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1 22. SONNTAG IM JAHRESKREIS 2009 Wie oft - Pfarre Wieselburg

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22. SONNTAG IM JAHRESKREIS 2009
Wie oft reden wir über andere Menschen und wie oft schlittern wir dabei in ein liebloses
und ungerechtes Urteilen! Dabei kennen wir nur das, was wir gesehen, was wir gehört
oder beobachtet haben. Und wenn das alles nicht mit unseren Vorstellungen
übereinstimmt, wenn eben einer anders denkt oder anders handelt, wenn er sich auch
nur anders kleidet oder andere Interessen hat, dann rümpfen wir schnell die Nase und
bezeichnen ihn als komischen Menschen oder zumindest als eigenartig und wollen mit
diesem Menschen nicht allzu viel zu tun haben.
Aber ich frage mich: Haben wir eine Ahnung, warum ein Mensch so eigenwillig ist?
Können wir uns vorstellen, was in einem Menschen vorgeht und warum er anders ist
und denkt? Und macht ihn das wirklich weniger wertvoll? Und außerdem: Sind wir
nicht selbst auch ein bisschen anders, als die anderen? Hat nicht jeder von uns auch
seine Eigenheiten und seine kleinen Schwächen?
Ich meine, was sich täglich bei uns wiederholt, das ist genau die Situation, die wir eben
im Evangelium gehört haben: Gelehrte wollen Jesus überprüfen, ob er recht handelt, ob
er sich zurecht auf Gott beruft und wenn nicht, dann muss er weg, dann muß er beseitigt
werden! Und man hat den Eindruck, dass das Urteil dieser Gelehrten längst feststeht: Er
ist eben nicht der fromme Mann, an dem man sich ein Beispiel nehmen könnte! Er ist
anders, er passt nicht in ihre Vorstellungen! Und dabei sind sie nicht ehrlich, denn wenn
sie Jesus anerkennen, dann müssten sie sich ändern, dann müssten sie umdenken und
das ist mühsam und schwierig.
Jemand zu verurteilen, jemand links liegen zu lassen und an ihm vorbeizugehen ist
wesentlich leichter!
Jesus aber durchschaut sie: „Ihr seid Heuchler!“ sagt er. „Ihr steht mit einer reinen
Weste da. Ihr wollt Eindruck schinden mit eurer schönen Fassade, aber dahinter verbirgt
sich ein armseliger Mensch, vielleicht sogar ein einsamer, unglücklicher Mensch, der
nicht den Mut hat, sich so zu geben, wie er ist. Ihr spielt aller Welt etwas vor. Ihr
täuscht die Menschen mit eurem selbstsicheren Auftreten, aber in Wirklichkeit habt ihr
kein Rückgrat!“
Ich glaube, hier liegt eine der Wurzeln, warum Christentum und Kirche für manche so
wenig überzeugend und so unglaubwürdig sind! Weil wir viel zu sehr auf die anderen
schauen! Weil wir allzu oft auf das starren, was sie schlecht oder falsch machen,
welches Gebot oder Gesetz sie nicht 100%ig einhalten und dabei übersehen wir: Gott
nimmt jeden Menschen ernst, jeden, trotz seiner Eigenart, trotz seiner Fehler!
Ich brauche also nicht urteilen und es steht mir überhaupt nicht zu! Ich selbst soll
vielmehr trachten, dass ich nicht die gleichen Fehler mache wie andere und dass mein
Reden nicht verletzt und mein Handeln niemand weh tut!
Kurz gesagt: Das Negative, das Schlechte und Böse eines Menschen kann man nicht
einfach ablesen an seinem Äußeren. Das Negative und Böse kommt vielmehr immer aus
dem Inneren des Menschen, aus seiner unehrlichen Gesinnung, aus seinem verdorbenen
Herzen! Einer, der wirklich mit Gott verbunden lebt, wird nicht so leicht jemand lieblos
demütigen, der wird sich nicht dauernd über andere lustig machen oder sie ständig
verurteilen!
Es geht also Gott nicht darum und das möchte Jesus im Evangelium deutlich machen,
dass wir vor den Menschen gut dastehen. Es beeindruckt ihn überhaupt nicht, wenn wir
uns als Tugendbolde gebärden! Vor ihm können nur Offenheit und Ehrlichkeit
bestehen!
Deshalb ist es ziemlich egal, wie alt ein Mensch ist oder welche Stellung er in der
Gesellschaft hat. Es ist ziemlich egal, wieviel einer besitzt oder was er sich leisten kann.
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Entscheidend ist vielmehr, dass ein Mensch staunen und sich freuen kann. Dass er offen
ist für das Schöne und Gute. Dass er sich seinem Schöpfer verantwortlich weiß und dass
er mitwirkt, andere Menschen ein bisschen glücklich zu machen!
Darum ist es wichtig, dass wir uns Zeit nehmen für Dinge, die unser Herz braucht!
Ein Mensch kann noch so große, schöne, salbungsvolle Worte sprechen und sich
wichtig machen – wenn in seinen Worten nicht auch Liebe und Verständnis mitklingen
und erfahrbar sind, dann bleibt er ein falscher und scheinheiliger Kerl!
Ein Mensch kann noch so fromm und gläubig tun – wenn er nicht von der Liebe Gottes
und vom Vertrauen zu ihm geprägt ist und wenn in seinem Leben nichts davon zu
spüren ist, dann macht er die Liebe Gottes lächerlich und trägt dazu bei, dass Gott
verhöhnt und verspottet wird!
Menschen, die sich wirklich von Gott ansprechen und führen lassen, sind fürsorglich
und hilfsbereit. Sie versuchen geduldig und nachsichtig mit den Fehlern anderer
umzugehen. Menschen, die sich von Gott berühren lassen, werden auch bescheiden sein
und in ihrer Wortwahl behutsam und ehrlich bleiben!
Ich weiß, es ist nicht alles so böse gemeint, was wir über andere sagen, aber ein
bisschen vorsichtiger und rücksichtsvoller könnten wir schon manchmal sein und vor
allem brauchen wir uns nicht vom äußeren Anschein leiten oder täuschen lassen.
Wie hat doch Jesus gerade gesagt? „Aus dem Herzen der Menschen kommen die bösen
Gedanken wie Habgier, Hinterlist, Neid und Verleumdung, Hochmut und Unvernunft
und das alles macht ihn unrein!“
F.D.Pf.
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Seele and Geist
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