerzahler, meint, dass die hohen
Sätze für Spitzengehälter eigentlich keinen Sinn machen. Nur drei Prozent der gesamten Steuereinnahmen würde damit
eingenommen, sagt er. Aber abgeschafft
oder auch nur gesenkt wurden die Spitzensätze trotzdem nicht – Steuergeschenke an
Reiche sind eben unpopulär.
Was den Einwanderer Müller sehr wundern dürfte, ist, dass sein Chef, der im
Stockholmer Villenvorort Danderyd lebt,
nur 29,45 Prozent Einkommensteuer auf
seine ersten 48 000 Euro im Jahr zahlt – also fast drei Prozent weniger als Müller und
seine Nachbarn in Södertälje. Die Einkommensteuer wird in Schweden von den Gemeinden und den Provinzverwaltungen erhoben. Und die können innerhalb gewisser
Grenzen die Höhe festsetzen. Die Unterschiede mögen ungerecht erscheinen. Vermutlich ist die regionale Verankerung aber
ein wichtiger Grund dafür, dass Steuern in
Schweden eine hohe Akzeptanz genießen.
Denn die Steuerdebatten, die für den
einzelnen Bürger die größte Bedeutung haben, werden in Schweden sozusagen vor
der Haustür geführt. Soll die Gemeinde ihren Steuersatz erhöhen und dafür die
Grundschule renovieren? Sollte man auf
den neuen Kindergarten verzichten? Soll
die Provinzregierung das Krankenhaus privatisieren, um Steuern zu senken? Solche
Entscheidungen wirken sich direkt auf
den Geldbeutel der Bürger aus. Und selbst
der Einwanderer Müller darf als EU-Bürger schon bald bei Kommunalwahlen in
diesen Fragen mitbestimmen. Für die direkte Einflussmöglichkeit auf ihr Steuersystem nehmen die Schweden gerne in
Kauf, dass die Steuersätze zwischen den
Gemeinden ein bisschen schwanken.
In New York
Mariko Osanai schaut ziemlich erleichtert,
als ich mit 20 Minuten Verspätung und
schlechtem Gewissen in den Friseursalon
rausche. Mariko versteckt die Erleichterung, setzt ihren strengen Blick auf, pocht
gegen die Uhr und sagt: „Okay, ausnahmsweise kann ich dir heute trotzdem noch die
Haare schneiden.“ Sie ist ein bisschen genervt, jetzt muss sie sich sehr beeilen mit
meinem Schnitt. Aber sie ist erleichtert,
denn sie bekommt kein Geld, wenn ich zum
Termin nicht auftauche.
Die 36-Jährige ist eine Art Freiberuflerin,
in ihrem Salon im East Village in Manhattan
ist sie nicht fest angestellt. Wenn ich ihr am
Ende des Haarschnitts mein Geld gebe, bekommt sie davon 45 Prozent, der Rest geht
als Kommission an den Salon. In New York
machen das fast alle Friseure so, sagt Mariko. „Und eigentlich ist das ganz in Ordnung.“ Sie hat viele Stammkunden. Und immerhin darf sie bei ihrem Salon alle Haarprodukte nutzen, bei etlichen anderen müssen die Freiberufler-Friseure ihr eigenes
Shampoo mitbringen.
Wenn sie einen guten Monat hat, steigt
ihr Anteil auf 50 Prozent oder mehr. Ich zahle heute 65 Dollar plus 2,93 Dollar Mehrwertsteuer plus 15 Dollar Trinkgeld. Mariko
Viele benötigen nicht mehr
als ein paar Minuten Zeit
und ein Mobiltelefon
Die größte Überraschung wird Müller
vermutlich erleben, wenn er das erste Mal
das Formular für seine Einkommensteuererklärung zugesandt bekommt. Denn: Das
meiste ist schon ausgefüllt. Und zwar nicht
nur in den Feldern für die Einnahmen. Das
Skatteverket ist so fürsorglich, auch die Felder für die Steuerabzüge auszufüllen.
Wenn Müller sich etwa ein Haus auf Kredit
gekauft hat, dann wird in dem Steuerformular bereits stehen, welchen Betrag er
für die Zinsen von der Steuer absetzen
kann. Wenn er einen Handwerker beschäftigt, dann bekommt er vom Finanzamt einen Teil der Kosten zurück – eine Maßnahme gegen Schwarzarbeit, und auch dies
wird schon in dem Formular stehen.
Ein schwedischer Normalverdiener
braucht, wenn nichts Unvorhergesehenes
wie etwa eine Erbschaft dazwischenkommt, keinen Steuerberater, keine Ablagestapel mit Quittungen, noch nicht einmal ein Ratgeberbuch, um seine Pflichten
gegenüber dem Fiskus zu klären. Viele benötigen nicht mehr als ein paar Minuten
Zeit und ein Mobiltelefon. Wenn auf dem
Formular des Finanzamtes alles korrekt
ausgefüllt ist, kann der Steuerzahler der
Behörde nämlich einfach per SMS mitteilen, dass er einverstanden ist – damit ist
die jährliche Einkommensteuererklärung
dann abgehakt. Mehr als 750 000 Schwe-
In Paris
Schweden – ein Traumland für Menschen, die einfache Steuererklärungen wollen, ein Albtraumland für Datenschützer. FOTOS: STOCKHOLMSFOTO.SE, DPA, CATHERINA HESS (2)
den deklarierten in diesem Jahr per SMS.
Die überwiegende Mehrheit nutzt das Internet. Nur etwa ein Drittel der 7,6 Millionen Steuerpflichtigen schickte überhaupt
noch ein Formular per Post.
Für so viel Service gibt es sogar Lob vom
Bund der Steuerzahler. „Das Skatteverket
hat wirklich große Anstrengungen unternommen, um das Verfahren einfach und
praktisch zu gestalten“, sagt Arvid Malm.
Es sei wichtig für die Steuermoral, dass die
Kommunikation mit dem Amt einfach sei.
Zwei Voraussetzungen seien entscheidend für die Kundenfreundlichkeit, erläutert er. Erstens kenne das schwedische
Steuerrecht nur sehr wenige Ausnahmeregeln. So gibt es zum Beispiel keine unterschiedlichen Steuerklassen, es gibt nur
sehr wenige Möglichkeiten, Dinge abzusetzen, und das Ehegattensplitting wurde be-
reits vor über 30 Jahren abgeschafft. All
das vereinfacht das Steuernerklären natürlich. Zweitens, sagt Malm, sei es wichtig,
dass das Finanzamt umfassenden Zugang
zu den Daten der Bürger habe. Das Skatteverket bekommt Daten nicht nur von anderen Behörden, sondern auch von den
schwedischen Banken. Nur mithilfe dieser
Daten kann der Fiskus seine Steuerformulare für die Bürger schon fertig ausfüllen.
Für deutsche Ohren klingt das gefährlich nach Überwachungsstaat. Aber Malm
sagt, es gebe eigentlich keine Diskussion
darüber, die Befugnisse des Finanzamtes
einzuschränken. „Der praktische Nutzen
für die Bürger wiegt einfach mehr als der
mögliche Integritätsverlust“, sagt er. Es ist
wohl so, dass viele Schweden zwar gerne ihre Steuern bezahlen. Aber sie möchten sich
nicht stundenlang damit beschäftigen.
Didier Bayle pariert die ungewöhnlich direkten Fragen mit Geschick. Wie viel er verdiene und wie viel Steuern er zahle? Ach, das
Steuersystem in Frankreich sei so kompliziert, dass er das auf Anhieb gar nicht sagen
könne. Da müsse er seinen Steuerberater
fragen. Wie er das so sagt, klingt es durchaus glaubwürdig. Das Schlimme seien aber
eh nicht die Steuern, sagt der Friseur, sondern die Sozialabgaben. Da wisse er, wie viel
er zahle: 1500 Euro pro Monat.
Bayle schaut einem durch den Spiegel in
die Augen. Er führt einen Zweimannbetrieb
am unteren Ende der Marktstraße Rue
Mouffetard, einen Herrensalon, dessen
Innenausstattung
so aussieht, als sei
hier seit den 70erJahren nicht mehr
renoviert worden.
Das Durchschnittsalter der Kundschaft scheint jenseits der 70 zu liegen. Bayle ist um
die 50 Jahre alt.
Dreitagebart, ecki-
Gody wie jeder Schweizer mitbestimmen
kann, wofür die Gemeinde, der Kanton
oder der Bund sein Geld ausgibt und wie
viel Steuern er überhaupt berappt.
In beiden Fällen werden die Wähler um
ihre Zustimmung gebeten. Es geschieht
nicht selten, dass sie sich die Steuern erhöhen, weil sie keine Alternative sehen. Und
es geschieht eher selten, dass nutzlose und
teure Prestigeprojekte nach Art von Flughäfen, Konzertsälen oder unterirdischen
Bahnhöfen in die Welt gesetzt werden.
„Wenn ich tatsächlich weniger zahlen
möchte, dann bräuchte ich nur umzuziehen“, erläutert Gody weiter. Da die Steuerhoheit bei den Gemeinden liegt, legen sie
den jeweiligen Satz fest – und der ist in
Hombrechtikon, wo der Friseur lebt, höher
als in Stäfa, wo sein Salon liegt. Nicht nur
Gemeinden und Städte konkurrieren so
um zahlungskräftige Steuerzahler, auch
die Kantone stehen in einem Wettbewerb.
Wenn Gody ein Problem hat, geht er
nicht zum Steuerberater, sondern aufs Finanzamt. Dort wird er besser und vor allem billiger beraten. Zudem wird er hier
grundsätzlich als ehrlicher Steuerzahler
und nicht als potenzieller Betrüger eingestuft. Die Beamten helfen sogar mit Tipps
zum Steuersparen.
WOLFGANG KOYDL
ist gut 40 Minuten mit mir beschäftigt –
aber ich war ja auch zu spät dran.
Mariko, die vor zwölf Jahren aus Japan
nach New York gezogen ist, zählt zu den besser verdienenden Friseuren im Land. Im
Schnitt bekommen sie in Amerika laut Bureau for Labor Statistics 12,88 Dollar pro
Stunde, in New York City sind es 14,84 Dollar – 30 870 Dollar im Jahr. Wie viel Steuern die 36-Jährige zahlt, weiß sie nicht ganz
genau, schließlich
ist das System hier
mit lokalen Steuern der Stadt, mit
Steuern des Bundesstaats und Steuern für Washington kompliziert.
„Ich bin mit solchen Dingen nicht
so gut vertraut“,
sagt sie. Im Monat
zahle sie mehrere
Hundert Dollar, aber knapp unter 1000. Einmal im Jahr bekommt sie einen Teil zurück,
weil sie lieber zu viel anzahlt als zu wenig.
„Es ist schon ganz schön viel, was da abgezogen wird.“ Aber dieses Jahr wird das besser, hofft Mariko, denn sie hat vor vier Monaten ein Baby bekommen – jetzt sinkt ihr
Steuersatz.
KATHRIN WERNER
ge Brille. Ist der Franzose jetzt ob der indiskreten Fragen verstimmt? Im Gegenteil:
Er setzt die Schere kurz ab und zückt ein
aufgeschlagenes Heft des Fachverbandes
aus dem Regal: „Hier lies. Da steht alles
drin.“
Es geht um den Abstieg des Gewerbes.
Ein angestellter Friseur verdiene im Schnitt
1200 Euro netto. Die Branche habe in vier
Jahren zehn Prozent ihrer Beschäftigten verloren. Drei Viertel der Neueinsteiger seien
unter 35 Jahren, viele verließen den Job
aber nach kurzer Zeit wieder. „Wir haben
keine Lobby wie die Wirte oder Bäcker“,
klagt Bayle. So zahlten sie anders als andere
Berufsgruppen 19,6 Prozent Mehrwertsteuer und keinen reduzierten Satz. Nächstes
Jahr müssten sie sogar über 20 Prozent abführen. Dass der eine bevorzugt werde, der
andere aber nicht, mache das Steuersystem
in Frankreich so ungerecht.
Die Branche habe allerdings auch selber
Fehler gemacht. Als die großen Ketten aufmachten, seien die Preise erst nach unten
gegangen. Danach hätten die Friseure es allerdings lange versäumt, Schritt für Schritt
die Preise wieder zu erhöhen. „Ich kann niemandem empfehlen, Friseur zu werden“,
sagt Bayle.
MICHAEL KLÄSGEN
PERSONALIEN
Schöne Bescherung
Denkmal im Netz
Auf nach China, fast wie ein Lottogewinn
Ausgeschaltet
Franz Beckenbauer, 67, Held, verdient
sich ein goldenes Näschen. Der Mann,
Weltmeister als Kicker und als Trainer,
stellt seine Popularität gerne in den
Dienst diverser Konzerne – und macht
damit offenbar kräftig Kasse. Beckenbauers Manager Marcus Höfl sagte dem Magazin Focus, mit geschätzten Einnahmen
aus Werbeverträgen von rund zehn Millionen Euro pro Jahr liege man „nicht so
verkehrt“. Höfls Firma wird in diesem
Jahr rund 20 Millionen Euro umsetzen,
die Hälfte davon wandere auf Beckenbauers Konto, hieß es. Ja, is’ denn heut’ scho
Weihnachten? Beckenbauer (FOTO: DPA) begann seine Karriere als Werbefigur mit
einem Vertrag für Tütensuppen. Slogan
damals: „Kraft in den Teller – Knorr auf
den Tisch“. Es folgten unzählige andere
Engagements, etwa für Mobilfunkanbieter: Beckenbauer machte erst Stimmung
für E-Plus, wechselte später zum Konkurrenzen O2 – die Frage,
wer mit Beckenbauers
Satz „Da legst di nieder“ werben dürfe,
ging sogar vor Gericht. An Beckenbauer
ging dieses Ungemach
spurlos vorbei – er
blieb, natürlich, der
Kaiser! AS
Oliver Samwer, 39, Gründer, strebt nach
Ruhm im Internet: „In 40 Jahren soll im
Wikipedia-Eintrag über uns zu lesen sein,
dass niemand weltweit so viele Internetunternehmen so systematisch gebaut hat
wie wir“, sagte er dem Magazin Focus.
Dafür will Samwer, der gemeinsam mit
seinen Brüdern Marc und Alexander Startups in Serie gründet, die Samwer-Holding
Rocket Internet verdreifachen. Gehören
den Brüdern derzeit noch Anteile an 75
Internetunternehmen, sollen es in zwei
Jahren etwa 250 Beteiligungen sein.
Schon jetzt erwirtschafteten die Start-ups
einen Umsatz von drei Milliarden Euro,
sagte Samwer (FOTO: OH). Beobachter kritisieren die Brüder immer wieder, Gründungen aufzublasen und über Wert an arglose
Investoren zu verkaufen; wie einst das
soziale Netzwerk Studi VZ an Holtzbrinck,
das die Samwers zwar nicht gegründet,
aber als Investoren mit groß gemacht
hatten – und das später viele Mitglieder an
den US-Konkurrenten
Facebook verlor. Samwer sagte jetzt allerdings, 80 Prozent der
von den Brüdern gestarteten Unternehmen lohnten sich für
die Investoren. SCRO
Thomas Middelhoff, 60, Ex-Bertelsmann- und Ex-Arcandor, kennt sich aus
mit ganz großen Zahlen. Seit vielen Jahren ist er Millionen-Einkommen gewohnt,
bei Bertelsmann hat er in einem besonders erfolgreichen Jahr sogar einmal einen Bonus in Höhe von 80 Millionen Euro
kassiert. Jetzt hat der Manager einen
neuen Job übernommen, der ihm vorkommt „fast wie ein Lottogewinn“, so
sagte er es der Nachrichtenagentur dpa.
Der Medienmann, der im Einzelhandel
(Quelle/Karstadt) nicht glücklich wurde,
ist wieder zurück in seiner präferierten
Branche: Middelhoff wird Vorstand und
Teilhaber des neu gegründeten internationalen Medienunternehmens BT Capital
mit Sitz in Hongkong.
Er werde das Unternehmen gleichberechtigt mit dem chinesischen Medienunternehmer Bruno Wu führen, der zusammen mit seiner Frau Lan Yang die Mehrheit der Unternehmensanteile halte, gab
Middelhoff am Montag bekannt, er sei
mit einer „signifikanten Minderheitsbeteiligung“ dabei. Middelhoff (FOTO: DPA) kennt
Wu seit vielen Jahren noch aus seiner Zeit
bei Bertelsmann. Das neue Unternehmen
will sich auf Filmproduktionen und Social
Media in China konzentrieren, spreche
aber auch mit westlichen Medienunternehmen, die Zugang zum chinesischen
Christoph Hess, Ex-Chef des Leuchtenherstellers gleichen Familiennamens, ist
festgenommen worden (FOTO: DPA) . Ebenfalls in Untersuchungshaft kam sein früherer Vorstandskollege Peter Ziegler. Beiden
wird Bilanzfälschung vorgeworfen. Es
bestehe Flucht- und Verdunklungsgefahr,
sagte ein Sprecher der Schwerpunktstaatsanwaltschaft Wirtschaftskriminalität in
Mannheim am Montag. Zudem seien die
Privat- und Geschäftsräume der Manager
durchsucht worden. Gegen die beiden
früheren Hess-Vorstände wird seit Mitte
Januar ermittelt. Beide hatten die Anschuldigungen kurz nach Bekanntwerden zurückgewiesen. Die Ex-Vorstände sollen in
Zusammenhang mit dem Börsengang im
vorigen Oktober Bilanzen gefälscht und
damit Banken, Investoren und Anleger
betrogen haben. Zudem stünden sie im
Verdacht der Untreue und Verstoß gegen
das Aktienrecht. Das Unternehmen mit
Sitz in VillingenSchwenningen hatte
die beiden Vorstände
wegen der Vorwürfe
Mitte Januar entlassen und die Öffentlichkeit informiert. Zwei
Wochen später hatte
Hess Insolvenz angemeldet. DPA/SZ
Markt suchen. Wu gilt als einer der großen Medienunternehmer in China mit
Beteiligungen an zahlreichen Produktionsgesellschaften und Verlagen. BT Capital
plane aber auch die Eröffnung von Büros
unter anderem in New York, Paris, London und Berlin, heißt es.
In Deutschland hatte Middelhoffs Ruf
als Manager unter der Pleite des KarstadtMutterkonzerns Arcandor im Jahr 2009
gelitten. Gegen ihn laufen noch Prozesse
im Zusammenhang mit seiner Arbeit bei
Arcandor. Im Montagsinterview der Süddeutschen Zeitung am Beginn dieser Woche hatte Thomas Middelhoff gesagt: „Es
ist absolut nicht fair, dass mein Name mit
dem Untergang von Arcandor verbunden
wird. Zum fraglichen Zeitpunkt war ich
schon monatelang nicht mehr Vorstandschef. Mit mir hätte es keine Insolvenz
gegeben. Meine Leute und ich hatten die
richtige Strategie entwickelt.“ MBE
WIRTSCHAFT
DEFGH Nr. 168, Dienstag, 23. Juli 2013
Einfach mal
abschalten
HBG
19
Bangen nach dem Bankrott Die Angestellten von Detroit fürchten um ihre Rente, europäische Banken um ihr Geld
Stromkonzerne auf Sparkurs
stoßen auf Widerstand aus Brüssel
Berlin – „Es kann so leicht sein, Großes zu
bewegen, wenn man Riese ist“ – der Stromkonzern RWE warb bis vor kurzem noch
mit markigen Sprüchen um Kunden. Doch
was nun auf Betriebsversammlungen und
in Rundschreiben kursiert, legt einen ganz
anderen Schluss nahe: Vor allem die Probleme erscheinen riesengroß beim einst stolzen Konzern aus Essen.
Auf den jüngsten Betriebsversammlungen herrschten Existenzangst und Anspannung, sagt ein Betriebsrat. Längst macht
im Unternehmen die Runde, was RWEChef Peter Terium seinen Führungskräften bereits gesteckt hat: RWE wolle seinen
Sparkurs noch einmal verschärfen und
über die geplante Milliarde mehrere Hundert Millionen Euro im Jahr einsparen,
heißt es aus Konzernkreisen. Ein möglicher Stellenabbau, Verlagerungen, auch
Gehaltseinbußen werden offenbar diskutiert. Es gebe viel zu besprechen, verlautet
aus dem Aufsichtsrat vor der für Ende September geplanten zweitägigen Klausur
von Management und Kontrolleuren im
polnischen Warschau. Allein in den Kraftwerkstöchtern von RWE sollen einige Hundert Stellen wegfallen. RWE habe alle Kosten auf den Prüfstand gestellt, sagte ein
Sprecher, ohne Details über die Dimension
neuer Einsparungen zu nennen.
Weil ihre Kraftwerke wegen des Booms
bei grünem Strom immer seltener ausgelastet sind, stehen bei den Konzernen bis
zu 20 Prozent der Kraftwerkskapazitäten
zur Disposition. Pläne, die wohl auch den
Druck auf die Politik erhöhen sollen, über
Fördermechanismen für defizitäre Kraftwerke nachzudenken – und die man in
Brüssel deshalb höchst kritisch verfolgt.
Es gebe das Risiko, dass Stromkonzerne
ihr Ziel, Kapazitäten zu schließen, absichtlich übertreiben, um zusätzliche Einnahmen zu generieren, heißt es im Entwurf eines Leitfadens für EU-Mitglieder. Die Botschaft des Papiers aus der Generaldirektion Energie von Kommissar Günther Oettinger: Regierungen sollten davor gewarnt
sein, Versorger beim Weiterbetrieb alter
Kraftwerke mit Fördermitteln zu unterstützen.
Doch auch die Branche erhöht den
Druck. Denn nach RWE, das die Pläne bereits vergangene Woche bestätigte, wagt
sich nun auch noch der EnBW-Konzern,
Deutschlands drittgrößte Kraft auf dem
Energiemarkt, aus der Deckung. Prinzipiell stehe außer Frage, dass die „massive
Überförderung erneuerbarer Energien zu
einem dramatischen Druck auf den Strompreismarkt führt“, glaubt EnBW-Aufsichtsratschef Claus Dieter Hoffmann. Dies gefährde den Bestand vieler konventioneller
Anlagen in Deutschland und damit mittelfristig auch die Sicherheit der Versorgung,
warnte Hoffmann weiter.
Auch die Analysten der Schweizer Großbank UBS rechnen damit, dass weite Teile
des Kraftwerksparks künftig nicht mehr
gebraucht werden. In Zentraleuropa müssten binnen fünf Jahren bis zu 30 Prozent
des Kraftwerksbestands abgebaut werden, damit der Strommarkt wieder normal
funktioniere. Und auch die Analysten von
Moody’s geben noch lange keine Entwarnung. Die jüngsten negativen Rating-Einschätzungen seien dem wachsenden
Druck auf das Geschäft der Konzerne in ihren Heimatmärkten geschuldet, heißt es in
einer Studie.
MARKUS BALSER
Lokführer und Pfleger
für Deutschland
Berlin – Deutschland hat seinen Arbeitsmarkt für Bürger, die nicht aus der Europäischen Union (EU) stammen, weiter geöffnet. Künftig können – neben Pflegekräften
sowie Akademikern und Studenten aus
Afrika, Amerika oder Asien – auch technische Fachkräfte leichter in die Bundesrepublik kommen, sofern in ihren Ausbildungsberufen hierzulande ein Mangel herrscht
und die im Ausland erworbene Qualifikation mit einer Ausbildung in Deutschland
gleichwertig ist. Darunter fallen zum Beispiel Lokomotivführer, Klempner, Sanitär- und Heizungstechniker oder Bauelektriker. Dies geht aus der sogenannten Positivliste hervor, die das Bundesarbeits- und
das Wirtschaftsministerium vorgelegt haben. Trotz des Personalmangels in Altenheimen darf aber auch künftig nicht jede
Pflegekraft hier arbeiten.
Aus Ländern, in denen selbst Pflegepersonal fehlt, dürfen solche Fachkräfte nicht
zuwandern. Nach Angaben des Arbeitsministeriums trifft dies auf 57 Staaten zu, allein 36 davon liegen in Afrika. Die neue Beschäftigungsverordnung war bereits Anfang Juli in Kraft getreten. Die Liste der
Mangelberufe wird die Bundesagentur für
Arbeit (BA) regelmäßig aktualisieren. Die
BA soll einer Beschäftigung von Fachkräften aus Nicht-EU-Staaten jedoch nur zustimmen, „wenn die Arbeitsbedingungen
der angebotenen Stellen nicht ungünstiger
sind als die vergleichbarer inländischer Beschäftigter“, versichert das Arbeitsministerium. Dessen Chefin Ursula von der Leyen
(CDU) sagte, die Liste zeige, dass Unternehmen „in etlichen Branchen händeringend
nach qualifizierten Kräften suchen“. Sie
werde es den Betrieben erleichtern, „ihren
Bedarf schnell und sicher zu decken“. Dies
trage dazu bei, dass die Firmen wettbewerbsfähig bleiben „und so auch Arbeitsplätze für Jobsuchende in Deutschland
schaffen“. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sprach von einem „Meilenstein bei der Fachkräftesicherung“. Die
neue Liste sei ein „starkes Willkommenssignal für qualifizierte Fachkräfte aus dem
Ausland“.
THOMAS ÖCHSNER
Hartes Los: Jahrelang wurden für die Pensionsfonds von Feuerwehr und Polizei keine Beiträge gezahlt. Nun wankt die Altersvorsorge der öffentlichen Angestellten von Detroit.
FOTO: REBECCA COOK/REUTERS
Das Erbe der guten Taten
Detroit ist nur ein Extrem: Amerikanische Städte und Bundesstaaten haben in besseren Zeiten viele großzügige Pensionszusagen
gemacht – jetzt kommt die Quittung. Auch Kommunen in Deutschland kennen dieses Problem
VON NIKOLAUS PIPER
New York – Es war die Aussicht auf eine
großzügige Pension und eine sichere Gesundheitsvorsorge, die Paula Kaczmarek
1978 dazu brachte, von Boston nach Detroit umzuziehen. „Ich kam hierher wegen
der Sicherheit in der Zukunft“, sagte sie zu
Reuters. 34 Jahre lang arbeitete sie in der
Stadtbücherei, voriges Jahr ging sie in den
Ruhestand, nachdem die Stadt Entlassungen angekündigt hatte. Nun ist sie eine von
unzähligen pensionierten Stadtangestellten, die sich auf die drastische Kürzung ihrer Bezüge einstellen müssen.
Vergangene Woche hatte die Stadt Detroit Gläubigerschutz nach Paragraf 9 des
US-Konkursrechts beantragt. Ein historischer Schritt, noch nie hatte sich eine Stadt
dieser Größe in den USA offiziell für zahlungsunfähig erklären müssen. Der vom
Bundesstaat Michigan eingesetzte Zwangsverwalter der Stadt, Kevyn Orr, erklärte
den Bankrott mit städtischen Schulden
von 18 Milliarden Dollar. Darunter sind Verpflichtungen gegenüber den Pensionsfonds der Stadtangestellten von 3,5 Milliarden Dollar und gegenüber der Krankenversicherung der Rentner von 6,4 Milliarden
Dollar. „Wir können das nicht bezahlen“,
sagte Verwalter Orr. „Jeder wusste das seit
20 Jahren, aber niemand wollte das Problem anpacken.“ Jetzt gibt es kein Auswei-
chen mehr, das Problem der Pensionen
und der Krankenversicherung stellt sich in
seiner ganzen Brutalität. Die politische Brisanz ist kaum zu überschätzen: Pensionäre, denen die Rente gekürzt wird, drohen
zu verarmen, weil sie, in Erwartung der
städtischen Leistungen, nicht in die staatliche Rentenversicherung eingezahlt haben.
Der Konflikt dürfte auch den Druck auf
Präsident Barack Obama erhöhen, der
Stadt mit Milliarden zu Hilfe zu kommen.
Das wird er vermeiden wollen, das Problem der Pensionslasten stellt sich auch in
vielen anderen Städten Amerikas.
„Jeder wusste das seit 20 Jahren,
aber niemand wollte das
Problem anpacken.“
Detroit ist aber ein Extremfall, das
stimmt. Einmalig ist der verheerende Bevölkerungsschwund, den die Stadt erleiden musste: Zu Beginn der 1950er Jahre
hatte Detroit zwei Millionen Einwohner,
heute sind es 700 000. Entsprechend
schrumpfte die Steuerbasis. Inzwischen
ist die Stadt für mehr als doppelt so viele
Pensionäre (20 000) und aktive Mitarbeiter (9560) zuständig, das Pensionssystem
ist nur noch zu 58,6 Prozent gedeckt.
Jetzt muss die Rechnung für die guten
Taten der Vergangenheit bezahlt werden.
Jahrzehntelang waren die hohen Löhne
der Autoindustrie der Maßstab für die Gehälter im öffentlichen Dienst. Selbst dann
noch, als sich GM, Ford und Chrysler die
Spitzenlöhne gar nicht mehr leisten konnten. Wenn es für ein kräftiges Gehaltsplus
nicht mehr reichte, machte die Stadt den
Gewerkschaften großzügige Pensionszusagen, die mussten ja erst in der Zukunft eingelöst werden. Eine Zeitlang ließ sich das
Problem noch überbrücken, weil die Stadtverwaltung viel zu optimistische Annahmen über die Rendite städtischer Pensionsfonds (8,0 Prozent) machte. Auch das geht
nicht mehr. Mehrere Mitarbeiter der städtischen Pensionsfonds stehen im Verdacht,
Geld genommen zu haben, um bestimmte
Investitionsentscheidungen zu treffen.
Die städtischen Pensionen in Detroit
sind im nationalen Maßstab zwar nicht außergewöhnlich hoch, aber doch sehr gut,
wenn man die Lage der Stadt berücksichtigt. Ein pensionierter Polizist oder Feuerwehrmann bekommt im Durchschnitt
30 000 Dollar im Jahr. Um wie viel die Leistungen jetzt gekürzt werden, ist unklar. Einen Präzedenzfall gibt es: Als die Kleinstadt Central Falls in Rhode Islands im
Jahr 2011 Gläubigerschutz beantragt hatte,
wurden die Renten um 55 Prozent gekürzt.
In Detroit beschäftigt sich erst einmal das
Gericht damit. Die Frage ist: Dürfen Altersbezüge überhaupt gekürzt werden? Die
Verfassung des Bundesstaates Michigan
verbietet dies ausdrücklich, nach Bundesrecht ist es erlaubt. Bricht Bundesrecht
hier Landesrecht? An der Frage werden Anwälte noch viel Geld verdienen.
Nach deutschem Recht ist die
Pleite einer Stadt oder eines
Bundeslandes ausgeschlossen
Besonders in New York dürfte die Entwicklung aufmerksam verfolgt werden.
Die Stadt stand 1975 selbst am Rande des
Bankrotts. Davon ist die Metropole heute
weit entfernt. Der Bundesstaat New York jedoch könnte wegen der Ausgaben für Pensionen und Gesundheitsvorsorge mittelfristig in eine Finanzkrise geraten. Ex-Notenbankchef und Obama-Berater Paul Volcker sowie Finanzmanager Richard Ravitch fanden 2012 in einer Studie heraus,
dass in der Pensionskasse des Staates eine
Lücke von 85 Milliarden Dollar klafft. Bis
2015 würden die Pensionsverpflichtungen
um 31 Prozent steigen, und auch nur dann,
wenn sich die optimistische Annahme bestätigt, dass die Anlagen der staatlichen
Pensionsfonds eine Rendite von 7,5 Prozent erzielen. Legt man die realistischere
Rendite von 5,0 Prozent zugrunde, wächst
die Last gar um 82 Prozent. Was sich in
New York zeigt, ist ein nationales Problem.
Im ganzen Land, so die Studie, fehlt den
Kassen, aus denen die Pensionen von Lehrern, Feuerwehrleuten und Polizisten bezahlt werden, eine Billion Dollar Kapital,
nach konservativeren Schätzungen sind es
sogar drei Billionen Dollar. „Die Staaten
könnten bald nicht mehr in der Lage sein,
ihr Verpflichtungen zu erfüllen, gegenüber
Angestellten, Gläubigern und vor allem gegenüber der Erziehung und dem Wohlergehen der Bürger“, sagte Ravitch der SZ. Zumindest werden noch weitere Städte in
den USA pleite geben.
Und was ist mit Deutschland? Nach deutschem Recht ist die Pleite einer Stadt oder
eines Bundeslandes ausgeschlossen. Das
bedeutet aber, dass die Last früherer Pensionsversprechen auf der heutigen und
nächsten Generation lasten wird. Das Problem sind ungedeckte Leistungen für Ruhestandsbeamte. Nach Berechnungen des
Freiburger Wirtschaftsprofessors Bernd
Raffelhüschen hat zum Beispiel die Stadt
Berlin ungedeckte Versorgungszusagen an
ihre Beamten von 73,2 Prozent der Wirtschaftsleistung, beim Saarland sind es
59,6 Prozent und in Bremen 58,8 Prozent.
Für derartige Zusagen mussten bis 1999
keine Rücklagen gebildet werden. Deshalb
war es für Politiker bequem, Beamte einzustellen und darauf zu bauen, dass Steuerzahler das Risiko übernehmen. Ein wenig
Detroit gibt es also auch in Deutschland.
Ende einer Schicksalsgemeinschaft
Immer dieselben
Es erscheint absurd: Jetzt, da es GM, Ford und Chrysler gut geht, ist die Stadt pleite
Die frühere Hypo Real Estate ist wieder einmal betroffen
München – Es ist nicht so, dass die Automesse in Detroit zu den beliebteren Automessen der Branche gehört. Es fängt schon
damit an, dass die NAIAS, die North American International Autoshow, immer Anfang Januar beginnt. Detroit bei minus
zehn Grad, eisigen Winden und stahlgrauem Himmel. So sieht er meistens aus, der
Jahresgipfel der Autokonzerne.
Vor ein paar Jahren dann, als die großen
Drei aus Detroit – General Motors, Chrysler, Ford – kaum noch Autos verkauften
und es an ihren Messeständen zuging wie
auf einer Beerdigung, war die Show an ihrem Tiefpunkt angekommen. Ein Branchentreffen in einer Stadt, die ihre besten
Zeiten schon lange hinter sich hat. Die am
Ende nur noch aus Messehallen und ein
paar alten Hotels bestand. Gleich dahinter:
Abbruchhäuser, leere Fabrikhallen, brennende Mülltonnen, vor denen sich Menschen wärmen. 2009 war das Jahr, in dem
General Motors und Chrysler zeitweise Insolvenz anmelden mussten. In der vergangenen Woche dann war die Stadt selbst
dran und meldete Insolvenz an. Das schien
nur konsequent: Detroit war durch das Auto groß geworden. Und ging durch das Auto auch wieder zugrunde.
Wenn es denn so einfach wäre. Die Big
Three haben die Krise der vergangenen Jahre längst abgehakt; Analysten rechnen damit, dass in den USA im laufenden Jahr an
die 15 Millionen neuer Autos verkauft werden – das wären fast so viele wie vor der
großen Krise 2008/2009. Grund: Die Amerikaner haben einige Jahre gewartet, um
sich ein neues Auto zu kaufen. Jetzt ist die
Zeit des Aufschiebens vorbei. Es gehen besonders gut: schwere Autos wie Geländewagen und Pick-up-Trucks. Autos, mit denen
sich saftige Profite machen lassen.
Geht doch: Das lange Zögern ist vorbei, die Amerikaner kaufen wieder Autos.
Das Ganze hat eine absurde Note: Ford,
GM und Chrysler steigern in diesen Zeiten
wieder Absatz und Gewinn, während die
Stadt, in der sie groß wurden, pleite ist. Detroit hätte an die 18 Milliarden Dollar gebraucht, um eine Insolvenz abzuwenden.
GM, der Koloss, der im 220 Meter hohen Renaissance-Center am Detroit-River residiert, bekam vor vier Jahren 50 Milliarden
Dollar zum Überleben. Eine schnelle Insolvenz, ein Rettungspaket der Obama-Administration – so wurde aus General Motors
für kurze Zeit Governmental Motors. Washington behielt einen Großteil der Aktien,
und als GM 2010 dann wieder an die Börse
ging, war der Konzern aus dem Gröbsten
raus und die Konjunktur begann, wieder
anzuziehen. Konzerne haben es manchmal
eben besser als Städte.
FOTO: AFP
Was bleibt, ist die Angst, mit der Stadt
unterzugehen. Rod Alberts ist Chef der
Messe in Detroit und er schickte das Wochenende über Pressemitteilungen hinaus
in die Welt. Die Botschaft: Die Stadt um die
Messehallen herum mag ja pleite sein –
aber uns hier geht es wunderbar. „Wir werden wie geplant weiterarbeiten, Seite an
Seite mit den internationalen Autoherstellern“, schreibt Alberts. Denn: Das Cobo Center, wie die Messehallen heißen, sei „unabhängig von der Finanzierung durch die
Stadt“. Der Bankrott werde keine Auswirkungen auf die Messe haben.
Auf die Messe vielleicht nicht. Auf die Organisation aber vielleicht schon. Denn
dass eine Automesse in einer bankrotten
Stadt ausgerichtet wird, hat es so auch
noch nicht gegeben.
THOMAS FROMM
München – Man kann die Uhr danach stellen: Immer wenn auf den internationalen
Finanzmärkten in den vergangenen Jahren etwas gründlich schief gegangen ist,
dauerte es nicht lange, bis ein Name aus
Deutschland auftauchte, der gar nicht so
deutsch klingt: Die Hypo Real Estate musste mit einem zweistelligen Milliarden-Betrag vom deutschen Staat gerettet werden,
als 2008 die US-Investmentbank Lehman
Brothers Pleite ging. Drei Jahre später,
beim Schuldenschnitt griechischer Staatsanleihen, verlor sie neun Milliarden Euro.
Nun, bei der Pleite Detroits, ist es wieder
soweit: Die FMS Wertmanagement, jene
Bad Bank, in die die Hypo Real Estate ihre
faulen Wertpapiere auslagerte, hat rund
200 Millionen Dollar (150 Millionen Euro)
in der amerikanischen Autostadt investiert. Ein Teil davon sei schon wertberichtigt, ob weitere Abschreibungen nötig seien, werde „aktuell detailliert analysiert“,
sagte ein Sprecher.
In Finanzkreisen hieß es aber, man gehe
in jedem Fall davon aus. Das heißt nichts
anderes, als dass der deutsche Steuerzahler zumindest indirekt von der Pleite Detroits betroffen sein wird. Denn die FMS
Wertmanagement ist in Staatsbesitz. Wie
viel Staatsgeld sie unter dem Strich verschlingt, hängt davon ab, zu welchen Preisen sie ihre Wertpapiere abwickeln kann.
Ursprünglich hatte sie von der Hypo Real
Estate Papiere im Wert von 176 Milliarden
Euro übernommen. Im Fall Detroits
kommt es auf die Insolvenzquote an, also
darauf, wie viel die Gläubiger zurückbekommen. Möglicherweise findet sich auch
ein Investor, der die Papiere aufkauft.
Konkret geht es um „Certificates of Paricipation“, einer Art Kommunalobligation,
die Detroit in den Jahren 2005 und 2006 an
internationale Investoren verkaufte. Dabei war der Kommune die Schweizer Großbank UBS behilflich. Insgesamt verkaufte
sie Papiere im Wert von mehr als 1,4 Milliarden Dollar an Investoren auf der ganzen
Welt. Ein großer Teil davon, etwa eine Milliarde Dollar, ging an europäische Banken,
die damals, kurz vor Ausbruch der Finanzkrise, auf der Jagd nach höherer Rendite
bei vermeintlich überschaubarem Risiko
waren. Dass das Risiko nicht ganz so gering war, hätte sich allerdings auch damals
schon absehen lassen. Detroit steckte zu
der Zeit schon in der Klemme, der Zweck
der Papiere war es, die eigenen Pensionslasten zu verringern und sich gegen das Risiko steigender Zinsen abzusichern.
Ein williger Käufer der Wertpapiere war
die Depfa Bank, eine deutsche Immobilienbank, die einen bedeutenden Teil ihres Geschäfts auf Irland verlagerte und dort ein
großes Rad drehte. Im Jahr 2007 übernahm die Hypo Real Estate die Depfa Bank
– ein Deal, für den sich der damalige HypoChef Georg Funke feiern ließ.
Auch andere deutsche Institute sollen
die Zertifikate aus Detroit in ihren Büchern haben, wenn auch in geringerem Umfang als die FMS Wertmanagement. Zu ihnen gehören auch die Commerzbank und
die Deutsche Bank, heißt es in Finanzkreisen. Beide Institute wollten sich dazu nicht
äußern. Auch die französisch-belgische Dexia-Bank und die französische Société Générale sollen in die Detroit-Papiere investiert haben.
Immerhin gibt es einen Trost: Die Summen sind vergleichsweise gering. „Wir hatten uns ja schon daran gewöhnt, dass die
Milliarde in der Finanzkrise die kleinste
Rechnungseinheit ist“, hieß es bei einer betroffenen Bank.
HARALD FREIBERGER
20
WIRTSCHAFT
HF3
Dienstag, 23. Juli 2013, Nr. 168 DEFGH
Kampfpreis
Warum das Elektroauto von BMW billiger wird als erwartet
München – Es dauerte lange, bis sich
BMW auf einen Preis für sein neues Elektroauto festlegte. Einige fanden, BMW mache es absichtlich spannend. Andere meinten, es sei eben nicht so einfach, den Preis
für ein Elektroauto wie den i3 festzusetzen, wenn es bisher noch nie ein solches
Fahrzeug gegeben hat. Wahr ist wohl:
BMW weiß, dass sein E-Wagen aus leichtem Carbon ein Testwagen für die ganze
Branche ist. Wird er trotz seiner niedrigen
Reichweite von 160 Kilometer gekauft,
hilft das nicht nur BMW – es dürfte dann allen Autoherstellern helfen, die E-Autos planen. Oder, anders gesagt: Funktioniert der
i3 am Markt, wäre dies ein großer Fortschritt für die Elektromobilität. Bleibt der
i3 auf der Strecke, wäre dies ein schwerer
Rückschlag für den Plan der Bundesregierung, bis 2020 eine Million Elektroautos
auf deutsche Straßen zu bekommen.
Allein schon deswegen muss er aus der
Nische heraus fahren. Dafür braucht der
Hersteller aber: hohe Absatzzahlen.
Andererseits hat sich der Konzern
schon früh festgelegt: Er will gleich vom
ersten i3 an Geld verdienen. Große Absatzzahlen und Gewinne – das ist ein schwieriger Plan. In der Branche hatte man daher einen Preis von rund 40 000 Euro vermutet.
Die Überraschung: BMW will für sein
neues Elektrogefährt rund 35 000 Euro haben. Eine Art Kampfpreis, heißt es in der
Branche. Ein Preis jedenfalls, der zeigt:
Den Münchnern geht es jetzt vor allem darum, Marktanteile zu bekommen. Der i3,
der im November auf den Markt kommt,
liegt preislich nun irgendwo zwischen dem
3er und dem 5er BMW und ist in seiner
Grundausstattung an die 10 000 Euro billiger als der Opel Ampera.
Im Preis nicht enthalten ist der so genannte „Range Extender“, ein kleiner Verbrennungsmotor, der die Batterie unterwegs laden und so die Reichweite erhöhen
kann. Der Range Extender muss extra bestellt werden. Der Clou an der Sache ist:
Branchenexperten gehen davon aus, dass
der i3 gerade am Anfang nur mit diesem
Reichweitenverlängerer geordert wird.
Für 35 000 Euro dürfte der i3 also kaum
vom Händler-Hof gehen.
Vor allem aber: Der Hersteller will mit
dem Carbon-Wagen i3 nicht nur das Auto
neu erfinden, sondern den Autohandel
gleich mit. „Der Vertrieb von BMW i Produkten und Dienstleistungen soll über ein
Multivertriebskanalmodell erfolgen“, teilte BMW am Montag mit. „Zusätzlich zu ausgewählten Handelspartnern (BMW i Agenten) wird es ein multimediales Customer
Interaction Center (CIC) sowie eine Online
Vertriebsplattform geben.“ Die klassischen Händlerbetriebe direkt umgehen –
auch das ist ein Novum in der deutschen
Autogeschichte. Was das auf lange Sicht
für die Niederlassungen des Herstellers bedeutet, darüber kann man heute nur spekulieren. Zwar teilte der Konzern jüngst mit,
man habe keine Pläne, hier das Personal abzubauen. Doch Kritiker befürchten vor allem das: Dass Niederlassungen und Vertragswerkstätten in den neuen Konzepten
kaum noch einen Platz haben.
Die Konkurrenz schaut in diesen Tagen
also nicht nur auf das Carbonauto i3. Sondern auch darauf, wie es am Ende verkauft
wird.
THOMAS FROMM
Das waren noch Zeiten: 1998 feierte der Sender Pro Sieben sein zehnjähriges Jubiläum. Mit dabei waren damals Medienunternehmer Leo Kirch (Mitte), Geschäftsführer
FOTO: SABINE BRAUER
Georg Kofler (links) und Rewe-Chef Hans Reischl. Der Handelskonzern war damals mit 40 Prozent an Pro Sieben beteiligt.
Happy End gesucht
Eher heiter als wolkig
Leo Kirch, Haim Saban, gierige Finanzinvestoren: In der Geschichte von Pro Sieben Sat 1 gab es viele Dramen.
Jetzt soll ein neuer Akt beginnen, der Fernsehkonzern will endlich unabhängig werden
VON CASPAR BUSSE
München – Guten Stoff für ein Doku-Drama zur besten Sendezeit, das würde die Geschichte des Fernsehunternehmens Pro
Sieben Sat 1 Media allemal bieten. Da ist alles dabei: Hochs und Tiefs, schillernde Aktionäre, die entweder pleitegingen oder
mit hohem Gewinn davonzogen, sowie ein
steter Wechsel von Vorstandschefs und
Strategien. Von der Gründung des Senders
Sat 1 bis heute ist es eine durchaus wechselvolle Geschichte. Das Motto könnte sein:
Hurra, uns gibt es noch.
Denn es ist erstaunlich, dass es den TVKonzern überhaupt noch gibt.
An diesem Dienstag will Pro-SiebenSat-1-Chef Thomas Ebeling, 54, in eine
neue Zukunft starten – endlich ohne bestimmenden Großaktionär, endlich unabhängig, das erste Mal in der Geschichte der
Firma. Auf der Hauptversammlung in
München sollen die Aktionäre die Zusammenlegung von Stamm- und Vorzugsaktien absegnen. Das ist weitreichender, als
es klingt. Denn die beiden bisher bestimmenden Aktionäre, die „Heuschrecken“
KKR und Permira, werden dann nur noch
44 Prozent der Aktien besitzen – und wollen diese demnächst über die Börse verkaufen. Die Aktie hat zuletzt schon deutlich zugelegt (Grafik), der Börsenwert des größten deutschen Fernsehanbieters (2,4 Milliarden Euro Umsatz und 3000 Mitarbeiter)
liegt bei 7,4 Milliarden Euro.
„Es ist Zeit für ein unabhängiges Pro Sieben Sat 1“, sagt Ebeling. Der Seiteneinsteiger, der zuvor in der Pharma- und Tabakindustrie gearbeitet hat, ist ehrgeizig, will
mittelfristig sogar zu den 30 größten, im
Deutschen Aktienindex (Dax) notierten Unternehmen gehören. „Der Dax wäre für
uns mittelfristig vielleicht in Reichweite,
und ein Medienwert mit digitalem Wachstumsgeschäft, wie wir es sind, kann dort eine Bereicherung darstellen“, so Ebeling.
Begonnen hatte alles vor fast 30 Jahren.
Anfang 1984 geht in Ludwigshafen Sat 1
auf Sendung. Mit an Bord damals: der
Münchner
Medienunternehmer
Leo
Kirch, der bis dahin sein Geld vor allem mit
dem Filmrechtehandel verdient hatte.
Zwei Jahre später wird in einer Tiefgarage
in Schwabing Eureka-TV gegründet, der
Sender wird 1988 in Pro Sieben umbenannt, und Kirch-Sohn Thomas steigt ein.
Ein ehemaliger Skilehrer aus Südtirol übernimmt die Geschäftsführung: der umtriebige Georg Kofler. Er macht Pro Sieben
groß, erfolgreich, schon 1994 liegt der Umsatz bei mehr als einer Milliarde Euro. 1996
steigt der Kölner Handelskonzern Rewe
ein und erhält 40 Prozent der Anteile. Am
7.7.1997 startet Pro Sieben an der Börse, es
ist die erste Fernsehaktie in Deutschland.
Im Jahr 2000 schließlich fusionieren
Pro Sieben und Sat 1 – natürlich unter der
Regie von Leo Kirch. Der Medienmann mit
den guten Kontakten in die Politik, der immer am Rande des Vertretbaren wirtschaftete, will den Fernsehkonzern mit seinen
übrigen Aktivitäten fusionieren. Doch der
Plan scheitert: Im Frühjahr geht Kirch pleite, die bis dahin größte Insolvenz in
Deutschland. Pro Sieben Sat 1 arbeitet wei-
ter, aber es ist viele Monate völlig unklar,
wie es weitergeht. Der Kirch-Insolvenzverwalter sucht lange nach einem Investor.
„Ich war der Einzige, der blieb, alle anderen Investoren sind weggerannt“, meint
später Haim Saban. Der israelisch-amerikanische Medienunternehmer aus Los Angeles kauft 2003 den Fernsehkonzern zum
Schnäppchenpreis: Gut 800 Millionen Euro legen er und seine Investoren auf den
Tisch. Damals gehören neben Sat 1 und Pro
Sieben auch Kabel 1, der Nachrichtensender N 24 und einiges andere zum Konzern.
Unvergessen ist Sabans bühnenreifer Auftritt auf den Medientagen in München. Er
bringt Ehefrau, Tochter und Enkelkinder
mit und präsentiert sich als smarter Investor. „Überall bin ich mit offenen Armen
empfangen worden“, schwärmt Saban später. Der damalige Ministerpräsident Edmund Stoiber, der heute in Diensten des
Fernsehkonzerns steht, führt den Investor
mit einem feierlichen Dinner in die Münchner Medienszene ein.
Doch die Liebe währt nicht lange. Saban
spart und rationalisiert. Nur gut zwei Jahre
später denkt er schon wieder an den Aus-
Pro Sieben Sat 1, Angaben in Euro
45
35
25
15
SZ-Graphik, smallCharts
Quelle: Thomson Reuters
5
-5
1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012
22.7.2013
Vortag
33,75
35,44
Höchstwert, 6.9.00
Tiefstwert, 10.3.09
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Themen
Termine
Vor allem kleine und mittlere Betriebe leiden
unter einer schlechten Zahlungsmoral. Und
die Erfahrung zeigt, dass diese Firmen gerade
in wirtschaftlich schlechten Zeiten noch länger
auf die Begleichung ihrer Forderungen warten
müssen. Nicht selten bedrohen aber Zahlungsausfälle die Existenz des Betriebes. Inkassounternehmen können Firmen bei der
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Erscheinungstermin:
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Image: Inkassounternehmen genießen nicht
immer den besten Ruf. Es gibt einige schwarze
Schafe in der Branche. Doch was zeichnen gute
Inkassounternehmen aus? Auch der Bundesverband will aufklären und bemüht sich um mehr
Transparenz.
Kontakt
Bonität: Nicht jedes Unternehmen kann nur
gegen Vorkasse liefern. Doch wer auf Nummer
sicher gehen will, überprüft im Vorfeld die
Bonität seiner Kunden. Auskunfteien und
Inkassounternehmen helfen, die Bonität
einzuschätzen.
Factoring: Handwerker und kleine Mittelständler leiden unter der sich verschlechternden
Zahlungsmoral der Kunden. Wer nicht zu
lange auf sein Geld warten will, kann seine
Forderungen vor Fälligkeit an FactoringUnternehmen abtreten.
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25. Juli 2013
(Änderungen vorbehalten)
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stieg. Er hat einen schönen Plan: Saban
will das TV-Unternehmen an den Bild-Konzern Axel Springer verkaufen. Mathias
Döpfner soll für die Mehrheit etwa 2,5 Milliarden Euro zahlen. Die Aufregung ist groß,
das Geschäft scheint großartig: Döpfner
will Springer so zu Deutschlands wichtigstem Medienkonzern machen, Saban mit einer Superrendite aussteigen.
Wie so oft in der Geschichte von Pro Sieben Sat 1 kommt es auch diesmal anders.
Medienaufsicht und Kartellamt untersagen Anfang 2006 das Milliardengeschäft.
Saban muss neue Käufer suchen – und findet einige Monate die beiden Finanzinvestoren KKR und Permira. Es beginnt die
wohl leidvollste Zeit in der Zentrale in Unterföhring: Permira und KKR zahlen einen
Kaufpreis von mehr als drei Milliarden Euro, laden der TV-Firma Milliardenschulden auf und genehmigen sich 2007 auch
noch eine sehr üppige Dividende, die dreimal so hoch ist wie der Gewinn. Sie saugen
die Firma aus – und sie verkaufen die europäische Senderkette SBS, an der sie ebenfalls beteiligt waren, für mehr als drei Milliarden Euro an Pro Sieben Sat 1. Der Plan:
Es sollte ein paneuropäischer integrierter
Medienkonzern entstehen.
Interne Querelen, Wirtschaftskrise,
Werbeflaute – Pro Sieben Sat 1 rutscht in eine tiefe Krise, der Aktienkurs notiert unter
einem Euro. 2009 engagieren KKR und Permira Thomas Ebeling als neuen Vorstandsvorsitzenden. Der Branchenfremde spart,
baut um, lässt Sat 1 von Berlin nach München ziehen, stößt den Nachrichtensender
N 24 ab. Nichts bleibt so, wie es war. Ebeling beendet das Abenteuer Europa, verkauft die Beteiligungen in den BeneluxLändern und in Skandinavien, expandiert
dafür in den digitalen Bereich. „Es war auf
jeden Fall eine spannende Zeit, in der uns
wenig erspart blieb“, sagte Permira-Mann
Götz Mäuser, Chef des Aufsichtsrats.
Spannend wird es bleiben: Geht das Drama nun weiter? Oder gibt es endlich ein
Happy End wie in jeder Fernsehserie?
Amazon sichert sich lukrativen Auftrag des CIA
Es waren die frühen Tage des Internets.
Und Jeff Bezos arbeitete damals noch als
Investmentbanker. Das erklärt wohl,
warum sein Chef wenig begeistert von seiner Idee war, einen Buchhandel in diesem
neuen Netz zu gründen. Also setzte Bezos
die Sache selbst um – und gründete Amazon. Die ersten Bestellungen fuhr er noch
persönlich aus. Und er erweiterte das Sortiment stetig. Jeff Bezos hat Amazon zu einem der wertvollsten Technologiekonzerne gemacht. Und nun zählt er auch den
amerikanischen Geheimdienst CIA zu
seiner Kundschaft.
Die Agenten bestellen bei Amazon keine Krimis. Sie ordern Speicherplatz und
ein bisschen mehr technischen Schwung
für ihre eigenen Operationen. Seit sieben
Jahren bietet Amazon auch diese Dienstleistungen an. Zunächst waren es vor allem kleine Unternehmen, die sich für die
Rechenkraft aus der Steckdose interessierten. Inzwischen stehen auf der Kundenliste von Amazon Web Services auch
so renommierte Namen wie die des Elektronikkonzerns Samsung, des Chemieunternehmens Pfizer und der US-Weltraumbehörde Nasa. Nun hat sich Bezos einen
600 Millionen schweren Auftrag beim
amerikanischen Geheimdienst CIA gesichert – und dabei einen der Platzhirsche
in dem lukrativen IT-Dienstleistungsgeschäft ausgestochen: IBM.
Amazon weist in seiner Bilanz nicht
aus, wie wichtig das Geschäft mit dem
Cloud Computing ist. Aber an der Wall
Street glauben viele, dass dort weitaus
mehr zu holen ist als im Internethandel.
Schätzungen zufolge hat Amazon mit seinen Web Services im vergangenen Jahr
zwei Milliarden Dollar umgesetzt. Damit
hält der Neuling einen recht kleinen Anteil an dem etwa 60 Milliarden Dollar
schweren Markt. Noch. Denn technologisch, das zeigt der Auftrag des CIA, kann
der Neuling mit den Etablierten mithalten. Nicht nur IBM, auch Microsoft hatte
sich um den Auftrag beworben. Zuletzt
gab es zwar Sorgen, dass der Skandal um
das Spähprogramm Prism viele Menschen davon abhalten würde, Informationen, die noch im Aktenschrank liegen, in
die digitale Wolke zu verlagern. Doch die
Vorteile überwiegen wohl: Wer Kundendaten und Konstruktionspläne digitalisiert,
macht es seinen Mitarbeitern leichter,
darauf von überall zuzugreifen – und
auch Information schneller zu finden.
Der Rivale IBM hat etwa das Superhirn
Watson entwickelt, einen Computer, der
vor zwei Jahren bereits zwei kluge Köpfe
in der Quizshow „Jeopardy!“ geschlagen
hat. Er soll nun als Kundenberater in Unternehmen zum Einsatz kommen. Das
Kalkül: Jedem Dollar, den IBM mit den Geräten einnimmt, folgen fünf für die dazu
passende Software und fünf weitere für
die Dienstleistungen. Auf das Durchforsten riesiger Datenmengen setzt die gesamte Technologiebranche große Hoffnungen. IBM will bis 2015 mit solchen
Diensten 16 Milliarden Dollar erlösen.
Aber beim CIA wird der Konzern vorerst
nicht viel holen.
VARINIA BERNAU
Der US-Geheimdienst CIA sichert sich
technische Unterstützung und Speicherkapazitäten bei Amazon. FOTO: BLOOMBERG
Vor Verkauf von E-Plus
UNTERNEHMEN
Deal besitzt offenbar einen Wert von fünf Milliarden Euro
Philips glänzt
Madrid/Frankfurt – Auf dem deutschen
Mobilfunkmarkt bahnt sich eine Mega-Fusion an: E-Plus und Telefonica („o2“) verhandeln über ein Zusammengehen. Die beiden Firmen – derzeit Nummer drei und
vier – könnten durch die Ehe zu den Platzhirschen Telekom und Vodafone aufschließen. Weiterer Vorteil: Der Zusammenschluss der Handy-Netze spart Milliarden.
Telefonica Deutschland in München erklärte am Montag, sie führe Gespräche über einen Kauf der KPN-Tochter E-Plus.
Auch die beiden Mutterkonzerne, KPN
aus den Niederlanden und Telefonica aus
Spanien, bestätigten Gespräche über die
Deutschland-Töchter. Der Ausgang sei
aber ungewiss. Eine mit der Transaktion
vertraute Person sagte, es sei geplant, dass
die Spitzen beider Unternehmen noch am
Montag zusammentreffen, um über die Fusion zu beraten und abzustimmen. Der
Deal habe ein Volumen von fünf Milliarden
Euro. Zuvor hatte die Financial Times über
eine Übernahme berichtet.
Die Details der Mobilfunk-Liaison sind
komplex. KPN werde nach derzeitigem
Stand im Tausch für E-Plus-Anteile an der
börsennotierten Telefonica Deutschland
sowie Bares erhalten, sagte eine mit den
Planungen vertraute Person. Der Vorschlag sei aber noch nicht in trockenen Tüchern, zitiert die britische Zeitung zwei
Quellen. Der Telekom-Riese Telefonica sol-
le am Ende mehr als die Hälfte an den fusionierten Unternehmen halten. Weitere Neuigkeiten könnte es schon bald geben: KPN
stellt am Dienstag seine Quartalsbilanz
vor; Telefonica folgt am Mittwoch.
E-Plus und Telefonica haben immer wieder über ein Zusammengehen gesprochen.
Der jüngste Anlauf vor einem Jahr scheitere jedoch in letzter Minute. Eine Hochzeit
ergibt Analysten zufolge Sinn, da die operativen Probleme groß sind: Mit 19 Millionen
beziehungsweise 24 Millionen Handykunden liegen o2 und E-Plus weit hinter der Telekom und Vodafone, haben aber ähnlich
große und teure Netze. Eine Fusion würde
Bankern zufolge die Kosten um vier Milliarden Euro drücken. „Eine Zusammenschaltung von zwei Netzen in Deutschland kann
große Synergien bringen, das zeigen Beispiele aus anderen Ländern“, sagte Telefonica-Deutschland-Vorstand Markus Haas
im Frühjahr.
Knackpunkt für eine Fusion sind die
Funkfrequenzen. Sie sind Basis des gesamten Geschäfts und dementsprechend teuer. „Ein großer Stolperstein ist das Bundeskartellamt, das den Deal blockieren könnte“, sagte Amanda Russo vom Analystenhaus IHS. Anleger griffen nach Bekanntwerden der Fusionsgespräche zu: Die KPNTitel schossen um 12,9 Prozent nach oben.
Die Papiere von Telefonica Deutschland
legten um 6,8 Prozent zu.
REUTERS/SZ
Amsterdam – Der Umbau des niederländischen Elektronikkonzerns Philips trägt
mehr und mehr Früchte. Vor allem die
wachsende Nachfrage aus den Schwellenländern und die wiedererstarkte Sparte für
Medizintechnik bescherten den Holländern im abgelaufenen Quartal deutliche
Gewinnzuwächse. Binnen Jahresfrist hat
sich der Überschuss auf 317 Millionen Euro
verdreifacht, wie Philips am Montag mitteilte. Der Umsatz legte indes nur um drei
Prozent auf 5,65 Milliarden Euro zu, 40 Prozent davon steuerte die Medizintechnik
bei. Die Börse honorierte die Ergebnisse:
Die Aktie legte deutlich zu.
REUTERS
Investor verlässt Yahoo
Sunnyvale – Yahoo verliert einen seiner
prägenden Köpfe. Hedgefonds-Manager
Daniel Loeb reduziert seine Beteiligung an
dem Internetkonzern und verlässt den Verwaltungsrat. Loeb hatte im vergangenen
Jahr dafür gesorgt, dass Konzernchef Scott
Thompson wegen eines falschen akademischen Titels im Lebenslauf gehen musste –
und damit der Google-Managerin Marissa
Mayer den Weg an die Yahoo-Spitze geebnet. Yahoo wird nun 40 Millionen Aktien
von Loebs Gesellschaft Third Point für
knapp 1,2 Milliarden Dollar zurückkaufen.
Third Point hält danach noch 20 Millionen
Aktien. Der Yahoo-Kurs gab nach.
DPA
Deutsche Bank macht sich klein
FINANZEN
Deutsche Wirtschaft wächst
Frankfurt – Die deutsche Wirtschaft ist
im zweiten Quartal nach Darstellung
der Bundesbank kräftig gewachsen.
„Die Einschätzung, dass die deutsche
Wirtschaft nach dem witterungsbedingt schwachen Start in das Jahr 2013
im zweiten Vierteljahr kräftig expandiert hat, wird durch die aktuellen Konjunkturindikatoren bestätigt“, heißt es
im Juli-Monatsbericht der Notenbank.
„Wichtige Wachstumsbeiträge dürften
im zweiten Vierteljahr von der Industrie
und der Bauwirtschaft gekommen sein.
Die Produktionsausfälle des ersten
Quartals wurden zügig ausgeglichen.“
Die Bundesbank erwartet aber, dass die
Konjunktur im Sommer wieder an
Schwung verlieren wird. Für das dritte
Quartal hätten sich entsprechende Hinweise verstärkt. So seien von den Aufträgen in den Monaten April und Mai keine nennenswerten Impulse für die Industrie gekommen. Positiv sei jedoch,
dass die Unternehmen Umfragen zufolge wieder zuversichtlicher sind. DPA
Cerberus kauft ein
Frankfurt – Der Finanzinvestor Cerberus investiert wieder in den deutschen
Immobilienmarkt: Die Beteiligungsgesellschaft kauft zwei umfangreiche
Pakete mit Einzelhandelsflächen aus
der Insolvenz. Zum Kaufpreis machte
Cerberus keine Angaben, wohl aber zur
Größe: Ein Paket aus deutschlandweit
neun Einkaufszentren („Phoenix“) mit
einer Gesamtfläche von 92 000 Quadratmetern wurde von der US-Bank Wells
Fargo übernommen, die sich damit
notleidender Kredite entledigt. Der
Verkäufer des anderen Portfolios aus
zehn Märkten mit gut 260 000 Quadratmetern („Monsoon“) blieb ungenannt.
Die Immobiliengruppe Acrest Property
soll die Einkaufszentren verwalten und
sanieren, um mehr Mieter anzulocken
und Geld in die Kasse zu holen. Cerberus interessiert sich speziell für schwierige Fälle: Zuletzt übernahm man
22.000 Wohnungen der insolventen
Gesellschaft Speymill. REUTERS
HGAA-Verfahren in München
München – Die BayernLB kann im
Streit um milliardenschwere Forderungen an die österreichische Bank HGAA
auf ein Gerichtsverfahren in Deutschland hoffen. Das Landgericht München
werde sich am 25. November in einer
Verhandlung mit dem Fall befassen,
sagte eine Gerichtssprecherin und bestätigte Informationen der Tageszeitung Die Welt. Die BayernLB hatte ihre
frühere Tochter Hypo Group Alpe Adria
(HGAA) vor einem Notverkauf an die
Republik Österreich mit beträchtlichen
Geldspritzen gestützt und verlangt 2,4
Milliarden Euro zurück, die als Kredit
ausstünden. Die HGAA lehnt die Zahlung ab, weil es sich um Eigenkapital
ersetzende Gesellschafterdarlehen
gehandelt habe. Offen war bisher, ob
die Justiz in Deutschland oder Österreich für den Fall zuständig ist. Dem
Zeitungsbericht zufolge hat das Münchner Gericht erklärt, für einen Großteil
des Streits zuständig zu sein. REUTERS
Frankfurt - Es ist das nächste Häkchen
auf der To-Do-Liste von Anshu Jain und
Jürgen Fitschen. Vor drei Monaten haben
die Chefs der Deutschen Bank die Wünsche der europäischen Regulatoren erfüllt
und mit einer milliardenschweren Kapitalerhöhung ihren Risikopuffer aufgebessert. Das Thema ist also erstmal abgehakt.
Jetzt kommt die nächste Herausforderung
auf die Bank zu: Die Regulatoren – allen
voran jene aus den USA – wollen, dass die
Bank eine Schuldenobergrenze einhält. Offenbar wollen Jain und Fitschen auch hier
prompt liefern: Nach einem Bericht der Financial Times will die Bank ihre Bilanz um
rund ein Fünftel kürzen.
Dahinter steckt die Diskussion um die
„leverage ratio“, wie sie im Fachjargon genannt wird. Diese Debatte hat sich in den
vergangenen Wochen über die ganze Welt
ausgebreitet: Mittlerweile wird davon
nicht nur in den USA gesprochen, sondern
auch in Japan, in Großbritannien in der
Schweiz – und auch in Basel, wo sich die internationalen Bankaufseher treffen und
die künftigen Standards für die Finanzbranche diskutieren. In Gesetzestext ist
die Idee jedoch noch nicht gegossen. Bisher ist geplant, dass die Banken ab 2015
weltweit über diese Kennziffer berichten
sollen, ab 2019 müssen sie dann verbindlich mehr als drei Prozent Eigenkapital im
Verhältnis zur gesamten Bilanz vorweisen
können. Derzeit liegt die Deutsche Bank –
wie viele andere Häuser auch – deutlich
darunter. Die Bilanzreduktion könnte ihr
dabei helfen, die Hürde zu überspringen.
Die Deutsche Bank wollte den Medienbericht nicht kommentieren. Dass sie ihre Bilanzsumme grundsätzlich zurückfahren
will, hatte Finanzvorstand Stefan Krause
jedoch in einem Interview bereits Anfang
Juli bekannt gegeben. Allerdings hatte er
zu diesem Zeitpunkt keine konkreten Zahlen genannt. Aber er deutete bereits an, wo
der Abbau stattfinden könnte: im Derivategeschäft. Das sind hochkomplexe Finanzinstrumente, mit denen sich Unternehmen gegen bestimmte Risiken absichern
können – und mit denen andere Marktteilnehmer auf die Wertentwicklung dieser
Vermögenswerte spekulieren können. Der
eine wird damit das Risiko los, der andere
nimmt es – so funktioniert dieser Markt.
Krause sagte Anfang Juli, in diesem Bereich könnten „erhebliche Reduzierungen
erreicht werden, ohne die Bilanz als solche
spürbar zu verändern.“
Ein weiterer Punkt, den Krause anführte, ist die interne Abbaueinheit, oder „Bad
Bank“, in der Vermögenswerte liegen, die
das Geldhaus gern loswerden würde. Über
90 Milliarden Euro machen diese Posten
gemeinsam aus. Krause hofft, in den nächsten „ein bis zwei Jahren substantielle Fortschritte“ bei diesem Abbau zu machen.
Im Umfeld der Bank heißt es, dass nicht
darüber gesprochen würde, Kreditportfolios zurück zu fahren. Das sei kein Thema.
Im Gegenteil: Die Bank hat erst vor wenigen Monaten eine neue Mittelstandsoffensive vorgestellt, die zehn Milliarden Euro
Kreditvolumen für kleinere und mittlere
Unternehmen in Deutschland bereit stellt.
+ 19. 7. 2013
Die Familie
Zürich – Die Schweizer Großbank UBS hat
trotz hoher Kosten für die Beilegung eines
Rechtsstreits in den USA ihren Gewinn
kräftig gesteigert. Im zweiten Quartal erzielte die UBS einen Gewinnsprung auf
690 Millionen Franken (etwa 558 Millionen Euro) – nach 425 Millionen Franken
im Vorjahr, wie die Bank am Montag mitteilte. Zugleich gab die UBS bekannt, dass
sie sich mit US-Aufsichtsbehörden in einem Rechtsstreit um faule Hypothekengarantien geeinigt hat.
In den Zahlen seien Kosten vor Steuern
von insgesamt rund 865 Millionen Franken für Rechtsfälle sowie sonstige Rückstellungen und Wertminderungen finanzieller Vermögenswerte enthalten. In dem
wichtigsten Rechtsstreit ging es darum,
dass die UBS zwischen 2004 und 2007 die
halbstaatlichen US-Hypothekenanbieter
Fannie Mae und Freddie Mac angeblich
mit durch Hypotheken besicherte Wertpapiere in die Irre geführt hatte. Dazu sei eine
grundsätzliche Einigung mit der Federal
Housing Finance Agency (FHFA) erreicht
worden, teilte die UBS mit. Die FHFA klagt
im Namen von Fannie Mae und Freddie
Mac gegen mehrere Finanzinstitute. Darunter ist auch die Deutsche Bank. Den
Stand dieses Verfahrens wollte ein Sprecher des Dax-Konzerns in Frankfurt am
Montag nicht kommentieren. Am Zürcher
Börsenplatz legte der Aktienkurs der Großbank zwischenzeitlich mehr als vier Prozent zu.
DPA
Gewinnquoten
In den Himmel wachsen? Bloß nicht! Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt.
Ohne weitere Details zu kennen, jubelten die Börsen bereits über den Schritt der
Bank: Der Aktienkurs stieg zeitweise um
knapp zwei Prozent an. Die Investoren werten es positiv, wenn die Bank Konflikte mit
dem Regulator vermeiden kann.
Der Grundgedanke der Verschuldungsgrenze ist, dass eine Bank bei einer Bilanzsumme von 100 Milliarden Euro ein Kapitalpolster von drei Milliarden vorweisen
muss – unabhängig davon, welche Risiken
mit den dahinter steckenden Geschäften
verbunden sind. Noch sind viele Details
der Regulierung unklar, etwa die Berechnungsgrundlage. Denn je nach Rechnungslegung unterscheiden sich die Bilanzen der
Banken erheblich: Nach den europäischen
Standards hat die Deutsche Bank beispielsweise eine Bilanzsumme von rund zwei Bil-
„…die Tage mit Leben füllen.“
Christine Westermeier
Friedhofverwaltung – Telefon 2319901
Die Beerdigung findet am Donnerstag, dem 25. Juli 2013,
um 14.30 Uhr im Friedhof Pasing statt.
Wir müssen Abschied nehmen von meinem
geliebten Mann und unserem fürsorglichen Vater, Sohn,
Neffen, Bruder, Schwager und Onkel
heute, Dienstag, 23. Juli 2013
Waldfriedhof, Neuer Teil, Lorettoplatz:
Urnentrauerfeiern:
10.30 Riemensberger Erwin, Buchdrucker, 85 Jahre
13.00 Arndt Irmgard, Lehrerin, 92 Jahre
Friedhof Pasing:
Erdbestattung:
15.00 Zabierz Sophie, Hausfrau, 92 Jahre
Westfriedhof:
Erdbestattungen:
13.00 Hebel Elisabeth, Arzthelferin, 85 Jahre
14.00 Oehme Ruth, Bankkauffrau, 89 Jahre
Westfriedhof:
Urnentrauerfeier:
10.00 Riedinger Günter, technischer Angestellter, 81 Jahre
Nordfriedhof:
Feuerbestattung:
Dr. med.
Dr. med. Ruprecht Sautier-Haack
9.45 Stern Günter, Feinblechner, 73 Jahre
Adelheid Wolf
geb. 22. November 1915
In tiefer Trauer und großer Dankbarkeit für die Zeit,
die wir mit ihm verbringen durften:
94124 Büchlberg
Haizing 1
Christiana Haack mit Franziska, Leopold,
Theresia und Clarissa
Armgard Sautier
Dr. Ursula Sautier
Dr. Jörg und Anna Sautier mit Kindern
Konstantin Sautier mit Familie
Christian und Dr. Roswitha Sautier-Eibl-Eibesfeldt
Angelika Häusermann
im Namen aller Angehörigen
London W8 6.PU
33 Soarsdale Villas
11.15 Tiefenthaler Wilhelmine, Kontoristin, 99 Jahre
gest. 18. Juli 2013
Dr. Ulrike Rohde, geb. Wolf
Roger Wolf
Ina Wolf, geb. Gräfin Beissel von Gymnich
Constantin Wolf
Lucy Sun
Sophie Lourenco, geb. Wolf
Humberto Lourenco
mit Elise
Die Trauerfeier findet am Freitag, dem 26. Juli 2013, um 9.30 Uhr
im Waldfriedhof München, Alter Teil, statt.
Ostfriedhof:
Erdbestattungen:
13.00 Mayer Mathilde, Buchhalterin, 98 Jahre
13.30 Straubinger Theres, Sr. M. Euphrata, Ordensschwester,
91 Jahre
Ostfriedhof, Krematorium:
Urnentrauerfeier:
14.30 Furtmayr Karolina, Hausfrau, 96 Jahre
Neuer Südfriedhof:
Urnentrauerfeier:
14.30 Seiffert Günter, technischer Angestellter, 77 Jahre
Bestattungen im Landkreis München
Städtischer Friedhof Garching:
Die Städtischen Friedhöfe München bitten um telefonische Mitteilung,
wenn Sie Angehörige für nachfolgend genannten Verstorbenen kennen:
Name
Abebe
Sperling
Seidinger
Vorname
Mengistu
Paula
Gertrud
Alter
60 Jahre
88 Jahre
90 Jahre
Lotto (20. Juli):
Lottozahlen: 3 - 11 - 18 - 29 - 33 - 46
Superzahl: 4
1. Rang (6 Treffer und Superzahl) 3 208 790,10 Euro, 2. Rang (6 Treffer) 367 292,90 Euro, 3. Rang
(5 Treffer mit Superzahl) 6121,50 Euro, 4. Rang
(5 Treffer) 2221,50 Euro, 5. Rang (4 Treffer mit Superzahl) 155,40 Euro, 6. Rang (4 Treffer) 33,60 Euro, 7. Rang (3 Treffer mit Superzahl) 18,50 Euro,
8. Rang (3 Treffer) 9,00 Euro, 9. Rang (2 Treffer
mit Superzahl) 5,00
Spiel 77: 3 3 0 4 7 8 8
Gewinnklasse 1, Super 7: unbesetzt, im Jackpot
1 002 949,70 Euro, Gewinnklasse 2: 77 777,00 Euro,
Gewinnklasse 3: 7777,00 Euro, Gewinnklasse 4:
777,00 Euro, Gewinnklasse 5: 77,00 Euro, Gewinnklasse 6: 17,00 Euro, Gewinnklasse 7: 5,00 Euro.
13er-Wette: 1. Rang 35 813,80 Euro, 2. Rang
1053,30 Euro, 3. Rang 102,00 Euro, 4. Rang 15,50
Euro.
Auswahlwette: Gewinnklasse 1: unbesetzt, im
Jackpot 385 684,80 Euro, Gewinnklasse 2:
15 602,10 Euro, Gewinnklasse 3: 2120,50 Euro, Gewinnklasse 4: 54,30 Euro, Gewinnklasse 5: 5,40 Euro, Gewinnklasse 6: 4,30 Euro.
Lotterie Aktion Mensch: Ziehung 16. Juli: Geldziehung Rang 1: Nr. 5 875 413; Rang 2: 2 664 065,
3 004 669; Rang 3: 9 143 500, 5 986 736,
9 507 254, 5 462 012; Rang 4: 572 594.
(Ohne Gewähr)
Druckkontrollelement der SV Zeitungsdruck GmbH
Zur Beratung und Entgegennahme von
Familien- und
Traueranzeigen
steht unser Service-Zentrum in der
Fürstenfelder Straße 7 in 80331 München
Montag:
Dienstag:
Mittwoch:
Donnerstag:
Freitag:
Samstag:
Sonntag:
9.30
9.30
9.30
9.30
9.30
9.30
11.00
–
–
–
–
–
–
–
18.00
18.00
18.00
18.00
16.00
16.00
14.30
Uhr
Uhr
Uhr
Uhr
Uhr
Uhr
Uhr
Nordfriedhof:
Urnentrauerfeier:
geborene Jäger-Grunow
+ 16. Juli 2013
Die Trauerfeier findet am 31. Juli 2013, um 14.00 Uhr in Verklärung
Christi in Schongau statt, mit anschließender Urnenbeisetzung
auf dem Stadtfriedhof.
Anstelle von Kranzspenden bitten wir im Sinne des Verstorbenen um
Blumen aus dem Garten oder eine Spende an die Nepal-Initiative
Schongau e. V.: Sparkasse Schongau, BLZ 734 514 50,
Konto-Nr. 529 57 20, Stichwort: Ruprecht Sautier-Haack.
wird sie noch immer über eine Billion Euro
schwer sein – nach europäischen Standards sogar über 1,5 Billionen Euro.
Dass die Bank nun ihre Bilanzsumme
verkleinert, bedeutet allerdings nicht automatisch, dass sie dadurch sicherer wird.
Denn Größe allein ist dafür nicht entscheidend. In der Finanzkrise hat sich gezeigt,
dass auch kleine Banken enorme Risiken
eingehen können, die bedrohlich für das gesamte System werden können. Daher
muss die Aufsicht genau darauf schauen,
an welchen Stellen die Deutsche Bank ihre
Bilanz verkleinert.
Am Dienstag werden die beiden Vorstandschefs Jürgen Fitschen und Anshu
Jain die Halbjahreszahlen vorlegen. Finanzkreisen zufolge werden sie dann auch
Details über den Bilanzabbau verraten.
Bestattungen
Landeshauptstadt München
Im Namen aller Angehörigen und Freunde:
Dr. Gerhard Westermeier
und Petra mit Luisa und Ben
Dr. Klaus Westermeier
und Steffi mit Kiki
Unser besonderer Dank geht an die Palliativ-Station der Barmherzigen Brüder
für die liebevolle und kompetente Betreuung und Pflege.
lionen Euro, betrachtet man sie jedoch
nach US-Standards weist sie rund 1,2 Billionen Euro aus. Die von der FT berichtete
Kürzung bezieht sich auf die US-Bilanzierung. Um die Verschuldungsgrenze festzulegen, setzen die Regulatoren das Eigenkapital in Verhältnis zur Bilanzsumme – ob
dann nach europäischen oder amerikanischen Standards vorgegangen wird, ist dabei entscheidend. Nach ersten Angaben
der internationalen Regulierer ziehen sie
eine Berechnungsmethode in Erwägung,
die beiden Systemen gerecht werden soll,
aber näher an den europäischen Standards
liegt.
Auch wenn die Bank diese Kennzahl verbessern wird, zu den weltweit systemrelevanten Instituten wird es wohl auch nach
der Maßnahme noch zählen. Denn dann
FOTO: RALPH ORLOWSKI/BLOOMBERG
In tiefer Trauer um unsere liebe Schwester
Rechtsanwältin
* 13. Februar 1953
+ 18. Juli 2013
Die Trauerfeier findet am Donnerstag, dem 25. Juli 2013, um 13.45 Uhr
im Krematorium St.-Martin-Straße 41 in München statt.
München
Die größte Schweizer Bank
überrascht die Anleger
VON ANDREA REXER
Ulla Mitzdorf
Schongau
UBS streitet
und verdient
Das Geldhaus will seine Bilanz um ein Fünftel kürzen – Hintergrund sind Vorgaben der Bankenaufseher.
Gestutzt werden vor allem Geschäfte mit komplexen Wertpapieren, die Kreditvergabe soll nicht leiden
Wir verabschieden uns von unserer lieben Tante und Schwester
* 7. Dezember 1953
21
GELD
DEFGH Nr. 168, Dienstag, 23. Juli 2013
Sterbedatum
12. 7. 2013
14. 7. 2013
18. 7. 2013
14.00 Urnentrauerfeier mit anschließender Beisetzung
Recknagel Enrico, Konditor, 41 Jahre
Waldfriedhof Grünwald:
9.00 Gottesdienst in der Kirche St. Peter und Paul
10.00 Erdbestattung
Steininger Josef, Malermeister, 80 Jahre
Friedhof Heimstetten:
13.00 Rüger Michael, Diplomingenieur Elektrotechnik, 79 Jahre
Gemeindefriedhof Hohenbrunn:
Sachdienliche Hinweise an Telefonnr. 0 89/2 31 99-2 72, -275 oder -276.
11.00 Prestel Elfriede, Hausfrau, 80 Jahre
sowie unsere telefonische
Anzeigenannahme,
Telefon 0 89/21 83 - 10 30,
gerne zur Verfügung.
An Feiertagen ist das Service-Zentrum wie
Sonntags von 11.oo Uhr bis 14.30 Uhr
geöffnet.
22 PRIVATE BANKING
SONDERSEITEN DER SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG
Dienstag, 23. Juli 2013, Nr. 168
„Sal. Oppenheim ist die zweite Marke für uns“
Warum die Deutsche Bank an ihrer Verluste bringenden Tochter festhält, der Private-Banking-Kunde nicht in eine Schublade gesteckt werden will
und ein erfolgreicher Berater ein guter Zuhörer sein muss. Top-Manager Joachim Häger über das Geschäft mit der vermögenden Klientel
INTERVIEW: KATHARINA WETZEL
D
er Private-Banking-Markt ist hart
umkämpft. Wohlhabende Kunden
wechseln häufiger ihre Bank, und
die Aufsicht stellt höhere Anforderungen
an die Institute. Auch bei der Deutschen
Bank ist einiges im Umbruch. Im vorigen
Jahr wurden mehrere Bereiche zu der Sparte „Asset & Wealth Management“ zusammengelegt. Es wurde angekündigt, dass etwa zehn Prozent der Stellen wegfallen.
Künftig werde es zu einer Konsolidierung
in der Branche kommen, sagt Joachim Häger, der das Deutschlandgeschäft mit vermögenden Deutsche-Bank-Kunden leitet.
SZ: Herr Häger, wie laufen die Geschäfte
mit vermögenden Kunden?
Joachim Häger: Der Private-BankingMarkt wächst sehr dynamisch. Die Hauptwachstumszentren sind Asien, Osteuropa
und Lateinamerika, aber auch in den entwickelten Märkten, in Europa und Amerika, sehen wir ein Wachstum. Die gute Botschaft lautet also: Die Vermögen der Vermögenden sind weiter gestiegen.
„Kunden lassen
sich nicht
segmentieren.“
Und die schlechte Botschaft?
Der Markt wird immer stärker reguliert.
Wir begreifen Regulierung aber vor allem
auch als Chance. Denn durch die Regulierung wird es zu einer Konsolidierung in unserer Industrie kommen. Alle Wettbewerber müssen mit den schärferen Regulierungsvorschriften zurechtkommen, die
sich insbesondere in höheren IT-Kosten
und Trainingskosten für die Mitarbeiter
niederschlagen. Und eine große Vermögensbasis ist die Voraussetzung, um mit
diesen Kosten zurechtzukommen.
Als große Bank haben Sie da Vorteile?
Als Marktführer in Deutschland betreuen
wir über unsere drei Marken Deutsche
Bank Wealth Management, Sal. Oppenheim und Deutsche Oppenheim Family Office AG mehr als 130 Milliarden Kundenvermögen und haben gegenüber den Wettbewerbern definitiv Vorteile. Aber auch im
globalen Asset und Wealth Management
sehen wir uns jetzt mit Kundenanlagen
Das lukrative Geschäft mit vermögenden Kunden wird schwieriger. Die Deutsche Bank will in der neu geschaffenen Sparte
Asset & Wealth Management die Kosten senken und neue Kunden gewinnen.
FOTO: BLOOMBERG
von knapp einer Billion Euro weltweit in
einer führenden Rolle.
Bedeutende Institute müssen aber auch
höhere Auflagen erfüllen als kleine.
Bringen Anleger ihr Geld der Deutschen
Bank, weil sie „too big to fail ist“, der
Staat sie nicht fallen lassen kann?
Die Bonität der Deutschen Bank und ihre
stabile Refinanzierungssituation wird
durch hohe Liquiditätsreserven unterstrichen. Diese liegen bereits seit Längerem
deutlich über 200 Milliarden Euro. Gerade
bei den kurzfristig angelegten Geldern
spüren wir immer wieder, dass wir als sicherer Hafen gelten.
Analysten halten die Deutsche Bank
aber für unterkapitalisiert.
Einspruch. Nach der Kapitalerhöhung, die
wir getätigt haben, werden wir von den
Kunden als eine der sichersten und stabilsten Banken angesehen.
Ein Bund fürs Lesen.
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Wie wurde die Übernahme von Sal. Oppenheim denn von den Deutsche-BankKunden goutiert?
Die Kunden der Deutschen Bank waren
zum Teil und sind auch heute noch Kunden von Sal. Oppenheim, weil Sal. Oppenheim für ein ganz anderes Markenerlebnis
steht als die Deutsche Bank.
Welcher Kunde soll zum Asset und Wealth Management der Deutschen Bank
gehen und welcher zu Sal. Oppenheim?
Kunden lassen sich nicht segmentieren.
Sie suchen sich ihre Bank selbst. Es gibt
Kunden, die ganz bewusst die Bande zu
Sal. Oppenheim knüpfen wollen, zum Beispiel wegen der individuellen Beratung.
Andere, wie zum Beispiel Firmenkunden,
suchen die Deutsche Bank auch auf der Privatseite. Eine der großen Fehleinschätzungen im Private Banking ist übrigens, dass
Kunden auf der Firmenseite mit Bank A
und privat mit Bank B arbeiten wollen.
Eine noch junge Studie von Roland Berger
zeigt das Gegenteil: Mehr als zwei Drittel
der Unternehmer wollen gerne aus einer
Hand betreut werden.
Die Deutsche Bank wird sich also nicht
wieder von Sal. Oppenheim trennen?
Das wäre ja noch schöner! Wir haben Sal.
Oppenheim 2009 erworben und gründlich
durchleuchtet – und das nicht mit dem
Ziel, uns 2013 von Sal. Oppenheim, einer
Traditionsbank mit starkem Markenkern,
wieder zu verabschieden. Sal. Oppenheim
ist die zweite Marke für uns auf dem
deutschen Markt, mit der wir weitere Kundengruppen gezielt ansprechen können.
Eine Marke, die für Individualität und Exzellenz in der Leistungserbringung steht,
für einen eigenständigen Investmentansatz, der bisher nur institutionellen Kunden vorbehalten war. Sal. Oppenheim hat
in der Neuausrichtung mit einer Fokussierung auf sieben wichtige Standorte in
Deutschland die richtige Aufstellung gefunden und wird sich durch die Nutzung
der Infrastruktur der Deutschen Bank dauerhaft auf Wachstum konzentrieren können.
Wann wird Sal. Oppenheim profitabel
sein?
Spätestens 2015 wird die Gewinnschwelle
erreicht. Die Neukundenzugänge und die
neuen Geldzuflüsse, die wir bis jetzt sehen, bekräftigen uns darin.
Derzeit läuft ein Strafprozess gegen die
frühere Führung von Sal. Oppenheim.
Bis Ende 2014 sollen zudem 330 Stellen
wegfallen. Wie entwickeln sich denn die
Geldzuflüsse?
Sal. Oppenheim hat 2012 mehr als drei Milliarden neue Kundengelder angezogen –
trotz der Restrukturierungsphase. Auch
im ersten Quartal sind die Kundengelder
bei Sal. Oppenheim um 1,6 Milliarden Euro gewachsen, und dieser Trend setzt sich
in diesem Quartal fort. Wir sind also insgesamt gut unterwegs, denn im Wealth Management der Deutschen Bank haben uns
Kunden im ersten Quartal netto 2,6 Milliarden Euro anvertraut.
Wie viel Geld müssen Kunden mitbringen, wenn sie von der Deutschen Oppenheim Family Office AG betreut werden
wollen?
Wie es zwischen dem Private Banking, der
Privat- und Firmenkundenbank und dem
Wealth Management keine festen Volumensgrenzen gibt, existieren auch zwischen dem Wealth Management und dem
Family Office keine festen Betragsgrenzen. Im Family Office suchen Kunden eine
gesamthafte Beratung für ihr Privat- und
Betriebsvermögen sowie zu sämtlichen Aspekten der Vermögensorganisation, -strategie und -planung. Diese Beratung kann
sich schon ab einem einstelligen Millionenbetrag rechnen, wenn das Vermögen komplex ist und beispielsweise ein Generationenwechsel ansteht, oder wenn eine Übertragung in eine Stiftung angedacht ist. In
der Regel handelt es sich aber um große
Vermögen. Sie können davon ausgehen,
dass das Vermögen durchschnittlich
30 bis 40 Millionen Euro betragen sollte,
damit alle Möglichkeiten des Family Offices auch genutzt werden können.
Was machen Sie zur Beruhigung der
Kunden, wenn die Aktienkurse abstürzen und das Portfolio ins Minus rutscht?
Die vergangenen Wochen haben gezeigt:
Man kann gar nicht eng genug am Kunden
sein, um zu erklären, was an den Märkten
passiert. Wir haben gesehen, dass die expansive Geldpolitik der Zentralbanken
uns ein wenig in Sicherheit gewiegt hat.
Wir kannten auch seit Jahresbeginn nur
eine Richtung. Der Dax ist von über 7600
Punkten bis auf 8500 Punkte hochgeschnellt, und viele Anleger glauben dann
an den Trend. „Trends tend to persist“ ist
aus meiner Sicht nicht die richtige Maxime für die Zukunft. Im Gegenteil: Wir müssen mit Anlegern gerade über Szenarien
sprechen, in denen es ganz anders kommt,
als wir alle glauben. Das bedeutet auch,
Kunden von manchen Anlagen aktiv abzuraten, wenn es nötig ist.
Wie vermeiden Sie in der derzeitigen
Niedrigzinsphase denn Verluste?
Das ist das große Problem einer Finanzrepression. Sie können heute in jeder Zeitung lesen, dass sich der Sparer Gedanken
über die Stabilität seines Vermögens
macht. Er spürt den Wertverlust noch
nicht merklich, aber er weiß, dass er täglich stattfindet: Im kurzfristigen Anlagebereich, aber auch bei den sicheren Staatsschuldtiteln sehen wir Zinssätze, die unter-
„Die meisten Probleme sind
ein Ergebnis mangelhafter
Kommunikation.“
halb der Inflationsrate liegen. Für die Deutschen, die ihre Anlagestrategie recht konservativ ausrichten, steht der reale Vermögenserhalt, also nach Abzug der Inflation
und Steuern, an oberster Stelle. Das heißt
für uns: Wir müssen die Vermögensallokation sehr aktiv betrachten und bei Bedarf
schnell umsteuern. Deshalb investieren
wir seit Jahren kontinuierlich in unsere Risikomanagement-Expertise.
Sollten Kunden risikofreudiger sein?
Sie sollten renditelose Risiken meiden.
Und sie müssen eine andere Haltung zum
Risiko gewinnen, wenn sie an ihren Anlagezielen festhalten wollen. Dafür müssen sie
aber mehr Beratung in Anspruch nehmen.
In der Marktphase, in der wir uns bewegen, müssen wir über weitere Anlageklassen nachdenken. Genau das machen wir
gerade sehr intensiv mit unseren Kunden.
Das sind konkret welche Anlagen?
Im strategischen Portfolio der sicheren Anlagen eine etwas stärkere Abwendung von
den Staatsanleihen hin zu Unternehmensund High-Yield-Anleihen. Der hohe Anteil
von Rentenpapieren muss aber insgesamt
überdacht werden. Rentenersatzstrategien müssen prominenter werden – wie
zum Beispiel Dividendenstrategien. Ich
denke hier an dividendenstarke Unternehmen aus den entwickelten Märkten. Ich
denke aber auch an alternative Investments bis hin zu Hedgefonds.
Private-Banking-Kunden sind untreu
geworden. Warum sind sie unzufrieden?
Meiner Erfahrung nach sind die meisten
Probleme ein Ergebnis mangelhafter Kommunikation. Daraus resultieren Missverständnisse. Man kann das vermeiden,
wenn man die Kundensituation von Beginn an richtig erfasst. Das ist manchmal
nicht trivial, denn diese Situationen sind
häufig sehr komplex. Von einem Berater
wird also viel gefordert. Die fachliche Kompetenz ist dabei die Pflicht. Die Kür sind
emotionale Intelligenz, Empathie und die
Fähigkeit zuzuhören.
Joachim Häger leitet das
Deutschlandgeschäft im
Bereich Wealth Management der Deutschen
Bank. Zudem ist Häger
Aufsichtsrat bei Sal.
Oppenheim und Aufsichtsratsvorsitzender beim
Deutsche Oppenheim
Family Office. FOTO: OH
Die Angst vor dem Risiko
Warum Banken derzeit viel Aufwand betreiben müssen, um reiche Kunden zu gewinnen
iPad 4. Generation,
16 GB:
Samsung ATIV smart
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Das Vermögen der Reichen und Superreichen wächst weltweit. Zu dem Ergebnis
kommen diverse Reports, die alljährlich
den Private-Banking-Markt beleuchten.
Gleichzeitig wird es für Banken schwieriger, von dem Markt zu profitieren. Viele Institute müssten sich stärker neuen Kommunikationswegen öffnen und auf veränderte Kundenwünsche einstellen, heißt es
bei Capgemini und McKinsey.
Den Banken bereitet derzeit nicht nur
die zunehmende Regulierung Sorgen.
Auch das Anlegerverhalten zehrt derzeit
an der Marge. Die Erfahrungen, die viele
Anleger in der Finanzkrise gemacht hätten, habe die Gier gedeckelt, meint ein Berater. Zu schmerzhaft sind noch die Erinnerungen an die Krise, die viele Reiche stark
getroffen hat. Für die risikoscheue Klientel
hat der Vermögenserhalt oberste Priorität.
Risikoreiche und gebührenträchtige Produkte lassen die Kunden eher links liegen.
Viele halten nun mehr Cash und Einlagen
statt zusätzliche Wertpapiere.
Auch was die Bezahlung angeht, sind
die wohlhabenden Kunden nicht gerade in
guter Stimmung: „Wenn die Vermögen real eher schrumpfen, darf die Verwaltung
nicht so viel kosten“, sagt Klaus-Georg
Meyer, Experte der Beratungsgesellschaft
Capgemini. Frisst die Inflation die derzeit
niedrigen Zinsen auf, nähmen Anleger
dies zwar in Kauf, aber sie sähen es nicht
ein, dafür auch noch viel zu bezahlen. Gemessen an den Jahren vor der Finanzkrise
fällt die Bilanz düster aus. Einige Banken
seien bei der Neugewinnung von Kundengeldern noch 30 Prozent unter dem Niveau
von 2007, sagt McKinsey-Berater Philipp
Koch. Die „cost-income-ratio“, die das Verhältnis von Kosten und Ertrag angibt, ist
weiter gestiegen. Laut Capgemini müssen
Banken derzeit etwa 80 Cent aufwenden,
um einen Euro an Ertrag zu erzielen.
Kunden erwarten,
dass ihr Vermögensberater
ständig erreichbar ist
Die Institute wiegen sich aber noch in Sicherheit: „Viele Banken glauben zu wissen,
was aus Sicht des Kunden relevant ist“,
sagt Meyer. Dies sei jedoch ein Trugschluss, meint der Capgemini-Experte.
Die Kunden kämen viel zu selten zu Wort.
Capgemini hat für den World Wealth Report 2013 erstmals 4400 Vermögende befragt, um ihren Wünschen auf die Spur zu
kommen. Demnach möchten mehr als
40 Prozent lieber mit einem Ansprechpartner als mit verschiedenen Experten zusammenarbeiten. Spezialisten sollten bei der
Beratung lediglich hinzugezogen werden.
„Der Kontakt über digitale Medien wird
wichtiger“, sagt Meyer. „Viele Kunden er-
warten, dass sie jederzeit ihren Vermögensstatus abrufen, Veränderungen an der Asset Allocation vornehmen und idealerweise permanent ihren Vermögensverwalter
erreichen können, auch wenn sie gerade
auf der Yacht vor Sardinien sind.“ Zwar finden Anlageentscheidungen nach wie vor
vorwiegend im persönlichen Gespräch
statt. Immer mehr informieren sich aber
vorab online, sagt McKinsey-Berater
Koch. Banken müssten mehr Beratung zur
Vorsorge und Vermögensplanung im Internet anbieten, um Kunden zu gewinnen.
Auch kleine Häuser, die vorwiegend von
einer älteren Kundschaft lebten, müssten
sich teils neue Geschäftsmodelle überlegen. „Die Privatbanken stehen vor der Herausforderung, wie halte ich die Erbengeneration?“, sagt Meyer. So sei die Wechselbereitschaft der Kunden wesentlich höher,
wenn Vermögen vererbt würden. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Erbe eine andere
Vermögensverwaltung suche, liege im ersten Jahr bei 60 Prozent, bei der Ehefrau bei
etwa 40 Prozent. Die Ehefrau räume jedoch ein Jahr mehr zur Bedenkzeit ein.
Einen Trost hat Meyer noch für Banken,
die derzeit in dem lukrativen Geschäftsbereich Abstriche machen müssen. „Das ungezügelte Verlangen nach Rekord-Renditen kehrt zyklisch immer wieder zurück.“
Und dann könnten Banken auch wieder höhere Gebühren verlangen.
WEKA
Dienstag, 23. Juli 2013, Nr. 168
HF2
PRIVATE BANKING 23
SONDERSEITEN DER SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG
Ein Konto eröffnen?
Besser nicht
Schweizer Banken sind bei deutschen Kunden vorsichtiger
geworden. Sie passen sich den neuen Verhältnissen an
VON WOLFGANG KOYDL
D
ie Schweiz genießt zu Recht einen
Ruf als außergewöhnlich gastfreundliches Land. Egal ob Urlauber, Uhrenkäufer oder Bankkunden –
Fremde sind überall und jederzeit willkommen, zumal dann, wenn sie Geld mitbringen und es auch ausgeben. Seit einiger Zeit
freilich gibt es eine Ausnahme von dieser
Regel: Deutsches Geld wird mit sehr, sehr
spitzen Fingern angefasst – zumindest
von den eidgenössischen Banken.
Die Probe aufs Exempel ist einfach
durchzuführen. Man muss sich nur als
deutscher Staatsbürger in die Filiale einer
beliebigen Schweizer Bank begeben und
fragen, ob man ein Konto eröffnen kann.
Wie von Zauberhand weicht freundliches
Lächeln einem versteinerten Gesichtsausdruck, in dem sich Furcht, Schrecken und
Panik in etwa die Waage halten. Denn deutsche Kunden verheißen neuerdings nichts
Gutes. Sie schaffen womöglich nur Probleme, auch wenn nicht unbedingt jeder Interessent ein verdeckter Steuerfahnder aus
dem Großen Kanton nördlich des Rheins
ist. Schlechter als den Deutschen ergeht es
in dieser Hinsicht an schweizerischen
Bankschaltern nur noch den Amerikanern.
Verluste werden mehr als
wettgemacht durch Einlagen
aus Schwellenländern
Aber das Misstrauen beruht auf Gegenseitigkeit: Denn in Deutschland löst man
mit einer eidgenössischen Bankverbindung schon lange kein neidisches, zustimmendes Kopfnicken mehr aus. Ganz im
Gegenteil: Hört man die Wahlkampf-Rhetorik mancher Oppositionspolitiker, so
rangieren die Inhaber von Konten in Helvetien reputationsmäßig irgendwo in der
Nähe von Waffenschiebern und Kinderschändern.
Die Banken in der Schweiz haben sich
mittlerweile auf das veränderte Umfeld
eingestellt. Generell verzeichnen sie seit
Monaten einen stetigen und starken Abfluss von Vermögenswerten aus jenen Ländern, die sie – in unfreiwilliger Anlehnung
an einen legendären Spruch von George W.
Bushs Verteidigungsminister Donald
Rumsfeld – das „alte Europa“ nennen. Gerade kleinere Anleger aus Frankreich, Italien und eben auch Deutschland bringen ihre Barschaft lieber nach Hause, bevor ihr
Name auf irgendeiner Daten-CD auftaucht.
Sorgen müssen sich die Geldhäuser dennoch nicht machen. Diese Verluste werden
mehr als wettgemacht durch Einlagen neuer Kunden aus Schwellenländern in Asien,
Lateinamerika, dem Nahen Osten und aus
Osteuropa. In diesen Ländern sind auch
die politischen Vorgaben nicht so streng,
die Steuerehrlichkeit der Anleger zu überprüfen.
Generell freilich ist das Geldgeschäft
nicht leichter geworden – weder in der
Schweiz noch anderswo: Zinsen verharren
im Keller, Margen schrumpfen, gleichzeitig steigen die Kosten wegen der immer
strengeren Regulierungsvorschriften der
Politik. Außerdem hat die Kundschaft jeglicher Mut zu riskanteren Investitionen verlassen. Keine Experimente, lautet das Motto, lieber eine kleine Rendite als einen großen Verlust.
Aus all diesen Gründen sind nun auch
die Schweizer Banken gezwungen, genau
zu prüfen, welche Geschäftszweige sich
rechnen und welche nicht. Dabei geraten
auch nationale Märkte ins Visier. Rentiert
es sich, flächendeckend präsent zu sein?
Oder sollte man sich lieber auf bestimmte
Schwerpunkte konzentrieren?
Die meisten Banken geben sich bei diesem Thema sehr zugeknöpft, vor allem bei
konkreten Erkundigungen nach spezifischen Ländern. Branchenführer UBS etwa
lässt auf Fragen nach dem Deutschlandgeschäft knapp und kryptisch verlauten:
„Deutschland ist einer der wichtigsten
westeuropäischen Märkte für die UBS. Wir
sind seit Jahrzehnten hier vertreten und sehen weiteres Wachstumspotenzial in unseren Kerngeschäften.“ In ihren zehn Niederlassungen in Deutschland betreut die UBS
Vermögen in einem Gesamtumfang von etwa 25 Milliarden Euro. Nicht eingeschlossen in dieser Summe ist das Geld, das Deutsche bei der UBS in der Schweiz angelegt
haben.
Offener zeigt sich die Credit Suisse, das
zweitgrößte Geldinstitut des Landes. Das
Unternehmen verweist darauf, dass man
daran arbeite, das „Onshore-Geschäft“ in
Europa profitabler zu machen: „Das ist
Aus der Schweiz fließt derzeit viel Geld ab. Anleger aus Deutschland bringen ihr Geld lieber nach Hause, ehe ihr Name auf einer Daten-CD landet.
Teil einer Reihe von Maßnahmen zur Verbesserung der Profitabilität im gesamten
Private Banking – angesichts des Drucks
auf der Ertrags- und der Kostenseite.“ So
habe man beispielsweise in Italien bereits
Schlussfolgerungen aus diesen Überlegungen gezogen und die Anzahl der Geschäftsstellen dort deutlich reduziert. Auch in
Deutschland gab die Bank im vergangenen
Jahr die Schließung von drei der zwölf Filialen bekannt. Ihre größte deutsche Niederlassung mit mehr als 500 Mitarbeitern betreibt die Credit Suisse in Frankfurt.
In der Finanzpresse ging unlängst das
Gerücht um, dass die Bank einen mögli-
Der „anständige Geist“ soll bleiben
Die Privatbank M.M. Warburg bereitet sich auf die Zukunft und auf den Generationswechsel vor
„Strunzen“, sagt Christian Olearius, Angeben, das sei etwas, das ihm in der Bankenwelt nicht gefalle. Er halte nichts von dem
Zahlengetöse. Nicht mit uns, nicht mit
M.M. Warburg & Co, lautet seine Botschaft: Die Privatbank, der er als Sprecher
der persönlich haftenden Gesellschafter
seit 1986 vorsteht, übt sich lieber in vornehmer Zurückhaltung – ohne dabei allzu bescheiden zu sein. Man weiß, wer man ist,
soll das Auftreten transportieren, man hat
es nicht nötig, übereilt zu handeln. Besonders in unübersichtlichen Krisenzeiten keine unkluge Positionierung.
Nun ist Solidität eine Eigenschaft, die
schon aufgrund der langen Historie des
1798 gegründeten Geldinstituts zwangsläufig zu seinem Image gehört, trotzdem wird
der Eindruck offensiv gepflegt. „Das Haus
mit Tradition“ nennt man sich in der Firmenbroschüre, und auch das gediegene
Ambiente im Hamburger Haupthaus nahe
der Außenalster zahlt mit Marmor, dunklem Holz, dunklem Leder, Ölgemälden und
Schiffsmodellen auf dieses Konto ein.
Nicht für jeden ist das etwas, aber für jeden
will M.M. Warburg als Privatbank ja auch
nicht sein – wenn Olearius auch von einer
„gewissen Breite“ im Privatkundengeschäft spricht, wo man „eher unternehmerisch geprägtes Vermögen“ betreue.
„Wir haben keine klaren Vorgaben, dass
uns zum Beispiel nur Kunden ab 500 000
Euro oder einer Million aufwärts interessieren“, sagt er, „davon halte ich gar
nichts, zumal sich Menschen und ihre Finanzen auch entwickeln.“ In den Genuss einer „sehr individuellen Betreuung“
kommt man allerdings erst mit einem größeren Vermögen, ab einem Anlagevolumen im mittleren sechsstelligen Bereich,
Tradition wird großgeschrieben bei M.M.
Warburg. Die Bank ist seit 1798 in Privatbesitz.
FOTO: OH
bei einigen Tochterbanken teils auch etwas darunter – alles andere sei aufgrund
der aufwendigen und daher kostspieligen
Beratung nicht rentabel. Marcard, Stein &
Co, neben der Schweizer Private Client
Partners eines der beiden Family Offices
der Bankengruppe, wird ab einem Vermögen von 25 Millionen Euro tätig. Nach oben
seien die Grenzen offen, erklärt Olearius:
„Wir wollen zwar nicht angeben, aber mit
falscher Bescheidenheit wird man gern
kleingeredet.“ Die Deutsche Bank habe
das verwaltete Vermögen im Family-Office-Bereich mit annähernd zehn Milliarden Euro beziffert – man komme nahezu
auf eine ähnliche Größenordnung, sei bei
den großen Vermögen damit also „beachtlich vertreten“.
„Mit falscher Bescheidenheit
wird man
gern kleingeredet.“
Neben vermögenden Privatkunden im
Bereich Private Banking betreuen die Unternehmen der Warburg-Gruppe in
Deutschland, der Schweiz und Luxemburg
mittelständische Firmen und institutionelle Investoren wie Kapitalsammelstellen,
Versorgungswerke und Versicherungsgesellschaften. Bei dieser Zielgruppe handele es sich um einen kleinen Kreis, den man
pflege, sagt Olearius, „ausgerichtet auf
eine langandauernde Zusammenarbeit“.
Insgesamt betrug das verwaltete Vermögen im Geschäftsjahr 2012 etwa 44,4 Milliarden Euro. Der addierte Vorsteuergewinn
lag bei 39,8 Millionen Euro, 2011 waren es
43,6 Millionen. Das Ergebnis der Bank lag
bei 35,4 Millionen Euro vor Steuern und damit knapp fünf Millionen unter dem im
Jahr zuvor.
„Schädlich“, sagt Olearius, wirkten sich
vor allem die von der Bankenaufsicht geforderten „Dokumentationspflichten“ aus,
die angemahnten Überwachungsmechanismen, die zu hohen Kosten führten, vor
allem in den Bereichen IT, Compliance, Datenschutz, Geldwäsche sowie Revision.
„Fertig zu werden mit dem bürokratischen
Aufwand der neuen Regularien“ hält er deshalb auch für eine der entscheidenden Herausforderungen im Finanzsektor der Gegenwart. Nicht nur sei der in den Vorschriften geforderte Aufwand unverhältnismäßig groß, auch gehe der Abgleich mit dem
Bauchgefühl, das man in diesem speziellen, dem Einzelfallgeschäft brauche, so im
Zweifel verloren, sagt Olearius. Und man
bekomme so langsam andere Mitarbeiter,
solche, die nur noch darauf achteten, „Häkchen“ bei den einzelnen Vorschriften zu
machen, anstatt „unternehmerischen Esprit und Verantwortungsgefühl“ zu zeigen
– eine Rückkehr zum Bankbeamten.
Zwar hat Olearius trotz dieser Widrigkeiten das Gefühl, dass die Gruppe mit ihren
derzeit knapp 1200 Mitarbeitern gut auf
die Zukunft vorbereitet ist. Trotzdem will
er noch einiges in die Wege leiten, bis er, 71
Jahre alt, und Max Warburg, 65 Jahre alt,
aus dem operativen Geschäft ausscheiden,
zugunsten der anderen vier Partner, zu denen auch Sohn Joachim Olearius zählt. In
absehbarer Zeit soll das passieren, sagt
Olearius, ohne konkreter werden zu wollen. Regional sei man jedenfalls nicht zuletzt durch die Eröffnung der Geschäftsstelle München im vergangenen Jahr gut
vertreten, und auch die allgemeine Positionierung der Gruppe empfindet er durch
die Zukäufe der vergangenen Jahre als ausbalanciert. Prüfen müsse man noch einige
Doppelstrukturen, die man sich leiste,
zum Beispiel im Wertpapierhandel oder
im Kreditgeschäft der Tochterbanken –
Veränderungen im Kleinen, sagt Olearius.
Für ihn ist die Wandlungsfähigkeit das
eigentliche Fundament für den langfristigen Erfolg des Unternehmens, das sich im
Verlauf seines Bestehens immer wieder
„modern und sensibel“ für neue Geschäfte
habe erweisen müssen. Ihm sei wichtig,
dass der „anständige Geist“ bleibe, der im
Haus herrsche, und den er in den vergangenen Jahrzehnten vorzuleben versucht habe. „Das ändert aber nichts daran, dass
man auch mal danebenhauen kann“ – wie
bei dem Skandal um die Söhne des nigerianischen Diktators Abacha, die um 2000
auch auf Warburg-Konten in Luxemburg
Geld deponiert hatten.
„Rein rechtlich gab es nichts zu beanstanden“, sagt Olearius, aber man hätte früher sensibel werden sollen. Als Bank könne
man dennoch nie alles sehen, und die Abwägung, wann etwas ins Anstößige kippe,
sei schwierig – gewisse Gefahren bestünden in der Wirtschaftswelt immer.
Das wohl wichtigste Fazit aus seinem
langen Berufsleben lautet: Auch wenn
man in der Wirtschaft immer alles bedenken und alles vorbereiten wolle – „manches ist nicht steuerbar“. Neben allem Planerischen also, meint Olearius, „sollte man
auch auf gnädiges Geschick vertrauen.“
M.M. Warburg jedenfalls kann bisher
nicht klagen.
EVA-MARIA TRÄGER
Christian Olearius ist seit
1986 Mitinhaber und
Sprecher von M.M. Warburg. Der 71-Jährige
ärgert sich über die von
der Bankenaufsicht geforderten „Dokumentationspflichten“. Die machten
aus Bankmanagern Bankbeamte. FOTO: WARBURG
Private Banking
Verantwortlich: Werner Schmidt
Redaktion: Marianne Körber, Katharina Wetzel
Anzeigen: Jürgen Maukner
chen Verkauf von Teilen des Onshore-Geschäfts in Deutschland prüfe. Credit
Suisse kommentierte diese Berichte nicht.
Beobachter der Bankenszene in Zürich
wollten jedoch nicht ausschließen, dass
die Gerüchte „zumindest teilweise nicht total unplausibel“ seien.
Mit der Verkleinerung der Onshore-Präsenzen geht eine Fokussierung des Geschäfts auf sehr vermögende Kunden einher, zulasten kleiner Anleger. Das auf Finanzfragen spezialisierte Schweizer Online-Portal „Inside Paradeplatz“ hat dies in
mehreren Berichten letzthin weniger höflich formuliert und davon gesprochen,
dass die Großbanken in der nächsten Zeit
dazu übergehen würden, kleinere Kunden
vor die Tür zu setzen.
Betroffen von einem solchen Schritt wären wohl auch relativ viele deutsche Kunden, die ja in den wenigsten Fällen dasselbe finanzielle Kaliber wie ein Uli Hoeneß
haben. Ihre Einlagen auf Schweizer Banken – sei es in Deutschland oder in der Eidgenossenschaft – bewegen sich meist im
fünfstelligen oder dem niedrigen sechsstelligen Franken- oder Euro-Bereich.
Hinter vorgehaltener Hand wird in der
Branche denn auch geraunt, dass man solche Kunden schon einmal fragen könnte,
FOTO: PAUL ARNE WAGNER
ob sie „bei einer anderen Bank nicht glücklicher wären“. Als Kunden gefragt und umworben sind stattdessen die Superreichen,
die unter dem Kürzel UHNWI laufen: als Ultra High Net Worth Individuals bezeichnet
man gemeinhin Personen, die über ein frei
verfügbares Einkommen von mindestens
30 Millionen Dollar verfügen. Auf sie haben auch die großen Schweizer Banken ihren „strategischen Fokus“ gerichtet, und
in diesem Bereich verzeichnet man starkes
Wachstum. Hier kämen auch Deutschland
und der Rest des „alten Europas“ wieder
zum Zuge. Denn auch dort gibt es diese
UHNWIs. Noch.
GELD
Kaum Bewegung bei Dax und Dow
1 Jahr: +29,8%
Vortag: -0,0%
22.7.2013 Schluss: 8331,06
(Angaben in Punkten)
1 Jahr: +35,6%
Vortag: -0,3%
22.7.2013 Schluss: 14143,31
(Angaben in Punkten)
Dax 30 (* = Euro Stoxx 50 Werte)
Divi- Schluss Schluss
dende 22.07. 19.07.
Dax
Adidas
Allianz*
BASF*
Bayer*
Beiersdorf
BMW*
Commerzbank
Continental
Daimler*
Deutsche Bank*
Deutsche Börse
Deutsche Post
Dt. Telekom*
Eon*
Fres.Med.Care
Fresenius SE
Heidelb.Cement
Henkel Vz
Infineon
K+S
Lanxess
Linde
Lufthansa
Merck KGaA
Münchener Rück*
RWE*
SAP*
Siemens*
Thyssen-Krupp
Volkswagen Vz*
–
1,35
4,50
2,60
1,90
0,70
2,50
0,00
2,25
2,20
0,75
2,10
0,70
0,70
1,10
0,75
1,10
0,47
0,95
0,12
1,40
1,00
2,70
0,00
1,70
7,00
2,00
0,85
3,00
0,00
3,56
8331,06
84,37
118,00
70,17
84,88
68,90
72,13
6,54
115,70
52,84
35,58
54,57
20,89
9,15
12,50
49,56
98,90
52,63
73,03
7,11
25,77
46,42
145,50
15,47
119,45
147,85
23,05
55,25
83,70
16,95
169,30
8331,57
84,87
117,65
70,00
84,98
69,57
72,23
6,52
115,95
53,29
35,10
54,18
20,83
8,96
12,41
49,86
99,58
52,53
73,59
7,05
26,28
46,71
147,00
15,56
119,85
148,00
22,47
55,73
83,44
17,02
172,00
Tagesveränderung
in%
-0,01
-0,59
+0,30
+0,24
-0,12
-0,96
-0,14
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+0,85
-1,92
-0,61
-1,02
-0,55
-0,33
-0,10
+2,58
-0,86
+0,31
-0,41
-1,57
Tages- 52-WochenHoch/Tief Hoch/Tief
8374/8310
85,45/84,11
119/117
70,48/69,80
85,35/84,58
69,91/68,62
72,94/71,91
6,65/6,50
117/116
53,59/52,73
36,16/35,27
54,88/54,15
20,94/20,78
9,15/8,90
12,64/12,41
49,78/49,32
99,64/98,31
52,89/52,32
74,09/72,81
7,13/7,05
26,47/25,56
46,98/46,27
147/145
15,60/15,40
120/119
149/147
23,25/22,54
55,38/54,90
83,70/83,10
17,28/16,91
173/169
8531/6390
87,66/58,37
122/74,16
75,85/55,99
86,60/56,56
72,60/52,84
75,93/55,05
12,67/5,79
116/67,64
53,33/35,39
38,53/22,51
54,18/39,95
20,93/13,96
10,04/8,01
19,52/11,94
59,51/48,11
99,58/81,91
60,54/35,81
78,53/56,11
7,12/4,94
40,86/25,75
68,99/43,03
154/116
17,10/9,61
125/78,79
159/108
36,01/22,07
64,80/49,06
86,88/66,52
19,05/13,16
187/132
KGV Gesamt2013 umsatz
–
19
10
12
15
29
9
6
12
11
9
14
15
13
9
13
17
15
18
40
9
11
17
13
14
9
6
16
14
28
8
Marktwert
2122747
35740
107607
128823
83389
23367
66123
51683
34131
138245
194391
39745
43891
185592
72791
24300
25052
15256
23115
25801
63332
14990
42156
27849
13385
47911
75893
181904
163283
46419
126586
–
17,65
53,80
64,45
70,19
17,36
43,42
7,45
23,14
56,41
33,07
10,53
25,25
39,52
25,01
14,90
14,22
9,87
13,01
7,68
4,93
3,86
26,93
7,12
7,72
26,52
13,27
67,87
73,74
8,72
28,81
KGV Gesamt2013 umsatz
Marktwert
MDax
Divi- Schluss Schluss
dende 22.07. 19.07.
MDax
Aareal Bank
Aurubis
Baywa vink. Na
Bilfinger
Boss
Brenntag
Celesio
Dt. Euroshop
Dt. Wohnen
Dürr
EADS*
Elring-Klinger
Fielmann
Fraport
Fuchs Petrol. Vz
Gagfah
Gea Group
Gerresheimer
Gerry Weber
Gildemeister
GSW Immobilien
Hannover Rück
Hochtief
Kabel Deutschland
Klöckner & Co
Krones
KUKA
LEG Immobilien
Leoni
MAN
Metro
MTUAeroEngines
Norma Group
ProSiebenSat1Vz
Puma
Rational
Rheinmetall
Rhön-Klinikum
Salzgitter
SGL Carbon
Sky Deutschland
Springer
Stada Arznei
Südzucker
Symrise
TAG Immobilien
Talanx
TUI
Wacker Chemie
Wincor Nixdorf
–14143,3114185,04
0,00 20,48 20,32
1,35 42,57 42,58
0,65 38,70 38,33
3,00 74,25 74,39
3,12 86,00 86,90
2,40 122,90 123,30
0,30 17,70 16,20
0,28+0,92 31,06 30,97
0,21 12,70 12,63
2,25 50,34 50,70
0,60 42,64 42,66
0,45 27,35 27,45
2,70 78,14 77,60
1,25 48,10 49,02
1,30 59,46 60,03
0,00 8,60
8,72
0,55 28,87 29,18
0,65 43,13 43,40
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0,00
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9,41
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1,50 38,49 38,97
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1,00 26,07 25,62
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1,17 33,75 35,44
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0,25 27,91 27,38
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0,00
5,87 6,04
1,70 34,00 34,29
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0,70 24,32 24,28
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1,05 23,00 23,00
0,00 9,26
9,23
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1,05 43,67 44,32
Tagesveränderung
in%
-0,29
+0,81
-0,02
+0,98
-0,19
-1,04
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-2,42D
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-2,86
-0,85
-0,40
+0,16
-0,80
+1,48
+0,29
+0,57
-1,47
Tages- 52-WochenHoch/Tief Hoch/Tief
14207/14106
20,62/20,26
43,00/42,15
38,83/38,07
74,89/74,06
87,00/85,50
124/122
17,70/15,98
31,08/30,85
12,73/12,61
51,19/49,89
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8,77/8,60
29,03/28,78
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34,13/33,51
18,00/17,76
30,43/30,05
57,04/56,50
54,87/53,68
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35,99/35,50
39,20/38,02
38,99/38,11
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26,09/25,74
72,40/71,46
31,49/30,84
35,81/33,34
222/219
219/216
38,53/38,01
18,20/18,05
28,16/27,24
22,80/22,32
6,08/5,85
34,20/33,86
35,36/34,86
24,48/24,27
32,60/32,24
8,39/8,25
23,14/22,91
9,28/9,18
68,95/67,56
44,53/43,44
14304/10427
20,32/12,15
57,24/38,68
39,54/29,10
82,52/64,33
92,75/65,75
131/87,70
17,89/12,88
34,48/28,66
15,76/12,42
52,05/25,03
44,45/24,37
28,45/20,59
82,57/69,70
49,02/41,60
67,84/42,12
10,35/7,60
29,33/20,66
47,62/36,96
38,35/30,18
19,99/11,35
33,75/28,05
64,34/46,93
57,47/35,14
85,51/49,30
11,50/6,58
59,92/37,05
38,20/17,96
46,27/38,60
40,41/23,42
89,74/70,76
27,64/20,05
79,25/58,37
31,52/17,70
35,44/16,04
247/210
263/181
43,51/31,36
20,29/14,45
41,10/24,78
34,57/21,20
6,05/2,39
37,15/30,92
35,65/21,32
34,01/23,31
34,24/24,40
9,65/7,54
25,88/18,50
9,74/4,70
70,38/40,87
44,73/28,13
–
12
9
16
13
17
17
14
16
17
7
16
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2026
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–
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2,08
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TecDax
Divi- Schluss Schluss
dende 22.07. 19.07.
TecDax
Adva
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BB Biotech
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Dialog Semicon.
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Drillisch
Euromicron
Evotec
Freenet
Jenoptik
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LPKF Laser & Electr.
Morphosys
Nordex
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Software AG
Stratec Bio.
Süss MicroTec
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–
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0,31
0,15
6,36
4,61
2,42
0,31
KGV Gesamt2013 umsatz
Marktwert
SDax
Divi- Schluss Schluss
dende 22.07. 19.07.
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+0,12
+3,41
+0,53
-2,82
-1,77
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-1,46
-4,42
SDax
Air Berlin
Alstria Office
Amadeus Fire
Balda
Bauer
Bertrandt
Biotest Vz.
Catoil
Centrotec
CeWe Color
Comdirect
CTS Eventim
Delticom
Deutz
DIC Asset
Dt. Beteilig.
Gesco Ind.
GfK SE
Grammer
Grenkeleasing
H&R
Hamborner Reit
Hamburger Hafen
Hawesko
Heidelb.Druck
Highlight
Hornbach Hld.
Indus Hld.
Jungheinrich Vz
Koenig & Bauer
KWS Saat
MLP
MVV Energie
Patrizia Immo.
Praktiker
Prime Office REIT
RTL Group
SAF Holland
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Takkt
Tipp24
Tom Tailor
Vossloh
VTG
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Australien
Brasilien
China
Dänemark
Großbritann.
Hongkong
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Kanada
Neuseeland
Norwegen
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Verk.
Ank.
Geld
Brief
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–
–
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–
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Sorten* Sorten* Devisen Devisen
Verk.
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Geld
Brief
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4SC
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22.07. 19.07.
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– 0,00
A
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B
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C
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Centrotherm
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CEZ
Chalco
Check Point
Cheung Kong
China Life
China Mobile
China Nat. Build.
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D
DAB Bank
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Dyckerhoff Vz.
E
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22.07. 19.07.
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18,11
1,59
8,88
83,44
179/107
5,20/4,15
24,20/23,50
22,65/14,70
7,33/1,39
9,25/7,65
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169,0 3,75
– 0,06
– 0,00
2.38t58,00 JPY
1,80 0,00
– 0,00
1.09t160,0 JPY
G
Gamesa
Gas Natural
Gazprom ADR
Geberit N
Gen. Dynamics
General Motors
Geratherm
GFT Techn.
Gigaset
Givaudan
GK Software
Gold Fields
Goodyear
Groupon
GWB Immobilien
H
Haikui Seafood
Hang Lung
Hansa Group
Harley Davidson
Harmony Gold
Headwaters
Heineken
Heliad
Henkel
Hennes&Mauritz
Heritage Oil
Hess
Höft & Wessel
Holcim
Homag
Honda Motor
Hongkong Ex.
Hornb.-Baum.
Hutchison
Hypoport
Hyundai GDR
I
IBS
ICBC
ICICI Bank
Identive
IFM Immobilien
Impala Platinum
Infosys ADR
Init Innovation
Intershop konv.
Intica
Invision Softw.
Isaria Wohnbau
Isra Vision
ITN Nanovation
IVG Immobilien
IVU Traffic Tech.
J
JDS Uniphase
Jetter
Joy Global
Joyou
Jubii Europe
Jul. Baer
Juniper Netw.
0,00 USD
0,00
0,54 USD
0,00
0,00
0,60 CHF
0,00 USD
K
Kering
KHD Humb. Wed.
Kion Group
Komatsu
KPN
Kromi Logistik
Kyocera
L
Lafarge
LDK Solar
Leifheit
Lloyd Fonds
Lloyds Bank
Loewe
Logitech
Logwin
Lonza Group
Lowe’s Corp.
Ludwig Beck
Lukoil ADR
47,61
1,26
27,16
0,44
0,81
1,80
5,17
1,09
60,03
33,52
27,41
47,00
47,26
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26,98
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0,80
1,74
5,07
1,10
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47,51
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1,69/0,59
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31,39/20,60
51,53/41,64
47,64
1,71
–
–
69,21
–
6,26
–
74,40
44,68
–
62,15
1,00
0,00 USD
1,50
0,00
0,00 GBp
0,00
0,00 CHF
0,00
2,15 CHF
0,72 USD
0,50
2,34 USD
2,57
1,05
85,27
31,05
4,49
450,00
5,28
31,72
18,61
3,28
4,09
0,89
4,47
37,01
23,42
28,60
11,00
77,52
5,21
5,06
14,91
15,07
2,40
54,87
12,38
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0,08
46,95
1,35
45,16
19,04
0,80
1,31
2,50
1,04
85,63
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5,28
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19,70
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4,05
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23,25
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0,15/0,05
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3,92/1,20
49,63/37,51
24,23/16,44
0,99/0,76
1,80/1,12
– 0,00
88,35
– GBp
– 1,00
– 0,00
– 0,00
603,0 2,40 USD
– 0,00
42,08 1,44 USD
– 0,44
3,24 0,10
– 0,00
– 0,00
4,52 0,05
49,27 1,10 USD
– 1,06
– 1,85
– 0,00
77,61 2,40
– 0,00
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– 0,00
3,20 0,00 USD
1.61t462,0 HUF
– 0,00
104,0 1,50 USD
–
–
61,89 0,80 USD
1,46 0,09 USD
59,87
– USD
– 1,00
– 0,00
– 0,00
47,72
8,72
23,08
9,69
48,13
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105,90
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10,99
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94,07
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0,03
123,44
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47,85
7,80
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47,88
17,41
100,75
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9,60
3,06
6,20
9,34
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0,03
123,63
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0,10/0,04
0,08/0,02
144/114
8,18/5,25
32,12/17,42
– 1,15
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30,35 1,40 USD
– 0,11
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2.29t 41,00 JPY
1.40t260,0 JPY
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3,02 0,20
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–
– SEK
14,46 0,61 USD
24,77 0,75 NOK
121,0 1,25 USD
–
–
– 0,00
919,018,00 DKK
– 0,00
41,28 1,20 USD
M
Magix
Man Group
MAN Vz
Manz
Marseille-Kl.
Mastercard
Masterflex
Mattel
MBB Industries
Mediaset
MediClin
Medigene
Mediobanca
MetLife
Metro Vz
Metso Corp
Mevis Med. Sol.
Michelin
Ming Le Sports
Mitsubishi Fin.
Mobile Teles
Mobotix
Moduslink
Mol Magyar
Mologen
Monsanto
Mood and M.
Moody’s
Mosenergo ADR
Motorola Sol.
Mühlbauer
MWB Fairtrade
Mybet Holding
N
F
Fabasoft
Facebook
Fair Val. Reit
Fiat
Fiat Industr.
First Sensor
Firstextile
Forsys Metals
Fortec Elektr.
Fortum
Francotyp-Post.
Freeport-McM.
Fuchs Petrol.
Schluss
3,55
19,70
4,25
5,93
8,82
7,97
7,75
0,34
10,02
14,58
3,34
22,09
51,82
3,51
19,80
4,25
5,92
8,80
8,05
7,75
0,36
10,02
14,47
3,27
21,70
52,03
4,18/2,54
24,02/14,11
5,00/3,51
6,30/3,30
9,69/7,19
9,32/7,54
11,00/7,75
0,70/0,34
11,79/8,24
16,35/13,10
3,68/2,23
32,83/20,30
61,98/38,60
–
26,06
–
5,94
–
–
–
0,48
–
14,56
–
29,15
–
0,38
0,00 USD
0,10
0,00
–
0,00
–
0,00 CAD
0,50
1,00
0,00
1,25 USD
1,28
Nemetschek
Newcrest Mining
Newmont Mining
Nexus
Nike
Nikon
Nintendo
Nippon Steel
Nobel Biocare
Nokia
Nomura Holding
Nordea
Norilsk.N ADR
Norsk Hydro
Novatek GDR
Novavisions
November
Novo Nordisk
NTT Com Security
NYSE Euronext
Schluss
Börse Frankfurt 52-Wochen-Heimat- Div. W
22.07. 19.07.
Hoch/Tief börse
Paragon
8,65
8,70
10,60/7,76
– 0,35
Parmalat
2,45
2,44
2,52/1,39
2,44 0,01
Paychex
29,70
29,74 30,06/23,40 39,40 1,40 USD
Pernod-Ricard
87,74
86,88
101/82,84 87,68 1,65
Petrobras
10,94
10,95
17,90/10,38 14,72 1,07 USD
Petrochina
0,90
0,90
1,12/0,76 9,28 0,35 HKD
Petrotec
0,86
0,92
1,11/0,74
– 0,00
Peugeot
8,48
8,47
8,49/4,40 8,50 0,00
Phoenix Solar
2,00
1,92
2,12/0,92
– 0,00
Pirelli
9,71
9,53
9,70/7,04
–
–
PNE Wind
2,70
2,66
2,87/1,36
– 0,08
Polis Immob.
9,90
9,90
11,40/9,01
– 0,00
Porsche Vz
61,89
62,52 66,60/39,65
– 2,01
Portugal Telecom
2,81
2,76
4,46/2,65
2,83 0,32
Posco ADR
52,80
53,00
69,16/47,36 3.11t 8.00t KRW
PostNL
2,62
2,68
3,36/1,48
– 0,00
Potash Sask.
29,13
28,98 36,99/28,88 38,46 1,40 USD
Powerland
3,79
3,65
9,51/1,60
– 0,00
Progress
34,60
34,38 36,53/26,01
– 1,60
Pulsion
13,29
13,50
17,95/6,37
– 0,15
PVA Tepla
1,85
1,86
2,96/1,81
– 0,15
R
R.Stahl
33,95
Raiffeisen Int.
21,79
Rambus
7,96
Randstad
37,52
Realtech
3,67
Red Hat
37,47
Reed Elsevier
13,75
Reliance GDR
23,07
Renault
58,00
Renewable Energy
0,40
Reply Deutl.
11,56
RHI
24,69
RIB Software
4,79
Richemont
71,50
Richter Gedeon
12,43
Roche Inh.
190,92
Rofin Sinar
18,25
Rosneft ADR
5,62
Rostelecom ADR
15,81
Royal Bank Scot.
3,83
Rücker
16,46
RWE Vz
22,84
33,91
21,75
7,65
37,47
3,74
38,00
13,66
23,35
57,99
0,36
11,73
25,79
4,73
71,26
12,50
188,17
18,37
5,69
16,14
3,90
16,51
22,19
37,03/22,64
– 1,00
33,64/20,03 21,76 1,17
7,65/3,15 10,66 0,00 USD
37,47/22,60 37,16 1,25
5,63/3,70
– 0,00
47,90/33,84 48,96 0,00 USD
13,69/9,15 13,75 0,47
25,80/19,83 909,0 9,00 INR
62,26/32,45 57,79 1,72
0,41/0,08
3,03 0,00 NOK
12,27/9,54
– 0,45
28,48/17,15 24,79 0,75
5,09/3,68
– 0,14
73,82/43,52 88,10 1,00 CHF
14,52/10,74 3.66t66,00 HUF
205/144 235,0 7,35 CHF
21,35/13,78
– 0,00
7,12/4,65 6,06 0,26 USD
20,58/11,92 21,35 0,47 USD
4,44/2,51 335,0
– GBp
17,56/15,51
– 0,40
32,42/21,97
– 2,00
S
SAG Solarstrom
Saipem
Samsung El.
Samsung El. Vz
Sandvik
Sartorius
Sasol
Sberbank ADR
SBM Offshore
Scania
Schuler
SEB
Secunet
Securitas
Sedo Holding
Severstal GDR
SFC
Sharp
SHS Viveon
SHW
Silver Wheaton
Singulus
SinnerSchrader
Sixt Vz
Softbank
Softing
Solar Fabrik
Solarworld
Sony
South. Copper
State Bk of India
Statoil
STMicroelectron
Stryker
Suez Env.
Sunpower
Suntech Power
Sunwin
Surgutn. ADR
Surteco
Svenska Hdlsbk.
Swatch Group
Swiss Life
Swiss Re
Swisscom
Sygnis Pharma
Syngenta
Syzygy
2,88
15,97
432,26
271,00
9,55
88,00
33,57
9,25
14,45
15,02
23,34
8,27
13,90
7,15
2,10
5,90
4,85
3,40
8,52
29,31
17,25
1,34
1,60
15,50
49,30
11,06
1,96
0,47
17,10
21,18
45,89
16,94
7,49
53,55
10,24
19,83
1,10
0,12
6,12
17,25
33,58
429,49
135,52
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337,22
4,55
314,47
4,26
3,00
15,54
435,00
272,00
9,64
85,53
33,72
9,28
14,21
16,02
23,34
8,18
13,91
7,05
1,97
5,52
4,94
3,59
8,60
29,32
16,12
1,34
1,59
15,48
49,35
11,23
2,05
0,48
16,61
21,35
46,96
17,02
7,49
53,18
10,15
18,98
1,02
0,12
6,20
17,04
33,01
427,17
135,09
60,00
337,58
4,60
317,96
4,27
3,49/1,82
39,83/12,15
563/411
339/249
12,77/8,98
90,86/46,05
36,65/30,70
11,00/8,20
14,60/7,83
16,82/13,08
24,00/15,74
8,41/5,65
14,75/9,80
7,45/5,56
2,82/1,39
10,83/4,80
6,99/4,42
4,52/1,43
15,00/6,59
34,60/25,48
31,80/13,92
2,07/1,06
1,97/1,48
16,27/11,40
49,77/23,00
11,29/5,60
2,86/1,84
1,81/0,41
17,98/7,39
31,49/20,51
73,00/46,89
20,80/15,32
7,58/3,74
54,11/40,20
11,18/7,96
21,12/3,04
1,44/0,30
0,22/0,10
7,87/5,54
20,95/16,18
35,37/25,99
480/302
135/71,62
66,00/49,09
366/310
4,98/2,39
337/264
4,60/3,27
– 0,13
15,90 0,68
– 8.00t KRW
– 8.05t KRW
81,50 3,50 SEK
– 0,80
4.46t 17,50 ZAR
12,09 0,25 USD
14,38 0,00
128,0
– SEK
– 0,25
70,90 2,75 SEK
– 0,00
61,45 3,00 SEK
– 0,00
10,69 0,11 USD
– 0,00
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– 0,25
– 4,00
– 0,50 CAD
– 0,00
– 0,00
– 1,02
–40,00
– 0,27
– 0,00
– 0,09
2.21t25,00 JPY
28,62 3,43 USD
1.82t 41,50 INR
133,0 6,75 NOK
7,52 0,30
70,96 1,06 USD
10,26 0,65
26,29
– USD
1,40 0,00 USD
0,14 0,00 USD
8,09 0,18 USD
– 0,45
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530,0 6,75 CHF
167,0 4,50 CHF
74,30 3,50 CHF
417,022,00 CHF
– 0,00
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– 0,25
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18,69
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5,04
15,94
0,37
5,40
2,24
26,12
3,90
6,60
4,05
3,70
49,40
13,81
36,03
18,56
30,04
9,09
0,49
8,73
5,14
15,90
0,30
5,37
2,20
26,26
3,86
6,65
4,01
3,68
49,66
13,40
43,44/33,05
23,55/15,40
34,44/24,00
10,45/5,42
0,86/0,48
9,85/5,45
7,38/4,54
17,69/13,27
0,50/0,15
5,75/4,81
3,45/1,86
27,22/20,80
4,34/3,35
7,92/5,95
4,26/2,98
4,30/2,40
50,75/28,80
27,99/11,00
4.70t180,0 JPY
298,0 2,00 INR
37,80 1,32 USD
– 0,00
– 0,04
– 0,35
5,03 0,05
124,0 6,00 NOK
– 0,00
46,45 2,85 SEK
3,09 0,00 CAD
35,81 1,32 CAD
– 0,06
52,00 1,25 NOK
4,07 0,00
493,0 8,00 JPY
6.49t 120,0 JPY
– 0,00
9,82
6,53
1,05
3,05
8,18
66,85
2,01
8,29
10,00
6,51
1,06
3,05
8,19
67,28
2,00
8,23
11,10/6,87
7,07/6,37
1,75/0,91
4,19/2,52
9,57/7,42
70,50/54,68
2,14/1,39
8,85/5,10
–
172,0
–
–
8,19
87,61
2,75
–
0,55
0,00 CZK
0,00
–
0,60
2,48 USD
0,00 CAD
0,25
9,90
41,35
2,63
9,98
0,87
13,63
8,63
143,80
3,01
2,13
53,50
28,03
162,45
10,91
2,23
3,58
9,84
40,85
2,60
9,90
0,88
13,12
8,73
144,16
3,01
2,10
54,36
28,00
164,00
10,94
2,20
3,54
16,00/9,12
43,66/31,39
3,37/2,25
10,76/7,45
2,63/0,77
13,12/3,21
8,90/6,26
148/99,89
3,27/2,51
2,76/2,10
80,13/49,93
28,50/20,07
174/124
12,00/9,20
2,95/2,10
4,58/3,52
28,32
41,42
–
9,93
–
101,0
–
191,0
–
–
69,91
28,07
–
92,75
3,13
–
0,00 BRL
0,69
0,00
0,70
0,00
0,00 DKK
0,40
1,32 USD
0,00
0,10
0,00 USD
0,90
3,50
3,00 SEK
0,06 USD
0,05
10,00
19,30
19,03
8,66
1,33
10,35
19,24
19,20
8,69
1,33
11,50/8,15
19,48/15,62
19,95/15,88
10,14/5,53
3,92/0,88
–
–
–
8,69
–
T
Takeda Pharma
Tata Motors ADR
Tatneft GDR
Technotrans
Telecom Italia
Telegate
Telekom Austria
Telenor
Teles
Teliasonera
Thomps.Creek
Thomson Reuters
Tomorrow Foc.
Tomra Systems
TomTom
Toshiba
Toyota Motor
Travel24.com
U
UMS Internat.
Unipetrol
United Labels
United Power
UPM Kymmene
UPS
Uranium One
USU Soft.konv.
V
Vale
Vallourec
VBH
Veolia Envir.
Verbio
Vestas Wind
Villeroy & Boch
Visa
Vita 34
Vizrt
VMware
Voestalpine
Volkswagen
Volvo B
VTB Bank GDR
Vtion Wireless
W
WashTec
Westag & Get.
Westag & Get. Vz
Wienerberger
Wilex
18,07
33,98
1,18
0,43
5,95
29,38
13,88
17,48
17,23
34,14
1,18
0,43
5,95
28,76
14,59
17,48
17,30/13,50
39,68/23,16
2,34/1,16
0,61/0,30
6,94/5,56
28,76/23,80
18,32/11,33
21,33/16,75
– 0,37
34,04 1,20
– 0,41
– 0,00
46,95 2,50 NOK
– 0,00
4.22t 122,0 HUF
– 0,55
38,97
39,30
40,01/28,35
– 1,55
Yara
Yingli Green ADR
Yoc
Youbish. Gr. Paper
Youniq
Zhongde
0,58
0,94
1,00
0,12
0,00
33,44
3,12
2,55
3,90
4,37
1,91
33,38
3,19
2,57
3,98
4,39
1,86
40,54/29,42
3,23/0,98
10,15/2,44
6,10/3,69
5,60/4,31
2,40/1,41
261,0 13,00 NOK
4,15 0,00 USD
– 0,00
– 0,00
– 0,00
– 0,00
P
P&I
ERLÄUTERUNGEN: Kursangaben: Notierungen in Deutschland verstehen sich in Euro und basieren auf Kursen des
Xetra-und Spezialisten-Handels. In den Spalten mit der Bezeichnung Heimatbörse wird die Notierung und die Dividendenangabe in der jeweiligen Landeswährung (W) dargestellt. Ausnahme: Bei Aktien aus dem Euro-Raum
erfolgt keine Währungsangabe. t nach dem Kurs: Darstellung in Tausend. * zuletzt verfügbarer Kurs. Notierungen von Dax, MDax, TecDax und SDax basieren auf Xetra-Kursen. Alle deutschen Werte sind mit Ausnahme von
Porsche im Prime Standard notiert. Dividendenangaben gelten für das abgelaufene Geschäftsjahr. Bei US-Werten
wird die letzte Quartalsdividende auf das Jahr hochgerechnet. D: Titel mit Dividendenabschlag gehandelt. KGV:
Kurs-Gewinn-Verhältnis (Ibes-Schätzungen). Umsätze: Gesamtumsätze in Tausend Euro. Marktkapitalisierung:
Angaben in Milliarden Euro. Aktienarten: ADR = American Depositary Receipts, GDR = Global Depositary Receipts,
Vz=Vorzugsaktien. Währungskürzel: AUD=austral. Dollar, BRL=brasil. Real, CAD=kanad. Dollar, CHF=Schweizer
Franken, CNY=chines. Yuan, CZK=tschech.Krone, DKK=dänische Krone, GBP=brit. Pfund, HKD=Hongkong Dollar, HUF=ungar. Forint, INR=Ind. Rupie, JPY=japan. Yen, KRW=kor. Won, NOK=norweg. Krone, NZD=neuseel. Dollar, PLN=poln. Zloty, RUR=russ. Rubel, SEK=schwed. Krone, SGD=Singapur Dollar, TRY=türk. Lira, USD=US-Dollar,
ZAR=südafrik. Rand; *Sortenkurse: Mitgeteilt von der Reisebank Frankfurt, Darstellung aus Sicht des Bankkunden.
Kursgrafik: smallCharts,
Quelle: GOYAX.de, AID Hannover, Morningstar Alle Angaben im Kursteil der SZ erfolgen ohne Gewähr
1 Jahr: +25,1%
Vortag: +0,3%
22.7.2013 Schluss: 2725,400
(Angaben in Punkten)
Jul
Jun
Apr
Mai
Mrz
Jan
Feb
Dez
Okt
Nov
Sep
13000
Aug
14000
2200
Jul
15000
2400
1 Jahr: +22,2%
Vortag: +0,0%
22.7.2013 Schluss: 15545,62
(Angaben in Punkten)
Stoxx 50 / Euro Stoxx 50 (ohne Dax-Werte)
Schluss
Dividende
Euro Stoxx 50
Stoxx 50
ABB
Air Liquide
Anh.-Busch Inb.
Arcelor-Mittal
ASML
Astrazeneca
Axa
Banco Bilbao (BBVA)
Banco Santander
Barclays
BG Group
BHP Billiton
BNP Paribas
BP
Brit.Amer. Tobacco
Carrefour
Crédit Suisse
CRH Plc
Danone
Diageo
Enel
ENI
Ericsson
Essilor Int.
GDF Suez
Generali
Glaxosmithkline
GlencoreXstrata
HSBC Holding
Iberdrola
Imperial Tobacco
Inditex
ING
Intesa San Paolo
L’Oreal
LVMH
National Grid
Nestlé
Novartis
Orange
Philips
Reckitt Benckiser
Repsol
Rio Tinto
Roche Hold. Gen.
Royal Dutch Shell A
Saint Gobain
Sanofi-Aventis
Schneider Electric
Societe Generale
Standard Chartered
Telefonica
Tesco
Total
UBS
Unibail
Unicredit
Unilever NV
Vinci
Vivendi
Vodafone
Zurich Ins.
–
–
0,68
2,50
1,70
0,20
0,46
179,0
0,72
0,42
0,60
6,50
16,67
1,12
1,50
21,76
130,0
0,58
0,10
0,63
1,45
43,50
0,15
1,08
2,75
0,88
1,50
0,20
74,00
0,16
0,45
0,30
106,0
2,20
0,00
0,05
2,30
2,90
40,58
2,05
2,30
0,78
0,75
125,0
0,95
107,0
7,35
1,35
1,24
2,77
1,87
0,45
53,36
0,00
14,76
2,34
0,15
8,40
0,09
0,97
1,77
1,00
10,19
17,00
Heimatbörse
Tagesveränderung
22.07. 19.07. W
in %
+0,34
+0,19
CHF
-0,51
-0,23
-0,37
-0,75
-0,71
GBp
-0,12
+0,72
-0,31
+0,42
GBp
+1,25
GBp
+1,33
GBp
+0,35
+1,67
GBp
-0,29
GBp
+0,53
+1,00
CHF
+1,68
-0,48
+0,44
GBp
-0,29
+0,75
+0,24
-0,79
SEK
-0,46
+0,29
+0,62
GBp
-1,22
GBp
-1,25
GBp
-0,52
+0,44
GBp
+1,28
-0,19
+1,23
+1,71
-0,86
-1,02
GBp
-0,13
CHF
-0,40
-0,44
CHF
+0,52
+2,11
GBp
-0,04
+1,08
GBp
-0,51
CHF
-0,64
+0,33
-0,12
+0,88
-1,42
+1,50
GBp
-0,36
+1,32
GBp
-0,58
+1,03
CHF
+2,50
+0,80
+2,49
-0,43
+0,91
+1,16
GBp
+0,08
CHF
+0,44
2725,40 2716,17
2715,82 2710,62
21,45 21,56
98,71 98,94
67,90 68,15
9,67
9,74
67,20 67,68
3276,00 3280,00
16,72 16,60
6,44
6,46
5,02 5,00
324,00 320,00
1222,50 1206,50
1876,00 1869,50
45,75 45,00
468,45 469,80
3489,00 3470,50
23,13 22,90
28,40 27,93
15,68 15,75
57,64 57,39
2040,00 2046,00
2,41
2,39
16,68 16,64
75,30 75,90
80,92 81,29
15,74 15,70
14,52 14,43
1694,00 1715,00
269,00 272,40
733,70 737,50
3,92 3,90
2208,00 2180,00
97,84 98,03
7,58
7,49
1,37
1,35
127,40 128,50
131,60 132,95
773,50 774,50
62,85 63,10
67,90 68,20
7,51
7,48
23,91 23,41
4698,00 4700,00
16,87 16,69
2902,50 2917,50
233,10 234,60
25,99 25,90
32,94 32,98
80,26 79,56
56,92 57,74
29,72 29,28
1520,00 1525,50
10,06 9,93
368,05 370,20
40,18 39,77
18,05 17,61
189,25 187,75
3,95 3,86
31,26 31,40
40,07 39,71
15,70 15,52
194,00 193,85
253,10 252,00
52-WochenHoch/Tief
KGV Markt- Frankfurt
2013 wert 22.07. 19.07.
2836/2152
2843/2373
22,03/15,67
99,52/86,69
78,66/63,06
13,64/8,44
67,82/39,15
3,52t/2,79t
16,60/8,90
7,82/4,43
6,62/4,04
333,85/150,55
1,35t/1,00t
2,23t/1,66t
47,67/26,46
483,30/416,60
3,78t/3,07t
24,42/13,36
29,25/16,01
17,86/13,51
59,57/45,97
2,08t/1,65t
3,26/2,03
19,48/15,25
85,60/56,80
89,70/67,51
20,23/14,12
14,72/8,56
1,78t/1,31t
397,85/256,85
769,90/510,60
4,32/2,65
2,53t/2,18t
109,30/77,90
7,82/4,70
1,53/0,88
136,65/93,23
143,20/117,00
847,50/641,00
69,50/57,70
73,65/55,45
11,50/7,10
23,67/17,00
4,95t/3,41t
18,50/10,96
3,75t/2,58t
258,50/167,20
28,91/24,10
33,73/24,08
86,67/61,10
62,81/41,50
34,14/15,40
1,83t/1,22t
11,58/8,63
387,75/307,90
41,84/34,83
18,00/9,80
208,25/164,75
4,80/2,33
32,89/26,48
40,00/31,85
17,44/14,13
199,90/154,45
270,30/209,50
–
–
–
–
–
–
–
–
14 40,28 17,40
17,42
18 30,85 98,68 98,41
14 108,77 67,69 67,75
21 16,13
9,69
9,70
29 27,66 67,41 67,62
9 47,88 38,32 38,19
9 40,13 16,80 16,65
9 35,69
6,45
6,43
9 54,20
5,00
4,98
9 48,08
3,74
3,74
15 48,90 14,37 13,87
11 46,47 22,00 21,62
9 56,68 45,63 45,13
9 104,31
5,47
5,45
15 78,10 40,60 40,54
16 16,33 23,03 22,80
11 36,42 23,09 22,59
18 11,55 15,88 15,62
18 36,55 57,62 57,18
20 60,01 23,91 23,48
7 22,61
2,40
2,40
9 60,76 16,72 16,60
15 26,64
8,76
8,79
26
17,44 81,23 81,60
12 38,07 15,78 15,59
11 22,40 14,39 14,38
15 96,62 19,68 19,93
11 41,26
3,11
3,15
11 159,15
8,57
8,56
10 24,56
3,91
3,84
10 25,09 25,71 25,28
23 61,08 97,99 98,10
7 29,07
7,59
7,48
11 21,25
1,37
1,35
25 76,86 127,13 128,02
17 66,95 131,85 132,10
14 33,17
9,05
9,04
18 164,45 51,00 51,10
14 149,19 55,13 55,32
7 19,89
7,51
7,43
15 22,93 23,96 23,41
18 39,76 55,52 54,99
10 21,45 16,73 16,62
8 47,89 33,91 34,07
16 133,25 189,66 188,21
6 98,64 25,97 25,77
14 17,48 32,91 32,64
13 106,33 80,17 79,93
14 32,05
57,71 56,37
9 23,19 29,72 29,29
10 42,81
17,70 17,80
9 45,74 10,05
9,89
11 34,27
4,25
4,29
8 94,68 40,02 39,73
19 55,83 14,57 14,24
18 18,00 189,53 187,60
18 22,89
3,95
3,85
18 48,31 31,18 31,35
11 23,05 39,77 39,30
9 20,75 15,67 15,46
13 109,23
2,23
2,25
9 30,29 205,49 204,12
52-WochenHoch/Tief
KGV Markt- Frankfurt
2013 wert 22.07. 19.07.
Dow Jones
Schluss
XYZ
O
OHB
OMV
Orad HiTec
Orco Germany
Orkla
Osram Licht
OTP Bank
OVB Holding
SZ/REUTERS
16000
2600
Jun
Jul
Jun
Apr
Mai
Mrz
Jan
Feb
Dez
Okt
Nov
Sep
Aug
Jul
Jun
Apr
Mai
Mrz
Jan
Feb
Dez
Okt
Nov
Sep
Aug
10000
17000
2800
Apr
11000
6500
winn und Umsatz dank eines starken Wachstums in den Schwellenländern gesteigert hat. Die Aktien kletterten an der Amsterdamer Börse
um 2,1 Prozent. Die Schweizer Großbank UBS verdiente im zweiten
Quartal ebenfalls deutlich mehr als
ein Jahr zuvor - die Aktien verteuerten sich in Zürich um 2,5 Prozent.
Die US-Börsen fanden zu Wochenbeginn keine klare Richtung.
Händler sprachen von einer Verschnaufpause und Gewinnmitnahmen nach der jüngsten Rally. Der
Dow Jones schloss unverändert bei
15 546 Punkten. Bei den Einzelwerten gehörte McDonald’s mit einem
Minus von 2,7 Prozent zu den größten Verlierern. Die weltgrößte
Schnellrestaurant-Kette verfehlte
die Gewinnerwartungen. Zudem machen ihr sinkende Umsätze im rezessionsgeplagten Europa zu schaffen.
Mai
12000
7000
mieren. Seit Jahresanfang haben die
RWE-Aktien deutliche Einbußen
hinnehmen müssen. Ebenfalls gefragt waren die Titel der Deutschen
Bank, die sich um 1,4 Prozent verteuerten. Einem Bericht der „Financial
Times“ zufolge will der deutsche
Branchenprimus seine Bilanz in den
nächsten zweieinhalb Jahren deutlich verkleinern, um die Verschuldungsquote zu verbessern.
Auf
dem Verkaufszettel standen die Titel von SAP mit einem Abschlag von
0,9 Prozent. Der Softwarekonzern
hatte am Sonntagabend überraschend angekündigt, dass die vor
dreieinhalb Jahren eingeführte Doppelspitze kommendes Jahr wieder
abgeschafft wird. „Solche Entscheidungen führen an den Börsen immer zu Verunsicherung“, sagte ein
Händler.
Erfreulich fiel die Bilanz des Elektronikriesen Philips aus, der Ge-
Dow Jones
Mrz
7500
Ungeachtet der langsam anlaufenden Bilanzsaison steckt der Dax
zum Wochenbeginn im Sommerloch. Bei niedrigen Umsätzen bewegte sich der deutsche Leitindex nur
wenig. Erfreuliche Quartalszahlen
aus Europa gaben nur kurz Auftrieb,
so dass das Barometer am Montag
fast unverändert bei 8331 Zählern
schloss. Insgesamt rechneten die
Analysten mit eher gemischten Bilanzen bei der europäischen Berichtssaison.
Unter den Einzelwerten am
deutschen Aktienmarkt schafften
RWE mit einem Plus von 2,6 Prozent
den Sprung an die Dax-Spitze. Offenbar will die Kraftwerkstochter RWE
Generation mit ihrem neuen Programm „RWE Neo“ mindestens 500
Millionen Euro im Jahr einsparen.
Damit würden sich die jährlichen
Kostensenkungen im Konzern auf
mehr als 1,5 Milliarden Euro sum-
Jan
13000
Feb
14000
8000
Dez
8500
Euro Stoxx 50
Okt
MDax
Sep
Dax
Dienstag, 23. Juli 2013, Nr. 168 DEFGH
Nov
HMG
Aug
24
New York(in USD)
Dividende
22.07. 19.07.
Dow Jones
3M
Alcoa
American Express
AT & T
Bank of America
Boeing
Caterpillar
Chevron
Cisco Systems
Coca-Cola
Du Pont
Exxon Mobil
General Electric
Hewlett-Packard
Home Depot
IBM
Intel
Johnson&Johnson
JP Morgan Chase
McDonald’s
Merck & Co.
Microsoft
Pfizer
Procter & Gamble
Travelers Cos.
United Tech
UnitedHealth
Verizon Comm.
Wal-Mart
Walt Disney
–
2,54
0,12
0,92
1,80
0,04
1,94
2,08
4,00
0,68
1,12
1,80
2,52
0,76
0,58
1,56
3,80
0,90
2,64
1,52
3,08
1,72
0,92
0,96
2,41
2,00
2,14
1,12
2,06
1,88
0,75
15545,5515543,74
116,28 116,19
8,12 8,07
74,72 74,06
35,58 35,81
14,92 14,75
106,86 106,96
86,00 85,65
127,03 126,91
25,72 25,82
40,84 41,09
57,17 57,14
94,83 95,17
24,86 24,72
25,51 25,14
80,00 79,89
194,09 193,54
22,77 23,04
92,28 92,23
56,56 56,16
97,58 100,27
47,72 47,79
32,01 31,40
29,35 29,09
81,22 81,37
85,43 84,66
102,11 102,48
72,18 71,45
50,27 49,95
77,87 78,08
64,40 65,16
Tagesveränderung
in %
+0,01
+0,08
+0,62
+0,89
-0,64
+1,15
-0,09
+0,41
+0,09
-0,39
-0,61
+0,05
-0,36
+0,57
+1,47
+0,14
+0,28
-1,17
+0,05
+0,71
-2,68
-0,15
+1,94
+0,89
-0,18
+0,91
-0,36
+1,02
+0,64
-0,27
-1,17
15549/12542
116/87,31
9,84/7,71
78,33/53,64
39,00/33,14
14,76/7,04
108/69,38
99,49/80,43
127/102
25,94/15,12
43,09/35,97
57,47/41,95
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24,72/19,97
26,45/11,71
80,54/50,96
216/186
26,88/19,36
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56,37/34,44
104/84,05
49,44/40,64
36,27/26,37
31,08/23,33
82,54/63,51
87,90/60,89
102/71,94
71,45/51,00
53,91/41,40
79,86/67,61
67,67/47,06
–
17
18
16
14
15
17
12
10
13
19
15
12
15
7
23
12
12
17
10
17
13
12
13
20
11
17
13
18
15
19
–
–
80,32 88,07
8,68
6,12
81,92 56,29
195,61 27,02
161,49
11,27
80,96 81,10
56,28 65,09
246,19 96,33
137,08 19,46
181,90 31,05
52,54 43,45
424,08 72,03
257,92 18,87
49,54 19,38
118,41 60,20
215,32 146,95
112,66 17,22
258,29 69,83
213,93 42,56
97,76 73,90
144,02 36,39
266,73 24,10
210,54 22,25
221,73 61,38
32,15 65,73
93,83 77,50
73,87 54,80
143,79 37,97
256,35 59,00
116,25 48,97
–
88,55
6,20
56,65
27,15
11,16
81,60
65,24
96,13
19,57
31,13
43,68
72,28
18,86
19,09
60,95
147,83
17,45
69,80
42,61
76,10
36,36
23,82
22,13
61,53
63,91
77,82
54,15
38,07
58,86
50,31
weitere US-Aktien
Schluss
New York(in USD)
Dividende
22.07. 19.07.
Nasdaq
Adobe Systems
Amazon
Apollo Group
Applied Mats
Baidu
Biogen Idec
Blackberry
Celgene
Citrix Sys.
Comcast
Dell
EBay
Electronic Arts
First Solar
Garmin
Gilead Sciences
Green Mount. Coffee
Intuitive Surgical
Microchip Tech.
Network Appl.
Nvidia
Priceline.com
Qualcomm
Sandisk
Starbucks
Symantec
Tellabs
Teva Pharm.
Verisign
Vertex Pharms
Wynn Resorts
Yahoo
S & P 500
Abbott Labs
AIG
Altria
Amgen
Apple
Avon Products
Baker Hughes
Bristol Myers
Citigroup
Colgate
Conoco Philips
Dow Chemicals
EMC
Fedex
Ford Motor
Goldman Sachs
Google
Halliburton
Honeywell
Intern. Paper
Lockheed Martin
Medtronic
Morgan Stanley
Occidental Pet.
Oracle
Pepsico
Philip Morris
Schlumberger
Texas Instruments
Time Warner
Wells Fargo
Xerox
–
0,00
0,00
0,00
0,40
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,78
0,32
0,00
0,00
0,00
1,50
0,00
0,00
0,00
1,41
0,60
0,30
0,00
1,40
0,00
0,84
0,60
0,08
1,13
0,00
0,00
4,00
0,00
–
0,56
0,00
1,76
1,88
12,20
0,24
0,60
1,40
0,04
1,36
2,64
1,28
0,40
0,60
0,40
2,00
0,00
0,50
1,64
1,20
4,60
1,04
0,20
2,56
0,24
2,27
3,40
1,25
1,12
1,15
1,20
0,23
3600,39
48,28
303,48
18,30
16,35
110,01
231,67
9,05
138,08
66,00
44,93
13,02
52,31
24,03
49,05
37,50
59,71
75,45
395,91
39,78
41,28
14,23
900,48
62,21
63,45
69,02
24,02
2,19
40,59
45,65
88,17
133,38
27,86
1695,53
35,80
47,45
36,88
108,95
426,31
23,21
47,51
45,00
53,00
58,65
65,83
34,59
25,22
107,75
17,04
166,25
910,70
45,08
83,04
47,40
115,65
55,48
27,61
91,97
31,87
86,40
89,23
83,81
37,42
62,22
44,63
9,81
3587,61
48,07
305,23
18,37
16,56
111,08
230,27
8,97
135,89
65,07
44,57
13,14
52,19
24,27
48,31
36,70
60,10
73,62
392,67
39,87
41,33
14,24
896,29
61,46
62,71
68,79
24,00
2,19
40,10
45,74
88,51
133,09
29,11
1692,09
35,87
46,88
37,15
109,39
424,95
23,32
47,80
44,19
52,35
58,88
66,00
34,67
25,52
108,03
16,76
164,36
896,60
45,83
83,57
47,72
115,55
55,02
27,60
92,09
31,86
86,41
88,61
82,74
37,26
61,77
44,45
9,70
Tagesveränderung
in %
+0,36
+0,44
-0,57
-0,38
-1,27
-0,96
+0,61
+0,88
+1,61
+1,43
+0,81
-0,91
+0,24
-0,97
+1,53
+2,18
-0,65
+2,48
+0,83
-0,23
-0,12
-0,07
+0,47
+1,22
+1,18
+0,33
+0,08
+1,22
-0,20
-0,38
+0,22
-4,29
+0,20
-0,20
+1,22
-0,73
-0,40
+0,32
-0,47
-0,61
+1,83
+1,24
-0,39
-0,26
-0,23
-1,18
-0,26
+1,67
+1,15
+1,57
-1,64
-0,63
-0,67
+0,09
+0,84
+0,04
-0,13
+0,03
-0,01
+0,70
+1,29
+0,43
+0,73
+0,40
+1,13
52-WochenHoch/Tief
3611/2837
48,39/30,02
309/217
30,39/16,20
16,69/10,15
134/83,59
241/136
17,90/6,31
137/64,00
81,75/57,34
44,68/31,36
14,51/8,86
57,78/43,19
24,32/10,95
56,40/14,00
42,73/32,60
60,10/25,55
81,78/17,49
584/393
40,03/29,37
41,33/26,33
14,92/11,38
920/558
67,97/56,79
63,04/38,84
69,72/43,16
25,10/13,18
3,78/1,90
42,52/36,95
49,50/34,15
88,51/38,88
143/92,79
29,66/14,65
1692/1338
38,56/31,44
46,99/30,15
37,46/30,49
113/76,38
702/391
24,20/13,80
50,10/39,64
47,68/30,81
53,27/25,24
62,38/51,05
66,00/53,24
35,82/27,74
28,02/21,50
109/84,39
17,12/8,92
167/93,16
925/608
45,83/29,95
83,57/56,68
48,68/31,37
116/86,70
55,02/37,35
27,70/12,62
94,75/73,58
36,34/29,26
86,80/68,02
96,44/82,39
82,74/67,77
37,90/26,57
62,25/37,49
44,45/25,46
9,84/6,23
KGV Markt- Frankfurt
2013 wert 22.07. 19.07.
–
21
211
7
30
23
35
–
28
23
19
8
19
23
12
13
30
34
27
22
19
17
29
14
31
32
14
–
8
24
4409
24
24
–
18
14
15
15
10
13
16
25
11
10
12
15
14
18
12
12
20
14
17
12
13
15
13
13
12
20
16
18
22
17
12
8
–
23,88
138,30
2,05
20,21
29,87
54,73
4,74
58,38
12,34
95,13
22,53
67,86
7,33
4,24
7,80
90,94
11,73
15,73
7,74
14,97
8,88
44,87
106,70
15,30
51,75
16,65
0,78
38,32
7,12
19,12
13,40
32,99
–
56,23
70,00
74,08
81,47
400,25
9,99
21,00
73,86
161,12
27,39
80,52
41,83
52,95
34,14
65,63
76,52
243,07
41,92
65,28
21,04
37,24
56,25
55,26
74,07
150,01
133,52
146,71
111,62
41,32
58,10
235,77
13,60
–
36,50
229,00
13,82
12,55
83,87
175,98
6,85
105,00
49,12
33,68
9,93
39,53
18,28
37,76
27,28
45,43
56,07
300,80
30,28
31,03
10,86
682,81
46,76
48,01
52,01
18,28
1,65
30,65
34,41
67,58
99,84
21,07
–
27,20
35,95
28,04
82,52
322,53
17,61
36,04
33,83
40,00
44,51
50,14
26,48
19,15
81,71
12,83
125,25
689,52
34,69
62,69
35,92
87,81
41,80
20,98
70,00
24,05
65,62
68,03
64,20
28,20
47,16
33,80
7,38
–
36,55
231,60
13,95
12,66
84,34
173,25
6,93
103,18
49,06
33,92
9,92
40,03
18,23
36,56
27,70
45,65
56,39
282,90
30,38
31,51
11,02
680,47
46,74
47,48
52,45
18,22
1,64
30,33
34,56
68,27
101,45
22,32
–
27,30
35,55
28,25
81,40
324,00
17,50
37,09
33,32
39,91
44,65
49,61
26,29
19,37
82,59
12,98
124,90
679,18
34,95
63,87
36,08
88,01
41,72
21,00
69,70
24,22
65,72
67,85
62,90
28,59
46,96
33,97
7,35
Weltindizes
Schluss
MSCI World (berechnet in US-$)
AEX All Shares Amsterdam
BUX
Budapest
OMX H25
Helsinki
HangSeng
Hongkong
ISE Nat. 100
Istanbul
JSE Top 40
Johannesburg
FTSE 100
London
IBEX 35
Madrid
MIB
Mailand
RTS 1
Moskau
Sensex
Mumbai
CAC 40
Paris
PX SE Ind.
Prag
Bovespa
Sao Paolo
Shanghai Co Shanghai
Straits Times Singapur
All Ordinaries Sydney
Nikkei 225
Tokio
S & P/TSE 300 Toronto
VDax
Volatil.-Dax
WIG
Warschau
Austrian Tr.
Wien
Swiss Market Zürich
22.07.
19.07.
–
370,39
18244,42
2338,83
21416,50
75816,02
36394,28
6623,17
7966,00
16233,55
1380,01
20159,12
3939,92
881,51
48614,33
2004,76
3234,35
4988,90
14658,04
12758,38
16,50
46361,70
2298,24
7927,45
1513,52
369,76
18247,17
2349,30
21362,42
75873,99
36029,71
6630,67
7943,20
16124,36
1382,33
20149,85
3925,32
884,06
47400,23
1992,65
3213,26
4959,40
14589,91
12685,13
16,24
46399,74
2300,57
7928,12
Tagesveränderung
in %
+0,17
-0,02
-0,45
+0,25
-0,08
+1,01
-0,11
+0,29
+0,68
-0,17
+0,05
+0,37
-0,29
+2,56
+0,61
+0,66
+0,59
+0,47
+0,58
+1,61
-0,08
-0,10
-0,01
TagesHoch/Tief
–/–
371,67/369,76
18341,77/17904,39
2353,38/2332,86
21498,96/21283,83
76395,64/75447,43
36455,43/36029,71
6645,01/6608,17
8016,90/7917,10
16266,90/16122,75
1396,75/1372,81
20264,90/20065,69
3945,98/3915,81
886,65/880,06
48879,39/47407,17
2005,47/1970,64
3240,36/3221,00
5011,50/4959,70
14770,02/14514,29
12761,44/12685,13
16,89/16,23
46550,75/46275,18
2310,89/2294,49
7967,89/7916,86
52-WochenHoch/Tief
1511,13/1201,74
372,11/311,74
19743,65/16956,07
2455,58/1823,36
23822,06/18886,96
93178,87/60736,81
37599,86/29682,27
6840,27/5498,32
8724,60/5956,30
17897,41/12362,51
1635,50/1233,04
20286,12/16639,82
4051,11/3074,68
1066,14/852,90
63312,46/45044,03
2434,48/1950,01
3454,37/2945,63
5202,50/4151,40
15627,26/8365,90
12878,58/11466,95
26,67/13,31
48495,01/38982,82
2548,84/1893,41
8407,61/6174,89
GELD
DEFGH Nr. 168, Dienstag, 23. Juli 2013
Gold auf Erholungskurs
Rentenmarkt
US-Anleihe 10J.
Bundesanleihe 10J.
2,6
1,6
2,1
1,2
1,6
22.4.13
22.7.13
22.4.13
22.7.13
Leitzinsen
Basiszins gemäß
Bürgerlichem Gesetzbuch
Leitzins EZB
Leitzins FED
seit 01.07.13
seit 08.05.13
seit 16.12.08
-0,38%
0,50%
0-0,25%
Indizes/Renditen
Kupon
22.07.
Bund-Future
Rex Perf. Dt.Renten-Idx
Umlaufrendite
10j. Bundesanleihe
10j. Staatsanleihe USA
10j. Staatsanleihe Großbrit.
10j. Staatsanleihe Japan
19.07.
144,17
445,17
1,25
1,51
2,47
2,27
0,78
Euribor in %
144,16
445,30
1,24
1,51
2,52
2,28
0,80
Dollar-Libor in %
Laufzeit
22.07.
19.07.
Laufzeit
22.07.
19.07.
3 Monate
6 Monate
9 Monate
12 Monate
0,221
0,334
0,430
0,520
0,220
0,330
0,425
0,515
3 Monate
6 Monate
9 Monate
12 Monate
0,265
0,397
–
0,681
0,265
0,398
–
0,681
Eurogeldmarkt 1
22.07.
Tagesgeld
1 Monat
6 Monate
1 Jahr
Euro
US-$
brit-£
sfr
Yen
0,03–0,33
0,15–0,65
0,40–0,90
-0,15–0,35
0,00–0,50
0,03–0,13
0,15–0,30
0,43–0,63
-0,10–0,10
0,00–0,20
0,19–0,34
0,40–0,55
0,63–0,83
0,00–0,20
0,12–0,32
0,37–0,52
0,63–0,78
0,82–1,02
0,10–0,30
0,26–0,46
B u n d e s p a p i e r e (sortiert nach Restlaufzeit)
Kupon
Anleihe
22.07.
0,75
4
0.25
4,25
0,25
2,25
BS v. 11/13
BO S.153 v. 08/13
BS v. 11/13
BA v. 03/14
BS v. 12/14 I
BO S.154 v. 09/14
19.07. Rend.
100,11
100,87
100,09
101,91
100,14
101,58
100,11
100,88
100,10
101,91
100,15
101,60
–
–
0,01
–
0,03
0,02
0
4,25
0
2,5
0
3,75
2,5
0,25
2,25
0
3,25
1,75
3,5
2
2,75
1,5
6
4
5,63
1,25
3,75
0,75
0,5
4,25
0,5
4
0,5
0,75
4,25
3,75
3,5
3,25
1,75
3
1,5
2,25
2,5
3,25
2,25
2
1,75
1,5
1,5
0,1
1,5
6,25
6,5
5,63
4,75
6,25
5,5
4,75
4
4,25
4,75
3,25
2,5
BS v. 12/14 II
BA v. 04/14
BS v. 12/14 III
BO S.155 v. 09/14
BS v. 12/14 IV
BA v. 04/15
BO S.156 v. 10/15
BS v. 13/15
BO S.157 v. 10/15
BS v. 13/15
BA v. 05/15
BO S.158 v. 10/15
BA v. 05/16
BO S. 159 v. 11/16
BO S. 160 v. 11/16
BA v. 06/16 Infl.
BA v. 86/16 II
BA v. 06/16
BA v. 86/16
BO S. 161 v. 11/16
BA v. 06/17
BO S. 162 v. 12/17
BO S. 163 v. 12/17
BA v. 07/17 II
BO S. 164 v. 12/17
BA v. 07/18
BO v. 13/18
BO v. 11/18 Inflat.
BA v. 08/18
BA v. 08/19
BA v. 09/19
BA v. 09/20
BA v. 09/20 Infl.
BA v. 10/20
BA v. 13/20
BA v. 10/20
BA v.10/21
BA v.11/21
BA v.11/21
BA v. 11/22
BA 12/22
BA 12/22
BA 13/23
BA v. 12/23 Inflat.
BA 13/23
BA v. 94/24
BA v. 97/27
BA v. 98/28
BA v. 98/28 II
BA v. 00/30
BA v. 00/31
BA v. 03/34
BA v. 05/37
BA v. 07/39 I
BA v. 08/40
BA v. 10/42
BA v. 12/44
99,96
103,96
99,93
102,95
99,89
105,35
103,88
100,26
103,74
99,83
106,16
103,69
108,28
104,82
107,01
105,96
116,74
111,25
116,90
103,34
112,07
101,70
100,74
115,42
100,50
115,80
100,11
106,31
118,14
116,71
116,20
115,31
114,57
114,07
100,77
108,89
110,64
116,28
108,48
106,19
103,39
100,94
100,22
101,85
99,88
145,37
155,94
145,44
134,80
156,83
147,76
140,77
129,75
136,73
147,85
119,14
102,86
99,98
103,99
99,95
102,98
99,93
105,38
103,93
100,29
103,78
99,87
106,22
103,74
108,35
104,86
107,05
105,92
116,79
111,32
116,93
103,42
112,12
101,73
100,79
115,50
100,57
115,88
100,15
106,40
118,25
116,76
116,23
115,40
114,57
114,14
100,84
109,01
110,76
116,28
108,48
106,29
103,50
101,04
100,31
101,56
99,88
145,35
156,00
145,31
134,69
156,94
147,56
140,50
129,96
136,99
147,95
119,04
102,56
–
0,06
–
0,05
–
0,04
0,06
0,09
0,06
–
0,08
0,07
0,10
0,14
0,15
–
0,21
0,17
0,23
0,21
0,22
0,27
0,30
0,31
0,38
0,40
0,47
–
0,52
0,62
0,71
0,80
–
0,90
1,38
0,95
1,01
1,10
1,15
1,22
1,35
1,39
1,47
–
1,51
1,52
1,90
1,97
2,03
2,12
2,18
2,28
2,34
2,34
2,34
2,33
2,37
Der Goldpreis hat am Montag zu einer kräftigen Erholung angesetzt.
Händler erklärten den Preissprung zum Wochenauftakt mit
der Geldpolitik in den USA, die den
Dollar belasten dürfte. Am Abend
kletterte der Preis für eine Feinunze (etwa 31 Gramm) in der Spitze
auf knapp 1339 Dollar. Das ist der
höchste Stand seit rund einem Mo-
nat. Anfang Juli war der Goldpreis
nach einer rasanten Talfahrt unter
die Marke von 1200 Dollar gerutscht.
In Portugal sind Neuwahlen
erst einmal vom Tisch – und die Anleger am Rentenmarkt freut es.
Die Kurse der zehnjährigen Staatspapiere zogen zu Wochenbeginn
an, entsprechend fielen die Rendi-
Ausländische Staatsanleihen
Kupon
Anleihe
0
v.2,26
3,5
4
4,25
3
5,9
4,6
10,5
4,25
3,75
3,4
6,5
4,2
3,85
6,4
3,13
4,9
5,5
6,5
7
Argent.GDP-Lnkr 05/35
Argentinien 05/38
Belgien 09/15
Belgien 12/32
China 04/14
Frankreich 09/14
Irland 09/19
Irland 99/16
Jamaika 04/14
Lettland 04/14
Niederlande 04/14
Österreich 09/14
Österreich 94/24
Polen 05/20
Portugal 05/21
Portugal 11/16
Schweden 09/14
Spanien 07/40
Spanien 11/21
Türkei 04/14
Venezuela 05/15
22.07.
Rend. Bonit.
–
9,04
0,28
3,27
0,96
0,16
3,37
1,65
7,80
1,26
0,11
0,12
2,46
2,02
6,27
5,82
0,17
5,19
4,19
1,27
6,84
Kupon
B
CC
AA
AA
AAAA+
BB+
BB+
BBBB
AAA
AAA
AA+
ABBBBAAA
BBBBBBBBBB+
Anleihe
22.07.
Münzen und Barren
Münzen
ten auf 6,397 Prozent nach 6,922
Prozent am Freitag. Präsident Anibal Cavaco Silva entschied, dass
die krisengeschüttelte MitteRechts-Regierung bis zum Ende
der Legislaturperiode im Jahr
2015 im Amt bleiben soll. Anleger
hatten gefürchtet, dass Neuwahlen die Reformbemühungen Portugals verzögern könnten. SZ/DPA
Unternehmensanleihen
8,05
33,27
105,36
110,07
104,06
102,76
113,96
107,80
102,94
102,02
103,55
104,03
136,80
113,54
85,50
101,25
102,31
95,80
108,48
102,80
100,15
Rend. Bonit.
6,75
Linde 08/15
114,36
0,62 A
6,5
Lufthansa 09/16
115,32
1,19 BB+
19.07.
London Gold (16:00) $/Uz.
1327,00
London Silber (14:00) US-cts/Uz
1995,00
London Palladium (14:00) $/Uz
750,00
London Platin (14:00) $/Uz
1442,00
Kupfer (DEL)
537,23–539,77
1295,75
1942,00
743,00
1422,00
535,56–538,11
1 Uz Am.Eagle
1 Uz Platin Noble
1 Uz Maple Leaf
1/2 Uz Am. Eagle
1/2 Uz Philharm.
1/4 Maple Leaf
1/4 Uz Philharm.
1/10 Uz Am.Eagle
1 Uz Krüger Rand
1 Uz Britannia
1 UZ W. Philh. Silber
1 Uz Platin Koala
1/10 Uz Platin Koala
2 Rand Südafrika
100 österr. Kronen
4 österr. Dukaten
1/2 Uz Känguruh
1/10 Uz Känguruh
10 Rubel (Tscherwonetz)
20 sfr (Vreneli)
20 Goldmark (Wilh.II)
Adidas Int. Fin. 09/14
103,63
0,98
4,5
Maxingvest 04/14
103,91
1,22
Allianz Fin.perp. 06/–
103,51
5,19 A
4,88
Merck Fin.Serv. 09/13
100,75
0,34 A-
3,25
Bay.Lbk.Pfb 05/15
105,32
0,39
3,87
Porsche 06/16
106,82
1,11
4,63
Bayer Capital 09/14
104,90
0,39 A-
5
RWE Fin. BV 09/15
106,69
0,63 A-
7,88
Bertelsm. 09/14
103,50
0,46 BBB+
4,375
Shell 09/19
115,59
1,03 AA
3,25
BMW Fin. 12/19
109,48
1,43 A
4,5
Shell Intern. 09/16
109,94
0,55 AA
5
Commerzbank 09/14
102,43
0,42 A+
5,13
Siemens Fin. 09/17
115,03
0,84 A+
7,88
Daimler 09/14
103,58
0,31 A-
4,12
Sixt 10/16
106,39
2,06
Barren
1,125
Dt. Börse 13/18
100,26
1,07
0,71 BBB-
Gold, 1 kg
Gold, 100 g
Gold, 10 g
Silber, 1 kg
Platin, 1 kg
Platin, 100 g
4,88
Dt. Post Fin.03/14
102,26
0,45
3,75
Dt. Postbank 09/14
101,90
0,28 AAA
4
Dt.Telek.Int.Fin.05/15
104,93
0,64 BBB+
7,25
Dürr 10/15
108,50
ThyssenKrupp 09/14
106,51
–
22.07.
19.07.
5,5
Eon 07/17
117,81
1,11 A-
Bertelsmann 01 ff. 15%
262,00
262,00
4,88
Eon 09/14
102,29
0,36 A
Bertelsmann 92 ff. 7,23%
165,00
165,00
4,75
Goldman Sachs 06/21
107,76
3,63 A-
Magnum 03/50 12%
–
101,00
7,5
Heid.Cem. 10/20
119,90
3,89
Pongs&Zahn 06/50 8,5%
5
K+S 09/14
105,01
0,64 BBB+
Salvator Grund. 04/50 9,5%
1,50
1,50
29,75
29,75
1350
96
Verkauf
22.07.
Ankauf
19.07.
Verkauf
19.07.
86
1001,00
1036,50
1001,00
503,00
503,00
253,00
253,00
102,00
1001,00
1001,00
15,70
1036,50
108,00
232,00
961,50
436,50
503,00
102,00
244,50
184,50
227,00
1063,50
1252,00
1048,00
547,00
547,00
280,00
280,00
116,00
1048,00
1063,50
17,30
1252,00
145,50
254,00
1037,00
473,00
547,00
116,00
272,50
207,50
253,00
973,50
1028,50
973,50
489,50
489,50
246,00
246,00
99,00
973,50
973,50
15,05
1028,50
107,50
226,00
935,00
424,50
489,50
99,00
237,50
179,50
221,00
1035,00
1243,50
1020,00
532,50
532,50
272,50
272,50
113,00
1020,00
1035,00
16,65
1243,50
144,50
247,00
1009,50
460,00
532,50
113,00
265,00
202,00
246,50
22.7.13
Ankauf
22.07.
Energie
Rohöl (Ldn.) Sep
Brent
ICE $/Brl
Okt
Nov
Rohöl (NY)
Aug
Sep
Okt
WTI
Nymex $/Brl
Feingold
Feingold, 1 kg
verarbeitet, 1 kg
Feinsilber
Feinsilber, 1 kg
verarbeitet, 1 kg
Platin / Palladium
Platin (per Gramm)
Palladium (per Gramm)
ken; Dollar-Libor=Zinssatz f. Termingelder auf Dollarbasis; 1) Unicredit Lux., Münzen und Barren; 2) pro aurum,
Schalterpreise München, Angaben in Euro 3) W.C.Heraeus, Basis Londoner Fixing; Rohstoffe: CME=Chicago
Mercantile Exchange, Comex=Commodity Exch., ICE=Intercontinental Exch., LME=London Metal Exch., Matif=Marché à terme Internat. de France, Nymex=New York Mercantile Echange
Kursgrafik: smallCharts, Quelle: GOYAX.de, AID Hannover, Morningstar
22.07. 19.07.
108,20 108,07
107,15 107,21
106,41 106,53
106,71 108,05
106,71 107,87
105,26 106,12
Benzin (RBO) Aug 3,06
Nymex $/gal
Sep
Heizöl (NY)
Aug
Sep
Nymex $/gal
Gasöl (Ldn)
ICE $/t
Aug
Sep
3,02
3,07
3,07
919,8
920,3
3,12
3,06
3,09
3,09
925,8
926,3
Edelmetalle
22.07. 19.07.
Gold (NY)
Jul
Comex $/oz
Aug
Sep
Platin (NY)
Okt
Nymex $/oz
Jan
22.07. 19.07.
1332 1293
1333 1293
1334 1293
Silber (NY)
Jul
Comex $/oz
Aug
Sep
1446 1431
1453 1433
Palladi. (NY) Sep
Nymex $/oz
Dez
Verkauf
22.07.
Ankauf
19.07.
Verkauf
19.07.
22.07. 19.07.
Kupfer (Ldn) Kse
LME $/t
3-Mt.
Nickel (Ldn)
Kse
3-Mt.
LME $/t
Zink (Ldn)
Kse
3-Mt.
LME $/t
20,41 19,45
20,42 19,45
20,45 19,46
745,9 749,8
747,5 751,5
Verkauf
22.07.
6980
6991
14055
14150
1840
1875
22.07. 19.07.
6920
6925
13980
14055
1834
1867
Blei (Ldn)
LME $/t
Zinn (Ldn)
LME $/t
Kse
3-Mt.
Kse
3-Mt.
Alumini. (Ldn) Kse
LME $/t
3-Mt.
2036
2046
19500
19550
1795
1841
2036
2054
19600
19600
1773
1817
Agrarprodukte
Für Industrieabnehmer 3
Metall
22.7.13
Basismetalle
32076,00 32923,00 31196,00 32042,00
3208,00 3322,00 3120,00 3234,00
324,00
341,00
315,00
332,00
448,00
542,00
427,00
521,00
32620,00 36650,00 32361,00 36398,00
3277,00 3754,00 3252,00 3729,00
Ankauf
22.07.
22.4.13
22.07. 19.07.
Barren 2
Genussscheine
Unternehmen
Öl
106
22.4.13
Ankauf
22.07.
Münzen
Gold
1200
Münzen 2
5,38
8
Rohstoffe
22.07.
4,75
ERLÄUTERUNGEN: Anleihen: Kurse in Prozent; BA=Bundesanleihe; BO=Bundesobligationen;
BS=Bundesschatzanweisung; PfB=Pfandbrief; Laufzeit (Emissionsjahre/Fälligkeit) hinter dem Namen; alle Bundespapiere besitzen Bonität AAA; Bonitätseinstufungen soweit verfügbar von S&P: AAA=exzellent, AA=sehr
gut bis gut, A=gut bis befriedigend, BBB=befriedigend bis ausreichend, BB=mangelhaft, B=mangelhaft, CCC bis
C=ungenügend, Insolvenz absehbar, D=zahlungsunfähig; Euribor=Zinssatz f. Termingelder in Euro unter Ban-
25
HMG
22.07. 19.07.
Ankauf
19.07.
Verkauf
19.07.
Weizen (Pa)
Matif Euro/t
Nov
Jan
Sojaboh. (Ch) Aug
31680,00 34090,00 31120,00 33500,00
– 35720,00
– 35100,00
476,80
–
525,70
550,30
464,30
–
511,90
535,80
33,69
17,58
36,23
19,11
33,40
17,28
35,91
18,78
CME cts/bu
Sep
Mais (Chi.)
Sep
Dez
CME cts/bu
192,3
192,5
1520
1348
541,0
498,5
22.07. 19.07.
194,3
194,3
1491
1326
544,0
500,8
Kaffee (NY)
ICE cts/lb.
Kakao (NY)
ICE $/t
Zucker (NY)
ICE cts/lb.
Sep
Dez
Sep
Dez
Okt
Mär
125,1
127,5
2343
2349
16,38
17,06
122,7
125,2
2370
2364
16,29
16,98
Weitere Kursinformationen finden Sie unter:
In Deutschland zugelassene Qualitätsfonds – tägliche Veröffentlichung mitgeteilt von vwd group
Name
Währung
Ausg.
Rücknahme
Aktiengewinn
22.07. 22.07. 19.07. EStG 1) KStG 2)
ATE
ZWG Name
Aberdeen Immobilien KAG
DEGI EUROPA
DEGI Internat.
€
€
26,22
31,51
24,97
30,01
24,96 -33,03 -33,80
30,01 -12,20 -12,42
-
0,34
0,09
Währung
Megatrend
Triselect
Ausg.
Rücknahme
Aktiengewinn
22.07. 22.07. 19.07. EStG 1) KStG 2)
€
€
52,00
46,94
49,52
44,70
49,66
44,61
38,79
-3,97
38,67
-4,82
ATE
-
Commerz Real Investment
hausInvest
Adviser I Funds, SICAV
Alb&Cie Optiselect
€
174,41 166,10 166,95
32,21
31,71
-
€
42,43
40,41
40,41
2,03
2,03
-
0,00
www.cratoncapital.com
Precious Metal*
Alceda Fund Management
NV Strat-Kons. P
NV Strat-Kons. POA
NV Strat-Kons. POT
€
€
€
45,39
38,93
41,20
44,07
38,93
41,20
43,99
38,85
41,12
-1,65
-1,18
-5,40
-1,65
-1,18
-5,40
-
0,00
0,00
0,00
$
- 115,73 113,49
-
-
-
Credit Suisse
CS Euroreal A CHF* CHF
Allianz Global Investors KAG mbH
74,74
71,18
71,17
0,90
-
-
ZWG Name
0,00
0,09
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15,07
90,00
112,00
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69,64
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50,84
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58,15
91,49
127,16
43,69
49,23
49,87
95,18
122,40
88,32
191,68
55,87
54,25
192,59
51,91
82,37
69,83
657,47
135,83
77,78
85,77
84,51
14,63
87,38
106,67
128,87
66,32
80,41
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79,41
57,59
55,38
87,97
121,10
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49,87
90,65
117,69
84,11
182,55
54,24
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183,42
49,91
80,36
66,50
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74,08
81,69
84,09
14,63
87,41
106,37
128,24
66,04
80,18
49,38
79,31
57,44
55,18
88,26
120,77
42,42
49,23
49,87
90,54
117,52
83,82
182,70
54,24
53,20
183,74
49,72
80,37
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128,98
74,22
81,66
0,14
0,00
0,12
-47,39
23,01
-22,61
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0,00
4,00
2,94
-8,96
-2,42
34,69
0,00
0,00
0,00
-35,49
20,04
-13,10
-19,52
13,87
0,00
73,46
3,92
0,00
34,69
47,12
39,55
7,47
33,10
€
48,07
45,78
45,78
1,12
-
-
€
€
€
€
€
€
€
€
€
€
€
$
€
€
€
€
$
8,74
207,56
11,08
131,12
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87,42
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114,15
104,87
10,77
51,74
142,00
122,80
108,71
10,81
8,74
197,68
10,76
124,88
85,86
83,26
344,15
61,22
112,67
108,71
101,82
10,26
49,28
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116,95
108,71
10,60
-2,37
0,00
0,12
-48,75
22,09 0,00
-24,46
38,13
0,00
3,39
1,55
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-2,42
32,70
0,00
0,00
0,00
-37,33
19,53 0,00
-15,15
-20,68
13,36
0,00
71,88
3,92
0,00
34,69
44,67
37,11
5,71
31,41
-
0,00
0,37
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0,00
0,00
0,00
0,00
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2,81
0,40
0,00
2,91
0,00
0,63
0,85
0,79
0,00
2,52
0,00
0,00
0,80
1,01
0,00
0,24
1,41
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
BW Portfolio 20
BW Portfolio 40
BW Portfolio 75
BW Zielfonds 2020
BW Zielfonds 2025
BW Zielfonds 2030
DekaFonds
DekaFonds TF
Deka-MegaTrends CF
Deka-MegaTrends TF
DekaRent-intern.TF
DekaRent-Internat.
EuropaBond CF
EuropaBond TF
GlobalChampions CF
GlobalChampions TF
LBBW Exportstrat.
LBBW-Rentenf.Euro
Mainfranken Strate
MF Weltkonz. kons.
MF Wertkonz. ausg.
RenditDeka
RenditDeka TF
S-BayRent-Deka
UmweltInvest CF
UmweltInvest TF
€
€
€
€
€
€
€
€
€
€
€
€
€
€
€
€
€
€
€
€
€
€
€
€
€
€
43,89
43,79
40,20
36,20
36,17
36,52
83,91
201,90
47,99
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112,66
18,30
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112,70
103,72
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101,83
100,75
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53,02
80,46
73,97
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35,46
35,80
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201,90
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42,27
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108,63
103,72
54,58
41,71
127,49
101,83
100,75
21,85
28,31
51,16
77,55
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42,86
39,30
35,43
35,37
35,70
79,39
201,07
46,23
42,22
112,62
17,76
112,52
41,13
108,84
103,90
54,51
41,72
127,30
101,79
100,67
21,85
28,32
51,17
77,36
73,79
-2,57
-5,77
-4,11
-15,13
-13,26
-10,07
27,07
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0,00
0,00
0,00
0,00
4,74
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0,00
17,41
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0,00
0,00
0,00
-29,64
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-10,08
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-0,55
0,00
0,00
0,00
0,00
3,29
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0,00
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-1,21
0,00
0,00
0,00
-31,16
-36,13
-
0,62
0,68
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0,00
0,00
0,00
0,00
1,00
0,20
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0,00
0,00
0,52
0,00
0,51
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0,19
0,92
0,00
0,00
Deka Immob Europa
Deka Immob Global
€
€
48,56
58,08
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55,18
46,12
55,17
2,91
8,51
2,93
8,25
-
0,06
0,20
8,66 -13,03 -15,41 0,00
197,56 36,39 33,46 25,99
10,76
0,00
0,00 0,00
124,68
9,38
9,51 0,00
85,56 -13,53 -13,58 0,00
83,38 -0,80 -0,03 0,00
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61,25
0,00
0,00 0,00
112,47
0,00
0,00 0,00
108,48
0,53 -0,06 10,35
101,83
0,00
0,00 0,00
10,24
0,00
0,00 0,07
49,45
5,25
6,03 0,25
135,74 14,84 14,42 3,81
117,20 23,36 22,41 0,00
108,72
0,00
0,00 6,89
10,60
0,00
0,00 0,00
0,01
0,00
0,08
0,00
0,00
0,00
0,00
0,45
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1,81
0,29
0,00
0,02
0,00
0,59
0,17
Deka International (Lux.)
Corp.Bd. Euro CF
Corp.Bd. Euro TF
Deka-Conv.Akt. TF
Deka-Conv.Aktien CF
Deka-Conv.Rent. TF
Deka-Conv.Renten CF
Deka-Gl.Con.Rent. CF
Deka-Gl.Conv.Re.TF
DekaLux-BioTech CF
DekaLux-BioTech TF
DekaLux-MidCapTF A
GlobalResources CF
GlobalResources TF
Wandelanleihen CF
Wandelanleihen TF
€
€
€
€
€
€
€
€
€
€
€
€
€
€
€
€
€
€
64,02
35,18
56,86
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33,50
54,15
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53,89
0,00
63,33
47,20
€
€
€
€
€
€
€
Amp Euro Star 50
Amp Europa Meth
Amp Global Aktien
Amp Global Renten
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Amp Pf Real Estate
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-4,45
15,82
43,48
14,61
14,11
0,00
0,00
2,56
-2,41
12,27
12,02
0,00
0,00
0,00
38,19
41,42
39,36
13,21
40,24
12,81
39,72
0,00
0,00
0,00
0,00
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0,00
0,00
0,00
0,00
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0,00
ZWG
Telefon +49 911 180 - 1009
IAM - Top Mix Welt*
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€
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59,85 59,85 59,86
€
43,99 43,99 43,98
€
52,39 50,86 50,85
€
69,39 68,03 68,02
€ 1508,39 1436,56 1436,15
€
45,94 44,60 44,61
€
40,12 38,58 38,62
€
32,80 32,80 32,83
€
27,70 26,89 26,88
€
- 103,76 103,71
€
- 105,90 105,82
€
- 104,56 104,48
€
- 99,42 99,31
€
- 98,37 98,25
€
- 93,93 94,03
€
- 99,58 99,47
€
- 104,66 104,49
€
- 111,98 111,84
€ 129,00 122,80 122,86
€
63,96 60,91 61,14
€
36,30 34,90 34,96
€
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€
29,95 29,95 30,07
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€ 730,69 730,69 730,68
€ 114,72 111,38 111,36
€ 114,74 111,40 111,40
€
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€
55,96 55,96 56,13
€
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€ 505,85 505,85 505,82
$ 992,82 992,82 992,72
€
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€
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€
46,64 45,28 45,40
€
55,51 53,89 54,03
ATE
Universal-Investment
MEAG MUNICH ERGO KAG mbH
-
UniEuRe Real Zins n*
UniEurKapital-net-*
UniEuroAspirant*
UniEuroKapital*
UniEuropa*
UniEuropaRenta*
UniEuroSt.50 A*
UniEuroSt.50-net*
UniFavorit: Renten*
UniGa:Er.Energ 2018*
UniGaExt:D 2019 II*
UniGar: Deut.2017*
UniGar: Deut.2019*
UniGar: Deut.2019 II*
UniGar: EM 2020 II*
UniGar: EmMkt 2018*
UniGarExt: Deut.2019*
UniGarPl: Eur.2018*
UniGarTop: Eur.IV*
UniGlobal II A*
UniM.&S.Caps:Eur.*
UniMarktf. A*
UniMarktf. -net- A*
UniOptima*
UniOptimus-net-*
UniProt.Europa II*
UniProtect:Europa*
UniRak Nachh.A*
UniRak Nachh.A net*
UniRenta Corp A*
UniReserve: Euro A*
UniReserve: USD*
UniSec. Bas. Ind.*
UniSec. BioPha.*
UniSec. High Tech.*
UniVa. Europa A*
UniVa. Global A*
UniVa.Euro.-net-A*
UniVa.Glb-net-A*
UniVorsorge 1 ASP*
UniVorsorge 1 AZP*
UniVorsorge 2 ASP*
UniVorsorge 2 AZP*
UniVorsorge 3 ASP*
UniVorsorge 3 AZP*
UniVorsorge 4 ASP*
UniVorsorge 4 AZP*
UniVorsorge 5 ASP*
UniVorsorge 5 AZP*
UniVorsorge 6 ASP*
UniVorsorge 6 AZP*
UniVorsorge 7 ASP*
UniVorsorge 7 AZP*
Ausg.
Rücknahme
Aktiengewinn
22.07. 22.07. 19.07. EStG 1) KStG 2)
Union-Investment
Telefon 069 58998-6060 Internet www.union-investment.de
Flossbach & Storch
Währung
- 0,00
- 6,80
- 5,96
- 0,00
- 0,00
- 27,61 UniImmo:Dt.*
UniImmo:Europa*
UniImmo:Global*
Alle dargestellten Investmentfonds sind Teilnehmer am vwd funds service, sortiert nach 3-Jahresperformance, berechnet nach BVI
(Bundesverband Investment und Asset Management) Methode. TER % = Kennzahl des Anteils der Verwaltungskosten eines Fonds,
hohe TER = hoher Kostenanteil. Erscheinungstäglich wechselnde Kategorien: Aktien-, Renten- Geldmarkt-, Misch-, Immobilien- und
Garantiefonds. Alle Angaben ohne Gewähr, keine Anlageberatung und -empfehlung. * = Preis vom Vortag oder letzt verfügbar.
Generali Fund Management S.A.
0,00
-2,80
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
48,49
40,67
94,93
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67,07
ZWG Name
0,00
11,38
-
49,97
42,71
97,84
59,14
70,46
48,51
40,68
94,99
57,14
67,10
ATE
RREEF Investment GmbH
www.bantleon.com
€
€
€
€
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€
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€
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€
Ausg.
Rücknahme
Aktiengewinn
22.07. 22.07. 19.07. EStG 1) KStG 2)
€
€
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€
€
D W S Investmentfonds
Bantleon Cash (IA)
Bantleon Dynamic IA
Bantleon Opp. L IA
Bantleon Opp. L IT
Bantleon Opp. S IA
Bantleon Opp. S IT
Bantleon Opp.GlbIA
Bantleon Opp.GlbPA
Bantleon Opp.L PA
Bantleon Opp.L PT
Bantleon Opp.S PA
Bantleon Opp.S PT
Bantleon Opp.XL IA
Bantleon Opp.XL IT
Bantleon Return IA
Bantleon Return IT
Bantleon Return PA
Bantleon Return PT
Bantleon Strat. IA
Bantleon Strat. PA
Bantleon Trend IA
Bantleon Trend IT
Bantleon Yield IA
Bantleon Yield PA
Bantleon Yield PT
Währung
0,00 SOP NonEuQuaAnl.R
0,00 Special Opp.
Spezial 3
Top Ten Balanced
Top Ten Classic
KanAm Grund Kapitalanlagegesellschaft mbH
First Private Investment Management KAG mbH
www.dje.lu info@dje.lu Telefon 00352 26925220
47,23
0,00
0,00
88,87
1,30 -0,21
50,47
3,57
3,61
47,16
0,00
0,00
43,75
0,00
0,00
41,40 -60,42 -62,01
58,73 -40,23 -39,76
36,76
157,12
8,35
17,26
20,50
99,68
20,15
51,79
22,77
23,71
34,21
106,56
18,41
18,15
100,05
108,37
118,31
€
€
€
€
€
€
€
€
€
1,54
0,00
0,00
Ampega Investment GmbH
36,72
164,59
8,69
17,89
21,07
104,56
20,75
52,32
23,69
24,43
35,80
108,71
18,82
18,90
100,55
110,55
120,87
53,16
52,82
147,57
160,06
50,99
51,40
42,53
42,32
230,91
222,74
50,76
72,08
70,64
54,28
52,72
DJE Investment S.A.
Alte Leipziger Trust
€uro Short Term
Aktien Deutschland
AL Trust €uro Relax
Trust €uro Cash
Trust €uro Renten
Trust Aktien Europa
Trust Global Invest
54,75
52,82
147,57
166,06
50,99
53,33
44,12
42,32
239,57
222,74
50,76
74,78
70,64
55,91
52,72
Währung
DWS Invest SICAV
DWS Inv.AlpS FC*
DWS Inv.AlpS LC*
DWS Inv.BRIC+ LC
DWS Inv.Conv.FC
DWS Inv.Conv.LC
DWS Inv.EURB S LC
DWS Inv.GlAgr LC
DWS Inv.InSt Pl LC*
DWS Inv.TD EUR LC
Titel
Deka Immobilien Investment
Allianz Global Investors Ireland Ltd.
Emg Mrkt Bd AE
Gl. Em. Mkts Eq. A
US Equity A
ZWG Name
MMT Glbl Value
Vermögensauf.HAIG
€
52,82 51,28 51,25
0,08
0,08
€
83,95 83,12 83,11
€ 170,04 161,94 161,98 43,26
0,00
€ 1619,57 1572,40 1545,81
0,02
€
73,75 73,75 73,74
0,00
€ 103,14 103,14 103,13
€ 103,47 99,48 99,29 -6,99
€ 109,40 106,20 106,13 -3,19
€ 103,96 99,01 98,80 -4,75
€
- 81,47 81,47 -23,76
0,00
€ 107,33 104,20 104,17
0,03
Allianz Global Investors Luxembourg S.A
AGIF B St E IE
AGIF Eu EqD ATE
AGIF EuBd AE
AGIF Gl AgTr AE
AGIF GlEcoT AE
All Comm Stra A
Emerging Europe A
Eur Bd TR AE
Euro HiYield Bd A
Europe 25 ATE
Flex Bond Strat A
Flexi Asia Bond AT
Mlt.AsiaAct.A(EUR)
Oriental Income AT
RCM BRIC Stars A
RCM Enh ST Euro AT
RCM Renminbi Cur A
ATE
DWS Investment S.A.
DWS Eurorenta
DWS Fl Rt Nts
DWS Global Value
0,04
DWS Gold plus
DWS Rend.Opt.
DWS Rend.Opt.4 S
- DWS VermMan-Bal
DWS VermMan-Def
DWS VermMan-Dyn
0,03 DWS VermMan-Pro80*
DWS Zinseinkommen
Deka
€
€
€
€
€
€
€
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€
€
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€
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€
€
€
€
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€
€
€
€
€
€
€
€
Ausg.
Rücknahme
Aktiengewinn
22.07. 22.07. 19.07. EStG 1) KStG 2)
CSAM Immobilien KAG mbH
CS EUROREAL*
Adifonds A
Adirenta A
Adireth
Adiverba A
AGIF EuSmCa AE
Aktien Europa A
Concentra AE
Europazins AE
Fl Rentenfd AE
Flex Eur Ba AE
Flex Eur Dy AE
Flexi Immo A
Fondak A
Fondirent
Geldmarkt AE
Geldmkt SP AE
Global Eq.Dividend
Horizont Def
Industria AE
Interglobal A
Kapital + AE
Mobil-Fonds AE
Nebenw. Deutschl.A
Reale Werte A
Rentenfonds AE
Rohstofffonds A
Thesaurus AT
Vermög. Deutschl. A
Wachstum Euroland A
Wachstum Europa A
Währung
0,00
0,00
17,46
0,00
-4,26
0,10
-2,81
0,00
0,00
43,50
51,88
51,72
4,54
5,90
34,01
36,09
33,31
35,15
54,21
13,02
38,37
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
Währung: € = Euro, $ = US-Dollar, ¥ = Yen, £ = Brit. Pfund,
CHF = Schweizer Franken.
Ausg.: Ausgabepreis eines Fondsanteils zum angegebenen Tag.
Rücknahme: Rücknahmepreis eines Fondsanteils zum angegebenen Tag.
Aktiengewinn: Tägliche Veröffentlichung in Prozent mit Ausnahme der
Montagsausgaben. 1) Aktiengewinn EStG = Aktiengewinn für natürliche Personen (Betriebsvermögen). 2) Aktiengewinn KStG = Aktiengewinn für Körperschaften, Personenvereinigungen und Vermögensmassen (Betriebsvermögen).
ATE: Akkumulierte Thesaurierte Erträge ausländischer Fonds seit 1.1.1994
nach Auslandsinvestmentgesetz (AIG).
ISIN: Die Internationale Wertpapierkennummer eines Fonds wird
ausschließlich in den Montagsausgaben veröffentlicht.
ZWG: Zwischengewinn seit 1. Januar 2005
ZWG fett abgedruckt: für diesen Fonds wird Ertragsausgleichsverfahren
angewendet
*: Fondspreise etc. vom Vortag oder letzt verfügbar.
Alle Fondspreise etc. ohne Gewähr - keine Anlageberatung und
-empfehlung
Weitere Fonds-Infos unter http://fonds.sueddeutsche.de
26
GELD
HF2
Dienstag, 23. Juli 2013, Nr. 168 DEFGH
ILLUSTRATION: DIRK SCHMIDT
Der Dax und seine Aktionäre Wie Unternehmen mit ihren Anlegern kommunizieren und nach welchen Regeln der Index besetzt wird
Aktionärstreffen am Computer
Bleiben oder
rausfliegen
Vorreiter SAP und Munich Re: Die ersten Dax-Unternehmen bieten Anlegern an, online abzustimmen.
Wer dennoch zur Hauptversammlung anreist, will mitreden und den Firmenchef live erleben – auch wenn es Stunden dauert
VON SOPHIE CROCOLL
München – Aktionäre des Softwareherstellers SAP und des Rückversicherers Munich
Re können sich das Reisen heute sparen.
Um an der Hauptversammlung teilzunehmen, müssen sie nicht länger nach Mannheim und München kommen; es genügt,
den Computer einzuschalten. Statt einer
Eintrittskarte erhalten sie Zugangsdaten.
Die berechtigen Aktionäre, sich das Treffen im Internet als Videoübertragung anzusehen und an den Abstimmungen teilzunehmen – genau dann, wenn die Menschen im Saal das auch tun.
25 JAHRE DAX
SZ-Serie · Teil 12 und Schluss
Die Münchener Rückversicherung bietet Online-Abstimmungen seit 2010 an,
die Software hat sie mit dem Dienstleister
Computershare entwickelt. „Wir wollten eine Möglichkeit schaffen, unsere Aktionäre
besser einzubinden, insbesondere auch im
Ausland“, sagt eine Sprecherin. Inzwischen nehmen einige hundert Aktionäre digital an der Hauptversammlung teil. Ein
Jahr später hat sich auch SAP überzeugen
lassen, zwischen 60 und 75 Anleger haben
das Angebot jeweils ausprobiert – ausschließlich private Aktionäre.
Privatanleger halten bei dem Softwareunternehmen immerhin fast 18 Prozent
der Aktien. Knapp neun Millionen Deut-
sche sind heute als Aktionäre an Unternehmen beteiligt, längst muss sich nicht nur
die Telekom um Privatanleger kümmern,
deren Papiere der Bund einst als Volksaktien bewarb. Auch bei anderen Dax-Unternehmen lassen sich viele Privatanleger finden (Tabelle). Beim Chemiekonzern BASF
etwa halten Privatleute ein Viertel des
Grundkapitals.
Im Internet können sich Aktionäre auf
den Seiten für Investoren informieren.
„Die Unternehmen aus Dax, M-Dax, TecDax und S-Dax bieten auf ihren Webseiten
praktisch alles, was Aktionäre brauchen“,
sagt Daniel Bauer, Vorstand der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger: Quartalszahlen und den Jahresabschluss, auch das
Kursziel, das Analysten für die Aktie erwarten. Wer dort nicht findet, was er sucht,
ruft bei dem Konzern an: „Auch Kleinaktionäre können sich bei uns melden“, sagt Silvia Helmstetter, die sich bei SAP um Investoren kümmert.
Dennoch nehmen viele auch die Reise
zur Hauptversammlung auf sich, um einen
direkten Eindruck zu gewinnen. „Es ist für
die meisten die einzige Chance, den Chef eines Konzerns zu erleben“, sagt Bauer. Also
zu beurteilen, ob einer auf ihre Fragen eingeht oder sie beiseite wischt. Ob er sie frei
beantwortet oder erst seine Mitarbeiter fragen muss. Anders als vor 15, 20 Jahren kommen heute bei den meisten Dax-Konzernen mehr Menschen zur Hauptversammlung, gerade bei den großen wie bei Siemens in die Münchner Olympiahalle. Viele
sind aber Vertreter institutioneller Investoren wie Fondsgesellschaften. „Es kommen
heute weniger private Aktionäre, aber die
sind aktiver, mischen sich ein“, sagt Bauer.
Ums Büfett, wie oft gelästert wird, geht
es also den wenigsten. Wer kommt, bringt
sich ein. Insgesamt gilt: Wo Ärger zu erwarten ist, nehmen mehr Anleger teil, etwa
wenn kleine Aktionäre aus dem Unternehmen gedrängt werden sollen oder ein Kon-
zern in einem anderen aufgeht, wie beim
Lkw-Hersteller MAN, der nun ganz zu VW
gehört. In kleinen Orten, in denen fast alle
Einwohner Aktien des ansässigen Unternehmens besitzen, ersetzt die Hauptversammlung auch mal den Kulturtreff: Solange der Getränkehersteller Berentzen seine Aktionäre noch ins Festzelt in Haselünne im Emsland lud, kamen 2000 Leute.
Jetzt findet das Treffen in München statt,
„da waren es noch 20 Leute“, sagt Bauer.
Im Schnitt haben 2013 die Anwesenden
der Aktionärsversammlungen bislang nur
47,4 Prozent des stimmberechtigten Kapitals vertreten – so wenig wie seit 2005
nicht mehr, 2012 waren es etwa 59 Prozent.
„Der Trend geht eindeutig nach unten“,
sagt Bauer. Das hat vor allem mit einem Urteil des Oberlandesgerichts Köln zu tun,
das es für ausländische Investoren kompli-
Regelmäßig wird entschieden,
welche Konzerne zum Dax gehören
zierter macht, an deutschen Hauptversammlungen teilzunehmen. Das birgt Probleme: Kommen wenige Aktionäre, kann
es bei Abstimmungen Zufallsmehrheiten
geben. Auch deshalb bemühen sich viele
Unternehmen um ihre Aktionäre – zunehmend im Internet. „Online-Abstimmungen sind die Zukunft“, glaubt Bauer: „In
40 Jahren wird es keine Präsenz-Hauptversammlungen mehr geben.“
Kräfteverhältnisse bei den Dax-Konzernen
Adidas
Allianz
BASF
Bayer
Beiersdorf
BMW
Commerzbank
Continental
Daimler
Deutsche Bank
Deutsche Börse
Deutsche Lufthansa
Deutsche Telekom
Eon
Fresenius Medical Care
Fresenius
Heidelberg-Cement
Henkel
Infineon
K+S
Lanxess
Linde
Merck
Munich Re
Post AG
RWE
SAP
Siemens
Thyssen-Krupp
Volkswagen
Gewicht der Aktie im Dax
(Stand 18. Juli 2013)
2,51 %
7,52 %
9,14 %
9,96 %
0,98 %
3,26 %
0,86 %
1,64 %
7,42 %
4,97 %
1,39 %
0,99 %
3,87 %
3,30 %
1,47 %
1,82 %
1,03 %
1,79 %
1,08 %
0,63 %
0,55 %
3,83 %
1,10 %
3,31 %
2,80 %
1,56 %
7,35 %
9,50 %
0,92 %
3,48 %
Zahl der Aktionäre
52 000
450 000
400 000
280 000
Keine Angaben
Keine Angaben
320 000*
Keine Angaben
450 000*
610 000
Keine Angaben
335 000
ca. 1,6 Mio
290 000
380 000
320 000*
80 000*
60 000
Keine Angaben
150 000
Keine Angaben
200 000
Keine Angaben
150 000
450 000
370 000
450 000
740 000
250 000
600 000
Anteil der Privatanleger
am Kapital
11 %
14 %
25 %
12 %
Keine Angaben
Keine Angaben
26 %
2,5 %
19 %
25%
7%
40 %
18 %
25 %
8%
5%
12 %
25%
Keine Angaben
23 %
11 %
19 %
Keine Angaben
12 %
12 %
13 %
18 %
20 %
10 %
9%
Präsenz auf der Hauptversammlung 2012 (in % des Kapitals)
62
44
45
56
73
76
46
60
43
35
59
48
67
61
44
77
76
73
54
58
60
45
82
79
47
58
67
38
65
62
Dauer der Hauptversammlung (2012)
5h
7 h 24 m
5h
8h
3 h 45 m
4 h 30 m
11 h
3h 45 m
9 h 23 m
10 h 30 m
8h
9 h 45 m
5 h 30 m
7h
7 h 18 m
4h
4h
3 h 46 m
5h 6m
4 h 47 m
5h 30m
4 h 30 m
4 h 40 m
9 h 15 m
10 h 30 m
8 h 38 m
6h
8 h 18 m
9h
9h
* Schätzung
SZ-Grafik; Quellen: Deutsche Börse, Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, Angaben der Unternehmen; eigene Recherche
Gewinne aus der Intensivstation
Kaufen, kaufen, kaufen: Firmenübernahmen machten Fresenius und die Tochter Fresenius Medical Care zu Marktführern in den Krankenhäusern der Welt
Frankfurt – So ein Aufenthalt im Krankenhaus ist eine unangenehme Sache – zumindest wenn man der Patient ist. Für andere
sind Krankenhaus-Aufenthalte toll, vor allem für den Großkonzern Fresenius. Das
Unternehmen mit Sitz bei Frankfurt gilt
als Medizin-Multi: Er ist Pharmafirma,
Krankenhaus-Betreiber und Hersteller
von Medizintechnik in einem.
Für die Fresenius-Anleger war das Geschäft mit der Krankheit eine einträgliche
Sache, in den vergangenen 25 Jahren hätten Anleger, wenn sie die ganze Zeit dabeigeblieben wären, 2700 Prozent Gewinn
mit den Aktien machen können. Die Firma
ist zudem gleich doppelt im Dax vertreten:
Die Konzerntochter Fresenius Medical
Care (FMC) ist ebenfalls Mitglied im Index.
Fresenius-Chef Ulf Schneider mag das
Wort Kaufmaschine nicht. Und doch waren es spektakuläre, oft ziemlich riskante
Übernahmen, die den einstigen Mittelständler groß machten. Zunächst auf dem
Gebiet der Dialyse, der Blutwäsche für
Nierenkranke. 1996 übernahm Fresenius
die dreimal so große amerikanische National Medical Care, wandelte den Namen in
FMC um und besorgte sich das Kapital
über den Börsengang der Tochter. „Hering schluckt Hai“, hieß es damals. Zehn
Jahre später kaufte FMC den US-Konkurrenten Renal Care, danach Liberty Dialysis. Fresenius beherrscht den weltweiten
Markt zur Behandlung nierenkranker Pa-
tienten. Jede zweite Dialysemaschine
stammt aus Deutschland, meist aus
Schweinfurt. 70 Milliarden Dollar ist dieser Markt schwer, zwei Millionen Menschen können ohne Dialyse nicht leben.
Zunächst nährte die Tochter FMC die
Mutter, zwei Drittel der Umsätze und Gewinne stammten von ihr. Das hat sich gewandelt. Heute kommt noch gut die Hälfte
des Umsatzes und ein Drittel des Gewinns
von FMC. Fresenius hat mit Helios in
Deutschland eine eigene Klinikkette aufge-
baut. Wegen der geplatzten Übernahme
der Rhön-Kliniken hat das Unternehmen
in diesem Bereich aber keine so überragende Stellung wie bei der Dialyse. Derzeit testet Helios eine neue Kundenbindung, indem es Zusatzversicherungen anbietet.
Der einstige Pharmabereich von Fresenius heißt heute Kabi und ist Marktführer
der Infusionstherapie und der klinischen
Ernährung in Europa. Wer im Krankenhaus am Tropf hängt, dem träufelt häufig
eine Fresenius-Lösung in den Körper. Bei
Besitzverhältnisse bei Fresenius
Anteile an den jeweils gehaltenen Stammaktien in Prozent
Else-Kröner-Fresenius-Stiftung
Privatanleger
Streubesitz
Nicht erfasst
5
27
7
100
Institutionelle
Investoren
31
69
61
Fresenius
Management SE
Fresenius
SE & Co. KGaA
Komplementär, Geschäftsführung
Fresenius
Medical Care
SZ-Grafik: Ilona Burgarth; Quelle: Unternehmen
Notfällen, Operationen, auf der Intensivstation ist man dabei. Einverleibt hat sich
Fresenius auf diesem Gebiet die amerikanisch-schwedische Pharmacia & Upjohn
sowie American Pharmaceutical Partners,
die indische Dabur und Fenwal.
Wer so viele Firmen übernimmt, weiß
sich selbst zu schützen. Fresenius hält an
FMC nur noch 30,7 Prozent, hat aber über
eine Management AG das Sagen (Grafik).
Die Stiftung der langjährigen Firmeninhaberin Else Kröner beherrscht sogar mit einem Anteil von nur 27 Prozent die Fresenius Kommanditgesellschaft auf Aktien. So
werden feindliche Übernahmen ausgeschlossen, und dennoch stellen Investoren
über die Börse genügend Kapital für das
weitere Wachstum zur Verfügung.
2013 will Fresenius einen Umsatz von
20 Milliarden Euro und einen Gewinn von
einer Milliarde Euro erzielen. Der Umsatz
der Tochter FMC steckt in diesen Zahlen
komplett, der Gewinn jedoch nur anteilig
drin. Oft sind es Trends, die den Managern
das Wachstum zutreiben. So steigt etwa
die Anzahl der Nierenpatienten beständig,
häufig ausgelöst durch Diabetes. Krankenhäuser werden zunehmend privatisiert,
weil dem Staat das Geld fehlt. Fresenius
plant und managt auch im Ausland Kliniken, das macht der Geschäftszweig namens Vamed.
Es gibt auch Grenzen. Denn die Gesundheit wird häufig vom oder über den Staat fi-
nanziert. So wollen die Amerikaner die Erstattung der Dialyse-Behandlung kürzen,
was den FMC-Börsenkurs bereits sinken
ließ. Auch drohen in den USA Sammelklagen, weil sich Patienten nicht ausreichend
über Nebenwirkungen informiert fühlten.
Analysten haben sich in der Vergangenheit an der hohen Verschuldung von Fresenius gestört. Manche fürchten ein Klumpenrisiko in den USA, weil das Unternehmen dort die meisten Geschäfte macht.
Das ist kaum überraschend, weil Nordamerika der mit Abstand größte Gesundheitsmarkt der Welt ist. Schneider selbst rechnet sich die meisten Chancen in den
Schwellenländern aus. Der Bedarf an Dialyse, Krankenhäusern und Fusionslösungen
steige dort rapide, erklärte er im Mai.
Mit der teuren Forschung für neue Wirkstoffe hält er sich nicht auf. Generika, also
Nachahmerprodukte, sind die Produkte
der Wahl, die wegen der niedrigeren Preise
mehr Akzeptanz bei den staatlichen Finanziers der Gesundheit finden. Fresenius will
sich stärker auf Dienstleistungen für Patienten fokussieren, weil große Volkswirtschaften drei Viertel ihrer Gesundheitsausgaben in Krankenhäuser und ärztliche Behandlungen stecken. Arzneien und Medizinprodukte seien austauschbar, aber der
Service unverzichtbar und strategisch am
wichtigsten. Das sieht auch die Mehrzahl
der Analysten so, die Fresenius-Aktien
HELGA EINECKE
zum Kauf empfehlen.
München – Die Experten sind sich einig:
Diesen Sommer bleibt es ruhig im Deutschen Aktienindex – fast ruhig. Wäre da
nicht Anfang Juli der Börsengang von Osram gewesen, der Lichttochter des Dax-Urgesteins Siemens. Eine Osram-Aktie für
zehn Siemens-Titel bekamen die SiemensAktionäre am 8. Juli. Aus technischen
Gründen war Osram damit für einen Tag
das 31. Mitglied im Dax.
Dann fiel der Titel wieder raus und hat
nun allenfalls Chancen, in die zweite Börsenliga, den MDax, aufgenommen zu werden. Siemens dagegen war, ist und bleibt eines der Schwergewichte im Dax, egal, so
scheint es, welches und wie viele ihrer Geschäfte sie auslagern, etwa die Halbleiterund Technologieunternehmen Infineon
und Epcos zur Jahrtausendwende. Jetzt Osram. Zu 9,50 Prozent geht die tägliche Kursentwicklung der Siemens-Aktie derzeit in
die Berechnung des 30 Werte umfassenden Standardwertebarometers ein. Damit
ist der Titel nach den Daten der Deutschen
Börse von Ende vergangener Woche aktuell zweitschwerster Wert im Dax nach dem
Chemiekonzern Bayer mit 9,96 Prozent.
Mit mehr als zehn Prozent darf eine Aktie
nach dem Dax-Regelwerk ohnehin nicht
den Dax beeinflussen. Damit zog die Deutsche Börse schon vor Jahren die Konsequenz aus der einstigen Dominanz der
Deutschen Telekom im Index, die den Dax
im New-Economy-Boom zur Jahrtausendwende auf immer neue Höhen trieb.
Siemens nun wird zum nächsten IndexPrüfungstermin im September ein paar
zehntel Prozentpunkte an Gewicht einbüßen – weil dann erst die Auslagerung des
Lichtgeschäfts an Osram, das mit der Aktienausgabe einherging, technisch im Dax
nachvollzogen wird. Solche zeitverzögerten Anpassungen seien üblich in allen Kursbarometern der Deutschen Börse, „um die
Kontinuität in den Auswahlindizes wie
dem Dax zu wahren“, erklärt Thorsten
Grisse, Index-Spezialist bei der Commerzbank. Damit kommt die Börse Fondsmanagern und sonstigen Vermögensmanagern
entgegen, die mit ihren Produkten Indizes
nachbilden und durch die termingebundenen Index-Anpassungen nicht ständig Veränderungen an ihren Portfolios vornehmen müssen. Beim nächsten dieser sogenannten Index-Verkettungstermine am
3. Freitag im September können sie sich sogar besonders ruhig zurücklehnen. Denn
unter den MDax-Werten gibt es zurzeit
kein Unternehmen, das nach Börsenwert
oder Handelsumsatz der Titel an der Börse
zu den 30 größten deutschen Aktiengesellschaften gehört. Noch gibt es unter den etablierten Dax-Gesellschaften keine, die
nach den beiden Kriterien schlechter als
Rang 40 liegt. „Folglich steht auf Basis aktueller Daten kein regulärer Wechsel im
Dax an“ sagt Index-Experte Grisse.
Beim Kriterium des Börsenwertes wird
zudem nur die Anzahl der frei handelbaren
Aktien mal dem aktuellen Kurs zur Berechnung hergenommen. Das macht es Unternehmen mit hohem Festbesitz- oder Familienanteil besonders schwer, in die erste
Börsenliga aufgenommen zu werden. Für
schnell wachsende Überflieger oder Großunternehmen, die etwa im Zuge einer Privatisierung vom Staatsbesitz direkt an die
Börse gebracht werden sollen, gibt es neben dem regulären Index-Prüftermin im
September in den Monaten März, Juni, Dezember noch drei weitere Termine im Jahr,
um auf schnellerem Wege in den Index zu
gelangen. Dazu müssten sie allerdings sowohl nach dem Börsenwert als auch nach
den Handelsumsätzen mit der Aktie jeweils zu den besten 25 Gesellschaften im
Index gehören.
SIMONE BOEHRINGER
DEFGH Nr. 168, Dienstag, 23. Juli 2013
SPORT
HF3
27
AUF DER JAGD NACH DEM GRAND SLAM
Kopf! Nicht Zahl
VON RENÉ HOFMANN
P
hil Mickelson hat die British Open
gewonnen. Allen, denen das wenig
sagt, sei verraten: Phil Mickelson
ist ein ziemlich guter und bekannter GolfSpieler. Und die British Open sind ein
Turnier, wie es wenige gibt – ein sogenanntes Major. Beim Golfen ist es wie
beim Tennis: Weil jede Woche irgendwo
anders die Schläger geschwungen werden, interessieren letztlich nur die wichtigen Titel. Und es gibt ein beliebtes Ratespielchen. Die Frage dafür lautet: Gelingt
einem der Grand Slam? Das ist der Fall,
wenn alle großen Titel in einem Jahr an
den gleichen gehen. Das kommt vergleichsweise selten vor. Häufiger ist da
schon der Karriere-Grand-Slam.
Phil Mickelson ist ein heißer Kandidat
für einen Karriere-Grand-Slam. Drei der
vier Major-Titel hat er schon gewonnen.
Mit 43 Jahren hält er den Schläger noch
fest in der Hand. Und bei dem einzigen
wichtigen Turnier, bei dem er noch nicht
triumphiert hat, der US Open, war er
schon sechsmal Zweiter. Noch bevor
Mickelson am Sonntagabend in Schottland die Rotweinkanne überreicht bekam, die es für den Sieger der British
Open gibt, brach deshalb eine Diskussion
los: Muss der Amerikaner auch die letzte
Trophäe gewinnen, die ihm noch fehlt?
Oder darf er auch jetzt schon als einer der
ganz Großen seines Sports gelten?
Über solche Fragen lässt sich gut streiten. Weil es keine eindeutige Antwort
gibt. Aber auch, weil hinter ihnen eine
Sehnsucht steckt: Der Wunsch, sportliche
Leistungen über Epochen hinweg vergleichen und einordnen zu können. Wer war
der bessere Rennfahrer: Ayrton Senna
oder Michael Schumacher? Wie viele Titel
hätte Roger Federer wohl gewonnen,
wenn er mit dem Holzschläger von Rod
Laver angetreten wäre? Und auf wie viele
wäre der Australier wohl gekommen,
wenn es zu seiner Zeit schon eine ähnlich
starke Konkurrenz gegeben hätte, wie sie
Federer jeden Tag erlebt? Die Zahlen
helfen, die Dimension einer Figur zu erfassen – ein Zufalls-Sieger wird nie einen
Grand Slam zustande bringen. Sie sagen
aber keineswegs alles aus. Auch Köpfe,
die nicht Siege in Serie sammeln, können
einen Sport in eine neue Richtung lenken
oder prägen, ihm helfen, ein anderes
Publikum zu gewinnen. Tiger Woods hätte das erreicht, auch wenn er nicht alle
Major-Titel gewonnen hätte. Bei Phil
Mickelson ist das nicht unbedingt der
Fall. Er ist einfach ein guter Golfspieler.
Gut Holz
British-Open-Sieger Mickelson hat noch eine offene Rechnung
Muirfield – „Es hat eine Weile gebraucht,
bis ich verstanden habe, wie das funktioniert“: Phil Mickelsons Beziehung zu dem,
was sich Linksgolf nennt, ist kompliziert.
Linksgolf wird auf Plätzen gespielt, die in
den Dünen liegen, die das Meer mit dem
Ackerland verbinden („to link“ heißt auf
Deutsch „verbinden“). Beim Golfen in einer solchen Umgebung sind besondere Fähigkeiten gefragt: Konzentration und Präzision. Ein misslungener Schlag – und der
Ball landet im hohen Gras. Vor allem in
Muirfield, wo bis Sonntagabend die British
Open stattfand, ist das so. Dort sind die
Spielbahnen besonders eng, das Gras
gleich daneben ist besonders hoch, und die
Sandbunker sind extra tief. „Es ist so
anders als das, was ich gelernt habe, als ich
aufgewachsen bin“, sagte Phil Mickelson,
nachdem er mit einer außerordentlichen
Schlussrunde den führenden Engländer
Lee Westwood abgefangen und den Schweden Henrik Stenson mit drei Schlägen
Rückstand auf Platz zwei verwiesen hatte.
281 (69/74/72/66): Die nüchternen Zahlen lassen nicht ahnen, was für eine Geschichte hinter dem Triumph steckt.
Mickelson ist 43. Geboren wurde er in San
Diego in Kalifornien. Mickelson ist immer
ein Zauberer mit dem Wedge gewesen. Die
Schläger mit den Eisenköpfen gehorchten
„Nie gedacht,
dass ich die
Schläge für
einen so anspruchsvollen
Kurs im Repertoire habe“:
Phil Mickelson.
FOTO: FRANKLIN/GETTY
ihm. Rund um das Grün konnte er den Ball
im hohen Bogen in jeder Variation nah an
die Fahne schicken. Die Sache ist nur: Auf
Plätzen wie in Muirfield ist genau das nicht
gefragt. In den Dünen am Meer ist, vor
allem wenn der Regen ausbleibt und die
Spielbahnen trocken und hart werden, der
rollende Ball wichtig. Mickelsons Bilanz
bei der British Open war deshalb bis Sonntag kläglich gewesen. 19 Starts, nur drei
Top-Ten-Platzierungen. Im vergangenen
Jahr hatte Mickelson sogar den Cut verpasst und auf den entscheidenden zwei
Runden gar nicht mehr mitspielen dürfen.
Mickelson aber ist ein Kämpfer und ein
Tüftler. Erst vor Kurzem hat er sich im Garten seines Hauses in Kalifornien eine komplette neue Übungsanlage installieren lassen. Mitunter entdeckt Mickelson auch
mitten im Turnier etwas. Am Sonntag ist
das so gewesen, als er plötzlich einen ganz
neuen Schlag für sich entdeckte. Mit einem Holz 3 schickte er den Ball am 17. Loch
auf Reisen. Nicht hoch, sondern vergleichsweise flach. 518 Meter ist die Bahn lang,
mit zwei Schlägen schoss Mickelson den
Ball wie eine Rakete aufs Grün. Als er die
Bahn mit einem Birdie (ein Schlag unter
Par) verließ, wusste er, dass er das Turnier
im Griff hatte. Besser hätte Mickelsons
Timing kaum sein können: Am entscheidenden Tag glückte ihm mit 66 Schlägen
die beste Runde des Turniers. Auf den letzten sechs Löchern spielte er vier Birdies.
Vor allem für einen Rivalen war die
Niederlage besonders bitter: Lee Westwood. Der 40-Jährige versuchte zum
62. Mal bei einem Major-Turnier zu einem
Sieg zu kommen. Der local hero aber scheiterte erneut. An seinen eigenen Fehlern,
die ihm eine 75er-Runde zum Abschluss
einbrachten. Und an der grandiosen Leistung von Phil Mickelson, womit sich eine
Parallele zum US Masters vor zwölf Jahren
auftat. 2001 war Westwood in Augusta
ebenfalls als Führender auf die Schlussrunde gegangen und hatte dort mit 71 Schlägen seine gute Ausgangsposition verspielt,
während Mickelson furchtlos attackiert
und mit einer 67er Runde den Triumph an
sich gerissen hatte. Es war damals sein dritter Major-Titel gewesen. Inzwischen hat er
deren fünf. Die Zahl hätte er auch vor sechs
Wochen schon erreichen können. Damals
war Mickelson bei der US Open aber nur
Zweiter geworden – zum sechsten Mal.
Selten, so gibt Mickelson zu, sei er ähnlich deprimiert gewesen. „Aber nachdem
ich so down war, habe ich mir gedacht,
dass es ja auch in die andere Richtung gehen kann. Ich dachte mir, dass ich eigentlich richtig gutes Golf spiele. Mit das beste
Golf meiner Karriere. Und ich wollte mir
nicht selbst mögliche Siege in diesem Jahr
verbauen. Also habe ich ein bisschen härter gearbeitet, das Ganze als Motivation genutzt.“ Der Sieg bei der Scottish Open in
Castle Stuart vor einer Woche gab ihm
Selbstvertrauen. Jetzt wird er in der Weltrangliste auf Platz zwei geführt – hinter
Tiger Woods, der in Muirfield mit einer
74er Schlussrunde Sechster wurde.
Mickelsons nächstes Ziel? Den sogenannten Karriere-Grand-Slam zu komplettieren. Drei der vier Major-Titel hat er gewonnen, seit er vor 21 Jahren Golfprofi wurde. Um die Sammlung zu vervollständigen,
fehlt ihm noch die US Open. „Das wäre ein
Zeichen für einen kompletten Spieler“,
weiß Mickelson selbst. Bisher gelang das
erst fünf Profis: Gene Sarazen, Ben Hogan,
Gary Player, Jack Nicklaus und Tiger
PETRA HIMMEL
Woods.
Die Tour ehrt ihre Sieger, diesmal nachts: den Zweiten Nairo Quintana, Sieger Christopher Froome und den Dritten Jouaqin Rodriguez (von links).
FOTO: DOUG PENSINGER/GETTY
Krönung auf den letzten Metern
Mit dem Sieg auf den Champs-Élysées hat sich Marcel Kittel zum Tour-Abschluss an die Spitze der Sprinter gesetzt.
Er vertritt eine Generation junger Radprofis, die mit dem Betrugsproblem in ihrem Sport offen umgehen
VON ANDREAS BURKERT
Paris/Annecy – Wirklich schöne Bilder
hat die 100. Tour de France zum Abschied
produziert. Beeindruckende Aufnahmen
von den zehn Ehrenrunden über die
Champs-Élysées gingen um die Welt, erstmals führte die Route im Abendlicht entlang der Seine, vom Concorde hinauf zum
Triumphbogen, der diesmal sogar umkreiselt wurde. Und dann gab es ja noch den finalen Sprint zwischen den drei schnellsten
Männern des Pelotons, Urkräfte hämmerten sie nach der letzten Kurve in die Pedale; dass das Material heil blieb, war erstaunlich. Marcel Kittel, 25, beschrieb das Finale
später aus seiner Sicht, „ich habe das Ding
von vorne genommen und als André etwa
auf Tretlagerhöhe war, habe ich noch einmal nachgelegt und alles aus meinem Körper rausgeholt, was noch irgendwo in den
letzten Ecken zu finden war“. Genau so
muss es gewesen sein.
Einen deutschen Doppelsieg auf den
Champs hat es noch nicht gegeben, aber
André Greipel, der Zweitplatzierte aus Rostock, war trotzdem mies gelaunt. Als er
durchs Ziel schoss, knapp hinter Kittel,
ließ er den Kopf gen Lenker baumeln, er
fluchte. Es wird den 30-Jährigen wohl
auch nicht trösten, dass er aus nächster Nähe einer Machtübernahme beiwohnte: Der
britische König des Sprints, in den vergangenen vier Jahren bei der inoffiziellen
Sprint-Weltmeisterschaft von Paris siegreich – er ist jetzt erst mal abgesetzt.
Mark Cavendish, 28, der dralle Kraftprotz von der Isle of Man, hat sich lange dagegen gewehrt. Genau genommen drei Wochen, eine Tour lang. Beim Start auf Korsika hatte Marcel Kittel ja noch davon profitiert, dass die Konkurrenz in einen Massensturz verwickelt gewesen war, was seine
Freude an seinem ersten Etappensieg bei
der Frankreich-Rundfahrt und einem Tag
im Gelben Trikot aber mitnichten schmälerte. Auf der zehnten Etappe, an der Bretagneküste von Saint-Malo, siegte Kittel
vor Greipel; Cavendish hatte zuvor Kittels
Anfahrer Tom Veelers auf den Asphalt gerempelt und seinen Ruf als Rowdy bestä-
tigt. Am nächsten Tag revanchierte sich Cavendish jedoch eindrucksvoll, indem er die
richtige Fluchtgruppe erwischte und in Abwesenheit der deutschen Konkurrenz seinen insgesamt 25. Etappenerfolg bei der
Tour einfuhr. Auf dem zwölften Abschnitt
nach Tours ging es dann aber erstmals
Mann gegen Mann, ein Sprint royal: alle
Raser dabei – Kittel vor Cavendish.
Auf die Champs nun bog Kittel als Zweiter auf die lange Zielgerade ein, Greipel
kam auf, Cavendish wehrte sich, er trat so
feste, dass sein Hinterrad am Ende kurz abhob von den Pflastersteinen. Aber Kittel
hielt das Rad vorn, 1,88 Meter ist er groß
und 85 Kilo schwer: made in Thüringen.
Vier Etappen hat er nun bei seiner zweiten Tour gewonnen (2012 musste er früh
verletzt aufgeben). Und klar auch das Duell
mit Cavendish: vier zu zwei. Jetzt regiert er
den Sprint. Stolz und auch ungläubig
stand er auf dem berühmten Podium im
Die schnellsten Beine auf zwei Rädern:
FOTO: DPA
Marcel Kittel aus Thüringen.
Scheinwerferlicht, „ein Sieg auf den
Champs-Élysées ist der absolute Wahnsinn“, sagte er anschließend, „ein Traum
ist für mich in Erfüllung gegangen“.
Dem deutschen Radsport kann wohl im
Moment nicht viel Besseres passieren als
Grundsatzurteil im Fall Erfurt
Der oberste Sportgerichtshof Cas hat ein
Grundsatzurteil zum Blutdoping gefällt.
Demnach war die UV-Bestrahlung von Blut
vor 2011 keine verbotene Methode, sofern
sie nicht zur Erhöhung des Sauerstofftransfers führte, fanden die Sportrichter im „Fall
Erfurt“. Lars Mortsiefer, Vorstand der Nationalen Anti-Doping-Agentur Nada, sagte der
dpa: „Es gibt jetzt eine klare Sicht auf die Dinge.“ Die Nada hatte den Fall eines 2012 vom
Deutschen Sportschiedsgericht DIS freigesprochenen Radsportlers vor den Cas gebracht, um die Rechtslage zu der Behandlung für die Zeit vor 2011 zu klären. Der Cas
sprach den vom Erfurter Arzt Andreas Franke behandelten Athleten frei und hielt fest,
dass es sich bei der UV-Behandlung von Blut
mit folgender Reinjektion nicht um eine verbotene Methode gemäß der seinerzeit geltenden Wada-Verbotsliste handelte.
Die in Artikel M 1.1 der Wada-Verbotsliste
genannten Formen des Blutdopings seien
nur insoweit verboten, als sie den Sauerstofftransfer verbessern. Dies sei hier aber nicht
erwiesen, weshalb keine verbotene Methode vorliege. Das damalige Wada-Regelwerk
hat demnach nicht die Entnahme von Blut
und dessen Rückführung nach einer UV-Behandlung verboten; die Dopingfahnder stellten sich durch laxe Regelformulierungen
selbst ein Bein. Laut Cas hat der Athlet weder fahrlässig noch vorsätzlich gehandelt.
Auch habe keine verbotene Infusion stattgefunden, sondern eine Injektion. Die Nada
prüft, ob sie mehr Prozesse zur „Causa Erfurt“ einleiten wird. Für die Zeit ab Januar
2011 ist die Rechtslage geklärt, hier ist die
Methode durch die damals gültige Regel
M 2.3 der Verbotsliste erfasst. Daher hatte
die Nada die Fälle des Radsportlers und einer
Eisschnellläuferin vor das DIS gebracht. In
beiden Fällen wurde die UV-Behandlung
nach dem 1. Januar 2011 als verboten klassifiziert, ein Verschulden der Athleten aber verneint. Der Cas setzte sich mit dem Urteil
auch über Wada-Chef John Fahey hinweg,
der die in Erfurt geübte Bestrahlung auch
vor 2011 für verboten hält.
SZ, DPA
Kittel: Der beste deutsche Tour-Profi belegte im Endklassement Platz 166, mehr als
vier Stunden hinter dem britischen Gipfelstürmer Christopher Froome – und nur
vier Ränge und ein Viertelstündchen von
der lanterne rouge entfernt, dem Letzten.
Seine stattliche Statur hat er irgendwie
über die Berge gewuchtet – und in der Ebene eine neue Stufe erreicht.
Bis 13 ist Kittel Leichtathlet gewesen bei
der SG Motor Arnstadt, ehe er aufs Rad
stieg. Auf dem Erfurter Sportgymnasium
und im Thüringer Nachwuchsteam Energie entwickelte sich ein Zeitfahrweltmeister der Junioren (2005 und 2006). 2011 begann er als Profi in jener niederländischen
Mannschaft, dessen Zugpferd er jetzt ist.
17 Sprintsiege schaffte er im Debütjahr, die
bisher beste Bilanz eines Neu-Profis überhaupt. Von Beginn an verstand sich der
Blondschopf aber auch als Botschafter einer jungen Generation, die sich aus den
Trümmern der Jan-Ullrich-Ära erhebt. Er
echauffierte sich etwa im Herbst öffentlich
über Alberto Contador, der dem DopingChampion Lance Armstrong bis zuletzt
das Wort redete („da wird mir schlecht“);
in diesem Frühjahr nahm er sich den Gewinner der Türkei-Rundfahrt Mustafa Sayar vor („noch nie so sauer über das Resultat
eines anderen“) – der Türke war 2012 Drittletzter der Rundfahrt geworden und diesmal über schwerste Berge geschwebt.
Vor einer Woche, am zweiten Ruhetag
der Tour, kam dann diese Nachricht: Sayar
positiv getestet. Epo.
Mit einer auch ihn betreffenden Affäre
ist Kittel zudem sehr offen umgegangen;
der umstrittene Arzt am Olympiastützpunkt hatte ihn als Teenager nach einer Erkrankung der inzwischen verbotenen UVBlutbehandlung unterzogen. Kittel erklärte sich als Erster zu Beginn des nun wohl geklärten Vorgangs (siehe links). Kittels Auftritt ist unverändert klar geblieben in der
Sache, und er stimmt auch nicht ein in die
mitunter peinliche Larmoyanz derjenigen,
die den Radsport für übertrieben kritisiert
halten: „Dass das große Thema Doping angesprochen werden muss“, sagt er, „ist mir
ganz klar, das muss so sein.“
Mit den Stelzen von London
Auch ein Jahr nach den Paralympics tut sich der Weltverband IPC schwer, seine Wettkämpfe gerechter zu gestalten. Bei der Leichtathletik-WM rennt Sprinter Alan Fonteles Oliveira allen davon
Lyon – Das Leben spinnt, so muss es dem
Prothesensprinter Alan Fonteles Oliveira
aus Brasilien manchmal vorkommen.
Noch vor einem Jahr sah er regelmäßig die
Karbon-Fersen des Amputierten-Idols Oscar Pistorius vor sich, wenn er rannte.
Dann legte er ein Paar neuer Waden an und
sauste bei den Paralympics von London
vor 80 000 Zuschauern im 200-Meter-Finale an Pistorius vorbei zu Gold. Trubel,
Schlagzeilen, hoheitlicher Zorn vom Verlierer. Und jetzt? Pistorius ist weg. Er ist daheim in Südafrika und wartet ab, was der
Mordprozess gegen ihn bringt, nachdem
er seine Freundin Reeva Steenkamp in einer dunklen Februar-Nacht erschossen
hat. Oliveira ist das Idol, er steht im Mittelpunkt. Und ungefährdet flitzt er voraus:
Die 200 Meter am Sonntagabend bei der
WM in Lyon hat er in 20,66 Sekunden gewonnen. Weltrekord, fast olympiatauglich. Ist Oliveira der neue Pistorius?
Die besten Leichtathleten der paralympischen Welt sind wieder zusammengetreten. Seit Freitag halten sie im Rhône-Stadion von Lyon ihre Weltmeisterschaften ab.
Es sind beschauliche Titelkämpfe vor niedrigen Tribünen, liebevoll inszeniert und
wohlwollend betrachtet von ein paar tausend Zuschauern, die bei freiem Eintritt
die schattigen Plätze besetzen. Kein Vergleich zu den schillernden Paralympics
2012. Aber Größe ist ja nicht alles, man
kann sich hier in Ruhe ein Bild machen davon, wie es weitergegangen ist in der ParaLeichtathletik, die in London nicht nur hinreißende Live-Übertragungen erlebte, sondern auch Diskussionen über Material,
Chancengleichheit und Reglements.
Das Londoner Medien-Ereignis hat ein
paar Problemfelder an die Oberfläche gespült, die sonst in der Anonymität des Behindertensports untergingen. Es ist nun
mal nicht einfach, Sportler mit verschiedenen Handicaps in übersichtliche Wettkampfformate zu bringen, die allen eine
faire Chance bieten. Es gab Kritik an
Punkt- und Verrechnungssystemen. Und
gerade der Oliveira-Sieg zeigte, dass das
Material-Reglement unreif ist: Der doppelt unterschenkelamputierte Oliveira
rannte mit verlängerten Karbon-Prothesen, die ihm einen biomechanischen Vorteil gegenüber Pistorius zu bringen schienen, dessen Kunstfüße die natürlichen Körperproportionen nachempfinden. Die Fra-
20,66 Sekunden über 200 Meter: OliveiFINNEY/GETTY
ra läuft Stelzen-Weltrekord.
ge wurde groß: Gewinnt nach den aktuellen Regeln der bessere Läufer oder der Läufer mit den besseren Prothesen?
Es gibt was nachzubessern, das hat das
Internationale Paralympische Komitee
(IPC) verstanden. Bei seiner Experten-Konferenz Vista Anfang Mai in Bonn sagte der
Sportphilosoph Ivo van Hilvoorde: „Ich
glaube, die paralympische Bewegung steht
am Scheideweg.“ Er forderte einen „klaren
konzeptionellen und sportethischen Rahmen“, um der modernen Paralympia-Welt
gerecht zu werden. Und daran arbeitet das
IPC jetzt.
Allerdings ohne sich hetzen zu lassen. In
Lyon ist von Reformen noch nicht viel zu
sehen. Oliveira rennt weiterhin auf seinen
Stelzen von London. Strengere Standards
für Prothesen gibt es noch nicht, was IPCSprecher Craig Spence so pflichtschuldig
verteidigt, dass er manchmal in schiefe Vergleiche abdriftet: „Nehmen Sie Fußball, es
gibt da keine Regel, die besagt, jeder Spieler muss die gleichen Fußballschuhe tragen.“ Dabei tüfteln Wissenschaftler längst
an einer Formel für fairere Prothesen-Maße. Die Berechnungen sind nur etwas kompliziert, IPC-Leichtathletik-Manager Ryan
Montgomery geht davon aus, dass das Projekt „in den nächsten zwölf bis 18 Monaten“ abgeschlossen ist. Und dann? Kommt
die Einheitsprothese? Kaum, sagt Montgomery: „Jede Person ist einzigartig, was
dem einen passt, passt vielleicht dem anderen nicht.“ Der oberschenkelamputierte
Paralympics-Sieger Heinrich Popow, in
Lyon Dritter im Weitsprung, erklärt: „Eine
Prothese ist ein Körperteil. Das kann man
nicht reglementieren wie ein Sportgerät.“
Und das Punktesystem? Nachdem zum
Beispiel die deutsche Kugelstoßerin Martina Willing, 53, in Lyon trotz geringerer Weite (9,03 Meter) Gold vor der leichter behinderten Algerierin Nadia Medjmedj (9,60)
gewann? Montgomery sagt: „Jedes Koeffizienten-System wird immer Kritik auf sich
ziehen, weil manche finden, dass es einen
Vorteil für die jeweils andere Wettkampfklasse bedeutet.“ In Rio soll es deshalb keines mehr geben. Schon in Lyon stehen einzelne Klassen für sich, die vorher mit anderen zusammengelegt waren. Bei den Paralympics 2016 sollen alle Zusammenlegungen abgeschafft sein. Das IPC will deren
Programm kurz nach der WM herausgeben, so früh wie nie. Denn die Reform hat
Folgen: Es gibt sieben Disziplinen mehr, andere fliegen raus. „Mancher Athlet könnte
feststellen, dass seine Disziplin nicht mehr
da ist“, sagt Craig Spence, „aber der hat
drei Jahre Zeit, sich nach einer neuen umzuschauen.“ Manche schulen schon um,
der unterschenkelamputierte Speerwerfer
Ronald Hertog aus den Niederlanden zum
Beispiel startete in Lyon über 200 Meter.
Die Zukunft des paralympischen Sport
beginnt also etwas später. Für Oliveira ist
das gut. Wer weiß, ob er unter neuen Prothesenregeln den Pistorius-Weltrekord
von 21,30 Sekunden so stark verbessert
hätte. Die Olympia-Frage lag nach seinen
20,66 nahe, aber Oliveira sagt, er habe „keine Pläne“, wie Pistorius auch mal bei den
anderen Sommerspielen zu starten. Er
weiß bestimmt, dass Pistorius‘ OlympiaStartrecht an dessen relativ konventionelle Karbonfüße gebunden war. Und Alan Oliveira ahnt bestimmt auch, dass das IPC
ihm bald die Beine kürzen könnte – sofern
vor Rio nicht ein paar sportpolitische Kräfte wirken. David Behre aus Leverkusen, bei
Oliveiras Weltrekordlauf Dritter in 23,45
Sekunden, lächelt und sagt: „Lassen wir
uns überraschen.“
THOMAS HAHN
28
SPORT
2MG
Im Sog der
Konkurrenten
Thomas Lurz steckt für Silber über
10 km viele Schläge und Tritte ein
Barcelona – Thomas Lurz musste für dieses WM-Silber mit Striemen, Kratzern und
blauen Flecken bezahlen. „Es war ein harter Kampf. Es war ein sehr hartes Rennen,
sicherlich eines der härtesten überhaupt“,
sagte der gezeichnete Würzburger am
Montag nach seiner zweiten Medaille bei
der Schwimm-WM in Barcelona. 48 Stunden nach WM-Bronze über fünf Kilometer
war er auch über die doppelte Distanz wieder bei der Siegerehrung dabei. Zunächst
war er buchstäblich untergangen und fand
sich nach Prügeln und Schlägen aus dem
Mammutfeld der 66 Teilnehmer im wie
kochendes Wasser aussehenden Hafenbecken auf Platz 31 wieder. Mit großem
Kämpferherz arbeitete sich der OlympiaZweite fast noch ganz nach vorn und
schnappte sich sein 28. Edelmetall bei internationalen Großereignissen. Wie vor
zwei Jahren bei der WM in Shanghai musste sich Lurz nur Titelverteidiger Spyridon
Gianniotis geschlagen geben. „Er ist ein
Topschwimmer seit zehn Jahren, dem gönne ich es“, sagte er über den Griechen.
Dienstag, 23. Juli 2013, Nr. 168 DEFGH
Durch die Mauer der Schmerzen
Trainer Gislason will Finanzprobleme lösen
Ein Weltmeistertitel im Turmspringen? Wegen der Dominanz der Chinesen galt das bisher als unerreichbar.
Doch Sascha Klein und Patrick Hausding nutzen in Barcelona die Gunst der Stunde
VON CLAUDIO CATUOGNO
Barcelona/München – Am Abend sind die
beiden noch einmal die zehn Meter hinaufgestiegen, und der Blick ist ja auch wirklich atemraubend von dort oben: Die Dächer von Barcelona im Abendlicht, mittendrin die ewige Baustelle der Sagrada Familia mit ihren Kuppeln und Kränen, dahinter das katalanische Hügelland. Nirgendwo vermittelt sich die Ästhetik des Turmspringens auf vergleichbare Weise wie auf
dem Montjuic von Barcelona. Nirgendwo
sieht es so leicht aus, sich beispielsweise
mit einem dreieinhalbfachem Rückwärtssalto in die Tiefe zu stürzen. Nirgendwo
trügt der Schein so wunderschön wie hier.
Aber die Goldmedaillen um ihren Hals,
die sind dann doch ganz real gewesen,
Sascha Klein, 27, hält seine zwischen Daumen und Zeigefinger, Patrick Hausding,
24, ballt dazu seine Faust. Gesprungen ist
dann keiner der beiden, sie sind die zehn
Meter wieder heruntergeklettert, und
Hausding hat das Erinnerungsfoto später
auf seine Facebook-Seite gestellt. Zur
Dokumentation eines dieser Momente, die
man im Sport historisch nennt.
Nie zuvor hat es in der spektakulären
olympischen Nischensportart Wasserspringen einen deutschen Weltmeister gegeben, jedenfalls nicht bei den Männern,
und auch bei den Frauen erst ein einziges
Mal: 1973 siegte die DDR-Springerin Chris-
ta Köhler vom Drei-Meter-Brett. Und nun:
der Berliner Hausding und der Dresdner
Klein – Weltmeister im Synchronspringen
vom Zehn-Meter-Turm! Der Königsdisziplin! Für Lutz Buschkow, der vor einigen
Jahren im Deutschen Schwimm-Verband
auch deshalb zum Leistungssportchef aufstieg, weil es in seiner Wassersprung-Sparte schon lange vorbildlich läuft, ist das jetzt
„ein sehr besonderer Moment“. Medaillen
haben seine Springer in den letzten 20 Jahren zwar immer wieder mal gewonnen bei
großen Wettkämpfen, und dass Hausding
und Klein, die seit 2007 zusammen antreten, zu den weltbesten Synchronspringern
zählen, das war auch hinreichend bekannt:
Bei der WM 2011 in Schanghai holten sie Sil-
„Das hatte am Anfang mit
Schwimmen nichts zu tun.“
Dritter wurde Olympiasieger Oussama
Mellouli aus Tunesien, den Lurz anders als
im 5-km-Rennen nicht mehr vorbei ließ:
„Ich wusste, auf den zehn Kilometern sieht
die Welt anders aus.“ Es war die dritte deutsche WM-Medaille in Barcelona nach Gold
für die Turm-Springer sowie eben Bronze
des 33-Jährigen über die fünf Kilometer.
Christian Reichert belegte Rang neun. Freiwasser-Bundestrainer Stefan Lurz lobte:
„Es war an der absoluten Grenze, was sein
Körper hergab. Ich ziehe den Hut vor meinem Bruder, ich bin wirklich stolz.“ Thomas Lurz habe „eines der interessantesten
und besten Rennen“ der Karriere gezeigt.
Das Renntempo war sehr hoch, trotz der
Mittagshitze war das Feld schon bei Halbzeit schneller unterwegs als bei der Endzeit über fünf Kilometer. Der enge und
winklige Kurs war überhaupt nicht nach
Lurz’ Geschmack, der mehrmals behindert wurde. „Zwei, drei Schwimmer sind in
meine Hüfte geschwommen, das ist wie
ein Magnet, man kommt da nicht raus“, erklärte er und übte Kritik an der Organisation. „Das hatte am Anfang mit Schwimmen
nichts zu tun. Man muss das ändern. Das
ist auch nicht so ungefährlich, wenn man
an den Bojen einen Schlag abbekommt. So
ein Kurs bei so vielen Teilnehmern ist unmöglich.“ Besonders an den Wenden kam
es zu Gerangel.
Am Donnerstag, nach zwei Tagen Regeneration, tritt Lurz zum Team-Rennen
über fünf Kilometer an. Dabei gehen pro
Nation zwei Männer und eine Frau auf die
Strecke. Weitere Blessuren sind also nicht
zu erwarten, dafür eventuell im Marathon
über 25 Kilometer am Samstag. Einen erstmaligen WM-Start über diese Distanz hat
Lurz nicht ausgeschlossen.
DPA
Weltliga für Handball
Synchron bis ins letzte Detail: Die Springer Sascha Klein (links) und Patrick Hausding haben gerade mit einem Tempo von
etwa 60 Kilometern pro Stunde die Wasseroberfläche durchbrochen, es hat dabei kaum gespritzt – das ist der beste Beleg für
einen perfekt ins Becken gezauberten Sprung.
FOTO: PATRICK B. KRAEMER/DPA
ber, wie auch 2008 bei Olympia in Peking.
Aber jenseits der Silbermedaille prallten
sie immer gegen eine Art chinesische Mauer. In Schanghai gewannen die Chinesen
von zehn Sprung-Wettbewerben zehn. In
Peking gewannen sie genau einen nicht –
das kam fast einer Staatskrise gleich.
„Einmal die Chinesen schlagen“, das
war quasi das alles überstrahlende Motto
in den vergangenen Jahren. Und dafür haben auch Klein und Hausding sehr viel unerbittlicher gearbeitet, als es die schönen,
leichten Bilder vor der Sagrada Familia erahnen lassen. Oft hat es weh getan, und
zwar nicht nur, wenn mal wirklich etwas
richtig schief lief wie im vorigen Frühjahr
in Rostock, als Hausding beim dreieinhalbfachen Auerbach die Orientierung verlor
und mit 60 Kilometern pro Stunde aufs
Wasser prallte, Bauchdecke voraus. „Da
waren sogar die Kniegelenke blau, das war
interessant, dass das möglich ist.“ Irgendwie verletzt ist man als Wasserspringer eigentlich immer, bei Hausding sind es die
Schulter, der Daumen (zu großer Abspreizwinkel beim Eintauchen) und „eigentlich
alle Bänder“, bei Klein waren es zuletzt
Rückenprobleme, die das gemeinsame
Training erschwerten, in der Woche vor
der WM zerrte er sich noch den Trizeps.
Der Weg zu diesem WM-Titel, er war eine Reise durch die Welt der Schmerzen.
Und es war nicht sehr wahrscheinlich, dass
sie eines Tages zum Ziel führen würde.
Zunächst auch diesmal nicht.
Chinas Duo, die Olympiasieger Cao
Yuan und Zhang Yanquan, bekamen schon
für die beiden Pflichtsprünge mehrmals
die Traumnote „10“, die Chinesen setzten
sich gleich an die Spitze – bis zum vierten
der sechs Sprünge, dem dreieinhalbfachen
Salto rückwärts gehechtet. Der ging daneben, „und dann ist das wie bei einem kleinen Fahrfehler“ beim Skifahren oder Autorennen, sagt Lutz Buschkow: „Das wirft
dich weit zurück.“ Die Chinesen fanden
sich also plötzlich auf Rang vier wieder.
Hausding und Klein sprangen einfach weiter. Den dreieinhalbfachen Auerbach gehockt. Den zweieinhalbfachen Rückwärtssalto gehechtet mit zweieinhalb Schrauben, höchste Schwierigkeitsstufe. „Sascha
hat mich dann gefragt, wer führt eigentlich“, schilderte Hausding später den Moment, der aus Silber Gold werden ließ: „Da
hab’ ich gesagt, dreimal darfst du raten.“
461,46 Punkte hatten sie am Ende gesammelt, das war dann sogar ein beachtlicher
Abstand auf die Russen Wiktor Minibajew/Artem Schesakow (445,95) und die bitter enttäuschten Chinesen (445,56).
Tja, und nun? Müsste eigentlich auch
Buschkow vom Zehn-Meter-Turm springen, das hatte er im Scherze versprochen
für den Fall einer Goldmedaille. Ist aber
nicht so einfach, sagt er, die Sicherheitsbestimmungen des Veranstalters, „ich riskiere da meine Akkreditierung“. Und außerdem ist es da oben halt nicht nur sehr
schön. Sondern auch „verdammt hoch“.
Geschichtsstunde in Kalifornien
Als erster deutscher Motorradfahrer seit 24 Jahren belegt Stefan Bradl in der höchsten Kategorie einen Podestplatz – für seine Zukunft ist der Erfolg wichtig
Laguna Seca – Stefan Bradl aus Zahling
bei Augsburg hat deutsche MotorsportGeschichte geschrieben. Beim Rennen auf
dem Laguna Seca Raceway in Kalifornien,
dem neunten von 18 Wettbewerben der
Motorrad-WM 2013, belegte der 23-Jährige am Sonntagabend den zweiten Platz in
der höchsten Kategorie MotoGP hinter
dem Spanier Marc Marquez. Für Bradl war
es das erste Mal, dass er in dieser Klasse an
einer Siegerehrung teilnehmen durfte. Viele Deutsche haben das vor ihm nicht erreicht. Der letzte, der es so weit gebracht
hatte, war vor 24 Jahren Michael Rudroff
in San Marino gewesen. Der Grand Prix damals war allerdings von vielen Fahrern boykottiert worden. Nach einem Rennen gegen die gesamte Konkurrenz war zuletzt
1974 ein Deutscher mit Champagner geduscht worden: Dieter Braun als Dritter in
Spa-Francorchamps/Belgien.
„Mir fällt ein großer Stein vom Herzen.
Das war ein fast perfektes Wochenende“,
sagte Bradl im Interview mit dem TV-Sen-
der Sport1. Für das Rennen hatte Vater Helmut Bradl eine Ausnahme gemacht:
Eigentlich will der 51-Jährige, der 1991 WMZweiter in der Klasse bis 250 Kubikzentimeter Hubraum war, seinen Sohn nicht
mehr auf weiten Reisen begleiten. In Laguna Seca aber war er dabei. „Ich freue mich,
dass der Papa hier ist, und wir dieses
Ergebnis zusammen feiern können“, sagte
Stefan Bradl: „Das tut unbandig gut.“
Bereits in der Qualifikation hatte Bradl
Aufsehen erregt: Ihm war die Bestzeit geglückt, weshalb er erstmals von der Pole
Position aus in ein MotoGP-Rennen gehen
durfte. Bradl startete gut. Wie beim Heimrennen auf dem Sachsenring eine Woche
zuvor ging er in Führung. 19 Runden lang
hielt er sich dort. Erst dann zog Marquez
auf seiner Werks-Honda vorbei. Der
20-Jährige, der die WM-Wertung nun mit
163 Punkten vor seinem Landsmann Daniel Pedrosa (Honda/147) anführt, demonstrierte in Laguna Seca erneut, warum er als
Wunderkind gilt: In der berühmten und be-
rüchtigten Bergab-Passage, die den Namen „The Corkscrew“ (der Korkenzieher)
trägt, zwängte Marquez sich in der dritten
Runde an dem zu diesem Zeitpunkt zweitplatzierten Routinier Valentino Rossi vorbei. Der Clou an der Aktion: Beide Fahrer
kamen bei ihr von der Rennstrecke ab.
Der Teamchef ist angetan und
will mit Bradl schnell einen
neuen Vertrag schließen
Marquez bewies dabei Fahrgefühl, Nervenstärke und Entschlossenheit. Obwohl
beide Räder seiner Maschine durch den
Staub und den Kies rauschten, die hinter
den Randsteinen liegen, blieb er fest im
Sattel und lenkte scheinbar gelassen dorthin zurück, wo er die Bradl-Jagd auf sicherem Grund fortsetzen konnte. Wenig später schnappte er sich auch den Führenden.
„Als mich Marc eingeholt hat, habe ich
gesehen, dass er besseren Seitengrip hatte
als ich. Ich habe mich nachher darauf konzentriert, Platz zwei und mein erstes
Podest heimzubringen“, sagte Bradl. Auf
dem Sachsenring war er nach gutem Start
am Ende lediglich Vierter geworden.
In Laguna Seca wurden für Marquez im
Ziel nach 32 Runden 2,3 Sekunden Vorsprung auf Bradl gestoppt. Dritter wurde,
2,2 Sekunden später, der neunmalige Weltmeister Valentino Rossi, 34, auf Yamaha.
„Ich bin ausgeflippt, als ich ihn das erste
Mal gesehen habe. Jetzt bin ich mit ihm auf
dem MotoGP-Podium – das ist schon
Wahnsinn“, meinte Bradl, der Rossi das
ganze Rennen über sicher auf Distanz gehalten hatte.
In der WM-Wertung verbesserte sich
Bradl dank der 20 Punkte, die ihm der zweite Platz brachte, auf Rang sechs (84 Zähler). Titelverteidiger Jorge Lorenzo (Yamaha), der trotz zweier Operationen nach
zwei Schlüsselbeinbrüchen gestartet war,
sicherte sich als Sechster zehn Zähler. Pedrosa, der durch ein angebrochenes Schlüs-
selbein gehandicapt war, verteidigte als
Fünfter Platz zwei in der WM-Wertung.
Der Erfolg auf dem kurzen, aber anspruchsvollen Kurs in Laguna Seca ist für
Stefan Bradl wichtig. Der Weltmeister von
2011 in der Moto2-Kategorie hat nun gute
Aussichten, auch künftig in der prestigereichsten Klasse antreten zu dürfen. Seine
Chancen, schon in Kürze einen neuen Vertrag beim Satelliten-Team LCR-Honda zu
bekommen, sind deutlich gestiegen. Zwar
verwies Teamchef Lucio Cecchinello auf
das Mitspracherecht von Ausrüster Honda
bei der Fahrerwahl. „Aber mit einer solchen Leistung wie hier in Laguna ist es so
gut wie sicher, dass Stefan auch in Zukunft
mit uns arbeiten wird“, sagte der Italiener.
Er kündigte eine Entscheidung noch vor
dem nächsten Rennen an. Dieses findet am
25. August in Indianapolis statt. „Wir werden uns demnächst zusammensetzen und
alles zum Abschluss bringen. Nach der
Sommerpause wird alles entschieden
sein“, so Cecchinello.
SZ
Leipzig – Trainer Alfred Gislason vom
deutschen Handball-Meister THW Kiel
will mit einer Weltliga die finanziellen Probleme vieler Klubs lösen. „Meine Idee ist,
die Champions League zu einer Art Weltliga auszubauen“, wird der Isländer von
Spiegel online zitiert. Neben europäischen
Top-Klubs wie Kiel, dem FC Barcelona
oder Montpellier HB sollten von jedem
Kontinent ein, zwei Teams dabei sein. „Ich
bin sicher, dass sich Sponsoren finden,
wenn man eine solche Liga weltweit anlegt. Dann findet sich vielleicht auch ein TVSender“, sagte Gislason und fügte hinzu:
„Eine Mannschaft in Arabien aufzustellen,
wäre ohne Probleme machbar.“ Er denkt
dabei an Katar. Aus Afrika könnte Kairo
und aus Südamerika Buenos Aires sowie
aus Asien ein südkoreanisches Team dazugeholt werden. Als Organisator stellt er
sich die Europäische Handball-Föderation
vor, weil sie die Champions League mit
dem Finalturnier in Köln zum PremiumProdukt ausgebaut hat. Allerdings rechnet
Gislason mit Widerstand aus der Bundesliga und vom Weltverband IHF.
DPA
Hopkins im Herbst
Termin für Karo Murats Boxkampf steht
Hamburg – Herausforderer Karo Murat
und die amerikanische Boxlegende Bernard Hopkins haben einen neuen Termin
für ihren WM-Kampf gefunden. Das IBFDuell im Halbschwergewicht wird am
19. Oktober in Atlantic City ausgetragen.
Das bestätigte der Sauerland-Boxstall, bei
dem der im Irak geborene Armenier Murat
unter Vertrag steht. Der Kampf sollte ursprünglich am 13. Juli in New York stattfinden, Murat hatte sein Visum aber nicht
rechtzeitig erhalten. Hopkins ist mit 48 Jahren der älteste Weltmeister, den es je gab.
Von 63 Profikämpfen gewann er 53. Als erster Faustkämpfer hielt er die Titel der vier
großen Verbände WBC, IBF, WBA und
WBO in einer Gewichtsklasse (Mittelgewicht). Den IBF-Gürtel im Halbschwergewicht besitzt er seit dem Erfolg über seinen Landsmann Tavoris Cloud, 30, im
März. Der 29 Jahre alte Murat bestritt bisDPA
lang 27 Kämpfe und gewann 25.
Zorn der Super-Biker
Kritik an Rennleitung nach Antonellis Tod
Moskau/Rom – Der Tod des italienischen
Motorradpiloten Andrea Antonelli hat im
Fahrerlager heftige Kritik an den Organisatoren der Superbike-WM ausgelöst. „Die
Wetterbedingungen waren unannehmbar.
Man sah überhaupt nichts mehr, wir hätten uns weigern sollen“, sagte der frühere
250-ccm-Weltmeister Marco Melandri,
30. Der BMW-Pilot aus Italien hatte am
Sonntag das erste von zwei geplanten
Superbike-Rennen auf dem Moscow Raceway gewonnen. Wenig später kam es zu
dem fatalen Unglück.
Der 25 Jahre alte Antonelli war mit seiner Kawasaki auf der ersten Runde des
Laufs zur leichteren Supersport-Serie bei
starkem Regen gestürzt und mit dem
Helm auf den Asphalt geprallt. Sein Landsmann Lorenzo Zanetti konnte aufgrund
der dichten Gischt nicht mehr rechtzeitig
ausweichen und traf den am Boden liegenden Antonelli, der 40 Minuten später seinen Verletzungen im Strecken-Krankenhaus erlag. Der tödliche Unfall erinnerte an
den italienischen MotoGP-Fahrer Marco
Simoncelli, der im Oktober 2011 in Sepang/Malaysia verunglückt und überrollt
worden war. Für den MV-Augusta-Fahrer
Roberto Rolfo, 32, ist eine der Ursachen für
das Unglück ein Fehler beim Bau des 2012
eingeweihten und mehr als 100 Millionen
Euro teuren Kurses: „Wenn es dort regnet,
fließt das Wasser nicht ab, sondern bleibt
auf der Strecke. Beim Vorbeifahren der Motorräder sieht man gar nichts mehr.“
Der Italiener Max Biaggi, 42, der seine
Karriere nach dem zweiten Titelgewinn in
der Superbike-WM im November beendet
hatte, ist überzeugt, dass ein MotoGP-Rennen bei solchen Verhältnissen nicht gestartet worden wäre. „Ich begreife nicht, warum das, was für Piloten der Topklasse
nicht in Ordnung ist, für die SuperbikeWM akzeptiert wird“, sagte der viermalige
250er-Champion.
SID
AKTUELLES IN ZAHLEN
Fußball
Frauen, EM in Schweden, Viertelfinale
Norwegen – Spanien
3:1 (2:0)
1:0 Gulbrandsen (24.), 2:0 Paredes (43./Eigentor), 3:0 Hegerberg (64.), 3:1 Hermoso
(90.+2). – Schiedsrichterin: Steinhaus (Hannover). – Zuschauer (in Kalmar): 10 435.
Frankreich – Dänemark
i.E. 2:4 (1:1, 1:1, 0:1)
Tore: 0:1 Rasmussen (28.), 1:1 Nécib (71.,
Foulelfmeter). – Elfmeterschießen: 0:1
Røddik, Nécib scheitert an Petersen; 0:2 Rydahl, 1:2 Thiney; 1:3 Nadim, 2:3 Le Sommer;
Nielsen scheitert an Bouhaddi, Delannoy verschießt; 2:4 Arnth. – Schiedsrichterin: Vitulano (Italien). – Zuschauer (in Linköping): 6500.
Halbfinale: Deutschland – Schweden (Mi.,
20.30 Uhr in Göteborg), Norwegen – Dänemark (Do., 20.30 Uhr, in Norrköping).
2. Bundesliga, 1. Spieltag
Fort. Düsseldorf – Energie Cottbus 1:0 (0:0)
Düsseldorf: Giefer – Levels, Bomheuer, Latka, Ramirez – Bodzek, Lambertz – Bolly (66.
Gianniotas), Reisinger (88. Fink), Bellinghausen – Benschop (71. Wegkamp). – Trainer:
Büskens.
Cottbus: Almer – Schulze, Börner, Möhrle, Bittroff – Kruska, Mrowca – Farina (46. Bickel),
Jendrisek (66. Fomitschow), Takyi – Sanogo.
– Trainer: Bommer.
1:0 Reisinger (64., Foulelfmeter). – Zuschauer: 33 924. – Schiedsrichter: Welz (Wiesba-
den). – Gelbe Karten: Bellinghausen – Rivic
(auf der Bank), Börner, Sanogo.
SV Sandhausen – VfR Aalen
0:0
FC Ingolstadt 04 – Erzgebirge Aue 1:2 (0:1)
FC St. Pauli – TSV 1860 München 1:0 (0:0)
SC Paderborn – 1. FC K’lautern
0:1 (0:0)
Dynamo Dresden – 1. FC Köln
1:1 (0:0)
SpVgg Gr. Fürth – Arminia Bielefeld 2:0 (2:0)
FSV Frankfurt – Karlsruher SC
0:1 (0:0)
1. FC Union Berlin – VfL Bochum 1:2 (0:0)
2. Spieltag; Freitag, 26.7., 18.30: Aalen –
Fürth, Bielefeld – Berlin; 20.30: Kaiserslautern – Ingolstadt; Samstag, 27.7., 13.00: Aue
– Sandhausen, 15.30: Karlsruhe – St. Pauli;
Sonntag, 28.7., 13.30: München – Frankfurt,
Cottbus – Paderborn; 15.30: – Düsseldorf;
Montag, 29.7., 20.15: Bochum – Dresden.
Gold Cup in den USA, Viertelfinale
Mexiko – Trinidad&Tobago
1:0 (0:0)
USA – El Salvador
5:1 (2:1)
Honduras – Costa Rica
1:0 (0:0)
Golf
142. British Open, in Muirfield/Schottland
(6,1 Millionen Euro, Par 71)
Endstand: 1. Mickelson (USA) 281 (69/74/72/
66), 2. Stenson (Schweden) 284 (70/70/74/
70), 3. Westwood (72/68/70/75), Poulter (72/
71/75/67, beide England), Scott (Australien)
(71/72/70/72) alle 285, 6. Woods (69/71/72/
74), Johnson (66/75/73/72, beide USA), Mat-
suyama (Japan, 71/73/72/70) je 286, 9. F. Molinari (Italien, 69/74/72/72), Mahan (USA,
72/72/ 68/75) je 287; 32. Kaymer (Mettmann) 293 (72/74/72/75).
Motorsport
Motorrad, Grand Prix von USA
in Laguna Seca/Kalifornien
MotoGP (32 Runden à 3,61 km/115,52 km): 1.
Marquez (Spanien) Honda 44:00,695 Min.
(Schnitt: 157,400 km/h); 2. Bradl (Zahling)
Honda 2,298 Sek. zur.; 3. Rossi (Italien) Yamaha 4,498; 4. Bautista (Spanien) Honda 4,557;
5. Pedrosa (Spanien) Honda 9,257; 6. Lorenzo
(Spanien) Yamaha 12,970; 7. Crutchlow (England) Yamaha 15,304; 8. Hayden (USA) Ducati 33,963; 9. Dovizioso (Italien) Ducati 34,129;
10. Barbera (Spanien) FTR 1:02,369 Min.
WM-Stand (9/18 Rennen): 1. Marquez (Spanien) Honda 163 Pkt.; 2. Pedrosa (Spanien) Honda 147; 3. Lorenzo (Spanien) Yamaha 137; 4.
Rossi (Italien) Yamaha 117; 5. Crutchlow (England) Yamaha 116; 6. Bradl (Zahling) Honda
84; 7. Dovizioso (Italien) Ducati 81; 8. Bautista (Spanien) Honda 71.
Nächstes Rennen: GP von Indianapolis am
18. August in Indianapolis.
Radsport
Tour de France, 21. Etappe
Versailles – Paris (133,5 km): 1. Kittel (Arn-
stadt/Argos) 3:06:14 Stunden, 2. Greipel (Rostock/Lotto), 3. Cavendish (Großbritannien/Quick Step), 4. Sagan (Slowenien/Cannondale), 5. Ferrari (Italien/Lampre), 6. Kristoff
(Norwegen/Katjuscha), 7. Reza (Frankreich/Europcar), 8. Gene (Frankreich/Europcar), 9. Bennati (Italien/Saxo), 10. Fischer
(Brasilien/FDJ) alle gleiche Zeit, 89. Klöden
(Mittweida/Radio Shack) 0:10 Minuten zurück, 107. Voigt (Grevesmühlen/Radio Shack)
0:34, 114. Degenkolb (Gera/Argos) gleiche
Zeit, 154. Martin (Cottbus/Quick Step) 2:01,
159. Fröhlinger (Gerolstein/Argos) 2:30, 160.
Geschke (Berlin/Argos) gleiche Zeit, 169.
Burghardt (Zschopau/BMC) 4:24.
Endstand: 1. Froome (Großbritannien/Sky)
83:56:40 Std., 2. Quintana (Kolumbien/Movistar) 4:20 Min. zur., 3. Rodriguez 5:04, 4. Contador (Spanien/Saxo) 6:27, 5. Kreuziger (Tschechien/Saxo) 7:27, 6. Mollema (Niederlande/Belkin) 11:42, 7. Fuglsang (Dänemark/Astana) 12:17, 8. Valverde (Spanien/Movistar)
15:26, 9. Navarro (Spanien/Cofidis) 15:52, 10.
Talansky (USA/Garmin) 17:39, 11. Kwiatkowski (Polen/Quick Step) 19:42, 12. Nieve (Spanien/Euskaltel) 20:01, 13. Ten Dam (Niederlande/Belkin) 21:39, 14. Monfort (Belgien/Radio Shack) 23:38, 15. Bardet (Frankreich/AG2R) 26:42, 30. Klöden 1:02:43 Stunden, 67. Voigt 2:15:09, 75. Geschke 2:27:42,
98. Burghardt 2:54:01, 106. Martin 3:05:25,
121. Degenkolb 3:23:23, 129. Greipel 3:32:07,
146. Fröhlinger 3:49:02, 166. Kittel 4:10:08
Sprintwertung (Grünes Trikot): 1. Sagan 409
Punkte, 2. Cavendish (Großbritannien/Quick
Step) 312, 3. Greipel 267, 4. Kittel 222.
Bergwertung (Gepunktetes Trikot): 1. Quintana 147 Punkte, 2. Froome 136, 3. Rolland
(Frankreich/Europcar) 117; 13. Voigt 35.
Nachwuchswertung (Weißes Trikot): 1. Quintana 84:01:00 Stunden, 2. Talansky 13:19 Minuten zurück, 3. Kwiatkowski 14:39
Teamwertung: 1. Saxo (Dänemark) 251:11:07
Std., 2. AG2R (Frankeich) 8:28 Minuten zurück, 3. Radio Shack (Luxemburg) 9:02.
Schwimmen
WM in Barcelona, Entscheidungen
Freiwasserschwimmen, Männer, 10 km
1. Gianniotis (Griechenland) 1:49:11,8 Std.,
2. Lurz (Würzburg) 1:49:14,5, 3. Mellouli (Tunesien) 1:49:19,2, 4. Cattin-Vidal (Frankreich)
1:49:19,8, 5. Weinberger (Kanada) 1:49:19,9,
6. Weertman (Niederlande) 1:49:20,3, 7. Do
Carmo (Brasilien) 1:49:26,2, 8. Chad Ho (Südafrika) 1:49:26,3, 9. Reichert (Wiesbaden)
1:49:26,8.
Wasserspringen, Männer, 1-m-Brett
1. Li Shixin (China) 460,95 Pkt.; 2. Kwascha
(Ukraine) 434,30; 3. Chavez (Mexiko) 431,55;
4. Sun Zhiyi (China) 425,05; 5. Blaha (Österreich) 411,75; 6. Rosset (Frankreich) 409,45;
7. Pacheco (Mexiko) 399,65; 8. Wolfram (Dresden) 398,05; 10. Homuth (Berlin) 386,75.
Frauen, Turm, Synchron
1. Chen Ruolin/Liu Huixia (China) 356,28 Punkte, 2. Benfeito/Filion (Kanada) 331,41, 3.
KURZ GEMELDET
Pamg/Leong (Malaysia) 331,14, 4. Boyd/Tarvit (Australien) 309,78, 5. Couch/Barrow
(Großbritannien) 309,72, 6. Espinosa/Alejandra (Mexiko) 306,39, 7. Au/Bromberg (USA),
8. Timoschinina/Petuchowa (Russland)
298,32, 12. Kurjo/Stolle (beide Berlin) 253,08.
Synchronschwimmen, Mannschaft
Technische Kür: 1. Russland 96,600 Pkt.; 2.
Spanien 94,400; 3. Ukraine 93,300; 4. Japan
92,200; 5. Kanada 90,300; 6. Italien 89,900; 7.
Frankreich 87,200; 8. Griechenland 86,400.
Vorkämpfe
Synchronschwimmen, Solo, Freie Kür
Qualifikation (1-12 im Finale am Mittwoch,
19 Uhr): 1. Romaschina (Russland) 96,930
Pkt.; 2. Huang Xuechen (China) 95,280; 3. Carbonell (Spanien) 94,260; 4. Ananassowa
(Ukraine) 91,990; 5. Inui (Japan) 91,570; 6.
Isaac (Kanada) 90,700; 7. Solomou (Griechenland) 89,680; 8. Cerrutti (Italien) 88,580; 18.
Felßner (Bochum) 80,060.
Wasserball, Männer, 1. Spieltag
Gruppe A: Montenegro – Griechenland 4:6
(0:0, 0:3, 1:2, 3:1), Spanien – Neuseeland 18:3
(3:0, 3:1, 7:1, 5:1).
Gruppe B: Kroatien – USA 9:7 (1:1, 2:2, 3:1,
3:3), Kanada – Südafrika 17:11 (4:2, 2:3, 7:4,
4:2).
Gruppe C: Serbien – Australien 10:7 (4:3, 2:0,
1:2, 3:2), Ungarn – China 13:5 (3:1, 4:1, 3:2,
3:1).
Gruppe D: Deutschland – Kasachstan 9:8
(3:3, 3:0, 3:1, 0:4), Italien – Rumänien 10:4
(4:1, 1:1, 2:2, 3:0).
Tennis
Männer, Bogota (638 085 Dollar)
Finale: Karlovic (Kroatien) – Falla (Kolumbien) 6:3, 7:6 (4).
Frauen, Stanford/USA (795 707 Dollar)
1. Runde: Gowortsowa (Weißrussland) – Görges (Bad Oldesloe) 7:6 (2), 6:2.
Volleyball
Männer, Weltliga, Finalrunde
in Mar del Plata/Argentinien
Finale: Russland – Brasilien 3:0 (25:23, 25:19,
25:19).
Sport im TV
Dienstag, 23. Juli
10 – 12.45 Uhr, Eurosport: Schwimmen, WM
in Barcelona, Wasserspringen: 3-m-Brett
Synchron Männer, Vorrunde.
14 – 15.15 Uhr, Eurosport: Schwimmen, WM
in Barcelona, Wasserspringen: 1-m-Brett
Frauen, Finale.
17.30 –18.45 Uhr, Eurosport: Schwimmen,
WM in Barcelona, Wasserspringen: 3-mBrett Synchron Männer, Finale.
17.55 – 20 Uhr, Sport1: Fußball, Testspiel, Eintracht Frankfurt – Kayserispor.
21.45 – 22.30 Uhr, Eurosport: Schwimmen,
WM in Barcelona, Wasserball, Frauen, Gruppenspiel, Spanien – Russland.
Marvin Bakalorz, 23, wechselt innerhalb der Fußball-Bundesliga von Borussia Dortmund zu Eintracht Frankfurt.
Der Mittelfeldspieler kam beim BVB zumeist in der zweiten Mannschaft zum
Einsatz und soll bei seinem neuen Verein den Ausfall von Marc Stendera kompensieren, der einen Kreuzbandriss erlitten hat. Bakalorz’ Vater Dirk spielte von
1988 bis 1990 für die Eintracht.
Arminia Bielefeld, Fußball-Zweitligist,
wählt am 21. August in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung einen neuen Präsidenten. Der bisherige
Präsident Jörg Zillies war am 15. Juli aus
privaten Gründen zurückgetreten.
Die deutschen Handball-Junioren sind
bei der WM in Bosnien-Herzegowina im
Achtelfinale gescheitert. Die 2009 und
2011 siegreiche Auswahl des Deutschen Handballbundes unterlag am
Montag in Sarajevo Frankreich 20:21.
In Peru ist der 18 Jahre alter Fußballer
Yair Clavijo fünf Minuten vor dem Ende
der Partie zwischen dem Landesmeister
Sporting Cristal und Real Garcilaso mit
einem Herzstillstand zusammengebrochen und gestorben. Laut des CristalManagers gab es keinen Defibrillator im
Stadion oder im Rettungswagen.
SPORT
DEFGH Nr. 168, Dienstag, 23. Juli 2013
HMG
Ein Fall wie
Lewandowski
Martino zu Barça?
Argentinier soll Spaniens Meister coachen
Barcelona – Der Argentinier Gerardo Martino wird spanischen Medienberichten zufolge neuer Trainer des dortigen FußballMeisters FC Barcelona und damit Nachfolger des zurückgetretenen Tito Vilanova.
Laut der Sportzeitung Marca erhält der
50-Jährige einen Dreijahresvertrag. Vom
FC Barcelona gab es dafür zunächst keine
Bestätigung. Beim Uli-Hoeneß-Cup am
Mittwoch (18.30 Uhr/ZDF) gegen den FC
Bayern München wird wohl noch Jordi Roura die Katalanen interimsmäßig betreuen.
Martino hatte zuletzt den argentinischen Topklub Newell’s Old Boys trainiert,
den Heimatverein von Barcelonas Mittelfeldspieler Lionel Messi. Bei der WM 2010
hatte Martino mit Paraguay das Viertelfinale erreicht und dort 0:1 gegen Spanien verloren. Martinos Verpflichtung gilt als Überraschung, denn er verfügt über keinerlei
Erfahrung im europäischen Fußball.
Vilanova hatte am Freitag nach einer erneuten Krebsdiagnose seinen Rücktritt erklärt. Kandidat für den Trainerposten war
zuletzt neben den ehemaligen Barça-Profis und heutigen Trainern Michael Laudrup (Swansea City), Ronald Koeman (Feyenoord Rotterdam), Ernesto Valverde (Athletic Bilbao) und Luis Enrique (Celta Vigo)
auch Guus Hiddink, 66. Der Niederländer
war am Montag überraschend beim russischen Erstligisten Anschi Machatschkala
SID, DPA
zurückgetreten.
FC-Bayern-Basketballer kaufen ein – 2014 kommt Anton Gavel
München – Gerade hatte sich Svetislav Pesic der lästigen Pflicht entledigt und das
Playoff-Aus seiner Mannschaft moderiert.
Jetzt stand er mit gelöstem Krawattenknopf vor dem Presseraum der Bamberger
Basketball-Arena und referierte entspannt
über die Zukunft. Viel Zeit war noch nicht
vergangen nach der 66:85-Niederlage des
FC Bayern München gegen den späteren
Meister Brose Bamberg, das 2:3 in der Bestof-five-Serie schien sich aus den Gedanken des Münchner Trainers aber schon zu
verflüchtigen. Pesic plauderte lieber über
das Morgen, kündigte moderate Änderungen im Kader an.
Nicht einmal zwei Monate ist das her,
die Änderungen gestalten sich nun doch etwas umfangreicher und halten die Konkurrenz in Atem. Die neuesten Zugänge dürften deren schlimmste Befürchtung bestätigen: Der FC Bayern plant, nach dem Fußball nun auch im Basketball die Macht an
sich zu reißen. Nach SZ-Informationen haben die Berliner Heiko Schaffartzik, 29,
und Nihad Djedovic, 23, für zwei Jahre
beim FC Bayern angeheuert. Zudem wird
in Anton Gavel der begehrteste BundesligaSpieler im nächsten Sommer vom Meister
Bamberg nach München kommen; er soll
bereits einen Vertrag unterzeichnet haben.
Die Berliner Schaffartzik und
Djedovic heuern für zwei Jahre an
Der Kader der Münchner hat damit weiter signifikant an Qualität zugelegt – und
dabei ist er noch nicht einmal komplett.
Deon Thompson (Berlin), der jüngst für die
Chicago Bulls in der NBA-Summer-League
spielte, ist ein Kandidat. Bislang sind der
Ulmer Center John Bryant (wertvollster
Bundesliga-Spieler der vergangenen zwei
Spielzeiten), die deutschen Nationalspieler
Lucca Staiger (Ludwigsburg) und Yassin Idbihi (Berlin), der sprungstarke Bryce Taylor (Quakenbrück) sowie Guard Malcolm
Delaney vom ukrainischen Meister und
Eurocup-Teilnehmer Kiew gekommen.
Schaffartzik, der sich momentan mit
dem Nationalteam auf die EM in Slowenien (4. bis 22. September) vorbereitet, ist
ein exzellenter Distanzschütze. Neben
dem Spiel unter dem Brett, für das Bryant
und Idbihi geholt wurden, war das in der
abgelaufenen Saison die Schwäche der
Münchner. Djedovic gilt als einer der talentiertesten Spieler der Liga und hat trotz seiner Jugend bereits eine bewegte Basketball-Vita vorzuweisen. Im Alter von 17 Jahren wurde er vom FC Barcelona verpflichtet, er spielte unter anderem für Virtus
Rom und Galatasaray Istanbul. Auch Djedovic ist ein guter Schütze, dem Vernehmen nach soll der Bosnier, der in München
aufgewachsen ist, eingebürgert werden.
Mit der Verpflichtung von Schaffartzik,
dessen Vertrag mit Berlin gegen eine Ablöse vorzeitig aufgelöst wurde, haben die
Bayern dem Serienmeister Bamberg ein
Schnippchen geschlagen. Der Nationalspieler – einer von vielen Akteuren, die Berlin
verlassen – war auch von den Franken umworben worden. Schmerzhafter dürfte indes der angekündigte Abschied von Gavel
in einem Jahr sein, den Bamberg aus dem
laufenden Vertrag nicht freigeben will.
Spielgestalter Gavel ist das Herz der Meistermannschaft, einer, der den Unterschied
macht. Die angestrebte Vertragsverlängerung hatte Gavel abgelehnt, der wohl beste
Spieler der Bundesliga schließt sich dem
ambitioniertesten Projekt seit Bestehen
derselben an. Was vor drei Jahren in der
zweiten Liga begann, ist nun auf dem besten Weg, sich auf höchster europäischer
Ebene konkurrenzfähig zu präsentieren.
Die wirtschaftliche Potenz des Münchner
Projekts ist unbestritten, was dem Klub
schon nach seiner zweiten Erstligasaison
eine Wildcard für die Euroleague (vergleichbar mit der Fußball-ChampionsLeague) eingebracht hat.
Neben den Bayern ist Meister Bamberg
qualifiziert, der Meisterschaftszweite Oldenburg kann mittels einer Qualifikation
noch in die Euroleague kommen. Doch gerade den Bambergern, die 2010, 2011 und
2012 jeweils das Double schafften und in
der abgelaufenen Saison von den Bayern
aus dem Pokalwettbewerb geworfen wurden, erwächst im Süden ein ernsthafter
Konkurrent; die Wachablösung scheint lediglich eine Frage der Zeit zu sein. Widerstandslos will der Platzhirsch aber nicht
weichen, der Umbau der Halle ist auf den
Weg gebracht, die Stadt beteiligt sich.
Doch vor allem der namensgebende Hauptsponsor Brose in Person von Michael Stoschek – dem Vorsitzenden der Gesellschafterversammlung, der auch die Namensrechte an der Arena erwerben will –
schießt vergiftete Pfeile in Richtung des
umtriebigen Kontrahenten.
Hauptkritikpunkt ist die Personalpolitik des FC Bayern, dem Stoschek ein bewusstes Schwächen der Konkurrenz vorwirft. Wie emotional die Debatte mittlerweile geführt wird, war in der vergangenen
Woche auf einer Podiumsdiskussion in
Bamberg zu beobachten, als Stoschek die
Bamberger mit Borussia Dortmund verglich. Mit einer pathetischen Kampfansage via Liveticker aus der Stechert-Arena:
Wie im Fußball werde man versuchen, der
roten Übermacht Paroli zu bieten, „wir
sind die Guten“. Ob Stoschek zu diesem
Zeitpunkt von der neuesten Pointe wusste,
ist unklar, jedenfalls haben die Bamberger
jetzt wie das Dortmunder Vorbild einen
Fall Lewandowski zu überstehen.
Fakt ist indes auch, dass das stetig steigende Engagement des FC Bayern die Konkurrenz animiert und somit die gesamte
Liga aufwertet. Vor allem für amerikanische Profis ist die Bundesliga deutlich attraktiver geworden. Ein Umstand, den gerade die Bamberger in der Vergangenheit
gut zu nutzen wussten.
RALF TÖGEL
Einer geht, einer kommt: Tyrese Rice (rechts) hat ein hoch dotiertes Angebot aus Tel
Aviv angenommen, Anton Gavel kommt 2014 zum FC Bayern.
FOTO: ANDREAS GEBERT/DPA
Berlin/Tripolis – Libyens Nationalteam
hat seine Teilnahme am Berliner Frauenfußball-Festival „Discover Football“ absagen müssen – offenbar wegen Widerständen islamischer Extremisten. Die Organisatoren der am Dienstag beginnenden Veranstaltung, die mit Mitteln des Bundesaußenministeriums sowie der EU und des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) finanziert
wird, bestätigten die Absage, konnten aber
keine Informationen über die Gründe nennen. Die britische Zeitung The Guardian berichtete über Forderungen einflussreicher
libyscher Persönlichkeiten, die einheimische Nationalelf aufzulösen. „Als diese
Frauen und Mädchen in die Fußball-Mannschaft eingetreten sind und angefangen haben zu zeigen, was verborgen sein soll, haben sie ihre Ehre verkauft und die Ehre ihrer Familien durch ihre Nacktheit und
Schamlosigkeit beschmutzt“, sagte demnach der einflussreiche Religionsführer
Scheich Salim Jabar. Ein Sprecher des libyschen Verbandes LFF begründete die kurzfristige Entscheidung mit dem gegenwärtigen Ramadan. Offen blieb dabei, aus welchen Gründen während der für Moslems
heiligen Fastenzeit in Tripolis ein FußballTurnier mit Teams aus islamischen Ländern stattfinden darf. Zudem war die Veranstaltung in Berlin lange terminiert. SID
USA gegen Honduras
Klinsmanns Team im Gold-Cup-Halbfinale
Ein Tor und viel Kampfgeist: Simone Laudehr (Nr. 6) hatte großen Anteil am Weiterkommen.
FOTO: CARMEN JASPERSEN/DPA
Arm in Arm
Nach dem Einzug ins EM-Halbfinale gegen Schweden gefällt sich
die deutsche Frauenfußball-Nationalelf in der Rolle des Außenseiters
VON KATHRIN STEINBICHLER
Växjö – Als der Schlusspfiff dem Kampf
endlich ein Ende bereitete, riss Silvia Neid
beide Arme in die Höhe. Nach einem Schrei
schüttelte sie die Fäuste durch die Luft,
und jeder in dem kleinen Fußballstadion
in Südschweden konnte sehen: Mit diesem
1:0 am Sonntag gegen Italien im Viertelfinale der EM ist eine Last abgefallen von
der Bundestrainerin. „Das war Wahnsinn,
total stark. Wir haben gegen ausgebuffte
Italienerinnen gekämpft bis zum Umfallen“, freute sich Neid, um später hinzuzufügen: „Meine junge Mannschaft gehört jetzt
zu den vier besten in Europa. Das macht
mich stolz und glücklich.“
Lange nach dem Schlusspfiff war dann
auch Wolfgang Niersbach zu sehen, wie er
Arm in Arm im Kreis der Spielerinnen auf
dem Rasen den Einzug ins Halbfinale feierte. Der Präsident des Deutschen FußballBundes (DFB) war nach der schwierig verlaufenen Vorrunde der EM extra nach
Schweden gereist, um sich selbst ein Bild
zu machen vom Auftreten der DFB-Elf.
Schließlich hatte es nach dem 0:1 gegen
Norwegen im letzten Gruppenspiel, der ersten EM-Niederlage seit 20 Jahren, heftige
Kritik gegeben am Spiel der Deutschen.
Der hart erarbeitete Erfolg der jungen
Mannschaft gegen die Italienerinnen hat
ihn offenbar überzeugt: „Er hat uns beglückwünscht und gesagt, dass unsere Einstellung in dem Spiel ihm gefallen hat“, berichtete Spielführerin Nadine Angerer. „Es
ist schön, dass er uns hier unterstützt hat,
und so eine Anerkennung vom Präsidenten motiviert natürlich, gerade die jungen
Spielerinnen.“
Dass Deutschland feiern durfte, hatte es
einer gewagten Umstellung der Trainerin
zu verdanken: Silvia Neid entschied, erstmals im Turnier Spielmacherin Dzsenifer
Marozsan aus der Mannschaft zu nehmen
und die taktische Formation vom gewohnten 4-2-3-1 auf ein 4-4-2 umzustellen.
„Wir wollten mit zwei Spitzen anfangen,
um die italienische Abwehrkette in Bewegung zu bringen. Später sollte dann Dzseni
ausgeruht von der Bank kommen, um mit
ihren Pässen für Gefahr zu sorgen“, erklärte Neid. Die erst nach der Halbzeit eingewechselte Marozsan, 21, gilt als eines der
größten Fußballtalente; als Juniorin erhielt sie etliche Auszeichnungen und seit
kurzem wird sie von Maik Barthel gemanagt, dem Berater von Dortmunds Angreifer Robert Lewandowski. Bei dieser EM
aber, ihrer ersten bei den Frauen, hat es Marozsan bislang nicht geschafft, das spielerische Bindeglied zwischen Mittelfeld und
Angriff zu geben.
Jetzt muss der FC Bayern
sein Spiel gegen Barcelona
vorverlegen
Statt Marozsan kam deshalb gegen Italien die kämpferische und laufstarke Simone Laudehr ins Spiel. Die 27-Jährige vom
1. FFC Frankfurt ist nach einer langwierigen Knieverletzung bislang nur zu Kurzeinsätzen gekommen, nach ihrem ersten
Startelfeinsatz beim 0:1 gegen Norwegen
war sie ebenso kritisiert worden wie der
Rest der Mannschaft. „Die Antwort darauf
haben wir heute auf dem Platz gegeben“,
sagte Laudehr, die großen Anteil hatte am
Einzug ins Halbfinale. Nicht nur, dass ihr
Schuss aus kurzer Distanz, den die Italienerin Elisa Bartoli ins Tor abfälschte (26.),
den Sieg brachte. Auch Laudehrs Kampfgeist wirkte stilbildend für die deutsche
Elf, die an diesem heißen Sommerabend
mit Temperaturen von mehr als 30 Grad
sichtlich an ihre Grenzen ging.
„Als der Abpfiff kam, war ich schon
froh“, meinte Lena Goeßling, „denn ich
war schon ganz schön am Ende.“ Vor allem
Jennifer Cramer, 20, hatte gut zu tun: Über
die rechte Abwehrseite der Außenverteidigerin, die nach einer Gelbsperre zurückkam, versuchte Italien immer wieder seine
beste Spielerin, Melania Gabbiadini, mit
einzubeziehen. Cramer aber ließ sie kaum
zur Entfaltung kommen. „Wir sollten den
Italienerinnen früh auf den Füßen stehen
und sie nicht spielen lassen, und das haben
wir gemacht“, sagte die Potsdamerin, „aus
so einem Spiel lernt man natürlich eine
Menge.“
Vor allem lernt die deutsche Mannschaft, dass sie jetzt erstmals als Außenseiter bei dieser EM auftreten darf. Im
Halbfinale am Mittwoch (20.30 Uhr/ZDF)
in Göteborg geht es gegen den Gastgeber
Schweden, der mit bislang 13 Turniertoren
die treffsicherste Mannschaft stellt. „Die
Schwedinnen haben viel mehr Druck als
wir“, glaubt Goeßling, „von denen wird verlangt, dass sie ins Finale einziehen.“ Völlig
chancenlos aber sieht die Bundestrainerin
ihre Mannschaft nicht: „Schweden ist jetzt
der haushohe Favorit“, sagte Neid, „aber
wieso soll meine junge Mannschaft Angst
haben? Das braucht sie nicht.“ Schwedens
Lotta Schelin traut den Deutschen jedenfalls nicht: „Die bluffen nur“, meinte die europäische Topstürmerin.
Konsequenzen hat der Erfolg der Deutschen aber schon für zwei renommierte
Mannschaften: Der FC Bayern muss sein
Testspiel gegen den FC Barcelona an diesem Mittwoch auf 18.30 Uhr vorverlegen,
da der übertragende Sender, das ZDF, auch
bei den Fußballerinnen im Wort steht.
4,07 Millionen Menschen haben am Sonntag in der ARD das Viertelfinale der DFBFrauen verfolgt, das parallel auf Sat 1 übertragene 5:1 der Bayern im Test gegen Mönchengladbach sahen 1,87 Millionen Zuschauer. DFB-Präsident Niersbach will am
Mittwoch im Stadion sein – in Göteborg.
Baltimore – Jürgen Klinsmann hat mit
den USA ins Halbfinale des Gold Cups erreicht. Die Gastgeber setzten sich in Baltimore gegen El Salvador 5:1 (2:1) durch und
bauten mit dem neunten Sieg in Serie den
Teamrekord aus. Die USA treffen nun am
Mittwoch auf Honduras, das 1:0 gegen Costa Rica gewann. „Man sieht, dass das Team
immer besser zusammenfindet. Es waren
noch mehr Tore möglich“, sagte Klinsmann. Die Treffer erzielten Clarence Goodson, Joe Corona, Eddie Johnson, Mikkel
Diskerud und Landon Donovan, der zudem drei Tore vorbereitete. Ebenfalls am
Mittwoch spielt Mexiko im zweiten Halbfinale gegen Panama um die vierte Endspielteilnahme in Serie. Das Finale findet am
Sonntag in Chicago statt.
SID
„Wir wollen Titel“
U21 künftig mit bestem Aufgebot zur EM
Düsseldorf – Der Deutsche Fußball-Bund
(DFB) will Lehren aus dem Vorrunden-Aus
der U21 bei der Junioren-EM ziehen und
künftig mit der bestmöglichen Mannschaft antreten. Das sagte DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock: „Wir hatten in
diesem Jahr eine Sondersituation durch
die USA-Reise des A-Teams. Aber wenn
man auf dem Niveau Titel gewinnen will,
braucht man die beste Mannschaft. Und
wir wollen Titel gewinnen.“ Mit Bundestrainer Joachim Löw sei das abgesprochen.
Im Einzelfall werde man über einen Spieler reden können, aber es gelte „grundsätzlich der Ansatz, dass wir nicht ausbilden
um des Ausbildens willen. Wir wollen Turniere gewinnen“. Bei der EM in Israel hatten aus diversen Gründen Akteure wie Julian Draxler, Ilkay Gündogan, André Schürrle oder Marc-André ter Stegen gefehlt. SID
Dortmund verzichtet
Südkoreaner Ryu wechselt nicht zum BVB
Dortmund – Der Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund wird den Südkoreaner
Ryu Seungwoo, 19, nicht unter Vertrag nehmen. „Die Rahmenbedingungen sind zu
ungünstig. Er kommt nicht“, sagte Sportdirektor Michael Zorc der WAZ. Der Offensivspieler von der Chung-Ang-Universität
galt bereits als der von BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke in Aussicht gestellte „Perspektivspieler für die Offensive“. Vom Tisch ist eine weitere Verpflichtung aber nicht. „Wir haben bis zum 31. August Zeit. Bis dahin werden wir die Augen
sehr weit offen halten“, sagte Zorc.
SID
Schon längst einen Schritt weiter
Merkwürdige Absage
Libyens Frauenteam verzichtet auf Turnier
29
Unter Pep Guardiola spielt der FC Bayern bereits sehr ansehnlich. Doch der Trainer ahnt, dass es schwierig wird, die Eitelkeiten im Luxus-Kader zu moderieren
Mönchengladbach – Rafinha stand in
dem Graben neben dem Stadion im Borussiapark, er blickte nach oben, sah, wie viele
Stufen es bis zum Parkplatz waren. Dann
stieg er nach oben, Stufe für Stufe. Und erklärte dabei, wie das mit dem neuen Trainer funktioniere. „Tag für Tag“, sagte Rafinha, „verstehen wir mehr, was er will.“
Ob er viel verändere? „Er lässt einen ganz
anderen Fußball spielen“, sagte Rafinha, eine weitere Stufe, er überlegte, „nein, ganz
anders ist falsch. Es ist Pep-Guardiola-Fußball.“ Rafinha nahm die letzte Stufe, er
stand nun neben dem Bus, in dem der neue
Trainer Guardiola bereits saß. „Bis wir alles wirklich verstanden haben, wird es
noch dauern. Aber das ist normal.“
Nun fällt es Rafinha vergleichsweise
leicht, den Wandel beim FC Bayern zu beschreiben. Der Brasilianer ist Rechtsverteidiger, Guardiola setzte ihn bisher vor allem
auf einer Position ein: auf der des Rechtsverteidigers. Zuletzt war das am Sonntag
so, beim 5:1 gegen Mönchengladbach. Rafinha weiß also, wie Guardiola mit ihm
plant (und er ahnt wohl auch, dass dies
nicht in jedem Spiel sein wird). Das macht
ihn zu einer Ausnahme im Kader des aktuellen deutschen Meisters, Pokalsiegers,
Champions-League-Gewinners.
Knapp vier Wochen lang trainiert und
spielt der FC Bayern nun Pep-GuardiolaFußball, bereits erfolgreich und ansehnlich, am Wochenende besiegte das Team
außer Gladbach noch den Hamburger SV,
beide Partien dauerten 60 Minuten. Es
zeichnet sich ab, wie der Trainer spielen lassen will, er vertraut auf ein 4-1-4-1-System, das sich zu einem 4-3-3 anpassen
lässt. Das Team hat viel Ballbesitz, die Spieler bewegen sich ständig, sollen so die Verteidigungsketten auseinander reißen. Positionstreue heißt unter Guardiola auch,
dass die Positionen oft getauscht werden.
Sammer sagt, dass es keine
Stammplätze mehr gebe
Die Spieler betonen, wie gut sie sich mit
Guardiola verstehen, dass er viel mit ihnen
rede, dass er zuhöre, dass er auf ihre Anregungen eingehe. Am nächsten Samstag ist
jedoch das erste Pflichtspiel, der Supercup
gegen Dortmund, und noch hat sich eine
erste Elf nicht angedeutet. In den ersten
Testspielen hatte Guardiola so viel experimentiert, dass es kaum überraschen würde, wenn er auf die Idee käme, dass der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge seinen einst erzielten 162 Bundesliga-
Toren weitere hinzufügen könnte, als echter (oder falscher) Neuner. Sportvorstand
Matthias Sammer hat jedenfalls am
Wochenende betont, dass es keine Stammplätze gebe und dass deswegen jeder Einzelne gebraucht werde. „Alle Spieler werden spielen“, sagte auch Guardiola, „die
Saison ist sehr, sehr lange, lange, lange.“
Beim FC Bayern sind sich alle einig, dass
nach den drei Titeln etwas verändert werden muss, um das Team vor der eigenen
Selbstgenügsamkeit zu bewahren. Und
doch beobachten sie aufmerksam, wie viel
Guardiola tatsächlich verändern will. Dabei denken sie nicht an Philipp Lahm, der
am Sonntag im zentralen Mittelfeld spielte
und teilweise der vorderste Mann war. Ihn
sieht auch Guardiola weiter als Rechtsverteidiger. Stattdessen denken sie an Javier
Martínez, den sie im vergangenen Sommer als Europas besten Balleroberer gepriesen hatten (und der deshalb selbstverständlich die Rekordablöse von 40 Millionen Euro wert sei). Guardiola plant Martínez allerdings offenbar als Innenverteidiger ein, zum Beispiel auf der Position von
Dante, einem der Helden der vergangenen
Spielzeit. Diese Umstellung hätte den Nachteil, dass Dante nicht mehr spielen würde.
Sie hätte dafür den Vorteil, dass in dem
„Sie müssen meine Entscheidung akzeptieren. Deshalb bin ich hier“: Pep Guardiola betont jedoch, dass er viel mit den
Spielern rede.
FOTO: SASCHA STEINBACH/GETTY
Dreieck im zentralen Mittelfeld neben
Thiago Alcántara und Toni Kroos Platz wäre für den zurzeit verletzten Bastian
Schweinsteiger. „Wir sind am Anfang“, sagte Guardiola am Sonntag, auch er betonte,
dass er viel mit den Spielern spreche:
„Aber sie müssen meine Entscheidung akzeptieren. Deshalb bin ich hier.“ Er betonte
allerdings auch, dass er verlangt, dass die
Eitelkeiten der Spieler dem System untergeordnet werden müssen. Auf die Frage,
ob es angesichts der großen Auswahl und
der gleich bleibenden Anzahl an Startelfplätzen Probleme im Kader geben könnte,
sagte der Trainer dem Fernsehsender Sat1:
„Vielleicht. Das hängt von den Spielern ab.
Wenn sie akzeptieren, dass ich der Boss
bin, wird alles gut.“
Als Anhänger dieses Systems outete
sich am Sonntag noch Lucien Favre, der
Gladbacher Trainer. „Man sieht die Handschrift“, sagte Favre. Ob jemand in der Bundesliga eine Chance gegen den Pep-Guardiola-Fußball habe? „Sie sind klasse“, sagte Favre, „sie werden wahrscheinlich ganz
oben sein.“ Drei Meter weiter saß Guardiola, er schaute in die weite Ferne, knabberte
an seinem Finger. Er wirkte wie einer, der
längst einen Schritt weiter denkt, als alle
ahnen.
BENEDIKT WARMBRUNN
30
SPORT IN BAYERN
HBG
Dienstag, 23. Juli 2013, Nr. 168 DEFGH
„Ich will Rock’n’Roll!“
Der neue Präsident Gerhard Mayrhofer erzählt, wie er das Image des TSV 1860 München und das Verhältnis zu Investor Hasan Ismaik renovieren will,
warum er Internet-Foren ekelhaft findet – und weshalb einige Funktionäre ihre Arbeit überprüfen und Konsequenzen ziehen sollten
München ist oder in Abu Dhabi Und dann
werden wir mehr Klarheit haben.
Als Mann der Wirtschaft können Sie
Herrn Ismaik vielleicht verstehen.
Ich kann sehr gut verstehen, dass er so reagiert hat, wie er reagiert hat. Das hat die
Beziehung in eine ganz schwierige Situation geführt. Vielleicht hat ein neuer Player,
so wie ich, eine Chance, da rauszukommen. Weil ich einen anderen Background
habe, weil ich schon relativ lange in Konzernen gearbeitet habe, wo es auch sehr darauf ankommt, wie man Dinge sagt.
VON G. KLEFFMANN, M. SCHÄFLEIN
UND P. SCHNEIDER
Gerhard Mayrhofer, 51, ist seit neun Tagen
neuer Präsident des TSV 1860 München.
Beim Fußball-Zweitligisten, der in die erste Liga will, sind viele Aufgaben zu lösen.
Mayrhofer hat sich bei 02 und Vodafone einen Namen gemacht, seit 2008 besitzt er
die Agentur „Menschen und Marken“.
SZ: Herr Mayrhofer, wir sitzen hier im Präsidentenzimmer in der Geschäftsstelle,
an der Wand hängen also Bilder der Präsidenten. Würden Sie gerne in Öl gemalt
werden wie Adalbert Wetzel – oder lieber
fotografiert werden wie alle anderen?
Mayrhofer: In Öl glaube ich nicht, wobei
ich sagen muss: Diese Bilder faszinieren
mich schon. Es ist ein erhebendes Gefühl,
muss ich sagen. Aber was mir unverständlich war, als ich hier das erste Mal war: Warum hört die Reihe bei Wildmoser auf?
Weil die Wand dann endet?
Da wäre ja schon noch Platz. Ein sehr schönes Bild übrigens von Karl-Heinz. So war
er: ein Sieger, mit Weißbier. Wir müssen
diese Bilderreihe dringend weiterführen.
Auer, Lehner, von Linde, Beeck, Schneider, Monatzeder. Und jetzt Sie.
Die Geschichte von 1860 ist, wie sie ist:
sehr bewegt, in den letzten Jahren durch
viele Präsidenten. Das ist natürlich auch etwas, das einen Verein ziemlich schüttelt.
Was muss ein Präsident tun?
Ich denke, er ist die Seele des Vereins. Es
bringt nicht viel, wenn er sich sehr in die
sportlichen Belange einmischt. Ich sehe
ihn als Beobachter, wie der Verein innen zusammenwirkt. Und als Repräsentanten
nach außen. Das hat in der Vergangenheit
nicht immer so gut ausgesehen.
Würde Sie zustimmen: Je stärker der Präsident, desto besser ging es dem TSV?
Was ist Stärke? Ist es eine kommunikative
Stärke? Ist es Stärke, wie sie Herr Wildmoser gezeigt hat: beizeiten auf den Tisch hauen? Ich denke schon, dass 1860 eine starke
Führung braucht, und dass der ganze Verein sehr abhängig davon ist.
Es gibt bei Sechzig zwei Gräben: Einen zwischen der Vereinsseite und dem Investor.
Und einen quer durch den Verein.
Es hat sich über die letzten zehn Jahre eine
Situation entwickelt, wo es sehr viele Grä-
„Man scheitert immer an
sich selbst. Man scheitert nie
an den äußeren Umständen.“
ben gab. Oft hieß es jeder gegen jeden. Ich
denke, dass das Präsidium nicht mit der
notwendigen Leidenschaft zur Sache gegangen ist. Wenn das nicht mit Geschlossenheit passiert, wenn es Personen gibt,
die den Verein mehr brauchen als umgekehrt, wird es schwierig. Ich würde mich
auch freuen, wenn alle wieder positiv über
den Verein reden, auch wenn wir eine Niederlage einfahren. Aber in den Internetforen geht es schon wieder los, da ist alles wieder ganz fürchterlich.
Welche Eindrücke gewannen Sie aus Ihrer
ersten Dienstfahrt zum Spiel beim FC St.
Pauli, das die Löwen 0:1 verloren?
Die Einstellung hat gestimmt, da stand eine andere Mannschaft auf dem Platz verglichen zur letzten Saison. Außerdem macht
das Millerntor Spaß, das ist eine Inszenierung. Wenn beim Einlaufen Hell’s Bells
von AC/DC läuft, kriege ich Gänsehaut.
Sie sind AC/DC-Fan?
Nein, mehr Motörhead. Aber ich mag diese
Art der Musik, ich mag laute Musik.
Dann lässt sich der Auftritt der Sechziger etwa überarbeiten?
Garantiert sogar. Ich denke, dass wir nach
außen etwas zu harmlos waren. Die Marke
darf gerne wilder werden. 1860 darf ein
bisschen mehr Motörhead sein. Mit wild
sein meine ich: mehr Selbstbewusstsein zu
haben, mehr Spaß zu haben. Die Marke
gibt’s her. Das Image war viel zu dröge. Gemeinsam mit einer neuen Agentur arbeiten wir daran. Ich will keinen LöwenBlues. Ich will Rock’n’Roll!
In den Foren, die Sie erwähnten, ist Trai-
„Was ist Stärke? Ist es eine kommunikative Stärke? Ist es Stärke, wie sie Herr Wildmoser gezeigt hat: beizeiten auf den Tisch
hauen? Ich denke schon, dass 1860 von einer starken Führung sehr abhängig ist.“ – Gerhard Mayrhofer. FOTO: SAMPICS / STEFAN MATZKE
ner Alexander Schmidt nicht erst seit der
Auftaktpleite am Pranger.
Ich kann diese Foren nicht ernst nehmen.
Was da teilweise geschrieben wird von
selbsternannten Fußballexperten, die sich
anonym verlustieren an irgendwelchen
Dingen, ist vollkommen unseriös. Das ist
nicht mal lustig. Ich finde das ehrlich gesagt ekelhaft. Für mich sind das alles keine
Löwen, die so über den Verein reden. Natürlich ist mir Kritik am Trainer nicht entgangen. Alexander Schmidt ist unser Trainer.
Da gibt es nicht viel zu sagen. Ich finde es
unprofessionell, nach dem ersten Spiel wieder in eine Trainerdiskussion einzusteigen. Wenn man über Personalien redet,
muss man auch verstehen: Wir handeln im
Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten, die begrenzt sind.
Sie haben mal gesagt, Sie würden nicht tatenlos zusehen, wenn es zu Beginn nicht
läuft. Können Sie das präzisieren?
Nein, ich kann’s nicht präzisieren. Ich sehe
uns als gesamtes Gebilde. Und wenn es
nicht läuft wie erhofft, müssen wir handeln. Was nicht meinem Naturell entspricht, ist lange zuzusehen. Wie wir handeln, muss sich zeigen.
Halten Sie den Eindruck der Vergangenheit, Sechzig sei ein Chaosverein, für hausgemacht oder ist die Presse schuld?
Die Schuld bei der Presse zu suchen, wäre
mir zu einfach. Wobei die Presse – unterstelle ich mal – auch ihren Spaß am Komödienstadl 1860 hat. Das ist nichts Schlimmes. Wir sind nur in der Pflicht, diesen Komödienstadl nicht zu bieten. In der Vergangenheit wurden da viele Fehler gemacht.
Meinen Sie das allgemein oder Ihren Vorvorgänger Dieter Schneider?
Ich kann gar nicht weiter zurückschauen
als bis zu Schneider, wobei ich gar nicht so
viel über ihn reden möchte. Wer bei der Mitgliederversammlung war, hat eine Situation erlebt, die nicht glücklich war.
Das Thema, das Schneider ansprach, ist
aber von Belang: Es geht darum, wie der
Verein mit Investor Hasan Ismaik umgeht. Geschäftsführer Robert Schäfer
sprach davon, dass man die Hand ausstrecke – erwähnte aber nicht, dass er mit einem Schreiben an die Behörde den Aufenthalt von Ismaiks Cousin und Statthalter
Noor Basha in Deutschland gefährdete.
Er hat nicht das Thema Noor Basha angesprochen. Er hat das Thema Aufenthaltsgenehmigung von Noor Basha angesprochen. Und das ist die Aufgabe von Herrn
Die hausinternen Kommunikationsregeln
muss Jon DiSalvatore erst noch lernen. Andererseits spricht es für den 32-Jährigen,
dass er seine Vorfreude offenbar nicht zurückhalten konnte und seinen Wechsel
zum EHC München am vergangenen Wochenende noch vor der Bekanntgabe durch
den Klub aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) twitterte: „Wir wagen den Sprung
über den Teich.“ Der Stürmer, „stolzer Vater von drei wunderbaren Töchtern“, wie
er selbst sagt, hat in München einen Vertrag für die kommende Saison unterschrieben. Dort wird er nicht weniger freudig erwartet: „Jon war in den letzten Jahren ein
äußerst zuverlässiger und konstanter Scorer“, sagt EHC-Trainer Pierre Pagé. „Er ist
zweifelsohne eine echte Bereicherung für
unseren Klub“ – zumal der EHC bislang
vor allem auf körperliche Robustheit setzte. Der US-Amerikaner spielte zehn Jahre
lang in der American Hockey League
(AHL). Dort stand er zuletzt bei den Hershey Bears unter Vertrag. In seiner AHLZeit brachte er es in 797 Partien auf
559 Scorerpunkte (236 Tore). Robust ist er
außerdem: Bei 1,85 Meter Größe bringt DiSJO
Salvatore 90 Kilo auf die Waage.
Es geht da ja um das Verhältnis zum Investor, an dem ist immerhin das Präsidium
Schneider gescheitert.
Das vorherige Präsidium ist an sich selbst
gescheitert.
Was meinen Sie damit?
Das meine ich immer so: Man scheitert immer an sich selbst. Man scheitert nie an
den äußeren Umständen. Ich kann mich erinnern, dass bald, als Ismaik eingestiegen
war, sofort geredet wurde: Wir werden unsere Eigenständigkeit bewahren, wollen
nicht abhängig sein. Was soll ich dazu sagen? Das machte zu diesem Zeitpunkt
nicht wirklich Sinn. Es hätte wahrscheinlich viel mehr Sinn gemacht, Herrn Ismaik
viel direkter einzubinden. Danach führte
eines zum anderen. Es kann natürlich auch
sein, dass sich die Interessenslage von unserem Investor geändert hat – das kann ich
aber noch nicht beurteilen.
1860 pendelte gegenüber Ismaik zwischen Goodwill und absoluter Konfrontation. Was wollen Sie versuchen?
Wenn man es auf die Fakten reduziert,
dann hat sich Herr Ismaik ein Stück einer
Fußballfirma gekauft hat, einen signifikanten Teil. Das ist aber dann nicht mehr weiterentwickelt worden – da möchte ich ansetzen, da werden jetzt erste Gespräche
stattfinden: wie wir diese Fußballfirma gemeinsam weiterentwickeln können – ob
wir sie weiterentwickeln können. Denn die
Situation kann natürlich auch weiterhin so
bestehen wie sie ist: dass Herrn Ismaik ein
signifikanter Teil dieser Firma gehört,
aber wir selber dafür sorgen müssen, dass
wir sie weiterentwickeln.
Wie zuversichtlich sind Sie, dass die KGaA
ohne Hilfe von Ismaik bestehen könnte?
Man muss das ein Stück weit anders betrachten: Denn Herr Ismaik hat uns eine
große Hilfe bereitet. Ohne ihn wäre der
TSV 1860 heute nicht mehr da, wo er jetzt
ist, das ist ganz klar, das muss man so sehen, und dafür gebührt ihm auch Dank.
Aber wir müssen auf eigenen Beinen stehen. Das schließt Herrn Ismaik nicht aus,
aber zum heutigen Zeitpunkt können wir
uns nicht darauf verlassen, dass an der Stelle etwas passiert. Das kann sich verändern,
aber aus heutiger Sicht müssen wir selber
für uns sorgen. Und das ist ja auch nichts
Schlimmes, ich glaube sogar, das ist ganz
anständig: wenn eine Firma selber dafür
sorgt, dass sie nach vorne kommt.
Ismaik hat oft betont, er wolle mit Schäfer
nicht mehr zusammenarbeiten. Womöglich wiederholt er diese Forderung.
Das ist hypothetisch. Könnte sein. Wenn
Herr Ismaik das so sehen sollte, dann muss
man darüber reden, keine Frage. Aber wer
„Wenn ich so unter Beschuss
geraten würde wie Steiner,
würde ich auch zurücktreten.“
auf der Mitgliederversammlung war, hat
einen Robert Schäfer erlebt, der etwas offensiver die Dinge gezeigt hat, die er in der
Vergangenheit gemacht hat. Ich habe ja in
meiner Rede über 1860 als Ausbildungslager für Funktionäre gesprochen – das meine ich auch so. Es wäre fatal, wenn man jemanden ausgebildet hat und sich von ihm
trennt, wenn er gerade anfängt, gute Arbeit zu machen. Das habe ich in meinen Firmen, in denen ich früher gearbeitet habe,
auch nie gemacht. Wenn jemand durch so
eine harte Zeit geht, das überlebt, dann ist
er meistens gestählt für die Zukunft.
Was könnte der Investor seinerseits tun?
Ich habe da keine Erwartungshaltung. Wir
werden jetzt mit seinem Cousin sprechen
und müssen ein Gefühl dafür entwickeln,
wie die Situation bei Herrn Ismaik wirklich
ist. Dann werden wir uns treffen, und es ist
auch vollkommen irrelevant, ob das in
Der halbe Rücktritt von Otto Steiner war
sicher keine große Wahlhilfe für Sie.
Der Steiner Otto ist ja so arg unter Beschuss geraten – wenn ich so unter Beschuss geraten würde wie er, dann würde
ich auch zurücktreten.
Können Sie die Kritik an Steiner verstehen? Es fragen sich ja alle: Wie konnte es
der Aufsichtsrat vor Ismaiks Einstieg zulassen, dass sich 14 Millionen Euro Schulden aufgebaut haben?
Fragen Sie den Verwaltungsrat. Ich habe
meine Meinung dazu schon geäußert.
Aber sehr verklausuliert. Wie wäre es
denn in der freien Wirtschaft?
In der freien Wirtschaft würde der CEO
auch nicht den Aufsichtsrat entlassen.
Aber wenn man fast pleite geht, muss der
Aufsichtsrat mal darüber nachdenken, ob
er so der richtige ist. Aber wenn ich mich
permanent nur in der Vergangenheit suhlen würde, dann bräuchte ich 50 Jahre für
die Aufarbeitung, weil so viele Fehler passiert sind. Das macht überhaupt keinen
Sinn. Deshalb rede ich lieber über die Gegenwart.
Wie stark wollen Sie sich in das Geschäft,
in die Zahlen der KGaA vertiefen?
Sehr.
Sehr?
Sehr. Das ist etwas, das vollkommen vernachlässigt worden ist in der Vergangenheit. Ich möchte professionellere Strukturen aufsetzen. Ich möchte ein funktionierendes Reporting, damit wir zu jedem Zeitpunkt wissen, wo genau wir stehen mit unseren Finanzen. Das kann ja bei einem Fußballverein nicht allzu schwierig sein. So
komplex ist das ja nicht. Damit haben wir
vorletzten Freitag begonnen.
Diesen Satz hätte auch Ismaik sagen können. Hat er sogar schon: professionellere
Strukturen, besseres Reporting.
Ganz genau. Da verstehe ich ihn auch.
Da sind Sie schon mal auf einer Seite.
Das würde ich jetzt nicht sagen. Wir kennen uns ja noch nicht. Aber Herr Ismaik ist
ein Geschäftsmann und ich mache das ja
auch schon seit ein paar Jahren. Es gibt einfach ein paar Basics, die müssen sein.
Wenn ich als Präsident des TSV 1860 nicht
weiß, wo wir mit unseren Finanzen stehen,
dann fühle ich mich nicht wohl. Das geht in
keiner Firma und auch nicht in einer Fußballfirma. Drum muss das her!
Weltmeister mit Ankündigung
Scorer für den EHC
DEL-Klub holt US-Profi DiSalvatore
Noor Basha, dafür zu sorgen, dass er sie bekommt. Das ist nicht Sache des Vereins.
Wenn Herr Basha Probleme mit seiner Aufenthaltsgenehmigung bekommt, würde
ich ihm auch dabei helfen. Dann muss er
mit mir reden, das hat er nicht getan. Offensichtlich ist dieses Problem nun erledigt.
Es ging nur darum, Zwietracht zu sähen.
Schäfer selbst ist in Vorleistung gegangen
und hat eine schriftliche Erklärung abgegeben, dass 1860 Basha als Scout anstelle.
Wissen Sie das so genau?
Das Schreiben liegt vor.
Dann müssen Sie Herrn Schäfer fragen.
Dann kann ich nichts dazu sagen. Ich würde mich lieber über den TSV 1860 unterhalten als über Aufenthaltsgenehmigungen.
Darum geht’s doch überhaupt nicht – oder
was ist denn so interessant daran? Klar,
das ist der Cousin von unserem Investor,
und der möchte offensichtlich gerne in
Deutschland bleiben. Niemand hat irgendein Problem damit. Wir werden uns jetzt
dann irgendwo mit ihm treffen und werden ein erstes Gespräch führen. So.
Aber der Verwaltungsrat, der den Bruch
mitgetragen hat, ist kaum verändert.
Kann schon sein, dass sich Herr Ismaik
jetzt beim Herrn Steiner entschuldigen
muss, aber der Herr Steiner ist ja auch zurückgetreten als Vorsitzender des Verwaltungsrates.
Aber er bleibt ja nach wie vor im Amt.
Das kann sein, das müssen Sie den Verwaltungsrat fragen. Das ist ja mein Kontrollgremium. Ich denke, dass sich die Dinge
insgesamt verändern werden bei 1860,
nicht nur das Präsidium. Ich habe ja gesagt, dass ich die Verantwortlichen auffordere, ihre Leistungsbilanz zu überprüfen
und eventuell Konsequenzen zu ziehen.
Sie haben nicht nur über Ex-Funktionäre
gesprochen – auch über Funktionäre.
Absolut. Selbstverständlich. Man sollte
sich jeden Tag überprüfen. Also ich mache
das jedenfalls schon.
Daraus kann man ableiten, aus Ihrer Sicht
sollte der eine oder andere sein Mandat
zur Verfügung stellen?
Könnte man daraus ableiten, ja.
Sie haben genau im Hinterkopf, wer sich
da angesprochen fühlen könnte.
Ich glaube schon, dass sich da jemand angesprochen fühlt. Natürlich formiert sich so
ein Bild über die Zeit. Ich glaube, wir werden in alle Gremien Bewegung bringen.
davor hat er seinen Sieg ja außerdem angekündigt“, sagt Alfred Castaño Manías, Vorstandsvorsitzer des Nürnberger Vereins.
Und tatsächlich, die Form von Gülec verbesserte schon die ganze Saison lang stetig. Vor allem bei Weltranglisten-Turnie-
„Morgen ist es so weit.
Mexiko World Championship“: Tahir Gülec, der
aus einer Taekwondo-Familie stammt, strahlte
vor dem WM-Finalkampf
Zuversicht aus. Jubeln
konnte auch Schwester
Rabia – sie holte Bronze.
FOTO: TAEKWONDO ÖZER
ren ließ er seine Konkurrenten chancenlos. Er entschied die Swiss Open und die US
Open für sich und besiegte dabei unter anderem die Nummer zwei der Welt. „Dass er
bei der WM auch die Nummer eins schlagen kann, hat er gewusst“, sagt Manías.
Den Beweis, dass er das wirklich kann,
musste Gülec dann nicht einmal antreten,
denn für den vermeintlich größten Gegner
war bereits im Viertelfinale Endstation. Gülec konnte hingegen niemand stoppen.
Selbst die mexikanischen Fans nicht, die
im Finale ihren Landsmann Rene Lizarraga anfeuerten. Am Anfang zeigte das Wirkung. Früh lag Gülec mit 0:3 Punkten zurück, im Taekwondo ist das ein recht ordentlicher Rückstand. Der Nürnberger
drehte den Kampf aber und bewies kurz
vor dem Ende sein taktisches Geschick:
Statt einen Treffer zu riskieren, der möglicherweise zu einer Niederlage geführt hätte, kassierte er absichtlich einen Strafpunkt, und ließ so die Zeit runterlaufen,
der Taktiker siegte mit 8:7.
Dass er mit 21 Jahren schon so abgebrüht ist, muss an seinen Genen liegen. Die
Familie Gülec ist im Taekwondo seit Jahren erfolgreich. Özer Gülec ist nicht nur Tahirs Onkel, sondern auch sein Vereinstrainer und einer von drei Disziplin-Bundestrainern. Von ihm hat sich Tahir viel abgeschaut. Auch seine Schwester Rabia ist in
der Weltspitze vertreten. Bei der WM holte
sie in der Klasse bis 62 Kilo Bronze. „Özer
„Ich habe einen
Maulwurfsensor! Aber zittern
braucht vor mir keiner.“
Die ersten Fans träumen ja schon vom VWStadion. Und Sie haben ja auch das Grünwalder noch nicht ganz abgeschrieben.
Ich bin absolut überzeugt, dass dieser Verein ein eigenes Stadion braucht. Fußball
ist Emotion, das ist ja nichts Rationales.
Und für Emotion brauche ich ein Zuhause.
Das gibt es ja in ganz Deutschland nicht,
dass sich zwei Vereine ein Stadion teilen.
Wir brauchen ein Zuhause für unsere Identität. Und es wäre ein großer Meilenstein
für unsere finanzielle Sicherheit. Derzeit
haben wir Aufwendungen in der Arena, die
in keinem Verhältnis zum Erlös stehen.
Vier bis fünf Millionen im Jahr…
Ja, und darüber hinaus. Es ist ein ordentlicher Batzen, der uns jedes Jahr zu kauen
gibt. Und wenn wir schon so einen tollen
Partner wie VW haben, dann könnten wir
den natürlich in einem eigenen Stadion
ganz anders inszenieren. Aber so ein Stadion muss finanziert werden, es kostet etwa
50 Millionen, die können wir ja nicht aus
der Vereinskasse bezahlen. Da werden wir
entsprechende Partner benötigen. Ich
möchte erst einmal das Stadion-Projekt
als Projekt aufsetzen. Das wird am kommenden Freitag passieren. Dann wird es einen entsprechenden Projektplan geben
und wir werden uns immer wieder treffen
und besprechen: Wo stehen wir eigentlich
gerade, wie weit sind wir.
Es gab ja schon mal so eine Gruppe…
Ja, aber diese Gruppe hat nie gelebt.
Oder gearbeitet...
Oder gearbeitet.
Wie überredet man den FC Bayern, die bis
2025 gültigen Mietverträge aufzulösen?
Da müssen wir Gespräche führen, das
kann ich nicht sagen, wie man den FC Bayern überredet. Aber der FC Bayern hat
schon ein Interesse, ein eigenes Stadion zu
haben. Das nur FC-Bayern-gebrandet ist.
Uli Hoeneß mag es ja bestimmt nicht,
wenn das Stadion blau leuchtet.
Das mag er nicht. Das kann ich verstehen.
Politisch ist ein neues Stadion in München
quer durch die Fraktionen nicht gewollt.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass man in
München dem TSV 1860 langfristig ein eigenes Stadion verwehren kann.
Sie kennen das Umfeld hier. Warum tun
Sie sich das an?
Das ist die Frage, die mir in den letzten Wochen am häufigsten gestellt worden ist.
Warum tue ich mir das an? Weil ich glaube,
dass ich es kann. Das ist ein Löwenkäfig,
da muss man mit Kratzern umgehen und
auch selbst mal zubeißen.
Und wenn einer nicht direkt attackiert,
sondern hintenrum – zum Beispiel über
die Presse? Soll bei Sechzig vorkommen.
Ich habe einen Maulwurfsensor! Aber zittern braucht vor mir keiner, ich bin ja kein
Unmensch. Nur arbeiten müssen alle.
Auch Fehler dürfen passieren, aber möglichst nur einmal. Wo ich reinkomme, mache ich Wind. Da mache ich Impact.
Aha, wie ein Meteorit, der einschlägt?
Ich glaube schon, ja.
Moldans Magen
Tahir Gülec aus Nürnberg beschert Deutschland bei der Taekwondo-WM in Mexiko das erste Gold seit 18 Jahren
Mit ausgestreckten Armen stand er da, in
der dunklen Nacht von Puebla, der Millionenstadt Mexikos, und ließ sich fotografieren. Wenige später landete der Schnappschuss im Internet. Genauer gesagt dort,
wo jeden Tag unzählige Fotos, Nachrichten
und Kommentare landen: auf Facebook.
Tahir Gülec, 21, schrieb dazu: „Morgen ist
es so weit. Mexiko World Championship.“
Am nächsten Tag machte der Nürnberger sein Versprechen wahr und holte Gold
bei der Taekwondo-WM. Es ist der erste Titel für Deutschland seit 18 Jahren. Damals,
1995, hatte Aziz Acharki gewonnen, nun
führte der Bundestrainer seinen jungen
Schützling in der Gewichtsklasse bis 80 Kilogramm zum WM-Triumph. „Ich bin sehr
froh, dass es uns gelungen ist, diese Durststrecke zu beenden“, sagte Acharki. Während er und Gülec nach dem Sieg am Sonntagabend (Ortszeit) in Mexiko die Korken
knallen ließen, erfuhr man in Nürnberg bei
seinem Verein Taekwondo Özer durch die
Zeitverschiebung erst spät in der Nacht
von dem Erfolg. „Das ist eine Sensation. Tahir hat gewusst, dass er in einer guten
Form ist und er es schaffen kann. Am Tag
Wie sehen die Zahlen denn aus?
Es wird noch in dieser Woche eine offizielle
Präsentation der Zahlen von Robert Schäfer stattfinden. Dann kann ich mehr sagen.
Es sieht aber nicht so finster aus wie die vergangenen Jahre – das ist meine erste Einschätzung.
Sind Sie ein Freund des Beraterwesens? Ismaik hat Roland Berger ins Spiel gebracht, um mal alles zu durchleuchten…
Ich habe grundsätzlich mit externen Beratern kein Problem. Sonst hätte ich mit mir
Probleme: Ich bin ja selber einer. Ich habe
auch Kontakte zu Roland Berger. Alles, was
hilft, wird gerne genommen. Nur muss es
im Rahmen unserer Möglichkeiten liegen.
Für mich ist es wichtig, möglichst viele Gespräche zu führen und möglichst viele Perspektiven zu sehen. Ich bin keiner, der sich
hersetzt und sagt: Ich bin Kaiser und Gott.
Ich arbeite mit Menschen. Und Marken.
Ich versuche, die zusammen zu bringen.
ist der Motor des Taekwondos in Deutschland. Er denkt an nichts anderes“, sagt Manías, der stolz ist auf seinen Verein. „Wir haben nur knapp 100 Mitglieder, aber bei fast
jedem Training sind Europameister vertreten.“ Jetzt ist mit Tahir Gülec auch noch
ein Weltmeister dazugekommen. Nicht verwunderlich also, dass für ihn bei seiner Ankunft am Mittwochabend ein großer Empfang vorbereitet wird.
Der Stellenwert von Taekwondo ist in
Deutschland noch gering. In anderen Ländern wie etwa in der Türkei werden Weltmeister verehrt und nach ihnen Sporthallen benannt. „Das sind dort reiche Superstars“, sagt Manías. In Deutschland ist das
anders. Gülec muss auf die Unterstützung
von Sponsoren hoffen. Durch den WM-Titel soll die Suche nun erleichtert werden.
Aus marketingtechnischen Gründen hat
sich Gülec vor dem Turnier noch schnell eine Internetseite professionell einrichten
lassen. Vielleicht deshalb, weil er geahnt
hat, dass es in Mexiko mit dem WM-Titel
klappen könnte. Den hat der Nürnberger
am Tag zuvor dann auch der ganzen Welt
angekündigt.
MANUEL FISCHER
Neef und Kuhn gewinnen Allgäu-Triathlon
Sebastian Neef (Tristar Regensburg) hat
beim 31. Allgäu-Triathlon in Immenstadt
das Rennen über die Halbdistanz gewonnen. Der 24-Jährige benötigte für zwei Kilometer Schwimmen, 80 Kilometer Radfahren und 20 Kilometer Laufen 3:59:51 Stunden, es war sein erstes Rennen über die
Halbdistanz überhaupt. Neef war dem
Zweitplatzierten
Johannes
Moldan
(SV Würzburg 05) nach acht Kilometern
auf der Laufstrecke entwischt, weil Moldan eine Toilette aufgesucht hatte – der
Magen. Bei den Frauen gewann Nina Kuhn
(Mainz/4:40:40). Lukas Schüßler vom
TV Immenstadt entschied den Wettkampf
über die olympische Distanz (1,5/42/10)
für sich, er wurde damit auch bayerischer
Meister, in 2:12:59 Stunden. Die Frauenwertung gewann Bettina Lange (TSV Bargteheide/2:29:57), den bayerischen Titel holte sich Nadja Krumm (Tri Team Fürstenfeldbruck/2:43:23).
JKN
Sport in Bayern
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bayernsport@sueddeutsche.de
MEDIEN
DEFGH Nr. 168, Dienstag, 23. Juli 2013
HBG
31
Training für
Angestellte
„Tweed“ würde gerne britischen Lebensstil vermitteln
Nein, man wird leider kein Gentleman,
indem man Gentleman-Magazine liest. So,
wie man auch nicht königlicher wird, wenn
man die Geburt eines königlichen Babys in
Echtzeit verfolgt.
Nehmen wir mal das Schuheputzen.
Das Schuheputzen ist ja immer ein ganz
großes Ding in solchen Blättern, so auch in
dem ersten Heft des neuen Magazins
Tweed, das jetzt deutschen Männern „britischen Lebensstil“ nahebringen will. Da
wird von „Schuhpflegeseminaren“ berichtet, die „voll im Trend“ seien. Und wieder
einmal wird die penible, wenn auch nicht
sehr alltagsstresskompatible Vorschrift erteilt, dass die Schnürsenkel zum Putzen
„natürlich“ stets herauszunehmen seien.
Der Gentleman alter Schule
hatte für solche Sachen Personal
Mark van Huisseling, Bling-Bling-Journalist: Es funkelt an seiner Hand wie in seinen Texten. Nur seinen Maserati hat er nicht mehr. Jetzt fährt er Saab.
FOTO: SUCCOMEDIA
Alles über mich
Egal, über welchen Prominenten Mark van Huisseling schreibt, er schreibt vor allem über sich selbst.
So möchte der Journalist Glamour in die Schweizer Langweiligkeit bringen. Dafür erntet er Hass
VON MARCO MAURER
W
enn man einem Land und seinen
Bewohnern keine Allüren zuschreiben mag, dann der
Schweiz. Hat sie doch einen Promi von
Weltruhm wie den Tennisspieler Roger Federer, dann kommt der eher diskret rüber.
Welchen Ansatz wählt man aber, wenn
man hauptsächlich über Prominente
schreibt – ausgerechnet in der Schweiz?
Man sucht sich internationale Berühmtheiten. Und: Man legt sich selbst Allüren zu.
So könnte man das Schaffen Mark van
Huisselings sehen. An einem Freitagmorgen, acht Uhr, in einem Cafè an den Ausläufern des Zürichbergs lässt sich diese Frage
mit ihm erörtern. Van Huisseling oder
auch „MvH“, Jahrgang 1965, ist unter seinem Chef Roger Köppel Stilexperte des
Schweizer Wochenmagazins Weltwoche.
Mit Vorliebe schreibt er kolumnenartige
Porträts. Populär wurde MvH durch seine
Kolumne „Kaufzwang“, für die er allerlei
Prominente von Mariah Carey bis Robbie
Williams traf. Heute heißt sie „MvH trifft“.
Zudem leitet van Huisseling das Stil-Magazin der Weltwoche, das mittlerweile den
schlichten Titel WW trägt.
Er kombiniert Halstuch
mit feinem Hemd, im Hintergrund
spielt Kammermusik
Van Huisseling kombiniert Halstuch
mit feinem Hemd, im Hintergrund spielt
Kammermusik. Der Ort ist mit Bedacht gewählt, van Huisseling bestellt sich einen
Tee und „a Gipfeli“, ein Croissant – und
das in bernerischem Idiom, was daran
liegt, dass er ursprünglich nicht der Zürcher Goldküste, sondern vielmehr dem
eher migrantisch geprägten Bern-Bümpliz
entstammt. Vater wie Mutter sind Supermarkt-Angestellte, er selbst ist Einzelkind. Verschlungene Wege führten ihn in
seine heutige Heimat. Die Basler Zeitung
schrieb jüngst über diese Zeit: „Mark ist einer, der zweimal geboren wurde. Das zweite Mal mit 25, und die Mutter, die ihn zur
Welt brachte, und der Gebärsaal waren
identisch: Zürich.“
Über die Schweizer Protagonisten seiner Geschichten, Prominente und Schweizer der Öffentlichkeit, sagt van Huisseling:
„Jedes Land hat die Berühmtheiten, die es
verdient. Die Schweiz hat vielleicht nicht
keine, aber wenige. Die gute Nachricht: Es
gibt auch fast niemanden, der darüber auf
eine, so finde ich, kluge Art schreibt.“
Zack, da ist er also in Person, der stets von
sich überzeugte van Huisseling, über den
viele Schweizer vor allem sagen: „Oh weh,
dieser Egozentriker!“ Die Schweizer Illustrierte schreibt, er sei der „meistgehasste“
Journalist der Schweiz. Hintergrund ist,
dass er in der oftmals zurückhaltenden
Schweiz kaum zurückhaltend agiert. Er
schreibt in seinen Kolumnen radikal subjektiv, das „Ich“ ist immer präsent, und vor
allem zieht er über internationale Stars genauso her wie über schweizerische Eigenheiten. Er spricht, wenn Eidgenossen diskret schweigen, und manchmal sind seine
Texte auch einfach sehr anders als die üblichen Beschreibungen von Promi-Treffen.
Jüngst veröffentlichte die Weltwoche ein
Protokoll des Treffens zwischen Elke Heidenreich und van Huisseling. „Der fragt
mich nach dem Lieblingsrestaurant, nicht
nach dem Lieblingsbuch? Ist auch komisch“, wird Heidenreich zitiert.
Manch ein Promi fühlt sich vor den Kopf
gestoßen, Michelle Hunzikers Manager
schrieb ihm mal: „Wenn sie einer nicht
sprechen darf, dann sind Sie das.“ Der Regisseur Spike Lee schwärmte dagegen:
„Hey, coole Frage, Mann – für wen
schreibst Du noch mal?“ Thomas Borer,
der ehemalige Schweizer Botschafter in
Berlin, sagte wiederum: „Wie ein billiger
Paparazzo!“ Van Huisselings Texte polarisieren, weil sie frech und ungeschönt sind,
und vor allem weil sie immer auch von ihm
selbst handeln.
Wenn er über die Gründe seines PromiFaibles spricht, ist auch dieser dauerpräsente Ich-Kosmos herauszuhören: „Erstens: Prominente zu interviewen, ist sehr
einfach. Zweitens wird man als Journalist
durch die Nähe selber prominent. Das ist
wie beim Leichentuch von Jesus – das ist
jetzt auch heilig. Drittens: Eine Plattitüde
von einem Prominenten kommt immerhin
von einem Prominenten.“
Er habe versucht,
eine Marke aufzubauen, eine
Unverwechselbarkeit zu erreichen
Auf die Frage ob ein Text von ihm ohne
„Ich“ nicht funktioniert, antwortet er:
„Das ist doch bei jedem so, oder?“ Dass der
Leser dann auch aus einem MvH-Text
über Rio erfährt, dass dieser nicht unbedingt das Faible der Brasilianer für – Zitat
van Huisseling –„mehr bunda“, also eher
beleibtere Hintern, teilt, ist ein gewollter
Kollateraleffekt bei van Huisseling. Er
scheint gerne mit seinem Image zu spielen. Es ist kein Geheimnis in Zürich, dass
van Huisseling zu Interviews früher mit seinem Maserati vorfuhr. Auf diese Inszenierung angesprochen, hüstelt er in seinen
Tee und sagt: „Ich habe versucht, eine Marke aufzubauen, eine Unverwechselbarkeit
zu erreichen. Im Beruf bin ich egozentrisch, im privaten Leben weniger, hoffe
ich. Es gibt einen MvH und einen Mark van
Huisseling. MvH ist der für die Medien, der
andere ist der Mensch.“ Außerdem sei die
Maserati-Zeit nun vorbei, er fahre nun
Saab, was er mit einem Fingerzeig auf seinen Schlüssel bestätigt.
Mitarbeiter beschreiben van Huisseling
als loyalen, netten Chef. Sich eine Marke
als Journalist zuzulegen, gilt seit einiger
Zeit als sinnvoll in der kriselnden Print-Industrie. Van Huisseling hat das früh erkannt; er ist ein Fan des verstorbenen Reporters Marc Fischer und dessen subjektiven Texten, die ihn zu einem Wegbereiter
des Popjournalismus machten. Züge davon tragen auch die MvH-Texte, Marke flanierender Bling-Bling-Boulevard-Journalismus. Die äußerst wertkonservative Weltwoche unter Roger Köppel ist nicht unbedingt das Medium, bei dem man das erwartet, weil sie ganz weit weg ist von den schönen Dingen, über die MvH etwa in seinen
Stil-Magazin schreibt. So schürt Köppel in
der regulären Weltwoche eher Ängste, etwa
gegen den Islam, Migranten oder die europäische Idee. Darauf angesprochen lacht
MvH gequält und sagt: „Was soll ich sagen?
Es ist vermutlich schon so, dass einzelne
Ausgaben der Weltwoche keinen Rückenwind für uns verursachen.“ Das WeltwocheLogo auf dem Titel der Stil-Beilage wurde
immer kleiner. Dem Stilexperten van Huisseling war es wohl ein Dorn im Auge. „Wir
haben uns entschieden, den Namen zu
wechseln. Das ist eigentlich Aussage genug. Und im Detail, ja, das Image passte
nicht. Für Anbieter von Luxuswaren, für
die wir im Heft werben, ist jede Art von politischer Positionierung falsch.“
Dieser Ansatz passt auch zum Privatmann van Huisseling, der über sich sagt:
„Ich habe keinen politischen Lebensentwurf. Ich war seit 15 Jahren nicht mehr
beim Wählen. Ich habe einen Zweitwohnsitz in Ibiza. Ich interessiere mich für einen
funktionierenden Flughafen und niedrige
Steuern.“ Auf die Nachfrage, ob er deshalb
unsozial sei, sagt er: „So gesehen – ja.“
Nach diesem Satz trinkt er einen Schluck
Tee, seine Mimik verrät, dass ihm diese
Worte gut gefielen. In Sätzen wie diesen
spricht die Lust am Polarisieren mit, sie
sind glaubhaft, klingen nach van Huisseling, nicht nach der Marke MvH.
Das oft zögerliche Schweizer Fernsehen
(SF) schreibt van Huisseling zu, der „bekannteste“ Vertreter seines Handwerks zu
sein. Am ehesten der Wahrheit entspräche
wohl, dass van Huisseling einer der durchgeknalltesten Schreiber der eidgenössischen Journalisten-Zunft ist. Und das ist ja
auch ein Wert.
Aber hat man eigentlich je den Gentleman alter Schule, auf den sich Herren- und
Stil-Magazine gerne berufen, beim Herausfriemeln von Schnürsenkeln aus seinen Lederschuhen gesehen? Hat man je gehört,
dass er in Oxford ein Schuhpflegeseminar
belegt hätte? Hat man nicht. Der Gentleman alter Schule hatte für solche Aufgaben nämlich Personal.
Und damit ist auch das Problem der
meisten Heraufbeschwörungen der feinen
englischen Art benannt: Sie richten sich
nunmehr an gehobene Angestellte, die
sich einen Stil antrainieren wollen. Sie sitzen auf Dienstreisen am Flughafen, blättern in entsprechenden Magazinen herum
und schwelgen, wie in Tweed, in folgenden
Themen: Maßanzüge, teure Hemden,
100 Jahre Aston Martin, edle Füllfederhalter, Benimm- und Stilregeln, Rasiermesser, Oldtimertreffen, Polo-Clubs, das legendäre Savoy-Hotel in London, die schätzungsweise siebentausendste Reportage
aus einer Whisky-Destillerie . . .
Da sind gewiss viele schöne Dinge dabei. Was sich aber für den Edelmann aus
Besitz und Erziehung ergab, das droht,
demonstrativ bemüht, zur affigen Maskerade zu werden. Und das gilt erst recht für
Deutsche, die ihre – durchaus berechtigte – Anglophilie allzu sichtbar nach außen
tragen. Es ist dies ja eine Liebe, die von den
wenigsten Engländern erwidert wird – ein
bisschen zu viel Tweed eben. (Ein Wort,
das heute übrigens niemand ungestraft
mit „Tweet“ verwechselt.)
Having said that – auch wenn man diese
Warnungen beherzigt, macht es natürlich
trotzdem Spaß, sich englische Herrenbekleidung oder Herrenhäuser anzuschauen. Weil sie schön und bewährt gut gemacht sind. Und wenn man es nicht übertreibt mit dem Gehabe, dann kann man
sich, auch aus dem Magazin Tweed (Startauflage: etwa 80 000), ein paar ganz einfache, sinnvolle Alltagsregeln abschauen:
zum Beispiel niemals ein Sakko zu kaufen,
das irgendwo Richtung Knie herunterhängt, und niemals kurzärmelige Oberhemden zu tragen. So kann vielleicht auch
der Traum vieler Männer mit etwas Geld
und wenig Zeit wahr werden: haltbare, stilvolle Sachen zu erwerben und dann sehr,
sehr lange nicht einkaufen zu gehen.
All das müsste allerdings in einem Magazin über britischen Stil selber mit Stil und
Witz vorgetragen werden. Davon kriegt
man aber für 9,80 Euro pro Tweed-Heft (alle zwei Monate) in den Texten noch ziemlich wenig geboten. Das Blatt erscheint im
Wieland Verlag, der sonst auf Fachliteratur
über Messer und Klingen spezialisiert ist.
Da gibt es an der Schärfe des Stils noch einiges zu schleifen.
JOHAN SCHLOEMANN
Maßanzüge, Füllfederhalter, Benimmregeln: die erste Ausgabe von Tweed.
Loriots Prototyp
Der Schauspieler Heinz Meier ist tot
Sind nicht die Kleindarsteller die wahren Helden? Weil man sich mit ihnen
so gut identifizieren kann? Zum Beispiel Snorre bei Wickie, Eddi Arent in
den alten Winnetou-Filmen oder Hänschen bei Schimanski? Der große deutsche Humorist Loriot (1923-2011) verlangte gerade von seinen Kleindarstellern eine ungeheure Perfektion. Jedes
Wort, jede Betonung, jede Gesichtsregung musste hundertprozentig seinen
Vorstellungen entsprechen. Erst dann
war’s lustig. „Ich heiße Erwin Lindemann, bin Rentner und 66 Jahre. Mit
Heinz Meier (links) als Lottogewinner Erwin Lindemann.
FOTO: DPA
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meinem
Lottogewinn
von
500 000 Mark mache ich erstmal eine
Reise nach Island. Dann fahre ich mit
meiner Tochter nach Rom und besuche eine Papstaudienz. Und im Herbst
eröffne ich in Wuppertal eine Herrenboutique.“ Was man aus diesen
schlichten Sätzen herausholen kann,
das hat Loriots Ensemblemitglied, der
wunderbare Kleindarsteller Heinz Meier vor mehr als 35 Jahren in einem
Sketch gezeigt.
Der in Ostpreußen geborene und
bei Lörrach lebende Schauspieler war
für Loriot der Prototyp des einfachen
Mannes. Neben Evelyn Hamann (1942
-2007) testete er beim Einkauf Ehebetten („Meine Frau hopst, wo sie will“),
servierte im Restaurant seinem Gast
Kalbshaxe („Schmeckt’s?“) oder stritt
mit einem befreundeten Paar um das
Zitronencremebällchen („Liselotte!
Erich! Roswitha! Walter!“). In seinem
Freiburger Wallgraben-Theater stand
Meier noch vor einem Monat mit Loriot-Sketchen auf der Bühne. Nun starb
er, einer der großartigsten Kleindarsteller, die dieses Land je gesehen hat.
Er wurde 83 Jahre alt. MARTIN ZIPS
. . . heute auf
Kaufdown.de
ersteigern
Kaufdown
Die Auktion, bei der der Preis sinkt
Sie sind Händler und wollen bei Kaufdown mitmachen?
Kontakt unter kaufdown@sueddeutsche.de
32
PROGRAMM VOM DIENSTAG
HBG
ARD
ZDF
BR
Pro Sieben
RTL
Dienstag, 23. Juli 2013, Nr. 168 DEFGH
Sat 1
Arte
3sat
5.30 Morgenmagazin 9.00 Tagesschau 9.05
Rote Rosen 9.55 Sturm der Liebe 10.45 Brisant 11.00 Tagesschau 11.05 Buffet 12.00
Tagesschau 12.15 Buffet 13.00 Mittagsmagazin 14.00 Tagesschau 14.10 Rote Rosen
15.00 Tagesschau 15.10 Sturm der Liebe
16.00 Tagesschau 16.10 Panda, Gorilla & Co.
17.00 Tagesschau 17.15 Brisant 18.00 Verbotene Liebe 18.50 Heiter bis tödlich – Morden im Norden (1). Der Marzipanmörder
19.45 Wissen vor acht – Zukunft. Weißes
Dach gegen Klimawandel 19.50 Wetter vor
acht 19.55 Börse vor acht
5.30 Morgenmagazin 9.05 Volle Kanne –
Service täglich. U.a.: Top-Thema: Augen auf
beim Cabrio-Kauf 10.30 Notruf Hafenkante.
Heimliche Liebe 11.15 SOKO Köln. Die Frau
im hellen Mantel 12.00 heute 12.10 drehscheibe Deutschland 13.00 Mittagsmagazin
14.00 heute – in Deutschland 14.15 Die Küchenschlacht 15.00 heute 15.05 Topfgeldjäger 16.00 heute – in Europa 16.10 SOKO
Kitzbühel. Todesmelodie 17.00 heute 17.10
hallo deutschland 17.45 Leute heute 18.05
SOKO Köln. Helden 19.00 heute 19.20 Wetter 19.25 Die Rosenheim-Cops
7.30 Panoramabilder 9.00 Tele-Gym 9.15
Seehund, Puma & Co. 10.05 Lebenslinien
10.50 Weiß Blau – Unsere Namen 11.20
Rote Rosen 12.10 Sturm der Liebe 13.00
Verrückt nach Meer 13.55 Freizeit-Tipp
14.00 Dahoam is Dahoam. Neue Blickwinkel 14.30 Familie Sonnenfeld – Glück im
Unglück. TV-Komödie, D 2007 16.00 Skizzen aus Spanien 16.45 Rundschau 17.00
Traumpfade 17.30 Abendschau – Der Süden
18.00 Abendschau 18.45 Rundschau 19.00
Gesundheit! 19.45 Dahoam is Dahoam.
Wenn die Jana mit der Daisy...
5.35 Explosiv 6.00 Punkt 6 7.30 Alles, was
zählt 8.00 Unter uns 8.30 Gute Zeiten,
schlechte Zeiten 9.00 Punkt 9 9.30 Familien
im Brennpunkt 10.30 Familien im Brennpunkt 11.30 Unsere erste gemeinsame
Wohnung 12.00 Punkt 12. Das RTL-Mittagsjournal 14.00 Die Trovatos – Detektive decken auf 15.00 Verdachtsfälle 16.00 Familien im Brennpunkt 17.00 Betrugsfälle 17.30
Unter uns 18.00 Explosiv. Das Magazin
18.30 Exclusiv. Das Star-Magazin 18.45 RTL
aktuell 19.05 Alles, was zählt 19.40 Gute
Zeiten, schlechte Zeiten
9.10 Two and a Half Men 9.40 The Big Bang
Theory 10.05 The Big Bang Theory 10.30
The Big Bang Theory 11.00 How I Met Your
Mother 11.25 How I Met Your Mother 11.55
How I Met Your Mother 12.20 Scrubs 12.45
Scrubs 13.10 Two and a Half Men 13.40 Two
and a Half Men 14.10 The Big Bang Theory
14.35 The Big Bang Theory 15.05 The Big
Bang Theory 15.35 How I Met Your Mother
16.00 How I Met Your Mother 16.30 How I
Met Your Mother 17.00 taff 18.00 Newstime
18.10 Die Simpsons 18.40 Die Simpsons
19.05 Galileo. Das Ende des O-Safts
5.30 Sat.1-Frühstücksfernsehen. Talk: Bußgelder für Fahrradfahrer / Talk: Winnetou
Jan Sosniok / Der Buchtipp mit Peter Hetzel
10.00 Schicksale – und plötzlich ist alles
anders 10.30 Schicksale – und plötzlich ist
alles anders 11.00 Richterin Barbara Salesch 12.00 Richter Alexander Hold 13.00
Richter Alexander Hold 14.00 FamilienFälle 15.00 Familien-Fälle 16.00 FamilienFälle 17.00 Mein dunkles Geheimnis 17.30
Schicksale – und plötzlich ist alles anders
18.00 Navy CIS. Unplugged 19.00 Navy CIS.
Kinderspiel 19.55 Sat.1 Nachrichten
5.55 Baukunst 6.25 Forscherexpress 6.50
Willi wills wissen 7.20 Die Spur der Steine
7.45 Deutschlands Küsten 8.30 X:enius 8.55
Schattenkampf (1/6) 9.50 Schattenkampf
(2/6) 10.45 ARTE Reportage 11.00 Belle
France 12.00 Weinprobe 12.30 Arte-Journal
12.35 Alte Schachteln 12.40 ARTE Reportage 12.55 360° 13.45 Ray. Biografie, USA
2004 16.15 Die Spur der Steine 16.40
X:enius 17.10 Verschollene Filmschätze
17.35 Stockholm 1628 (1/2) 18.25 Leben
über den Wolken 19.10 Arte-Journal 19.30
Naturparadiese in Lateinamerika
6.35 Vom Tanzen besessen (3/6) 7.00 Vom
Tanzen besessen (4/6) 7.30 Alpenpanorama
9.00 ZIB 9.05 Kulturzeit kompakt 9.20 Ausflug mit Kuttner ... (1/4) 9.50 Klasse Segel
Abenteuer 10.15 Plasberg persönlich 11.45
Thema 12.30 Aus dem Rahmen 13.00 ZIB
13.20 Fremde Kinder 13.50 Bei Anruf Entdeckung (1/4) 14.35 Bei Anruf Entdeckung
(2/4) 15.20 Bei Anruf Entdeckung (3/4)
16.05 Bei Anruf Entdeckung (4/4) 16.45 Terra X 17.30 Terra X (2/3) 18.15 Terra X (3/3)
19.00 heute 19.20 Kulturzeit kompakt
19.30 Ausflug mit Kuttner ... (2/4)
20.00 Tagesschau
20.15 Tierärztin Dr. Mertens Blinder
Alarm. Tierarztserie. Susanne und
Christoph genießen glücklich ihren zweiten Frühling. Bis Christoph erfährt, dass er in der engeren Wahl ist für den Chefposten
bei einem internationalen Forschungsprojekt gegen Malaria.
21.00 In aller Freundschaft
Mütter. Arztserie
21.45 Report Mainz U.a. Pfusch in
der Notaufnahme – Warum gut
qualifizierter Nachwuchs fehlt
22.15 Tagesthemen
22.45 Unter Männern Schwul in der
DDR. Dokumentarfilm, D 2012
20.15 Unter anderen Umständen:
Auf Liebe und Tod (4/9) Kriminalfilm, D 2009. Mit Natalia Wörner,
Marcus Mittermeier, Friederike
Linke. Regie: Judith Kennel. Trotz
Bereitschaftsdienst hat Kommissarin Jana ihrem Au-pair Mädchen
Frida freigegeben. Die junge Dänin wollte zu einem Speed-Dating
nach Kiel. Jana ahnt nicht, was
mit Frida in der Nacht passiert.
21.45 heute-journal
22.15 Sag' bitte ja!
Der Antrag meines Lebens
22.45 Abenteuer Forschung Magazin.
Zwischen Ekel und Genuss: Das
rätselhafte Reich der Sinne
20.15 Alpenglühen
TV-Komödie, D 2003. Mit
Christiane Hörbiger, Götz
George, Peter Sattmann.
Regie: Hajo Gies. Als die Almbäuerin Rosa Mayrhofer einen
Preis für ihre selbstgemachten
Pralinen gewinnt, sind Schokoladenhersteller aus aller Welt am
Rezept interessiert. Sie hat nur
Fischhändler Hannes im Sinn.
21.45 Rundschau-Magazin
22.00 Zu Gast in Frankreich
Reportagereihe. Unterwegs
in der Bretagne
22.45 Die Akte „USA gegen John Lennon” Dokumentarfilm, USA 2006
20.15 Bones – Die Knochenjägerin
Leichen im Labor. Krimiserie
Dr. Brennan und FBI-Agent
Booth untersuchen die sterblichen Überreste eines MafiaBosses, die nach sechs Jahren
in einem See gefunden wurden.
Doch sie werden bei ihren
Ermittlungen gestört.
21.15 Bones – Die Knochenjägerin
Die Frau im Tunnel. Die Dokumentarfilmerin Marni Hunter
wird in den Gängen unter der
Stadt ermordet aufgefunden.
Offenbar war sie auf einen der
Tresorräume gestoßen.
22.15 The Glades Land und Liebe
20.15 Two and a Half Men
Das Zahnfleisch eines
Zwanzigjährigen. Waldens ehemaliger Geschäftspartner Billy
Stanhope, mit dem er sich zerstritten hatte, nimmt Kontakt
mit ihm auf. Der Mann hat eine
Milliardenidee, die er gemeinsam mit Walden umsetzen will.
20.45 Two and a Half Men
Wohin mit Wanda? Comedyserie
21.15 2 Broke Girls
Der blinde Fleck. Comedyserie
21.40 2 Broke Girls
Gebrochene Herzen. Comedyserie
22.10 Mike & Molly Samuel fliegt raus
22.35 Mike & Molly Männergespräche
20.15 Buschpiloten küsst man nicht
TV-Komödie, D 2010.
Mit Alexandra Neldel, Max von
Thun, Julian Weigend. Die Ärztin
Maria Berkel soll im Krankenhaus
eines kleinen afrikanischen Dorfes arbeiten. Verseuchtes Wasser
soll hier die Krankheit der Dorfbewohner verursachen. Doch
die Bakterien sind nicht schuld.
22.20 akte 20.13 – Reporter
kämpfen für Sie! U.a.: Gerade
gekauft und schon kaputt: Verkürzen Hersteller gezielt die Lebensdauer? / Dauer-Ärger um
Zusatzversicherungen: So kommen Familien zu ihrem Recht!
20.15 Die Akte Alu
Dokumentarfilm, A/D 2012. Der
Werkstoff Aluminium besitzt faszinierende Eigenschaften und ist
in vielen Bereichen einsetzbar.
Aber ist das Leichtmetall auch
gesundheitlich unbedenklich?
Die Zweifel daran wachsen.
21.45 Schattenkampf (3/6)
Europas Résistance gegen
die Nazis. 1942-1943 – Widerstand gegen den Völkermord
Dokumentationsreihe
22.40 Schattenkampf (4/6) Europas
Résistance gegen die Nazis.
1943 – Der Widerstand verschärft
sich. Dokumentationsreihe
20.00 Tagesschau
20.15 Copacabana TV-Drama,
D 2007. Mit Bruno Ganz, Nicole
Heesters. Herbert und Maria feiern mit ihren Kindern und Enkelkindern den 35. Hochzeitstag.
Jedes der erwachsenen Kinder
bringt private Probleme mit, aber
auch Herbert und Maria hüten
Geheimnisse voreinander.
21.45 Schätze der Welt – Erbe der
Menschheit Heiße Quelle der
High Society – Bath. Doku-Soap
22.00 ZIB 2
22.25 Lady Vengeance – Leben für die
Rache Thriller, COR 2005. Mit Minsik Choi, Yea-young Kwon u.a.
0.15 Nachtmagazin
0.35 Das große Kleinkunstfestival
2013 Show. Mitwirkende: Michael
Krebs, Thomas Fröschle, Ingo Appelt. Aus dem Berliner KabarettTheater „Die Wühlmäuse”
1.05 Immer Ärger mit Harry Krimikomödie, USA 1955. Mit Edmund
Gwenn, John Forsythe, Mildred
Natwick. Regie: Alfred Hitchcock
2.45 Unter Männern Schwul in der
DDR. Dokumentarfilm, D 2012
23.15 Markus Lanz Gäste: Gloria von
Thurn und Taxis; Dr. Wilhelm Imkamp; Ilja Richter; Bernhard Hoëcker; Wigald Boning u.a.
0.30 heute nacht
0.45 Neu im Kino Magazin. „La grande
bellezza” von Paolo Sorrentino
0.50 Fear – Wenn Liebe Angst macht
Psychothriller, USA 1996. Mit
Mark Wahlberg, Reese Witherspoon, William Petersen u.a.
2.20 SOKO Köln Helden. Krimiserie
0.20 Rundschau-Nacht
0.30 Backbeat Musikfilm, GB/D
1994. Mit Stephen Dorff, Ian Hart,
Sheryl Lee. Regie: Iain Softley
2.05 Dahoam is Dahoam
Wenn die Jana mit der Daisy...
Unterhaltungsserie
2.35 Planet Erde Dokumentationsreihe. Westaustralien: Pilbara
2.40 Querbeet U.a.: Palmen als Kübelpflanze / Schokolade mit Mohn /
Biodünger aus der Region im Test
23.10 Person of Interest
Blutrache. Dramaserie
0.00 RTL Nachtjournal Magazin
0.30 Bones – Die Knochenjägerin
Leichen im Labor. Krimiserie
1.25 Bones – Die Knochenjägerin
Die Frau im Tunnel. Krimiserie
2.15 Person of Interest
Blutrache. Dramaserie
3.00 RTL Nachtjournal Magazin
3.30 Betrugsfälle Doku-Soap
3.55 Die Trovatos Doku-Soap
23.05 Two and a Half Men
Das Zahnfleisch eines Zwanzigjährigen. Comedyserie
23.35 Two and a Half Men
Wohin mit Wanda? Comedyserie
0.05 2 Broke Girls
Der blinde Fleck. Comedyserie
0.35 2 Broke Girls
Gebrochene Herzen. Comedyserie
1.00 Mike & Molly
Samuel fliegt raus. Comedyserie
1.25 Mike & Molly Männergespräche
23.20 24 Stunden Reportagereihe
Rademacher und Koch –
Aufmachen, Zollkontrolle! (5)
0.20 24 Stunden Reportagereihe
Blaulicht im Rotlicht – Tatort:
Frankfurt Hauptbahnhof
1.20 Navy CIS
Unplugged. Krimiserie
2.00 Navy CIS
Kinderspiel. Krimiserie
2.45 akte 20.13 – Reporter
kämpfen für Sie! Magazin
23.35 Zur falschen Zeit am falschen
Ort Die Tragödie von Utøya
Dokumentarfilm, NL 2012
0.55 Jackie Brown Kriminalfilm,
USA 1997. Mit Pam Grier, Samuel L. Jackson, Robert Forster.
Regie: Quentin Tarantino
3.25 Auf den Gipfeln der Welt
Dokumentationsreihe
Ladakh: Karakorum
4.10 Malika ist ausgeflogen Kurzfilm,
F 2008. Mit Laurent Lacotte u.a.
0.10 Eine für alle Frauen zwischen Kindererziehung und Altenpflege
0.40 10vor10
1.10 Copacabana TV-Drama,
D 2007. Mit Bruno Ganz, Nicole
Heesters, Erni Mangold. Regie:
Xaver Schwarzenberger
2.40 Schmeiß' die Mama aus dem
Zug! Krimikomödie, USA 1987
Mit Billy Crystal, Danny DeVito
4.05 Class Liebeskomödie, USA 1983.
Mit Jacqueline Bisset, Rob Lowe
RTL 2
Vox
Kabel 1
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NDR
10.00 Schleswig-Holstein-Magazin 10.30
buten un binnen Magazin 11.00 Hallo Niedersachsen 11.30 Amerikas Fjorde 12.15 In
aller Freundschaft 13.05 Typisch! 13.35 Brisant 14.00 NDR aktuell 14.15 Bilderbuch
Deutschland 15.00 NDR aktuell 15.15 Der
magische Wüstensee 16.00 NDR aktuell
16.10 Die Nordstory 17.10 Leopard, Seebär
& Co. 18.00 Regional 18.15 NaturNah 18.45
DAS! 19.30 Regional 20.00 Tagesschau
20.15 Das große Wunschkonzert 21.45 NDR
aktuell 22.00 Tatort. Tödlicher Einsatz. TVKriminalfilm, D 2009 23.30 Heiter bis tödlich – Nordisch herb 0.20 Die Anwälte
SWR
13.30 Herzdamen an der Elbe. TV-Komödie,
D 2013 15.00 Fahr mal hin 15.30 EisenbahnRomantik 16.00 SWR Landesschau aktuell
16.05 Kaffee oder Tee 17.00 SWR Landesschau aktuell 17.05 Kaffee oder Tee 18.00
SWR Landesschau aktuell 18.15 Goodbye
Ländle 18.45 SWR Landesschau BadenWürttemberg 19.45 SWR Landesschau aktuell 20.00 Tagesschau 20.15 Tatort. Strahlende Zukunft. TV-Kriminalfilm, D 2007
21.45 SWR Landesschau aktuell 22.00 Fahr
mal hin 22.30 Bauer testet ... 23.00 Ein
Mann für alle Autos 23.30 E wie Emil 0.00
Hallervorden – Die besten Sketche
MDR
11.45 In aller Freundschaft 12.30 Da, wo die
Heimat ist. TV-Familienfilm, D/A 2004
14.00 Dabei ab zwei 15.00 Tischlein deck
dich. TV-Märchenfilm, D 2008 16.00 Der
Hier ab vier-Sommer 2013 16.55 Mord mit
Aussicht 17.45 MDR aktuell 18.00 Wetter
für 3 18.05 Brisant 18.54 Unser Sandmännchen 19.00 Regional 19.30 MDR aktuell
19.50 Schlössertour (2/8) 20.15 Umschau
20.45 Der Osten 21.15 Geschichte Mitteldeutschlands 21.45 MDR aktuell 22.05 Geheimnisvolle Orte 22.50 Polizeiruf 110.
Harmloser Anfang. TV-Kriminalfilm, DDR
1981 0.00 Nordisch herb (3/16)
5.45 Baywatch – Die Rettungsschwimmer
von Malibu 6.30 Baywatch – Die Rettungsschwimmer von Malibu 7.15 Baywatch –
Die Rettungsschwimmer von Malibu 8.05
Die Schnäppchenhäuser 9.05 Frauentausch
11.05 Family Stories 12.00 Köln 50667 13.00
Berlin – Tag & Nacht 14.00 Der Trödeltrupp
15.00 Der Trödeltrupp 16.00 Privatdetektive im Einsatz 17.00 X-Diaries 18.00 Köln
50667 19.00 Berlin – Tag & Nacht 20.00 RTL
II News 20.15 Zuhause im Glück 22.05 RTL II
Spezial. Das Magazin 23.00 Außergewöhnliche Menschen 23.55 Stan Lee's Superhumans (5) 0.50 Ärger im Revier
14.30 Felix und die wilden Tiere 14.55 A-lien
und B-lien 15.00 Planet Wissen Extra 16.00
Fabrikgeschichten 16.45 Bibliothek der
Sachgeschichten 17.15 alpha-Campus
CLASSICS 17.45 Grundkurs Englisch 18.15
Welt in Bewegung (1/6) 18.45 Rundschau
19.00 Meilensteine der Naturwissenschaft
und Technik 19.15 Grips Englisch 19.30 alpha-Österreich 20.15 Geschichte auf vier
Rädern 21.00 Alpha-Forum 21.45 Planet
Wissen Extra 22.45 Mythen – Michael Köhlmeier erzählt Sagen des klassischen Altertums 23.00 Turmgeschichten 23.45 Die Tagesschau vor 25 Jahren 0.00 Alpha-Forum
Tele 5
WDR
12.00 Panda, Gorilla & Co. 12.45 WDR aktuell 13.00 Servicezeit Reportage 13.30 In aller Freundschaft 14.15 Mord ist ihr Hobby
15.00 Brüderchen und Schwesterchen. TVMärchenfilm, D 2008 16.00 WDR aktuell
16.15 daheim & unterwegs 18.00 Lokalzeit
18.05 Hier und heute 18.20 Servicezeit Reportage 18.50 Aktuelle Stunde 19.30 Lokalzeit 20.00 Tagesschau 20.15 Abenteuer
Erde 21.00 Quarks & Co. 21.45 WDR aktuell
22.00 Weltweit 22.30 West ART 23.10 West
ART Meisterwerke 23.15 In der Lüge gefangen. Drama, USA 2010 0.55 Blutige Spur.
Western, USA 1969
HR
6.25 Reich und schön 6.55 Werbesendung
7.25 Joyce Meyer – Das Leben genießen
7.55 Missionswerk Karlsruhe 8.00 Werbesendung 13.30 Star Trek – Das nächste
Jahrhundert 14.20 Beastmaster – Herr der
Wildnis 15.15 Relic Hunter – Die Schatzjägerin 16.10 Xena 17.10 Star Trek – Das
nächste Jahrhundert 18.10 Star Trek –
Raumschiff Voyager 19.10 Star Trek –
Raumschiff Voyager 20.15 The Good German. Drama, USA 2006 22.25 Streets of
Philadelphia – Unter Verrätern. Thriller,
USA 2006 0.40 Die Rembrandt-Connection.
TV-Thriller, GB/USA/H 1995
La Nuova Casa
Möbelhandels GmbH & Co. KG
München, Landsberger Straße 350
Montag – Samstag 10 – 20 Uhr
Kinderkanal
Fernsehtipp
13.10 Nashorn, Zebra & Co. 14.00 Eisenbahn-Romantik 14.30 Die Küsten der Ostsee (2/5) 15.15 mare-TV 16.00 hallo hessen
16.45 Hessenschau kompakt 17.00 hallo
hessen 17.50 Hessenschau kompakt 18.00
Maintower 18.20 Brisant 18.50 Service: Reisen 19.15 Alle Wetter! 19.30 Hessenschau
20.00 Tagesschau 20.15 Deutsche TraktorLegenden. Die Geschichte der deutschen
Traktoren. Dokumentarfilm, D 2009 21.45
lecker (h)essen (1) 22.30 Hessenschau
kompakt 22.45 Hessens schönste Bauernhöfe 0.15 Mankells Wallander: Tod in den
Sternen. TV-Kriminalfilm, S 2005
9.10 Siebenstein 9.35 Kikaninchen 9.40 1, 2
oder 3 10.05 Yakari 11.05 Kein Keks für Kobolde (5/26) 12.15 Der kleine Prinz 13.20
Enyo (3/26) 14.10 Schloss Einstein 15.00 Die
Mädchen-WG 15.25 Das Surfcamp (2/20)
15.50 H2O – Plötzlich Meerjungfrau 16.20
Stoked (3/52) 17.05 High 5 – Auf Siegestour – Fünf Basketballer träumen vom Pokal (3/26) 17.50 Der kleine Nick (3/78) 18.15
Der Regenbogenfisch (5/52) 18.40 Franklin – Eine Schildkröte erobert die Welt.
Franklins Geschenk 18.50 Unser Sandmännchen. Lola Langohr: "Wal auf Irrwegen". Gutenachtgeschichte
RBB
Super RTL
13.05 Schloss Einstein 13.30 In aller
Freundschaft 14.15 Die Sterntaler. TV-Märchenfilm, D 2011 15.15 Verrückt nach Meer
16.00 rbb aktuell 16.05 Mord ist ihr Hobby
16.50 kurz vor 5 17.00 rbb aktuell 17.05 Elefant, Tiger und Co. 17.55 Unser Sandmännchen 18.00 rbb um 6 18.25 rbb wetter 18.30
ZiBB. Aus dem rbb-Sommergarten 19.25
rbb wetter 19.30 Abendschau / Brandenburg aktuell 20.00 Tagesschau 20.15 Bilderbuch Deutschland 21.00 Wildes Russland 21.45 rbb aktuell 22.15 Thadeusz
22.45 Mein Deutschland (3/3) 23.30 Das
Dübener Ei 0.15 Mord ist ihr Hobby
The Good German
Tele 5, 20.15 Uhr. Der Regisseur und Hauptdarsteller George
Clooney drehte diesen Film komplett in Schwarz-Weiß und
schuf damit einen ästhetisch und inhaltlich außergewöhnlichen
Film. Der Kriegskorrespondent Jake sucht im Berlin des Jahres
1945 nach seiner ehemaligen Geliebten (Cate Blanchett) und
gerät dabei in einen mysteriösen Mordfall.
FOTO: TELE 5/TMG
"AYERISCHES&ERNSEHEN
14.30 Fünf Freunde – Für alle Fälle (3/26)
14.55 Cosmo & Wanda – Wenn Elfen helfen
15.25 Zig & Sharko – Meerjungfrauen frisst
man nicht! 15.50 Die Superschurkenliga
(2/39) 16.20 Eddie Angsthorn 16.50 Cosmo
& Wanda – Wenn Elfen helfen 17.20 Coop
gegen Kat 17.45 Disneys Kuzco's KönigsKlasse 18.15 Disneys Tauschrausch 18.45
Fünf Freunde – Für alle Fälle (4/26) 19.15
Disney Phineas und Ferb 19.45 Disney Pair
of Kings – Die Königsbrüder 20.15 Mr. Präsident junior. Komödie, USA 1996 22.15
Friends 22.45 Friends 23.15 Immer wieder
Jim 23.45 Immer wieder Jim 0.20 Shop24
"2DE
5.40 Mieten, kaufen, wohnen 6.45 Mieterzoff 7.45 Unter Beobachtung 8.45 Verklag
mich doch! 9.50 Hilf mir doch! 10.55 vox
nachrichten 11.00 Vier Hochzeiten und eine
Traumreise 12.00 Shopping Queen 13.00
Verklag mich doch! 14.00 Hilf mir doch!
15.00 Shopping Queen 16.00 Vier Hochzeiten und eine Traumreise 17.00 Mieten, kaufen, wohnen 18.00 Mieten, kaufen, wohnen
19.00 Das perfekte Dinner 20.00 Prominent! 20.15 Abgewürgt und ausgebremst
(2/8) 21.15 Goodbye Deutschland! Die Auswanderer 23.20 Die Küchenchefs 0.20 vox
nachrichten 0.40 CSI: NY 1.35 CSI: NY
ORF 2
5.55 Abenteuer Alltag – so leben wir Deutschen 6.25 Abenteuer Alltag – so leben wir
Deutschen 6.55 Abenteuer Alltag – so leben wir Deutschen 7.25 Abenteuer Alltag –
so leben wir Deutschen 8.00 Unsere kleine
Farm 9.00 Ein Engel auf Erden 10.00 Charmed 11.00 Ghost Whisperer 11.55 Cold Case
12.50 Castle 13.45 Charmed 14.45 Ghost
Whisperer 15.40 Cold Case 16.40 News
16.50 Castle 17.45 Abenteuer Leben – Täglich neu entdecken 18.55 Achtung, Kontrolle! 20.15 Rosins Restaurants 22.25 K1 Magazin 23.25 Abenteuer Leben 1.20 K1 Magazin 2.15 The Unit – Eine Frage der Ehre
Sky Cinema
13.00 ZIB 13.15 heute mittag 14.00 Frisch
gekocht mit Andi und Alex 14.25 Hanna –
Folge deinem Herzen 15.10 Sturm der Liebe
16.00 Die Barbara-Karlich-Show 17.00 ZIB
17.05 heute österreich 17.30 heute leben
18.30 heute konkret 18.51 heute infos und
tipps 19.00 Bundesland heute 19.22 Money
Maker 19.30 Zeit im Bild 19.49 Wetter 19.55
Sport aktuell 20.05 Seitenblicke 20.15 Universum 21.50 Lebens(t)räume 22.00 ZIB 2
22.25 Euromillionen 22.30 kreuz und quer
22.50 kreuz und quer 23.45 John Rabe – Der
gute Deutsche von Nanking. Drama, CHN/
D/F 2009 1.50 Seitenblicke
N24
10.55 Zettl – Unschlagbar charakterlos.
Komödie, D 2012 12.45 Die Königin und der
Leibarzt. Drama, DK/S/CZ 2012 15.00 Was
passiert, wenn's passiert ist. Liebeskomödie, USA 2012 16.50 Frisch gepresst. Komödie, D 2012 18.30 Algebra in Love. Komödie,
USA 2011. Mit Megalyn Echikunwoke 20.10
Zapping. Magazin 20.15 Ice Age 4 – Voll verschoben. Animationsfilm, USA 2012 21.40
Making of... Ice Age 4 – Voll Verschoben
21.50 Paranorman. Animationsfilm, USA
2012 23.25 Act of Valor. Actionfilm, USA
2012 1.15 Was passiert, wenn's passiert ist.
Liebeskomödie, USA 2012
n-tv
5.15 Operation Wüstensturm – Luftkampf
über Irak 12.45 Börse am Mittag 13.05
Schule der Krieger – Kampf unter Wasser
14.05 Schule der Krieger – Überleben in der
Tiefe 15.10 N24 Cassini 15.40 N24 Fakt oder
Fake 16.05 Schwarze Löcher – Eine Zeitreise ins Universum 17.10 Die Science Fiction
Propheten 18.15 Börse am Abend 18.25
N24 Drive 19.05 sonnenklar.tv 20.10 Geheimnisse der Tiefe: Tödlicher Druck 21.05
Geheimnisse der Tiefe: Tödlicher Sog 22.05
Horrortrip der Luxusklasse – Die Havarie
der Costa Concordia 23.10 N24 Zeitreise mit
Stefan Aust 0.05 Die größte Werft der Welt
Eurosport
5.15 Natter: Das Geheimwaffen-Projekt der
Nazis 6.10 Telebörse 12.10 Telebörse 12.30
News Spezial 13.10 Telebörse 13.30 News
Spezial 14.10 Telebörse 14.30 News Spezial
15.20 Ratgeber – Hightech 15.40 Telebörse
16.05 PS – Spezial – Tatort Autobahn 16.30
PS – Klassik mobil 17.05 Sekunden vor dem
Unglück 18.20 Telebörse 18.35 Ratgeber –
Steuern & Recht 19.05 Zukunft Erde: Kollision der Kontinente 20.05 So entstand Europa! 21.05 So entstand Europa! 22.03 So
entstand Europa! 22.45 Telebörse 23.05
Außer Kontrolle 0.05 Gefahren des Alltags:
Tödliche Konstruktionen
Sport 1
14.00 Schwimmen. WM. Wasserspringen:
1-m-Brett Damen, Finale 15.15 Fußball.
U19-EM. 2. Spieltag, Gruppe A: Niederlande – Portugal (Anstoß um 15.30) 17.30
Schwimmen. WM. Wasserspringen: 3-mBrett Synchron Herren, Finale. Live aus
Barcelona (E) 18.45 Radsport 19.30 Fußball.
U19-EM. 2. Spieltag, Gruppe B: Türkei –
Frankreich (Anstoß um 19.45). Live aus
Alytus (LIT) 21.45 Schwimmen. WM. Wasserball: Gruppenspiel der Damen, Spanien – Russland. Live aus Barcelona (E) 22.30
Motorsport Weekend Magazin 22.45 Motorsport 23.15 Fußball 0.30 Schwimmen
5.00 Clips 5.30 Clips 6.00 Golftotal News
6.05 Clipmasters 6.30 Poker 7.30 Normal
8.00 Teleshopping 8.30 Sport-Quiz 11.30
Teleshopping 12.00 Teleshopping 13.00
Teleshopping 13.30 Teleshopping 14.00
Teleshopping 14.30 Clipmasters 15.00 Motocross 16.00 Storage Wars – Die Geschäftemacher (1) 16.30 Bundesliga aktuell spezial. Saisoneröffnung FC Bayern München
17.55 Fußball. Testspiel. Eintracht Frankfurt – Kayserispor. Live 20.00 Darts. World
Matchplay. 2. Runde. Live aus Blackpool
(GB) 0.00 Clips 0.30 Clips 0.45 Teleshopping
1.00 Clips 1.05 Teleshopping 1.20 Clips
Bayern 2
6.05 radioWelt. U.a.: Beginn des Weltjugendtages in Rio de Janeiro 8.30 kulturWelt. U.a.: David Schalkos neuer Roman
„Knoi“ 9.05 radioWissen. Literatur aus China 10.05 Notizbuch. Was Tagebücher vom
Leben festhalten 12.05 Tagesgespräch
13.05 radioWelt 13.30 regionalZeit 14.05
Favoriten 15.05 radioWissen am Nachmittag. Robert Walser und Jane Bowles 16.05
Eins zu Eins. Gast: Margit Müller, Falkenveterinärin 17.05 radioWelt 18.05 IQ. Die Bekämpfung von Waldbränden 18.30
radioMikro. Magazin für Kinder 19.05 Zündfunk. Künstler gründen alternative Verwertungsgesellschaft 20.03 Nachtstudio.
Provinz als Programm: Der Schriftsteller
Andreas Maier 21.03 radioTexte am Dienstag. Was Gegenstände erzählen 22.05 Eins
zu Eins (Wh.) 23.05 Nachtmix 0.05 Reflexionen 0.12 Concerto bavarese
BR-KLASSIK
6.05 Allegro 9.05 CD-Box. Neuerscheinungen – ausgepackt & aufgelegt 10.05
Philharmonie 11.55 Terminkalender 12.05
Mittagsmusik 13.05 Concertino. Hamburger
Ratsmusik 14.05 Cantabile 15.05 Pour le
piano. Leon Fleisher zum 85. Geburtstag
16.05 Leporello. Musik & Interview 18.05
West Cork Chamber Music Festival. Antonio
Vivaldi: Konzert C-Dur R 114; „Piango, gemo,
sospiro e peno“ R 675; Oboenkonzert F-Dur
R 455; Konzert D-Dur R 92; Konzert C-Dur R
87; „Sposa son disprezzata“; „Armatae face
et anguibus“ 19.00 Intermezzo 20.03 BBC
Proms. Anderson: „Harmony“ (UA); Britten:
„Four Sea Interludes“; Rachmaninow: Rhapsodie über ein Thema von Paganini op. 43;
Lutoslawski: Variationen über ein Thema
von Paganini; Vaughan Williams: „A Sea
Symphony“ 22.05 Operetten-Boulevard
23.05 Jazztime 0.05 ARD-Nachtkonzert
Deutschlandfunk
5.05 Informationen 6.35 Andacht. Gerhard
Stanke, Fulda 9.05 Kalenderblatt 9.10 Europa heute 9.35 Tag für Tag 10.10 Sprechstunde. Harnwegsinfektionen 11.35 Umwelt und Verbraucher 12.10 Informationen
14.10 Deutschland heute 14.35 Campus &
Karriere. Das Bildungsmagazin 15.05 Corso.
Kultur nach 3 16.10 Büchermarkt 16.35 Forschung aktuell. Die sieben Todsünden der
IT-Sicherheit: Staatstrojaner 17.05 Wirtschaft und Gesellschaft 17.35 Kultur heute
18.10 Informationen 18.40 Hintergrund
19.05 Kommentar 19.15 Das Feature. Fiestas de Sangre. Eine archaische Tradition im
modernen Spanien 20.10 „Rheinsberg“.
Hörspiel von Matthias Thalheim nach Kurt
Tucholsky 21.05 Jazz live. Matthias Nadolny
& Gunnar Plümer 22.05 Musikjournal 22.50
Sport aktuell 23.10 Das war der Tag 0.05
Wiederholungen vom Tage
"AYERN
-USIKSOMMER
4AGESGESPRiCH
$IE!KTEÂ53!GEGEN*OHN,ENNON±
)HRE-EINUNGISTGEFRAGT
$IENSTAG5HR
$IENSTAG5HR
:UM!UFTAKTDES-USIKSOMMERSEINPACKENDER
$OKUMENTARFILM~BERDIE0OLITISIERUNG*OHN,ENNONSZU
GLEICHEINFASZINIERENDES3T~CK:EITUND-USIKGESCHICHTE
MITBISLANGUNBEKANNTEM!RCHIVMATERIAL,ENNON3ONGS
UNDEINEMNEUEN)NTERVIEWMIT9OKO/NO
$ISKUTIEREN3IEMITUNSIN"AYERNUND"2ALPHA~BEREIN
AKTUELLES4HEMAAUS0OLITIK7IRTSCHAFTODER'ESELLSCHAFT
(EUTEMIT3TEFAN0ARRISIUS&OTO
4ELGEB~HRENFREI
ˆ"27ISCHEWSKI
10.15 Thema 11.30 Vor Ort 12.00 Berlins
Mitte 12.45 Berlin-Köpenick 13.30 Geheimnisvolle Orte 14.15 Favelas im Aufbruch
15.00 Brasilien im Boom 15.45 Meer, Strand
und Wind 16.30 Vom Winde verweht 17.15
Schätze der Welt – Erbe der Menschheit
17.30 Vor Ort 18.00 Das andere Buenos
Aires 18.30 Geheimnisse des Dritten Reichs
(1/6) 19.15 Geheimnisse des Dritten Reichs
(2/6) 20.00 Tagesschau 20.15 Geheimnisse
des Dritten Reichs (3/6) 21.00 Geheimnisse
des Dritten Reichs (4/6) 21.45 heute-journal
22.15 Der große Crash 23.00 Workingman's
Death. Dokumentarfilm, A/D 2005
BR-alpha
ˆ"24ELEPOOL"ARRATT
Phoenix
Das Programm
auf den Seiten
R3 und R5
MÜNCHEN
ARBEITET
SICH GESUND!
Ergonomie für
Büro & Zuhause:
Theater & Kino
Vordenker: Wie William von Ockham
im München des 14. Jahrhunderts
Zuflucht am Hof des Kaisers suchte
Vorteil: Warum es für Flüchtlinge
manchmal besser ist, in
kleinen Orten unterzukommen
Vorsicht: Die Isar gehört zu den
beliebtesten Zielen für Kanufahrer –
aber manchmal ist sie gefährlich
München, Seite R4
Thema des Tages, Seite R2
Bayern, Seite R13
FOTOS: M. NEUBAUER, J. SIMON
Pacellistraße 5 · München
www.muckenthaler.de
NR. 168, DIENSTAG, 23. JULI 2013
PMZ
INNENANSICHT
HEUTE
Bagger im Weg
Zahl der Baustellen auf öffentlichen
Straßen ist 2012 auf einen
Rekordwert gestiegen
R3
Sale statt Schlussverkauf
SitzfleischSchlamassel
Die Rabattschlacht in der
Innenstadt geht unter
neuem Namen weiter
Der tödliche Kick
VON DOMINIK HUTTER
E
s ist doch immer das Gleiche: Der
Chef macht sich einen schönen
Lenz, und alle anderen müssen
schuften. Sonne, 30 Grad, lautet die Vorhersage für diesen Mittwoch, an dem
Christian Ude auf Einladung des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter
den Bauernhof von Anton Kröll in Oberlinner bei Miesbach besucht. Es folgen
unter anderem ein Stadtspaziergang
durch Miesbach sowie ein Trip zur Eggstätter Seenplatte bei Bad Endorf, um
dort mit der örtlichen Bürgerinitiative
gegen Gasförderung zu sprechen. Der
Tag endet gegen 21.30 Uhr mit einer Rede im Festzelt Chieming.
Und alle anderen? Widmen sich im
ebenso düsteren wie stickigen Sitzungssaal am Marienplatz 8 den vornehmsten
Pflichten des Politikers: Tagen, bis die
Nacht hereinbricht. Es gilt, unter der Leitung der Interims-Oberbürgermeisterin
Christine Strobl etwa 150 Tagesordnungspunkte abzuackern – was gut und
gerne so lange dauern kann, dass vermutlich keine Zeit bleibt, um noch kurz
im Chieminger Festzelt das Ude-Schlusswort zu genießen. Die letzte Stadtratssitzung vor den Ferien ist traditionell so
vollgepackt, dass nur sehr böswillige
Politiker ihre Familie bitten, daheim mit
dem Abendessen auf sie zu warten. Allerdings sind Münchens Stadträte irgendwie auch selbst schuld an dem regelmäßig wiederkehrenden Sitzfleisch-Schlamassel – wegen ihrer ausgeprägten Leidenschaft, Themen immer wieder zu vertagen.
Da haben es Politik-Fans ohne Stadtratsmandat schon leichter. Wer partout
wissen will, wie es weitergeht mit dem
U-Bahn-Klo an der Münchner Freiheit,
kann die Sitzung an jedem Seeufer und
Biergartentisch auf dem Laptop mitverfolgen – per Live-Stream (www.muenchen.de/stadtrat-live). Klappt vermutlich sogar auf dem Hof von Anton Kröll.
So dass der Chef immer weiß, was die daheim gerade über ihn sagen.
Rollerfahrer stürzt über
gespannten Draht
München – Zwei Jugendliche haben in der
Nacht auf Montag einen Motorrollerfahrer
mit einem Seil zu Fall gebracht und dabei
schwer verletzt. Der 51-Jährige war laut Polizei gegen Mitternacht auf der Blumenauer Straße unterwegs, als er am Fahrbahnrand einen Jugendlichen sah, der kniete
und etwas in der Händen hielt. Kurz bevor
er den Jugendlichen passierte, richtete
sich dieser auf und zog mit den Händen an
einem Seil oder einem Draht. Auf der anderen Seite der Straße bemerkte der Rollerfahrer noch einen jungen Mann, der offenbar auch an etwas zog. Kurz darauf spürte
der 51-Jährige einen Ruck und stürzte. Die
laut Beschreibung 14 bis 17 Jahre alten Täter, die das Seil über die Fahrbahn gespannt hatten, flüchteten. Der 51-Jährige
liegt mit schweren Prellungen in einem
Krankenhaus. Hinweise an die Polizei unter der Telefonnummer 089/29 10-0. FFU
Fußballfans und Pendler
müssen in Ersatzbusse
München – Weil die DFB-Frauen am Mittwoch um 20.30 Uhr im EM-Halbfinale antreten, wird das Spiel des FC Bayern gegen
Barcelona auf 18.30 Uhr vorverlegt. So
kann das ZDF beide Partien live übertragen, die Münchner Verkehrsgesellschaft
(MVG) allerdings freut das gar nicht: Denn
nun müssen die Fans während des abendlichen Berufsverkehrs ins mit 71 000 Zuschauern ausverkaufte Stadion transportiert werden. Und das, obwohl auf der Linie
U 6 gebaut wird und die Fahrgäste in Busse
umsteigen müssen. Kapazitätsengpässe,
Wartezeiten, mitunter auch Sperrungen
ganzer Bahnhöfe, seien zu erwarten, warnen die MVG-Fachleute. Auch die Abreise
der Fußballfans wird erschwert: Von 22.15
Uhr an fahren bei der S-Bahn wegen Bauarbeiten zwischen Pasing und Ostbahnhof
nur Pendelzüge.
MVÖ
R5
Bereits 66 Münchner starben
in diesem Jahr durch Drogen
und Folgeerkrankungen
R7
Theater, Kino
Service
R3,R5
R12
R www.sz.de/muenchen
S-Bahn erfasst
14-Jährige
Mädchen läuft nach Fest in Pöcking
auf Gleis und wird tödlich verletzt
Dackel-Defilee
Mit 2500 geladenen Gästen hat der Chef des Hauses Wittelsbach, Franz Herzog von Bayern, am Montag seinen 80. Geburtstag gefeiert. Neben den Mitgliedern des Hauses Wittelsbach, Ministerpräsident Horst Seehofer, mehreren Ministern und zwei Kardinälen
erschien auch eine Abordnung des Bayerischen Dachshundklubs mit Dackeln in Schloss Schleißheim, um dem bekennenden HundeR Leute, Seite R6
freund zu gratulieren. FOTO: WILLI SCHNEIDER/PEOPLE PICTURE
Massen-Gentest soll Mörder überführen
Die Polizei fahndet noch immer mit Hochdruck nach dem Täter, der Ende Mai an der Isar einen 31-jährigen
Fahrradfahrer erstach. Nun bittet die Mordkommission mehrere Tausend Männer um DNA-Proben
polizei gründete die Sonderkommission
„Cornelius“, die seitdem mit etwa 30 Beamten ermittelt. Die Fahnder sicherten am
Tatort DNA-Material des Täters und nahmen nach Hinweisen aus der Bevölkerung
bei 350 Männern Speichelproben, unter anderem auch von Psychiatriepatienten – ohne Erfolg. „Wir konnten zahlreiche Personen als Täter ausschließen, aber keinen
Tatverdächtigen ermitteln“, sagt Kraus.
VON FLORIAN FUCHS
München – Mit dem größten DNA-Massentest der Münchner Kriminalgeschichte
will die Polizei neue Erkenntnisse über den
Mord an der Isar gewinnen. Etwa 400 Hinweise zu dem Fall, bei dem ein Passant vor
zwei Monaten erst eine Frau anspuckte
und dann ihren Verlobten mit einem Stich
ins Herz tötete, sind bisher bei der Mordkommission eingegangen. Einen Verdächtigen oder eine konkrete Spur gibt es allerdings nicht. Weil der Täter einen Bezug
zum Tatort haben könnte, sollen in den
kommenden Wochen mehrere Tausend
Menschen, die in der Umgebung wohnen
oder arbeiten und der Beschreibung des Täters nahekommen, zur Speichelprobe kommen. „Die Abgabe ist freiwillig, die von uns
angeschriebenen Personen gelten nicht als
tatverdächtig“, beteuert der Leiter der
Mordkommission Markus Kraus.
Am 28. Mai hatte der Täter auf Höhe des
Europäischen Patentamts einen 31-Jährigen getötet. Das Motiv ist völlig unklar:
Der Täter hatte die Verlobte des Opfers unvermittelt angespuckt, als sie auf dem
Fahrrad an ihm vorbeifuhr. Als ihr Verlobte den Mann daraufhin zur Rede stellen
wollte, stach ihn dieser nieder und flüchtete über die Corneliusbrücke. Die Kriminal-
Wer befand sich in der Nähe
des Tatorts? Die Polizei wertet
auch Datensätze von Handys aus
Ein Mitarbeiter der Polizei am Tatort
beim Europäischen Patentamt. FOTO: RUMPF
In den vergangenen Wochen fragten Ermittler deshalb zwischen Gasteig und Gärtnerplatz verstärkt in Gaststätten und Betrieben nach, ob es am Abend des 28. Mai
zu Ungereimtheiten gekommen sei: Gab es
einen Mitarbeiter, der zu spät kam? Einen
Kollegen, der in den Folgetagen verletzt
war? Gab es an jenem Abend einen heftigen Streit? Nun liegt ein Beschluss des
Amtsgerichts vor: Die Polizei darf Personen mit Bezug zum Tatort anschreiben
und zum Mundhöhlenabstrich bitten. „Die
DNA-Muster werden nur direkt mit dem
Muster vom Tatort abgeglichen und danach sofort vernichtet“, versichert Chefer-
mittler Kraus. Ziel sei es, bis Ende September so viele Proben wie möglich zu nehmen. Angeschrieben werden nur Männer,
auf die bestimmte Parameter zutreffen,
die man nach Erkenntnissen der Polizei
auch dem Täter zuschreiben kann. Betroffen sei bislang „eine Personenanzahl im unteren vierstelligen Bereich“.
Wie die Ermittler an die Adressen der angeschriebenen Personen gekommen sind,
will Kraus aus datenrechtlichen und ermittlungstaktischen Gründen nicht verraten. Eine von Datenschützern immer wieder kritisierte Methode in solchen Fällen
ist eine sogenannte Funkzellenabfrage.
Die Polizei wertet dabei Datensätze von
Handyverbindungen aus, um festzustellen, wer sich zu welchem Zeitpunkt in einem bestimmten Gebiet befunden hat –
zum Beispiel am 28. Mai in der Nähe der Erhardtstraße. Kraus bittet die Betroffenen
um Kooperation. „Die bisher getesteten
Personen haben durchgehend Verständnis
für unsere Ermittlungen gezeigt.“
Vor zwei Jahren hatte die Polizei im
Mordfall Michaela Eisch schon einmal zu
einem freiwilligen Massentest aufgerufen.
Damals waren knapp 1200 der 1750 angeschriebenen Männer erschienen. Wer
nicht kam, bei dem fragten die Ermittler
nach. Einen Treffer gab es bis heute nicht.
Neue Probleme für Olympia-Bewerbung
Denkmalpfleger haben Bundeswehrbauten, die für olympisches Dorf weichen sollen, zum schutzwürdigen Ensemble erklärt
München – Neue Hürde für die Münchner
Olympiabewerbung: Das Landesamt für
Denkmalpflege will das aus den Siebzigerjahren stammende Bundeswehr-Verwaltungszentrum an der Dachauer Straße auf
die Denkmalliste setzen – und damit die
Bauten und Grünflächen, die eigentlich für
Olympia weichen sollen. Bis 1. September
hat das städtische Planungsreferat nun
Zeit, Stellung zu nehmen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es zum Zwist zwischen staatlichen und städtischen Behörden kommt. Denn kurz vor der Auslobung
des Architektenwettbewerbs fürs Olympische Dorf wurde schon einmal überprüft,
ob die Bundeswehrbauten Denkmäler
sind. Das Ergebnis lautete: nein. Und seit
damals hat sich aus Sicht der Stadt eigentlich nichts Wesentliches verändert.
Losgetreten hatte die Untersuchung ein
„interessierter Dritter“, wie das Landesamt für Denkmalpflege formuliert. Die Behörde befand das Ensemble tatsächlich für
schutzwürdig, und der Landesdenkmalrat
schloss sich diesem Urteil an. Die Aufnahme in die Liste kann aber nur „im Benehmen mit der Gemeinde“ erfolgen, und dies
geschieht gerade mit Ultimatum 1. September. Sollte bis dahin keine Rückmeldung
vorliegen, so das Landesamt, gehe man davon aus, dass keine Einwände bestehen.
Der neue Status des Geländes wäre Wasser auf die Mühlen der Olympia-Gegner,
die bereits in der Vergangenheit auf schützenswerte Bäume an der Dachauer Straße
hingewiesen hatten. Den Bau des Olympischen Dorfes und damit die Bewerbung gefährdet er aber nicht – zumindest nicht direkt. Oberbürgermeister Christian Ude hatte sich gleich nach Bekanntwerden der
Denkmal-Pläne an Wissenschaftsminister
Wolfgang Heubisch gewandt, dem das Landesamt unterstellt ist. Sowohl Heubisch
als auch Staatskanzlei-Chef Thomas Kreuzer schickten Beruhigendes zurück: Da die
Stadt „die Planungen für das Gelände bereits im Rahmen der Olympiabewerbung
2018 verfolgt hat und zu dieser Zeit noch
nicht von einer Denkmaleigenschaft ausgegangen wurde, besteht Vertrauensschutz
für die weitere Umsetzung dieser Pläne“.
Heißt: Es darf abgerissen werden an der Dachauer Straße. Staatskanzlei und Wissenschaftsministerium bestätigten, dass dies
weiterhin gilt. Man habe von der Aufnahme in die Denkmalliste vorerst abgesehen.
Diese Ausnahme, darauf weist eine Sprecherin Heubischs ausdrücklich hin, gilt al-
lerdings nur im Falle einer Olympiabewerbung. Kommt es nicht dazu, etwa weil sich
die Münchner im November dagegen aussprechen, läuft der Vertrauensschutz aus.
Das Landesamt aber lässt nicht locker.
Nach Ansicht der Fachbehörde handelt es
Das Landesamt will die Bundeswehrbauten an der Dachauer Straße unter Denkmalschutz stellen.
FOTO: STEPHAN RUMPF
sich bei der Gesamtanlage Dachauer Straße 128 sehr wohl um ein Denkmal. Man habe geprüft, unter anderem ein Baudenkmal-Ensemble festgestellt und entschieden, es in die Denkmalliste nachzutragen,
führt das Landesamt in einem Schreiben
an die Stadt aus. Das Verwaltungszentrum
sei eine zusammenhängende Anlage, die
unverändert aus der Bauzeit überliefert
sei. Bauten, umgebende Grünanlage und
aufgestellte Kunstwerke stellten eine Einheit dar und seien aufeinander bezogen, so
durch die Positionierung der Bauten, die
Wegeführung und die Blickachsen aus den
Bauten heraus, heißt es in dem Schreiben,
das der SZ vorliegt. Geschützt wären demnach einzelne Bauten, aber auch die Gesamtanlage als solches. In einem Ensemble besteht kein generelles Bauverbot – es
muss jedoch in Einklag zu der als schützenswert erachteten Gesamtanlage gebaut
werden.
Für die Planung des Olympischen Dorfes für die Spiele 2018, die weitgehend
übernommen werden soll, waren 17 Hochhäuser vorgesehen, die innerhalb der parkähnlichen Anlage errichtet werden sollten.
Dazu sollten etwa 2000 Bäume gefällt werden. DOMINIK HUTTER, KATJA RIEDEL
Pöcking – Ein 14 Jahre altes Mädchen ist
am Sonntag in Pöcking am Starnberger
See von einer S-Bahn erfasst und getötet
worden. Die Schülerin war gegen 21.50 Uhr
zu Fuß auf dem Gleis in Richtung Süden unterwegs, während ihre gleichaltrige Begleiterin aus Pöcking neben dem Bahndamm
ging. Als eine S-Bahn entgegenkam, wich
die 14-Jährige auf das Parallelgleis aus,
übersah dabei aber einen in Gegenrichtung fahrenden Zug. Die Schülerin wurde
von hinten erfasst und war sofort tot. Nach
ersten Erkenntnissen der Kriminalpolizei
hatten die Mädchen eine Party am Ufer des
Starnberger Sees besucht. Vom S-Bahnhof
Pöcking-Possenhofen aus hatten sie sich
dann in der Dunkelheit auf den Heimweg
gemacht, ehe es zu dem Unglück kam.
Das Opfer wohnte zuletzt beim Vater in
Salzburg und war zu Besuch bei der Freundin in Pöcking. Diese erlitt einen Schock
und wird von einem Kriseninterventionsteam betreut. Sie ist derzeit nicht in der Lage, die Ereignisse insbesondere im Vorfeld
des Unglücks zu schildern. Die Schülerin
soll vernommen werden, sobald sich ihre
psychische Situation stabilisiert hat.
Rund 20 Fahrgäste befanden sich in der
Richtung Tutzing fahrenden S-Bahn, die
das Mädchen im Bereich der linken Frontseite erfasst hatte. Sie verließen mithilfe
der Feuerwehr den Zug und gelangten teils
zu Fuß, teils mit Fahrzeugen der Feuerwehr zurück zum S-Bahnhof Possenhofen.
Sie mussten allerdings bis 23.10 Uhr ausharren. Die Bahnstrecke blieb für die Unfallaufnahme bis kurz nach Mitternacht gesperrt, es wurde ein Schienenersatzverkehr eingerichtet.
DEU, PHAA
Neuer Chef für die
Hochschule für Politik
München – Überraschende Personalie an
der Hochschule für Politik (HfP): Karl-Rudolf Korte, einer der prominentesten deutschen Politikwissenschaftler, soll neuer
Chef der kriselnden Hochschule werden.
Der Reformbeirat der HfP schlägt Korte,
der regelmäßig als Wahlanalytiker im Fernsehen zu sehen ist, „als prioritären Kandidaten“ für den Posten des Reformrektors
vor, wie das Gremium am Montagabend
mitteilte. Derzeit ist Korte Professor an der
Uni Duisburg-Essen und Direktor der
NRW School of Governance, einem der Vorbilder für die künftige HfP. Offenbar ist
auch die Ludwig-Maximilians-Universität
(LMU), an der Korte sich 1997 habilitierte,
grundsätzlich einverstanden, denn sie ist
im HfP-Reformbeirat vertreten. Der Reformrektor muss als Professor an die LMU
berufen werden, das Verfahren steht noch
aus. Einen Favoriten gibt es nun.
SEKR
DAS WETTER
b
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30ö/ 12ö
n
NACHTS
Verbreitet scheint die Sonne, dann ziehen
auch ein paar lockere Wolkenfelder vorüber.
R Seite R15
Süddeutsche Zeitung München, Region und Bayern
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089/2183-475, Mail: muenchen-region@sueddeutsche.de
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Abo-Service: 089/2183-8080, www.sz.de/abo
R2
THEMA DES TAGES
Dienstag, 23. Juli 2013, Nr. 168
DEFGH
Der Alltag von Asylbewerbern Gehen die Behörden mit Flüchtlingen hierzulande unmenschlich oder vernünftig um?
Wann immer politisch über diese Frage gestritten wird, stehen vor allem drei Aspekte im Fokus: die Unterbringung, die Versorgung
mit Lebensmitteln und die sogenannte Residenzpflicht. Wie aber sieht all das im Alltag aus? Ein Blick hinter die Kulissen
Zimmer mit Aussicht
Wer als Flüchtling hierher kommt, landet oft in einer großen Sammelunterkunft, manchmal aber auch in einem ehemaligen Pfarrhof oder Pflegeheim.
Diese dezentrale Unterbringung ist aufwendig. Doch wenn sich am Ort ehrenamtliche Helfer finden, bietet sie den Menschen oft die bessere Perspektive
VON STEFAN MÜHLEISEN
UND MELANIE STAUDINGER
S
addam Haji kann nicht genau begründen, weshalb er dieses Bild mit dem
Bergpanorama auf die Kommode gestellt hat. Das gerahmte Foto zeigt einen
weiten Blick über stolze Tannen auf
schneebedeckte Hänge. „Es ist schön“,
sagt der 33-Jährige schlicht über die angegilbte, womöglich vor Jahrzehnten geknipste Aufnahme. Dann sieht er aus dem
Fenster – und sagt den Satz noch einmal.
Er meint das gemächliche Dorfleben da
draußen in Brunnthal, einer 4800-Einwohner-Gemeinde im Münchner Umland.
Schon lange ist die Kommune bekannt wegen des gleichnamigen Autobahnkreuzes,
seit vergangenen Herbst auch deshalb,
weil Menschen wie Saddam Haji hier zunächst nicht willkommen waren.
Der Iraker ist einer von derzeit etwa
29 000 Flüchtlingen in Bayern, Tendenz:
steigend. Die 142 staatlichen Einrichtungen im Freistaat sind überfüllt, längst haben die Bezirksregierungen die Landkreise und kreisfreien Städte in die Pflicht genommen. Die müssen jetzt in Eigenregie
Quartiere finden; die Zuteilungsquoten
sind per Verordnung genau festgelegt.
Doch die Landräte und Bürgermeister tun
sich schwer, Objekte für Sammelquartiere
zu finden. Deshalb grasen die Behörden
den Immobilienmarkt ab und quartieren
die Flüchtlinge oft in einzelne Wohnungen
ein. Diese „dezentrale Unterbringung“ ist
für die Landratsämter ziemlich aufwendig. Doch viele Flüchtlinge bekommen dadurch ein menschenwürdiges Obdach –
und ein Zimmer mit Aussicht auf ein besseres Leben im fremden Deutschland.
Saddam Haji sitzt mit seiner Frau Alia,
24, auf der schwarzen Kunstledercouch,
sie sehen ihrem Sohn Roni, 6, und Tochter
Ranin, 3, zu, die quietschfidel auf dem Parkettboden vor einem Flachbildfernseher
herumtollen. Nebenan schläft Rania, 30 Ta-
dem Führungskreis der Vereinigung, die
mittlerweile etwa 50 Unterstützer zählt.
Sie geben Sprachkurse, organisieren Sachspenden, helfen bei Behördengängen. Miner fuhr einmal um zwei Uhr in der Nacht
eine schwangere Mutter ins Krankenhaus,
als die Wehen einsetzten. Für das Landratsamt, das mit nur zwei Halbtageskräften
210 dezentral einquartierte Asylbewerber
in 14 Gemeinden bewältigen muss, eine
wertvolle Hilfe. „Das Engagement der Helferkreise ist für uns eine wichtige Unterstützung“, sagt ein Behördensprecher.
So wie in Hebertshausen, auch das ein
kleines Dorf, gelegen im Landkreis Dachau. Ken hatte Schlimmeres befürchtet, als
er mit seiner schwangeren Frau Rahal in
der S-Bahn hierherfuhr. Eine heruntergekommene Baracke würde wohl ihre neue
Bleibe werden, oder ein Blechcontainer.
Stattdessen standen sie vor einem stattlichen Haus mit drei Stockwerken, einem
ehemaligen Altenheim. Gleich neben dem
Eingang rechts bezogen sie ein helles, sauberes Zimmer mit einem kleinen Balkon
zum Wäscheaufhängen, zwei Betten, einem Schrank und einem Waschbecken.
Die Toiletten und Duschen auf dem Flur
müssen sie mit den anderen Bewohnern
teilen, ebenso die Küche. Ken und Rahal,
32 und 26 Jahre alt, sind aus Nigeria geflohen. Ob sie bleiben dürfen, wird sich frühestens im September entscheiden. Bis dahin wohnen sie inmitten einer nahezu herrschaftlichen Parkanlage. Rahal kann sich
hier das erste Mal richtig auf ihr Baby freuen. Mütter aus dem Ort haben einen Kinderwagen, Strampelanzüge und Windeln
gespendet, eine Frau begleitet sie zum
Arzt.
Dass Flüchtlinge recht komfortabel in einem früheren Pflegeheim wohnen, ist der
Not geschuldet. Seit Frühling ist bekannt,
dass der Kreis Dachau künftig 100 Asylbewerber mehr aufnehmen muss als die
knapp 150, die bisher in den maroden Baracken am Rand der Kreisstadt leben. „Natür-
ge alt, in ihrem Kinderbettchen. Ein sonniger Vormittag in dem ehemaligen Pfarrhaus in Brunnthal, das jetzt eine Flüchtlingsunterkunft für 14 Bewohner ist. Vier
Familien mit insgesamt sieben Kindern leben in sechs Zimmern. Die Hajis haben
zwei abbekommen: Stockbetten mit weißblauer Bettwäsche und graue Spinde stehen vor sandgelb getünchten Wänden. Für
eine deutsche Familie wäre das ziemlich
eng, die Hajis sind zufrieden. „Die Menschen sind sehr freundlich hier“, sagt Saddam Haji und erzählt dann in gebrochenem Deutsch, wie anders es war, als sie in
Zirndorf angekommen waren, dem mittlerweile völlig überfüllten Erstaufnahmelager bei Nürnberg, wo Garagen und Gebetsräume zu Schlafsälen umfunktioniert werden mussten. „Wir werden hier sehr
freundlich und respektvoll behandelt“,
sagt Haji. Zudem überaus gastfreundlich:
Kommode, Fernseher, Kinderbett und das
Bild mit dem Bergpanorama sind alles
Spenden von Brunnthaler Bürgern.
In Brunnthal gab es einen Eklat.
Nun zählen Familien wie die Hajis
schon fast zur Dorfgemeinschaft
Das sah im September 2012 noch anders
aus. Damals stemmten sich Teile der Bürgerschaft und der Lokalpolitik vehement
gegen die fast schon flehentliche Bitte der
Münchner Landrätin Johanna Rumschöttel (SPD), 36 Flüchtlinge im leer stehenden
Gasthof einquartieren zu dürfen. Sie
sprach damals von einer „feindseligen Umgebung“. Nun leben nur etwas mehr als ein
Dutzend Flüchtlinge in dem Ort südlich
von München. Doch die sind schon fast
Teil der Dorfgemeinschaft. Großen Anteil
daran hat der ehrenamtliche Helferkreis
„Weltoffenes Brunnthal“, gegründet kurz
nach dem Eklat im September. „Wir sehen
es als unsere Aufgabe an, den Leuten hier
vor Ort zu helfen“, sagt Hilde Miner aus
lich haben nicht alle Bürger von Anfang an
jubiliert“, sagt Richard Reischl, Gemeinderat und Bürgermeisterkandidat der CSU.
Viele fürchteten, dass ein Flüchtlingsansturm das 5400-Einwohner-Dorf überfordern könnte. Die Kommunalpolitiker aber
gründeten einen Runden Tisch. Ehrenamtliche kümmern sich seither um die „neuen
Mitbürger“, wie die Asylbewerber bereits
genannt werden.
„Integration ist einfacher,
wenn nicht Hunderte Flüchtlinge
an einem Ort zusammenleben.“
Wie in Brunnthal, so wachsen die
23 Männer und zwei Frauen aus Nigeria,
Senegal, Sierra Leone oder dem Kongo
langsam in die Dorfgemeinschaft hinein.
Manche gehen – nach dem Deutschkurs –
abends hinüber ins Feuerwehrhaus zum
Billardspielen; andere spazieren mit den
Mitgliedern des Fischereivereins zum Angeln. Manchmal kommen Hebertshausener vorbei, um sich die Unterkunft genauer anzuschauen. Und die Flüchtlinge sieht
man, wenn sie die Gegend mit ihren Fahrrädern erkunden oder im Supermarkt Speisen und Getränke kaufen.
Noch verwaltet das Landratsamt das Gebäude, wenn aber die Regierung von Oberbayern den Komplex übernimmt, wird
sich das wohl ändern. Aus der dezentralen
Unterkunft könnte schon bald ein Gemeinschaftsquartier werden. Lokalpolitiker
Reischl befürchtet Schwierigkeiten. „Integration ist einfacher, wenn nicht Hunderte
Flüchtlinge an einem Ort zusammenleben“, sagt er. Dann aber wäre es vorbei mit
der Ruhe in der Parkanlage, vorbei mit den
regelmäßigen Deutschkursen, vorbei wohl
auch mit einem einigermaßen geräumigen
Platz, der Flüchtlingen aus Krisengebieten
eine persönliche Perspektive eröffnet – eine schöne Aussicht auf ein Leben in der
deutschen Gesellschaft.
Die Zehn-Euro-Maut
Essen nach Formular
Warum es problematisch ist, den Regierungsbezirk zu verlassen
Nahrungsmittel auf Listen auswählen zu müssen, schränkt ein
Ein Flüchtling demonstriert für mehr Bewegungsfreiheit.
FOTO: MARC MÜLLER/DPA
München – Vielen Asylbewerbern, insbesondere in Niederbayern, ist die Passauer
Rechtsanwältin Petra Haubner ein Begriff.
Für manche ist sie auch die letzte Hoffnung im Streit mit den mächtigen Behörden. Oft geht es bei Haubners Mandanten
um Verstöße gegen die Residenzpflicht.
Das heißt, sie haben ohne amtliche Erlaubnis ihren streng abgesteckten Bereich verlassen – mittlerweile sind dies die Bezirksgrenzen. Die Residenzpflicht ist im Asylverfahrensgesetz geregelt.
Bayern nimmt es damit im Bundesvergleich sehr genau. Bis zum Asylkompromiss der CSU-FDP-Koalition im Juli 2010
war es Asylbewerbern im Freistaat nur gestattet, sich innerhalb jenes Landkreises
aufzuhalten, in dem sich die zuständige
Ausländerbehörde befindet. Mittlerweile
können sie sich im ganzen Regierungsbezirk frei bewegen, in dem sie untergebracht sind. In fast allen anderen Bundesländern ist die Residenzpflicht indes auf
die Landesgrenzen ausgeweitet.
Wer das zweite Mal erwischt wird,
der wird angeklagt. Am Ende
steht oft eine hohe Geldstrafe
Zu Haubners vielen Fällen gehört zum
Beispiel ein junger Mann aus Afghanistan,
dessen Familie in Hamburg wohnt. „Er hat
dort drei Brüder, Schwestern, Cousins und
Cousinen, Onkel und Tanten, die zum Teil
schon sehr lange in der Bundesrepublik leben“, sagt Haubner. Einige Male sei sein
Verlangen, die ihm vertrauten Menschen
wiederzusehen, so groß geworden, dass er
sich spontan in einen Zug gesetzt habe, um
sie zu besuchen. Er wurde mehrmals bei
Personenkontrollen von der Polizei erwischt. Nun hat dieser junge Mann ein Problem. Beim ersten Mal gilt ein Verstoß gegen die Residenzpflicht als Ordnungswidrigkeit, beim zweiten Mal bereits als Straftat, die oft mit Geldstrafen in Höhe von
30 Tagessätzen à fünf Euro geahndet wird.
Auch wenn das Taschengeld der Asylbewerber durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts erhöht worden ist – für
Alleinstehende von 40 auf 137 Euro –, bedeutet das für die Betroffenen eine harte
Belastung. Aber was noch schwerer wiegt:
Sie gelten damit aus Sicht der Behörden als
Rechtsbrecher. „Diese Leute werden auf
diese Weise schlicht kriminalisiert“, sagt
Haubner. Den Zustand ihres Mandanten
beschreibt sie mit einem Wort: „resigniert“.
Für Alexander Thal vom Bayerischen
Flüchtlingsrat hat das System. Viele jener
Asylbewerber, die Innenminister Joachim
Herrmann (CSU) als Kriminelle bezeichne,
fielen in diese Kategorie, sagt Thal. Als Verlierer des Asylkompromisses sehen sich
vor allem jene Flüchtlinge, die auf dem
Land untergebracht sind. Dies wurde etwa
bei einer Pressekonferenz zum Asylkompromiss deutlich: „Wir können nicht einmal nach München oder in andere nahe Orte fahren, ohne dass wir eine Strafe riskieren. Ständig werden wir von der Polizei
kontrolliert, ständig bekommen wir Bußgelder und Anzeigen, ohne dass wir etwas
verbrochen hätten“, sagte da ein Sprecher.
Bei den Ausländerbehörden in Bayern
hält sich das Mitleid allerdings in Grenzen.
Wer seine Verwandten besuchen wolle,
könne ja aufs Amt kommen und sich dort
eine Besuchserlaubnis erteilen lassen – die
kostet allerdings zehn Euro. Und das ist angesichts des immer noch nicht üppigen monatlichen Taschengelds eine Investition,
die sich Asylbewerber nicht oft leisten können. Aber, so argumentieren die Behörden:
In vielen anderen Fällen werde diese Gebühr nicht fällig, etwa wenn man einen
Arzt, eine religiöse Veranstaltung oder
auch eine Rückkehrberatungsstelle aufsuchen wolle. Wer die Gebühr für Verwandtenbesuche nicht zahlen wolle, müsse
eben innerhalb der gesteckten Grenzen
bleiben. „Es wird empfohlen, nicht die
räumliche Beschränkung ohne Besuchserlaubnis zu verlassen“, heißt es da zum Beispiel in einer Bekanntmachung des Landratsamtes Regen – gefolgt von einer Strafandrohung.
62 der 98 bayerischen Ausländerbehörden erheben diese Zehn-Euro-Gebühr
mittlerweile nach Auskunft des Innenministeriums, das für den Bereich Residenzpflicht zuständig ist. Nicht wenige Landratsämter, so auch das in Regen, tun dies
aber auf Anraten ihrer Bezirksregierung,
die der Staatsregierung unterstellt ist.
Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU)
hat mittlerweile angekündigt, er wolle die
Lebensbedingungen der Asylbewerber verbessern. An die Kommunen appellierte er,
die sogenannte Verlassenserlaubnisgebühr abzuschaffen. An der Residenzpflicht
will er aber festhalten. Auf Flüchtlinge
wirkt das wie ein Schlag ins Gesicht. Eine
ihrer Kernforderungen lautet: „Abschaffung der Residenzpflicht“. Damit stehen
sie nicht allein: Selbst die FDP drängt ihren
Koalitionspartner, damit Schluss zu machen.
DIETRICH MITTLER
München – Fleisch gibt es fünfmal die Woche, sommers wie winters. Hähnchen,
Rind, Pute, Schwein oder Lamm, letzteres
aber höchstens dreimal. Es sei denn, man
wählt das tiefgefrorene Fischfilet (das dürfte man fünfmal die Woche verspeisen), die
vegetarische Pizza (höchstens dreimal),
den Hühnerfleisch- oder den Bohneneintopf in der Dose – diese beiden aber gibt es
höchstes zweimal in der Woche.
Und was Süßes zum Dessert? Schokolade oder Pudding? Gerne, aber nur eine Tafel respektive ein Packerl alle sieben Tage.
Mehr ist nicht drin. Mehr ist nämlich nicht
anzukreuzen auf dem Bestellzettel.
Wen es als Asylbewerber nach Oberbayern verschlägt, der muss – in den meisten
Fällen zumindest – essen, was per Bestellung und Paket auf den Tisch kommt. Nach
dem sogenannten Sachleistungsprinzip
wird ihm oder ihr kein Geld ausgezahlt, um
sich davon Lebensmittel zu kaufen. Stattdessen wird zweimal die Woche ein Essenspaket geliefert, das faktisch freilich ein
Korb ist. Initiativen wie der Bayerische
Flüchtlingsrat kritisieren dieses System
immer wieder als Bevormundung, als Schikane, als krank machend gar. Als Ärgernis
in jedem Fall.
Pro Woche gibt es vier Liter Saft
oder sechs Liter Mineralwasser –
und einmal im Monat Kaffee
Ihnen ist das alte Pfarrhaus von Brunnthal zur neuen Heimat
geworden, zumindest vorübergehend: der Familie Niko
aus Afghanistan, der Familie Haji aus dem Irak
sowie Lokman Mohamed und seiner schwangeren Frau Leyla,
die aus Syrien stammen (von oben). FOTOS: ANGELIKA BARDEHLE
Dabei sieht die Auswahl auf den ersten
Blick gar nicht so gering aus. Zweimal die
Woche füllt jeder Asylbewerber einen in
zig Sprachen erhältlichen DIN-A4-Bestellbogen aus. Acht Kategorien an Produkten
findet er darauf: Obst zum Beispiel, Gemüse und Salat, Brot und Brotbelag, Milchprodukte, Getränke und eben „Fisch/Fleisch/
Fertiggerichte“. In jeder darf er eine bestimmte Anzahl an Portionen bestellen. Erstellt wurden die Listen zusammen mit
dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, wie die für die Unterbringung zuständige Regierung von Oberbayern mitteilt. Die Lieferung übernimmt
die Firma Drei König Lebensmittelservice
aus Schwäbisch Gmünd. Sie muss bei derzeit mehr als 6000 Asylbewerbern allein in
Oberbayern vermutlich ein gigantisches
Logistiksystem unterhalten. Das ist aber
nicht genauer zu erfahren, da die Firma eine SZ-Anfrage nicht beantwortete.
Die Auswahl sei „nach Gesichtspunkten
gesunder und ausgewogener Ernährung
sowie hinsichtlich Qualität und Quantität
der Lebensmittel“ zusammengestellt, teilt
die Regierung mit. An Brot etwa finden
sich auf den Listen drei verschiedene Sorten, dazu Toastbrot, weiße und Vollkornsemmeln. An Getränken gibt es wahlweise
vier Liter Saft und Eistee oder sechs Liter
Mineralwasser in der Woche; einmal im
Monat werden auch Kaffee, Teebeutel
oder Getränkepulver geliefert. Genauso
wie Gewürze: Pfeffer, Paprika, Kurkuma
und Curry stehen hier zur Auswahl. Für
Kinder gibt es spezielle Bestellzettel, ein-
Alles drin? Ein Essenspaket in der Bayernkaserne in München. FOTO: CATHERINA HESS
mal für das Alter von eins bis sechs, einmal
für sieben bis zwölf, dazu noch einen für
Säuglinge. Im Schnitt koste die Versorgung pro Person zwischen 83 und 131 Euro
im Monat, heißt es bei der Regierung. Alles
in allem trage das System „insbesondere
der unterschiedlichen Herkunft, dem Alter
sowie ethnischen und religiösen Gewohnheiten und Gebräuchen Rechnung“. Wie
auch Besonderheiten bei Krankheit oder
Diät. Und: „Das Essen reicht stets.“
Doch was ist, wenn ein Afrikaner mit Nudeln partout nichts anfangen kann und
sich Kochbananen wünschte? Das ist in
dem System nicht vorgesehen. Kritiker fordern daher seit Jahren, statt Essenspaketen Geld auszugeben, so dass sich jeder seinen Speiseplan individuell zusammenstellen kann. Zumal, da dies den Staat vermutlich auch billiger käme als die komplizierte
Zusammenstellung von Paketen. Lange
wird das vermutlich auch nicht mehr dauern, denn das Sozialministerium hat – als
eine Folge des Hungerstreiks auf dem
Münchner Rindermarkt – bereits die Parole ausgegeben, der „Weg der Flexibilisierung hin zu Geldleistungen“ solle „weitergeführt“ werden. Und das ist im Großraum
München vielerorts bereits Realität.
Essenspakete bekommen bislang alle,
die in den großen Münchner Erstaufnahmeeinrichtungen oder in den Gemeinschaftsunterkünften untergebracht sind,
die die Regierung selbst betreibt. Weist sie
dagegen den Landkreisen Flüchtlinge zur
sogenannten dezentralen Unterbringung
zu, sind diese zwar grundsätzlich angehalten, Pakete auszuteilen; mit Ausnahme
von Bad Tölz-Wolfratshausen umgehen
das aber alle. Geld verteilen zum Beispiel
die Landkreise München, Ebersberg und
Fürstenfeldbruck. Die Kreise Starnberg
und Freising geben Gutscheine aus, die
dann in örtlichen Supermärkten eingelöst
werden können; und in Erding gibt es einen eigenen Laden nur für Asylbewerber,
in dem diese nach einem Punktesystem
einkaufen können.
KASSIAN STROH
R3
MÜNCHEN
DEFGH Nr. 168, Dienstag, 23. Juli 2013
Demenzkranker
tötet Seniorin
MÜNCHNER MOMENTE
85-Jähriger schlägt Nachbarin in
Altenheim Flasche auf den Kopf
Lost im
Hackerzelt
VON STEPHAN HANDEL
W
eil sie ja jetzt schon wieder
rum- und aufbauen draußen
auf der Theresienwiese (und
bald die Zeit wieder kommt, zu der man
Auswärtigen erklären muss, warum der
Münchner sagt, er gehe „naus“ wenn er
eine innerstädtische Brachfläche besucht), und weil in diesem Zusammenhang gerade diskutiert wird, ob das ganze Fest flächendeckend mit dem Internet bestrahlt werden soll, hier eine fast
nostalgische Frage: Wie haben die das eigentlich früher gemacht, wenn sie sich
auf der Wiesn treffen wollten?
Heute geht das nämlich so: Auf Facebook wird der Wiesn-Besuch vereinbart,
inklusive gemeinsamer Anfahrt, Treffpunkt halb eins, Bahnhof Pasing. Um
12.10 Uhr am fraglichen Tag teilt Melanie via Facebook mit, sie schaffe es
nicht, die anderen sollen bitte zehn Minuten warten. Um Viertel vor eins twittert
einer von Pasing aus: Mann, diese Mädels! Fahren schon mal voraus! #frauen&pünktlichkeit. Melanie twittert zurück: Ich kann doch auch nichts dafür!
#haaretrocknenbrauchtzeit. Eine knappe Dreiviertelstunde später ist per Foursquare zu erfahren, dass die Gesellschaft
nun im Hackerzelt eingecheckt ist. Melanie ändert ihren Facebook-Status dahin
gehend, dass sie Evelyn und Chantal getroffen hat und mit denen noch eine Runde dreht. Drei Stunden später schickt sie
eine SMS, sie sei nun im Hackerzelt, wo
sie denn hinkommen solle. In der Antwort steht, man sei ins Winzerer Fähndl
umgezogen, gleich unterhalb des Musikpodiums. Es dauert kaum mehr als eine
weitere Stunde, mehrere Kurznachrichten und drei Telefonate, schon ist die
Gruppe um kurz vor sieben glücklich vereint, im Hippodrom.
Wie haben die das früher nur gemacht, ohne Handys? Könnte sein, die
haben sich verabredet und waren dann
pünktlich. Was es nicht alles gab damals!
Versicherungsmakler
veruntreut 1,3 Millionen
Firmen können sich gegen alle möglichen
Schäden versichern lassen. Gegen die Folgen von Wirbelstürmen, Fluten und auch
Bürgerkriege. Hajo P. (Name geändert) vermittelte solche speziellen Versicherungen.
Seit Mitte der 1990er Jahre betreute der
Volljurist mit seinem Münchner Maklerbüro eine Reihe größerer Firmen in Süddeutschland. Die teils beträchtlichen Prämien von mehreren hunderttausend Euro
überwiesen die Unternehmen an Ps. Büro,
er leitete die Beiträge dann nach Abzug seiner Provision an die Versicherer weiter. Bis
Ende 2010 lief das so, dann aber tat sich im
Firmenkonto, das der 58-Jährige auch privat nutzte, ein tiefes Loch auf. Fortan blieben die Prämien eines Kunden aus der Automatisierungsbranche in Höhe von
1,3 Millionen Euro bei ihm hängen. Das
brachte P. am Landgericht München I eine
Anklage wegen Untreue in sieben Fällen
ein.
Der aus einfachen Verhältnissen stammende Makler räumte die Vorwürfe am
Montag vor der sechsten Strafkammer ohne Umschweife ein. Er habe angesichts seiner Finanzlücke nach dem Kauf eines Hauses in Gräfelfing darauf gehofft, mit einem
großen Münchner Architektenbüro ins Geschäft zu kommen, das weltweit Flughäfen
und Staudämme plant. Ein Vertragsabschluss hätte ihn saniert. Doch das Geschäft kam nicht zustande. So stopfte er
mit den laufenden Prämienzahlungen eines Kunden seine eigenen Löcher. Bis der
Kunde Verdacht schöpfte, verging beinahe
ein Jahr. Nach einem Rechtsgespräch stellte die Strafkammer P. im Gegenzug für ein
Geständnis eine maximale Freiheitsstrafe
von dreieinhalb Jahren in Aussicht. CHRO
Im Jahr 2012 wurde am Hohenzollernplatz gewerkelt. Nicht selten verärgern die vielen Absperrungen an Baustellen die Verkehrsteilnehmer.
Bagger im Weg
Die Zahl der Baustellen auf öffentlichen Straßen und Gehwegen ist 2012 auf einen Rekordwert gestiegen.
Mit den vorhandenen Mitarbeitern ließen sich diese nicht mehr kontrollieren, klagt der KVR-Chef
VON MARCO VÖLKLEIN
N
icht nur in den Sommermonaten
staubt es und staut es sich auf Münchens Straßen, weil Baureferat und
Stadtwerke Straßen ausbessern, Gleise reparieren oder Leitungen verlegen. Das ganze Jahr über müssen Autofahrer, Radler
und Fußgänger überall in der Stadt ausweichen, weil Bagger und Kräne den Weg versperren. 20 472 Baustellen auf öffentlichem Verkehrsgrund hat das Kreisverwaltungsreferat (KVR) im vergangenen Jahr
genehmigt – das ist ein Rekordwert.
Zum Vergleich: In den Jahren 2000 bis
2005 registrierte das KVR nur 13 000 Baustellen pro Jahr. Von 2006 bis 2009 stieg
der Wert auf 16 000 jährlich. 2010 waren es
bereits 17 783 und im Jahr 2011 schließlich
18 702 Baustellen. „Die Zahl der zu genehmigenden Baustellen auf öffentlichem Verkehrsgrund wächst stetig“, heißt es aus
dem KVR. Zählt man die von Baureferat
und Stadtwerken angeschobenen Großbaustellen noch dazu, wurden im vergangenen Jahr sogar 20 817 Projekte gezählt.
Mittlerweile gibt es so viele Baustellen,
dass das KVR mehr Personal benötigt, um
sie alle genehmigen und überwachen zu
können. Denn die Verkehrsfachleute der
Stadt ordnen bei jeder einzelnen Baustelle
genau an, wie umfangreich eine Firma
zum Beispiel den Geh- oder Radweg in Beschlag nehmen darf, um dort einen Kran
aufstellen zu können. Zudem wird geregelt, wie die Baustelle gesichert und wie
Umleitungen ausgeschildert werden.
Nicht selten allerdings ärgern sich Radfahrer darüber, dass die Baufirma einfach nur
Die Zahl der Verkehrsunfälle stieg im Jahr
2012 auf 45 000 – drei Prozent mehr als im
Vorjahr. Um die Zahl zu drücken, will das KVR
ein „kommunales Verkehrssicherheitskonzept“ erarbeiten lassen. Wie dieses exakt aussehen wird, ist offen. Einen Vorschlag mit
dem „genauen Leistungsprogramm und den
dafür nötigen Ressourcen“ will KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle dem Stadtrat demnächst vorlegen. Eine mögliche Maßnahme
Protest statt Unterricht
München und Berlin wollen Austragungsort für die Fußball-EM 2020 werden
Schüler wollen sich mit Demonstrationszug Gehör verschaffen
Der Klassiker unter den deutschen Großstadt-Duellen geht in die nächste Runde:
München gegen Berlin. Diesmal geht es
um die Frage, welche Stadt Teile der Fußball-Europameisterschaft 2020 austragen
darf. Vergangene Woche hat der Berliner
Senat beschlossen, eine Bewerbung für die
EM beim Deutschen Fußballbund (DFB)
einzureichen, an diesem Mittwoch will der
Münchner Stadtrat nachziehen. Im Sommer 2020 findet die EM nicht wie sonst in
einem Land statt, sondern sie tourt durch
13 europäische Städte. Jedes Land darf
sich nur mit einer Metropole bewerben –
deshalb muss der DFB den Zweikampf zwischen Berlin und München entscheiden.
Dies soll am 30. August geschehen, und
DFB-Präsident Wolfgang Niesbach rechnet fest damit, dass die deutsche Bewerberstadt dann auch zum Zug kommt. Fest
steht das aber erst im September 2014,
dann wählt die Uefa die Spielorte aus.
Treibende Kraft hinter der Münchner
Bewerbung ist der FC Bayern, der sowohl
die Stadt als auch den Freistaat bereits im
Winter für seine Pläne gewinnen konnte.
Bisher hat die Stadt dem FC Bayern nur zugearbeitet. Die Agentur, die das für die Bewerbung nötige „Bid Book“ erstellt hat,
wurde von dem Fußballklub angeheuert
und bezahlt. Doch falls München den Zu-
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deutet sich bereits an: Weil die Zahl der Unfälle wegen überhöhter Geschwindigkeit „signifikant“ gestiegen sei, „sollte die Geschwindigkeitsüberwachung des Kfz-Verkehrs weiterhin ein Schwerpunkt sein“, findet BlumeBeyerle. Derzeit betreibt die Stadt fünf „Radar“-Messautos, dazu den fest installierten
Blitzer am Mc-Graw-Graben. Die Blitzanlagen im Richard-Strauss-Tunnel (und bald im
Petueltunnel) betreibt die Polizei.
MVÖ
„dies mit dem bestehenden Personal nicht
möglich ist“, schreibt KVR-Chef Wilfried
Blume-Beyerle im städtischen Verkehrsbericht, den der Stadtrat am heutigen Dienstag beraten wird. Zumal die KVR-Leute
nicht nur für die Kontrolle, sondern zuvor
auch für die Genehmigungen der Baustellen zuständig sind. Und gerade da fordern
Vertreter von Handwerk und Industrie immer wieder „kurze und flexible Verfahren“. Um das alles unter einen Hut zu bekommen, sagt Blume-Beyerle, benötige
das KVR deutlich mehr Leute.
Wie viele genau – dazu hält sich BlumeBeyerle noch bedeckt. Unter anderem
schwebt ihm ein eigenständiges „Baustellenkontrollteam“ vor, das „ausschließlich
vor Ort die Umsetzung der Genehmigung
kontrolliert, die Mängel protokolliert und
zur umgehenden Beseitigung auffordert“.
Ein solches Team, argumentiert der KVRChef, „wäre im Stadtgebiet ein weiterer
wichtiger Beitrag“, um die Verkehrssicherheit zu verbessern. Er will nun ein entsprechendes Konzept erarbeiten lassen und die
Vorschläge dem Stadtrat heuer in der zweiten Jahreshälfte unterbreiten.
Entscheidung vor dem Spiel
Theater
Münchner Kammerspiele
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Schauspielhaus: Einführung 19.15 Uhr
PLATTFORM, 20 - 22.05, 7. Di. lila /7. Di. orange
das Schild „Radfahrer absteigen“ aufstellt.
Oder Fußgänger mit einem Pfeil kurzerhand auf die andere Straßenseite geschickt werden und somit einen langen
Umweg in Kauf nehmen müssen.
Gehen solche Beschwerden ein, schicke
die Stadt Mitarbeiter los, die schauen, ob
„auch alles umgesetzt, beschildert und
markiert“ wurde, heißt es aus dem KVR.
Mittlerweile allerdings sei die Zahl der Baustellen, an denen die Kontrolleure vorbeischauen müssen, so sehr gestiegen, dass
Verkehrsbericht
schlag bekommt, kommen erhebliche Kosten auf die Landeshauptstadt zu. Sechs bis
sieben Millionen Euro soll das Spektakel
insgesamt kosten, davon wird einiges aus
öffentlichen Kassen bezahlt werden.
Wie das Internationale Olympische Komitee (IOC) stellt auch die Uefa unumgängliche Regeln für ihre Partner auf. So müssen die Stadien für die Vorrundenspiele
Die Stadt will 2020 das Sommermärchen
von 2006 wiederholen.
FOTO: GETTY
Theater-Programm
Komödie im Bayerischen Hof
Promenadeplatz 6, Tel. 29 28 10
20 Uhr DER MANN DER SICH NICHT TRAUT
Jacques Breuer, Viola Wedekind u.a.
FOTO: ROBERT HAAS
Ein 85 Jahre alter, demenzkranker Mann
hat in der Nacht auf Sonntag in einem Altenwohnheim im Münchner Westen eine
89-Jährige mit einer Glasflasche getötet.
Nach Angaben der Polizei war der Rentner
vermutlich gegen 2.30 Uhr in das Zimmer
der Frau gegangen und hatte ihr mit der
Wasserflasche auf den Kopf geschlagen.
Ein Pfleger hatte zuvor Geräusche im Zimmer des Mannes gehört, war aber von dem
85-Jährigen ebenfalls mit einer Flasche geschlagen und bedroht worden. Während er
Verstärkung holte, war der Demenzkranke
offenbar ins Zimmer der 89-Jährigen gegangen. Der Rentner gab in Vernehmungen an, sich an nichts erinnern zu können.
Er befindet sich nun in einer psychiatrischen Einrichtung, die Mordkommission
ermittelt. „Die Spurenlage am Tatort ist
ziemlich eindeutig“, sagt der Leiter der
Mordkommission Markus Kraus.
Als der Pfleger im Stationszimmer des
85-Jährigen Geräusche hörte und nach
dem Rechten sehen wollte, hatte ihm der
Demenzkranke mit einer Flasche gegen
den Unterarm geschlagen. Weil er es nicht
schaffte, ihn alleine zu beruhigen, entschloss sich der Pfleger nach dem Angriff,
einen Kollegen zur Unterstützung zu holen. Als die beiden Pfleger kurz darauf zurückkehrten, war der 85-Jährige nicht
mehr in seinem Zimmer, das er alleine bewohnte. Die beiden Kollegen sahen sich
auf dem Gang um und bemerkten, dass die
Tür des gegenüberliegenden Zimmers nur
angelehnt war. Sie öffneten die Tür – und
mussten sofort einer Glasflasche ausweichen, die ihnen der 85-Jährige entgegen
schleuderte und die auf dem Boden zerbrach. Gemeinsam redeten sie auf den
kranken Mann ein, der auf einem Stuhl im
Zimmer saß. Als er sich kurz darauf beruhigt hatte, ohne dass die Betreuer Gewalt
anwenden mussten, schalteten sie das
Licht in dem Raum an: Die 89 Jahre alte Bewohnerin des Zimmers lag in ihrem Bett
und blutete massiv aus dem Kopf. Ein sofort verständigter Notarzt versorgte die
Rentnerin und brachte sie in ein Krankenhaus, wo sie später starb.
Die Staatsanwaltschaft will nun beantragen, den festgenommenen Tatverdächtigen wegen Gefahr der Fremdgefährdung
in einem psychiatrischen Krankenhaus unterzubringen. Ein Gutachten soll klären,
ob der 85 Jahre alte Mann wegen seiner Demenzerkrankung überhaupt schuldfähig
ist. Die Fahnder gehen nach ersten Ermittlungen fest davon aus, dass er der Frau die
tödlichen Verletzungen mit einer Wasserflasche zugefügt hat. Die genaue Todesursache und die Art der Verletzungen am
Kopf sind allerdings noch unklar. Eine Obduktion soll nähere Erkenntnisse bringen.
Das Ergebnis der Untersuchung steht noch
aus.
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mindestens 50 000 Plätze haben. Und
wenn ein Land sich auch um das attraktive
Final-Paket bewerben will, das die Halbfinale sowie das Endspiel umfasst, sind sogar 70 000 Plätze vorgeschrieben. Da sich
der DFB laut Niersbach um beide Varianten bewerben will, bliebe neben München
und Berlin nur noch Dortmund als möglicher Kandidat. Doch dort gibt es kein FünfSterne-Hotel – für die Uefa ein K.o.-Kriterium. Für die Stadt könnte besonders der
Passus teuer werden, dass alle Ticketinhaber den öffentlichen Nahverkehr kostenlos
nutzen dürfen. Außerdem müssen alle Zugänge zum Stadion sowie zum Fanfest barrierefrei sein.
Ob nun in der Allianz-Arena oder im Berliner Olympiastadion gespielt wird, hängt
auch am Hotel-Angebot und der internationalen Erreichbarkeit. Aus Bayern sind deshalb schon die obligatorischen Sticheleien
über die Berliner Flughafen-Baustelle zu
hören gewesen. Doch wenn dieses Großprojekt bis 2020 nicht fertig ist, hat Berlin
ganz andere Sorgen als eine schlechte Anbindung für Fußballfans. In München würde sich nicht zuletzt die Olympiapark
GmbH über den EM-Zuschlag freuen: In
dem Park, der immer nach großen Sportevents sucht, könnte dann das Fanfest
stattfinden.
SILKE LODE
„Wir sind viele, wir sind laut, weil man uns
die Stimme klaut“ – unter diesem Motto
protestieren Schüler am Mittwochvormittag auf dem Stachus. „Wir wollen die Öffentlichkeit dazu bringen, mit uns zu reden anstatt über uns“, erklärt Benedict
Lang, der die Aktion als Vorstandsmitglied
der StadtschülerInnen-Vertretung (SSV)
gemeinsam mit der Kampagne „Wir sind
viele“ organisiert hat.
Bei der Demonstration geht es nicht um
konkrete Forderungen. Die Initiatoren wollen, dass Schüler selbst zu Wort kommen
und frei sagen, was ihnen am Schulsystem
passt und was nicht. Deshalb dürfen bei
dem Protest auch nur Schüler auf das Podium, es gibt keine Reden von Politikern. Ausreichend Aufmerksamkeit dürften die
Schüler bekommen: „Wir rechnen mit mindestens 500 Leuten, es können aber auch
viel mehr werden“, sagt Lisa Baar, die die
Projektleitung bei „Wir sind viele“ übernommen hat. Nach ihrer Aussage soll die
Aktion „einen Denkprozess anstoßen, da
von vielen das System Schule unreflektiert
akzeptiert wird“. Dabei gehe es vor allem
um „konstruktive Kritik“.
Die
Veranstaltung
beginnt
um
10.30 Uhr am Stachus. Nach der Eröffnung
führt ein Demonstrationszug von dort zum
Odeonsplatz, wo unter anderem die Band
Sinartistix an einer Abschlusskundgebung
mitwirkt. Spätestens um 12.30 Uhr wird
die Veranstaltung wieder enden. Damit
liegt die Protestaktion, die sich vornehmlich an Schüler richtet, genau in der Unterrichtszeit. „Wir sehen es als Aktion im Sinn
der politischen Mitbestimmung. In der
letzten Schulwoche ist so etwas doch sinnvoller, als einen Film nach dem anderen anzuschauen“, begründet Benedict Lang die
Wahl des Zeitpunkts. Mit großen Konsequenzen seitens der Schulen rechnet er
nicht. „Mehr als ein Verweis kann nicht verteilt werden, und darauf sollten die Eltern
nicht verärgert reagieren“, findet Lang.
„Immerhin beteiligt sich ihr Kind an einer
politischen Aktion.“
Auch das Kultusministerium steht der
Aktion verhalten positiv gegenüber:
„Grundsätzlich ist es zu begrüßen, wenn
sich junge Menschen an demokratischen
Prozessen beteiligen“, erklärt eine Sprecherin. Partizipation sei ein wichtiges gesellschaftliches Thema, das in besonderer
Weise auch die Schulen betreffe. Jedoch erinnert sie daran, dass für eine solche Veranstaltung eine Befreiung vom Unterricht
vorliegen müsste, die nur durch die jeweiligen Schulen ausgesprochen werden kann.
Solche Befreiung dürften nur in begründeten Einzelfällen verteilt werden.
JADR
Es gibt keine langweiligen Tage.
R4
MÜNCHEN
Dienstag, 23. Juli 2013, Nr. 168 DEFGH
Ideen, scharf wie
Rasiermesser
Exilanten, die vom Papst mit dem Scheiterhaufen bedroht
werden, versammeln sich im 14. Jahrhundert am Hof
Ludwigs des Bayern. Einer von ihnen ist William von Ockham
VON MARTIN BERNSTEIN
N
atürlich, der Mittelalter-Roman
schlechthin: „Wo ist da meine ganze Klugheit?“ lässt Umberto Eco in
„Der Name der Rose“ seinen Helden William von Baskerville am Ende sagen. „Ich
bin wie ein Besessener hinter einem Anschein von Ordnung hergelaufen, während
ich doch hätte wissen müssen, dass es in
der Welt keine Ordnung gibt.“ William von
Baskerville, in der legendären EichingerVerfilmung des Bestsellers verkörpert von
Sean Connery, ist Ecos Erfindung. Doch
sein reales Vorbild ist unverkennbar, nicht
nur wegen der Namensgleichheit: William
von Ockham, Franziskanermönch, Theologe, Philosoph, politischer Schriftsteller.
Ein Denker, der mit seinen Thesen den
Weg aus dem Mittelalter in die Neuzeit
wies. Und, wenn man so will, Wahlmünchner aufgrund höherer Gewalt. Zeitgenossen hätten vielleicht sogar gesagt: Aufgrund allerhöchster Gewalt – nämlich der
des Papstes, vor dem Ockham Zuflucht am
Hof Kaiser Ludwigs des Bayern in München suchen musste.
Sein Spiegelbild in Ecos Rosen-Roman
tut es ihm gleich: „Als wir in München eintrafen“, berichtet sein Begleiter Adson von
Melk im Epilog des Krimis, „musste ich
mich unter vielen Tränen von meinem guten Meister verabschieden“. Später, so Adson, habe man ihm erzählt, William „sei
der großen Pest zum Opfer gefallen, die Europa um die Mitte dieses Jahrhunderts verheerte“. Auch Ockham, so glaubte man lange, starb an der Pest – wie 90 Prozent aller
Münchner, als der Schwarze Tod im Jahr
1349 die Herzogsstadt an der Isar erreichte. Andere Quellen legen jedoch ein Todesdatum im Jahr 1347 nahe. Dann wäre er im
selben Jahr gestorben wie sein kaiserlicher
Schutzherr Ludwig der Bayer. Und jedenfalls nicht an der Pest. Über Ockhams Le-
Eine alte Handschrift: Frater William
von Ockham in einem Manuskript aus
dem Jahr 1341.
FOTO: SZ-ARCHIV
ben ist nicht viel bekannt. Und wer seinen
Spuren in München folgen will, muss tief
hinabsteigen.
Zum Beispiel in die Tiefgarage vor dem
Nationaltheater. Irgendwo dort, wo heute
Schilder den Ausgang zu den Theatern weisen und wo es nicht immer besonders gut
riecht, ist der streitbare Gelehrte bestattet
worden, im Chor des einstigen Franziskanerklosters. 1802 wurde das Kloster abgerissen, um Platz zu schaffen für die Repräsentation und die Kulturbeflissenheit der
bayerischen Herrscher. Doch auch zu Ockhams Lebzeiten war das Kloster in keinem
besonders guten Zustand. Man muss sogar
annehmen, dass es eine mühsam zusammengeflickte Brandruine war. Denn im
Jahr 1327 hatte ein Großbrand ein Drittel
der Stadt zerstört, 30 Menschen waren dabei ums Leben gekommen. Auch das 1284
gegründete Kloster der Franziskaner auf
dem heutigen Max-Joseph-Platz wurde
schwer in Mitleidenschaft gezogen.
KUNSTSTADT
MÜNCHEN
Kulturgeschichte(n)
aus zehn Jahrhunderten.
SZ-Serie, Teil 2
Heute: William von Ockham
Und dennoch ist es in den darauf folgenden Jahren ein geistiger Mittelpunkt Europas. Die Stadt liegt in Teilen in Schutt und
Asche, durch die Dächer tropft der Regen,
verkohlte Balken und eingestürzte Wände
machen große Teile der Klosteranlage unbewohnbar, allmählich erst beginnt der
Wiederaufbau Münchens – auf kaiserlichen Befehl nur noch mit Steinen und Ziegeln zur Verhütung künftiger Brandkatastrophen. Und in diesem Chaos kämpft eine
Handvoll Männer einen Kampf, den sie am
Ende verlieren werden und der doch das
Tor zu einer neuen Zeit weit aufstoßen
wird. Diese gelehrten Männer – die wichtigsten unter ihnen sind der Arzt Marsilius
von Padua, einstiger Rektor der Pariser
Universität, und eben der Franziskaner
William von Ockham – eint bei allen Unterschieden ein Ziel: Sie wollen den weltlichen
Allmachtsansprüchen der Päpste ein Ende
setzen. Das Volk ist der Ursprung aller weltlicher Macht, schreibt Marsilius. „Defensor Pacis“, nennt er sein Hauptwerk – „Verteidiger des Friedens“. Dieser Verteidiger
muss der Kaiser sein, der sich in Rom,
welch unerhörter Vorgang, vom Volk hat
krönen lassen. Der Papst im fernen Avignon tobt. Der Papst soll sich um geistliche
Fragen kümmern, schreibt William von
Ockham. Das alles ist für die Papstkirche
Ketzerei, Irrlehre. Der Kaiser wird gebannt
und für abgesetzt erklärt, vom Papst verächtlich Ludwig „der Bayer“ genannt. Marsilius, William und ihren Mitstreitern
droht das päpstliche Strafgericht.
Und so finden sie sich im Jahr 1329 in
München zusammen. Der gebannte Kaiser
und die Intellektuellen. Während Marsilius offenbar wieder in seinen angestammten Beruf zurückkehrt und möglicherweise Leibarzt des Herrschers wird, avanciert
Ockham zum ideologischen Ratgeber des
Wittelsbachers. Vom Franziskanerkloster
zur Kaiserburg im heutigen „Alten Hof“
Kaiser Ludwig IV., vom Papst abschätzig „der Bayer“ genannt (Medaillon am alten Fürstenfeldbrucker Rathaus), war Schutzherr Williams von Ockham.
sind es nur ein paar Schritte. Und wieder
muss hinuntersteigen, wer dort William
treffen will. Dann aber kann er ihm in einer
multimedialen Ausstellung sogar in die Augen schauen.
Ein Porträt des Gelehrten nämlich gibt
es. Ein unbekannter Schreiber hat das Bild
im Jahr 1341 an den Rand einer Handschrift gezeichnet. Ob er William kannte?
„Frater Occham iste“ – das ist Bruder Ockham: fester Blick, aber nicht der Blick eines Fanatikers, ein bartloses Gesicht mit einem entschlossenen Mund. „Es fällt
schwer, den Gedanken zu akzeptieren,
dass es in der Welt keine Ordnung geben
kann, da sie den freien Willen Gottes und
seine Allmacht einschränken könnte.“ Das
sagt William – der von Baskerville in Ecos
Roman. William von Ockham könnte es genauso gesagt haben. Gott ist frei, argumentiert dieser – und deshalb ist auch sein Geschöpf, der Mensch, frei. Und weil Gott jedes Ding und jedes Lebewesen schafft, hat
jedes Ding, jedes Lebewesen, jeder Mensch
seinen eigenen Wert und seine eigene Würde. Nichts und niemand ist lediglich ein Abbild von Gottes großem Plan. Und deshalb
beginnt Erkenntnis nicht mit allgemeinen
Begriffen, sondern immer mit der konkre-
ten Betrachtung des Einzelnen, des Individuums.
War der Denker William von Ockham
ein Vertreter der Münchner Kultur? Der
Mann, den Martin Luther zweihundert Jahre später seinen „Meister“ nannte, hätte
Zeitgeschehen
1314: Der oberbayerische Herzog Ludwig
wird zum deutschen König gewählt, setzt
sich aber erst 1322 militärisch gegen seinen
Konkurrenten Friedrich den Schönen von Österreich durch.
1324: Papst Johannes XXII. erkennt Ludwigs
Herrschaft nicht an und verhängt den Kirchenbann über den König.
1327: Stadtbrand in München.
1328: Ludwig zieht nach Rom und lässt sich
dort zum Kaiser krönen. In Pisa stoßen führende Vertreter des Franziskanerordens zu
ihm, unter ihnen auch William. Im gleichen
Jahr beginnen die Münchner Augustiner mit
dem Bierbrauen. Nach Ludwigs Rückkehr
wird der Alte Hof Kaiserresidenz (Ausstellung im Untergeschoss, Montag bis Samstag
10 bis 18 Uhr).
1337: Der zweite Münchner Mauerring wird
geschlossen (am Isartor Historiengemälde
von Bernhard von Neher, 1835).
1347: Tod Ludwigs bei Puch (Prunkgrab in der
Frauenkirche: Hans Krumpper, 1622). 1347
oder 1349 stirbt William von Ockham.
BM
FOTO: JOH. SIMON
über diese Frage gelächelt. Er hätte auf den
„Prunkpokal“ gedeutet, der in einem
Schaukasten im Gewölbe unter der alten
Kaiserburg zu sehen ist. „Was siehst du?“,
hätte er gefragt. Einen Pokal? Allgemeine
Begriffe sagen nichts über die Wirklichkeit
aus. Der vermeintliche Pokal ist ein Hologramm, das Ergebnis des frei forschenden
menschlichen Geistes. Und dann hätte Ockham sein viel zitiertes logisches „Rasiermesser“ ausgepackt: Es sei ungerechtfertigt, etwas mit größerem Aufwand zu erklären, was mit geringerem erklärbar ist. Vereinfacht gesagt: Warum denn umständlich, wenn es einfach auch geht.
Und es geht ganz einfach: Der englische
Franziskanermönch William von Ockham
hat von der Freiheit Gottes und der Menschen geschrieben. Vom Wert des Einzelnen und vom Wert der Erkenntnis. William
von Ockham hat München zum Leuchten
gebracht. Gerade, als das Mittelalter am
finstersten war.
Erst kommt das Geld, dann die Kultur
Das Mittelalter: Nach der Stadtgründung dauert es fast zwei Jahrhunderte, ehe München für Herrscher und Künstler interessant wird. Kriege, Brände und Pest bringen immer wieder Rückschläge
Die Stadtgründung
Wäre nicht diese Gewalttat gewesen, von
der Gründung Münchens hätte wohl kaum
jemand Notiz genommen. Doch Heinrich
der Löwe, Herzog von Bayern und Sachsen,
ließ nicht einfach nur einen Handelsplatz
mit Zollbrücke über der Isar errichten, sondern auch die konkurrierende Brücke des
Freisinger Bischofs schleifen. Und so beschäftigte sich wenig später der Herrscher
und oberste Richter des Reiches mit diesem kleinen, noch unscheinbaren Marktort an der Isar: der Kaiser, Friedrich Barbarossa. Sein Schlichtspruch vom 14. Juni
1158, genannt der „Augsburger Schied“,
gilt als Gründungsdokument Münchens.
Vom späteren Ruf einer Kunststadt war
dieses München jedoch noch weit entfernt.
Zwar war der Stadtgründer Heinrich nicht
nur ein rücksichtsloser, sondern auch ein
kunstsinniger Mann: Er stiftete Kirchen,
erwarb Reliquien, ließ in Braunschweig
einen Palast errichten und ein prächtiges
Löwenstandbild aus Erz gießen. München
aber bekam vom Glanz dieses Herzogs wenig mit. Die neue Siedlung diente rein
finanziellen Interessen: Sie sollte Devisen
aus dem Salzzoll an den Hof des Herzogs liefern, mehr nicht. Heinrich führte Kriege in
Sachsen; dass er je in München gewesen
wäre, ist nicht belegt. Und es sollte lange
dauern, bis Künstler in nennenswerter
Zahl nach München fanden.
Das Salz und
die ersten Wittelsbacher
Künstler waren im Mittelalter keine
Freigeister, sondern Dienstleister, angewiesen auf vermögende Auftraggeber –
und so zogen sie mit Vorliebe an Fürstenhöfe und in reiche Städte. München aber war
zunächst ein Nest, stand im Schatten alter
Metropolen wie Augsburg, Nürnberg und
Regensburg. Doch das Nest gedieh. Rasch
entwickelte sich der Ort zum bedeutenden
Umschlagplatz für Salz. Das „weiße Gold“
ließ München aufblühen, lockte Kaufleute
und Siedler an. Immer mehr Menschen
William von Ockham (oder Occam)
steht Pate: Seit 1891 heißt eine Straße im Herzen Schwabings nach ihm.
drängten sich innerhalb der Stadtmauern.
Keine hundert Jahre nach der Gründung
wurde es in der Stadt mit ihren gerade einmal 400 Metern Durchmesser zu eng, ein
neuer Mauerring musste her. Er ließ München auf die sechsfache Größe anwachsen.
Die Herzöge sahen die Stadt mit zunehmendem Interesse. Die Landesherren stammten seit 1180 aus der Familie Wittelsbach.
Mit dem wachsenden Reichtum Münchens
suchten sie die Nähe zur Stadt. Von 1253 an
ließ Herzog Ludwig II., genannt „der Strenge“, eine Festung an den Stadtrand setzen,
den Alten Hof. Eine Residenz war das noch
nicht; um zu regieren, musste Ludwig II.
durch seine Länder ziehen, durch Oberbayern sowie durch die Pfalzgrafschaft bei
Rhein. Aber von Stund’ an zeigten die Herzöge in München Präsenz, nicht immer
zum Wohlgefallen der Münchner Bürger.
Doch die Wittelsbacher führten die Stadt
im 14. Jahrhundert zu einer ersten kulturellen Blüte.
Die „Akademie“
Ludwigs des Bayern
Es war Kaiser Ludwig, genannt „der Bayer“, der München zu überregionaler Bedeutung verhalf. Ludwig, ein gebürtiger
Münchner, sah sich Zeit seines Lebens zahlreichen Gegnern gegenüber. Zunächst
stritt er mit seinem älteren Bruder Rudolf
um den Vorrang in Bayern. Dann machte
ihm nach einer Doppelwahl der Habsburger Friedrich, genannt „der Schöne“, die
Königskrone streitig. Danach wiederum
usurpierte Papst Johannes XXII. königliche Rechte in Norditalien und erhob den
Anspruch, den König auf seine Eignung
hin zu überprüfen. 1324 belegte er Ludwig
gar mit dem Kirchenbann. Doch die
Münchner Bürger unterstützten Ludwig
nach Kräften – und der revanchierte sich
mit Privilegien. Er machte die Stadt zu seinem Herrschaftsmittelpunkt. 1322 verlieh
er ihr die Reichsfarben Schwarz und Gold,
1332 gewährte er München das Monopol
für den Salzhandel, 1340 das Stadtrecht.
Zudem versammelte Ludwig Papst-Kritiker um sich: Gelehrte wie Michael von
Cesena, den Ordensgeneral der Franziskaner, der die Kirche zu biblischer Armut ermahnte und sich auf diese Weise den Papst
zum Feind gemacht hatte. Michael fühlte
sich bei Papst-Gegner Ludwig ebenso gut
aufgehoben wie die beiden exkommunizierten Philosophen Marsilius von Padua
und Wilhelm von Ockham. Die politische
und intellektuelle Opposition gegen die
Päpste in Avignon bündelte sich an Ludwigs Hof in München.
München im geteilten Bayern
Ludwigs Tod 1347 bedeutete für München einen schweren Schlag. Die Bürger bestatteten ihren Kaiser trotz Kirchenbanns
in der Marienkirche, dem Vorgängerbau
der Frauenkirche. Doch München und Bayern verloren an Bedeutung. Denn das Land
zersplitterte. Schon der Kaiser hatte 1329
die Rheinpfalz seinem Bruder Rudolf überlassen, um den Streit in der eigenen Familie zu beenden – und damit für rund
450 Jahre eine bayerische und eine Pfälzer
Linie der Wittelsbacher geschaffen. Erst
1777 sollten die Nachfahren Rudolfs nach
München zurückkehren. Doch damit nicht
genug: Nach Ludwigs Tod stritten seine
Söhne um das bayerische Erbe, am Ende
teilten sie es auf. Bayern zerfiel in kleine
Herzogtümer wie Bayern-München, Bayern-Ingolstadt, Bayern-Landshut und
Straubing-Holland. An die Königskrone
war nicht mehr zu denken, sie saß auf dem
Haupt Karls IV. aus dem Geschlecht der Luxemburger. Die Bayern-Herzöge hingegen
zankten, und München, eben noch Stadt
des Kaisers und kulturelles Zentrum des
Reiches, war selbst in Bayern nurmehr eine Hauptstadt neben anderen.
Was Kunst und Prunk anging, standen
die Münchner Wittelsbacher bald im Schatten ihrer Verwandten in Landshut. In der
Stadt revoltierten Handwerker und Bürger
gegen die Herzöge. Und zwei Jahre nach
Ludwigs Tod wütete erstmals die Pest in
der Stadt – eine Seuche, die München in
den folgenden Jahrhunderten insgesamt
25 mal heimsuchen sollte.
sche Kunst florierte. Der Baumeister Jörg
von Halspach schuf unter anderem die
Frauenkirche und das Alte Rathaus. 1482
wurde das erste Buch in München gedruckt, ein Reiseführer für Rom. Für die
Schedelsche Weltchronik entstand 1493
die erste Stadtansicht Münchens. Sigismunds Bruder Albrecht legte den Grundstein dafür, dass sich das Chaos der Vergangenheit nicht wiederholte. Nach dem Aussterben der letzten konkurrierenden Verwandten vereinte er 1505 Oberbayern mit
Niederbayern, und im Jahr darauf erließ er
ein Primogeniturgesetz: Erbberechtigt waren fortan nur mehr die erstgeborenen Söhne, Bayern sollte nie mehr geteilt werden.
Münchens Prunk und
Bayerns Einheit
Wirklichkeit in der 3-D-Projektion:
Der Winterhalter-Pokal (1888) zeigt
den Alten Hof. FOTOS: A. SCHELLNEGGER (3)
Mit München, der so reichen wie jungen
Handelsstadt an der Isar, ging es bergab.
Die Wende gelang erst im ausgehenden
Mittelalter – und erst, nachdem mehrere
der verfeindeten Wittelsbacher Linien ausgestorben waren. 1450 trafen sich die verbliebenen Bayern-Herzöge in Erding und
beendeten per Vertrag ihre Streitereien.
Und in München regierten wenig später
zwei Brüder: Sigismund und Herzog
Albrecht IV., genannt „der Weise“. Sie führten die Stadt zu neuer Blüte. Sigismund
machte sich einen Namen als Mäzen.
Künstler wie Jan Polack und Erasmus Grasser zogen nun nach München, die spätgoti-
Erinnerung an Ludwigs Kaiserburg
im Gewölbe unter dem Alten Hof.
Residenzstadt des Herzogtums war München: Hier konzentrierten sich Macht und
Repräsentation der Wittelsbacher. Für
Künstler auf der Suche nach Gönnern
herrschten hier bald paradiesische Zustände.
JAKOB WETZEL
Lesen Sie am Freitag: Neue Töne, neuer Stil – der
Komponist Orlando di Lasso und die Renaissance.
MÜNCHEN
DEFGH Nr. 168, Dienstag, 23. Juli 2013
PMS
Messerstiche
im Wahn
MÜNCHEN IN KÜRZE
41-Jährige stirbt bei Brand
Psychisch kranker Angeklagter
wollte 64-jährige Frau töten
Eine 41-Jährige ist in der Nacht auf
Montag bei einem Brand in ihrer Wohnung in Waldtrudering ums Leben gekommen. Gegen 23.30 Uhr hörte ein
Nachbar in dem Mehrfamilienhaus in
der Iltisstraße ein Geräusch, das wie
eine Verpuffung klang, und alarmierte
die Feuerwehr. Als die Einsatzkräfte
eintrafen, stand die Erdgeschosswohnung der 41-Jährigen in Flammen – das
Bett im Schlafzimmer hatte Feuer gefangen. Die Ursache für den Brand ist noch
unklar. Die Einsatzkräfte fanden die
Bewohnerin im Wohnzimmer, sie lag
tot auf dem Boden. Todesursache ist
wohl eine Rauchgasvergiftung, eine
Obduktion steht noch aus. Die zwei
Hunde der Besitzerin barg die Feuerwehr lebend aus den Flammen. FFU
Kinder zünden Ekel-Bombe
Wer clever ist, kauft seine Sommergarderobe erst jetzt. Viele Geschäfte senken zum Saisonschluss die Preise. Dabei hat der Sommer doch erst begonnen.
Rabattschlacht unter anderen Namen
Den Sommerschlussverkauf gibt es offiziell nicht mehr. Doch in Wirklichkeit locken viele Geschäfte wie früher mit
günstigen Preisen. Beim „Summer-Sale“ versuchen vor allem Bekleidungsgeschäfte, ihre vollen Lager zu räumen
VON RALF SCHARNITZKY
Urlauberin erhält Geld zurück
Eine Münchnerin, die sich und ihre
beiden Töchter im Urlaub auf Korfu
vorwiegend selbst verpflegen wollte,
bekommt von ihrem Reiseveranstalter
Schadenersatz. Bei der Buchung hatte
sie nämlich Wert darauf gelegt, dass
sich ihr Appartement direkt am Strand
befindet und ein Supermarkt in der
Nähe ist. Bei der Ankunft auf Korfu
stand die gewünschte Wohnung aber
nicht zur Verfügung. Die Frau bekam
eine andere, weiter weg vom Meer. Und
in rund einem Kilometer Entfernung
gab es nur einen Minimarkt. Zurück in
München klagte die Frau gegen ihren
Reiseveranstalter, und das Amtsgericht
gab ihr recht. Sie erhielt fast die Hälfte
ihrer Reisekosten in Höhe von 2000 Euro zurückerstattet.
SAL
S
ie haben weder Türen eingedrückt,
noch die Wühltische gestürmt. So
war das früher. Aber heute stehen in
den Eingangsbereichen der Kaufhäuser
keine Wühltische mit spezieller Ramschware mehr. Denn es gibt ja offiziell – also nach
dem Gesetz – auch gar keinen Schlussverkauf mehr. Rabattaktionen sind jetzt das
ganze Jahr erlaubt. Trotzdem hat er am
Montag wieder begonnen: der Sommerschlussverkauf. Dem Handel ist es freigestellt, ob er an diesem Ausverkauf teilnimmt – die meisten tun es. „Die Schlagkraft hat schon seit Jahren nachgelassen“,
weiß Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern (HBE) in München. Aber vor
allem die „Textiler“, so ergaben Umfragen
des Verbandes, wollen ihn immer noch.
Wegen des saumäßigen Frühlings und
Frühsommers sind die Lager vor allem in
den Bekleidungsgeschäften noch randvoll
mit luftiger Ware. Da passt es gut, dass sich
die Textilverbände und die großen Unternehmen schon im Herbst darauf geeinigt
hatten, den Termin für den Sommerschlussverkauf heuer um eine Woche vorzuziehen. Vor allem für Bayern ist das günstig: Die Konsumenten können sich nun
noch rechtzeitig vor Ferienbeginn eineinhalb Wochen zu günstigen Preisen für den
Urlaub eindecken. „Das dürfte auch gut für
die Geschäfte sein. Denn im Moment hinken wir im Umsatz um drei Prozent hinter
dem Vorjahr her“, weiß Ohlmann.
Den Sommerschlussverkauf, früher in
den Schaufenstern kurz SSV abgekürzt,
gibt es auch namentlich nicht mehr. Der
heißt jetzt, so ist in den Schaufenstern bei
einem Gang durch die Münchner Fußgängerzone zu lesen: Summer-Sale, Final Reductions, Saison-Wechsel, Saisonräumung oder auch Wow!-Sale. Wenn’s denn
sein muss. Nur bringen tut’s nichts. Verkäuferinnen in mehreren Kaufhäusern und Bekleidungsläden bestätigen den Eindruck:
Am Montagvormittag ist nicht mehr los als
in den vergangenen Tagen. Mit ein Grund
ist, dass schon in den Wochen zuvor viele
Geschäfte mit Rabatten und Sonderverkäufen Kunden lockten.
Manche Läden bieten auf den
Preisnachlass noch mal
einen Zusatzrabatt an
Das führt nun zu zum Teil recht kuriosen Werbeaktionen. So wirbt Lederwaren
Hetzenecker, der schon länger hohe Rabatte verspricht, mit einem „Totalräumungsverkauf wegen Saisonwechsel“ – und bietet Samstag und Montag noch mal einen
Zusatzrabatt auf den Rabatt an. Bei C&A
kleben Hinweisschilder, auf denen steht:
„Zusätzlich 20 Prozent auf bereits reduzierte Ware vom 18. bis 20. 7. 2013“. Also vor
dem Schlussverkauf. Deshalb pappt nun
quer auf den Schildern: „Für Sie verlängert
bis 24. 7. 2013“. Beide Geschäfte folgen damit einer Empfehlung der Handelsverbände: Wer schon vorher Rabattaktionen
durchgeführt hat, der soll sich beim Summer-Sale noch mal was Neues einfallen lassen. Ohlmann: „Sonst lockt man die rabattmüden Kunden nicht.“
Manche Häuser haben ihre Fassade
praktisch rot eingefärbt mit der Sale-Werbung wie Betten Rid. Beim Oberpollinger
sehen Fenster und Fassade wie immer aus;
nur im Innern wird der Kunde dezent darauf hingewiesen. Bei Konen beginnt der
„Sale“ eine Stunde später – Stromausfall.
Die Kunden warten geduldig vor der Tür
und werden mit Wasser und Kaffee versorgt. Bei Beate Uhse ist es noch leer – aber
auch hier gibt’s Rabatte.
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Die 64-Jährige kennt Dino D., seit er laufen
kann. Immer wieder passte sie auf den Buben aus der Nachbarschaft auf, und auch
in den folgenden Jahren blieb das Verhältnis herzlich. „Es gab nie Streit“, sagte die
Frau am Montag als Zeugin am Landgericht München I. Im Sommer 2011 nahm
die verwitwete Bosnierin den inzwischen
29-Jährigen sogar in ihrer Wohnung in Mittersendling auf, weil er nicht mehr bei seiner Mutter bleiben konnte. Das Zusammenleben mit der Nenntante klappte gut,
bis Dino D. immer mehr Drogen nahm und
sich daraus eine schwere Psychose bei ihm
entwickelte. In seinem Wahn glaubte er,
man verfolge ihn und wolle ihn töten. Am
16. September 2012 verlor er nach dem
Konsum von Kokain und Amphetaminen
jegliche Kontrolle über sich. Mit einem
Messer stach er auf seine Tante ein.
Die Frau wusste, dass Dino D. regelmäßig Gras rauchte. Sie hatte ihn auch schon
gebeten, den Konsum zu reduzieren. Eine
grundlegende Wesensveränderung bei
dem Lageristen stellte sie aber erst fest, als
sie von einem einwöchigen Urlaub im September 2012 zurückkehrte. D. sei entgegen
seiner Art in der Wohnung „herumgetigert“ und einmal sogar auf das Dach des
Mehrfamilienhauses gestiegen, um sich
hinunterzustürzen. Nach diesem Vorfall
brachte ein Bruder Dino D. in eine psychiatrische Klinik. Die Medikamente, die er verschrieben bekam, wollte er aber nicht nehmen. Binnen weniger Tage verschlechterte
sich sein Zustand dramatisch. Am 16. September beschloss er laut Staatsanwaltschaft, seine Tante, seinen Bruder und einen Freund zu töten. D. glaubte, sie alle hätten sich gegen ihn verschworen.
Es war ein Sonntag, als D. seinen Bruder
und den Bekannten anrief und sie bat, in
die Wohnung der Tante zu kommen. Bevor
die beiden Männer eintrafen, packte er seine Tante, die am Computer saß, von hinten
und würgte sie. Anschließend griff D. nach
einem Küchenmesser und stach auf sein
Opfer ein. Die Frau erlitt etliche Schnittverletzungen. Besonders gefährlich war eine
vier Zentimeter lange und bis zu zwei Zentimeter Tiefe Wunde an ihrem Hals. Nach
der Tat fordert er seine Tante auf, ihn zu töten. In diesem Moment erschien der Bekannte in der Wohnung und rief den Notarzt. Die zweite Strafkammer muss nun
darüber entscheiden, ob D. auf Dauer in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht wird.
CHRISTIAN ROST
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Zwei Kinder haben am Sonntag eine
Kotbombe gebastelt und damit 1000
Euro Schaden an einem Fahrzeug verursacht. Die noch strafunmündigen Pubertierenden fischten Hundekot aus einem
Mülleimer und packten ihn zusammen
mit einer Sprühdose in eine Tüte. Zusammen mit Papier steckten sie das
Gemisch in einem Kissenbezug, den sie
dann in der Dieselstraße in Moosach
auf die Windschutzscheibe eines geparkten Autos legten und anzündeten.
Die 45-jährige Fahrzeughalterin bemerkte die Explosion, löschte das Feuer
und rief die Polizei. Die beiden Täter
sagten aus, dass sie aus „Experimentierfreudigkeit“ gehandelt hätten. FFU
R5
7. UNABHÄNGIGES INTERNATIONALES FILMFESTIVAL
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R6
LEUTE
Dienstag, 23. Juli 2013, Nr. 168 DEFGH
33
Franz Herzog von Bayern lädt
zum Fest – und 2500 Gäste
kommen ins Schloss Schleißheim. Ministerpräsident Horst
Seehofer (oben rechts, mit Herzog Max, Ehefrau Karin und
Herzogin Elizabeth) lobt die
„tiefe Verwurzelung mit Bayern“ des Jubilars. Alt-Bundespräsident Roman Herzog (kleines Foto, mit Ehefrau Alexandra Freifrau von Berlichingen)
würdigt dessen Fähigkeiten zu
integrieren. Die Geigerin AnnSophie Mutter (rechts, mit ihrem Sohn Richard) rühmt seinen „großen Kunstsinn“.
FOTOS: FLORIAN PELJAK, DPA, PEOPLE PICTURE
Royal und rustikal
VON PHILIPP CRONE, HANS KRATZER
UND CHRISTIAN KRÜGEL
D
ieses Fest würde auch einer Monarchie zur Ehre gereichen. Über
Schloss Schleißheim spannt sich
am Montagnachmittag ein strahlend blauer Himmel, es herrscht quasi Herzogswetter am Tag der Feier des 80. Geburtstags
von Franz Herzog von Bayern, zu dem
2500 Gäste aus allen Gesellschaftsschichten kommen. „Welch ein wunderbarer
Tag“, freut sich Herzog Franz, als er im alten Speisesaal des Schlosses unter den Porträts der Kurfürsten Max Emanuel und Ferdinand Maria die Gratulationen der Gäste
entgegen nimmt.
Seinen Gehstock braucht Franz von Bayern dabei wirklich nicht. Er hat ihn zu Beginn des Defilees im Schloss abgegeben,
und auch nach einer Stunde steht der
80-Jährige noch kerzengerade und voller
Kraft vor jedem Gast, der über den Teppich
auf ihn zukommt und gratuliert. Gerade
von einer schweren Krankheit genesen,
nennt er als seinen größten Wunsch, gesund zu bleiben. „Es gibt so vieles, was ich
noch sehen möchte. Und ich möchte noch
viele Jahre etwas für andere Menschen
tun.“
„Es gibt vieles, was ich noch sehen möchte“: Zum 80. Geburtstag von Franz Herzog von Bayern feiert sich
das alte Bayern im Schloss Schleißheim selbst – mit Glanz, Gloria und großer Lässigkeit
Mit Horst Seehofer unterhält er sich lange, der Ministerpräsident lobt seine „tiefe
Verwurzelung mit Bayern, seine Bescheidenheit und Menschlichkeit“. Das meiste,
mit dem Bayern kulturell glänze, verdanke
das Land den Wittelsbachern, sagt Seehofer. „Und ich selbst habe auch sehr viele
Ratschläge von Franz von Bayern bekom-
Alles, was im Freistaat Macht,
Einfluss und Geld hat, hat
sich im Schlosspark versammelt
men, vor allem beim Thema Kultur.“ Seehofer macht dann eine Seehofer-Pause,
die eine Pointe oder besonders wichtige
Aussage ankündigt, und sagt: „Und jeder
Ratschlag war richtig!“
Für Konstantin von Bayern, Sohn von
Leopold, ist die Feier eine sehr entspannte
Veranstaltung: Der 26-jährige Student
schlendert zusammen mit seiner Schwester Filipa und den Eltern Leopold und Ursula von Bayern in den Schlosspark. „Ich darf
heute einfach nur Gast sein“, sagt Konstantin. Nur eine Aufgabe hat er an diesem
Nachmittag: Seiner Mutter ein wenig Luft
zufächeln. Auch Ludwig von Bayern, Sohn
Luitpold von der Schlossbrauerei Kaltenberg, hat eher wenig zu tun. Der jüngere
Nachwuchs aus der königlichen Familie habe sich zusammengetan und dem Jubilar
einen Koi-Karpfen geschenkt, sagt der
31-jährige Jurist, denn: Herzog Franz ist
nicht nur Dackel-Fan. Ludwig schätzt an
seinem Onkel, dass er „der entspannteste
Mensch ist, den ich kenne“. Die Geigerin
Ann-Sophie Mutter lobt den „großen
Kunstsinn“ des Jubilars, der ein „feiner, gebildeter Humanist“ sei. Siemens-Chef Peter Löscher bezeichnet Herzog Franz hingegen als „unglaublich liebenswerten Menschen“.
Luitpold von Bayern steht nach dem Defilee auf der Treppe zum Park, betrachtet
die Gäste an den Ständen und Tischen. Herren in Uniform oder Anzug, Damen in Sommerkleidern oder Dirndl. Luitpold von Bayern sagt: „Es wundert mich nicht, dass es
so viele Gäste sind. Dafür, dass Franz von
Bayern so lange in Bayern und der Welt unterwegs war, sind 2500 Gäste eigentlich wenig.“ Alles, was in Bayern Macht, Einfluss
und Geld hat, hat sich im Schlosspark unter Sonnenschirmen und an Stehtischen
eingefunden. Zum Beispiel Alt-Bundespräsident Roman Herzog, der über Herzog
Franz sagt: „Er schafft es wie nur wenige in
der Gesellschaft, die Menschen zusammen
zu führen.“ Er wirke integrierend, während die Politik oft desintegrierend handeln müsse. Susanne Breit-Keßler formuliert es so: „Wenn einer wie Herzog Franz
König wäre, dann könnte man mit so einem Monarchen leben.“ Niemand kümme-
re sich so sehr um Kunst, engagiere sich so
für soziale Zwecke und mache gleichzeitig
so wenig Aufhebens darum.
Während die Ehrengäste den Jubilar im
Schloss bei der Begrüßung noch ausdauernd loben, hat manch einer im Park auch
ein privates Erlebnis mit dem Herzog zu berichten. Zum Beispiel eine Frau, die mit ih-
Die Honoratioren sitzen auf der
Schlosstreppe, der andere Teil
Bayerns verlustiert sich im Park
rer Familie und dem Herzog regelmäßige
Bergtouren unternimmt. „Er ist dann immer ganz inkognito unterwegs“, sagt sie.
„Dann wird musiziert und gesungen, und
zum Essen mag er am liebsten ein Butterbrot, einen Presssack und dazu ein Bier.“
Die einfachen Leute mag er, heißt es.
Und die haben im Schleißheimer Schloss-
park fast die besten Plätze. Unter den Bäumen ist ein großes Zelt für die Schützenvereine, die Trachtler und die Gebirgsjäger
aufgestellt. Darin ist es erstens angenehm
kühl und zweitens gibt es für alle, die später am Nachmittag im Ehrenzug durch den
Park an den honorigen Gästen vorbei marschieren und dem Herzog salutieren, hier
vorher Weißwürste, Bier und Brezn. Da
sitzt Bayern zusammen, die Schützen aus
Donau-Ries, die Böllerer aus Moosach, die
Gebirgsschützen aus Wackersberg. „Mir
sind oft bei den Wittelsbachern, aber heute
ist ein schöner Tag“, sagt zum Beispiel der
Thomas aus dem Isargau. Das Schönste sei
aber, dass der Herzog die Trachtler ernst
nehme.
Auf der Schlosstreppe sitzen die DaxVorstände, das gesamte bayerische Kabinett, die Kardinäle, Monsignores Äbte, die
Intendanten und der Kunstadel – doch der
andere Teil Bayerns verlustiert sich im
Park, zwanglos, fröhlich unter den Bäumen (denn es ist so heiß, dass Freie WählerChef Hubert Aiwanger nur zum Himmel
schaut und raunzt: „Aber heit hat er wieder
eing’heizt“). Es ist ein bunter, legerer Nachmittag mit royaler Größe. Ein Fest, bei dem
sich das alte Bayern selbst feiert – mit
Glanz, Gloria und großer Lässigkeit.
Die Schlossherrin
Gärtnerin und Fremdenführerin: Birgit Netzle-Piechotka kümmert sich als Wirtin des Asam-Schlössls um viele Aufgaben – diese Woche feiert das Lokal 20-jähriges Bestehen
München – Düngen, Schneiden, Unkraut
jäten – für sie ist es normal, die Gartenarbeit selbst zu erledigen. Auch an diesem
Vormittag hat sie sich eine Schürze um das
orangefarbene Dirndl gebunden. Schließlich soll sich ihr „Schlössl“ in voller Pracht
zeigen, wenn es am 24. Juli seinen 20. Geburtstag feiert. Vorne am Eingangsbereich
restauriert gerade ein Kunstmaler die
kunsthistorisch bedeutende Fassade.
Nein, die blonde Frau ist keine adlige Gutshofsbesitzerin und schon gar nicht Gärtnerin. Birgit Netzle-Piechotka ist stellvertretende Kreisvorsitzende des Bayerischen
Hotel- und Gaststättenverbands und Wirtin des Asam-Schlössls.
Mit zwölf arbeitet sie schon
im „Alten Simpl“,
der Kneipe ihrer Mutter
Anfang der Neunzigerjahre war der historische Gebäudekomplex, den Hofmaler
Cosmas Damian Asam 1724 als Landsitz in
Thalkirchen erwarb und gestaltete, noch
in Privatbesitz gewesen. Ein Architekturbüro nebst Wohnung hat es beherbergt.
Der Münchner Architekt und Denkmalschützer Erwin Schleich hatte das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Haus und seinen
Anbau 1957 von der Stadt gekauft und es
dann nach und nach nahezu originalgetreu
wieder aufgebaut. „Das muss man sich
mal vorstellen“, sagt die Wirtin, „damals
gab es nicht einmal mehr ein Dach, statt
der herrlichen Fassaden schaute da nur
blankes Ziegelwerk heraus.“
Netzle-Piechotka hat sich viel mit der
Geschichte ihres Asam-Schlössls befasst.
Manchmal führt sie Gruppen aus der Volkshochschule, Wanderer oder auch Schüler
des Asam-Gymnasiums durch das Bauwerk. Weil es ihr einfach Spaß macht, und
weil sie ein Mensch ist, der bayerische Geschichte mit Leben füllen will.
In den Neunzigerjahren hatte sie bereits
zehn Jahre lang erfolgreich den Mariannenhof in der Innenstadt geführt – ein 80 Plätze fassendes Speiselokal mit Bar, das zu
dieser Zeit allerdings nicht einmal über eine Freischankfläche verfügte: „Da hatte
ich keine Chance, mich irgendwie zu vergrößern oder auszubreiten.“ Irgendwann
wurde ihr das ein wenig zu langweilig und
sie suchte nach einer neuen, etwas größeren Wirkungsstätte mit Garten. Eines Tages sei dann der damalige Chef von Augustiner, Ferdinand Schmid, vor ihr im Mariannenhof gestanden. Er habe etwas für sie,
sagte er. „Was genau, verriet er mir aber
nicht. Er schleppte mich ins nächste Taxi
und brachte mich hierher.“ Viel Phantasie
habe es damals gebraucht, sagt sie, um
sich vorzustellen, wie aus so vielen kleinen
Zimmern eine richtige Gaststätte werden
könnte.
1953 wird Birgit Netzle-Piechotka in
München geboren, verbringt aber die ersten sechs Jahre bis zur Scheidung ihrer Eltern in Gauting. Dann wandert ihr Vater
nach Südafrika aus, um dort eine Gesangsgruppe zu gründen. Die Mutter zieht mit
der kleinen Birgit und dem zwei Jahre älteren Bruder Christian nach München. Sie
überlegt, wie sie gleichzeitig Geld verdienen und die Kinder großziehen kann. Also
wird die Mutter, Toni Netzle, Wirtin des Alten Simpl in Schwabing, der damals von
acht Uhr abends bis drei Uhr früh geöffnet
hatte. Während die Mutter hinter dem Tresen steht, ziehen die heranwachsenden
Kinder durch die Stadt: „Wir haben uns permanent in Schwabing herumgetrieben.“
Im „Drugstore“ zum Beispiel oder im „Citta 2000“. Immer wieder sei sie von der Polizei aufgegriffen worden: „Einfach war ich
nicht gerade“, sagt sie heute und lacht
über diese wilde Zeit. Gleichzeitig arbeitet
sie bereits bei ihrer Mutter in der Kneipe,
schenkt Wein aus, da ist sie erst dreizehn
Jahre alt: „Meine Mutter hat mich recht
kurz gehalten. Wenn ich Wünsche hatte,
musste ich sie mir selbst erfüllen – also
war ich recht erfindungsreich, wenn es darum ging, Geld zu verdienen.“ Einmal
pumpt sie ihre Mutter um einen Vorschuss
von 20 Mark an, kauft Süßigkeiten und vertreibt sie in einem selbst gebastelten
Bauchladen in der Hohenzollernstraße.
Ein anderes Mal verkauft sie die Nachzucht ihrer Meerschweinchen, mal an Mitschüler, mal an Zoohandlungen. Überhaupt ihr Privatzoo: Neben Meerschweinchen hat sie Kanarienvögel, Mäuse und sogar eine Gelbstirn-Amazone besessen. Am
Ende seien es rund 200 Tiere gewesen, die
in ihrem Zimmer in der mütterlichen Woh-
nung in Schwabing lebten: „Meine Mitschüler wollten die immer sehen, da habe
ich dann 50 Pfennig für die Führung durch
meinen Zoo verlangt – und dass sie jeweils
zwei Käfige putzen.“
Sie ist eine gute Schülerin, doch eine,
die sich für die Schule nicht interessiert.
Erst bricht sie das Sophie-Scholl-Gymnasium ab, dann auch noch die Privatschule
Florian Überreiter. Am Ende landet sie auf
der Sabel-Schule, wo sie eine kaufmännische Ausbildung absolviert. Mit 15 Jahren
lernt sie im „Drugstore“ ihren ersten Mann
Roman kennen: „Mein Glück, er war mein
Wegbereiter“, sagt sie heute. Roman ist 16
Jahre älter als sie und Geschäftsführer im
Citta 2000. Sie ist sofort von ihm fasziniert. Vielleicht, weil er ihr die Liebe und
Geborgenheit gibt, die sie so sehr vermisst,
und weil er auf sie aufpasst: „Er hat mich
zur Schule geschickt, hat mich gefragt, was
ich einmal werden wolle.“ Wirtin, ist schon
damals ihre Antwort. Also schlägt er ihr
Im obersten Stock
hat sie mittlerweile
einen Kultursalon eingerichtet
Kümmert sich vormittags immer um den Garten, bevor die Mittagsgäste kommen:
Birgit Netzle-Piechotka, Wirtin des Asam-Schlössls.
FOTO: ROBERT HAAS
vor, die Hotelfachschule zu besuchen. Sie
ist erst 16 Jahre alt, als sie zu ihm zieht. „Da
hat sich damals niemand darum geschert.“
Mit 18 heiratet sie ihren Roman, doch das
Glück hält nicht lange: Ihr Mann erkrankt
an einem Gehirntumor, 1977 lässt sie sich
von ihm scheiden. Das gemeinsame Lokal
gibt sie auf, arbeitet sieben Jahre lang im
Alten Simpl, dann sehnt sie sich nach einem eigenen Lokal – und findet es im Mariannenhof.
1993 wechselt sie ins Asam-Schlössl. Als
sie es zum ersten Mal sieht, ist sie begeistert, kann nicht fassen, dass dieses Objekt
ihr angeboten wird. Als Kind, so erzählt sie,
habe sie es ja nur im Privatbesitz gekannt.
Sie unterzeichnet den Vertrag. Nach nur einem halben Jahr stirbt Schleich, der sich
ein lebenslanges Wohnrecht zugesichert
hatte. Heute hat Netzle-Piechotka das gesamte Haus zur Wirtschaft umgebaut,
auch den obersten Stock, den die AsamBrüder nachträglich auf das 1687 erbaute
Gebäude gesetzt und als Atelier genutzt
hatten. Hier hat sie mittlerweile einen Kultursalon eingerichtet, in dem Künstler und
Musiker auftreten: „Ich kann wahrscheinlich gar nicht anders, ich kannte das ja alles
schon von klein auf aus dem Alten Simpl.“
Diese Erfahrung erklärt auch, warum sie
2008 wegen des Rauchverbots in bayerischen Gaststätten vor das Bundesverfassungsgericht gezogen ist.
Ihre Feste sind legendär – und derart
prachtvoll, dass viele sie schon seit Jahren
als zukünftige Wiesn-Wirtin sehen. Wenn
man sie nach ihren Wünschen für die Zukunft fragt, gibt sie sich bescheiden. Sie
hofft auf treue Gäste und darauf, ihr Privatleben – sie ist seit acht Jahren mit dem Architekten Jürgen Piechotka verheiratet –
mit ihrem Job als Wirtin in Einklang bringen zu können. Auch gesund möchte Birgit
Netzle-Piechotka bleiben. Denn anders sei
ein Haus wie das Asam-Schlössl gar nicht
zu führen, sagt sie. „Und dann noch der
Garten! Wer kümmert sich denn darum so
gern wie ich?“, fragt sie und bindet sich wieder die Gartenschürze um. Sie muss ja
noch ihre Rosen gießen, bevor die Mittagsgäste kommen.
ASTRID BECKER
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DEFGH Dienstag, 23. Juli 2013
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DAS WIRD WICHTIG
Das pinkfarbene
Kinderrad
Kunst und Religion
VON ELISA HOLZ
Zur Debatte über die umstrittene Kunstinstallation des liegenden Buddhas auf dem Viktualienmarkt lädt das Kulturreferat an diesem
Dienstag, 23. Juli, 20 Uhr, in den Saal des Stadtmuseums, St.-Jakobs-Platz 1, ein.
D
u bist, was du isst. Dieses Bonmot haben so genannte „Gastrosophen“ vor mehr als hundert
Jahren geprägt. Sie knüpften damals erstaunliche Zusammenhänge, zum Beispiel zwischen der Füllung eines Truthahns und der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Klasse. Dieser Rückschluss
lässt sich heute natürlich nicht mehr
ganz so einfach herstellen. Truthähne gelangen allein schon wegen ihrer Größe
nur mehr selten in die Röhre, für den üblichen Ein- oder Zwei-Personen-Haushalt tun es Putenschnitzel.
Aber möglicherweise lässt sich die
Theorie auch auf den phänotypischen
Zusammenhang zwischen Mensch und
Fahrrad übertragen. Die Frage lautet:
Kann man auch von der Art des Fahrrads
auf Aussehen und den Lebensstil seines
Fahrers schließen? Die Antwort: Selbstverständlich. Oder gehört das minimalistisch ausgestattete Rennrad ohne
Schutzbleche etwa nicht dem Hipster
mit der weiß gerahmten Sonnenbrille
und dem Vollbart? Und jenes klapprige
Secondhand-Fahrrad mit der quietschenden Bremse und dem wackeligen
Gepäckträger fährt doch sicher ein Ethnologie-Student im dritten Semester.
Das solide Mountainbike mit Satteltaschen und Flaschenhalter gehört einem
zu früh pensionierten Beamten. Und es
sind diese besonders engagierten Mütter, bei denen zwar alles designt, aber
doch bullerbümäßig heimelig ist, die ihre Kinder in diesen fahrradbetriebenen
Schubkarren am Westermühlbach entlangfahren. Ach ja: Wer gondelt erst ab
Temperaturen so um die 20 Grad mit wehendem Haar auf seinem Hollandrad
durch die Stadt? Richtig, schöne junge
Frauen auf dem Weg in ihre PR-Agentur.
Manchmal hängt noch ein Korb am Lenker, in dem das It-Bag transportiert
wird.
Gewiss, das sind alles infame Klischees. Aber wer mag wohl der Besitzer
des pinkfarbenen Kinderfahrrads gewesen sein, der unlängst im Schyrenbad
ausgerufen wurde? Unverzüglich und
umgehend, so gellte die Stimme des Bademeisters aus dem Lautsprecher, möge
sich dieser an der Kasse melden. War es
der Junge im Hägar-T-Shirt? Der pickelige Teenager? Oder die kleine Prinzessin
mit den Affenschaukeln? Es wird ein Rätsel bleiben.
Baum und Bank für
Schwabinger Kreuzung
Schwabing – Die Kreuzung Hohenzollern/Friedrichstraße soll an der nordöstlichen
und der nordwestlichen Ecke jeweils einen
Baum und eine Sitzbank bekommen. Beide Schwabinger Bezirksausschüsse unterstützen den Vorschlag von Westschwabings Seniorenbeirätin Ingrid NeumannMicklich aus der jüngsten Bürgerversammlung des vierten Stadtbezirks. Die Beschlussvorlage des Bauausschusses akzeptiert den Antrag – weil die Kreuzung beide
Stadtviertel tangiert, obliegt die endgültige Entscheidung aber dem Stadtrat.
Schwabing-West, erklärt Neumann-Micklich, sei der am dichtesten besiedelte
Stadtbezirk Münchens und die Hohenzollernstraße eine viel befahrene Einkaufsmeile. Eine Verbesserung des Stadtklimas sei
daher dringend nötig, ebenso wie Rastmöglichkeiten, ohne gleich etwas konsumieren
zu müssen. „Eine Bank würde insbesondere für Familien mit kleinen Kindern und Senioren eine Verbesserung der Lebensqualität bedeuten.“
EDA
Post eröffnet Filiale
in der Theresienstraße
Maxvorstadt – Die Post verbessert ihren
Service in der Maxvorstadt und eröffnet dazu an diesem Dienstag, 23. Juli, im Elektrogerätehandel von Alfons Albrecht, Theresienstr. 124, eine weitere Filiale. Die Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag von
8:30 bis 18:30 Uhr und Samstag von 9 bis
13 Uhr. Die neue Filiale bietet alle wichtigen Postleistungen für Privatkunden an.
Dazu gehören neben Briefmarken, DHLPäckchen- und Paketmarken, Plusbrief,
Pluspäckchen und Postverpackungen
auch die Annahme von Briefen, Paketen,
Infopost sowie Express- und Einschreibsendungen. Die Post weist darauf hin, dass
die Beschäftigten der Partnerfilialen, genau so wie die Post-Mitarbeiter, zur Verschwiegenheit verpflichtet sind.
SZ
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Redaktion: Thomas Anlauf (Leitung),
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Mail: city@sueddeutsche.de
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Kritik an
Befragung
Anbindung des Ackermannbogens
auch nach der Erhebung umstritten
Kein schöner Ort: Auf dem Weg vom Eingangsbereich des Ostbahnhofs zum Busbahnhof müssen Passanten mit vielen Hindernissen rechnen.
FOTO: CATHERINA HESS
Kein Platz für Fußgänger
Der Eingangsbereich am Ostbahnhof gilt als eng und unübersichtlich. Weil die Querung von Taxi- und Busspuren für
Passanten riskant ist und die Wege mit Fahrrädern verstellt sind, fordert der Bezirksausschuss eine Umgestaltung
VON FRANZISKA GERLACH
Haidhausen – Setzen, sechs. Es ist ein
schlechtes Zeugnis, das der Bezirksausschuss Au-Haidhausen dem Ostbahnhof
jetzt ausgestellt hat, oder genauer: seinem
Eingangsbereich. Dort gehe es so eng und
unübersichtlich zu, dass die Flächen für
Fußgänger, auf der Flucht vor herannahenden Bussen, ein echtes Risiko darstellten,
klagte so manches Bezirksausschussmitglied. Die SPD-Fraktion im Gremium hatte
den letztlich einmütig beschlossenen Antrag eingebracht, wonach die Verkehrsflächen im direkten Umgriff des Ostbahnhofes, zwischen Ausgang und Busbahnhof,
barrierefrei und fußgängerfreundlich zu
gestalten seien. Das bedeutet insbesondere, dass dem Fußgänger auf seinem Weg
vom Ostbahnhof bis zur Einmündung in
die Orleansstraße ausreichend Platz zu bieten ist. Besonders unbefriedigend ist die Situation in den Augen der Sozialdemokraten vor dem Lidl. Vor lauter Fahrrädern,
sagte SPD-Fraktionssprecherin Nina
Reitz, sei da oftmals gar kein Durchkommen mehr.
Das lässt sich Tag für Tag beobachten.
Ernst Knab zum Beispiel meidet „den ganzen Haufen Radeln“, als er seinen Einkaufswagen in Richtung Lidl zieht. Der 64-jährige Haidhauser hat täglich am Ostbahnhof
zu tun, manchmal auch gemeinsam mit sei-
ner Frau, die im Rollstuhl sitzt. Knab findet
daher, dass eine Verbreiterung des Gehsteigs allein nicht ausreicht, auch die Bordsteine um den Ostbahnhof herum gehörten besser abgeflacht. Den Rollstuhl an besagten Stellen zu kippen, so sagt er, „geht
schon irgendwie“. Doch sein Unterton verrät, dass dies kein leichtes Unterfangen ist.
So richtig leicht hat es an diesem Morgen auch Christina Neumann nicht, die wenige Meter weiter einen Kinderwagen auf
ihr ganz persönliches Ärgernis am Ostbahnhof zuschiebt: die schweren Schwingtüren. „Inzwischen habe ich so meine
Tricks“, sagt die junge Mutter und hält die
Statt Schwingtüren könnten
automatische Schiebetüren
den Zugang erleichtern
Tür mit der rechten Körperhälfte auf, damit sie den Wagen hinter sich her über die
Schwelle ziehen kann. Würden die Ideen
der Sozialdemokraten umgesetzt, wäre
Neumann die Kinderwagen-Bugsiererei
ein für alle Mal los: Statt einer Schwingtüre, so erläuterte Reitz dem Gremium, sähe
ihre Partei am Eingang des Ostbahnhofs
gerne eine automatische Schiebetüre. Vor
dem Eingang stünden den Taxis dann
zwar nicht mehr zwei, sondern nur noch eine Fahrspur zur Verfügung. „Eine Spur
reicht aber“, sagte Reitz. Noch deutlicher
hatte die SPD in ihrem Antrag begründet,
weshalb den Taxis zugunsten der Fußgänger Platz genommen werden müsste. Im
Vergleich zu den Tausenden Passanten, sei
die Zahl der aus dem Parkbereich kommenden Autos und der am Ostbahnhof aufbrechenden Taxis ausnehmend gering.
Derartige Umbaupläne kommentiert Jawad Anssar mit verhaltener Freude. Er ist
einer von drei Taxifahrern, die am späten
Vormittag auf Kundschaft vor dem Ostbahnhof warten. Weil Anssar fürchtet, bei
nur mehr einer Spur „noch länger“ an der
roten Ampel zur Orleansstraße zu stehen,
bringt er einen anderen Vorschlag an: Die
Verkehrsinsel mitsamt des darauf wachsenden Baumes zu entfernen. Den Ostbahnhof als Taxistandort zu bewerten,
fällt ihm indes schwer. „Der Job ist Glückssache“, sagt Anssar. Und die Einnahmen
auch. Mal wartet er eine halbe Stunde auf
einen Fahrgast, dann wieder zwei. Ein lukrativer Standort, so räumt er letztlich ein,
sei der Ostbahnhof vor allem dann, wenn
eine S-Bahn ausfällt. Partei für seinen Berufsstand ergreift Anssar dennoch: Bevor
hier etwas verändert werde, sollte man ausprobieren, wie das mit einer Spur für die
Taxis funktioniert.
Im Bezirksausschuss betonte auch die
Vorsitzende des Gremiums, Adelheid DietzWill, dass die Situation am Ostbahnhof
„dringend“ verbessert werden muss. In
der jüngsten Zeit, so die SPD-Politikerin,
habe sie mehrmals von Bürgern gehört, die
dort beinahe verunglückt seien. Zuspruch
erhielten die Sozialdemokraten unter anderem von FDP-Fraktionssprecher Dieter
Rippel, der dem Antrag gerne einen Ortstermin folgen lassen würde, um die Verkehrsführung am Ostbahnhof insgesamt
zu inspizieren.
Der Ostbahnhof wird
seiner Funktion nicht
mehr gerecht
Solch eine Begehung habe aber bereits
stattgefunden, warf Grünen-Politiker Ulrich Martini ein. Doch weil die Grundstücke rund um den Ostbahnhof Eigentum
der Deutschen Bahn sind, wurde die Stadtverwaltung seinerzeit aufgefordert zu klären, ob ein Umbau überhaupt möglich ist.
Bislang sei aber noch nichts passiert, klagte Martini. Der stellvertretende Vorsitzende des Bezirksausschusses, Werner Walter
(Grüne), sah die Sache pragmatisch und
schlug vor, dem Antrag der SPD ähnlich
lautende ältere Anträge nochmals beizufügen. Denn über eines herrschte Einvernehmen im Bezirksausschuss: So wie der Ostbahnhof derzeit ist, wird er seiner Funktion nicht mehr gerecht.
Der tödliche Kick auf dem Klo
Bereits 66 Münchner starben in diesem Jahr durch Drogen und Folgeerkrankungen. Konsumräume könnten davor schützen
München – Für zwölf Uhr Mittag ist es am
Montag ungewöhnlich still am Sendlinger
Tor. Auf einer kleinen Bühne verliest ein
Mann Vornamen, 66 insgesamt. Es sind
die Namen derjenigen, die in diesem Jahr
ihr Leben durch Drogen verloren haben.
Die Münchner Suchthilfe-Vereine extra,
Prop, Getaway und Condrobs sowie die
München Aids-Hilfe halten ihren Drogentotengedenktag.
„Den Gedenktag wollen wir für drei Dinge nutzen. Erstens natürlich als Gedenken
für diejenigen, die wegen ihrer Suchtkrankheit gestorben sind. Zweitens wollen wir
zeigen, was es in München für Anlaufstellen für Süchtige gibt und drittens wollen
wir auch Forderungen stellen und auf Missstände hinweisen“, erklärt Olaf Ostermann, der von Condrobs an der Organisation des Gedenktags beteiligt ist. Ein besonderes Anliegen sind ihm Konsumräume.
Wie der Name schon sagt, sind das Räume,
in denen Süchtige ihre Drogen konsumieren dürfen. „Das Konsumieren wird so
nicht leichter, jedes Klo kann Konsumraum sein. In den geplanten Räumen herrschen aber sterile Bedingungen, es ist medizinisches und sozialpädagogisches Fachpersonal anwesend. Diese Räume sind ein
erster Schritt in die Suchthilfe und schützt
die Gesundheit der Süchtigen“, beschreibt
Ostermann die Idee, die in anderen Bundesländern bereits seit Ende der neunziger
Immer häufiger kochen Drogenabhängige Schmerzpflaster aus, um sich den Wirkstoff
dann zu spritzen.
FOTO: FRANK LEONHARDT/DPA
Jahre mit Erfolg praktiziert wird. „Das ist
keine Unterstützung der Sucht. Die Bevölkerung muss akzeptieren, dass Sucht eine
Krankheit ist, die Behandlung braucht“, so
Ostermann.
Bundesweit ist die Zahl der Drogentoten gesunken, im vergangenen Jahr lag sie
zum ersten Mal seit langem unter 1 000. In
Bayern allerdings stieg sie um 23 Prozent
an. „Woran genau das liegt, kann ich nicht
sagen, aber mit ein Grund ist die Repression in der Drogenpolitik. Schwere Beschaffbarkeit führt zu schlechter Qualität und
zum Ausweichen auf andere, teils gefährli-
chere Stoffe“, sagt Ostermann. Einer dieser Ersatzstoffe, der sehr gefährlich ist, ist
Fentanyl. Das verschreibungspflichtige
Medikament wird als Schmerzpflaster vertrieben. Es wird aufgeklebt und gibt über
Tage seinen Wirkstoff ab, um beispielsweise die Schmerzen von Krebspatienten zu
lindern. Unter Drogenabhängigen findet
es andere Anwendung: Die Pflaster werden ausgekocht und der Sud wird intravenös gespritzt. „Gefährlich ist es vor allem,
wenn die Pflaster zerschnitten werden. Niemand weiß genau, wie viel Wirkstoff in einem Pflasterschnippsel ist. So kommt es
leicht zur Überdosis“, erklärt Ostermann.
An einer Überdosis stirbt allerdings nur
rund die Hälfte aller Drogentoten. Bei vielen führt der jahrelange Konsum – das
durchschnittliche Todesalter liegt ungefähr bei Mitte 30 – zu multiplem Organversagen oder sie stecken sich mit Hepatitis C,
Aids oder anderen Krankheiten an. In der
offiziellen Statistik fallen diese Toten oft
weg, bei den 66 Toten, derer am Montag gedacht wurde, sind sie aber mitgezählt.
Nicht nur Konsumräume werden gefordert. Ramona Endom vom Verein extra
wirbt für geschützte Räume für drogenabhängige Gewaltopfer. Die Aids-Hilfe sammelt Unterschriften, sie wollen eine bessere Behandlung Drogenabhängiger und einen leichteren Zugang zu Kondomen in Gefängnissen erreichen.
JAKOB DREHER
Schwabing/Ackermannbogen – Die Meinungen zwischen Lokalpolitikern, Anwohnern und der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) über die Anbindung des
Ackermannbogens an den Öffentlichen
Nahverkehr gehen nach wie vor auseinander.
Um zu klären, ob eine Busverbindung
zum Scheidplatz sinnvoll wäre – wie sie Bewohner und viele im Bezirksausschuss fordern – hatten die Stadtrats-Grünen 2012 eine Bewohnerbefragung beantragt. Abgefragt werden sollten „Fahrtziele sowie die
Präferenz für eine Linienführung“. Genau
das aber, kritisiert der Unterausschuss Verkehr des Westschwabinger Bezirksausschusses, dem die MVG jetzt die Detailergebnisse der Befragung vom vergangenen
Herbst vorstellte, sei nicht erfolgt. „Ermittelt wurden nur die Fahrtrichtungen. Die
Frage aber, ob die Leute in die Innenstadt
via Hohenzollernplatz oder lieber via
Scheidplatz wollen, ist nicht gestellt worden“, bemängelt Klaus Nürnberger (Grüne). Dabei sei der Weg zur Uni oder zum Marienplatz für alle, die im Norden des Quartiers wohnen, „definitiv schneller“ über
den Umsteigebahnhof Scheidplatz.
Gegenstand der Befragung waren außerdem die Nutzung und Bewertung der damals aktuellen Buslinie 154, die um den
Ackermannbogen herumfuhr, sowie die Beurteilung der neuen Linie 144, die seit Dezember gilt. 44 Prozent der 702 Personen,
die an der Befragung teilnahmen, gaben
an, die neue Linienführung des Busses 144
besser zu finden als die alte Route des
154er-Busses. „Das ist klar“, sagt Nürnberger, „mit der Linie 144 gab es erstmals eine
Anbindung an die U-Bahn, die vorher nicht
da war“.
Der Öffentliche Nahverkehr, auch das
belegen die Zahlen, wird von den Bewohnern an sich sehr geschätzt. 40 Prozent nutzen ihn fast täglich, weitere 43 Prozent an
ein bis vier Tagen pro Woche. Umso wichtiger sei eine gute Anbindung, argumentieren Anwohner und Bürgervertreter. „Die
MVG darf aus dieser Umfrage nur nicht
den Rückschluss ziehen, zu wissen, wie die
Leute fahren wollen“, mahnt Nürnberger.
„Die Südroute führt auch über den Scheidplatz.“
Wie der Bus letztlich fahren wird, entscheidet der Stadtrat in der letzten Sitzung
vor der Sommerpause am 24. Juli. Auch
auf Basis der Befragungsergebnisse. EDA
Die Kraft
des Jodlers
Schwabing – Es ist nicht nur etwas für die
vielen Brauchtumsfeste, Volksmusiktage
oder für Touristen, die endlich einmal den
Urschrei der Alpenländer hören wollen:
Das Jodeln, oder wie es in Nachschlagewerken heißt, das Singen auf Lautsilben, hat
auch etwas Spirituelles. Beim musikalischen Gottesdienst der Evangelischen Kirche des Klinikums Schwabing will die Sängerin Ruth Seebauer zeigen, welche positive Kraft im Jodeln steckt. Der Gottesdienst
findet am Mittwoch, 24. Juli, um 15 Uhr im
Klinikum Schwabing, Kölner Platz 1, Haus
21, statt. „Jodeln und Juchzen sind in hohem Maße lebensbejahend und bringen
die Lebensenergie in Schwung“, erklärt die
Logopädin und Sängerin, die Jodelworkshops anbietet. Beim Gottesdienst wird sie
Jodler und Gstanzl singen. Eine Anmeldung zum Gottesdienst ist nicht erforderlich.
OLE
STADTVIERTEL
PMZ
Dienstag, 23. Juli 2013, Nr. 168
Grenzfälle
Zu wenig
Kunden
Flüchtlinge, die dem Landkreis zugewiesen sind, dürfen nicht in der Stadt wohnen – diese Erfahrung macht auch
Ruth Busl, Landtagskandidatin der Freien Wähler, die eine Familie bei sich zu Hause aufnehmen möchte
Den Bauernmarkt im Arnulfpark
könnte ein Wochenmarkt ablösen
VON STEFAN MÜHLEISEN
München – In der brenzligen Lage um die
Unterbringung von Asylbewerbern erweisen sich bürokratische Vorgaben als Hürden für Hilfen aus der Bevölkerung. Dies
zeigt sich am Fall von Ruth Busl, Landtagskandidatin der Freien Wähler (FW) und derzeit Referentin der FW-Landtagsabgeordneten Claudia Jung. Busl will Flüchtlinge
bei sich zu Hause in Waldperlach aufnehmen. Doch das Landratsamt muss das Angebot – vorerst – ausschlagen, obwohl die
Behörde seit Monaten händeringend nach
Quartieren sucht. Der Grund: Laut staatlichen Vorgaben darf die Behörde Asylbewerber nur im eigenen Wirkungsbereich beherbergen. Busl allerdings wohnt im
Münchner Stadtgebiet und nicht im Landkreis, wenn auch nur einen Straßenzug
von der Landkreisgrenze entfernt.
Ruth Busl lebt in
Waldperlach. Das
gehört zu München.
Daher darf sie keine
Asylbewerber aus
dem Landkreis aufnehmen, auch wenn
ihr Haus unweit der
Stadtgrenze zu Neubiberg liegt. FOTO: BARDEHLE
Die 54-Jährige hatte ihre Idee, einen
Asylbewerber bei sich zu Hause im Gästezimmer aufzunehmen, kürzlich öffentlich
bei einer Podiumsdiskussion der SPD in
Putzbrunn vorgetragen. Dort kündigte
Landrätin Johanna Rumschöttel an, mangels Alternativen demnächst Flüchtlinge
in Notquartieren wie Zeltlagern und Schulturnhallen unterbringen zu müssen. „Ich
würde gerne eine Mutter mit Kind aufnehmen, die haben es besonders schwer“, sagt
Busl. Sie wolle damit ein Zeichen setzen
und andere Bürger ermutigen, ebenfalls
Flüchtlinge aufzunehmen. „Wir brauchen
eine Willkommenskultur“, zeigt sich die
FW-Politikern überzeugt, die ihre Idee ausdrücklich nicht als Wahlkampfaktion verstanden wissen will. Doch es stellte sich
bald heraus, dass die bayerische Asyldurchführungsverordnung einem solch altruistischem Akt klare Grenzen setzt.
„Wir waren sehr angetan von dem Angebot, doch die Frau wohnt in Waldperlach“,
sagt der zuständige Abteilungsleiter im
Landratsamt, Florian Schlämmer. Und
nach gesetzlicher Vorgabe dürfe die Kreisbehörde die zugewiesenen Asylbewerber
nur auf Landkreisterritorium einquartieren. Wie der Behördenmitarbeiter erläu-
Halteverbot für Flüchtlinge: Die Landwirtschaftsschule in der Berg-am-Laim-Straße gehört zwar dem Landkreis, er darf dort aber keine Asylbewerber unterbringen,
weil die Einrichtung in der Stadt liegt.
FOTO: ALESSANDRA SCHELLNEGGER
tert, geht dies aus dem Paragraf 7 der Verordnung hervor. Dort sind die Verteilungsschlüssel auf die einzelnen Landkreise und
kreisfreien Städte exakt festgelegt. Dem
Landkreis München wurde eine Quote von
7,2 Prozent aller bayerischen Asylbewerber zugeteilt, für die Landeshauptstadt
sind es 30 Prozent. „Wir sehen diese strikten Vorgaben sehr kritisch und wünschen
uns eine Flexibilisierung“, kommentiert
Schlämmer die festgezurrten bürokratischen Maßgaben. Mit dieser Einschätzung
ist er nicht allein. Zuletzt hatte der Fürstenfeldbrucker Landrat Thomas Karmasin
(CSU) – er ist auch Sprecher aller oberbayerischen Landräte – gefordert, wegen der
großen Wohnungsnot im Münchner Um-
land die Vorgaben zu ändern. Allerdings
könnte dies zu erheblichen politischen
Streit führen. Vergangenen November wurde bekannt, dass das Landratsamt die seit
langem leer stehende, ehemalige Landwirtschaftsschule an der Berg-am-Laim-Straße wegen fehlender Alternativen gerne als
Flüchtlingsherberge nutzen würde. Die ablehnende Reaktion aus der Stadt kam
prompt und heftig. „Dann könnte die Stadt
ja auch auf dem Land Häuser für ihre Asylbewerber bauen“, ätzte der Vorsitzende
des örtlichen Bezirksausschusses, Robert
Kulzer (SPD). Die Kreisbehörde ließ von
dem Plan ab, die Regierung von Oberbayern hätte es wohl ohnehin nicht erlaubt.
Die beantwortete damals eine Anfrage der
Süddeutschen Zeitung zur Einquartierung
von Asylbewerbern in der maroden Schule
so: „Die dezentrale Unterbringung und die
Zuteilungsquoten haben zum Ziel, die herausfordernde Aufgabe der Unterbringung
von Asylbewerbern oberbayernweit gleichmäßig zu verteilen. Eine Unterbringung in
landkreiseigenen Liegenschaften außerhalb des Landkreises würde diesem Zweck
zuwiderlaufen.“ Allerdings hatte der Landkreis das Stadtgrundstück eben deshalb
im Visier, weil die Behörde kaum Flächen
zur Verfügung hat.
Und auch dem Engagement von Bürgern, die Flüchtlinge aufnehmen wollen
wie Ruth Busl, sind gesetzliche Schranken
gesetzt. Die einzelnen Behörden dürfen „ih-
DEFGH
re“ Asylbewerber nicht gegen die Richtlinien ein Quartier verschaffen – auch wenn
es nur einige Meter außerhalb des jeweiligen Verwaltungsterritoriums liegt. Allerdings arbeitet Florian Schlämmer daran,
für Busl doch noch eine Lösung zu finden.
Seiner Ansicht nach sind die Bestimmungen weniger strikt, wenn es sich um anerkannte Asylbewerber handelt. Wie Schlämmer berichtet, weiß er von einer alleinstehenden Mutter mit Tochter, deren Asylantrag gerade bewilligt wurde. Die behördliche Prüfung soll nächste Woche abgeschlossen sein. „Da sollte man doch im
Zweifel ein Auge zudrücken“, hofft Schlämmer. Busl dürfte es freuen. „Mein Angebot
steht“, betont sie.
Neuhausen – Es war eine Eröffnung mit
nicht nur musikalischem Tusch: Am Freitag, 9. November 2012, drängelte sich das
Volk geradezu um die Standln des neuen
Bauernmarktes am Rainer-Werner-Fassbinder-Platz. Schon in der Woche darauf
aber tröpfelten die Kunden nur noch herbei – und so ist es seither auch geblieben.
„Es hat sich bei etwa 35 Kunden am Nachmittag eingependelt“, sagt Thomas Murr
vom Vorstand des Bauernmarktvereins,
„das ist für einen wirtschaftlichen Betrieb
zu wenig“. Von anfangs sechs Händlern haben zwei bereits aufgegeben. Jetzt hat der
Bauernmarktverein den Vertrag zum Ende
des Septembers gekündigt.
Deshalb muss sich nicht zwangsläufig
wieder Leblosigkeit breitmachen auf dem
etwas sterilen Platz mit dem Bodendenkmal für den verstorbenen Filmregisseur.
Die Markthallen München wollen die
Standplätze im Arnulfpark erneut ausschreiben, diesmal als Wochenmarkt.
Auch Thomas Murr findet das schlüssig.
Zum ersten sei ein Wochenmarkt schon ab
10 Uhr geöffnet, der Bauernmarkt im Arnulfpark dagegen machte erst so gegen
13.30 oder 14 Uhr seine Buden auf, weil die
Erzeuger am Vormittag an zwei anderen
Standorten, in Laim und in Obermenzing
sind. Als zweiten großen Vorteil sieht Murr
das breitere Sortiment. Während auf einem Bauernmarkt nur Selbsterzeugtes –
von Eiern über Wurstwaren, Geflügel, Gemüse, Obst, Kartoffeln bis zur Marmelade
– angeboten wird, „können auf einem Wochenmarkt auch Imbissbuden oder
Hendlbrater sein“. Das locke neue Kunden
an, die vielleicht nach ihrem Mittagsimbiss schnell noch das ein oder andere bei
den Bauern einkaufen. Und bei der Ausschreibung können sich neben konventionellen Händlern natürlich auch die Landwirte wieder bewerben, das sehen auch die
Markthallen München so. Verloren geben
möchte der Bauernmarktverein den Arnulfpark nicht: „Das ist ein Standort mit
Potenzial“, findet Murr.
Sollten nicht genügend Bewerbungen
eingehen, überlegen die Markthallen München, den Markt von Freitag auf einen anderen Tag zu verlegen – eventuell Dienstag
oder Mittwoch. Murr kann sich einen
Grund für geringes Interesse vorstellen:
„Die Stadt hat die Schwelle bei Bewerbungen für einen Wochenmarkt-Standplatz
vor einigen Wochen sehr erhöht.“ Man
müsse nun ein polizeiliches und ein gewerbliches Führungszeugnis vorlegen, sowie eine Versicherung der Finanzbehörde,
dass der Betreiber keine Schulden bei der
Stadt habe.
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SZ Nr. 168, Dienstag, 23. Juli 2013
STADTVIERTEL
PMZ
R9
Die Stadt informiert
Die Regenmaschine
Improvisationstheater macht nicht nur Spaß, sondern lässt Mittelschüler
spielerisch auch wichtige Fähigkeiten für Alltag und Arbeitsleben erlernen
VON NADINE REGEL
Haidhausen – Drei Schüler betreten die
Bühne, sie stellen sich in einer Reihe auf.
Das Publikum ist aufgefordert, einen Fantasiebegriff ins Spiel zu bringen, den die
Jungen beschreiben sollen: Eine Regenmaschine. Ali und Nawid beginnen in unverständlichem Kauderwelsch und ausladenden Gesten ihre fachlichen Ausführungen.
Domenic übersetzt aus freien Stücken ins
Deutsche. Am Ende begeistern die jungen
Improvisationstalente das Publikum der
Werkschau zu „Impro macht Schule“ mit
spontanem Ideenreichtum und viel Einfühlungsvermögen.
„Impro macht Schule“ ist eine Initiative, die sich zum Ziel gesetzt hat, Improvisationstheater im Ganztagsprogramm Münchener Mittelschulen zu verankern. Die
„Regenmaschine“ ist nur eine von zahlreichen Sequenzen, welche die Schüler im
„Einstein Kultur“ vorgestellt haben. Seit einem Jahr treffen sich die Schüler einmal
wöchentlich. Die Leitung der zweistündigen Kurse übernehmen erfahrene Dozenten aus der Improvisationstheaterszene.
Die Aufregung ist den Schülern während der einstündigen Aufführung kaum
anzumerken, obwohl die meisten von ihnen noch nie im Rampenlicht standen. Michael Dittrich, Impro-Coach an einer der
Mittelschulen, betont: „Der Spaß steht definitiv im Mittelpunkt.“ Das Improtheater lebe von der Spontaneität und Fantasie der
Schüler – hier gebe es „kein richtig oder
falsch“. Das ermutige die Kinder, sich
selbst auszuprobieren, ohne Angst haben
zu müssen, einen Fehler zu machen. Vor al-
„Das Projekt hat einen
Mehrwert für die ganze
Gesellschaft.“
lem biete die Improvisation aber die Möglichkeit, Sprachbarrieren abzubauen. Einige der Schüler lebten erst seit wenigen Jahren in Deutschland, aber zeigten bereits rasante Fortschritte in ihrer Sprachentwicklung. „Das Projekt hat einen Mehrwert für
die ganze Gesellschaft. Es trägt zur Integration der Schüler bei.“
Vom positiven Einfluss des Improtheaters auf die Persönlichkeitsentwicklung
von Kindern ist Roland Trescher überzeugt. Der renommierte Improkünstler
und fachliche Mentor des Projekts lobt die
Verantwortlich: Stefan Hauf, Presse- und Informationsamt, Rathaus, Telefon 2 33-9 26 00
Redaktion: Stephanie Hoefer; Internet: www.muenchen.de/rathaus
Dienstag, 23. Juli 2013
„wunderbare Kooperation“ mit der Kanzlei Peters, Schönberger & Partner. Jürgen
Peters besucht selbst einen Improkurs. Als
Vereinsvorstand unterstützt er das Projekt
auch finanziell und ideell.
Bereits fünf Mittelschulen in München
sind Teil der Pilotphase. Eine Aufnahme
weiterer Schulen ist geplant. Von einem
Spendenbetrag von 3 000 Euro an ist eine
Förderung einzelner Schulen möglich. Eine Patenschaft lohnt sich: Die Kinder und
Jugendlichen würden spielerisch an Sprache und Konfliktlösung herangeführt, lernten, sich im Team zurechtzufinden und
Kompromisse einzugehen, wie einer der
Sponsoren, die bereits jetzt das Projekt unterstützen, betont: „Das sind entscheidende Soft Skills für Alltag und Arbeitsleben.“
Auch die Schulen sind begeistert: „Der
Wandel in den Klassen ist spürbar. Die Kinder blühen buchstäblich auf“, sagt Barbara
Hörnig, stellvertretende Schulleiterin der
Mittelschule an der Franz-Nißl-Straße.
Die Schule nutzte den Erfolg aus dem Improtheater: Sie führte bei Münchner Unternehmen Vorstellungsgespräche auf Probe
durch. Rund die Hälfte der Teilnehmer hätte daraufhin Aussicht auf einen Ausbildungsplatz gehabt.
Der Wirtschaftsstandort München steht auf einem breiten Fundament. In der Isar-Metropole sind fast alle Wirtschaftszweige
vertreten, die für die deutsche Volkswirtschaft bedeutend sind.
Fotos: Nagy, BMW GROUP
Münchner Wirtschaftsbericht dokumentiert positive Entwicklung
München – ein Motor des Aufschwungs
In nur einem Jahr entstanden über 24.000 neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze
Im Anschluss an die Vorstellung der Schüler zeigten die Improvisations-Coaches ihr Können.
FOTO: FLORIAN PELJAK
Achtung: Saugwürmer!
Am Feringasee warnen Schilder vor Zerkarienbefall und geben Hinweise zum Schutz
Unterföhring – Auch wenn die Situation
noch lange nicht so arg ist wie im August
des vergangenen Jahres: Das Gesundheitsamt im Landkreis München hat die am Feringasee permanent stehenden Schilder
mit Informationen über das Gewässer um
einen aktuellen Zerkarien-Hinweis ergänzt.
Wie Gerhard Schmid, Chef der Behörde,
berichtet, halten sich die Anfragen zu den
von Saugwurm-Larven verursachten Pusteln auf der Haut von Badegästen zwar
noch in Grenzen, eine Vorsorge hat das
Amt aber bereits getroffen. So können sich
Schwimmer sowohl auf den Schildern am
Ufer des beliebten Sees als auch auf der
Homepage des Landratsamtes darüber informieren, dass durch Zerkarien im Was-
Veranstaltungen
ser Juckreiz und Entzündungen der Haut
auftreten könnten und das Baden auf eigene Gefahr erfolgt.
Wer sich nach dem Schwimmen gleich
abtrockne und die Kleidung wechsle sowie
Lotionen gegen Quallen auftrage, könne
sich gegen den lästigen Hautausschlag
schützen, heißt es auf den Schildern, sagt
Schmid. „Wenn der Befall mit Zerkarien
schlimmer wird, dann werden wir zusätzlich Handzettel an die Badegäste am Feringasee verteilen“, kündigt der Mediziner
an. Ein Badeverbot müsse seine Behörde jedoch nicht aussprechen.
Dieses hatte es auch im Sommer 2012
nicht gegeben. „Und da war die Lage ganz
anders“, sagt Schmid. Über Wochen hinweg hatten damals viele Badegäste nach
dem Schwimmen im Feringasee rötliche
Pusteln am ganzen Körper bekommen, die
furchtbar juckten. Der Befall der Haut mit
Zerkarien sei zwar unangenehm, aber
nicht gefährlich, erläutert Schmid. „Jeder
muss selber entscheiden, ob er ins Wasser
geht.“
Der Mensch ist nach den Worten des Gesundheitsamtschefs „der Fehlwirt für die
Zerkarien, sie wollen eigentlich zurück zu
den Wasservögeln“. Durch deren Ausscheidungungen gelangen die Eier der geschlechtsreifen Saugwürmer ins Wasser
und infizieren die Schlammschnecken. In
der Schnecke reifen Zehntausende von Zerkarien, die wiederum ins Wasser abgegeben werden und dann Enten oder eben
auch Menschen infizieren können.
SAB
Die Daten des neuen Wirtschaftsberichts, den Wirtschaftsreferent Dieter
Reiter jetzt vorlegen konnte, belegen
es: München ist ein Motor des Aufschwungs. Während die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland deutlich
abgeschwächt verlief, entwickelte sich
die Wirtschaft in der bayerischen Landeshauptstadt im Jahr 2012 sehr positiv.
Am deutlichsten zeigt sich das beim
Arbeitsmarkt. Im vergangenen Jahr
entstanden über 24.000 neue sozialversicherungspflichtige Jobs. Mit diesem
Ergebnis hat München das bereits im
Vorjahr überaus positive Beschäftigungswachstum nochmals übertroffen. In den
letzten beiden Jahren kam es somit zu
einem Plus von knapp 40.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.
Im Gegenzug sank die Arbeitslosenquote im Agenturbezirk München 2012
auf durchschnittlich 4,6 Prozent. Für das
laufende Jahr geht die Arbeitsagentur
davon aus, dass die Chancen, einen
Arbeitsplatz zu finden, in München bundesweit am höchsten sind.
Auch die Wirtschaftsregion sorgt für ein
ständiges Beschäftigungswachstum: Im
Jahr 2012 lag die Zunahme in der Region
bei 3,3 Pozent. Damit haben 31 Prozent
liegt bei 51 Prozent am gesamten, in
München erwirtschafteten, versteuerbaren Umsatz.
Damit ist das Verarbeitende Gewerbe
auch Impulsgeber und Motor, insbesondere für den Bereich der wirtschaftsnahen Dienstleistungen. Und genau hier hat
es auch den größten Beschäftigungszuwachs gegeben – ein Plus von 9.500 zusätzlichen Stellen, was einer Steigerung
um 10,2 Prozent entspricht.
Angebote der Wirtschaftsförderung
Um die Wirtschaftskraft an der Isar zu
stärken und zu sichern, setzt die Stadt
seit Jahren auf die bewährte Münchner Mischung. Durch die Ausweisung
geeigneter Gewerbe- und Büroflächen
sollen kleine und mittlere Betriebe der
unterschiedlichsten Branchen ebenso
gestärkt werden wie große Firmen und
Dax-Konzerne.
Mit ihrem Angebot an Gewerbegebieten und Gewerbehöfen will die Stadt für
alle optimale Voraussetzungen schaffen.
Die mittlerweile acht Gewerbehöfe im
Stadtgebiet bieten kleinen und mittleren
Betrieben geeignete Flächen zu günsti-
gen Konditionen. Ergänzt wird das Gewerbehofprogramm durch das Münchner
Technologiezentrum, dessen Büro- und
Laborflächen für junge Hightech-Firmen
bzw. Start-ups konzipiert sind.
Darüber hinaus beraten Fachleute des
Referats für Arbeit und Wirtschaft Investoren und Betriebe, die um- oder sich
ansiedeln wollen, und informieren über
geeignete Gewerbeflächen.
Angehende Unternehmer berät das
Münchner Existenzgründungs-Büro, das
die Stadt gemeinsam mit der Industrieund Handelskammer für München und
Oberbayern betreibt.
Wirtschaftsreferent Dieter Reiter über den Wirtschaftsstandort München
„Münchner Mischung muss erhalten werden“
kurzfristig, sondern auch längerfristig benötigt und auch besetzt werden können
– beides trifft für den Standort München
zu. Parallel dazu ist die Zahl der Arbeitslosen 2012 auf durchschnittlich 4,6 Prozent
gesunken – keine andere Großstadt über
500.000 Einwohner in Deutschland hat
eine geringere Arbeitslosenquote.
Künstler-Sommerfest
im Kreativquartier
Neuhausen – Viel wird hineinprojiziert in
das künftige Kreativquartier an der Ecke
Dachauer/Schwere-Reiter-Straße:
Die
Stadt plant, ein „urbanes, vernetztes Stadtquartier“ entstehen zu lassen, in dem
„Wohnen und Arbeiten, Kunst und Wissen
gemeinsam entwickelt werden und sich gegenseitig stärken“. Als Impulsgeber könnte die Kultur fungieren.
Wie aber stellen sich die Künstler selbst
ihre Vision vom Miteinander der verschiedenen Künste vor? Diese Frage beantworten sie beim Künstlersommerfest „Atlantis oder das Huberhäusl“, das vom 23. bis
28. Juli auf dem Gelände des Kreativquartiers stattfindet. Fünf Tage lang verwandeln die Künstler die Stätte ihres Wirkens
in eine atlantische Version des zukünftigen „Kreativquartiers“, mit Utopien, Sehnsüchten und Zukunftsbildern. Gemeinsam
mit geladenen Gastkünstlern öffnen sie
das Gelände für die Menschen aus der Umgebung, zeigen den kreativen Umgang mit
dem Bestand, beleben das Areal und regen
zum Nachdenken und Diskutieren über
die Zukunft an.
Es gibt Filme, Performances, Konzerte,
Vorträge, Workshops für Kinder und Erwachsene, eine Podiumsdiskussion zum
Kreativquartier, Führungen über das Gelände und Straßenmusik. Außerdem eine
Ausstellung, die unter der Woche von 15
bis 21 Uhr geöffnet hat, am Wochenende
schon ab 12 Uhr. Das genaue Programm findet sich im Internet unter www.atlantisoder.wordpress.com/termine.
EDA
des bayerischen Beschäftigungswachstums im Jahr 2012 in der Wirtschaftsregion München stattgefunden. 20 Prozent
des Beschäftigungswachstums sind auf
die Landeshauptstadt zurückzuführen.
Das Gros des Beschäftigungszuwachses fand mit 3,9 Prozent im Dienstleistungssektor statt. Gleichwohl kommt
aber auch dem Verarbeitenden Gewerbe
eine bedeutende und tragende Rolle für
die Stadtwirtschaft zu. Der Umsatzanteil
Worin sehen Sie die Münchner Wirtschaftskraft vor allem begründet?
Wirtschaftsreferent Dieter Reiter
Herr Reiter, Sie haben jetzt den neuen
Münchner Wirtschaftsbericht vorgelegt.
Was ist für Sie die wichtigste Erkenntnis?
Reiter: Der Wirtschaftsstandort München hat sich insgesamt sehr positiv
entwickelt. Der wichtigste Indikator für
die wirtschaftliche Stärke unserer Stadt
ist für mich das deutliche Plus von 3,4
Prozent bei den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen – das ist
der höchste Anstieg in den letzten zwölf
Jahren.
Warum ist gerade diese Zahl so wichtig?
Reiter: Sozialversicherungspflichtige
Stellen werden nur geschaffen, wenn
die Unternehmen davon ausgehen,
dass diese Stellen am Standort nicht nur
Reiter: Entscheidend ist hier das ausgesprochen breite Fundament, auf dem
der Wirtschaftsstandort München steht.
Fast alle für die deutsche Volkswirtschaft
bedeutenden Wirtschaftszweige sind in
München nicht nur vertreten, sondern
bilden hier sogar Branchenschwerpunkte. Dazu zählen die Elektrotechnik, der
Fahrzeugbau, die Luftfahrt sowie der
Internet- und Mediensektor. Besonders
wichtig ist auch, dass diese Branchen
ihre Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in München konzentrieren.
Nun hat der wirtschaftliche Erfolg aber
auch Schattenseiten, vor allem auf dem
Wohnungsmarkt ...
Reiter: Ja, leider weist München auch
bei den Mieten bundesweit Spitzenwerte
auf. Die Stadt zieht deshalb alle Register, um auf diese schwierige Situation
dämpfend einzuwirken. Das reicht vom
größten kommunalen Wohnungsbauprogramm mit einem Fördervolumen
von 800 Millionen Euro allein für den
Zeitraum 2012 bis 2016 über den Mieterschutz durch Erhaltungssatzungen,
Zweckentfremdungsverbote und einer
Herabsetzung der Kappungsgrenze bei
Mieterhöhungen bis hin zur Forderung
nach Umwandlungsverboten.
Und was sagen Sie Kritikern, die fordern, die wirtschaftliche Entwicklung zu
drosseln?
Reiter: Die wirtschaftliche Dynamik
kann man nicht einfach auf Knopfdruck
ein- oder ausschalten. Es gibt ja genug
Beispiele, welche Probleme eine Stadt
bekommt, wenn die wirtschaftliche Entwicklung stagniert oder gar rückläufig
ist. Wir dürfen nicht vergessen, dass
allein die Gewerbesteuer uns im letzten
Jahr 1,7 Milliarden Euro eingebracht hat
und die Einkommenssteuer mehr als
820 Millionen. Das ermöglicht es uns,
kräftig in die Infrastruktur und damit in
die Zukunftsfähigkeit unserer wachsenden Stadt zu investieren – allein für den
Zeitraum von 2012 bis 2016 mehr als 3,3
Milliarden Euro. Auch das ist ein Spitzenwert im bundesweiten Städtevergleich.
Was muss München tun, um sich auch
weiterhin im Wettbewerb behaupten zu
können?
Reiter: Wir müssen vor allem die bewährte Münchner Mischung erhalten.
Das heißt, es muss uns gelingen, das
Produzierende Gewerbe und das Handwerk in der Stadt zu halten, die Wachstumspotenziale der kleinen und mittleren
Unternehmen zu fördern und gleichzeitig
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SPORT IN DER REGION
DEFGH Nr. 168, Dienstag, 23. Juli 2013
PFR
Revolution von oben
Seit diesem Sommer gibt es auch im Golf eine Bundesliga. Die Klubs erhoffen sich davon mehr Aufmerksamkeit und sportliche Gerechtigkeit.
Während die Frauen des Münchener GC Chancen auf den Titel haben, steht bereits fest: Das System hat seine Fehler
Herrsching holt
Erstligaspieler
Steffen verstärkt TSV-Volleyballer,
spanischer Libero für Dachau
Herrsching – Volleyball-Zweitligaaufsteiger TSV Herrsching hat eine große Verstärkung verpflichtet. Patrick Steffen wechselt
vom ehemaligen Erstligisten Netzhoppers
Königs Wusterhausen an den Ammersee.
Der 22 Jahre alte und 2,05 Meter große gebürtige Berliner kann sowohl auf der Mittelblock-Position als auch im Diagonalangriff spielen, er war zwei Jahre in der ersten Liga im Einsatz. „Das ist ein Glücksfall
für uns. Seine Freundin wohnt hier. Auch
deshalb und wegen der Ausbildung
kommt er nach München“, sagt Herrschings Spielertrainer Max Hauser. Steffens alter Klub Königs Wusterhausen hatte
nach sechs Jahren Erstligazugehörigkeit
aus wirtschaftlichen Gründen keine neue
Lizenz erhalten und musste sich in die zweite Liga Nord zurückziehen. Außerdem sind
bei Herrsching zurzeit ein 19-jähriger Serbe und ein 21-jähriger Pole im Probetraining. Kommende Woche soll eine Entscheidung darüber fallen, ob der TSV einen der
beiden Zuspieler verpflichtet.
Auch bei Herrschings Ligakonkurrent
ASV Dachau konkretisiert sich der Kader
für die kommende Saison. Neben Zuspieler Lucian Jachowicz (wechselt in die
Schweiz) und Kapitän Thomas Mersmann
(Karriereende) hören auch Zuspieler Christoph Drexler (Knieprobleme), Mittelblocker Felix Böing und Außenangreifer Torsten Pohl (Ziel jeweils unbekannt) bei Dachau auf. Dafür wechseln zwei Regionalligaspieler des SV Lohhof zum ASV: Der spanische Libero Martin Carinelli, der in seiner
Heimat für Portol Palma Mallorca bereits
in der ersten Liga und 2008/09 in der
Champions League gespielt hat, und Marco Hammerschmidt. Der ASV verpflichtet
zudem den zwei Meter großen Mittelblocker Jan Danielowski vom Schweizer Nationalliga-B-Klub Kreuzlingen. Zudem wird
Zuspieler Florian Mayrhofer (ASV II) in die
erste Mannschaft gezogen.
SEWI
VON MATTHIAS SCHMID
Olching – Der Applaus war höflich, für die
Sportart angemessen distinguiert. Die Golferinnen hoben die Hände. Wie man das so
macht, wenn man nach viereinhalb Stunden sein halbes Tagwerk verrichtet hat,
um sich bei den Zuschauern zu bedanken.
Die Terrasse des Golfclubs Olching liegt
nur wenige Meter vom 18. Loch entfernt
und ist daher bestens einsehbar. Hier oben
versammelten sich am Sonntag die meisten Menschen, um sich den Bundesligaspieltag der Frauen anzusehen. Auf den
Kurs begaben sich nur wenige, um die
Schläge der Spielerinnen hautnah erleben
zu können. Die Sonne brannte ja auch fast
bedrohlich herab.
Die mit dieser Saison gestartete Deutsche Golf-Liga (DGL) machte erstmals Station im Nordwesten Münchens. „Es ist
schön, vier Wochen nach dem Umbau unserer Anlage die deutsche Elite hier begrüßen zu können“, sagt Markus Schweiger,
Olchings Klubmanager. Dass es seit diesem Sommer einen Ligenbetrieb mit Meisterrunde, Auf- und Abstiegsregelung gibt,
gleicht einer kleinen Revolution. Jahrelang
wurden die Meister an drei Tagen gekürt.
„Es gewann nicht unbedingt die beste
Mannschaft, sondern die glücklichere“,
sagt Schweiger. Mit einer Runde über mehrere Monate hinweg soll nun der Gerechtigkeit Genüge getan werden. Außerdem erhoffen sich die Vereine vom Ligasystem
mehr Aufmerksamkeit.
Früher wurde der Meister in drei
Tagen gekürt. Nicht selten schlug
der Glücklichere den Besseren
20 Mannschaften nehmen an der DGL
teil, darunter vier Klubs aus Bayern. Neben
dem Münchener GC (Frauen) und dem GC
Olching (Männer und Frauen) noch der
Nürnberger Golf-Club am Reichswald und
der GC Feldafing. Olching ist also der einzige Verein im Freistaat, der zwei Bundesligamannschaften stellt. Im Bundesgebiet tun
das noch weitere vier Klubs. „Das ist natürlich ein großer finanzieller Aufwand, aber
wir wollen unseren Mitgliedern guten
Sport bieten“, sagt Schweiger. Während Olchings Männer nach vier von fünf Spieltagen auf dem letzten Platz der Süd-Staffel
stehen, haben die Frauen gute Chancen
auf den Klassenverbleib.
Die Einführung einer Bundesligarunde
ist eine von etlichen Fördermaßnahmen
des Verbandes, um Talente für Golf zu begeistern und das Niveau im internationalen Vergleich zu steigern. Golf ist nach
1904 wieder olympisch und wird in drei
Jahren bei den Sommerspielen in Rio de Janeiro seine Rückkehr feiern. Julia von Rohrscheidt wird die deutsche Mannschaft
2016 allerdings nicht vertreten. Das steht
schon fest. Die Spielerin des Münchener GC hat zuletzt zwar die bayerische
AKTUELLES IN ZAHLEN
Im Schaufenster: Die Frauen des Münchener GC um Vicki Troeltsch (Mitte) und des GC Olching spielen eine sehr gute Rolle in der neu gegründeten Deutschen Golf-Liga.
FOTO: GÜNTHER REGER
Die Münchnerinnen wollen nach Platz zwei im Vorjahr endlich den Titel holen – noch vor dem dominierenden GC St. Leon-Rot.
Fußball
Landesliga Südost, 2. Spieltag
TSV Eching – VfB Hallbergmoos
Meisterschaft gewonnen, sie hat aber andere berufliche Ambitionen, als ausschließlich Golf zu spielen. Sie arbeitet gerade als
Doktorandin in der medizinischen Forschung an der Ludwig-Maximilians-Universität. Sie sei nicht mehr so häufig auf
dem Golfplatz zu finden, sagt die 29-Jährige. „Aber je weniger ich spiele, desto besser bin ich.“ Es ist ein seltenes Phänomen.
Ihre Mannschaft freut sich über ihren Aufschwung. Denn der Klub hat viel vor in diesem Jahr. Er will die große Dominanz des
Golfclubs St. Leon-Rot beenden und in diesem Jahr „endlich die Meisterschaft gewinnen“, wie Rohrscheidt sagt. Dafür hat der
Klub, der im vergangenen Jahr Zweiter
war, viel verändert und professionellere
Strukturen geschaffen. „Wir können täglich mit einem Pro trainieren, wenn wir wollen“, sagt Rohrscheidt.
In St. Leon-Rot bei Heidelberg ist das
schon länger möglich. Hier spielen auch in
Karolin Lampert und Sophia Popov zwei
Spielerinnen, die unbedingt zu den Olympischen Spielen wollen. Die Voraussetzungen sind nicht die schlechtesten, SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp hat bei seinem
Heimatklub an alles gedacht. Seit November 2011 können seine Spieler auch im Winter in einer Halle auf zwei Ebenen putten
und Annäherungsschläge üben. Lampert,
die gemeinsam mit der Münchnerin Vicki
Troeltsch und Sophie Popov mit einer 71erRunde (Par 72) das beste Einzelergebnis in
Olching erzielte, spielt sogar so gut, dass
sie demnächst als einzige Deutsche mit einer europäischen Auswahl zu einem Juniorenturnier in die USA reisen darf.
Dass die Münchnerinnen trotzdem mithalten können, zeigt der Blick auf die Tabelle. Hier führt München nach vier Spieltagen vor St. Leon-Rot. Da das sportliche Niveau im Süden sehr viel höher ist als im
Norden, rechnen alle Beobachter damit,
dass sich die beiden Mannschaften auch
im Endspiel Ende September in Schwerin
gegenüberstehen werden. Die beiden
Gruppenersten jeder Staffel machen im
Überkreuzvergleich die Finalisten aus, die
beiden Letzten steigen ab. Das ist auch ein
Fakt, der Markus Schweiger Sorgenfalten
auf die Stirn treibt. Es gibt nämlich definitiv das Szenario, dass zwei Mannschaften
die Südstaffel verlassen müssen, die in der
Nordstaffel um die Teilnahme am Final
Four spielen würden. Schweiger wünscht
sich deshalb, dass sich „alle Bundesligisten nach der Saison zusammensetzen, um
eventuelle Anpassungen vorzunehmen“.
Der Revolution folgt nun die Kleinarbeit.
Trabrennbahn Daglfing, So. 21. Juli
I: Hot Jilli – Glady Special – Ursy Dream du Fer; II: Tout
ou Rien – Kissfromarose – Zico Buitenzorg; III: Wirbelwind – Abetka TF – American Venus – IV: Furj Hanover – Cokaselo – Tibur; V: Radiosa Gual – New Dimension – Yes we can – Uvea Star; VI: Man in Black – Needyou Diamant – Premiére de Mai; VII: Hej Garvinsson –
Un de Maig – Salvegiacomo; VIII: Inka Sunrise – Esendras – Alinghi; IX: Anthony SP – Kalila – Ush Piranha;
X: Abano Venus – Prezioso Tadd – Florian; XI: Fanymede – Holmberg – Cherokee Heat.
Coole Socke
Bei den Stadtmeisterschaften im Bouldern offenbaren sich verschiedene Denkschulen
Hochspringer Tobias Potye, 18, vom FC Aschheim wird in Rieti Europameister der U20
zu müssen, wo nur eine Handvoll Profis
von Sponsoren- und Preisgeldern leben
kann. Seinem Hauptjob geht der gelernte
Koch in der Boulderwelt am Ostbahnhof
nach. Dort kreiert er mit Bewegungsphantasie und präzisem Sinn fürs gerade noch
Machbare „Probleme“ fürs zahlende Publikum, er baut Kurz-Routen zum seilfreien
Klettern über weichen Matten.
Und immer wieder probieren:
Der gelernte Koch Nikolai Buhl
testet alle Routen, die er baut
Mit der Kochlehre in München habe er
zunächst seinen Traumberuf angepeilt,
versichert der 1,75 Meter große und 61 Kilo
leichte Athlet. Seine schlaksige Statur
kann man sich am Herd nicht recht vorstellen, an der Wand aber eigentlich auch
nicht, zumindest mit dem muskelstrotzenden Archetypus des Sportkletterers à la
Wolfgang Güllich im Hinterkopf. Dass sich
Küchenkarriere und Klettern ausschließen würden, war eigentlich schon vor Beginn der Ausbildung klar. Dennoch bereut
Buhl nicht, es zunächst mit dem Stressjob
versucht zu haben. Als dann vor gut drei
Jahren die erste reine Boulderhalle Münchens eröffnete und zur Keimzelle einer ex-
Spiel mit der Schwerkraft: Irritierend lässig klettert Nikolai Buhl in Thalkirchen auf
FOTO: CLAUS SCHUNK
Rang drei. Sein Geld verdient er als Routenschrauber.
plosionsartig wachsenden Szene wurde,
hatte sich der Interessenkonflikt schnell erledigt – und mit ihm die Frage nach einem
Trainingsplan. Der Berufsalltag des
Schraubers steckt nämlich voller harter
Kletterzüge, schließlich werden die Bewegungskreationen selbst ausführlich getestet. In der Summe bringe so selbst die Arbeit an leichteren Boulderproblemen reichlich Klettermeter – ideal für einen bewegungshungrigen, aber „trainingsfaulen“
Typen wie ihn, sagt Buhl.
Das Wechselspiel zwischen Routen-Designer und Kletterer schult nebenbei das
taktische Empfinden für den Wettkampf.
Unter dem Druck eines Zeitlimits – bei der
Stadtmeisterschaft waren es drei Minuten
pro Hindernis – steht die schnelle Analyse,
eben das Lesen des Problems, gleichberechtigt neben physischen Qualitäten. Natürlich hat trotzdem jeder Kletterer seine
Vorlieben. Buhl nennt fein dosierte Gleichgewichtszüge oder Beweglichkeitsprobleme, weshalb ihm der kraftsaugende,
45 Grad überhängende Münchner Finalboulder wohl weniger liegt als dem erstplatzierten Thomas Lindinger. Der konnte
sich am vorletzten Zug sogar eine Showeinlage leisten und forderte das Publikum per
Handzeichen zur La Ola auf.
Mit 22 Jahren und auf 1,75 Meter verteilten 57 Kilo Gewicht ähnelt Lindinger auffallend seinem Konkurrenten und Kumpel
Buhl. Obendrein jobbt der Student der
Sportwissenschaft ebenfalls als Schrauber, allerdings im Thalkirchner Kletterund Boulderzentrum. Der mittlerweile traditionelle Austragungsort der Stadtmeisterschaft bildet, zumindest im Leistungssportsegment der Münchner Szene, fast einen Gegenpol zur Boulderwelt. Deren Publikum schätzt eher das verspielte bis verzwickte Spiel mit der Schwerkraft. Nach
Lindingers Geschmack geht das „zu sehr
auf Optik“, wenn nicht gar „ins Kommerzielle“. Er selbst schraubt und trainiert bevorzugt an der 45-Grad-Wand, was vielleicht weniger Spaß bringt als die flippige
Vielfalt der Boulderwelt, aber am Ende
eben das wettkampfentscheidende Quantum Fingerkraft. Wann immer es geht,
zieht Lindinger ohnedies die Granitblöcke
im Ziller- oder Ötztal vor. Buhl plant unterdessen einen Trip zu den nordenglischen
Gritstone-Felsen, von deren furchterregenden, nur mit Klemmkeilen gesicherten Tüftelrouten er sich „viel ehrlichere Kletterei“
erhofft.
JULIAN RAFF
Aschheim – Die Latte zitterte, mit dem Gesäß hatte Tobias Potye sie leicht gestreift.
Doch sie blieb liegen, und alles sah wieder
so locker aus. Im ersten Versuch war der
Hochspringer vom FC Aschheim am vergangenen Samstag über die Höhe von
2,20 Meter gefedert, als einziger bei der
U20-Europameisterschaft in Rieti, Italien.
Sprung, Landung, Abrollen, kurzer Jubelschrei Richtung Tribüne, das alles ging in
einer einzigen, fließenden Bewegung vonstatten. Als ihn eine Reporterin im Stadion
später fragte, wie sich das anfühle als Junioren-Europameister, da presste er die Lippen kurz aufeinander, dann antwortete er:
„Nice.“ Nett also. Er lächelte freundlich.
Am Samstagabend hat der 18-Jährige
seinen Triumph dann bis in die Nacht hinein gefeiert, am Sonntag sei er mit der ganzen Mannschaft um die Häuser gezogen.
Am Montag schließlich, am Check-inSchalter vor dem Heimflug, berichtet Tobias Potye: „So langsam nehme ich es wahr.
Es dauert eine Zeit, bis man das begreift.“
Dass man Europameister ist.
Es war eben doch mehr als nur „nice“,
dieser Erfolg, mit dem Potye nicht wirklich
hatte rechnen können, auch wenn er versichert, daran geglaubt zu haben. Er habe gewusst, dass er zu dieser Leistung fähig sei,
sagt Potye, überrascht habe ihn, dass diese
zum Titel reichen würde. Die Leistungsdichte des Starterfelds war groß. Die Favoriten Andrei Skabeika (Weißrussland) und
Mikhail Akimenlo (Russland) hatten jeweils 2,18 Meter geschafft, dafür benötigten sie je drei Versuche – Potye hatte auch
diese Höhe mit einem Sprung abgehakt.
Von der Anfangshöhe (2,03) bis zum Sieg
hatte er nur einen einzigen Fehlversuch.
„Das zeugt von enormer Nervenstärke“,
lobt Manfred Knopp. Potyes Trainer beim
FC Aschheim war überrascht: Mit einem
Platz unter den ersten Sechs hätten sie gerechnet, auf eine Medaille spekuliert. Eine
Woche zuvor war Potye in Plattling bayerischer Meister geworden, mit 2,17 Meter.
Dann brach er ab. „Er hätte da schon 2,20
schaffen können“, glaubt Knopp. Nun
steht diese Zahl, und sie erstaunt den Trainer. Biomechanische Auswertungen hätten zwar gezeigt, dass diese Höhe möglich
ist, doch für dieses Jahr, sagt Knopp, habe
er eine Steigerung auf 2,15 Meter erhofft.
In Rieti waren es fünf Zentimeter mehr,
und das im neunten Sprung – erfahrungsgemäß gehe nach dem sechsten der Akku
leer. Seit U23-Europameister Dietmar Mö-
Di. 18.45 Uhr
Pferdesport
Zwei Bergwelten
München – „Gemütlich“ sei es noch vor
zehn Jahren im Wettkampfklettern zugegangen, sagt Nikolai Buhl, „nicht so wie
heute“. Ein wenig zu altersweise klingt
das: Buhl wird an diesem Dienstag erst 24.
Doch in der Spitzengruppe der Münchner
Stadtmeisterschaft gehört er damit schon
zu den Älteren. Geradezu irritierend lässig
geht Buhl vor dem Finale mit seiner Favoritenrolle um und bleibt tiefenentspannt,
selbst nachdem ihn ein winziger Patzer
beim Lesen des Finalboulders den Sieg gekostet hat – Platz drei.
Die Abgeklärtheit rührt zum Teil von
zahlreichen Wettkämpfen her, die der gebürtige Lüdenscheider als Schüler absolviert hat. Kletterhallen wie die Wupperwände waren damals als Trainingsbasis in
Nordrhein-Westfalen gerade neu entstanden, entsprechend überschaubar war die
Konkurrenz zunächst. Hinzu gekommen
sei, kein Klischee, eine gewisse rheinische
Lässigkeit, die der Münchner in seiner neuen Heimat manchmal vermisst.
Wenn ihm Einzelleistungen, trotz des geplanten Wiedereinstiegs ins kadermäßige
Wettkampfklettern, nicht so wichtig sind,
dann auch, weil Buhl eine neue Form des
Halb-Profitums im Klettern lebt. In seinem Sport findet er zumindest ein Auskommen, ohne dafür gleich an die Weltspitze
R11
genburg vor 34 Jahren gab es keinen solchen Erfolg eines deutschen Nachwuchsspringers. Knopp weiß: „Er wird jetzt immer an dieser Höhe gemessen werden.“
Der Anteil des Trainers und des Heimatvereins am Erfolg ist groß. Mit elf Jahren
kam Tobias Potye zu den Leichtathleten
des Fußballclubs Aschheim, wo Knopp eine Mehrkampfgruppe aufbaute. Vor ei-
Die 2,20 Meter sollen nun nicht
zur Last werden, darauf will
Trainer Manfred Knopp achten
Sprung, Landung, Schrei: Auch über die
Sieghöhe kommt Tobias Potye im ersten
FOTO: IRIS HENSEL
Versuch.
Zweimal Bronze für Hering
Stadtwerke-Läuferin mit 800-Meter-Bestzeit
Ihre erste internationale Medaille hat
Christina Hering bei den U20-Europameisterschaften der Leichtathleten im italienischen Rieti geholt. Die 18-jährige Läuferin
von der LG Stadtwerke München erlebt
eine Saison voller persönlicher Bestleistungen, auch in Rieti steigerte sie sich wieder
und gewann in 2:03,11 Minuten Bronze
über 800 Meter, hinter der Isländerin Aníta
Hinriksdóttir und der Ukrainerin Olena
Sidorska. Auf die 400 Meter hatte sie trotz
Nominierung verzichtet, nicht aber auf die
4×400-Meter-Staffel, die sie als Schlussläuferin ebenfalls zu Bronze führte. Sprinterin
Alexandra Burghardt schied im 100-MeterHalbfinale in 12,07 Sekunden aus. SZ
nem Jahr kehrte er wieder in dieses Team
zurück, weil er im Verbandskader nicht zurechtkam. „Da ist einiges aus dem Ruder
gelaufen“, sagt Potye; Knopp weiß: „Er
braucht das Individuelle.“ Einen Trainer,
der Partner und Freund sei, mit dem zusammen sich der Springer Wege und Ziele
erarbeite. Nach gemeinsamen Videoanalysen hätten sie etwa den Radius des Anlaufs
verändert. Potye, 1,96 Meter groß, 70 Kilo
leicht, hat gerade das Abitur gemacht; er
ist jemand, der mitreden will, statt in ein
Trainingskonzept gepresst zu werden.
Knopp glaubt, dass auch der Teamgeist
seiner Mehrkampfgruppe Potye hilft. Am
Montag haben sie ihn alle am Flughafen abgeholt, Rabatz gemacht, einen Konvoi organisiert. Man sieht es dem Schlaks nicht an,
aber Potye trainiert mit den Aschheimern
auch Kugelstoßen und Speerwurf. Er hat
mit den schnellsten Anlauf im Feld. Dazu
macht er Turnübungen, um die Beweglichkeit in der Luft zu verbessern: Flickflacks,
Schrauben. Noch wichtiger sind wohl die
Vier-Augen-Gespräche mit Knopp, in denen der Trainer dem Springer Selbstvertrauen einflößt. „Vor einem Jahr war er
noch hypernervös“, sagt Knopp, „jetzt ist
er eine coole Socke.“ Gemeinsam hätten
sie die Konzentrationszeit vor den Sprüngen verkürzt, in denen Potye früher seinen
Adrenalinspiegel zu sehr gesenkt habe.
Knopp muss an Falk Wendrich denken,
der mit einer Bestleistung von 2,24 Meter
als deutscher Überflieger gilt. In Rieti war
er verletzt. „Jetzt haben wir zwei Überflieger“, sagt Knopp, aber er hat eine Sorge:
Wendrich, 18, habe die Leistung von der
U20-WM 2012 nie wiederholen können. Er
wolle nicht, dass auch Potye Stagnation erlebt. „Ich will verhindern, dass die 2,20 zur
Last werden.“ Zeit also für das nächste VierAugen-Gespräch. ANDREAS LIEBMANN
R12
SERVICE
PMZ
Dienstag, 23. Juli 2013, Nr. 168 DEFGH
München
Notdienste
Theater / Kleinkunst
Cabaret. Musical von John Kander, Fred Ebb und
Joe Masteroff. 19.30 Uhr, Reithalle, Heßstraße
132, 9 12 16 23 70.
Der Mann, der sich nicht traut. Komödie von
Curth Flatow. Mit Jacques Breuer, Viola Wedekind
u. a. 20 Uhr, Komödie im Bayerischen Hof, Promenadeplatz 6, 9 29 16 16 33.
Kerstin Heiles/Christoph Pauli: „Manche mögen’s Heiles“. Musikalische Reise durch die Welt
des Films. 20.30 Uhr, Lustspielhaus, Occamstraße
8, 9 34 49 74.
Let’s do it! Frei nach einem Woody-Allen-Film. Leitung von Evi Marie Koblin. Es spielen die „smarties“ (20 bis 30 Jahre). 20 Uhr, Theater Spielhaus,
Rottmannstraße 7, 9 52 31 06 24.
Liebeszauber – El amor brujo. Theater von Georg
Jenisch mit lebensgroßen Stabfiguren. Musik von
Manuel de Falla. 19 Uhr, Festsaal, Münchner
Künstlerhaus, Lenbachplatz 8, 9 599 18 40.
Polizei 110
Feuerwehr 112
Rettungsdienst/Notarzt 112
Apotheken-Notdienst
Festnetz (0800) 0022833 (kostenfrei)
Handy 22833 (bis zu 69 Cent/Min.)
Kassenärztlicher Notdienst
116 117
Privatärztlicher Notdienst
(089) 19257
Zahnärztlicher Notdienst
(089) 7233093
Psychiatrischer Krisendienst
(089) 7295960
Sucht-Hotline (089) 282822
Frauennotruf (089) 763737
Katholische Telefonseelsorge
(0800) 1110222
Evangelische Telefonseelsorge
(0800) 1110111
Ed Ruscha. Führung mit Jess Walter. Begrenzte
Teilnehmerzahl. 15 Uhr, Museum Brandhorst, Theresienstraße 35 a.
München zeichnet. Ausgestellt werden Zeichnungen von etwa 40 Künstlern. Vernissage. 19 Uhr,
Galerie der Künstler, Maximilianstraße 42.
Freiheit ist ein seltener Vogel — oder: Fliehkräfte
am Werk. Kuratorenvortrag mit Patrizia Dandern.
Im Rahmen der Ausstellung „Ivan Kožaric. Freiheit ist ein seltener Vogel“. 19 Uhr, Haus der
Kunst, Prinzregentenstraße 1.
Josef Beuys für Anfänger und Fortgeschrittene.
Führung der Münchner Volkshochschule mit Sabine Kretzschmar. Im Mittelpunkt: „Zeige deine
Wunde“ und andere Werke. 18 Uhr, Lenbachhaus,
Luisenstraße 33.
Klassik
Sommerkonzert. Der Kantatenchor München mit
A-cappella-Werken von Bach, Hantke, Harris,
Hoybye, Lindberg, Schütz und Verdi. Leitung: Kirchenmusikdirektor Andreas Hantke. 20.30 Uhr,
St. Johannes Kirche, Preysingplatz 1.
Mit dem Nachtwächter unterwegs. Schleichwege und Winkel der Stadt. Ein Rundgang mit
„Weis(s)er Stadtvogel“. Anmeldung unter
9 203 24 53 60 oder www.weisser-stadtvogel.de. 21 Uhr, Mariensäule, Marienplatz.
Zu Unserer Lieben Frau. Pfarrkirche – Stiftskirche – Bischofskirche. Veranstalter: Münchner Bildungswerk. Treff: unter der Orgelempore. 14 Uhr,
Dom, Frauenplatz 12.
Die Nymphenburger Schlosskirche St. Magdalena. Zum Gedenktag der Kirchenpatronin am 22. Juli. Führung mit Claudia Kapsner. Treff: Haupteingang. 16.30 Uhr, Schloss Nymphenburg.
Film
Kinder/Jugendliche
Blade Runner. Original mit Untertiteln. ScienceFiction-Film von Regisseur Ridley Scott. Replikanten, Roboter, die wie Menschen aussehen, werden in L.A. von Spezialkräften aufgespürt und aus
dem Verkehr gezogen. In der Reihe „Filmische
Utopien 1984 – 2054“. 20 Uhr, Filmmuseum im
Stadtmuseum, St.-Jakobs-Platz 1.
Corridor. Schwedisch mit deutschen Untertiteln.
Psychothriller von Johan Lundborg und Johan
Storm. Ein Mann hört aus der Wohnung über sich
Geräusche, die darauf hindeuten, dass seine Nachbarin misshandelt wird. 22.30 Uhr, Werkstattkino, Fraunhoferstraße 9.
Der Böse Onkel. Der Schweizer Regisseur Urs
Odermatt verwandelt in der Verfilmung seines
Theaterstücks einen realen Missbrauchsfall in einen experimentellen Bilderreigen. 20.30 Uhr,
Werkstattkino, Fraunhoferstraße 9.
Der große Gatsby. Regie: Baz Luhrmann. Mit Leonardo DiCaprio, Tobey Maguire u. a. Im Rahmen
des „TNT Film Open Air“. 21.30 Uhr, Königsplatz.
Intimate Stranger. Tanztheater von Johanna Richter (Regie). Ab 13 Jahren. Mit Tim Bergmann, Miguel Fiol Duran, Saša Kekez, Volker Michl/Alan
Brooks, Ronni Oliveira, Jannis Spengler. 19.30 Uhr,
Schauburg – Theater der Jugend, Franz-JosephStraße 47.
KiKS Festival. Eröffnung durch Stadtrat Haimo
Liebich. Moderation: Kerstin Hof. 13.30 Uhr Tanzperformance; 14 Uhr Bühnenprojekt On Stage;
16.15 Uhr Break the Chain – Choreografie aus
Tanz und Gesang; 17 Uhr Eaten by the moment.
Die Mädelsband spielt Punk, Hardrock und Metal.
Für Kinder und Jugendliche von fünf bis 15 Jahren;
bis 2. August, Montag bis Freitag 9 bis 12 Uhr und
13 bis 16 Uhr. Samstag/Sonntag/Ferientage 11 bis
19 Uhr. 11 Uhr, Alte Kongresshalle, Theresienhöhe
15.
Joëlle Tuerlinckx – Spielführung. Spielerisch angelegter Rundgang durch die Ausstellung für Kinder
zwischen fünf und sieben Jahren. Zeichnen, malen und basteln vor den Kunstwerken. 16 Uhr,
Haus der Kunst, Prinzregentenstraße 1.
Tiger und Bär. Figurentheaterstück für Kinder ab
vier Jahren. Nach „Komm wir finden einen Schatz“
von Janosch. Regie: George Podt. Es spielen Meisi
von der Sonnau und Panos Papageorgiou. 10.30
Uhr, Studiobühne, Schauburg – Theater der Jugend, Franz-Joseph-Straße 47.
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Rechtsanwalt – Teil 2: Die nächste Instanz. Kabarett. 20 Uhr, Lach- und Schießgesellschaft, Ursulastraße 9, 9 39 19 97.
Written on Skin. Oper von George Benjamin, Text
von Martin Crimp. Deutsche Erstaufführung. Musikalische Leitung: Kent Nagano. Opernfestspiele
2013. Restkarten. 20 Uhr, Großes Haus, Prinzregententheater,
Prinzregentenplatz
12,
9 21 85 28 99.
Zement. Von Heiner Müller. Regie: Dimiter Gotsche. Mit Valery Tscheplanowa, Sebastian Blomberg, Bibiana Beglau u. a. 11 Uhr, Residenztheater,
Max-Joseph-Platz 1, 9 21 85 01.
Kunst
Aus Dämmerung und Licht – Meisterwerke nordischer Malerei 1860 – 1920. Führung mit Joana Mylek zum Thema „Suche nach kultureller Identität
– die nordische Landschaftsmalerei“. 18 Uhr,
Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, Theatinerstraße 8.
Salvador Dalí – „Das goldene Zeitalter“. Aquarelle, Handzeichnungen und Druckgrafik zur Weltliteratur (1930 – 1980). Führung. 11.30 Uhr, Künstlerhaus am Lenbachplatz, Lenbachplatz 8.
Das Alte Testament. Aus erster Hand: Führung
und Kuratorendialog mit Elisabeth Hipp und Martin Schawe. 18.30 Uhr, Alte Pinakothek, Barer Straße 27.
TIPP DES TAGES
John Legend
Mit „Who Did That To You“ hat John Legend
das geschmeidigste Stück auf dem Soundtrack von Quentin Tarantinos „Django Unchained“ beigesteuert. Der R’n’B-Sänger gibt heute, 20 Uhr, eines seiner wenigen DeutschlandKonzerte und spielt im Kesselhaus (Lilienthalallee 37). Weitere Veranstaltungen in München unter www.sz.de/kalender
* Grammpreise 22.07.2013
08:50Uhr - stä ndig aktuell
Erst Abi, dann Reisen
In seiner Reise- und Dokumentarfilmreihe zeigt das Theater Heppel & Ettlich nicht nur
verschiedene Arten des Reisens, sondern auch ganz persönlich erlebte Abenteuer, Herausforderungen und Erfahrungen. Anlass dieser Filmreihe war die eigens geschnittene Reisedokumentation „Erst Abi, dann Reisen, dann der Ernst des Lebens? – 6 Monate in Asien“ (im Bild), in der der Traum von Mimi, Kaiser und Anna Wirklichkeit wird: Das
Wichtigste war ihnen dabei, unabhängig und selbständig zu handeln und zu entscheiden wie, wann und wohin sie reisen. Ihr Weg
führte sie durch Thailand, Vietnam, Kambodscha, Laos, Myanmar, Singapur und Bali. Von ihren Erlebnissen erzählen sie an diesem Dienstag und morgigen Mittwoch im Anschluss an die Filmvorführung. „Und natürlich geben sie allen, die den gleichen
Traum hegen, gerne Tipps“, sagt Wolfgang Ettlich, der Vater von Anna. (20.30 Uhr, Feilitzschstraße 12).
BY/FOTO: VERANSTALTER
Vorträge / Diskussionen
Wohin der Wind mich trägt (Teil 2): Von exotischen Memoiren Südostasiens und tierischen Zeiten mit Tigern. Digitale Bildpräsentation von Petra Wagner. Veranstalter: Münchner Volkshochschule. 20 Uhr, Raum 0117, Erdgeschoss, Gasteig,
Rosenheimer Straße 5.
Diagnose Hausärztemangel. Was tun? Der Bayerische Hausärzteverband bringt Hausärzte und Politiker an einen Tisch. Teilnehmer sind Johannes
Singhammer (CSU), Mitglied des Deutschen Bundestages, Kathrin Sonnenholzner (SPD), Mitglied
des Bayerischen Landtags, Dr. Otto Bertermann
(Freie Wähler), Mitglied des Bayerischen Landtags, Lydia Dietrich (Grüne), Mitglied des Münchner Stadtrats, Julika Sandt (FDP), Mitglied des Bayerischen Landtags, Dieter Geis, Vorsitzender des
Bayerischen Hausärzteverbandes. 18 Uhr, Theresiensaal, Der Pschorr, Viktualienmarkt 15.
Die innere Haltung im Dialog am Beispiel des Konzils. Vortrag von Andreas Renz (Erzbischöfliches
Ordinariat München) in der Reihe „Bereit für Dialog?“. 18 Uhr, Eine-Welt-Haus, Schwanthalerstraße 80, Rückgebäude.
Die Stiftung in der Nachlassplanung. Vortrag von
Sascha Jung, Rechtsanwalt und Fachanwalt für
Bank- und Kapitalmarktrecht, Bankkaufmann.
Anmeldung unter 9 28 80 88 68. 18.30 Uhr, Anwaltskanzlei Dr. Lang & Kollegen, Promenadeplatz 9.
Europäische Spitzengeschichten. Vortrag von Veronika Schmidt. Veranstalter: Heimatpflegerin
der Sudetendeutschen. 18 Uhr, Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8.
Johann von Lutz: liberal, etatistisch oder schlicht
antikatholisch? Vortrag von Katharina Weigand
in der Reihe „Kulturkampf in Bayern“. 20 Uhr, Zentrum St. Bonifaz, Karlstraße 34.
Da staunt der Bayer
und der Preuße
wundert sich.
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interessieren: Dies ist Ihr Buch. Hier finden Sie
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Finanzentwirrung
Ist das Finanzsystem im Lauf der Menschheitsgeschichte tatsächlich gänzlich undurchschaubar
geworden? Fachleute, Politiker und Banker versichern immer wieder gerne, dass
man sich gar nicht erst den Mühen des Verstehens zu unterziehen brauche. Sinnlos
sei das, die Verständnisfähigkeit Normalsterblicher stoße viel zu schnell an ihre
Grenzen . . . Der Dramatiker Ulf Schmidt sieht das anders: In kurzen, äußerst anschaulichen Szenen unternimmt er es, die systematische Verschleierung der Finanzjongleure von Beginn an bis zur heutigen Krise zu erklären. Mit Sachverstand und
Witz entwirrt sich das Dickicht des Finanzsystems und erweckt das Publikum aus
der Ohnmacht der Unwissenden. „Schuld und Schein. Ein Geldstück“ (im Bild v. li.:
Marc-Philipp Kochendörfer, Hubert Schedelbauer, Paul Kaiser) ist in der Regie von
Metropol-Chef Jochen Schölch von diesem Dienstag an bis Donnerstag jeweils um
BY/FOTO: HILDA LOBINGER
20 Uhr im Metropoltheater, Floriansmühlstraße 5, zu sehen.
Bedeutende Künstlerinnen 1: Paula ModersohnBecker (1876 – 1907). Vortrag von Walbi Vervier.
Veranstalter: Münchner Volkshochschule. 10.30
Uhr, Raum 0117, Erdgeschoss, Gasteig, Rosenheimer Straße 5.
Ringelstern und Morgennatz – Komisches von komischen Zeitgenossen. Veranstaltung mit Ulrieke Ruwisch. Veranstalter: Münchner Volkshochschule. 18 Uhr, Raum 2162, 2. Obergeschoss, Gasteig, Rosenheimer Straße 5.
Schlechte Augen, kluge Köpfe: Über das Heimfindevermögen von Insekten. Vortrag von Prof. Jochen Zeil (Australian National University, Canberra, Australien) in der Reihe „Die faszinierende
Welt der Insekten“. Eintritt frei. 18 Uhr, Plenarsaal, Bayerische Akademie der Wissenschaften,
Alfons-Goppel-Straße 11.
Was Bayern stark macht. Podiumsdiskussion mit
Staatsminister Wolfgang Heubisch, Christian
Lindner, Vorsitzender des FDP Landesverbandes
und der Landtagsfraktion in NRW, und FDP-Landtagskandidaten Andreas Keck. 18.30 Uhr, Zum
Franziskaner, Residenzstraße 9.
Strom sparen mit Komfort. Vortrag von Norbert
Endres, Umweltschutztechniker und Stromsparberater. Eintritt frei. 18 Uhr, Bauzentrum München, Willy-Brandt-Allee 10.
Gesundheitsforum: Diagnose und Therapie von
Hauttumoren. Informationsveranstaltung mit
Chefarzt Prof. Wilhelm Stolz von der Schwabinger
Klinik für Dermatologie, Allergologie und Umweltmedizin, Eva Kreling vom Selbsthilfezentrum
München und Monika Lehnert von der Selbsthilfegruppe für Menschen mit Malignem Melanom
des BRK-Kreisverbands München. Eintritt frei.
17.30 Uhr, Hörsaal, Kinderklinik Schwabing, Parzivalstraße 16.
Führungen
Die Münchner Altstadtführung. Nicht nur historisch. Rundgang mit „Weis(s)er Stadtvogel“.
10.30, 13 und 15 Uhr, Mariensäule, Marienplatz.
St. Ludwig. Jüngstes Gericht in der Universitätskirche. Führung des Münchner Bildungswerks.
Treff: unter der Orgelempore. 14 Uhr, St. Ludwig,
Ludwigstraße 20.
fei*
*bairisches Umstandswort, nicht übersetzbar
Jazz / Pop / Party
Karamelo Santo. Die argentinische Band spielt einen Sound aus Latin, Ska, Reggae, Cumbia, Rock
und Punk. 19.30 Uhr Einlass. 20.30 Uhr, Ampere,
Muffatwerk, Zellstraße 4.
Musica y Danza. Mit Estela Sanz Posteguillo (Gesang) und Juan Diego de Luisa (Gitarre). Begleitprogramm zur Ausstellung „Salvador Dalí – Das
goldene Zeitalter“. 19 Uhr, Innenhof, Künstlerhaus am Lenbachplatz, Lenbachplatz 8.
The Art of the Piano. Mit Andrea Hermenau und
Matthieu Bordenave. 20.30 Uhr, Jazzbar Vogler,
Rumfordstraße 17.
Kubanische Nacht. Im Rahmen von „Musikerlebnis Brunnenhof Open Air ’13“. Mit Soneros de Verdad und Luis Frank (Gesang) sowie Mayito Rivera
(Gesang). 20 Uhr, Brunnenhof, Residenz, Residenzstraße 1.
Sabrina Scharm & Band plus Special Guest Joep
Berkenbosch. Mit Sabrina Scharm (Gesang, Violine)), Bastian Walcher (Keys), Marc Hügel (Gitarre), Frank Thumbach (Bass), Magnus Dauner
(Drums), Claudius Ress (Trompete) und Joep Berkenbosch (Gesang, Gitarre). 21 Uhr, Jazzclub Unterfahrt, Einsteinstraße 42.
Sonstiges
Friedensengelfest. Feier mit Live-Musik. Montag
bis Freitag, 16 bis 22 Uhr; Wochenende, 14 bis 22
Uhr; bis 28. Juli. Friedensengel, Europaplatz 1.
DEFGH Nr. 168, Dienstag, 23. Juli 2013
BAYERN
R13
3
M I T T E N I N B AY R E U T H
Der Hügel als
Laboratorium
VON OLAF PRZYBILLA
W
enn Dramaturgen so gar nichts
mehr einfällt, dann sagen sie,
eine Inszenierung verstehe
sich als Werkstatt. Oder schöner noch:
als theatralisches Laboratorium, vorläufige Versuchsanordnung. Das klingt
nicht nur hübsch, das ist auch ziemlich
praktisch. Denn was nicht nur nicht fertig ist, sondern auch gar nicht fertig sein
will, das soll erstmal einer kritisieren, ohne sich ordentlich zu blamieren dabei.
Für den gediegenen Pausenplausch
am Grünen Hügel werden solche Vokabeln bei der Festspieleröffnung am Donnerstag nicht nur hilfreich, sondern lebensnotwendig sein. Gerade für Funktionsträger aus Bund, Land, Stadt und die
Mäzene der Festspiele – also sozusagen
für alle. Gespräche sind gerne etwas provokanter einzuleiten: Wie, Sie finden es
provinziell und blamabel, gar degoutant, dass ausgerechnet zum Wagner-Jubeljahr das bröckelnde Festspielhaus
mit aufgehübschten Bauplanen verhüllt
ist, so als wäre das hier das Baustellenfest einer ambitionierten Kinderbühne
in Südlüdenscheid und nicht so eine Art
Welttheater? Danach gerne sieghaft
nachsetzen: Na, dann haben Sie offenbar
das Prinzip nicht recht verstanden. Das
hier ist Wagner als Werkstatt.
Das funktioniert übrigens auch, wenn
man im Pausenplausch auf das derzeit
verrammelte Wagner-Museum in der
Stadt zu sprechen kommt: Wie bitte, bizarr soll das sein? Entschuldigung, das
ist Programm! Oder wenn einer auf das
Weltkulturerbe im Zentrum zu lamentieren kommt, das Markgräfliche Opernhaus, das wundervoll ist, aber wegen Renovierung großenteils geschlossen. Ach
ja, peinlich finden Sie das? Ja gut, Sie haben die geheimen Züge des Meisters offenbar nie nachvollziehen wollen.
Auch die Deutsche Bahn sollte sich
diese Sprachregelung unbedingt zu eigen machen. Wer während der Festspiele nach 19 Uhr von Nürnberg noch nach
Bayreuth will, dem erschließen sich derzeit völlig neue Wege. Die Strecke führt
über Weiden, insgesamt braucht man
zwei Stunden, 44 Minuten. Die nächste
Verbindung ist eine Stunde schneller,
drei verschiedene Busse führen verlässlich zum Ziel. Umsteigen in Hersbruck,
Neuhaus, Pegnitz. Die bislang offizielle
Sprachregelung lautet: Gleisbauarbeiten. In Wahrheit ist es Transportkunst.
Bei tödlichem Unfall
war Alkohol im Spiel
Roding – Der Kommunalpolitiker aus
dem Landkreis Cham, der bei einem Autounfall in der Nacht zum vorvergangenen
Sonntag ein 15 Jahre altes Mädchen getötet
hat, ist alkoholisiert gewesen. Dies hat das
Ergebnis einer Blutentnahme nun bestätigt. Der Unfallverursacher habe einen Alkoholwert von 0,53 Promille im Blut gehabt, teilte ein Sprecher der Polizeidienststelle Roding am Montag mit. Nun müsse
geprüft werden, welchen Einfluss die Alkoholisierung auf den Unfallhergang gehabt
habe. Der Mann war auf der B 85 in der Nähe von Roding in einer lang gezogenen Kurve auf die Gegenfahrbahn geraten und in
ein Auto geprallt. Das Mädchen wurde dabei so schwer verletzt, dass es wenig später
in einer Klinik starb. Die 47-jährige Fahrerin sowie die beiden anderen Insassen des
Wagens – acht und 20 Jahre alt – erlitten
schwere Verletzungen. Der Kommunalpolitiker kam vergleichsweise glimpflich davon. Aus welchen Gründen er die Kontrolle
über sein Fahrzeug verlor, ist unklar. Der
40-Jährige sitzt für die CSU im Chamer
Kreistag und war zuletzt als Oberbürgermeisterkandidat in Regensburg im Gespräch. Ihn erwarten nun Anzeigen wegen
fahrlässiger Tötung sowie fahrlässiger Körperverletzung in mehreren Fällen.
WIW
Mit Schrotflinte
Frau erschossen
Coburg – Ein Mann hat vor dem Landgericht Coburg gestanden, seine Ehefrau mit
einer Schrotflinte erschossen zu haben.Es
habe sich allerdings um einen tragischen
Unfall und nicht um Absicht gehandelt,
sagte der 55-Jährige beim Prozessauftakt
am Montag. Er habe mit dem Gewehr Ratten jagen wollen und sei über seinen Hund
gestolpert – dabei habe sich ein Schuss gelöst und seine Frau getroffen. Anschließend habe er die Waffe gegen sich selbst gerichtet und sich verletzt. An mehr könne er
sich nicht erinnern. „Ich war wie von Sinnen.“ Die Staatsanwaltschaft wirft dem
Mann Totschlag vor, ein mögliches Motiv
zeichnete sich zunächst aber nicht ab. Der
Angeklagte räumte zwar ein, dass seine
Frau Pläne hatte, einen Job in München anzunehmen und nur noch eine Fernbeziehung zu führen. Aber die Diskussionen um
das Thema hätten sich längst beruhigt gehabt.
DPA
Bause startet durch
Im Kampf um einen Regierungswechsel in Bayern wollen sich die Grünen keinen Stimmen-Wettstreit mit der SPD liefern – obwohl sie den Sozialdemokraten in einer Umfrage dicht auf den Fersen sind. Es soll nicht vorrangig darum gehen, wer von beiden besser abschneidet. „Unser Ziel ist, die CSU in die Opposition zu schicken“, sagte Grünen-Spitzenkandidatin Margarete Bause am Montag in München zum Start ihrer Wahlkampftour. Dafür müssten beide, SPD und
Grüne, „ranklotzen“, und dann müsse man noch die Freien Wähler überzeugen. In der jüngsten Umfrage des
„Bayerischen Rundfunks“ war die SPD auf lediglich 18 Prozent gekommen, die Grünen können demnach auf
15 Prozent hoffen. Das sei ein erfreuliches Zwischenzeugnis, sagte Bause. „Das müssen wir aber auch erstmal
auf die Matte bringen.“ Zusammengerechnet mit den Freien Wählern lag Rot-Grün in der Umfrage sechs
Punkte hinter der CSU.
FOTO: DPA
Tod am Stauwehr
Die Isar gehört zu den beliebtesten Zielen für Kanufahrer. Am Stauwehr bei Bad Tölz ist ein Mann ertrunken
– bereits der vierte Unfall an der Engstelle. Die Wasserwacht wirft Sportlern mangelnden Respekt vor dem Fluss vor
VON LUKAS MEYER-BLANKENBURG
UND ERICH C. SETZWEIN
München – Bei Sonnenschein und Niedrigwasser lockt die Isar besonders am Wochenende Schwimmer und Bootfahrer.
Doch viele unterschätzen die Gefahr. Das
Stauwehr des Isarkraftwerks bei Bad Tölz
ist für einen Kanufahrer nun zur tödlichen
Falle geworden. Der 43-Jährige war vergangenen Samstagabend bei dem Versuch,
das Wehr mit seinem Kanu zu durchfahren, in der Wasserwalze hinter den Schleusen gekentert und dabei ertrunken. Es ist
der bisher schwerste von bereits vier Unfällen an dem Wehr in diesem Sommer.
Dabei gilt unter geübten Paddlern: Technische Anlagen dieser Art sind viel zu gefährlich, als dass man sie mit dem Boot einfach durchfahren könnte. Normalerweise
käme auch niemand auf die Idee, das bei
dem Stauwehr zu versuchen. Die Anlage ist
in der Regel geschlossen und nicht befahrbar. Erst seit sich unlängst oberhalb des
Wehrs eine Baustelle befindet, für die das
angestaute Wasser abgelassen werden
musste, sind die Schleusentore geöffnet.
Die Wasserwacht hatte deshalb mit Warnhinweisen darum gebeten, die Isar an der
Baustelle zu verlassen und erst hinter der
Anlage wieder ins Wasser zu gehen.
zwei weiteren Unfällen an dem Stauwehr.
„Da haben wir gemerkt, jetzt häufen sich
die Idioten“, fasst Eger zusammen.
Die „Idioten“ sehen das allerdings ganz
anders: Zwei der am Samstagmittag verunglückten Bootsfahrer aus dem Landkreis
Fürstenfeldbruck üben scharfe Kritik. Sie
waren zu dritt in zwei Booten durch die
Schleuse gefahren und in der Wasserwalze
hängen geblieben. Auf die Gefahr an dieser
Stelle habe lediglich ein verblasstes Schild
direkt vor dem Wehr hingewiesen, andere
Warnschilder wie etwa entlang der Amper
hätten sie nicht gesehen. Ein 32-Jähriger,
der schließlich mit einem Hubschrauber
per Seilwinde von einem Schleusenpfeiler
gerettet wurde, sagte am Montag, dass sie
zwar um Hilfe gerufen hätten, dies aber
von den Spaziergängern ignoriert worden
sei. „Die haben uns nur fotografiert“, sagte
der Verunglückte, dessen Name der Redaktion bekannt ist. So habe es über eine halbe
Stunde gedauert, bis sie unverletzt aus der
Wasserwalze gerettet worden seien.
Den Einwand, es habe zu wenige Warnungen vor dem Wehr gegeben, lässt Ingo
Roeske, der stellvertretende Landesvorsitzende der Wasserwacht Bayern, nicht gelten: „Wir haben schon viel zu viel beschildert. Mit ein bisschen Menschenverstand
weiß man , dass man nicht durch so eine riesige Anlage fährt.“ Dass die verunglückten
Bootsfahrer die Warnhinweise missachtet
haben, findet Roeske tragisch, aber auch
„extrem leichtsinnig“. Dennoch haben die
Wasserwacht und die Stadt auf die Vorfälle
reagiert. Seit Sonntag ist die Ausstiegsstelle vor dem Wehr nun angeblich noch bes-
Nur mit Wurfsack
Zwei der verunglückten
Bootfahrer üben scharfe
Kritik an den Behörden
Aber die Warnhinweise wurden mehrmals ignoriert. So kenterte bereits vor zwei
Wochen ein Mann mit seinem Boot in der
Wasserwalze der Wehranlage. „Da haben
wir gedacht, das war vielleicht nur Dummheit“, sagt Heinz Eger, Einsatzleiter der
Wasserwacht Bad Tölz. Vergangenen Donnerstag und ebenfalls am Samstag noch
vor dem tödlichen Unglück kam es dann zu
ser gekennzeichnet. An der Baustelle sind
Bauzäune in das Wasser gestellt worden,
um die Bootfahrer an der Weiterfahrt zu
hindern. An der Wehranlage selbst hat
man Rettungsringe und Seile angebracht.
Der Tölzer Bürgermeister Josef Janker
sagt: „Mehr geht nicht.“
Gerade der Sommer ist für die Wasserwacht stets eine arbeitsreiche Zeit. Die
Zahl der Ertrunkenen bleibt seit Jahren
konstant, 2012 waren es insgesamt 75 Menschen. Die Mehrzahl verunglückt in Seen
und Flüssen – dort vor allem an technischen Bauwerken, wie eben dem Stauwehr
bei Bad Tölz. „Ich glaube, vielen Menschen
fehlt der Respekt vor diesen Kräften“, sagt
Janker. „Wenn man an dem Wehr steht
und das tosende Wasser sieht, ist das
schon ein beklemmendes Gefühl.“
Lebensgefährlicher Engpass: Die Baustelle am Isarstauwehr bei Bad Tölz. Das Wasser
ist derzeit abgelassen, was Sportler zum Leichtsinn verlockt.
FOTO: MANFRED NEUBAUER
Kein Bergsteiger käme auf die Idee, ohne
Helm, Klettergurt und gute Ausbildung in
eine Wand zu steigen – kein Rafter, Kanu-,
Schlauchboot- oder Kajakfahrer sollte unwissend und ohne gute Schutzausrüstung
auf einen Fluss oder Bach gehen. Dazu gehören: ausreichend wärmende Kleidung
(Neoprenanzug und -schuhe), Schwimmweste und ein sogenannter Wurfsack als
Rettungsgerät (etwa 30 Meter lange Leine
mit Handschlaufe; im Fachhandel). Organisierte Kanuten kennen die Gefahren, fahren nur, was gut einzusehen ist, und meiden künstliche Einbauten wie Stauwehre.
Immer wieder kommt es unterhalb von
Wehren zu tödlichen Unfällen, weil Paddler in mächtigen Querwalzen kentern und
sich aus eigener Kraft nicht mehr befreien
können. Wer paddeln geht, muss sich vorbereiten (www.kanu-bayern.org) – und
Wehre unbedingt meiden.
SOY
Heikle Erkenntnisse
Schatten über Tänzelfest
Der ORH ist fertig im Landtag – was passiert mit dem Ergebnis?
Tödlicher Fausthieb löst in Kaufbeuren große Betroffenheit aus
München – Auf Landtagspräsidentin Barbara Stamm kommen in der Verwandtenaffäre vermutlich neue heikle Entscheidungen zu. Wenn die CSU-Politikerin demnächst vom Obersten Rechnungshof
(ORH) das Ergebnis der detaillierten Prüfung der Abgeordnetengelder bekommt,
stellt sich für sie nämlich wiederum die
Transparenzfrage. Der Landtag muss
selbst entscheiden, ob er die offenbar massiven Vorwürfe des ORH zur Abrechnungspraxis der Abgeordneten veröffentlicht.
Dafür verantwortlich ist die Tatsache,
dass sich der ORH nach Informationen der
SZ dazu entschieden hat, seine Erkenntnisse als formelle Prüfungsmitteilung zu behandeln. Damit bleibt das Verfahren vom
Rechnungshof aus zunächst zwingend unter Verschluss. Von sich aus dürfte der
ORH nur eigene Ratschläge für die Zukunft veröffentlichen. Doch um diesen
Weg zu gehen, dazu haben die Prüfer im
Landtag offenbar zu viele Missstände aus
der Vergangenheit entdeckt.
Denen waren Prüfer seit Mai auf den
Spuren. In einem eigens bereitgestellten
Büro im Landtag vergrub sich das ORHTeam in die Abrechnungen der letzten Jahre, während gleichzeitig das Parlament in
den Schlussspurt der Legislaturperiode
ging. Nun ist Sommerpause, die Prüfer
sind abgezogen und tippen wohl gerade ihren Bericht. Dass der noch vor der Wahl
dem Landtag zugestellt werden soll, war
von Anfang an Ziel des Rechnungshofs. Er
hatte sich nach den immer neuen Vorwürfen über Abgeordnete, die ihre Familienangehörigen beschäftigten, dazu entschlossen, die komplette Abgeordnetenfinanzierung zu durchleuchten. Die peinliche Zwischenerkenntnis, dass die Parlamentsverwaltung da wohl eher lax kontrollierte,
machte im Landtag bereits die Runde.
Doch es ist keineswegs ausgemacht,
dass alle diese Funde nun schnell an die Öffentlichkeit kommen. ORH-Prüfungsverfahren laufen nach einem festen Ritual ab.
Dazu gehört, dass der Geprüfte – also der
Landtag, vertreten durch Stamm – zunächst einen Entwurf des Berichts bekommt. Dann findet ein Gespräch statt,
dann erst gibt es den offiziellen internen
Bericht. Auf den wiederum hat der Landtag dann schriftlich zu reagieren – doch da
laufen dann vermutlich schon Fristen, die
das Verfahren bis nach der Landtagswahl
hinauszögern werden. Üblicherweise bekommen Behörden hierfür drei Monate
Zeit. Doch bis zur Landtagswahl sind es
nicht einmal mehr zwei. FRANK MÜLLER
Kaufbeuren – Nach einer tödlichen Schlägerei in Kaufbeuren prüft die Polizei auch
einen möglichen rechtsextremistischen
Hintergrund. Ein 34-jähriger Kaufbeurer
bekam bei der Auseinandersetzung in der
Nacht zum vergangenen Donnerstag einen
so heftigen Faustschlag gegen den Kopf,
dass er sofort zu Boden ging und später an
seinen Verletzungen im Krankenhaus
starb. Unter dringendem Tatverdacht wurde noch in der gleichen Nacht ein stark angetrunkener, 36 Jahre alter Mann aus Thüringen festgenommen. Ganz am Anfang
der Streiterei sollen ausländerfeindliche
Äußerungen gefallen sein. Der Thüringer
ist der Polizei wegen rechtsmotivierter Taten bereits bekannt. Ob die Gewalttat in
Kaufbeuren mit diesem Hintergrund in Zusammenhang steht, sei Gegenstand der Ermittlungen, teilte die Polizei am Montag
mit. Gegen den Thüringer erging bereits
Haftbefehl. Die Kriminalpolizei ermittelt
wegen Totschlags. Die Obduktion am Montag ergab eine schwerwiegende Gehirnverletzung als Todesursache.
Der 36-Jährige gehörte einer siebenköpfigen Gruppe aus Thüringen an, die den
nächtlichen Streit hinter einem Festzelt angezettelt haben soll. Die 22 bis 53 Jahre alten Männer sollen drei Männer aus Kauf-
beuren provoziert haben. Dabei sollen gegenüber diesen 25 und 30 Jahre alten Spätaussiedlern auch ausländerfeindliche
Sprüche gefallen sein. Das spätere Opfer
hat den Angaben zufolge den Streit als Unbeteiligter beobachtet. Der aus Kasachstan stammende Familienvater war mit vier
weiteren Männern den Security-Kräften
zum Tatort gefolgt und hatte dort völlig unvermittelt den folgenschweren Fausthieb
abbekommen.
In Kaufbeuren, wo bis zum Montag das
traditionelle „Tänzelfest“ gefeiert wurde,
haben am Wochenende mehrere Hundert
Bürger mit Gedenkgottesdienst und
Schweigemarsch des Getöteten gedacht.
Nach Angaben von Oberbürgermeister Stefan Bosse (CSU) marschierten 600 bis 700
Personen vom Tatort zu einem Mahnmal
gegen rechte Gewalt. Dort seien Hunderte
Kerzen aufgebaut gewesen. „Auch wenn
sich diese Tat an jedem anderen Ort im
Land hätte abspielen können, wirft sie einen Schatten auf das Tänzelfest und
macht uns alle traurig und betroffen“, sagte Bosse am Montag. Zur Unterstützung
der Hinterbliebenen – das Opfer hinterlässt eine junge Ehefrau und zwei sechs
und zehn Jahre alte Kinder – hat die Stadt
zu einer Spendenaktion aufgerufen. DPA
Neuer Prozess um
Raub im Pfarrhaus
Zwei Männer müssen sich für
Überfälle auf Priester verantworten
Traunstein – Nachdem der erste Prozess
geplatzt ist, stehen zwei junge Männer von
Donnerstag an erneut wegen Raubüberfällen auf zwei Pfarrer vor Gericht. Dem Duo
im Alter von 25 und 26 Jahren wird vorgeworfen, im vergangenen Sommer in die
Pfarrhöfe von Böbing (Landkreis Weilheim-Schongau) und Tuntenhausen (Landkreis Rosenheim) eingedrungen zu sein
und die beiden Geistlichen ausgeraubt zu
haben. Das erste Verfahren musste im
Frühjahr ausgesetzt werden, weil einer der
Schöffen schwer erkrankte.
Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft überfielen die mit Sturmhauben maskierten Männer in der Nacht zum
17. Juni 2012 zunächst den Pfarrer von Tuntenhausen. Sie sollen den katholischen
Geistlichen an einen Heizkörper gefesselt
und unter Gewaltandrohung mit einem
Brecheisen gezwungen haben, den Tresorschlüssel herauszugeben. Außerdem ließen sich die Räuber die EC-Karte des Opfers aushändigen und die Geheimnummer
nennen. Damit hoben sie 2000 Euro ab.
Der Pfarrer hatte im ersten Prozess ausgesagt, er sei wegen der Folgen des Überfalles noch immer in psychiatrischer Behandlung.
In der Nacht zum 20. Juli 2012 drangen
die Täter in das Pfarrhaus von Böbing ein
und überfielen den Prälaten der weltberühmten Wieskirche von Steingaden. Der
Geistliche und seine Haushälterin wurden
in ähnlicher Weise gefesselt. Unter Waffengewalt erzwangen die Räuber die Herausgabe von zwei EC-Karten, mit denen sie zusammen 2000 Euro abhoben. Außerdem
nahmen sie laut Anklage 800 Euro Bargeld
mit.
Die beiden Angeklagten aus dem niederbayerischen Deggendorf müssen sich wegen schweren Raubes und Freiheitsberaubung vor dem Landgericht Traunstein verantworten. Für den neuen Prozess vor der
6. Strafkammer sind drei Verhandlungstage angesetzt. Es werden mehrere Zeugen
und Sachverständige gehört. Fraglich ist,
ob die Angeklagten ihr Schweigen in der
Neuauflage des Prozesses brechen werden. Im ersten Verfahren hatten sie die Aussage verweigert.
DPA
OLG lehnt Beschwerde
von Mollath-Anwalt ab
Nürnberg – Das Oberlandesgericht (OLG)
Nürnberg hat eine Beschwerde des Anwalts von Gustl Mollath, Gerhard Strate,
abgelehnt. Strate hatte einen der drei Richter der 7. Strafkammer in Regensburg als
befangen abgelehnt, weil dieser mit der
Causa schon einmal befasst gewesen sei.
Der Richter hatte an einem Kostenbescheid für einen Zeugen mitgewirkt, der eine Aussage nachgereicht hatte. Diese Aussage hatte die 7. Strafkammer als Antrag
auf Wiederaufnahme gewertet und dem
Zeugen Kosten auferlegt, weil dieser als Privatperson gar nicht antragsberechtigt sei.
Die nachgereichte Aussage gilt inzwischen
als wichtiger Wiederaufnahmegrund. Den
Antrag Strates hatte die 7. Strafkammer abgelehnt, das OLG hat diese Entscheidung
nun bestätigt. Strates Beschwerde sei unzulässig. Das Landgericht Regensburg hatte
zuletzt darauf verwiesen, dass Strates Beschwerde die Entscheidung des Gerichts,
ob es zu einer Wiederaufnahme kommt,
verzögere. Nach der OLG-Entscheidung
wolle man nun zeitnah entscheiden. PRZ
R14
BAYERN
Gefängnis statt Asyl
Landeskirche richtet
Bildungswerke neu aus
München – Die evangelischen Bildungswerke in Bayern suchen nach neuen und zukunftsfähigen Formen der Erwachsenenbildung. Dafür hat die Landeskirche einen
umfassenden Innovationsprozess gestartet, für den bis zum Jahr 2017 zusätzlich
800 000 Euro zur Verfügung stehen. Oberkirchenrat Detlev Bierbaum, der in der Landeskirche für die Erwachsenenbildung zuständig ist, nannte vor allem den gesellschaftlichen Wandel als Auslöser für die
grundlegende Neupositionierung der Bildungswerke.
Wie Bierbaum erläuterte, gingen heute
viele Mütter nach der Erziehungsphase
wieder früher in den Beruf zurück, zugleich sei das Angebot an Plätzen in der
Kindertagesstätten gestiegen. Dadurch sei
der Bedarf an Mutter-Kind-Gruppen, dem
wirtschaftlichen Rückgrat der rund 50 bayerischen Bildungswerke, eingebrochen. Einige Bildungswerke stünden deshalb „vor
dem finanziellen Kollaps“. Mit den Sondermitteln sollen Bierbaum zufolge Modelle
für neue Angebote der Bildungswerke finanziert werden. Als Beispiele nannte der
Oberkirchenrat neue Formate und Vermittlungswege, wie Twitter, Social-Media-Nutzung, Dialogrunden oder Bar Camps. Kooperationsmöglichkeiten mit den Dekanaten sollen ausgelotet werden, etwa regionale Kirchentage, Glaubenskurse, Fortbildungen für Kirchenvorsteher, Mesner und
Ehrenamtliche.
EPD
Pulverexplosion: Mann
verliert mehrere Finger
Cham – Beim Hantieren mit explosivem
Pulver hat ein Mann aus dem Landkreis
Cham mehrere Finger seiner linken Hand
verloren. Der 50-jährige Sportschütze habe offenbar versucht, das Pulver in einem
Mörser zu zermahlen, berichtete das Bayerische Landeskriminalamt (LKA) am Montag in München. Dabei sei es plötzlich zu einer Detonation gekommen. Sprengstoffexperten entdeckten im Arbeitszimmer des
Mannes rund 40 verrostete Patronen aus
dem Zweiten Weltkrieg. Sie stammten aus
sogenannten Bodenfunden. Außerdem
stellten die LKA-Beamten noch Schwarzpulver und Nitrocellulosepulver sicher.
Die Ehefrau hatte ihren schwer verletzten
Mann nach dem Unfall am Samstag entdeckt und Hilfe geholt. Mit einem Hubschrauber wurde der 50-Jährige ins Krankenhaus gebracht. Welches Pulver bei der
Explosion im Mörser war, sollen nun ExDPA
perten klären.
Dienstag, 23. Juli 2013, Nr. 168 DEFGH
Obwohl er eine Petition an den Landtag gerichtet hatte, wurde der 31-jährige Sahak N. nach Armenien ausgeliefert.
Dort wird ihm Betrug vorgeworfen – seine Frau aber sieht ihn als Opfer einer Intrige und fürchtet um das Leben ihres Mannes
Dass sich ihr Mann „in akuter Lebensgefahr“ befindet, davon ist Irina S. überzeugt. Seine Auslieferung sei nur deshalb
erzwungen worden, damit der armenische
Staat Druck auf Sahaks Vater ausüben könne. Der sei ein prominenter Wissenschaftler und im Besitz mehrerer Patente, die Armenien ihm abpressen wolle. Ackermann
hält die Geschichte der Familie für glaubhaft, ein derartiges Vorgehen sei in ehemaligen GUS-Staaten „nicht untypisch“.
VON WOLFGANG WITTL
Regensburg – Der Tagesordnungspunkt
25 im Ausschuss für Eingaben und Beschwerden erwies sich an diesem 10. Juli
2013 schnell als etwas ungewöhnlich. Unter dem Aktenzeichen EB.2395.16 sollte
sich der Petitionsausschuss des Bayerischen Landtags mit der Aufenthaltsduldung von Sahak N. befassen. Die Abgeordneten sollten sich dafür einsetzen, dass der
31 Jahre alte Asylbewerber nicht in seine
Heimat Armenien zurückgebracht werde.
Das allerdings war längst geschehen. Obwohl der Petitionsantrag am 9. April eingegangen war, wurde Sahak N. am 29. Mai an
Armenien ausgeliefert. Der Petitionsausschuss war sechs Wochen zu spät dran.
Mancher Abgeordnete stellte sich daher
verwundert die Frage: Was sollen wir hier
überhaupt noch entscheiden?
Die deutsche Botschaft fand
keine Hinweise auf
eine oppositionelle Tätigkeit
Duschen dürften die Insassen
ein einziges Mal im Monat,
eine Minute lang
Der Fall ist kompliziert: Sahak N. wurde
nicht abgeschoben, sondern ausgeliefert.
Für seine Frau Irina macht das freilich keinen Unterschied. Sie fürchtet um das Leben ihres Mannes, der derzeit in einem armenischen Gefängnis untergebracht ist –
unter offenbar unerträglichen Bedingungen: Bis zu 20 Häftlinge, darunter fünf Mörder, sollen sich eine 20 Quadratmeter große Zelle mit lediglich fünf Doppelbetten teilen. Die Rangelei um die Schlafplätze sei
ebenso programmiert wie um das Essen,
das man sich kaufen müsse. Die Toilette bestehe nur aus einem Loch in einer Zimmerecke. Duschen dürften die Insassen ein einziges Mal im Monat, eine Minute lang. Und
weitere Mitbewohner – große Kakerlaken
– stünden unter Artenschutz, weil sie die
Wanzen fressen. So habe es Sahak N. in einem der seltenen Telefonate berichtet.
Dass ihr Mann trotz laufender Petitions- und Asylverfahren ausgeliefert wurde, hält nicht nur Irina S. für ein Unding. Renate Ackermann (Grüne) spricht von einer
„Hauruck-Aktion ohne Prüfung des Falles“. Ackermann war die Berichterstatterin
im Ausschuss, sie teilt die Sorge um Ns. Leben. Ihr Kollege Dietrich von Gumppenberg (FDP) kritisiert, durch die Auslieferung seien Fakten geschaffen worden. Joachim Hanisch (Freie Wähler), Vorsitzender
Vergangenen Oktober haben Sahak N. und Irina S. in Regensburg geheiratet, nun sind sie zwangsweise getrennt.
im Innenausschuss, beklagt, der Petitionsausschuss sei übergangen worden: „Das
hat uns geärgert.“ Über den Fall als solchen wolle er sich allerdings kein Urteil erlauben, das sei Sache der Justiz.
Grundlage für die Auslieferung von Sahak N. ist eine Entscheidung des Oberlandesgerichtes Nürnberg. Es reagierte damit
auf einen armenischen Haftbefehl, in dem
N. Betrug vorgeworfen wird. Demnach habe er einen Landsmann um knapp 30 000
Euro geprellt, für den er angeblich eine Rei-
se nach Europa organisieren habe wollen.
Das Oberlandesgericht erklärte die Auslieferung für zulässig. Am 21. März, einen Tag
nach dem Geburtstag seiner Frau, wurde
Sahak N. verhaftet. Einwendungen wies
das Gericht zurück. Es sah auch keine Anzeichen für die Gefahr von politischer Verfolgung – und durfte sich durch eine Einschätzung des Auswärtigen Amtes bestätigte fühlen. „Unmenschliche oder extrem
unverhältnismäßige Strafen, lang andauernde Haft ohne Anklage oder Verurteilun-
FOTO: OH
gen wegen vorgeschobener Straftaten sind
uns aus Armenien nicht bekannt“, heißt es
in einem Antwortschreiben an Hanisch.
Die Grünen-Abgeordnete Ackermann ist
da anderer Auffassung, sie sagt: „Folter
sind in diesen Ländern an der Tagesordnung, ein Menschenleben gilt nur ganz wenig.“ Ob Sahak N. nun ausgeliefert oder abgeschoben worden sei, komme auf dasselbe Ergebnis heraus. Das Asylverfahren werde durch die Gerichtsentscheidung unterlaufen, dies sei „nicht hinnehmbar“.
Ein weiteres Vergehen soll sich Sahak N.
2008 im armenischen Präsidentschaftswahlkampf geleistet haben, als er den oppositionellen Lewon Ter-Petrosjan unterstützte. Seit er in einem Nachrichtenblatt
behauptet habe, die Wahl sei manipuliert
gewesen, sei die Familie Anfeindungen
und strafrechtlichen Verfolgungen ausgesetzt gewesen, sagt Irina S. Die deutsche
Botschaft in Armenien indes fand „trotz intensiver Recherchen“ keine Hinweise auf
eine oppositionelle Tätigkeit Ns. Vielmehr
sei der Botschaft ein Internetartikel über
Visa-Betrügereien aufgefallen, in dessen
Nutzerkommentaren der Name von Sahak
N. aufgetaucht sei. Für Irina S. ein weiterer
Grund, an der Gerechtigkeit zu zweifeln:
„Es kann nicht sein, dass ein Eintrag in einem Internetblog eines diktatorisch geführten Regimes eine Auslieferung begründet, die Todesgefahr nach sich zieht.“ Oder
„dass ein Eintrag in einem Internetblog
mehr zählt als das Grundrecht auf Schutz
vor politischer Verfolgung“.
Vergangenen Oktober haben Irina S.
und Sahak N. in Regensburg geheiratet,
„wir hatten Lebenspläne, wollten Kinder“.
Wie es weitergeht, ist völlig offen. Dass ihr
Mann vor wenigen Tagen in ein anderes Gefängnis verlegt worden ist, hat die Verunsicherung nur verstärkt. Für Irina S. gibt es
derzeit zwei Möglichkeiten: Entweder die
deutschen Behörden fordern die Rückführung ihres Mannes oder die Familie müsse
versuchen, ihn freizukaufen. Ein Petitionsantrag im Bundestag ist ebenfalls noch ohne Ergebnis, die Hoffnungen ruhen nun
auf dem Bundesamt für Migration und
Flüchtlinge. Doch bislang, sagt die Abgeordnete Ackermann, habe sich in dieser Sache „keine Stelle mit Ruhm bekleckert“.
Gans irre
Sand am Main hat von den Hinterlassenschaften der vielen Wasservögel die Nase voll
Bernhard Ruß, 58, Bürgermeister im unterfränkischen Sand am Main, hat ein Problem. Die Zahl der Gänse droht allmählich
die Zahl der Gemeindebewohner zu übersteigen. Mit unangenehmen Folgen.
ne Dauercamper, treue Leute. Die haben
sich ein Wochenenddomizil angelegt, mit
Vorgärtchen. Die sind schon standorttreu
und räumen die Haufen auch mal selber
weg. Aber es darf nicht zu viel werden.
SZ: Was ist denn bei Ihnen los?
Bernhard Ruß: Sie meinen die Gänseplage? Ja, die ist lästig, wenn ich auch nicht
von biblischen Ausmaßen reden möchte.
Die Gemeinde hat sich von ihren Baggersee-Inseln ein Vogelparadies versprochen. Und jetzt hat sie es doch, oder?
Es hat jetzt gar keinen Sinn, die Belange
der Gemeinde gegen den Naturschutz auszuspielen. Wir heißen nicht umsonst Sand
am Main, bei uns verlaufen Sand- und Kiesbänke, und da sind seit den 1960er Jahren
viele Baggerseen ausgehoben worden. Und
die mussten renaturiert werden. Also hat
man diese Inseln angelegt. Gut: Inseln bedeuten aber nun auch, dass die Areale
© Christian Rudnik
In Ihrem Gemeinderat gibt es Stimmen,
die befürchten, in Sand am Main gäbe es
demnächst mehr Gänse als Menschen.
So ist es noch nicht. Allerdings leben unsere 3000 Einwohner sicher weniger dicht
beieinander als die Hunderte Gänse.
Wo ist das Problem?
Schauen Sie: Auf unserem Campingplatz
sind im Sommer tausend Leute, an schönen Badeseen, ein echter Wirtschaftsfaktor. Letzte Woche war ich dort, da sitzen etwa 20 dieser Gänse. Ist doch schön, könnte
man sagen, jedenfalls grundsätzlich. Die
haben inzwischen auch keine Angst mehr
vor Menschen. Die sehen einen, schwimmen drei Meter raus, schauen einen an.
Und dann umkurvt man 30 Gänsehaufen.
Nena
Heino
DJ Mike Candys
Münchner
Sommernachtstraum
Nur der Jäger kann die Gänse in Sand am
Main erschrecken.
FOTO: DPA
INTERVIEW: OLAF PRZYBILLA
Dächer im Wald
Wie Wissenschaftler die Auswirkungen des Klimawandels auf Bäume erforschen
Es funkelt wieder gewaltig im Münchner Olympiapark. Zum neunten Mal präsentiert der Münchner Sommernachtstraum die perfekte
Mischung aus Musikfestival und grandiosem Feuerwerk. Der mit
Musik untermalten Pyroshow gehen erstmals drei Top-Konzerte
voraus: Nena, Heino und Scooter werden die Festivalbühne rocken
und auf der Seebühne im Olympiasee heizen die DJs Mike Candys
und Milk & Sugar ein.
Münchner Sommernachtstraum Olympiapark, Sa., 27.07.13, 18 Uhr
Kommen Sie doch persönlich vorbei:
Und das dauert.
Ja, und diese Tiere vermehren sich unheimlich schnell. Deshalb forcieren wir eine
zweite Möglichkeit: das Jagen. Aber auch
das ist alles nicht so einfach: Diese Tiere erkennen den Jäger. Wenn der mit seiner
Flinte kommt, egal wie verkleidet er ist, die
Gänse ahnen, was er will. Übrigens ganz anders als beim Bürgermeister: Als ich jüngst
am See war, sind sie einfach drei Meter ins
Wasser und haben geschaut. So nach dem
Motto: Du mit deinen Sonntagsklamotten,
kommst uns ja eh nicht hinterher.
Ist Kanadagans schmackhaft?
Habe noch keine gegessen. Es kommt wohl
auf die Flugstunden der Gans an und auf
die Künste des Kochs. Kanadagans wird
hier noch nicht angeboten. Aber nächstes
Jahr feiern wir 875. Gemeindejubiläum.
Wir sind am Überlegen, ob man zum Martinstag einen großen Ganstag macht.
Ja?
Hier: Bis zu zwei Kilogramm Kot pro Gans
und Tag, auf mehr als 150 Portionen verteilt. Da hört der Spaß irgendwann auf.
Scooter
Und das sehen die Gänse genauso.
Offenbar. Wir versuchen jetzt künstliche
Zugänge, also Dämme, zu den Inseln zu legen, damit der natürliche Feind die Inseln
erreicht. Aber das ist alles nicht so einfach.
Das Abschießen muss also sein?
Tatsache ist: Wir haben ein Problem. Diese
Kanadagänse sind hier irgendwann hängengeblieben, und die gehen den Landwirten ans Wintergetreide. Wenn die Saat weggefressen ist, kannst du nicht mehr nachsähen. Oder beim Mais: Klar, man denkt, die
werden schon satt sein nach so einem
Maisstengel. Aber die fressen die Wurzeln,
und nicht nur eine. Der Schaden für unsere
Bauern liegt im fünfstelligen Bereich.
Täte es vielleicht ein Reinigungsdienst?
Wir haben einen Platzwart, klar. Das Problem ist die Dimension. Kürzlich haben
wir bei 40 Gänsen aufgehört zu zählen.
200 auf einem Haufen gab es auch schon.
Und verzeihen Sie, die Hinterlassenschaften: Moment, ich hol’ mal die Zahlen . . .
Die Camper reisen in Scharen ab?
Das nicht, wir haben hier naturverbunde-
nicht für alle zugänglich sind. Und dass es
da keine natürlichen Feinde gibt.
Ticketbox SZ-ServiceZentrum
Fürstenfelder Straße 7
80331 München
Öffnungszeiten:
Mo. –Do. 9.30 bis 18 Uhr
Fr. –Sa. 9.30 bis 16 Uhr
München – Förster wissen es aus ihrem
Alltag: Die Buche, einst die am weitesten
verbreitete Baumart in Bayern, kommt
sehr viel besser mit der sommerlichen Hitze und Trockenheit zurecht als die Fichte.
Jetzt wollen Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) und des
Helmholtz Zentrums München dieses Praxiswissen wissenschaftlich untermauern.
Dazu haben sie im Kranzberger Forst
bei Freising spezielle Dachkonstruktionen
aufgestellt, die sich bei Regenfällen automatisch schließen. Damit wird der Boden
darunter nicht nass. Die Wissenschaftler simulieren so Trockenperioden und studieren, welche Auswirkungen diese auf Fichten und Buchen, aber auch auf Mikroorganismen, Pilze und Bodenlebewesen haben.
„Auch in Mitteleuropa müssen wir uns auf
den Klimawandel mit zum Teil ausgeprägten Trockenperioden einstellen“, sagt Professor Rainer Matyssek vom Lehrstuhl für
Ökophysiologie der Pflanzen an der TUM.
„Das Projekt erlaubt es, die Auswirkungen
auf Mischwälder zu untersuchen – mit
dem Ziel, der Forstwirtschaft eine Entscheidungsgrundlage für künftige, klimabedingte Strategien zu bieten.“
Dabei ist es ja nicht so, dass die Förster
keine solchen Strategien hätten. Seit Jahren pumpt der Freistaat Millionen in sein
sogenanntes Waldumbau-Programm. Seit
2008 wurden dadurch aus 50 000 Hektar
Fichten- und Kiefernwald robuster Mischwald. Bis 2020 sollen weitere 100 000 Hektar privater Fichtenwald folgen. Im Staats-
wald sind es bis 2033 gar 172 000 Hektar.
Der Versuch im Kranzberger Forst läuft
denn auch mit Beteiligung des Freistaats.
Forstministerium und Umweltministerium steuern je 100 000 Euro zu dem 1,2 Millionen Euro teuren Projekt bei. „Wir brauchen unsere Wälder auch in 100 Jahren als
grüne Lunge“, sagte Forstminister Helmut
Brunner (CSU), als er am Montag den Versuch besichtigte. „Wälder sorgen für reine
Luft und sauberes Trinkwasser, sie sind
ein Ort für Erholungssuchende“, sagte Umweltstaatssekretärin Melanie Huml (CSU).
„Wir müssen sie auf die Herausforderungen des Klimawandels einstellen.“ Mit
2,5 Millionen Hektar Wald, das ist ein Drittel der Landesfläche, ist Bayern DeutschCWS
lands waldreichstes Bundesland.
ZAHL DES TAGES
Offshorewindenergie-Unternehmen in Deutschland
865
Marktteilnehmer pro Bundesland
unter 20
20 bis 39
40 bis 59
60 bis 79
über 80
Anteil an der Projektplanung
in Prozent (Mehrfachnennungen möglich)
Hamburg
22
Bremen
SachsenAnhalt
Brandenburg
10
Transport/
Montage
Rückbau/
Reprowering
50
Anlagenfertigung
18
19
Finanzierung/
Versicherung
21
Projektplanung/
-entwicklung
Betrieb und
Instandhaltung
Sachsen
Thüringen
Hessen
RheinlandPfalz
Saarland
Bayern
BadenWürttemberg
Anteil an der
Anlagenfertigung
in Prozent
SZ-Grafik: Michael Mainka;
Quellen: PricewaterhousCoopers/
Windagentur wab;
Stand: 2010
0,7
Saarland
2,7
1,5
Sachsen
Brandenburg
2,0
1,1
Sachsen-Anhalt
Thüringen
3,7
Berlin
3,4
Rheinland-Pfalz
4,4
Hessen
4,9
8,0
MecklenburgHamburg
Vorpommern 6,3
Schleswig-Holstein
9,8
Bremen
8,8
12,2
Baden-Württemberg Bayern
13,4
Niedersachsen
17,1
Nordrhein-Westfalen
Volle Windkraft voraus
Ludwig-Bölkow-Campus
startet Forschung
Wirtschaft in Bayern
Telefon: 089/21 83-437, Fax -83 81
wirtschaft-region@sueddeutsche.de
16
NordrheinWestfalen
Hohe Mieten steigern
das Armutsrisiko
Ottobrunn – Der Innovationscampus auf
dem Gelände von EADS in Ottobrunn hat
am Montagvormittag seine ersten drei Forschungsprojekte offiziell gestartet. Bei einem Festakt in der deutschen EADS-Konzernzentrale wurde zudem der neue Name
des bisherigen Bavarian International
Campus Aerospace and Security (Bicas)
vorgestellt: In Erinnerung an den deutschen Luft- und Raumfahrtpionier, der
einst das EADS-Vorgängerunternehmen
Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) mitbegründet hatte, heißt das Forschungsgelände künftig „Ludwig-Bölkow-Campus
(LBC)“. Der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) zeigte sich begeistert:
„Mit dem Campus investiert der Freistaat
Bayern in Technologien von morgen und
verbindet das Know-how von Luft-, Raumfahrt und Sicherheit.“ Von dieser Kooperation zwischen Industrie und Forschung
würde der Standort Bayern profitieren, so
Zeil weiter. Er übergab im Namen seines
Ministeriums Förderbescheide in Höhe
von fast elf Millionen Euro für die ersten
Forschungsprojekte. Auch Wolfgang Heubisch (FDP) wohnte dem Festakt bei, sein
Wissenschaftsressort baut zusammen mit
EADS auf dem Campus ein spezielles Gebäude zur weiteren Erforschung von Biokerosin für rund zehn Millionen Euro. STGA
Netzanbindung
Berlin
In Bayern gibt es zwar kein Meer. Doch im Freistaat sitzen viele Zulieferer und Konzerne, die vom
Ausbau der Windkraftanlagen auf hoher See profitieren. Auch ihnen drohen Einbußen, wenn Offshore strauchelt
VON KATJA RIEDEL
München/Bremerhaven – Es sind viele
Botschaften, die Jean Huby an diesem Tag
bei einer Werksbesichtigung am Standort
Bremerhaven zusammenschnüren muss:
Am Ende ist es ein ganzes Paket, und es enthält Grund zu Optimismus wie zu Sorge.
Denn zu beidem gibt dem Geschäftsführer
von Areva Wind die aktuelle Lage Anlass.
Seit 2011 steht er an der Spitze der Zukunftstochter des französischen Stromgiganten, der sein Geld bislang vor allem mit
Atomkraftwerken macht: 9,3 Milliarden
Euro Umsatz erzielte die Konzernmutter
2012 weltweit. Auch in Erlangen und im un-
Auch die Politik hat sich
von ihren ehrgeizig formulierten
Zielen distanziert
terfränkischen Karlstein gibt es wichtige
Standorte. Die Windsparte ist für Areva ein
Zukunftsmarkt. Seit Huby an der Spitze
der Windsparte steht, sieht er die „Lernkurve“ der jungen Technologie steigen, sagt
er. Schritt für Schritt, Projekt für Projekt
gewinne man Erkenntnisse, könne günstiger produzieren.
Doch die Kurve könnte jäh abflachen –
weil es schlicht nichts mehr zu tun gibt.
Nicht nur der Netzausbau kommt nicht
vom Fleck. Auch die Politik hat sich merklich von ihren ehrgeizig formulierten Zielen distanziert. Eigentlich will man bis
2021 die Offshore-Windenergie von derzeit 200 Megawatt auf eine Leistung von
zehn Gigawatt jährlich hochfahren. Doch
jetzt fürchtet man um die hohen Kosten
des Hochseestroms. Schon nach jetzt gültiger Vereinbarung wird die Vergütung für
Offshore nach 2017 deutlich abgeschmolzen. Das könnte sich noch verschärfen und
die teuren Windparks für die Investoren
unattraktiv machen.
Um den in die Höhe schnellenden Strompreis zu schonen, will Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) die Einspeisevergütungen überdenken. Eine Unsicherheit, die Investoren wie etwa die Stadtwerke München, die derzeit ein großer Auftraggeber von Areva Wind sind, vor der Unterschrift unter mögliche Folgeaufträge zurückschrecken lässt. „Definitiv ist das ein
Risiko in der Industrie, es fehlen anderthalb Jahre, um diese junge Branche nicht
in ihrem Wachstum zu bremsen“, sagt der
Areva Wind-Chef. Ähnliches kann Bernd
Brucherseifer berichten. Er ist Geschäftsführer von HTM Helicopter Travel Munich,
seit 2009 fliegen seine Hubschrauber für
Offshore-Projekte an der Küste. Und die
machen einen immer größeren Prozentsatz seines Umsatzes aus. Zwei Windparks
betreuen sie aktuell, acht sind unter Ver-
trag. Bis 2015 werden es zehn sein. „Das
sind Projekte, die sicher realisiert werden“, sagt Brucherseifer. Aber bei neuen,
da habe er bemerkt, wie die Investoren
jetzt „die Bremse reinhauen“.
Besonders kräftig blies der Gegenwind
zuletzt aus Bayern. Der CSU-Arbeitskreis
Energiewende sprach sich gegen eine „Privilegierung und Überförderung“ von Offshore-Windparks in der deutschen Nordund Ostsee aus. Stattdessen forderte man
mehr Biogasanlagen. Die CSU will die Energiewende aus Bayern heraus stemmen;
und in Bayern gibt es kein Meer.
Viele Firmen sind in den
Markt eingetreten, um ihr
Portfolio zu erweitern
Trotzdem profitieren bayerische Unternehmen von der Offshore-Industrie, im
deutschen Meer wie international. Siemens ist einer der größten Player. Der Energy Sektor hat seinen Sitz in Erlangen. Das
Windgeschäft sitzt zwar in Hamburg. Doch
Zulieferer kommen aus Bayern, sagt ein
Sprecher. Unter anderem beziehe man Lager für Windturbinen von zwei Unternehmen in Unter- und Mittelfranken. In Nürnberg produziert Siemens zudem Hochspannungsgleichstrom-Transformatoren sowie Module für Konverterstationen. Sie
Kommunen wollen
Ausgleichsfonds
Schließung oder Verkleinerung von
Bundeswehrstandorten hat Folgen
Verteilung der Wertschöpfungsstufen in Bayern
MecklenburgVorpommern
Niedersachsen
in Prozent (Auswahl)
21,6
17,4
14,8
8,0
8,0
Niedersachsen
Bremen
Hamburg
Bayern
Nordrhein-Westfalen
SchleswigHolstein
Marktteilnehmer
nach Beschäftigtenzahl
unter 1000
über 1000
Hohe Mietpreise lassen einer Studie zufolge in vielen bayerischen Städten das Armutsrisiko von Familien steigen. Landesweit belasten die Mietkosten in Regensburg die Familienkasse am stärksten, erklärte die Bertelsmann Stiftung bei der Vorstellung einer Studie am Montag in Gütersloh. Nach Überweisung der Miete blieben
einer Familie mit zwei Kindern im Schnitt
nur 865 Euro im Monat. Das verfügbare
Einkommen liege demnach 26 Prozent unter der staatlichen Grundsicherung, auf
die eine vergleichbare Familie ohne Erwerbseinkommen Anspruch habe. In ganz
Bayern sei etwa jeder siebte Bewohner von
Armut gefährdet. Der angespannte Wohnungsmarkt im Freistaat verschlechtere
die finanzielle Situation zusätzlich: Nach
Abzug der Miete sinke das Budget einer ärmeren Familie in Regensburg, München,
Augsburg, Würzburg, Nürnberg und Erlangen im Durchschnitt unter das einer HartzIV-Familie. Wer weniger als 60 Prozent des
ortsüblichen mittleren Einkommens verdient, kann sich der Studie zufolge in Regensburg wie auch in München nur zwei
Prozent der angebotenen Wohnungen leisten.
EPD, FOTO: DPA
R15
WIRTSCHAFT IN BAYERN
DEFGH Nr. 168, Dienstag, 23. Juli 2013
werden benötigt, um den Windstrom erst
vom Wasser an Land und dann von Nord
nach Süd zu bringen. „Bayerische Unternehmen sind in den Markt für Offshorewindenergieanlagen eingetreten, um ihr
Produktportfolio zu erweitern“, sagt Ronny Meyer. Er spricht für den Verband Windenergieagentur WAB. Vor allem mittelständische Zulieferer, etwa Hersteller von Getrieben, hätten sich dem Markt zugewandt. Die Getriebe für die Areva-Turbinen etwa kommen aus Herzogenaurach,
von Schaeffler. Der Umsatz aus der Anlagenfertigung und Zulieferung werde hierzulande in den kommenden Jahren voraussichtlich auf mehr als 1,2 Milliarden Euro
und die Beschäftigtenzahl auf über 5000
steigen, gibt sich Meyer optimistisch.
„Wenn jetzt der Ausbau der OffshoreWindenergie stockt, spüren das auch die
Unternehmen in Bayern.“ Sein Verband
hat bei der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PWC) eine Studie in
Auftrag gegeben. Diese ergab, dass sich die
Wertschöpfung aus Hochsee-Windkraft
über ganz Deutschland verteilt. Bayern bekommt das drittgrößte Stück des Kuchens,
mit gut zwölf Prozent Anteil an der Wertschöpfung aus Anlagenfertigung. Führend
sind hier Nordrhein-Westfalen (17,1 Prozent) und Niedersachsen (13,4). Insgesamt
errechnete PWC einen Umsatz von mehr
als 600 Millionen Euro jährlich in Bayern.
München – Von der Bundeswehrreform
besonders betroffene Kommunen wollen
eine bundesweite Interessengemeinschaft
gründen. Damit wollen sie ihrer Forderung
nach einem Ausgleichsfonds für Einbußen, die sie durch die Umstrukturierung
der Truppe erwarten, Nachdruck verleihen. Am Mittwoch werde es im thüringischen Mühlhausen ein Arbeitstreffen von
Städten und Gemeinden unter anderem
aus Baden-Württemberg, Bayern, Hessen,
Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Thüringen geben, sagte
Mühlhausens Oberbürgermeister Johannes Bruns (SPD) der Nachrichtenagentur
dpa. Dabei solle auch eine gemeinsame Resolution mit weiteren konkreten Erwartungen an den Bund und die Länder verabschiedet werden. Nach Bruns Angaben werden aus Bayern Vertreter aus Kempten
Kaufbeuren und Füssen an den Treffen teilnehmen.
„Aus Sicht der Teilnehmer werden
Bund und teils auch die Länder ihrer Verantwortung für die kommunalpolitischen
Konsequenzen der Standortentscheidung
bislang nicht gerecht“, sagte Bruns. In einem Entwurf der Resolution heißt es, in
den Ausgleichsfonds sollten unter anderem alle Erlöse einfließen, die der Bund
durch den Verkauf von militärischen Anlage infolge der Standortschließungen erziele. Außerdem sollten die Kommunen „Vorkaufsrechte mit substanziellen Vergünstigungen“ für Bundeswehrliegenschaften erhalten. Zusätzlich müssten bestehende
Förderprogramme des Bundes und der
Länder aufgestockt werden, um besonders
betroffenen Städten und Gemeinden beim
Strukturwandel in den jeweiligen Regionen zu helfen.
Im Zuge der laufenden Bundeswehrreform sollen die Streitkräfte von etwa
250 000 Soldaten auf künftig nur noch
rund 170 000 Berufs- und Zeitsoldaten sowie bis zu 15 000 freiwillige Wehrdienstleistende verkleinert werden. Durch die Aussetzung der Wehrpflicht zum 1. Juli 2011 ist
die Truppenstärke bereits auf rund
187 000 Soldaten geschrumpft. Insgesamt
32 Bundeswehrstandorte sollen bis 2017
geschlossen, rund 90 teils drastisch verkleinert werden. Am Ende sollen dann
noch 263 Standorte übrig sein. Kommunalpolitiker aus ganz Deutschland fordern
seit Monaten Entschädigungen für die Verluste von Kasernen, Übungsplätzen oder
sonstigen militärischer Anlagen in ihren
Regionen. Sie rechnen mit wirtschaftlichen Einbußen in Millionenhöhe.
DPA
Erneut Proteste der
Schifffahrtsverwaltung
Nürnberg - Die Mitarbeiter der Wasserund Schifffahrtsverwaltung (WSV) gehen
weiter auf die Barrikaden. Für Mittwoch
hat die Gewerkschaft Verdi erneut eine
Kundgebung mit anschließender Demonstration angekündigt, diesmal in Nürnberg. Die teilnehmenden WSV-Beschäftigten sehen sich durch eine Verwaltungsreform des Bundesverkehrsministeriums bedroht und fordern einen Tarifvertrag, der
sie vor Kündigungen schützen soll. Vergangene Woche gab es bereits in Regensburg
eine Kundgebung. Parallel beteiligen sich
550 Beschäftigte in Bayern nun schon die
dritte Woche in Folge an Streiks. Davon betroffen sind zahlreiche Schleusen, die auf
Grund der Arbeitsniederlegung zur Zeit
nicht betrieben werden. Das Verkehrsministerium zeigt wenig Verständnis für die
Proteste. Immerhin habe der zuständige
Minister Peter Ramsauer (CSU) bereits im
Juni mögliche Kündigungen und ungewollte Versetzungen schriftlich ausgeschlossen. Der Brief sei rechtlich bindend. VYS
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IMPRESSUM
DAS WETTER
Heiter bis wolkig, im Tagesverlauf
örtlich mal ein kräftiger Schauer
Bad Kissingen
33°
Badewetter: Ammersee 23°, Brombachsee 25°,
Chiemsee 25°, Schliersee 23°, Staffelsee 23°, Starnberger See 21°, Tegernsee 21°, Walchensee 20°,
Wörthsee 20°
33°
33°
Ostwind
10 km/h
Bayreuth
30°
Bamberg
über 30°
31°
30°/16°
Nürnberg
33°
Ansbach
32°
20° bis 25°
0° bis 5°
Neu-Ulm
Augsburg
Kempten
27°/14°
30°
Landshut
r
Isa
29°
30°
31°/16°
30°/16°
30° Mühldorf
MÜNCHEN
Freitag
30°
29°
30°/16°
Garmisch 29°
Lindau
Zugspitze 9°
BAD TÖLZ-WOLFRATSHAUSEN: Felicitas Amler, Untermarkt 2,
82515 Wolfratshausen, Telefon (08171) 4316-0; DACHAU:
Helmut Zeller, Färbergasse 4, 85221 Dachau, Telefon (08131) 5685-0);
EBERSBERG: Karin Kampwerth, Ulrichstraße 1, 85560 Ebersberg,
Telefon (08092) 8266-0; ERDING: Antonia Steiger, Lange Zeile 10, 85435
Erding, Telefon (08122) 9730-0; FREISING: Kerstin Vogel, Johannisstraße
2, 85354 Freising, Telefon (08161) 9687-0; FÜRSTENFELDBRUCK:
Christian Hufnagel, Schöngeisinger Straße 38-40, 82256 Fürstenfeldbruck,
Telefon (08141) 6114-0; STARNBERG: Sabine Bader, Gautinger Straße 9,
82319 Starnberg, Telefon (08151) 3605-0.
Großer Arber
Passau
-10° bis -5°
31°
Don
au
31°
-5° bis 0°
unter -10°
32°
Ingolstadt
30°
LAYOUT: Christian Tönsmann, Stefan Dimitrov (verantwortlich);
Dennis Schmidt; FOTO: Jörg Buschmann (verantwortlich); Petra Payer.
23°
Inn
10° bis 15°
Donnerstag
Regensburg
15° bis 20°
THEMA DES TAGES: Kassian Stroh (-437); MÜNCHEN:
Martin Hammer (-7511); STADTVIERTEL UND LANDKREIS:
Thomas Anlauf (Innenstadt, -7551), Günther Knoll (Nord, -7552),
Lars Brunckhorst (Süd, -7553), Martin Bernstein (West, -7554); LEUTE:
Michael Bremmer (-437); KULTUR: Karl Forster (-403); BAYERN:
Nadeschda Scharfenberg (-437); WIRTSCHAFT: Ralf Scharnitzky (-437);
SPORT: Johannes Schnitzler (-7537); LESERBRIEFE:
Thomas Soyer (-475); ONLINE: Lutz Knappmann, Peter Lindner.
33°/18°
Weiden
25° bis 30°
RESSORTLEITER: Nina Bovensiepen, Christian Krügel
STELLVERTRETER: Sebastian Beck, Peter Fahrenholz, Christian Mayer
CHEF VOM DIENST: Stefan Simon
30°/15°
29°
32°
Main
Würzburg
5° bis 10°
Biowetter: Die Wetterlage sorgt bei den meisten
Menschen für gute Laune. Allerdings belastet sie
Herz und Kreislauf. So kommt es bei empfindlichen Menschen zu Schwächeanfällen. Außerdem
besteht bei längerem Aufenthalt in der Sonne ohne
Schutzmaßnahmen die Gefahr von Sonnenbrand.
Hof
Coburg
Aschaffenburg
Lech
In den Bergen: Erst Sonnenschein, dann Quellwolken und örtlich Schauer oder Gewitter. 21 bis
27 Grad. Alpenvorland: Gebietsweise sonnig, vor
allem in Richtung Alpen im Tagesverlauf größere
Wolken und örtlich mal ein Regenguss oder ein
Gewitter. 29 bis 31 Grad. Donaugebiet: Heiter bis
wolkig, aber meist trocken. 30 bis 32 Grad. Oberfranken, Oberpfalz und Bayerischer Wald: Teilweise Sonnenschein, teilweise auch Quellwolken,
aber nur ein leicht erhöhtes Gewitterrisiko. 23 bis
33 Grad. Unter- und Mittelfranken: Sonne und
Wolken, selten Gewitter. Um 33 Grad.
ANSCHRIFT: Hultschiner Straße 8, 81677 München
Telefon (089) 2183-0, Telefax (089) 2183-8295
Mittwoch
32°
München-Unterhaching, Grünwalder Weg
Tel. 089/2035215-0
Mo. bis Sa. 9 bis 20 Uhr
Direkt an der A995, Abfahrt Taufkirchen West, S-BahnLinie S3 bis Taufkirchen, Bus 222 bis Platanenstraße
München-Untermenzing, Goteboldstraße 9
Tel. 0 89/89 12 21-0
Mo. bis Fr. 9 bis 20 Uhr
Sa. 9 bis 18 Uhr
Buslinie 164 bis Goteboldstraße
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www.pflanzen-koelle.de
Wendelstein
19°
33°/19°
31°/16°
Quelle: www.wetterkontor.de
Es ist Hafensommer
Zwar ist der Hafensommer in diesem Jahr gar
nicht am direkt am Hafen, aber gefeiert werden darf in Würzburg trotzdem. Zum siebten Mal findet die Veranstaltung statt,
wenngleich in diesem Jahr auf den Mainwiesen, da die Kaimauer am Hafen bröckelt.
Am heutigen Dienstag um 20.30 Uhr beginnt der Hafensommer mit der „SpardaBank Classic Night“. Das Sinfonic Jazz Orchestra der Hochschule für Musik Würzburg ist zum ersten Mal beim Hafensommer dabei und spielt Stücke aus Jazz und
Klassik. Mehr Infos unter www.hafensommer-wuerzburg.de.
FOTO: OH
AUGSBURG: Stefan Mayr, Karolinenstraße 21, 86150 Augsburg, Telefon
(0821) 517025; NÜRNBERG: Olaf Przybilla, Kaiserstraße 23, 90403
Nürnberg, Telefon (0911) 2055503; REGENSBURG: Wolfgang Wittl,
Prüfeninger Straße 20, 93049, Regensburg, Telefon (0941) 586125-20.
OBJEKTLEITUNG MÜNCHEN UND REGION: Mario Lauer;
LESERMARKT MÜNCHEN UND REGION: Johannes Hauner;
VERANTWORTLICH FÜR DEN INHALT DER ANZEIGEN:
Jürgen Maukner; alle Anschrift wie Redaktion.
ZENTRALE ANZEIGENABTEILUNG MÜNCHEN: Telefon
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REGION: Telefon (089) 2183-646; Fax -253.
Gültig ist die Anzeigenpreisliste Nr. 76 vom 1. Oktober 2012.
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R16
KULTUR
Dienstag, 23. Juli 2013, Nr. 168 DEFGH
3
Grausige Geschichten, großartig inszeniert
Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen haben für die Ausstellung „Das Alte Testament“ ausschließlich Bilder aus den Depots
und aus den eigenen Filialmuseen zusammengeholt. Herausgekommen ist dabei eine bemerkenswerte Schau
auf dem Wasser schwimmt. Tatsächlich
scheint Baldung Grien, der aus ein Gelehrten-Familie stammte, das Wort arca (Kasten) aus der lateinischen Bibelübersetzung
wörtlich genommen zu haben bei seiner
phantastisch übertriebenen und unerbittlichen Illustration des Weltunterganges.
Überall Ertrinkende in Todesangst. Der pure Horror. Wer aber genauer hinsieht, entdeckt Details, die nahelegen, dass der Maler das ernste Thema auch lustvoll missbraucht hat, um seiner grenzenlosen Fabulierlust zu frönen. Steht da nicht eine Nackte lockend wie Venus auf schwankendem
Floß? Oder im Hintergrund die untergehenden Häuser, wirken die nicht wie futuristische Architekturvisionen? Dieser Wolkenkratzer, der an das Empire State Building erinnert. Kann doch alles nicht sein,
ist aber doch so! Und woher stammt dieses
Bild überhaupt? Wofür oder für wen wurde
es gemalt? All das weiß man nicht, nur dass
es einst von einem kunstsinnigen Domkapitular aus dem Bildersturm der Säkularisation gerettet und irgendwann der Stadt
Bamberg geschenkt worden ist.
VON CHRISTOPH WIEDEMANN
München – Es ist eigentlich eine kleine
und recht übersichtliche Ausstellung mit
„nur“ 37 Gemälden, verteilt auf die beiden
Säle beim die Alte Pinakothek seit geraumer Zeit auch von Osten her öffnenden
Klenze-Portal. Nicht eben reißerisch der Titel: „Das Alte Testament – Geschichten
und Gestalten“. Eher kurios auch der Anlass. In München wird von 4. bis 9. August
ein Kongress der „International Organization for the Study of the Old Testament“
stattfinden. Quasi um den Kongressteilnehmern etwas zu bieten, hat man dann
diese Ausstellung auf Bitten der LudwigMaximilians-Universität in relativ kurzer
Zeit seit Dezember vergangenen Jahres erarbeitet. Zusätzlich zeigt auch noch die Bayerische Staatsbibliothek in der Ludwigstraße in ihrem Tresorraum im ersten Stock 31
hochrangige und weltweit einmalige Handschriften und Drucke rund um die Hebräische Bibel und das Alte Testament. „Vom
babylonischen Talmud zu Lassos Bußpsalmen.“ Beide Ausstellungen wurden vergangene Woche eröffnet. Soweit ist also alles
gerichtet für die internationalen Experten
des Alten Testaments. Die Forscher können kommen. Sie werden ihre Freude haben, ebenso übrigens – und das ist die große Überraschung – wie zumindest in der Alten Pinakothek das vielleicht weniger bibelfeste, dafür aber hoffentlich schaulustige
normale Publikum.
Auch Werke von Altdorfer,
Burgkmair, Cranach, Rubens
oder Claude Lorrain locken
So oder so ähnlich lauten die meisten Geschichten dieser nur zu einem Viertel aus
originären Beständen der Alten Pinakothek zusammengesetzten Schau, die auch
bebildert, wie sich die Themen des Alten
Testamentes im Lauf der Zeit aus religiösen Zusammenhängen emanzipieren und
für lustvolle Schaustellungen herhalten
müssen. Bestes Beispiel die um 1636 von
Rubens gemalte Susanna im Bade. Ein Vollweib, bei dem man versteht, dass es –wie
im Alten Testament geschildert – zwei
Lustgreise um den Verstand gebracht hat.
Eine sehenswerte Ausstellung, die einerseits mit weniger bekannten Werken von
Altdorfer, Burgkmair, Cranach, Rubens
oder Claude Lorrain lockt. Eine Ausstellung aber auch, die strukturell und ökonomisch zukunftsweisend erscheint, weil sie
nur mit „heimischen Schätzen“ arbeitet.
Die Bilder stammen aus den Zweigmuseen
in Aschaffenburg, Bamberg, Augsburg, Ottobeuren und Schleißheim. Sie nach München zu bewegen, kostete zwar auch Geld.
war aber oftmals gleich noch mit einer Zwischenstation in den Restaurierungswerkstätten verbunden.
Forscher wie ganz normales
Publikum werden ihre Freude
an diesen Bildern haben
Klein, fein und vollgestopft mit Entdeckungen präsentiert sich die Ausstellung,
die nicht nur bebildert, wie sich Künstler
auf vielen verschiedenen Wegen über zwei
Jahrhunderte hinweg – von der Renaissance bis zum Barock – von den fesselnden
Geschichten inspirieren ließen, die das Alte Testament bietet. Weit mehr noch erstaunt die hohe Qualität des Gezeigten.
Man weiß überhaupt nicht, wo zuerst hinsehen. Ein Fest fürs Auge: „Die Sintflut“
von dem Dürer-Lieblingsschüler Hans Baldung Grien. Das Gemälde hängt normalerweise in Bamberg in der Staatsgalerie in
der Neuen Residenz und gehört eigentlich
der Stadt Bamberg. Baldung Grien hat das
Bild wohl 1516 sozusagen am Vorabend der
Reformation gemalt und schildert darin
ein detailreiches Weltuntergangsszenarium. Eine der Merkwürdigkeiten ist die Darstellung der Arche. Das ist kein Schiff, sondern ein riesiger Kasten, der wie ein Kork
Hans Baldung, gen. Grien, Die Sintflut, 1516. FOTO: BAY. STAATSGEM. SLG., STAATSGAL. IN DER NEUEN RESIDENZ – LEIHGABE DER MUSEEN DER STADT BAMBERG
Das Alte Testament – Geschichten und Gestalten,
Alte Pinakothek (Klenzeportal), bis 20. Oktober.
Leidenschaft beginnt im Kopf
Die 7 im Fünfseenland
Barbara Hannigan gastiert mit „Written on Skin“ bei den Opernfestspielen
Start zum großen Filmfestival in und um Starnberg
München – Damals waren sich die Kritiker selten einig. Vor einem Jahr wurde
beim Festival in Aix-en-Provence „Written
on Skin“ uraufgeführt, und alle, die darüber schrieben, waren begeistert – zumindest findet sich in deutschsprachigen Zeitungen keine negative Stimme. „Written
on Skin“ ist die zweite Oper von George
Benjamin, das Libretto stammt von Martin
Crimp und erzählt eine etwas gewöhnungsbedürftige Geschichte. Diese ist im Kern uralt, ein provenzalischer Troubadour aus
dem 13. Jahrhundert hat sie überliefert,
sein Name ist Guilhem de Cabestanh. Wovon dieser sang, umgab Benjamin mit atmosphärisch dichter Musik und kleidete
Crimp in delikate Worte, was der Drastik
der Handlung selbst wenig Abbruch tut.
Eine Geschichte von sich haltlos verzehrenden Herzen. Der Mann, genannt Protector, ist herrschsüchtig und eitel. Seine Frau
Agnes hat sich zu unterwerfen, ein junger
Buchmaler, genannt Boy, soll dessen Taten
aufschreiben und verherrlichen, auf Pergament, also Tierhaut, also „Skin“. Frau
Agnes, man ahnt es, entwickelt bald eine
große Neugierde für das Buch und den Maler, Liebe bricht aus, und der Boy soll diese
festhalten, im Buch. Das entdeckt der
Protector, der, rasend vor Eifersucht, den
Boy umbringt und Agnes, als Vollendung
der Unterwerfung, dessen gekochtes Herz
als Mahl vorsetzt. Doch Agnes handelt
selbstbestimmt – und springt aus dem
Fenster in den Tod.
Seit Aix reiste die Produktion in der mittels Theater auf dem Theater geschickt Mittelalter und Gegenwart verknüpfenden Inszenierung von Katie Mitchell durch die
Welt, war gerade eben noch, im Juni, bei
den Wiener Festwochen zu sehen und hat
jetzt, am heutigen Dienstag, ihre MünchenPremiere im Prinzregententheater. Auf dieser Reise änderte sich die Besetzung, auch
der Dirigent: Die Uraufführung leitete
George Benjamin selbst, in Wien übernahm Kent Nagano, der nun natürlich
auch in München dirigieren wird, seine
letzte Premiere. Eine blieb immer gleich.
Frau Agnes. Auch weil diese Partie bei der
Uraufführung von einer Sängerin gesungen wurde, die man nicht ersetzen kann:
Barbara Hannigan.
Ende vergangenen Jahres konnte man
die 1971 in Kanada geborene Sopranistin in
München erleben, und wer damals dabei
war, hat ein gewisse Ahnung davon, was in
„Written on Skin“ auf einen zukommen
mag. Wobei es völlig unzureichend ist, einfach von Sopranistin zu sprechen, Naturereignis träfe es besser. Stimmt aber auch
nicht, weil alles, was Hannigan macht, bei
aller Expression, bei aller Vereinigung der
Mittel Tanz, Schauspiel, Gesang zum größt-
möglichen Ausdruck, immer völlig kontrolliert ist. In München stellte sie damals die
„Mysteries of the Macabre“ dar, eine Auskopplung aus Ligetis grotesker Oper „Le
grand Macabre“, trug eine aufregende Ledermontur, machte aus jeder noch so verrenkten Koloratur gestochen scharfen
Aberwitz und nahm auch gleich noch Simon Rattle die Aufgabe ab, das BR-Symphonieorchester zu dirigieren.
Zum Fressen gern:
Das gekochte Herz des
Liebhabers auf dem Teller
Nun begibt sie sich in der Garderobe des
Prinzregententheaters erst einmal auf die
Suche nach einer Flasche Wasser. Sie ist
zierlich, sehr hübsch, sehr wach, sehr
freundlich und im Gespräch so konkret
wie auf der Bühne: Egal welche Frage, die
Antwort kommt sofort, gestochen klar, keine Ausflüchte, wurscht, ob Privates oder
Kunstangelegenheit. Ja, seit 1996 lebt sie
in Amsterdam, im Haus gibt es auch einen
Ehemann, und die Zusammenarbeit mit
Nagano war toll – nächstes Jahr geben sie
zusammen ein Konzert in Göteborg. Und
auch im nächsten Jahr wird sie an der Bayerischen Staatsoper die Marie in Zimmermanns „Soldaten“ sein.
Ihr Terminkalender, so sagt sie, sei so
voll, das würde für drei Sängerinnen reichen. Und nichts Leichtes ist darunter, sondern inzwischen knapp 80 Uraufführun-
gen, auch Riesenpartien, lebt ein Komponist noch, wünscht er sich Hannigan, auch
George Benjamin schrieb ihr die „Written
on Skin“-Partie in die Kehle. „Wenn man
es mag, geht man nicht kaputt.“ Zur ersten
Ligeti-Probe in München kam sie direkt
vom Flughafen, hatte am Abend davor
noch Bergs Lulu in Brüssel gesungen, eine
phantastische Leistung auch dies, ein Rollendebüt, bei dem sie alle nur möglichen
Facetten der Figur in ihrer Person vereinte,
überwältigend spielte, betörend sang, Spitze tanzte und immer dann, wenn man
glaubte, sie auf einen Lulu-Typus festlegen zu können, in einer anderen Nuance
schillerte.
„Ich mag es, viel zu arbeiten. Ich bin daran gewöhnt.“ Sie muss körperlich und mental stark sein, tanzte zwei Mal bei Sasha
Waltz, und im Gespräch ist nicht ganz klar,
ob sie trainierte, um dort mittanzen zu können, oder ob sie sich durchs Tanzen fit hielt
für Anderes. Zur Erholung jedenfalls dirigiert sie. Weil sie dann anders auf die Noten schaue, Verantwortung für das Ganze
habe, nicht nur mit der Stimme das Orchester anführe. Wie sie es bei Mozart, Haydn
oder eben der Moderne tut. Das 19. Jahrhundert lässt sie aus. Es gebe so viele Sängerinnen, die sich nach der „Traviata“ sehnen, für sie aber sei die zeitgenössische Musik Verpflichtung. Das meint sie ernst. Verpflichtung. Wow!
EGBERT THOLL
Premiere Dienstag, 23. Juli, Prinzregententheater
Barbara Hannigan singt neue Musik nicht nur gefühlvoll und beängstigend präzise,
sie tanzt und dirigiert auch noch.
FOTO: ARMIN BARDEL
Starnberg – Endlich ist richtig Sommer.
Ideales Wetter fürs Open-Air-Kino: Am
Starnberger See, wo sich schon reichlich
Touristen tummeln, startet an diesem Mittwoch das Fünfseen-Filmfestival (fsff), heuer noch größer, schöner, glänzender, internationaler (bis 4. August). Und endlich einmal könnte das begleitende Kino unter freiem Himmel, diesmal direkt am Starnberger See, ein voller Erfolg werden.
Es ist das siebte Filmfestival, eine magische Zahl für Festivalchef Matthias Helwig. Nicht nur die sieben Schöpfungstage,
die sieben Todsünden oder die sieben Weltwunder faszinieren ihn, sondern die Addition von drei und vier, von Geist und Seele –
in der Dreifaltigkeit – und Körper – in den
vier Elementen. War es zunächst nur eine
lockere Idee, Filme zu zeigen, die mit der
Sieben spielen, entwickelte Helwig dann
gemeinsam mit Elisabeth Carr von den
„Kunsträumen am See“ das Projekt „7 Räume 7 Künste“. In sieben verschiedenen
Räumen werden Filme gezeigt, die sich mit
Architektur, Skulptur, Malerei, Musik,
Tanz und Dichtkunst befassen und eben
auch mit der siebten Kunst – dem Film. Jeder Film wird mit einem Live-Auftritt oder
einer Performance kombiniert.
Dem Gedenken an den kürzlich verstorbenen Starnberger Künstler und Kulturpreisträger Stefan Moritz Becker gilt die Eröffnungsveranstaltung; im Kino in Starnberg wird sein Lieblingsfilm „8 1/2“ von Federico Fellini gezeigt, danach wird im Museum Starnberger See eine Fotoausstellung über Leben und Werk Beckers präsentiert. Mit der Architektur-Dokumentation
„Sagrada“ von Stefan Haupt und einer Einführung zu Antoni Gaudí durch den Architekten Nikolaus Baehr wird der Pfarrstadl
in Weßling als Raum eingeführt. Zur gleichen Zeit stehen im Augustinum in Dießen
mit „Große Oper. Verdi“ (von Andreea Varga und Michael Wende) die Proben an der
Bayerischen Staatsoper zu „Rigoletto“ im
Fokus. Max Frey hat das Ko-Konzert mit
Verdi-Arien vom Vokal-Solisten-Ensemble der Hochschule für Musik und Theater
München ermöglicht. Und noch einmal ist
Musik Thema: „Appassionata“ ist ein Film
über die in der Ukraine geborene Konzertpianistin Alena Cherny im Kino in Seefeld.
Nach der Vorführung gibt sie ein Konzert
im Sudhaus des Schlosses.
Auf die Spuren von Peter Handke begibt
sich der Film „Griffen“ von Bernd LiepoldMosser, im Kino in Herrsching lesen Schauspieler Peter Weiß und Autor Gert Holzheimer Handke-Texte. Von der bekanntesten tschechischen Dichterin Bozena Nemcová erzählt der Spielfilm „Durch diese
Nacht seh ich keinen einzigen Stern“ im Kino in Starnberg. Hauptdarstellerin Corin-
na Harfouch und Regisseurin Dagmar
Knöpfel kommen zum Filmgespräch.
Von der Kraft der Frauen handelt auch
die Dokumentation „Eine Schule macht
Theater“ von Michaela Kühnemann. Sie begleitete 180 Schülerinnen des SophieScholl-Gymnasiums München von den
Proben bis zur Aufführung des Tanz-Theaters „Lysistrata“ im Prinzregententheater.
Neben der Regisseurin kommen die Leiterin Eva Lücking und die Schauspielerin
und Coach Katharina Schwarz, die das Projekt „Mad-chen“ in Starnberg initiiert hat.
Und schließlich: „Five Dances“ von Alan
Brown – ein Tanz-und Liebesfilm aus Amerika. Mit dabei sind die Tanzpädagoginnen
Kitty Bothe-Hufnagel und Bettina Fritsche. Und zum Abschluss sollen Berührungsängste gegenüber Videokunst abgebaut werden: Organisiert von Roman
Wörndl und Juschi Bannaski sind experimentelle Kurzfilme und Videoinstallationen zu sehen.
Doch zurück zum Kino: Eröffnet wird
das Festival mit der französischen Erfolgskomödie „Portugal mon Amour“. Insgesamt laufen 150 Filme, Dokumentationen
und Kurzfilme in zehn Wettbewerben.
„Wichtiges Anliegen ist der Austausch zwischen Publikum und Filmemachern“, sagt
Helwig. Ein Highlight ist die nächtliche
Dampferfahrt auf dem Starnberger See
am 1. August.
BLANCHE MAMER
Weitere Infos über www. fsff.de
Eröffnet das Filmfestival: „Portugal mon
amour“.
FOTO: PROKINO FILMVERLEIH GMBH
KURZKRITIK
Falscher Name
Silly mit neuer Besetzung
in der Tollwood-Musikarena
München – Am liebsten würde Schauspielerin Anna Loos den Bandnamen Silly als
„die Unkaputtbaren“ übersetzen. Wahrscheinlich meint sie damit, dass bereits alle Gründungsmitglieder die Band verlassen haben, diese aber immer noch aktiv ist.
Als 1996 Sängerin Tamara Danz an Brustkrebs starb, hätte das tatsächlich keiner
mehr für möglich gehalten. Silly ohne
Danz, das ist wie Blondie ohne Debby Harry, wie die Rolling Stones ohne Mick Jagger. Erst 2005, nachdem auch noch der
Schlagzeuger gestorben war, versuchte die
Band ein Comeback. Zunächst mit Gastsängerinnen, später dann mit Loos als festes
Ensemblemitglied. Sofort durfte sie auch
aufs Bandfoto, derweil die dauerhaften
drei Gastmusiker am Schlagzeug, am zweiten Keyboard und Cello, sowie an der zweiten Gitarre offensichtlich trotz ihrer jahrelangen Dauerpräsenz immer noch nicht
richtig zur Band gehören.
Vergleicht man nun aber den Auftritt
der Formation bei Tollwood mit ihren früheren Schallplatten, stellt sich eh die Frage, was überhaupt noch zur Band gehört,
deren Namen der neuen Sängerin ja offensichtlich nicht gar so sehr behagt. Das Konzertprogramm speist sich vorwiegend aus
den beiden neuen Alben, die mit Loos als
neue Sängerin eingespielt wurden. Nur selten fließt mal ein alter Hit ein wie „Bye
Bye“ oder „Asyl im Paradies“. Ansonsten
meidet Loos den stimmlichen Vergleich
mit der früheren Sängerin wie überhaupt
den Stimmungsvergleich mit den alten
Hits. Das mag konsequent sein, immerhin
überzeugen ja auch die neuen Lieder das
vorwiegend ältere Publikum. Der Comeback-Hit „Alles Rot“ zum Beispiel wirkt in
der Zugabe schon wie ein Evergreen.
Konsequenter wäre es aber doch wohl,
die Band gleich als eine neue zu begreifen,
die sich darum auch Die Unkaputtbaren
nennen darf. Freilich könnte man damit
die Aufmerksamkeit der alten Fans verlieren. Aber all zu viele sind auf dem Tollwood-Konzert eh nicht zugegen. Gleichwohl der hintere Zeltbereich schon abgehängt wurde, bleibt der Rest übersichtlich.
Umso ausgelassener feiern allerdings die
verhältnismäßig wenigen Fans ihre Band
und singen von Anfang an kräftig mit:
„Ohoho“, oder nur ein Lied später: „Dududu“. Unkaputtbar.
DIRK WAGNER
Liebe und Last
Die Gärtnerplatz-Jugend geht
dem Thema der Verführung nach
München – „Ich steh’ auf dich.“ Wie
schwer es ist, diesen Satz über die Lippen
zu bringen. Also wird schnell zu Spielchen
der Verführung gegriffen, statt den anderen einfach mal mit Liebe zu überschütten.
So lautet zumindest das Fazit der Gärtnerplatz-Jugend, die in ihrem Stück „Das
1. Mal“ der Verführung auf die Spur kommen will. Unter der Regie von Nicole Claudia Weber, Choreografin und in dieser
Spielzeit Leiterin der Gärtnerplatz-Jugend, ertasten sich die Jugendlichen über
Formen der Anmache und des Flirtens die
großen Themen der Kulturgeschichte.
Der Apfel, prall und rot, als das Symbol
der Verführung darf freilich nicht fehlen.
Adam und Eva verfallen der Schlange,
doch auch an Decamerones Sinnenfreuden denkt man unverwandt, wenn der Dreikäsehoch gleich mit zwei Exemplaren davon hantiert. Schüchtern und schwer verknallt stehen sich Romeo und Julia gegenüber. In ewiger Liebe vereint, ja, davon
träumt der Mädchenchor mit genussvoll
geschlossenen Augenlidern.
Die Szenen stellen die
Unzulänglichkeit von Sprache aus
Sie tanzen, sie singen, sie spielen. Ganz
in schwarz gekleidet und vor einem roten
Samtvorhang agierend, hinter dem sie allein, zu zweit oder in Grüppchen auf- und
wieder abtauchen, sinnieren sie über Sehnsüchte und die ewige Suche nach Nähe. In
einer Collage aus verschiedenen Nummern inszenieren sich die 28 Jugendlichen
selbst unter Zuhilfenahme verschiedenster Textschnipsel (stammen teilweise aus
der Feder des Schriftstellers Raoul Biltgen)
und Musikstücken des 20. Jahrhunderts.
Gefühlsduselei kommt dabei nicht auf.
Dank der ironisch-wissenschaftlichen Moderation wird alles analysiert und reflektiert. Worum geht es heute? Um Abschleppen und Sex? Um traditionelle Rollenbilder, die plötzlich nicht mehr gelten? Um
Weicheier statt Machos, um aktive Frauen,
die sich nehmen, was sie wollen, statt sittsam darauf zu warten, genommen zu werden? Die kurzen Szenen spiegeln vor allem
eines wider: die Unzulänglichkeit von Sprache. Situationen werden ausprobiert, die
richtigen Worte für die großen Gefühle fehlen immer wieder.
So wird auf Gesang und Choreografie
zurück gegriffen. Gerade die Gruppenformationen und die kaleidoskopartige Auflösung wirken stark inspiriert vom Körpertheater jener niederbayerischen Schultheatergruppe des Benedikt-Stattler-Gymnasiums Kötzting, die mit ihren Eigenproduktionen und ihrer Spielweise als Bundessieger des Wettbewerbs der Jugendtheater
2006 und 2008 in Berlin für Furore sorgte.
Auch hier reiht sich Bild an Bild. Auch hier
erfolgt der Umbau statt mit Kulissen über
die Körper als Bewegungs- und Klanginstrumente. Auch hier wird mit jugendlicher Kreativität der Rhythmus des Lebens
gefeiert.
MIRIAM ALTHAMMER
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Woche von 23. bis 29. Juli 2013
Zurück zum Glück Herrscherin
zum Anfassen
Familien Duell Prominenten Special | Daniel
Hartwich moderiert das Comeback des Klassikers
SHOW | FREITAG, 20.15 UHR, RTL – Zum
bislang letzten Mal lief der RTLKlassiker „Familien Duell“ im
Jahr 2003. Dass der Kölner Sender
nun ein „Prominenten Special“ ins
Programm nimmt, sollte einen also
nicht zu falschen Schlüssen verleiten.
Die Sonderausgabe einer etablierten
Show ist dies hier weniger, sondern
vielmehr ein echtes Comeback. Daniel Hartwich hilft beim Wiederbeleben. Der Moderator stellt Quizfragen vom Stil „Wir haben 100 Leute
gefragt, nennen Sie uns ...“.
Im Angesicht schwindender Marktanteile für
Derzeit nicht wegzudenken bei RTL: Daniel
Hartwich führt durch
zwei weitere Shows –
am selben Abend.
FOTO: RTL / S. GREGOROWIUS
Shows wie „DSDS“ und „Das Supertalent“
besinnt sich RTL also auf alte Stärken.
Zwischen 1992 und 2003 lieferte das „Familien Duell“ regelmäßig Traumquoten.
In der Sendung müssen die Spielkandidaten jeweils Antworten bewerten, die sich
bei einer Umfrage zu Alltagsthemen unter
100 Befragten ergeben haben. Häufig ist
dies eine knifflige Angelegenheit – und
auch etwas Glück hat noch nie geschadet.
In der „Promi“-Neuauflage versuchen sich
vier Familien an der Aufgabe – darunter
Schauspieler Uwe Ochsenknecht sowie
zwei bekannte Sendergesichter: Moderatorin Sonja Zietlow und „Let‘s Dance“Juror Joachim Llambi steigen ebenfalls in
den Ring.
Für Moderator Daniel Hartwich ist die
neue Abendshow-Reihe, durch die er führen kann, ein erneuter Vertrauensbeweis
des Senders – aber auch eine Reise in die
eigene Jugend. „Obwohl ich eigentlich
schulpflichtig war, habe ich bedenklich
viele Folgen gesehen“, gab er zu Protokoll.
„Ich hoffe, dass die Leute so viel Spaß an
dem Format haben wie damals.“
Seinem Status als neue RTL„Allzweckwaffe“ wird der Vielbeschäftigte („Let‘s Dance“, „Ich bin ein Star
– Holt mich hier raus!“) auch im Anschluss gerecht: Um 21.15 Uhr moderiert er die im Frühjahr getestete und
nun als Promi-Variante fortgesetzte Show „Cash Crash – VIP Edition“.
Auch hier sind vier Folgen geplant.
Auch bei der zweiten Spieleshow des
Abends legen sich Prominente ins
Zeug, um ihren Gewinn für gute Zwecke spenden zu können. Die Teams
erhalten anfangs jeweils 500.000
Euro und sollten diese möglichst
ohne großen Verlust durch einen beeindruckenden Spielparcours bugsieren. Dabei sind Durchhaltevermögen, Geschicklichkeit und starke
Nerven gefragt. In der neuen Promi-Show treten zum Auftakt Jürgen Milski, Guildo Horn und Jürgen
Drews gegen die Pop-Mannschaft
aus Daniele Negroni, DJ Bobo und
jh
Joelina Drews an.
WALTER KNOLL
"!#
#
# und Liebhaben
Victoria, die junge Königin | Ein opulentes und feinfühliges Kino-Porträt
der britischen Endlos-Regentin
SPIELFILM | MONTAG, 20.15 UHR, ARD – Die
Großmutter Europas wurde sie genannt,
die rundliche, schwarz gekleidete Frau
mit der leicht gebogenen Nase, deren Porträt nicht nur in britischen Geschichtsbüchern prangt: Victoria, Königin von England, Kaiserin von Indien und Herrscherin über das größte Imperium der Welt.
Über 63 Jahre saß die Monarchin auf dem
britischen Thron, länger als alle, die ihr
vorangingen, und alle, die ihr folgten.
Dass diese alte, ehrwürdige Dame einmal
jung war, konnten sich die Menschen wohl
nicht mal zu ihren Lebzeiten vorstellen.
Regisseur Jean-Marc Vallee jedoch schon.
Mit „Victoria, die junge Königin“ (2009)
schuf er ein opulentes Porträt, das einer
Königin würdig ist. In der Reihe „SommerKino im Ersten“ feiert der Film nun
Free-TV-Premiere.
Emily Blunt (Bild: ARD Degeto / GK Films)
spielt die junge Monarchin, die sich den
royalen Respekt erst erkämpfen muss.
Ein Vergleich zu „Elizabeth“ (1998) drängt
sich sowohl historisch als auch filmisch
auf. Während Cate Blanchetts TudorKönigin stets ein eisiger Hauch umwehte,
darf Emily Blunt Wärme in die britische
Monarchie einbringen. Auch ihre Queen
ist entschlossen, aber vor Fehlern nicht
ali
gefeit.
2
Woche von 23. bis 29. Juli 2013
„Natürlich spüre ich so etwas
wie Wehmut“, sagt Michael
Harles. Seit 1999 ist er das
Gesicht der Heimatsendung
„Melodien der Berge“.
FOTO: BR / SESSNER
A
bschied von einer Legende der
volkstümlichen
Musikunterhaltung: „Melodien der Berge“-Mann
Michael Harles moderiert mit einem Alpen-Ausflug ins Alpbachtal, das Brixental
und in die Wildschönau am Samstag, 27.
Juli, 20.15 Uhr, die letzte Sendung dieser
Reihe im Ersten. Danach wird es noch zwei
weitere neue Folgen geben, die allerdings
im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt
werden. Der 59-jährige Münchner, der
auch Mitinhaber einer Film- und Fernsehproduktionsgesellschaft ist, bleibt
seinem Heimatsender BR aber erhalten
– unter anderem als Moderator der Reihe
„Wirtshausgeschichten aus Bayern“. Außerdem möchte Harles nicht ausschließen, dass er mit einem leicht veränderten
Kulturprogramm von alpenländischem
Charme wieder zurückkehren könnte.
Dafür liebt der frühere Philosophiestudent „seine“ Berge doch zu sehr.
SZ: Herr Harles, am 27. Juli werden Sie mit
„Melodien der Berge“ zum letzten Mal im
Ersten zu sehen sein. Wie ist Ihre aktuelle
Stimmungslage?
Michael Harles: Natürlich spüre ich so
etwas wie Wehmut. Und ich bedauere es
sehr, dass wir nicht die Gelegenheit haben, so eine tolle Sendung länger zu präsentieren. Aber ich muss das hinnehmen.
Umso wichtiger ist mir, dass diese Ausgabe klasse sein und es sich lohnen wird,
sie anzusehen. Ich bin stolz, dass wir noch
einmal so eine schöne Sendung gemacht
haben.
Fühlt es sich nicht so an, als ob für Sie eine
Ära zu Ende geht?
Natürlich. Wir haben immer großes Engagement in unsere Arbeit gesteckt – und
gute Qualität abgeliefert. Jetzt rundet
sich etwas. Aber ich glaube, dass unsere
„Das war‘s dann
leider ...“
Ende einer volkstümlichen Ära: Michael Harles moderiert die letzte „Melodien der Berge“-Sendung im Ersten
Themen wie Alpen und Heimat auch in
Zukunft eine große Rolle spielen werden.
Vielleicht sagt man sich ja in zwei Jahren:
Mensch, es wäre doch gut, so ein Format
wieder aufzunehmen! Ich bin gar nicht so
pessimistisch.
Inwiefern?
Das Thema der Sendung liegt ja im Trend
der Zeit, wenn man sich nur Zeitschriften
wie „Landlust“ ansieht, die sich bestens
verkaufen. Ich halte es für wichtig, den
großen Kulturraum der Alpen weiter zu
bespielen.
„Mir ist in den Alpen nie
langweilig geworden“
Sie haben viele Menschen im Alpenraum
getroffen – womit kann man Sie noch beeindrucken?
Mich beeindrucken Menschen, die etwas
zum Glühen bringen. Weil sie mit ihrer
Lebensform und dem, was sie herstellen,
ganz in sich selbst aufgehen. Außerdem
beeindruckt mich die Ruhe, die sich auf
unseren Reisen oft einstellt – selbst bei
ziemlich hektischen Dreharbeiten. Wenn
ich in den Bergen bin, komme ich inner-
lich zur Ruhe. Das Leben vollzieht sich
dort einfach in einem etwas langsameren
Rhythmus als in der Stadt.
Haben Sie nicht langsam das Gefühl, jeden
Winkel der Berge zu kennen?
Erstens wird man es nie schaffen, alle
Alpentäler kennenzulernen – vor allem
weil es ja auch so viele gibt, in denen nicht
Deutsch gesprochen wird und sie deswegen nicht Thema unserer Sendung sind.
Zweitens mache ich sehr gerne am Meer
Urlaub. Aber in die Berge zieht es mich
einfach immer wieder. Sie liegen für mich
so nahe, dass ich auch mal am Wochenende hinfahren kann. Außerdem geht es
nicht darum, ein Tal zu kennen. Auch ich
lerne immer neue Aspekte, immer neue
Menschen und neue Lichtstimmungen
kennen, wenn ich in vermeintlich vertraute Gegenden komme – wie nun an den
Wilden Kaiser. Mir ist in den Alpen noch
nie langweilig geworden.
Wo liegt denn Ihr Lieblingsort, an den Sie
immer wieder zurückkehren können?
Mir geht es wie den meisten Zuschauern:
Ich fahre am liebsten nach Südtirol. Wenn
wir Sendungen aus dieser Region zeigten,
hatten wir immer die höchsten Einschalt-
quoten. Seit Goethe ist die Sehnsucht
nach dem Süden unter Deutschen eben
groß: Dort ist die Luft milder und das Leben ein bisschen leichter. Das beginnt ja
schon mit dem ersten guten Kaffee, den
man zu trinken bekommt, wenn man den
Alpen-Hauptkamm überquert. Und die
Natur dort – mit den Dolomiten – ist einfach fabelhaft. Aber ich bin auch gern im
Salzkammergut, etwa am Wolfgangsee.
„Solche Sendungen
bewegen die Menschen“
Im Bayerischen Fernsehen folgen im
Herbst noch zwei weitere „Melodien der
Berge“-Ausgaben. Neue werden dann
nicht mehr gedreht, oder?
In diesem Jahr wird auf jeden Fall nichts
mehr gedreht. Das war‘s dann leider. Im
nächsten Jahr werden sicher noch Sendungen zu sehen sein – aber eben keine
neuproduzierten mehr.
Sie wechseln jetzt aber nicht zu Servus
TV?
Sagen wir es mal so: Ich kämpfe natürlich
um meine Sendung (lacht). Und ich bin ein
Kind des BR. Über lange Jahre bin ich nie
fremdgegangen. Gerne würde ich wieder
ein Format wie „Melodien der Berge“ bei
meinem Haussender machen. Die neue
Sendung könnte ja einen etwas anderen
Charakter haben, aber inhaltlich mit Natur und Kultur zu tun haben. Vielleicht ergibt sich ja die Möglichkeit, so etwas beim
BR zu machen. Ich finde, Servus TV macht
vieles, was der BR auch machen und wieder aufgreifen sollte. Meiner Überzeugung nach berühren solche Sendungen
die Menschen.
rupert sommer
Melodien der Berge | Samstag, 20.15 Uhr, ARD
„Bock auf Entdeckungen“
Anke hat Zeit | Anke Engelke nimmt sich Helge Schneiders WDR-Show an
Will bei der Suche nach „heißem Scheiß und cooler Kunst“ behilflich sein: „Anke hat Zeit“FOTO: WDR / M. GRANDE
Gastgeberin Anke Engelke.
UNTERHALTUNG | SAMSTAG, 22.45 UHR, WDR –
Man sieht ganz richtig. Die nach nur zwei
Folgen eingestellte WDR-Kulturshow
„Helge hat Zeit“ wird nun also doch fortgesetzt. Allerdings nicht mehr mit Helge
Schneider als Namens- und Gastgeber.
„Wenn Helge keine Zeit hat, übernehme
ich gern“, freut sich Anke Engelke über
das Formaterbe. Inhaltlich soll‘s beim
Gewohnten bleiben, auch der Sendetitel
wurde nur marginal geändert: „Anke hat
Zeit“.
Nach der Auftaktfolge wird die Reihe, in
der sich Kulturschaffende in Wohnzim-
meratmosphäre zum ungezwungenen
Plausch einfinden, im Herbst in loser Taktung fortgesetzt, dann erneut samstags,
zu später Stunde, um 22.45 Uhr.
„Das ist eine Sendung ohne Angst, dafür
mit Bock auf Entdeckungen“, umreißt die
47-Jährige Moderatorin das betont lockere Konzept der Show. „Wenn ich pro Sendung wie damals bei Helge dreimal rufe:
‚Kauf ich, geh ich hin, muss ich mir merken!‘ , ist das doch astrein. Dann ist das
eine Sendung, die mir auf der Suche nach
guter Musik, heißem Scheiß und cooler
sza
Kunst behilflich ist.“
3
Woche von 23. bis 29. Juli 2013
Die „Teen Wolf“-Stars Holland Roden, Colton Haynes, Dylan O‘Brien, Crystal Reed, Tyler Posey und Tyler Hoechlin (von links) lassen junge Herzen schneller schlagen.
FOTO: RTL II
Bis(s) zur Vollmondnacht
Teen Wolf | RTL II zeigt einen US-Serienhit, der wohl nicht ganz zufällig an die erfolgreichste Teenager-Kinosaga der letzten Jahre erinnert
SERIE | SAMSTAG, 20.15 UHR, RTL II – Mit der
gleichnamigen Kino-Komödie aus dem
Jahr 1985 hat die US-Serie „Teen Wolf“
nicht viel gemein. Viel eindeutiger orientiert sich Regisseur Russel Mulcahy
(„Highlander“, „Resident Evil: Extinction“) an der im Kino extrem erfolgreichen „Twilight“-Vampirsaga. Und das mit
Erfolg.
Mit „Teen Wolf“ angelte sich RTL II ein
angesagtes US-Format. Der Münchner
UNTERHALTUNG | MONTAG, 21.05 UHR, HISTORY
– Berlin-Rummelsburg, Hauptstraße.
Die Sonne scheint, die Adresse stimmt,
aber wo bitte geht‘s hier zum ... „Fernsehen? Hier? Nee, hier gibt‘s keen Fernsehen“, antwortet der perplexe Blaumannträger, ohne zu ahnen, dass seine
Worte keine zehn Meter weiter um die
Ecke widerlegt werden.
Nein, auf die Idee, dass ausgerechnet
hier, in südöstlicher Nachbarschaft
zur nervigen Bahn-Großbaustelle
Ostkreuz, der Drehort für eine
TV-Serie zu finden ist, kommt
man wirklich nicht zwingend.
Angeranzte Industrietristesse,
wohin das Auge blickt. Doch,
wie so oft in „arm, aber sexy“Berlin, lohnt es sich, genauer
hinzuschauen. Inmitten der
grauen Fassaden und rostigen
Garagentore werden feuchte Autoträume wahr: Es ist der Schauplatz einer neuen Schrauber-Serie, die
Sender zeigt die Mystery-Serie immer
samstags, 20.15 Uhr, in Blöcken von drei
Folgen am Stück. Die Story dürfte auch
hierzulande beim jüngeren Publikum ankommen.
Der Held der Serie heißt Scott McCall (Tyler Posey) und sieht selbstverständlich
unverschämt gut aus. Trotz seines blendenden Äußeren bleibt ihm an seiner High
School zunächst nur die Außenseiterrolle.
Das ändert sich gewaltig, als Scott nachts
im Wald gebissen wird. Ein Vampir ist weit
und breit nicht in Sicht. Das macht aber
auch nichts. Den Job übernimmt eben ein
Werwolf.
In der Folge entwickelt der Gebissene ungeahnte Kräfte. Er steigt auf von der Niete zum Star in der Lacrosse-Mannschaft.
Die Mädchen sind fortan ganz verrückt
nach ihm. Und doch hat der neue Held an
der Schule nur Augen für die ebenso wunderschöne Allison (Crystal Reed). Das Pro-
Schrauber, Sammler ... Popstars?
Rost‘n‘Roll - Kasis Werkstattgeschichten | Der Pay-TV-Sender History
präsentiert erwartungsfroh seine erste eigenproduzierte Sendung
blem allerdings: Scott muss noch lernen,
mit seinen neuen übernatürlichen Kräften zurechtzukommen. Und vor allem: In
Vollmondnächten sollte sein Blut nicht in
Wallung geraten ...
Ob nun Vampire wie bei „Twilight“ oder
Werwölfe wie hier: Wenn Mystery auf
Teenie-Romantik trifft, lässt sich das junge US-Publikum leicht begeistern. „Teen
Wolf“ läuft in den Staaten bereits in der
as
dritten Staffel.
der Pay-TV-Sender History ab Montag,
29. Juli, im Programm hat.
Der Hof nebst Garage, Werkstatt und
pickepackevollem Sammlerfundus ist
das Reich von Kasi (Bild: teleschau / F.
Rauscher), Lars und Christian, drei KfzExperten, die ihre gemeinsame Leidenschaft für betagte Automobile zu Freunden gemacht hat – und zu Helden eines
bemerkenswerten Stücks Echte-LeuteFernsehen. „Rost‘n‘Roll – Kasis Werkstattgeschichten“ ist die erste eigenproduzierte Serie des Senders History und
eine liebenswerte Mixtur aus knuffigen Typen, dramaturgischem Witz und
pfiffig eingestreuten Lektionen in Geschichte.
Senderchef Dr. Andreas Weinek hat
sogar vor, die Doku-Protagonisten
„zu Popstars“ zu machen. „Die
Fans sollen sich Poster von denen
fr
ins Zimmer hängen!“
www.history.de/kasi
Einblicke
Harro Füllgrabe scheut auf seinen Reisen keine Gefahr.
FOTO: PROSIEBEN / MAXIMUS FILM GMBH
Weltreisender des
Wundersamen
Premiere am
Grünen Hügel
So weit kann es ein Studienabbrecher
bringen: Das mit der Sportpublizistik ließ
Harro Füllgrabe sein, zum TV-Reporter
hat er es trotzdem gebracht. Heute macht
der 38-Jährige das, was viele als Traumjob bezeichnen würden: Er versorgt die
ProSieben-Wissenssendung
„Galileo“
(werktags, 19.05 Uhr) mit Beiträgen
aus der Welt der Kuriositäten. Für die
„Galileo“-Rubrik „Mission Wissen Weltweit“ ist Füllgrabe auf dem ganzen Erdball unterwegs, immer auf der Suche nach
spektakulären Bildern und Geschichten.
Nun hebt ProSieben erneut ein „Mission
Wissen Weltweit“-Best-of ins Programm:
Der Sender zeigt am Sonntag, 28. Juli,
10.55 Uhr, „Harros verrückte Reise um die
as
Welt“.
Mit dem „fliegenden Holländer“ wird
just am 25. Juli die 102. Spielzeit der Bayreuther Festspiele eröffnet. Als „einen der
Höhepunkte im Wagner-Jahr 2013“ überträgt das Erste die Wiederaufnahme von
2012 (Regie: Jan Philipp Gloger, musikalische Leitung: Christian Thielemann) zeitversetzt am selben Tag, um 22.15 Uhr. Bei
der Premiere im vergangenen Jahr überzeugte die Inszenierung der Geschichte
vom „Fliegenden Holländer“, der durch
die Welt irren muss, bis er eine Frau findet,
die ihn durch ihre Liebe erlöst, trotz eines
vorausgegangenen Skandals. Der Koreaner Samuel Youn übernahm kurzfristig
die Titelrolle – der russische Bassbariton
Evgeny Nikitin war wegen einer TattooJugendsünde suspendiert worden. gel
4
Woche von 23. bis 29. Juli 2013
Fernsehprogramm, Dienstag, 23. Juli
ARD
ZDF
BR
RTL
SAT.1
ProSieben
VOX
5.30 C ZDF-Morgenmagazin
9.00 . Tagesschau
9.05 C Rote Rosen Q
9.55 C Sturm der Liebe Q
10.45 C Brisant Q
11.00 . Tagesschau
11.05 ARD-Buffet
U.a.: Zuschauerfragen zum
Thema: Pflege Außenbereich – Gartenmöbel,
Markisen und Terrasse
12.00 . Tagesschau
12.15 ARD-Buffet L 11.05
13.00 C ZDF-Mittagsmagazin
14.00 . Tagesschau
14.10 C Rote Rosen
15.00 . Tagesschau
15.10 C Sturm der Liebe
16.00 . C Tagesschau
16.10 C Panda, Gorilla & Co.
17.00 . C Tagesschau
17.15 C Brisant
18.00 C Verbotene Liebe
18.50 Heiter bis tödlich – Morden
im Norden Krimiserie
19.45 C Wissen vor acht –
Zukunft Magazin
19.50 C Wetter vor acht
19.55 C Börse vor acht
5.30 C ZDF-Morgenmagazin
9.00 . heute
9.05 Volle Kanne –
Service täglich
10.30 Notruf Hafenkante
Actionserie
11.15 SOKO Köln
Krimiserie
12.00 . heute
12.10 drehscheibe Deutschland
13.00 C ZDF-Mittagsmagazin
14.00 heute – in Dt.
14.15 Die Küchenschlacht
15.00 . C heute
15.05 Topfgeldjäger
16.00 . C heute – in Europa
16.10 C SOKO Kitzbühel
Krimiserie.
Heute: Todesmelodie
17.00 . C heute
17.10 C hallo deutschland
17.45 C Leute heute
18.05 C SOKO Köln
Krimiserie. Heute: Helden
19.00 . C heute
19.20 C Wetter
19.25 C W Die Rosenheim-Cops
Krimiserie. Heute: Der
Schlüssel zum Tod
6.00 Grundkurs Englisch
6.30 Adam, Eva und die Evolution
7.00 Playtime
7.15 Tele-Gym
7.30 . Panoramabilder /
Bergwetter
9.00 Tele-Gym
9.15 C Seehund, Puma & Co.
10.05 C Lebenslinien Q
10.50 Weiß Blau – Unsere Namen
11.20 C Rote Rosen
12.10 C Sturm der Liebe
13.00 Verrückt nach Meer
L 12.59 Dokureihe
13.55 Freizeit-Tipp
14.00 C W Dahoam is Dahoam Q
14.30 . C Familie Sonnenfeld – Glück im Unglück
TV-Komödie (D, ‘07)
Mit Marion Kracht, Helmut
Zierl, Jonas Laux
16.00 C Skizzen aus Spanien
16.45 . Rundschau
17.00 C Traumpfade
17.30 Regionales
18.00 C Abendschau
18.45 . C Rundschau
19.00 C Gesundheit!
19.45 C W Dahoam is Dahoam
5.35 Explosiv Q
6.00 Punkt 6
7.30 Alles, was zählt Q
8.00 Unter uns Q
8.30 Gute Zeiten,
schlechte Zeiten Q
9.00 Punkt 9
9.30 Familien im Brennpunkt
10.30 Familien im Brennpunkt
11.30 Unsere erste
gemeinsame Wohnung
12.00 Punkt 12
14.00 Die Trovatos – Detektive
decken auf
15.00 Verdachtsfälle
Doku-Serie
16.00 Familien im Brennpunkt
Doku-Serie
17.00 Betrugsfälle
17.30 Unter uns
Unterhaltungsserie
18.00 Explosiv
(oder Regionalfenster)
18.30 Exclusiv
18.45 . RTL aktuell
19.05 Alles, was zählt
Unterhaltungsserie
19.40 Gute Zeiten, schlechte
Zeiten Unterhaltungsserie
5.30 Frühstücksfernsehen
Moderation: Simone
Panteleit, Karen Heinrichs,
Jan Hahn, Matthias Killing
10.00 Schicksale – und plötzlich
ist alles anders
10.30 Schicksale – und plötzlich
ist alles anders
11.00 Richterin Barbara Salesch
Gerichtsshow
12.00 Richter Alexander Hold
Gerichtsshow
13.00 Richter Alexander Hold
14.00 Familien-Fälle
Doku-Soap
15.00 Familien-Fälle
16.00 Familien-Fälle
17.00 Mein dunkles Geheimnis
Doku-Soap
17.30 Schicksale – und plötzlich
ist alles anders
18.00 T Navy CIS
Krimiserie.
Heute: Unplugged
19.00 T Navy CIS
Krimiserie.
Heute: Kinderspiel
19.55 . Sat.1 Nachrichten
Moderation: Heiko Paluschka
6.25 Malcolm mittendrin
6.55 What’s up, Dad?
7.20 What’s up, Dad?
7.45 Scrubs – Die Anfänger Q
8.10 Scrubs – Die Anfänger Q
8.40 Two and a Half Men Q
9.10 Two and a Half Men Q
9.40 The Big Bang Theory
10.05 The Big Bang Theory Q
10.35 The Big Bang Theory Q
11.00 How I Met Your Mother Q
11.25 How I Met Your Mother Q
11.55 How I Met Your Mother Q
12.20 Scrubs – Die Anfänger
12.45 Scrubs – Die Anfänger
13.10 Two and a Half Men
13.40 Two and a Half Men
14.10 The Big Bang Theory
14.35 The Big Bang Theory
15.05 The Big Bang Theory
15.35 How I Met Your Mother
16.00 How I Met Your Mother
16.30 How I Met Your Mother
17.00 taff
18.00 . Newstime
18.10 Die Simpsons
19.05 Galileo
Gefahr am Strand –
Bomben in der Ostsee
5.40 Mieten, kaufen, wohnen
6.45 Mieterzoff
7.45 Unter Beobachtung
Doku-Soap Q
8.45 Verklag mich doch!
9.50 Hilf mir doch!
10.55 . vox nachrichten
11.00 Vier Hochzeiten und eine
Traumreise
12.00 Shopping Queen
Doku-Soap Q
13.00 Verklag mich doch!
Pflegeeltern unter Beschuss
14.00 Hilf mir doch!
Der Hochzeitsblues
15.00 Shopping Queen
Motto in Leipzig: „Jeans
Queen – finde deinen
perfekten Denimlook!“
16.00 Vier Hochzeiten und eine
Traumreise Tag 2: Meral
und Baris/Uhingen
17.00 Mieten, kaufen, wohnen
18.00 Mieten, kaufen, wohnen
19.00 Das perfekte Dinner
Tag 2: Mona-Susann (32).
Hauptspeise: Chicken Tikka,
Paneer Butter Masala, dazu
gebratener Reis Tierärztin Dr. Mertens
Susanne (Elisabeth Lanz) möchte
verhindern, dass die Kuh Mathilda
gekeult wird. Sie veranlasst eine
Vergleichsprobe.
20.15
Unter anderen Umständen
Der Routinefall einer toten Krankenschwester wird für Kommissarin Winter (Natalia Wörner) zur
gefährlichen Schnitzeljagd. 20.15
Alpenglühen
Hannes (Götz George) erfüllt der
Almbäuerin Rosa (Christiane Hörbiger) ihren sehnlichsten Wunsch,
einmal das Meer zu sehen. 20.15
Bones – Die Knochenjägerin
Booth (David Boreanaz) untersucht
die Überreste eines Mafia-Bosses,
der nach sechs Jahren in einem See
gefunden wurde.
20.15
Buschpiloten küsst man nicht
Die Ärztin Maria (Alexandra Neldel)
erkennt, dass die Bewohner des
afrikanischen Dorfes nicht durch
das Wasser krank werden. 20.15
Two and a Half Men
Waldens (Ashton Kutcher) Ex-Geschäftspartner Billy nimmt wieder
zu ihm Kontakt auf, weil er eine
neue Milliardenidee hat.
20.15
Abgewürgt und ausgebremst
Jill muss mit ihrem Vater Michael
Römer auf dem Beifahrersitz
das kostspielige Gefährt an den
Hütchen vorbeischleusen. 20.15
20.00 . C Tagesschau
20.15 C W Tierärztin Dr. Mertens Tierarztserie.
Heute: Blinder Alarm
21.00 C W In aller Freundschaft
Arztserie. Heute: Mütter.
Die Mosterei Wittig ist ein
Traditionsunternehmen. Nun
muss die Chefin Dörte Wittig
ihrer Angestellten Antje
Schmitz fristlos kündigen. Die
Situation regt Dörte so auf,
dass sie zusammenbricht.
21.45 . C Report Mainz
22.15 . Tagesthemen
22.45 C W Unter Männern
Dokumentarfilm (D, ‘12)
Schwul in der DDR.
Mit Jürgen Wittdorf,
Christian Schulz, Helwin
Leuschner, Eduard Stapel,
Frank Schäfer, John Zinner,
Jürgen Lemke 0
0.15 . Nachtmagazin
0.35 T C Das große Kleinkunstfestival 2013 Show.
Moderation: Dieter Nuhr.
Mit Michael Krebs, Thomas
Fröschle, Ingo Appelt.
Aus dem Berliner KabarettTheater „Die Wühlmäuse“
1.05 . Immer Ärger mit Harry
Krimikomödie (USA, ‘55)
Mit Edmund Gwenn
2.45 C W Unter Männern
Dokumentarfilm (D, ‘12) Q
20.15 . C Unter anderen
Umständen Krimi (D, ‘09)
Heute: Auf Liebe und Tod
21.45 C heute-journal
22.15 C 37° – Sag’ bitte ja!
Dokumentation. Der Antrag
meines Lebens 0
22.45 Abenteuer Forschung
Zwischen Ekel und Genuss:
Das rätselhafte Reich der
Sinne. Heuschrecken und
Insekten auf dem Mittagstisch – ist das die Zukunft?
Wir haben andere kulinarische Vorlieben, und das
hat seinen Grund. Vielleicht
steht in unseren Küchen
aber ein Kulturwandel an.
23.15 Markus Lanz
Talkshow
0.30 . heute nacht
0.45 . Neu im Kino
„La grande bellezza“
von Paolo Sorrentino
0.50 . T C Fear – Wenn Liebe
Angst macht Psychothriller
(USA, ‘96) Mit Mark Wahlberg, Reese Witherspoon,
William Petersen.
Regie: James Foley
2.20 C SOKO Köln
Krimiserie. Heute: Helden Q
3.05 C W Die Rosenheim-Cops
Krimiserie Q
3.50 C SOKO Kitzbühel
Krimiserie Q
20.15 . C Alpenglühen L 20.14
TV-Komödie (D, ‘03)
Mit Christiane Hörbiger, Götz
George, Peter Sattmann.
Regie: Hajo Gies. Hier glühen
die Gipfel vor Vergnügen.
21.45 C Rundschau-Magazin
22.00 Zu Gast in Frankreich
L 21.59 Reportagereihe.
Unterwegs in der Bretagne
22.45 . Die Akte „USA gegen
John Lennon“ L 22.44
Dokumentarfilm (USA, ‘06)
Ende der 1960er Jahre beginnt die politische Radikalisierung von John Lennon an
der Seite seiner neuen Liebe
Yoko Ono. Der Dokumentarfilm zeichnet engagiert
und höchst spannend diese
Entwicklung nach.
0.20 . RundschauNacht L 23.50
0.30 . Backbeat L 0.00
Musikfilm (GB/D, ‘94)
Mit Stephen Dorff, Ian Hart,
Sheryl Lee. Regie: Iain Softley.
Ein Muss für Beatles-Fans.
2.05 C W Dahoam is Dahoam
L 1.35 Unterhaltungsserie Q
2.35 Planet Erde L 2.05
Dokumentationsreihe.
Westaustralien: Pilbara
2.40 C Querbeet L 2.10 Q
3.25 C Gesundheit! L 2.55
Magazin Q
20.15 T Bones – Die Knochenjägerin Krimiserie.
Heute: Leichen im Labor
21.15 T Bones – Die Knochenjägerin Krimiserie.
Heute: Die Frau im Tunnel
22.15 T The Glades
Actionserie.
Heute: Land und Liebe
23.10 T Person of Interest
Dramaserie. Heute: Blutrache. Die Maschine hat die
Sozialversicherungsnummer
von Megan Tillman, einer
Medizinerin, ausgeworfen.
Reese übernimmt die
Überwachung der Ärztin, um
herauszufinden, ob sie Täter
oder Opfer sein wird.
0.00 . RTL Nachtjournal
0.30 T Bones – Die Knochen
jägerin Krimiserie.
Heute: Leichen im Labor Q
1.25 T Bones – Die Knochenjägerin Krimiserie.
Heute: Die Frau im Tunnel Q
2.15 T Person of Interest
Dramaserie.
Heute: Blutrache Q
3.00 . RTL Nachtjournal Q
3.30 Betrugsfälle
Doku-Soap
3.55 Die Trovatos – Detektive
decken auf Doku-Soap
4.45 Verdachtsfälle
Doku-Soap
20.15 . T Buschpiloten küsst
man nicht TV-Komödie
(D, ‘10) Mit Alexandra Neldel,
Max von Thun, Julian Weigend. Regie: Christian Theede.
Misslungener Genremix vor
der Kulisse Afrikas.
22.20 akte 20.13 – Reporter
kämpfen für Sie! Magazin
23.25 24 Stunden
Reportagereihe. Rademacher und Koch – Aufmachen,
Zollkontrolle! (5)
0.25 24 Stunden
Reportagereihe. Blaulicht im
Rotlicht – Tatort: Frankfurt
Hauptbahnhof. Rund um
den Hauptbahnhof ist immer
was los, besonders in Frankfurt/Main: Junkies, Dealer,
Huren, Stricher, Betrunkene,
Verwirrte, Obdachlose – und
mittendrin die Polizei.
1.25 T Navy CIS
Krimiserie.
Heute: Unplugged Q
2.05 T Navy CIS
Krimiserie.
Heute: Kinderspiel Q
2.45 akte 20.13 – Reporter
kämpfen für Sie! Magazin Q
3.35 Schicksale – und plötzlich
ist alles anders Q
4.00 Familien-Fälle
Doku-Soap Q
4.45 Familien-Fälle Q
20.15 T Two and a Half Men
Comedyserie.
Heute: Das Zahnfleisch eines
Zwanzigjährigen
20.45 Two and a Half Men
Comedyserie.
Heute: Wohin mit Wanda?
21.15 T 2 Broke Girls
Comedyserie. Heute: Der
blinde Fleck. Um mehr Geld
für ihr Cupcake-Geschäft zu
verdienen, nehmen Max und
Caroline einen Job als Putzfrauen in Sophies Firma an.
Die verwöhnte Caroline hat
leider von Hausarbeit nicht
die geringste Ahnung.
21.40 T 2 Broke Girls
Comedyserie.
Heute: Gebrochene Herzen
22.10 T Mike & Molly
Comedyserie.
Heute: Samuel fliegt raus
22.35 T Mike & Molly
Comedyserie.
Heute: Männergespräche
23.05 T Two and a Half Men
Comedyserie Q
0.05 T 2 Broke Girls
Comedyserie Q
1.00 T Mike & Molly
Comedyserie Q
1.50 Was nicht passt, wird passend gemacht! Comedyserie
2.45 . Spätnachrichten
2.50 talk talk talk
20.00 Prominent!
Magazin
20.15 Abgewürgt und ausgebremst Deutschlands
schlechtester Autofahrer
21.15 Goodbye Deutschland!
Die Auswanderer
Reportagereihe
23.20 Die Küchenchefs
Doku-Soap. La Toscana,
Bremen. Im Bremer
Restaurant „La Toscana“
schicken Mario Kotaska und
Martin Baudrexel zum ersten
Mal in der Geschichte der
Doku-Soap ein Sondereinsatzkommando als Vorhut
zum Testessen.
0.20 . vox nachrichten
0.40 I CSI: NY
Krimiserie.
Heute: Irisches Blut Q
1.35 I CSI: NY
Krimiserie. Heute: Die
Schlafwandlerin Q
2.15 Continuum
Sci-Fi-Serie.
Heute: Doppeltes Spiel Q
3.00 I CSI: NY
Krimiserie.
Heute: Unter Strom Q
3.40 Medical Detectives
Dokumentationsreihe.
Feinde im eigenen Haus
4.30 Schneller als die Polizei
erlaubt Doku-Soap Q
kabel eins
Tele 5
RTL II
Sky Cinema
6.55 Abenteuer Alltag – so leben
wir Deutschen 7.25 Abenteuer
5.45 Joyce Meyer – Das Leben genießen Q 6.25 Reich und schön Q
6.55 Dauerwerbesendung 7.25
5.45 Baywatch – Die Rettungsschwimmer von Malibu 6.30 Bay-
6.05
.
Case – Kein Opfer ist je vergessen
Q 12.50 Castle Q 13.45 Charmed
14.45 Ghost Whisperer – Stimmen
aus dem Jenseits 15.40 Cold Case –
Kein Opfer ist je vergessen 16.40
. News 16.50 Castle 17.45 Abenteuer Leben – Täglich neu entdecken 18.55 Achtung, Kontrolle!
Einsatz für die Ordnungshüter
Joyce Meyer – Das Leben genießen
7.55 Missionswerk Karlsruhe 8.00
Dauerwerbesendung 13.30 Star
Trek – Das nächste Jahrhundert
Q 14.20 Beastmaster – Herr der
Wildnis 15.15 Relic Hunter – Die
Schatzjägerin 16.10 Xena 17.10
Star Trek – Das nächste Jahrhundert Sci-Fi-Serie. Heute: Riker: 2
= ? 18.10 Star Trek – Raumschiff
Voyager Sci-Fi-Serie. Heute: Der
Schwarm 19.10 Star Trek – Raumschiff Voyager Sci-Fi-Serie
watch – Die Rettungsschwimmer
von Malibu 7.15 Baywatch – Die
Rettungsschwimmer von Malibu
8.05 Die Schnäppchenhäuser 9.05
Frauentausch Heute tauschen
Claudia (45) und Franziska (24) die
Familien 11.05 Family Stories Hilfe, ich werde überwacht! (3) 12.00
Köln 50667 Q 13.00 Berlin – Tag
& Nacht Q 14.00 Der Trödeltrupp
15.00 Der Trödeltrupp 16.00 Privatdetektive im Einsatz 17.00
X-Diaries Doku-Soap 18.00 Köln
50667 19.00 Berlin – Tag & Nacht
Algebra in Love Komödie
(USA, ‘11) 7.45 . Frisch gepresst
Komödie (D, ‘12) 9.20 . Cheerful
Weather for the Wedding Komödie
(GB, ‘12) 10.55 . Zettl – Unschlagbar charakterlos Komödie (D, ‘12)
12.45 . Die Königin und der Leibarzt Drama (DK/S/CZ, ‘12) 15.00 .
Was passiert, wenn’s passiert ist
Liebeskomödie (USA, ‘12) 16.50 .
Frisch gepresst Komödie (D, ‘12)
Mit Diana Amft, Tom Wlaschiha,
Alexander Beyer. Regie: Christine
Hartmann 18.30 . Algebra in Love
Komödie (USA, ‘11) Mit Greta Gerwig, Megalyn Echikunwoke
20.15 Rosins Restaurants
Ein Sternekoch räumt auf!
„Fellini“ in Palma
22.25 K1 Magazin
Mod.: Kim Heinzelmann
23.30 Abenteuer Leben
Magazin. Der halbe Kochtopf
in Spanien Q
1.25 K1 Magazin Q
2.25 The Unit – Eine Frage der
Ehre Actionserie.
Heute: Unauffindbar
3.10 The Unit – Eine Frage der
Ehre Actionserie.
Heute: Die schöne Witwe
3.50 Las Vegas
Unterhaltungsserie.
Heute: Big Ed baut ab
4.30 Las Vegas
Unterhaltungsserie. Heute:
Über den Tisch gezogen
20.15 . The Good German
Drama (USA, ‘06)
Mit George Clooney, Tobey
Maguire, Cate Blanchett.
Regie: Steven Soderbergh.
Optisch brillante Hommage
an „Der dritte Mann“.
22.25 . Streets of Philadelphia –
Unter Verrätern Thriller
(USA, ‘06) Mit James Marsden, Brian Dennehy, Leo
Rossi. Regie: Robert Moresco. Packende Aufarbeitung
eines Gewissenskonflikts.
0.40 . Die Rembrandt-Connection TV-Thriller (GB/USA/
H, ‘95) Mit Pierce Brosnan,
Alexandra Paul, William
Devane. Regie: D. Jackson
2.45 . The Good German
Drama (USA, ‘06) Q
20.00 . RTL II News
20.15 Zuhause im Glück
Doku-Soap. Unser Einzug in
ein neues Leben
22.05 RTL II Spezial. Das Magazin
23.00 Außergewöhnliche
Menschen Reportagereihe.
Leben mit Akne Inversa
23.55 Stan Lee’s Superhumans
Dokumentationsreihe
0.50 Ärger im Revier
Auf Streife mit der Polizei
1.40 Ärger im Revier
Auf Streife mit der Polizei
2.25 Privatdetektive im Einsatz
Und raus bist Du / Krawall
im Jugendheim Q
3.10 RTL II Spezial.
Das Magazin Q
4.00 Außergewöhnliche Menschen Reportagereihe Q
20.10 Zapping
20.15 . T D Ice Age 4 – Voll
verschoben Animationsfilm
(USA, ‘12). Regie: Steve
Martino, Mike Thurmeier. Ein
Fest der Fantasie. Auch der
vierte Teil zeigt noch keine
Ermüdungserscheinungen.
21.40 . Making of...
21.50 . T D Paranorman
Animationsfilm (USA, ‘12)
Regie: Chris Butler, Sam Fell
23.25 . T D Act of Valor
Actionfilm (USA, ‘12)
Mit Roselyn Sanchez,
Alex Veadov, Jason Cottle.
Regie: S. Waugh, M. McCoy
1.15 . T D Was passiert,
wenn’s passiert ist
Liebeskomödie (USA, ‘12)
Mit Cameron Diaz
Alltag – so leben wir Deutschen
8.00 Unsere kleine Farm 9.00 Ein
Engel auf Erden 10.00 Charmed Q
11.00 Ghost Whisperer – Stimmen
aus dem Jenseits Q 11.55 Cold
Super RTL
Kika
ORF 2
12.30 Camp Sumpfgrund 12.45
Disneys Tauschrausch Q 13.10
9.10 Siebenstein 9.35 Kikaninchen
9.40 1, 2 oder 3 Detektive und Spione 10.05 Yakari 11.05 Kein Keks
für Kobolde 12.15 Der kleine Prinz
(2) 13.20 Enyo 14.10 Schloss Einstein 15.00 Die Mädchen-WG 15.25
Das Surfcamp Ankunft in Moliets
15.50 H2O – Plötzlich Meerjungfrau 16.20 Stoked Animationsserie
17.05 High 5 – Auf Siegestour –
Fünf Basketballer träumen vom
Pokal Animationsserie. Heute: Das
Spiel im Voodoo-Haus / Die Schachspieler17.50 Der kleine Nick Zeichentrickserie. Heute: Das Fahrradrennen / Ich geh weg von zu Hause
9.00 . ZIB 9.05 Frisch gekocht mit
Andi und Alex Q 9.30 Schlosshotel
Orth 10.15 Kommissar Rex 11.00
Sturm der Liebe Q 11.50 Thema Q
12.35 Newton 13.00 . ZIB 13.15
heute mittag 14.00 Frisch gekocht
mit Andi und Alex 14.25 Hanna –
Folge deinem Herzen 15.10 Sturm
der Liebe 16.00 Die Barbara-Karlich-Show 17.00 . ZIB 17.05 heute österreich 17.30 heute leben
18.30 heute konkret 18.51 heute
infos und tipps 19.00 Bundesland
heute 19.22 Money Maker Show
19.30 . Zeit im Bild 19.49 Wetter
19.55 . Sport aktuell
20.15 . C Mr. Präsident junior
Komödie (USA, ‘96)
Mit Sinbad, Brock Pierce,
Blake Boyd. Regie: David
Mickey Evans
22.15 Friends
Comedyserie. Heute: Ein
Fleck mit Folgen.
Mit Jennifer Aniston
22.45 Friends
Comedyserie.
Heute: Zieh dich aus, Baby!
23.15 Immer wieder Jim
Comedyserie.
Heute: Traurige Zeiten
23.45 Immer wieder Jim
Comedyserie. Heute: Jims
Aggressionstherapie
0.20 Shop24Direct Schlagernacht
Magazin
3.55 Nachtprogramm
18.15 Der Regenbogenfisch
Zeichentrickserie. Heute:
Regenbogen schummelt /
Opas alte Geschichten
18.40 Franklin – Eine Schildkröte
erobert die Welt
Zeichentrickserie.
Heute: Franklins Geschenk
18.50 Unser Sandmännchen
19.00 I Der kleine Prinz
Animationsserie.
Heute: Der Planet des
Weichenstellers (1)
19.25 pur+
Hilfe, die Erde bebt!
19.50 logo! Die Welt und ich
20.00 Ki.Ka Live
Kindermagazin
20.10 I Emmas Chatroom
Jugendserie. Heute: Mehr
Ärger für Jackie / Finale
20.05 C Seitenblicke
20.15 Universum
Dokumentationsreihe.
Wildes Russland
21.50 Lebens(t)räume
Wohnen mit allen Sinnen.
Hügel-Land
22.00 . ZIB 2
22.25 Euromillionen
22.30 kreuz und quer
Nelson Mandela – Eine Ikone
zwischen Leben und Tod
22.50 kreuz und quer L 23.00
Faszination Kabbala
23.40 . T C John Rabe – Der
gute Deutsche von Nanking
L 23.59 Drama (CHN/D/
F, ‘09) Mit Ulrich Tukur,
Daniel Brühl, Steve Buscemi.
Regie: Florian Gallenberger
1.45 C Seitenblicke L 1.30 Q
Disneys Kuzco’s Königs-Klasse Q
13.35 Disney Phineas und Ferb
Q 14.05 Coop gegen Kat Q 14.30
Fünf Freunde – Für alle Fälle Q
14.55 Cosmo und Wanda 15.25
Banana Cabana 15.50 Die Superschurkenliga 16.20 Eddie Angsthorn 16.50 Cosmo und Wanda
17.20 Coop gegen Kat 17.45 Disneys Kuzco’s Königs-Klasse 18.15
Disneys Tauschrausch 18.45 Fünf
Freunde – Für alle Fälle 19.15 Disney Phineas und Ferb 19.45 Disney
Pair of Kings – Die Königsbrüder
5
Woche von 23. bis 29. Juli 2013
arte
3sat
BR alpha
Phoenix
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Deutschlands Küsten
X:enius �.�� Schattenkampf Q
�.�� Schattenkampf Q ��.�� ARTE
Reportage Q ��.�� Belle France
Q ��.�� Weinprobe Q ��.�� .
Arte-Journal ��.�� Alte Schachteln
��.�� ARTE Reportage Q ��.��
���° – Geo Reportage ��.�� . Ray
Biografie (USA, ‘04) Q ��.�� Die
Spur der Steine Q ��.�� X:enius
Q ��.�� Verschollene Filmschätze
��.�� Stockholm ���� Q ��.��
Leben über den Wolken ��.�� .
Arte-Journal ��.�� Naturparadiese
in Lateinamerika Dokureihe
�.�� Blauer Himmel über Moskau
�.�� . Kulturzeit kompakt Q �.��
Vom Tanzen besessen �.�� Vom
Tanzen besessen �.�� Alpenpanorama �.�� . ZIB �.�� . Kulturzeit
kompakt Q �.�� Ausflug mit Kuttner ... Q �.�� Klasse Segel Abenteuer ��.�� Plasberg persönlich
��.�� Thema ��.�� . Aus dem
Rahmen ��.�� . ZIB ��.�� Fremde
Kinder ��.�� Bei Anruf Entdeckung
��.�� Bei Anruf Entdeckung ��.��
Bei Anruf Entdeckung ��.�� Bei
Anruf Entdeckung ��.�� Terra X
��.�� . heute ��.�� . Kulturzeit
kompakt ��.�� Ausflug mit Kuttner
��.�� Der Top-Tipp ��.�� Tagesgespräch ��.�� Alpha-Forum
��.�� Viele Wege – ein Ziel L
13.44 ��.�� Adam, Eva und die
Evolution ��.�� Felix und die wilden Tiere ��.�� A-lien und B-lien
��.�� Planet Wissen Extra ��.��
Fabrikgeschichten ��.�� Bibliothek der Sachgeschichten ��.��
alpha-Campus CLASSICS ��.��
Grundkurs Englisch ��.�� Welt in
Bewegung ��.�� . Rundschau
��.�� Meilensteine der Naturwissenschaft und Technik ��.�� Grips
Englisch ��.�� alpha-Österreich
�.�� Kur Royal �.�� Kur Royal �.��
Kur Royal �.�� Geheimnisse des
Dritten Reichs �.�� Geheimnisse
des Dritten Reichs �.�� Thema
��.�� Thema ��.�� Vor Ort ��.��
Berlins Mitte ��.�� Berlin-Köpenick ��.�� Geheimnisvolle Orte
��.�� Favelas im Aufbruch ��.��
Brasilien im Boom ��.�� Meer,
Strand und Wind ��.�� Vom Winde verweht ��.�� . Schätze der
Welt – Erbe der Menschheit ��.��
Vor Ort ��.�� Das andere Buenos
Aires ��.�� Geheimnisse des Dritten Reichs ��.�� Geheimnisse des
�.�� Sturm der Liebe �.�� ZiBB
Q ��.�� Brandenburg aktuell Q
��.�� Abendschau Q ��.�� Brisant ��.�� Polettos Kochschule
��.�� Panda, Gorilla & Co. ��.�� .
rbb aktuell ��.�� Schloss Einstein
��.�� In aller Freundschaft ��.��
Dokumentationsreihe
Dritten Reichs Hitler und das Geld
Die Sterntaler TV-Märchenfilm
(D, ‘11) ��.�� Verrückt nach Meer
��.�� . rbb aktuell ��.�� Mord
ist ihr Hobby ��.�� . kurz vor �
��.�� . rbb aktuell ��.�� Elefant,
Tiger und Co. ��.�� Unser Sandmännchen ��.�� rbb um � ��.��
rbb wetter ��.�� ZiBB ��.�� rbb
wetter ��.�� Regionales Magazin
��.�� Aluminium – Zeitbombe
im Körper?: Die Akte Alu
Dokumentarfilm (A/D, ‘12)
��.�� Schattenkampf
Dokurihe. Europas
Résistance gegen die Nazis.
1942-1943 – Widerstand
gegen den Völkermord
��.�� Schattenkampf
Europas Résistance gegen
die Nazis. 1943 – Der Widerstand verschärft sich
��.�� Zur falschen Zeit am
falschen Ort L 23.30
Dokumentarfilm (NL, ‘12)
Die Tragödie von Utøya
�.�� . W Jackie Brown L 0.50
Krimi (USA, ‘97)
Mit Pam Grier, Samuel L.
Jackson, Robert Forster.
Regie: Quentin Tarantino Q
��.�� . C Tagesschau
��.�� . C W Copacabana
TV-Drama (D, ‘07) Mit Bruno
Ganz, Nicole Heesters, Erni
Mangold. Regie: Xaver
Schwarzenberger
��.�� . Schätze der Welt
Dokumentationsreihe. Heiße
Quelle der High Society –
Bath (Großbritannien)
��.�� . C ZIB �
��.�� . T Lady Vengeance –
Leben für die Rache Thriller
(COR, ‘05) Mit Min-sik Choi,
Yea-young Kwon, Su-hee Go.
Regie: Park Chan-wook
�.�� C W Eine für alle
�.�� . ��vor�� L 21.50
�.�� . C W Copacabana
TV-Drama (D, ‘07)
Mit Bruno Ganz Q
��.�� Geschichte auf vier Rädern
So fuhr Hessen Auto
��.�� Alpha-Forum
Gast: Rudolf Dreßler
(Botschafter a.D.)
��.�� Planet Wissen Extra
Kultur anders erleben
��.�� Mythen – Michael
Köhlmeier erzählt Sagen
des klassischen Altertums
Dokureihe. Aigisthos
��.�� C Turmgeschichten
Leben mit einem Denkmal
��.�� Die Tagesschau vor �� Jahren
�.�� Alpha-Forum
Gast: Stefan Glowacz
(Profikletterer)
�.�� alpha-Österreich Q
�.�� Mythen – Michael Köhlmeier erzählt Sagen des
klassischen Altertums Q
��.�� . C Tagesschau
��.�� Geheimnisse des Dritten
Reichs Himmlers Macht
��.�� Geheimnisse des Dritten
Reichs Rommel – Mythos
und Wahrheit
��.�� C heute-journal
��.�� Der große Crash
Die Wirtschaftskrise von
1929 in Deutschland
��.�� Workingman’s Death
Dokumentarfilm (A/D, ‘05)
�.�� Meer, Strand und Wind
Brasiliens Traumküste Piauí
�.�� Vom Winde verweht
Dokumentation. Zu Fuß
durch die Sahara Brasiliens
�.�� Magisches Marokko
�.�� . Der Untergang der
„Lusitania“ Dokumentarfilm (D/GB, ‘07)
��.�� . C Tagesschau
��.�� Bilderbuch Deutschland
Reportagereihe.
Berlin Wedding Q
��.�� Wildes Russland
Dokueihe. Kamtschatka
��.�� . rbb aktuell
��.�� Thadeusz
Gast: Ina Menzer (Boxerin)
��.�� Mein Deutschland
Dokumentationsreihe.
Risse in der Mauer
��.�� Das Dübener Ei
Dokumentation
�.�� Mord ist ihr Hobby
Krimiserie.
Heute: Eine Leiche zuviel Q
�.�� Thadeusz
Talk mit Jörg Thadeusz Q
�.�� Luzyca
Magazin Q
Südwest
HR
WDR
NDR
MDR
�.�� ARD-Buffet �.�� ARD-Buffet
L 7.45 �.�� SWR Landesschau
Rheinland-Pfalz Q ��.�� Landesschau BW Q ��.�� Brisant Q ��.��
Papageien, Palmen & Co. ��.��
Sturm der Liebe ��.�� . Herzda-
�.�� Hier und heute Q �.�� B.sucht
Q �.�� Die schönsten Leuchttürme
Norddeutschlands ��.�� Lokalzeit
Q ��.�� Aktuelle Stunde Q ��.��
Nashorn, Zebra & Co. ��.�� Panda,
Gorilla & Co. ��.�� . WDR aktuell
��.�� Servicezeit Reportage Q
��.�� In aller Freundschaft ��.��
Mord ist ihr Hobby (1) ��.�� .
Brüderchen und Schwesterchen
TV-Märchenfilm (D, ‘08) ��.��
. WDR aktuell ��.�� daheim &
unterwegs ��.�� Lokalzeit ��.��
Hier und heute ��.�� Servicezeit
Reportage ��.�� Aktuelle Stunde
��.�� Lokalzeit Magazin
�.�� Markt Spezial Q �.�� Rote
Rosen �.�� Sturm der Liebe �.��
Nordmagazin Q �.�� HamburgJournal ��.�� Schleswig-HolsteinMagazin Q ��.�� buten un binnen
Magazin ��.�� Hallo Niedersachsen Q ��.�� Amerikas Fjorde
��.�� In aller Freundschaft ��.��
Typisch! Q ��.�� Brisant ��.��
. NDR aktuell ��.�� Bilderbuch
Deutschland ��.�� . NDR aktuell
��.�� Der magische Wüstensee
��.�� . NDR aktuell ��.�� Die
Nordstory ��.�� Leopard, Seebär
& Co. ��.�� Regional ��.�� NaturNah ��.�� DAS! ��.�� Regional
�.�� Sturm der Liebe �.�� Brisant
Q �.�� Schlössertour Q ��.�� Panda, Gorilla & Co ��.�� MDR um elf
��.�� In aller Freundschaft ��.��
men an der Elbe TV-Komödie (D,
‘13) Q ��.�� Fahr mal hin ��.��
Eisenbahn-Romantik ��.�� SWR
Landesschau aktuell ��.�� Kaffee
oder Tee ��.�� SWR Landesschau
aktuell ��.�� Kaffee oder Tee L
16.05 ��.�� SWR Landesschau
aktuell ��.�� Goodbye Ländle Porträtreihe ��.�� Landesschau BW
��.�� SWR Landesschau aktuell
�.�� Maintower Q �.�� Hessenschau Q ��.�� hallo hessen Q
��.�� Lenas Marathon zu Pferd
��.�� Videolexikon ��.�� service:
zuhause Q ��.�� In aller Freundschaft ��.�� Auf nach Afrika ��.��
Nashorn, Zebra & Co. ��.�� Eisenbahn-Romantik ��.�� Die Küsten
der Ostsee ��.�� „mare“-TV L
15.14 ��.�� hallo hessen ��.��
Hessenschau kompakt ��.�� hallo
hessen ��.�� Hessenschau kompakt ��.�� Maintower ��.�� Brisant ��.�� Service: Reisen Von der
Donauschleife nach Linz ��.�� Alle
Wetter! ��.�� Hessenschau
. Da, wo die Heimat ist TV-Familienfilm (D/A, ‘04) Q ��.�� Dabei ab
zwei ��.�� . Tischlein deck dich
TV-Märchenfilm (D, ‘08) ��.�� Der
Hier ab vier-Sommer ���� ��.��
Mord mit Aussicht ��.�� . MDR
aktuell ��.�� Wetter für � ��.��
Brisant ��.�� Unser Sandmännchen ��.�� Regionales ��.�� .
MDR aktuell ��.�� Schlössertour
Reportagereihe. Kim Fisher entdeckt Schloss Hubertusburg
��.�� . C Tagesschau
��.�� . C Tatort
Krimireihe (D, ‘07)
Heute: Strahlende Zukunft
��.�� C SWR Landesschau aktuell
��.�� Fahr mal hin
Reportagereihe. GrenzErfahrungen – Vom Deutschen Weintor zum Rhein
��.�� Bauer testet ...
Reportagereihe.
Autowerkstätten
��.�� Ein Mann für alle Autos
Reportage. Wo Knauser
Autos reparieren lassen
��.�� E wie Emil
�.�� Hallervorden – Die besten
Sketche Show. Musik.
Mod.: Dieter Hallervorden
�.�� Gags am laufenden Band
�.�� I Sag die Wahrheit Q
��.�� . C Tagesschau
��.�� Deutsche Traktor-Legenden
Dokumentarfilm (D, ‘09)
Die Geschichte der
deutschen Traktoren
��.�� lecker (h)essen
Der fröhlich freche
Kochwettkampf.
Mit Claudia Hoffarth
��.�� Hessenschau kompakt
��.�� Hessens schönste
Bauernhöfe Reportage Q
�.�� . C Mankells Wallander
Krimi (S, ‘05)
Heute: Tod in den Sternen
�.�� Deutsche Traktor-Legenden
Dokumentarfilm (D, ‘09)
Die Geschichte der
deutschen Traktoren Q
�.�� Maintower
Magazin Q
��.�� . C Tagesschau
��.�� C W Abenteuer Erde
Dokureihe. Himalaya
��.�� C Quarks & Co.
Medikamente – Wirkungen
und Nebenwirkungen
��.�� . C WDR aktuell
��.�� C Weltweit
Reportagereihe.
200 Kisten für Ghana
��.�� . West ART
Das Kulturmagazin des WDR
��.�� . West ART Meisterwerke
Keltenmuseum, Glauberg
��.�� . C In der Lüge gefangen
Drama (USA, ‘10) Mit Robert
De Niro, Edward Norton, Milla
Jovovich. Regie: J. Curran
�.�� . C Blutige Spur
Western (USA, ‘69)
Mit Robert Redford
��.�� . C Tagesschau
��.�� C Das große Wunschkonzert An der Nordseeküste.
Moderation: Lutz Ackermann. Mit Santiano, Roland
Kaiser, Nockkalm Quintett,
Beatrice Egli, Susan Ebrahimi, Roger Whittaker, Truck
Stop, Klaus und Klaus
��.�� . C NDR aktuell
��.�� . I C Tatort
Krimireihe (D, ‘09)
Heute: Tödlicher Einsatz
��.�� Heiter bis tödlich –
Nordisch herb Krimiserie.
Heute: Katzenjammer
�.�� C Die Anwälte
Dramaserie.
Heute: Dämmerung
�.�� NDR-Talkshow Q
�.�� Nordbilder
��.�� C Umschau
MDR-Magazin
��.�� C Der Osten
Mitteldeutschland von oben
(2/2): Das grüne Band – vom
Harz bis an die Elbe
��.�� C Geschichte Mitteldeutschlands Das Magazin
��.�� . C MDR aktuell
��.�� Geheimnisvolle Orte
Reportagereihe. Das Kernkraftwerk Rheinsberg
��.�� . C Polizeiruf ���
Krimireihe (DDR, ‘81)
Heute: Harmloser Anfang
�.�� Nordisch herb
Krimiserie. Heute: Killerbienen über Husum
�.�� C Umschau
MDR-Magazin Q
�.�� C Der Osten Q
�.�� Die Spur der Steine
Q
Q
�.��
�.��
.
ORF 1
EinsPlus
ZDFneo
N 24
Eurosport
��.�� ZIB Flash ��.�� The Middle
��.�� Scrubs – Die Anfänger ��.��
Scrubs – Die Anfänger ��.�� Die
Simpsons ��.�� Die Simpsons
��.�� ZIB Flash ��.�� How I Met
Your Mother Comedyserie ��.��
��.�� W wie Wissen Magazin Q
��.�� Odysso Q ��.�� Faszination
Wissen ��.�� Kopfball Q ��.��
SWR�latenight ��.�� Beatzz Q
��.�� Beatzz in Concert Q ��.��
Bauer testet ... ��.�� Spiele der
Welt ��.�� Planet Wissen Extra
��.�� �� Min ��.�� Die Story ��.��
betrifft ... ��.�� Das Leben! ��.��
Tagesschau ��.�� Klub Konkret
��.�� Beatzz Q ��.�� Waschen.
Schneiden. Reden. Q ��.�� Die
��.�� Lafer! Lichter! Lecker! ��.��
Lafer! Lichter! Lecker! ��.�� Da
kommt Kalle ��.�� Da kommt
Kalle ��.�� Agentin mit Herz ��.��
Agentin mit Herz ��.�� Hart aber
herzlich ��.�� Hart aber herzlich ��.�� Raumschiff Enterprise
��.�� Raumschiff Enterprise ��.��
SOKO Leipzig ��.�� Death in Paradise Das Auge des Hurrikans ��.��
Death in Paradise ��.�� Girls Q
��.�� Girls Q ��.�� House of Lies
��.�� House of Lies ��.�� The
Middle �.�� The Middle �.�� Die
Nanny �.�� Die Nanny �.�� Die
Briten Q �.�� Die Briten Q �.�� Die
Briten Q �.�� Terra X Q
Nachrichten: Stündlich ��.�� Börse
am Mittag ��.�� Schule der Krieger – Kampf unter Wasser ��.��
Schule der Krieger – Überleben in
der Tiefe ��.�� N�� Cassini ��.��
N�� Fakt oder Fake ��.�� Schwarze Löcher – Eine Zeitreise ins Universum ��.�� Die Science Fiction
Propheten ��.�� Börse am Abend
��.�� N�� Drive ��.�� sonnenklar.
tv ��.�� Geheimnisse der Tiefe:
Tödlicher Druck ��.�� Geheimnisse der Tiefe: Tödlicher Sog ��.��
Horrortrip der Luxusklasse – Die
Havarie der Costa Concordia ��.��
N�� Zeitreise mit Stefan Aust �.��
Die größte Werft der Welt
��.��
How I Met Your Mother Comedyserie ��.�� The Big Bang Theory
Comedyserie ��.�� Two and a Half
Men Comedyserie ��.�� ZIB Magazin ��.�� Wetter ��.�� ZIB ��
��.�� SOKO Kitzbühel Krimiserie
��.�� Soko Donau ��.�� ZIB Flash
��.�� Sommerkabarett Show
��.�� Jugendsünden u.s.w. ��.��
Add a Friend ��.�� ZIB �� �.�� Silent Cooking L 0.20 Magazin
allerbeste Sebastian Winkler Show
��.�� Klub Konkret Q ��.��
Krömer Q ��.�� slam attack! ��.��
Beatzz in Concert �.�� Grünzeug
�.�� Wilhelma-Geschichten Q
Q
S Fußball U19-Europameisterschaft. 2. Spieltag, Gruppe
A: Niederlande – Portugal (Anstoß
um 15.30). Aus Alytus (LIT) ��.��
S Schwimmen WM. Wasserspringen: 3-m-Brett Synchron Herren,
Finale. Aus Barcelona (E) ��.��
Radsport ��.�� S Fußball U19Europameisterschaft. 2. Spieltag,
Gruppe B: Türkei – Frankreich (Anstoß um 19.45). Aus Alytus (LIT)
��.�� S Schwimmen WM. Wasserball: Gruppenspiel der Damen,
Spanien – Russland. Aus Barcelona
(E) ��.�� Motorsport Weekend Q
��.�� Motorsport ��.�� Fußball Q
�.�� Schwimmen Q �.�� The Grid
DOKUMENTATION | ARD, 22.45 Uhr
Unter Männern –
Schwul in der DDR
Als Ringo Roesner sein Heimatland das erste Mal bewusst wahrnahm, war es schon
fast wieder Geschichte. Mit der DDR verbindet der 1983 im mecklenburgischen
Anklam geborene Filmemacher lediglich
Erinnerungen an ihren Untergang. Eine
Frage ließ ihn gerade deshalb nicht los: Wie
wäre das wohl gewesen, wenn er, als homosexueller Kreativer, im real existierenden
Sozialismus hätte leben müssen? Wie ist es
denen ergangen, die sich im Arbeiter- und
Bauernstaat nicht frei bekennen durften
zum „Überbleibsel dekadenter bürgerlicher Moral“? Daniel Roesner hat diese Fragestellung gemeinsam mit Markus Stein in
einen Dokumentarfilm überführt, der 2012
bei der Berlinale mehr als nur wohlwollend
rezipiert wurde. Jetzt zeigt das Erste den
pointiert inszenierten 90-Minüter „Unter
Männern – Schwul in der DDR“ erstmals
im Fernsehen. Sechs schwule Männer, die
in der DDR lebten, gewähren tragische, bisweilen auch amüsante Einblicke in ein sehr
besonderes deutsches Geschichtskapitel.
Frank Schäfer war einst einer der gefragtesten Friseure Ost-Berlins. FOTO: MDR / HOFERICHTER & JACOBS
DOKUMENTATION | ZDF, 22.15 Uhr
37°: Sag‘ bitte ja!
„Willst du mich heiraten?“ Diese Worte
waren bereits für die Großeltern entscheidend. Während früher Romantik und Kniefall Pflicht waren, regiert heute oft die Inszenierung. Die ZDF-Reportagereihe „37°“
zeigt diverse Beispiele für den „Antrag
meines Lebens“. So wie Heinz und Gisela:
Die Rentner, beide 92 Jahre alt, wollen ihr
Rezept für das Glück zu zweit zwar nicht
preisgeben, erinnern sich aber noch genau
an „die Frage der Fragen“. Vor mehr als 70
Jahren sendete Heiz seinen Heiratsantrag
an Gisela per Feldpost von der Front.
Heinz und Gisela sind beide 92 und reisen mit
dem Wohnmobil durch Europa. FOTO: ZDF / M. MATERNE
IMPRESSUM
Herausgeber:
münchen.tv
tagesschau24
ZDFinfo
n-tv
Sport 1
��.�� lokale Informationen ��.��
�.�� Hessenschau �.�� Exclusiv
im Ersten �.�� Die Story im Ersten �.�� markt �.�� Generation
Wende Q �.�� Was die Briten lieben �.�� Tagesschau-Nachrichten
��.�� Tagesschau ��.�� Fremde
Heimat ��.�� Fremde Heimat
��.�� Extra Magazin ��.�� Markt
Spezial ��.�� Tagesschau – Vor ��
Jahren ��.�� Tagesthemen ��.��
Report Mainz �.�� Exclusiv im
Ersten �.�� Umschau �.�� Nachtmagazin �.�� Aktuelle Stunde
�.�� Nachtmagazin �.�� SachsenAnhalt Heute �.�� SWR Landesschau �.�� Brandenburg aktuell
�.�� buten un binnen Magazin
��.�� Mensch Mann! ��.�� my info
��.�� Terra Xpress ��.�� Moderne
Wunder ��.�� Moderne Wunder
��.�� Ursprung der Technik Q
��.�� Ninja Q ��.�� Geschichte
des Rassismus Q ��.�� Geschichte
des Rassismus Q ��.�� Geschichte des Rassismus Q ��.�� Das
Weltreich der Deutschen Q ��.��
Keinvaterland ��.�� Brandstifter
im Staatsauftrag ��.�� WISO plus
��.�� Moderne Wunder ��.�� Moderne Wunder ��.�� Die letzten
�� Stunden... ��.�� Die letzten
�� Stunden... ��.�� ZDF-History
��.�� ZDF-History ��.�� Laurel
und Hardy �.�� heute-journal Q
Nachrichten, Wetter: Stündlich
�.�� Telebörse ��.�� News Spezial
��.�� Telebörse ��.�� News Spezial ��.�� Telebörse ��.�� News
Spezial ��.�� Ratgeber – Hightech
Q ��.�� Telebörse ��.�� PS – Spezial – Tatort Autobahn ��.�� PS –
Klassik mobil Q ��.�� Sekunden
vor dem Unglück Q ��.�� Telebörse ��.�� Ratgeber – Steuern &
Recht ��.�� Zukunft Erde: Kollision
der Kontinente ��.�� So entstand
Europa! ��.�� So entstand Europa!
��.�� So entstand Europa! ��.��
Telebörse ��.�� Außer Kontrolle Q
�.�� Gefahren des Alltags: Tödliche
Konstruktionen Dokureihe Q
�.�� Sport-Clips Q �.�� SportClips Q �.�� Golftotal News Q
�.�� Clipmasters Q �.�� Poker Q
�.�� Normal Q �.�� Teleshopping
�.�� Sport-Quiz ��.�� Teleshopping ��.�� Teleshopping ��.��
Teleshopping ��.�� Teleshopping
��.�� Teleshopping ��.�� Clipmasters ��.�� Motocross ��.��
��� – Das Polizeimagazin Q
��.�� Gehrhardt gibt Gas Q ��.��
München heute ��.�� Münchner
Stadtrundgang ��.�� ��� – Das
Polizeimagazin ��.�� München
heute Q ��.�� Szene München
��.�� Ortschaft der Woche ��.��
Schaufenster ��.�� stadtgespräch
��.�� München heute Q ��.��
Szene München ��.�� Ortschaft der
Woche ��.�� stadtgespräch ��.��
��� – Das Polizeimagazin Q ��.��
München heute Q ��.�� Münchner Stadtrundgang ��.�� lokale
Informationen �.�� Menschen in
München Porträtreihe Q
Storage Wars – Die Geschäftemacher Q ��.�� S Bundesliga
aktuell spezial. Saisoneröffnung FC
Bayern München ��.�� S Fußball
Testspiel. Eintracht Frankfurt –
Kayserispor ��.�� S Darts World
Matchplay. 2. Runde. Aus Blackpool
(GB) �.�� Sport-Clips Q
Süddeutsche Zeitung GmbH, Hultschiner
Straße 8, 81677 München, Tel. 0 89 / 21 83-0
Redaktion:
Kai-Oliver Derks (verantwortlich)
teleschau – der mediendienst GmbH,
Riesstraße 17, 80992 München
Anzeigen:
Jürgen Maukner (verantwortlich)
Verkauf: Tel. 0 89 / 21 83-82 27,
Fax: 0 89 / 21 83-97 47
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Über kurzfristige Programm-Änderungen
informiert die täglich erscheinende SZ-Fernsehseite.
Erklärung der Abkürzungen:
VPS 20.15 = Die VPS-Zeiten entsprechen, sofern nicht
anders angegeben, den Anfangszeiten der Sendungen.
Nachrichten/Politik Film Kultur Sport
D = Zweikanal I = Dolby Surround T = Dolby Digital 5.1
Q = Wiederholung A = Schwarzweiß C = Videotext
W = Bildbeschreibung für Sehbehinderte
6
Woche von 23. bis 29. Juli 2013
Fernsehprogramm, Mittwoch, 24. Juli
ARD
ZDF
BR
RTL
SAT.1
ProSieben
VOX
5.30 C ZDF-Morgenmagazin
9.00 . Tagesschau
9.05 C Rote Rosen Q
9.55 C Sturm der Liebe Q
10.45 C Brisant Q
11.00 . Tagesschau
11.05 ARD-Buffet
12.00 . Tagesschau
12.15 ARD-Buffet L 11.05
13.00 C ZDF-Mittagsmagazin
14.00 . Tagesschau
14.10 C Rote Rosen
15.00 . Tagesschau
15.10 C Sturm der Liebe
16.00 . C Tagesschau
16.10 C Panda, Gorilla & Co.
17.00 . C Tagesschau
17.15 C Brisant
18.00 C Verbotene Liebe
18.50 C Heiter bis tödlich –
Hubert und Staller
Krimiserie. Heute: Nachts,
wenn die Wasserwacht
19.45 C Wissen vor acht –
Werkstatt Magazin. Wie hat
man früher ohne Gefrierschrank Eis hergestellt?
19.50 C Wetter vor acht
19.55 C Börse vor acht
5.30 C ZDF-Morgenmagazin
9.00 . heute
9.05 Volle Kanne –
Service täglich
10.30 Notruf Hafenkante
Actionserie
11.15 SOKO Köln
Krimiserie
12.00 . heute
12.10 drehscheibe Deutschland
13.00 C ZDF-Mittagsmagazin
14.00 heute – in Dt.
14.15 Die Küchenschlacht
15.00 . C heute
15.05 Topfgeldjäger
16.00 . C heute – in Europa
16.10 C SOKO Kitzbühel
Krimiserie. Heute: Tiefer Fall
17.00 . C heute
17.10 C hallo deutschland
17.45 C Leute heute
18.05 C SOKO Wismar
Krimiserie. Heute: Ente kross
18.54 Lotto am Mittwoch
19.00 . C heute
19.20 C Wetter
19.25 C W Küstenwache
Krimiserie.
Heute: Tödlicher Ausflug
6.00 Grundkurs Deutsch
6.30 Fremde Heimat
7.00 Englisch für Anfänger
7.15 Tele-Gym
7.30 . Panoramabilder /
Bergwetter
9.00 Tele-Gym
9.15 C Seehund, Puma & Co.
10.05 C Gesundheit! Q
10.50 C Bergauf, bergab Q
11.20 C Rote Rosen
12.10 C Sturm der Liebe
13.00 Verrückt nach Meer
L 12.59 Dokureihe
13.55 Freizeit-Tipp
14.00 C W Dahoam is Dahoam Q
14.30 . C Familie Sonnenfeld –
Veränderungen TV-Komödie
(D, ‘08) Mit Marion Kracht,
Helmut Zierl, Jonas Laux
16.00 C Skizzen aus Spanien
16.45 . Rundschau
17.00 C Traumpfade
17.30 Regionales
18.00 C Abendschau
18.45 . C Rundschau
19.00 C Stationen.Dokumentation Eifersucht 19.45 C W Dahoam is Dahoam
5.35 Explosiv Q
6.00 Punkt 6
7.30 Alles, was zählt Q
8.00 Unter uns Q
8.30 Gute Zeiten,
schlechte Zeiten Q
9.00 Punkt 9
9.30 Familien im Brennpunkt
10.30 Familien im Brennpunkt
11.30 Unsere erste
gemeinsame Wohnung
12.00 Punkt 12
14.00 Die Trovatos – Detektive
decken auf
15.00 Verdachtsfälle
Doku-Serie
16.00 Familien im Brennpunkt
Doku-Serie
17.00 Betrugsfälle
17.30 Unter uns
Unterhaltungsserie
18.00 Explosiv
(oder Regionalfenster)
18.30 Exclusiv
18.45 . RTL aktuell
19.05 Alles, was zählt
Unterhaltungsserie
19.40 Gute Zeiten, schlechte
Zeiten Unterhaltungsserie
5.30 Frühstücksfernsehen
Moderation: Simone Panteleit, Karen Heinrichs, Jan
Hahn, Matthias Killing
10.00 Schicksale – und plötzlich
ist alles anders
11.00 Richterin Barbara Salesch
Gerichtsshow
12.00 Richter Alexander Hold
13.00 Richter Alexander Hold
14.00 Familien-Fälle
15.00 Familien-Fälle
16.00 Familien-Fälle
17.00 Mein dunkles Geheimnis
17.30 Schicksale – und plötzlich
ist alles anders
18.00 T Navy CIS
Krimiserie.
Heute: Die Ehre der Familie.
Der zum Islam konvertierte
Navy Leutnant Thomas Ellis
wird zur Weihnachtszeit in
einem Park gefunden. Er
wurde ermordet. Sein Vater
gerät unter Verdacht.
19.00 T Navy CIS
Krimiserie.
Heute: Rocket Man
19.55 . Sat.1 Nachrichten
5.30 Malcolm mittendrin Q
6.15 Malcolm mittendrin
6.40 Malcolm mittendrin
7.05 What’s up, Dad?
7.30 What’s up, Dad?
8.00 Scrubs – Die Anfänger Q
8.25 Scrubs – Die Anfänger Q
8.50 Two and a Half Men Q
9.15 Two and a Half Men Q
9.40 The Big Bang Theory Q
10.10 The Big Bang Theory Q
10.35 The Big Bang Theory Q
11.05 How I Met Your Mother Q
11.30 How I Met Your Mother Q
11.55 How I Met Your Mother Q
12.25 Scrubs – Die Anfänger
12.50 Scrubs – Die Anfänger
13.15 Two and a Half Men
13.45 Two and a Half Men
14.10 The Big Bang Theory
14.40 The Big Bang Theory
15.05 The Big Bang Theory
15.35 How I Met Your Mother
16.00 T How I Met Your Mother
16.30 How I Met Your Mother
17.00 taff
18.00 . Newstime
18.10 Die Simpsons
19.05 Galileo
5.40 Mieten, kaufen, wohnen
6.45 Mieterzoff
7.45 Unter Beobachtung
Schwanger von einem
Unbekannten
8.45 Verklag mich doch!
9.50 Hilf mir doch!
10.55 . vox nachrichten
11.00 Vier Hochzeiten und eine
Traumreise
12.00 Shopping Queen
Doku-Soap Q
13.00 Verklag mich doch!
Vertauscht
14.00 Hilf mir doch!
Ausgebrannt
15.00 Shopping Queen
Motto in Leipzig: „Jeans
Queen – finde deinen
perfekten Denimlook!“
16.00 Vier Hochzeiten und eine
Traumreise Tag 3: Christina
und Philip/Leipzig
17.00 Mieten, kaufen, wohnen
18.00 Mieten, kaufen, wohnen
19.00 Das perfekte Dinner
U.a.: Rinderfiletsteak an
Ofenkartoffel mit Quarkcreme und Kräuterbutter
Küstenwache
Bei Gesas (Julie Engelbrecht) Geburtstagsfeier auf einem Segler ist
der junge Daniel nach einem Streit
spurlos verschwunden.
19.25
Honey Baby
Der abgehalfterte Popstar Tom
lernt bei einer Osteuropa-Tour die
geheimnisvolle Natascha (Irina
Björklund) kennen.
23.00
Wild Girls
Andreas Jancke begleitet die Girls
bei ihrem Abenteuertrip durch
Afrika. Er empfängt die Damen an
jedem Etappenziel.
20.15
Die strengsten Eltern der Welt
Florian aus Stade treibt es zu Hause
zu bunt mit Drogen und Alkohol.
Daher wird er für eine Weile nach
Brasilien verfrachtet.
20.15
How I Met Your Mother
Robin weiß noch nicht, wo sie nach
der Hochzeit mit Barney (Neil Patrick
Harris) wohnen will, aber auf keinen
Fall in seinem Apartment.
20.15
Revenge
Emily (Emily VanCamp) findet
heraus, dass ihr Freund an einer
Psychose leidet, da sie Tabletten
entdeckt hat.
20.15
20.15 . S T C ZDF SPORTextra
L 20.13 Fußball-Benefizspiel. FC Bayern München –
FC Barcelona. Aus der Allianz
Arena in München.
Hat Deutschland das Halbfinale bei der EM erreicht,
beginnt die Übertragung des
Bayern-Spiels bereits um
18.30 Uhr. 0
22.45 C ZDFzoom
Dokumentationsreihe
23.15 Markus Lanz
0.30 . heute nacht
0.45 auslandsjournal – die doku
L 0.44 Dokumentation. Die
Elfenbein-Armee – Kampf
um Kenias Elefanten.
Jedes Jahr sterben in Kenia
hunderte Elefanten durch
die Hand von Wilderern.
Der Film zeigt, welches
Risiko die Mitarbeiter der
Schutztruppe eingehen,
um die Tiere zu schützen.
Doch Waffengewalt ist nur
ein Mittel, um Wilderer
abzuschrecken.
1.15 . I C Im Schatten der
Wälder L 1.14 Thriller
(F, ‘03) Mit Josiane Balasko,
Éric Caravaca, Ange Rodot.
Regie: Guillaume Nicloux
2.50 C SOKO Wismar L 2.45
Krimiserie Q
3.35 Notruf Hafenkante Q
20.15 Bürgerforum live
Mit Tilmann Schöberl
21.00 . C Kontrovers
Das Politikmagazin
21.45 C Rundschau-Magazin
22.00 C 8 mm Bayern
Private Filme erzählen
bayerische Geschichte.
Haus und Hof. Im Fokus
des ersten Films stehen
die eigenen vier Wände der
Bayern, sowohl auf dem
Land als auch in der Stadt.
Hier werden die Liebsten vor
der Kamera versammelt, es
gibt Feste und Geschenke.
22.45 . Kino Kino
Das Filmmagazin
23.00 . Honey Baby
Drama (RUS/LETT/
FIN/D, ‘04) Mit Henry
Thomas, Irina Björklund,
Helmut Berger.
Regie: Mika Kaurismäki.
Melancholisches Roadmovie.
0.45 . Rundschau-Nacht
0.55 C W Dahoam is Dahoam
Unterhaltungsserie.
Heute: Katzenjammer Q
1.25 Planet Erde
1.30 C Stationen.
Dokumentation Q
2.15 Bürgerforum live Q
3.00 . C Kontrovers Q
3.45 C 8 mm Bayern Q
4.30 . Kino Kino Q
20.15 Wild Girls
Auf High Heels durch Afrika.
Moderation: Andreas Jancke.
Kandidaten: Fiona Erdmann
(Fotomodell, Moderatorin),
Conchita Wurst (Travestiekünstlerin), Jordan Carver
(Glamour-Model), Sophia
Wollersheim (Model), Sarah
Knappik (Model), Barbara
Engel (Modede-signerin),
Miriam Balzcerek (TV-Sternchen), Senna Guemmour
(Popsängerin), Jinjin Harder
(„The Bachelor“-Teilnehmerin), Sara Kulka (Model),
Ingrid Pavic (ehemalige „Big
Brother“-Kandidatin)
21.15 Mama Mia – Wer heiratet
meinen Sohn?
In der Show suchen vier
junge, attraktive Männer
nach der großen Liebe – und
wer könnte sie da besser
beraten als die bisher wichtigste Frau in ihrem Leben:
ihre eigene Mutter?
22.15 stern TV
U.a.: Bestattungsunternehmen auf dem Prüfstand
0.00 . RTL Nachtjournal
0.30 Wild Girls Q
1.30 Mama Mia – Wer heiratet
meinen Sohn? Show Q
2.25 Helena Fürst –
„Anwältin der Armen“ Q
20.15 Die strengsten Eltern der
Welt Reportagereihe
22.15 Mütter am Limit
Reportagereihe.
Die 19-jährige Milena ist
Mutter der drei Wochen
alten Cheyenne. Sie ist
unsicher, wie sie mit dem
Säugling umgehen soll, die
Situation überfordert sie.
Milena selbst hatte in ihrem
Leben wenig Halt.
23.15 24 Stunden
Reportagereihe. Tierische
Sprechstunde! Tamme
Hanken auf Hausbesuch.
Tamme Hanken, PferdeChiropraktiker und Tierheiler,
ist wieder unterwegs, um
Vierpfoter aller Art zu behandeln. Deutschlandweit bekannt als „Knochenbrecher“,
reist er durch die Nation um
die Wehwehchen seiner
kleinen Patienten zu lindern.
0.15 Die strengsten Eltern der
Welt Reportagereihe Q
2.10 T Navy CIS
Krimiserie. Heute: Die Ehre
der Familie Q
2.50 T Navy CIS
Krimiserie.
Heute: Rocket Man Q
3.30 Mütter am Limit Q
4.15 Schicksale – und plötzlich
ist alles anders Q
20.15 T How I Met Your Mother
Comedyserie. Heute: Die
Festung der Barnigkeit
20.45 T How I Met Your Mother
Comedyserie. Heute: Noretta
21.15 T New Girl
Comedyserie.
Heute: Chicago. Nicks
Vater Walt ist gestorben.
Jess, Schmidt und Winston
begleiten ihren Freund
nach Chicago, um ihm
bei der Beerdigung beizustehen. Nicks Mutter
Bonnie möchte für ihren
Mann eine Elvis-Trauerfeier.
21.45 T New Girl
Comedyserie.
Heute: Eine Nacht mit Cece
22.15 T Suburgatory
Comedyserie.
Heute: Der Kult um Yakult
22.40 T Suburgatory
Comedyserie.
Heute: Body Talk
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