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Assoziation zum Begriff Supervision: «Wie Zähne putzen - BSO

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Der Interviewpartner Dr. Wolfgang Looss Darmstadt, ist Dr. rer. oec,
Studien in Physik, Mathematik, Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Wirtschafts­
pädagogik, Philosophie und Psychologie, Gestalttherapieausbildung, Fortbildungen
in Gruppendynamik, Systemischer Familientherapie, Organisationsberatung u.a.
Seit mehr als 25 Jahren Berater, Fortbildner, Supervisor und Coach.
E-Mail: WLooss@t-online.de
«Supervisoren schauen einem in die Augen, haben eine angenehme Stimme und die Eigenart, einen häufig zu Aussagen zu bringen,
Assoziation zum Begriff Supervision:
«Wie Zähne putzen,
eine Hygienemassnahme»
Konfrontiert mit den eruierten Bildern von Su­
pervision plädiert Wolfgang Looss dafür, bei
Klienten Klärungshilfe zu leisten, Hilfe zu bieten
beim «Shaping» von Erwartungen, bei der Aus­
wahl von Beratungshilfe, bei der Auftragsklä­
rung. Aktuell stünde eine eigentliche Klienten­
professionalisierung an ...
Wie glauben Sie, dass sich Kunden und Kundinnen Super­
visionsfachpersonen vorstellen?
Es fällt ja auf, dass viele Aussagen kritisch sind (Stichworte
Für mich bringt eine Supervisionsfachperson Erfahrung
und reflektierte Vorarbeit mit, sie kann Distanz aufbauen und aus dieser auf eine Beobachtungsplattform
einladen, von welcher aus sie andere und sich selbst
betrachten kann; diese Fähigkeit wird gespiesen durch
eine aufgeräumte Praxiserfahrung, einen grösseren Vorrat an Reflexion sowie durch einen Theorieblick.
Damit ist zwangsläufig eine gewisse Seniorität verbunden.
Nullsummenspiel, Ineffizienz, langweilige Stunden, langfädige
Sitzungen, träge Runden), einige Aussagen auch Distanz signa­
lisieren (Stichworte Adler, Schau aus dem Glaskasten) und an­
Lernens wird praktisch nicht angesprochen. Gibt es dafür eine
Szenen/Bilder/Analogien ...)?
Erklärung?
Supervision ist für mich wie Zähne putzen, im Gegensatz zu Coaching eine Form von Hygienemassnahme
für Beziehungsarbeiter/innen. Dieser Hygienebegriff
lässt sich durchaus auch ausweiten auf Teams, auf Organisationen.
Mich erschreckt dieser Befund schon ein wenig. Man
fragt sich dabei: Was machen denn diese Kunden um
Gottes Willen für Erfahrungen?
fürsorglich fragende Person, die mit ihrer
erwartungsfrohen Mimik und Gestik agiert
und zu einem späteren Zeitpunkt ein
schonungsloser, zwischen Polen irritieren­
»
der Gesprächspartner wird.
Hilfe zu bieten beim Shaping von Erwartungen, bei der
Auswahl von Beratungshilfe, bei der Auftragsklärung.
Eine eigentliche Klientenprofessionalisierung stünde
aktuell an.
auf Ihre eigene Praxis?
vision»: Was fällt Ihnen bei diesem Wort ein (Assoziationen/
«Eine Supervisorin/ein Supervisor ist eine
Wie stellen Sie sich einen Supervisor/eine Supervisorin vor
«Supervision» in Ihrem Verständnis von Supervision, in Bezug
ter aufweisen. Die Supervision als Ort der Problemlösung, des
Ich denke, dass «Innehalten», «Aufräumen» und «Sortieren» als Handlungsbilder relevant sein könnten,
reflexiv aufräumen in hektischen und turbulenten
Arbeitswelten.
Ich glaube, dass Fachleute zu sehr mit sich selber
reden und dabei «trocken kochen»; es wäre dringend
nötig, bei Klientensystemen Klärungshilfe zu leisten,
(Aussehen, Verhalten, ...)?
dere wiederum einen familiär-psychotherapeutischen Charak­
und Klient/innen von Supervision haben?
den»); die Attributierung von Erfolg bei Supervisionen
ist scheinbar irgendwie verwaschen.
Was bewirken die Bilder-Rückmeldungen von Kunden zu
Zunächst interessieren uns Ihr Bild/Ihre Bilder von «Super­
Welches Bild, welche Bilder – glauben Sie – werden Kund/innen
»
die ihre Hypothesen bestätigen.
Gehen wir einen Schritt weiter, zu den eruierten KundenBildern von Professionellen: Woran könnte es liegen, dass diese
Ohne Wirksamkeit eine Reha-Massnahme
sehr uneinheitlichen und überhöhten Bilder und Ansprüche
Zuerst zur Gemütlichkeitsmetapher (Stichwort Familie/Psychotherapie): Das lässt sich ja irgendwie verstehen als Kontrast zur Erlebniswelt, zum hektischen Alltag: Sich einmal fallen lassen, Zeitverzögerung erleben
dürfen, nicht produzieren zu müssen. Wenn jedoch
dabei die Wirksamkeit fehlt, handelt es sich lediglich
um eine Reha-Massnahme, um Erholung; das würde zu
kurz greifen, es ginge ja eher darum, konkrete Alltagsprobleme lösen zu können, Lernprozesse in Gang zu
setzen.
Zur Trägheits- und Ineffizienzkritik: Positiv gedacht ist der Effizienzbegriff besagter Kunden vielleicht
zu sehr an Handeln gekoppelt, Komplexität muss in ihrer Arbeitswelt oft reduziert werden, Entscheidungs­
fähigkeit ist zentral, es fehlen ihnen in der Supervision
die gewohnten Effekte, die sie mit «Effizienz» verbinden.
entstehen?
Ungeklärte mitgebrachte Begriffe
Ausgehend vom bisherigen Gespräch und von Ihren Erfahrun­
Was aber auch möglich ist: Der Bewertungshorizont
von Supervision ist unklar, die Verständigung über die
Sinnhaftigkeit und die gewünschte Wirksamkeit von
Supervision ist nicht erfolgt, mitgebrachte Begriffe blieben ungeklärt.
Vielleicht wirkt hier auch bei Klientensystemen
mit wenig (guter) Beratungserfahrung eine latente Abwehr von Agierenden und Settings («drum herum re-
gen/Überzeugungen: Besteht aus Ihrer Sicht – aus professio­
BSO – Journal 4 / 2008
Aus der Kundenwahrnehmungsperspektive ist es gut
vorstellbar, dass Supervisionsfachpersonen Projektionsflächen sind, ihnen Übermütter- und Überväterfunk­
tionen zugeschrieben werden, sie als Autoritäten wahrgenommen werden. Das ist aber nur eine Ober­flä­chen­phänomenologie: Die Supervision ist zwar
beziehungsabhängig, aber immer auch kontext- und
effektorientiert; zudem können einer Supervisionsfachperson je nach Kontext andere Eigenschaften zugeschrieben.
Reine Beziehungsarbeit greift zu kurz
Die Beziehungsqualität ist nur eine vermittelnde Va­
riable für das Erzielen von Wirkung, für eine Problemlösung, Supervision als reine Beziehungsarbeit greift zu
kurz.
neller Warte – Handlungsbedarf in Bezug auf eine angestrebte
Veränderung der Bilder von Supervision, in Bezug auf den
Sprachgebrauch (Begriff) oder in Bezug auf das dahinterste­
hende professionelle Handlungskonzept?
Supervision ist organisationsbezogen, Supervision ist
auch leistungsbezogen, Supervision als reine Beziehungsarbeit genügt professionell nicht.
BSO – Journal 4 / 2008
Begriffliche Schlamperei
Zum Beispiel wird bei uns in Spitälern alles «Super­
vision» genannt, sei dies nun Training, Führungsberatung oder etwas anderes; da herrscht eine begriffliche
Schlamperei. Es ist nicht geklärt, was wozu dient, was
genau woher und von wem erwartet werden kann.
Auf professioneller Seite müssen Ausbildungen
und Fachzirkel darum bemüht sein, die Wirksamkeitsdimension von Supervision im Auge zu behalten: Supervisionen erschöpfen sich nicht in «Wohlfühl-Zirkeln», vielmehr geht es um eine konkrete Unterstützung
beim Lösen von Problemen im Arbeitsalltag.
Eine solche Begriffsklärung muss nicht missionarisch, sondern intellektuell sorgfältig und redlich geschehen, schliesslich geht es um die Verständigung zwischen Beratungsfachpersonen und Adressaten, welche
zu recht Unterstützung bei bedeutsamen Problemen
erwarten.
Interview: Geri Thomann
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Seele and Geist
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