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Vorwort
Nach verschiedenen Themenheften wie Autismus, Diagnostik, Arbeitsgedächtnis etc. soll diesmal im Mittelpunkt der Übergang von Förderschule in
den Beruf stehen. Diese entscheidende Übergangsphase wird im Sinne der
Beratung gut von den Lehrkräften der Klassen 7 – 9 und von den OberstufenDie klassischen Mitarbeiter der Beratungsdienste wie Beratungslehrer, Schulpsychologen, Mitarbeiter von MSD und MSH sind darin eher selten beteiligt.
FORUM
koordinatoren vermittelt.
Der Wissenstand ist somit bei einem großen Teil dieser Personen eher niedrig, insbesondere was Änderungen und Neuerungen betrifft.
Deshalb wollen wir mit diesem Heft diesem Thema breiten Raum geben.
Nach einem allgemeinen Überblick zum Thema Schule – Beruf von Herrn
Thomas Enders erfolgt ein Beispiel eines SFZ. Das SFZ Bad Windsheim stellt
men als ein wichtiges Bestandteil des Übergangs von Schule in Beruf.
Die Möglichkeiten aus einer Förderschule in einen Beruf bzw. in eine Tätigkeit
TERMINE
ihr Konzept vor, insbesondere unter besonderer Darstellung von Schülerfir-
zeigt ein komplexes Schaubild. An dieser Stelle sei besonders Herrn Michael
Rogge gedankt, der sich um diese und weitere Artikel besonders kümmerte.
Der seit einigen Jahren tätige MSD für berufliche Schulen stellt sich mit drei
Artikeln vor. Die spezifische und vielfältige Arbeitsweise ist erkennbar. Auch
zum Aspekt der Kooperationsklasse sammelt der MSD bS bereits Erfahrun-
Allen Mitwirkenden sei herzlich gedankt, damit dieses doch sehr spezielle
BÖRSE
gen.
Thema im Überblick dargestellt werden konnte.
Dr. Werner Laschkowski
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
1
Der Übergang von der Schule zum Berufsleben –
Möglichkeiten der Schulabgänger der Schule zur individuelle Lernförderung,
bzw. der Sonderpädagogischen Förderzentren
FORUM
TERMINE
Mindestens neun Jahre Schule
liegen hinter unseren Schülerinnen und Schülern, bevor wir
sie dann immer Ende Juli in die
„Berufswelt“ entlassen. Dann
verlieren wir sie ein paar
Wochen aus den Augen bis sie
uns nach den Sommerferien
das erste Mal besuchen. Eine
der ersten Fragen dürfte dann
sicher sein: „Und, was machst
Du?“ Die Antworten sind vielfältig bis erstaunlich. Meist
werden uns dann nur ein paar aneinandergereihte Buchstaben an den Kopf
geschleudert, die uns mehr oder weniger sagen: „BvB, BVJ-C, BVJ-B, BAW,
BGJ, JoA, , BaE, EQ, BVJ/s, BVJ/k, BEJ, BIJ, XYZ…..“ Die Angebote sind
ebenso vielfältig wie kurzlebig, denn kaum ausgesprochen haben sich die
Benennungen der Maßnahmen wieder geändert, der Inhalt aber bleibt der
gleich.
Dieser Artikel will versuchen, die wichtigsten Brückenangebote für unsere Jugendlichen nach der 9. Klasse aufzulisten und einen groben Abriss über die
Zielgruppen und die angestrebten Ziele zu geben, ohne Gewährleistung ob
der Richtig- und Vollständigkeit, da es z.B das Brückenangebot XYZ gar
(noch) nicht gibt, und das BVJ-C am BAW unter diesem Namen gar nicht
mehr geführt wird. Vielleicht hilft uns das in Zukunft, das oben abgebildete
Schicksal unserer Jugendlichen zu vermeiden.
1. Ausbildung
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
BÖRSE
Generell ist die Wahrscheinlichkeit einer sofortigen Regel-Ausbildung direkt
nach der Schule eher gering. Dennoch gibt es die Möglichkeit im dualen Ausbildungssystem (Berufsschule und Ausbildungsbetrieb) entweder eine sog.
Regelausbildung zu beginnen, oder eine Ausbildung nach § 4 BBIG und § 6
BBIG aufzunehmen. Während der Ausbildung ist der Jugendliche berufsschulpflichtig. Wo diese absolviert wird, wird durch das Angebot der Berufsschule (zur sonderpädagogischen Förderung) Schule geregelt.
Wo keine direkte Ausbildung möglich ist, treten Brückenangebote an die Stelle der Berufsausbildung. Vorrangiges Ziel aller dieser Maßnahmen, egal welcher Träger es auch ist, stellt die Hinführung zu einer Berufswahlreife oder
einer Ausbildungstätigkeit, bzw. der Vorbereitung auf die Arbeitsaufnahme
dar.
2
2. Berufsvorbereitende Maßnahmen
2.1. BvB 11 (kBvB) - BerufsVorbereitende Bildungsmaßnahme
FORUM
Das BvB 11 richtet sich an Jugendliche, die …
• … die Berufswahlreife noch nicht erreicht haben.
• … noch schulische Probleme aufweisen
• … mit sozialen Problemlagen konfrontiert sind.
Zielsetzung:
• … Ausbildungsreife der Jugendlichen
• … Vermittlung in eine Ausbildung
Erreicht werden soll dies durch 1-2 Tage Berufsschule um die angesprochenen schulischen Rückstände aufzuholen. Ferner sollen die Schüler durch 3-4
Tage Praktikum pro Woche auf eine berufliche Qualifizierung vorbereitet werden.
Die Maßnahme ist auf eine Dauer von 11 Monaten angesetzt.
2.2. BvB 18 (BvB-3) - BerufsVorbereitende Bildungsmaßnahme
2.3. AQJ – ArbeitsQualifizierungsJahr (ehemals BVJ-C)
BÖRSE
Den organisatorischen Rahmen bildet die Aufteilung in einen wöchentlichen
Berufsschultag und 4 Tage Fachpraxis.
Zielsetzung
• … Steigerung des betrieblichen Anteils der Fachpraxis im Laufe der
Zeit
• … Vermittlung in Arbeitnehmertätigkeit
• … Anbahnen einer Ausbildung
Die Maßnahme ist auf eine Dauer von 18 Monaten angesetzt.
Das BvB kann in Einzelfällen zur Sicherung des Eingliederungserfolges auf
24 Monate ausgedehnt werden.
TERMINE
Konzipiert ist das BvB 18, für Jugendliche …
• … mit einer erheblichen Lernbehinderung
• … die Entwicklungsrückstände aufweisen
• … die noch nicht berufswahlreif sind
• … aus sozialen Problemlagen.
das AQJ richtet sich hauptsächlich an schulpflichtige Jugendliche
• … ohne Arbeitsplatz oder Ausbildungsplatz
• … mit unklare Vorstellung des Berufsfeldes
• … keine Praktikumsnachweise vorlegen können
• … die noch nicht ausbildungsfähig sind
• … ohne Interesse an einer Ausbildung
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
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2.4. BVJ – BerufsVorbereitungsJahr (ehemals BVJ-B)
FORUM
Unterrichtet wird im Klassenprinzip an 5 Tagen/Woche in der Berufsschule
über ein Schuljahr. Wichtiges Element ist eine enge theoretischer und praktischer Inhalte.
Zielsetzung:
• Vermittlung von schulischen Grundfertigkeiten und Lebensorientierung
• Erfüllung der Berufsschulpflicht
• Erreichen der Betriebsfähigkeit
• Vorbereitung auf eine mögliche Anschlussmaßnahme
Das BVJ ist eine berufliche Vollzeitmaßnahme (5 Tage Berufsschule pro Woche) und dauert ein Schuljahr. Die Jugendlichen erhalten hier eine besondere
Förderung, bevor sie eine andere berufliche Vollzeitschule besuchen, eine
betriebliche Ausbildung beginnen oder aber eine Arbeit aufnehmen. Das BVJ
soll den Schülerinnen und Schülern den Eintritt in das Berufsleben erleichtern.
Deshalb bildet der fachpraktische Unterricht in zwei Berufsfeldern den
Schwerpunkt, ergänzt durch fachtheoretischen und berufsfeldübergreifenden
Unterricht.
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
BÖRSE
Durch den erfolgreichen Abschluss des Berufsvorbereitungsjahres ist die Berufsschulpflicht beendet. Geht der Schüler, was eigentliches Ziel des Berufsvorbereitungsjahres ist, ein Berufsausbildungsverhältnis ein, so lebt die Berufsschulpflicht wieder auf.
TERMINE
Es ist gedacht für Jugendliche, die….
• … eine Berufsausbildung anstreben, jedoch im Augenblick keine ihrem
Berufswunsch entsprechende Ausbildungsstelle finden,
• … eine Berufsausbildung anstreben, jedoch Lernschwierigkeiten haben
(insbesondere Schüler ohne Hauptschulabschluss),
• … eine Berufsausbildung anstreben, jedoch noch nicht ausreichende
Kenntnisse der deutschen Sprache erlangt haben
• … als Vorbereitung für mögliche anschließend Maßnahmen wie, z.B.
das BGJ (Berufsgrundbildungsjahr)
.
Zielsetzung:
• … die Ausbildungsfähigkeit und Ausbildungsbereitschaft fördern,
• … die Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit unmittelbar nach Abschluss des Berufsvorbereitungsjahrs ermöglichen
• … die allgemeinen Fähigkeiten zur Lebensbewältigung steigern.
• … den einfach Hauptschulabschluss erreichen.
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2.5. BGJ – BerufsGrundbildungsJahr oder BerufsGrundschulJahr
Im BGJ besuchen die Schulabgänger an 5 Tagen/Woche die Berufsschule
(BGJ/s), bzw. werden sie bereits im Betrieb ausgebildet und besuchen die
Berufsschule nur in Teilzeit. Im schulischen BGJ wird die Praxis der Arbeitswelt - neben der fachpraktischen Ausbildung in der Berufsschule in einem bis
zu vierwöchigen Praktikum abgedeckt.
FORUM
BGJ
BGJ/schulisch
•
Allgemeinbildende und fachtheoretische Ausbildung:
Berufsschule
•
Fachpraktische Ausbildung:
Berufsschule
BGJ/kooperativ
•
Allgemein bildenden und in den fachtheoretische Ausbildung:
Berufsschule
•
Fachpraktische Ausbildung
Betrieb
Gedacht ist das Berufsgrundbildungsjahr für Schulabgänger,
BÖRSE
Das Berufsgrundbildungsjahr …
• … ist ein einjähriger beruflicher Ausbildungsgang
• … vermittelt in schulischer Vollzeitform die beruflichen Grundkenntnisse und -fertigkeiten vermittelt sowie die allgemeine Bildung fortsetzt.
• … wird bei erfolgreichem Abschluss als erstes Ausbildungsjahr auf die
insgesamt dreijährige Ausbildung angerechnet, wobei der Ausbildungsvertrag erst für das zweite und dritte Ausbildungsjahr abgeschlossen wird, das dann in einem Betrieb absolviert wird.
• … bietet die Möglichkeit bei entsprechenden schulischen Leistungen,
einen eventuell fehlenden Hauptschulabschluss zu erwerben.
• … Das erste Ausbildungsjahr wird in Bayern als Berufsgrundschuljahr
in Vollzeitform durchgeführt.
TERMINE
• … die keine reguläre Lehrstelle gefunden haben, und ein staatliches
Ausbildungsjahr Jahr auf einer Berufsschule zu absolvieren müssen
• … die bestimmte Berufe ergreifen wollen, in denen das BGJ Pflicht ist
(z.B.Schreiner, Hauswirtschafterin). Hier werden die allgemeinen
Berufsgrundlagen vermittelt, bevor es dann in die praktische Ausbildung geht. Viele Betriebe möchten zwar ausbilden, haben aber keine ausreichenden Möglichkeiten, die allgemeinen Berufsgrundlagen
zu vermitteln, da sie stark spezialisiert sind.
Das BGJ ist aber aufgrund der relativ hohen Anforderungen für Schulabgänger unserer Schulen nur bedingt geeignet.
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
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2.6. BIJ – BerufsIntegrationsJahr
Damit ist BIJ beispielsweise interessant für Jugendliche aus Übergangsklassen und Absolventen von Deutschkursen.
FORUM
Das kooperative Berufsintegrationsjahr (BIJ) ergänzt als Maßnahme für ein
Schuljahr die bestehenden Angebote der Berufsvorbereitung für berufsschulpflichtige Jugendliche.
Ansprechen will das BIJ sind Jugendliche, ….
• … die die Berufsschulpflicht noch nicht erfüllt haben und dabei
• … einen Migrationshintergrund, oder/und
• … einem erhöhten Sprachförderbedarf in Deutsch aufweisen.
Zielsetzung durch intensive Sprachförderung
• … Aufbau berufsfeldbezogener Kompetenzen
• … die Möglichkeiten zum nachträglichen Erwerb eines erfolgreichen
Hauptschulabschlusses
• … Verbesserung der Ausbildungsreife
• … Anbahnen der Fähigkeit für berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen
• … Qualifizierung der Berufswahlentscheidung
TERMINE
Die Vollzeitmaßnahme umfasst 5 Tage Unterricht pro Woche. Die berufsvorbereitende Maßnahme enthält aufeinander abgestimmte Elemente der
Sprachförderung, der Allgemeinbildung und der berufsbezogenen Förderung
zum Aufbau persönlicher und beruflicher Handlungskompetenzen.
2.7. JoA- Jugendliche ohne Ausbildungsplatz
Die JoA Maßnahme richtet sich an hauptsächlich an schulpflichtige
• … Jugendliche, ohne Interesse an einer Ausbildung
… Jungarbeiter
• … Jugendliche, die in Betrieben der eigenen Firma mitarbeiten
In den JoA Klassen findet über einen Zeitraum von 3 Jahren hinweg ein wöchentlicher Berufsschultag statt. Dieser erfüllt die noch ausstehende Berufsschulpflicht der Teilnehmer. In den JoA-Klassen werden allgemeinbildende
und berufliche Grundkenntnisse mit dem Ziel der Vorbereitung, bzw. Begleitung der Arbeitnehmertätigkeit. Die Beschulung in den JoA-Klassen kann aber
auch blockweise erfolgen.
BÖRSE
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
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3. Berufsqualifizierende Maßnahmen
Die Berufsqualifizierenden Maßnahmen lassen sich in 2 Bereiche aufteilen:
während das BEJ mit dem Ziel eines qualifizierenden Hauptschulabschluss
für unsere Schülerinnen und Schüler ungeeignet ist, bietet die EQ weitere
Brücken in die Berufswelt.
Die EQ richtet sich an ausbildungsfähige Jugendliche,
• … mit einer groben Berufswahl haben
• … die schulpflichtig sind
• … ohne Ausbildungsvertrag
• … mit eingeschränkter Vermittlungsfähigkeit
FORUM
3.1. EQ – Einstiegsqualifizierung für Jugendliche
Die EQ wird in Fachklassen organisiert, in denen Grundlagen der beruflichen
Handlungsfähigkeit vermittelt werden. Zudem absolvieren die Jugendlichen
Praktika in Berufsfeldern, die ihrem späteren Berufswunsch entsprechen sollten.
BÖRSE
Die Jugendliche oben hat sicherlich auch
eine Möglichkeit gefunden, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Mit den aktuellen und klassischen Brückenangeboten
hat diese jedoch nichts zu tun.
Im Intersse unserer Schülerinnen und
Schüler bleibt nur zu hoffen, dass die
Brückenangebote nicht dem Rotstift der
Finanzen zum Opfer fallen und dieser
oben abgebildete Weg kein fester
Bestandteil der BvB’s wird.
TERMINE
Zielsetzung:
• … Verhelfen zur Berufsschulreife
• … evtl. Erfüllung der Berufsschulpflicht
• … Vermittlung und Vertiefung von Grundlagen beruflicher Handlungsfähigkeit
• … Berufsbezogene Grundbildung nach dem Lehrplan der 10. Klasse
Thomas Enders, SFZ Schwabach
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
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FORUM
Übergang Schule – Beruf
am Beispiel
SFZ II Bad Windsheim
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
BÖRSE
Erarbeitet und zusammengestellt von Schulleitung und KollegInnen der Oberstufe des SFZ II Bad Windsheim
TERMINE
des
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Inhaltsverzeichnis
1. Das SFZ II Bad Windsheim
2. Das Unterrichtsfach BLO
FORUM
3. Die Konzeption der Oberstufe am SFZ II
3.1. Bausteine der beruflichen Integration am SFZ II
3.1.1. Lehrplangemäßer Aufbau der Oberstufe am SFZ
3.1.2. Praktischer Unterricht an außerschulischen Lernorten
3.1.3. Zusammenarbeit mit den Praktikumsbetrieben
3.2. Die 7.Jahrgangsstufe am SFZ II
3.3. Die 8. Jahrgangsstufe am SFZ II
TERMINE
3.1.4. Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit - Berufsberatung
3.3.1. Grundlagen für die Arbeit der Schülerübungsfirmen am SFZ II
3.3.2. Der Weg in die Schülerübungsfirmen
3.3.3. Die Schülerübungsfirmen
4. Folgeeinrichtungen
BÖRSE
3.4. Die 9. Jahrgangsstufe am SFZ II
4.1. Berufsvorbereitende Maßnahmen
4.2. Berufliche Maßnahmen
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
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1. Das SFZ II Bad Windsheim
FORUM
TERMINE
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
BÖRSE
Das SFZ II ist ein Sonderpädagogisches Förderzentrum mit den Förderschwerpunkten Lernen, Sprache und Verhalten in einem ländlich strukturierten Flächenlandkreis mit sehr großem Einzugsgebiet. Als Arbeitgeber überwiegen Handwerksbetriebe, das Dienstleistungsgewerbe und die Landwirtschaft. Industriebetriebe sind lokal begrenzt in geringer Zahl vorhanden.
Der öffentliche Personenverkehr verläuft über zwei Hauptachsen (WürzburgAnsbach sowie Nürnberg-Rothenburg), die Erreichbarkeit vieler öffentlicher
Einrichtungen (z.B. der Berufsschule zur sonderpädagogischen Förderung in
Ansbach) wie auch von Arbeitsstätten ist in der Regel zwingend an die Benutzung eines eigenen Fahrzeugs gebunden.
Als SFZ pflegen wir einen engen Kontakt zu allen an der Schnittstelle Schule
– Beruf Tätigen. Wir arbeiten eng vernetzt mit den lokalen Betrieben, der Jugendhilfe (JaS), den Maßnahmeträgern der Agentur für Arbeit sowie den aufnehmenden Berufsschulen zusammen und suchen als Mitglied im Arbeitskreis Schule-Wirtschaft nach immer neuen Wegen, den Übergang unserer
Schüler in die Berufswelt gut zu begleiten.
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2. Das Unterrichtsfach BLO
Die Abkürzung BLO steht für Berufs- und LebensOrientierung.
Das Unterrichtsfach BLO-Theorie gliedert sich in vier Bereiche:
FORUM
1. Grundlegende Erfahrung mit der Berufs- und Arbeitswelt
• Welche Berufe gibt es?
• Welche Anforderungen stellen Berufe?
• Welche Ausbildungsberufe gibt es?
• Welche Berufsvorbereitungsmaßnahmen gibt es?
• Welche Rechte und Pflichten hat ein Auszubildender?
2. Individuelle Erfahrungen mit der Berufs- und Arbeitswelt
- Welche Berufe gibt es in meinem Umfeld?
- Welche Ausbildungsberufe gibt es in meiner Region?
- Welche Interessen und Fähigkeiten habe ich?
- Wie bewerbe ich mich richtig?
TERMINE
3. Mensch – Arbeit – Betrieb
• Welche Arbeitsplätze gibt es?
• Wie verhalte ich mich am Arbeitsplatz?
• Wie verläuft ein Arbeitstag?
• Welche Sicherheitsbestimmungen und Gesundheitsbestimmungen
gibt es?
• Was haben Lohn und Leistung miteinander zu tun?
• Was bedeuten Kündigung und Kündigungsschutz?
4. Lebensplanung und Lebensgestaltung
• Welche Bedeutung haben Ausbildung und Arbeit für Menschen?
• Was kann ich bei Arbeitslosigkeit tun? – Probleme und Hilfen
• Welche Bedeutung haben Geldinstitute für mich?
• Wie gehe ich sinnvoll mit meinem Geld um?
• Welche Versicherungen gibt es?
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
BÖRSE
Die vier Bereiche werden in den Klassen 7 bis 9 behandelt.
Diese Bereiche orientieren sich eng am Lebensalltag und sind mit den Bereichen gewerblich-technische Praxis (GtP) und hauswirtschaftlich-soziale Praxis (HsP) verknüpft.
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3. Die Konzeption der Oberstufe am SFZ II
FORUM
Die Oberstufe (Förderstufe IV) des Sonderpädagogischen Fördezentrums
umfasst die Klassen 7 bis 9. Die Oberstufe dient in besonderem Maße der
Berufsvorbereitung der Schülerinnen und Schüler, dabei liegt ein Schwerpunkt auf dem Erwerb berufsübergreifender Schlüsselqualifikationen:
Begriff
Beschreibung
im Team arbeiten
gute Ideen haben
Abläufe planen können
wechselnde Aufgaben bewältigen
Belastungen vertragen
mit Menschen umgehen können
geschickt und fingerfertig sein
Sauberkeit beachten
genaues Arbeiten
ausdauern arbeiten, durchhalten
Körperkraft einsetzen und dosieren
mit technischen Dingen umgehen
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
BÖRSE
Teamfähigkeit
Kreativität
vorausschauendes Denken
Flexibilität
Belastbarkeit
soziale Fähigkeiten
Geschicklichkeit und Fingerfertigkeit
Sauberkeit
Sorgfalt und Genauigkeit
Ausdauer und Durchhaltevermögen
Kraft
Technisches Verständnis
TERMINE
3.1. Bausteine der beruflichen Integration am SFZ II
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3.1.1. Lehrplangemäßer Aufbau der Oberstufe am SFZ
Vorbereitungsphase:
Beginnend in der 7. Klasse, in der das Fach „Berufs- und Lebensorientierung“
(früher: "Arbeitslehre") erstmals auf dem Stundenplan erscheint, nehmen Inhalte der Berufs- und Lebensorientierung im Unterricht zunehmend Raum ein
(z.B. Kennenlernen verschiedener Berufsfelder, Betriebserkundungen, etc.).
FORUM
Orientierungsphase:
In der 8. Klasse arbeiten die Schüler einen Tag in der Woche in den Schülerübungsfirmen unter Anleitung und Betreuung von Lehrkräften der Oberstufe,
nachdem sie ein Bewerbungstraining durchlaufen und eine Bewerbungsmappe erstellt haben. Daneben absolvieren die Schüler im Herbst und im
Frühjahr jeweils ein zweiwöchiges Betriebspraktikum.
Individualisierungsphase:
In der 9. Klasse schließlich findet nach einem weiteren zweiwöchigen Blockpraktikum im Herbst für einen Tag in der Woche bis zum Schuljahresende ein
schulbegleitendes Betriebspraktikum statt. Somit soll der Übergang zur späteren Berufspraxis durch den Ausbau von Schlüsselqualifikationen und grundlegenden Fertigkeiten erleichtert werden.
7. Klasse
8. Klasse
Schnuppertag im Rahmen der BLO-Praxis (Ende 7. Klasse)
Die Schüler verbringen einen Arbeitstag in einem selbst gewählten Betrieb
(i.d.R. dem des Vaters bzw. der Mutter).
Gelernte Inhalte aus dem Fachbereich BLO-Theorie sollen hier erstmals praktisch erfahren und erlebt werden.
1. Betriebspraktikum (im Herbst)
Die Schüler absolvieren ein zweiwöchiges Praktikum in einem Betrieb ihrer
Wahl. Die daraus gewonnen Erkenntnisse sollen für die weitere Berufsfindung
hilfreich sein. Die Schüler erstellen dabei eine Praktikumsmappe.
3. Betriebspraktikum (im Herbst – parallel zum 1.BP der 8. Klasse)
Die Schüler absolvieren ein zweiwöchiges Praktikum in einem Betrieb. Sie
erstellen dazu eine Praktikumsmappe.
BÖRSE
2. Betriebspraktikum (im Frühjahr)
Die Schüler leisten nochmals ein zweiwöchiges Praktikum in einem Betrieb ab.
Bereits gewonnene Erkenntnisse aus dem ersten Praktikum können jetzt von
den Schülern nochmals überprüft und vertieft werden. Das Führen einer Praktikumsmappe ist Pflicht.
9. Klasse
TERMINE
3.1.2. Praktischer Unterricht an außerschulischen Lernorten
Praxistag (jeden Donnerstag während des Schuljahres)
Die Schüler verbringen den gesamten Donnerstag in einem Betrieb außerhalb
der Schule. Das Führen eines Berichtsheftes (Schreiben von ausführlichen
Tagesberichten in der 1. Vergangenheitsform) ist Pflicht.
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
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Das Betriebspraktikum soll Einblicke in die Berufs- und Arbeitswelt sowie deren soziale Strukturen geben. Es unterliegt den Bestimmungen des JArbG. Im
Alltag und Unterricht erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten werden durch
die Erfahrungen und Erlebnisse in einem Betrieb vertieft.
3.1.3. Zusammenarbeit mit den Praktikumsbetrieben
FORUM
Im Betrieb dient in der Regel ein Praktikumsbetreuer als Ansprechpartner für
den Schüler. Gleichzeitig wird er vom Klassenlehrer während des Praktikums
direkt vor Ort besucht, um eventuelle Fragen zu klären und erste Rückmeldungen über Arbeitsweise und Verhalten des Schülers im täglichen Arbeitsleben zu bekommen. Am Ende des Praktikums erstellt der Praktikumsbetreuer
eine abschließende Beurteilung, die Bestandteil der Praktikumsmappe des
Schülers ist.
Die aus dem Praktikum gewonnenen Informationen fließen dann in Zusammenarbeit von Schule und Berufsberater in die weitere Berufsfindung mit ein.
Sie geben darüber Auskunft, in wie weit der Schüler die Anforderungen des
jeweiligen Berufsfeldes bereits erfüllt und an welchen Stellen noch Förderbedarf besteht.
8. Klasse
Informationsabend für die Eltern durch den Berufsberater
(1. Halbjahr)
Die Eltern werden über den Ablauf der Berufsfindung während
der Schulzeit sowie über die verschiedenen Ausbildungswege
und Ausbildungshilfen nach der Schule informiert.
Informationsveranstaltung in der Schule (1. Halbjahr)
Für die Schüler führt der Berufsberater diese Informationsveranstaltung noch einmal während des Unterrichts durch.
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
BÖRSE
Besuch des Berufsinformationszentrums, kurz BIZ (gegen
Ende der 8. Klasse)
Die Schüler können sich dort ausführlich über Berufsbilder und
Anforderungen eines Berufs informieren sowie über die momentane Arbeitsmarktentwicklung.
TERMINE
3.1.4. Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit - Berufsberatung
14
9. Klasse
Psychologischer Test (zu Beginn der 9. Klasse)
Die Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit führen mit jedem
Schüler einen psychologischen Test in der Schule durch.
FORUM
Gutachten §27/3 wird zum Zwischenzeugnis der 9. Klasse
vom Klassenlehrer erstellt
Das Gutachtens gemäß §27/3 der VSO-F wird an den Berufsberater weitergeleitet. Es enthält Entscheidungshilfen von Seiten
der Schule für die Berufsberatung und die weitere pädagogische
Förderung.
Einzelberatung im Arbeitsamt mit dem Berufsberater
(im Verlauf der 9. Klasse)
Dieses Gespräch ist sehr wichtig, da der Berufsberater mit dem
Jugendlichen bespricht, wie es bei ihm nach Beendigung der
neunten Klasse konkret weitergeht. Begleiten sie ihr Kind daher
unbedingt zu diesem Termin, um eventuelle Nachfragen zu klären und es bei der Aufnahme der Ausbildung nach der Schule
optimal unterstützen zu können.
TERMINE
3.2. Die 7. Jahrgangsstufe am SFZ II
BÖRSE
Die SchülerInnen der 7. Klasse erhalten am SFZII jeden Mittwoch einen vierstündigen Praxisunterricht im Fach BLO. Dazu durchlaufen sie in Kleingruppen 5 verschiedene Arbeits- und Praxisbereiche (je ca. 7 Wochen). Die jeweiRegierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
15
ligen Kleingruppen werden dabei von Lehrern der Oberstufe betreut und angeleitet.
FORUM
Inhalte
Betriebserkundungen
(Bereich: GtP/ HsP)
Die SchülerInnen erwerben sich erste Kenntnisse
im Bereich der Berufskunde. Bei Besichtigungen
von Betrieben im regionalen Umfeld werden Theorie und Praxis verknüpft.
Metallbearbeitung
(Bereich: GtP)
Die SchülerInnen erlernen Grundfertigkeiten in
der Bearbeitung von Metallen. Beim Draht biegen
und Löten erfahren sie Eigenschaften des Werkstoffes.
Technisches Zeichnen/
Technisches Werken
(Bereich: GtP)
Die SchülerInnen lernen wesentliche Grundfertigkeiten im technischen Zeichnen kennen und setzen diese beim Erstellen eines Werkstücks
(Matrial: Holz) gezielt ein.
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
BÖRSE
Bezeichnung
TERMINE
Die BLO-Gruppen im Überblick
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Inhalte
Textilpflege, Service,
Verkauf
(Berich: HsP)
Die SchülerInnen gewinnen erste Einblicke in das
Berufsfeld Textilpflege (Waschen, Bügeln) und
verkaufen selbstgestaltete jahreszeitliche Produkte (Marmelade, Gestecke)
Textilarbeit, Textilgestaltung
(Bereich: HsP)
Die SchülerInnen führen grundlegende Aufgaben
im Bereich des Berufsfeldes Bekleidung aus
(Nähtechnische Tätigkeiten, Kenntnisse im Umgang mit der Nähmaschine)
Nahrungszubereitung
(Bereich: HsP)
Die SchülerInnen führen Tätigkeiten aus dem
Berufsfeld Hauswirtschaft/ Ernährung aus (Teigherstellung, Messen, Wiegen, gesunde Ernährung).
FORUM
Bezeichnung
3.3. Die 8. Jahrgangsstufe am SFZ II
TERMINE
BÖRSE
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
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3.3.1. Grundlagen für die Arbeit der Schülerübungsfirmen am SFZ II
Konzeption:
Laut Lehrplan sollen die SchülerInnen der Sonderpädagogischen Förderzentren auf die späteren Anforderungen des Berufslebens vorbereitet werden.
Dazu bieten wir seit dem Schuljahr 1999/2000 Schülerübungsfirmen in verschiedenen Berufsfeldern an.
3.3.2. Der Weg in die Schülerübungsfirmen
1)
2)
3)
4)
5)
TERMINE
Finanzierung:
Die Einnahmen der Schülerübungsfirmen werden von einem eigens gegründeten Förderverein der SÜF verwaltet. Jede Firmenleitung wirtschaftet eigenverantwortlich und erstellt eine jährliche Abrechnung. Die Finanzierung der
externen Fachkräfte wird über die BLO-Gelder (Regierung Mfr) abgesichert.
FORUM
Organisationsform:
Die SchülerInnen der 8.Jahrgangsstufe werden von
Firmenleitern (Lehrkräften) unterrichtet und von externen Fachkräften angeleitet. Die Gruppenstärke einer
Firma beträgt 6 - 8 SchülerInnen.
Dauer: November - Juli jeden Donnerstag
(6 Schulstunden)
Stellenausschreibung
schriftliche Bewerbung
Bewerbungstraining
Vorstellungsgespräch
Arbeitsvertrag
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
BÖRSE
Der Bezug zur realen Arbeitswelt außerhalb der Schule ist ein besonderes
Anliegen der Oberstufenkonzeption.
So durchlaufen die Schüler auf ihrem Weg in die Schülerfirma 5 festgelegte
Stationen, die sie auf die reale Bewerbungssituation in der freien Wirtschaft
vorbereiten sollen:
Es beginnt (1) mit der Stellenausschreibung der Schülerübungsfirmen im
Klassenzimmer. Daraufhin fertigen die Schülerinnen (2) ihre schriftliche Bewerbung in Zusammenarbeit mit ihrem Klassenleiter an. In einem ganztägigen
Bewerbungstraining (3) werden die Schüler noch mal darauf hingewiesen, auf
welche Punkte es schließlich bei dem folgenden Vorstellungsgespräch (4)
ankommt. Nach diesem Gespräch entscheiden die Firmenleiter, wer sich am
besten präsentiert hat und schließlich einen Arbeitsvertrag (5) erhält.
18
FORUM
TERMINE
BÖRSE
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
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3.3.3. Vorstellung der einzelnen Schülerübungsfirmen am SFZ II
FORUM
Schülerübungsfirma Holzarbeiten und Landschaftsgestaltung
Holzarbeiten:
TERMINE
§ Umgang mit Werkzeugen und Handmaschinen
§ Sicherheitsmaßnahmen
§ Holzverbindungen kennen lernen und unterscheiden
§ Oberflächenbehandlung von Holz
§ Fertigung verschiedenster Werkstücke nach Bestellung bzw. Auftrag
§ Vermittlung von Grundwissen im Bereich Holzarten
Die Arbeit wird in der Regel im Werkraum des Förderzentrums verrichtet, allerdings auch vor Ort außerhalb, z.B. bei Montagetätigkeiten. Die Aufträge
entspringen entweder der eigenen Schule (Bau von Materialien, etc.) oder
werden von externen Auftraggebern erteilt (z.B. Wandvertäfelungen für das
Förderzentrum I).
Landschaftsgestaltung:
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
BÖRSE
§ Umgang mit Werkzeugen und einfachen Maschinen im Gartenbau
§ Sicherheitsmaßnahmen
§ Vermittlung von Fertigkeiten in der Gartengestaltung und -pflege (Rasen
mähen, Beete anlegen, Hecken schneiden)
§ Beschnitt von Obstbäumen
§ Einfache Pflasterarbeiten
§ Gartenteiche anlegen (Aushub und Bepflanzung)
20
FORUM
Schülerübungsfirma Farbe
VORARBEITEN
§ säubern und reinigen ihr Werkzeug fachgerecht.
§ entfernen das Malerkrepp.
§ richten den Raum für den Kunden wieder her (Säubern des Fußbodens und Zurückstellen der Möbel).
Zu Beginn des Schuljahres werden die Schüler in die grundlegenden Arbeitstechniken durch einen Malermeister eingeführt.
Einsatzgebiet der Schülerübungsfirma Farbe sind hauptsächlich Räume innerhalb des Schulzentrums. Daneben übernehmen wir gerne auch Aufträge
von Schulen, Kindergärten und anderen öffentlichen Einrichtungen in ganz
Bad Windsheim.
Am Ende eines Arbeitstages wird ein Tagesbericht über die durchgeführten
Arbeiten verfasst.
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
BÖRSE
AUFRÄUMEN
§ rühren die Farbe an (Abtönen mit verschiedenen Farbtönen).
§ tragen eventuell eine Grundierung auf.
§ streichen zunächst Ecken und Kanten mit Pinsel und kleiner Rolle
vor.
§ streichen anschließend große Flächen mit großer Rolle und Teleskopstange.
TERMINE
§ stellen selbstständig ihr Arbeitsmaterial und ihr Werkzeug für den
Einsatz zusammen.
§ berechnen Fläche und benötigte Farbmenge.
§ bereiten den Raum zum Streichen vor (Möbel wegräumen, Bilder
abhängen...).
§ bereiten den Untergrund zum Streichen vor (Beseitigen von Staub,
Ausbessern von Löchern und Rissen, Anschleifen von Flächen für
den Farbauftrag).
§ kleben Schalter, Leisten, Rahmen usw. mit Malerkrepp ab.
§ legen den Boden mit Abdeckmaterial aus.
STREICHEN
Die Schüler...
21
FORUM
Schülerübungsfirma Café
Die Schülerübungsfirma Café betreibt in einem Raum des Förderzentrums ein
Café , in dem sich die Schülerinnen und Schüler in den Pausen aufhalten und
mit kalten und warmen Getränken und kleinen Speisen versorgen können.
§
§
§
§
§
TERMINE
Tätigkeitsbereiche:
§ Pausenverkauf von Leberkäsebrötchen
§ 1 x wöchentlich Schnitzelsandwich, Hamburger und Gemüseburger
§ Backen von Kuchen und Muffins
§ Tagesabrechnung der Kasse
§ Reinigung: Reinigen des Thekenbereichs und des Gastraums
§ Einkauf von Lebensmitteln
Catering für Geburtstagsfeiern und Feste
1x wöchentlich Mittagessen für Offene Ganztagesklasse
Jahreszeitliches Gebäck (Faschingskrapfen, Früchtebrot, Ostergebäck)
Verkauf und Service: Bedienen, Kassieren, Auftragen und Abräumen
Gestaltung: Einrichtung und Dekoration des Raums
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
BÖRSE
Das Café wurde am 6. Februar 2002 eröffnet und wird von den Schülern sehr
gut angenommen.
22
FORUM
Schülerübungsfirma Dienstleistung und Soziales
Reinigung von Textilien
§ Waschen, Bügeln und Mangeln von Textilien
§ Spezialbehandlungen wie Färben oder Stärken von Wäschestücken
§ Ausbesserungsarbeiten an Kleidung- bzw. Wäschestücken
Schulhausinterne Dienste
§ Gestaltungsobjekte für das Schulhaus erstellen
§ Dekoration des Schulhauses
Autoinnenraum reinigen und „Autokosmetik“
§ Innenraum saugen
§ Fußmatten und Polster säubern
§ Armaturen und Kunststoffe auffrischen
BÖRSE
Fenster putzen mit professionellen Arbeitsverfahren und Reinigungsmitteln
Der Bereich Fensterputzen wurde 2003/04 ins Programm mit aufgenommen.
Ein leitender Mitarbeiter einer Gebäudereinigungsfirma weist die Schüler in ihr
Tätigkeitsgebiet ein.
§ Innenraumreinigung umfasst Reinigungsarbeiten aller Art
§ Böden kehren, wischen oder saugen
§ Oberflächen von Schränken und Tischen säubern
TERMINE
Soziale Dienste
§ Täglich die Krankenliste der Schule führen
§ Jüngeren Schülern bei verschiedenen Aufgaben im Unterricht helfen
§ In der Pflegeabteilung eines Seniorenheims arbeiten (Rollstuhlschulung)
Die Schülerübungsfirma Soziales gibt es seit dem Schuljahr 2003/04.
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
23
Die Schülerinnen und Schüler dieser Schülerfirma sorgen für das leibliche
Wohl von Schülern und Lehrern. Der Kiosk ist dabei während der ganzen
Woche in den Pausen geöffnet und bietet am Donnerstag, dem Schülerfirmen-Tag, besondere Angebote, wie zum Beispiel Schülerbaguettes, Pizzabrötchen und Sandwiches.
Zu besonderen Anlässen übernimmt die Schülerfirma Kiosk als Party-Service
die Gestaltung von kleinen Feiern, Imbissen, Gästebewirtungen der Schule,
etc.
TERMINE
Einfache Speisen im Sinne einer Gemeinschaftsverpflegung herstellen
§ Arbeitsplatz zweckmäßig gestalten
§ sinnvoller Geräte- und Werkzeugeinsatz
§ rationelles Arbeiten im Team beim Zubereiten der Speisen
§ Anbahnung einer gesunden, vollwertigen Pausenverpflegung
§ Lieferservice
FORUM
Schülerübungsfirma Kiosk
Täglicher Pausenverkauf
§ Präsentation der Ware
§ Verkaufsgespräche führen
§ Ware kundenorientiert verkaufen
Selbstständige Reinigung der Produktions- und Verkaufsstätten
BÖRSE
Einhaltung der erforderlichen Hygienebestimmungen
Einblicke in einfache kaufmännische Handlungsweisen
§ Kassenführung und Kassenabrechnung
§ Rechnungen erstellen
§ Bankgeschäfte tätigen
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
24
3.4. Die 9. Jahrgangsstufe am SFZ II
FORUM
TERMINE
Der Praxistag…
-
… ist die Fortführung des Unterrichts an außerschulischen Lernorten.
-
… wird durch den Klassenlehrer begleitet.
-
… wird durch ein Berichtsheft des Schülers dokumentiert.
Akquirierung von Ausbildungsplätzen durch enge Vernetzung und
„Kontaktpflege“
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
BÖRSE
Ziel:
25
4. Folgeeinrichtungen
Betriebliche
Ausbildung
Berufliche
Maßnahmen
nach der
neunten Klasse
des SFZ
BVJ-B
FORUM
Regelausbildung am
BAW Ausbildung
Überbetriebliche
Ausbildung
BvB
BBW
AQJ
TERMINE
Jungarbeiterklasse
4.1. Berufsvorbereitende Maßnahmen
1. BVJ-B: Berufsschule zur sonderpädagogischen Förderung (hier: Ansbach und
Nürnberg)
Dauer:
Ziel:
Besonderheit:
Fachrichtungen:
1 Schuljahr
Ausbildung
Hauptschulabschluss möglich
Metall, Holz, Hauswirtschaft, Gastronomie,
Wirtschaft/Verwaltung/Verkauf
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
BÖRSE
Das BVJ-B (= Berufsvorbereitungsjahr, Form B) ist ein Angebot für Jugendliche, die
- eine genaue Berufsvorstellung haben, aber noch nicht berufsreif sind
- ihre schulischen Voraussetzungen noch verbessern müssen bzw.
können
- fachspezifische Kenntnisse und Fertigkeiten erwerben können
26
2. AQJ: Berufsschule zur sonderpädagogischen Förderung (hier: Ansbach)
Dauer:
Ziel:
Fachrichtung:
1 Schuljahr
Arbeit
Holz/Metall, evtl. Hauswirtschaft
FORUM
Das AQJ (= Arbeitsqualifizierungsjahr früher BVJ C) ist ein Angebot für Jugendliche, die
- meist schwache schulische Leistungen bzw. einen hohen sonderpädagogischen Förderbedarf vorweisen
- lebenspraktische Kenntnisse erwerben können
- grundlegende handwerkliche Fertigkeiten erwerben können
3. BvB: Angebot der Bundesagentur für Arbeit (hier: Dietersheim)
Dauer:
Ziel:
Besonderheit:
Fachrichtungen:
ca. 11 Monate
Ausbildung bzw. Arbeit
Hauptschulabschluss möglich (auf Antrag)
keine Fachrichtung, da Aufbau anders als bei BVJ:
viel höherer Arbeitsanteil: ca. 50 % Praktikum;
dabei nach bestimmter Zeit Wechsel von einem
Berufsfeld bzw. Betrieb zum nächsten, zur Orientierung
in Richtung Ausbildung bzw. Arbeit
TERMINE
Die BvB (= Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme) ist ein Angebot für Jugendliche, die
- (noch) nicht berufsreif und auch nicht berufswahlreif sind (noch nicht
wissen, was sie beruflich machen sollen bzw. wollen)
- Kenntnisse und Fertigkeiten in verschiedenen beruflichen Bereichen
erwerben können
Aufbau BvB
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
BÖRSE
Ausbildung/Arbeit
Förderstufe
Verbesserung der beruflichen Grundfertigkeiten
5 Monate
Grundstufe
Berufsorientierung und Berufswahl
ca. 6 Monate
Eignungsanalyse
2 Wochen
27
4. BBW: Berufsbildungswerk in Rummelsberg, Würzburg, Hof und Abensberg,…
Dauer:
Ziel:
Besonderheit:
Fachrichtungen:
mindestens 1 Jahr
Ausbildung bzw. Arbeit
Kombination von Internat, Schule und Praxis
eigene Werkstätten für verschiedene berufliche Bereiche
FORUM
Das BBW (= Berufbildungswerk) ist ein Angebot für Jugendliche, die
- intensiver Förderung bedürfen
- pädagogischer, sozialpädagogischer und medizinischer Betreuung
bedürfen
- Kenntnisse und Fertigkeiten in verschiedenen beruflichen Bereichen
erwerben können
5. Jungarbeiterklasse an der Berufsschule
Dauer:
Ziel:
Besonderheit:
Fachrichtungen:
ca. 1 Jahr
Finden einer Ausbildungs- bzw. Arbeitsstelle
1 Tag Schule pro Woche verpflichtend, sonst oft
keine Beschäftigung in der Woche
möglichst Praktika in verschiedenen beruflichen
Bereichen
TERMINE
Die Jungarbeiterklasse wird angeboten für Jugendliche, die
- keine Ausbildung bzw. einen Platz in einer berufsvorbereitenden
Maßnahme beikommen haben
- (noch) berufsschulpflichtig sind
4.2. Berufliche Maßnahmen
1. Betriebliche Ausbildung: Betrieb und Berufsschule mit ausbildungsbegleitenden
Hilfen
Besonderheiten:
Zeit der Ausbildung
staatlich anerkannter Ausbildungsberuf
Betrieb und Berufsschule (Betrieb 4 Tage, Schule 1 Tag
pro Woche)
abH ( = ausbildungsbegleitende Hilfen)
- Ergänzung zur betrieblichen Ausbildung
- Angebot 1 – 2x pro Woche am Nachmittag/Abend
- Lernförderung einzeln bzw. in kleinen Gruppen
- Förderung von Fachtheorie und Fachpraxis
- Aufarbeitung schulischer Defizite
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BÖRSE
Dauer:
Ziel:
Aufbau:
28
2. Überbetriebliche Ausbildung (hier: Bildungsträger Kolping oder BAW)
Dauer:
Ziel:
Aufbau:
Fachrichtungen:
FORUM
Besonderheiten:
Zeit der Ausbildung
staatlich anerkannter Ausbildungsberuf
Betrieb und Berufsschule (überbetriebliche Schulung –
1 Tag pro Woche)
intensive Förderung (Theorie)
Kontakte zwischen Betrieb, Berufsschule und Eltern
3. Regelausbildung am Berufsausbildungswerk (hier: BAW/ Mfr. in Ansbach und
Nürnberg)
Dauer:
Ziel:
TERMINE
Zeit der Ausbildung
staatlich anerkannter Ausbildungsberuf (Prüfung vor IHK
bzw. Handwerkskammer)
Aufbau:
Betrieb und Förderberufsschule (3 Tage Betrieb, 2 Tage
Schule)
Besonderheiten: intensive Förderung (Theorie)
sozialpädagogische Betreuung
Kontakte zwischen Betrieb, Berufsschule und Eltern
Fachrichtungen: begrenztes Angebot: Verkäufer/in, Fachlagerist/in,
Fachkraft im Hotel- und Gastgewerbe
4. Sonderausbildung am Berufsausbildungswerk (hier: BAW/ Mfr. in Ansbach und
Nürnberg)
Dauer:
Ziel:
Aufbau:
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
BÖRSE
Zeit der Ausbildung
anerkannter Ausbildungsberuf
Betrieb und Förderberufsschule (3 Tage Betrieb, 2 Tage
Schule)
Besonderheiten: intensive Förderung (Theorie)
sozialpädagogische Betreuung
Kontakte zwischen Betrieb, Berufsschule und Eltern
Fachrichtungen: Werker- und Helferausbildung: Metallbearbeiter, Werker im
Gartenbau, Beikoch, Hauswirtschaftstechnische Helferin
Durch eine Verlängerung der Ausbildungsdauer möglich.
Metallbauer, Gärtner, Koch, Hauswirtschafterin
29
1. Arbeitsmarkt
1. Arbeitsmarkt
Berufsabschlussprüfung der Kammern für Voll-Ausbildungsberufe
Duales System
Duales System
4. Jahr der Ausbildung
= 3. Ausbildungsjahr
4. Ausbildungsjahr
FORUM
Vollausbildungsberuf
- JoA mit …
- JoA mit …
- JoA ohne …
WfbM
Werkstatt
für
behinderte
Menschen
JoA
1. Schuljahr
1. Ausbildungsjahr
Projekt
"Übergang
Förderschule
-Beruf"
+ BaE
+ sonst. Reha
+ BBW / BAW
in Vollberuf
und
in besonders geregeltem Beruf
Duales System
Berufsschule zur sonderpädagogischen Förderung
+ Ausbildungsbetrieb
Maßnahmen der Arbeitsagentur
+ BaE
+ sonst. Reha
+ BBW / BAW
in Vollberuf
und
in besonders geregeltem Beruf
oder Berufsgrundschuljahr
Duales System
Berufsschule zur sonderpädagogischen Förderung
+ Ausbildungsbetrieb
Maßnahmen der Arbeitsagentur
Berufsausbildung in außer-
+ BaE betrieblichen Einrichtungen
+ sonst. Reha
+ BBW / BAW
in Vollberuf § 4 BBiG bzw. § 25 HwO
und
in besonders geregeltem Beruf
nach § 66 BBiG bzw. § 42m HwO
- JoA mit Maßnahme
der Arbeitsagentur
- JoA mit ungelernter
Arbeit im Betrieb
BVJ
Förderschwerpunkt
Lernen
- JoA ohne Maßnahme oder Arbeit
BvB = Berufsvorbereitende
Bildungsmaßnahme
Maßnahme der Arbeitsverwaltung
noch nicht voll ausbildungsreife
Jugendliche
Förderschwerpunkt Lernen
schulische Maßnahme
ausbildungsreife
Jugendliche (ohne Lehrstelle)
ausbildungsreife
Jugendliche
BÖRSE
nicht ausbildungsfähige
Jugendliche
BVJ = Berufsvorbereitungsjahr
ohne Ausbildungsplatz (Schule + Betrieb)
2. Schuljahr
Maßnahmen der Arbeitsagentur
TERMINE
JoA
Duales System
Berufsschule zur sonderpädagogischen Förderung
+ Ausbildungsbetrieb
EQJ = Einstiegsqualifizierung für Jugendliche
- JoA mit …
- JoA mit …
- JoA ohne …
3. Ausbildungsjahr
3. Schuljahr
2. Ausbildungsjahr
JoA
Berufsgrundbildungsjahr
1. Arbeitsmarkt
Berufsabschlussprüfung für besonders geregelte Berufe
Anschlussmöglichkeiten für eine berufliche Bildung für Jugendliche mit
sonderpädagogischem Förderbedarf
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
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Einige Fallbeispiele aus der Arbeit des MSD-bS in Ansbach
FORUM
Wie auch im Jahr zuvor lag auch im Schuljahr 2009/2010 einer der Schwerpunkte der Arbeit des MSD - bS im kooperativen BVJ an der Regelberufsschule, welches dem Bereich Bau zugeordnet war.
Dieses BVJ ist gedacht für ehemalige Hauptschüler, die keine Lehrstelle gefunden haben. Den kooperativen Charakter des BVJ macht die Tatsache aus,
dass einerseits die Berufsschule die Teilnehmer an zwei Wochentagen beschult und versucht, theoretische Lücken auszugleichen, andererseits die Jugendlichen an drei Wochentagen von einem Bildungsträger betreut werden,
der die Aufgabe hat, Praktika zu organisieren, Arbeitstugenden zu fördern und
die Schüler zu unterstützen, damit sie möglichst nach Abschluss des BVJ in
Ausbildungsverhältnisse münden. Dies soll in enger Vernetzung mit der Berufsschule geschehen. Soweit die Theorie.
In der Praxis musste auch in diesem Schuljahr festgestellt werden, dass sowohl systemische und konzeptionelle Mängel insgesamt, als auch strukturelle
und persönliche Defizite seitens des Bildungsträgers dazu führten, dass eine
ganze Reihe von Teilnehmern sich zu Problemfällen entwickelten. Dies hatte
zur Folge, dass ich - etwa zum Ende des ersten Halbjahres - von der BS um
Hilfe gebeten wurde,
BÖRSE
Aus dem Erstgespräch mit den BS Kollegen ergaben sich folgende Schwerpunkte:
• Verbesserung der Kommunikation zwischen Bildungsträger
und Berufsschule
• Verbesserung der Arbeitshaltung und schulischen Motivation
bei den betreffenden Schülern
• Regelmäßiges und pünktliches Erscheinen im Unterricht, kein
Schulschwänzen
• Aktivere Teilnahme an der Maßnahme hinsichtlich Praktika
und Lehrstellensuche
TERMINE
Bei einem Gespräch mit mehreren Lehrkräften der Berufsschule wurde mir
eine Reihe von Jugendlichen beschrieben, welche in erster Linie durch ihr
defizitäres Lern- und Leistungsverhalten, aber auch durch ihr Sozialverhalten
auffällig geworden waren. Die meisten von ihnen nahmen weder den Unterricht in der Berufsschule ernst und fehlten häufig unentschuldigt, noch nahmen sie regelmäßig an der Betreuung durch den Bildungsträger TWBI teil. Im
Verlauf des Gespräches wurde zusammen mit den Kollegen der BS eine Prioritätenliste erstellt, die festlegte, mit welchen Schülern zuerst und mit welchem
Schwerpunkt gearbeitet werden sollte.
Es wurden insgesamt sechs Schüler benannt, die aus unterschiedlichen
Gründen den Lehrkräften Sorge bereiteten.
Drei Beispiele möchte ich etwas genauer beschreiben.
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
31
BÖRSE
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
TERMINE
2. Fall T.
Im Gespräch mit dem Klassenleiter des BVJ wurde ein Name erwähnt, welcher mir aus meiner früheren Tätigkeit im MSD des Förderzentrums bekannt
vorkam. Auf Nachfrage erhielt ich eine mündliche Beschreibung des Schülers
von seinem derzeitigen Lehrer: ruhig, behäbig, umgänglich, unreife Persönlichkeit. Er sei noch sehr kindlich und habe noch keine berufliche Orientierung. Er komme aber regelmäßig zum Unterricht und auch zum Bildungsträger.
Im Gespräch mit T. erfahre ich seinen schulischen Werdegang. Er weiß noch,
dass ich ihn vor Jahren in der ersten Klasse der Grundschule getestet habe.
danach habe er die Diagnose- und Förderklasse durchlaufen, anschließend
noch zwei Jahre Grundschulzweig am Förderzentrum. Danach kam die Rückführung an die Hauptschule, die er im Nachhinein als Fehlentscheidung betrachtet. Die Noten in der Hauptschule sackten erwartungsgemäß deutlich ab.
FORUM
1. Fall F.
F. war zunächst weder in der Schule noch beim Bildungsträger anzutreffen.
Erst durch Anrufe bei den Erziehungsberechtigten konnte ein Kontakt hergestellt werden. F. selbst lehnte im persönlichen Gespräch jede Zusammen arbeit mit dem Bildungsträger ab. Er hätte keine Lust, tagelang sinnlos vor dem
PC zu sitzen und unbeaufsichtigt und ohne jede Unterstützung nach Praktikumsstellen zu suchen. Außerdem habe er eine Lehrstelle in Aussicht. In einem größeren Betrieb habe er sich als Industriemechaniker beworben. Hier
sei er zu einem Eignungstest eingeladen.
Nachdem ich in Erfahrung gebracht hatte, dass dieser Betrieb nur Bewerber
mit mittlerem Schulabschluss nehmen wird, organisierte ich einen Termin für
ein Gespräch mit allen Beteiligten, welches Aufschluss über das weitere Vorgehen geben sollte. Das Gespräch fand zeitnah in der Berufsschule statt.
Anwesend waren: Klassenleitung der Berufsschule, Schulleitung, Sozialpädagogin des Bildungsträgers, beide Eltern mit F. und ich. Vor allem die Eltern
beklagten sich über das BVJ und dessen Organisation. Sie erklärten sich
letztlich dazu bereit, sich selbst in die Lehrstellen und Praktikumssuche verstärkt einzubringen und dafür zu sorgen, dass ihr Sohn die Berufsschule besucht. Die Vertreterin des Bildungsträgers wiederum sicherte zu, F. aktiv bei
der Praktikums- bzw. Lehrstellensuche zu unterstützen.
Die Berufsschule verzichtete auf bereits vorbereitete Bußgeldverfahren wegen Schulschwänzens mit der Maßgabe eines regelmäßigen Schulbesuchs.
Für den darauf folgenden Schultag ( in knapp einer Woche) wurde ein Gesprächstermin zwischen F. und mir vereinbart.
F. erschien nicht zum Gesprächstermin. Seine Mutter hatte ihn krank gemeldet. Danach besuchte er ein einziges Mal die Berufsschule, beim Bildungsträger fand er sich nicht ein.
Zwei Wochen später erhielt ich einen Anruf der Mutter, die ihren Sohn vom
BVJ abmelden wollte. Er habe jetzt andere Pläne für die Zukunft: er lerne jetzt
für den qualifizierenden Hauptschulabschluss, an dem er im Sommer teilnehmen werde. Danach wird er den M-Zweig der Hauptschule besuchen um
die mittlere Reife zu erlangen. Weitere Maßnahmen seien daher nicht mehr
nötig. Die Familie werde sich um alles Weitere kümmern.
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BÖRSE
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
TERMINE
3. Fall H.
H. wurde von den Berufsschullehrern als unmotivierter Schüler beschrieben,
der viel mehr leisten könnte als er zeigt. Es sei schwierig an ihn heranzukommen, da er unregelmäßig die Schule besucht und auch beim Bildungsträger nur sporadisch auftaucht. Zurzeit absolviere er angeblich ein Praktikum in
einem Baumarkt. Nach mehreren vergeblichen Versuchen traf ich H. schließlich in der Pause auf dem Schulgelände an. Im Einzelgespräch erzählte er mir
von häuslichen Schwierigkeiten. Die Probleme mit seinem Vater, der nach
seinen Aussagen Alkoholiker ist, würden immer größer werden. Er selbst
müsse sich zunehmend um seine Mutter und seine Geschwister kümmern.
Außerdem hätte er immer wieder Probleme mit der Polizei und dem Jugendamt. Das Praktikum beim Baumarkt habe er abgebrochen, da dies in keiner
Weise seinen beruflichen Vorstellungen entspräche. Pläne für die Zukunft
habe er nicht. Nach diesem Schuljahr werde er wohl einen Job als ungelernter Arbeiter annehmen müssen. Nach seinen beruflichen Interessen gefragt
sagt H., er wäre gerne im Handwerk tätig. Er hätte einmal Ferienarbeit bei
einer Baufirma gemacht. Dort hätte es ihm gut gefallen und er hätte gemerkt,
dass körperliche Arbeit ihm Spaß mache.
FORUM
Es reichte knapp zum einfachen Hauptschulabschluss. Eine Lehrstelle war
nicht zu finden, deshalb besucht er jetzt das BVJ. Auf seine Zukunft hin angesprochen meint T., er habe „noch keinen richtigen Plan“. Seine Interessen
und Hobbies, erzählt er, seien Computerspielen, Modellbau und Mofa fahren.
Nach bisherigen Praktika gefragt erzählt T. von den Praktika aus der Hauptschule. Am besten habe ihm bisher der Beruf des Bäckers gefallen, allerdings
sei das Betriebsklima in jener Bäckerei, in welcher er vor kurzem ein einwöchiges Praktikum absolviert hatte, sehr schlecht gewesen. Der Meister dort
hätte außerdem gesagt, T. wäre zu langsam. Im laufenden Jahr -es war zum
Zeitpunkt des Gespräches Ende Februar - war dies das einzige Praktikum
gewesen.
Beim Bildungsträger sei mit ihm besprochen worden, er solle demnächst ein
Praktikum bei einem Zweiradmechaniker und danach in einem Lager absolvieren soll. Danach eventuell noch einmal in einer Bäckerei.
Wir betrachteten zusammen den Kalender und stellten fest, dass die Zeit für
so viele Praktika relativ knapp bemessen ist, zumal noch keinerlei Praktikumsstellen in Aussicht waren.
Wir vereinbarten, dass T. bis zur nächsten Woche eine Liste mit Betrieben
vorlegen solle, die für ein Praktikum in Frage kämen.
Im Folgenden suchte ich das persönliche Gespräch mit den zuständigen Sozialpädagogen des Bildungsträgers. Wir tauschten uns intensiv über die Möglichkeiten für T. aus. Nach diesem Gespräch wurden die Anstrengungen, eine
Praktikumsstelle zu finden, deutlich verstärkt. Nachdem es allerdings sehr
wenige Stellen im Bereich Zweiradmechaniker gab und auch Stellen im Lager
nicht auf Anhieb zu finden waren, wurde eine Praktikumsstelle in einer weiteren Bäckerei gefunden. Diese entwickelte sich vom zweiwöchigem „Schnupperpraktikum“ zu einem Dauerpraktikum mit Lehrstellenzusage. Im Gespräch
mit dem zukünftigen Lehrmeister wurde deutlich, dass T. sich sehr bemüht
und sich sehr gut zurechtfindet.
33
TERMINE
BÖRSE
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
FORUM
Zum Bildungsträger wollte H. zu diesem Zeitpunkt nicht mehr gehen. Dies sei
für ihn Zeitverschwendung.
Einige Tage nach diesem Gespräch schreibt mir H. eine Email und bittet
baldmöglichst um ein weiteres Gespräch.
Er wirkt ziemlich durcheinander als ich ihn in der Schule antreffe. Stockend
berichtet er von seinem letzten Wochenende. Er habe einem Freund helfen
wollen, der in eine Schlägerei verwickelt war. Dabei habe er einem Kontrahenten das Nasenbein gebrochen. Die Polizei sei gerufen worden und es laufe eine Anzeige wegen Körperverletzung. Unglücklicherweise sei dies nicht
das einzige Problem: Er hätte bereits Bewährung wegen einer anderen ähnlichen Sache, ebenfalls Körperverletzung. Nun habe er große Sorge, ins Gefängnis zu müssen, da er ja gegen Bewährungsauflagen verstoßen habe. Ich
ließ mir alle Vorfälle detailliert schildern und
notierte mir vor allem die Namen jener Personen, die H. in irgendeiner Weise
betreuten: Jugendamt, Bewährungshelfer, Arbeitsagentur, Jugendgerichtshelfer, etc.
Außerdem teilte ich H. meine Einschätzung der Lage mit. Meiner Ansicht
nach hätte er nur noch eine Chance, dem Gefängnis zu entgehen. Er müsse
so schnell wie möglich eine Lehrstellenzusage vorweisen können. Nur so
könne er einen Richter davon überzeugen, dass ein Gefängnisaufenthalt seiner weiteren Entwicklung abträglich wäre.
In den folgenden Tagen bemühte sich H. intensiv um eine Praktikumsstelle.
Schließlich fand er etwas bei einer Dachdeckerfirma. Er hielt telefonisch und
per Email Kontakt. Gleichzeitig machte er mit Jugendamt, Bewährungshilfe
und Arbeitsagentur Termins aus. Er ging - auf mein dringendes Anraten hin regelmäßig zur Schule und zum Bildungsträger und hielt mich stets auf dem
Laufenden. Nachdem seine Mutter kaum in der Lage ist, sich in deutscher
Sprache verständlich zu machen und der Vater keinerlei Interesse zeigte, bot
ich mich an, ihn bei dem Termin bei der Arbeitsagentur zu begleiten. Inzwischen absolvierte H. bei besagter Dachdeckerfirma seit drei Wochen ein
Praktikum, welches ihm sehr gut gefiel.
Wir informierten die Agentin der Arbeitsagentur ausführlich über die Entwicklung. Erfreulicherweise war sie schließlich bereit, für H. eine Ausbildung über
BAE (Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen) zu finanzieren.
Der dazugehörige Bildungsträger gewann den bisherigen Praktikumsbetrieb
als Kooperationspartner und so ist die Lehrstelle zum 1. September gesichert.
-Es sei denn, die noch ausstehende Gerichtsverhandlung endet wider Erwarten doch negativ für H..
Jedenfalls geht er bis jetzt täglich zuverlässig zu „seiner“ Dachdeckerfirma.
34
Bericht des MSD berufliche Schulen
Seit dem Schuljahr 2007/08 gibt es den Mobilen Sonderpädagogischen
Dienst an beruflichen Schulen (MSDbS). Der MSDbS ist ein Angebot der Berufsschulen zur sonderpädagogischen Förderung für die beruflichen (Regel)Schulen. In den Grund- und Hauptschulen arbeitet der MSD ((bestehend aus
Sonderschullehrer/inne/n der Förderzentren) schon seit ca. 20 Jahren.
FORUM
Im neu gegründeten MSDbS des Regierungsbezirkes Mittelfranken arbeiten
zur Zeit 8 Sonderschullehrer/innen aus den Berufsschulen zur sonderpädagogischen Förderung der Förderschwerpunkte Lernen, Sprache und Hören
sowie Sehen . Der Bereich Soziale und emotionale Entwicklung wird derzeit vom Bereich Lernen mit abgedeckt.
„Wir“ befinden uns noch in der Aufbauphase; nach und nach sollen alle beruflichen Schulen Mittelfrankens vom MSDbS unterstützt werden. Im Schuljahr
09/10 war der MSDbS (Förderschwerpunkt Lernen) an den BS Roth, Fürth,
Ansbach und Nürnberg präsent. Die Kolleginnen der Förderschwerpunkte
Sprache, Hören und Sehen des MSDbS arbeiten überregional, z. T. bayernweit.
TERMINE
3 Jahre MSD an der Staatlichen Berufsschule in Roth
1 Jahr MSD am Berufsbildungszentrum Nürnberg
Im folgenden Beitrag möchte ich vor allem Schwerpunkte und Entwicklungen
in der MSD-Arbeit aufzeigen.
Schwerpunkte der MSD-Arbeit in der Regelberufschule:
Schwerpunkte meiner Arbeit im MSDbS sind die Arbeit mit und für SchülerInnen sowie die Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen beim Umgang mit
lern- und leistungsschwachen Schülern.
BÖRSE
Da Lern- und Leistungsdefizite die unterschiedlichsten Ursachen und Erscheinungsbilder haben können, versuche ich zunächst bei jedem Schüler
den sonderpädagogischen Förderbedarf (Förderdiagnostik) festzustellen, um
auf dessen Grundlage einen zielgerichteten Förderplan zu erstellen.
Dies erfolgt immer in enger Zusammenarbeit mit dem zuständigen Klassenleiter, dessen Informationen über Lern- und Leistungsverhalten sowie Persönlichkeitsprofil und soziales Umfeld des Schülers für die Förderplanung sehr
wichtig sind.
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
35
Bevor ich einen Schüler zum Erstgespräch einlade, nehme ich Einblick in den
Schülerbogen, um mich selbst über Schullaufbahn, Leistungsprofil und Entwicklungsverlauf zu informieren.
Die Umsetzung des Förderplans erfolgt je nach individuellen Voraussetzungen des Schülers durch:
•
•
•
•
•
•
Schuljahr
2007/08
2008/09
2009/10
MSD-Stunden
pro Woche
6
10
10
Beratungsfälle
BÖRSE
Entwicklung der Beratungsfallzahlen an der BS Roth
TERMINE
•
•
•
•
•
•
Formulierung der persönlichen Ziele des Schülers
Informationsaustausch mit den Kollegen über den Umgang mit vorliegenden Lern- und Verhaltensstörungen
Informationsaustausch mit den Kollegen über den Verlauf der Förderung / Beratung
Begleitung von Lernphasen, Entwicklung von Lernstrategien, Organisation der Unterlagen für den Unterricht
Abbau von Prüfungsängsten
Planung und Durchführung von Elterngesprächen
Gespräche mit Ausbildungsleitungen in Betrieben
Organisation und Betreuung von Praktika
Hilfe beim Wechsel der Ausbildungsstelle
Kontaktaufnahme zu und Kooperation mit außerschulischen Einrichtungen wie Arbeitsagentur, abH-, BaE-Maßnahmeträgern, ARGE, Jugendhilfe, Fachärzten, Schulpsychologen etc.
Kooperation mit Kollegen aus anderen MSD- und MSDbS – Förderschwerpunkten, wie z.B. Hören, Sehen, Soziale und emotionale Entwicklung...
Überprüfung der Umsetzung / Zielerreichung (Evaluation)
FORUM
Das Erstgespräch dient dem gegenseitigen Kennenlernen und meiner Information über aktuelle persönliche Daten, soziales Umfeld und persönliche
Zielvorstellungen des Schülers. Bei nicht volljährigen Schülern müssen die
Erziehungsberechtigten mit der Förderung durch den MSDbS einverstanden
sein. Die Beratung des Klassenlehrers oder seiner Kollegen kann jedoch auch
ohne Einverständnis der Eltern erfolgen.
16 (Stand Juli 2008)
40 (Stand Juli 2009)
51..(Stand August 2010)
Die Beratungs- bzw. Förderdauer variiert zwischen einer einmaligen KurzBeratung sowie Förder- und Beratungsstunden, die pro Schüler wöchentlich
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
36
oder blockbezogen über mehrere Monate hinweg stattfinden. Einige Schüler
mussten auch über 2 Schuljahre hinweg weiter gefördert oder beraten werden.
Die Schüler der Regelberufsschulen stammen aus Fach-, BFS-, BVJ- oder
BGJ/BGA -Klassen. An der BS Roth waren ca. ein Drittel der Schüler ehemalige Förderschüler.
FORUM
Arbeit im Übergangsmanagement SFZ / Regelberufsschule
Ein neuer Schwerpunkt der Arbeit im MSDbS ist das Übergangsmanagement
Sonderpädagogisches Förderzentrum – Regelberufsschule.
Das Übergangsmanagement umfasst folgende Aufgaben:
•
•
•
•
•
•
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
BÖRSE
•
Information über das Angebot der Regelberufsschulen für die Schulleitungen und Oberstufenlehrkräfte der SFZ (Schwabach, Roth und
Nürnberg)
Begleitung von Lehrern und Schülern beim „Tag der Offenen Tür“
Kooperation mit den Oberstufen-Kollegen der SFZ bei „schwierigen“
Fällen
Organisation und Auswertung von Probeunterricht an der Regelberufsschule
Zusammenarbeit mit der Berufsberatung und Berufseinstiegsbegleitern
in der Oberstufe der SFZ
Kooperation mit den Beratungslehrer/inne/n der Regelberufsschulen
bei Aufnahme und Anmeldung
Im BBZ Nürnberg Zusammenarbeit mit dem BALL-Team
TERMINE
Ein Teil der Absolventinnen aus den Förderzentren gilt nach Auffassung der
Arbeitsagentur nicht mehr als „Lernbehindert“ und ist somit für den Besuch
der Regelberufsschule geeignet. Diese Schüler/Innen werden vom MSD beim
Übergang begleitet und (bei meist vorliegendem Bedarf) in der Regelberufsschule betreut.
37
Für welche Schüler/innen ist der MSDbS zuständig?
FORUM
Grundsätzlich sind wir für Schüler/innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf zuständig, dabei fühlen wir uns jedoch besonders den Absolvent/inn/en aus den Sonderpädagogischen Förderzentren verpflichtet. Sie
sollen bei der Integration in die Regelberufsschule besonders unterstützt werden. Im Gegenzug werden auch Schüler, die sich in Ausbildung befinden und
in einer Fachklasse der Regelberufsschule überfordert sind, mit Hilfe des
MSDbS in eine Fachklasse am BAW überwiesen, falls das entsprechende
Berufsbild am BAW angeboten wird und sich die Agentur für Arbeit zur Übernahme der Ausbildungskosten bereit erklärt.
Arbeit am Berufsbildungszentrum der Stadt Nürnberg
Franziska Haimerl
2010-08-04
TERMINE
In diesem Schuljahr habe ich als MSDbS im Übergangsmanagement mit dem
BALL-Team der Stadt Nürnberg Oberstufen-Schüler/innen der Förderzentren
in Nürnberg sowie Schüler/innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf an
den Beruflichen Schulen 1, 2, 3, 5, 6, 7, 8 und 11 der Stadt Nürnberg betreut .
BÖRSE
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
38
MSDbS – Förderschwerpunkt Lernen
Kooperationsklassen – Ausbildung Friseur
FORUM
Seit zwei Jahren hat das BAW Nürnberg sein Angebot um einen weiteren
Ausbildungsberuf, den Friseur, erweitert. Das Besondere hierbei ist, dass die
Jugendlichen nicht an der Berufsschule zur sonderpädagogischen Förderung
am BAW Nürnberg unterrichtet werden, sondern am theoretischen und
fachpraktischen Unterricht der Regelberufsschule (Berufsschule I, Fürth) teilnehmen. Bei der Begleitung dieser Kooperationsklassen ergibt sich für den
MSDbS ein breitgefächertes Aufgabenfeld.
Allgemeines
Derzeit besuchen jeweils 9 Schüler die 10. bzw. 11. Klasse. Alle Schüler
verfügen über den Rehastatus, da dieser für die Ausbildung am BAW notwendig ist. Die Ausbildung erfolgt über drei Jahre. Im zweiten Ausbildungsjahr findet der erste Teil, im dritten Ausbildungsjahr der zweite Teil
der Gesellenprüfung statt. Dem MSDbS stehen für jeden bestehenden
Jahrgang jeweils 10 MSD-Stunden zur Verfügung.
BÖRSE
2. Kooperation mit Sozialpädagogen
§ Pädagogische und logistische Absprachen nehmen einen großen
Raum ein.
§ Im Gegensatz zur herkömmlichen Arbeit des MSDbS an beruflichen Schulen überschneiden sich die Tätigkeitsfelder bzw. mussten diese zu Beginn genau abgestimmt werden. (Der sozialpädagogische Dienst übernimmt bestimmte Aufgaben, wie z.B. die
Betreuung der Betriebe und zum großen Teil Elternarbeit…)
TERMINE
Die Aufgabenfelder des MSDbS lassen sich in folgende Hauptbereiche
einteilen:
1. Kooperation mit der Regelberufsschule
§ Hier steht die Beratung bzw. Unterstützung der Lehrer im Vordergrund. Daneben werden gemeinsam organisatorische, inhaltliche
und pädagogische Absprachen getroffen.
§ Der MSDbS hospitiert regelmäßig im Unterricht. Dies diente zum
einen dazu, Schülerbeobachtungen zu erhalten, zum anderen Unterrichtsinhalte für den Fördertag praxisnah zu erfahren.
3. Elternarbeit
§ Der MSDbS nimmt aktiv an Probezeit-, Zwischen- und Elterngesprächen teil.
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
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BÖRSE
6. Informieren der Mitarbeiter am BAW über das Anforderungsprofil für
die Friseurausbildung
§ Um auch in den folgenden Jahren geeignete Auszubildende zu finden, entwickelte der MSDbS ein Anforderungsprofil:
Neben einer guten Merkfähigkeit, genauem und präzisem praktischen Arbeiten, sehr guter Lesekompetenz und grundlegenden
Techniken zur Textbearbeitung (müssen eigentlich schon von Anfang an abrufbar sein), sind gute Konzentrationsfähigkeit über einen langen Zeitraum, hohe Frustrationstoleranz, Ansätze zur
Selbstorganisation, Stressresistenz / Belastbarkeit, Kritikfähigkeit,
feinmotorische Fähigkeiten und Offenheit beim Umgang mit Kunden
von großer Bedeutung.
TERMINE
5. Organisation des Fördertages
§ Die Schüler verbringen diesen Schultag am BAW Mittelfranken.
Dort werden sie individuell, in Kleingruppen oder im Klassenverbund gefördert. Dieser Fördertag ist notwendig, damit die Schüler
dem Unterricht an der Regelberufsschule weiter folgen können.
§ Der MSDbS begleitet Lernphasen, hilft bei der Entwicklung von
Lernstrategien und der Organisation der Unterlagen für den Unterricht.
§ Schwerpunktmäßig werden die Schüler auf die Gesellenprüfung
Teil I- und Teil II (inhaltlich und emotional) vorbereitet.
§ Koordinierung der verschiedenen Fachkräfte:
- Einbinden einer Wirtschaftspädagogin für individuelle FAR-Förderung
- Einbinden der Fachlehrerin für individuelle zusätzliche FPR-Förderung
§ Eine große Herausforderung stellt im zweiten Lehrjahr der Abbau
von Prüfungsängsten dar. Hier arbeiten Psychologinnen, Sozialpädagoginnen, Fachlehrer und der MSDbS eng zusammen.
FORUM
4. Begleitung und Unterstützung der Schüler
§ Zu Beginn des ersten Lehrjahres stellt der MSDbS durch zwei
Schuleingangstests den individuellen Förderbedarf der Schüler in
den Fächern Deutsch und Mathematik fest.
§ Aus diesen Ergebnissen und Schülerbeobachtungen während der
Hospitationsstunden und den Gesprächen mit den einzelnen beteiligten Fachdiensten wird ein individueller Förderplan erstellt. Daraus
werden Ziele für und mit dem Schüler formuliert.
§ Neben der Förderung innerhalb des Fördertages wurde von Sozialpädagogen/MSDbS außerschulische Förderung (z.B. Deutschkurs
beim JMD) initiiert.
7. Kontakt zu anderen MSD Mitarbeitern
Im Rahmen von halbjährlichen Treffen, aber auch nach situationsbezogenem Bedarf findet der Austausch zwischen den Mitarbeitern MSDbS
in Mittelfranken statt. Dadurch werden Informationen und Fachwissen
ausgetauscht oder sich im Rahmen von Fortbildungen angeeignet.
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 7/Sept. 2010
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Ausblick:
Für das kommende Schuljahr sind bereits Auszubildende angemeldet. Allerdings wurden für diesen Jahrgang erst 5 MSD-Stunden zugewiesen.
Die Schüler der kommenden 12. Jahrgangsstufe werden im nächsten Jahr
die Gesellenprüfung Teil II ablegen.
FORUM
Wir danken allen Fachbereichen, Mitarbeitern und Vorgesetzten, die uns bei
der Begleitung der Kooperationsklassen unterstützen!
Thomas Mayer, Sabine Kirschner
TERMINE
BÖRSE
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Neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im MSH:
Ganztägige Fortbildung am 27.09.2010 (8.30 – 16.00 Uhr)
SFZ Schwabach
Leitung:
Anmeldung nicht erforderlich
Prävention von Verhaltensproblemen:
Folgeveranstaltung, fester Personenkreis, bitte in FIBS melden
7. – 8. Dezember 2010 Beginn 8.30 Uhr
Hesselberg (Gerolfingen)
Leitung: Dr. Laschkowski und die Mitglieder des Familienteams (Fr. Dagmar Held, Fr. Martina Mai-Kappes, Fr. Anita Ott, H. Ludwig Färber)
Regierung von Mittelfranken – Förderschulbereich – Heft 1/Sept. 2007
BÖRSE
Jahrestagung der Schulpsychologen an Förderschulen:
7. – 8. Dezember 2010, Beginn 8.30 Uhr
Hesselberg (Gerolfingen)
Pflichtveranstaltung aller Schulpsychologen im Förderschuldienst in Mittelfranken, Anmeldung wird noch geklärt.
Leitung: Dr. Werner Laschkowski
TERMINE
Fortbildung für Beratungslehrer am SFZ:
6. – 7. Dezember 2010, Beginn 8.30 Uhr
Hesselberg (Gerolfingen)
Leitung: Dr. Laschkowski und Referenten
Pflichtfortbildung für die Beratungslehrer an SFZ, bitte über FIBS anmelden
Für die Beratungslehrer der anderen Förderschwerpunkte erfolgt auch in
dem Schuljahr 2010/11 eine Fortbildung
FORUM
Neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im MSD:
Ganztägige Fortbildung am 27.09.2010 (8.30 – 16.00 Uhr)
SFZ Schwabach
Leitung: Fr. BRin Monika Bentz, Herr BR Norbert Gockner
Anmeldung nicht erforderlich
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Buchbesprechungen:
FORUM
TERMINE
Ulrich Heimlich: Lernschwierigkeiten
Verlag Julius Klinkhardt, Bad Heilbrunn, 2009, 18,90 €
Für das an Schulen allseits bekannte Phänomen legte der Vertreter des Faches Lernbehindertenpädagogik an der Universität München den Begriff
"Lernschwierigkeiten" fest. In fünf gut lesbaren Kapiteln, aufgelockert mit Grafiken, Bildern, Merkkästen und Übungsaufgaben, stellt Prof. Heimlich den
Stand der Lernbehindertenpädagogik dar. Ausgangspunkt ist die erschwerte
Lernsituation bei Schülern. Diese zeigt sich in einer belasteten PersonSchülern umfasst im Laufe der Schulzeit etwa 25 % aller Schüler in verschiedener Ausprägung, Umfang, Schweregrad und Dauer. Schon seit längerer
BÖRSE
Umwelt-Interaktion. Die Gruppe der von Lernschwierigkeiten betroffenen
Zeit hat sich das Verständnis des Förderschwerpunkts Lernen deutlich erweitert. Nicht mehr die ca. 2,5% eines Schülerjahrganges, der die Schule zur
Lernförderung besucht, steht im Mittelpunkt, sondern eine weitaus größere
Zahl von im Lernen betroffenen Schülern ist gemeint. An mehreren Beispielen
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ist der vielfältige Bedingungszusammenhang von Bedingungsvariablen bei
der Entstehung von Lernschwierigkeiten ersichtlich. Das schon lange bekannte Phänomen der Heterogenität der Gruppe der von Lernschwierigkeiten betroffenen Schülern bestätigt sich. In einem kurzen Kapitel wird die historische
Entwicklung der Pädagogik bei Lernschwierigkeiten aufgezeigt. Besonders
sen wird hingewiesen, die erst vor kurzer Zeit aufgebrochen wurde.
FORUM
die enge Verbindung mit Schulorganisation und Entwicklungen im Schulwe-
Förderdiagnostik und Förderplanung nehmen einen breiten Raum ein.
Didaktische Konzepte zur Förderung werden referiert. Der zieldifferente gemeinsame Unterricht wird bevorzugt. Die Bedeutung der Prävention, insbesondere die Frühförderung wird ausführlich dargestellt. Verschiedene Formen
von Integration und Inklusion zeigen den aktuellen Stand der schulischen
Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit Lernschwierigkeiten. Auf die
nachschulische Betreuung und Lernschwierigkeiten bei Erwachsenen wird
Erst im letzten Kapitel werden die theoretischen Grundlagen einer Pädagogik
bei Lernschwierigkeiten vorgestellt. Prof. Heimlich macht im Ausblick klar,
TERMINE
auch eingegangen.
dass die Theoriebildung noch nicht abgeschlossen ist und dass verschiedene
theoretische Ansätze gleichberechtigt nebeneinander bestehen und gültig
sind. Einen umfassenden allgemeingültigen theoretischen Ansatz gibt es derzeit nicht und er ist auch nicht zu erwarten.
Insgesamt ein gut lesbares Buch, das vieles bestätigt, was uns bereits nicht
nur bekannt, sondern auch geläufig ist, aber mit neuesten wissenschaftlichen
Belegen versehen und in neuen Zusammenhängen. Alle in der Beratung tätiten und verschiedenste Interventionen anbieten.
BÖRSE
gen Sonderschullehrkräfte werden bestätigt, wenn sie bereits zieloffen bera-
Dr. Werner Laschkowski
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FORUM
Ein Buch, das vom Titel her sehr vieles verspricht. Ob die Erwartungen erfüllt
werden, wird gleich berichtet.
Die beiden Herausgeberinnen bilden an der Universität Augsburg, also unter
TERMINE
Pius Thoma, Cornelia Rehle: Inklusive Schule
Verlag Julius Klinkhardt, Bad Heilbrunn, 2009, 18,90 €
bayerischer schulrechtlicher Grundlagen, Grundschullehrkräfte aus.
Es geht die Grundüberzeugung voraus, dass Integration an der Grundschule
möglich ist. In 24 meist kurzen Kapiteln werden Beispiele von gelingender
Integration bzw. Inklusion (beide Begriffe werden meist synonym verwendet,
wohl wissend, dass ein qualitativer Unterschied besteht).
schichtliche Entwicklung von Inklusion werden 10 Beispiele einer vollzogenen
oder integrativen oder kooperierenden Beschulung gegeben. Der größte Teil
BÖRSE
Nach einer eher knappen theoretischen Einführung und Rückblick auf die ge-
der Fälle beschreibt Kinder mit Down-Syndrom in verschieden starker Ausprägung. Bis auf ein Kind, das mit Hilfe von unterstützter Kommunikation (FC)
derzeit das Gymnasium besucht, sind die geschilderten Fälle in der Grundschule. Zum Teil mit Schulassistenz, MSD oder besonders günstigen Bedingungen wird der Schulbesuch als gelungen beschrieben.
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Ergänzend dazu werden Kinder gezeigt, die das Förderzentrum Förderschwerpunkt geistige Entwicklung besuchen, aber in einer Kooperationsklasse sehr nach an einer Regelklasse sind.
In vier weiteren Artikeln werden Aspekte eines inklusiven Unterrichts beschrieben. Leider ist der Umgang mit Heterogenität außerordentlich schwierig
spart die neue form der Bewertung, die vordergründig einfach erscheint, aber
schulrechtlich nicht geklärt ist; dies in Zeiten wo Eltern in den 3. und 4. Klas-
FORUM
und nicht durch wenige punktuelle Beispiele zu meistern. Ebenso wird ausge-
sen wenn es um den Übertritt geht um Zehntelnoten mit der Lehrkraft kämpfen.
Als Partner der Inklusion kommt die Bedeutung der Integrationsbegleiter vor.
Hier zeigen sich jedoch die Grenzen einer Inklusion. Wenn Inklusion nur über
die Finanzierung eines Integrationsbegleiters funktioniert, ist eine weite
Verbreitung nicht möglich. Von Seiten der Sonderpädagogik stellt der im vds
aktive und bekannte Johann Horvath klar, dass Inklusion nur gelingen kann,
Insgesamt eine eher euphorische Beschreibung von Fällen der Inklusion. Diese Fälle von Einzelintegration sind aber schon länger praktiziert und
TERMINE
wenn die entsprechenden Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.
es besteht auch schon hinreichende Erfahrung. Wie Inklusion in größerer
Breite gelingen kann, wird hier auch nicht erläutert.
BÖRSE
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