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- 165 - KÜSTENF ISCHEREI Wie schädlich ist die

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KÜSTENF ISCHEREI
Wie schädlich ist die Seezungenbaumkurre fUr Bodentiere?
Laut Aussage des von der EG regelmäßig einberufenen WissenschaftlichTechnischen Ausschusses, hat die Seezungenbaumkurre auf die Bodentierorganismen keinen nachweisbar nachteiligen Effekt ("no detectable adverse
effect"). Es heißt weiter im h. flericht dieses Komitt.ees vom Okt.ober 1983
auf Anfrag~ eines Europa-Abgeordneten, daß zahlreiche Veröffentlichungen
zu dieser Thematik gezeigt hät.t.en, daß es keinen Grund zur Annahme gäbe,
daß Baumkurren mit Ket.t.enunterblättern wirklichen Schaden in Aufwuchsgebieten anrichteten. Eine ähnlich lautende Aussage des [G-Vi7epräsidenten
ANDRIESSEN, abgedruckt in der AFZ vom September 1985, die sich wahrscheinlich auf den selben Bericht des Wissenschaftlich-Technischen Ausschusses bezieht, besagt, Unt.ersuchungen in Großbritanrlien, Relgien und
den Niederlanden hätten ergeben, "daß die von den sog. Eurokutlern zum
Fischen verwendeten BQumkurren in der Nordsee keine ernsthaften Umweltschäden hervorrufen".
Der Wissensch8ftlich-Technische Ausschuß küllllLe /u diesem leiLpullkL zu
keiner anderen Aussage gelanqen,
da die einziqen Untersuchunqen,
die
ZlJ
djeser Fragestellung Bezug hatten und vorlagen, aus den Jahren 1970-1972
stammten und insgesamt keinen nachweisbaren nachteiligen Effekt ergaben.
Angesich~ eigener Reobachtungen zu dieser Frage und der Aussagen von
KUstenfischern, die Uher die totale VerwUstung des Meeresbodens in stark
be fischten Seezungenfanggebieten bericht.ell, erhebt s ich die Frage, ob die
hrillfig zitierle Formulierung des "nicht n8chweisbar nachteiligen Effektes"
Uberhaupt richtig lind haltbar ist.
Es dürft.e sich dafler lohnen,
8.inmal nachzuprüfen,
wie diese Aussage
7U-
stande gekommen ist, ob diese Auusage nach 15 Jahren fortgeschrittener
Entwicklung in der Seezunqenfischerei UbertlBupl noch GUltigkeit hat, ob
dieue Aussage auf alle Gebiete gleichermaßen paßt und ob Untersuchungen
dieser Art, alls dereIl Inhalt der "nicht nachweisbar nachteilige Fffekt"
auf die Bodentiere ständig abgeleitet wird, Ubcrhaupt geeignet sind, das
t.atsHchliche Geschehen auf intensjv befischten Seezullgenfangplät7cn 7U
beurteilen.
Die Untersuchungrn,
auf die hier Ae7ug genommen wird,
stammen von eng-
lischen, belgischen und niederländischen Autoren,die 1971 urld 1972 insgesamt 6 Verriffentlichungen zu dieser Them8tik im Internationalen Rat fUr
Meeresforschung
vorgelegt haben (DE GROOT and APELDOORN, 1971;
HOIJGHTON, WILLIAMS and RLACKER, 1971; MARGFTTS und BRIDGER, 1971;
BRIDGER, 1972; OE Cl [RCK und HOWART, 1972; DE GRüOT, 1972).
Ohne iluf die Ergebnisse dIeser 6 Untersuchungen nEiher einzugehen, die
alle zum Ziel hatten, die Eindringtiefc von Raumkurren in 'Jntcrschiedliche
Sedimenttypen und den Finfluß der Scheuchkett.en auf die Bodenfauna zu
crmitteln, soll folgendes festgestellt werden:
D,e 1970 bis 1972 durchgefUhrten Unte.suchungen entspract,en bezUglich
der technischen DurchfOhrung in etwa dem damaligen Stand der Seezungenfischerei mit Baumkurren.
Die PS-Stärke der zum Einsatz gebrachten Fahrzeuge lag im Rereich von
230 bis Ober 1000 PS, die Kurrbäume wiesen I.ängen z'Nischen hund 9 m auf,
dau Gewicht. der Kurren lag - abgesehen vnn 2 experimenten - unter 1000 kg,
die Schlcppgesehwindigkeit lag zwischen 2 und 4 Knoterl. Die Untersuchungen
wurden in KUstennbhe der Irischen See, des lnglischen Kanals und der belrJischen Küste sowie auf den etll\JClS küstenfernpr (JPleqcnen Fanqplätzen der
Braunen Bank (flHmische Bucht) und dem nbrdlich davon gelegenen Fangge-
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166 -
biet der elaever Bank durchgefOhrt. Wenn im Jahre 1985 bei der Beurteilung der Schädlichkeit der Seezunqenbaumkurre immer noch auf die Untersuchungen von 1970 bis 1972 Bezug genommen wird, dann sollte darauf hingewiesen werden, daß sich im Laufe der letlten 15 Jahre einiges verändert
hat:
Die Fahrzeuge sind größer qeworden, die Anzahl der Fahrzeuge ist qestiegen, die Zugleistung der Fahrzeuge ist bis auf 4000 PS angewachsen, die
KurrenbalJmlänge auf Ober 14 m, das Gewicht der Baumkurre mit zunehmendem
ScheuchkBttengewieht bis auf 12000 kq und die Schleppgeschwindigkeit bis
auf etwa 7 Knoten angestiegen.
Ein weit wesentlicherer Gesichtspunkt, der bei den meisten dieser Experimente nicht berOcksichtiqt wurde, ist der Grnd der Schädigung von
Benthosorganismen, die einer Mehrfachbefischung mit der schweren Seezungenbaumkurre ausgesetzt sind.
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Abbildung:
Anzahl der Fangstunden nie der1ändischer BClumkurrcnfahrz euge
pro stat.Rechteck 1 m Jahre 1975.
Aus:
Cooperative Research
Report Nr. 94, 1980
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Mehrfachbefischungen dieser Art, wie sie in den eigentlichen Seezungenfanggebieten z.B. der sOdlichen Nordsee oder der Deutschen BlIcht regelmäßig der Fall sind, die nach kurzer Zeit eine totale Benthosverödung und
eine darauf folgende iischleere zur Folge haben (die vielen tot Ober Bord
geworfenen "Discards" ausgeschlossen),
passen -
wie
leicht einzusehen -
nicht zu der Aussage von dem "nicht nachweisbar nachteiligen Effekt".
Aus den Zahlen der Abbildung, die die Schleppstunden nur der niederländischen Baumkurrenfahrzeuge in den jeweiligen statistischen Rechtecken
fOr das Jahr 1975 wiedergeben,
läßt sich errechnen, daß in Rechtecken
mit hohen Fanqstunden eine 3- bis 5malige Befischung jedes Quadratmeters
erfolgt ist. Das schließt nicht aus, daß bestimmte Fangplätze innerhalb
eines solchen statistischen Rechteckes, die durch reiche Benthosbesiedlung
und ein häufig damit verbundenes hohes Fischaufkommen auffallen, weitaus
häufiger als 3- oder 5mal bis zur totalen Verödung befischt werden. Zahlen
Ober die Fangstunden pro Rechteck aus den 80er Jahren liegen zwar nicht
vor, sie dilrften aber mit Sicherheit noch Ober den lahlen von 1975 liegen.
In einigen kOstennahen Gebieten der Nordsee scheinL nach einer solchen
Benthosverbdllng eine Wiederbesiedlung durch bestimmte Bodentiere bis zur
nächsten Seezungensaison relativ schnell zu erfolgen. Es ist uns aber
nicht bekannt, wie die weicheren Bbden der Deutschen Bucht und auch z.B.
die der Schlickbänke westlich der jOtländischen KOste in Fanggebieten. in
denen seit einigen Jahren verstärkte Baumkurrenaktivität festgestellt
wird, auf eine Mehrfachbefischung durch Baumkurren reagieren, und ob und
wie schnell eine Wiederbesiedlung der Benthosorganismen erfolgen kann.
So ist nicht auszuschließen, daß die in bestimmten Bereichen der Nordsec
bereits aufgetretene Abnahme der Populationsdichte bei Schollen neben der
Uberfischung mit der Zunahme an Baumkurrenaktivitäten und den damit verbundenen Veränderungen im Benthosbereich zusammenhänge!,.
Da die Seezungenbaumkurre im Vergleich zum Ottertrawl, der Snurrewade
sowie Stellnetzen wegen ihrer geringen selektierenden Eigenschaften auf
die Entwicklung der
Platt fischbesLände einen negativen Einfluß hat und
wegen
der Eindringtiefe in den Meeresboden fOr eine Reihe von Benthosorganismen zusätzlich stark biotopverändernde Auswirkungen zeigt, sollte
ihr zahlenmäßiger Einsatz in den Fischereigebieten unter kontrollierteren
Bedingungen verlaufen. Durch strikteres Einhalten der Quoten in den letzten
Jahren wäre dieses Ziel wenigstens teilweise erreicht worden.
Ein nicht zu hohes Maß an schwerer Baumkurrenfischerei wird zwar jedes
Ökosystem verkraften können, wegen der qroßen Effektivität dieses Fanggerätes treten aber regelmäßi~ Wettbewerbsverzerrungen zum Nachteil anderer Fang-Betriebsarten auf. Verhängnisvoll dOrf te sich deshalb die
Entwicklung besonders fOr die Bodenfischbestünde dann auswirken, wenn
Fahrzeuge, die bisher Ottertrawl oder Snurrewade benutzten, wegen nachlassender Fängigkeit ihrer Fanggeräte sich ebenfalls der effektiveren
Baumkurre zuwenden wOrden. Daher sollte man auch nicht solche Fischer,
die ein zu hohes Maß an unkontrollierter Baumkurrenfischerei auf Bodenfische fOr die Fischbestände und das Benthos fOr schädlich halten, als
neidische Protestierer abtun (DE GROOT, 1984), sondern sollte diese
Fischer in ihrer Handlungsweise bestärken, die, mit mehr Weitblick ausgestattet, von sich aus ohne staatliche Lenkung durch freiwillige Erhöhung z.B. der Mindestanlandegröße bei Fischen und der Erhöhung der
Mindestmaschenöffnungen einen Beitrag fOr einen auch zukOnftig noch
möglichen gleichmäßigen Dauerertrag an Bodenfischen liefern.
Eine umfassende Untersuchung Ober den Einfluß der ßaumkurrenfischerei mit
Ketten auf das Benthos in den verschiedenen Teilen der Nordsee mit seinen
unterschiedlichen Bodentypen ist dringend erforderlich.
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Dabei k~nnen die o.a. UnterslJchungen aus den Jahren 1970 - 1972, die den
Einfluß einer Baumkurre durch einmalige Befischung auf das Benthos zum
Ziel hatten, nur der Anfang sein. Wie schädlich die Baumkurrenfischerei
durch Mehrfachbefischung in einem bestimmten Gebiet wirklich ist, kann
erst eine LangzeitLJntersuchunq,
die sich Uber mindestens eine Fangsaison
erstreckt, Auskunft geben.
Zitierte
~iteratur:
DE GRooT, S.J.; APELDooRN, J.: Some experiments on the influence of lhe
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HoUGHToN, R.G.; WILLlAMS, T.; BLACKER, R.W.: Some effects of double beam
lrawling. Coun.l~eet. lCES, Gear and Behaviour Comm., B 5: 18 P., 1971.
MARGETTS, A.R.; BRlDGER, J.P.: Tile effecl of a be am trawl on the sea bed.
Coun. Meet. lCES, Gear and Behaviour Comm., B 8: 9 p., 1971.
BRlDGER,
J.P.: Some observations on the penetration into the sea bed of
[olJn, Mpet.
leES,
Gear and Behaviour
Comm., 87: 9 p., 1972.
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DE CLERCK, R.; HoVART, P.: On the effects of tickler chains, Coun.Meet.
ICES, Gear and Behaviour Comm. ,B 15: 11 p., 1972.
DE GRooT, S.J.: Some further experiments on the influence of lhe beam
trawl on the bol tom fauna. Coun. ~leet. ICES, Gear and Behaviour Comm.,
B 6: 6 p., 1972.
DE GRooT, S.J.: The impact of lhe bottom trawling on benthic fauna of the
North Sea. ocean Management 9: 177-190, 1984.
G. Ra uck
Institut fUr Kilsten- und Binnenfischerei
Hamburg
Mittlere Muschelernte und viel Brut nach dem Eiswinter 1984/85
AnlandlJngen 1975-1984: Das Wattenmeer erbringt stets den L~wenanteil der
deutschen Muschelernte. Kaum ins Gewicht fallen dagegen Muscheln von der
ostseekilste, genauer von der Flensburger F~rde. Der amtlichen Fischereistatistik zufolge kamen irl lo-Jahresdurchschnitt 1975-1984 (s. Tabelle)
jährlich rund 19300 t Miesmuscheln aus dem Wattenmeer, aber nur rund
200 t aus der Flensburger F~rde. Bemerkenswert an dieser lo-Jahresspanne
ist der eiHwinterbedingte RUckganq der Anlandungen 1979 und das Rekordergebnis 1984. Letzteres wurde m~glich, weil hervorraqende Absatzbedingungen im ln- und Ausland und sehr gute Fangm~g1ichkeiten auf Wi1dbänken
und Kulturen bestanden.
Eiswinter 1978/79 und 1985/85: Sechs Jahre nach dem vorigen Eiswinter bildeten sich im Winter 1984/85 erneut kilometerbreite Eisfelder. Der ständig breiter werdende EisgUrtel legte sich auch Ober Muschelwildbänke und
Muschelkulluren. Wo aber wie in Schleswig-Holstein seit 1979 ein leil der
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