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Fühlt sich schon wie Frühling an! Unterwegs in der Hauptstadt des

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Nummer 8 | 22. Februar 2013
MILANO
Fühlt sich schon wie Frühling an! Unterwegs in der Hauptstadt des guten Geschmacks
Ein Modeheft
WWW.CELINE.COM
Set Design : Daniel Buren
© A D A G P - P a r i s & D B 2 012
E r h ä l t l i c h a u s s c h l i e s s l i c h i n L o u i s V u i t t o n G e s c h ä f t e n u n d u n t e r l o u i s v u i t t o n . c o m . T e l . ( 0 211 ) 8 6 4 7 0 0
TEL. +49.211.458590
Titelfoto: Ben Morris / Visual Artists; Fotoassistenz: Renee Bevan; Haare: Patrick Gorra / ballsaal.com; Make-up: Michael Gray; Covermodel Giovanna Battaglia trägt Kleid und Schuhe von Dolce & Gabbana; Tasche: Bulgari; Uhr: Rolex.
Postproduktion: Callie Schneider / Chromavisuals; Illustration Editorial: Jordy van den Nieuwendijk. Fotos Inhalt: Ramon Haindl für Freunde von Freunden (1); Renee Bevan (1)
EDITORIAL
Rom, Florenz, Venedig – das sind
die Sehnsuchtsorte Italiens. An Mailand hingegen, der
grauen Industriestadt südlich der Alpen, fährt man meistens
vorbei. Dabei hat die Metropole, in der zweimal im
Jahr die wichtigsten Mode-Kollektionen Europas gezeigt
werden, einen ganz besonderen Zauber.
Um ihn aufzuspüren, haben wir mit Domenico Dolce
und Stefano Gabbana gesprochen, pensionierte
Musiker im Verdi-Altenheim besucht und Mailand-Kenner
von Claudia Schiffer bis Giorgio Armani nach ihren
Lieblingsplätzen gefragt. Und die Mode? Die ist sowieso
allgegenwärtig, durch die Menschen, die sie
hier so selbstverständlich tragen wie nirgendwo sonst.
I N H A LT
22. Februar 2013
HAW-LIN
Man nehme die ersten drei
Buchstaben von Hawaii und
die letzten drei von Berlin,
und es entsteht: Haw-lin.
Jacob Klein und der gebürtige
Hawaiianer Nathan Cowen lernten sich in Berlin kennen und
sind seit 2008 ein unzertrennliches Team. Unsere Idee, Accessoires im Stil der Design-Bewegung »Memphis« zu inszenieren
(S. 64), konnten die beiden Fotografen nicht ablehnen – Hawlin sind gelernte Designer und
selbst große Memphis-Fans.
BEN MORRIS
studierte Fotografie am
London College of Fashion.
Nach seinem ersten Tag
sagte sein Dozent Juergen
Teller, er solle gehen und
bitte nie wiederkommen.
Zum Glück hielt sich Morris
nicht daran und fotografiert
heute für Magazine wie
Vogue und Numéro. Für uns
fuhr der Engländer mit
Wohnsitz New York quer
durch Mailand (ab S. 22) und
fragt sich seitdem, wie er es
am besten anstellt, als NichtMusiker seinen Ruhestand
in der Casa Verdi verbringen
zu dürfen (ab S. 50).
16
50
Die Stadt, der stille Star Tim Blanks, einer der
Nach dem Spiel ist vor dem Spiel Giuseppe Verdi hat in
bedeutendsten Modejournalisten der Welt, hat für uns
sein Mailand porträtiert.
Mailand ein Altersheim für Musiker gegründet. Wir haben
seine stilbewussten Bewohner besucht.
22
58
Mit 100 Sachen durch die Stadt Für unsere Mode-
Tragt es mit Fassung Ein Accessoire darf in Italien
aufnahmen haben wir ein Model an die schönsten Orte
der italienischen Metropole geschickt.
nicht fehlen: die Sonnenbrille – selbst an verhangenen
Tagen Pflicht.
36
60
Overdressed? Aber gern! Warum der Mailänder Mann
Nach Art des Hauses Die Armanis und drei andere
besser als jeder andere weiß, wie man sich anziehen muss.
Modefamilien verraten uns ihre Lieblingsrezepte.
38
64
Zwei wie Pech und Schwefel Ein Gespräch mit dem
Farbe bekennen Bunt und knallig: In den Accessoires der
Designerduo Dolce & Gabbana über die italienische Wirtschaft, persönliche Streitereien und darüber, wie viel
Haut ein Model zeigen darf.
neuen Saison lebt das Design der Achtziger wieder auf.
70
Lauter Lieblingsplätze Claudia Schiffer und andere Mai-
land-Kenner geben Tipps für den perfekten Stadtbummel.
44
Schön, Sie zu sehen Vom DJ bis zum Lampendesigner:
Diese Mailänder Nachwuchskräfte sollten Sie unbedingt
kennenlernen.
80
Übersichtlich Kleines Extra zum Schluss: eine Karte mit
allen im Heft genannten Adressen.
12 Sagen Sie jetzt nichts 14 Die Gewissensfrage 74 Kosmos 75 Hotel Europa 76 Das Kochquartett
78 Das Kreuz mit den Worten 79 Gewinnen, Impressum 82 Das Beste aus aller Welt
Diese Woche in unserer App
Sie sind die sympathischsten Models, die man sich wünschen kann: Die Bewohner der Casa
Verdi, eines Altenheims für Musiker in Mailand, präsentieren in unserer Geschichte »Nach dem
Spiel ist vor dem Spiel« (ab Seite 50) die aktuelle Frühjahrs- und Sommermode. Mit wie viel
Verve Claudiano Zani, 87 (Foto links), und die anderen Bewohner bei der Sache waren, zeigen
wir Ihnen in einem Making-of-Video der Fotoaufnahmen von Renee Bevan. Den Film sehen
Sie in unserer App auf dem iPad und auf allen Windows-8-Geräten.
Sagen Sie jetzt nichts
Name: Kevin-Prince Boateng Geboren:
6. März 1987 in Berlin Beruf: Fußballspieler
Ausbildung: Erweiterter Hauptschulabschluss
Status: Raubein mit Herz
Schon mal AC-Mailand-Boss Silvio Berlusconi zu Hause besucht?
Haben Sie sich bei Michael Ballack je für das Foul, das das Ende
seiner Karriere einleitete, entschuldigt?
Die Kids vom Weddinger Bolzplatz am Panke-Kanal sehen in Ihnen
heute einen Helden. Taugen Sie zum Vorbild?
Wie sehr schmerzt es Sie, dass Sie in Deutschland nie die Anerkennung erfahren haben, die Ihnen nun in Italien zuteil wird?
Und wie groß ist der Anteil eigener Fehler, der zu diesem Bild von
Ihnen in Deutschland beigetragen hat?
Sie hatten bei letzter Zählung 13 Tattoos. Welches ist Ihr
liebstes?
Alle reden nur von Messi als bestem Fußballer der Welt. Wie groß
ist der Abstand, der Sie beide fußballerisch voneinander trennt?
Fotos: Frank Bauer. Hemd, Fliege, Jackett und Jeans: alles Diesel; Location: Circus Studio Mailand
Wahrscheinlich gab es in den letzten Jahren keinen Fußballer, der in
Deutschland ein miserableres Image hatte als Kevin-Prince Boateng. Aufgewachsen im Berliner Wedding, galt er zwar als eines der hoffnungsvollsten Talente, aber auch als »Ghetto-Kid« (Welt, FAZ), das spätestens
seit dem Foul an Michael Ballack, kurz vor der WM 2010, zum Buhmann
wurde. »Dieser Boateng ist nicht bekehrbar, nicht sozialisierbar«, urteilte
TV-Kommentator Marcel Reif. Wie falsch seine Kritiker lagen, zeigen
jedoch die vergangenen beiden Jahre: Seit 2010 dribbelt Boateng für den
AC Mailand. Seine italienischen Mitspieler nennen ihn scherzhaft »den
Deutschen«, weil er immer pünktlich zum Training erscheint. Im Januar
verließ Boateng während eines Freundschaftsspiels plötzlich das Feld:
Fans der gegnerischen Mannschaft hatten pausenlos rassistische Parolen
über dunkelhäutige Spieler des AC Mailand gerufen. Seine Mitspieler
folgten ihm in die Kabine, ein bisher einmaliger Vorgang im Weltfußball.
Seitdem gilt Boateng in Italien als Vorbild. Die italienische Sportzeitung
La Gazzetta dello Sport titelte sogar: »Wir sind alle Boateng!« Mitte März
wird Boateng bei einer Veranstaltung der Vereinten Nationen eine Rede
halten: gegen Rassismus. Vielleicht ist es also an der Zeit, sich ein neues
Bild von Kevin-Prince Boateng zu machen.
12 Süddeutsche Zeitung Magazin
Weitere Fragen und Bilder finden Sie auf www.sz-magazin.de und in unseren Tablet-Ausgaben.
Süddeutsche Zeitung Magazin 13
HUGO BOSS AG Phone +49 7123 940
Dr. Dr. Rainer Erlinger Die Gewissensfrage
»Ich versuche ein moralisch richtiges Leben zu führen.
14 Süddeutsche Zeitung Magazin
Haben Sie auch eine Gewissensfrage?
Dann schreiben Sie an
DR. DR. RAINER ERLINGER
gewissensfrage@sz-magazin.de
lllustration: Serge Bloch; alle Autoren-Illustrationen: Grafilu
Beim ersten Nachdenken könnte man meinen,
man sei schon wieder bei der alten Unterscheidung zwischen Handeln aus Neigung und Handeln aus Pflicht. Aber nach Ihrem eigenen Bekunden leben Sie ja nicht vegan, weil Ihnen
Gemüse so gut schmeckt, oder verzichten auf
Autofahren, weil Sie so gern zu Fuß gehen,
sondern weil Sie ein moralisch richtiges Leben
führen wollen. Was bedeutet, Sie tun es aus
Pflicht im Sinne Kants. Jetzt aber wird es interessant: Sie schreiben, Sie halten sich gern an
diese Pflicht, weil Sie sich dann besser fühlen,
und meinen nun, indirekt sei das doch wieder
selbstsüchtig, weil es aus Neigung geschehe.
Das ist eine Variante des Problems, das man
in der Moralphilosophie als »psychologischen
Egoismus« kennt. Damit bezeichnet man die
Idee, dass auch Motive, die auf den ersten Blick
nicht egoistisch erscheinen, auf den zweiten
Blick durchaus egoistisch sind oder zumindest
sein können. Das wäre zum Beispiel dann der
Fall, wenn man nur deshalb altruistisch oder
moralisch richtig handelt, weil man andernfalls Sanktionen fürchtet. Bei klassischen staatlichen oder elterlichen Strafen mag man das
noch abgrenzen können, aber sowie es um innerliche oder verinnerlichte Strafen geht, wird
es schwierig: Wer Moral für wichtig hält, weil
er Angst hat, bei unmoralischem Verhalten geächtet, also aus der Gesellschaft ausgeschlossen
zu werden, hält aus egoistischen Motiven die
Moral hoch. Noch komplizierter wird es, wenn
man das Gewissen im Sinne Freuds als ÜberIch und damit als verinnerlichte elterliche Instanz ansieht: Wer seinem Gewissen folgt, tut
dies nach dieser Interpretation letztlich, um
Strafen zu entgehen, nur nennt man die in diesem Fall Gewissensbisse.
Auch wenn man darüber diskutieren kann,
halte ich die Betrachtungsweise im Grunde für
richtig: Im Endeffekt handelt jemand moralisch, hilft dem Nächsten oder schont die Natur,
weil er oder sie es besser findet, das zu tun, als
es nicht zu tun. Damit agiert er letztlich wieder
aus Motiven, die in ihm oder ihr liegen. Nur
liegt das meines Erachtens zugleich in der Natur der Sache oder des Menschen – es ist gewissermaßen ein Konstruktionsprinzip, das aber
den Wert der objektiv guten Motivation nicht
schmälert. Im Gegenteil: Es zeigt, dass Sie nicht
nur moralisch handeln, sondern dass auch Ihre
Grundeinstellungen moralisch sind.
BOSS 0526/S
Dazu gehören für mich Veganismus und das Bemühen, den
ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich zu halten.
Ich fühle mich besser, wenn ich mich so verhalte, frage
mich aber manchmal: Wird mein Verhalten dadurch nicht
doch zu einem selbstsüchtigen Antrieb, der meiner Zufriedenheit dient und nicht meiner Umwelt?« H A R T M U T L . , T Ü B I N G E N
shop online hugoboss.com
Mailand sei so grau, stöhnen immer alle.
Stimmt – aber was für ein Grau! Vom Dach
des Mailänder Doms geht der Blick zur
prächtigen Galleria Vittorio Emanuele II,
einer Passage mit Boutiquen und Cafés.
VON TIM BLANKS
Die Stadt,
der
stille Star
Inspiration? Die suchen viele woanders. Aber
dann landen sie doch alle hier: Denn Mailand ist
der Ort, an dem aus Ideen Wirklichkeit wird
n Mailand arbeiten alle in der Modebranche oder reden
darüber«, sagt die Gucci-Designerin Frida Giannini.
»Deswegen muss ich alle zwei Wochen raus. Hin und
wieder will ich auch noch Menschen treffen, die nichts
mit meinem Beruf zu tun haben.«
Giannini hat in Rom, London und Florenz gelebt,
ehe sie nach Mailand zog. »Florenz, das sind für mich
die Uffizien, die Renaissance. Ich bin glücklich, sechs
Jahre in so einer Umgebung gelebt zu haben, aber die
Stadt ist einfach zu klein für mich. In Rom sind die Menschen freier, fröhlicher, lockerer. Sie haben eine künstlerische Ader. Die Frauen ziehen sich kreativer an, nicht
immer so stylish, so Montenapoleone« – eine Anspielung auf eine Straße in Mailands berühmtem Quadrilatero d’Oro, dem Goldenen Viertel mit einer der weltweit
menschen. Zu deren Lieblingsbeschäftigungen gehört
ohnehin, sich über die Orte zu beschweren, an denen sie
ihrem Beruf nachgehen. New York, sagen sie, sei modisch
reizlos, London viel zu teuer und Paris, nun ja, französisch. Den größten Missmut aber bekommt Mailand ab,
als ob es dort so viel mehr zu bemäkeln gäbe als in anderen Metropolen. Kaum dass sie gelandet sind, zählen sie
schon die Stunden, bis sie wieder weg dürfen. Mailand
sei so grau, sagen sie immer. Richtig, Mailand ist eine sehr
steinerne Stadt – aber langweilig, wie der Ausdruck zu
implizieren scheint, ist es hier nicht.
Denn das Grau Mailands ist eine schimmernde Farbe, wie das Seidenfutter in einem Anzug von Ermenegildo Zegna oder der Morgennebel über der Piazza del
Duomo. Grau ist eine Farbe, die sehr raffiniert Aufmerksamkeit erheischt, eine
Farbe voller Geheimnisse. Auf
den ersten Blick lässt sie die
Stadt reserviert, geradezu verschlossen wirken. Doch hinter
ihren Fassaden liegen prächtige Innenhöfe und exquisite
Gärten, von denen viele zu
privaten Palazzi gehören. Kürzlich sah ich durch eine
Hecke etwas Pinkfarbenes aufblitzen und traute meinen Augen kaum, als ich einen Schwarm Flamingos
entdeckte, die sich in der Kälte aneinanderschmiegten.
Ähnlich ergeht es mir mit dem Rasenrechteck im
Innenhof jenes brutalistischen Hauptquartiers, das der
japanische Star-Architekt Tadao Ando für Giorgio
Armani entworfen hat: schroffer, dunkel polierter Beton, der das Gras, das er umschließt, wie den letzten
grünen Flecken auf Erden wirken lässt. Oder mit dem
Innenhof von »10 Corso Como«, einem Gartencafé
mit Art-Nouveau-Anmutung. Es ist das Herz von
Carla Sozzanis außergewöhnlichem Concept Store,
dessen Grundidee – nämlich eine sorgfältig kuratierte
Shopping-Umgebung zu schaffen – sich von hier über
die ganze Welt ausgebreitet hat. Neben dem Café gibt
es einen Mode- und Designstore, ein Restaurant, eine
Galerie und einen Buchladen, in dem ich vor Erfindung des Internets fast alle literarischen, musikalischen oder visuellen Raritäten finden konnte, nach
denen mir je der Sinn stand.
Das Gemeinsame dieser beiden Orte: Sie drängen
sich dem Mailand-Besucher nicht auf, sondern liegen
im Verborgenen. Und sie verkörpern Extreme. Das ist
Das Grau Mailands ist eine schimmernde Farbe –
wie das Seidenfutter in einem Anzug von
Zegna oder der Morgennebel über dem Dom
höchsten Konzentrationen von Designer-Boutiquen.
»Außerdem ist in Rom immer etwas los. Man fühlt sich
nicht alleine. In Mailand dagegen werden um acht Uhr
abends die Bürgersteige hochgeklappt.«
Es stimmt: Rom hat die chaotische Pracht einer imperialen Stadt, in Florenz kann man der Renaissance
nahekommen, Venedig ist getränkt von melancholischer
Romantik. Gegen das Arsenal dieser Waffen scheint Mailand einen schweren Stand zu haben. Und dennoch hat
mich die Stadt in den dreißig Jahren, in denen ich regelmäßig hierherkomme, verführt – so sehr, dass ich nichts
mehr übrig habe für das ewige Gejammere der Mode-
Exzentrik blüht hier
im Verborgenen:
Das »Fioraio
Bianchi Caffè« in
der Via Montebello.
18 Süddeutsche Zeitung Magazin
Fotos Seite 16/17: Josef Koudelka / Magnum Photos / Agentur Focus. Seite 18/19: Roberto Caccuri / laif; dpa. Seite 20: John Vink / Magnum Photos / Agentur Focus
I
Teures Pflaster: die
Viadella Spiga
im Boutiquen-Viertel
Quadrilatero d’Oro.
noch so eine Sache, auf die Grau sich gut versteht – es
ist eine Farbe, die Extreme überbrücken kann. In Mailand kann man die Zukunft kennenlernen, jedenfalls,
wie sie sich für die Welt der Designer darstellt, sich aber
auch in der Vergangenheit suhlen. Während einer
Fashion Week war ich beispielsweise einmal zu einer
Party eingeladen, die in Leonardo da Vincis ehemaligem
Wohnhaus stattfand. Hier lebte er zu der Zeit, als er gegenüber in der Kirche Santa Maria delle Grazie das
Abendmahl malte. Ich muss gestehen, dass ich in diesem
Haus einen größeren Schauer empfand als in der Kirche
vor Leonardos Meisterwerk.
In Mailand begegnet man der Geschichte häufig
auf eine Weise, die Größe in Intimität einbettet. Das
»Grand Hotel« etwa beherbergte Giuseppe Verdi immer dann, wenn er ganz in der Nähe an der Scala tätig
war. Als er 1901 hier im Sterben lag, hatte man auf der
Straße vor dem Hotel Stroh gestreut, damit ihm der
Lärm der Kutschen und Pferdehufe nicht seine letzten
Stunden auf Erden vergällte.
Ich bin ein paar Mal hier abgestiegen und kann deshalb sagen: Wahrscheinlich hat sich das »Grand Hotel«
seit Verdis Tagen nicht groß verändert. Was die Scala betrifft: Mich elektrisiert das Wissen, dass Luchino Visconti an ihr zwei Opern mit Maria
Callas inszeniert hat, 1955 die
Traviata und zwei Jahre später
Anna Bolena. Visconti war ein
Aristokrat, der seinen Stammbaum bis zu seinem Namensvetter, dem allerersten Luchino
zurückverfolgen konnte, dem
Herrn von Mailand zwischen 1339 und 1349. Zugleich
war er aber auch der Regisseur von Rocco und seine Brüder, dem letzten seiner neorealistischen Klassiker. Darin
erzählte er die Geschichte von Süditalienern, die in Mailand ihr Glück versuchen, auf so opernhafte Weise, dass
Verdi in ihm sicher einen Geistesverwandten erkannt
hätte. Der aristokratische Kommunist scheint ohnehin ein genuin mailändischer Charakter zu sein. Auch
Miuccia Prada, deren Großvater ein Vermögen mit
einem Lederwarenunternehmen gemacht hatte, war in
jungen Jahren Mitglied der kommunistischen Partei und
marschierte bei ihren Demonstrationen mit, gekleidet in
Yves Saint Laurent.
Ich zweifle nicht daran, dass man in jeder Stadt faszinierende Kontraste finden kann. Was mich an Mailand
so in den Bann schlägt, ist der Umstand, dass hier überlebensgroße Persönlichkeiten mit ebenso großen Geschichten aufeinandertreffen. Wenn ich in Rom bin,
habe ich keine Probleme damit, mir Caravaggio und
Michelangelo, Fellini und Magnani bei ihren Alltagsgeschäften auszumalen. In Mailand aber habe ich andere
Bilder: Leonardo, wie er die Navigli entwirft, das Kanal-
system der Stadt (der Mann ist so außergewöhnlich, dass
er mich fast an die Existenz von Außerirdischen glauben
lässt), oder – einer der schaurigeren Momente der Mailänder Geschichte – Mussolini und seine Geliebte, deren
Leichen kopfüber auf der Piazzale Loreto aufgeknüpft
wurden. Vor der Geschichte gibt es kein Entkommen:
Als ich zum ersten Mal im »Bice« aß, einem bei Modemenschen sehr beliebten Restaurant, zeigte mir jemand
eine kleine alte Dame und sagte: »Sie war der einzige
Mensch, von dem Mussolini bedient werden wollte.«
Vielleicht war in jenen Tagen im »Bice« das Essen bes-
Als Verdi im Sterben lag, hat man auf die Straße
Stroh gestreut, damit der Lärm der Pferdehufe
ihm nicht seine letzten Stunden vergällte
ser. Oder die sonst so empfindliche Modewelt hat einen blinden Fleck, sobald es um italienische Küche
geht. Denn obwohl ich mich an viele spektakuläre und
anregende Abendessen in kleinen Restaurants erinnern kann, würde ich jederzeit zugeben, dass man in
Mailand schlechter isst als in südlicheren Regionen
Italiens. Ich glaube, es liegt daran, dass Mailand seit
jeher ein Problem damit hat, sich als italienische Stadt
zu verstehen, und sich zu sehr mit etwas ausgesprochen
Unitalienischem – dem Österreichischen – eingelassen
hat. Mit ihren Straßenbahnen und ihrer behäbigen
Architektur ist die Stadt mindestens so sehr Mitteleuropa wie Italien, auf den Speisekarten taucht das
Wiener Schnitzel als »Cotoletta alla Milanese« auf. Der
Designer Neil Barrett schwört, dass man das allerbeste
in der »Trattoria del Nuovo Macello« bekommt, aber
was mich betrifft, hat paniertes Kalbfleisch kaum etwas
mit dem Segen zu tun, den man sich von mediterraner
Küche verspricht.
Neil ist ein alter Freund aus London. Dort gehörte
er in den Achtzigern zu einer pulsierenden Szene von
Kunst- und Modestudenten, heute ist er Angelpunkt eiSüddeutsche Zeitung Magazin 19
Spitzenblick: Auf
der begehbaren
Dachterrasse des
Doms ist man dem
Himmel ganz nah.
ner neuen Designer-Generation in Mailand. Allerdings
verwende ich das Wort »neu« nur zögerlich, weil Mailand kein besonders großes Geschick hat, mit jungen
Modetalenten umzugehen, ganz im Unterschied zu London, einer Stadt im Zustand permanenter Gärung. »An
Mailand mag ich am liebsten«, sagt er, »dass man hier die
Gelegenheit bekommt, seine Ideen zu verwirklichen.
Die Stadt ist ja regelrecht umzingelt von fantastischen
Handwerkern, die seit Jahrhunderten darauf spezialisiert
sind, Luxus in allerbester Qualität herzustellen.«
diesen Ideen dann Wirklichkeit wird.« Anders ausgedrückt: Mailand ist eine funktionale Stadt. Das klingt
tatsächlich sehr grau – wenn Mailand nicht so viel eigensinnige, exzentrische Kreativität hinter seinen steinernen Fassaden beherbergen würde.
Bei meinem ersten Besuch vor vielen Jahren lernte
ich einen Mann namens Franco Maria Ricci kennen,
dessen Verlag seltene, wertvolle und schöne Bücher zu
sehr entlegenen Themen veröffentlichte. Wie Visconti
war er einer der Aristokraten, die ihr eigenes Vermögen
darauf verwandten, die Welt mit Schönheit zu bereichern. Doch woran ich mich am lebhaftesten erinnere,
ist die große rote Rose, die er im Knopfloch trug – ich
hätte schwören können, dass sie aus Plastik war.
Ricci ist mir immer als eine Art Goldstandard bewundernswerter Eigentümlichkeit erschienen. Seither
habe ich in Mailand noch viele andere verwandte Seelen
kennengelernt. Den Designer Antonio Marras zum Beispiel, einen Sarden mit einem Fluidum von zeitloser
Boheme. Neulich hat er sein Atelier in der Via Cola di
Rienzo um einen Shop erweitert, und wenn man ihn
dort besucht, fühlt man sich, als wäre man in eine ModeVersion von Being John Malkovich verschlagen worden,
als befände man sich – umgeben von all den Büchern, Bildern und Objekten, die ihn
stimulieren – direkt im Gehirn
des Designers. Ähnlich verhält
es sich mit Max Bernadinis
eindrucksvoller Sammlung
von Gentleman-Luxusgütern:
Die alten Uhren, Flachmänner, Feuerzeuge, Aktentaschen und Koffer sind Relikte eines lange versunkenen
Zeitalters der Eleganz, passen unter Bernadinis sorgsamer Pflege dennoch perfekt auch ins 21. Jahrhundert.
Ein Leben, das so gut gelebt und auch in den winzigsten Einzelheiten so stilsicher gehegt wird, ist ein
bewundernswertes Unterfangen, für das man in Mailand viele Beispiele findet. Ich kann es verstehen, dass
die gute Noona die Stadt gern ein wenig internationaler hätte, aber vielleicht besteht Mailands Stärke
darin, dass es eine Stadt zuerst und vor allem für die
Mailänder ist. Sie sind die Menschen, denen ich gern
zusehe, wenn sie durch das Quadrilatero d’Oro flanieren oder sich in den Bars und Restaurants einfinden.
Sie bilden eine Gesellschaft, die ihren Namen wahrhaft verdient hat.
In dieser Hinsicht tut es Mailand gut, in der Mitte zu
liegen, und auch sonst werden Menschen nicht müde,
die geografischen Vorzüge der Stadt zu preisen. »Es ist
hier zwar nicht ideal für Kinder«, sagt etwa Noona
Smith-Petersen, eine in der Modewelt legendäre PRFrau, »aber wir fahren jedes Wochenende raus. Alles ist
so nah: Portofino im Sommer, St. Moritz im Winter, für
den Rest des Jahres die Landschaft um Piacenza. Ich
glaube nicht, dass irgendeine andere Großstadt so viele
Attraktionen ganz in der Nähe bietet.«
Derlei leicht vergiftete Komplimente bekommt man
über Mailand häufiger zu hören. Neil Barrett schlägt in
eine ähnliche Kerbe, wenn er sagt: »Eigentlich sollte man
erwarten dürfen, dass sich die Modebranche in der größten und wichtigsten Stadt eines Landes ansiedelt, also in
Rom. So wie in London, New York oder Paris. In Italien
ist es leider nicht so.« Ach Neil, will man ihm zuseufzen,
du hast ja recht, aber immerhin handelt es sich um die
zweitgrößte Stadt, mit 1,3 Millionen Einwohnern und
3,1 Millionen Menschen in der Provinz.
»In Mailand findet man keine Inspiration«, behauptet Neil Barrett, »die holt man sich, indem man
durch die Welt reist. Mailand ist der Ort, an dem aus
20 Süddeutsche Zeitung Magazin
Der Kanadier T I M B L A N K S gilt nicht wenigen
als bester Modejournalist der Welt. Er schreibt seit
fast dreißig Jahren u. a. für style.com, Vogue und
GQ, 17 Jahre lang hatte er eine eigene Modesendung im kanadischen Fernsehen. Bei den Schauen sitzt
er selbstverständlich immer in der ersten Reihe.
Aus dem Englischen von Peter Praschl
Miuccia Prada war Mitglied der kommunistischen
Partei und marschierte bei ihren Demonstrationen
mit, gekleidet in Yves Saint Laurent
DEUTSCHLAND: AGENTEN
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SITZSYSTEM POWELL
DESIGN RODOLFO DORDONI
www.minotti.com
FOTOS: BEN MORRIS
STYLING: ALMUT VOGEL
Mit
100
Sachen
durch
die
Stadt
Zeit für einen ausgedehnten Bummel zwischen
Dom und Teatro Manzoni. Ideale Begleiter:
die schönsten Stücke der neuen Saison
IL DUOMO
Zum Dom müssen alle Mailandbesucher, das ist kulturhistorische
Pflicht, katholische sowieso. Aber die wenigsten steigen auf sein
Dach – und die anderen ahnen gar nicht, was sie verpassen:
Bei gutem Wetter sieht man von hier oben die Alpen. Wem
die knapp 160 Stufen zu viel sind, der nimmt eben den Aufzug.
Trenchcoat und Sandalen: Chloé; Bluse: Marc O’ Polo;
Schlagjeans: Vanessa Seward für A.P.C.; Seidenschal: Hermès;
Tasche: Louis Vuitton; Sonnenbrille: Mykita.
Süddeutsche Zeitung Magazin 23
Streifenbody: Petit Bateau
x Carven; Jeans: Vanessa
Seward für A.P.C.; Gürtel:
Aigner; Kreuz-Kreole: Christ;
Armband: Vintage.
LA
LATTERIA
Früher gab es überall in der Stadt
die »latterie«, kleine Milchläden,
die hausgemachte Produkte verkauften. Einen der schönsten
und gemütlichsten findet man
noch heute mitten im Künstlerviertel Brera: »La Latteria« auf
der Via San Marco. Schon seit
1965 führen Arturo und seine
Frau Maria Maggi das kleine
Lokal, in dem sie auch mit Zutaten aus dem heimischen Gemüsegarten im norditalienischen Borgonovo Val Tidone
kochen. Von außen ist es eher
unscheinbar, innen verleihen altmodische Fliesenmotive und mit
Blumenbildern behängte Wände
dem Bistro mit seinen nur sechs
Tischen eine kitschig-nostalgische Wärme.
ZONA
TORTONA
Perlenvorhänge klimpern hübsch im Wind und verhindern, dass Insekten ins Haus fliegen. Sie signalisieren aber
auch: Diese Tür steht immer offen. Den Italienern geht
schließlich nichts über »la famiglia«, was gern auf die
ganze Nachbarschaft ausgeweitet wird. In Mailands ehemaligem Arbeiterviertel Zona Tortona hängen die Vorhänge in vielen Eingängen. Früher saßen dahinter auch
mal Kleinkriminelle. Dann kam Giorgio Armani und
baute hier sein Hauptquartier. Heute ist die Gegend ein
Szeneviertel – und hinter den Vorhängen philosophieren
junge Kreative mit Alteingesessenen, wie Kunst und
Design die Welt verändern können.
Velourslederkleid: Chloé; Gürtel: Aigner; Sandalen:
Ferragamo; Armband: Vintage.
MERCATO COMUNALE COPERTO
Lebensmittel kaufen die Mailänder immer noch am liebsten auf
dem Wochenmarkt. Zu den traditionsreichsten gehört der
Mercato Comunale Coperto auf der Piazza XXIV Maggio – kein
aufgebrezeltes Feinschmeckerparadies, sondern eine klassische
Markthalle, in der das Fleisch von der Decke baumelt und die
Apfelsinen zu Pyramiden gestapelt werden. Für Besucher sowohl das Schönste wie auch Schlimmste: der konstant hohe
Lärmpegel.
Bluse: Esprit; Hosenrock: Louis Vuitton; Tasche: Myriam Schaefer
über thecorner.com; Schuhe: Marni; Söckchen: Falke.
VILLA
NECCHI CAMPIGLIO
Wer den Film I Am Love mit Tilda Swinton gesehen hat,
will in Mailand als Erstes hierher: zur Villa Necchi Campiglio, die in Wirklichkeit genauso umwerfend aussieht
wie auf der Leinwand. Das Haus mit seiner prächtigen
Treppe aus Walnussholz, dem lichtdurchfluteten Wintergarten und dem herrschaftlichen Salon wurde in den
Dreißigerjahren von einem reichen Geschwisterpaar
erbaut. Es ist umgeben von einem Garten mit Pool und
Tennisplatz. Seit der Renovierung 2008 kann man das
gesamte Areal besichtigen, die Villa beherbergt mittlerweile mehrere Kunstsammlungen. Die Caffetteria im
hinteren Teil des Gartens ist zwar teuer, aber immer
noch ein Geheimtipp für ein Mittagessen im Grünen.
Links: Musterbluse: Erdem über mytheresa.com;
Nadelstreifenhose: Burberry Prorsum Männerkollektion; Nietengürtel: Versace. Oben: Seidenkleid,
Gürtel, Cardigan und Schuhe: alles Bottega Veneta;
Strumpfhose: Falke.
TRAM URBANI
Ohne die Straßenbahn geht im
Mailänder Verkehr gar nichts.
Mit dem Auto steht man oft im
Stau, Fahrrad fahren ist lebensgefährlich, und auf die U-Bahn ist
kaum Verlass, in viele Gegenden
der Stadt fährt sie sowieso nicht.
Für Touristen sind die ratternden
Waggons aus den späten Zwanzigern die perfekten Vehikel, um
das historische Mailand und seine Sehenswürdigkeiten an sich
vorbeiziehen zu lassen.
Mantel: Marni; Blusenkleid:
Jil Sander Navy; Handtasche:
Hermès; Mokassins: Tod’s;
Armband: Vintage.
PISCINA COZZI
Natürlich kann man in dieser
Schwimmhalle auch ein paar
Bahnen schwimmen, wenn das
Wetter in Mailand mal wieder zu
kalt, zu nass oder zu grau ist. Ein
Besuch der Piscina Cozzi lohnt
sich aber auch so: Die imposante
Schwimmhalle von Luigi Secchi
aus dem Jahr 1934 wurde 2008
aufwendig restauriert. Auch die
Verzierungen mit Mosaiksteinen
im Inneren wurden original erhalten. Die große Tribüne wird
seitdem gern für Modenschauen
genutzt.
Kleid: Jil Sander Navy;
Armreif: Marni.
Ausnahmsweise kann man Silvio Berlusconi auch mal
für etwas dankbar sein: Hätte er 1978 nicht das in
finanzielle Schwierigkeiten geratene Teatro Manzoni
gekauft, stünde auf der Piazza San Fedele statt des berühmten Schauspielhauses heute ein Supermarkt. 1850
eröffnet, war es das erste Theater mit elektrischem
Licht in Europa. Im Foyer mit der prächtigen Wandmalerei traf sich die Mailänder High Society, um
eine der legendären Macbeth- oder Maria-Stuart-Inszenierungen zu besuchen. Seit Luigi Foscale 1978 die
kreative Führung übernahm, machte er das Manzoni
wieder zu einem der angesehensten Häuser Italiens,
das heute auch für modernes Varieté und Konzerte
genutzt wird.
Smoking, Schluppenbluse und Pumps: alles Saint
Laurent by Hedi Slimane; Ohrring: Christ.
VITA NOTTURNA
In Mailand wird viel gearbeitet, schon klar, aber auch
gefeiert: Zwischen Breras zahlreichen Ateliers und
Kunstgalerien, Designer- und Antiquitätenläden verbergen sich kleine, charmante Bars. Die wohl bekannteste ist die Bar »Jamaica« auf der Via Brera.
Wo Mussolini in jungen Jahren seine Zeitungsberichte
schrieb, treffen sich heute Kunst- und Literaturliebhaber zum Aperitivo. Wer mehr als drei »Sprizz« verträgt, zieht danach weiter zu den Clubs in Richtung
Porta Garibaldi oder in Mailands legendären Club
»Plastic«, wo schon Grace Jones und Andy Warhol im
Kitsch-Dekor feierten.
Seidentop: La Perla; Tasche: Hermès; Ohrring: Christ.
Fotos: Ben Morris / Visual Artists; Fotoassistenz: Renee Bevan; Styling-Assistenz: Réka Maria Probst; Produktion: Zelinda Zanichelli; Produktionsassistenz: Alessandro Margi; Haare: Patrick Gorra / www.ballsaal.com; Make-up: Micheal Gray;
Model: Jess / dmanagementgroup.com; Postproduktion: Callie Schneider / Chromavisuals; Text: Denise Amend
TEATRO MANZONI
Overdressed?
Aber gern!
Vom Mailänder
Mann können wir viel lernen.
Eine Hommage
36 Süddeutsche Zeitung Magazin
Wo, wenn nicht in Mailand, könnte man ein paar Antworten
finden auf die alte Frage: Der Mann und die Mode – geht da
noch was? In kaum einer europäischen Stadt ist mehr Modeindustrie ansässig, in kaum einer gibt es mehr Männerboutiquen. Der Sinn für Stil ist hier allgegenwärtig: in den
Schaufenstern, in der Architektur, aber vor allem im Straßenbild. Vor gut dreißig Jahren brachte dieses Selbstverständnis
sogar eine eigene Jugendkultur hervor – die Paninari. Das
waren Mailänder Popper, die sich in Panini-Bars rund um die
Piazza San Babila trafen, um bei einem Espresso die linke
Weltrevolution auszurufen, vor allem aber, um mit ihren
neuen Ray-Ban-Sonnenbrillen anzugeben.
Aber wer genau ist eigentlich gemeint, wenn man vom
Mailänder spricht? Der distinguierte Signore jenseits der fünfzig mit Hut und Blume am Revers? Der gegelte Beau, der sich
selbstverliebt in den Schaufenstern der Via Montenapoleone
mustert? Die jungen Wilden auf ihren Vespas, die in ausgewaschenen Jeans übers Kopfsteinpflaster rasen? Oder gar die
professionellen Selbstdarsteller – Modejournalisten, Einkäufer
und Blogger –, die zweimal im Jahr zu den Männermodenschauen in Mailand einfallen und es fertigbringen, bis zu dreimal täglich ihr Outfit zu wechseln?
Am liebsten würde man sich den Mailänder natürlich
als Quersumme aus Adriano Celentano (die frühen Jahre),
Paolo Maldini und Luchino Visconti vorstellen, alles Söhne
Milanos. Doch wer je eine Stunde in einem Straßencafé vor
dem Dom saß, weiß: Den Mailänder an sich gibt es so
wenig wie den Londoner oder den Berliner. Aber es gibt
natürlich überall lokale Eigenheiten, die auch einem Touristen auffallen. In Mailand gibt es zum Beispiel eine gewisse Freude daran, dick aufzutragen. Und das nicht nur
im übertragenen Sinne: Kaum hat es unter 15 Grad plus,
sieht man auf der Straße nur noch Daunenjacken, Mützen
und Winterstiefel. In London macht man da gerade mal
den zweiten Knopf des Poloshirts zu. Warum der obligatorische Schal dazu ausnahmslos als Lasso-Schlinge, nicht
als Knoten getragen wird, wäre eine schöne Frage, die man
gern mal von Soziologen erklärt bekommen würde.
Im Sommer ein ähnliches Bild: Mag die sengende Sonne
die Stadt auch in einen Steinofen verwandeln – den Mailänder wird das nicht daran hindern, mit schwitzender Duldsamkeit seinen Dreiteiler auszuführen. Und dann wären da
noch die Schuhe, auf deren Distinktionsmacht hier noch
Wert gelegt wird: Vom handgenähten Loafer bis zum völlig
überteuerten Designer-Turnschuh reicht die Skala, die man
gerne barfuß trägt oder kombiniert mit bunten Socken. Was
man kaum sieht: modische Totalverweigerung, was auch am
sozialen Druck liegen könnte, den die Modestadt Mailand
ihren Bürgern ungefragt auferlegt. Macht euch gefälligst
schick für mich! Selbst in drittklassigen Lokalen ist der Kellner, der Fliege trägt und seinen Beruf ernst nimmt, die Regel,
nicht die Ausnahme.
Vielleicht unterscheidet das ja den Mailänder von deutschen Städtern: die Achtsamkeit, mit der er vor die Tür und
durchs Leben geht. Sie ist eine Form des Lokalpatriotismus,
die an Liebe grenzt. Das – möchte man in unsere Fußgängerzonen hineinrufen – macht eine Weltstadt aus, nicht Hipster
in Coffeeshops oder protzige Vorzeigearchitektur.
Illustration: Jordy van den Nieuwendijk
VON THOMAS BÄRNTHALER
INTERVIEW: SILKE WICHERT UND THOMAS BÄRNTHALER
Zwei wie Pech
und Schwefel
Dolce & Gabbana gehören seit fast dreißig Jahren zu den erfolgreichsten
Designern. Privat sind sie schon lange kein Paar mehr,
beruflich nach wie vor unzertrennlich. Das Geheimnis ihrer Kreativität?
Sie lieben sich noch immer – und können herrlich streiten
Der Firmensitz von Dolce & Gabbana in der Via Goldoni ist ein schlichter Bau mit Glasfassade
und begrüntem Empfangsbereich. Dahinter jedoch herrscht raffaelitische Opulenz: Blumenbouquets in jeder Ecke, Lüster an der Decke, sizilianische Obstschalen auf den Tischen. Im
Aufzug lächelt die Assistentin nervös, dann beugt sie sich herüber und flüstert: »Herr Dolce wird
leider nicht bei uns sein können.« Es klingt, als läge er im Sterben. »Bitte haben Sie Verständnis,
er arbeitet an der Kollektion.«
Wir sind also nach Mailand geflogen, um das mächtigste Duo der Mode zu sprechen, aber es
kommt nur die Hälfte. Da biegt Stefano Gabbana auch schon um die Ecke, gehetzt, mit schnellen Schritten. Domenico, sagt er, sei unabkömmlich, keine Chance. Er muss unten im Atelier
noch letzte Hand an die Couture-Kleider anlegen, die am nächsten Tag präsentiert werden.
Vierhändig spielen: Stefano Gabbana
(stehend) und Domenico Dolce bei
der letzten Anprobe einer Robe aus
ihrer Alta-Moda-Kollektion.
SZ-Magazin: Herr Gabbana, ehrlich gesagt sind wir gekommen, um mit Ihnen
beiden zu sprechen. Sollen wir das Ganze
vielleicht verschieben, bis Herr Dolce …
Stefano Gabbana: Verschieben? Bloß
Sie sind seit dreißig Jahren im Geschäft
– und haben erst jetzt mit »Alta Moda«,
also Haute Couture, angefangen. Hat Sie
das vorher nie gereizt?
Domenico Dolce: Ich sage immer: Wenn
nicht! Dann kommen Sie eben mit runter.
Es geht ein paar Stufen hinab zum Showroom, wo Domenico Dolce gerade mit Nadeln
im Mund an einem Mädchen herumzupft.
Drumherum eine Entourage an Schneiderinnen und Assistenten. Die Sonne flutet
durch die Fenster. Die Atmosphäre: geschäftig,
aber irgendwie auch friedlich. Gabbana
schiebt sich einen Stuhl unters Gesäß, sein
Partner stellt sich kurz dazu, schüttelt brav
die Hand, um im nächsten Moment wieder
hinter einem Kleiderständer zu verschwinden. Er sei jedoch »voll da!«
Sie ein Stück Land haben, dann kommt
irgendwann die richtige Zeit für die Erdbeeren, die Zeit für die Wassermelonen,
und irgendwann sind die Äpfel dran. Wir
sind genau jetzt reif dafür.
Nicht wenige behaupten, die Couture sei
mausetot: zu teuer, zu unrentabel, zu unzeitgemäß.
Gabbana: Tatsächlich? Wir hatten in letz-
ter Zeit immer häufiger Anfragen von
Kundinnen für Sonderanfertigungen. Die
wollen ein Kleid nicht bei einer Modenschau sehen, nicht in einem Magazin,
nicht an irgendeinem Hollywood-Starlet
– die wollen ein Kleid, das nur für sie gemacht worden ist.
So eine Couture-Show ist natürlich auch
ein hübscher Imagefaktor für eine Marke.
Dolce: Wir machen das hier nicht für ein
paar Fotos, die wir dann um den Globus
schicken können, um noch mehr Parfum
zu verkaufen!
Gabbana: Obwohl es ja stimmt, Domenico. Nach unserer ersten Alta-Moda-Show
im Sommer sind tatsächlich viele Leute in
die Läden gegangen und haben sich ein
Parfum gekauft oder sonst was – das funktioniert.
Dolce: Aber wir machen keine so große
Show daraus wie in Paris, es ist eine private Veranstaltung. 130 Leute, keine Blogger, keine Stars. Es geht hier nur um die
Kleider, die Handarbeit, etwas zum Träumen! Nicht um ein paar Handtaschen.
Im Blickpunkt Ihrer ersten Alta-ModaKollektion stand Sizilien, dieses Mal Mailand, überhaupt geht es in Ihrer Arbeit
immer um Italien. Verbraucht sich das
nicht irgendwann?
Gabbana: Wir versuchen gelegentlich, Ita-
lien zu entkommen, aber am Ende landen
wir immer wieder hier.
>>
Süddeutsche Zeitung Magazin 39
Dolce: Stefano, schau mal kurz her: mit
Mantel oder ohne? (Dolce steht neben
einem Model, das unter einem weißen Kurzmantel eine Art Badeanzug trägt.)
Gabbana: Herrgott, zieht ihr doch bitte
etwas über – mit Mantel natürlich! Diese
Modenschau findet in einem Salon statt,
Domenico, da kann man nicht so viel
Haut zeigen! Wo war ich?
verwirklichen. Deshalb gibt es so viele
Handwerksbetriebe, so viele kleine Unternehmen. Wir sind kein Land für die Großindustrie. Wir sind auch in keinem Bereich
die größten, aber in vielen Bereichen die
besten. Der beste Motor? Ferrari. Der beste
Käse? Parmesan. Die beste Pasta? Natürlich
aus Italien! Das wird so bleiben, ganz
gleich, wer uns regiert.
Gabbana: Es ist jetzt eine andere Art der
In Italien. Wie steht es derzeit um die italienische Seele?
Gabbana: Ich denke, das System hat sich
Wer von Ihnen kocht die bessere Pasta?
Gabbana: Domenico, ganz klar. Ich koche
Nach zehn Tagen sagt mein Freund dann
auch mal, jetzt reicht’s.
nicht. Vielleicht mal zwei Spiegeleier und
dazu einen Teller Spaghetti ohne Sauce.
Nie in den vergangenen Jahren mal gedacht, ach, wären wir doch zusammengeblieben?
Dolce: Es ist gut so, wie es jetzt ist.
Sie wohnen sogar noch im selben Haus.
Gabbana: Ja, ich im sechsten Stock, er im
nicht groß verändert seit der Antike. Es ist
seit Julius Cäsar das gleiche geblieben.
Und, ist es ein gutes System?
Gabbana: Nein, ist es nicht. Ich hoffe, dass
es sich eines Tages ändert. Aber ich glaube
an das italienische Volk. Es ist kreativ.
Nicht im modischen Sinne, sondern was
das Leben und Überleben betrifft. Zur
Zeit gibt es viel Unmut wegen der hohen
Steuern. Aber viel schlimmer ist: Wir haben ein System, das zu wenig Arbeitsplätze
schafft. Ein Staat sollte wie eine große
Familie sein. Das fehlt uns im Moment.
Wenn Sie Ihrem Sohn kein Geld mehr geben, kann er auch nichts aus sich machen.
Macht es Sie traurig, wenn sich die Welt
über Silvio Berlusconi wundert und über
das Land, das einfach nicht von ihm lassen kann?
Gabbana: Das ist mir egal. Mich interes-
siert auch nicht, wie Angela Merkel oder
François Hollande privat sind. Alles nicht
wichtig. Mir ist mein Haus wichtig. Ich
schaue nicht, was mein Nachbar so macht.
Ihr bestes Rezept, Herr Dolce?
Dolce: Selbst gemachte Pasta mit Auber-
ginen, ah! Oder mit Ricotta, kann ich
auch gut.
Millionen Lire angefangen (rund 1000
Euro, Anm. d. Red.), keiner hat an uns geglaubt. Wenn wir nicht …
Dolce: (lugt hinter dem Rücken eines Models
hervor und hält den Stoff hinten enger zusammen): Stefano, hör mal auf zu quatschen und schau hierher! Besser so?
Gabbana: Bellissimo, habe ich doch längst
gesehen, ich kriege hier alles mit. Also: Wir
hätten das alles nicht geschafft, wenn wir
damals nicht ineinander verliebt gewesen
wären. Die Marke, unsere Kollektionen,
sind die Kinder unserer Liebe.
Haben Sie bei der Trennung darüber
nachgedacht, sich auch geschäftlich zu
trennen? In einem früheren Interview
sagten Sie, Herr Gabbana, danach einfach weiter zusammenzuarbeiten, sei für
Sie unvorstellbar, da würden Sie lieber
noch Schauspieler.
Gabbana: Die erste Zeit war schwierig, ich
Wir Italiener wollen uns ausdrücken und
gar nichts geändert.
W W W. L U I SAC E R A N O . C O M
Fahren Sie noch gemeinsam in den Urlaub?
Gabbana: Natürlich! Aber nicht immer.
fünften.
Wirtschaftlich ging es Ihrem Land schon
mal besser.
Gabbana: Hören Sie, ich liebe mein Land.
40 Süddeutsche Zeitung Magazin
Liebe. Ich habe einen neuen Freund, er
hat einen Freund. Trotzdem kann ich mir
ein Leben ohne Domenico nicht vorstellen. Wir sitzen in einem Büro, verbringen
den ganzen Tag miteinander.
Sie beide sind von einer Nachrichtenagentur gerade in die offizielle Liste der
Milliardäre aufgenommen worden …
Dolce: Haben wir auch gehört.
Gabbana: Wir haben damals mit nur zwei
Sie waren Jahrzehnte ein Paar und haben
sich Anfang 2000 getrennt. Wie anders ist
die Zusammenarbeit jetzt?
Dolce: Was die Arbeit angeht, hat sich rein
L U I S A C E R A N O · We b e r s t r a ß e 1 · 7 2 6 2 2 N ü r t i n ge n · G e r m a n y
Mehr als ein Dutzend Näherinnen und Schnittmacher sind wochenlang
damit beschäftigt, Kleider anzufertigen, die es so nur einmal geben wird:
Alta-Moda-Kundinnen bekommen den gewünschten Entwurf dann auf
ihre Maße zugeschnitten. Preis? Darüber wird hier lieber nicht gesprochen.
Also haben Sie, Herr Gabbana, die bessere Aussicht.
Dolce: Aber ich habe die größere Woh-
nung!
war neu verliebt, und dann sitzt man da
im selben Raum. Das war nicht gut. Aber
wir haben nie darüber nachgedacht, uns
ganz zu trennen.
Sie waren berühmt für Ihre ausgiebigen
Streitereien. Hat das jetzt nachgelassen?
Gabbana: Kein Stück. Wann haben wir
uns das letzte Mal gestritten?
Dolce (vom anderen Ende des Raumes herüberbellend): Vor zehn Minuten.
>>
D U B A I · L O N D O N · PA R I S · L O S A N G E L E S · N E W Y O R K · M O S C O W · S H A N G H A I · H O N G K O N G · B E R L I N
Nur ein
Augenblick
und ich habe
das Staunen
wieder entdeckt.
Gabbana: Ach komm, vor zwei Wochen
Dolce: Schauen Sie hier, was ich dem
bei den Männerschauen, da haben wir
uns richtig gezofft. Worüber noch mal?
Ich hab’s vergessen.
Schreien Sie sich dann an oder sprechen
Sie einfach nicht mehr miteinander?
Gabbana: Nein, wir streiten leiden-
Model gerade angezogen habe – schlicht
schwarz, klassischer Schnitt, maskuline
Schuhe dazu. Ohne die aufwendige Kette
und die glitzernden Ohrringe sähe das
Kleid auf den ersten Blick gar nicht sexy
aus. Es liegt ganz bei Ihnen!
schaftlich. Und alle anderen, die eben
noch im Raum waren, sind plötzlich
verschwunden.
Wenn Sie beide an Ihre Kindheit zurückdenken, welche Bilder sehen Sie?
Dolce: Mich im Schneiderladen meines
Sie kleiden seit vielen Jahren Fußballer
ein, David Beckham, Lionel Messi, die
Spieler des AC Mailand. Wann waren Sie
beide das letzte Mal im Stadion?
Dolce: Vor ein paar Wochen noch.
Gabbana: Ihn interessiert das mehr als
Vaters. Dort hat alles angefangen. Am liebsten denke ich an die Nachmittage, wenn
die Leute zur Anprobe kamen. Die Auswahl der Stoffe, das genaue Maßnehmen,
das lange Stillhalten – für mich als Kind
war das eine verzauberte, anziehende Welt.
Gabbana: Ich sehe immer nur Arbeit, Arbeit, Arbeit. Ich habe mit sieben Jahren
angefangen zu arbeiten. Meine Mama war
Putzfrau, mein Vater Schichtarbeiter in einer Zeitungsdruckerei. Ich habe meiner
Mutter beim Putzen geholfen. Danach half
ich ihr in einer Bäckerei. Später habe ich in
einem Restaurant gearbeitet. Ich hatte viele
Jobs, bevor ich Designer wurde. Aber das
steckt in mir drin, mein Vater hatte drei
Jobs gleichzeitig. Was ich damit sagen will?
Ich hatte nie Angst, keine Arbeit zu haben.
mich.
Sind Sie, Herr Dolce, auch der bessere
Fußballer?
Gabbana: Ha, von wegen. Ich mache
Sport, er schaut gerne Sport!
w w w. a u s t r i a . i n f o
Haben Sie noch Kontakt zu Madonna, Ihrer Muse?
Gabbana: Ja, aber nicht mehr so oft. Im
November hat sie zu meinem Geburtstag
angerufen.
Sie trägt auch nicht mehr so oft Dolce &
Gabbana wie früher, oder?
Gabbana: Weil sie eine der cleversten
Frauen der Welt ist. Sie wechselt die Designer – von Gaultier zu uns und zu vielen anderen – und ist trotzdem noch ganz
Madonna. Deshalb habe ich so einen Respekt vor ihr. Eine wahre Diva macht jedes Outfit zu ihrem eigenen.
Wer wäre heute so eine Diva?
Gabbana: Diva? Die gibt es doch gar nicht
Fotos: Courtesy of Dolce & Gabbana
mehr. Die waren unantastbar, haben sich
rar gemacht. Die Dietrich ist nicht über
jeden roten Teppich gelaufen. Heute ist es
genau umgekehrt – je mehr Sie von jemandem sehen, desto mehr wird er ein Star.
Ihre persönliche Urlaubsberatung
gebührenfrei unter 00800 400 200 00.
Haben Sie beide schon mal an Ruhestand
gedacht?
Gabbana: Nein. Ich will bei einer Anpro-
be sterben.
Sie könnten den Laden verkaufen und
sich eine schöne Zeit in Ihren Häusern in
Frankreich und Portofino machen.
Gabbana: So um das Jahr 2000, als das
große Markenkaufen im Gange war, hatten wir viele Angebote, die wir alle abgelehnt haben. Wir machen unseren Job
nicht wegen des Geldes. Wir sind reich
genug. Was bringt es uns, noch reicher zu
sein als jetzt?
Sie haben in einem Interview einmal gesagt, es sei Ihnen unmöglich, sich auch
nur von einem einzigen Kleidungsstück
zu trennen. Den Schrank dazu würden
wir gern sehen.
Gabbana: Was? Domenico, hast du das
Wie kommt es dann, dass Sie sich gerade
wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung verantworten müssen?
Gabbana: Das macht uns keine Angst.
gehört? Habe ich nie gesagt. Ich wechsle
meine Garderobe jede Saison. Die Sachen
kriegen dann meine Neffen. Der Rest
geht an ein Kloster hier um die Ecke. Ich
mag ja in der Mode arbeiten, aber ich bin
nicht abhängig davon.
Immerhin stehen Sie vor Gericht. Auf
Steuerhinterziehung stehen bis zu fünf
Jahren Gefängnis.
Gabbana: Ich sage nur: Italien ist ein selt-
Kann es sein, dass das Thema Sex in Ihrer
Mode nicht mehr so wichtig ist wie früher?
Gabbana: Ja, aber das liegt weniger an
unseren Sachen, sondern an den Leuten,
die sie tragen. Da ist weniger Sex in der
Attitüde. Das Kleid ist nur das Vehikel.
Wir haben nichts zu befürchten. Wir haben nichts Falsches getan.
sames Land.
S I L K E W I C H E R T und
T H O M A S B Ä R N T H A L E R wuss-
ten nicht, wie viel Wert bei einer AltaModa-Schau auf die Ausstattung gelegt wird: Selbst die Umkleidekabine
für die Kundinnen ist mit Kronleuchter
und Marmor-Armaturen bestückt.
Und einer freistehenden Badewanne.
Einfach besser
ankommen.
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Von Norman Kietzmann und Silke Wichert
Schön,
Sie
zu sehen
Angenommen, Sie kommen nach Mailand und
wollen so schnell wie möglich die
interessantesten Menschen dort kennenlernen:
Wo fangen Sie an? Am besten hier
Giovanna Battaglia (hier in einem
Kleid von Bottega Veneta) ist eine
Königin des Mailänder Stils und erklärter Liebling der Modeblogs.
Süddeutsche Zeitung Magazin 45
und modernem Bistro. Auf jedem Tisch steht das typische
Gedeck aus Heinz Ketchup und Stubb’s Bar-B-Q-Sauce, und
natürlich gibt es auch eine lange Bar, an der man versuchen
kann, mit dem breiten Amerikanisch der Barkeeper mitzuhalten. Auch die Chefin selbst steht noch manchmal hinter dem
Tresen, immer in auffälligen Highheels, da ist New York ganz
nah bei Mailand. Falls man zur Trüffelsaison in der Stadt ist,
sollte man unbedingt den »White Truffle Burger« bestellen. Ein
paar BBQ-Ribs gehen natürlich immer.
MARCELO
BURLON
Dov’è la Party? Immer da,
wo dieser DJ gerade auflegt
Wenn diese Frau sich in einem Kleid
zeigt, ist es danach sofort ausverkauft
SEIN MOTTO
»Als ich hier ankam, Ende der
Neunzigerjahre, war Mailand eine
Stadt, die gelangweilt war und in
der ein konventioneller Lifestyle
herrschte. Der Mix aus Geld und
Mode hatte die Kultur vergiftet.
Das wollte ich ändern.«
WARUM SOLLTE MAN SIE KENNEN?
SEIN MARKENZEICHEN
Bei den internationalen Modenschauen gehört sie zu
den meistfotografierten Frauen, der Blog Iwanttobeabattaglia ist sogar nur ihr gewidmet. Dabei arbeitet die
33-jährige Mailänderin eigentlich hinter den Kulissen:
als Stylistin für Magazine wie die japanische Vogue oder
die amerikanische W. Doch seit das Internet jeden
Streetstyle schneller um den Globus schickt, als Modemagazine das vermögen, sind Leute wie Battaglia die
eigentlichen Stilikonen. Außerdem ist sie die Freundin
von Kunsthändler Vladimir Restoin-Roitfeld, Sohn der
immer noch einflussreichen Ex-Chefin der französischen Vogue, Carine Roitfeld. Ihren Wohnsitz hat sie
deshalb zur Hälfte nach New York verlagert.
Wenn er auflegt, mixt er am liebsten
Italo-House mit alten Disco-Klassikern und aktuellen Clubhits. Dazu
trägt er gern Sakkos mit Leopardenmuster, Tanktops und einen akkurat
getrimmten Vollbart. Ein bisschen
sieht er dann aus wie Riccardo Tisci,
der Chefdesigner von Givenchy, was
aber nicht weiter verwundert: Die
beiden sind beste Freunde.
IHR STIL
Alla milanese: immer elegant, ein bisschen bourgeois,
viel Schmuck. Was sie trägt, ist aber fast schon egal,
denn in jedem Fall sind die Sachen meist kurze Zeit
später ausverkauft. Deshalb arbeitet sie immer häufiger auch als Beraterin für große Marken.
IHR MOTTO
»Jetzt habe ich mir zehn Jahre als Stylistin den Hintern abgearbeitet, und plötzlich dreht sich alles nur
darum, was ich selbst trage. Das ist für mich ja keine
große Kunst!«
WIE SIE WURDE, WAS SIE IST
Wer auf der Via Montenapoleone, der teuersten Einkaufsstraße Mailands, geboren wird und zu dessen
frühesten Kindheitserinnerungen Versace-Schaufenster gehören, kann wahrscheinlich gar nicht anders, als
in die Mode zu gehen. Sie fing als Hausmodel bei
Dolce & Gabbana an und wurde dann mit Hilfe der
heutigen Vogue Japan-Chefin Anna Dello Russo Stylistin. »Ich war sowieso ein schlechtes Model – ich wollte
nie etwas anziehen, was mir nicht gefiel.«
giovannabattaglia.com
IHR MOTTO
»Es fühlt sich bei mir überhaupt nicht so an wie in Mailand.«
WIE SIE WURDE, WAS SIE IST
Eigentlich wollte die gelernte Fotografin nur für ein Jahr in
die Mailänder Dependance ihrer Fotoagentur wechseln. Ein
bisschen Italienisch lernen, Europa entdecken. Sechs Jahre,
eine Heirat und eine Scheidung später entschied sie: »Okay,
ich bin jetzt über dreißig. Jetzt bleibe ich hier und eröffne ein
Restaurant.« Denn überall in der Stadt machten gerade Läden
auf, die amerikanisch taten und damit sogar Erfolg hatten –
obwohl Beck natürlich fand, dass sie ganz und gar nicht amerikanisch waren. »Das kann ich viel besser«, fand sie. Dass sie
keine Erfahrung in der Gastronomie hatte? Egal. Der Erfolg
hat ihr längst Recht gegeben, weshalb Beck schon mit dem
Gedanken spielt, bald ein zweites Restaurant zu eröffnen.
Auch amerikanisch? »We’ll see …«
WIE ER WURDE, WAS ER IST
»Meinen Job«, sagt der gebürtige
Argentinier, »habe ich mir selbst erfunden.« Er wuchs in Patagonien auf
der Straße auf, brach die Schule ab.
Nachdem seine Familie nach Mailand gezogen war, begann er zunächst
als Türsteher und knüpfte dabei viele
Kontakte, die später wichtig werden
sollten. Der Erste, der seine Dienste
als Partymacher in Anspruch nahm,
war Raf Simons. Heute ist Burlon DJ,
Fotograf, Blogger, Model und »social
butterfly« der Stadt.
Tizzy’s NY Bar & Grill, Alzaia Naviglio Grande, 46
Fotos Seite 44/45: Ben Morris / visualartistsuk.com. Seite 46/47: Zelinda Zanichelli; Giovanna Battaglia von Ben Morris / virtualartistsuk.com
GIOVANNA
BATTAGLIA
WARUM SOLLTE MAN IHN KENNEN?
Burlon, 39, ist ein Grenzgänger zwischen den Welten Mode und Musik.
Labels wie Prada und Gucci buchen
ihn, wenn sie eine Party schmeißen,
weil er die Adressen der interessantesten Gäste hat. Für Missoni
und Iceberg mischt er die Musik bei
den Modenschauen. Zuletzt sang er
bei dem Clubhit Mamarracho von
den Barking Dogs mit.
Zum Trailer:
TIZZY
BECK
NOMINIERT FÜR DEN
GOLDEN GLOBE®
BILL MURRAY
Von der New Yorkerin lassen sich Italiener
zeigen, was ein guter Burger ist
WARUM SOLLTE MAN SIE KENNEN?
Wenn eine echte New Yorkerin aus freien Stücken nach
Mailand zieht, gehen schon ein paar Augenbrauen hoch.
Ständig muss sich Tizzy Beck also dieselben Fragen anhören:
Warum bloß Mailand? Und wann sie denn plane, die Stadt
wieder zu verlassen? Dabei können ihr die Leute richtig
dankbar sein – wer zwischen all der Pizza und Pasta mal
Abwechslung braucht, bekommt in ihrem Restaurant
»Tizzy’s NY Bar & Grill« endlich vernünftige Burger serviert.
Damit hat Tizzy es zur derzeit angesagtesten Adresse in der
Ausgehgegend am Naviglio Grande gebracht: Wer am
Wochenende hier essen will, sollte besser reserviert haben.
IHR MARKENZEICHEN
Ein Stück authentisches New York mitten in der Lombardei. Die Burger werden von einem amerikanischen Koch
zubereitet, das Bier stammt aus der Brooklyn Brewery, das
Interieur ist eine gute Mischung aus klassischem Diner
Ab 28. Februar im Kino
www.HydeParkAmHudson.de
UMIT
BENAN
FRANCISCO
GOMEZ PAZ
Stuttgart – Istanbul – Mailand:
Italiens interessantester Jungdesigner
Geht das Wort »Lichtgestalt« noch? Klar –
wenn einer so schöne Lampen macht
WARUM SOLLTE MAN IHN KENNEN?
Die Mailänder Mode hat ein Nachwuchsproblem.
Große Häuser wie Armani, Prada, Gucci gibt es genug,
aber wer rückt nach? In der Damenmode sind Fausto
Puglisi oder Andrea Incontri die Hoffnungsträger, in
der Herrenmode, ganz klar: Umit Benan. Seine
Präsentation während der Mailänder Männerschauen
ist vom Geheimtipp längst zum Lieblingstermin der
Redakteure geworden, seit 2011 entstaubt der 32Jährige außerdem die Herren- und die Damenlinie des
Mailänder Traditionshauses Trussardi.
SEIN MARKENZEICHEN
Betten und Schränke hat Specchio anfertigen lassen, der Rest
stammt vom Flohmarkt oder wurde ihm geschenkt. Zur Begrüßung gibt es gern mal einen Drink aufs Haus.
SEIN MOTTO
SEIN STIL
WARUM SOLLTE MAN IHN KENNEN?
Wildwuchs. Sollte Umit Benan sich irgendwann seinen wuchernden Bart abrasieren – keiner würde ihn
morgens im Büro erkennen. Auch der Stil seiner
Mode ist ein eher wilder Mix aus traditionell türkischen, elegant italienischen und modernen New
Yorker Einflüssen – lässig, bequem, unkonventionell.
Mailand ist nicht nur Mode-, sondern auch Möbelstadt. Bedeutende Designer wie Ettore Sottsass und Achille Castiglioni
haben hier Geschichte geschrieben. Der 37-Jährige ist auf dem
besten Weg, diese große Tradition fortzusetzen.
SEIN MOTTO
»Man kann nie genügend Smokingjacken haben, vor
allem in Dunkelblau.«
ANTONIA
GIACINTI
Rätselhaft: Die Modeeinkäuferin kann oft exklusive
Stücke besorgen, an die sonst keiner rankommt
WARUM SOLLTE MAN SIE KENNEN?
SEIN MOTTO
Der Name ist Programm: »Zu Antonia gehen« ist in Mailand gleichbedeutend mit »shoppen gehen«. Denn seit 1999 die beiden Boutiquen
gleichen Namens in Brera eröffneten, weiß jeder, dass er dort auf einen
Schlag alle Labels bekommt, über die die Modewelt gerade spricht. Mittlerweile ist außerdem ein »Antonia Uomo« dazugekommen, das von
Giacintis Mann Maurizio geführt wird.
WIE SIE WURDE, WAS SIE IST
Schon während der Schule jobbte sie als Verkäuferin, mit 21 wurde sie
Vertreterin einer Modekette. Danach war das Ziel klar: irgendwann den
eigenen Laden haben. Jetzt sind es halt: Läden.
Antonia, Via Ponte Vetero, 1
Gültig am 28.02.2013
Gegen Vorlage dieses Coupons erhalten Sie zum Kinostart
am 28.02.13 an der Kinokasse einmalig 2 EINTRITTSKARTEN
ZUM PREIS VON 1 für den Film HYDE PARK AM HUDSON.
„Ein Riesenspaß!“ BRIGITTE
WIE ER WURDE, WAS ER IST
Der gebürtige Argentinier studierte in Córdoba und Mailand
Design und eröffnete 2004 sein eigenes Studio. Seine Entwürfe werden von Luceplan, Driade und Artemide vertrieben.
Fotos: Zelinda Zanichelli (7); Esther Mathis (1)
IHR MOTTO
»Wenn ich etwas aussuche, denke ich nicht daran, was den Kunden gefallen
könnte. Ich entscheide nach meinem Geschmack und meiner Erfahrung.«
LESERVORTEIL 2 FÜR 1
»Mein Studio ist zugleich mein Wohnhaus. Ich habe sogar
einen kleinen Garten, ein Luxus in Mailand. So ist meine
Familie immer um mich herum.«
IHR MARKENZEICHEN
Ein Gespür für die richtigen Marken, vor allem aber für die richtigen
Stücke einer Marke. Bei »Antonia« hängt nicht das Lanvin-Kleid, das man
schon woanders gesehen hat, sondern eines, das exklusiv bei ihr zu bekommen ist. Genau dieses Händchen unterscheidet Giacinti von anderen und
brachte ihr einen prestigeträchtigen Zweitjob ein: Im Excelsior Milano,
dem von Jean Nouvel entworfenen und 2011 eröffneten Luxus-Kaufhaus,
ist die 45-Jährige für den gesamten Einkauf zuständig.
WIE ER WURDE, WAS ER IST
Seit er 14 ist, bereist Specchio die Welt und wohnte am liebsten
in Jugendherbergen. Mehr Ausbildung brauchte er nicht.
ostellobello.com, Via Medici, 4
SEIN MARKENZEICHEN
Seine Leuchten für den Hersteller Luceplan verbinden neueste Technik mit traditionellen Formen. Als sein Meisterstück
gilt der federleichte Lüster »Hope«, der statt auf Kristall auf
schimmernde Kunststofflinsen setzt. Mit Alberto Meda entwickelte er die preisgekrönte »Solar Bottle«, eine Flasche, die
Wasser mittels Sonnenlicht desinfiziert.
WIE ER WURDE, WAS ER IST
Geboren in Stuttgart, wuchs Umit Benan Sahin, wie
sein voller Name lautet, in Istanbul auf. Der Vater
besaß eine Textilproduktionsfirma für Damenoberbekleidung, die Kinder halfen von klein auf mit. Nach
dem Studium in Boston, Mailand, London und New
York fing er bei Marc Jacobs in New York an. 2009
gründete er in Mailand sein eigenes Label.
umitbenan.com
»Hostels sind oft abgeschlossene Orte. Wir wollen, dass Einheimische und Touristen sich begegnen.«
NICOLA
SPECCHIO
„Bill Murrays
car-würdige
spektakuläre, Os
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Ja
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de
besten
T
NEW YORK POS
… betreibt das »Ostello Bello«:
Mailands charmantestes Hostel
WARUM SOLLTE MAN IHN KENNEN?
Junge und unkomplizierte Touristen finden bei ihm eine
liebevoll geführte und zentrale Bleibe nahe dem Dom. Die Bar
im Erdgeschoss ist eine beliebte Aperitivo-Adresse.
Dieser Coupon ist gültig in allen Kinos in Deutschland, die den oben genannten Film in ihrem
Spielplan am 28.02.2013 anbieten, und berechtigt zum einmaligen Kauf zweier Eintrittskarten
zum Preis von einer. Bei ausverkauften Vorstellungen besteht kein Anspruch auf Einlösung
dieses Coupons. Nicht kombinierbar mit anderen Rabatten.
FOTOS: BEN MORRIS
S T Y L I N G : E V E LY N S A N D
Nach
dem Spiel
ist vor
dem Spiel
Von Ruhestand kann hier keine Rede sein:
In der Casa Verdi, dem Altersheim für Musiker,
das der große Komponist einst gründete, ist das
Leben immer noch jeden Tag eine Bühne
CHITOSE MATSUMOTO, 78, SOPRAN
Die wohl eleganteste Erscheinung der Casa Verdi: In Japan geboren und aufgewachsen, ging Matsumoto mit 17 nach Paris,
um am Konservatorium klassische Musik zu studieren. Mit 25
sang sie zum ersten Mal an der Mailänder Scala, danach bereiste
sie die ganze Welt, unter anderem für Engagements bei den
Bregenzer und Bayreuther Festspielen. Ihr Deutsch ist deshalb:
»vorzuglich«, wie sie lächelnd sagt. Ihr letzter großer Auftritt
war im Mai vergangenen Jahres bei den Ludwigsburger Festspielen. Dort sang sie ihre Lieblingsarie: Casta Diva aus der Oper
Norma von Vincenzo Bellini.
Kleid: Riani; grüner Seidenmantel: Miu Miu; Plateausandalen:
Prada; silberner Ring: Hermès.
Süddeutsche Zeitung Magazin 51
CLAUDIANO ZANI, 87,
ENTERTAINER
Wenn der in Rio de Janeiro geborene Zani über die Flure
der Villa Verdi spaziert, nutzt er jede Begegnung zum großen Auftritt: Er kann gar nicht anders als sein Publikum
zu unterhalten – egal, ob es sich um Mitbewohner oder
wildfremde Besucher handelt. Schon mit 16 tourte er mit
dem Teatro Experimental do Negro durch Brasilien, bis er
ein Stipendium bekam, um in Paris Theater, Gesang und
Tanz zu studieren. Anschließend arbeitete er unter anderen
mit den Kessler-Zwillingen. In einer Pariser Bar wünschte
sich Ingrid Bergman einmal ein Lied von ihm. Nachher
sagte sie bei einem Glas Champagner, dass er ihr Lieblingssänger sei. »Einer meiner größten Momente – ich war doch
so ein glühender Fan von ihr.«
Blazer, Hemd, Schiebermütze: alles Dolce & Gabbana;
Kette und alle Kleider auf dem Bild rechts unten: privat.
AGOSTINA ALIPRANDI, 92, VIOLINISTIN
Hier im Konzertsaal mit den knallroten Sesseln wird jeden Sonntag um Punkt 11 Uhr musiziert, und Aliprandi ist immer mit dabei. Nach dem Abschluss am Mailänder Konservatorium tourte sie
bereits mit einem Streichorchester für Barockmusik durch ganz
Italien. Während eines Konzerts 1943 in Messina heulte der Bombenalarm auf, doch die Musiker mussten weiterspielen, solange
Zuschauer im Saal waren. Aliprandi spielte bis zur letzten Note
»in Todesangst – aber fehlerfrei«. Einen Monat später wurde
Messina komplett zerstört.
Kleid: Jil Sander; Blazer: Louis Vuitton; Rollkragenpullover:
Erdem über mytheresa.com; Kette: Lanvin über mytheresa.com;
Armreif: Miu Miu; Uhr: Hermès.
ROSETTA RAMETTA, 91
Musik war immer Teil ihres Lebens, obwohl sie nie selbst musizierte. Jahrzehntelang hat Rametta ihren inzwischen verstorbenen Ehemann, einen Violinisten und Pianisten, zu seinen
Konzerten begleitet. In der Casa Verdi habe sie noch heute das
Gefühl, ständig auf Tournee zu sein, sagt sie: In diesem Haus
werde immer irgendwo Musik gespielt. Deshalb komme auch
nie jemand auf die Idee, im Bademantel über die Flure zu wandeln, jeden Moment könne schließlich das nächste Konzert beginnen. »Still ist es eigentlich nur, wenn jemand gestorben ist.«
Seidenbluse und -hose: Giorgio Armani; Tweedjacke: Chanel;
Ohrringe: Marni über mytheresa.com; Emaille-Armreif: Fendi; orangefarbenes Armband: Hermès; Sonnenbrille: A.P.C.
Fotos: Ben Morris / Visual Artists; Fotoassistenz: Renee Bevan; Produktion: Zelinda Zanichelli; Produktionsassistenz: Alessandro Margi; Haare: Patrick Gorra / ballsaal.com; Make-up: Michael Gray; Protokolle: Réka Maria Probst; Location: Casa Verdi;
Postproduktion: Callie Schneider / Chromavisuals
CATHERINE
FELLER, 82,
SCHAUSPIELERIN
Die exzentrische Britin ist die
Ehefrau von Claudio Giombi. Sie
brach mit 15 die Schule ab, um
Schauspielerin zu werden. Sie bekam ein Engagement bei der
West End Theater Company London, später spielte sie vor allem
in TV-Serien oder Filmen wie Mit
Pistolen fängt man keine Männer.
Sie und Giombi lernten sich 1985
auf einem Gesangskongress in
der Toskana kennen. Als dieser
Berg von einem Mann plötzlich
anfing, auf einer Wiese Yoga zu
machen, verliebte sie sich auf der
Stelle in ihn. In der Casa Verdi
leben sie gemeinsam in einem
Apartment, wobei jeder sein eigenes Zimmer bewohnt – ihres
ist komplett in Pink gehalten
und über und über mit Bildern
von Berühmtheiten behängt.
Top: Etro; Cape: Roberto Cavalli
über stylebop.com; Kette: Prada;
Ohrring: privat.
CLAUDIO
GIOMBI, 75,
BARITON
Dreißig Jahre lang sang er an der
Mailänder Scala, unter anderem
mit dem großen Tenor Luciano
Pavarotti. Eine seiner Paraderollen: der amerikanische Konsul
Sharpless in Madame Butterfly.
Irgendwann veränderte sich seine Stimme, der volle Klang verlor sich – unerträglich für einen
wie Claudio Giombi. Also setzte
er sich 2010 mit seiner Frau
Catherine in der Casa Verdi zur
Ruhe. Doch im vergangenen Mai
bekam er das Angebot, bei den
Ludwigsburger Festspielen zu
singen. Bis zu seinem Auftritt
übte er kein einziges Mal. Die
Stimmgewalt: wie zu seinen besten Zeiten.
Anzug und Seidentuch: Brioni.
Tragt es
mit Fassung
In Mailand geht man nie ohne:
Warum die Sonnenbrille gerade in
düsteren Zeiten das ideale Accessoire ist
58 Süddeutsche Zeitung Magazin
Die wirtschaftlichen Prognosen sind düster, die modischen
auch. Wenn es nach Designern wie Dries Van Noten oder
Miuccia Prada geht, wagen wir uns ab sofort nur noch mit
dunkler Brille vor die Tür. Natürlich hat das rein gar nichts
mit dem Wetter zu tun, das auch mit ein paar extrahübschen
UV-Gläsern kein Stück besser wird, sondern eher mit dem
wirtschaftlichen Klima: Nach der »It-Bag« und den »Musthave-Heels« ist nun die Sonnenbrille das Accessoire der
Stunde – was man sich halt gerade noch leisten kann, wenn
die Gehaltserhöhung wieder mal verschoben wurde. Dass
die Gewinnmargen eines Kunststoffgestells – das in der Herstellung weniger als zehn Euro kostet, im Laden aber mittlerweile bis zu 350 Euro – locker über denen von Taschen
liegen, ist ebenfalls hilfreich in diesen auch für die Modeindustrie etwas angespannten Zeiten.
Die richtige Sonnenbrille gehört also zum »Komplettlook« dazu, und wie man damit umgeht, kann man sich
wunderbar in einer Stadt wie Mailand abgucken. Hier
wird sie grundsätzlich durchgetragen, im Sommer wie im
Winter, bei blauem wie verhangenem Himmel. Es ist ja
auch wirklich eine verdammt antiquierte Definition der
Sonnenbrille, sie nur in Verbindung mit Sonne aufsetzen
zu wollen, oder? Im Englischen spricht man folglich
längst von »Eyewear«, einem Kleidungsstück für die Augen, das getragen wird, wann es eben gerade passt. Und
das ist im Zweifel: immer.
Dieser Dauerbetrieb hat durchaus seine Vorteile: kein
ständiges Rumnesteln mehr an einem ziegelsteingroßen Brillenetui mit dem Zuschnappgeräusch eines Krokodilkiefers,
kein versehentliches Liegenlassen im Café, wo man doch die
Brille nur abgenommen hat, um sich Zucker in den Milchschaum zu schütten. Die meisten Dinge des täglichen Lebens, so könnte man argumentieren, erledigen wir doch
sowieso schon in einer Art geistigen Umnachtung, für die
eine abgedunkelte Brille eigentlich das perfekte Symbol ist.
Und wenn wirklich mal klar gesehen oder gedacht werden
muss, wandert die Brille eben in den Stand-by-Modus, ins
Haar oder in die Reverstasche. Bei Italienern in der Regel
nicht einmal das. Es ist deshalb sicherlich kein Zufall, dass
der Weltmarkt für Sonnenbrillen von der italienischen
Firma Luxottica dominiert wird, die für fast alle großen
Designmarken die Fassungen fertigt.
Womit noch die Frage zu klären wäre, welche Brille es
denn nun sein soll. Ein weißes Gestell, wie von Dries Van
Noten und Missoni vorgeschlagen? Vielleicht zu klinisch.
Dann doch eher einen dicken farbigen Rahmen von Marni
oder Céline – mit viel Kunststoff im Gesicht kann man
nicht viel falsch machen. Eine elegantere Lösung: leicht
bunt getönte Gläser mit verschnörkeltem Metallrahmen
von Gucci, die Ton in Ton mit dem jeweiligen Outfit harmonieren. Da muss man zwar gleich die komplette Farbpalette kaufen, damit es funktioniert, aber der Trend geht
ja ohnehin zur Dritt- oder Viertbrille. Pro Sommer, versteht
sich. Denn natürlich ist die Sonnenbrille längst ein saisonales Geschäft: Mit der überdimensionalen Tom-FordBrille des Vorjahres werden Sie jetzt nur noch mitleidige
Blicke ernten. Auch wenn Sie die gar nicht sehen. Tragen ja
alle Sonnenbrille.
Illustration: Jordy van den Nieuwendijk
VON SILKE WICHERT
FRÜHJAHR/SOMMER 2013
inspiriert von KONEN
BOSS I CODELLO I DRYKORN I GUESS I HUGO I JOOP! I LIEBESKIND I MAC I MARC CAIN I MARC O’POLO I REPLAY I
ROY ROBSON I SET I ST.EMILE I STRELLSON I TOMMY HILFIGER I WINDSOR I U.V.M.
KONEN Bekleidungshaus KG Sendlinger Straße 3 80331 München Mo–Sa 10–20 Uhr www.konen.de
Pflanzenöl zum Braten,
600 g reife Tomaten, 1 Zwiebel, 4 EL Olivenöl, 400 g
Maccheroncini, 70 g Parmesan, 1 Mozzarella, Salz,
Pfeffer, gezupftes Basilikum
FOTOS: HANS GERLACH
Nach
Art
des
Hauses
In der Modewelt wird nicht gegessen?
Von wegen! Wir haben vier
berühmte Designerfamilien nach ihren
Traditionsrezepten gefragt
60 Süddeutsche Zeitung Magazin
BOMBA DI MACCHERONI
FAMILIE FERRAGAMO
Giovanna Gentile Ferragamo (5. v. re.)
ist Vizepräsidentin des Familienunternehmens,
das von ihrem Vater, dem
Schuhdesigner Salvatore Ferragamo,
gegründet wurde.
»Dieses Gericht haben wir
früher oft zu Hause gegessen.
Wenn ich es jetzt für andere
zubereite, mache ich mir immer einen Spaß daraus, meine
Gäste raten zu lassen, was sich
wohl unter den Auberginen
verbirgt. Es gibt nur wenige,
die dann wirklich darauf kommen. Aber ihre Vermutungen
haben mir schon interessante
Ideen geliefert, die ich irgendwann einmal ausprobieren
werde.« (Giovanna Gentile
Ferragamo)
Für 4 Personen
Zutaten 5 große Auberginen,
200 g Rinderhack, 1 Ei,
Zubereitung Auberginen in
Scheiben schneiden, salzen
und in einem großen Sieb auslegen, damit das Wasser abtropfen kann. Inzwischen
Hackfleisch mit Ei mischen,
salzen, pfeffern, aus der Mischung kleine Bällchen formen. In heißem Pflanzenöl
braten, dann auf Backpapier
auslegen, erkalten lassen.
Tomaten mit einem Messer
einritzen, kurz in kochendes
Wasser legen. Mit kaltem Wasser abschrecken, Haut abziehen,
Tomaten durch ein Sieb drücken. Zwiebel klein würfeln, in
eine Pfanne mit dem Olivenöl
geben, andünsten. Tomatenpüree zugeben, mit Salz, Pfeffer
und Basilikum würzen, alles
bei schwacher Hitze eine halbe
Stunde köcheln lassen. Zum
Schluss die Hackfleischbällchen zugeben. Maccheroncini
in reichlich gesalzenem Wasser
al dente kochen, abtropfen
lassen, dann mit der TomatenHackfleisch-Sauce mischen.
Auberginen trocken tupfen
und nacheinander in heißem
Pflanzenöl anbraten. Scheiben
mit einem Pfannenwender aus
der Pfanne nehmen und auf
Küchenrolle ablegen, damit
überschüssiges Fett aufgesaugt
wird. Eine Auflaufform mit
den gebratenen Auberginenscheiben vollständig auslegen,
sodass sie auch über den Rand
hängen. Nudel-Mischung mit
dem geriebenen Parmesan vermengen, Masse abwechselnd
mit dem in Scheiben geschnittenen Mozzarella auf die Auberginen schichten.
Überlappende Auberginenscheiben nach innen schlagen
und damit den Auflauf bedecken. 20 Minuten bei 180 Grad
im Backofen backen. Auflauf
auf eine Servierplatte stürzen,
heiß oder kalt servieren.
RISOTTO PRIMAVERA
FAMILIE ZEGNA
Die dritte Generation der Zegnas: Anna Zegna (2. v. re.), Enkelin des
Firmengründers Ermenegildo Zegna, ist für das weltweite Erscheinungsbild
der Marke verantwortlich, etwa die Ausstattung der Boutiquen.
»Bei uns ging es immer mehr ums
Essen als ums Kochen. Noch heute
gibt es eher einfache Gerichte wie
dieses Risotto, das sogar mein
Mann hinbekommt. Dafür legen
wir umso mehr Wert auf die richtigen Zutaten. Ich baue viel selbst
in meinem Garten hinter der
Küche an, Tomaten, Salat, Kräuter – das hat gleich ein ganz
anderes Aroma. Deshalb verwenden wir auch für unsere Parfums
Pflanzen, die wir auf unseren
eigenen Feldern in Kalabrien anbauen.« (Anna Zegna)
Für 6 bis 8 Personen
Zutaten 1 Karotte, 250 g Spar-
gel, 1 Zucchini, 1 mittelgroßer
Kürbis (Crookneck), 4 EL Olivenöl, 4 ½ Tassen Hühnerbrühe, 1 große Zwiebel, 1 ¾ Tassen
Risottoreis, ¾ Tasse Weißwein,
8 Baby-Karotten, geputzt,
1 ¾ Tassen frisch geriebener
Parmesan, 1 Tasse Tiefkühlerbsen, aufgetaut, ¼ Tasse Butter, gestückelt, ½ Tasse dünn
geschnittenes Basilikum, Salz,
Pfeffer, ¼ Tasse Pinienkerne
Zubereitung Karotte schälen,
klein würfeln. Spargel schälen,
Zucchini und Kürbis entkernen,
alles in ca. 2,5 cm große Stücke
schneiden. 1 EL Öl in großer
Pfanne erhitzen, Spargel, Zucchini, Kürbis zugeben, mit Salz und
Pfeffer würzen. Bei mittlerer Hitze braten, bis das Gemüse weich
wird, zur Seite stellen. Hühnerbrühe in großem Topf erhitzen,
dann warm halten. 3 EL Öl in
großem Topf erwärmen, fein gehackte Zwiebel und Karottenwürfel zugeben. Braten, bis die
Zwiebel weich wird. Reis zugeben, rühren, bis er an den Seiten
glasig wird. Wein zugießen, unter
Rühren köcheln, bis er fast verkocht ist. Eine Tasse Brühe und
geschälte Baby-Karotten zugeben. Rühren, bis die Brühe verkocht ist. Zwei Tassen Brühe zufügen, die zweite aber erst, nachdem die erste verkocht ist. Häufig
umrühren. Das angebratene Gemüse mit einer weiteren Tasse
Brühe hinzufügen, rühren. Sobald sie verkocht ist, 1 ¼ Tassen
Parmesan, Erbsen, Butterstücke
und ½ Tasse Brühe zufügen. Köcheln, bis die Butter geschmolzen ist, Reis und Gemüse weich
sind und das Risotto cremig ist.
Basilikum zugeben, mit Salz und
Pfeffer würzen. Risotto in eine
große Schüssel füllen, mit gerösteten Pinienkernen und restlichem Parmesan bestreuen.
TORTELLI ALLA PIACENTINA
FAMILIE ARMANI
Giorgio Armani (Mitte) mit seiner Mutter und seiner Schwester.
Vorn sein Neffe Andrea und die Nichten Roberta (Mitte) und Silvana,
die alle im Unternehmen tätig sind.
Für 6 Personen
Zutaten Füllung 600 g frischer
Spinat, 600 g Ricotta, 1 Ei,
200 g Grana Padano, Salz
Zubereitung Spinat überbrü-
hen, in kleine Stücke hacken,
dann mit Ricotta, Ei und geriebenem Grana Padano in einer
Schüssel vermischen. Mit etwas Salz verfeinern.
APFELSTRUDEL
FAMILIE ETRO
MODE
BE AUT Y
LIFEST YLE
MUSIK
Zutaten Füllung 2 kg Äpfel
(Renette), ½ Zitrone, 2 EL
Zucker, 150 g Semmelbrösel,
120 g Butter, 40 g Rosinen
(vor Verwendung in warmem
Wasser einweichen), 1 TL
Zimt, ½ Glas Kondensmilch
Zutaten Pasta 600 g Mehl,
4 Eier, lauwarmes Wasser, Salz
Zubereitung Mehl mit Eiern,
etwas Wasser und einer Prise
Salz vermischen und so lange
kneten, bis ein glatter Teig
entsteht. Teig danach etwas
ruhen lassen. Anschließend
dünn ausrollen und in Quadrate mit ca. 4 cm Seitenlänge
schneiden. Auf die Teigquadrate etwas von der Füllung
setzen und dann bonbonartig
verschließen. Die fertigen Tortelli in ausreichend gesalzenem Wasser kochen.
Zubereitung Mehl, Prise Salz,
Veronica Etro mit ihren älteren
Brüdern. Sie entwirft die Damenkollektion der Marke, die ihr Vater
Gimmo 1968 gründete und vor allem
mit Paisleymustern bekannt machte.
»Ich mache diesen Nachtisch
immer zum Geburtstag meiner
beiden Kinder im August, wenn
wir die Ferien in den Bergen
verbringen. Besonders Filippo,
unser Ältester, besteht auf seinem Strudel – und nimmt am
liebsten ordentlich Schlagsahne
dazu.« (Veronica Etro)
Für 6 Personen
Zutaten Teig 200 g Mehl, Salz,
2 EL Öl, 1 Eigelb, Mehl zum
Ausrollen, Öl zum Bestreichen
Öl, Eigelb, 90 ml lauwarmes
Wasser in einer Schüssel mischen. Teig mindestens 5 Minuten kräftig kneten, dann zu einer Kugel formen. Diese mit
kreisenden Bewegungen der
ineinander verschränkten Hände »schleifen«, bis die Oberfläche glatt ist. Mit wenig Öl bestreichen, mit Folie abdecken,
30 Minuten ruhen lassen. Teig
auf bemehltem Tuch auslegen,
dünn ausrollen – aufpassen,
dass er nicht bricht. Äpfel schälen, in feine Stücke schneiden,
mit Zitronensaft und Zucker
mischen. Semmelbrösel in einer Pfanne mit 100 g Butter
anbräunen, abkühlen lassen.
Auf dem Teig verteilen, ebenso
Äpfel und Rosinen. Zimt darüber streuen, stückchenweise
20 g Butter darauf geben. Tuch
leicht anheben und damit den
Strudel vorsichtig aufrollen. An
den Ecken verschließen. Backblech mit Öl einpinseln, Strudel darauf 45 Minuten bei 170
Grad backen. Nach 35 Minuten
mit Kondensmilch bestreichen.
Styling: Barbara Dodt; Foodstyling: Marcel Sumpf; Familienfotos: Werner Gritzbach / face to face (1); alle anderen privat
»Ich bin definitiv ein Gourmet,
aber ich bin auch Traditionalist,
wenn es ums Essen geht. Nichts
liebe ich mehr als einen Teller
›Tortelli alla Piacentina‹ in geschmolzener Butter mit geriebenem Käse, so wie meine Mutter sie immer gemacht hat. Ein
sehr aromatisches Nudelgericht,
das mich sofort an lange Familienabende erinnert. Damals
habe ich gelernt, einfache, aber
gesunde Lebensmittel zu schätzen. Ich habe eine instinktive
Abneigung allem gegenüber, was
zu viel Sauce, zu viele Gewürze
und zu viele Aromen hat – ich
will lieber genau wissen, was
ich da esse.« (Giorgio Armani)
SUMMER
A M M A RIENPL AT Z
IN MÜNCHEN
W W W.LUDW IGBECK .DE
FOTOS: HAW-LIN
STYLING: ALMUT VOGEL
Nach Strich und Farben. Bluse:
Acne; Streifenhose: Stefanel;
Pantoffeln: Tod’s; Armband: Chanel;
Wildledertasche: Pierre Hardy;
Memphis-Vase »Cucumber«,
Design von Martine Bedin.
Farbe
bekennen
Geometrisch, knallig, ironisch: Die Schöpfer der
aktuellen Accessoiremode dürfen ruhig
zugeben, wie sehr sie von Memphis beeinflusst sind –
der Designbewegung, die in den
Achtzigerjahren von Mailand aus die Welt eroberte
Süddeutsche Zeitung Magazin 65
Bunt fürs Leben. Oben links: Strick-Overall: Prada; Clip-Ohrring: Marni; Ring: Delfina Delettrez; Tasche: Céline; Lampe »Ashoka« von Ettore Sottsass.
Rechts oben: Blazerkleid: Hien Le; Halsreif: Delfina Delettrez; im Hintergrund: Memphis-Regal »Carlton«, entworfen von Ettore Sottsass.
Unten: Hotpants mit Dollar-Druck: Acne; Fesselriemensandalen: Chloé über mytheresa.com; Muster im Hintergrund von Nathalie Du Pasquier.
Das kann man ruhig
mal auf den Arm
nehmen. Orangefarbenes Seidenkleid:
Hermès; lackierte
Holzarmreife: Hermès;
durchsichtiger Armreif: Giorgio Armani;
Memphis-Vase
»Carrot«: Design von
Nathalie Du Pasquier.
Fotos: haw-lin-services.com; Styling & Produktion: Almut Vogel; Styling-Assistenz: Réka Maria Probst; Fotoassistenz: Daniel Schnitterbaum; Haare & Make-up: Arzu Kücük,
Erol Koyu / www.phoenix-agentur.de; Model: Ola Rudnicka über www.nextmodels.com; Location: Galerie Maurer; Fotostudio: Werk 3 Studios
Die Spaß-Guerilla
VON THOMAS BÄRNTHALER
Geordnete Verhältnisse. Oben:
Stiefelette mit Kettendetail: Versus;
lackierte Holzarmreife: Hermès;
Glasobjekt und Keramikskulptur von
Ettore Sottsass.
Reine Formsache. Links: Schachbrett-Kleid: Louis Vuitton; HulaHoop-Tasche: Chanel; Armreif:
Pierre Hardy. Regal im Hintergrund:
»Carlton« von Ettore Sottsass.
Alles begann, wie es sich gehört für eine Revolution: mit einer Straßensperre. So viele
Menschen hatten sich auf dem Corso Europa
in der Mailänder Innenstadt versammelt, dass
die Polizei sich gezwungen sah, den Verkehr
umzuleiten. Es war im September 1981 während der Möbelmesse, und die Menschen
kamen, weil es hier in der Galleria Arc ’74
Bahnbrechendes, ja Unerhörtes zu sehen gab:
eiscremefarbene Regale, die wie Altäre aussahen, Tischlampen auf Rädern, Teekannen
in Treppenform, Fake-Marmor und andere
Zumutungen. Waren das noch Möbel, oder
war das schon Konzeptkunst an der Schwelle
zum Kindergeburtstag?
Es war die erste Werkschau der »Memphis«Bewegung um den damals auch schon 64
Jahre alten, aber offenbar sehr jung gebliebenen Industriedesigner Ettore Sottsass. Danach
war nichts mehr, wie es war. Der Designer
Jasper Morrison staunt noch heute, wenn er
an diesen Tag zurückdenkt: »Es war ein Gefühl von Schock und Panik.« Seit dem Bauhaus war das Industriedesign dem Dogma
»form follows function« gefolgt, sein Hohepriester Dieter Rams träumte vom leisen Design, von »so wenig Design wie möglich«.
Problem war, dass man irgendwann bei einer
Industrieästhetik gelandet war, die zwar von
strenger Schönheit war, aber eben auch kalt
und langweilig. Memphis dagegen war laut
und schrill, war so viel Design wie möglich.
Dessen Funktion war, keine Funktion zu haben. Außer vielleicht die, den Blick und die
Sinne neu zu eichen und die Dinge endlich
wieder wie ein Mensch anzugehen, nicht wie
eine Maschine: Ja doch, Design darf auch
Spaß machen. Form follows fun.
Die Schockwellen dieser Ketzerei sind
noch heute zu spüren, und zwar nicht nur in
der Laminat-Hölle der Baumärkte, sondern
in der Form- und Farbenvielfalt unserer
Produktwelt, die ohne diesen italienischen
Wutanfall ganz sicher dröger ausgefallen
wäre. Seit Kurzem feiert Memphis ein kleines
Comeback, das sogar bis in die aktuellen
Sommerkollektionen der Mode ausstrahlt.
Karl Lagerfeld hat das alles übrigens schon
damals eingeleuchtet. Er kaufte 1981 die
komplette erste Kollektion vom Fleck weg,
um damit sein Penthouse in Monte Carlo
einzurichten. Er rühmte sie als »übermodern«, dabei war Memphis für Ettore
Sottsass nur »der Versuch, Dynamik, Fehler,
Bewegung und Gefühl ins Design einzubeziehen«.
Alle Memphis-Objekte sind Leihgaben der Galerie Maurer, München, und des Memphis Design Store in Mailand, www.memphis-milano.com. Wir danken auch Nathalie Du Pasquier für die Bereitstellung ihrer Muster.
Im
Norden
schlafen wir im Einklang
mit der Natur.
Das Geheimnis, stärker als je zuvor
aufzuwachen, voller Energie, Schönheit
und Frische, liegt im für den Norden
typischen Schlaf verborgen. Machen Sie
Winterschlaf, und zwar ganz natürlich,
in einem schwedischen, von Hand
gefertigten Hästens-Bett, und erleben
Sie die Kraft des Tiefschlafs.
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Passion for Beds GmbH
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Tel 089-2424 3931. Fax 089-2424 3945
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Lauter
Lieblingsplätze
CLAUDIA SCHIFFER,
SUPERMODEL
ANDRÉ LEON TALLEY,
JOURNALIST
»Der Spazio Rossana Orlandi eröffnete vor zehn Jahren in einer
ehemaligen Krawattenfabrik in der Via Matteo Bandello. Heute
findet man dort eine wunderbare Mischung aus modernem
Design und Vintage-Möbeln. In der 2008 hinzugekommenen hauseigenen Galerie gibt es Unikate und Sondereditionen. Sie ist eine
der besten Plattformen für junge aufstrebende Designer.«
Spazio Rossana Orlandi, Via Matteo Bandello, 14–16.
Claudia Schiffer hat in ihrer Karriere unzählige Kilometer auf Mailands Laufstegen zurückgelegt und war mehrmals das modische Aushängeschild von Versace und Dolce & Gabbana.
»In Mailand setze ich mich oft ins Taxi und sage einfach ›Leonardo
da Vinci – das Abendmahl!‹ Das Gemälde hängt im Speisesaal des
Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazie. Ich kann es stundenlang betrachten. Nach der Restaurierung leuchten die Farben, die
jahrhundertelang von Schmutz getrübt waren, jetzt wieder frisch.
Der Schriftsteller Henry James nannte Christus einmal einen ›illustren Invaliden‹. Ich finde es immer wieder ergreifend, vor diesem
großen Meisterwerk zu stehen. Man verlässt den Raum mit einem
Gefühl von Demut, die Realität ist außer Kraft gesetzt angesichts der
gewaltigen Vision eines großartigen Humanisten wie da Vinci.«
Leonardo da Vinci‚ Das Abendmahl,
Piazza Santa Maria delle Grazie, 2.
Als ehemaliger Editor-at-Large der amerikanischen »Vogue« sitzt
André Leon Talley auf den Modenschauen von New York bis Mailand seit mehr als einem Vierteljahrhundert in der ersten Reihe.
70 Süddeutsche Zeitung Magazin
Fotos Seite 70/71: Rindoff-Borge / Bestimage; Stefano Guindani / sgp; Abaca / face to face; Jahreszeiten Verlag / Gourmet Picture Guide; Prisma / Photoservice Electa / U; Bildagentur-online / Tips-Hermes; F1online
Wer immer noch glaubt, Mailand sei keine schöne Stadt,
hat nur noch nicht die richtigen Leute
gefragt. Acht Empfehlungen aus berufenem Munde
DONATELLA VERSACE,
MODESCHÖPFERIN
»Mein absoluter Lieblingsort in Mailand ist der Palazzo dell’ Arengario, der das Museo del Novecento für Kunst und Malerei des
20. Jahrhunderts beherbergt. Man kann dort eine Atmosphäre von
Kunst, Kultur und Schönheit atmen. Die elliptische Rampe im
Inneren erinnert mich immer ein bisschen an das Guggenheim in
New York. Außerdem hat man vom obersten Stockwerk einen wundervollen Blick auf den Mailänder Dom.«
Museo del Novecento im Palazzo dell’Arengario,
Via Marconi, 1.
Nach dem Tod ihres Bruders Gianni Versace 1997 übernahm
Donatella Versace die kreative Führung des Mailänder Modehauses.
GIORGIO ARMANI,
MODESCHÖPFER
»Mailand wirkt immer wie eine reine Geschäftsstadt, dabei gibt
es dort in Wirklichkeit jede Menge Kultur zu entdecken. Hinter
den strengen Fassaden der Paläste auf der Via Borgonuovo verbergen sich idyllische Höfe und Gärten. Und in Mailands
Kirchen findet man oft wundervolle Kunstwerke, Santa Maria
presso San Satiro etwa ist ein Geheimtipp. Noch ein Ort, den es
sich auf jeden Fall zu erkunden lohnt, ist die Pinacoteca di
Brera, mit der Napoleonstatue im Innenhof und der Bildergalerie.«
Pinacoteca di Brera, Via Brera, 28.
Santa Maria presso San Satiro, Via Torino, 17–19.
Giorgio Armani begann als Schaufensterdekorateur im Mailänder
Kaufhaus La Rinascente und gründete 1975 sein eigenes Modehaus.
Süddeutsche Zeitung Magazin 71
KARLA OTTO,
PR-MANAGERIN
CARLA SOZZANI,
LADENBESITZERIN
»Der Buchladen Milano Libri nahe der Scala existiert bereits
seit 1962 und ist ein Treffpunkt für Künstler, Architekten und
Intellektuelle. Man findet dort ein fantastisches Sortiment an
Bildbänden und Katalogen zu den Themen Fotografie, Kunst,
Design und Textil, aber auch seltene Comics.«
DIEGO DELLA VALLE,
MODEUNTERNEHMER
»Wenn ich Ruhe brauche, flüchte ich in den Botanischen Garten
nach Brera, der von romanischen Patrizierhäusern umgeben ist.
Während der Möbelmesse im April wird er oft für Designprojekte genutzt. Den Kontrast zwischen der Stille des Gartens und
der coolen Atmosphäre der Austellungen liebe ich besonders.«
Milano Libri, Via G. Verdi, 2.
Orto Botanico di Brera, Via Brera, 28.
In einer alten Garage auf dem Corso Como gründete Carla Sozzani 1990 eine Galerie für Kunst und Design. Dann kamen ein Café,
eine Boutique und ein Buchladen hinzu und plötzlich war die
Adresse 10 Corso Como die Mutter aller Concept Stores.
Karla Otto, in Bonn geboren, arbeitete als Model und gründete 1982
in Mailand ihre eigene PR-Agentur. Sie vertritt Kunden wie Jil Sander,
Marni und Diane von Fürstenberg.
»Wer einmal die Chance hat, muss einen Abend in der Scala
verbringen, dem spirituellen Zuhause von Italiens Oper und
Ballett. Sie steht für alles, was unsere Kultur und Tradition ausmacht. «
OLIVIERO TOSCANI,
FOTOGRAF
Teatro alla Scala, Via Filodrammatici, 2.
Diego Della Valle ist einer der erfolgreichsten Modeunternehmer Italiens. Neben Tod’s und Fay, deren Kollektionen jede Saison in Mailand
präsentiert werden, gehören auch die Marken Hogan, Roger Vivier und
Schiaparelli zu seinem Portfolio.
Pasticceria Marchesi, Via Santa Maria alla Porta, 11.
Oliviero Toscani wurde 1942 in Mailand geboren und in den Achtzigerjahren vor allem mit seinen provokanten Werbekampagnen für
Benetton bekannt.
Fotos: Dave Yoder / Aurora / laif; Orazio Tullio; Stéphane Feugère; getty
OPER AUF DEM KLOSTERHOF
»Meine Lieblings-Trattoria heißt ›Torre di Pisa‹ in der Via Fiori
Chiari. Leute meines Jahrgangs gehen da sehr gern hin – man
isst dort wie daheim bei Mama. Auch gut: Das Feinkostgeschäft
Peck auf der Via Spadari hat eine tolle Auswahl an Delikatessen, und die Pasticceria Marchesi in der Straße Santa Maria
alla Porta verkauft nicht nur den besten Espresso Mailands,
sondern auch sehr leckeres Gebäck. Im Restaurant ›Rigolo‹
am Largo Treves treffen sich die Journalisten. Ansonsten gibt
es noch das ›Antica Trattoria della Pesa‹, das älteste Gasthaus
der Stadt, es ist berühmt für seine traditionell lombardische
Küche.«
GIUSEPPE VERDI
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21. JUNI BIS 5. JULI 2013
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HOTEL
»Antica Locanda
Solferino«
Europa
Mailand
Jetzt schon ein Highlight: Die erste Möbelkollektion von
Rem Koolhaas’ Design-Studio OMA für Knoll
wird im April auf der Mailänder Möbelmesse präsentiert.
»Sterben mag ich nicht.
Das ist das Letzte, was
ich tun werde«
Die sportlich-elegante
Frühjahrskollektion
der Mailänder Marke
MSGM ist so bunt
wie die Eisauswahl in
einer Gelateria. Und
genauso cool; msgm.it
Das »alte Gasthaus« liegt mitten im von Kanälen durchzogenen Stadtteil Brera. Das schönste
und größte der elf Zimmer ist das mit der Nummer 5 – inklusive romantischem Eckbalkon.
Antica Locanda
Solferino, Via
Castelfidardo, 2,
Mailand, Tel.
0039/02/657 01 29,
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solferino.it.
DZ ab 150 Euro
Roberto Benigni
Damals war la vita
noch mächtig dolce:
Anita Ekberg in Fellinis Filmklassiker von
1960. Die Fontana
di Trevi in Rom, inzwischen etwas vor
die Hunde gegangen, wird jetzt endlich restauriert – vom
Modehaus Fendi.
Hotels in dieser Stadt sind entweder teuer oder hässlich
– und dann immer noch zu teuer. Beides kam für unser
Modeshooting-Team in Mailand nicht in Frage. Wer am
Ende das »Solferino« entdeckte, ist nicht hinreichend geklärt – war es der Agent vor Ort oder doch der Geheimtipp
irgendeines filmverrückten Freundes? Denn die »Antica
Locanda« wirkt wie aus der Zeit gefallen und könnte hervorragend als Kulisse für die Neuverfilmung von Cinema
Paradiso oder Der talentierte Mr. Ripley dienen. Die unscheinbare Glastür neben dem bekannten Restaurant »Il
Solferino« übersehen die meisten, die Rezeption besteht
lediglich aus einem kleinen Pult mit Klingel, die elf Zimmer sind noch originalgetreu aus den Zwanzigern erhalten. Am Morgen wird man nicht in einem lauten Frühstückssaal unter Neonröhren in die Realität zurückgeholt,
sondern bekommt das Frühstück auf einem Silbertablett
vor die Tür gestellt. Unbedingt nach einem Zimmer mit
Balkon fragen, dann kann man schnell mal nach draußen
schauen, winken, Kusshändchen werfen – wie man das
aus Filmen eben kennt.
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Linsensuppe von Anna Schwarzmann
Einmal die Woche sollte man Linsen essen,
weil sie so vitaminreich sind.
Habe ich neulich erst gelesen. Nicht erschrecken, langweilig wird einem
trotzdem nicht so leicht, denn es gibt ja viele Linsensorten (rote, gelbe,
Champagner Linsen und sogar Linsen von der Schwäbischen Alb) – und
genauso viele Kombinationsmöglichkeiten: mit Würstchen, mit Kaninchenleber, mit Spätzle, mit Speck oder ohne für Vegetarier, mit Crème
fraîche obendrauf und sogar mit Zander – der passt trotz des Specks.
Wir essen den Linseneintopf am liebsten pur, am besten mittags beim
Skifahren, zum Aufwärmen.
Linseneintopf
(für 4 – 6 Personen)
Speckwürfel im Topf auslassen, Butter zugeben, mit Zwiebel und
Knoblauch anschwitzen. Geschnittenes Wurzelgemüse zugeben und
mitschwitzen, Linsen abtropfen
lassen, ebenfalls zugeben und alles
zusammen angehen lassen. Jetzt das
Tomatenmark und etwas Zucker
zugeben, andünsten, mit Essig ablöschen. Mit Bouillon auffüllen, Lorbeerblatt und Rosmarin zugeben
und 40 Minuten leicht köcheln lassen, bis die Linsen gar sind. Nach
der Hälfte der Kochzeit die Kartoffelwürfel zugeben. Zum Schluss
mit etwas Stärke abziehen, mit Salz,
Pfeffer, Essig und Zucker abschmecken, getrocknete Tomatenstückchen einrühren und etwas Kalbsjus
zur geschmacklichen Vollendung
zugeben. Mit Petersilie servieren.
A N N A S C H W A R Z M A N N kocht
im »Gasthof Widmann« in Überacker
bei München und schreibt neben
Anna Sgroi, Christian Jürgens und Tim
Raue für unser Kochquartett. Nächste
Woche: Indischer Rosenkohl von
Christian Jürgens.
76 Süddeutsche Zeitung Magazin
Foodfoto: Reinhard Hunger; Styling: Volker Hobl; Porträt: Jo Jankowski
300 g Tellerlinsen (am Vortag eingeweicht), 60 g Speckwürfel,
50 g Butter, 1/2 Zwiebel in Würfeln,
1 fein gehackte Knoblauchzehe,
300 g kleine Karotten-, Sellerie- und
Lauchstückchen, gemischt, 60 g Tomatenmark, 60 g Balsamico-Essig,
1,5 l Bouillon, 1 Lorberblatt, 1 Stängel Rosmarin, 1 Kartoffel in kleinen
Würfeln, 10 g Stärke, 4 getrocknete
Tomaten, geschnitten, 100 g Kalbsjus, Zucker, Salz, Pfeffer aus der
Mühle, gehackte Petersilie
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Ted Baker
The Kooples
Theory
Tiger of Sweden
Victoria, Victoria Beckham
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Nicht alle Marken sind
in allen Häusern erhältlich.
Saturns Liste
Folge 258: Die schönsten Filme
CUS Das Kreuz mit den Worten
Verleihung 8 Worauf läuft hinaus,
wenn’s Mobbing
11
12
13
werden soll? 9 Wie14
15
16
dereinGliederung
10 Holes for a
17
18
19
20
21
Quickie 12 ZweiPunkte-Figur leider
22
23
24
25
26
doch nicht Naturalien 13 … dich!
27
28
29
30
31
32
sprach Frankenstein anfangs zum
33
34
Monster 15 Der
wiederverschließ35
36
37
38
bare Apfel 18 Dame
mit Hertz 19 Wie
39
40
41
42
der Schrei, nach
43
44
45
dem kein anderer
kommt 20 Hexeku46
47
48
tionsexekutivorgan
25 Die Hessischen
Trachtler in RotSchwarz: Mit 30
26
Wo
das
Zeitalter
der Dinogleichziehen
Gipfel im Strandkorb
saurier immer mal wieder abbricht (BeRüber 1 Vertreibt – und soll gleichzeitig an- schwerden zwecklos!) 28 So artig wie keine
locken 11 Geht auf dahin, wo die Kokos
Szene von der Gattin 29 Todesschwadrohn
30 Ja, wie soll ich’s denn herbringen? Es ist
wächst – und wäre ohne o Geistlicher?
14 Vom Aletschgletscher zum Genfer See
doch eh nichts zu! 31 Bumsdings im
16 Kamen einst auf eine Frauenquote von
Rumstopf 32 PR(g)ag oder Mogel-Packung
50 Prozent (heute nicht mehr so sicher)
für Wortverdreher wie … 38 … auch
17 Brustvergrößerung, Brustverkleinerung – diesen Tricht-Platz: Bayernbauerbrüder
39 Macht Wulf zum Helden und Bachter
das ewige Rein und Raus 21 Allgemeine
Volkserhebung 22 D und was hören Babys
zum Osservatore Tedesco 41 Unter Ikaros’
gleich doppelt von Eltern (Waffenlobby
Fittichen 42 Will es dem CUS-Verschnitt
mal richtig zeigen 44 Mailänder Modezar
freut’s)? 23 Französisierte Rachmaninow
und Prokofjew, was mit Anthängsel Pepper
in breve: Mein lieber Hr.! 45 So schön
24 Reißende alias das, was in Österreich
kann doch kein Germany sein oder der
mit Apfel und Schlagobers verspeist 27 Ist
X mit XY-Satz
1 nicht, wenn Seelen betroffen 33 Standard
Die Auflösung dieses Rätsels finden Sie im
aus der Ecke ist zugespitzt bis kompromitnächsten Heft – oder Sie lösen es gleich digitierend 34 Sagen die einen in der Fastental: In den Apps der SZ auf dem iPad und auf
zeit, die anderen zur Fastenzeit 35 Time
allen Windows-8-Geräten können Sie sofort
turned around 36 Player, Global Player und prüfen, ob Ihre Antworten richtig sind.
Lohn nicht nur für den Supermarkt
Auflösung Kreuzworträtsel 7
37 Unsere äußerliche Bildung ist doch nur
Rüber 1 rabenschwarz 11 energetisch
Beuys’ Fettecke 39 Nachwuchs-Besetzung
40 Hauptursachen für Kindergartenalarm
14 Garten 15 Anke 16 oh 17 eng 18 Riestern
43 Gipfel im Strandkorb – oder St.aumau22 Lasagne 23 Elias 24 Steeger 26 Egge
er? 46 Was in was sticht nicht? 47 Fait
27 Ike 29 Gör 31 Eta 32 Ei 33 Drill 34 rostrois cent choses 48 Finden alle Wege heim- tend 37 Regie 38 Irokese 42 in 43 Écarté
führend
45 Agio 47 Gerhard 48 Liter
Runter 1 regelwidrig 2 Ananas 3 BergRunter 1 Gut für Autofahrer und gegen
steiger 4 erträglich 5 Sen 6 CT 7 hinter
Hundedreck 2 Worin spielt 12 Uhr mittags?
8 ACE 9 Rho 10 Zahnseide 12 Geige
3 Kolossdos 4 Verjüngung auf die Spitze
13 Skelett 15 Ase 19 enger 20 Riga 21 nagen
getrieben 5 Beernsteinfarben 6 Muhseums- 25 er 28 Kren 30 olé 31 es 35 Ort 36 EEG
stück 7 Todsichere Favoriten für die Oscar38 irr 39 Öl 40 Kai 41 sie 44 AA 46 or
1
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seit 1998 Mitarbeiter im Bereich
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Theresienhöhe, München.
1
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Schwanthalerstr. 115,
München
Ein bisschen Cinderella,
ein bisschen Verwechslungskomödie und ganz viel
romantische Verstrickung –
Manhattan Love Story
mit Jennifer Lopez und
Ralph Fiennes ist PopcornLiebeskino par excellence.
Nicht unbedingt tiefgründig,
dafür rasant und unterhaltsam. Es muss ja nicht immer
Lars von Trier sein.
Angenehm zeitlos und mit
atemberaubend schönen
Momenten gespickt ist das
Monumental-Melodram
Australia mit Nicole Kidman
und Hugh Jackman. Die
abenteuerliche Liebesgeschichte
vor dem historischen Hintergrund des Zweiten Weltkriegs
ist eine Mischung aus „Vom
Winde verweht“ und „Jenseits
von Afrika“.
Sentimentalität ist keine
Schande, besonders dann nicht,
wenn sie dem wohl intensivsten
Lebewohl der Filmgeschichte
geschuldet ist. P.S. Ich liebe
Dich mit Hilary Swank und
Gerard Butler weicht zwar
teilweise ziemlich stark von
der Bestseller-Buchvorlage ab,
die Geschichte ist aber trotzdem gut. Und so romantisch.
Wenn Liebe so einfach wäre
– ja, wenn. Dann gäbe es diese
wunderbar unkomplizierte,
vergnügliche Romantikkomödie
nicht. Und das wäre schade.
Meryl Streep, Alec Baldwin und
Steve Martin glänzen durch
Komik und Timing, und nach
dem Abspann bleibt ein gutes,
warmes Gefühl im Zuschauerherzen zurück.
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Über den Wolken Mit dem Flugzeug zu fliegen ist heute fast so alltäglich wie
mit dem Bus zu fahren. Der Hubschrauber ist hingegen immer noch einem exklusiveren Personenkreis vorbehalten – Politikern, Stars, Staubeobachtern. Damit
auch Sie München und Oberbayern einmal aus der Helikopter-Perspektive bewundern können, laden wir Sie mit der Münchner Firma »Heliflieger.com« zu
einem Hubschrauber-Rundflug ein. Gestartet wird auf dem Flugplatz Jesenwang
in der Nähe des Ammersees, von dort fliegt Sie der Pilot Dirk Schepanek zuerst
Richtung Hohenpeißenberg und Wieskirche, dann geht es weiter nach Neuschwanstein, vorbei an der Zugspitze und all den Gipfeln, die Sie vielleicht schon
mühsam zu Fuß erklommen haben. Via Starnberger See fliegen Sie dann Richtung München, der Blick auf Frauenkirche und Olympiastadion rundet den
zirka neunzigminütigen Rundflug ab. Der Gewinn gilt für zwei Personen und
kann bis Ende Juli 2013 eingelöst werden, sodass Sie selbst entscheiden können,
ob Sie lieber über schneeglänzende Pisten oder grüne Almen hinwegfliegen.
Teilnahmeschluss ist der 27. Februar 2013. Mitarbeiter der beteiligten Firmen dürfen
nicht mitmachen. Der Rechtsweg sowie eine Barauszahlung des Gewinns sind ausgeschlossen.
IMPRESSUM
Chefredakteure Michael Ebert und Timm Klotzek
Artdirector Thomas Kartsolis
Chef vom Dienst Dirk Schönlebe
Textchefin Susanne Schneider
Redaktion Max Fellmann, Lara Fritzsche, Kerstin Greiner
(Stil leben), Lars Reichardt, Rainer Stadler, Johannes Waechter
Mitarbeit: Thomas Bärnthaler, Dr. Andreas Bernard,
Christoph Cadenbach, Tobias Haberl, Gabriela Herpell,
Dr. Till Krause, Wolfgang Luef, Alexandros Stefanidis,
Almut Vogel, Silke Wichert (Modeleitung)
Verlag Magazin Verlagsgesellschaft Süddeutsche Zeitung mbH,
Hultschiner Straße 8, 81677 München,
Tel. 089/21 83 95 40, Fax 089/21 83 95 70,
E-Mail: szmagazin@sz-magazin.de
Kaufmännischer Bereich Marianne Igl
Repro Compumedia GmbH,
Elsenheimerstraße 59, 80687 München
Herstellung Hermann Weixler (Leitung)
Autoren CUS, Dr. Dr. Rainer Erlinger, Axel Hacke,
Dr. Malte Herwig, Christian Jürgens, Tobias Kniebe,
Peter Praschl, Tim Raue, Roland Schulz,
Anna Schwarzmann, Anna Sgroi
Druck Firmengruppe APPL, PRINT.Forum,
Neulandstraße 40, 74889 Sinsheim
Grafik Birthe Steinbeck
Mitarbeit: David Henne, Anna Meyer, Daniel Schnitterbaum
Bildredaktion
Mitarbeit: Eva Fischer, Ralf Zimmermann
Assistenz Regina Burkhard (Chefredaktion),
Julia Wagner
Redaktionsmarketing Angela Kesselring (Leitung);
Mitarbeit: Babette Lorenzen
Geschäftsführer Stefan Rohr
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Anzeigen Jürgen Maukner (Gesamtanzeigenleitung),
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Online Mitarbeit: Marc Baumann
Schlussredaktion Dr. Daniela Ptok
Mitarbeit: Angelika Rauch
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Verantwortlich für den redaktionellen Inhalt
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Der Verlag übernimmt für unverlangt eingesandte Unterlagen
keine Haftung.
Das Papier des Süddeutsche Zeitung Magazins wird aus chlorfrei
gebleichtem Zellstoff hergestellt.
Bei Nichterscheinen durch höhere Gewalt oder Streik kein Entschädigungsanspruch. Eine Verwertung der urheberrechtlich geschützten
Zeitschrift und aller in ihr enthaltenen Beiträge und Abbildungen,
insbesondere durch Vervielfältigung oder Verbreitung, ist ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar,
soweit sich aus dem Urheberrechtsgesetz nichts anderes ergibt.
Insbesondere ist eine Einspeicherung oder Verarbeitung der auch
in elektronischer Form vertriebenen Zeitschrift in Datensystemen
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(S. 71)
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Via Brera, 28 (S. 73)
L Via Borgonuovo (S. 71)
M Teatro Manzoni;
Via Alessandro Manzoni, 42
(S. 34–35)
N Villa Necchi; Via Wolfgango
Amedeo Mozart, 14 (S. 28–29)
O Teatro alla Scala,
Via Filodrammatici, 2 (S. 73)
Q Santa Maria delle Grazie;
Piazza Santa Maria delle Grazie, 2
(S. 70)
V Santa Maria presso San Satiro;
Via Torino, 17–19 (S. 71)
W Il Duomo; Piazza del Duomo
(S. 23)
X Museo del Novecento;
Piazza del Duomo (S. 71)
GASTRONOMIE
A Antica Trattoria Della Pesa;
Viale Pasubio, 10 (S. 72)
C Hotel Antica Locanda Solferino;
Via Castelfidardo, 2 (S. 75)
D Bar Jamaica; Via Brera, 32 (S. 34)
E La Latteria; Via San Marco, 24
(S. 24–25)
F Tizzy’s N.Y. Bar & Grill;
Alzaia Naviglio Grande, 46 (S. 47)
G Ristorante Rigolo;
Via Solferino, 11 (S. 72)
I Trattoria Toscana Torre di Pisa;
Via Fiori Chiari, 21 (S. 72)
R Pasticceria Marchesi;
Via Santa Maria alla Porta, 11
(S. 72)
Y Ostello Bello; Via Medici, 4 (S. 49)
EINKAUFEN
P Milano Libri, Via G. Verdi, 2 (S. 72)
S Antonia, Via Ponte Vetero, 1 (S. 48)
T Spazio Rossana Orlandi;
Via Matteo Bandello, 14–16 (S. 70)
U Peck (Feinkost); Via Spadari, 9
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Axel Hacke Das Beste aus aller Welt
82 Süddeutsche Zeitung Magazin
Visiten einklagen. Entsprechend könnten
die Münsteraner Elefanten verlangen, von
jedem Münsteraner mindestens einmal im
Monat betrachtet zu werden; wer dies
nicht tut, wird dann eben von den Elefanten besucht.
Drittens kann man es machen wie der Autor
dieser Kolumne: Deren Lektüre steht selbstverständlich jedem Leser frei. Er muss aber
mit unangekündigten Besuchen des Verfassers rechnen, der immer wieder unnachsichtig Inhaltsangaben der letzten zehn Texte anfertigen lässt. Schlechte Noten bei den Tests
können gravierende Konsequenzen haben,
die gefürchtet drakonischen Strafen werden
vollständig willkürlich festgesetzt und reichen vom Besuch mehrerer Heimspiele des
TSV 1860 München bis zur Lektüre von
Finnegan’s Wake.
Sachen gibt’s: Da ist A X E L H A C K E
doch tatsächlich ein Scheck über eine
Fantastilliarde Euro abhanden gekommen! Hat er ihn vielleicht in einem
Exemplar seines Buches Oberst von Huhn bittet
zu Tisch versteckt? Möglich wär’s …
M ANCHM AL
MUSS ES EBEN
MUMM SEIN.
Illustration: Dirk Schmidt
Was den Zoo in Münster angeht, so hatte
er in den Wintermonaten immer folgendes Problem: Es kamen zu wenig Leute. Die Tiere fraßen also ihr Futter wie
immer, die Affenkäfige waren gut geheizt
und warm wie der Dschungel, und die
Wärter erwarteten, auf ihren Konten Gehälter vorzufinden.
Aber in den Kassen war nicht viel Geld.
In solchen Situationen gibt es mehrere Möglichkeiten. Entweder man macht es wie die
öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten
und treibt Geld auch von Leuten ein, denen
alle Rundfunkanstalten wurscht sind.
Oder man zwingt die Menschen: In China
gibt es jetzt zum Beispiel ein Gesetz, das
auch alle erwachsenen Bürger verpflichtet,
ihre Eltern regelmäßig zu besuchen; geschieht das nicht, können die Eltern solche
Der Zoo in Münster hat jetzt ein weiteres
Modell erprobt. Er hat nämlich den Gästen
freigestellt, wie viel Eintritt sie zahlen
wollten, im Zweifel auch nichts. Ergebnis:
ein Rekordbesuch. Im Dezember kamen so
viele wie noch nie seit Gründung des Tierparks vor fast vierzig Jahren. Zwar zahlten
sie pro Nase natürlich viel weniger für ihre
Karte als regulär, die Münsteraner sind ja
nicht blöd. Aber weil eben viel mehr Leute
kamen, nahm der Zoo zweieinhalb Mal so
viel Geld ein wie sonst.
Pay-What-You-Want nennt sich dieses Prinzip.
Es soll Restaurants geben, die es praktizieren, auch nicht wenige Museen, und natürlich funktioniert es nur bei guter sozialer
Kontrolle, das heißt: Wie viel man zahlen
möchte, sollte man der Dame oder dem
Herrn im Kassenhäuschen ins Gesicht sagen, und wer ganz umsonst rein will, muss
es dem Tiger erklären.
Noch weiter geht derzeit nur die Milton
Keynes Gallery in der Stadt Milton Keynes
nördlich von London. Dort nämlich hat
ein Künstler namens Tomas Georgeson einen unterschriebenen Scheck über 8000
Pfund versteckt, was den Besuch der Galerie spürbar intensivierte – wobei sich die
Aufmerksamkeit des Publikums ebenso auf
Georgesons Kunstwerke richtete wie auf
die nicht von ihm geschaffenen Lampen
und Luftbefeuchter.
Ist das verwerflich? Auf wie vielen Millionen Kindergeburtstagen hat man schon
die Freude des Menschen am Suchen und
Finden eines Schatzes genutzt, um den
Kleinen ein wenig Bewegung und frische
Luft zu verschaffen?! Und hier wird der
Mensch eben von seiner Gier verleitet, ein
Museum zu besuchen. Er kommt also wegen des Schecks, aber bleibt er nicht vielleicht wegen der Kunst?
Jedenfalls bin ich gespannt auf den nächsten
Winter, wenn der erste Zoo Pay-What-YouWant mit dem Scheck-Prinzip verknüpft und
ungeheure Besuchermengen diesen Tierpark
überschwemmen. Versteckte man ihn zum
Beispiel im Krokodilrevier, bekäme der Begriff »Schnäppchenjäger« auch noch mal einen ganz neuen Beiklang.
Den leeren Pool zum Tanzparkett
einer rauschenden Ballnacht machen.
Oder zum Dinner auf Deck einladen –
das Parkdeck mit der phantastischen
Aussicht. Im ehemaligen Programmkino seinen eigenen Film laufen lassen.
Und dabei ganz neue Rollen spielen.
Manchmal muss es eben Mumm sein.
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