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DOK 5 – das Feature, 19.05.2013 Das Kartell der Perlen Wie die

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DOK 5 – das Feature, 19.05.2013
Das Kartell der Perlen
Wie die Champagne die Preise macht
Musik: God Russik, Analogik
O-Ton Frau (Champagnerbar):
Champagner berauscht, er beschwingt irgendwo, ist angenehm, nicht
betrunken- man schwebt (lacht).
O-Ton Maskow:
Champagner ist einfach der lebenslustigste und lebensfroheste von allen
Weinen.
O-Ton Shoemaker:
Manager und Besitzer von Champagnerhäusern - alle wollen auf den
chinesischen Markt.
O-Ton Taittinger:
Wir haben nicht alle die Möglichkeit, uns ein eigenes Boot zu kaufen, ein
Privatflugzeug, ein Schlösschen oder ein Bild von Picasso. Aber wenn
wir eine Flasche Champagner trinken, machen wir das Gleiche wie ein
Milliardär oder die Königin von England!
O-Ton Stephan Holst:
Aber es gibt Gott sei Dank ja auch noch genügend Leute, die sich
regelmäßig mal einen schönen Abend machen und da gehört dann auch
noch ne Flasche Champagner dazu.
© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012
Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen
Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript weder
vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht ) werden.
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DOK 5 – das Feature, 19.05.2013
Das Kartell der Perlen
Wie die Champagne die Preise macht
O-Ton Noyelle:
Wir verkaufen 330 Millionen Flaschen von ein und demselben Produkt
auf der ganzen Welt. Das ist eine fantastische Marktmacht!
O-Ton Toubart:
Es gibt ein solides Einverständnis zwischen den Winzern und den
Champagnerhäusern: Der erwirtschaftete Mehrwert wird geteilt. Wir
haben keine Lust, uns das kaputt zu machen.
Ende Musik
O-Ton Eichelmann:
Die ganze Champagne ist ein Kartell.
Ansage (Sprecher):
Das Kartell der Perlen.
Wie die Champagne die Preise macht.
Ein Feature von Clemens Hoffmann.
Atmo 1: Bar Shanghai (Musik, Stimmengewirr), kurz freistehend, dann:
Erzähler:
Freitagabend in Shanghai. Die „Jade“-Bar im 36. Stockwerk eines
Luxushotels. Junge, wohlhabende Chinesen fläzen sich in LoungeSesseln. Hinter den Panoramafenstern glitzert die Skyline des
Geschäftsviertels Pudong. Chinas aufregendste Boomtown feiert sich
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DOK 5 – das Feature, 19.05.2013
Das Kartell der Perlen
Wie die Champagne die Preise macht
selbst. Und in den Gläsern der Party-Meute perlt - Champagner.
Sommelier David Schoemaker.
O-Ton Schoemaker:
„Jeder kennt hier die großen Namen. Dom Pérignon zum Beispiel
verkaufen wir hier in der Bar glasweise.
Erzähler:
„Dom Pérignon“ - die bekannteste Prestige-Abfüllung des
Weltmarktführers „Moёt et Chandon“. Flaschenpreis in Deutschland:
rund 130 Euro. Der Champagner-Riese gehört zum französischen
Luxusgüter-Konzern „Louis Vuitton-Moёt-Hennessy“, kurz LVMH. Der
besitzt die Champagner-Marken Veuve Clicquot, Krug, Ruinart, Mercier
und eben Moёt et Chandon. Mit diesen fünf setzt das börsennotierte
Unternehmen über 60 Millionen Flaschen jährlich ab. Immer mehr davon
auch in China. David Schoemaker:
O-Ton Schoemaker:
In China funktioniert das so: Wenn Du konsumierst, zeigst Du Dein
Gesicht und Deine Macht. Das kann sehr exzessiv werden. Wir haben
hier Leute, die flaschenweise sehr teuere Champagner ordern. Nicht
unbedingt, um alles zu trinken, sondern einfach, um zu sagen: Hier, seht
mal, ich kann es mir leisten! Nur für die Show. Was ziemlich gut ist.
Weiter Atmo Bar, darüber:
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DOK 5 – das Feature, 19.05.2013
Das Kartell der Perlen
Wie die Champagne die Preise macht
Erzähler:
Der Kalifornier David Schoemaker kümmert sich schon gut zwei Jahre in
Shanghai um den Geltungsdrang, pardon: den Champagnerdurst der
Chinesen. Der explodiert geradezu. Wurden vor zwei Jahren noch 1,3
Millionen Flaschen Champagner ins rote Riesenreich exportiert, waren
es 2012 schon zwei Millionen.
O-Ton Schoemaker:
Was die Leute interessiert, wonach sie suchen, ist die Marke. Der
chinesische Konsument ist sehr gut informiert über Marken. Sein
Qualitätsverständnis kommt von der Marke. Das wird sich sicher
verändern. Aber im Moment ist es die Marke, die zählt.
Musikakzent + Korken aus der Flasche
Erzähler:
Und Champagner ist die Marke. Nicht irgendein Schaumwein, sondern
das Original – der wohl prestigeträchtigste Prickler der Welt.
Erzähler:
Die Champagne braucht die Chinesen. Denn den Europäern steht der
Sinn gerade nicht nach Feiern: 2007, im letzten großen Boomjahr,
verkaufte man weltweit noch rekordträchtige 339 Millionen Flaschen. Seit
der Finanz- und Eurokrise greifen vor allem die Franzosen selbst gerne
mal zu billigeren Sprudlern aus Italien oder Spanien. In Deutschland
brach der Champagner-Absatz zuletzt sogar um fast 12 Prozent ein.
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DOK 5 – das Feature, 19.05.2013
Das Kartell der Perlen
Wie die Champagne die Preise macht
Aber: Global gesehen läuft es immer noch glänzend: 2012 bescherte der
Branche das viertbeste Geschäftsergebnis aller Zeiten. 4 Komma 37
Milliarden Euro setzten Winzer und Kellereien weltweit um - mit fast 309
Millionen Flaschen.
Musikinsert
O-Ton Eichelmann:
Ich mag Weine, die animierend sind, die frisch sind, lebendig, und
trotzdem komplex sind, und das verkörpert für mich Champagner
idealtypisch.
Sprecher:
Gerhard Eichelmann, Weinkritiker und Buchautor.
O-Ton Eichelmann:
Es gibt auf der Welt keine andere Weinregion, die in solchen Mengen
und zu solchen Preisen ihr Getränk absetzt. Man muss sehen, es
werden ungefähr 300 Millionen Flaschen im Jahr erzeugt und verkauft
für 10 Euro aufwärts. Das schafft niemand sonst.
Musik: Champagne Bubles (Tango)
O-Ton Taittinger:
Champagner ist ein Symbol. Symbol des Feierns, der Festlichkeit, der
Liebe. Es ist eines der wenigen alkoholischen Getränke, das die Frauen
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DOK 5 – das Feature, 19.05.2013
Das Kartell der Perlen
Wie die Champagne die Preise macht
lieben. Wir müssen überall sein, wo es Männer und Frauen gibt, die
feiern und glücklich sein wollen.
Erzählerin:
Genuss und Lebensfreude, dafür steht Champagner. Und es ist auch die
Mission von Pierre Emanuel Taittinger, dem Chef von Champagne
Taittinger in Reims. Der 60-jährige mit der wallenden Mähne verkörpert
Champagner. Und ist eines seiner bekanntesten Gesichter. Spätestens,
seit einem verrückten Coup. 2006 kauft er den im Jahr zuvor wegen
Erbstreitigkeiten veräußerten Familienbetrieb mit Hilfe von Banken
zurück. Dem amerikanischen Finanzinvestor Starwood zahlt er dafür
stolze 660 Millionen Euro.
O-Ton Taittinger:
Für mich war es eine Pflicht, eine Familiengeschichte weiterzuführen.
Taittinger ohne die Familie Tattinger, das wäre nicht mehr dasselbe
gewesen.
Musik
Erzählerin:
Der Senior spannt die Familie voll mit ein: Sohn Clovis leitet den Export,
Tochter Vitalie ist für das Marketing verantwortlich und modelt auch
schon mal selbst für die Anzeigenkampagnen. In einem Kreidekeller aus
dem fünften Jahrhundert lagert das Kapital: Rund 21 Millionen Flaschen,
die mindestens 4 Jahre reifen und zu Preisen zwischen 30 und 300 Euro
verkauft werden.
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DOK 5 – das Feature, 19.05.2013
Das Kartell der Perlen
Wie die Champagne die Preise macht
Ende Musik
O-Ton Taittinger:
Ich finde der Preis bleibt noch völlig vernünftig für die viele Arbeit. Im
Vergleich zu vielen Flaschen Rot- oder Weißwein, die viel teuerer sind,
aber viel weniger Arbeit machen. Wenn wir eine Flasche verkaufen, ist
sie trinkfertig noch am gleichen Abend. Wir haben das ganze finanzielle
Risiko getragen. Das ist beim Wein nicht der Fall.
Erzählerin:
Geld, behauptet Taittinger, brauche er sowieso nur, um es ins
Unternehmen zu investieren. Na ja! Viel lieber redet der Schöngeist
jedenfalls über die wahre Berufung des Champagners: Er soll Glück
kreieren!
O-Ton Taittinger:
Das Leben ist kurz. Die Deutschen werden auch merken, wie wir
Franzosen, dass wir viel zu viel arbeiten und nicht genug Spaß haben.
Ich sage den Leuten: Trinkt, esst, macht Liebe, hört Musik.
Musikinsert: Junge Deutsche Blechbläsersolisten: Hommage to the
Boble Grape + Korken
Erzählerin:
Tun wir Deutschen uns wirklich so viel schwerer mit dem Genießen, als
unsere Nachbarn, die Franzosen? Boris Maskow hält das zumindest
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DOK 5 – das Feature, 19.05.2013
Das Kartell der Perlen
Wie die Champagne die Preise macht
nicht für ausgeschlossen. Der Rechtsanwalt aus Montabaur bloggt im
Internet über Champagner und berät Gastronomen bei der Auswahl.
O-Ton Maskow:
Die Deutschen trinken gerne Sekt und gegen guten Sekt ist nichts
einzuwenden, technisch sind die Unterschiede zum Champagner
minimal. Aber vielleicht ist es tatsächlich der deutsche Hang zum
Zergrübeln, zum Schwermütigsein, zum Schopenhauertum. Das geistig
nordische, vielleicht tumb Schwerfällige passt nicht ganz so gut zum
Champagner wie Baudelaire oder Verlaine oder Voltaire!
Musik
O-Ton Maskow:
Nicht umsonst sagt man: Beim Bordeaux denkt man Dummheiten, beim
Burgunder sagt man Dummheiten und beim Champagner macht man
Dummheiten.
Erzähler:
Champagner kommt aus dem Weinbaugebiet Champagne. Eine Fläche,
so groß, wie die deutschen Anbaugebiete Rheinhessen und Mosel
zusammen: 34 Tausend Hektar, im Nordosten Frankreichs. Nur dort
wachsen die Trauben für das prickelnde Getränk. Nur dort dürfen sie
verarbeitet werden. Die Weinberge gehören zu großen Teilen etwa 15
Tausend Winzern. Bei ihnen reifen die Trauben - oft nur auf ein paar
hundert Quadratmetern. Die Winzer verkaufen ihre Ernte an rund 300
Handelshäuser und mehrere dutzend Genossenschaften.
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DOK 5 – das Feature, 19.05.2013
Das Kartell der Perlen
Wie die Champagne die Preise macht
Die verarbeiten sie zu Wein. Damit der zu Champagner wird, muss er ein
zweites Mal gären. Und zwar in der Flasche.
Ende Musik
Erzähler:
Nur drei Rebsorten dürfen hinein in den Champagner: Die beiden roten
Burgundersorten Pinot Noir und Pinot Meunier und der weiße
Chardonnay. Sie werden vom Kellermeister, dem Chef de Cave,
miteinander verschnitten.
O-Ton Eznack:
Wir benutzen hauptsächlich Chardonnay. Er bringt viel Frische, Eleganz
und Finesse.
Erzähler:
Floriane Eznack, als Kellermeisterin verantwortlich für den Geschmack
von „Champagne Jacquart“ in Reims.
O-Ton Eznack:
Der Pinot Noir bringt Struktur. Wir wollen sie luftig, diese Struktur. Nicht
dominant. Der Pinot Noir soll den Chardonnay ins Licht setzen, aber
keinen weinigen Champagner schaffen. Mit einer zu klebrigen Textur.
Und der Pinot Meunier ist sehr großzügig, er steuert in einer Assemblage
Rundheit und Frucht bei.
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DOK 5 – das Feature, 19.05.2013
Das Kartell der Perlen
Wie die Champagne die Preise macht
Erzähler:
Die Assemblage, also die Mischung der Grundweine, wird in Flaschen
gefüllt und mit Hefe und Zucker ein zweites Mal zum Gären gebracht.
Die Hefen verarbeiten den Zucker zu Alkohol und Kohlendioxid, das sich
im Wein löst.
Atmo: Flasche öffnen, einschenken
Erzähler:
Beim Öffnen der Flasche bildet die entweichende Kohlensäure dann die
feinen Perlen im Glas.
Musik Tequila & Champagne
O-Ton Collage Champagnerbar:
F: Das Feinperlige. Das Trockene. Ich mag nichts Süßes. Ist halt ein
bisschen extravagant! M: Ist ne gewisse Frische drin und auch das
Spritzige finde ich ganz nett an dem Glas, aber dann ist auch gut, wenn
ich wieder ein Bier trinken kann
Ende Musik Tequila & Champagne
Musik + Atmo Épernay
Erzählerin:
Épernay - Champagner-Metropole mit gerade 25 Tausend Einwohnern.
Die meisten leben von den Perlen. Und nicht schlecht: Gute Restaurants
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DOK 5 – das Feature, 19.05.2013
Das Kartell der Perlen
Wie die Champagne die Preise macht
und schicke Bars zeugen von Lebensart. In einem vornehmen StadtPalais aus den 50er Jahren residiert der Verband der
Champagnerwirtschaft: das „Comité Interprofessionnel du Vin de
Champagne“. Die mächtige Lobbyorganisation vereint Winzer,
Genossenschaften und Kellereien unter einem Dach. Und das schon seit
1941. Der Verband forscht, informiert und verteidigt Champagner zur Not
auch vor Gericht gegen Nachahmer. Im holzgetäfelten Sitzungssaal im
ersten Stock strahlen Messingleuchter Gediegenheit aus. Über dem
Konferenztisch ein großer Wandteppich: Die Traubenlese. Ein Motiv mit
Hintersinn: Vier Wochen vor Beginn der Lese tagt unter diesem Bild: die
„Paritätische Kommission“. Sechs Winzer und sechs Vertreter von
Champagner-Häusern fällen gemeinsam die wohl wichtigste
Entscheidung des Jahres:
O-Ton Toubart:
Das kann sehr lange dauern: Fünf, sechs, sieben Stunden, wenn es sein
muss.
Erzählerin:
Maxime Toubart, Vize-Präsident des Verbands der Champagner-Winzer,
verhandelt mit.
O-Ton Toubart:
Jedes Jahr legen wir eine Erntemenge fest, die sich nach den Verkäufen
des Vorjahrs richtet - und nach der Menge des Lagerbestands. Am Ende
hat man eine Zahl: 11 Tausend 400 Kilo waren es diesmal. Das ging
ziemlich schnell.
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DOK 5 – das Feature, 19.05.2013
Das Kartell der Perlen
Wie die Champagne die Preise macht
Erzählerin:
Während in anderen Weinbaugegenden gesetzliche Höchstmengen
gelten, an denen nicht gerüttelt wird, legt die Champagne ihre ErnteMengen selbst fest - ganz nach Bedarf. Die Zwölferrunde am
Konferenztisch steuert also die Gewinne der gesamten Branche. Die
Logik ist simpel: nur knappe Trauben bringen gutes Geld. Gerhard
Eichelmann kennt die Tarife.
O-Ton Eichelmann:
Der Preis für eine Flasche Champagner ist natürlich nicht festgelegt,
aber der Preis für ein Kilo Trauben ist festgelegt, je nach Cru, je nach
Lage, aus der er kommt, liegt er zwischen 5 Euro 50 und 7 bis 8 Euro.
Erzählerin:
Zwischen 5 und 8 Euro für ein Kilo Champagnertrauben! Von solchen
Erlösen können Winzer in anderen Weltgegenden nicht einmal träumen.
Im katalanischen Cava-Gebiet müssen sie froh sein, wenn sie 50 Cent
fürs Kilo bekommen. Dabei schmeckt guter Cava nicht schlechter. Für
Maxime Toubart vom Champagner-Winzer-Verband gehen die üppigen
Traubenpreise in Ordnung. Er hält sie für den Ausdruck besonderer
gegenseitiger Wertschätzung.
O-Ton Toubart:
Es gibt ein solides Einverständnis zwischen den Winzern und den
Champagnerhäusern: Der erwirtschaftete Mehrwert wird geteilt. Wir
haben keine Lust, uns das kaputt zu machen. Wir sind uns sehr bewusst,
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Das Kartell der Perlen
Wie die Champagne die Preise macht
welches Glück wir haben. Darum tun wir alles dafür, dass es gut
funktioniert.
Erzählerin:
Alles nur gutes Einvernehmen in der Champagne? Wohl kaum. Schon
eher ein fein austariertes Machtgefüge. Eines, das Anbauflächen,
Erntemengen und Lagerbestände in einem lukrativen Gleichgewicht hält.
Für alle Seiten. Wie die Traubenpreise genau zustande kommen, ist ein
bestens gehütetes Geheimnis. Nur durch das alte Spiel von Angebot und
Nachfrage, schwört Pierre-Emmanuel Taittinger.
O-Ton Taittinger:
Ein Kartell, das würde ja bedeuten, dass man sich über Preise
verständigt. So ist das nicht. Wir haben hier echte Konkurrenz! Ich
konkurriere mit meinen Kollegen um den Traubenpreis. Wir sind alle
harte Konkurrenten!
Erzählerin:
Allerdings gibt es Branchenkenner, die solche Beteuerungen in Zweifel
ziehen. Weinautor Gerhard Eichelmann ist überzeugt: Die Champagne
ist die regulierteste Weinregion der Welt. Und der freie Markt ausgehebelt.
O-Ton Eichelmann:
Die ganze Champagne ist ein Kartell. Und dass die europäische
Kartellbehörde da noch nicht einschreitet, ist verwunderlich. Man hat es
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Das Kartell der Perlen
Wie die Champagne die Preise macht
ja ganz deutlich gesehen, vor ein paar Jahren, als zu ersten Mal von „la
Crise“ die Rede war, und man trustisch, unmittelbar vor der Ernte den
Höchstertrag von 14 Tausend Kilo auf 8 tausend 500 Kilo gesenkt hat.
Das ist kartellrechtlich zu beanstanden. Es ist wie die OPEC eigentlich,
wobei es eigentlich nur zwei Player gibt, die beiden Organisationen, die
die Winzer und die Häuser vertreten. Die bilden das Kartell.
Erzählerin:
Die Champagne – eine Schaumwein-OPEC?! Gishlain de Montgolfier
von der „Union des Maisons de Champagne“, dem Verband der
Champagner-Häuser, verdreht die Augen! Dann setzt er ein
undurchdringliches Lächeln auf. Ja richtig, man regle die Dinge diskret.
Aber demokratisch, legal und zum Wohle aller.
O-Ton Montgolfier:
Das ist hier nicht die Omertà! Das ist es nicht! Wir haben einander schon
oft Gefallen getan. Kleine und Große. Wir sind für einander keine
Fremden. Wir finden immer einen Weg, mit einander zu reden.
Erzählerin:
Mafiös könnten das System Champagne nur Leute finden, die nichts
verstanden hätten.
Musik: Sylvie Vrethammer, Champagne, Champagne
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Das Kartell der Perlen
Wie die Champagne die Preise macht
Erzähler:
Es geht um die Zukunftsfähigkeit des Luxusprodukts. Rund um den
Globus werden jährlich rund 3 Milliarden Flaschen Schaumwein geköpft,
also Champagner, Cava, Sekt oder Prosecco. Tendenz steigend. Immer
mehr Verbraucher halten die Preise und dass Getue um den
Champagner für überzogen. Und steigen um: Ob lombardischer
Franciacorta, Pfälzer Crémant oder Sparkling aus Südafrika - die
Qualität steigt überall. Doch noch hält Champagner gut zehn Prozent am
Schaumwein-Weltmarkt. Und diesen Marktanteil will man verteidigen.
O-Ton Taittinger:
Wenn wir davon ausgehen, dass die Welt in zehn Jahren 4 Milliarden
Flaschen Schaumwein trinkt, muss die Champagne eines Tages 400
Millionen Flaschen produzieren können. Um das zu schaffen, müssen
wir 15 bis 20 Tausend Hektar neu anpflanzen. Wenn wir nicht neu
anpflanzen, steigt der Preis. Das finde ich nicht wünschenswert. Ich,
Pierre-Emmanuel Taittinger, wünsche mir, das der Champagner ein
zugänglicher Luxus bleibt, ich würde sogar sagen: ein demokratischer
Luxus.
Akzent Musik: Sylvie Vrethammer: Champagne, Champagne
Erzählerin:
Demokratischer Luxus beginnt im Waldorf Astoria Hotel in Berlin bei 95
Euro. Soviel kostet die günstigste Flasche Champagner im „Les
Solistes“, dem Fine-Dining-Restaurant im jüngsten 5-Sterne-Hotel der
deutschen Hauptstadt. Üppige 90 verschiedene Champagner hat Maître
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DOK 5 – das Feature, 19.05.2013
Das Kartell der Perlen
Wie die Champagne die Preise macht
Vedad Hadziabdic auf die Getränke-Karte gesetzt. Er will beweisen, wie
gut die Perlen zur französisch inspirierten Küche passen.
O-Ton Vedad Hadziabdic:
Dann haben wir ein Schweinekotelett gegrillt. Die Küche brät das mit
Salbei. Zwiebelmarmelade, Birnen, Ananas, Pflaumenblatt, dann wird
noch ein Blutwurstravioli mit einer schärferen Sauce serviert. Sehr
intensives Gericht, sehr kräftig. Da habe ich einen Champagner
gefunden, der sehr pinot-noir-lastig ist. Von der Säurestruktur lässt er
den Wein cremiger erscheinen, durch die 25 Prozent Chardonnay wirkt
das sehr verhalten, im Hintergrund. Ist ein sehr weiniger Champagner.
Und im Zusammenspiel finde ich, dass es süß kräftig, auch wieder ins
Gericht überspringt und sich wieder findet.
Musik + Traktor fährt übers Feld
Erzählerin:
Baptiste Malfait lenkt seinen Traktor über ein hügeliges Weizenfeld am
Rande von Ville-sous-Orbais. Ein Stück ländliches Frankreich wie aus
dem Urlaubsprospekt. Im Wald leben Wildschweine und Rehe. Das
nächste Geschäft - 35 Kilometer entfernt. Champagner schlürfende
Chinesen hat der Jungbauer noch nicht getroffen. Wie auch? Tagein,
tagaus beackert der 26jährige Weizen- und Rüben-Äcker. Seine eigenen
und die von Kollegen.
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DOK 5 – das Feature, 19.05.2013
Das Kartell der Perlen
Wie die Champagne die Preise macht
O-Ton Malfait:
Es ist nicht immer einfach als Bauer. Dieses Jahr werden wir gut
zurechtkommen, weil die Getreidepreise hoch sind. Vor zwei Jahren zum
Beispiel waren unsere Produktionskosten für eine Tonne Weizen 130
Euro, aber wir mussten für 90 Euro verkaufen. Die höheren Preise jetzt
sind gut für uns. Sonst wären wir in eine schwierige Situation geraten.
Erzählerin:
Als Vize-Präsident der regionalen Jungbauern-Vereinigung kennt
Baptiste Malfait die Sorgen der Landwirte. Er lebt seit seiner Geburt im
Weiler Ville-sous-Orbais, nur anderthalb Autostunden östlich von Paris,
und doch fernab touristischer Trampelpfade.
O-Ton Malfait:
Wir sind 36 Einwohner, wohnen aber alle sehr verstreut. Es gibt keinen
richtigen Ortskern. Hier ist noch die Stelle mit den meisten Einwohnern:
diese vier Häuser nebeneinander. Es ist sehr klein, aber es hat auch
seinen Charme, wir haben es ruhig!
Erzählerin:
Mit der Ruhe in Ville-sous-Orbais könnte es demnächst vorbei sein.
Daran wären die durstigen Chinesen nicht ganz unschuldig. Lange gab
es in den streng festgelegten Grenzen des Champagner-Anbaugebiets
genügend Flächen, die noch mit Reben bepflanzt werden konnten. Doch
langsam werden die freien Parzellen knapp. Deshalb soll die so
genannte „Appellation d’origine controlée“, kurz AOC, wachsen. Zum
ersten Mal seit über 80 Jahren steht eine Revision des Gebietes an.
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DOK 5 – das Feature, 19.05.2013
Das Kartell der Perlen
Wie die Champagne die Preise macht
Motor des Projekts: der Champagner-Verband in Épernay. Die Worte
„Mengenwachstum“ oder „Volumensteigerung“ nimmt man dort nicht so
gerne in den Mund. Sie klingen dann wohl doch zu sehr nach Masse
statt Klasse. Kommunikationschef Thibaut la Mailloux redet lieber von
mehr Gerechtigkeit! Und davon, Fehler der Vergangenheit zu korrigieren.
Schließlich stammt die jetzige Gebietseinteilung von anno 1927.
O-Ton Mailloux:
Als die AOC festgelegt wurde, war Champagner noch nicht das, was er
heute ist. Er hatte nicht den gleichen Wert. Vom Wein zu leben war sehr
schwierig. Einige Kommunen wollten nicht mitmachen, weil es rentabler
war, Kühe zu züchten. Und das auch auf guten Böden der Champagne,
auf denen vorher Wein angebaut worden war. Wir holen jetzt Kommunen
wieder ins Anbaugebiet, die schon vor der AOC-Klassifizierung Weinbau
betrieben haben, und die es auch qualitativ verdienen.
Erzählerin:
45 Gemeinden, so viel ist schon durchgesickert, sollen neu
aufgenommen werden. Auch Ville-sous-Orbais steht auf der Liste.
Baptiste Malfait breitet die Arme aus, als wolle er das Weizenfeld
umarmen, das von seinem Elternhaus sanft zum Waldsaum ansteigt.
Atmo Weizenfeld
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Das Kartell der Perlen
Wie die Champagne die Preise macht
O-Ton Malfait:
Dieses Stück Land hier soll, nach dem, was uns die Weinbauern der
Region sagen… Also das sind alles nur Gerüchte bisher… also nach der
Ausrichtung und der Höhe soll das eine Parzelle sein, die eines Tages
ein Weinberg werden könnte. Aber ich weiß es nicht…
Erzählerin:
Die Gerüchteküche von Ville-sous-Orbais brodelt, seit die zuständigen
Experten des „Nationalen Instituts für Ursprungsbezeichnungen“ aus
Paris im Ort Bodenproben genommen haben. Es geht um Geld - viel
Geld. Baptiste Malfait:
O-Ton Malfait:
Ein Stück Land wie dieses ist als Acker ungefähr 7.000 Euro den Hektar
wert. Als Champagner-Weinberg ist es sehr viel mehr. Wenn ich mich
nicht irre, spricht man von bis zu eine Million Euro pro Hektar. Vielleicht
noch mehr.
Musik
Erzählerin:
Eine Millionen Euro für einen Hektar Champagner-Weinberg! Das wären
100 Euro pro Quadratmeter! Seit solch märchenhafte Zahlen kursieren,
träumen sie im Dorf vom warmen Geldregen. Wie gediegener
Schaumwein-Wohlstand aussieht, haben die Rüben- und Weizenbauern
von Ville-sous-Orbais seit Generationen vor Augen: 500 Meter weiter, im
Nachbarort Le Breuil, sind alle Südhänge mit Weinreben bestockt.
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DOK 5 – das Feature, 19.05.2013
Das Kartell der Perlen
Wie die Champagne die Preise macht
Die 400-Seelen-Gemeinde liegt innerhalb des alten ChampagnerAnbaugebiets. Propper sanierte Häuschen und schmucke
Geländewagen künden von materieller Sorglosigkeit. Auch, wenn noch
gar nicht klar ist, wann und vor allem wo der Verband die begehrten
neuen Anbauerlaubnisse erteilt. Baptiste Malfait spürt schon, wie sich
das Klima bei ihm im Dorf ändert.
O-Ton Malfait:
Es hat schon ein paar Spannungen gegeben seitdem. Es gibt Leute, die
wollen diese Felder weiter bestellen. Und andere, die um jeden Preis
Reben darauf setzen wollen. Es gibt schon Kollegen, die sich mit
Investoren treffen, die Flächen in ihren Besitz bringen wollen. Ich weiß
nicht, ob solche Geschäfte wirklich stattfinden. Es gibt viele, die davon
reden, aber nicht viele Transaktionen, die tatsächlich über die Bühne
gehen.
Erzählerin:
Beim Dachverband in Épernay rechnen sie mit einer Flut von Klagen,
sobald die Umrisse der neuen Champagne fest stehen. Gegen die erste
Liste mit Gemeinden hagelte es bereits über 1300 Beschwerden. Fünf
Jahre werden die Bodenuntersuchungen sich wohl noch hinziehen.
Mindestens. Am Ende könnten 15 bis 20 Tausend Hektar neu
dazukommen. Nicht auf einmal, sondern schön langsam, je nach
Marktlage. Schließlich soll die Welt nicht mit Champagner geflutet
werden. Das wäre fatal für die Preise.
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DOK 5 – das Feature, 19.05.2013
Das Kartell der Perlen
Wie die Champagne die Preise macht
Atmo: Schritte auf Weinbergsstiege
Erzähler:
Mit schnellen Schritten klettert Antoine de Boysson die steile Steintreppe
hoch, hinauf in den Weinberg „Clos des Goisses“. Fünfeinhalb Hektar
reiner Südhang. Der junge Export-Manager kontrolliert die Triebe in den
Top-Lagen von Champagne Philipponnat. Ein mittelgroßer Betrieb mit
eigenen Weinbergen und rund 600 Tausend Flaschen Jahresausstoß.
Von oben hat man einen herrlichen Blick über die Marne, die sich zu
Füßen der Reben durchs Tal schlängelt.
O-Ton Boysson:
Das besondere am Clos de Goisses ist seine Temperatur. Sie liegt
zwischen einem und eineinhalb Grad höher als im Durchschnitt der
Champagne. Dadurch können unsere Pinot Noirs optimal ausreifen. Sie
machen unsere Champagner komplexer - weiniger. Und sie altern
besser - genau das wollen wir!
Erzähler:
Naturstein-Terrassen halten das Erdreich im Hang. Wegen des starken
Gefälles kann nur von Hand gearbeitet werden – wie in den Steillagen an
der Mosel. 15 Parzellen bilden den Clos des Goisses. Alle sind
unterschiedlich bepflanzt.
O-Ton Boysson:
Hier haben wir die Pinot-Noir-Reben, hier kommt die Nachmittagssonne
hin, die Sorte hat dunkle Traubenhäute, darum brauchen sie stärkere
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Das Kartell der Perlen
Wie die Champagne die Preise macht
Sonneneinstrahlung, um zu reifen. Mit der Marne da unten haben wir
eine doppelte Reflexion: Direkte Strahlen von der Sonne, gespiegelt
nochmals vom Fluss. Und auf der kühleren, frischeren Seite mit
Morgensonne steht unser Chardonnay, mit seinen transparenten
Traubenhäuten. Der reift schneller und verträgt die Sonne nicht so stark
wie der Pinot Noir.
Atmo: Mit Schuh im Erdreich Kratzen
Erzähler:
Doch nicht nur das Mikroklima ist besonders. Antoine de Boysson kratzt
mit dem Schuh etwas Erdreich unter den Weinstöcken weg. Sofort
kommt bröckliges, weißes Gestein zum Vorschein: Die Reben wurzeln in
einer Kreideschicht. 30 Meter dick. Typischer Boden für die Champagne.
O-Ton Boysson:
Kreide ist der perfekte Schwamm! Vor allem im August, wenn die Sonne
auf die Trauben brennt, braucht die Rebe eine Wasserquelle. Und da ist
die Kreide für uns der Schlüssel. Sie bietet der Rebe Wasser und
erzeugt einen besonderen Geschmack, der sehr interessant im Glas ist.
Atmo 7: Treppe Keller
Erzähler:
Bevor Champagner im Glas perlt, muss er reifen. Am besten in einem
kühlen Felsenkeller. 15 Monate sind das gesetzliche Minimum. Die
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Das Kartell der Perlen
Wie die Champagne die Preise macht
besten Qualitäten, so genannte Jahrgangschampagner, reifen oft drei
oder mehr Jahre. Wie lange, das entscheidet jedes Haus für sich.
Atmo 8: Flaschenrütteln (Quietschen)
O-Ton Boysson:
Gerade liegt hier der 2004er auf den Rüttelpulten. Die Hefe wird von
Hand abgerüttelt. Wir lieben es an diesen Details zu arbeiten, die alle zur
Qualität beitragen. Wir verfeinern den Alterungsprozess und kriegen
immer feinere, komplexere Weine. Wir sind hier sehr weit weg von einer
industriellen Produktionsweise.
Erzähler:
Eineinhalb Millionen Flaschen, das Äquivalent von drei Ernten,
schlummern bei den Phillipponnats in dunklen Stollen. Drei Ernten soviel bunkert jedes Champagner-Haus. Damit es etwas zu verkaufen
hat, während die frischen Jahrgänge reifen. Da kommt einiges
zusammen: In der Champagne erzählen sie sich Märchenhaftes von der
Größe des unterirdischen Flaschen-Schatzes: Unvorstellbare eine
Milliarde 368 Millionen Flaschen sollen es sein. Ein verliebtes Paar
könnte mit dieser Menge etwa 15 Millionen Jahre lang einmal am Tag
anstoßen.
O-Ton Paar (Champagnerbar):
M: Wir haben eben eine schöne Sache für meine Frau gekauft, und das
wollen wir jetzt noch mit einem Gläschen feiern. F: Ja, einfach Feiern,
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Das Kartell der Perlen
Wie die Champagne die Preise macht
genau! Das war ein absoluter Champagnermoment. Eine Armbanduhr!
Prost Süße – auf die Uhr!
Atmo Supermarkt, Kassenpiepen, Flaschenklirren
Musik
Erzählerin:
Eine Lidl-Filiale in Dortmund. Das Weinregal: Neben deutschem Sekt,
italienischem Prosecco und französischem Crémant liegt hier auch
Champagner. „Comte de Brismand“, zum Kampfpreis von 13 Euro 99.
Billiger kommt man hierzulande nicht an den Luxus-Stoff. Wie viele von
den zwölfeinhalb Millionen Flaschen, die 2012 auf den deutschen Markt
gingen, bei den beiden größten Discountern Aldi oder Lidl über die
Scanner gezogen wurden? Darüber hüllt sich die Champagner-Lobby in
Schweigen. Billig-Schampus ist der Branche ein Ärgernis, bei dem auch
der eloquente Kommunikationschef schmallippig wird.
O-Ton Mailloux:
Das ist Champagner, der auf die billigst mögliche Art gemacht wurde.
Innerhalb der Vorgaben der AOC. Also es ist schon ein Qualitätsprodukt,
aber man kann ihn eben noch besser machen. Und wenn man ihn
besser macht, dann nicht zu diesem Preis.
Erzählerin:
Discounter-Champagner - ein dreister Angriff auf das sorgsam gepflegte
Image von Prestige und Luxus. Genauso verwerflich wie die berüchtigten
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Das Kartell der Perlen
Wie die Champagne die Preise macht
10-Euro-Flaschen, die vor Weihnachten in den großen französischen
Warenhäusern verramscht werden. Der Trick ist der Gleiche wie im
Discounter:
O-Ton Mailloux:
Solche Angebote dienen den Ketten nur dazu, Kunden ins Geschäft zu
locken. Geld verdient der Handel damit nicht. Da wird Champagner
instrumentalisiert. Er wird zu einem miesen kleinen Werbewimpel,
obwohl doch ein Qualitätsprodukt dahinter steht.
Erzählerin:
Entsprechend groß war die Freude bei der Lobby, als kürzlich der
prominenteste Champagner-Billigheimer Insolvenz anmelden musste:
Nicolas Dubois. Mit seiner Gruppe „Pressoirs de France“ hatte er
französische Handelsketten zu Tiefstpreisen beliefert. Und sich dabei
offenbar finanziell übernommen. Doch grundsätzlich funktioniert das
Geschäft mit den Discounter-Champagnern. Branchenkenner Gerhard
Eichelmann weiß, wie kalkuliert wird.
O-Ton Eichelmann:
Mich hat ein Freund gefragt, Weinimporteur, er sucht Champagner für
einen Kunden, eine Hotelkette, die so 7.000 Flaschen braucht, aber
unter 10 Euro einkaufen möchte, denn sie müssen auch noch dran
verdienen und der möchte den als Hauschampagner anbieten. Dann
habe ich denen die entsprechenden Namen genannt und er wurde
wirklich fündig. Für 9 Euro und 16 Cent hat er 7.000 Flaschen
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Das Kartell der Perlen
Wie die Champagne die Preise macht
bekommen. Das heißt, wenn jetzt ein Discounter kommt und will nicht
7.000 sondern 700.000 Flaschen, dann wird der sicherlich für eine Euro
weniger Champagner erhalten. Es gibt schon noch Keller, die voll sind
und wo in großen Mengen Champagner herumliegt minderer Qualität,
der auch nicht so einfach vermarktet werden kann.
Erzähler:
Wir Deutschen sind Schaumwein-Weltmeister. Mit einem Pro-Kopf
Verbrauch von knapp vier Litern. Das entspricht fünfeinhalb Flaschen. Es
muss dabei längst nicht immer Champagner sein: Viele deutsche
Kunden achten besonders auf Produkte, bei denen weniger fürs Image
oder klingende Namen gezahlt wird. Sekt jeder Art steht hoch im Kurs:
Und der darf ruhig ein bisschen süßer sein: Jede zweite in Deutschland
verkaufte Sekt ist halbtrocken, hat also mindestens 32 Gramm
Restzucker.
Musik Champagner Train
Erzähler:
Am liebsten frönen wir unserer Sektlaune mit günstiger Massenware.
Der Handel befeuert das noch - mit Niedrigpreis-Aktionen. Da kostet die
6er-Kiste dann gerade mal 12 Euro. Die Hersteller haben sich darauf
eingerichtet: 85 Prozent aller Sekte stammen aus sieben Großkellereien.
Platzhirsch ist die Rotkäppchen-Mumm-Kellerei mit 169 Millionen
Flaschen, gefolgt von Henkell mit 152 Millionen. Deutsche Winzersekte
spielen nur eine Nebenrolle.
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Musik + Atmo Gewerbegebiet, LKWs
Erzähler:
Das Eifel-Städtchen Polch, eine Autostunde südlich von Bonn. Über dem
Gewerbegebiet hängt der süße Duft von Schokokeksen. Hier backt
Griesson – de Beukelaer, unter anderem für Aldi. Gegenüber der
Backfabrik, in einem unscheinbaren weißen Hallenkomplex - die SektKellerei Hans Sartor: Noch ein Betrieb, der sich auf Handelsmarken
spezialisiert hat. Offenbar ein äußerst diskretes Geschäft: Auf der
Webseite des Unternehmens finden sich keinerlei Hinweise, für wen
Sartor eigentlich arbeitet. Und auch vor Ort deutet erst einmal nichts auf
den wichtigsten Einzelkunden: Aldi Nord. Sartor-Geschäftsführer Ralph
Fischer:
O-Ton Fischer:
Stolzenfels kommt von hier, ist Aldi Nord, wir machen den Herzog Alba,
den Riesling, den Prinzregent als Rheingau Riesling. Das sind die
Marken für Aldi, die alle aus Polch kommen.
Atmo: Tanklaster Ladung löschen, zischen, pumpen
Erzähler:
Obwohl weit und breit keine Weinreben wachsen, verlassen im Jahr rund
10 Millionen Flaschen den Betrieb. Das Rätsel klärt sich auf dem
Parkplatz. Dort wird gerade ein Tanklastwagen aus Spanien entladen.
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Das Kartell der Perlen
Wie die Champagne die Preise macht
O-Ton Fischer:
Neben den deutschen Sachen, was in der Regel Rieslinge sind,
verarbeiten wir eben italienische, spanische und französische
Grundweine, die kommen per LKW hierhin, werden nach Probe in den
Kellereien gekauft und werden dann sukzessive bis März/ April bezogen.
Erzähler:
Alles völlig legal: nur wenn „deutscher Sekt“ auf dem Etikett steht, sind
auch einheimische Trauben in der Flasche. Rotkäppchen, Söhnlein,
Faber und Co werden dagegen aus ausländischen Grundweinen
hergestellt. Die überzeugen vor allem mit einem Argument – dem LiterPreis.
Ende Musik
O-Ton Fischer:
Die aktuellen Marktpreise die sind in Spanien für Sektgrundwein weiß
ungefähr bei 60 Euro pro 100 Liter, also bei 60 Cent, in Italien liegen sie
so bei 68 und in Frankreich so bei 72 bis 75.
Atmo 9: Flaschen Klirren auf Abfüllanlage
Erzähler:
Der Wein aus Süd-Europa wird bei Sartor in Großraum-Drucktanks zu
Sekt vergoren. Das ist billiger und geht schneller als die klassische
Flaschengärung, die in der Champagne vorgeschrieben ist. Schon nach
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DOK 5 – das Feature, 19.05.2013
Das Kartell der Perlen
Wie die Champagne die Preise macht
acht Monaten können die Aldi-Sekte abgefüllt werden. Besonders
individuell schmecken die nicht. Sollen sie auch gar nicht.
O-Ton Fischer:
Es ist ein fruchtiger harmonischer Sekt, er besticht durch seine Harmonie
und Frucht, leichte Säure und soll zu möglichst vielen Anlässen für den
Konsumenten passen
Erzähler:
Für 2 Euro 59 steht „Stolzenfels“ bei Aldi Nord. Der Bestseller!
Ein Euro und zwei Cent davon sind Sektsteuer, die seit Kaisers Zeiten in
Deutschland erhoben wird und nie abgeschafft wurde. Aldi bleiben also
ein Euro 57 brutto. Zu welchem Preis Ralph Fischer den Sekt an den
Discounter verkauft, verrät er nicht. Hart verhandeln können sie in Polch,
soviel ist sicher. Und rechnen!
O-Ton Fischer:
Wir fakturieren mit Zehntelcent. Drei Stellen hinterm Komma wird
fakturiert. Selbst unser Sekt wenn wir den verkaufen an den LEH das
wird mit drei Stellen hinterm Komma fakturiert und darüber wird auch
verhandelt. Da ist die Frage, ist die letzte Stelle ne 1 oder ne 5?
Atmo: Degorgieranlage
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Das Kartell der Perlen
Wie die Champagne die Preise macht
Erzählerin:
Zurück in der Champagne. Auch hier gibt es Massenproduktion.
Natürlich! Die Genossenschaftskellerei „Centre Viticole“ in Chouilly. Eine
Champagnerfabrik mit blitzenden Edelstahltanks. Flaschen, die in
hydraulisch drehbaren Drahtkäfigen wie von Geisterhand gerüttelt
werden. Roboter, die rund um die Uhr fertigen Champagner von der
Hefe trennen – Degorgieren, wie die Fachleute sagen. Pierre Hartweg:
O-Ton Hartweg:
Hier werden die Flaschen in den Eisbehälter, so ne Art Jacuzzi getaucht,
dass nur das Depot vereist wird, paar Minuten, und dann geht die
Flasche zum Degorgieren, da kommt der Kronkorken weg, der Eisklotz
wird ausgetaucht und im Endeffekt wird Dosage zugefügt, dann kommt
ein Korken drauf, ein Helm von Draht, dann wird die Flasche gedreht,
anschließend gereinigt und etikettiert.
Atmo: Flaschensortierroboter, Flaschenklirren, Hydraulik, Hupen….
Erzählerin:
Über 5000 Winzer liefern der Champagnerfabrik Trauben zu. Die
produziert rund 27 Millionen Flaschen. Ein Teil geht an die Mitglieder, die
sie dann mit eigenen Etiketten verkaufen. Aber allein 10 Millionen
Flaschen stehen unter dem Label „Nicolas Feuillatte“ in französischen
Supermärkten. Mit der Marke sind die Genossen Marktführer in
Frankreich. Und darauf ist ihr Generaldirektor Dominique Pierre
entsprechend stolz.
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Das Kartell der Perlen
Wie die Champagne die Preise macht
O-Ton Pierre:
Stellen Sie sich vor, Sie laden einen Freund zu sich ein. Da ist es nicht
schön, wenn der kommt und sagt: „Hier! Eine Flasche Champagner für
dich!“, wenn da kein Image und kein Name dahinter steht. Da werden
Sie sich fragen, wo hast du den gekauft? Ich will nicht behaupten, dass
die No-Name-Produkte schlecht wären. Aber wir haben eine Marke, wo
ich sagen kann: ich gebe nicht zu viel Geld aus, aber ich respektiere
Euch, indem ich eine sympathische, dynamische junge, qualitativ gute
Marke kaufe. Und darum wachsen wir!
Erzählerin:
Ein Rezept, das Nachahmer findet: Seit den 90er Jahren entwickeln
immer mehr der 140 Genossenschaften eigene Marken. Statt den
Handelshäusern das Geschäft mit den Marken zu überlassen, steigen
sie selbst mit ein. Neben Nicolas Feuillatte derzeit am Erfolgreichsten:
Champagne Jacquart. Mit rund 3,6 Millionen Flaschen spielt Jacquart
beim Volumen in der Top 10. Und ist eines der wenigen Häuser mit
einem weiblichen Gesicht: Die erst 33jährige Chefkellermeisterin
Floriane Eznack:
O-Ton Eznack:
Frauen waren schon immer die wichtigsten Konsumentinnen des
Champagners. Auch heute sind es vor allem die Frauen, die
Champagner kaufen oder glasweise bestellen. Es gab einige sehr
bekannte Witwen an der Spitze von Champagnerhäusern. Aber unsere
Rolle beschränkt sich noch oft auf die Kommunikation oder das Labor.
Immerhin ist es inzwischen einigen Häusern aufgegangen, dass es nicht
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Wie die Champagne die Preise macht
schlecht wäre, in diesem Männer-Milieu ein paar mehr Frauen zu haben.
Weil die auch einen anderen Zugang mitbringen, das Produkt zu
erklären.
Erzählerin:
Das Produkt erklären, neue Markenwelten kreieren. Neuland für die
Genossenschaften, aber nicht für Floriane Eznack.
O-Ton Eznack:
Ein Image zu kreieren, ein Universum zu schaffen, daran arbeiten wir
jetzt schon gut zwei Jahre, wir haben eine schöne Eleganz, Champagner
von unbestreitbarer Qualität. Jetzt müssen wir von uns reden machen.
Atmo 13: Keller
Erzählerin:
Auch die Genossen aus Moussy, südlich von Épernay, versuchen, von
sich reden zu machen: sie produzierten bisher vor allem Handelsmarken,
etwa für die Metro-Gruppe. Seit 2005 vermarkten sie die Hälfte ihrer 800
Tausend Flaschen unter eigenen Label. Laurent Devaine, Direktor von
„Champagne Esterlin“.
O-Ton Devaine:
Ohne Marke wird es immer schwieriger, in der Champagne unabhängig
zu bleiben. Aber man muss sich bewusst sein, dass es lange dauern
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wird, Enttäuschungen geben kann und schwierigere Marktbedingungen.
Man muss die Dinge sehr überlegt vorantreiben.
Erzählerin:
Laurent Devaine ist stolz: sein Basis-Champagner steht inzwischen für
knapp unter 20 Euro bei Monoprix, einer der größten Warenhaus-Ketten
des Landes.
Musik: Viktor Lazlo, Champagne and Wine
O-Ton Devaine:
Wir haben nicht das Ziel, eines Tages in der Luxuswelt anzukommen.
Das ist nicht in unserer DNA. Das ist nicht das, was wir leben. So sind
wir nicht. Es soll eine Flasche sein, die ich mit Vergnügen konsumiere
und an die ich mich gerne erinnere.
Atmo: Maison des Champagnes (Kundengespräch), darüber:
Sprecher:
Berlin-Schöneberg. 1994 eröffnete Stephan Holst hier seine „Maison des
Champagnes“, eine Weinhandlung mit Schwerpunkt auf Champagnern.
Im Schaufenster wölben sich bauchige Magnum- und DoppelMagnumflaschen. Neben einigen großen Marken hat Holst auch viele
unbekannte Hersteller in den Regalen.
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Wie die Champagne die Preise macht
O-Ton Holst:
Wir haben für Leute, die gerne füllige, kräftige Champagner mögen,
einen nahezu reinen Pinot Noir Champagner, den Fromentin Leclapart,
kleines Haus, 25.000 Flaschen Jahresproduktion, das ist eben reifer
Apfel. Da ist Kraft hinter, da ist Wucht hinter. Es gibt im Gegensatz dazu
die sogenannten Blanc de Blanc Champagner, die nur aus ChardonnayTrauben produziert werden, und da gibt es aus Les Menil sur Oger den
Champagner Vergnon, der das Bedürfnis nach etwas mehr Feinheit und
Eleganz erfüllt.
Erzähler:
Das Geschäft mit Schaumwein ist konjunktursensibel. Weniger im
absoluten Luxussegment. Sondern bei den demokratischeren Flaschen.
O-Ton Holst:
Es gibt die Menschen die sich den Champagner absparen. Und die, die
sich den Champagner nur ab und zu mal leisten. Das werden weniger,
das merkt man schon. Dass da eine Alternative hin zu Crémant und
deutschen Winzersekt ist. Es ist sicherlich ne Ausgabe, ne Flasche
Champagner ist nun mal einfach ein etwas kostspieligeres Getränk,
andererseits denke ich wenn man sich das zu besonderen
Gelegenheiten leistet, ist es noch zu bezahlen.
Musik + Atmo Épernay
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Das Kartell der Perlen
Wie die Champagne die Preise macht
Erzähler:
Épernay, die „Avenue de Champagne“. Hier setzt sich die alte
Luxusmarken-Welt in Szene. An dieser Straße reihen sie sich auf, die
Steinpaläste der Champagner-Häuser. Eine Allee der großen Firmen
und Familien. Ganz unten, dem Rathaus vis-à-vis, der Weltmarktführer,
Moёt et Chandon, gegründet 1743. Touristen fotografieren sich vor dem
Respekt einflößenden Sandstein-Bau mit dem klangvollen Schriftzug.
Zuviel Ehrfurcht ist aber fehl am Platz - bei einem Ausstoß von geschätzt
30 Millionen Flaschen jährlich. Die Basis-Champagner vieler großer
Häuser sind Standardprodukte, erst beim Degorgieren geschmacklich
auf eine Linie gebracht. Und das geht so: Beim Entfernen des
Hefedepots gehen immer ein paar Milliliter Champagner verloren. Die
werden ersetzt - mit einer geheimnisvollen Mischung aus Wein und
Zucker, der so genannten Dosage. Weinexperte Gerhard Eichelmann.
O-Ton Eichelmann:
Niemand wird verraten was er genau macht, Einer bewahrt seine
Reserveweine in alten Whiskeyfässern auf, andere schwören auf
Portweinfässer, man kann mit Zucker spielen, mit altem Wein, mit
Holzausbau, und dieser kleine Tropfen Dosage kann den Charakter
eines Champagners völlig verändern. Wenn man da was Spezielles
nimmt, dann sorgt man dafür, dass zumindest die 30 Millionen Flaschen
im Bukett identisch sind, also gleich riechen, das schafft man auf jeden
Fall.
Musik Französische Tänze
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DOK 5 – das Feature, 19.05.2013
Das Kartell der Perlen
Wie die Champagne die Preise macht
Erzähler:
Vom Zentrum aus führt die Avenue de Champagne stadtauswärts, einen
Hügel hinauf. Wo die Straße am steilsten ist, zweigt eine schmale Gasse
ab. Zum Stammsitz von Champagne Pol Roger.
Erzähler:
Viele klingende Markennamen sind längst Anhängsel börsennotierter
Konzerne. „Pol Roger“ gilt neben „Roederer“ und „Bollinger“ als eines
der wenigen echten Familienunternehmen. Da könne man sich schon
mal als letzter Mohikaner fühlen, verkündet Geschäftsführer Patrice
Noyelle und lässt sich in einen tiefen Ledersessel fallen. Der gemütliche
Empfangssalon erinnert allerdings weniger an ein Indianer-Tipi, sondern
an einen britischen Gentlemen’s Club. Auf dem Kaminsims
Familienfotos. An den Wänden gerahmte Widmungen berühmter
Kunden. Die meisten aus England. Dorthin exportierte man schon Ende
des 19. Jahrhunderts die ersten Flaschen. Patrice Noyelle deutet auf das
Portrait von Winston Churchill:
Ende Musik
O-Ton Noyelle:
Als Churchill jung war, war Pol Roger eine gefragte Marke, vor allem
beim Landadel. Dann lernte Churchill Odette Pol Roger kennen, die
Ehefrau von Jacques Pol Roger, den sie dort an der Wand sehen.
Odette kannte wiederum Duff Cooper, der britischer Botschafter in
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DOK 5 – das Feature, 19.05.2013
Das Kartell der Perlen
Wie die Champagne die Preise macht
Frankreich war, im September 1944, als Paris befreit wurde. Und so kam
es dass der Weinliebhaber Churchill ein Freund der Familie wurde.
Erzähler:
Historisch gesehen war Pol Roger immer eher ein britisches
Champagnerhaus als ein französisches. Bis heute ist England der
Hauptmarkt. Und very british ist auch das Understatement, mit dem die
Marke gepflegt wird.
O-Ton Noyelle:
Die Sachen brauchen ihre Zeit. Es ist dringend, langsam
voranzuschreiten. Das wirtschaftliche Ergebnis am Ende des Jahres ist
nicht das Wichtigste. Die Dinge konstruieren sich auf Dauer.
Erzähler:
So kann nur jemand sprechen, der nicht unter dem Rendite-Druck von
Finanzinvestoren steht. Und in der Tat befinden sich alle Anteile in
Familienbesitz. Patrice Noyelle schätzt diese Freiheit.
O-Ton Noyelle:
Wir haben praktisch zwischen fünf und sechs Jahrgänge auf Lager,
natürlich, da sind bedeutende Finanzmittel gebunden. Aber ich habe die
Neigung zu denken, das ein Champagner mit fünf, sechs Jahren
Flaschenreife besser sein wird als einer, der nur drei Jahre abbekommen
hat oder nur das Minimum von 15 Monaten. Ich bin hier der Patron und
auch der Finanzdirektor. Ich sage einfach: So machen wir das! Punkt.
© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012
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DOK 5 – das Feature, 19.05.2013
Das Kartell der Perlen
Wie die Champagne die Preise macht
Sektkorken
Atmo: Keller aufschließen, Schritte auf Kellertreppe
Erzähler:
Pol Roger verarbeitet zugekaufte Trauben. Es gibt aber auch ein
anderes Geschäftsmodell, das immer populärer wird.
Erzählerin:
Im Keller mit Louis Cheval-Gatinois im Dörfchen Ay bei Épernay. Der 32jährige Winzer hat den elterlichen Betrieb vor drei Jahren übernommen.
Als Kind hat er in den verwinkelten Kellergängen gespielt.
Atmo mit Louis Cheval-Gatinois im Keller kurz freistehend
Erzählerin:
Louis Cheval-Gatinois ist „récoltant manipulant“, einer von rund 4700
Winzern, die nicht nur Trauben erzeugen, sondern ihren Champagner
auch gleich selber machen. 50 Tausend Flaschen füllt Louis ChevalGatinois im Jahr. Die wird er gut los. Schon mehr als die Hälfte seiner
Produktion geht ins Ausland.
O-Ton Cheval-Gatinois:
Das ist das große Glück in der Champagne: Selbst als Betriebe von
relativ bescheidener Größe können wir mit unseren Flaschen in
Restaurants von Tokio bis New York vertreten sein.
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DOK 5 – das Feature, 19.05.2013
Das Kartell der Perlen
Wie die Champagne die Preise macht
Erzählerin:
Das war nicht immer so. Louis’ Eltern taten sich noch schwerer, von ihrer
Arbeit zu leben. Erst seit Mitte der 90er Jahre interessiert sich die
Fachpresse für die kleinen, unabhängigen Produzenten. Heute sorgen
Wein-Blogger übers Internet für Publicity. Ein gutes Argument: Weil die
Winzer die Trauben nicht zukaufen müssen, können sie günstiger
produzieren.
O-Ton Cheval-Gatinois:
Es ist eine Kundschaft, die Authentizität sucht, und Abwechslung.
Winzerchampagner gibt es heute in einer enorm breiten Palette
unterschiedlicher Geschmacks- und Stilrichtungen. Und in diesem
Umfeld kommen wir gut zurecht.
Musik
Erzähler:
Es gärt in der Champagne. Weil immer mehr ambitionierte Winzer ihren
eigenen Champagner machen, werden gute Trauben knapp. Und so ist
ein erbitterter Kampf entbrannt. Um Böden und Reben. Der
Luxuskonzern LVMH kauft massiv Weinberge auf. Die anderen LifestyleGiganten heizen die Preisspirale kräftig mit an. Es ist ein Wettlauf um
Macht und Kontrolle, und es ist sehr viel Geld im Spiel. Erst kürzlich
wechselten vier Hektar im Grand-Cru-Dörfchen Oger den Besitzer. Für
exorbitante 6,45 Millionen Euro. Den Zuschlag bekam aber nicht die
börsennotierte Champagner-Gruppe, sondern eine solvente
Winzergenossenschaft, die „Union de Champagne“ in Avise. Auch
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DOK 5 – das Feature, 19.05.2013
Das Kartell der Perlen
Wie die Champagne die Preise macht
wegen solcher Erfahrungen sind die großen Kellereien für die
Ausweitung der Anbaufläche. Sie wollen sich auch für die Zukunft einen
einträglichen Anteil am prickelnden Milliardenmarkt sichern.
Ende Musik
Traktor auf dem Feld + Musik Analogik, liegt bis Ende Absage unter
Text
Erzählerin:
Und so könnte der junge Bauer aus Ville-sous-Orbais am Ende zu den
Gewinnern der Schlacht um die Perlen gehören. Baptiste Malfait hat sich
entschieden: Er wird von seinen Äckern erst einmal keinen Krümel
verkaufen. Egal wie wild im Dorf spekuliert wird. Sondern: entspannt
bleiben. Und die Dinge auf sich zukommen lassen.
O-Ton Malfait:
Man kann alles lernen. Klar, man muss eine Ausbildung machen, und
am Anfang würde ich wahrscheinlich sehr viel Zeit brauchen, um meine
Reben in Form zu bringen. Aber: das würde mir schon gefallen…
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DOK 5 – das Feature, 19.05.2013
Das Kartell der Perlen
Wie die Champagne die Preise macht
Absage
Das Kartell der Perlen.
Wie die Champagne die Preise macht.
Ein Feature von Clemens Hoffmann.
Es sprachen: Edda Fischer, René Heinersdorf, Klaus Nierhoff, Robert
Oschatz, Matthias Ponnier und Bernd Reheuser.
Technische Realisation: Theresia Singer.
Regieassistenz: Freya Hattenberger.
Regie: Annette Kurth.
Redaktion: Frank Christian Starke.
Ende Musik + Korkenknallen
Eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks, 2013.
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Seele and Geist
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