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Fragen und Antworten zum Habicht, Vogel des Jahres - NABU-Netz

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INFO | VOGEL DES JAHRES 2015
Fragen und Antworten zum
Habicht, Vogel des Jahres 2015
Titel des Papiers, kann auch
Weshalb ist der Habicht Vogel des Jahres 2015?
Jeder Vogel des Jahres illustriert ein Naturschutzthema, meist ein Naturschutzproblem, für das er als Botschafter fungiert. Bei Habicht ist dies die andauernde illegale Verfolgung von Greifvögeln in Deutschland.
Der Habicht ist Zielart Nummer eins der illegalen Greifvogelverfolgung in
Deutschland. Menschliche Verfolgung hatte diese und viele weitere Greifvogelarten in der Vergangenheit sehr selten gemacht. Durch gesetzlichen Schutz
trat eine Bestandserholung ein, die heute aber zum Stillstand gekommen ist.
Die illegale Verfolgung setzt einer weiteren Bestandserholung anscheinend
hier eine Grenze. Dabei sind die früheren Bestandsdichten noch lange nicht
erreicht. Damit verbunden ist auch die Entwicklung einer zunehmenden Einwanderung von Habichten in städtische Gebiete, wo er von Verfolgung meist
verschont bleibt. Nur hier findet weiter eine Bestandszunahme statt, die zeigt,
dass Menschen und Habichte sehr wohl miteinander leben können – solange
der Habicht nicht illegal verfolgt wird.
Im Jahr des Habichts rücken wir die illegale Greifvogelverfolgung ganz besonders ins Licht der Öffentlichkeit.
INFO | VOGEL DES JAHRES 2015
Was sind die Kernforderungen des NABU/LBV im Rahmen der Vogel-des-JahresKampagne?
•
Illegale Greifvogelverfolgung ist kein Kavaliersdelikt. Wir fordern daher,
dass entsprechende Straftaten effektiv aufgeklärt und angemessen geahndet werden. Dafür sollen speziell geschulte Einheiten und Koordinationsstellen für Umweltkriminalität bei der Polizei und den Naturschutzbehörden in allen Bundesländern nach dem Beispiel von NordrheinWestfalen eingerichtet werden.
•
Um die illegale Verfolgung zu erschweren, muss neben der Benutzung
auch der bislang erlaubte Verkauf von Habichtfangkörben verboten werden.
•
Das Aushorsten von jungen Habichten für die Falknerei in freier Natur
darf nicht mehr zugelassen werden, da entsprechende Ausnahmegenehmigungen kaum kontrollierbar sind. Mit Vögeln aus Nachzuchten in Gefangenschaft bestehen zudem dazu geeignete Alternativen.
•
Das Erteilen von Ausnahmegenehmigungen für den Abschuss oder Fang
von Habichten und anderen Greifvögeln aufgrund behaupteter allgemeiner Schäden an Niederwild und Hausgeflügel ist nicht akzeptabel. Diese
Praxis ist bundesweit einzustellen.
•
Währen der Brutzeit dürfen weder in unmittelbarer Nähe von
Horstbäumen noch deren Umgebung Forstarbeiten durchgeführt werden, um den Lebensraum von Habichten und anderen Greifvögeln zu
schützen.
Wie viele Habichte leben momentan in Deutschland?
In Deutschland sind Habichte flächendeckend vertreten und brüten in allen Bundesländern. Der nationale Bestand wird im neuen deutschen Brutvogelatlas ADEBAR auf 11.500 bis 16.500 Brutpaare geschätzt. Deutschland beherbergt damit etwa
7-8% des gesamteuropäischen und sogar gut 20% des EU-Bestandes des Habichts.
Je nach Lebensraum schwankt die Siedlungsdichte zwischen zwei und zwölf Brutpaaren auf 100 Quadratkilometern, im Durchschnitt etwa 6 BP auf 100 qkm.
Der Habicht ist nach Mäusebussard, Turmfalke und Sperber gemeinsam mit dem
Rotmilan der vierthäufigste Greifvogel Deutschlands. Dabei ist der Mäusebussard
mind. sechsmal häufiger, der Turmfalke viermal häufiger als der Habicht. Der nahe
verwandte Sperber ist aber nur wenig häufiger.
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Nehmen die Bestände von Habichten bei uns ab?
Der Habicht war ursprünglich ein häufiger Brutvogel in Deutschland. Seit dem 16.
Jahrhundert wurde damit begonnen, den Habicht als Prädator des sog. „Niederwildes“ zu verfolgen. Die Bejagung scheint insbesondere zu Beginn des 20. Jahrhunderts intensiviert worden zu sein, was zu einer Verstärkung des negativen Trends
geführt hat. Nach 1945 haben die Bestände zunächst aufgrund der kriegsbedingten
Jagdruhe bis Anfang der 1950er Jahre zugenommen. Nach Wiederaufnahme der
Jagd gingen sie erneut zurück.
Durch Einführung einer ganzjährigen Schonzeit, zunächst im Osten, später im
Westen, setzte seit spätestens den 1970er Jahren vielerorts eine Erholung der Bestände ein. Anders als der Sperber war die Art von den Auswirkungen der DDTAnwendung offenbar weniger betroffen. Seit Mitte der 1980er Jahre war in vielen
Bundesländern eine Zunahme bis in die 1990er Jahre erkennbar. Anschließend
scheinen sich die Bestände stabilisiert zu haben. Seit dem Ende der 1990er zeichnet
sich allerdings ein leicht rückläufiger Trend ab.
Grund für das Ende der Bestandserholung und den sich abzeichnenden neuerlichen
Rückgangs ist anscheinend die anhaltende illegale Verfolgung der Art. Die Bestandsentwicklung des Habichts spiegelt damit sehr klar die jeweilige Intensivität
der Verfolgung durch den Menschen wider.
Ist der Habicht in Deutschland vom Aussterben bedroht?
Derzeit sind die Bestände des Habichts in Deutschland nicht generell gefährdet. Lediglich in in Bayern steht der Habicht als gefährdet auf der Roten Liste. In Brandenburg und Nordrhein-Westfalen wurde er in die Vorwarnliste aufgenommen.
Lokal aber verschwindet der Habicht aus manchen Gebieten oder ist im Vergleich
zu ähnlichen Gegenden unerklärlich selten. Es gibt viele Anzeichen, dass Habichte
bisher immer noch nicht die Häufigkeit erreicht haben, die sie natürlicherweise
ohne direkte menschliche Verfolgung besitzen würden.
Wo leben Habichte?
Habichte mögen abwechslungsreiche Landschaften. Für den Bau ihrer Nester brauchen sie hohe und alte Bäume, die sie in größeren Nadel- und Mischwäldern finden.
Der geschickte Flieger jagt im Wald und auf Feldern sowie in offenen Landstrichen
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– sofern Hecken oder Gebüsche genügend Deckung bieten. Inzwischen finden sich
Brutplätze aber auch in kleinen Gehölzgruppen und Grünanlagen.
Entgegen seinem Ruf als scheuer Bewohner ausgedehnter dichter Wälder, ist der
Habicht eigentlich ein anpassungsfähiger Opportunist. Erst die Jahrhunderte währende Verfolgung sorgte dafür, dass Habichte irgendwann nur noch in diesen abgelegenen Gegenden überlebten. Lässt der Druck der Verfolgung nach, besiedelt der
Habicht auch kleinere Wälder und sogar Feldgehölze. Grundsätzlich braucht er nur
ein ungestörtes Wäldchen zum Brüten und ein ausreichendes Nahrungsangebot.
Inzwischen hat der vermeintlich scheue Waldvogel entdeckt, dass es sich sogar im
Trubel der Städte gut leben lässt. Das Nahrungsangebot ist dort das ganze Jahr über
gesichert. Dafür sorgt vor allem eine große Zahl von Straßen- und Ringeltauben,
Krähen oder Elstern, die zu den bevorzugten Beutetieren des Habichts gehören. Gefahren durch Verfolgung sind hier kaum zu befürchten.
Warum stehen Habichte und andere Greifvögel unter Schutz?
Als vermeintliche Nahrungskonkurrenten und Schädlinge wurden Greifvögel seit
Jahrhunderten verfolgt. Alle Arten haben dadurch stark abgenommen, einige (Seeadler, Fischadler, Steinadler, Wanderfalke) wurden sogar an den Rand des Aussterbens gedrängt.
Aufgrund besseren ökologischen Verständnisses – also dem Wissen darüber, dass
eher die Zahl der Beutetiere die Zahl der Beutegreifer bestimmt als umgekehrt –
und um die Arten vor dem völligen Verschwinden zu bewahren, wurden alle Greifvogelarten in Deutschland Anfang der 70er Jahre zu streng geschützten Arten erklärt, zunächst im Osten, dann im Westen.
Obwohl der Habicht und alle anderen Greifvogelarten weiterhin im deutschen
Jagdrecht als jagdbare Arten aufgeführt sind, genießen sie seitdem eine ganzjährige
Schonzeit. Jede Nachstellung ist seitdem eine Straftat, die mit bis zu fünf Jahren
Freiheitsentzug geahndet werden kann.
1979 haben die Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten den ganzjährigen Schutz des
Habichts und der anderen Greifvogelarten durch die Europäische Vogelschutzrichtlinie für die ganze Europäische Union festgeschrieben – ein bahnbrechender Erfolg
und ein Meilenstein für den Naturschutz in Europa.
Jegliche Ausnahmeregelungen unterliegen seitdem den strengen Regeln der EUVogelschutzrichtlinie.
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INFO | VOGEL DES JAHRES 2015
Weshalb werden Habichte überhaupt verfolgt und wer tut das?
Obwohl die Jagd auf Habichte seit Jahrzehnten verboten ist, ist die Nachstellung
dieser Vögel nicht ganz verschwunden. Es handelt sich nun aber um eine illegale
Verfolgung dieser Greifvögel.
Die meisten Täter stammen aus den Reihen von Brieftaubenzüchtern und Jägern:
Es gibt noch einzelne Jäger (das sind dann keine Waidmänner!), die Habichten illegal nachstellen, weil sie in ihnen Konkurrenten bei der Jagd auf Hasen oder Fasane
sehen.
Noch immer geht der Mythos um, Habichte seien für den Rückgang bestimmter
Arten wie Feldhase und Rebhuhn verantwortlich. Deren Bestände gehen zwar tatsächlich stark zurück, doch nicht der Habicht ist „schuldig“. Vielmehr finden Rebhühner in der ausgeräumten Landschaft immer weniger Brutplätze und ihre Küken
nicht mehr ausreichend Insekten zum Überleben – Resultat einer industriellen
Landwirtschaft unter Einsatz von Pestiziden und Beseitigung von Strukturen, wie
Ackersäumen. Erfolgreich sind solche Rebhuhnschutzprojekte, bei denen ausreichend insekten- und wildkrautreiche Ackersäume in der sonst normal genutzten
Ackerlandschaft geschaffen werden, nicht aber solche, die sich auf das Aussetzen
von Nachzuchten und das Bejagen von Beutegreifern konzentrieren. Ganz ähnlich
liegt der Fall auch bei den Feldhasen.
Niederwildjäger schießen heute hauptsächlich Jagdfasane, die zu diesem Zweck eigens gezüchtet und dann in großen Zahlen ausgesetzt werden. Damit schaffen die
Jäger natürlich auch dem Habicht einen gedeckten Tisch, der diese unerfahrenen
Tiere leicht erbeuten kann. Diese Verluste können aber nicht dem Habicht angelastet werden und müssen bei dieser Jagdpraxis in Kauf genommen werden. Leider teilen nicht alle Jäger diese Ansicht, so dass man in Gegenden mit intensiver Fasanenjagd auch Schwerpunkte der Habichtverfolgung feststellen kann.
Besonders unbeliebt ist der Habicht daneben bei Züchtern von Brieftauben. Sie
fürchten um ihre Rassetiere und geben sogar im Internet Tipps, wie Taubenbesitzer
diese „Plagegeister“ reduzieren können". Jahr für Jahr werden in Deutschland Habichtfangkörbe sichergestellt – viele davon in der Nähe von Taubenhaltungen. Mit
lebenden Lockvögeln oder Fleischködern werden die Greifvögel in die Falle gelockt
und dann meistens erschlagen. Dabei sind die Verluste bei Brieftauben-Rennen ungleich höher als durch den Habicht: Bei jedem Rennen finden zwischen 28 und 32
Prozent der Reisetauben nicht mehr zum Heimatschlag zurück, belegen wissen-
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schaftliche Untersuchungen. Wie auch beim Aussetzen von gezüchteten Fasanen
schafft der Mensch durch freifliegende Brieftauben dem Habicht einen gedeckten
Tisch mit leichter unerfahrener Beute. Es ist jedoch nicht akzeptabel die Schuld dafür beim Habicht zu suchen. Vielmehr müssen entsprechende Verluste bei freifliegenden Brieftauben einkalkuliert und im Interesse der Allgemeinheit akzeptiert
werden – genauso wie die übrigen Verluste bei Brieftaubenrennen.
Neuerdings mehren sich auch Gerüchte und Fälle, in denen Greifvögel bzw. deren
Nester beseitigt werden, um die Genehmigungschancen für Windkraftanlagen zu
erhöhen, die durch Greifvogelbruten in der Nähe versagt werden könnten.
Mit welchen Methoden werden Habichte (und andere Greifvögel) verfolgt?
Die Methoden sind:
•
Vergiftung
Bei den registrierten Fällen von Greifvogelverfolgung liegt die Vergiftung von Vögeln mittels (häufig mit dem Pestizid
Carbofuran)vergifteter Köder an der Spitze. Dies liegt hauptsächlich
daran, dass in diesem Fall oft mehrere Vögel gleichzeitig getötet werden und diese Opfer hinterher leicht aufzufinden sind. Vor allem
Mäusebussard und Rotmilan, die häufig auch Aas aufnehmen, sind
hier betroffen, weniger der Habicht, der nur in Ausnahmefällen Aas
aufnimmt.
•
Abschuss
Diese Methode wird am ehesten von Jägern angewandt. Gerade beim
Habicht ist dies eine häufige Verfolgungsmethode.
•
Fang (und anschließendes Erschlagen)
Diese Methode wird eher von Taubenzüchtern angewandt. Meist
werden sog. Habichtfangkörbe eingesetzt, die mit einer lebenden
Taube oder Krähe als Köder bestückt sind.
•
Zerstören von Nestern und Horstbäumen
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INFO | VOGEL DES JAHRES 2015
Welche Strafen drohen den Verfolgern?
Sämtliche in Europa vorkommenden Greifvogel- und Eulenarten unterliegen sowohl dem Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes als auch der EUVogelschutzrichtlinie. Sie dürfen nicht getötet, gefangen oder auf andere Art und
Weise verfolgt werden. Jede Art der Nachstellung stellt eine Straftat dar, die mit bis
zu 5 Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden kann. Häufig werden jedoch auch
Geldstrafen verhängt.
Greifvögel unterliegen aber nicht nur dem Bundesnaturschutzgesetz, sondern
gleichzeitig auch dem Jagdrecht. Alle Greifvogelarten genießen eine ganzjährige
Schonzeit. Greifvogelverfolgungen stellen somit auch einen Verstoß gegen das
Bundesjagdgesetz dar.
Wer wegen Greifvogelverfolgung rechtskräftig verurteilt wird, dem kann von den
Behörden die Jagderlaubnis entzogen werden. Landwirte, die wegen Greifvogelverfolgung verurteilt werden, müssen zusätzlich mit einer Kürzung von Prämienzahlungen im Rahmen der „Cross-Compliance“- Bestimmungen der EU rechnen.
Nehmen Habichte und andere Greifvögel den Jägern das Wild weg?
Noch immer geht der Mythos um, Habichte seien für den Rückgang bestimmter
Arten wie Feldhase und Rebhuhn verantwortlich. Deren Bestände gehen zwar tatsächlich stark zurück, doch nicht der Habicht ist „schuldig“. Vielmehr finden Rebhühner in der ausgeräumten Landschaft immer weniger Brutplätze und ihre Küken
nicht mehr ausreichend Insekten zum Überleben – Resultat einer industriellen
Landwirtschaft unter Einsatz von Pestiziden und Beseitigung von Strukturen, wie
Ackersäumen. Erfolgreich sind solche Rebhuhnschutzprojekte, bei denen ausreichend insekten- und wildkrautreiche Ackersäume in der sonst normal genutzten
Ackerlandschaft geschaffen werden, nicht aber solche, die sich auf das Aussetzen
von Nachzuchten und das Bejagen von Beutegreifern konzentrieren. Ganz ähnlich
liegt der Fall auch bei den Feldhasen.
Niederwildjäger schießen heute hauptsächlich Jagdfasane, die zu diesem Zweck eigens gezüchtet und dann in großen Zahlen ausgesetzt werden. Damit schaffen die
Jäger natürlich auch dem Habicht einen gedeckten Tisch, der diese unerfahrenen
Tiere leicht erbeuten kann. Diese Verluste können aber nicht dem Habicht angelastet werden und müssen bei dieser Jagdpraxis in Kauf genommen werden. Leider tei-
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len nicht alle Jäger diese Ansicht, so dass man in Gegenden mit intensiver Fasanenjagd auch Schwerpunkte der Habichtverfolgung feststellen kann.
Im Normalfall bestimmt in der Natur die Zahl der Beutetiere die Zahl der von ihnen
lebenden Beutegreifer – nicht umgekehrt, wie man lange glaubte. Daher kann ein
Greifvogel nicht die grundsätzliche Ursache für den Rückgang von Hasen, Rebhühnern und vergleichbarer Arten sein. Wie die oben beschriebenen Erfahrungen zeigen, ist es daher sinnvoll bei einer Verbesserung des Lebensraums für diese Wildarten anzusetzen als bei der Verfolgung von Greifvögeln.
Sind Rebhühner, Feldhasen und Fasane vom Aussterben bedroht durch den Habicht?
Rebhühner und Feldhasen gehen in der Tat sehr stark zurück – ganz besonders in
den letzten zwölf Jahren. In der gleichen Zeit blieb der Bestand der Habichte, der
sich u.a. von diesen Arten ernährt, stabil. Schon dies zeigt, dass kein ursächlicher
Zusammenhang bestehen kann. Es ist vielmehr inzwischen nachgewiesen, dass
Verschlechterungen des Lebensraums der Arten in unserer Agrarlandschaft die
grundlegenden Ursachen für diese Bestandsabnahmen sind, siehe auch vorherige
Frage. Der Abschuss von Habichten erhöht die Überlebenschancen dieser Arten
nicht – eine Verbesserung des Lebensraums aber sehr wohl.
Fasane dagegen sind nicht ursprünglich bei uns heimisch und wurden nur zu Jagdzwecken bei uns eingebürgert. In manchen Gegenden erhalten sich diese Bestände
inzwischen selber. Hier gelten die gleichen Argumente wie bei Rebhuhn und Feldhase. In den meisten Gebieten werden jedoch regelmäßig große Zahlen von in Gefangenschaft gezüchteten Fasanen zu Jagdzwecken ausgesetzt. In diesem künstlichen Fall sind Verluste durch den Habicht vorprogrammiert und entsprechend zu
akzeptieren. Groß können diese nicht sein, da Habichte territorial sind und ihr Revier gegen andere Habichte verteidigen, so dass in einem Aussetzungsgebiet von der
großen Zahl ausgesetzter Fasane nur wenige von Habichten gefressen werden können.
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Wovon ernährt sich der Habicht?
Der Habicht bevorzugt fast ausschließlich lebende Beute. Nur bei knappem Nahrungsangebot nutzt er auch mal Aas. Die Beuteliste des Habichts ist sehr lang und
vielseitig. Grundsätzlich ist er ein Nahrungsopportunist und frisst das, was in seinem Revier zahlreich vorkommt. So kann sich die jeweilige Hauptbeute von Revier
zu Revier durchaus unterscheiden.
Mit bis zu 90 Prozent Anteil stehen meist mittelgroße Vögel von Staren- bis Krähengröße auf dem Speiseplan. Typisch sind dabei Straßen- und Ringeltauben sowie
Rabenvögel wie Krähen, Elstern und Eichelhäher. Habichte fressen aber auch kleinere Säugetiere wie Ratten, Kaninchen, junge Hasen oder Eichhörnchen.
Grundsätzlich jagen die kräftigeren Weibchen tendenziell größere Beutetiere.
Habichte suchen sich im allgemeinen Beutetiere, bei denen die Verfügbarkeit und
die „Portionsgröße“ sowie die Verletzungsgefahr bei der Attacke in einem optimalen Verhältnis stehen.
Fressen Habichte Haustiere und Singvögel?
Der typische Kleinvogeljäger unter den Greifvögeln ist der kleine Bruder des Habichts, der Sperber. Er macht Jagd auf die typischen Singvögel von Sperlingsgröße,
die wir von unseren Futterhäuschen kennen. Eine Gefahr für die Bestände unserer
Singvögel ist aber auch er deswegen nicht.
Der Habicht frisst größere Vögel, also eher nicht die „typischen“ Singvögel. Allerdings gehören zoologisch gesehen auch die Rabenvögel wie Elster, Eichelhäher und
Krähen zu den Singvögeln, und diese Rabenvögel sind eine Hauptbeute von Habichten.
Interessanterweise kann man häufig beobachten, dass kleine Singvögel gezielt in
der Nähe von Habichthorsten brüten, denn hier sind sie vor Angriffen von Rabenvögeln, die auf der Beuteliste des Habichts stehen, gut geschützt.
Haustiere, die in das Beutespektrum von Habichten fallen, sind durchaus grundsätzlich in Gefahr, vom Habicht geschlagen zu werden. Dies trifft v.a. auf Hausgeflügel aber z.B. auch auf Meerschweinchen oder Kaninchen zu. Werden diese Tiere
im Freien gehalten, muss man daher auf jeden Fall dafür sorgen, dass die Gehege
von oben mittels Gitterdraht abgedeckt sind, um dem Habicht, aber auch Säugern
wie Fuchs und Marder den Zugang zu verwehren. Eine Haltung ohne Abdeckung
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des Geheges ist auch aus Tierschutzgründen kaum zulässig, da die Haustiere in ihrem Gehege bei Angriffen von oben keine Fluchtmöglichkeit haben.
Ist es legitim Habichte zu fangen, wenn sie Zuchttiere wie Brieftauben erbeuten?
Nein. Hausgeflügel und Brieftauben müssen in geeigneten Volieren und Gehegen
gehalten werden, die Habichten keinen Zugang erlauben. Beim Freiflug von Brieftauben und bei Brieftaubenrennen muss mit einem gewissen Verlust von Vögeln
gerechnet werden, der aber wegen des überwiegenden öffentlichen Interesses am
Schutz der Greifvögel gegenüber den Interessen eines privaten Hobbys zu akzeptieren ist.
Dabei ist bei Rennen der Verlust durch Greifvögel geringer ist als der Verlust durch
andere Ursachen wie Verirren oder Erschöpfung. Beim Freiflug von Tauben können
Verluste reduziert werden, wenn Freiflüge nur kurz und mitten am Tag durchgeführt werden. Besonders wertvolle Zuchtvögel sollten diesem Risiko besser nicht
ausgesetzt werden.
Das Fangen und Wiederaussetzen von Habichten an einem anderen Ort funktioniert eher nicht. Der Habicht würde sofort wieder in sein angestammtes Revier zurückkehren.
Mussten Geflügelzüchter bereits ihre Betriebe aufgeben wegen Angriffen des Habicht/anderer Greifvögel?
Solche Fälle sind nicht bekannt und auch höchst unwahrscheinlich. Aufgrund der
geringen Siedlungsdichte von Habichten, die ihre Territorien gegen andere Habichte verteidigen, kann die Zahl von Habichten erbeuteter Hühner nur sehr gering
sein.
Kommerziell agierende Geflügelzuchtbetriebe haben jedoch große Bestände. Man
muss auch davon ausgehen, dass diese Betriebe – auch wenn sie Freilandhaltung
betreiben – keine Probleme haben, für eine Drahtgitterüberspannung der Freigehege zu sorgen, die ja ohnehin zum Schutz vor Vogelgrippe meist vorgeschrieben ist.
Sicherlich haben private Hühnerhalter nach einzelnen Verlusten durch Habichte
schon mal die Lust an der Hühnerhaltung verloren und diese lieber aufgegeben
statt für eine angemessene Überspannung der Gehege zu sorgen.
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Woher kommen die vielen verwilderten Stadttauben?
Stadttauben sind verwilderte Nachkommen der als „Brieftaube“ domestizierten
Form der Felsentaube. Die Felsentaube lebt als Wildvogel z.B. in Südeuropa, wo sie
an steilen Felswänden brütet. Die Stadttauben bei uns sind dagegen Nachkommen
freigelassener oder entflogener/verflogener Brieftauben, die herausgefunden haben,
dass Gebäudefassaden ganz hervorragenden Ersatz für die ursprünglichen Felswände bieten.
In Städten sind diese Tauben eine bei Habichten sehr beliebte und leicht verfügbare
Nahrungsquelle.
Gehen Taubenbestände in den Städten zurück – durch Habichte/andere Greifvögel?
In manchen Städten gehen die Bestände von Straßentauben zurück, allerdings
nicht wegen Habichten oder Wanderfalken, die vermehrt in die Städte einwandern.
Bestimmend für die Bestandsentwicklung ist vielmehr das verfügbare Angebot an
Brutplätzen und Nahrung.
Viele der lokalen Rückgänge sind auch Ergebnis gezielten „Taubenmanagements“
mittels Fütterverboten, Taubenhäusern (mit Eiaustausch gegen Gipseier) und
Vergrämung an potentiellen Brutplätzen.
Spezialisieren sich Habichte auf bestimmte Taubenschläge?
Dies ist nicht auszuschließen und kommt sicherlich in seltenen Fällen vor. Häufig
ist jedoch anzunehmen, dass lediglich einzelne Fälle aufgetreten sind, in denen
freifliegende Tauben von Habichten geschlagen wurden und danach sehr schnell
von einer „Spezialisierung“ auf den Taubenschlag gesprochen wird.
Wo wiederholt freifliegende Brieftauben von Habichten geschlagen wurde, sollte
besonders auf eine geeignete Konstruktion der Gehege und eine vorsichtige Planung der Flugzeiten geachtet werden. Möglicherweise sollte eine längere Flugpause
eingelegt werden. Möglich wären auch Vergrämungsmaßnahmen unmittelbar vor
dem Start der Freiflugphase.
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Fressen Habichte auch Ratten?
Ja, wo diese häufig und leicht erreichbar sind. In Berlin wurde z.B. nachgewiesen,
dass ein nennenswerter Teil der Nahrung bestimmter Habichtpaare aus Ratten besteht.
Sind Habichte „Gesundheitspolizisten“?
Wie bei allen Beutegreifern kann man auch beim Habicht davon ausgehen, dass er
besonders häufig kranke, geschwächte oder unerfahrene Tiere fängt, weil diese
leichter zu erbeuten sind. Er spielt damit also eine Rolle im Rahmen der natürlichen Auslese und fördert die Gesunderhaltung seiner Beutetiere. Er spielt jedoch
keine für uns Menschen relevante Rolle als Gesundheitspolizist, wie dies z.B. Geier
durch die Beseitigung von Kadavern tun.
Fressen Habichte mehr als sie verzehren können?
Das geht ja gar nicht. Soll die Frage vielleicht lauten, ob Habichte mehr Tiere töten
als sie verzehren können? Auch das tun sie nicht. Trotzdem kann es natürlich vorkommen, dass einzelne Beutetiere auf Vorrat geschlagen werden.
Es ist möglich, dass auch beim Habicht sog. „Bluträusche“ vorkommen können, wie
dies bei Mardern der Fall ist. Dazu müsste jedoch ein Habicht in ein Gehege mit
dort eingesperrtem Geflügel geraten, was bei korrekter Geflügelhaltung nicht vorkommen dürfte.
Sind Habichte für die Dezimierung von Brieftauben verantwortlich?
Habichte tragen sicherlich zu den Verlusten bei Brieftaubenrennen bei. Die Verluste durch den Habicht sind jedoch nur ein sehr kleiner Teil der Verluste, bei denen
Erschöpfung und Verirrung wesentlich wichtigere Aspekte sind. Bei jedem Rennen
finden zwischen 28 und 32 Prozent der Reisetauben nicht mehr zum Heimatschlag
zurück, belegen wissenschaftliche Untersuchungen.
Wie auch beim Aussetzen von gezüchteten Fasanen schafft der Mensch durch freifliegende Brieftauben dem Habicht einen gedeckten Tisch mit leichter unerfahrener Beute. Es ist jedoch nicht akzeptabel die Schuld dafür beim Habicht zu suchen.
Vielmehr müssen entsprechende Verluste bei freifliegenden Brieftauben einkalku-
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liert und im Interesse der Allgemeinheit akzeptiert werden – genauso wie die übrigen Verluste bei Brieftaubenrennen.
Fressen Habichte vermehrt Brieftauben?
Nein, es gibt keine Hinweise darauf, dass Brieftauben einen wachsenden Anteil des
Nahrungsspektrums von Habichten stellen. Bei stagnierendem oder leicht abnehmendem Bestand von Habichten nehmen jedoch die Bestände einiger Hauptbeutetierarten, insbesondere von Ringeltaube oder Raben-/Nebelkrähe zu. Daher ist davon auszugehen, dass eher die Anteile dieser zunehmenden Arten im Nahrungsspektrum ansteigen, da der Habicht immer das frisst, was am häufigsten ist.
Stimmt es, dass die Auswilderung von Greifvögeln zu erhöhten Populationen führt
und diese Taubenbestände dezimieren?
Gezielte Auswilderungen von Greifvögeln mit dem Ziel der Bestandsverbesserung
gibt es heute in Deutschland nicht mehr. Allerdings gab es insbesondere ab den
70er-Jahren, während des historischen Tiefstands der Greifvogelbestände nach
jahrhundertelanger Verfolgung und den zusätzlichen Auswirkungen der DDT-Krise,
Wiederansiedlungsprogramme für die seltensten Arten wie Wanderfalke und Uhu
(eine Eule). Entsprechende Programme für Habichte gab es nie. Die genannten Programme haben der durch den gesetzlichen Schutz ermöglichten Bestandserholung
der genannten Arten eine Starthilfe gegeben. Heute läuft die Bestandserholung
ohne weitere Aussetzungen weiter, weil die natürlich möglichen und historisch
vergleichbaren Bestandsdichten für die meisten Arten noch lange nicht erreicht
sind.
Häufig werden jedoch Nisthilfen für Greifvögel, z.B. für Wanderfalken, aber nicht
für Habichte, zur Verfügung gestellt, um die natürliche Wiederausbreitung der Arten zu ermöglichen. Mit diesen Nisthilfen ist aber heute niemals mehr eine Auswilderung von Vögeln verbunden. Auch wenn verletzte Greife aufgepäppelt und wieder frei gelassen werden, kann man nicht von „Auswilderung“ sprechen.
Da es also keine Auswilderungen von Greifvögeln gibt, kann es auch keine dadurch
künstlich überhöhte Bestände von Greifvögeln geben. Im Übrigen zeigt die anhaltende Bestandserholung der Mehrzahl der heimischen Greifvogelarten, dass die natürlich möglichen Bestandsdichten noch lange nicht erreicht sind, also statt von einer Überpopulation weiterhin eher von Unterpopulationen zu sprechen wäre.
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Was heißt Prädator im Zusammenhang mit dem Habicht?
Dass der Habicht ein Beutegreifer ist, sich also von anderen Tieren ernährt und
nicht etwa vegetarisch. Als Beutegreifer befindet er sich in der Nahrungskette bzw.
Nahrungspyramide recht weit oben – in vielen Fällen sogar an der Spitze, da er selber als „Top-Prädator“ keine natürlichen Feinde mehr hat – zumindest, solange der
Uhu nicht in seinem Revier vorkommt.
Wieso leben Habichte zunehmend in Städten?
Die Bestände von Habichten in vielen europäischen Städten nehmen zu. Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen „Umzug“ von Vögeln vom Land in die Stadt,
denn Habichte sind nicht sehr wanderfreudig. Junge Habichte lassen sich meist in
der Umgebung des elterlichen Reviers in einem der nächsten freien Gebiete nieder.
Es handelt sich daher lediglich um eine im Vergleich zum Bestand in der freien
Landschaft schneller wachsende Population in den Städten. Gründe dafür sind ein
gutes Nahrungsangebot in Städten (viele Stadt- und Wildtauben sowie zunehmende
Zahlen von Rabenvögeln) und das Fehlen von illegaler Verfolgung durch den Menschen.
Die Besiedlung von Stadtgebieten erfolgt dabei allmählich von den Randgebieten
aus. Voraussetzung für die Besiedlung einer Stadt ist damit, dass es in der Umgebung der Stadt eine Quellpopulation gibt, die sich langsam in die Stadt hinein ausbreiten kann.
Werden Habichte irgendwann wieder aufs Land ziehen?
Bereits die Besiedlung der Städte war kein Umzug, sondern lediglich ein positiver
Bestandstrend im städtischen Umfeld, der zu einer langsamen Besiedlung der Stadt
geführt hat. Die Habichte auf dem Land sind dabei verblieben und nicht verschwunden – allerdings ist deren Bestandstrend in manchen Gegenden negativ.
Nur wenn sich die Lebensbedingungen für Habichte in Städten verschlechtern sollten, muss man mit einem Rückgang der Population in Städten rechnen. Davon ist
derzeit jedoch nicht auszugehen.
Impressum: © 2014, Naturschutzbund Deutschland (NABU) e.V.
Charitéstraße 3, 10117 Berlin, www.NABU.de. Text: Lars Lachmann, Grit Schneider
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