close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Gesundheitspolitik im Dialog - Landesärztekammer Hessen

EinbettenHerunterladen
11 2014 • Hessisches Ärzteblatt
Aktuelles
Gesundheitspolitik im Dialog
Landesärztekammer Hessen im Gespräch mit den gesundheitspolitischen Sprechern
der Fraktionen im Hessischen Landtag
Acht Monate sind seit Amtsantritt vergangen: „Genügend Zeit, um einige gesundheitspolitische Vorhaben des Koalitionsvertrages auf einen Zwischen-Prüfstand
zu stellen“, eröffnete Katja Möhrle, Leiterin der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Landesärztekammer Hessen (LÄKH), die Diskussionsrunde. Die gesundheitspolitischen Sprecher aller hessischen Fraktionen waren der Einladung
der LÄKH in die Bezirksärztekammer Wiesbaden gefolgt, um gemeinsam mit Ärztekammerpräsident Dr. med. Gottfried von
Knoblauch zu Hatzbach, Dr. med. Roland
Kaiser (Ärztlicher Geschäftsführer der LÄKH)
und Journalisten aktuelle gesundheitspolitische Themen zu beleuchten.
Dr. med. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach
(links) und Dr. med. Roland Kaiser im Gespräch
mit gesundheitspolitischen Sprechern und Journalisten
Alle Akteure an einen
Tisch bringen
Vertreter der Landtags-Fraktionen (von links): Dr. med. Ralf-Norbert Bartelt (CDU), Marcus Bocklet (Bündnis 90/Die Grünen), Dr. med. Thomas Spies (SPD), Florian Rentsch (FDP) und Marjana Schott (Die Linke)
te, was aus den Zielen des Paktes geworden sei.
Der Ärztemangel in strukturschwachen
Regionen sei eine chronische Erkrankung,
die eine Langzeittherapie benötige, erklärte Dr. med. Ralf-Norbert Bartelt (CDU),
der dem Pakt erste Erfolge attestierte.
„Es fehlt das ganze Paket vor Ort“, kritisierte Florian Rentsch (FDP) die Gegebenheiten in ländlichen Gebieten und verwies
unter anderem auf fehlende Schulen oder
Bäcker. Marjana Schotts (Die Linke) Rezept für eine gelingende Versorgung: Angestelltenverhältnisse auf dem Land mit
geregelten Arbeits- und Urlaubszeiten. Dies
komme Ärztinnen bei der Vereinbarkeit von
Beruf und Familie entgegen. Marcus Bocklet
(Bündnis 90/Die Grünen) hob die Wichtigkeit einer multidisziplinären Kooperation
für die weitere Entwicklung hervor.
Viele Akteure kämen zwar auch bei den
regionalen Gesundheitskonferenzen zusammen. Doch handele es sich hierbei
schlicht um eine Umbenennung der sechs
ehemaligen Krankenhauskonferenzen, kritisierte Dr. med. Thomas Spies (SPD). Eine
regionale Planung sei aufgrund der zu
großen Einzugsgebiete unmöglich. Spies
forderte eine Zusammensetzung auf maximal Landkreisebene.
ANZEIGE
Der 2011 unter der schwarz-gelben Regierung auf den Weg gebrachte Hessische
Pakt zur Sicherstellung der gesundheitlichen Versorgung sei „ein vernünftiger
und zielführender Ansatz, nicht nur die
ärztliche Versorgung in den Blick zu nehmen, sondern über ein schrittweises und
pragmatisches Vorgehen alle relevanten
Akteure an einen Tisch zu bringen und die
gesamte gesundheitliche Versorgung in
Hessen in den Fokus zu rücken“, stellte
von Knoblauch zu Hatzbach fest und frag-
629
11 2014 • Hessisches Ärzteblatt
Aktuelles
Zentrale Frage:
Bedarfsermitt­lung
Nicht die Einführung einer jährlichen Pauschale für hessische Krankenhäuser löse
die Probleme, so Schott. Wichtiger sei,
genau hinzugucken, welche Krankenhäuser wo und mit welcher Ausstattung gebraucht werden. „Wir haben definitiv eine
Überversorgung mit Krankenhäusern“, so
Rentsch und bemängelte, dass die Qualitätsdebatte in diesem Zusammenhang
keine Rolle spiele. „Die grundlegende Frage ist, wie der tatsächliche Bedarf ermittelt werden kann“, stellte Kaiser dar. Spies
schlug als Basis für eine Planung Daten
der Krankenkassen vor. Das Problem liege
jedoch darin, so Spies, dass die entspre-
630
chenden Fachleute im Sozialministerium
fehlten.
Blick in die Zukunft
Einig waren sich die Diskutanten über die
Inhalte eines Psychisch-Kranken-Hilfe-Ge­
setzes für Hessen. Von Knoblauch zu Hatzbach führte aus, dass beim aktuellen Gesetz von 1952 die Gefahrenabwehr zentrales
Element sei. Den Vorstellungen der LÄKH
unter anderem zu einer zeitgemäßen Rege­
lung von Krisenintervention und Therapie,
dem Ausbau sozialpsychiatrischer Dienste,
Erhaltung der gemeindenahen Psychiatrie
und Stärkung von Patientenrechten stimm­
ten alle Sprecher zu. Bocklet erläuterte, dass
zurzeit an den Eckpunkten gearbeitet wer-
de. Ob noch in diesem Jahr ein Gesetzesentwurf gelinge, sei allerdings unklar.
Für die gesundheitspolitischen Sprecher
ein noch unbekanntes, aber über Hessen
hinaus wichtiges Thema war die geplante
EU-Normungsverordnung. „Über den Umweg der Normung versucht die EU-Kommission, Einfluss auf die Berufsausübung
der Ärzte in Europa zu nehmen“, erläuterte von Knoblauch zu Hatzbach. „Ein Normungsverfahren kann von jedem in Gang
gesetzt werden, die Spielregeln sind nicht
klar“, ergänzte Kaiser. Die Vertreter der
Politik versprachen, ein Auge auf die Entwicklungen zu haben.
Maren Grikscheit (Text und Fotos)
Document
Kategorie
Bildung
Seitenansichten
6
Dateigröße
74 KB
Tags
1/--Seiten
melden