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Finales Kapitel der Biographie von ROGER KIRK: Wie ging es in

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Finales Kapitel der Biographie von ROGER KIRK:
Wie ging es in den 90-er Jahren und dann nach der Jahrtausendwende weiter ?
Er konnte es selbst nicht mehr schreiben, deshalb schreibt hier ein Freund. Nun, es teilt sich in drei Bereiche, über die hier berichtet wird: zum einen die private Bio, zum zweiten
das berufliche Geschehen –miteinander verknüpft- und zum dritten das Thema ‚Radio machen‘, das
Roger sein gesamtes Leben begleitet hat, wobei Radio und Musik hier eine Einheit sind.
Zum privaten Leben ist kurz zu sagen, daß – bedingt durch Krisen im Beruf – hier ab 1991 ein
unaufhaltsamer Abstieg der Lebensqualität (und auch der Gesundheit) vor sich ging, der sich über
einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten dehnte und aufgrund der gewissen Langsamkeit des Prozesses
von den meisten Außenstehenden nicht bemerkt wurde. Eine Zusammenfassung kann man unter die
Stichworte stellen: Kündigung des Vermieters, finanzielle Sorgen, Ehescheidung von der Dame
Certkov, Todesfälle im Umfeld von Verwandtschaft und Freunden, Probleme mit dem Finanzamt.
Vieles hiervon soll die Nachwelt gar nicht erfahren, um das Bild eines Roger Kirk nicht zu trüben; dies
hat er nicht verdient, sein Leben war Kampf genug. Jedenfalls war das Jahr 1991 weichenstellend. Die
aus den bisherigen Radioprojekten übrig gebliebenen Ersparnisse gingen gegen Oktober 1991 zu
Ende. Sein gesamtes bisheriges Leben bis 1991 war Roger immer zum richtigen Zeitpunkt ein
Sponsor über den Weg gelaufen, der sich für das Thema ‚Radio‘ erwärmte und für die Finanzierungen
sorgte. Radio und Sponsoring waren für Roger eine selbstverständliche und natürliche Verbindung.
Die Folgerung, auch privat vom Geld des jeweiligen Geldgebers zu leben, war legitim. Denn Roger hat
nie auf zwei Hochzeiten gleichzeitig getanzt. War das Geld für ein Projekt da, wurde dieses ganztägig
und mit 100% Einsatz verfolgt, andererseits eben die privaten Ausgaben auch vom Gesamtetat des
Sponsors gezahlt. Eine Alternative gab es nie, und man muß sagen, daß dies allen Geldgebern
bewußt und bekannt war.
Im genannten Schicksalsjahr gelang es erstmals nicht, einen weiteren Sponsor für eine Radiostation
aufzutun. Es wurde im März 1991 eine kleine UKW-Piratenstation „ohne Namen“ in
Dietzenbach/Hessen(Nähe Rodgau) installiert, deren geringe Reichweite bis etwa Seligenstadt,
Hanau und Teile Offenbach’s ging. Der Sender stand im Obergeschoß einer Halle, und die absichtlich
kurze Moderation wurde in einem sanften Stil mit weichen Ausblendungen der einzelnen Song’s
vorgenommen, alles von Roger selbst, die Musik stammte aus seiner eigenen Plattensammlung und
war thematisch an den 80er Jahren angelehnt, mit Schwerpunkt auf Instrumentalstücke ohne Gesang.
Im April 1991 bezogen die Herren Uwe S. und Klaus Puth in Heusenstamm direkt neben einem heute
noch bestehenden bekannten Küchenanbieter im dortigen Gewerbegebiet ein Büro, und wurden auf
die UKW-Station aufmerksam, die ein angenehmes Programm darbot, jedoch nie eine Identifikation
oder Stationsansage durchgab. Irgendwann aber eine Kontakt-Telefonnummer. Klaus rief dort an, und
zwei Stunden später stand Roger in der Tür, mit der unvermeidlichen Zigarette im Mund.
Als man unter anderem auf das Thema „DX“ zu sprechen kam, war das der Anfang einer langjährigen
Freundschaft mit Höhen und Tiefen, wobei die Tiefen beruflicher Art waren. Roger und Uwe kamen
darauf, eine Firma zu gründen, die hochwertige Parfüme vertreiben sollte, die als Original in Holland
eingekauft wurden. Gesagt, getan. Man legte zu dritt alles Geld zusammen. Ein Jahr später gab es
das Unternehmen nicht mehr, man hatte sich zuviel davon versprochen, und die Konkurrenz der
Mitbewerber war erdrückend.
Die UKW-Piratenstation in Dietzenbach war inzwischend wegen Geldmangel ebenfalls eingestellt, und
die Frage für Roger war: was tun ?
Da es trotz Suche im Bereich Speisegaststätten, Bäcker, Metzger und Rechtsanwälte keinerlei
Sponsor gab (manche waren kurz davor, schlußendlich hat keiner zugesagt….), wurde zum ersten Mal
im Bereich der Familie Geld gesammelt. Die geniale Idee von Roger:
einen „geschlossenen Markt“ im rein lokalen Anzeigenbereich, und dort wiederum spezialisiert auf
Gastronomie und deren Umfeld, inklusive Discotheken.
Es wurde tatsächlich eine Regional-Illustrierte realisiert, wie Roger es sich vorgestellt hatte, mit
Berichten über Neueröffnungen, Schließungen und Insider-Gerüchten. Der Name des Regionalblattes
war: „Swing“.
Roger zog es von Beginn als eine „1-Mann-Firma“ auf, lehnte aber Hilfe durch Freunde und Bekannte
nie ab. Die „Swing“ wurde kostenlos an die Inserenten verteilt, die das Blatt wiederum auslegten und
so für eine Weiterverbreitung sorgten. Bei jedem Bäcker, Metzger, Restaurant und in jeder Disco
zwischen Aschaffenburg, Gelnhausen, Hanau und Offenbach war die SWING öffentlich ausgelegt und
verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Ein solches Konzept war vorher noch nicht dagewesen und wurde –
noch viel erfolgreicher- später von der bekannten Illustrierten „Prinz“ teilweise formverändert kopiert.
Roger konnte sich also im Jahr 1992 auf die Schulter klopfen, er hatte inzwischen ein Büro im Rodgau
in der Großen Seestraße bezogen, wo alle SWING-Aktivitäten koordiniert wurden, er hatte Aushilfen
als Fahrer zur Verteilung, er hatte einen weiteren Mitarbeiter für die Buchhaltung (Klaus Puth), ein
echtes Unternehmen war gegründet und im Handelsregister eingetragen (SWING GmbH) und das
Anzeigen-Auftragsbuch war voll, Mundpropaganda sorgte für Folgeaufträge, und zwischenzeitlich gab
es feine Querkontakte mit Aufträgen der Kfz-Branche, wo unweit der „Auto-Dieter“ werkelte und der
damalige „Honda Nieguth“ einen Abstellplatz hatte. Also es sah alles rosig aus an der Oberfläche.
Allerdings gab es einige „Haken“, die ihm im Laufe dieses Jahrzehntes nicht bewußt waren. Roger
hatte nie das Verständnis, daß das Finanzamt einen Anteil an seiner harten Arbeit haben sollte, mit
Ausnahme der Umsatzsteuer (was der geneigte Leser vielleicht nachvollziehen kann). Desweiteren
hatte er nie etwas von kaufmännischer Sichtweise gehört, und drittens bis in die 90-er Jahre hinein
immer ausnahmslos so „gewirtschaftet“, daß privat benötigtes Geld aus den beruflichen Einnahmen
kam, ohne Trennung, ohne Belege, ohne Aufzeichnung. Denn die Sponsoren verlangten nie eine
Abrechnung, das war bei ihm Grundbedingung für einen Deal. Eine GmbH hatte er vorher nie als
Geschäftsführer ‚geführt‘, und in der ihm eigenen Weise machte er dort unverändert in der GmbH, was
er gewohnt war: private Geldentnahmen.
Man kann ihm dies an sich nicht vorwerfen, er führte keinen ausschweifenden Lebensstil, fuhr nur
einen kleinen Mitsubishi Sport, rauchte viel und trank noch mehr Kaffee. So wird man ihn in
Erinnerung behalten, kaffeetrinkend mit der unvermeidlichen Zigarette.
Ein weiterer Haken war, daß er seiner Gesundheit „einen Bärendienst“ leistete, indem er bis zu 17
Stunden täglich arbeitete. Und ein weiterer ‚Haken‘ war seine Bekanntheit, denn es sprach sich schell
herum, daß der Herausgeber der SWING der ehemalige Radiomacher Roger Kirk war. Der Erfolg
seines Regionalblattes hatte dann eine Kehrseite: unerwünschte Besucher. Darauf kommen wir
gleich. Tja, und der letzte Haken an seinem Lebensstil war später die unvermeidliche Abkehr von der
Radioszene, denn dafür blieb ab 1996 einfach keine Zeit mehr, unmöglich.
Das „Nicht-Weiterpflegen“ der Kontakte zur Radiolandschaft über fast ein Jahrzehnt bis Januar 2006
hatte darauf folgend zur bedauerlichen Folge, daß er dann im neuen Jahrtausend mehrmals vor
verschlossenen Türen stand, sei es bei privaten Sendern wie „Main FM“, sei es beim Hessischen
Rundfunk, wo etliche Gespräche mit HR1 stattfanden, die (vorhersehbar) ergebnislos blieben. Selten
hat man ihn mit Tränen in den Augen gesehen. Nach solchen Absagen schon. Abschließend sei dazu
ein Zitat aus einem privaten Nachruf erwähnt:
>>>In einer e-mail schrieb er sinngemäß: "Hätte ich nicht wie ein Missionar mein Leben lang
die beiden Standpunkte verteidigt, daß die "Seesender" wie Radio Caroline und RNI erst die
heutige Radiolandschaft ermöglicht haben, und daß jedes Musikradio ein hörerbezogenes
"Format" haben soll und muß, dann säße ich vermutlich als Gehaltsempfänger beim
Hessischen Rundfunk und bräuchte mir keine Gedanken über das nahende Rentenalter zu
machen. War mein gesamtes Leben gegen Rechnungsstellung tätig und habe keine Rente,
Sozialhilfe werde ich bestimmt nicht beantragen, wenn es nicht mehr geht. Also muß ich bis
zu meinem letzten Tag arbeiten oder hoffen, doch noch einen großen Wurf hinzubekommen.
Eine Folge meines geführten Lebens."
Dies war die Antwort auf die Frage des Ausganges eines zweiten Vorstellungsgespräches beim
Hessischen Rundfunk, der ihn bedauerlicherweise abwies.“ Zitatende.
Kehren wir zurück zu den vielen ‚Haken‘, die der neue Lebensstil mit sich brachten. Unter anderem
verkleinerte sich das private Umfeld durch die totale Fixierung auf die Arbeit an seinem Regionalblatt.
Es war wie eine Obsession, mit fatalen Folgen.
Und die Arbeitsbelastung stieg noch dadurch, daß Roger auf Anfragen kleiner Radiostationen, mal
zwischendurch Moderation und ‚Formatradio‘ zu erklären, bis Ende 1995 gerne nachkam. Das nannte
sich dann „Radioconsultant“, wurde aber kaum noch bezahlt, meistens erfolgte lediglich pauschaler
Fahrtkosten-Ersatz, mehr nicht. Es zeigte sich schon, daß man sein Wissen zwar gerne nahm, aber
nicht mehr bereit war, eine entsprechende Entlohnung bereitzustellen. –
Kommen wir zu den unerwünschten Besuchern. Der weiter oben erwähnte Herr Uwe S. mit dem Büro
Heusenstamm hatte Beziehungen aus einem Milieu, mit dem wir alle hoffentlich nichts zu tun haben:
der Geldwäsche. Dessen gute „Freunde“ wiederum waren bekannt mit einem örtlichen Luden oder
‚Zuhälter‘, der sich mit oder ohne Zutun der erwähnten Herren dann plötzlich als Eintreiber von
sogenanntem Schutzgeld betätigen wollte. Roger verweigerte dies kategorisch, auch als sich
herausstellte, daß manche Freunde aus der Kfz-Branche widerspruchslos zahlten…….
Da der Verfasser dieser Zeilen indirekt durch das ursprüngliche Herstellen des Kontaktes zwischen
Roger und Uwe an dem Geschehen involviert war, hat er jahrelang an tiefen Schuldgefühlen gelitten.
Nun, der Fortgang der Geschichte ist schnell erzählt: Das Regional-Blatt SWING verschwand Oktober
1998 binnen Wochen genau so schnell, wie es gekommen war. Was ist da passiert ?
Die Herren Geldwäscher mit dem repräsentativen Büro in der Nähe des Frankfurter Eisernen Steges
waren rege tätig. In kurzer Zeit hatten diese über einen Strohmann den Namen „Swing“ als
„Registered Trademark“ registrieren lassen und untersagten Roger’s Firma die weitere Nutzung des
Namens. Einen Tag nach dem Eingang des rechtsanwaltlichen Schreibens flatterte ein Brief des
Finanzamtes mit einer Vorladung ein. Die beiden Aushilfsfahrer kündigten, ebenso der freiberufliche
Fotograf. Der Vermieter folgte, was doppelt mißlich war: denn Roger wohnte und schlief inzwischen
im Büro. Eine Privatwohnung gab es nicht mehr, eine Lebensgefährtin ebenso wenig. Was blieb, war
die Freundschaft zur letzten verbliebenen Person an Bord des sinkenden Schiffes, dem Buchhalter.
So verbrachte man Sylvester 1.1.1999 gemeinsam in einer kleinen 1-Zimmer-Wohnung und Roger
lebte danach von Gelegenheitsjobs bis hin zum Kurierfahrer. Zwischenzeitliche Versuche von
Kontaktaufnahmen in der Radioszene scheiterten ausnahmslos. Es war wohl einer der
psychologischen Tiefpunkte. Aber wie in einem Nachruf auf > http://alturl.com/swhrq mehrfach
nachzulesen ist: seine Charakterstärke war, n i e m a l s aufzugeben!
Er suchte in der Gastronomiebranche ständig nach einem neuen Sponsor, aber zufällig fand er dann
im September 1999 einen ehemaligen Kfz-Händler, einen alten Bekannten, der ebenfalls seine
Wohnung gewechselt hatte. Und am 19. Oktober 1999 erfolgte tatsächlich der Eintrag einer neuen
Firma ins Handelsregister, zwei Beteiligte, Roger und Klaus P., der Unternehmensname: Video-MoviePicture Puth KG. Neben der Neuauflage der Regional-Illustrierten unter anderem Namen war ein
zweites Standbein angedacht, es sollten wie zu seinen besten Zeiten Erotik-Videos verkauft werden.
Der Sponsor hatte eine leerstehende Lokalität als kostenfreies Büro und Laden zur Verfügung gestellt.
Unternehmenssitz war Heusenstamm, und der Magistrat dieser Kleinstadt fasste leider kurze Zeit
später den Beschluß, das Gebäude abzureißen, in dem sich das Büro befand. Zwangsauszug. Ein
Rückschlag. Der Sponsor konnte oder wollte kein neues Büro organisieren, so daß unser Roger zum
zweiten Mal in der Zwickmühle war, keine Unterkunft zu haben.
Also zurück in die schmale 1-Zimmer-Wohnung mit zwei Personen? Nein, das war nicht in seinem
Sinn. Der Name für das neue Regional-Blatt stand fest: „BLA-BLA“.
Es mussten ja sowieso Anzeigenkunden akquiriert werden, zur ersten Februar-Woche 2000 war die
erste Ausgabe angekündigt.
Roger stürzte sich ins Nachtleben, geschlafen wurde tagsüber, mit Ausnahme der Treffen mit dem
Sponsor. Bei der Suche nach Anzeigenkunden für die neue BLA-BLA lernte er viele Leute kennen,
nicht nur die Inhaber von Kneipen und Disco’s, er fotografierte auch die Gäste und kam so mit diesen
ins Gespräch. In der Hanauer Disco „Pascha“ traf er eine durch ihre Kleidung sofort hervorstechende
Gothic-Lady, ganz in schwarz gekleidet, mit Piercings und anderen Szene-typischen Attributen. Er
verliebte sich in sie, verschwieg ihr dies jedoch lange Jahre. Die Lady namens Tanja hatte in Hanau
eine 1 ½ Zimmer-Wohnung, und erlaubte Roger sehr schnell, im „halben“ Zimmer einzuziehen,
welches nur etwas mehr wie 2 m x 2 m maß. Das war eine bescheidene, aber es war eine Unterkunft.
Ein Bett, ein kleiner Tisch daran, worauf der Computer plaziert wurde. Ein Koffer mit Klamotten,
gewaschen wurde im Waschsalon um die Ecke. Diese Mini-Unterkunft sollte bis zu seinem
Lebensende die letzte bleiben, die er bewohnte; jedoch offiziell angemeldet durfte er dort nicht sein.
Was für ein Unterschied war dieser Platzmangel im Gegensatz zu früheren Wohnungen. Es zeigt die
Größe von Roger, so etwas still zu ertragen. Außer seiner Familie wusste niemand, wo und wie er
wohnte….. habe ihn dafür bewundert. Seelisches Leid wurde jahrzehntelang wortlos ertragen.
Das hauptberufliche Leben von Roger bis zum ersten Quartal 2012 bestand ausschließlich aus dem
Regional-Blatt BLA-BLA, in seiner Unterkunft war er die ersten Jahre oft nur zum Schlafen, das Finden
von Neukunden im Nachtleben und die Produktion des Blattes namen seine überwiegende Zeit in
Anspruch (Produktion lange Zeit in einem Rodgauer Internet-Cafe), die Pflege von Freundschaften
schwierig und teilweise nur über e-mails möglich, und um die Lage zu komplizieren, lief er im 2.
Halbjahr des Kalenderjahres 2002 in einer Offenbacher Gaststätte einem Vollstreckungsbeamten des
lokalen Finanzamtes über den Weg, der sich an die Steuerschulden der SWING GmbH erinnerte.
Bekanntheit hat ihren Preis. Kurz darauf wurde ihm die „Verfügung der Durchgriffshaftung“ als
Geschäftsführer der zahlungsunfähigen GmbH persönlich durch einen Beamten zugestellt. Mit der
Hilfe eines Rechtsanwaltes gelang es Roger, aus dieser Situation herauszukommen. Geschafft.
Wir sind in unserer Chronologie beim Jahr 2003 angekommen, das private Kapitel war für Roger
abgeschlossen, er hatte sich mit seinem Single-Dasein arrangiert und abgefunden. Zu den HobbyAktivitäten betreff Musik und Radio folgt noch eine gesonderte Darstellung am Schluß.
Waren die 1990er Jahre beruflich okay, hat jedoch zwangsweise durch die Arbeitsüberlastung eine
erhebliche Vernachlässigung des privaten Lebens stattgefunden. Die Jahre ab dem Jahr 2000 waren
durch einen nicht mehr zu vertretenden noch erhöhten pausenlosen Streß (unverändert bis zu seinem
Todesjahr 2012) in einem mindestens 26-Tage-Arbeitsmonat und einer 90 bis 100 Stunden-Woche ein
Fakt, der wohl zudem über die lange Zeit gesehen sicherlich gesundheitsschädlich war. Er hat mal
gesagt: ein Durchschnittsmensch kann meinen Lebensstil überhaupt nicht verstehen. Wie recht er
hatte…………….
Von 2003 bis Juni 2007 ist ‚BLA-BLA‘ volle 4 Jahre regelmäßig erschienen, Roger im Alleinvertrieb,
Roger als Alleinproduzent, Roger als Fotograf, Roger als Redakteur und Chefredakteur, Roger als
Zusteller, Roger als Kassierer, Roger als Mädchen für alles. Einen „Herausgeber“ gab es nicht, ein
abgekürztes Impressum in wenigen Ausgaben. Dies beunruhigte Roger, denn die Konkurrenz liest mit,
und man denke an die Erfahrung mit SWING, wo ein Rechtsproblem das Ende bedeutete. Also
musste ein Herausgeber bei. Da die englische Unternehmensform der Limited damals sehr populär
war, wurde diese Unternehmensform gewählt. Es entstand mit Unterschrift vom 29. Mai 2007 die
KIRKOV ROG MEDIA & SERVICES LTD. Aus diversen Gründen wollte Roger nicht Beteiligter sein,
und es sprangen ihm zwei Personen zur Hilfe: eine Nadja G. aus Langenselbold (Inhaberin einer
wunderschönen Bar) und der altbewährte Klaus Puth. Dieser verließ allerdings am 24. März 2010 das
Unternehmen auf Wunsch der Ehefrau, nachdem er kurz zuvor geheiratet hatte.
Der Niedergang von BLA-BLA war unvermeidlich, nachdem zum einen ein Beteiligter ausgeschieden
ist und zum anderen die vielen Arbeiten von Roger an dem Regional-Blatt die Überhand gegenüber
der Neukunden-Suche gewonnen haben und andere Unterstützung nicht vorhanden war.
So ist in unserer Chronologie betreff der Jahre von 2008 bis zum September 2011 zu vermerken, daß
der alte Kundenstamm aus den Vorjahren großteils entweder anderweitig bei Mitbewerbern in
Anzeigen-Werbung investiert oder selbst nicht mehr aktiv ist und aufgegeben und geschlossen hat,
was ja im Gaststättengewerbe nichts ungewöhnliches ist, da sind häufige Wechsel die Tagesordnung.
Eine Neukundensuche im erforderlichen Umfang war bei dem schon angeschlagenen
Gesundheitszustand des Roger Kirk nicht mehr möglich. Die Einstellung eines Anzeigenvertreters
oder anderen Mitarbeiters scheiterte mehrfach an den finanziellen Forderungen der Handelsvertreter.
Die Akquise gerät immer mehr ins Hintertreffen, bis zum fast völligen Erliegen. Ohne Anzeigen kein
Umsatz, ohne Umsatz kein Unternehmen, ohne Unternehmen kein Regional-Blatt. Am 14.09.2011 ist
die Zahlungsunfähigkeit der Limited festgestellt worden, und am 27. Okt.2011 erfolgt die Beendigung
des Unternehmens formal, die verbliebene Gesellschafterin Nadja und der Chefredakteur Roger Kirk
trennen sich. Die Firma ist Vergangenheit; die amtliche Löschung im Handelsregister vom 29.08.2012
ist final nur noch ein formaler wirkungsloser Akt, denn zu diesem Zeitpunkt ist Roger bereits
schwerstkrank und handlungsunfähig, die Einzelheiten ersparen wir uns. Die letzte Ausgabe der BLABLA erschien im April 2012, die letzte Barzahlung einer Annonce folgte etwa einen Monat später.
Noch im gleichen Monat Mai übergibt Roger die ihm ans Herz gewachsene eigene Musiksammlung
von 40.000 Titeln an Nadja in einem stabilen Koffer. Er wird nie wieder Musik auflegen, das ist ihm und
seiner Familie (alle im Landkreis Offenbach) nun klar, zu der er glücklicherweise in den letzten
Monaten wieder Kontakt aufgenommen hat und die ihn unterstützt. Gegenüber Mail-Freunden wie
Thomas Kircher von FM-Kompakt oder Mitarbeitern von ‚Radio Northsea‘ schreibt er im dritten Quartal
2012 wiederholt, daß er nicht aufgegeben habe – typisch für ihn – und nach dem Krankenhausaufenthalt wieder im Rundfunkbereich tätig sein möchte. Ein Lippenbekenntnis.
Denn den Untergang von BLA-BLA hat er verschwiegen, was vermutlich jedermann diskret verstehen
und verzeihen kann. Die letzten Monate seines Lebens waren bedauerlicherweise perspektivlos, da
die von ihm ersehnten Angebote im Bereich „DAB+ Radio“ ausblieben und ein Musikredakteur mit
noch so guten Kenntnissen nicht gebraucht wurde, noch weniger ein Programmdirektor in seinem
Alter. Eine eigene Radiostation hätte einen Großsponsor vorausgesetzt, zum Beispiel eine Brauerei;
ein solcher Sponsor war weit und breit nicht in Sicht. Seit über 20 Jahren hatte Roger keinen einzelnen
Sponsor mehr gefunden, der größere Geldsummen bereitstellte. Auch ich als einer seiner besten
Freunde war trotz Erfahrung auf diesem Gebiet nicht in der Lage, zu helfen. Die Zeit der Geldgeber
war schon lange vorher zu Ende. Schade. Nach meiner Meinung war diese Erkenntnis vielleicht
mitbegründend dafür, daß er den Kampf gegen seine Krankheiten am Ende verloren hat. Denn ein
Alter unter Sozialhilfe-Bedingungen (siehe weiter oben) wäre nichts für ihn gewesen.--- Am 4.
Dezember 2012 ist er verstorben und in Neu-Isenburg beigesetzt worden. Selbst seine ärgsten Feinde
– unter anderem in einem Forum >>> radioforen.de – haben posthum eingesehen, daß Roger (Ernst
Roger Certkov) eines der letzten „Originale“ mit 100% Wiedererkennungswert war, ein Archetyp, wie
er aus einem Karl-May-Buch hätte entsprungen sein können…. Ähnlich einem „Wurzelsepp“ unter
anderen Umständen. Und sein ungeheures Wissen um Raritäten und Musikformate ist in vielen
Beiträgen im Web unter dem Nicknamen „Radio Victoria 01“ nachzulesen. Wenn er oft streitbar war,
dann doch nie streitsüchtig. Ein verkannter ‚Könner‘ im wahren Sinne des Wortes. Der Prophet gilt
nichts im eigenen Land, ist ein alter Sinnspruch. Nun zur positiven dritten Abteilung des Lebens von Roger, nämlich zu Radio und Musik. Beide sind
untrennbar miteinander verwoben. Aus vielen hunderten abendlichen Gesprächen ist die sichere
Erkenntnis entstanden, daß er Rundfunk – gleich ob Pirate Radio, privates Radio oder lizensierten
öffentlichen Rundfunk – in erster Linie als Transportmittel für gute Musik sah. Seit 1996 erweiterte sich
diese Einstellung auf Auftritte in den lokalen Diskotheken vor Ort, und ab etwa 2001 sogar auf jede
Tätigkeit als DJ, und sei es im Familienrahmen vor 10 Leuten anläßlich einer Geburtstagsfeier. Musik
war sein Leben, die Bekanntheit als Radiomacher aufgrund seines Wissens und Könnens
ein begrüßenswerter Nebeneffekt. Stellenweise wurde er zu Beginn seiner Tätigkeit als Disc-Jockey in
Hanau (und Umkreis) wie ein Star um Autogramme gebeten und hatte Fan-„Groupies“.
Dieser Effekt nutzte sich mit der Zeit ab, was sich durch die von ihm selbst begonnene Verknüpfung
von nebenberuflicher DJ-Arbeit und hauptberuflicher Anzeigenakquise erheblich beschleunigte; wie
schon in meinem Nekrolog geschrieben am 22. Jan. 2013 – (www.sites.google.com/site/ydsp24/swl).
Roger hat nie aufgegeben, das war die Stärke seiner Mentalität. Betreff seiner – unbestreitbar immer
guten – Arbeit war er einzigartig. Betreff seines Fleißes als Radiomacher hat er einen riesigen Fehler
begangen: er hat sich selbst wegrationalisiert…….!
Der Verfasser weiß, daß Roger volle 22 Jahre kein Geld mit Radiomachen verdient hat, siehe hierzu
seine eigene Aussage in Kapitel 3 seiner Bio und den erwähnten Nekrolog. Er hat während der
Tätigkeit als Radioconsultant und später vielen sein Wissen vermittelt, anderen den Musikcomputer
wochenlang gefüttert, im neuen Jahrtausend Webradios mit aufgebaut, Gastronomieunternehmen
über Monate als DJ kostenlos gedient, in den „Radioforen“ stundenlang über Musikformate diskutiert,
jedem jede Frage über Pop & Rock von 1950 bis 1999 beantwortet, und das alles nebenher zusätzlich
zu seiner hauptberuflichen Tätigkeit bei den Regional-Illustrierten SWING und BLA-BLA.
Schon recht früh – 1982 – hat Roger Kirk die Theorie aufgestellt, daß Radio sich in einem
wiedererkennbaren Format darstellen müsse. Dieses „Formatradio“ ist unbestritten sein Kind, er
wurde lange dafür angefeindet, bis man sich stückweise seiner Meinung zu nähern begann, um diese
dann nach einigen Jahren schlußendlich vollständig zu übernehmen. Die nachmaligen Nutzer und
plötzlichen Befürworter des Formatradios wollten später nichts davon hören, daß ein gewisser Roger
Kirk missionarisch dafür gekämpft hat und manche der ersten Programmdirektoren von ihm geschult
wurden. Eines seiner berühmten Zitate: „Wer Led Zeppelin und Johannes Heesters direkt
nacheinander spielt, gehört sofort an die Wand gestellt und erschossen“!
Feingefühl auch für die Musikabfolge gehörte für ihn zum Handwerkszeug des Radiomachers.
Die Doppelmoderation hat er zwar nicht erfunden (das war Hardy von RNI), aber bei Radio Victoria
vehement und konsequent genutzt und durchgesetzt. Alle anderen später waren Nachahmer.
Insofern hat er prägnante Bereiche der Radiomoderation im Musikbereich zu seiner Zeit neu definiert
und verbessert. Hinzu kommen –zu seinen besten Zeiten- die unvergleichlichen Übergänge zwischen
zwei Songs. Weiter hatte er eine nahezu prophetische Gabe, Musiktrends vorherzusehen. Auf einer
anderen Webseite ist davon die Rede… er hörte das erste Lied von Nena und einen anderen
deutschen Song am gleichen Tag, und sein analytischer Satz war: daraus wird eine neue deutsche
Welle. Wie wir alle wissen, kam es so. Er sagte voraus, daß der exotische Song „Arabian Affairs“
(Abdul Hassan Orchestra) Nummer 1 der Single-Hitparade wird: eingetroffen.- Er stritt sich unzählige
Male über die These, daß nach den „Seesendern“ und Stationen wie Radio Benelux und Radio
Victoria im nächsten Schritt eine vielfältige Landschaft von privaten und freien Rundfunkstationen auch
im deutschen Inland entstehen würden……….eingetroffen und sogar übertroffen: die öffentlichrechtlichen Stationen kopieren heute teilweise die privaten Anbieter!
Er sagte weiterhin voraus in mehreren e-mails, daß die Single „Take tot he mountains“ von Richard
Barnes eine Geldanlage sein würde aufgrund der geringen Auflage und der raren Verfügbarkeit:
eingetroffen.- Er sagte voraus, daß „Earth and Fire“ im holländischen Inland einen riesigen
Bekanntheitsgrad erreichen: eingetroffen.- Und so weiter, es gibt viele Beispiele.
Roger rief aufgrund eines Boykotts (so etwas ging ihm zuwider) direkt bei Radio Luxemburg an und
empfahl, sich mal Eli Bonaparte mit „Never an everyday thing“ anzuhören. Der Song wurde daraufhin
von den Redakteuren rauf und runter gespielt. Beispiele für das geniale Gespür des „Roger Kirk“.
Trotz seiner sinkenden Popularität bei den Discotheken-Chefs in Hanau und Umgebung ließ es sich
Roger nicht ausreden, weiter dort aufzulegen, selbst als ein Betreiber in Steinheim soweit ging,
ihm als Lohn kein Geld, sondern nur noch ein Getränk und freies Essen anzubieten. Musik war seine
Welt, alles andere egal. Die unwürdigen Umstände ignorierte er. Respekt!
Während die Disco-Inhaber abertausende Euro an einem Abend verdienten, ließen sie Roger
finanziell ausbluten. Kam er dann am Folgetag wegen einer Kleinanzeige, war angeblich kein Geld
mehr da. Traurig nicht nur für Roger. Habe das alles hautnah miterlebt, wie ein hart arbeitender Mann
Stück für Stück für Stück kleiner wird, regelrecht auseinanderbricht, sich aufrichtet, weiterkämpft,
wieder um den Ertrag seiner Arbeit betrogen wird, Forderungsausfälle hat, seine Existenz auf dem
Spiel steht, Zusagen ihm gegenüber nicht eingehalten werden, er bei einer Gaststätten-Eröffnung hart
mit anpackt wie ein Arbeiter im Steinbruch, um dann NULL an Gegenleistung zu sehen. Das ist so oft
geschehen, daß man es systematisch nennen kann. Fortan waren für mich Gastwirte und DiscoBetreiber auf der gleichen Stufe wie die Mafia. Schlimmste Ausbeuter.
Aber zurück zum Thema Radio. Seit 2001 entwickelte sich das Engagement von Roger auch innerlich
zurück bezüglich des Themas „Radio-machen“, die Tendenz ging gegen Null. Wie mehrfach
geschildert, gab es in der Rundfunkbranche bis zu seinem Lebensende überhaupt keine bezahlte (!)
Tätigkeit mehr für ihn. Erwähnenswerte Episoden waren Radio Ko(h)libri, das Jubiläum von Radio
Victoria, zwei Vorträge bei der EDXC-Konferenz, eine Gast-Tätigkeit bei „Kultradio.eu“ und die Arbeit
für Radio Northsea International. Dies alles ist aber nur als Hobby respektive ehrenamtlich
einzuordnen, es ist niemals ein einziger Cent als Entlohnung geflossen. Eine Wiederholung der
Ereignisse. Radio Kolibri in Hanau sollte 1996 als eingetragener Verein fungieren. Jedoch war Roger
von unwissenden Laien umgeben, der Verein aus vielen Einzelpersonen löste sich im Januar 1997
unter Streitigkeiten auf (nach nur 2 Wochen auf Sendung), und wieder hatte Roger Zeit und Energie
verloren. Heute sendet eine neugegründete Station unter gleichem Namen. Ebenfalls hat sich ganz
schnell BLA-BLA als Name ein anderer Verlag gesichert.- Kultradio.eu hat Roger ein ehrenvolles
Angedenken bewahrt, danke.-Kleine Anekdote, die dem Verfasser hautnah von Roger am gleichen Abend berichtet wurde, vom
Stationsinhaber jedoch bestritten wird……….: im Dezember 2004 fand ein Treffen mit dem Inhaber von
RADIO FORTUNA statt, dieser erhielt umfangreiche schriftliche und mündliche Infos zu Formaten und
Musikraritäten, inklusive einer 64-seitigen ‚Playlist‘. Der Stationsinhaber fing einen belanglosen Streit
an, nahm das versehentlich liegengebliebene Material an sich und arbeitete ab 2005 damit. Egal,
wieder hatte Roger ein ‚gutes Werk‘ getan. Vergessen, Vergangenheit. Roger ist im QSL-Museum des
Prof. Wolf Harranth vertreten, unter anderem mit einem Tonmitschnitt über Radio Benelux.Das 25-jährige Jubiläum (im Jahr 2008) von Radio Victoria nahmen Fans der Station zum Anlaß,
Roger zu einer neuerlichen Sende-Aktivität zu drängen. Er kam diesen Bitten nach, nähere
Informationen dazu sind leicht im Internet zu finden. Wie bei der Kurzwellenstation Radio Victoria,
legte Roger Wert auf Legalität und mietete Sendezeit bei einem Sender in Lettland, sendete also „via
Relais“. Außerdem war er über Radio Waveshape hörbar. Unser Roger war nun wieder auf den
Geschmack gekommen, er beauftragte eine Webseite mit dem Namen „Radio-Dimensions“ zur
Eigenwerbung und schon im September 2009 (bis Ende Juni 2012) war er für Radio Northsea
International –RNI- ehrenamtlich tätig, sowohl im deutschen wie auch im englischsprachigen Service.
Nach eigener Aussage ging es ihm vorrangig darum, die historische Story der Offshore-Sender im
Detail zu erzählen, solange noch Zeitzeugen existieren. Dies war seine Mission, und er hat sie stolz
erfüllt. Der Höhepunkt seines Lebens war RADIO VICTORIA, die Seesender-Story sein Erbe.
Audio-Mitschnitte von Roger gibt es unter anderem auf
http://fmkompakt.de/cms/website.php?id=/de/index/personalien/roger_kirk.htm
Eine Liste von seltener Musik des Roger Kirk ist in Arbeit und wird gesondert im Web veröffentlicht.
RNI wiederholte viele seiner deutschen Programme und hat angekündigt, dies fortzusetzen. Für einen
Medienpreis 2013 war Roger vorgesehen, der Tod war schneller.
© Copyright by Klaus P. Puth, Offenbach am Main
klaus@puth.org
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