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Ländlicher Wegebau in der Sackgasse

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Technik
BAUERNBLATT l 25. Oktober 2014 ■
Unterlassene Pflegeleistung
Ländlicher Wegebau in der Sackgasse
Ein Großteil unserer ländlichen
Wirtschaftswege befindet sich in
einem erbärmlichen Zustand. Eine
über Jahrzehnte vernachlässigte
Pflege der Feldwege erfordert vielfacheineGrundsanierung.MitHinweis auf die leeren Kassen wird
dieses Problem beständig auf die
jeweils nächste Generation verschoben. Ein Ausweg aus dieser
Sackgasse ist nur möglich, wenn
den gegenseitigen Schuldzuweisungen zwischen den Nutzern und
zuständigen Straßenbaulastträgern mit einem konstruktiven Umdenken und Setzen neuer Prioritäten begegnet wird. Mit diesem Artikel sollen die Hintergründe und
mögliche Lösungsansätze beschrieben werden.
Straßenschäden, wie sie häufig im ländlichen Raum zu beobachten sind.
Dies erfolgt auch vor dem Hintergrund zunehmender Kritik von Bürgern und Kommunalvertretern, die
sich über eine zunehmende Belastung durch landwirtschaftlichen Verkehr beklagen. Hervorgerufen wird
diese öffentliche Wahrnehmung
durch ein verändertes Nutzerverhalten unserer ländlichen Wegestruktur.
Während noch in den 1950er und
1960er Jahren unsere Wege ausschließlich durch landwirtschaftlichen Verkehr genutzt wurden, hat
sich parallel zum Strukturwandel in
der Landwirtschaft auch ein Wandel
im Nutzerverhalten vollzogen. Heute werden die ländlichen Wege zunehmend von Erholung suchenden
Fahrradfahrern,
Spaziergängern,
Reitern, aber auch zunehmend von
Pkw genutzt. Die Landwirtschaft bedient sich unter dem Kostendruck
immer leistungsfähigerer Landmaschinen, die größtenteils auch über
Lohnunternehmen zum Einsatz gebracht werden. Die Schlepper und
Maschinen sind folglich im Rahmen
der
Straßenverkehrs-ZulassungsOrdnung (StVZO) größer, schwerer
und schneller geworden. Zugleich
verhelfen aber Breitreifen, Niederdruckreifen und Lenkachsen zu einem schonenden Befahren. Im Vergleich zu dem übrigen Straßenver-
kehrsnetz, das stetig einem veränderten Verkehrsaufkommen angepasst wird, erfahren unsere ländlichen Wege hingegen keine Anpassung an ein verändertes Nutzerverhalten! Wir fahren mit unseren Maschinen, mit denen ein zulässiges Gesamtgewicht von 40 t eingehalten
werden muss, teilweise noch auf
ländlichen Wegen, die ursprünglich
für Pferdefuhrwerke konzipiert worden sind. Dieser Zustand kann in ei-
nem Agrarland wie Schleswig-Holstein auf Dauer nicht hingenommen
werden. Unsere Landwirte und
Lohnunternehmer benötigen Wirtschaftswege, mit denen die erforderlichen leistungsfähigen Maschinen effektiv zum Einsatz gebracht
werden können. Eine Studie „Wege
mit Aussichten“ hat 2008 den möglichen Weg dahin eindrucksvoll aufgezeigt. Erste Erfolge wurden mit
der Ausweisung eines ländlichen
Kernwegenetzes erzielt, das sind in
der Regel ortsverbindende Wege,
die eine Mehrfachnutzung aufweisen. Diese sollten vorrangig mit öffentlicher Förderung ausgebaut
werden. Aufgrund zusätzlicher Ausbaustandards und fehlender Finanzmittel in den Kommunen sind diese
Wege nur geringfügig mit zusätzlichen Fördergeldern ausgebaut worden. Bei den übrigen zirka
20.000 km Feldwegen ist in den zurückliegenden Jahren durch die
Kommunen als zuständige Straßenbaulastträger bitter wenig unternommen worden. Das beginnt mit
den Pflegemaßnahmen dieser Wirtschaftswege wie Bankettpflege, Profilierung und Entwässerung. Bevor
die Kommunalvertreter mit erhobenem Zeigefinger auf die Nutzer wie
Lohnunternehmer und Landwirte
zeigen, sollten sie sich selbstkritisch
fragen, wann diese Pflegemaßnahmen in den vergangenen Jahren in
ihren Gemeinden durchgeführt worden sind. Eine unterlassene Pflegeleistung an den Wegen erhöht den
Verschleiß erheblich und macht
frühzeitig eine kostenträchtige Sanierung dieser Wege erforderlich. In
diesem Zusammenhang wird zurzeit
vielerorts über die Erhebung von
Straßenausbaubeiträgen diskutiert.
Während für die Sanierung von
Wirtschaftswegen in der Regel nur
bedingt finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, sollten für die Unterhaltung, die nur einen Bruchteil dessen kostet, jährlich finanzielle Mittel
in den Haushalt der Kommunen eingestellt werden.
Im Nachfolgenden sollen die erforderlichen drei Pflegemaßnahmen
und mögliche Sanierungsverfahren
dargestellt werden.
Bankettpflege
betreiben
Diese Pflegemaßnahme ist erforderlich, um zu gewährleisten, dass
das Niederschlagswasser relativ
Unsere Wirtschaftswege sind nicht analog der technischen Entwicklung mitge- schnell vom Straßenkörper abfliewachsen.
ßen kann.
Technik
■ BAUERNBLATT l 25. Oktober 2014
Eine Bankettfräse sollte alle fünf bis sieben Jahre am Feldweg zum Einsatz kommen.
Das Profilieren der Wirtschaftswege muss regelmäßig durchgeführt werden.
Bei einem Großteil unserer Wege
sind die Bankette derartig aufgewachsen, dass Regenwasser nur bedingt abfließen kann, mit dem Ergebnis, dass die Bankette und der
Straßenunterbau instabil werden. In
der Folge stellen sich nutzerbedingt
gravierende Schäden ein. Deshalb ist
ein jährliches, teilweise mehrfaches
Schlägeln der Bankette erforderlich,
um den Bewuchs und damit die Ablagerungen auf dem Bankett zu reduzieren. Die Kosten dafür betragen
zirka 4 ct/lfm. Die Nutzer der Wirtschaftswege müssen darauf bedacht
sein, Verschmutzungen auf den Wegen zu minimieren. Denn diese Verschmutzungen verlagern sich mit
dem Regenwasser auf die Bankette
und tragen damit zum Aufwachsen
bei. Deshalb muss der Ladungssicherheit mehr Beachtung geschenkt
werden! Übermäßige Verschmutzungen zum Beispiel durch Ackerboden sollten durch die Verursacher
beseitigt werden, indem der Boden
zum Acker zurücktransportiert wird.
Ein beschädigtes Bankett sollte
ebenfalls umgehend durch den Verursacher repariert werden. Trotz einer rücksichtsvollen Nutzung wird
das Bankett im Laufe der Jahre weiter aufwachsen. Deshalb wird alle
fünf bis sieben Jahre ein Abtragen
der Bankette (Kontrolle der Gräben
und Durchlässe nicht vergessen!) erforderlich. Dafür gibt es maschinelle
und preiswerte Lösungen wie zum
Beispiel mit einer Bankettfräse, für
die zirka 50 ct/lfm aufgewendet
werden müssen.
relativ schnell von den Wirtschafts- die Bankette übermäßig zu schädiwegen verschwindet. Für diese Pfle- gen.
gemaßnahme sind zirka 5 ct/lfm anzusetzen.
Wassergebundene
Wassergebundene Wege
profilieren
Schotterwege erfüllen ohne Weiteres die Anforderungen des heutigen landwirtschaftlichen Verkehrs.
Sie erfordern jedoch hinsichtlich der
Entwässerung eine intensivere Kon-
trolle. Neben der Bankettpflege
muss die Profilierung des Weges so
angelegt sein, das Niederschlagswasser durch ein sogenanntes Dachprofil beidseitig abfließen kann. Örtlich bedingt, kann auch ein einfaches Schrägprofil erforderlich werden. Unebenheiten oder gar Schlaglöcher, die sich im Laufe der Zeit nutzungsbedingt ergeben, müssen unverzüglich mit einem Wegehobel
beseitigt werden. Diese Pflegemaßnahme kostet zirka 1 €/lfm (bei 3 m
Breite).
Freischneiden
der Wege
Ein Freischneiden der Wege ist
nicht nur aufgrund der Verkehrssicherheit oder Herstellung eines
Lichtraumprofils erforderlich. Damit
wird gleichzeitig gewährleistet, dass
die Wirtschaftswege relativ schnell
abtrocknen können. Wenn Sonne
und Wind auf den Straßenbelag einwirken können, ist damit gewährleistet, dass das Niederschlagswasser
Sanierungsmaßnahmen
für die Bankette
Wenn Wege derartig geschädigt
sind, das Pflegemaßnahmen nichts
mehr zur Verbesserung der Wege
und Bankette beitragen können,
sind Sanierungsmaßnahmen erforderlich. Dies kann bei sichtbar geschädigtem Bankett, hervorgerufen
durch übermäßige Nutzung oder
Gegenverkehr, mit einer entsprechenden Verbreiterung geschehen.
Bei tragfähigen Untergründen eignen sich dazu Betonstreifen oder
die Verwendung von Betongittersteinen. Häufig werden die Bankette
gegenüber von Feldeinfahrten beschädigt, weil die Ausfahrten nicht
ausreichend breit sind. Bei eine Verbreiterung der Feldausfahrten können die Fahrzeuge in einem flachen
Winkel die Wege anfahren, ohne
Wege
Wenn aufgrund mangelnder
Pflege sich bereits tiefere, mit Wasser gefüllte Schlaglöcher oder ausgefahrene Spuren gebildet haben,
ist ein einfaches Profilieren nicht
mehr anzuraten. Diese Schlaglöcher
würden nur oberflächlich durch
den Hobel mit Schottermaterial
ausgefüllt und bei feuchtem Wegezustand relativ schnell wieder ausgefahren. Deshalb empfiehlt es
sich, diese Wege mit einem Schwergrubber aufzubrechen, um eine
Durchmischung des Schottermaterials herzustellen. Mit einer Wegebaufräse wird anschließend dieses
Material derartig zerkleinert, dass
die gröberen Bestandteile im unteren Bereich abgelagert und durch
die anschließende Verdichtung zu
einem tragfähigen Unterbau verzahnt werden. Im oberen Bereich
verbleiben die feineren Bestandteile, die nach einer Verdichtung dafür
sorgen, dass Oberflächenwasser abgeführt wird und Fahrzeugführern
bis hin zu Fahrradfahrern ein angenehmes Fahren ermöglichen. Eine
derartige Sanierung kostet zirka
2 €/m².
Rückbau von Asphaltstraßen
und Spurplattenwegen
Ein ähnliches Verfahren kann zur
Anwendung kommen bei geschädigten Asphaltstraßen oder Spurplattenwegen, die sich in der Regel
auf instabilen Untergründen befinden. Hier wird die Straße durch einen Bagger aufgebrochen, damit
anschließend die Wegebaufräse ihMit dem Grubber wird der Asphaltweg aufgebrochen, um anschließend mit re Arbeit verrichten kann. Vorteil
der Wegebaufräse einen strukturierten Wegaufbau zu gewährleisten.
bei diesem Rückbau einer Asphalt-
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Empfehlenswert ist gelegentlich der Rückbau von Asphaltstraßen in wassergebundene Feldwege.
straße oder eines Spurplattenweges
in eine wassergebundene Straße ist,
dass sich nachfolgend aufgrund des
flexiblen Oberbaus keine Risse wie
bei herkömmlichen Asphaltsanierungen bilden. Für einen derartigen
Rückbau sind zirka 5 €/m² (4 €/m²
Spurplattenweg) zu veranschlagen.
Bei einem instabilen Untergrund
empfiehlt sich der Einbau eines Geovlieses, das mit zirka 4 €/m² hinzugerechnet werden muss.
Wichtig ist bei diesen Wegen,
dass sie unmittelbar nach der Sanierung für den Fahrzeugverkehr gesperrt werden, damit sie sich setzen
und antrocknen können. Anschließend sollte eine geschwindigkeits-
reduzierende Beschilderung bis maximal 30 km/h (besser 20 km/h) erfolgen. Eine geschwindigkeitsreduzierende Maßnahme ist immer einer
gewichtsreduzierenden Maßnahme
vorzuziehen, weil dadurch der Landwirtschaft die Nutzung leistungsfähiger Landtechnik auf ihren Äckern
weiterhin ermöglicht wird.
Äußere Randbedingungen
einplanen
Bevor
Sanierungsmaßnahmen
von Wirtschaftswegen beauftragt
werden, sollten die Straßenbaulastträger alle Maßnahmen einleiten,
um nutzungsbedingte Folgeschä-
Übersicht: Feldausfahrt mit Ausweichbucht
den auf ein Minimum zu reduzie- Sonne und Wind zu einer raschen
Abtrocknung beitragen können.
ren.
Häufig lassen diese Wege eine
Verbreiterung (auch aufgrund der
Nutzerverhalten
zusätzlichen Kosten) nicht zu. Desändern
halb wird empfohlen, dort, wo es
möglich ist, einen EinbahnstraßenDamit die wertvollen Wirtschaftswege als Bestandteil unserer ländlichen Infrastruktur auch weiterhin ihre Funktion erfüllen können, bedarf
es Verhaltensregeln, die unbedingt
durch die Straßennutzer einzuhalten sind:
● Die gestiegenen Transportgewichte erfordern eine drastische Reduzierung der Geschwindigkeit auf
den Feldwegen!
● Starke Straßenverschmutzungen
oder Bankettbeschädigungen sind
unmittelbar vom Verursacher zu beseitigen!
● Wird ein Lohnunternehmer mit
einer Dienstleistung beauftragt,
sollten die oben genannten beschränkenden Maßnahmen Bestandteil des Auftrags sein! Sich
daraus ergebende ZeitverzögerunBreite Ausfahrten mit verstärktem gen beziehungsweise KostensteigeBankett verringern Folgeschäden an rungen sind minimal.
● Die Mitarbeiter/Schlepperfahrer
den Wirtschaftswegen.
Fotos: Eckard Reese sollten regelmäßig bezüglich ihres
Fahrverhaltens angewiesen werverkehr einzurichten. Alternativ den.
sollten Ausweichbuchten von mindestens 20 m Länge vorzugsweise
gegenüber Feldeinfahrten eingerichtet werden, um ein Ausweichen
Mit dieser Selbstverpflichtung
von Gegenverkehr zu ermöglichen.
und den entsprechenden PfleEine Verbreiterung von Feldeingemaßnahmen kann die Saniefahrten sollte in einem vereinfachrung von Wirtschaftswegen mit
ten Verfahren mit entsprechenden
der Folge von möglichen AnlieAusgleichsmaßnahmen auf dem
gerbeiträgen erheblich hinaus„kleinen Dienstweg“ ermöglicht
gezögert werden.
werden. Übergänge zu Feldeinfahrten sollten mit einem breiteren und
vom Unterbau stabilen Bankett verEckard Reese
sehen werden. Ein großzügiger
Geschäftsführer, Landesverband
Rückschnitt von Straßenbegleitder Lohnunternehmer
grün sollte an wassergebundenen
Tel.: 0 43 31-3 38 63 00
Wegen ermöglicht werden, damit
info@lohnunernehmer.de
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