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Erwachsenenbildung Wie Jesus lehrte «Die lernende - Kirchenbote

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7-8/2005
Kirchenbote
54. Jahrgang
der Evangelisch-Reformierten Kirche des Kantons St.Gallen
Erwachsenenbildung
Wie Jesus lehrte
«Die lernende Gemeinde»
Zum Beispiel «SOSOS»
«Und als er sich gesetzt hatte,
traten seine Jünger zu ihm.
Und er tat seinen Mund auf,
lehrte sie und sprach: …»
Matthäus 5, 2
Im Anfang
Wie Jesus lehrte
Als Lerngemeinschaft unterwegs
«Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie
und sprach: …»
Matthäus 5, 2
So steht es am Anfang von Jesu Bergpredigt. Das Wort «lehren» finden wir noch
in vielen andern Zusammenhängen in
Verbindung mit Jesus. Er lehrt an unterschiedlichsten Orten: auf dem Berg, am
Seeufer, in einem Boot, in den Städten,
in der Synagoge, im Tempel, unterwegs.
Und er lehrt unterschiedliche Menschengruppen: Mal sind es Massen, die
so lernbegierig sind, dass sie darob das
Essen vergessen, mal sind es nur seine
engsten Freunde und Jünger.
Vielleicht haben Sie zu «lehren» und
«lernen» nicht nur positive Assoziationen. Mir persönlich kommt die Schulzeit in den Sinn, und die damit verbundenen Gefühle sind je nach Situation
gemischt. Zudem wird das Wort «lehren» leicht mit «belehren» verbunden.
Und wer wird schon gerne belehrt!
Auch ist es nicht von der Hand zu weisen, dass gerade die Bergpredigt belehrend verstanden werden kann, selbst
wenn sie sich damals an sehr zuhörwillige Erwachsene richtete.
Die Bergpredigt ist jedoch nicht das
einzige Modell, wie Jesus lehrt. Seine Jünger (dazu gehören Frauen und Männer)
begleiten Jesus und sie teilen ihr Leben
miteinander. Da erhält «lehren» einen
ganzheitlichen Charakter: Es wird ge-
Zu den Fotos Seiten 1 bis 5
Die Bilder von kirchlichen Erwachsenenbildungsanlässen stammen von Paul Baumann, Arbeitsstelle kirchliche Erwachsenenbildung (AkEB).
meinsam gegessen und gefeiert, gemeinsam werden Stürme bestanden. Die Jünger hören Gleichnisse, sie erleben Jesu
heilende Tätigkeit, und auch sie selbst
werden ausgeschickt zum Lehren und
Heilen. Sie üben ein, was sie erlebt haben.
Dazu kommt, dass die Freunde Jesu
eine bunt gemischte Schar sind: vom
Kollaborateur mit den Römern, dem
Zöllner Levi über den Widerstandskämpfer Simon dem Zeloten, von der
verheirateten Frau eines herodianischen Hofbeamten (Johanna) über die
alleinstehende Maria von Magdala. Geschlechterschranken und soziale Grenzen werden überwunden.
Solch ein ganzheitliches Lernen erinnert mich an das frühere Motto der
kirchlichen Erwachsenenbildung des
Kantons St.Gallen: «Grenzen überwinden». Ich freue mich, dass ich im dreijährigen Theologiekurs Grenzüberwindung
erleben kann in einer Weggemeinschaft
auf Zeit, in der Menschen unterschied-
«Seine Jünger begleiten
Jesus und sie teilen ihr
Leben miteinander.»
Editorial
Liebe Leserin,
lieber Leser
Für einmal macht der Kirchenbote
nicht selber Erwachsenenbildung,
sondern er spricht darüber. Die Sache
selbst ist alt. Zu allen Zeiten wurden
religiöse Lehren weitergegeben, wie das
in der Bergpredigt exemplarisch zum
Ausdruck kommt. Jesus, der Meister,
lehrt seine Jünger. Das griechische
Wort für «Jünger» (mathetés) heisst
wörtlich übersetzt: der Lernende. Das
Neue Testament nennt alle an Christus
Glaubenden – Jünger.
Das Bedürfnis nach ganzheitlicher
und alltagsbezogener Bildung hat vor
50 Jahren in der Heimstättenbewegung
Ausdruck gefunden. Damals kaufte
ein Verein das Schloss Wartensee bei
Rorschacherberg – und bald bot ein Studienleiter Tagungen und Studienwochen
an. Die Kantonalkirche hat diese Arbeit
– trotz umstrittener politischer Ausrichtung einiger Kurse – stets unterstützt,
lichen Alters, unterschiedlicher Glaubenshaltung, Bildung, politischer Ausrichtung und Nationalität zusammen
sind, aber dennoch verbunden mit dem
gemeinsamen Ziel, den christlichen
Glauben besser verstehen zu lernen. Und
so fühle ich mich verbunden mit den
vielen andern Weggemeinschaften in
Kirchgemeinden und in überregionalen
Angeboten, in denen etwas von Jesu
weisheitsvollem ganzheitlichen Lernen,
Lehren und Lieben aufleuchtet.
Annette Spitzenberg, Leiterin des
dreijährigen Theologiekurses
zugleich aber auch selber eine Arbeitsstelle für Erwachsenenbildung aufgebaut. Die Kirchenordnung von 1980
spricht dementsprechend nicht nur von
der «feiernden» und «dienenden», sondern auch der «lernenden Gemeinde».
Dort heisst es, dass «in jeder Kirchgemeinde oder Region … in der Erwachsenenbildung Gelegenheit geboten wird,
gemeinsam im christlichen Glauben
und Leben weiterzulernen und Gemeinschaft zu erleben».
Inzwischen ist Erwachsenenbildung zu
einem Kulturfaktor, ja zu einem Markt
geworden, in dem sich die Kirchen mit
ihren Themen neu profilieren müssen.
Dieser Entwicklung folgend hat die
Kantonalkirche das Schloss Wartensee
übernommen und führt es durch eine
Stiftung ohne eigene Studienleitung.
Stattdessen unterstützt sie, um der
Vielfalt von Interessen in der Landeskirche gerecht zu werden, freie Anbieter und fördert, wie es die Kirchenordnung verlangt, Erwachsenenbildung in
den Gemeinden und Regionen.
Das neue Erwachsenenbildungskonzept
ist voller Chancen für «die lernende Gemeinde». Räume und Finanzen sind vorhanden – entdecken wir, wie köstlich es
ist, Jünger unseres Meisters zu sein.
Andreas Schwendener
2
Kirchenbote Kanton St.Gallen 7-8/2005
Thema
«Die lernende Gemeinde»
Kirchliche Erwachsenenbildung im Gespräch
Lange waren die Kirchen Pioniere in der Erwachsenenbildung. Heute müssen
sie sich auf einem weiten und veränderten Bildungsmarkt behaupten und ihre
Stärken neu entfalten. Jacques-Antoine von Allmen und Paul Baumann von der
Arbeitsstelle kirchliche Erwachsenenbildung berichten über das neue Konzept,
mit dem z.B. spirituelle Angebote in den Gemeinden gefördert werden sollen.
«Lebenslanges Lernen», heisst
ein Leitspruch, welcher häufig
im gleichen Atemzug mit Bildungsangeboten für Erwachsene genannt wird. Paul Baumann und Jacques-Antoine
von Allmen gehen bezüglich
Jacques-Antoine von Allmen und Paul Baumann von dieses Spruches mit gutem
der Arbeitsstelle kirchliche Erwachsenenbildung (AkEB) Beispiel voran: Baumann will
seine Französischkenntnisse
aufpolieren und sein Fachwissen im Bereich digitale Fotografie verbessern, von Allmen absolviert derzeit ein Nachdiplomstudium zum Thema Coaching.
Eine gewisse Vorbildfunktion kommt den beiden zu, da sie
sich täglich mit Erwachsenenbildung auseinander setzen. Sie
leiten in Kooperation die Arbeitsstelle kirchliche Erwachse-
«Ziel der kirchlichen Erwachsenenbildung
ist es, den Menschen aus christlicher
Perspektive eine Stimme zu geben,
sowohl bei spirituellen
als auch gesellschaftlichen Fragen.»
nenbildung St.Gallen/Appenzell (AkEB). Von Allmen ist
schon seit bald zehn Jahren bei der AkEB tätig, Baumann seit
zwei Jahren. Im Verwaltungsgebäude der Evangelisch-Reformierten Kirche des Kantons St.Gallen, dem Haus zur Perle in
St.Gallen, geht Baumann allerdings bereits seit acht Jahren ein
und aus. Vor seinem Engagement bei der AkEB koordinierte
er die Jugendarbeit.
Gerade hätten sie die Erkenntnisse aus ihrer bisherigen
Arbeit in ein überarbeitetes Konzept (siehe Kasten Seite 4)
eingearbeitet, sagt Baumann. Gelegenheit, Bilanz zu ziehen.
Von Allmen: In den vergangenen Jahren sind im Bereich kirchliche Erwachsenenbildung viele Angebote entstanden. Vor allem
in den Gemeinden tut sich einiges. Dabei ist eine grosse Vielfalt
zu beobachten. Unsererseits versuchen wir, den Gemeinden
Impulse zu geben und sie in der Organisation von Kursen zu
unterstützen, die Angebote zu vernetzen und zu bündeln. Doch
Letzteres ist oft recht schwierig. Ständig entsteht Neues und
dieses gilt es in einer unserer Arbeitsspuren unterzubringen.
Schwerpunkte und Zielgruppen
Einerseits setzt die AkEB Themenschwerpunkte, andererseits
fokussiert sie ihre Arbeit auf Zielgruppen. So lautet der Titel
eines Schwerpunktes für die kommenden Jahre «über.leben».
Darin sollen Angebote Platz finden, welche ein «ganzheitlich
verstandenes Lebenskonzept» zum Inhalt haben. So beschäftigen sich die Kurse beispielsweise mit Sinn- und Zukunftsfragen, mit Fragen rund um den Arbeitsplatz oder mit der Entfaltung der eigenen Lebenskraft.
Weitere Schwerpunkte sind Kurse im Zusammenhang mit
der «Dekade zur Überwindung der Gewalt» oder zu Spiritualität. Zielgruppenspezifische Angebote werden für kirchliche
Behörden und Mitarbeitende sowie Anbietende von Altersbildungskursen bereitgestellt.
Baumann: In erster Linie verstehen wir uns als Dienstleister für
die Kirchgemeinden. Erst an zweiter Stelle wollen wir eigene
Kurse, wie etwa den Theologiekurs oder Kurse für Behördenmitglieder, anbieten. Entsprechend suchen wir den Kontakt mit
den Kirchgemeinden, werben für unsere Angebote und unsere
Begleitung, animieren zu eigenen Initiativen und holen Rückmeldungen ein.
Von Allmen: Die Gemeinden für unsere Arbeit zu sensibilisieren, ist gar nicht so einfach. Beispielsweise wollten wir, dass bei
sämtlichen Weiterbildungsangeboten das Logo der AkEB erscheint, quasi als Qualitätslabel. Doch nicht alle Gemeinden
reissen sich um unser Signet.
Baumann: Schwierig zu kommunizieren waren zudem die
Jahresthemen. Das alte Konzept sah vor, dass ein Teil der Kurse
Kirchenbote Kanton St.Gallen 7-8/2005
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im Rahmen eines Jahresthemas angeboten wurden. Bis aber
allen Gemeinden bewusst war, welches Thema aktuell ist, war
das Jahr schon beinahe vorüber. Künftig sollen die Schwerpunktthemen über einige Jahre hinweg beibehalten werden.
Menschen eine Stimme geben
Erwachsenenbildung gilt nicht primär als Kernkompetenz der
Kirche. Dennoch ist die AkEB mit 180 Stellenprozenten die
grösste Arbeitsstelle der Kantonalkirche. Zudem verfügt die
AkEB über einen Bildungsfonds von jährlich rund 200 000
Franken. Mit diesem Geld werden eigene Angebote, Kurse der
Gemeinden oder Angebote von anderen Veranstaltern unterstützt. Gespiesen wird der Fonds vorwiegend durch die St.Galler Kantonal- und die Appenzeller Landeskirche.
Von Allmen: Ziel der kirchlichen Erwachsenenbildung ist es,
den Menschen aus christlicher Perspektive eine Stimme zu geben, sowohl bei spirituellen als auch gesellschaftlichen Fragen.
Baumann: Die Erwachsenenbildung ist – neben dem Gottesdienst – eine wichtige Form , den Dialog über den Glauben zu
führen. Früher ist die kirchliche Bildung für Erwachsene eher zu
kurz gekommen. Mit der Heimstätten- und Friedensbewegung
in den 70er Jahren fand ein Aufbruch statt. Heute ist das Angebot sehr vielseitig und auch bezüglich Qualität haben wir ein
hohes Niveau erreicht.
Alltag. Kurse, bei denen man sich stark mit der eigenen Persönlichkeit auseinander setzt, wie etwa Enneagramm, sind mit
Vorteil auf regionaler Ebene durchzuführen. Eine gewisse Anonymität wird bei solchen Kursen geschätzt.
Und wie sehen von Allmen und Baumann die Zukunft der
kirchlichen Erwachsenenbildung? Sie seien sich bewusst, dass
der Verteilkampf um finanzielle Ressourcen härter werde,
«Künftig wird sich der religiöse Dialog verstärken, auch in der Erwachsenenbildung.»
sagen beide. Doch die Erwachsenenbildung wird nach ihrer
Ansicht sehr wohl ihren Platz in der Kirche behalten.
Von Allmen: Zukünftig wird sich der religiöse Dialog verstärken, auch im Bereich Erwachsenenbildung. Entsprechend wird
auch die Vernetzung – sei diese interkonfessionell oder interreligiös – weiter zunehmen.
Baumann: Die christliche Grundbildung wird auch für Erwachsene vermehrt zum Thema. Religionsstunden in der Volks- und
Mittelschule wurden und werden abgebaut – der Bildungsrucksack im religiösen Bereich ist kleiner geworden. Hier werden wir
ansetzen müssen.
Andreas Ackermann, St.Gallen
Attraktive Nischenprodukte
Trotzdem – die AkEB ist auf dem weiten Bildungsmarkt ein
ganz kleiner Anbieter. Zudem stellt sich die Frage, ob es im
Zeitalter hoher Mobilität noch sinnvoll ist, wenn die einzelnen
Kirchgemeinden eigene Kurse anbieten.
Baumann: Wir werden im grossen Bildungsmarkt als Sachwalter für spirituelle Fragen wahrgenommen. Zudem macht es
Sinn, wenn wir als Kirche Bildungsangebote für kirchennahe
Menschen bereitstellen. Wir kennen unseren Garten und wissen,
welche Bedürfnisse vorhanden sind. Dies gilt etwa bei der
Behördenbildung. Auch die Migros-Klubschule bietet Kurse an,
wie Protokolle zu verfassen sind. Nur geht die Klubschule nicht
auf die Besonderheiten von Kirchgemeinden ein.
Schliesslich können wir – im Gegensatz zu vielen kommerziellen Anbietern – Kurse zu sozial engagierten Themen anbieten,
welche nie selbsttragend sein können. Unser Auftrag und der
Bildungsfonds machen dies möglich.
Von Allmen: Zudem ist es sinnvoll, wenn gewisse Kurse in der
Gemeinde stattfinden. Dabei denke ich an Themen, die im Alltag umsetzbar sind – etwa eine Fastenwoche oder Exerzitien im
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Kirchenbote Kanton St.Gallen 7-8/2005
Überarbeitetes Erwachsenenbildungskonzept
Die von Kirchenrätin Elisabeth Frick-Tanner präsidierte Kommission für
kirchliche Erwachsenenbildung (KokEB) hat das Erwachsenenbildungskonzept von 1999 überarbeitet und aktualisiert. Die seit Jahren bewährte
Zusammenarbeit im Erwachsenenbildungsbereich zwischen der Evang.Ref. Kirche des Kantons St.Gallen und der Evang.-Ref. Landeskirche
beider Appenzell wird fortgesetzt. Die KokEB legt weiterhin inhaltliche,
qualitative und finanzielle Kriterien für die Erwachsenenbildung fest,
setzt Themenschwerpunkte und überwacht den Erwachsenenbildungsfonds. Für die Ausführung dieser Vorgaben und das Tagesgeschäft ist
die Arbeitsstelle kirchliche Erwachsenenbildung AkEB zuständig.
Das überarbeitete Erwachsenenbildungskonzept sieht vor, noch gezielter
Projekte und Veranstaltungen von Kirchgemeinden, Regionen und
kirchennahen Organisationen zu fördern und zu unterstützen. Die AkEB
selbst soll vorwiegend in der Behördenbildung aktiv sein und diesen
Arbeitszweig ausbauen. Neu können auch Bildungsprojekte der kantonalen Arbeitsstellen aus dem Fonds für Erwachsenenbildung finanziert
werden. «Kirchliche Erwachsenenbildung hat als Ziel, im Horizont christlicher Liebe kompetent Raum und Zeit zu eröffnen, um in dialogischen
Prozessen zu selbst verantwortetem, versöhnlichem und gelingendem
Leben zu finden», heisst es in den Leitlinien.
kid/as
Thema
Zum Beispiel das
Forum SOSOS
Ein Anbieter kirchlicher Erwachsenenbildung
Kürzlich hielt das Forum SOSOS (Solidarität und Spiritualität Ostschweiz), ehemals Verein Wartensee, seine erste
Mitgliederversammlung unter dem neuen Namen ab.
Nach wie vor ist das Forum SOSOS ein Hauptanbieter von
kirchlicher Erwachsenenbildung in der Ostschweiz.
Ein Blick auf den aktuellen Faltprospekt
«Erwachsenenbildung der Evang.-Ref.
Kirchen St.Gallen/Appenzell» zeigt, dass
vor allem unter dem Schwerpunktthema «Spiritualität» die Hälfte der Angebote vom Forum SOSOS beziehungsweise seinem Programmleiter Andreas
Fischer stammt. Dazu kommen drei
Wartensee-Sonntage und das stets bereits vor der öffentlichen Ausschreibung
ausgebuchte Märchenseminar mit Ingrid Riedel und Christine Wieland.
Der ehemalige Verein Wartensee hat
vor drei Jahren einen mutigen Schritt
getan, indem er den Theologen Andreas
Fischer zu 40 Prozent angestellt hat, obwohl die langfristige Finanzierung seiner
Anstellung nicht gesichert war. Die Landeskirche unterstützt den Verein zwar
gemäss ihren Richtlinien, doch der Beitrag reicht nicht aus, um die Stelle zu
finanzieren.
Die Rechnung 2004 zeigt, dass neue
Einnahmequellen erschlossen werden
müssen: Trotz intensiver Sparmassnahmen weist sie ein Defizit von 47 800
Franken aus. Doch will das Forum
SOSOS nicht aufgeben, sondern sucht
nun auf unkonventionelle Weise Geldgeber für sein Programm, das ganz
offensichtlich einem Bedürfnis entspricht. Mit einem Patronatskomitee
aus namhaften Personen im Rücken
wirbt der Verein um Sponsoren und
Gönnermitglieder für sein Programm.
Schwerpunkt: Spiritualität
Zum Schwerpunkt «Spiritualität und
Solidarität» werden Meditationen und
Fastentage angeboten. Der Neujahrsretreat, der Pfingst- und der Adventsretreat oder Meditationsretreats in der
Offenen Kirche bieten Gelegenheit, innezuhalten und das eigene Leben zu
überdenken.
«Das Sitzen in der Stille», jeweils
dienstags von 12 bis 13.15 Uhr, zieht
einen festen Teilnehmerkreis an. Experimentelle Gottesdienste in der Offenen
Kirche, wie der für «Mensch und Tier»
oder ein «Segnungsgottesdienst für Velofahrer», appellieren an das ökologische
Bewusstsein und schaffen Grundlagen
zum sorgsamen Umgang mit Mensch
und Umwelt.
An den Wartensee-Sonntagen werden Themen zu den Festtagen des
Kirchenjahres aufgegriffen, z.B. Christi
Himmelfahrt oder am Ewigkeitssonntag
«Sterben und Tod», aber auch solche zu
den Stichworten «Gerechtigkeit, Frieden
und Bewahrung der Schöpfung».
Weiterhin greift das Forum SOSOS
Themen auf, die sich um Schicksale von
Menschen und Gruppen bewegen, wie
im Januar «Jayyous – Alltag in einem
palästinensischen Bauerndorf».
Neue Perspektiven
Das Forum hat vor einem Jahr entschieden, alle so genannten Dachkurse ausser
dem Märchenkurs aus Kostengründen
aufzugeben. Langjährigen Kursleiterinnen musste gesagt werden, dass sie Subventionsanträge für ihre Kurse direkt
bei der KokEB eingeben sollen und
nicht mehr über das Forum SOSOS abwickeln können.Alle haben Verständnis
für das Vorgehen des Vereins gezeigt.
Arne Engeli, langjähriger Studienleiter
des Vereins Wartensee und ehemaliger
«Schlossherr» auf Schloss Wartensee,
nunmehr im aktiven Ruhestand, bietet
den Friedenspilgerweg und ein Friedensseminar (siehe Seite 6) auch im Bulletin
des Forums SOSOS an.Ganz allgemein ist
es schwierig geworden, Leute für Kurse
mit politischen Themen zu motivieren.
Pius Helfenstein, Pfarrer in Rorschach und Vorstandsmitglied, bietet für
das Forum SOSOS Pilgern auf dem Jakobsweg an. Unter seiner Leitung hat eine Gruppe von 20 Pilgern und Pilgerinnen nach Pfingsten die erste Etappe von
Rorschach bis Einsiedeln unter die Füsse
genommen.Am Donnerstag nach Pfingsten 2006 soll die nächste Etappe folgen.
Von Andreas Fischer entwickelte
Gottesdienstformen und Kursangebote
könnten in Zukunft auch dezentral unter Einbezug von örtlichen Mitarbeitenden in Kirchgemeinden angeboten werden. Das käme dem Anliegen der Landeskirche entgegen, Erwachsenenbildung in die Kirchgemeinden zu tragen.
Gretel Seebass, Halden TG
Sponsoring und Programm
Das Forum SOSOS wirbt mit einem Flyer um
finanzielle Unterstützung. Ein Patronats-Komitee mit Dr. Hans Altherr, Dr. phil. Elisabeth
Frick Tanner, Prof. Dr. Peter Gross, Prof. Dr.
Heinz Hauser, Dr. Walter Kägi, Nationalrätin
Pia Hollenstein, Prof. Dr. phil. Verena Kast,
Nationalrätin Marianne Kleiner, Prof. Dr. Ingrid
Riedel, Julia Onken, Peter Roth und Niklaus
Knecht-Fatzer bürgt für die Qualität der vom
Forum SOSOS angebotenen Veranstaltungen.
Flyer und Programme sind erhältlich im Sekretariat: Tel./Fax: 071 311 86 10, info@sosos.org
Kirchenbote Kanton St.Gallen 7-8/2005
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Thema
und Lindau. Zum 60-Jahr-Jubiläum des
Schweizerischen Friedensrats, dem Engeli für fünf Jahre als Präsident vorstand, hat er einen Friedenspilgerweg
ausgearbeitet. Die idyllische Seelandschaft kann nicht darüber hinwegtäuschen, wie das zerrissene und von Gewalt geprägte 20. Jahrhundert auch hier
seine Bühne aufgebaut hatte. So reihen
sich rund um den Bodensee die Erinnerungsorte, die vom Nazi-Terror, von
Flüchtlingsherbergen und von Friedenssehnsucht künden.
Erste Station des «Friedenspilgerwegs» war das jüdische Museum in Hohenems. In der alten Villa der Industriellen-Familie Rosenthal konnten sich
die «Friedenspilger» ein Bild machen
von der Bedeutung jüdischer Pioniere
für die vorarlbergische Textilindustrie.
Die Besucher wurden aber auch über
die Verfolgung der Juden in der Nazizeit
orientiert. Danach stand der Besuch des
«Diepoldsauer Rohrs», durch das unzählige jüdische Flüchtlinge ihren Weg
in die Schweiz gefunden hatten, auf dem
Programm. «Ich will nicht missionarisch wirken. Die Geschichte gibt uns allen aber eine Lektion auf, und das wird
hier am Rohr greifbar», sagt Engeli.
Geschichtslektion
per pedes
Friedenspilgerweg im Dreiländereck
Am ersten und zweiten Juli-Wochenende haben
je gegen 30 Personen während zweier Tage historische Orte rund um den Bodensee besucht
und sich an Nazi-Terror, Flüchtlingselend und
Friedensvisionen erinnert.
«Reale Schauplätze der Zeitgeschichte haben mich immer fasziniert. Da ist ein
Stück Geschichte zu erleben und mit den
Händen zu greifen», sagt Arne Engeli,
Friedensaktivist, Pädagoge und nicht
ganz zufällig langjähriger Heks-Programmbeauftragter für das bürgerkriegsgeschüttelte Ex-Jugoslawien. Schon in
den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat er sich als Bundesleiter des
Escherbundes, der im Umfeld der religiös-sozialen Bewegung aktiv war, zu historischen Lernorten aufgemacht.
Eine der ersten Exkursionen führte
nach Sizilien, um den sozialen Ursprung
von Hunderttausenden von Migrantinnen und Einwanderern in der Schweiz
kennen zu lernen. 1964 dann der Besuch des Vernichtungslagers Auschwitz.
«Wer diese Berge von Haaren, Schuhen
und Brillen gesehen hat, dem wird sich
dies tief ins Gedächtnis einbrennen»,
sagt er noch heute im Rückblick. 1964
waren Reisen hinter den «Eisernen Vorhang» noch suspekt. Beim Besteigen
des Swissair-Flugzeuges nach Warschau
musste sich jemand als Spitzelfotograf
betätigt haben. Denn in den «Fichen» ist
ein Foto von Arne Engeli abgebildet,
und Nachforschungen über den Zweck
der Reise sind aufgelistet.
Gestern Juden …
Erinnerungsorte am Rhein
Foto: as
Anfang Juli führte eine Exkursion nicht
in die Weite, sondern zu Lernorten gerade vor der Haustüre: ins BodenseeDreiländereck zwischen Walzenhausen
Seit Jahrzehnten in der Friedensarbeit
aktiv – Arne Engeli aus Rorschach
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Kirchenbote Kanton St.Gallen 7-8/2005
Am Nachmittag folgte dann in Heiden
der Besuch des Henry-Dunant-Museums. Der Gründer des Roten Kreuzes
wird nach Meinung Engelis von vielen
verkannt: «Gerade der alte Dunant sah
die Problematik, dass die Humanisierung des Schlachtfeldes vom eigentlichen Ziel, der Abschaffung des Krieges,
ablenkte.» Zum Tagesabschluss erinnerte dann ein Besuch des «Sonneblicks» in
Walzenhausen an den Flüchtlingspfarrer Paul Vogt und ebenso an die «Flüchtlingsmutter» Gertrud Kurz-Hohl.
Der nächste Tag setzte den Anspruch
um, der das Reisen zu Erinnerungsorten
immer begleitet: aus der Geschichte lernen. Die Kantonsrätin und Schriftstellerin Ruth Erat führte durch Rheineck.Dabei war nicht nur von dem schmucken
Städtlein, das seit dem Mittelalter unterhalb der Burg herangewachsen ist, die
Rede. Eines hat die SP-Politikerin in den
letzten Monaten besonders aufgewühlt:
Eine organisierte Absprache brachte bei
der Gemeindeversammlung alle Einbürgerungsgesuche von gut integrierten einbürgerungswilligen Muslimen zu Fall.
Im Rheintal, in dem sich die Flüchtlingsströme der vom Nazi-Regime Verfolgten
massierten, verweben sich so Geschichte
und Gegenwart ineinander.
Henry Dunant, der Gründer des Roten
Kreuzes, wandelte sich auf dem Schlachtfeld zum Friedenspropheten.
Mit dem Schiff ging es am Nachmittag auf die andere Seeseite nach
Deutschland. Nach einem einstündigen
Fussmarsch entlang des Lindauer Friedenswegs gelangte die Pilgergruppe zu
der prächtigen, klassizistischen Villa
Lindenhof am See, den «FriedensRäumen» Bad Schachen. Das von der katholischen Friedensbewegung «Pax Christi»
geleitete Museum führt in das Denken
der Wegbereiter des Friedens ein.
60 Jahre Schweizerischer Friedensrat –
wie fällt die Bilanz beim unermüdlichen
Aktivisten und ehemaligen Präsidenten
Arne Engeli aus? «Zwei Erfolge können
wir verbuchen: Den Uno-Beitritt haben
wir erreicht und zumindest die Weichen
für einen Zivildienst in der Schweiz gestellt», antwortet er.Was aber für ihn und
den Friedensrat immer noch unerledigt
auf der friedenspolitischen Agenda von
1945 stehe, sei das Waffenausfuhrverbot.
Delf Bucher
FriedensPerspektiven 1945 – 2005
Friedensseminar vom 5. – 7. August
im Kinderdorf Pestalozzi, Trogen
Der Schweizerische Friedensrat (SFR) wird
60 Jahre alt – Zeit, um Bilanz zu ziehen. Am
dreitägigen Seminar erinnern Zeitzeugen an
die Zeit, als der 2. Weltkrieg mit dem Abwurf
der ersten Atombomben zu Ende ging und der
Schweizerische Friedensrat und das Kinderdorf
Pestalozzi gegründet wurden. Namhafte Referenten zeigen auf, wie Friedensperspektiven in
den letzten 60 Jahren umgesetzt worden oder
gescheitert sind und wie sie sich verändert
haben. Ziel des Seminars sind auch eine Standortbestimmung der Friedensbewegung und
ein Ausblick auf die kommenden Jahrzehnte.
Info: Arne Engeli, Postfach, 9400 Rorschach
E-Mail: a.engeli@switzerland.org
Fokus
Werte hochhalten
Wider ungute Asylrechtsentwicklungen
Am Banquet Républicain des Solidarnetzes Ostschweiz
vom 22. April 2005 in St.Gallen hielt der St.Galler Kirchenratspräsident Dölf Weder die letzte Tischrede, in welcher
er die aktuelle Situation im Schweizer Asyl- und Ausländerrecht aus christlich-kirchlicher Sicht in einen weiteren,
auch theologischen Kontext gestellt hat. Wir drucken hier
seine Ansprache in leicht gekürzter Fassung.
In der Thematik des Asyl- und Ausländerrechts geht es nicht nur um gesetzgeberische Details, sondern um Grundfragen unserer schweizerischen gesellschaftlichen Identität und um das
Grundprinzip christlich verstandener
Menschlichkeit in unserer Gesellschaft.
Das ist auch der Grund, warum sich sowohl die Katholische Kirche wie auch
wir Protestanten uns in der heutigen Situation so lebhaft engagieren.
1. These: Die Wertediskussion in der
Schweiz ist neu lanciert; viele erkennen
sie aber nicht als Wertediskussion.
Hinter den meisten der grossen gesellschaftlichen Themen, über die heute so
leidenschaftlich gestritten wird, stehen
fundamentale Werturteile, stehen Entscheide über die Priorität, die einzelnen
Werten in der Schweiz der Gegenwart und
der Zukunft zugemessen werden soll.
Was diese Themen alle gemeinsam
haben, ist, dass es bei ihnen nicht nur
um technische oder praktische Fragen
«Es gibt ethische Werte und
Überzeugungen, die jedem
Recht vorgelagert sind.»
geht, sondern auch Entscheide darüber
gefällt werden, welche Werte in der heutigen Schweiz Priorität haben sollen.
Dessen müssen sich die Politiker noch
bewusster werden.
2. These: Die Humanität der Schweiz
ist nicht garantiert; sie muss stets neu
bestätigt und neu interpretiert werden.
Wir Schweizer lieben es, auf unsere humanitäre Tradition zu verweisen und
auf die vielen internationalen Organisationen in Genf. Das waren aber die
grossen humanitären Leistungen unserer Vorfahren. Die Frage ist, welchen
Stellenwert wir humanitären Anliegen
heute einräumen.
Unsere Politik muss wissen, dass sie
mit ihren Entscheiden die Geschichte
der humanitären Tradition der Schweiz
entweder fortschreibt und für die Gegenwart neu interpretiert oder einen
Traditionsabbruch herbeiführt.
Humanität kostet immer auch etwas,
und das nicht nur in finanzieller Hinsicht. Humanes Handeln bedeutet stets
ein Stück Verzicht auf das blosse Verfolgen von Eigeninteressen.
Uns christlichen Kirchen scheint es,
dass verschiedene neueste politische
Entscheide gerade auch im Bereich des
Asyl- und des Ausländerrechts einen
eklatanten Bruch mit dieser humanistischen Tradition bedeuten.
Dazu gehört namentlich etwa die
vom Ständerat beschlossene Ermöglichung der Verweigerung von Nothilfe
nach Art. 12 der Bundesverfassung.
Human ist nicht einfach, was eine demokratische Mehrheit in einem gewissen Moment mehrheitlich beschliesst.
Es gibt ethische Werte und Überzeugungen, die jedem Recht vorgelagert
sind. Ja, sie können sich im Extremfall
selbst gegen eine konkrete Rechtssetzung wenden. In ihrem Namen haben
sich beispielsweise während des Dritten
Reiches namhafte Theologen gegen die
Tötung von so genannt «lebensunwertem Leben» gewandt.
3. These: Es gibt nach christlicher
Überzeugung keine Humanität und
keine lebenswerte Gesellschaft, wenn
deren Gesetzgebung im Widerspruch
steht zu grundlegenden Werten des
christlichen Glaubens.
Solche Grundwerte sind für uns Christen beispielsweise – und wir teilen sie
mit vielen anderen Menschen guten
Willens: Liebe, Menschenwürde, Solidarität mit Bedürftigen, Wert jedes einzelnen Menschen als gottgewolltes Geschöpf, Annahme auch des schuldig gewordenen Menschen.
Diese Grundwerte konkretisieren sich
in bekannten Bibelstellen wie: «Liebe
deinen Nächsten wie dich selbst», «Ich
war hungrig, ihr habt mir zu essen gegeben…», «Was ihr einem dieser Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan»,
«Deine Sünden sind dir vergeben».
Wenn darum in einer christlich
geprägten Gesellschaft Menschen unter
die Räder kommen, dann ist das nicht
nur ein Problem dieser Menschen, sondern es bedeutet auch, dass wir unserem
ureigensten Auftrag als Christen untreu
geworden sind. Die Bibel benutzt dafür
die Begriffe Schuld und Sünde.
Konkret: Wenn mehrere hundert
Menschen im Solidaritätsnetz Ostschweiz
solchen grundlegenden Werten zu folgen
versuchen – wenn sie beispielsweise Menschen mit einem Nichteintretensentscheid, Menschen, die sich allein in einem
fremden Land auf die Strasse gesetzt
finden und denen eine grosse, wenn auch
unrealistische Lebenshoffnung geplatzt
ist, wenn sie solchen Menschen einen
warmen Raum und ein Mittagessen offerieren oder, wenn diese abends nach Ämterschliessung obdachlos vor ihrer Türe
stehen, ein Bett bereiten –, wenn sich solche solidarischen Menschen damit bereits
am Rande der Legalität sehen müssen,
dann ist aus christlich-humanitärer Sicht
diese Legalität in Frage zu stellen und
nicht das Handeln der Menschen.
4. These: Jeder Wert wird zum
Unwert, wenn er absolut gesetzt wird.
So wichtige Werte wie Freiheit, Orientierung am Gemeinwohl oder Sicherheit
werden zu Un-Werten, wenn sie absolut
gesetzt und zum alleinigen Massstab der
Dinge gemacht werden. Es gilt stets, sie
in Relation zu anderen Werten zu setzen.
Es geht um eine Balance der Werte.
Was im Moment in der Schweiz geschieht, ist die Absolutsetzung des Wertes «Missbrauchsbekämpfung». Das ist
ein Verlust der Angemessenheit.
Kürzlich sagte mir ein prominenter
liberaler Nationalrat, dass für ihn das
Unverständlichste in der gegenwärtigen
Situation sei, dass die meisten politischen Kräfte wie gebannt nur noch auf
die Schlange «Missbrauch» blickten
und dabei alles vergässen, was die
rechtliche und christlich-humanitäre
Tradition der Schweiz ausmache. Dabei
hänge die ganze moralische Autorität
der Schweiz, und deren Botschaft an die
Welt, genau am fragilen Zusammenspiel dieser beiden Dinge: Recht und
Humanität.
Die Verhältnismässigkeit, das Augenmass geht verloren. In Verteidigung unserer Identität und in Übertreibung an
sich berechtigter Missbrauchsbekämpfung beeinträchtigen wir genau die Werte und die Identität, die wir zu verteidigen vorgeben.
Zum Schluss noch ein Wort, das mir
kürzlich einer unserer Pfarrer auf den
Weg mitgegeben hat. Er sagte: «In 20 Jahren müssen wir dann wieder die Geschichte unseres Umgangs mit Asylsuchenden aufarbeiten. Da setze ich
mich lieber bereits jetzt mit allen Kräften für jene ein, die uns in ihrer schwierigen Situation als Mitmenschen brauchen.» Dem ist nichts hinzuzufügen.
Dölf Weder, St.Gallen
Kirchenbote Kanton St.Gallen 7-8/2005
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Panorama: Gemeinden
Panorama: Gemeinden
OKL St.Leonhard: Neuer Projektleiter
Erste Nacht der
Kirchen in St.Gallen
Die Offene Kirche St.Leonhard hat einen neuen
Projektleiter. Der Verein Offene Kirche St.Leonhard hat den 51-jährigen katholischen Pastoralassistenten Thomas Joller für dieses Amt
gewählt. Er arbeitet zurzeit als Gemeindeleiter
in Schuls GR und wird die Stelle in der Offenen
Kirche am 1. August 2005 antreten.
Thomas Joller hat breite
Berufserfahrung sowohl im
seelsorgerlichen wie im
künstlerischen Bereich.
Der Innerschweizer liess
sich zunächst an der
Schauspielakademie
Zürich zum Schauspieler
ausbilden. Es folgten verschiedene Engagements
an Bühnen in Deutschland und der Schweiz sowie
eine Eigenproduktion. Theologie studierte er in
Freiburg im Uechtland und in Luzern. Nach dem
Pastoraljahr arbeitete er seit 1998 als Gemeindeleiter in Schuls und Ardez. Zu seinen Tätigkeiten
gehörten u.a. Religionsunterricht und Gottesdienste, aber auch Bildungsanlässe. Dazu hatte
er ein Lehrpensum im Pastoralkurs des Bistums
Chur im Bereich Kommunikation.
Die Tätigkeit des Projektleiters der Offenen Kirche
umfasst Aufgaben im seelsorgerlichen, kulturellen und kommunikativen Bereich. Dazu gehört
die Aufgabe, den Umzug der Offenen Kirche in die
Kirche St.Mangen zu planen und durchzuführen.
Aktion «Ein Dach für Alle»
Nachdem die Kirche St.Leonhard verkauft ist,
können die Gelder der Aktion «Ein Dach für Alle»
nicht mehr für den eigentlichen Sammelzweck,
nämlich zur Sanierung des Dachs der Kirche
St.Leonhard, verwendet werden. Der Offenen
Kirche steht aber in den kommenden zwei Jahren
der Umzug in die St.Mangenkirche bevor. Vor dem
Einzug werden dort bauliche Anpassungen notwendig werden. Der Verein möchte die Gelder
aus der Dachziegelaktion dafür einsetzen. Mit
namentlich bekannten Spendern grösserer
Geldbeträge wird der Vorstand zu gegebener
Zeit Kontakt aufnehmen.
An 40 Orten ermöglichten die christlichen Konfessionen und Gruppierungen der Stadt einen Einblick. Die Türen
waren weit offen, Schwellenängste im
Besucherstrom schnell abgebaut. «Viele
waren sehr eventbezogen unterwegs»,
stellte Pfarrer Carl Boetschi von der
Initiativgruppe «Nacht der Kirchen»
fest. Sie pendelten mit Hilfe des informativen Programmbüchleins von Ort
zu Ort. Andere blieben in ihren Gemeinden und trafen Freunde.
der Freien Evangelischen Gemeinde. Jugendliche waren von der katholischen
Jugendarbeit zum «Talk» mit Regierungsrätin Kathrin Hilber eingeladen,
aber auch zum Stadt-Gebet mit Taizéliedern. In der reformierten Kirche
St.Georgen war Kreativität beim Malen
zum Thema «Leben» gefragt. Die
«Nacht des Leidens» in der katholischen
Kirche St.Fiden ermöglichte ein Gespräch mit der Psychologin und Seelsorgerin Monika Renz, Palliativstation des
Kantonsspitals, zu einem oft tabuisierten Thema: Krankheit, Leiden, Sterben.
In der Offenen Kirche St.Leonhard war
das Publikum von den Melodien der
himmlischen Schwestern von «Sister Act»
begeistert. Ein Kontrast dazu die Stille, die
Meditation in der Kirche Linsebühl. In
der Stadtmission stellte ein Mitglied im
Gottesdienst Menschen vor, denen durch
Jesus ein neues Leben geschenkt ist.
Erwartungen übertroffen
Über Sprachgrenzen hinweg
«Bereits jetzt sind alle Erwartungen weit
übertroffen», freute sich Hansruedi
Felix, Pfarrer von St.Laurenzen, gegen
21 Uhr. Eben hatten die «Sängerfründ
Tüüfe» den Raum «seiner» Kirche mit
Jodelmusik und Schellen-Schötte erfüllt. Gleichzeitig hörten Kinder im
Zelt beim offenen Haus in St.Fiden
Märchen aus aller Welt und das ehemalige «Concerthaus», heute Christuskirche der Christkatholischen Gemeinde
und der Anglikanischen Kirche, war erfüllt mit Musik und vielen Gästen. Viel
Spass garantierte das Kids-Programm
Menschen vieler Nationalitäten und Religionen begegneten sich in der ökumenischen Gemeinde Halden. Und der
griechisch-orthodoxe Vesper war für
einmal vorwiegend von Christen der
Schweizer Landeskirchen besucht. Still
mitzubeten war trotz fehlender Sprachkenntnisse möglich. Denn das Halleluja
und das Kyrie Eleison zeigten, was an allen Schauplätzen der «Nacht der Kirchen» das Verbindende über alle Unterschiede hinweg ist: der Glaube und die
Hoffnung auf Jesus Christus.
Sabine Rüthemann, St.Gallen
Die Evangelische, Katholische und die
Christkatholische Kirche, Freikirchen
sowie die Serbisch- und Griechischorthodoxen Kirchen luden am 11. Juni
zur ersten «Nacht der Kirchen» ein.
Offene Kirche und Kirche St.Leonhard
Wie Giovanni Cerfeda, seit 1. Mai 2005 Besitzer der
Kirche St.Leonhard, dem Verein Offene Kirche gegenüber bestätigt hat, wird die Offene Kirche in
der kommenden Zeit weiterhin Gastrecht in der
Kirche St.Leonhard haben. Der Betrieb der Offenen Kirche wird vorläufig also im gleichen Rahmen wie bisher weitergehen. Auf dem Programm
steht unter anderem das Musical Sister Act, das
von der Musical Company aufgeführt wird.
Annina Policante,
Präsidentin Verein Offene Kirche St.Leonhard
8
Kirchenbote Kanton St.Gallen 7-8/2005
«Wiborada ersteht» – die Aktion zur «Nacht der Kirchen» mit dem Künstler Hans Thomann im Chor der Kirche St.Mangen erinnerte an Wiborada, die sich an dieser Stelle
einmauern liess, als Ratgeberin wirkte und beim Hunneneinfall 926 erschlagen wurde.
Fotos: as
Sommersynode vom 27. Juni
Synode erstmals
in Walenstadt
Zum ersten Mal in ihrer über 200-jährigen Geschichte hat die Synode der
Evangelisch-Reformierten Kirche
des Kantons St.Gallen in Walenstadt
getagt. Der Ausflug ins Sarganserland war auch eine Würdigung zum
100-Jahr-Jubiläum der Ortskirche.
Da hat manch ein Passant am Montagmorgen, 27. Juni, nicht schlecht gestaunt: erst Glockenläuten, dann Orgelspiel und schliesslich laut vernehmbar
Choräle aus der reformierten Kirche zu
Walenstadt. Gibts jetzt auch bei den
Reformierten Wochengottesdienste?
Nein, aus 156 sangeskräftigen Kehlen
formte sich vielmehr der fröhliche Gesang zum Auftakt der Sommersynode.
Nach 60 Jahren trat diese damit erstmals
wieder im Sarganserland zusammen.
1945 war zuletzt Bad Ragaz Tagungsort.
Das «wunderhübsche Städtli»
Nach einem Apéro traf sich die Synode
im Hotel Post. Dort würdigte Gemeindepräsident Arnold Bühler die 100-jährige Jubiläumskirche der Gastgebergemeinde. Auch die Gelegenheit, für die
Wohngemeinde am Walensee und das
bevorstehende Heidi-Musical zu werben, liess er sich nicht entgehen.
Da mochte Kirchgemeindepräsidentin Simonia Giger nicht zurückstehen
und brach eine Lanze für das «wunderhübsche Städtli», welches der Synode
Tagungsort sein dürfe. Das Sarganserland gehöre zu jenen Gebieten des heu-
Delegierte aus allen 55 Kirchgemeinden
trafen sich zur Eröffnung der Synode in der
100-jährigen evang. Kirche Walenstadt.
Synode (im Saal), Kirchenrat und das
Büro der Synode (Bühne) bei der Sommersession im Hotel Post in Walenstadt.
tigen Kantons, führte sie aus, die sich ab
1529 sehr bald zur Reformation bekannten – dies trotz des hemmenden
Einflusses der Sarganser Vögte. Zwar
habe letztlich die katholische Seite die
Oberhand gewonnen, doch sei das ökumenische Verhältnis am Ort von Anfang an und bis heute von grosser Offenheit geprägt gewesen. Und dass Reformiert-Walenstadt mit seinen Fraktionen Flums und Quarten mehr zu bieten hat als Heidi,machte sie mit dem Verweis auf das umfangreiche Jubiläumsprogramm deutlich. Im März 2006
steht dort etwa eine Bibeloper als geistlich-erquickliches Kontrastprogramm
in der Agenda. Synodalpräsident Frank
Jehle lobte die sympathische Einladung.
Riviera-Stimmung umwehte die Kirchenparlamentarier in der Mittagspause: Nach einem Spaziergang an die
Gestade des Sees lockten der von der Gemeinde offerierte Apéro sowie ein Zmittag im «Seehof», bevor dann die zweite
und anstrengendere Runde der Beratungen (siehe rechts) ihren Lauf nahm. Um
17 Uhr verabschiedeten sich die Synodalen von Walenstadt – dem Vernehmen
nach allseits angetan vom Tagungsort.
Insgesamt gehören 180 Delegierte
aus allen 55 Kirchgemeinden im Kanton der Synode an, die als Gremium mit
legislativen Befugnissen das zentrale
Organ der reformierten Kirchenleitung
im Kanton ist. Denn einen Bischof
kennen die Reformierten bekanntlich
nicht.
Reinhold Meier, Azmoos
Dienstrecht und Finanzausgleich
Jeweils in erster Lesung hat die Sommersynode
das Dienstverhältnis von Pfarrpersonen und
den kantonalen Finanzausgleich neu geregelt.
Künftig sollen Pfarrpersonen nicht mehr für vier
Jahre, sondern auf unbestimmte Dauer gewählt werden. Über die Änderung und Auflösung eines Dienstverhältnisses kann fortan die Vorsteherschaft entscheiden, auf Verlangen der Pfarrperson die Kirchgemeindeversammlung in geheimer Abstimmung.
Disput rund um das Amtsverständnis
Kirchenratspräsident Dölf Weder hatte für die
Vorlage geworben, weil sie die nötige Flexibilität
im Blick auf den neuen Finanzausgleich ermögliche. Die gemeinsame Gemeindeleitung durch
Pfarrpersonen und Vorstände bleibe bestehen und
die Freiheit der Verkündigung gewahrt. Wohl gebe
es eine Akzentverschiebung im Berufsbild, jedoch
keine grundlegende Änderung des Amtsverständnisses. Auch seien grosszügige Fristen und die
Möglichkeit zur Krisenintervention vorgesehen.
Pfarrer Felix Marti aus Flawil kritisierte die Vorlage. Mit ihr würden aus Pfarrpersonen eher einfache Ruderer als erfahrene Steuerleute. Anstatt
wie bisher gemeinsam das Kirchenschiff zu leiten,
müssten Pfarrer künftig tun, was die Mehrheit
wolle. Das Pfarramt komme damit auch ökumenisch unter Druck, wenn es Leitungsfunktionen
verliere. Pfarrer Markus Roduner aus Lichtensteig warnte vor der Zunahme einer Arbeitgeberund Arbeitnehmermentalität und befürchtete eine
schleichende Gewichtsverlagerung.
Nebst der Vorlage selbst nahm die Synode auch
zwei Änderungsanträge an: Einerseits sollen die
geplanten Mitarbeitergespräche anstatt fakultativ
obligatorisch werden. Zum anderen wird abgewählten Pfarrpersonen die Möglichkeit zu einem
Abschiedsgottesdienst gegeben.
Finanzen transparenter machen
Für wenig Differenzen sorgte dagegen die Vorlage
zum neuen Finanzausgleich. Mit ihr bekommt die
Kantonalkirche Steuerungsmöglichkeiten, um auf
allfällige Steuerrückgänge reagieren zu können.
Der neue Finanzausgleich soll einfach nachvollziehbar und berechenbar sein – sowie grosszügig
für finanzschwache Gemeinden, erklärte Kirchenrat Alfred Friedauer. Er sei kein Instrument zur
Strukturbereinigung oder zur Fusion von Gemeinden, denn gerade kleinere Gemeinden profitierten: «Die St.Galler Kantonalkirche will und kann
sich kleine Kirchgemeinden leisten.»
Ab September: Kirchenbote im Internet
Pfarrerin Christina Nutt, die Präsidentin der
Kirchenboten-Kommission, teilte mit, dass der
Kirchenbote ab September auch im Internet publiziert werde. Zudem erarbeite die Kommission Vorschläge, den Kirchenboten jugendfreundlicher zu
gestalten, um vermehrt die jüngere Leserschaft
anzusprechen. Die Rechnungsführung werde ab
2006 auf die Zentralkasse übertragen.
rem
Kirchenbote Kanton St.Gallen 7-8/2005
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Dargebotene Hand: Leiden an Vereinsamung
Bei den über 210 000 Kontakten der Dargebotenen
Hand drehe sich jeder 10. Anruf um das Thema
Einsamkeit, Vereinsamung und Isolation, hiess es
an einer Medienorientierung in Zürich. Als Hotline
entlaste Telefon 143 rund um die Uhr mit seinem
niederschwelligen und für alle zugänglichen
Angebot das Gemeinwesen in Millionenhöhe.
Neues Team bei Wort zum Sonntag
«Wort zum Sonntag» hat ab dem 1. Juli ein neues
Sprecherteam: Zwei katholische und zwei protestantische Theologinnen und Theologen kommentieren während der nächsten anderthalb Jahre abwechselnd jeden Samstagabend um 19.55 Uhr auf
SF1 die aktuelle gesellschaftliche Situation aus
christlicher Sicht. Die neuen Sprecherinnen und
Sprecher sind Regula Strobel (Mitbegründerin
und regelmässige Autorin der feministisch-theologischen Zeitschrift «Fama»), Marianne Vogel
Kopp (Radiopredigerin), Ulrich Knellwolf (Autor,
hauptsächlich Kriminalromane) und Sepp Riedener (Leiter der Luzerner Gassenarbeit, dieses
Frühjahr Gewinner eines Preises der Herbert
Haag Stiftung für Freiheit in der Kirche).
Thurgau: Entlastungsdienst
An ihrer Sommersynode in Kreuzlingen hat die
Evangelische Synode des Kantons Thurgau den
Kirchenrat verpflichtet, einen Entlastungsdienst
für Familien mit Kleinkindern zu konzipieren. Die
Exekutive wollte aus finanziellen Gründen ganz
auf ein Engagement im Bereich Ehe, Familie und
Erziehung verzichten.
Graubünden: Sonntagsverkauf
Die Bündner Synode hat eine Grundsatzfrage um
die Rolle ihrer Versammlung diskutiert – sie setzt
sich bis heute nur aus Pfarrpersonen zusammen.
Thema waren auch die geplanten Änderungen des
Arbeitsgesetzes. Man verzichtete auf eine Resolution zur Sonntagsarbeit, beauftragte aber die EthikKommission, eine Stellungnahme auszuarbeiten.
Panorama: Schweiz
Ökumene hat Priorität
Kirchenbund:
Ja zu Migrationspolitik,
Ökumene und Open Forum
Einen zentralen Stellenwert nahmen
Grundsatzfragen der Ökumene ein. Der
Rat SEK bekennt sich mit Verweis auf die
Unterzeichnung der «Charta Oecumenica» ganz klar zur Ökumene und bekundet seinen Willen, die in der Charta gemachten Selbstverpflichtungen derart in
die Praxis umzusetzen, dass sich reformiertes und römisch-katholisches Christentum, aber auch andere christliche
Traditionen weiter annähern können.
Gleichzeitig hält der Rat fest, dass das
reformierte Profil des SEK in der Theologie und in der Kirchenpraxis nicht verleugnet, sondern weiterentwickelt werden solle. Einer schwierigen institutionellen Ökumene stehe vielerorts eine
blühende Ökumene in den Kirchgemeinden gegenüber. Trotz aller Schwierigkeiten möchte der Rat SEK nicht die eine
gegen die andere Seite ausgespielt sehen
und vertritt den Standpunkt, dass neben
der gelebten Ökumene vor Ort auch die
ökumenische Zusammenarbeit der Kirchenleitungen für die Versöhnung der
Kirchen wichtig sei.
Die Abgeordnetenversammlung (AV)
des Schweizerischen Evangelischen
Kirchenbundes (SEK), die vom 19. bis
21. Juni in Einsiedeln tagte, hat die
Migrationspolitik des SEK-Rates entschieden unterstützt, die Ökumene
als Hauptaufgabe der Kirchen bestätigt sowie die Weiterführung des
Open Forum Davos klar gutgeheissen.
Erneut hat die AV den Rat in seiner auf
christlichen Werten basierenden Migrationspolitik klar unterstützt. Der Rat
fordert, dass Menschen ohne Aufenthaltsrecht den Grundrechtsschutz der
schweizerischen Bundesverfassung beanspruchen können, ohne deswegen Gefahr zu laufen, ausgeschafft zu werden.
Zusätzlich soll die Möglichkeit einer
gruppenweisen Regularisierung geschaffen werden. Neue Gesetze sollten nicht
neue Sans-Papiers «produzieren», und
Schwarzarbeit müsse effizient bekämpft
werden. Bei Ausschaffungsmassnahmen
setzt sich der Rat für eine gezielte und
rechtzeitige Rückkehrberatung und -hilfe ein, um die freiwillige Ausreise zu fördern. Wenn aber zwangsweise Ausschaffungen unerlässlich werden, fordert er
die Einhaltung der Allgemeinen Menschenrechtserklärung. Weitere Verschärfungen im Asylrecht, wie sie vom Ständerat beschlossen wurden, lehnt der Rat
ab und hofft auf eine Kurskorrektur
durch den Nationalrat.
Schaffhausen: Bemessung der Pfarrstellen
Die Synodalen der Reformierten Kirche des Kantons Schaffhausen haben die Bemessung der
Pfarrstellen in den Kirchgemeinden neu geregelt.
Sie gaben damit der Kantonalkirche ein flexibles
Planungsinstrument in die Hand. Zudem wurde der
Kirchenrat beauftragt, sich dem Thema kirchliche
Wie die St.Galler Synode jeweils im Sommer
«wandert» und in einer Kirchgemeinde tagt, so
«wandert» die Abgeordnetenversammlung (AV)
des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) im Sommer durch ihre Mitgliedskirchen. Am Ende der AV in Einsiedeln hatten
die drei St.Galler Abgeordneten, Kirchenrat
Jakob Bösch, Balgach, Kirchenratspräsident
Dölf Weder und Christina Graf-Lehmann, Rebstein, die Ehre, die AV vom 18.– 20. Juni 2006
nach St.Gallen einzuladen.
Liturgie- und Gesangbuchkonferenz 2005
Aufgrund von Anregungen und Wünschen seitens
der Kirchen Bern-Jura-Solothurn und anderer
Kantonalkirchen bereitet der Liturgie- und
Gesangbuchverein eine Statutenrevision vor. Das
Internet-Angebot des Vereins wird rege benutzt,
dennoch ist der Wunsch geäussert worden, auch
10
Kirchenbote Kanton St.Gallen 7-8/2005
RNA
Schliesslich fand der Evaluationsbericht
des SEK zum Open Forum Davos gute
Aufnahme in der Versammlung. Insbesondere wurden der differenzierte Umgang des Rates mit der Globalisierungsfrage sowie die Tatsache begrüsst, dass
mit dem Open Forum eine Plattform für
die öffentliche Fortführung einer solchen differenzierten Diskussion geschaffen worden sei. Damit sei ein starker Beitrag zur Bewusstseins- und Meinungsbildung geleistet worden.
Dem SEK-Rat ist es ein ausdrückliches
Anliegen, die breite Unterstützung der
Versammlung hinter der künftigen SEKTrägerschaft des Open Forum zu wissen.
Diesem Anliegen entsprach die Versammlung deutlich und stimmte einer
weiteren Trägerschaft des Open Forum
RNA/comm.
Davos zu.
SEK-AV kommt nach St.Gallen
Handlungen für Nichtmitglieder zu widmen.
wieder Gedrucktes zu präsentieren.
Für Open Forum Davos
Foto: pd
Panorama: Schweiz
SEK nahm Stellung zu «Sans-Papiers».
Foto: Erwin Johann Wodicka
Lebens- und Glaubensfragen
Wozu neue
Kernkraftwerke?
«Warum will man jetzt auf einmal wieder neue Atomkraftwerke bauen, wenn
man immer noch nicht weiss, was man mit
dem radioaktiven Abfall machen will?»
Ramon, 15
Wer ein KKW bauen will, muss zusichern können, dass er die radioaktiven Abfälle viele Jahrhunderte lang
sicher lagern kann. Doch fast überall
auf der Welt wehren sich die Menschen
gegen solche Lager in ihrer Nähe. Auch
in der Schweiz haben wir noch keine
Lösung gefunden, wir behelfen uns mit
Zwischenlagern. Für mich könnte ein
neues Atomkraftwerk erst in Frage
kommen, wenn die Abfallfrage gelöst
ist.
Dennoch wird über neue KKW diskutiert, und das ist gar nicht schlecht.
Zwar gibt es zurzeit genug Energie – obwohl das KKW Leibstadt wegen einer
Panne stillsteht. Doch die fünf Schweizer KKW werden nicht ewig betrieben
werden können, wir müssen heute darüber reden, wie wir in zwanzig, dreissig
Jahren Energie gewinnen wollen. Auf
diese Zeit müssen wir uns jetzt vorbereiten.
Wer gegen Kernkraft ist, muss sich
deshalb für eine Alternative entscheiden. Es wäre schäbig, die Lücke einfach
mit Strom von ausländischen KKW
zu decken. Eine Alternative wären Gas-
«Wir verbrauchen,
ja, verschleudern
viel zu viel Energie,
wohl auch, weil sie
sehr billig ist.»
kombiwerke, doch sie stossen so viel
CO2 aus, dass wir die Luftreinhalteziele
kaum einhalten könnten. Es gibt erneuerbare Energien, etwa die Wasserkraft,
die schon 60 Prozent des Stroms produziert. Nun wird aber der Ausbau der
Wasserkraft vehement bekämpft – z.B.
auf der Grimsel. Es wird protestiert,
Windräder seien lärmig und hässlich,
und es sei auch viel zu teuer, Warmwasser mit Sonnenenergie zu produzieren
oder mit Erdwärmesonden zu heizen.
Keine einzige Form der Energiegewinnung hat ausschliesslich Vorteile.
Welches ist der richtige Weg? Die Frage
nach der Zukunft von Atomstrom wurde
in der Schweiz lange verdrängt.
Bei jeder müssen wir Nutzen und Schaden gegeneinander abwägen und dabei
nicht nur gerade an uns denken, sondern auch mögliche spätere Schäden
abschätzen, die wir anrichten könnten:
für die Umwelt, aber auch für das wirtschaftliche Wohlergehen und das friedliche Zusammenleben der Menschen.
Wägen wir gewissenhaft ab, schneiden
erneuerbare Energien – Wasser, Sonne,
Holz, Wind, Geothermie etc. – langfristig am besten ab.
Eine weitere Aufgabe ist die so genannte Energieeffizienz. Wir verbrauchen, ja, verschleudern viel zu viel Energie, wohl auch, weil sie sehr billig ist.
Wenn wir Gebäude besser isolieren oder
Strom sparende Geräte fördern, könnten wir unseren Energieverbrauch ganz
massiv senken.
Moritz Leuenberger,
Bundesrat
Stellen Sie uns Ihre Glaubensfrage
Auf dieser Seite behandeln wir auch Lebens- und
Glaubensfragen. Haben Sie eine Frage, die Sie an
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Redaktion Kirchenbote, Rehweidstrasse 2,
9010 St.Gallen; E-Mail: kirchenbote.sg@ref.ch
Leserbriefe
«Marriage-Encounter-Wochenende»
Kibo 6-7/2005, Seite 6: «Liebesschule»
Meine Frage: Wird in diesem Kurs Dreisprachigkeit verlangt? Gibt es in unserer Muttersprache
kein entsprechendes Wort? Schade, dass unsere
Kultur immer weniger geachtet wird. Ist MultiKulti wirklich das Mass aller Dinge?
Judit Fröhlich, Steinach
Liebe Frau Fröhlich,
danke für Ihre Anfrage. Sie hat uns bewusst gemacht, dass in diesem Interview das englische
Wort «Marriage-Encounter (ME)» nirgends erklärt
ist. Es kommt – wie die Ehebewegung selber – aus
dem Amerikanischen und heisst auf Deutsch: «Begegnung in der Ehe». Die Franzosen haben dafür
das schöne Wort «vivre et aimer», also «leben und
lieben», und die Österreicher sagen ihrer nationalen ME-Gemeinschaft «Der Liebe auf der Spur».
Dass wir in der deutschsprachigen Schweiz noch
kein Wort in unserer eigenen Muttersprache gefunden haben, hat zwei Gründe: Erstens drückt die
englische Bezeichnung unsere Verbundenheit mit
der weltweiten ME-Gemeinschaft aus. ME ist inzwischen auf allen fünf Kontinenten verbreitet.
Zweitens wird die wörtliche Übersetzung «Begegnung in der Ehe» mit der Abkürzung «BIDE» in
der Schweiz und in Deutschland schon von einer
anderen Organisation verwendet. Aber Ihr Echo auf
unser Interview regt uns an, von neuem nach einer
schweizerischen Bezeichnung für ME zu suchen.
Charlotte und Andreas Moor
Papst Johannes Paul II. – auch das war er
Während eines beruflichen Aufenthaltes in Johannesburg/Südafrika kam mein Sohn mit einer polnischen Jüdin ins Gespräch, welche ihm ihre äusserst
eindrückliche Lebensgeschichte erzählte.
Als sechsjähriges Mädchen tappte sie, links und
rechts von ihren älteren Brüdern an der Hand gehalten, in der todgeweihten Menschenschlange durch
das Tor von Auschwitz. Ein Bruder wurde aus der
Kolonne weg erschossen, der andere nach Ausscheidung in Gruppen von der Schwester getrennt.
Sie nun, allein in der Menschenmasse, brach in laute
Tränen aus, lief zurück und hinaus aus dem Tor mit
der sarkastischen Aufschrift «Arbeit macht frei».
Niemand beachtete das heulende Mädchen. Sie sei
wohl die einzige Person, die je zur Nazizeit lebend durch
diese Pforte hinausgegangen sei, meinte sie dazu.
Herumirrend in einem Friedhof, versteckte sie sich
hinter Grabsteinen. Hier wurde sie von einem Pfarrherrn aufgegriffen, mit in sein Haus genommen und
so «dem Leben zurückgegeben».
Dieser Geistliche war der spätere Papst Johannes
Paul II. Sie suchte ihn später in Rom auf und er erinnerte sich lebhaft dieser Tragödie, die ja auch ihm
hätte zum Verhängnis werden können, wie vielen andern mutigen Gottesleuten, Bonhoeffer und vielen
Namenlosen … Auch das war Johannes Paul II.: ein
todesmutiger Mann.
Johann Jakob, senior, Bad Ragaz
Kirchenbote Kanton St.Gallen 7-8/2005
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Palette
Spiritualität
Sitzen in der Stille
Jeden Di., 12.15 – 13.15 Uhr
Einführung ins Ritual: 12 Uhr
Bibliodrama am Vormittag
8., 22., 29. Sept., 9 bis 12.30 Uhr
Reisen
Mit Sr. Zita Resch und Katharina
Peytrignet
Israel-Palästina
Begegnungen im Lande der Bibel
30. Sept. – 11. Okt.
Ort: KGH St.Leonhard, St.Gallen
Veranstalter: Katharina Peytrignet,
Tel. 071 223 62 10,
kpeytrignet@bluewin.ch
Info: Pfr. R. Müller, Tel. 071 690 08 67
Ort: Offene Kirche St.Leonhard, St.Gallen
Veranstalter: Forum SOSOS
Stille am Mittag
Jeden Fr., 12.15 – 13.15 Uhr
Christliche Zen-Meditation
Ort: Kirche Halden, St.Gallen
Auskunft: Margrit Wenk-Schlegel,
Tel. 071 288 65 88
Offenes Kreistanzen
16. Juli, 20 Uhr
Ort: KGH Linsebühl, St.Gallen
«Und Gott sprach: Es werde …»
7. – 13. August
Schöpfung als Erwachen zum vollen Menschsein, Projekt Kirche
und Spiritualität; mit Beatrix Jessberger und Hildegard Schmittfull
Eine Welt
Seminar Friedensperspektiven
1945 – 1989 – 2005. Das 21. Jh.
im Rückblick und Ausblick
5. – 7. August
Mit Anuti Corti, Fridolin Trüb,
Hansjörg Weigel, Till Bastian,
Stella Jegher, Pia Hollenstein,
Dragica Rajcic, Urs Stieger u.a.,
Leitung: Arne Engeli
Veranstalter: Schweizerischer Friedensrat und ÄrztInnen für soziale Verantwortung
und zur Verhütung eines Atomkrieges
Ort: Kinderdorf Pestalozzi Trogen
(siehe auch Seite 6)
Ort: Fernblick, Teufen, Tel. 071 330 00 55
Veranstalter: St.Katharina-Werk
Eine andere Welt ist möglich
28. August, Schloss Wartensee
Jedes Wesen ein Wunder –
Gottesdienst für Mensch und Tier
14. August, 19 Uhr
(siehe Tipp des Monats)
Mit Andreas Fischer und Karla
Kunz mit Blindenhund Iron
sowie Ferdinand Rauber, Musik.
Die Tiere sind gemäss biblischem
Zeugnis von Gottes Händen aus
dem gleichen Erdboden gebildet
wie wir. Und im Alltag vieler
Menschen sind sie Freundinnen,
Fitnesstrainer, Tröster der Seele.
Die Schöpfung, in der «jedes Wesen ein Wunder» ist, feiern wir zusammen mit unseren tierischen
Geschwistern. Bringen Sie, wenn
Sie wollen, Ihre Haustiere mit.
Veranstalter: Forum SOSOS
Ort: Offene Kirche St.Leonhard, St.Gallen
Offenes Heilen
19. August, 19 Uhr
Meditation mit Irene Thoma,
dipl. Naturärztin NVS, Mitglied
SVNH/NVS.
Später Hände auflegen. Kollekte.
Ort: Offene Kirche St.Leonhard, St.Gallen
Schweigen im Alpstein –
Meditationsnacht am Fälensee
10. September, 19 Uhr in Brülisau
11. Sept., ca. 10 Uhr am Fälensee
Seit dem frühen Christentum suchen Menschen die Stille der Berge.
Die Stille der Bergwelt öffnet die
Sinne für die Schönheit der Schöpfung. Das Dunkel der Nacht spiegelt das göttliche Dunkel, in dem
Aussen und Innen eins sind.
Mit Markus Grieder und Andreas
Fischer.
Die Teilnahme ist kostenlos.
Veranstalter: Forum SOSOS
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Mit Pfr. Robert Müller, Pauschalpreis Fr. 2240.–
Begegnungs- und Studienreise
nach Südkorea
10. – 28. Oktober 2005
Die Teilnehmenden erfahren bei
Besuchen und Übernachtungen
in Stadt- und Landgemeinden
etwas über den Alltag von koreanischen Christen.
Auskunft und Anmeldung bei Magdalena
Zimmermann, mission 21, Missionsstr.
21, 4003 Basel, Tel. 061 260 21 20, E-Mail:
magdalena.zimmermann@mission-21.org
Workcamp Nigeria 2006
Die Teilnehmenden am internationalen Workcamp helfen mit
beim Aufbau einer Schule.
Während des vierwöchigen Einsatzes von Mitte Januar bis Mitte
Februar 2006 erleben Sie die Bevölkerung, Landschaft und Kultur
Nordnigerias.
Bedingungen: Mindestalter 18 Jahre, Englischkenntnisse, Teilnahme am Vorbereitungs- und Rückkehrertreffen
Die Kosten: US$ 550.– für den Aufenthalt;
Fr. 1950.– für Flug, Vorbereitungs- und
Rückkehrertreffen; Visum und Impfungen
zu Lasten der Teilnehmenden
Anmeldung bis 1.11.2005 bei: mission 21,
Workcamp Nigeria, Missionsstrasse 2,
4003 Basel; www.mission-21.org,
Tel. 061 260 23 06 oder 061 260 23 14
sandra.witschi@mission-21.org
«Christliche Identität angesichts
der Herausforderung des Islam»
7. September, 20 – 21.30 Uhr
Mit Prof. Dr. Johannes Triebel,
Erlangen; Vortrag und Diskussion
Ort: Katharinensaal, St.Gallen
Mitveranstalter: Arbeitsstelle «Kirche im
Dialog und Evang.-ref. Forum St.Gallen
Kirchenbote Kanton St.Gallen 7-8/2005
Ferien für Einelternfamilien
31. Juli – 6. August
und 2. – 8. Oktober
Ausspannen über dem Bodensee,
Kinder- und Elternprogramm.
Je nach Einkommen: Eltern ab
Fr. 300.–, Kinder ab Fr. 60.–
Ort: Sonneblick Walzenhausen
Anmeldung: Tel. 071 886 72 72
Äthiopienreise
1. – 22. Oktober 2005
(auch im Herbst 2006)
Für Behörden
Der Veranstalter, Ex-Kirchenrat
Andreas Eggenberger, kennt das
Land von mehreren Aufenthalten.
Der zeitgemässe Internetauftritt
7. September, 17 – 19 Uhr
Reiseprogramm und Information:
Andreas Eggenberger-Hehli, Spannenweg 3, 9472 Grabs, Telefon 081 771 27 14
oder E-Mail: dachi@gmx.ch
Infoveranstaltung zum Internetauftritt von Kirchgemeinden;
mit Hansruedi Vetsch und Werner
Näf sowie Paul Baumann
Studien- und Ferienreise
auf die Insel Kreta
3. – 17. Oktober 2005
Geführte Ausflüge auf der Insel,
Kennenlernen der Griechisch-orthodoxen Kirche, der minoischen
Kultur und des noch ursprünglichen Westens von Kreta. Wohnen
im 4-Stern-Hotel beim kleinen
Fischerdorf Kolymbari direkt am
Meer.
Reiseprogramm und Informationen:
Pfr. Dr. Alfred Gugolz, Spechtweg 3,
9463 Oberriet, Tel./Fax 071 761 12 30,
E-Mail: al.gugolz@bluewin.ch
Kurswochen
KURSTAGE HEIMELI, HEMBERG
Ort: Haus zur Perle, St.Gallen
Veranstalter: AkEB
Gesucht: Behördenmitglieder
14. September in Wattwil
27. September in Heerbrugg
jeweils 19 – 22 Uhr
Ehrenamtliche suchen, motivieren, finden; zwei Impulsabende
mit dem gleichen Programm;
mit Marlise Schiltknecht und
Jacques-Antoine von Allmen
Veranstalter: AS Diakonie und
AS Erwachsenenbildung AkEB
Ein Budget lesen und verstehen
21. Sept. in Wil, 17 – 22 Uhr
Seminar für Behördenmitglieder
mit Brigitte Burri, Zentralkasse,
und Heidi Zingg Knöpfli, Finanzverantwortliche Evang. Frauenbund
Hotel Pension: Tel. 071 378 61 00
heimeli@vch.ch, www.vch.ch/heimeli
Veranstalter: AkEB
Musikwoche: 16. – 23. Juli
Volkstanzwoche: 23. – 30. Juli
Bergwanderwoche: 14. – 20. Aug.
Wanderwoche: 20. – 27. Aug.
«Indicamino»: 27. Aug. – 3. Sept.
Männer unterwegs: 4. – 10. Sept.
Logotherapie: 5. – 9. Sept.
Fotokurs: 11. – 17. Sept.
Aquarellmalen: 18. – 24. Sept.
Volkstanzwoche: 26. Sept. – 1. Okt.
Burnout – Vorbeugen ist besser
als heilen
24. September
Suchen Sie einen Ort für Ihr GemeindeWochenende, eine Retraite oder
Gemeindeferien? Fragen Sie uns nach
freien Terminen: Tel. 071 378 61 00
Seminar für kirchliche Mitarbeitende und Behördenmitglieder;
mit Martina Schäfer, St.Gallen
Veranstalter: AkEB
Weiterbildung
KURSTAGE HEIMETLI, NESSLAU
Religionsgeschichtliche Stadtführungen mit Walter Frei
jeweils 18.15 – 19.45 Uhr
20. /25./27. Juli/1. August/...
Pension Heimetli – Blaues Kreuz
(siehe Tipp des Monats)
Lutenwil, 9650 Nesslau, Tel. 071 994 18 87
heimetli@web.de; heimetli-nesslau.ch
Ferien fürs Gmüet: 3. – 10. Sept.
Wanderwoche: 8. – 15. Okt.
Lismi-Wuche: 15. – 22. Okt.
Bibelwoche: 22. – 29. Okt.
KURSTAGE HAUS SURVAL
7426 Flerden, Tel. 081 651 13 96
Der Meister: 6. – 13. Aug.
Wanderwoche: 1. – 8. Okt.
Dinkel: 24. – 27. Okt.
Modellier-Kurs: 4. – 6. Nov.
Wer ist dieser Gott – Kurs 428
18./25. Aug./1. Sept., 19 Uhr
Der Name Gottes – onem est omen
Veranstalter: SELS, Tel. 071 223 14 16
Ort: Rosenbergstr. 50, St.Gallen
Der Gewalt begegnen –
konfliktfähiger werden –
Weiterbildung in drei Modulen
27. August in Wattwil
1. Modul: Wahrnehmung und
Kommunikation – Grundlagen
der Gewaltfreiheit?
24. September in Gossau
2. Modul: «Fair streiten»
29. Oktober in Widnau
3. Modul: «Zivilcourage – Eingreifen in Gewaltsituationen»
Veranstaltende: Arbeitsstelle Jugendfragen der Evang.-Ref. Kirche des Kantons
St.Gallen und Amt für Soziales des Kantons St.Gallen in Zusammenarbeit mit
dem Forum für Friedenserziehung.
Anmeldung, Infos: Tel. 071 227 05 62
E-Mail: christinger@ref-sg.ch
Besuchen Sie den Stand der
Kirchen an der OBA
2. – 4. September
Am ökumenischen Stand der
Kirchen wird dieses Jahr der neue
Studiengang für Populäre Musik
vorgestellt. Des Weiteren finden
Sie am Stand die Angebote für
Erstausbildungen und Weiterbildungen der Kirchen.
Öffnungszeiten der Halle für Erwachsenenbildung: Fr., 2. Sept., 12 bis 18.30 Uhr
Sa./So., 3./4. Sept., jeweils 10 bis 17 Uhr
In Dir lebt das Kind, das Du warst
6./13./20. Sept., 18 – 21 Uhr
Wir lernen unsere Geschichte für
die Gegenwart zu nutzen.
Ort: Oberstrasse 38, St.Gallen
Kursleitung: Roland Popp-Stoll, Diakon,
Individualpsychologischer Berater SGIPA,
Ausbildungsverantwortlicher der Dargebotenen Hand Ostschweiz, Tel. 071 223 14 15
E-Mail: ostschweiz@143.ch
Fesselnde Symbolik des Bundeszeltes (Stiftshütte), Kurs 429
9./16./23. September, 18 Uhr
Veranstalter: SELS, Tel. 071 223 14 16
Ort: Rosenbergstr. 50, St.Gallen
first steps 1
10./11. September
Zweijähriger JugendleitungsGrundkurs auf erlebnispädagogischer Basis.
Der Kurs wendet sich junge Freiwillige, welche an der ausserschulischen Kinder- und Jugendarbeit
erste Verantwortung und Führungsarbeit übernehmen wollen.
Der weiterführende Kurs «first
steps 2» wird 2006 angeboten.
Ort: Pfadiheim Buchs (Buchserberg)
Kosten: Fr. 60.– (wird in der Regel von
der Kirchgemeinde übernommen)
Auskunft: Peter Christinger, Beauftrag-
Kinder
Tipp des Monats
Kinderkino in der OKL
19. – 22. Juli, 18.30 Uhr
19. Juli: Ein Schweinchen namens Babe
20. Juli: Das fliegende Klassenzimmer
21. Juli: Shrek I
22. Juli: Kevin – allein zu Haus
Eine andere Welt ist möglich –
Friedensarbeit mit Ueli Wildberger
28. August, 11 – 17 Uhr, Schloss Wartensee
Für Kinder ab 6 Jahren.
Eintritt: Fr. 5.– oder Ferienpass.
Ort: Offene Kirche St.Leonhard, St.Gallen
Jugend/Junge
Erwachsene
SMS-Gottesdienst
7. August, 19 Uhr
Stichwort «START GOTTESDIENST» an die Nr. 8400 schicken
info@junge-erwachsene.ch
www.junge-erwachsene.ch
Ökumenisches Taizé-Gebet
Region Toggenburg
7. August, 20.10 Uhr
Ort: Evang. Kirche Krinau (Rückfahrgelegenheit ins Tal gewährleistet)
Gospel Kirche Jona
28. August, 10 Uhr
Ort: Evang. Kirchenzentrum Jona
Kirchen
Eglise française
Eglise de Saint-Mangen à Saint-Gall.
Culte à 9 h. 30 chaque dimanche
d’août (pas de culte en juillet).
Cultes mensuels à Rapperswil, Rorschach et Uzwil. Renseignements auprès
du pasteur Marc Bridel, tél. 071 278 43 89.
Beratung
Die Dargebotene Hand
Telefonseelsorge Telefon 143
Evangelisch-reformierte Paarund Familienberatung St.Gallen
Oberer Graben 31, St.Gallen
Pfarrer Walter Feurer, Psychotherapeut
SPV/ASP, Tel. 071 220 88 00
Heidi Paulsen, dipl. Psychologin FH,
Tel. 071 220 88 02
Sprechstunden nach Vereinbarung
Impressum
Herausgegeben im
Auftrag der Synode
der EvangelischReformierten Kirche
des Kantons St.Gallen
Redaktionskommission
Pfrn. Christina Nutt,
Azmoos, Präsidentin
Kurt Zürcher, Kassier
Pfr. Andreas Fischer
Pfr. Daniel Klingenberg
Hajes Wagner
Pfr. Martin Böhringer
Alfred Ritz
Anna Zogg
Alexander Schär
Redaktion
Pfarrer Andreas
Schwendener
Rehweidstrasse 2
9010 St.Gallen
T 071 244 34 64 (F 65)
www.kirchenbote.ch
kirchenbote.sg@ref.ch
Lokalredaktion
Reto Neurauter, Grabs
Tel. 081 771 65 16
Katharina Meier,
Lütisburg Station
Tel. 071 980 06 01
Claudia Schmid,
St.Gallen
Tel. 071 223 58 60
Nächste Nummer
Thema: Internet
erscheint am
2. September 2005
Redaktionsschluss:
17. August 2005
ter für Jugendfragen (AJ) und Familien
und Kinder (AFK), Oberer Graben 31,
Evangelische Frauenhilfe
9000 St.Gallen, Tel. 071 227 05 62
Beratungsstelle für Frauen
Tellstr. 4, 9000 St.Gallen
T 071 220 81 80, F 071 220 81 84
E-Mail: christinger@ref-sg.ch
Das Menschenbild der Therapeuten, Kurs 430
17./24./31. Okt., 19.30 Uhr
Christlicher Glaube in Psychologie, Psychiatrie, Psychotherapie
und in der Seelsorge
Veranstalter: SELS, Tel. 071 223 14 16
Ort: Rosenbergstr. 50, St.Gallen
Unterwegs zum Du
für Partnerschaft und Ehe
Sylvia Blum, Romanshornerstr. 30,
8583 Sulgen, persönliche Gespräche
nach telefonischer Absprache.
Pfarramt für Gehörlose
Achim Menges, Oberer Graben 31,
9000 St.Gallen, Tel. 071 227 05 70
gehoerlosenseelsorge@ref-sg.ch
Druck
Rheintaler Druckerei
und Verlag AG
9442 Berneck
Altpapieranteil: min.
50%, Auflage: 71 000
erscheint monatlich
Gestaltungskonzept
TGG Hafen Senn Stieger
Abonnementspreis
11 Ausgaben Fr. 13.–
Adressänderungen
an die Kirchgemeinde
Referat von Ueli Wildberger: «Gewaltfreier Widerstand im Grossen: Fallbeispiele wirksamer gewaltfreier Überwindung von Unrecht und Diktatur.
Übungen: Intervenieren im Alltag.
Abschluss mit einer Liturgiefeier.
Ein Beitrag zur «Dekade zur Überwindung von Gewalt»
Auskunft: Andreas Fischer, Rorschacher Strasse 174,
9000 St. Gallen, Tel. 071 245 12 53,
E-Mail: andreas.fischer@sosos.org
Religionsgeschichtliche Stadtführungen mit Walter Frei
jeweils 18.15 – 19.45 Uhr
20. Juli: Frauen in St.Gallen
z.B. Martha von Watt, Anna Heller, Hedwig Scherrer, Regina Ullmann; Start beim Hauptbahnhof
25. Juli: Männer in St.Gallen
z.B. Johannes Kessler, Dunants Freunde, Walter
Mittelholzer, Stararchitekt Simon, Paul Grüninger; Start beim Hauptbahnhof
27. Juli: Kinder in St.Gallen
Kinderleben und Kinderschicksale in früheren
Zeiten; Start beim Eingang St.Katharinen
1. August: Fremde in St.Gallen
z.B. Gallus Hugenotten, Paracelsus, Haubenreich
(Hexer), König Gustav IV., KZ-Überlebende;
Start beim Vadian-Denkmal
Weitere Führungen: 3. Sept.: Bregenz, Columban und Gallus
5. Sept.: Krieg und Frieden; 12. Sept.: Juden in St.Gallen
17. Sept.: Chindlistein Heiden; 19. Sept.: Hexen im 17. Jahrhundert; 23. Sept.: Wiborada
Veranstalter
Bestellen Sie das Detailprogramm und den neuen
Kurskalender 2-2005 der St.Galler Kantonalkirche.
Eine Veranstaltungsübersicht findet sich auf der Homepage
der Kantonalkirche: www.ref-sg.ch, Detailprogramme: «Leben gestalten» bei AkEB, Tel. 071 227 05 30, akeb@ref-sg.ch
AkEB Arbeitsstelle kirchliche Erwachsenenbildung, Oberer
Graben 31, 9000 St.Gallen, T 071 227 05 30, F 071 227 05 39,
www.lebengestalten.ch, E-Mail: akeb@ref-sg.ch
Forum Solidarität und Spiritualität Ostschweiz
(ehemals Verein Wartensee) Sekretariat: Beatrice Städler,
Auwiesenstr. 49c, 9030 Abtwil, T+F 071 311 86 10,
www.ref.ch/sg/wartensee, wartensee@ref.ch
Sonneblick Walzenhausen 9428 Walzenhausen,
T 071 886 72 72, sonneblick@walzenhausen.ch;
www.sonneblick-walzenhausen.ch
Schloss Wartensee 9404 Rorschacherberg,
Tel. 071 858 73 73, www.wartensee.ch; schloss@wartensee.ch
Offene Kirche St.Leonhard T+ F 071 278 49 69,
www.okl.ch, E-Mail: okl@okl.ch, Mittagstisch: Mi.: 12–14 Uhr
SELS Seminar für evangelische Erwachsenenbildung,
Rosenbergstr. 50, 9000 St.Gallen, Tel. 071 223 14 16
Kirchenbote Kanton St.Gallen 7-8/2005
13
Link
Radio
DRS1
Zum neuen Tag
Mo–Sa 6.42 Uhr und 8.50 Uhr
Zwischenhalt
jeden Samstag 19.30 Uhr,
anschliessend Glocken
Ein Wort aus der Bibel
jeden Sonntag 6.42 Uhr und 8.50 Uhr
(DRS2 So 7.05 Uhr)
Texte zum Sonntag
jeden Sonntag 9.30 Uhr
DRS2
Religionsthemen im Kontext
vorwiegend am Donnerstag
9 und 18.30 Uhr (Zweitausstrahlung)
Blickpunkt Religion
jeden Sonntag 8.10 bis 8.30 Uhr
Predigten, Gottesdienste
7.8. «Doch alle Lust will Ewigkeit» – über das Spannungsfeld
von Eros und Religion
Bücher
Nicht von ungefähr werden religiöse und sexuelle Erfahrungen mit
denselben Worten beschrieben:
Ekstase, Verzückung, Ewigkeit.
Die neue Halbfas-Bibel
14.8. Eine neue Sicht der Wirklichkeit – zum 100. Geburtstag des
Kulturphilosophen Jean Gebser
Er lebte in einer engen Wohnung in
der Berner Altstadt und wurde zum
Wegbereiter einer neuen Weltsicht:
Jean Gebser (1905–1973), Kulturphilosoph, Reisender und Schriftsteller. Gebser befasste sich mit
der Entwicklungsgeschichte des
menschlichen Bewusstseins und
prophezeite den Anbruch eines
neuen, integralen Zeitalters, das die
Spaltungen der Gegenwart überwinden werde. Ein Porträt des bis
heute verkannten Propheten von
Lorenz Marti.
So, 9.30 Uhr: röm.-kath. Predigt
So, 9.45 Uhr: evang.-ref. Predigt
21.8. Der Dichter Robert Lax
17.7. Karin Schaub, Diakonin;
28.8. Ein Liebhaber des Friedens.
Der ostdeutsche Theologe Friedrich Schorlemmer im Gespräch
Pfr. Lukas Spinner, Meilen
24.7. Peter Henrici, Chur; Pascale
Ramseier-Huber, Frauenkappelen
31.7. Barbara Kückelmann, Pfarreileiterin, Bern-Bethlehem;
Pfr. Herbert Kohler, Zürich
7.8. Pater Dietrich Wiederkehr;
Pfrn. Heidrun Suter-Richter
14.8. Römisch-katholischer
Gottesdienst – Direktübertragung
aus Zürich-Altstetten
21.8. Franziska Loretan-Saladin;
Pfr. Lukas Spinner, Meilen
28.8. Rita Bausch, Weinfelden;
Pfrn. Pascale Ramseier-Huber
Perspektiven
(siehe Tipp des Monats)
Radio aktuell/Radio Ri
«Gedankestrich»
Mo–Sa tägl. 11.45 Uhr und irgendwann
am Nachmittag auf Radio aktuell
Mo–Sa tägl. 6.45 Uhr auf Radio Ri
«Prisma», jeden Sonntag
Kirchliches Magazin mit
Veranstaltungskalender
Radio aktuell zwischen 8.15 und 8.30 Uhr
Radio Ri zwischen 11 und 11.30 Uhr
Radio Zürisee
«Über Gott und d’Wält»
jeden Sonntag 8.25 Uhr
jeweils So 8.30 Uhr und Do 15.00 Uhr
17.7. Der Physiker Gottes Isaac
Newton und die Revolution des
Denkens
24.7. Von dummen und klugen
Mädchen – die Theologin Luise
Schottroff
TV
Seit gut dreissig Jahren wird die
Bibel «von unten» gelesen, aus der
kargen Alltagsperspektive antiker
Menschen. Jesus tritt seither als
sandalentragender Charismatiker
auf, der als Wanderprediger aus
den und in die Herzen der Menschen spricht. Ohne die antike jüdische Lebenswelt lassen sich seine
Gleichnisse nicht verstehen, meint
auch Luise Schottroff, die in ihrer
Forschung den Frauen nachspürt.
Die Pionierin kontextueller Bibelwissenschaft blickt auf ihre LeseÜberraschungen zurück.
Sternstunden:
31.7. Kann Kirche noch Heimat
sein?
Was kann die Kirche heute bieten,
wo es fast so viele Heimaten wie
Menschen gibt?
14
SF1
Wort zum Sonntag: Sa 19.55 Uhr
10 Uhr: Religion. 11 Uhr: Philosophie
12 Uhr: Kunst
SF2
«Fenster zum Sonntag»
Samstag 17.30 und Sonntag 11.30 Uhr
16./17.7. Globetrotter
23./24.7. Herzblut-Rocker
30./31.7. Spurensucher
6./7.8. Umsteiger
13./14.8. Buschmänner
20./21.8. Ich war Muslima
27./28.8. Alpha live
Tele Ostschweiz
«Gedanken zur Zeit»
Sa 18.55 Uhr, stündlich wiederholt
Die «Gedanken zur Zeit» werden
stündlich bis am Sonntag ausgestrahlt, letztmals um 13.57 Uhr.
Kirchenbote Kanton St.Gallen 7-8/2005
Wer sich vertieft mit der Bibel auseinander setzen will, braucht zuweilen eine ganze Bibliothek: eine
Bibel natürlich, aber auch einen
Bibelatlas, Kommentare, eine Einführung in die biblischen Bücher,
etwas über die altorientalische,
griechische und römische Geschichte. Oder er leistet sich die
Halbfas-Bibel, die das alles in einem bietet und einlädt zu einer
spannenden Entdeckungsreise.
Der bekannte Religionspädagoge
Hubertus Halbfas hat hier sein Lebenswerk zusammengefasst. Seine
Idee: Er legt eine Auswahl der wichtigsten biblischen Texte vor und
liefert dazu alles, was es braucht,
um die Texte im damaligen und im
heutigen Kontext zu verstehen. Es
ist also keine vollständige Bibelausgabe. In der Übersetzung folgt er
nicht den gängigen Textfassungen.
So lässt schon das Lesen des Textes
aufhorchen. In der Jüdischen Bibel
(«Altes Testament») ordnet er die
Texte entlang der Geschichte
Israels. Um die biblischen Texte
ordnet Halbfas Einführungen zu
den Bibelbüchern, geschichtliche
Hintergrundinformationen, Worterklärungen und Schwerpunktartikel (zum Beispiel zum Thema
«Tempel»). Er spart auch nicht mit
Bildern von archäologischen Materialien, die Bezüge des Textes anschaulich machen. Mit weiteren
Bildern, literarischen Texten und
Dokumenten aus der Christentumsgeschichte zeigt Halbfas eindrücklich, dass die Texte seit mehr
als 2000 Jahren weitergewirkt, die
Menschen belebt, aber auch Widerspruch gefunden haben. Wer an die
Halbfas-Bibel herangeht, muss um
den Standpunkt von Halbfas wissen: Es geht ihm darum, schonungslos die Ergebnisse wissenschaftlicher, historisch-kritischer
Forschung an der Bibel einer breiten, gebildeten Öffentlichkeit bekannt zu machen. Weiter berücksichtigt Halbfas die jüdische Auslegung der Bibel. Das ist sein Beitrag
an einen jüdisch-christlichen DiaJacques-Antoine von Allmen
log.
Hubertus Halbfas: Die Bibel, erschlossen und kommentiert, Fr. 99.–
ISBN 3-491-70334-4
Lebenskunst
Nach dem erfolgreichen Bibelseminar und dem weniger erfolgreichen
Glaubensseminar stellte sich für die
Zürcher Landeskirche die Frage:
Wie können wir Materialien zum
Thema Ethik vorlegen, die sich
nicht nur im traditionellen Kursrahmen einsetzen lassen?
Das Resultat ist ein Geschichtenbuch, eine Gedichtsammlung, ein
Buch mit geistlichen Übungen und
ein Jahresbegleiter in einem. Jeder
Monat, jede Woche steht unter dem
Motto einer Tugend (Weisheit, Liebe, Gehorsam, Freiheit …). Jedes
Wochenthema wird Tag für Tag
entfaltet mit einer biblischen Besinnung, einem Literaturzitat, einem
Sinnspruch, einem Gedicht oder einer Übungsanleitung für die eigene
Meditation. Jeder Tag bietet einen
Impuls, eine Überraschung. Wer
das Buch nicht als täglichen Begleiter (nach der Art der Herrnhuter
Losungen) nutzen will, kann es immer wieder als Steinbruch hervornehmen, um unverbrauchte Texte
für einen Brief, eine Rede, eine Andacht zu finden. J.-A. von Allmen
Lebenskunst – Stücke für jeden Tag,
Matthias Krieg (Hrsg.), Fr. 38.30
ISBN 3-290-17156-6
Tipp des
Monats
«Ich blicke ins Dunkel und
warte» – eine Begegnung mit
dem Dichter Robert Lax
Perspektiven: So., 21. August,
8.30–9 Uhr, Radio DRS2
Redaktion: Heinz Fäh
Robert Lax gilt vielen als einer
der grossen amerikanischen
Dichter des zwanzigsten Jahrhunderts. Der Sohn jüdischer
Einwanderer konvertierte in jungen Jahren zum Christentum.
37 Jahre lang lebte er als weltlicher Eremit auf griechischen Inseln, ehe er kurz vor seinem Tod
im Jahr 2000 in sein Geburtshaus
in Olean, New York, zurückkehrte.
Die bewusste Verlangsamung ermöglichte ihm die Wahrnehmung
des Wesentlichen und führte ihn
zu einem Dialog mit dem Du Gottes. Daraus sind Texte und Psalmen von tiefer Leuchtkraft entstanden. Mit minimalistischen
Mitteln an der Grenze der Sprache
erzählt er seine Geschichten. Zu
seinen engen Freunden gehörten
Thomas Merton oder Dom Helder Camara. Heinz Fäh hat sich in
Zürich und auf Patmos auf Spurensuche gemacht.
Zweitausstrahlung: Do, 25.8.,15 Uhr, DRS2
Monatsporträt
Abschied von
dieser Welt
Begegnung mit dem alten Mönch vom Sömmerli
Eduard Haller leidet unter der Fremde, in die hinein er sich
gestellt sieht. Die Kirche, sagt er, zelebriert «religiöse
Selbstfindungsspiele». Und die Welt erscheint ihm als
«manipulierte Massenhysterie hier, schrankenloser
Individualismus dort». Doch die Fremde, so leidvoll sie
sein mag, ist zugleich Hallers Lebenselixier.
Die Fremde verweist darauf, dass wir
«anderswo zuhause sind als nur in dieser Welt». Auf dem Hintergrund dieser
Überzeugung gewinnen seine Lebensumstände symbolische Bedeutung: Sein
braun-grau-beiges Zimmer im Altersheim Sömmerli in St.Gallen bezeichnet
er als «Klosterzelle», sich selber als «alten Mönch». Wenn der hochgebildete
Mann bei Tisch ein Gedicht rezitiert
und erklärt, es sei von Goethe, erfährt
er von den Nachbarn allenfalls ein
nachsichtiges Schmunzeln. «Ach Kinder», seufzt Haller am Ende dieser
Anekdote. Er sei Zeuge einer versinkenden Welt. «Mein alter Adam ist korrupt», schaut er scherzend dem Tod ins
Auge. «Ich bin trotz blühenden Aussehens gesundheitlich labil.» Es ist der gelassene Humor eines Menschen, der das
Umkehr in der Wüste
Foto: as
«Lesen lernen»: Edi Haller in seiner
Klause im St.Galler Altersheim Sömmerli
Wesentliche erst auf sich zukommen
sieht. «Lieber Gott», lautet das Nachtgebet des frommen Pastors, «wenn ich im
Himmel auf dem hintersten Bänkli sitzen darf und vor mir meine Lieben wieder sehe, dann will ich dich von ganzem
Herzen loben.»
Vielleicht ist damit das Wesentliche
über Edi Haller gesagt. Er selber nennt
es den «eschatologischen Akzent». Wer
die Erfüllung der eigenen Existenz in
den Kategorien «Himmel» und «Ewiges
Leben» ortet, für den werden «Selbstbeglückung» und «Erfolg» zu «sekundären Grössen». «Die wahre Heimat liegt
im Himmel», sagt Haller mit Paulus.
Seine Standpunkte haben indessen auch
irdische Bezüge: Das Programm, an das
sich der zünftige Alttestamentler ein
Leben lang gehalten hat, heisst einfach:
«Lesen lernen». Im Anschluss an seinen
grossen Lehrer Gerhard von Rad sagt
Haller: «Wir wissen nicht von vornherein, was ein Text uns sagt. Ein Text muss
sich aus sich selbst heraus entfalten, er
muss ausgehört werden, und wir – wir
müssen warten lernen, bis er aufgeht
wie eine Knospe.»
Im Dienst dieses «Wartens» und «Aushörens» steht auch die «Meditation»,
wie Haller sie versteht: «Nicht als Nabelschau, sondern als Versuch, Gottes
Wort zu hören.» Als solchen hat er sie
schon in den 50er Jahren in Taizé kennen gelernt und in manchen Retraiten
praktiziert. Während drei bis sieben
Tagen der Einkehr hielt er jeweils morgens und nachmittags kurze Andachten
über ein biblisches Wort, das dann in
der Stille weiter wirkte.
Ein anderer Bezug des Denkens und
Glaubens von Eduard Haller ist die
Wort-Gottes-Theologie, wie sie von
Karl Barth und anderen verkündet worden und nach dem Zweiten Weltkrieg
zur Blüte gekommen ist. Ihre Radikalität
ist tief mit den Erfahrungen jener Generation verbunden. «Wir waren bettelarm, aber begeistert», blickt er auf die
«goldene Zeit» zurück, in der der Glaube
noch nicht «satt und pausbäckig» war.
Die Wort-Gottes-Theologie gab dem
Sprache, was Haller in der Kriegsgefangenschaft erfahren hatte. Als 18-jähriger
Soldat war er zur verzweifelten Überzeugung gelangt, dass «Gott, sollte es ihn
geben, nur mit uns spielt». Zweimal
wurde er an der Mittelfront in Russland
verwundet, schliesslich in Italien von
den Alliierten gefangen genommen und
in ein Arbeitslager in Ägypten gebracht.
Dort, in der Wüste, umgeben von «Stacheldraht, Steinen und Sand», fand er
zum Glauben. «Im Lager fallen alle Masken. Da siehst du, was der Mensch ist.»
Bei jeder Entlassung hängten sich einige
auf, weil sie für ihr Leben keine Zukunft
mehr sahen. Eine kleine Gruppe von
Christen bot Haller, betend und auf das
«In jener ‹goldenen
Zeit› war der Glaube
noch nicht ‹satt und
pausbäckig›.»
biblische Wort hörend, die Alternative,
die fortan sein Leben bestimmte. Haller
gelobte: «Wenn Gott in Christus vergibt
und heilt, dann werde ich Pastor.»
Professor und Dorfpfarrer
Nach vierjähriger Gefangenschaft kehrte der Münchner nach Deutschland
zurück. Er studierte Theologie und
wurde Professor für Altes Testament an
der Theologischen Hochschule Neuendettelsau. Die Unruhen von 1968 setzten
ihm zu. «Wenn ihr es besser wisst, sucht
euch einen anderen Lehrer», rief er resigniert den Revoluzzern zu. Er hielt die
Einladung, Geistlicher in einem Schweizer Diakonissenhaus zu werden, für
einen Wink Gottes. Dass er ihr folgte,
ohne zuvor die nötigen Abklärungen zu
treffen, erwies sich indessen als Fehler.
«Die Vernunft ist ein ausgesprochener
Freund des Heiligen Geistes», erläutert
Haller die Lehre, die er aus der Fehlentscheidung gezogen hat. Gerade mal ein
Jahr lang hielt er es an dem Ort aus, zu
dem ihn eine vermeintlich «noble Berufung» geführt hatte. Dann wollte er
«wieder ein freier Mann sein». Er zog mit
Frau und vier Kindern nach Stein im
Toggenburg, wo er bis zur Pensionierung
1988 über 17 Jahre lang Pfarrer war.
Es ist spät geworden. Edi Haller geht
in der Regel früh schlafen. Doch der
Ausflug aus dem Altersheim in die
St.Galler Altstadt, das Gespräch, die
Weisswurst und das braune Bier haben
ihn wach gehalten. «Die Weisswurst ist
des Frommen Speise», erklärt er. Früher
sei der fromme Münchner zur Kirche
gegangen, dann zum Weisswurst- und
schliesslich zum Mittagessen. «Das war
eine Liturgie.» Und dann, zum Abschied, sagt der alte Mönch noch einmal:
«Ach, Kinder.»
Andreas Fischer
Lesetipp: Eduard Haller «Staunen über Gott –
Biblische Anstösse zum ewigen Leben»,
Freimund Verlag 2002, 260 Seiten, Fr. 20.–
Kirchenbote Kanton St.Gallen 7-8/2005
15
«Wir wollten mehr
wissen»
Stationen mit meiner Kirche
Trend zur Bildung ungebrochen
Er kostet Kraft, könnte man denken,
der Theologiekurs der Kantonalkirche,
– umfasst er doch 400 Kursstunden in
drei Jahren. Doch offenbar bringt das
Angebot auch Energie zurück, wie zwei
Teilnehmerinnen erzählen, Anita Kobel,
Bäuerin aus Wolfhalden, und Franziska
Wagner, Krankenschwester aus Thal.
«Wir haben bisher keine Minute bereut,
denn der Kurs weitet den Horizont. Er
gibt mehr Freiheit im Glauben. Das ist
die wichtigste Erfahrung. Das können
wir jetzt schon, in der Halbzeit, sagen.
Wir kommen beide aus Elternhäusern, in denen wir den christlichen Glauben kennen gelernt haben. Wir haben
uns später an verschiedenen Stellen in
der Kirche engagiert, beim Kindergottes-
«Der Kurs weitet den Horizont
und gibt Freiheit im Glauben.»
sein. Er ist so angelegt, dass auch ein Zwischeneinstieg zu Beginn jedes neuen Kursjahres möglich ist.
Breite Palette
Die Nachfrage nach kirchlicher Fortbildung für
Erwachsene ist ungebrochen und widerspricht
somit der angeblich verbreiteten Interesselosigkeit
an theologischen Fragen. Gäbe es nicht die gute
Übersicht auf der Homepage www.ref-sg.ch, man
könnte beinahe sagen, die Vielzahl der Bildungsangebote für Erwachsene – koordiniert von der kantonalkirchlichen Arbeitsstelle für Erwachsenenbildung (AkEB) – sei kaum überschaubar. Denn neben
fachbezogenen Kursen beispielsweise für musikalisch Interessierte, Ehrenamtliche aus Kinder-, Jugend- oder Seniorenarbeit oder Behördenmitglieder
gibt es auch spirituelle Angebote wie Bibliodrama,
Enneagramm und Meditationsnächte.
Vielfach planen auch Verantwortliche in den
Kirchgemeinden vor Ort weitere Angebote in der
Region – teils in Kooperation mit der AkEB. Lebenskundliche, theologische und kulturgeschichtliche Angebote bis hin zu Studienreisen prägen
das Spektrum. Für die AkEB ist dabei unter anderem der Gedanke leitend, Bildung als «Bildung
von ganzheitlich verstandener Lebenskompetenz»
zu verstehen. Darum richtet sich die Einladung
auch an «Bildungsungewohnte und Menschen,
welche speziellen Herausforderungen, wie beispielsweise Burn-out, Trauer oder Berufsorientierung, gegenüber stehen».
rm
dienst zum Beispiel und in der Blaukreuzjugend. Aber der persönliche Glaube soll sich ja auch weiterentwickeln und
nicht einfach stehen bleiben. Oft hat man
keine Zeit dafür – oder wenigstens das
Gefühl, man habe keine Zeit dafür. Der
Theologiekurs kam da gerade richtig.
Was ich sehr schätze, ist die Vielzahl
der Dozenten sowie die offene Atmosphäre in der Gruppe, in die man alle
Fragen einbringen kann. Das macht es
Retouren an Kirchgemeinde weiterleiten.
Wir sind rund 20 Personen in der Gruppe und die Diskussionen sind sehr interessant. Es geht um Bibelkunde, aber
auch um andere Religionen, um Esoterik
und feministische Theologie.
Manchmal streiten wir richtig um die
Antworten, freundschaftlich natürlich,
und dann kann man viel Eigenes einbringen. Mehr zu wissen, mehr wissen zu wollen – das ist für mich kein Hindernis für
den Glauben. Eher im Gegenteil. So habe
ich das erfahren. Die Dimensionen des
Gottesbildes werden grösser. Der Umfang
des Stoffs ist sicher happig. Einige haben
auch aufgehört, weil es ihnen einfach zu
viel war. Aber oft geht es uns so, dass die
Zeit eher zu knapp ist. Der Kurs müsste
eigentlich noch viel intensiver sein.
Uns ist wichtig, Glauben und Alltag
beruflich und privat miteinander zu verbinden, damit der Glaube nicht abgehoben ist. Wir wollen ihn integrieren und
nicht ausgrenzen. Dazu ist der Kurs eine
grosse Hilfe.Wir können uns gut vorstellen, uns nach dem Kurs in der Kirche
weiter zu engagieren.»
Notiert: Reinhold Meier, Azmoos (rem)
Keine Minute bereut, auch wenn der Stoff durchaus happig ist: Franziska Wagner
(links) und Anita Kobel studieren für den Theologiekurs.
Kirchenbote
Gemeindenachrichten im Mittelbund
Grössere Dimension
Foto: Reinhold Meier
Auch wenn sich kirchliche Bildungsangebote nur
schwer miteinander vergleichen lassen: Der dreijährige Theologiekurs darf als eine Art Königsdisziplin in der breiten Angebotspalette der Kantonalkirche gelten. Erweist er sich doch nicht nur
durch seinen enormen zeitlichen Umfang, sondern vor allem durch seine inhaltliche Akzentsetzung als respektables Schwergewicht.
Der Kurs möchte auf eine lebensbezogene Weise
Theologie, Lehrtraditionen und Quellen vermitteln.
Dabei strukturiert er sich in fünf Themenbereiche:
Bibel, Ethik, Dogmatik, Religionswissenschaft und
Kirchengeschichte. Das Spektrum reicht somit etwa von Ansätzen der Bibelauslegung, über die Fragen nach Gerechtigkeit und Wahrheit bis hin zu
gottesdienstlichen Themen und der Auseinandersetzung mit modernen religiösen Strömungen
oder der eigenen Biografie.
Wöchentlich einen Abend, dazu jährlich drei ganze
Tage sowie zusätzlich drei Wochenendseminare
bringen die Teilnehmenden nebst der nötigen
Heimarbeit an Zeit dafür auf. Der Kurs unter der
Leitung von Annette Spitzenberg-Schmid kann Ausgangspunkt für weitere kirchliche Ausbildungen
sehr vielfältig. Wir hinterfragen Dinge,
die scheinbar selbstverständlich sind,
zum Beispiel, ob es Mose gab und was
‹Schöpfergott› bedeutet. Bei mir wächst
der Glaube, wenn man ihn kritisch anschaut. Das hat mich auch persönlich verändert und mir den Horizont erweitert.
7-8/2005 | 54. Jahrgang
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Seele and Geist
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