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Fair Reisen – aber wie?

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Nr. I/2013
LadenZeitung
Fair Reisen – aber wie?
Faires Reisen als EIN Baustein einer nachhaltigen Lebensweise
editorial
Liebe Leserin, lieber Leser,
wir Deutschen verreisen oft und geben viel Geld dafür aus. Die TouristikBranche ist ein florierender Wirtschaftszweig. Leider hat der Tourismus
aber auch viele Schattenseiten. Menschen werden ausgebeutet, die
Umwelt wird zerstört. Aber wie kann man nachhaltig reisen? Über dieses
Thema hielt der Autor Frank Herrmann einen Vortrag im Weltladen und
wir haben dies als Anlass genommen, dieses Thema in den Mittelpunkt
unserer Ladenzeitung zu stellen.
Ansonsten erwarten Sie in dieser Ausgabe Rückblicke auf weitere
Vorträge und Begegnungen im Weltladen, eine Buchempfehlung und
eine CD-Tipp.
Wir möchten Sie außerdem aufmerksam machen auf das Projekt
„ÜberlebensKunst“ mit einer sehenswerten Plakat-Austellung, die
begleitet wird von abwechslungsreichen Veranstaltungen, und die neue
afrikanische Filmreihe im Programmkino Central mit drei interessanten
Filmen. Die Termine finden Sie auf unserer letzten Seite.
Viel Freude beim Lesen!
Ihre Redaktion
Impressum:
Ladenzeitung des Weltladen Würzburg
Redaktion: Maria Sauter, Uli Mann-Rösemeier, Thomas Mitschke, Matthias
Pieper
Artikel: Peter Bergdoll, Lisa Kirchner, Uli Mann-Rösemeier, Matthias Pieper,
Maria Sauter
Layout: Maria Sauter, Titelblatt: Foto: Talalla Bay Sri Lanka, Thomas Mitschke
Weltladen Würzburg (www.weltladen-wuerzburg.de)
Plattnerstr. 14, 97070 Würzburg (Tel.: 0931-17 308, Fax: 0931-17 207),
initiative@weltladen-wuerzburg.de
Mo-Fr 10 - 18 Uhr; Sa 10 - 16 Uhr
Spendenkonto: Sparkasse Mainfranken, BLZ 790 500 00, Kto. 34 140
2
inhalt
zu gast im laden
tee, tempel und fair trade. bdkj-studienreise nach indien
café honduras. eine erfolgsgeschichte des fairen handels
„ciudad modelo“ – freihandelszonen in honduras
s. 4-7
s. 8-10
s. 10
fair reisen
faires reisen als ein baustein einer nachhaltigen lebensweise
s. 11-16
literatur
jamil ahmad. der weg des falken
s. 17-19
musik
rokia traoré. beautiful africa
s. 20-21
in eigener sache
aus der bilanz 2012
s. 22-23
projekte
überlebenskunst in zeiten der globalisierung. „kreativ die welt
verbessern“
s. 24-25
ladentheke
kleine blätter, große wirkung. moringa
s. 26
cinéma africain
s. 27
termine
s. 28
3
zu gast im laden
Tee, Tempel und Fair Trade
BDKJ-Studienreise nach Indien
Am 6. Mai war Manuel Koch, Diözesanvorsitzender des BDKJ in
Würzburg, im Weltladen und informierte uns beim Ladentreffen
über die Studienreise des BDKJ
nach Indien. Eine zehnköpfige
BDKJ-Delegation war von 28.10.11.11.2012 im Nordosten Indiens
unterwegs, um Produktionsbedingungen von Darjeeling-Tee
4
unter die Lupe zu nehmen und
die Wirkungen des Fairen Handels kennen zu lernen. „Entwicklungspolitik und Fairer Handel,
das klingt immer so weit weg.
Was bewirkt man, wenn man
zum fair gehandelten Tee greift,
welche Menschen und Strukturen
stehen dahinter? Das will ich sehen und wissen“, beschreibt Ma-
zu gast im laden
nuel Koch seine Motivation. Sie
wollten möglichst unterschiedliche Akteure des Fairen Handels
kennen lernen, also sowohl
große Plantagen als auch Kleinbauern.
Zunächst besuchten sie Chamong Tea Exports. Dies ist der
größte Exporteur von Bio Darjeeling Tee. Bei den Chamong Teeplantagen stellt das FairtradeSiegel eine Zertifizierung unter
vielen (u.a. Naturland, Ethical
Trade Initiative, Rainforest Alliance) dar. Durch diese Vielfalt an
Siegeln können viele Kundenwünsche befriedigt werden. Der
Fairtrade-Anteil liegt hier bei 2 - 4
Prozent. Aber auch dieser geringe Prozentsatz trägt zur Verbesserung der Lebensbedingungen der PlantagenmitarbeiterInnen bei. So wurden von der
Fairtrade-Prämie z.B. Gaskocher
für alle (10.000) MitarbeiterInnen
angeschafft.
Der nächste Besuch galt dem
Teegarten Samabeong, der bekanntesten Plantage von Tea
Promoters India (TPI), die die
GEPA mit Tee beliefert. TPI ist
ein indisches Unternehmen, das
ausschließlich Bio- und FairtradeTee exportiert. (TPI ist ein Pionier
in Sachen Bioanbau in Darjeeling. Alle Gärten sind inzwischen
nach den Richtlinien von Naturland zertifiziert.) Hier durfte die
BDKJ-Delegation nicht nur den
PflückerInnen vor Ort zuschauen,
sondern auch selbst tätig werden. Sie konnten erfahren, wie
anstrengend diese Arbeit ist. Die
PflückerInnen zupfen 8 Stunden
lang täglich ganz vorsichtig mit
Augenmaß die Blättchen vom
Strauch. Am Abend laufen sie zur
Abgabestelle, wo sie ihre 7 kg
Tee wiegen lassen und abgeben.
Dank Prem Tamang, Juniorchef
von TPI, konnten sie die RepräsentantInnen der TeepflückerInnen zu ihrer Arbeit und den Auswirkungen des Fairen Handels
befragen. Da die Fairtrade-Prämie nach demokratischen Prinzipien den ArbeiterInnen zugute
kommen soll, gibt es ein Gremium, das entscheidet, wie und
wo das Geld sinnvoll eingesetzt
werden soll. Dieser „Joint Body“
besteht aus Vertretern der ArbeiterInnen und des Managements. Stolz berichteten sie, welche Projekte sie bereits umsetzen konnten und dass auch das
Management von TPI auf die Bedürfnisse der ArbeiterInnen eingeht. Unter anderem konnten mit
der Fairtrade-Prämie in Samabeong Solarzellen mit Batterien für
die Häuser aller ArbeiterInnen
gekauft werden, so dass sie nach
dem frühen Sonnenuntergang
um kurz nach fünf Uhr noch Licht
haben. Erste Priorität hat jedoch
die Bildung. So wurde eine
Schule direkt in den Teegärten
gebaut. In die „GEPA School“
können nicht nur die Kinder der
TeearbeiterInnen gehen, sondern
alle Kinder der Region.
5
zu gast im laden
Frank Eichinger / BDKJ
Ein ganz anderes Modell als der
Teeanbau in Plantagen ist „Subarna Small Farmers Welfare
Society. Der Kooperative gehören 97 Kleinbauernfamilien an.
Jede Familie bewirtschaftet zwischen einem halben und zwei
Hektar Land. Zusätzlich bauen
die Familien aber auch Reis,
Kardamom, Ingwer, Kartoffeln,
Chili und vieles mehr an. Den
gepflückten Tee bringen sie nach
Samabeong, wo ihn Tea Promoters India kaufen. Und was besonders beeindruckend war: Die
Arbeitenden aus Samabeong
verwenden einen Teil ihrer
Fairtrade Prämien dafür, die
Kleinbauern zu unterstützen und
deren
Teeproduktion
aufzubauen. Die GEPA unterstützt das
Projekt, indem sie den Tee kauft.
Die Vorgaben des Fairtrade-Sie6
gels würden solche Perspektiven
schaffenden Projekte nicht einschließen, denn Subarna ist –
noch - nicht Fairtrade zertifiziert.
Die BDKJ-Gruppe informierte
sich aber nicht nur über den Fairen Handel mit Tee, sondern
lernte auch die gegensätzlichen
Welten Indiens kennen.
So besuchten sie die Mega-City
Kalkutta. Der markanteste Eindruck für Manuel Koch war, dass
das Leben auf der Straße stattfindet. Erschreckend war das
Nebeneinander von Reichtum
und extremer Armut. Sie haben
auch die Generaloberin und
Nachfolgerin von Mutter Teresa
getroffen. Außerdem hatten sie
ein Gespräch mit Vertretern von
Coca Cola India. Der BDKJ boykottiert seit 2007 alle Produkte
zu gast im laden
von Coca Cola. Vier hochrangige
Vertreter von Coca-Cola India
flogen für ein paar Stunden extra
aus Delhi ein, um Fakten über
die Geschäftspraxis des Unternehmens zu präsentieren. In drei
kompakten Vorträgen erfuhren
die BDKJler viel über die Nachhaltigkeitsstrategie, über Lebensmittelsicherheit und CocaColas Wassermanagement. Leider blieben viele Fragen ungeklärt.
Zum Abschluss verbrachten sie
einen Tag in den Projekten der
Organisation Tiljala SHED. Unterstützt vom Bischöflichen Hilfswerk MISEREOR schafft Tiljala
SHED Perspektiven für eine der
marginalisiertesten Gruppen Kalkuttas: den Menschen, die vom
und im Müll der Millionenstadt
leben. Tausende von Menschen
in Kalkutta leben entlang der zum
Himmel stinkenden Kanäle und
der Bahngleise. In Hütten aus
Plastiktüten und alten Säcken,
ohne Toiletten, ohne Wasseranschluss oder medizinische Versorgung kämpfen Kinder, Erwachsene und alte Menschen
ums Überleben. Oft wird Kindern
dieser illegalen Behausungen
eine Geburtsurkunde verweigert.
Somit ist ihnen auch der Zugang
zu Schulbildung verwehrt. Jugendliche, Erwachsene sowie
oftmals auch die Kinder leben
vom Müllsammeln, Mülltrennen
und Recyclen. Tiljala SHED unterhält community centers in den
Slums, in denen die Kinder lesen
und lernen können, die Mütter
Wissen über Gesundheit, Ernährung und Hygiene erhalten. Außerdem gründete Tiljala SHED
eine Versammlung der Müllsammler, die die Preise für die
wertvolle Recycling-Ware sicherstellt. Das Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von
Tiljala SHED für die Ärmsten der
Armen hat alle sehr beeindruckt.
Am Schluss seines abwechslungsreichen und informativen
Vortrags hat Manuel Koch nochmals ein Fazit über die Auswirkungen der verschiedenen Formen des Fairen Handels gezogen. Es gibt sehr unterschiedliche Ansätze, aber sowohl bei der
Riesenplantage als auch bei der
Kleinbäuerin kommt die positive
Wirkung des Fairen Handels an.
Die Lebensbedingungen verbessern sich. Damit noch mehr ArbeiterInnen und Arbeiter vom Fairen Handel profitieren können,
wäre eine Erhöhung der Absatzmenge nötig, was wiederum dafür spräche, dass mehr fair gehandelter Tee über Großkonzerne vertrieben wird. Aber sympathischer war Manuel Koch der
Ansatz von GEPA, TPI und Subarna, wo Partnerschaft, gleichberechtigte Kommunikation und
Transparenz im Vordergrund
stehen.
Maria Sauter
7
zu gast im laden
Café Honduras
Eine Erfolgsgeschichte des Fairen Handels
“Träume – Frauen als Eigentümerinnen von Land, Produktion und
Vertrieb“:
Zeichnung von Flhor de Maria während einer Sitzung
der Frauen von COMUCAP.
20.02. und berichtete uns von
Entstanden durch ein Radioproden 19 Jahren COMUCAP. Flhor
gramm zum Kampf für die
de Maria Zelaya ist die MarkeGleichberechtigung der Frauen,
ist die Landfrauen-Kooperative
ting-Verantwortliche der KoopeCOMUCAP aus der Region Marrative und die Geschichte von
COMUCAP ist ihre eigene, da sie
cala in Honduras heute die einschon als kleines Kind bei den
zige Kaffee-Exporteurin im FaiVersammlungen der Mütter dabei
ren Handel weltweit. Im Jahre
war. Ihr Vater hätte seine Frau
1993 gründeten fünf Frauen die
Kooperative, um durch wirtsonst nicht aus dem Haus gelassen.
schaftliche Unabhängigkeit von
Die Frauen schafften es durch
ihren Männern die Ziele eine GeUnterstützung nationaler und inschlechter gerechteren Gesellternationaler NGOs ihr Träume
schaft zu erreichen. Die Tochter
nach und nach zu verwirklichen.
einer der Gründerinnen besuchte
Angefangen mit Alphabetisierung
den Weltladen Würzburg am
8
zu gast im laden
– die Gründerinnen konnten
selbst nicht lesen und schreiben über Fortbildungen im Kaffeeanbau und der Vermarktung wurden
die Frauen immer selbstständiger. Zunächst musste der angebaute Kaffee noch über eine andere Exportfirma vertrieben werden, aber vor 11 Jahren erhielt
COMUCAP die eigene Exportlizenz und somit mehr Einnahmen
für die sozialen Projekte.
Die heute 16 Basisgruppen verfügen über 40 ha Gemeinschaftsland, welches die Mitglieder neben ihrem eigenen Land
bewirtschaften. Ein Klein-Kreditprogramm ermöglicht es den Mitgliedern, sich und ihre Familien
voranzubringen, sei es durch die
Finanzierung des Studiums oder
den Kauf von Land.
Das Land, auf dem der ArabicaKaffee wächst, ist sehr steil und
so begannen die Frauen AloeVera anzupflanzen als Erosionsschutz. Inzwischen wird aus der
Pflanze in einem eigenen Labor
Kosmetik für den lokalen und den
Schweizer Markt hergestellt sowie Saft für den Fairtrade-Markt
in Italien. Aus den Abfällen der
Landwirtschaft wird in einer Anlage eigener Biodünger hergestellt und an die Mitglieder verteilt.
Der hochwertige Arabica-Kaffee
wird in einer neuen Verarbeitungsanlage gereinigt und sortiert
und anschließend in einem modernen Labor untersucht. Für
diesen Kaffee erzielen die
Frauen auch dank der FairtradeZertifizierung sehr gute Preise.
Mit dem Geld wird neben den gerechten Löhnen die politische
und soziale Arbeit finanziert. Immer wenn es um die Rechte der
Frauen geht, tritt COMUCAP in
Erscheinung und stellt Forderungen an die Politik. Durch mehrere
Fortbildungen haben es bereits
einige COMUCAP Mitglieder in
das regionale nationale Parla-
Foto: www.gepa-wug.de
9
zu gast im laden
ment geschafft. In der Region
Marcala läuft das Alphabetisierungsprogramm immer noch
weiter und viele tausend Kinder
und vor allem Frauen haben so
lesen und schreiben gelernt.
Die Kinder der Gründerinnen und
der Mitglieder von COMUCAP
können heute die Universität besuchen und bringen ihr Wissen
zum Wohle der Kooperative ein.
So sind es heute die Töchter der
Gründerinnen, welche weiterführen, was ihre Mütter begannen.
Der Kaffee von COMUCAP wird
über die GEPA in Deutschland
vertrieben und ist erhältlich als
„Honduras Pur“ im Weltladen
Würzburg.
„Ciudad Modelo“ – Freihandelszonen in Honduras
Obwohl das oberste Gericht des
Landes die Gesetzesgrundlage
für Freihandelszonen im Norden
von Honduras annullierte, kam es
am 23.01.2013 zur Abstimmung
im Kongress von Tegucigalpa,
bei welcher ein umformulierter
Entwurf die Zustimmung fand.
Präsident Porfirio Lobo Sosa,
welcher nach dem Putsch im
Jahre 2009 unter undemokratischen Bedingungen gewählt
wurde, unterzeichnete das Gesetz trotz massiven Widerstandes der örtlichen Bevölkerungen
und zahlreichen Morden an Gegnern des Projektes.
Die demnächst entstehenden
„Ciudad modelos“ werden mit eigenen Gesetzen, eigener Justiz
und Polizei das Leben der meist
ausländischen
Geschäftsleute
regeln. Die „Modellstadt“ kann
eigene Abkommen mit anderen
Ländern schließen und eine eigene Währung haben. Demokra10
tie wird dort keine vorherrschen.
Sie muss keine Abgaben an Hinduras zahlen und sich auch nicht
im Falle von nationalen Katastrophen an den Kosten beteiligen.
Die Regierung verspricht dennoch Fortschritt und Arbeitsplätze
und rechnet damit, dass die erste
Modellstadt Platz für 10 Mio.
Menschen bieten wird und die
Mehrheit der Honduraner in 30
Jahren in solchen Städten leben
wird.
Im Norden Honduras bei der
Stadt Triunfo de la Cruz ist bereits ein großer Küstenabschnitt,
der offiziell unbesiedelt ist – dort
leben ca. 10.00 Menschen der
Minderheit der Garifuna - als Naturschutzgebiet
ausgewiesen
worden, was eine Nutzung durch
die Menschen verhindert und sie
vertreibt, bevor die Baumaschinen kommen...
Matthias Pieper
fair reisen
Faires Reisen als EIN Baustein
einer nachhaltigen Lebensweise
Im Rahmen der Europäischen
Mobilitätswoche
(16.-22.Sept.)
lud zum 20.9.2013 der Weltladen
Würzburg in Kooperation mit der
Umweltstation/Lokalen Agenda
21 Würzburg zu einem Vortrag
mit dem Titel: „Faires Reisen als
EIN Baustein einer nachhaltigen
Lebensweise“ ein. Für den Vortrag konnte der Reiseexperte
Frank Herrmann gewonnen
werden, der zusammen mit Martina Hahn das Buch „Fair einkaufen - aber wie?“ geschrieben hat.
Der Diplom-Betriebswirt, Journalist, PR-Spezialist und Autor
mehrerer Sach- und Reisebücher, hat rund 20 Jahre in Lateinamerika gelebt, überwiegend
in Guatemala und Peru. Dort arbeitete er mit indianischen Kaffeebauern zusammen, organisierte Hilfsprojekte, beriet Kleinbauern-Kooperativen und führte
auch Reisegruppen in die weniger erschlossenen Regionen
Zentral- und Südamerikas.
Von seinen Erfahrungen berichtete er nun im Weltladen. Nachfolgend ein Versuch, den kenntnis- und faktenreichen Vortrag
zumindest
teilweise
wiederzugeben:
Wie Frank Herrmann berichtet,
ist der Tourismus weltweit ein
wichtiger Wirtschaftzweig, 9 %
des weltweiten Bruttosozialprodukts werden im Tourismus erwirtschaftet. Ungefähr 260 Millionen Arbeitnehmer sind im Tourismus tätig (etwa jeder elfte Arbeitnehmer).
Deutschland war – was die Reisefrequenz und die Ausgaben
betrifft – Tourismus-Weltmeister,
seit 2013 aber steht es „nur
noch“ an 2. Stelle, es wurde von
den Chinesen überholt. Im Jahr
2012 haben drei von vier Bundesbürgern eine Reise unternommen, 4,1 % des gesamten
privaten Verbrauchs der Bundesbürger werden in Deutschland für
Reisen ins Ausland ausgegeben.
Leider hat dieser Tourismus aber
auch Schattenseiten:
So profitieren vor allem die zumeist in den reichen Ländern angesiedelten Touristikunternehmen von den von ihnen angebotenen Pauschalreisen. Mindestens 50 % der Reisekosten
gehen zurück bzw. bleiben gleich
im Ausgangsland der Touristen,
der Tourismus konnte daher in
vielen Ländern die Armut nicht
beseitigen.
11
fair reisen
Man kann sich auch gut vorstellen, wenn man z. B. die billigen
Türkei-Reisen sieht, dass hier in
der Türkei selbst kaum etwas von
dem Geld ankommt und damit
wenig übrig bleibt für die Mitarbeiter in den Hotels und die Reiseführer.
Als Ausnahme beschreibt Frank
Herrmann Reisen nach Kuba. In
das Land kommen jährlich drei
Millionen Touristen. Da es meist
Pauschaltouristen sind, die oftmals in Hotels und Resorts in
Staatsbesitz untergebracht sind
und deren Ausflüge etc. ebenfalls
von staatlicher Seite organisiert
werden, bleibt hier ein größerer
Teil der Ausgaben im Lande.
Frank Herrmann beschreibt eine
Pauschalreise, die er mit einem
12
deutschen Reiseveranstalter auf
Kuba durchgeführt hat, der von
sich behauptet, nachhaltig zu arbeiten. Allerdings verstand man
unter Nachhaltigkeit beim Veranstalter vor allem den Besuch von
Sozialprojekten und weniger
Veränderungen bei Unterkunft,
Transport und Besichtigungsprogramm, dem eigentlichen touristischen Kerngeschäft.
Weitere Schattenseiten
Tourismus:
des
In Honduras besuchte Frank
Herrmann das Banana Coast
Projekt in Trujillo, hier wird das
Gebiet um die Kleinstadt Trujillo
zu einem Kreuzfahrtterminal und
einem Tourismus-Resort entwi-
fair reisen
ckelt. Das hierzu benötigte Land
wurde den Eigentümern, überwiegend Garifuna (Afrokariben),
die einst über kollektive Landtitel
verfügten, teilweise unter Drohungen abgekauft. Den Menschen in den betroffenen Gebieten
wurden
die
Projekte
schmackhaft gemacht, indem
eine goldene Zukunft mit Jobs für
alle versprochen wurde. Leider
handelte es sich bei den Arbeitsplätzen nur um schlecht entlohnte Hilfsjobs, denn die Garifuna konnten keine Fremdsprachen und waren auch sonst mit
den Anforderungen eines Hotelbetriebs nicht vertraut. In einem
weiteren touristischen Großprojekt an der Karibikküste von
Honduras führte der hohe Wasserverbrauchs des Resorts dazu,
dass die einheimische Bevölkerung mit deutlich weniger Wasser
als zuvor auskommen muss.
Ähnliche Probleme entstanden
am Strand Playa Hermosa in
Guanmacaste/Costa Rica. Auf
dem Land an der Küste lebten
vorher einheimische Fischer, die
ins Hinterland verdrängt wurden.
Für die Wasserversorgung des
Resorts muss das Wasser aus
diesem Hinterland geholt werden,
wo es jetzt aber für die Landwirtschaft fehlt. So sind die Fischer,
die nun Landbau betreiben wollten, doppelt gestraft und leben
mehr schlecht als recht von den
Löhnen ihrer Billig-Jobs im Resort.
Ein paar Zahlen nur zum Wasserverbrauch eines Luxus-Resorts: Im Schnitt braucht ein Luxushotel mit 420 Betten 250.000 l
Wasser pro Tag Und ein Golfplatz verbraucht bis zu 2.000
cbm Wasser pro Tag, das entspricht in etwa dem Verbrauch
einer Ortschaft mit 8000 Einwohnern.
Tourismus und Menschenrechte:
Seit 2012 ist Wasser ein von den
Vereinten Nationen verbrieftes
Grundrecht. Das bedeutet, dass
Regierungen darauf achten müssen, dass ihre Bürger alle ausreichend Zugang zu Wasser haben.
Das ist aber leider häufig nicht
der Fall und wird auch von niemandem kontrolliert.
Tourismus und Umwelt:
Tourismus verursacht auch erhebliche Umweltschäden.
Zum Beispiel werden ca. 14 %
der globalen Emissionen im
Flugverkehr von Flugreisenden
verursacht. Bis 2030 soll der
Flugverkehr Klimakiller Nr. 1
sein.
Jährlich werden
in
Deutschland
zwei Millionen
Flugpassagiere
transportiert.
Der Staat stützt den schädlichen
Flugverkehr auch noch durch die
Steuerbefreiung für Kerosin und
für grenzüberschreitende Flüge
wird keine Mehrwertsteuer erhoben.
13
fair reisen
Ungefähr zwei Millionen Deutsche fahren jährlich auf Kreuzfahrtschiffen mit. Diese sind
wahre Dreckschleudern. So fahren Kreuzfahrtschiffe (wie auch
Handelsschiffe) nur in Küstennähe mit Diesel, danach wird
Schweröl verheizt, das extrem
umweltschädlich ist. Alle Lebensmittel auf den Kreuzfahrtschiffen werden aus den Heimatländern importiert, nur ganz
wenig wird vor Ort dazu gekauft.
Die Arbeitsbedingungen sind miserabel. Da bis auf ein Schiff –
das Fernseh-„Traumschiff“ - alle
deutschen Kreuzfahrtschiffe im
Ausland registriert sind, können
die strengen Lohn- und Arbeitszeitregeln aus Deutschland umgangen werden.
Hier noch ein paar Zahlen zum
ökologischen Fußabdruck verschiedener
Reiseziele
von
Deutschland aus berechnet:
Mexiko
7.218 kg CO² , davon 88,1 % Anteil An-/Abreise
Mallorca
1.222 kg CO² , davon 75,7% Anteil An-/Abreise
Insel Rügen
Daheim bleiben
258 kg CO² , davon 31 % Anteil An-/Abreise
59 kg CO² , davon 0 % Anteil An-/Abreise
Zum Vergleich: das klimaverträgliche Jahresbudget pro Person
beläuft sich auf 2.300 kg CO²,
wie in Cancun bei der Welt-Klimakonfrenz errechnet wurde.
Wie kann man nun all diese
Schäden vermeiden oder minimieren?
Kompensation: Man kann Flugoder Schiffsreisen reduzieren
und falls man doch nicht verzichten will, sollte zumindest der
Aufenthalt dann vor Ort ausreichend lang sein, um den Aufwand zu rechtfertigen.
Zusätzlich „kompensiert“ man die
Klimaschäden: d. h. man spendet
an „atmosfair“ oder an „myclimate“, die mit den Geldern dann
Klimaprojekte finanzieren. Dies
14
ist zwar eine Art Ablasshandel –
wie ein Zuhörer meinte, sind die
Projekte auch nicht immer so
nachhaltig - und bisher ist die
Zahlung auch freiweillig und damit die bisher eingezahlten
Summen unerheblich. Allerdings
wird wohl in wenigen Jahren in
der EU die Kompensation über
den Emissionshandel in den Tickets mitberechnet.
Am besten aber ist es, Flugreisen
zu vermeiden statt zu kompensieren.
Nachhaltiges Reisen:
Die Definition der GIZ lautet wie
folgt: Nachhaltiger Tourismus
erfüllt soziale, kulturelle, ökologische und wirtschaftliche Verträglichkeitskriterien.
fair reisen
Wie kann man aber nun wirklich
nachhaltig reisen? Frank Hermann nennt einige Beispiele, so
gibt es Gütesiegel, wie das Siegel „CSR-Tourism – Certified“
(CSR=Corporate Social Responsibility) oder man sucht sich Veranstalter bei „forum-anders-reisen“, einem Zusammenschluss
von 130 alternativen Tourismusveranstaltern. Auch SKR-Reisen
in Köln bieten nachhaltigere Reisen an, ebenso die Internetplattform „traverdo“.
Zwar sind große Touristikkonzerne wie TUI, Thomas Cook
oder Rewe Touristik zumindest in
Deutschland gute Arbeitgeber,
aber die Partner im Ausland werden nicht nach sozialen oder
ökologischen Standards kontrolliert. Die großen Unternehmen
finanzieren zwar einige Sozial-
projekte zum Ausgleich, aber die
Vermeidung von Schäden sozialer wie ökologischer Art wäre
auch hier weit besser.
Wichtig für nachhaltiges Reisen
ist schon einmal eine gute Vorbereitung. Hier kann das Heft „Fair
Reisen“ vom EED helfen, es
kann aus dem Internet heruntergeladen werden.
Weiter ist im Internet „Tourismuswatch“ ein guter Ratgeber.
Tourismuswatch wird von Brot für
die Welt herausgegeben und erhielt im Rahmen der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in
Berlin die "Grüne Palme 2013".
Mit dem Preis zeichnet die Zeitschrift GEO Saison jährlich besonderes soziales oder ökologisches Engagement im Tourismus
aus.
15
fair reisen
Zu beachten während einer
Reise:
• Man nutze möglichst lokale Angebote bei Hotels, Fahrten
etc., so dass möglichst viel
Geld auch im Reiseland bleibt.
• Man übe Respekt, Toleranz
und Rücksichtnahme gegenüber den Bewohnern des
Gastlandes.
• Auch Gastgeschenke wollen
gut überlegt sein und werden
teils auch erwartet
• Trinkgelder – ein wichtiges
Thema – meist sind die Leute
von den Trinkgeldern abhängig, da ein Festgehalt, wenn
überhaupt, sehr niedrig ist.
10 – 15 % Trinkgeld sollte man
deshalb immer geben.
• Umweltschonung: Abfall wie
Batterien, Dosen etc., die bei
uns ordentlich entsorgt werden, sollte man mit heim nehmen. Plastikflaschen, wenn
möglich vermeiden, ökologische Seifen und Reinigungsmittel nutzen.
• Frank Herrmann weist auch
darauf hin, dass man den Reisebüros feedback geben solle,
ggf. auch über soziale Netzwerke. Nur dann wissen die
Reiseunternehmer,
welche
Themen auch im Bereich der
Nachhaltigkeit von den Kunden
als wichtig angesehen werden.
Generell wies Frank Hermann
noch darauf hin, dass nicht das
Faire Reisen allein wichtig ist,
sondern dass allgemein mit
Verstand eingekauft und kon16
sumiert werden solle. Sei es bei
Lebensmitteln oder bei Kleidung,
da gibt es schon viele Anbieter
und die Weltläden sind gute Anlaufpunkte. Demnächst wird es
sogar von der „Initiative Fair
Phone“ ein zumindest großteils
faires Smartphone geben. Es gibt
auch schon faire ComputerMäuse aus Teilen, die zu 60 –
70 % fair produziert werden.
Anbieter ist „Nager IT“.
Faire Geldanlagen sind ein weiterer Aspekt des bewussten nachhaltigen Handelns. Wie schon
Henry Ford sagte: „Das höchste
Ziel des Kapitals ist nicht, Geld
zu verdienen, sondern der Einsatz von Geld zur Verbesserung des Lebens.“ In diesem
Sinne gibt es schon viele Banken
in Deutschland, wo man sein
Geld anlegen kann, z. B. die
GLS-Bank, Ethik Bank, Umweltbank, Oiko Credit etc… Insgesamt haben die Deutschen 5 Billionen Euro Sparvermögen und
somit ist das Potenzial für nachhaltige Geldanlagen enorm.
Mehr zu diesen Themen ist auch
im von Frank Herrmann und
Martina Hahn geschriebenen
Einkaufsratgeber „Fair einkaufen
– aber wie?“ nachzulesen. Er ist
im Verlag Brandes & Apsel erschienen und ist im Weltladen für
€ 24,90 erhältlich.
Zusammenfassung des Vortrags
und
Fotos:
Ulrike
MannRösemeier
literatur
Jamil Ahmad
„Der Weg des Falken“
Das
Buchangebot
unseres
Weltladens ist durchaus etwas
ungewöhnlich. Hier finden wir
viele Bücher, die kaum auf die
Bestsellerlisten gelangen, da ihre
Autoren häufig unbekannt sind
und die Thematik der Bücher
doch recht exotisch ist. Das aber
macht den Reiz des Angebots
aus: wir werden entführt in
Kulturen und Länder, von denen
wir nur ansatzweise eine Ahnung
haben und wir tauchen tief in uns
fremde Welten ein.
Eines dieser besonderen Bücher
ist „Der Weg des Falken“ von
Jamil Ahmad. Der pakistanische
Autor wurde in der Provinz
Punjab geboren, das damals
noch zu Britisch-Indien gehörte.
Als junger Mann entschied er
sich für eine Verwaltungslaufbahn, nach dem Studium in
Lahore/Pakistan beschloss er
1954, als Staatsbeamter in
abgelegene Stammesgebiete zu
gehen. Auf diese Weise lernte er
Paschtu kennen und bekam tiefe
17
literatur
Einblicke in die Kultur
verschiedenen
Stämme
Region.
der
der
1956 lernte Ahmad in London
seine deutsche Frau kennen, die
er bald danach heiratete. Die
Familie Ahmad lebte jahrelang in
entlegenen Regionen Pakistans,
entlang der Grenze zu Iran und
Afghanistan, die heute als Rückzugsgebiete von Extremisten
gelten. Ahmad stieg schnell in
der pakistanischen Beamtenhierarchie auf und wurde Anfang der
siebziger Jahre der politische
Vertreter der Regierung im SwatTal. 1979 war er während der
sowjetischen Invasion in Afghanistan als Minister in der pakistanischen Botschaft in Kabul tätig.
Auf Anraten seiner Frau begann
er, seine vielen Notizen und Eindrücke von den Stammesgebieten niederzuschreiben, doch ein
Verleger für sein daraus entstehendes Buch ließ sich damals
nicht finden.
Erst dreißig Jahre später, als sein
Bruder von einem Literaturwettbewerb hörte und das vergilbte
Manuskript einreichte, wurde es
doch noch publiziert. Das Buch
erschien zunächst auf Englisch in
Südasien, dann in England und
in den USA. Inzwischen gibt es
Ausgaben in weiteren Sprachen.
Die 2013 veröffentlichte deutsche
Ausgabe wurde mit Hilfe von
litprom, der Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika,
18
Asien und Lateinamerika e.V.,
übersetzt. Die Initiative Eine Welt
e.V. ist förderndes Mitglied von
litprom.
In seinem Roman „Der Weg des
Falken“ führt Jamil Ahmad den
Leser auf den Spuren des Jungen Tor Baz durch eine archaische Welt. Die Eltern von Tor
Baz hatten Stammesregeln verletzt und waren deshalb lange
Jahre auf der Flucht, bevor sie
schließlich doch von ihren Angehörigen aufgespürt und getötet
wurden. Tor Baz wurde in der
Wüste sich selbst überlassen und
sein Leben entwickelte sich zu
einer Odyssee zwischen verschiedenen Lebensweisen und
Stämmen und über die Grenzen
dreier Länder hinweg. Das Leben
des Tor Baz wird nicht akribisch
nacherzählt, er taucht nur immer
wieder in einzelnen Episoden des
Romans auf und bindet sie so
zusammen.
Die Haupterzählung dreht sich
um die Menschen und die verschiedenen Stämme der Grenzregion zwischen Pakistan, Afghanistan und Iran - in einer faszinierenden, aber dem Menschen
auch viel abverlangenden Landschaft. Hier leben halbnomadische Stämme mit ausgeprägten
Stammesriten, deren Überlebenskampf in den wüstenähnlichen Gebirgsgegenden durch
politische Veränderungen noch
verschärft wird. Zeitlich beginnt
literatur
der Roman während des zweiten
Weltkriegs und endet ungefähr in
den sechziger Jahren des letzten
Jahrhunderts. Man liest, wie
selbst hier in dieser abgelegenen
Gegend der ferne Krieg zwischen
Deutschen und Engländern eine
Rolle spielte und das Leben der
Stämme beeinflusste. Später hat
dann die Unabhängigkeit Indiens
und die Abspaltung und Gründung des Staates Pakistan einen
noch weit größeren und auch
zerstörerischen Einfluss auf die
nomadische Kultur genommen.
Ahmad schildert dies sehr beeindruckend und bedrückend in einer Episode des Buches, in der
ein Stamm von den Sommerweiden in den Bergen Afghanistans
wie alljährlich im Herbst hinunterziehen will in die wärmeren Ebenen Pakistans. Plötzlich taucht
vor der Karawane eine Militärabordnung auf und hindert den
Stamm am Weiterziehen mit der
Begründung, er betrete jetzt ein
fremdes Staatsgebiet. Das sei
nur möglich mit entsprechenden
Papieren. Die beizubringen ist
aber für den Stamm unmöglich.
Als sich die Karawane über die
neue Regel hinwegsetzen will
und weiterzuziehen versucht, eröffnet das Militär das Feuer und
mäht zahlreiche Stammesmitglieder wie auch die Kamele und
Schafe, also die Lebensgrundlage des Stammes, nieder. Eine
sicher auch für viele andere Welt-
regionen exemplarische Szene,
die den fast unauflösbaren Konflikt der Nomadenkultur mit der
modernen Zivilisation der sesshaften Bürger und deren Regeln
zeigt.
Vor unseren Augen entsteht in
Ahmads Roman die geschlossene Welt der Stämme, die aber
in der neuen Zeit in Auflösung
begriffen ist. Die Erzählung ist
dabei keineswegs idealisierend,
der Autor verschweigt nicht die
Gewalt, die Stammesrivalitäten
und Grausamkeiten, die den Alltag der Stämme auch mitprägen.
Ebensowenig verschweigt er die
schwache Stellung der Frauen in
diesen Stammesgesellschaften.
Das Buch ist also keine leichte
Lektüre, liest sich aber sehr
spannend und man versinkt in
dieser hier geschilderten fremden
Welt. Wie „The Times“ schreibt,
hat "Ahmad die Gabe, seinen Lesern mit sparsamen Worten und
klarem Blick eine fremde Welt zu
eröffnen, die ihnen bisher verborgen
und
unverständlich
geblieben ist. Faszinierend!“
Jamil Ahmads „Der Weg des
Falken“ ist 2013 bei Hoffmann
und Campe erschienen und
kostet € 19,99. Das Buch ist im
Weltladen erhältlich.
Ulrike Mann-Rösemeier
19
musik
INTERNATIONALER INDI-POP
AUS MALI ?
ROKIA TRAORÉ
BEAUTIFUL AFRICA
(Out Here Records)
Wenn ich mich richtig erinnere,
ist dies bereits die vierte CD der
malischen Diplomatentochter, die
zwar mehr im Ausland gastiert,
20
aber immerhin ihre musikalischen
Wurzeln nicht vergessen und
verlernt hat. Ihr gleichnamiges
Debüt hat mich vor einigen Jah-
musik
ren sehr beeindruckt und noch
mehr die spätere „WANITA“.
Beide höre ich immer wieder
noch gerne. Diese neue Veröffentlichung dagegen erschließt
sich mir zunächst etwas sperriger
in der Zugänglichkeit beim ersten
Durchlauf. Aber der Redaktionsschluss dieser Ladenzeitung ist
bereits in der Zielgerade und der
Zeigefinger deutet sich langsam
an!
Mit filigraner, manchmal zerbrechlicher Stimme intoniert die
Sängerin Liedgut mit malischem
Hintergrund, auch wenn die expressiven Stimmen der Wassoulou-Frauen wie Oumou Sangare
natürlich nicht mit ihr verglichen
werden dürfen. Rokia scheint
primär auf den Weltmusik-Markt,
nennen wir es internationalen
Erfolg, ausgerichtet, und vielleicht weniger primär an ein einheimisches Publikum zu Hause.
In der Produktion geht das ganze
entsprechend denn auch hin und
wieder in Richtung Indie-Pop, wie
z.B. in dem zweiten Stück
„Kouma“, wo elektrifizierende
schwirrende Gitarren das Tempo
beschleunigen und die anfänglich
schönen Call und Response-Gesänge in Fahrtrichtung bringen.
Die insgesamt neun Lieder ergeben somit produktionstechnisch
eine Synthese zwischen Mali und
den modernen Produzenteneinflüssen, was hier aber keineswegs abwertend sein sollte.
Diese neuen Aufnahmen sind
ganz und gar nicht uninteressant
und hier ist wahrscheinlich
mehrmaliges Hören zunächst
angesagt, wo Hörer und Hörerin
seine
bzw.
ihre
ganz
persönlichen Schönheiten und
Perlen nach und nach entdecken
sollte.
Der eher gegenüber afrikanischer
Musik unaufgeschlossene „neokoloniale“ ROLLING STONE rezensierte sogar in diesem Falle
und schloss mit dem Zitat: „Sophisticated Rock’n Roll“ und vergab sage und schreibe in der
Bewertung sogar 3 ½ Sterne.
Fast unglaublich! Für mich selber
ist subjektiv fränkisch betrachtet
dieses Zitat ein bisschen cooler
Quatsch! Wenigstens wird sie
nicht schon wieder als malische
Freiheitskämpferin klischeehaft
klassifiziert, wie dies z.B. bei
Fatoumata
Diawara
schon
mehrmals, auch in unserer regionalen Presse geschehen. Es
passt einfach so gut zu AfrikaExperten, gell?
Aber reinhören sollte man in
diese Scheibe durchaus mehrmals.
Mai 2013
P. K.S. Bergdoll
21
in eigener sache
Aus der Bilanz 2012
Der
Würzburger
Weltladen
konnte 2012 einen beachtlichen
Beitrag zum Fairen Handel leisten und erneut die Verkaufszahlen steigern. Der Umsatz betrug
2012
€ 478.400 netto. Wir
freuen uns darüber vor allem mit
den Partnern und Partnerinnen
im Süden. Letztlich ist es ja das
Ziel unserer Bestrebungen, ihre
Handels- und Lebensbedingungen zu verbessern.
Der größte Teil der Waren wird
im Laden verkauft, aber auch die
so genannten Aktionsgruppen in
Pfarreien, Schulen und an anderen Orten bieten fair gehandelte
Produkte aus unserem Sortiment
an. Vielen Dank an dieser Stelle
ihren Mitwirkenden für Ihren
treuen Einsatz!
22
Für den schönen Erfolg danken
wir unseren ehrenamtlichen MitarbeiterInnen in Verkauf und Einkauf für viele zuverlässige Ladendienste, Schaufenstergestaltungen,
Sitzungen, Bestellungen, Warenannahmen und was
sonst tagtäglich anfällt und bewältigt werden möchte. Vielen
Dank aber auch an die bezahlten
Kräfte, die mit Engagement und
ganzem Herzen dafür sorgen,
dass der Laden in seiner fast unbegrenzten Vielfalt „läuft“.
Vielen Dank aber selbstverständlich und nicht zuletzt an Sie als
Kundinnen und Kunden für Ihren
bewussten Einkauf, mit dem Sie
den Fairen Handel ja erst ermöglichen!
in eigener sache
In der folgenden Grafik ist dargestellt, welche Ausgaben zu tätigen waren. In den Personalkosten ist dabei auch der Teil enthalten, den wir für die Bildungsarbeit in Würzburg und Umgebung aufwenden: Neben der Arbeit für den eigentlichen Fairen
Handel ist es ein Ziel der Initia-
tive, Bewusstsein für die Zusammenhänge zwischen Norden
und Süden zu schaffen und dadurch über den Laden hinaus zu
Veränderung zu motivieren und
zu mehr Gerechtigkeit im Welthandel beizutragen.
Hieraus ergibt sich ein Gewinn
von € 6.000.-, von dem wir Projekte und Veranstaltungen finanzierten. Aus dem Überschuss
und mit Spenden konnte die Initiative Eine Welt e.V. 2012 Projekte mit insgesamt € 11.500.unterstützen.
Wir finanzierten Schul- und
Ausbildungsprojekte in Uganda,
Sudan
und
Indien
sowie
Gesundheitsprojekte in Malawi
und Afghanistan. Zudem leisteten
wir Nothilfe in Peru. Wichtig ist
uns dabei nach wie vor jeweils
der persönliche Kontakt zu den
Menschen vor Ort.
Lisa Kirchner
23
projekte
ÜberLebensKunst in Zeiten der
Globalisierung
„kreativ die Welt verbessern“
„ÜberLebensKunst“ ist ein Projekt von Misereor, „Zukunft der
Arbeit und sozialen Sicherung“
(ZASS), der Katholischen Arbeiterbewegung (KAB) und der Katholischen
Bundesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung (KBE).
Anlass ist der Wunsch, „dass alle
Menschen in der Einen-Welt jetzt
und zukünftig ‚gut’ leben können.“
Das Projekt spricht die Herausforderungen unserer Welt an:
Trotz
faszinierender
Entfaltungsmöglichkeiten, weiten Reisen, Begegnungen mit Menschen
verschiedener Staaten und Kulturen geht es für viele Menschen
weiterhin nur ums Überleben, wie
bei Wassermangel, Dürre, Überschwemmungen, Hungersnöten,
Konflikten,
Vertreibung
und
Flucht (u.a.m.).
Meist sind die Herausforderungen von Menschen gemacht. Im
Hinblick auf vielfältige Bedrohungen heute geht es um das Ver24
stehen der Zusammenhänge und
um Verantwortung derer, die im
relativen Wohlstand leben können. Es geht um Achtsamkeit mit
endlichen Ressourcen, um bewusstes Konsumieren, und eben
nicht um ein Leben auf Kosten
anderer gegenwärtiger und zukünftiger Menschen. Dazu sind
Hinsehen, Informieren, ein eigenes bewusstes Leben und ein
Sich-Einmischen gefragt.
12 Poster des Fördervereins
kunstschaffender Frauen „dreieck-triangle-driehoek“e.V.
behandeln beispielhaft Themen wie
Angst, Hunger und Überfluss,
Plastikmüll in den Weltmeeren,
Wasser ist Leben u.a.m.
Artikel zu Rohstoffknappheit und
Rohstoffsicherung, zur Festung
Europa, menschenwürdigen Arbeitsbedingungen weltweit, demographischer Entwicklung, Ungerechtigkeit und Gewalt - um
Beispiele zu nennen - vertiefen
unser Wissen zu wichtigen Themen im farbigen, kunstvoll ges-
projekte
talteten Begleitheft. Ebenfalls im
Projektheft finden wir Antworten
auf Herausforderungen wie „Kritisch konsumieren - klug kaufen“
(global denken - regional handeln), „Enthetzt Euch“, „NeuSehLand ist hier“ und einiges mehr.
Initiiert und organisiert wird das
Projekt in Würzburg von dem Aktionskreis „ewa3“ (Eine Welt Arbeit im 3. Lebensalter).
Die Plakate werden von 8.11. bis
5.12. in der Missionsärztlichen
Klinik ausgestellt. Die Ausstellung wird begleitet von verschiedenen Veranstaltungen: Eröffnungsveranstaltung mit Vortrag
zum Thema „Gutes Leben für
Alle“ (8.11.), Schattenspiel zum
Thema „Flucht und Festung Europa“ (7.11.), der Film „Bottled
Life“ (28.11.), Theaterveranstaltung zum Thema „Menschenhandel“ (30.10.) und Schaufenstergestaltung
im
Weltladen.
Genaue Terminangaben und
Veranstaltungsorte finden Sie auf
unserer Terminseite.
Mehr Informationen erhalten Sie
unter:
www.projektueberlebenskunst.de
Informationen von Dr. Bärbel
Krumme, „ewa3“, Ehrenamtliche
von „ewa3“/ Misereor, Mitglied
des MI, Würzburg
25
ladentheke
Kleine Blätter, große Wirkung
Moringa
•
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•
Die Blätter des Moringa oleifera
Baums gelten unter Wissenschaftlern als eine der nährstoffreichsten Gemüsepflanzen
der Welt. Sie werden in der ayurvedischen Küche und Ernährungslehre seit über 5000 Jahren
eingesetzt: Ein Lebensmittel, das
Kraft und Wohlbefinden verleiht.
Moringa ist vielseitig gesundheitsfördernd. Es gibt kein anderes tropisches Gemüse in Afrika,
das vergleichsweise vorbeugend
wirkt oder das Körper, Haut und
Haar Nährstoffe bietet wie Moringa. Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen Moringa positive Eigenschaften. Eine sehr
wertvolle "Rundumversorgung"
für Menschen jeden Alters und
jeder Lebensphase. MoringaBlätter
sind
Vitaminund
Energiespender. Sie enthalten:
26
mehr als über 90
lebenswichtige Vitalstoffe
hohen Eiweißgehalt, weniger
Kohlenhydrate-Low-Carb
hohen Mineralstoffgehalt (Eisen, Magnesium, Kalzium,
Kupfer, Zink, Phosphor,u.a.)
regen durch hohen Eisengehalt
die Blutbildung an
Quelle für die Zufuhr von „gutem Cholesterin“
Hoher Chlorophyll-Anteil
Es kann zur Aufwertung aller
Speisen und Gerichte verwendet
werden: Zum Würzen von Suppen, Soßen, Pasta, Resigerichten, Salaten etc., zum Beimischen in Müsli, Säften, Joghurt
etc., zum Aufbrühen als Tee.
Die Moringa-Blätter werden hergestellt von einer KleinbauernKooperative in Ghana nach ökologischen
Landbauprinzipien
ohne künstlichem Dünger und
Pflanzenschutzmitteln.
Mit dem Kauf dieses Produktes
leisten Sie einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Kleinbauern im ghanesischen Anbaugebiet.
www.regenwaldladen.de
Eine Dose mit 100g gemahlenen
Moringa-Blättern ist Weltladen für
17,95 € erhältlich.
cinéma africain
Afrikanische Filmreihe im Programmkino Central
La Pirogue
Moussa Touré, Senegal 2012
In packenden Bildern erzählt
Moussa Touré die Geschichte
einer Reise übers Meer. Eine
Gruppe von etwa 30 Männern –
als blinder Passagier ist auch
eine Frau an Bord – möchte nach
Europa gelangen. Das Ziel der
Migranten sind die Kanarischen
Inseln.
Kapitän Baye Laye weiß um die
Gefahren der Überfahrt und hat
das Kommando nur widerwillig
übernommen, vor allem, um seinen unerfahrenen jüngeren Bruder vor dem sicheren Tod zu bewahren.
Layla Fourie
Pia Marais, Südafrika 2013
Die junge und alleinerziehende
Südafrikanerin Layla Fourie lebt
in Johannesburg. Zusammen mit
ihrem Sohn Kane fährt sie eines
Tages in einen mehrere Stunden
entfernten Ort, um dort einen
neuen Job in einem Casinobetrieb aufzunehmen. Während der
nächtlichen Autofahrt überfährt
Layla einen weißen Mann und
verletzt ihn tödlich. Layla versucht den Unfall zu vertuschen
und gerät in ein Netz aus Misstrauen, Täuschungen und Lügen.
Selbst das Verhältnis zu ihrem
Sohn leidet unter der Situation
und wird auf eine harte Zerreißprobe gestellt.
Robert Mugabe - What happened ?
Simon Bright, Simbabwe 2011
Der Film zeichnet den Werdegang des aus armen Verhältnissen stammenden Robert Mugabe
nach, der zunächst zum „Helden
der Unabhängigkeit“ Simbabwes
und zu dessen erstem gefeierten
Präsidenten nach der Unabhängigkeit aufsteigt. Doch schon
während des Befreiungskampfes
wird auch die Rücksichtslosigkeit
Mugabes gegenüber der Opposition erkennbar – und so erscheint
dann seine spätere Transformation zum Dauer-Präsidenten und
rücksichtslosen Autokraten weniger überraschend, denn in gewisser Weise vorhersehbar.
27
termine
21.10.-08.11. Ausstellung "Stop TB", im Foyer der Sparkasse Mainfranken (Hofstraße 7-9), Veranstalter: DAHW, Weltladen Würzburg,
Gemeinschaft Sant`Egidio, Aidsberatung Unterfranken,
Sparkasse Mainfranken
05.11.
19.30 Uhr "Aids und TB - alte Herausforderungen - neue
Wege", Vortrag im Weltladen im Rahmen der Ausstellung "Stop
TB", Referent: Prof. Dr. August Stich, Chefarzt der
tropenmedizinischen Abteilung der Missionsärztlichen Klinik
Würzburg
08.11.
Eröffnung des Weihnachtsmarkts im Weltladen
23.11.
19.00 Uhr, Vortrag und Podiumsgespräch „Das Sumangali
Prinzip. Ausbeutung in indischen Textilfabriken“ (Zwei
Insiderinnen berichten) in der Kellerperle, Am Studentenhaus 1,
Musikal. Begleitung: Navid Zabihi (Tombak), Mostafa Poorreza
(Sitar) Veranstalter: Weltladen Würzburg, BDKJ, Kellerperle
Afrikanische Filmreihe im Programmkino Central
(Informationen zu den Filmen siehe vorige Seite und www.centralprogrammkino.de)
06.11.13
18.3 0 Uhr La Pirogue ( Senegal 2012)
13.11.13
18.30 Uhr „Layla Fourie ( Südafrika 2013)
27.11.13
18.30 Uhr Robert Mugabe - What happened ? (Simbabwe
2011)
Projekt "ÜberLebensKunst" in Würzburg
(30.10-5.12. Ausstellung und Veranstaltungen)
30.10.
20.00 Uhr Theater „Der verkaufte Engel“ (Thema Menschenhandel) in Kooperation Zonta-Club mit SOLWODI im SHALOM Europa, Valentin-Becker-Str. 11
07.11.
20.00 Uhr Schattenspiel „Flucht und Festung Europa“ der
Theatergruppe der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber,
Ort: Stephanskirche Würzburg
08.11.
15.00 Uhr Eröffnung der Plakatausstellung „ÜberLebensKunst“
in der Missionsärztlichen Klinik, Salvatorstraße 7, Referat "Gutes
Leben für Alle" von Michael Kuhnert, Geschäftsführer des Missionsärztlichen Instituts, Info- und Verkaufsstand des Weltladens
10.11.
15.00 Uhr zweite Einführung in die Ausstellung
28.11.
18.30 Uhr, Film "Bottled Life - Nestlés Geschäfte mit dem
Wasser", mit anschließ. Diskussion im Programmkino Central
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Seele and Geist
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