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Medienpädagogik und wer kommuniziert wie mit wem?

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13. Jahrgang • No. 7 • November 10
Schwerpunktthema
Medienpädagogik und
wer kommuniziert wie
mit wem?
www.kjr-m.de
Aktive Internationale
Jugendliste
Highlandgames
Alkohol?!
2
Inhalt
Aktuell
Junge Preisträger für freiwilliges Engagement geehrt
5
ausgezeichnet! 2010
Faszination Casting-Shows
6
Spieglein, Spieglein an der Wand
Jugendübernachtungscamp im Kapuzinerhölzl
9
Rekordjahr für „The Tent“
Stiftung „ANTENNE BAYERN hilft“ unterstützt ABIX
10 7.000 Euro für Mittagstisch
Angebote
Impressum
Ausgabe 7/2010 | erschienen am 15.11.2010
Verleger:
Kreisjugendring München-Stadt
im Bayerischen Jugendring,
Paul-Heyse-Str. 22, 80336 München
Telefon 089 / 51 41 06-10, Fax 089 / 51 41 06-45
E-Mail: info@kjr-m.de, Internet: www.kjr-m.de
Verantwortlich: Tom Rausch, Stellv. Vorsitzender
Redaktion: Angelika Baumgart-Jena (verantwortlich),
Elly Geiger, Michael Graber, Erika Hennig, Claudia Lässig,
Tanja Ludwig, Armin Schroth, Ingrid Zorn. Unterstützung bei
der Themenfindung im Schwerpunktteil Sabrina Braitmayer
(Café Netzwerk) und Wolfgang Haberl (Intermezzo)
Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt
die Meinung des Heraus gebers wieder.
Titelbild: Highlandgames
Buchpräsentation
22 „Deutschland wird dir gefallen“
KJR-Fachtagung am 19.11.2010
23 Kinderarmut im öffentlichen Diskurs
Verwaltung: Jana Beyreuther
Layout: Fa-Ro Marketing, München
Druck: GPP Engelhardt GmbH, München
Auflage: 3.000 Exemplare
Abonnementpreis: Der Bezug ist im Mitgliedsbeitrag enthalten.
Kalender
Spectaculum Mundi
24 14. Festival VOKAL TOTAL
Erscheinungsweise: 8 Ausgaben jährlich
Nächste Ausgabe
Erscheinungsdatum: 15.12.2010
Redaktionsschluss: 22.11.2010
Schwerpunktthema: Inklusion
Gefördert aus Mitteln der
Landeshauptstadt München
Schwerpunkt: Medienpädagogik
und wer kommuniziert wie mit wem?
Die Geschichte der Medienpädagogik
12 Von lebenden Photographien zu virtuellen Welten
Der Begriff Medienpädagogik taucht als solcher erst seit Ende
der 60er Jahre auf. Was heute selbstverständlich anmutet, hat
eine bewegte Geschichte, die unter anderem mit der Entwicklung
und Popularisierung der Medien zusammenhängt.
Von Michael Bloech
Netzwerk für Medienarbeit
13 Netzcheckers
Neue Wege für die Medien- und Jugendarbeit, anwenderorientierte Technik, fachlichen Austausch und Weiterbildung bieten
die Partnerportale von netzcheckers.net.
Online-Hilfe für junge Menschen mit ausgewachsenen Sorgen
18 Offenes Ohr im virtuellen Raum
Onlineberatungsstellen wie die kids-hotline nutzen das Internet, um Kindern und Jugendlichen aus persönlichen Krisen zu
helfen. Von Triz Heider
Jugendliche und ihr Mediengebrauch
19 Zwischen On- und Offline
Für viele der 12- bis 19-Jährigen gehören Medien als fester
Bestandteil zum Alltag und Medien erfüllen vielfältige Funktionen für die alltäglichen Lebensvollzüge. In der öffentlichen
Diskussion erhält die Altersgruppe der Jugendlichen besondere
Aufmerksamkeit, wenn es um ihre Medienaneignung geht.
Von Ulrike Wagner
Soziale Netzwerke für die Jugendarbeit nutzen?
14 Digitale Jugendbildung
Jugendbildungsarbeit im Netz muss neue Wege beschreiten und
sich den veränderten Kommunikationsformen anpassen, will sie
erfolgreich junge Menschen erreichen und nachhaltige Lerneffekte erzielen. Von Daniel Poli
JFF-Studie vorgestellt
16 Persönliche Informationen in aller Öffentlichkeit?
Wie Jugendliche mit persönlichen Informationen in Sozialen
Netzwerkdiensten wie facebook.com oder schuelervz.net umgehen, zeigt die aktuelle Studie des JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis. Von BLM
Neue Medien in der Jugendarbeit
17 Geocaching und Mitmach-Internet
Das Wort „Geocaching“ leitet sich vom griechischen Wort „geo“
für Erde und dem englischen „cache“ für Versteck ab. Unterschied zwischen Geocaching und einer herkömmlichen Schatzsuche ist, dass die Schatzsucher nicht eine Schatzkarte mit einem
markierten Ziel vor sich haben, sondern ein GPS-Gerät und die
Koordinaten des „Schatzes“. Von Michael Turobin-Ort
7|10
KJR-Handreichung
20 Soziale Netzwerke
Es liegt unter anderem in der Verantwortung von Pädagog/
inn/en, Jugendliche bei den Besuchen in sozialen Netzwerken
zu begleiten und über wichtige Aspekte aufzuklären. Das Café
Netzwerk hat daher einen Leitfaden für die verantwortungsvolle
Nutzung von sozialen Netzwerken im Web 2.0 erstellt.
Von Sabrina Braitmayer
Workshop im Intermezzo zum BNE-Thema Geld
21 Gute Software darf umsonst sein
Den meisten Jugendliche sind die Preise, die für Standardsoftware von Microsoft, Adobe und Co. verlangt werden, nicht
bewusst. Im Rahmen vom BNE-Jahresthema Geld haben sich
Jugendliche im Intermezzo in mehreren Gruppenstunden mit
dem Thema auseinandergesetzt. Von Wolfgang Haberl
Kinder und Jugendliche im Web 2.0
21 Der Trend geht klar zu Facebook
Das SIN – Studio im Netz e.V. hat im ersten Halbjahr 2010 eine
Befragung über das „Computer- und Internetverhalten von
Kindern und Jugendlichen“ durchgeführt. Von SIN
3
Aktuell
Aktive Internationale Jugendliste bei der Wahl zum Ausländerbeirat
„Es lohnt sich in jedem Fall!“
Zur Wahl des Ausländerbeirats am 28.
November gibt es ein Novum: Erstmals wird
unter den insgesamt 30 Kandidat/inn/enListen auch die Aktive Internationale Jugendliste zu finden sein. 14 junge Frauen
und Männer zwischen 23 und 39 Jahren
aus Münchner Jugendverbänden – von der
Buchhalterin bis zum Pianisten – bewerben
sich um einen der 40 Plätze im Münchner
Ausländerbeirat.
Seit 30 Jahren bildet der Ausländerbeirat
das Sprachrohr und die demokratisch gewählte Interessenvertretung der weit über
300.000 in München lebenden Ausländer/in-
Mitarbeit im Ausländerbeirat gewinnen.“
Mit der Jugendliste ist ein erster wichtiger
Schritt dazu getan.
Im Gespräch mit fünf der Kandidat/inn/en
wird schnell klar, dass Maria, Parmen, Sükrü
Ufuk, Tinatin und Anna sehr genaue Vorstellungen davon haben, was sie mit ihrer
Arbeit erreichen wollen. Aber selbst wenn
am Wahltag das Ergebnis für den Einzug in
den Ausländerbeirat nicht ausreichen sollte,
haben sich die Anstrengungen gelohnt und
die 14 Aspirant/inn/en haben „ganz nebenbei“ wertvolle Integrationsarbeit geleistet.
Maria Klimovskikh, 34-jährige Politologin
Diskussionen: „Unsere Jugendverbände sind
keine ausgewiesenen politischen Zusammenschlüssen, wie z. B. die Gewerkschaftsjugend
in Deutschland. Wir sind eher im kulturellen
Bereich aktiv. Und die komplizierte Kommunalpolitik macht die Sache ja auch nicht
attraktiver.“
Auf die 14 Kandidat/inn/en wartet in der
Tat eine Vielzahl von Herausforderungen.
Neben konkreten Anliegen an die Stadt sieht
die 26-jährige Studentin Anna Mezin ihre
Aufgaben auf zwei Ebenen. „Einerseits treten
wir an, um den alltäglichen Sorgen und Problemen unserer Mitglieder und aller jungen
ausländischen Mitbürger/innen in München
Gehör zu verschaffen. Ich denke aber auch,
dass wir Jungen insgesamt den Stellenwert
weiter erhöhen können, den Jugend- und
Bildungspolitik in der Landeshauptstadt
haben – auch wenn wir im Stadtrat natürlich
Fünf der 14 Kandidatinnen und Kandidaten der „Aktiven Internationalen Jugendliste“: Maria Klimovskikh, Sükrü (Ufuk) Keser,
Tinatin Cahitinashivili, Parmen Mikadze und Anna Mezin(v.l.n.r.)
nen. Die Anregung dafür, eine solche Liste
erstmals aufzustellen, geht auf eine Initiative des Kreisjugendring München-Stadt
zurück, der die aufgestellten jungen Leute
nun auch inhaltlich berät bzw. bis zur Wahl
und darüber hinaus begleitet. Die Aktive
Internationale Jugendliste – sinnvoll oder
nur jugendpolitische Kosmetik?
Gesucht:
Junge Köpfe mit frischen Ideen
„Sehr sinnvoll und von allen Seiten dringend gewünscht“, erläutert Cumali Naz,
Vorsitzender des Ausländerbeirats. „Unser
Gremium formuliert seit einigen Jahren zwei
wichtige strukturpolitische Forderungen:
mehr Frauen und mehr junge Leute für eine
aus Russland: „In der Phase der Aufstellung
der Liste gab es sowohl innerhalb unserer
eigenen Verbände als auch zwischen den
Verbänden der Migrantenjugendlichen eine
bislang kaum erreichte Intensität der Zusammenarbeit. Wir haben uns oft erstmals
richtig als georgischer, ukrainischer oder
türkischer Jugendverband wahrgenommen;
haben uns über unsere Probleme und Wünsche ausgetauscht. Das allein ist schon eine
wunderbare Erfahrung.“
Trotz aller Euphorie blieb in der Anfangsphase eine große Frage offen: Würden
sich genügend junge Leute finden, die sich
künftig politisch in die Kommunal- und
Ausländerpolitik einmischen wollen? Parmen
Mikadze, 31 Jahre alt und ausgebildeter
Pianist aus Georgien, erinnert sich an lange
Foto: Marko Junghänel
Sind die Info-Flyer schon fertig? Wo dürfen wir in der Stadt Plakate kleben? Wann
muss die Liste der Kandidat/inn/en spätestens bei den Behörden eingereicht
werden? Wie können wir genügend Jugendliche motivieren, zur Wahl zu gehen?
Nur vier von unzähligen Fragen, auf die 14 junge Migrantinnen und Migranten in
diesen Tagen Antworten finden müssen.
kein Stimmrecht haben, sondern nur unterstützend wirken.“
Für sie und alle anderen Inhaber/innen
eines Platzes auf der Aktiven Internationalen
Jugendliste kommt die Kandidatur zu einem
politisch brisanten Zeitpunkt. Zwar haben
sich alle von ihnen lange vor der aktuellen
in weiten Teilen unsachlichen und künstlich
aufgeregten Integrationsdebatte für eine
Kandidatur entschieden, doch „wir wollen
allen zeigen, dass es selbstverständlich eine
junge Generation von fachlich hoch qualifizierten und gesellschaftspolitisch engagierten Menschen gibt, die die unsäglichen
Vorurteile von ‚Integrationsunwilligkeit’ oder
‚kultureller Überfremdung’ widerlegt. Wir
verstehen uns als wichtiger Teil und Brücke
innerhalb des städtischen Gemeinwesens“,
7|10
4
Aktuell
sagt Sükrü Ufuk Keser, 34 und studierter
Pädagoge und Philologe. „Wir wollen aktiv
gestalten!“
Junge Migrantinnen und Migranten
als Bereicherung
Welche konkreten Fragen betrachten
die 14 Kandidat/inn/en als besonders
vordringlich? Der Ausländerbeirat kann
Empfehlungen abgeben und Forderungen
an den Stadtrat stellen. Einige der Probleme aber, die beispielsweise die 28-jährige
Kommunikationswissenschaftlerin Tinatin
aus Georgien formuliert, sind nur bedingt
im kommunalen Rahmen lösbar. So stellt
die Anerkennung ausländischer Schul- und
Studienabschlüsse für viele Migrant/inn/
en eine lange und oft nicht kalkulierbare
Geduldsprobe dar. „Es dauert in der Regel
viele Jahre, bis man endlich weiß, ob und
- wenn ja - was man mit seinem Zeugnis
studieren darf.“ Auch das Wahlrecht ist
für sie ein ganz entscheidender Punkt,
an dem das aufnehmende Land beweisen
könnte, wie ernst es ihm mit einer echten
Integration ist, die auch aktive politische
Mitbestimmung von Menschen mit Migrationsgeschichte umfasst. Aber auch wenn
der Stadtrat in München über solche Fragen
nicht direkt entscheiden kann, ist die Arbeit
des Ausländerbeirats ein kontinuierlicher
Beitrag, um Forderungen an die jeweiligen
politischen Ebenen zu adressieren.
Die Aktive Internationale Jugendliste:
1) Sükrü (Ufuk) Keser, Pädagoge M.A.,
Türkei
2) Maria Klimovskikh, Politologin
M.A., Russland
3) Ali Yalpi, Förderlehrer, Deutschland-Türkei
4) Tinatin Cahitinashivili, Kommunikationswissenschaftlerin B.A.,
Georgien
5) Parmen Mikadze, Pianist, Georgien
6) Anna Mezin, Studentin, Russland
7) George Gogishvili, Versicherungsfachwirt, Georgien
8) Veronika Kobert, Theaterwissenschaftlerin M.A., Kasachstan
9) Niyazi Isik, Kaufmann im Einzelhandel, Türkei
10) Sophio Kuprashvilich, Studentin,
Georgien
11) Musa Hatipoglu, Student, Türkei
12) Marina Roos, Buchhalterin, Ukraine
13) Yasin Pehlivan, Fahrer, Türkei
14) Nadejda Cerven, Studentin, Moldawien
„Na klar – Fragen der Kinderbetreuung oder
Sprachangebote sind Themen, die wir unmittelbar als Mitglieder des Ausländerbeirats mit dem
Stadtrat besprechen werden“, ergänzt Anna.
Und welche Antworten haben Maria und ihre
Mitbewerber/innen in der aktuellen Integrationsdebatte? „Wir werden uns dafür einsetzen,
dass Nationalität nicht mehr automatisch zu
Ausgrenzung führt. Dass Jugendliche, die aus
anderen Ländern kommen, um in München
zu leben, zu lernen und zu arbeiten, nicht
per se als defizitär, sondern als Bereicherung
der städtischen Lebenswelt wahrgenommen
werden. Unsere Generation bringt wertvolle
Qualifikationen mit – nicht zuletzt eine fast
durchgehende Mehrsprachigkeit. Es darf nicht
mehr sein, dass man eine Wohnung z. B. nur
deshalb nicht bekommt, weil man aus Russland
oder Kasachstan kommt.“
Cumali Naz freut sich auf frische Ideen
und junge Gesichter im Ausländerbeirat
und sichert den „Neuen“ uneingeschränkte Unterstützung zu. „Wir brauchen diese
klugen Köpfe, um unser aller Interessen zu
formulieren und durchzusetzen. Und wer
weiß – vielleicht bietet der Ausländerbeirat
ja auch ein Sprungbrett für eine weiter reichende politische Karriere.“
Bis am Wahlabend die letzten Stimmzettel
ausgezählt sind und das Ergebnis feststeht,
liegt noch viel (Mobilisierungs-)Arbeit vor
den 14 Kandidat/inn/en. Wie es sich für
einen echten Wahlkampf gehört, werden Einzelgespräche geführt, Diskussionsveranstaltungen in Jugendverbänden und Freizeitstätten organisiert, die persönlichen Netzwerke
aktiviert und Informationsmaterial verteilt.
Anstrengend – ganz sicher. Aber ein Musterbeispiel für Selbstorganisation, politische
Teilhabe und aktive Interessenvertretung.
Informationen unter
www.aktive-internationale-jugendliste.de
Marko Junghänel
Spitzenleistungen bei spannenden Wettkämpfen
Highlandgames in der Nordheide
Balach math (gälisch): guter Junge, diese Auszeichnung traf auf alle
rund 50 Teilnehmer der diesjährigen
Highlandgames im RIVA NORD an der
Nordheide zu. Bereits zum dritten Mal
hatte der AK Jungen im KJR zur Aktion
eingeladen.
Goldenes Oktoberwetter, lautes Gebrüll
der ausgelassenen Jungs im Alter zwischen
7 und 15 Jahren, Kürbissuppe, Stockbrot und
Spitzenleistungen bei den spannenden Wettkämpfen. „Tossing the caber“, Bogenschießen, „tug-of-war“, „bag battle“ und weitere
Spiele machten die Highlandgames zu einem
stimmungsvollen Gesamterlebnis. Nicht zuletzt die herrliche offene Heidelandschaft
forderte die Jungs heraus, ihre individuellen
Fähigkeiten zu entdecken und zu erproben
und in ungezwungener, aber nicht regelfreier
Atmosphäre ein Zusammengehörigkeits- und
Gemeinschaftsgefühl zu erfahren.
Auch die hervorragende Zusammenarbeit
der KJR-Männer trug dazu bei, dass sich die
kleinen Highlander in ihrer Rolle ernst genommen, aufgehoben und gestärkt fühlten.
Erfreulich war auch die Unterstützung einiger
Väter aus dem Rumfordschlössl, die sichtlich
beeindruckt waren von dem Kampfeswillen
7|10
der Jungs bei dem durchgängig fairen und
engagierten Wettbewerb.
Zum krönenden Abschluss wurden, begleitet von wildem Gegröle, die tollen Ergebnisse
in Form einer eigens entworfenen Urkunde
anerkannt.
Tom Droste, RIVA NORD, KJR
5
Aktuell
Junge Preisträger für freiwilliges Engagement geehrt
ausgezeichnet! 2010
Am Freitag, den 8. Oktober ging es im Feierwerk ganz festlich zu. Zum dritten Mal fand die
Preisverleihung von „ausgezeichnet!“, dem
Münchner Jugendpreis für Engagement, statt.
Der Jugendpreis prämiert seit 2006 Projekte
und Ideen, mit denen Kinder und Jugendliche
sich für ihre Interessen als Jugendliche oder
für andere einsetzen. Etwa 80 Kinder und
Jugendliche kamen diesmal, begleitet von
Pädagog/inn/en, Eltern, Freundinnen und
Freunden ins Orangehaus, um gemeinsam zu
feiern. Bis kurz vor den Sommerferien waren
18 preisverdächtige Projekte eingereicht worden, von Cafe X bis zur Vorleserin, von Regenwaldschützern bis zur Müllpolizei. Die Themen
reichen von der Unterstützung für Senioren
beim Einkaufen zur wieder hergerichteten
Dirtbike-Anlage. Das jugendliche Engagement
war, wie in den Vorjahren, breit gestreut und
einfallsreich. Im Herbst entschied eine Jury,
bestehend aus Münchner Jugendlichen, wer
davon tatsächlich ausgezeichnet werden
sollte. Leicht gefallen ist es nicht, aus den unterschiedlichen Projekten die preiswürdigsten
auszuwählen; eine Diskussion der wichtigsten
Kriterien - etwa wie nachhaltig ein Projekt
wirkt oder ob anderen damit geholfen wird
und auch, ob das Preisgeld wieder investiert
werden kann, weil das Projekt noch weiter
geht - half bei den Entscheidungen.
Die Preisträger/innen 2010 sind:
■ drei Mädchen, die im Quax ein Benefizkonzert organisiert haben: Sie wollen andere
Jugendliche auf die Not von Kindern aufmerksam machen, aktives Helfen ist ihnen
wichtig;
■ Jugendliche vom Multikulturellen Jugendzentrum Westend (KJR), die sich viele Unterstützer gesucht haben und schließlich
ihr eigenes Tonstudio bauen konnten;
■ junge Flüchtlinge, die als Jugendteam
(AWO) anderen jungen Flüchtlingen Hilfestellungen in der neuen und fremden
Umgebung geben;
■ und eben die Schüler/innen der Schülerinitiative München (SIM), die sich mit ihren
Aktionen für ein gerechteres und demokratischeres Bildungssystem einsetzen.
Zwei Anerkennungspreise gingen an
■ junge Flüchtlinge, die sich gegenseitig
unterstützen und dafür einen Raum als
gemeinsamen Treffpunkt organisierten
■ sowie an Merlin, einen neunjährigen
Jungen, der den Erlös von wöchentlichen
Spielzeugverkäufen spendet, um armen
Kindern zu helfen, sein Projekt heißt: „Alle
Kinder sollen lachen“.
Johannes Mathes von der Caritas, Jutta
Koller, Stadträtin von den GRÜNEN, Andreas
Görres von der Werkstatt A 24, Maria Sibe-
nik vom Ausländerbeirat und Karl-Heinz
Hummel vom Stadtjugendamt zollten mit
der Übergabe der Urkunde und der Trophäe
den Jugendlichen Respekt. Die Trophäe,
eine ganz besondere Lampe, wurde eigens
für „ausgezeichnet!“ von Marius von IMAL
(international munich art lab) entworfen.
Andreas Görres, der die Urkunde an Merlin
übergab, war so angetan vom Engagement
des Jungen, dass er ihm einen Gutschein für
ein Fahrrad drauflegte mit dem Kommentar:
„Aber nicht gleich wieder verkaufen“. Durch
den Abend führte der Schauspieler Benedikt
Blaskovic, der viele Fragen an die Preisträger
zu ihrer Motivation und ihren Erfahrungen
hatte. Edite Domingos, eine junge Sängerin,
die dieses Jahr die Regionalausscheidung in
München von „Jugend musiziert“ in der Kategorie Popgesang gewonnen hat, sorgte mit ihrer Darbietung für Stimmung in der Halle. Die
Vorbereitungsgruppe (Renate Grasse, Barbara
Klöver, Klaus Martens, Martina Ortner und
Marion Schäfer) vergab noch einen Extrapreis
an Jutta Koller, die sich seit vielen Jahren für
Partizipation von Kindern und Jugendlichen
einsetzt. Sie war derart überrascht, dass sie
für einen Moment sprachlos auf der Bühne
stand. Die Eltern und Betreuer/innen, die
die jungen Preisträger/innen begleiteten,
waren sichtlich stolz und hatten viel Spaß.
Von der AZ und von der SZ waren Reporter
da, um über die Preisverleihung zu berichten.
Und die drei Mädchen verteilten Flyer, denn
sie haben schon das nächste Benefiz-Konzert
organisiert…
Martina Ortner und Barbara Klöver
Die Namen der jugendlichen Preisträger (v. links nach rechts): Heidary (Heimaten - junge Flüchtlinge unterstützen sich gegenseitig), Hadji (Jugendteam junge Flüchtlinge), Diana Streit (Schülerinitiative München), Vivien Schönberger (Benefizkonzerte für
Kinder in Not), Monchol Sergeler (Tonstudio), Merlin Herborn (Spielzeugverkauf für arme Kinder)
Foto: Severin Vogl
„Diesen Preis übergebe ich gerne. 1972
habe ich selbst einen Schulstreik organisiert, den Verweis, den es dafür gab,
den habe ich heute noch.“ So kommentierte Karl-Heinz Hummel vom Stadtjugendamt seine Preisübergabe an die
SchülerInnen-Initiative München, die
einen Bildungsstreik organisiert hatte
und dafür von ihm den Sonderpreis
„Bildung“ des „ausgezeichnet! 2010“
bekam.
7|10
6
Aktuell
Faszination Casting-Shows
Spieglein, Spieglein an der Wand
Die willkürlichen Anforderungen, die harsche Kritik der Jury bis hin zur öffentlichen
Demütigung, das scheint den Mädchen ein
angemessener Preis für 15 Minuten Berühmtheit und den Traum vom Durchbruch. Als
Pädagoginnen sind wir nicht gerade glücklich
über diese Rollenvorbilder.
Von den jungen Frauen und Mädchen in der
Show wird erwartet, sich an einem scheinbar
allgemein gültigen, aber dennoch völlig
fremdbestimmten Ideal zu messen. Dieses
Ideal ist so konstruiert und unnatürlich, dass
sich im Vergleich dazu nahezu jedes Mädchen
als unzulänglich empfinden muss.
Der Körper wird zum Objekt
Während aber einerseits das Ideal unerreichbar ist, wird andererseits suggeriert,
dass durch konsequente Arbeit am Körper
und gegen sich selbst die Defizite überwunden werden können. Diese Selbstoptimierung
wird zum Auftrag, die Methoden reichen von
Diät, Fitnessprogrammen bis hin zu Schönheitsoperationen.
Der Körper wird zum Objekt, der bewirtschaftet wird, um zu gefallen. Er muss bearbeitet und geändert werden, um ihn in die
richtige Form zu bringen. Er ist nicht etwas
Schützenswertes, sondern nur Ausgangsmaterial, an das auch andere Hand anlegen
– Fitness-Trainer, Stylisten, Chirurgen.
Jetzt kommen die Mädchen in den Gie-
Foto: Giesinger Mädchen-Treff
Junge Mädchen sind fasziniert von der
Casting-Show „Germany’s Next Topmodel“. Die Teilnehmerinnen dienen
als Identifikationsfiguren, die stellvertretend eine Chance in der Welt des
Glamour, des Geldes und des Erfolgs
bekommen haben.
singer Mädchen-Treff und wollen bei uns
Topmodel spielen – mit strenger Bewertung
und Ausscheiden.
Germany’s Next Topmodel
mit neuen Regeln
Natürlich verstehen wir die Lust der Mädchen am Verkleiden, am sich Präsentieren,
an der Rückmeldung, die sie dafür erhalten.
Um die Show an unsere pädagogischen Ziele
anzupassen, ändern wir die Spielregeln: Weg
mit dem gegeneinander Ausspielen, weg mit
den Tränen, dem Ausscheiden, dem Unterwerfen unter fremde Ideen. Die Mottos werden
gemeinsam überlegt und reichen von Hawaii,
Abendgarderobe, Disco, Geschäftsfrau, alte
Omas, Putzfrauen bis zur Pyjama-Party.
Die Kriterien für die Bewertung werden
vorher ausgemacht und nachher besprochen, dazu gehört z.B. Blickkontakt mit
dem Publikum aufnehmen, sich Zeit lassen
beim Vorzeigen, Originalität des Outfits. Und
natürlich können alle Mädchen ihre Meinung
äußern. Bei der Bewertung werden bei jeder
die positiven Aspekte hervorgehoben, aber
auch Tipps für eine noch bessere Präsentation
gegeben.
Damit fördern wir ein selbstbewusstes
Auftreten, den gemeinsamen Spaß an dem
Spiel und die positive Auseinandersetzung
mit Anforderungen. Wichtig ist uns, dass
keine ausscheidet und sich dann abgewertet fühlt, sondern wirklich alle mitspielen
können und das Ganze lustvoll und ohne
Versagensangst erleben.
So macht dann Topmodel allen Beteiligten
Spaß, schließlich geht’s um die Mädchen und
nicht um die Quote.
Angelika Schreiber
Giesinger Mädchen-Treff
Medienarbeit im Kinder- und Jugendraum RIVA NORD
Sich in der Musik wiederfinden und gestalten
„Die RIVA DIVAs – das sind sechs motivierte Sängerinnen mit einer besonderen
Aura und einer glanzvollen Ausstrahlung, die sich leidenschaftlich für Ihren
Bandworkshop interessieren! Wir sind
zwischen 13 und 15 Jahre alt, besuchen
unterschiedliche Schulen und haben
verschiedene kulturelle und sprachliche
Hintergründe, die auch in unsere selbst
geschriebenen Stücke einfließen. Um unseren individuellen ‚Style’ und Ausdruck
weiterzuentwickeln, wäre Ihr Workshop
genau das Richtige für uns…“
Mit diesen Zeilen, aktuellen Fotos und einer
Demo-CD bewarben sich sechs Besucherinnen
7|10
des RIVA NORD für einen Bandworkshop der
Villa Stuck. Im Rahmen der popkulturellen
Ausstellung „343 m/s“ des jungen Berliner
Künstlers Cris Koch hatten sie und drei weitere Münchner Nachwuchsbands dann die
Gelegenheit, an der „Visualität ihrer Musik“
zu arbeiten. In einer Siebdruckwerkstatt
fertigten die Jugendlichen gemeinsam mit
dem Künstler ein Logo, T-Shirts und weitere
Merchandising-Produkte an. Eine Münchner
Fotografin unterstützte die Gruppen bei
einem professionellen Fotoshooting und ein
Media-Team gab Anleitungen zum VideoDreh. Der ehemalige Leiter des Pop- und
Rockzentrums Oberbayern, Tobias Helmlinger, vermittelte darüber hinaus Wissen zu den
Themen Selbstvermarktung, Eigenvertrieb
und Online-Promotion.
Krönender Abschluss für die RIVA DIVAs
– die „Küken“ unter den Gewinnerbands
– war ein Auftritt im Rahmen der Finissage.
Erstmals hatten sie dabei die Möglichkeit,
sich und ihre erarbeiteten Medien vor großem
Publikum, Freunden, Freundinnen und den
zahlreich erschienenen Familienmitgliedern
zu präsentieren.
Bei „Kids on stage“, der Auftaktveranstaltung des Kinder-Kultur-Sommers und einem
Bewohnerfest in ihrem Stadtviertel sammelten
sie weitere Erfahrungen in Sachen Außenwirkung und Bühnenpräsenz. Neben viel Anerkennung erfuhren sie auch Kritik und lernten,
Aktuell
diese gemeinschaftlich zu bewältigen – daraus
entwickelten sich neue Ideen und Chancen.
Im neuen Schuljahr, wurde die Gruppe durch
neue Sängerinnen und Rapper aus dem Viertel
erweitert. „RIVA DIVAs & the BRUs“ soll die
Formation heißen, die gerade ihr neues Popund HipHop-Repertoire entwickelt.
Die Musik dient den Mädchen und Jungen
als Ausdrucksmittel und gibt so viel über
ihre Lebenswelt, Bewältigungsmuster und
Einstellungen preis. Gemeinschaftserlebnisse
werden gefördert und der Zusammenhalt
gefestigt. Sie ist ein wichtiges Ventil für
das Ausleben von emotionalen Spannungen
– Texte bzw. erste Vorlagen der „DIVAs“ gleichen meistens Tagebucheinträgen, in denen
beispielsweise Probleme dargestellt werden,
die ihre unmittelbare Lebenssituation und
Interessen kennzeichnen – dazu gehören
vor allem Themen, die mit Liebe und Freundschaft zu tun haben.
Sich selbst (in der Musik) wiederfinden,
mit Gleichaltrigen experimentieren, Erfahrungen und Ideen austauschen und (durch
Musik) gestalten können – das sind zentrale
Bedürfnisse Jugendlicher, die auch im Medienprojekt „3x meine Welt“ eine zentrale
Rolle einnahmen. Im Rahmen der diesjährigen „KIDS“-Woche der Hauptschule an der
Bernaysstraße konnte die Projektgruppe im
RIVA NORD eine einstündige Radiosendung
erarbeiten und einen Song zum Thema „meine
Welt“ produzieren.
Als Reporter/innen zogen die Schüler/innen los, um Interviews zu machen. Sie befrag-
ten Jung und Alt nach Erfahrungen in deren
Schul- und Freizeit und nach ihrem Umgang
mit (neuen) Medien, interviewten sich gegenseitig und luden die Münchner Stadträtin
Jutta Koller ein, um mehr über ihren Einsatz
und ihre Ideen zum Thema „Jugendliche
in München“ zu erfahren. Aus einem Song
wurden „3x meine Welt“- Part I und II, die
getextet, eingesungen und gerappt wurden.
Mit dem gesamten Sendematerial wurden die
Titel dann im „Störfunk“-Studio des Medienzentrum München bearbeitet. Elke Michaelis
des AKF M 94,5 und ihre Mitarbeiter/innen
standen uns für dieses Projekt die gesamte
7
Woche, bis zur letzten Moderation „on air“,
zur Verfügung.
Und obwohl es beim Einsatz von Medien und medienpädagogischen Methoden
vordergründig um den Lernprozess, die zu
erwerbenden Kompetenzen und Raum für Erfolgserlebnisse geht, lassen sich hier auch die
Ergebnisse gut vorzeigen. Hör- und Anschauungs-Material gibt es auf www.stoerfunk.info
(➔M94.5 Podcast) / www.rivanord.de / www.
villastuck-blog.de (➔Tags: Riva Divas).
Steffi Dimter,
RIVA NORD, KJR
Die DIVAs nehmen einen Song auf.
Einladung des „Weißblauen Bumerang“
50 Kinder auf der Wiesn
Auf Einladung des „Weißblauen Bumerang“ konnten Kinder aus den KJREinrichtungen Kindertreff AKKU, Kinder- und Jugendtreff frei.raum und
’s Dülfer sowie von der Tanzgruppe
„Freudentanz“ aus der Unterkunftsanlage am Rosa-Luxemburg-Platz und
der heilpädagogischen Tagesstätte an
der Klenzestraße einen aufregenden
Nachmittag auf der Wiesn verbringen.
Nach der Begrüßung durch Erwin Ritthaler
vom „Weißblauer Bumerang“, verwöhnte
die Familie Brenner aus der „Hühner- und
Wurstbraterei Heinz“ die 50 kleinen Gäste mit
Limo, Hendl und Pommes Frites. Den Service
übernahm dabei die Landtagsabgeordnete
Diana Stachowitz. Frisch gestärkt ging’s dann
los: Ausgestattet mit einem hoch gehaltenen
Regenschirm mit bayerischen Motiven, der der
Kindergruppe als Wegweiser diente, führten
Sponsoren des „Weißblauen Bumerang“ sowie
Erwin und Luise Ritthaler die Gruppe zu den
verschiedenen Schaustellerbetrieben. Mit von
der Partie: Bezirksrat Dr. Rainer Großmann, der
die „Danke-Wiesn-Herzl“ für die Sponsoren
von einem Fahrgeschäft zum anderen trug.
Erste Station war das „Riesenrad“ der Willenborg GmbH, das einen grandiosen Blick
über das Oktoberfestgelände und die Stadt
ermöglichte. Danach ging es zur Familie Feldl
und deren „Teufelsrad“. Hier sitzt man auf
einer sich drehenden Scheibe und versucht,
nicht herunterzufallen. Große Gaudi kam auf,
als auch die Betreuer/innen auf das „Teufelsrad“ zitiert wurden und ihre Geschicklichkeit beweisen mussten. In der Geisterbahn
„Schocker“ der Familie Eckl mit lebenden
Geistern wurde es so richtig gruselig. Für
alle, die es etwas temporeicher wollten, war
die „Zugspitzbahn“ (auch Familie Eckl) bestens geeignet. Anschließend verschwanden
alle Kinder im „Omni“, einer Art Irrgarten
der Schausteller Willy und Andrea Kinzler.
Am Stand der Familie Geier, die schon seit
vielen Jahren den „Weißblauen Bumerang“
unterstützt, gab es für alle leckere gebrannte
Mandeln – übrigens die besten auf der ganzen
Wiesn, Popcorn oder Zuckerwatte.
Ein solch erlebnisreicher Rundgang auf
dem Oktoberfest ist für Kinder aus benachteiligten Familien eher eine Ausnahme. Der
„Weißblauen Bumerang“ schafft es durch
sein großartiges Engagement immer wieder,
Kindern mit solchen Aktionen eine Freude
zu machen.
Der „Weißblaue Bumerang“ (www.weissblauer-bumerang.de) hat das Ziel, Kinderund Jugendarmut in München bekanntzumachen und durch verschiedene Aktivitäten
den betroffenen Kindern ein bisschen Freude
und Spaß zu bringen.
Ein herzliches Dankeschön an den „Weißblauen Bumerang“ und die Sponsoren, die
den Kindern diesen schönen Nachmittag
ermöglichten.
Ulrike Hämmerle,
KJT ’s Dülfer, KJR
7|10
8
Aktuell
Klima- und Lebensstilprojekt zur Bildung für eine nachhaltige Entwicklung
Rund ums Geld in der Welt
„Kann ich wieder die Kasse machen?“,
fragt Alina, 10 Jahre. Sie würde gerne
wieder die Auszahlungen in der Bank
des Kinderhauses übernehmen. Die
Kinderhausbank ist das Herzstück des
Angebots im offenen Nachmittagsprogramm des Projekts „Rund ums Geld in
der Welt“.
Hier werden Begrüßungsgeld und Löhne
ausgezahlt, die Konten geführt und das Kinderhaus-Geld, die „Hartis“ hergestellt. Ehe Alina
die Aufgabe der Kassiererin übernahm, hat sie
erfolgreich die Banklehreprüfung bestanden.
Für ihre Arbeit als Kassiererin in der Kinderhausbank erhält sie einen Harti in der Viertelstunde. Den gleichen Lohn erhalten die Kinder,
die in den anderen Bereichen des offenen
Nachmittagsprogramms arbeiten. Neben der
Bank gibt es die Werkstatt, den Kinderhauskiosk und die Theatergruppe. Mit den verdienten
Hartis können sie sich am Kinderhauskiosk
mit dem von den Köch/inn/en zubereiteten
Essen versorgen. Außerdem können sie damit
auf dem großen Markt beim Abschlussfest die
an den Projektnachmittagen in der Werkstatt
hergestellten Produkte kaufen.
Zu Beginn jedes Projektnachmittags erfahren Kinder durch eine Geschichte vom
Handel mit verschiedenen Produkten wie
Fußball, Kakao oder Banane. So erzählt eine
Geschichte von dem Mädchen Razia, das in
Pakistan nach der Schule Fußbälle näht. Die
anderen Geschichten handeln von dem Mädchen Marianna aus Bolivien, das ihren Eltern
beim Kakaoanbau hilft, oder von Lalo mit
seinem Hund Chipi auf einer Bananenplantage, dem Teppichweber Farooq aus Pakistan
oder von der Müllsammlerin Sunita aus Delhi.
Die Theatergruppe - das sind die Kinder, die
sich am jeweiligen Nachmittag fürs Theaterspielen entschieden haben - entwickelt aus
der Geschichte dann ein Theaterstück, das
am Ende des Nachmittags für alle aufgeführt
wird. Während sich die Schauspieler/innen
im Theater für den ganzen Nachmittag festle-
gen, kann zwischen den Arbeitsfeldern Bank,
Werkstatt und Kiosk gewechselt werden. Auf
Lohnzetteln wird eingetragen, wie lange
sie in welchem Bereich gearbeitet haben.
Jeden Nachmittag entscheiden die Kinder
neu, wo sie wie lange arbeiten und ob sie die
verdienten Hartis ausgeben oder sparen. In
der Werkstatt werden verschiedene Produkte
KJR goes Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) sind neue,
wichtige Zukunftsaufgaben für den
KJR, denen er sich verstärkt zuwenden
wird. Im K3 werden wir regelmäßig
über Erfahrungen und Ideen zum Thema Nachhaltigkeit/BNE berichten.
hergestellt. So werden Körbe aus Peddigrohr
geflochten, Makarapas - das sind Fußballfanmützen aus Südafrika - und Juwala-Bälle
gebastelt. Juwala-Bälle werden von Kindern
in Kenia zum Fußballspielen aus Zeitungspapier, Plastiktüten und Schnur angefertigt.
Außerdem wurden ein Flickenteppich gewebt
und Geldbeutel aus Tetrapacks sowie Ketten
aus Papierperlen produziert.
Das Kooperationsprojekt von Kinderhaus
Harthof und Ökoprojekt - MobilSpiel e.V. wurde
im Rahmen der Kampagne Wertvollerleben
im Sinne einer Lernpartnerschaft Zukunft
im Kinderhaus Harthof mit etwa 300 Kindern
als offenes Nachmittagsprogramm und als
Schulklassenprogramm durchgeführt. An
den fünf offenen Projektnachmittagen ging
es um die Themen Geld und um den Handel
mit verschiedenen Produkten. Klimawandel
und Klimaschutz waren die Schwerpunkte im
Schulklassenprogramm.
Im Schulklassenprogramm, an dem Schüler/innen der dritten Klassen der Hugo-WolfGrundschule teilnahmen, wurde altersgerecht
aufbereitetes Wissen zum Klimawandel vermittelt. Die Schüler/innen teilten sich in
drei Gruppen auf. Eine Gruppe erforschte als
„Klimaforscher“ das Wetter und gestaltete
ein Plakat mit Klimaschutztipps. Eine Gruppe entwickelte ein kleines Theaterstück mit
klimafreundlichen Ideen. Die dritte Gruppe
beschäftigte sich mit klimafreundlicher Ernährung. Am Ende der Projektvormittage
stellten sich die Gruppen gegenseitig ihre
Ergebnisse vor und ließen sich den von den
„Ernährungsexpert/inn/en“ zubereiteten
Snack „Ofenkartoffel mit Kräutern und Blüten“ schmecken.
Zum Abschluss des Projekts wurde gemeinsam mit den Eltern ein großes Abschlussfest
gefeiert. Bei verschiedenen Stationen mit
Bank, Papiertüten- und Papierperlenproduktion, Weben, Buffetzubereitung im Kinderhauskiosk und einem Quizbüro konnten noch
einmal Hartis verdient werden. Dann wurde
der Markt mit allen an den Projektnachmittagen hergestellten Produkten eröffnet und
nun konnten die verdienten und gesparten
Hartis ausgegeben werden.
Gabriele Hafner, Kinderhaus Harthof, KJR
7|10
Aktuell
9
Jugendübernachtungscamp im Kapuzinerhölzl
Rekordjahr für „The Tent“
Mit 30.515 Übernachtungen in der Saison 2010 - von 10. Juni bis 5. Oktober
- kann das Jugendübernachtungscamp
im Kapuzinerhölzl „The Tent“ auf ein
Rekordjahr zurückblicken. Die Spitzenübernachtungszahl lag bei 775 am
mittleren Wiesnwochenende.
Die insgesamt 12.459 Gäste verweilten
durchschnittlich 2,45 Nächte. Im „Ranking der Nationen“ belegten wie im Vorjahr
Deutschland, USA und Großbritannien die
ersten drei Plätze, gefolgt von Kanada, Irland
und Australien.
*Glöbel: 26.08.2010:
Sooooo Toll :)
Sind leider heute abgereist. Es war soo toll
bei euch :) überlegen uns, ob wir nicht
nächste Woche gleich nochmal kommen,
weil es so toll bei euch war ;) bis nöchste
Woche vielleicht :)
„The Tent“ wurde anlässlich der Olympischen Spiele 1972 erstmals für junge
Reisende aus aller Welt geöffnet. Als Jugendschutzmaßnahme gedacht, bietet „The
Tent“ im geschützten Rahmen ein einfaches
Nachtquartier zum Wohlfühlen. Träger ist
seit 1976 der Kreisjugendring MünchenStadt. Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang die Erweiterung der Anlage
mit einem Campingplatz (1998), da allein
*Katarina, Slovenia: 15.08.2010:
The best place in the world!
I loved the Tent so much... I wish I would
never have to leave... evrybody is so
friendly there and I was having the time
of my life. I will defenetly come back as
soon as possible!
Edith Nemeth und Olaf Schäfer, das langjährige Leitungsteam des „Tent“, freuen sich
über die neuen Großzelte.
*Harry and Sue Amey: 05.10.2010:
Thankyou
So, so, so impressed with your setup.
Our first time staying with you. Extremly
clean, well run with friendly, informative
staff; organised; safe; quality food and
very cheap. We will always remember our
last evening around the fire. The laughs
we had with all the new people we met.
The Tent leads the way, others can only
follow - our sincere thanks to all management and staff
reisende Minderjährige auf den städtischen
Campingplätzen nicht aufgenommen werden
dürfen. Seit 2004 gibt es einen Sanitärbau
mit ausreichend Duschen, einer Waschküche
und einer Gästeküche, wo sich jeder selbst
etwas zubereiten kann. Es gibt aber auch
Verpflegung durch das Team des Jugendcamps: Frühstück und Abendessen und fast
jederzeit Obst und Snacks, z.B. leckere Toasts,
- alles zu günstigen Preisen in guter Qualität. Eine neue Terrasse vor der Cafeteria und
viele Pflanzen schaffen eine chillige, grüne
Atmosphäre.
Zwei neue Großzelte mit schönem Holzboden wurden dieses Jahr angeschafft, eines
mit Betten-, das andere mit Bodenschlafplätzen.
*Pascal Gommans: 15.08.2010 :
Hallo!
Danke für ihre gute service! und wir wünsche ihr alles gutes. viele grüsse,
Festband Zak toch in de prei aus Holland
* Kommentare aus dem Online-Gästebuch
7|10
10
Aktuell
Stiftung „ANTENNE BAYERN hilft“ unterstützt ABIX
7.000 Euro für Mittagstisch
„Ich finde es großartig, dass es den Mittagstisch für bedürftige Kinder auf dem
Abenteuerspielplatz Hasenbergl gibt. Hier
können die Kinder zusammen mit Pädagogen
kochen. Was es zu essen gibt, entscheiden die
Kinder selbst. Dann wird zusammen gegessen, sich unterhalten und diskutiert, das ist
leider genau das, was vielen dieser Kinder in
sozialen Brennpunkten zuhause fehlt – und
dies mitten in München“, so Felicitas Hönes,
Geschäftsführerin der Stiftung „ANTENNE
BAYERN hilft“, bei der Scheckübergabe.
Die Stiftung unterstützt das ganze Jahr
über Menschen, die unverschuldet in Not
geraten sind und dringend Hilfe benötigen
(vorrangig und überwiegend in Bayern). Ein
Unfall, eine Krankheit, eine Behinderung
oder anderweitige Umstände, welche der
Felicitas Hönes von „ANTENNE BAYERN hilft“ und ABIX-Mitarbeiter Christian Fichtl
mit Besucher/inne/n des ABIX.
Betroffene nicht zu verantworten hat – von
einer Sekunde auf die nächste kann sich
das Leben ändern und nicht immer fängt
das soziale Netz Menschen in solchen Notlagen umfassend auf. Hier greift „ANTENNE
Foto: ABIX
Die Geschäftsführerin der Stiftung
„ANTENNE BAYERN hilft“ übergab am
23. September einen Scheck über 7.000
Euro an Christian Fichtl vom ABIX
für den Mittagstisch für bedürftige
Kinder. Die Stiftung unterstützt den
Abenteuerspielplatz Hasenbergl, kurz
ABIX, seit vielen Jahren, mit bislang
insgesamt 48.000 Euro.
BAYERN hilft“ unbürokratisch und effizient
ein und fördert darüber hinaus ausgewählte
Projekte sozialer Organisationen, um deren
wertvolle Arbeit zu unterstützen und aufrechtzuerhalten.
4. Münchner Jugendgesundheitstag
Zwischen Rauschparcours
und Kondomführerschein
Zum Jugendgesundheitstag wurden besonders interessante Ideen zur Gesundheitsförderung von und mit Jugendlichen
ausgezeichnet.
Als Anerkennung für ihr Engagement und
zur Unterstützung weiterer Schritte überreichte die Jury (Uschi Haag vom Referat für
Gesundheit und Umwelt, Sibylle Brendelberger, Münchner Kinder- und Jugendforum und
Stadtrat Klaus-Peter Rupp) den Akteuren
der gelungensten Projekte drei symbolische
Schecks über je 250 Euro. Über den Preis
freuen sich die Schüler/innen der Hauptschule an der Walliser Straße für ihre Aktion
Obsttage an der Schule, die Teilnehmenden
des Projekts gems – gut essen – mehr Sport
der Städtischen Ludwig-Thoma-Realschule
sowie die Mädchen vom Giesinger MädchenTreff mit ihrer ambitionierten Gestaltung
7|10
„Sport am Fass“ hieß das Angebot des 103er. Das ungewöhnliche Sportgerät sorgte
für eine Menge Spaß.
eines selbst erprobten und entwickelten
Kochbuchs „Cook mal! lecker und gesund“.
So können nun beispielsweise an der Walliser Hauptschule Schüsseln angeschafft
werden, damit die Lehrkräfte nicht mehr
ihren eigenen Haushalt plündern müssen.
Die Schüler/innen der Städtischen LudwigThoma-Realschule haben kurzerhand BioSpitzenkoch Alfred Fahr, dessen Kochstudio
am Jugendgesundheitstag sie begeisterte,
Foto: 103er
Man darf sich nur nicht entmutigen
lassen. Regelmäßiges Obstbuffet an
der Schule – das kann gelingen, wenn
man eine Apotheke einspannt, den
türkischen Generalkonsul mit ins Boot
holt und die Beziehungen zur Großmarkthalle spielen lässt...
Aktuell
gefragt, ob er auch einmal zu ihnen käme,
um ihnen Kniffe und Tricks zu zeigen und
weitere Anregungen zu geben. „Und er hat
schon ja gesagt!“, jubelten sie.
Rund 30 Klassen und Gruppen aus über zehn
Münchner Schulen und Jugendeinrichtungen
haben am 4. Münchner Jugendgesundheitstag in der Hauptschule an der Perlacher Straße teilgenommen. An der Flockenquetsche
haben sie ihr Müsli selbst zusammengestellt
und mit dem Bio-Spitzenkoch Salat-Wraps
und gebratene Nudeln zubereitet. Auf der
Slackline oder dem Snakeboard konnten sie
ihre Balance erproben, im 3-D-Flieger sich
in allen Richtungen überschlagen. Mit dabei
war auch das 103er mit „Sport am Fass“,
einem spielerischen Aktivprogramm. Bei
einem Fass-Zweikampf mit den Disziplinen
Heben und Rollen hatten die Jugendlichen
die Möglichkeit, körperliche Geschicklichkeit
und Ausdauer zu testen.
Trotz herbstlicher Kälte und zeitweise
Nieselregen stellten sich 78 Schüler/innen
den doch etwas ungewöhnlichen Herausforderungen. Dabei wurden dann nicht nur
innerhalb der Fass-Zweikampf-Fachwelt
11
sehr beachtete Ergebnisse erzielt, sondern
vor allem auch eine Menge ganz persönliche
Ängste des Scheiterns überwunden.
Dass „Gesundheit“ gar keine trockene
Angelegenheit ist, dafür standen nicht nur
selbst gepresste Frucht-Cocktails sowie die
Auseinandersetzung mit dem Thema Trendgetränke. Viele der mehr als 500 jungen Leute
kamen bei den Aktivangeboten auch ganz
schön ins Schwitzen.
Katrin Pischetsrieder,
Kultur & Spielraum e.V.
Broschüre von Jugendlichen für Jugendliche
Alkohol?!
Die Besucherinnen und Besucher des
Jugendtreffs Au entwarfen eine eigene
Aufklärungsbroschüre zum Thema Alkohol – mit erstaunlich großem Erfolg…
Nachdem Jugend & Alkohol ein Dauerbrenner in den Medien ist, wollten wir dieses
Thema präventiv aufgreifen. Also bestellten
wir sämtliche kostenlos erhältlichen Infomaterialien und Aufklärungsbroschüren, legten
sie aus und ...
Ja, so einfach ist das wohl doch nicht. Es
herrschte allgemeines Desinteresse. Woran
lag das? Ist es die allgemeine Lesefaulheit,
gibt es keinen Bedarf, wissen die Jugendlichen etwa schon alles? Jasmin, 15 Jahre,
bringt es auf den Punkt: „Die Broschüren
sind langweilig, keine Bilder, viel zu viel
Text, den kein Mensch versteht, und super
schwere Erklärungen.“
So entstand schnell die Idee einer eigenen
Alkoholbroschüre. Knallbunt, in der Sprache
der Zielgruppe, provozierend und gleichzeitig
witzig sollte sie sein. In Kleingruppen wurden
fleißig die gewählten Themen (jetzt doch) in
den Broschüren und im Internet recherchiert,
in die eigene „Sprache“ übersetzt, Bilder und
Comics gemalt, Fotos geschossen und andere
Jugendliche interviewt.
„Ich dachte eigentlich immer, dass ich alles
über Alkohol weiß. Bin ja auch schon einiges
gewohnt“, so Andi, 16 Jahre. „Aber ich hab’
echt viel gelernt bei dem Workshop. Dass
ein Blackout schon eine Alkoholvergiftung
ist, zum Beispiel“. Auch Steffi, 14 Jahre,
war überrascht:„Ich wusste nicht, dass jemand, der irgendwann betrunken aufgefallen
ist, eventuell eine ärztliche Bescheinigung
braucht, um den Führerschein machen zu
können.“
Nach dem Druck wurde die Broschüre
ausgelegt und während des offenen Treffs
immer wieder zum Anlass für Gespräche
und Diskussionen genommen. „Zunächst
dachten wir, dass die Broschüre für unsere
Besucher/innen erstmal interessant ist, weil
sie die Autoren kennen“, so Nadja Maslik,
Berufspraktikantin und Initiatorin des Projekts. „Als jedoch auch Jugendliche aus Lerngruppen, die nichts mit dem offenen Treff zu
tun haben, sich die Broschüre ansahen und
mitnahmen, wurde uns klar, dass das Konzept
tatsächlich funktioniert!“
Inzwischen gab es schon Anfragen aus anderen Einrichtungen und Schulen des Stadtteils sowie der aufsuchenden Jugendarbeit.
Das JIZ stellte ein PDF zum Runterladen auf
seine Homepage. Diese Veröffentlichung und
ein Artikel auf der Titelseite des Münchner
Wochenblatts weckte weiteres Interesse.
„Eine Selbsthilfegruppe und weitere Institutionen haben schon Broschüren vorbestellt.
Sogar nach Bad Aibling in eine Schule sollen
wir Exemplare schicken. Wir müssen jetzt
schon zum dritten Mal nachdrucken“, sagt
Nicole Syr, pädagogische Mitarbeiterin des
Jugendtreffs Au. „Die Broschüre geht weg
wie warme Semmeln“, erklärt sie stolz.
Dieses Projekt zeigte, dass präventive
Interventionsversuche durch Peer-Groups
sehr erfolgversprechend sein können und
eine wichtige Rolle in der Präventionsarbeit
spielen. Durch das Gewinnen der Peer-Leaders für das präventive Anliegen und die
aktive Einbindung in die Präventionsarbeit
gelang es, eine ungewohnt hohe Aufmerk-
samkeit der Zielgruppe zu erreichen. Diese
partizipatorische Kraft sollte noch viel
häufiger in der pädagogischen Arbeit genutzt
werden. Die Broschüre ist erhältlich unter
www.infomaniax.de oder als Einzelexemplar
im Jugendtreff Au.
Nicole Syr, Jugendtreff Au, KJR
Besucherinnen des JT Au recherchieren für die Alkoholbroschüre.
7|10
Medienpädagogik und wer kommuniziert wie mit wem?
Foto: PhotoDisc
12
Die Geschichte der Medienpädagogik
Von lebenden Photographien
zu virtuellen Welten
Der Begriff Medienpädagogik, der heute alltäglicher Bestandteil pädagogischen
Handelns ist, taucht als solcher erst seit Ende der 60er Jahre auf. Was heute
selbstverständlich anmutet, hat eine bewegte Geschichte, die unter anderem
mit der Entwicklung und Popularisierung der Medien zusammenhängt.
Die zwei Hauptdimensionen des Begriffs
sind einerseits die wissenschaftliche Frage
nach dem theoretischen Zusammenhang
von Medien und Menschen - die Mediensozialisation - und andererseits das Praxisfeld - der konkrete Umgang von Menschen
mit Medien, ihr Medienhandeln. Aktuelle
Definitionsversuche gibt es viele, aber
meist wird der Begriff alltagstheoretisch
verwendet, es wird von einem allgemeinen,
unhinterfragten Konsens ausgegangen.
Wird dennoch eine Definition versucht,
bleibt diese notwendigerweise abstrakt wie
aktuell bei Jürgen Hüther: „Medienpädagogik umfasst alle Fragen von pädagogischer
Bedeutung, die Medien in den Nutzungsbereichen Freizeit, Bildung und Beruf haben.“
(in Schorb/Anfang/Demmler: Grundbegriffe
Medienpädagogik Praxis, kopäd 2010).
Weiter konzentriert sich Hüther auf den
Begriff der Mediensozialisation. Um sich
nicht weiter im Dschungel von Definitionen
zu verstricken, wird im Folgenden versucht,
die theoretischen und pädagogischen Entwicklungen auf die medialen Veränderungen
der jeweiligen Zeit zu beziehen.
Bewahrpädagogik und
Medienempfehlungen
Historisch betrachtet hat es jeweils bei der
Einführung und dem Siegeszug eines neuen
Mediums schon nach kurzer Zeit Warnungen
7|10
und Vorbehalte gegeben. Bei Einführung des
Films mahnten zu Beginn vorigen Jahrhunderts besorgte Eltern und Lehrkräfte vor
dessen schädlicher Wirkung. So formulierte
1907 der hamburgische Lehrerverband: „Da
zur Zeit viele kinematographische Bilder
(lebende Photographien) in ihrer Ausführung mangelhaft sind, das Häßliche, Verbildende und sittlich Gefährdende in ihnen
überwiegt und viele Theaterräume billigen
Anforderungen der Hygiene nicht genügen,
halten wir den Besuch der Theater lebender
Photographien für Kinder für gefährlich.
Dem Besuch von Vorführungen dieser Art hat
die Schule erziehlich entgegenzuwirken.“
(C.H. Dannmeyer 1907, S. 38, zitiert nach
Peter Meyer: Medienpädagogik. Entwicklung
und Perspektiven Königstein/ Ts.: Hain S.
23 (1978)) Schon bei diesem Beispiel wird
deutlich, dass Medienpädagogik nicht eine
Unterdisziplin der Pädagogik darstellen
kann, sondern dass es sich um ein interdisziplinäres Gebiet handeln muss, bei dem
unter anderem Kommunikationstheorie, Soziologie und Psychologie ebenfalls zentrale
Rollen spielen.
Besorgnis bildete auch später die Basis für
bewahrpädagogisches Handeln. Bald darauf
wurde dies ergänzt durch Medienempfehlungen, um Heranwachsenden den Weg zu
wertvollen Medienprodukten zu weisen. Der
Begriff Medienpädagogik war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht „entdeckt“, dennoch
kann dies retrospektiv als medienpädagogisches Handeln interpretiert werden.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde sehr großer
Wert auf eine Demokratisierung der Gesellschaft gelegt, um eine nochmalige Gleichschaltung der Medien zu unterbinden. Gleichzeitig entstand der Wunsch nach visueller
Unterhaltung, was den Erfolg des deutschen
Heimatfilms, aber auch des amerikanischen
Kinofilms begünstigte. Zusätzlich gewannen
vor allem bei Kindern und Jugendlichen
Comic-Hefte an Popularität. Pädagogisch betrachtet entfachte das, was im Kino lief oder
am Kiosk feilgeboten wurde, jugendschützerisch geprägte Diskussionen. Die Western und
auch die Heldencomics wurden zum hitzigen
Streitobjekt. Höhepunkt bildete allerdings
die Auseinandersetzung um nackte Haut: Der
Film „die Sünderin“, in dem zum ersten Mal
im traditionellen Kino eine unbekleidete Frau
gezeigt wurde, war nicht nur ein fulminanter
Kassenerfolg, sondern rief auch Jugendschützer und Kirchenvertreter auf den Plan. Jedoch
wurde bald klar, dass die Konfrontation mit
dem sogenannten „Schund“ nicht allein mit
rechtlichen Mitteln zu gewinnen war und
die Idee der Erziehung zum „pädagogisch
wertvollen Film“ war wiederentdeckt. Filmbewertungsstellen gab es zwar schon in der
Weimarer Republik und später „gleichgeschaltet“ bei den Nationalsozialisten, der große
Unterschied war jedoch, dass es jetzt in der
Filmbewertungskommission eine unabhängige
Jury gab, die eine künstlerische Bewertung
in Eigenständigkeit und Eigenverantwortung
vergab und bis heute vergibt. Doch ein Gütesiegel allein trieb noch lange nicht Kinder
und Jugendliche in Scharen in pädagogisch
Medienpädagogik und wer kommuniziert wie mit wem?
Kritische Medienanalyse
und aktive Medienarbeit
Mitte der 60er Jahre machte der Siegeszug
des Fernsehens deutlich, dass dieses Medium
mit seinen wachsenden Einschaltquoten weit
mehr Menschen erreichen würde als das Kino.
Neue Wege für die Medien- und Jugendarbeit, anwenderorientierte Technik,
fachlichen Austausch und Weiterbildung bieten die Partnerportale von
netzcheckers.net.
Das Angebot richtet sich an Medienzentren
und Einrichtungen der Jugendarbeit, die an
einen Träger der Jugendhilfe angeschlossen
sind, mit anderen Mitgliedern des Partnernetzes kooperieren wollen und aktive
Medienarbeit mit Kindern und Jugendlichen
entwickeln möchten.
Mit einer Open-Source-Software, die im Hinblick auf Jugend- und Datenschutz optimiert
ist und ständig weiterentwickelt wird, bieten
die Partnerportale praktikable Lösungen für
interaktive Webpräsenzen mit pädagogischem
Anspruch. Darüber hinaus stellen sie medienpädagogischen Service, Beteiligung am Netzwerk und Qualifizierung aller Teilnehmerinnen
und Teilnehmer sicher.
Und es zeichnete sich ab, dass aufgrund
des enormen Verbreitungsgrads und des
individualisierten Konsums ein behütender
medienpädagogischer Ansatz seinen Sinn
verloren hatte. In den späten 60er Jahren
gab es einen weiteren „Theorieschub“, der die
Medienpädagogik nachhaltig beeinflusste.
Anknüpfend an politische Entwicklungen
und Proteste, vor allem gegen den Vietnamkrieg, gerieten die Medien und ihre Inhalte
in das Visier kritischer Wissenschaftler, die
sich ausgehend von der Marxistischen Theorie mit der Analyse des Ideologiegehalts
und der Manipulation durch Massenmedien
auseinandersetzten. Hans Magnus Enzensberger sorgte 1970 mit seinem „Baukasten
zur Theorie der Medien“ dafür, dass die Idee
eines Bürgerfernsehens formuliert wurde.
Analog der in den 20er Jahren entstandenen
„Radiotheorie“ von Bertolt Brecht sollten die
Bürger selber die Produktion von Medien in
die Hand nehmen, quasi vom Empfänger zum
Sender werden. Parallel zu diesem emanzipatorischen, partizipativen Gedanken eröffnete
sich durch eine neue, handliche und relativ
preiswerte Technik, den Super-8-Schmalfilm,
zum ersten Mal die Möglichkeit, audiovisuelle
Medien selber zu produzieren und auch einer
größeren Zahl an Zuschauenden vorzuführen:
die Geburtsstunde der aktiven Medienarbeit.
Vollends gelang der Durchbruch der aktiven
Medienarbeit durch die Markteinführung
tragbarer leichter Videoaufnahmegeräte
Anfang der 80er Jahre. All dies löste die Entwicklung der sogenannten „Offenen Kanäle“
- in Bayern die „Aus- und Fortbildungskanäle“ - und die Gründung vieler regionaler Medienzentren aus. Der Medienwissenschaftler
Dieter Baacke entwickelte dazu die entsprechenden Zielvorgaben, die in dem Begriff
„Medienkompetenz“ zusammenflossen. Zwar
entfernte sich Baacke damit von der politischen Idee eines Bürgerfernsehens, dennoch
ist es sein großer Verdienst, ein Theoriekonstrukt mit dem Terminus Medienkompetenz
entwickelt zu haben, der als Schlagwort bis
Netzwerk für Medienarbeit
Netzcheckers
Die Internetpräsenz ist barriere- und werbefreie und bietet viel Speicherplatz – für
Podcasts, Fotos, MP3s und Videos. Ein intuitiv
Jugendfilmvorführung in den 60er
Jahren in Mittelfranken
Foto: Archiv JFF/ Arbeitskreis Jugend und Film
wertvolle Filme. Außerdem setzten viele Kinos
eher auf umsatzträchtigere Produktionen.
Daher entstanden erste Abspielzirkel, die oft
in Pfarreien und Gemeindesälen pädagogisch
empfehlenswerte Kinospielfilme vorführten.
Diese medienpädagogischen Aktivitäten
wurden von den sogenannten Filmberatern
- den Vorläufern der heutigen Fachberaterinnen und Fachberater für Medienpädagogik
- erfolgreich organisiert und durchgeführt.
Dies kann als die Geburtsstunde der rezeptiven Medienarbeit bezeichnet werden, bei der
das Filmerleben, das Filmverstehen und die
Erziehung zum wertvollen Film im Vordergrund standen. Die Filmberater arbeiteten
eng mit den jeweiligen Bezirksjugendringen
und dem Arbeitskreis Jugend und Film, dem
heutigen JFF – Institut für Medienpädagogik
in Forschung und Praxis, zusammen. Aktive
Projekte, das heißt das selbständige Produzieren von Filmen, bildeten jedoch die Ausnahme,
nicht aufgrund des fehlenden Interesses,
sondern vor allem aus finanziellen Gründen:
Das Drehen auf 16mm-Film war schlicht zu
teuer. Der Schwerpunkt der pädagogischen
Bemühungen lag daher vor allem darauf, das
Medium Film transparent zu machen, die Wirkungsweise zu reflektieren und auch den Film
thematisch zu nutzen, um Diskussionen über
gesellschaftlich relevante Themen anzuregen.
Theoretisch wurde all dies unterfüttert durch
Studien des Wissenschaftlichen Instituts für
Jugendfilmfragen in München, dem heutigen
JFF. Hier legte Martin Keilhacker den Grundstein für eine Medienpädagogik, die als Ziel
den kritischen und mündigen Umgang mit
Medien formulierte und sich sehr stark mit
Fragen der Medienwirkung beschäftigte.
13
heute in aller Munde ist. Der Begriff Medienkompetenz verbindet die vier Dimensionen
Medienkunde, Medienkritik, Mediennutzung
und Mediengestaltung mit der Aufgabe der
Pädagogik, die Kompetenzen der Kinder
und Jugendlichen in all diesen Bereichen zu
stärken. Vor allem die aktive Medienarbeit
wird durch die „Handlungsorientierte Medienpädagogik“ von Fred Schell und Bernd
Schorb weiterentwickelt, bei der Kinder und
Jugendliche sich durch ihre Medienproduktionen selbstbestimmt und kreativ ihre Welt
aneineignen, ihre Themen formulieren und
veröffentlichen. All dies befähigt sie auch
zum kritischen Gebrauch der Medien.
Medienbildung und Navigation
Aktuell strukturieren Medien in viel
stärkerem Maße als früher den Alltag von
Kindern und Jugendlichen. Heranwachsende
nutzen Medien in vielfältiger Form, sei es
bedienbares Redaktionssystem ermöglicht es,
Internetseiten komfortabel zu gestalten. Frei
zu wählende Module können einfach per Drag
and Drop platziert und die Größen festgelegt
werden. Das modulare, grundkonfigurierte
Baukastensystem gewährleistet den Aufbau
einer maßgeschneiderten Internetpräsenz
und einer Community, in der alle User ein
sicheres Profil mit Freundesliste haben.
Interaktive Elemente können frei zusammengestellt werden, darunter Fotoalbum, Podcast, Handysound- und Handylogodesigner,
E-Cards, Forum, Abstimmung und andere. Das
Layout kann flexibel gestaltet werden.
Einen Eindruck von der Partnerportalsoftware und ihren Möglichkeiten erhält man
unter www.netzcheckers.net. Dort gibt es
auch Links zu bereits bestehenden Partnerportalen. Für Jugendeinrichtungen sind die
Partnerportale in der Regel kostenlos.
Me h r I n fo s b z w. A n me ld u ng u nt e r
jon@ijab.de.
7|10
14
Medienpädagogik und wer kommuniziert wie mit wem?
zur reinen Unterhaltung, Information oder
Gestaltung ihrer Themen und Inhalte. Sie
produzieren eigene Videofilme, Radiosendungen, „twittern“ oder geben anderen Einblick in ihren Alltag mittels Lokalisten oder
SchülerVZ. Mediennutzung und Medienaneignung bilden daher zentrale Ausgangspunkte für vielfältige medienpädagogische
Aufgabenstellungen und Aktivitäten. Das
macht deutlich, dass der Medienpädagogik
eine immer größere Bedeutung zufällt.
Vielleicht ist es ja die eines „Navigators“,
der - wie Franz Josef Röll formulierte - „...
Jugendliche zum selbstgesteuerten Lernen
(befähigt)...“ (Franz Josef Röll: Padagogik
der Navigation, kopaed 2003).
So verwundert es nicht, dass das Selbstverständnis der Medienpädagogik, das
Wissen um die eigene Bedeutung, wächst.
Aktuell mündet all dies im sogenannten
„Medienpädagogischen Manifest“ der bundesweit wichtigsten medienpädagogischen
Einrichtungen. Darin werden politische Forderungen formuliert, die deutlich machen,
dass es keine Bildung ohne Medien - und vor
allem keine Bildung ohne Medienpädagogik
- mehr geben kann.
Michael Bloech,
Medienzentrum München
Soziale Netzwerke für die Jugendarbeit nutzen?
Digitale Jugendbildung
Jugendbildungsarbeit im Netz muss
neue Wege beschreiten und sich den
veränderten Kommunikationsformen
anpassen, will sie erfolgreich junge
Menschen erreichen und nachhaltige
Lerneffekte erzielen. Direkte Ansprache
im Sinne eines einfachen Sender-Empfänger-Modells muss einer Strategie
weichen, die sich auf Augenhöhe in
die Jugendkommunikation im Web 2.0
einbringt.
Web 2.0 als jugendkultureller Raum
Etwa 2 von 3 Schüler/inne/n in Deutschland - das sind über 5 Millionen Jugendliche
- nutzen das soziale Netzwerk SchülerVZ. Die
Online-Aktivität erstreckt sich jedoch nicht
nur auf ein einzelnes Netzwerk. Im Prozess
des Heranwachsens werden zunehmend auch
andere Dienste – wie Youtube, Twitter oder
Facebook – genutzt und erprobt. Die dafür
aufgewendete Zeit ist beträchtlich. Eine
wesentliche Rolle spielen Selbstdarstellung
und -inszenierung. Die Abgrenzung der unterschiedlichen sozialen Gruppen vollzieht
sich dabei über kulturelle Verortungen in
Bezug auf Jugend- und Herkunftskulturen.
Wichtigster Bezugspunkt sind dabei die
„Freunde“ der eigenen Peergroup, die ein
neues Zentrum in den sozialen Bezügen mit
einer gleichzeitigen Veränderung der Beziehung zu den Eltern ausbilden. Es tritt eine
verstärkte Bindung zu Gleichaltrigen auf, die
innerhalb der Online-Aktivitäten in sozialen
Netzwerken ihren Ausdruck findet. Jugendliche erleben die Online-Communitys als einen
Freiraum von elterlicher und pädagogischer
Kontrolle und damit als ihren privaten,
jugendkulturellen Raum (vgl. Schorb/Keilhauer/Würfel/Kießling 2008). Damit differenziert sich ein eigener Kommunikationsraum mit speziellen jugendspezifischen Codes
aus, der sich gegenüber direkten Eingriffen
von außen verschließt. Wer die Codes nicht
beherrscht und im Freundesnetzwerk keine
7|10
Foto: PhotoDisc
Das Konzept der digitalen Jugendbildung
folgt dieser Kommunikationsstrategie und ist
darauf angelegt, verstärkt die Jugendlichen
selbst zu Multiplikator/inn/en der Information und damit verbundener Lerninhalte zu
machen.
Anschlussmöglichkeiten vorweisen kann,
wird ignoriert.
Informationsaneignung
im Web 2.0
Das Internet dient jungen Menschen als
Quelle für eine ganze Reihe unterschiedlicher
Informationen. Besonderen Stellenwert haben
neben Inhalten zu Schule, Beruf und Alltag vor
allem Medienthemen und Freizeitinteressen.
Informationen werden von jenen weitergegeben, die sich bereits ein vielfältiges Wissen
angeeignet haben und auch innerhalb der Peergroup anerkannt sind. Andere rezipieren diese
Inhalte, verbreiten sie und orientieren sich
daran. Dies geht Hand in Hand mit dem Prozess
der Persönlichkeitsentwicklung, der Findung
bestimmter eigener Positionen und Entwicklung
eines eigenen Geschmacks und Stils.
Spannungsfelder
Aus der oben skizzierten Form der Jugendkommunikation im Web 2.0 ergeben sich
unterschiedliche Spannungsfelder, die die
Medienpädagogik vor neue Herausforderungen stellen:
Die Peer-to-Peer-Kommunikation innerhalb
des Web 2.0 führt zu einer Egalisierung von
Information und deren Quellen. Dies bedeutet
einerseits, dass junge Menschen die Möglichkeit haben, sich an gesellschaftlich relevanten
Diskursen über das Netz gleichberechtigt zu
beteiligen. Auf der anderen Seite verliert sich
aber ein kritisches Hinterfragen der Information. Insofern verlangt das Wegdriften verlässlicher „Wahrheitsanker“ auch ein höheres Maß
an Medienkompetenz, um Informationen zu
selektieren und zu hinterfragen.
Dazu ergeben sich unterschiedliche Spannungsverhältnisse aus dem von Jugendlichen
subjektiv erlebten Freiraum innerhalb des Web
2.0 und den technischen, rechtlichen und
kommerziellen Rahmenbedingungen dieser
sozialen Räume. Problembereiche sind hier
der Umgang mit Urheberrechten, die unreflektierte Nutzung kommerzieller Angebote,
die im Extremfall in Kostenfallen endet, die
verklausulierten und nicht jugendgerechten
Geschäftsbedingungen der Angebote, ihre
rechtlichen Grundlagen und Konsequenzen
und der unreflektierte Umgang mit persönlichen Daten.
Hier bedarf es neuer pädagogischer Strategien, die sich auf den Kommunikationsprozess
im Web 2.0 einlassen und Jugendliche in ihrer
Netzkompetenz stärken.
Digitale Jugendbildung
Gängige Bildungskonzepte gehen in der
Regel von einem hierarchisch strukturierten Vermittlungsprozess aus. Es entsteht
ein linearer Lernzusammenhang, der am
Wahrheitsanspruch und den Interessen des
Lehrenden ansetzt. Dieses Verständnis steht
jedoch im Widerspruch dazu, wie sich Kinder
Medienpädagogik und wer kommuniziert wie mit wem?
und Jugendliche informell Wissen im Internet
aneignen (vgl. Röll 2008). Junge Menschen
nutzen einen Zugang zu Wissen und Information, der wesentlich - über Interaktion
innerhalb der Peer-to-Peer-Kommunikation
vermittelt - von ihrem Eigeninteresse geleitet wird. Daher scheitern Bildungsangebote
im Internet, die auf herkömmliche Formen
der Jugendbildung setzen und hierarchisch
Lerninhalte auf Webseiten platzieren. Die
Folge ist, dass junge Menschen diese Angebote
schlicht ignorieren und eine Kluft zwischen
durchaus wichtigen Inhalten und dem Herausbilden eigener, jugendspezifischer Normen
und Wissensinhalte entsteht. Hier setzt das
Konzept der digitalen Jugendbildung an, die
Lerninhalte nicht außerhalb der Jugendkommunikation stellt, sondern
■ Angebote dort macht, wo die Jugendlichen
sind,
■ junge Menschen einbezieht, zum Mitmachen einlädt und schließlich
■ Jugendliche selbst zu Trägern und Multiplikatoren von Information macht.
Jugendkommunikation irritieren
Der Versuch eines hierarchisch strukturierten Eingriffs innerhalb der Online-Communitys
führt entweder zur Auflösung der Jugendkommunikation im jeweiligen Sozialraum oder er
wird von den Akteuren ignoriert. Auch ein
bloßes Nachahmen der Codes führt schnell
zum Ausschluss, da hier keine Referenzen zu
den „Freunden“ der Peergroup nachgewiesen
werden können. Wir haben es mit einem System
zu tun, das sich aus seinen eigenen Elementen,
den Codes, reproduziert und keinen direkten
Kontakt mit der Umwelt hat. Jedoch kann
das System bestimmte Irritationen aus seiner
Umwelt beobachten und diese als Ereignis innerhalb der eigenen Codierung wahrnehmen.
Strukturell kann dabei an Formen viralen
Marketings angeknüpft werden. Diese Art
subtiler Werbung erfolgt durch anregende und
meist amüsierende Medienanreize, ohne dass
der Sender der Information im Mittelpunkt
steht. Es werden Inhalte geboten, die für die
Zielgruppe als neu und so interessant erlebt
werden, dass sie diese an ihre Freunde weitergeben. Wie ein Virus verbreiten sich Informationen im Sinne einer digitalen Mundpropaganda. Hierbei stehen vor allem der Spaß und
nicht die Werbebotschaft im Vordergrund. Von
dieser Form der Kommunikation kann digitale
Jugendbildung eine Strategie ableiten, sich
mit bestimmten Lerninhalten in den Prozess
der Jugendkommunikation einzubringen, um
die Zielgruppe selbst zum Multiplikator der
Information zu machen.
Begleitung durch
Jugendarbeit online
Jugendarbeit online muss verstanden werden
als aufsuchende Jugendbildung, die sich dort
einbringt, wo die Jugendlichen sind, und die
mit ihnen gemeinsam neue Erfahrungen macht.
Dabei orientiert sich digitale Jugendbildung direkt an den Bedürfnissen der Jugendlichen und
15
steht als offenes Angebot innerhalb von OnlineCommunitys immer dann zur Verfügung, wenn
junge Menschen ein Interesse anmelden und
Fragen stellen. In Form irritierender Anreize
werden Jugendliche aufmerksam auf bestimmte
Lerninhalte, kommunizieren darüber, leiten sie
mit Hilfe ihrer spezifischen Codierung weiter
und erhalten dazu eine komplementäre Begleitung durch Online-Jugendarbeiter/innen.
Diese stehen den Jugendlichen in vielfältiger
Art und Weise im Netz zur Verfügung und helfen
dabei, bestimmte Informationen zu finden,
diese zu differenzieren und selbstgesteuert
Wissen anzueignen.
„watch your web“
Die Jugendkampagne „watch your web“ erprobte erfolgreich das Konzept einer digitalen
Jugendbildung und konnte modellhaft zeigen,
dass mit neuen Strategien der Medienkompetenzbildung nachhaltige Lerneffekte bei
der Zielgruppe der „digital natives“ erzielt
werden konnten.
Mit „watch your web“ wurde eine öffentlichkeitswirksame Kampagne im Internet gestartet, die junge Menschen dafür sensibilisiert,
einen bewussten und kritischen Umgang mit
persönlichen Daten im Internet zu pflegen. Die
Zielgruppe der Jugendlichen wurde innerhalb
der größten sozialen Netzwerke angesprochen
und die Lernbotschaften konnten hier erfolgreich Verbreitung finden.
Das Kommunikationsmodell zur Verbreitung
der Kampagnenbotschaften setzte dabei vor
allem auf nachhaltige Verbreitungswege im
Web 2.0 und suchte hier virale Effekte bei der
Zielgruppe zu erzeugen. Die Maßnahmen der
Jugendkampagne orientierten sich daran:
■ Angebote innerhalb der populären OnlineCommunitys zu machen,
■ irritierende Medieninhalte in Form von
Profilseiten, Videos und einem Webtest zu
platzieren,
■ eine Comicfigur namens „Webman“ als Ansprechpartner innerhalb der Communitys zu
platzieren, der für Fragen der Jugendlichen
zur Verfügung steht,
■ Jugendliche nicht zu belehren, sondern sie
miteinzubeziehen, ihnen positive Angebote
zu machen und damit ihre Kenntnisse auf
Augenhöhe zu erweitern,
■ die Zielgruppe zu beteiligen und selbst zum
gleichberechtigten Träger und Multiplikator
der Lerninhalte zu machen.
Webman und sein Gegenspieler Data Devil
sind die zentralen Charaktere der Kampagne
„watch your web“.
Kernidee der Jugendkampagne war die zielgruppengerechte Visualisierung der Gefahren
durch zwei Gegenspieler im Comicformat:
„Data Devil“ und „Webman“.
„Fragen an Webman“
Die zahlreichen Fragen an „Webman“ im
SchülerVZ deuten auf einen hohen Bedarf an
Hilfestellungen zu unterschiedlichen Themenfeldern hin. Hier zeigt sich, dass junge
Menschen Angebote von Jugendarbeit online
annehmen und Begleitung erwarten.
Darüber hinaus stellte „Webman“ für die
Jugendlichen eine willkommene Abwechslung
im SchülerVZ dar. Für viele Jugendliche war
es wichtig, ob hinter „Webman“ ein realer
Mensch steht, wo er wohnt, welches Alter
oder welche Hobbys er hat. Während Jungen
gerne wissen wollten, welchen Fußballverein die Comicfigur toll findet, interessierte
Mädchen, ob „Webman“ eine Freundin habe.
Manche Mädchen sahen dabei die Figur als
Gelegenheit, gefahrlos zu „flirten“. Die Gruppe
„Beziehungsstatus: Verliebt in Webman“ war
mit etwa 200 Mitgliedern die größte WebmanFangruppe im SchülerVZ.
Das Konzept der digitalen Jugendbildung
wird im Projekt Jugend online weiterentwickelt und soll in Zukunft dahingehend
ausgebaut werden, sich mit weiteren, oben
skizzierten Spannungsfeldern auseinanderzusetzen und diese in Form pädagogischer
Kommunikationsstrategien und Kampagnen
umzusetzen. Dies wird dann gelingen, wenn
wir uns auf die Jugendkommunikation der
„digital natives“ einlassen und junge Menschen dort erreichen, wo sie tagtäglich sind:
im Web 2.0.
Zusammenfassung des Artikels „Digitale Jugendbildung am Beispiel der Kampagne watch
your web“ von Daniel Poli. Der vollständige
Beitrag ist im Fachkräfteportal der Kinder- und
Jugendhilfe nachzulesen:
www.jugendhilfeportal.de/wai1/
showcontent.asp?ThemaID=6159
Literaturangaben
Röll, Franz Josef (2003): Pädagogik der
Navigation. Selbstgesteuertes Lernen mit
Neuen Medien. München.
Röll, Franz Josef (2008): Lernbausteine
für die Web 2.0 Generation. In: Ertelt/Röll
(Hrsg.): Web 2.0. Jugend online als pädagogische Herausforderung. München.
Schorb, Bernd / Keilhauer, Jan / Würfel,
Maren / Kießling, Matthias (2008): Medienkonvergenz Monitoring Report 2008:
Jugendlichen in konvergierenden Medienwelten. Leipzig.
7|10
16
Medienpädagogik und wer kommuniziert wie mit wem?
JFF-Studie vorgestellt
Persönliche Informationen
in aller Öffentlichkeit?
Den Kern der Ergebnisse fasst Dr. Ulrike
Wagner, stellvertretende Direktorin des JFF,
folgendermaßen zusammen: „Jugendliche
wollen selbstverantwortlich mit persönlichen Informationen in Online-Netzwerken
umgehen – allerdings sind dafür die Voraussetzungen teilweise nicht gegeben. Der
Anspruch, selbst für das eigene Handeln
verantwortlich zu sein, ist typisch für das
Jugendalter. Selbstverantwortung ist in Sozialen Netzwerkdiensten aber durch soziale
und mediale Bedingungen gerahmt“.
BLM-Präsident Ring zu den Ergebnissen
der Studie: „Wir sollten Jugendliche in ihrem
Wunsch unterstützen, den engen Kontakt
zu ihren Freunden zu halten. Gleichzeitig
sollten wir sie aber dafür sensibilisieren,
dass enger Kontakt keineswegs die vollständige Preisgabe der eigenen Persönlichkeit
erfordert.“
Die Ergebnisse der qualitativen Untersuchung von Jugendlichen zwischen 13 und 19
Jahren zeigen insgesamt ein recht differenziertes Bild, wie Jugendliche mit ihren persönlichen Informationen in Online-Netzwerken
umgehen. Die Jugendlichen machen sich – in
unterschiedlichem Maße und unterschiedlich
tiefgehend – durchaus Gedanken darüber, was
sie wem in Sozialen Netzwerkdiensten über
sich mitteilen wollen und was sie andererseits
als schützenswert erachten.
Der Wunsch nach sozialer Einbettung und
Zugehörigkeit ist ein wesentliches Motiv der
Nutzung und hat Einfluss auf die Entscheidung der Jugendlichen, wie sie mit persönlichen Informationen in Online-Netzwerken
umgehen. Je nachdem, für wen sie erkennbar
sein wollen, verfolgen die Jugendlichen
unterschiedliche Strategien: Ein Teil der Befragten ist darauf bedacht, sich nur für seine
Freunde zu erkennen zu geben. Ein weiterer
Teil verfolgt die Strategie, sich und seine Talente einem breiten Publikum zu zeigen. Eine
dritte Strategie kann man als spielerisch7|10
Foto: aidasonne/fotolia.com
Wie Jugendliche mit persönlichen
Informationen in Sozialen Netzwerkdiensten wie facebook.com oder schuelervz.net umgehen, zeigt die aktuelle
Studie des JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis
„Persönliche Informationen in aller
Öffentlichkeit?“. Die Untersuchung ist
Teil der von der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) beauftragten fünften Konvergenzstudie des
JFF, die aktuelle Medienentwicklungen
aus der Perspektive von Jugendlichen
beleuchtet und damit Bezugspunkte
sowohl für die medienpädagogische
Arbeit als auch für die Medienaufsicht
bietet.
experimentell bezeichnen. Dabei zeigen sich
die Jugendlichen mit einem Pseudonym im
Netz und sind nur von Eingeweihten auf den
ersten Blick erkennbar.
Darüber hinaus macht die Untersuchung
deutlich, dass vielen Jugendlichen Wissen
über die Medienstrukturen, beispielsweise
über Auswertungsmöglichkeiten digitaler
Daten, fehlt. Daran lässt sich erkennen, dass
die Voraussetzungen für ein selbstverantwortliches Handeln nur in Teilen gegeben
sind und die Jugendlichen auf Unterstützung
angewiesen sind.
Die Studienergebnisse zeigen, dass die
Interaktionen in Online-Netzwerken als
soziales Handeln zu begreifen sind. So
werden zum einen Regeln und Normen des
sozialen Miteinanders aus der Offline-Welt
auf die technisch vermittelten Kommunikationsformen übertragen. Mit gegenseitig
anvertrauten Informationen Beziehungen
zu gestalten, ist ein Beispiel hierfür, wobei
aber die technischen Rahmenbedingungen
nur von wenigen reflektiert werden. Zum
anderen werden Regeln und Normen auch neu
verhandelt. Beispielsweise beschreiben die
Jugendlichen das Recht am eigenen Bild als
Verhandlungssache, da es nicht möglich sei,
die Abgebildeten bei jedem Bild oder Video zu
fragen. Vielmehr wird nach eigenem Ermessen
über die Veröffentlichung entschieden. Erst
wenn sich die Abgebildeten melden, wird ausgehandelt, ob die Veröffentlichung „gerecht-
fertigt“ war. Überraschend dabei ist: Nahezu
alle Befragten haben es bereits selbst erlebt,
dass Bilder von ihnen veröffentlicht wurden,
die sie nicht veröffentlichen wollten.
Es gibt aber auch Ambivalenzen und Widersprüche, die verdeutlichen, dass eine bessere
Unterstützung von jugendlichen Nutzer/
inne/n durch pädagogische Angebote, aber
auch durch die Plattformgestaltung notwendig ist. In pädagogischen Handlungsfeldern ist
dafür Sorge zu tragen, dass Privatsphäre nicht
zur Privatsache einzelner Individuen gemacht
wird. Konkret bedeutet dies, dass Jugendlichen Unterstützungsangebote bereitgestellt
werden müssen, mit denen sie die Voraussetzungen für selbstverantwortliches Handeln
beispielsweise Wissen über Medienstrukturen
und Nutzungsdynamiken erwerben können.
Nicht zuletzt geht es auch darum, Selbstund Mitverantwortung zu stärken, damit die
Bedingungen sozialen Miteinanders gemeinschaftlich getragen werden.
Die Forderung nach Transparenz und Verantwortung ist aber nicht nur an die Einzelnen und an die Pädagogik zu richten, sie muss
als zentraler Qualitätsanspruch insbesondere
an die Anbieter Sozialer Netzwerkdienste
herangetragen werden.
Die Studie kann kostenlos bezogen werden
unter: www.blm.de und www.jff.de
Bayerische Landeszentrale für neue Medien
(BLM)
Medienpädagogik und wer kommuniziert wie mit wem?
17
Neue Medien in der Jugendarbeit
Geocaching und Mitmach-Internet
Das Wort „Geocaching“ (sprich Geokäsching) leitet sich vom griechischen Wort
„geo“ für Erde und dem englischen „cache“
für Versteck ab. Unterschied zwischen Geocaching und einer herkömmlichen Schatzsuche ist, dass die Schatzsucher nicht eine
Schatzkarte mit einem markierten Ziel vor
sich, sondern ein GPS-Gerät und die Koordinaten des „Schatzes“ haben. Ziel ist es, durch
geschickten Umgang mit dem GPS-Gerät den
Schatz auf eigenen Wegen zu finden. Dieser
hat keinen materiellen Wert, meistens findet man ein kleines Buch, das sogenannte
Logbuch. In dieses kann man sich nicht nur
eintragen, man kann auch festhalten, was
man während der Suche erlebt hat, und die
Geschichten anderer lesen. Oft findet man
neben diesem Buch auch eine kleine Dose
mit einem Gegenstand. Dieser Gegenstand
wird mit einem anderen Gegenstand, den
man selbst mitgenommen hat, ausgetauscht.
So weiß man nie, welchen „Schatz“ man
gerade sucht. Aber natürlich steckt hinter
Geocaching viel mehr als einfach nur einem
Navigationsgerät nachzulaufen, bis man
vor dem „Schatz“ steht. Es gibt eine Fülle
verschiedener Caches, vom einfachen Cache,
bei dem man direkt das Ziel erreicht, bis zum
komplizierten Cache mit mehreren Stationen,
wobei man an den angegeben Koordinaten
einen Hinweis oder Koordinaten für die
nächste Station findet und sich so lange beschäftigen kann. Oft gibt es außerdem noch
ein kleines Rätsel, das man lösen muss, um
die genaue Lage des nächsten Hinweises oder
des „Schatzes“ herauszufinden. Die Anreize
für Geocaching sind verschieden, manche
schätzen die Knobelei und das Suchen, andere
verstehen Geocaching als zusätzlichen Anreiz
beim Wandern. Eine Sache haben allerdings
alle Geocaches gemeinsam: Sie machen Spaß.
Geocaches sind eine Herausforderung, die es
gilt mit einer Gruppe zu meistern. Dabei ist
man gemeinsam draußen unterwegs, muss
zusammen überlegen und das weitere Vorgehen planen. In einer Gruppe, die sich öfter
trifft, wird das den Zusammenhalt der Gruppe
fördern. Daneben werden das Sozialverhalten
sowie die Kooperationsfähigkeit geschult.
Außerdem können durch die für die Kinder
und Jugendlichen neue Aufgabenstellung
vielleicht auch neue Perspektiven vermittelt
werden.
Geocaching wirft die Frage auf, ob nicht
auch andere technische Innovationen, neben
dem GPS-Gerät, aktiv in der Jugendarbeit verwendet werden sollten. Welche neuen Medien
können Jugendarbeit positiv beeinflussen
beziehungsweise interessanter gestalten?
Ein modernes Medium, das die Jugendarbeit stark beeinflusst, ist das Internet. Es
ist die neue Informationsquelle, um etwas
über Jugendarbeit zu erfahren. So hat zum
Beispiel mittlerweile jede Jugendgruppe der
Sektion München des deutschen Alpenvereins eine eigene Homepage. Darauf befinden
sich Informationen zur Gruppe, das aktuelle
Programm sowie eine Kontaktmöglichkeit
zu den Leitern.
Mitmach-Internet
Neben dem Internet als reine Informationsquelle biete die Entwicklung zum „Web 2.0“
- auch Mitmach-Internet genannt - viele neue
Möglichkeiten. So kann man sich nicht nur
durch eine eigene Website präsentieren, sondern sich auch aktiv austauschen. Eine große
Rolle dabei spielen die Social Networks wie
Facebook, StudiVZ und SchülerVZ. In diesen
Netzwerken bzw. Communitys tauschen sich
Menschen auf der ganzen Welt über aktuelle
Geschehnisse und Ereignisse im eigenen
Leben aus. Diese Möglichkeit besteht auch
in der Jugendarbeit. Es ist mittlerweile nicht
mehr mit großem Aufwand verbunden, sich
ein eigenes Diskussionsforum einzurichten,
wo nicht nur über aktuell anstehende oder
vergangene Veranstaltungen berichtet werden kann, sondern auch eigene Meinungen
sowie Erfahrungen ausgetauscht werden können. Durch die vielen verschiedenen Meinungen, die dort aufeinandertreffen, kann der
eigene Horizont erweitert werden und somit
die Vielfalt an Angeboten zunehmen. Auch
die Planung von Veranstaltungen ist in einer
Community einfacher geworden, so können
zum Beispiel Termine unproblematisch besprochen und bekanntgegeben werden.
Communitys und Social Networks können
in der Jugendarbeit außerdem eine Möglichkeit sein, Jugendliche zu einem Projekt zu
motivieren, denn will man Jugendliche für
etwas begeistern, ist es sinnvoll, sie dort
anzusprechen, wo sie sich aufhalten - z.B.
in solchen Netzwerken auf.
Auch Geocaching wäre heutzutage ohne das
„Mitmach-Internet“ kaum mehr vorstellbar.
Im Internet gibt es mehrere große Websites,
auf denen sich Millionen von Nutzer/inne/n
über mehr als eine Million Geocaches austauschen. So kann man sich informieren, wo man
in der Nähe gute Geocaches finden kann, und
ob diese tauglich für eine Jugendgruppe sind.
Hat man einen passenden Cache gefunden,
kann man sogleich voller Zuversicht loslegen
und nach der Suche seine Erfahrungen mit
anderen Leuten teilen.
Michael Turobin-Ort, JDAV
Foto: PhotoDisc
Welches Kind hat nicht davon geträumt,
als Pirat um die Welt zu segeln und
Schätze zu finden? Im 21. Jahrhundert
kann sich jedes Kind diesen Traum erfüllen – zumindest fast. Das läuft zwar
nicht ganz so ab, wie sich junge Piraten
und Piratinnen Schatzsuche vorstellen,
macht aber mindestens genauso viel
Spaß. Einen Nachteil gibt es allerdings:
reich wird man beim Geocaching wohl
eher nicht...
7|10
18
Medienpädagogik und wer kommuniziert wie mit wem?
Online-Hilfe für junge Menschen mit ausgewachsenen Sorgen
Offenes Ohr im virtuellen Raum
Onlineberatungsstellen wie die kidshotline nutzen das Internet, um Kindern und Jugendlichen aus persönlichen Krisen zu helfen.
Das Internet hat die Kinder- und Jugendzimmer Deutschlands fest im Griff. Zu
dieser Erkenntnis muss kommen, wer sich
mit aktuellen Studien auseinandersetzt, wie
etwa der seit 1997 jährlich veröffentlichten
ARD/ZDF-Onlinestudie. Demnach surfen
anno 2010 nahezu 100 % der Jugendlichen
in der Altersgruppe von 14 bis 19 zumindest
hin und wieder im weltweiten Datenmeer.
Skeptische Mahner bemühen sich, auf die
zahlreichen Gefahren für jüngere Onliner
hinzuweisen. Wer jedoch die Mediennutzung
junger Menschen verteufelt, verkennt einerseits die Bedeutung, die das Internet in der
Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen
mittlerweile einnimmt und übersieht andererseits die Räume und Chancen, die sich
durch diese Entwicklung ergeben.
So ist zu beobachten, dass die Generation
der so genannten Digital Natives das World
Wide Web nicht ausschließlich zur Unterhaltung nutzt, sondern ebenda auch ganz gezielt
nach Antworten auf persönliche Probleme
und Krisen sucht. Oft sind das Schamgefühl
oder die Angst zu groß, um in der realen
Welt einen geeigneten Ansprechpartner zu
finden. Gerade dann erhoffen sich viele Jugendliche in der virtuellen Welt ein offenes
Ohr für ihre Sorgen. Immer mehr Träger der
Sozialen Arbeit haben diesen Bedarf erkannt
und sind mittlerweile mit Beratungsportalen
im Netz vertreten, um den jungen Menschen
vertrauenswürdige Angebote an die Hand
zu geben und sie in dieser Lebenswelt abzuholen. Trotz der derzeitigen Rechtslage, die
Onlineberatung nicht als Beratungsleistung
nach Sozialgesetzgebung versteht, da die
örtliche Zuständigkeit durch den virtuellen
Raum nicht gegeben, bzw. nur sehr begrenzt
überprüft werden kann, ist diese Form der
Beratung wirksame Hilfe für Ratsuchende.
kids-hotline, eine Onlineberatungsstelle der ersten Stunde
Bereits 1999 erkannten Studierende der
Katholischen Stiftungsfachhochschule Benediktbeuern die Zeichen der Zeit und riefen die
kids-hotline (Träger Münchener Kinderschutz
e.V.) ins Leben. Seither wurde das Angebot
beständig aktuellen Entwicklungen angepasst und zieht mittlerweile jeden Monat
circa 35.000 Besucherinnen und Besucher
an. Das Projekt lebt vor allem von der Arbeit
der etwa 65 ehrenamtlichen Fachkräfte, die
von einem vierköpfigen Hauptamtlichenteam
koordiniert werden. Alle Beraterinnen und
Berater durchlaufen eine Schulung in den
Grundprinzipien und Methoden der Onlineberatung, um den spezifischen Anforderungen
7|10
gerecht werden zu können. Das gilt auch für
die so genannten Peer-Berater – Jugendliche,
die fachlich angeleitet Ratsuchenden auf
Augenhöhe begegnen. Bei Fragen zu Pubertät, erster Liebe oder Schule können sie auf
Grundlage der eigenen Erfahrungen helfen.
Nicht selten sind es aber auch Themen wie
Gewalt, Sucht, Missbrauch oder Suizid, die die
jungen Menschen bewegen. So unterschiedlich die Probleme sind, so unterschiedlich
präsentieren sich die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer. Daher ist das Angebot
der kids-hotline breit gefächert:
Die Einzelberatung ermöglicht beispielsweise, dem Prinzip klassischer Beratungsstellen ähnlich, den direkten Kontakt mit einer
Fachkraft. So können die Nutzerinnen und
Nutzer in einem virtuellen Beratungszimmer
sensible Themen „unter vier Augen“ besprechen. Darüber hinaus bietet die Beratungsstelle aber auch zahlreiche offene Foren, in
denen Kinder und Jugendliche ihre Fragen an
Berater/innen richten können. Das Forenformat fördert zudem den direkten Austausch
zwischen Jugendlichen, die eventuell zuvor
ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Mit
der Zeit entsteht so ein Beratungsarchiv von
enormer Tiefe. Wer nicht den Mut aufbringt,
selbst einen Beitrag zu erstellen, kann durch
Wenn Sie bereits Erfahrungen in der pädagogischen Arbeit haben und für die kidshotline ehrenamtlich als Beraterin oder
Berater tätig werden wollen, besuchen Sie
uns im Internet! Auf der Website finden
Sie alle Informationen zum Bewerbungsverfahren und eine Möglichkeit sich online
zu bewerben.
Ihre Fragen beantworten Ihnen gerne:
■ Triz Heider (Leitung kids-hotline)
■ Lena Niermann (Koordination Beratungsstelle)
■ Astrid Elfring (Schulung und U14)
■ Gabrielle Gerstner (Administration)
Zu erreichen unter info@kids-hotline.de
das Lesen vorhandener Beiträge möglicherweise bereits Antworten auf seine Fragen
finden und erkennen, dass er mit seinem Problem nicht allein ist. Durch die moderierten
Gruppen- und Einzel-Chat-Angebote fühlen
sich wiederum insbesondere die jüngeren
User der kids-hotline angesprochen, bei
denen diese besonders niedrigschwellige Art
der Kommunikation schon in Fleisch und Blut
übergegangen ist.
Derzeit optimiert das Team die Internetpräsenz für die jüngere Nutzergruppe
zwischen 11 und 13 Jahren. Die Mittel dazu
kommen von der Bundesinitiative „Ein Netz
für Kinder“. Speziell für die jüngeren Nutzer/innen wurde dazu eine Außenstelle der
kids-hotline unter www.kinder-beratung.de
ins Leben gerufen.
Beratungsansatz und Vorteile
der Onlineberatung
In der Beratung verfolgt die kids-hotline
den Ansatz, dass jeder junge Mensch individuell ist und damit auch jede/r eine individuelle Antwort verdient hat und außerdem
jede/r selbst in der Lage ist, Lösungen für
Probleme und schwierige Situationen zu
finden. Oftmals fehlt dazu nur ein wenig
Unterstützung in der Ideensuche und Sortierung der Themen. Einige Fälle stoßen
jedoch an die Grenzen von Onlineberatung,
so dass in diesen Fällen Ratsuchende dahingehend unterstützt werden, dass sie sich
an Vertrauenspersonen oder Therapie- und
Beratungsmöglichkeiten vor Ort wenden
können.
Die Vorteile dieser Art der Beratung liegen
auf der Hand: Gerade bei schambesetzten
Themen bietet sie ein größtmögliches Maß an
Anonymität. Die User sind nicht an Termine
gebunden und da die ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen die kids-hotline meist in ihrer
Freizeit betreuen, überschneiden sich ihre
Beratungszeiten mit den Nutzungszeiten der
Medienpädagogik und wer kommuniziert wie mit wem?
User. An Abenden und Wochenenden herrscht
Hochbetrieb. Zudem gibt es für die Jugendlichen keine Verpflichtung, die Beratung fortzusetzen, wenn dies nicht in ihrem Interesse ist.
Nicht zuletzt ist die Beratung kostenfrei.
Fachliche Vernetzung
Inzwischen hat sich um die Beratungsplattform der kids-hotline ein ganzes Netzwerk von Beratungseinrichtungen gebildet.
Ein automatisches Zuteilungssystem übergibt
die Anfragen etwa themenbezogen der am
besten geeigneten Einrichtung. So müssen
die beteiligten Organisationen nicht mit
einem leeren Forum beginnen und die Nutzerinnen und Nutzer profitieren vom größeren
Bestand an Beiträgen.
Dass Onlineberatung zunehmend ein The-
Daten und Fakten zu kids-hotline
■ ca. 24.000 registrierte User
■ mehr als 10.000 Themen
■ über 160.000 Beiträge
■ 24 themen- und geschlechtsspezifische
Foren
ma ist, zeigt auch die Etablierung des seit
2008 jährlich stattfindenden „Fachforum
Onlineberatung“, das von der Georg-SimonOhm-Hochschule in Nürnberg in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für
Onlineberatung (DGOB), der Österreichischen
Gesellschaft für Onlineberatung (ÖGOB),
der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) und der kids-hotline organisiert
wird. Die Kooperation von Hochschule und
Beratungsstelle zeigt sich darüber hinaus
19
in gemeinsamen Forschungsprojekten zur
Weiterentwicklung der Sozialen Arbeit und
Qualifizierungsangeboten. Die „Studienwerkstatt Onlineberatung“ etwa bildet Studierende der Georg-Simon-Ohm-Hochschule
zu zertifizierten Onlineberaterinnen und
-beratern aus.
Unter jungen Leuten muss das Prinzip
Onlineberatung seine Bedeutsamkeit offensichtlich nicht mehr unter Beweis stellen.
Nach der Neugestaltung der kids-hotline im
letzten Jahr explodierten die Nutzerzahlen
derart, dass die Beratungsstelle mittlerweile
an die Grenzen der eigenen Kapazitäten stößt
und händeringend nach neuen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
sucht.
Triz Heider, kids-hotline
Jugendliche und ihr Mediengebrauch
Zwischen On- und Offline
Für viele der 12- bis 19-Jährigen gehören Medien als fester Bestandteil zum
Alltag und Medien erfüllen vielfältige
Funktionen für die alltäglichen Lebensvollzüge. In der öffentlichen Diskussion
erhält die Altersgruppe der Jugendlichen
besondere Aufmerksamkeit, wenn es
um ihre Medienaneignung geht: Zum
einen werden sie in der öffentlichen
Wahrnehmung häufig zur „Risikogruppe“ stilisiert, die computerspiel- und
internetsüchtig einer tristen Zukunft
entgegensieht, zum anderen werden sie
als „digital natives“ unter einer technikeuphorischen Perspektive als diejenigen betrachtet, denen die Zukunft
gehört, weil sie quasi von Geburt an mit
digitaler Technik aufgewachsen sind.
Multifunktionale Medien
Der Computer mit Internetzugang und
das Handy sind neben dem mp3-Player jene
Medien, die in den vergangenen Jahren immer mehr Zuspruch durch Heranwachsende
erfahren. Ein Kennzeichen jugendlicher
Medienaneignung ist es, sich nicht mehr
nur den Einzelmedien zuzuwenden, sondern sich die Vorzüge einer konvergenten
Medienwelt, insbesondere über die digitalen
Medien, zunutze zu machen: Sie verfolgen
ihre medialen Vorlieben über die Medien
hinweg, z.B. ein bevorzugtes Computerspiel
mit dem entsprechenden Film und den zugehörigen Internetforen. Jene, die sich tief
in die konvergente Medienwelt begeben,
Foto: iStockFoto
Im Folgenden werden einige zentrale Aspekte vorgestellt, die aus den empirischen
Erkenntnissen zur Medienaneignung von
Jugendlichen extrahiert werden können und
Hinweise auf die Sozialisationsrelevanz der
Medien im Rahmen jugendlicher Entwicklung
geben.
zeigen ausgeprägte mediale Vorlieben oder
Spezialinteressen, häufig verstärkt durch
die Eltern und vor allem die Peergroup.
Sie messen Computer und Internet hohen
Stellenwert bei und zeigen sich interessiert
daran, ihre medienbezogenen Fähigkeiten
auszubauen. Dabei bilden Strukturwissen
und medientechnische Fähigkeiten die Voraussetzungen für die komplexen Zugänge
zur konvergenten Medienwelt (vgl. dazu
Wagner/Theunert 2006). Die neuen Facetten im Medienhandeln von Jugendlichen
betreffen vor allem die Möglichkeiten der
virtuellen Kommunikation und Interaktion
und darüber hinaus deren Koppelung mit
anderen medialen Aktivitäten, wie das z. B.
bei Online-Communitys zu Kultwelten wie
Star Wars der Fall ist. Filme, Rollenspiele,
Chats, Foren und reale Events werden hier
miteinander verwoben. Festzustellen ist
auch, dass die konvergente Medienwelt die
Kluft zwischen bildungsbevorzugten und
bildungsbenachteiligten Heranwachsenden
vergrößert: Die konvergente Medienwelt
kann zu einer weiteren Verschärfung der
Nachteile und Probleme, die vor allem bildungsbenachteiligten Heranwachsenden aus
den Medien entstehen, führen. Eine komplexe
konvergenzbezogene Medienaneignung,
die Informationszugänge, Kreativität und
Selbstbestimmung impliziert, erweist sich
als zumeist dem hohen Bildungsmilieu vorbehalten. Heranwachsende aus niedrigem
Bildungsmilieu orientieren sich deutlich
stärker an den Vorgaben des Marktes. Sie
folgen den vom Medienmarkt offerierten und
7|10
20
Medienpädagogik und wer kommuniziert wie mit wem?
KJR-Handreichung
Soziale Netzwerke
Facebook, Lokalisten und Co. - soziale Netzwerke sind bei Jugendlichen
beliebt. Laut JIM-Studie 2009 nutzen
72 % der Jugendlichen im Alter von
12 bis 19 Jahren soziale Netzwerke
täglich oder zumindest mehrmals die
Woche.
Da sehr viel Kommunikation und Informationsaustausch über diese Plattformen
stattfindet, bieten sie auch eine Vielzahl
von Chancen für die Jugendarbeit. Von
der ortsungebundenen Kontaktaufnahme,
niedrigschwelligen Beratungsangeboten
bis hin zum Durchführen von kreativen
Medienprojekten mit Jugendlichen – den
Möglichkeiten sind kaum Grenzen gesetzt.
Um diese Möglichkeiten zielgerichtet umsetzen zu können, sind neben technischen
Kenntnissen auch die sozialen Fertigkeiten
und Wissen über mögliche Gefahren der
sozialen Netzwerke notwendig.
Es liegt unter anderem in der Verantwortung von Pädagog/inn/en, Jugendliche bei
bequem zu erreichenden Verknüpfungen zu
ihren bevorzugten Medieninhalten.
Soziale Online-Netzwerke
Online zu sein ist ein fester Bestandteil
in der Medienzuwendung von Jugendlichen:
62 % der 12- bis 19-Jährigen gehen täglich
online, ein weiteres Fünftel ist zumindest
mehrmals pro Woche im Internet. Mit zunehmendem Alter steigt die Internetnutzung
deutlich an (vgl. JIM 2009). Sogenannte
Social-Web-Angebote wie Lokalisten oder
SchuelerVZ sind ein Muss für viele Jugendliche: 2009 nutzten 78 % der 14- bis 19Jährigen Online-Communitys mindestens
einmal wöchentlich (Eimeren/Frees 2009).
Sie finden darin Räume für Austausch und
Feedback. Besonders wichtig ist dabei die
Pflege und der Ausbau bestehender sozialer
Beziehungen. Neben den Möglichkeiten des
kommunikativen Austauschs erleichtert das
„Mitmach-Internet“ auch die Möglichkeiten,
sich über die eigenen Produkte online in
verschiedenen Facetten des eigenen Selbst
zu präsentieren, z.B. über die Profile in den
Online-Communitys oder eigenen „Channels“
auf Videoplattformen. Die Jugendlichen
greifen dabei gerne auf bildhafte und präsentative Ausdrucksformen zurück (vgl. z.B.
Wagner/Brüggen/Gebel 2009).
Insgesamt erweist sich das eigene soziale
Umfeld als wichtiger Kontext, um sich Medien
zuzuwenden, sei es beim Computerspielen,
in den Online-Communitys oder auch in der
Produktion eigener Videos, die über Videoportale verfügbar gemacht werden. (Wagner
2008). Hervorzuheben ist dabei, dass sich
die Jugendlichen in ihrem Medienumgang
gegenseitig unterstützen und helfen.
7|10
den Besuchen in sozialen Netzwerken zu
begleiten und über wichtige Privatsphäreeinstellungen, Datenschutz und Gefahren
aufzuklären.
Das Café Netzwerk hat daher einen Leitfaden für die verantwortungsvolle Nutzung
von sozialen Netzwerken im Web 2.0 erstellt.
Dieses Handout soll als Orientierungshilfe
für Pädagog/inn/en dienen. Inhalte sind
unter anderem, was soziale Netzwerke überhaupt sind, wie sie funktionieren, warum
sie einen so großen Reiz auf Jugendliche
ausüben und welche Gefahren sie bergen.
Dazu gibt es Tipps für die optimalen Einstellungen, um zum Beispiel dem Datenmissbrauch durch Dritte vorzubeugen. Eine Liste
mit weiterführenden Links gibt auch Seiten
an, auf denen die richtigen Einstellungen in
den jeweiligen Plattformen mit Screenshots
dargestellt sind.
Die Handreichung steht zum Download zur
Verfügung unter www.cafe-netzwerk.de/index.php?id=185 und auf der KJR-Website im
Bereich „Service“.
Viele Jugendliche haben zwar eigene Profile in einer oder mehrerer Communitys und
sind innerhalb dieser sehr aktiv, bei anderen
Social-Web-Angeboten wie z.B. Wikipedia
oder Youtube ist nach wie vor die Mehrzahl
der Heranwachsenden eher an der Rezeption
des von anderen zur Verfügung gestellten
User-generated Content interessiert (Busemann/Gscheidle 2009). Qualitative Ergebnisse
verweisen darauf, dass insbesondere jüngere,
männliche und formal niedriger gebildete Jugendliche sich verstärkt Videos mit privaten
Inhalten im Internet zuwenden und diese
auch häufiger als andere Jugendliche selbst
einstellen (vgl. Schorb u.a. 2009).
In den Artikulationsformen der Jugendlichen in Online-Communitys finden sich
zudem vielfältige Spuren massenmedialer
Inhalte: Die Heranwachsenden finden ihre
bevorzugten Inhalte aus den Massenmedien
im Netz, z.B. Ausschnitte ihrer bevorzugten
Soaps, Musikvideos oder Filme, und verarbeiten sie in ihren Profilen weiter oder setzen sie
als Stilmittel in ihren Selbstpräsentationen
ein (vgl. Wagner/Brüggen/Gebel 2009).
Online-Communitys als neue
Räume für die Arbeit am Selbst
Die Heranwachsenden wenden sich mit
vielfältigen Motiven und handlungsleitenden Themen ihren Medienfavoriten zu.
Insbesondere Online-Räume bieten nun
neue Möglichkeiten für die Arbeit an ihrer
Identität, einem zentralen Thema in der
Adoleszenz (vgl. ausführlich Theunert 2009).
Vor allem folgende Aspekte sind dabei für die
Jugendlichen relevant:
■ Sich in Beziehung setzen: Die Heranwachsenden stehen in einem regen Austausch
mit anderen Gleichaltrigen und suchen in
ihren medialen Selbstkonstruktionen ein
Gegenüber, das ihnen die Möglichkeit der
Bestätigung des Eigenen gibt, aber bei
dem sie durchaus auch mit Widerspruch
zurechtkommen müssen.
■ Sich selbstbestimmte Freiräume suchen:
Auf der Suche nach Abgrenzung, z.B. von
Erwachsenen, bieten die Medien den Heranwachsenden vielfältige Vorgaben und
Vorlagen, die sie aufgreifen und sich in
eigener Gestaltung erproben.
■ Sich beteiligen: Die Heranwachsende finden in medialen Räumen Möglichkeiten,
um sich zu positionieren und zu verorten.
Diese Verortung bildet die Voraussetzung,
sich mit der eigenen Lebenswelt und der
weiteren sozialen, kulturellen und politischen Welt auseinanderzusetzen.
■ Sich als kompetent erleben: Nicht zuletzt
wird in der Betrachtung des Medienhandelns von Jugendlichen deutlich, dass
sie über das Ausleben ihrer Interessen in
medialen Räumen eine Bestätigung für ihr
Handeln suchen und dabei stolz auf ihre
Fähigkeiten und Kenntnisse sind und diese
beständig weiterentwickeln wollen.
Ulrike Wagner, JFF
Zum Weiterlesen:
Busemann, Katrin / Gscheidle, Christoph
(2009): Web 2.0: Communitys bei jungen
Nutzern beliebt. Ergebnisse der ARD/ZDFOnlinestudie 2009. In: Media Perspektiven,
Heft 7, S. 356 – 364.
Eimeren, Birgit van / Frees, Beate (2009):
Der Internetnutzer 2009 – multimedial und
total vernetzt? Ergebnisse der ARD/ZDFOnlinestudie 2009. In: Media Perspektiven,
Heft 7, S. 334 – 348.
Medienpädagogischer Forschungsverbund
Südwest (Hg.) (2009): JIM 2009. Jugend,
Information, (Multi-)Media. Basisstudie
zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger in
Deutschland. Stuttgart.
Schorb, Bernd / Würfel, Maren / Kießling, Matthias / Keilhauer, Jan (2009):
Youtube und Co. – neue Medienräume Jugendlicher. Medienkonvergenz Monitoring Videoplattformen-Report 2009. Online
verfügbar unter: http://www.uni-leipzig.
de/~umfmed/MeMo_VP09.pdf, zuletzt geprüft am: 16.08.2009
Theunert, Helga (Hg.) (2009): Jugend – Medien – Identität. München: kopaed.
Wagner, Ulrike (Hg.) (2008): Medienhandeln
in Hauptschulmilieus. Mediale Interaktion
und Produktion als Bildungsressource. München: kopaed.
Wagner, Ulrike / Theunert, Helga (2006)
(Hg.): Neue Wege durch die konvergente
Medienwelt. München: Fischer.
Wagner, Ulrike / Brüggen, Niels / Gebel,
Christa (2009): Web 2.0 als Rahmen für
Selbstdarstellung und Vernetzung Jugendlicher. Analyse von jugendnahen Internetplattformen und ausgewählten Selbstdarstellungen von 14- bis 20-Jährigen. Erster
Teil der Studie „Das Internet als Rezeptionsund Präsentationsfläche für Jugendliche“.
Unter Mitarbeit von Peter Gerlicher und
Kristin Vogel. München: JFF - Institut für
Medienpädagogik.
Medienpädagogik und wer kommuniziert wie mit wem?
21
Workshop im Intermezzo zum BNE-Thema Geld
Gute Software darf umsonst sein
In einem ersten Schritt haben die Teilnehmenden die Preise für Software wie MS
Office, Photoshop oder CorelDraw recherchiert. Das Staunen bei den Jugendlichen
war groß, wie teuer die Software ist, die
heute jeder als selbstverständlich ansieht.
Im nächsten Schritt haben die Jugendlichen
dann für Textverarbeitung, Gestaltung
und Bildbearbeitung Alternativen zu den
kommerziellen Programmen gesucht. Sie
haben die verschiedenen freien Textverarbeitungen wie OpenOffice.org Writer1 oder
Abiword 2 ausprobiert und bewertet. Mit
OpenOffice.org Draw 1 und Inkscape 3 haben
sie einen kleinen persönlichen Steckbrief
erstellt. Und mit der Bildbearbeitung GIMP4
Bilder von sich selbst verändert. Nach dem
praktischen Teil wurde das Projekt mit
gemeinsamen Überlegungen, für wen es
wichtig sein kann, Zugang zu freier Software
zu haben, abgeschlossen. Dabei kamen die
Foto: Akova/fotolia.com
Den meisten Jugendliche sind die
Preise, die für Standardsoftware von
Microsoft, Adobe und Co. verlangt
werden, nicht bewusst. Im Rahmen
vom BNE-Jahresthema Geld haben sich
Jugendliche im Intermezzo in mehreren
Gruppenstunden mit dem Thema auseinandergesetzt.
Teilnehmenden zu dem Schluss, dass es vor
allem für jene sinnvoll ist, die normalerweise
von der teuren Software ausgeschlossen
sind, weil sie sich diese nicht leisten können. Und im Gebrauch die Entwicklung zu
fördern, dass immer mehr auf solch ein
Angebot zugreifen können.
Das Intermezzo hat die Computer für die
Jugendlichen des Jugendtreffs schon seit
langem auf freie Software umgestellt. Diese
Umstellung wurde von den Jugendlichen erst
kaum bemerkt, da der Transfer der Computerkenntnisse von proprietären (= kommerziellen bzw. urheberrechtlich geschützten)
Programmen zu den freien Alternativen den
Besuchern und Besucherinnen des Intermezzo nicht schwer fiel (und auch der umgekehrte Transfer ihnen nicht schwer fällt). Mit
dieser Erfahrung lag es nahe, ein Projekt zum
BNE-Thema Geld im Bereich freier Software
in diesem Jahr durchzuführen. Das Ziel war,
neben den praktischen Fähigkeiten an den
Programmen auch die Tragweite der Zugänglichkeit der Software als „Produktionsmittel“
für jeden zu vermitteln. Die Jugendlichen
haben es verstanden. Und vielleicht arbeiten eines Tages auch die Pädagog/inn/en
selbstverständlich mit freier Software und
unterstützen somit die Akzeptanz und auch
Weiterentwicklung der Anwendungen.
Wolfgang Haberl, Intermezzo, KJR
1) OpenOffice.org: http://de.openoffice.org/
2) Abiword: www.abisource.com/
3) Inkscape: http://inkscape.org/
4) GIMP: www.gimp.org/
Kinder und Jugendliche im Web 2.0
Der Trend geht klar zu Facebook
Das SIN – Studio im Netz e.V. hat im ersten Halbjahr 2010, flankierend zu seinem Schulklassenprogramm „Besserer
Umgang mit Medien“, eine Befragung
über das „Computer- und Internetverhalten von Kindern und Jugendlichen“
bei Schüler/inne/n aus dem Münchner
Raum durchgeführt. Befragt wurden
Kinder und Jugendliche im Alter von
9 bis 15 Jahren zu ihrem Umgang und
ihren Erfahrungen mit den digitalen
Medien.
Überraschend ist, dass bereits ein großer
Teil der 9- bis 11-Jährigen das digitale Zeitalter mitbestimmt. Mehr als zwei Drittel dieser
Grundschüler/innen besitzen schon einen
eigenen PC in ihrem Zimmer und mehr als
die Hälfte dieser Kinder hat darüber hinaus
einen eigenen Internetzugang, mit welchem
täglich oder mehrmals die Woche im Internet
gesurft wird.
Für die Altersgruppen der weiterführenden Schulen trifft insbesondere ein Fakt im
Allgemeinen zu. Der Einfluss und die Anziehungskraft von Sozialen Netzwerken wie Lokalisten, Facebook und SchülerVZ nimmt bei
den Kindern und Jugendlichen immer mehr
zu. Sind bei den 11- bis 13-Jährigen „nur“
etwa drei Viertel bei einer oder mehreren
Plattformen angemeldet, ist bei den 13- bis
15-jährigen Schülern und Schülerinnen mit
einzelnen Ausnahmen jeder angemeldet. Laut
der Umfrage tummeln sich bereits 9 von 10
Befragten dieser Altersgruppe in den virtuellen Welten. Dieser Umstand wird von einem
beachtenswerten Trend begleitet.
Als wollten die ganzen „Lokalisten“ und
„SchülerVZ’ler“ aus ihrem lokalen Korsett
der „begrenzten“ Vernetztheit ausbrechen
und den Mantel der Anonymität abwerfen,
streben sie auf die Seite des neuen großen
„Globalplayers der Netzwerke“: Facebook ist
der neue Superstar unter den Netzwerken in
Deutschland und dies auch bei den jungen
Usern und Userinnen. Hier sind die Kinder
und Jugendlichen nicht mehr hauptsächlich
mit ihren gleichaltrigen Banknachbarn und
schulischen Mitstreitern unter sich, sondern
Teil eines Systems, welches ca. 500 Millionen
Nutzer und Nutzerinnen verschiedenster Altersgruppen beherbergt. Auch tragen sie hier
oft keine Fantasienamen mehr, sondern ihre
realen und geben gerne (für ihre oft mehr als
dreistellige Freundeszahl) ihre Interessen,
Adressen, Tätigkeiten und aktuellen Vorlieben preis. Der bürgerliche Name, persönliche
Informationen und die wahren Interessen
scheinen für die Schüler und Schülerinnen
ein bereitwillig gezahlter Preis für den Eintritt in den großen „Zirkus“ zu sein.
Dass hierbei auch die Nutzungszeit und
-häufigkeit ansteigt, wirkt logisch, da sich
diese Generation nicht mehr auf das reine Anschauen von Webseiten beschränkt, sondern
die (soziale) Interaktion auf den einschlägigen Plattformen als Prozess begreift, welcher
von den Machern dieser Portale allein schon
durch Begriffe wie zum Beispiel „Freunde,
Gruppen und Einladung“ generiert wird. Wer
allerdings hinter den Namen wie „Lokalisten“,
„SchülerVZ“ und „Facebook“ steht, welche
politischen und wirtschaftlichen Interessen
dabei zum Tragen kommen, wer ihr neues
soziales Umfeld mitbestimmt und wie sehr
sie zu einer Art „Gläserner Mensch“ werden,
ist dabei den Befragten selten bewusst. Und
dies in jeder der Altersgruppen!
Generell gibt es bei vielen Schülern und
Schülerinnen einen gesteigerten Informations- und Aufklärungsbedarf. Die Medienpädagogik und die kulturelle Medienbildung
stehen hier vor Herausforderungen, die es
zu bewältigen gilt. Zum Wohle der Kinder
und Jugendlichen.
Studio im Netz (SIN)
7|10
22
Angebote
Fachtagung am 10.12.2010
Rassismus heute
Rassismus in Deutschland hat viele Gesichter. Er zeigt sich besonders drastisch
in gewalttätigen Übergriffen und Anschlägen auf Migrant/inn/en oder Schwarze
Deutsche. Rassistische individuelle und gesellschaftliche Strategien der Missachtung von Minderheiten sind Realität in Deutschland.
Auch Politiker/innen demokratischer Parteien greifen immer wieder auf rassistische
Argumentationsmuster zurück. Es ist wieder
möglich, gesellschaftliche Benachteiligung
mit der angeborenen Ungleichheit von Menschen zu legitimieren und dafür auch noch
Beifall zu bekommen.
Rassismus ist keine Randerscheinung,
sondern ist in der Mitte der Gesellschaft weit
verbreitet. Wir haben uns daran gewöhnt,
dass er allgegenwärtig ist – Rassismus erscheint normal.
Vormittags referieren Prof. Dr. Clemens
Dannenbeck zu „Pädagogischen Herausforderungen im Umgang mit Rassismus und An-
tidiskriminierung“ und Prof. Dr. Susan Arndt
zu „Rassismus in Gesellschaft und Sprache“.
Am Nachmittag werden drei unterschiedliche
Projekte präsentiert.
Die Fachtagung findet am Freitag, den 10.
Dezember, von 9 bis 15 Uhr im DGB-Haus
(Schwanthalerstraße 64) statt. Es fallen keine Kosten an. Wir bitten um Anmeldung per
E-Mail bis 8.12.2010, m.wenzig@kjr-m.de
Die Fachtagung ist eine Kooperationsveranstaltung von KJR München-Stadt und
der Landeshauptstadt München – AMIGRA
und wurde finanziell durch den Förderpreis
„Münchner Lichtblicke“ ermöglicht. Mehr Infos zur Veranstaltung unter www.kjr-m.de
Ausstellung in der Färberei
VUWZ
Bedrohliche Hochhäuser und finstere
Gestalten mit Fratzen statt Gesichtern
überwältigen den Besucher auf den
ersten Blick.
Auf den zweiten jedoch erschließen sich
ihm Menschlichkeit und positive Gefühle,
die selbst in garstig wirkenden Welten zu
Hause sind. Der britische Künstler Loz Verney
saugte mit sensiblen Antennen das Leben der
Großstadt London auf und verarbeitete es in
großformatigen, dynamischen Gemälden.
Seine Ausstellung „Vuwz“ (Views) ist von 20.
bis 28. November in der Färberei zu sehen
– samstags und sonntags von 13 bis 18 Uhr,
montags bis freitags von 16 bis 19 Uhr.
Die Vernissage findet am Freitag, den
19. November, ab 19 Uhr statt. Der Eintritt
ist frei.
Buchpräsentation
„Deutschland wird dir gefallen“
1947 in Tel Aviv als Sohn deutscher Juden
geboren, stand ihm 1957 mit der Rückkehr
der Familie nach München ein kompletter
Neuanfang bevor: Sprache, Heimat, Identität
sind Themen seines Lebens geworden. Er
studierte Politik und Geschichte. Seligmann
veröffentlichte zahlreiche Bücher. Als Kom7|10
Foto: Reno Engel
Zuhause in der deutschen Sprache und
Kultur hat sich Rafael Seligmann als
Publizist und Romancier einen Ruf als
Nonkonformist erworben.
mentator schreibt er für viele Zeitungen und
Magazine.
Am Donnerstag, den 18. November, um
19.30 Uhr stellt Rafael Seligmann seine
Autobiographie „Deutschland wird dir gefallen“ im Jüdischen Gemeindezentrum
(St.-Jakobs-Platz 18) vor. Eintritt frei. Karten können unter Tel. 20 24 00-491 oder per
E-Mail karten@ikg-m.de reserviert werden.
Restkarten sind an der Abendkasse erhältlich. Veranstalter ist das Kulturzentrum der
Israelitischen Kultusgemeinde.
Angebote
23
KJR-Fachtagung am 19.11.2010
Kinderarmut im öffentlichen Diskurs
Armut bei Kindern und Jugendlichen
in Deutschland ist kein ganz neues
Problem. Seit vielen Jahren wird Armut,
gerade auch Kinderarmut erforscht
und beschrieben. Wie kommt es, dass
sich an diesem Problem kaum etwas
geändert hat?
Es scheint, dass die Diskussion um Kinderarmut vor allem in der Politik zur bloßen Rhetorik geworden ist. Wie ist dieses Phänomen
zu erklären? Was können im Sozialbereich
Engagierte tun, um Politik zum Handeln
zu veranlassen? Wie zeigt sich das Problem
der Armut bei Kindern und Jugendlichen?
Welche Auswirkungen hat Armut auf deren
Gesundheit und Bildungschancen?
Wir laden Sie ein, über diese Fragen engagiert zu diskutieren und nach Wegen zu
suchen, die die Situation von Kindern und
Jugendlichen und ihren Familien nachhaltig
verändern können.
Prof. Dr. Walter Hanesch von der Fachhochschule Darmstadt referiert zu „Zwischen Skandalisierung, Banalisierung und
Diffamierung: Armut im öffentlichen und
politischen Diskurs.“ Im Anschluss zeigen
Prof. em. Dr. Heiner Keupp, Uni München
und Prof. Dr. Michael Klundt, Hochschule
Magdeburg-Stendal, an den Beispielen Ge-
sundheit und Bildungschancen die Folgen
von Armut auf.
Die Fachtagung findet am Freitag, den
19. November 2010, von 9.30 bis 15 Uhr im
EineWeltHaus (Schwanthalerstr. 80, Rgb.)
statt. Es fallen keine Kosten an.
Wir bitten um Anmeldung per E-Mail bis
17.11.2010, m.wenzig@kjr-m.de. Mehr Infos
zur Veranstaltung unter www.kjr-m.de
Kinder- und Jugendforum
Lasst uns ran!
Am Freitag, den 26. November, findet
von 14.30 bis 17 Uhr das Kinder- und
Jugendforum im Münchner Rathaus
(Großer Sitzungssaal) statt. Unter dem
Motto „Lasst uns mal ran!“ geht es um
Möglichkeiten der Mitbestimmung von
Kindern.
Das Münchner Kinder- und Jugendforum
ist eine Einrichtung zur Förderung der
Kinder- und Jugendpartizipation in der
Landeshauptstadt München. Ziel ist es, die
Beteiligung und Mitbestimmung von Kindern
und Jugendlichen an der Stadtpolitik, aber
auch an der Stadtgestaltung in München auf
eine breite Basis zu stellen. Dazu werden
seit vielen Jahren die zentralen Foren im
Münchner Rathaus veranstaltet.
Kinder und Jugendliche von 9 bis 16 Jahren
können mit Stadträtinnen, Stadträten und
Mitarbeiter/inne/n der Stadtverwaltung
diskutieren, Anträge stellen und abstimmen,
was verbessert werden muss.
Diesmal geht es im Kinder- und Jugendforum um Mitbestimmung: Wo sollen Mädchen
und Jungs mitreden, mitentscheiden oder
sogar selbst entscheiden? Was brauchen
Kinder und Jugendliche in der Stadt und wo
Kinder- und Jugendbeteiligung
Goldene Göre 2011
Kinder- und Jugendprojekte können sich
ab sofort um die Goldene Göre bewerben. Sie
ist mit insgesamt 15.000 Euro die höchstdotierte Auszeichnung für Kinder- und
Jugendbeteiligung in Deutschland und wird
im Mai 2011 verliehen. Ein Projekt kann einreicht werden, wenn Kinder und Jugendliche
aktiv an der Entwicklung und Umsetzung
beteiligt sind. Die Vorhaben sollten bereits
begonnen haben oder im letzten halben Jahr
abgeschlossen worden sein.
Der Kinder- und Jugendbeirat des Deutschen Kinderhilfswerks entscheidet als Kinderjury über die Preisträger, denn „Kinder
können das!“. Bewerben kann man sich bis
15. Januar 2011. Nähere Informationen gibt
es unter www.dkhw.de/goldenegoere
ARD-Radionacht für Kinder
querWELTein
sollen sie sich einmischen? Was muss für sie
verändert und verbessert werden?
Mehr Infos und Anmeldung (für Gruppen)
unter: www.kinderforum-muenchen.de
Zu einer Reise rund um die Welt lädt radioMikro alle Kinder in Bayern ein: Das Kinderradio auf Bayern 2 sendet am 26. November
2010 von 20 bis 1 Uhr die ARD-Radionacht
für Kinder. Fünf Stunden lang führt das
Programm in Hörspielen und Abenteuergeschichten in alle Himmelsrichtungen. Es
geht um mutige Reisende und um geheimnisvolle, abgelegene Orte auf unserem blauen
Planeten. Die Kinder sind eingeladen, in der
Klasse oder mit Freunden Wachbleibepartys
zu veranstalten, um gemeinsam die lange
Nacht zu erleben. Tipps und Ideen für die
Gestaltung einer Hör- und Lesenacht gibt es
in einer kostenlosen Mitmachbroschüre der
ARD-Kinderradio-Redaktionen, die unter
www.kinderradionacht.de heruntergeladen
werden kann.
7|10
24
Kalender
KJR München-Stadt - Postfach 151 223 - 80047 München
PVSt - Deutsche Post AG - Entgelt bezahlt - 13074
Spectaculum Mundi
14. Festival VOKAL TOTAL
„Stimmen frei“ für Vokal Total“ heißt es noch bis zum 12. Dezember
im Spectaculum Mundi.
Die 4-köpfige A-Cappella-Band maybebop
gibt sich am 5. Dezember gleich zwei mal die
Ehre: Um 16 Uhr beim Xmas-A-Cappella für die
ganze Familie - da alle Bandmitglieder auch
Papas sind, war es nur eine Frage der Zeit, ein
kinder-familien-taugliches Programm auf die
Beine zu stellen. Und um 20 Uhr heißt es dann:
Schenken - Achtung Weihnachtslieder!
Mit gewohnt warmem Sound und heißen
Beats entflammen maybebop hier nicht nur
die Frauenherzen, sondern auch die Christbaumkerzen. Die poppig gesungenen Christmas-Evergreens u. a. von George Michael
oder Chris Rea wecken Weihnachtslust und
versüßen auf musikalische Weise nicht nur
die Adventszeit. Dabei werden auch klassische Weihnachtslieder in unkonventioneller
maybebop-Manier dargeboten.
Weitere Konzerte im Rahmen von VOKAL
TOTAL siehe unten.
Termine
7|10
wann
was
wo
weitere Infos
16.11., 18 Uhr
Herbstvollversammlung
des KJR München-Stadt
Haus des Sports,
Georg-Brauchle-Ring 93
www.kjr-m.de
17.11.,
9.30-13.30 Uhr
Workshop-Reihe, Thema Rechtsextremismus:
Argumentationstraining gegen rechtsextreme Sprüche
Der Ort wird mit der Anmeldebestätigung bekannt gegeben
www.agfp.de
18.11.,
9.30-18 Uhr
Abschlusspräsentation der Kooperationsprojekte Neue Medien und Internet
Kath. Stiftungsfachhochschule,
Preysingstr. 83
www.jff.de
18.11., 17 Uhr
Eröffnung des Neubaus JT Cosimapark
Englschalkinger Str. 185
www.kjr-m.de
18.11., 17 Uhr
Vorstellung des Comp@ss-Handbuchs
Café Netzwerk, Luisenstr. 11
www.cafe-netzwerk.de
19.11.,
9.30-15 Uhr
KJR-Fachtagung
„Kinderarmut im Öffentlichen Diskurs“
EineWeltHaus, Schwanthalerstr. 80
www.kjr-m.de
19.11., 20 Uhr,
Einlass 19 Uhr
VOKAL TOTAL: Das GlasBlasSing-Quintett,
Keine Macht den Dose
Freiheiz,
Rainer-Werner-Fassbinder-Platz 1
www.spectaculum-mundi.de
20.11., 20 Uhr,
Einlass 19 Uhr
VOKAL TOTAL: Bliss, SuperStern –
ein vielseitiges umgesetztes Programm
Freiheiz,
Rainer-Werner-Fassbinder-Platz 1
www.spectaculum-mundi.de
23.11.
Fachtagung „Kommunikation“
Bildungszentrum Burg Schwaneck
in Pullach, Großer Rittersaal
Anmeldung bis 14.11.,
tom@jugend-oberbayern.de
26.11., 20 Uhr,
Einlass 19 Uhr
VOKAL TOTAL: Viva Voce, Wir schenken uns nix
– Weihnachten mit Viva Voce
Lukas-Kirche, Mariannenplatz 3
www.spectaculum-mundi.de
27.11., 20.30 Uhr,
Einlass 19 Uhr
VOKAL TOTAL: Mundwerk & Safer Six Doppelkonzert
Spectaculum Mundi,
Graubündener Str. 100
www.spectaculum-mundi.de
27.11.,
9.30-18 Uhr
Studientag: Rechtsextreme Erlebniswelten
Evangelische Stadtakademie,
Herzog-Wilhelm-Str. 24
www.evstadtakademie.de/cms/
?q=node/2055
27.11., 10-16 Uhr
Aufmachen! – Workshop für interkulturelle
Öffnung und Kommunikation
Jugendbegegnungsstätte am
Tower / Oberschleißheim
Anmeldung bis 19.11.,
lea.freiberger@jugend-oberbayern.de
30.11., 17.30 Uhr
Eröffnung des Neubaus JT pfiffTEEN
Wolkerweg 15
www.kjr-m.de
03.12., 20 Uhr,
Einlass 19 Uhr
VOKAL TOTAL: Füenf, Die füenf werden 15!
Die Jubiläumstour
Spectaculum Mundi,
Graubündener Str. 100
www.spectaculum-mundi.de
04.12., 20.30 Uhr,
Einlass 19 Uhr
VOKAL TOTAL: Unduzo & VoiceNet,
Doppelkonzert
Spectaculum Mundi,
Graubündener Str. 100
www.spectaculum-mundi.de
05.12.,
16 und 20 Uhr
VOKAL TOTAL: maybebop, Xmas-A-Cappella für
die ganze Familie und „Schenken - Achtung
Weihnachtslieder“
Freiheiz,
Rainer-Werner-Fassbinder-Platz 1
www.spectaculum-mundi.de
10.12., 9-15 Uhr
Fachtagung: Rassismus heute,
KJR in Kooperation mit AMIGRA
DGB Haus, Ludwig-Koch-Saal,
Schwanthalerstr. 64
www.kjr-m.de
10.12., 20.30 Uhr,
Einlass 19 Uhr
VOKAL TOTAL: Sonic Suite,
Das Vokalprojekt – Soul, R&B, Pop
Spectaculum Mundi,
Graubündener Str. 100
www.spectaculum-mundi.de
11.12., 20 Uhr,
Einlass 19 Uhr
VOKAL TOTAL: Martin O. meets VoicesInTime,
Doppelkonzert
Freiheiz,
Rainer-Werner-Fassbinder-Platz 1
www.spectaculum-mundi.de
12.12., 20 Uhr,
Einlass 18.30 Uhr
VOKAL TOTAL: Wise Guys, Top-Ten-Album
“Klassenfahrt”
Zenith, Lilienthalallee 29
www.spectaculum-mundi.de
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