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Keine weltfremden Fragen - Jesus-Bruderschaft Gnadenthal

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Nummer 42 · 19. Oktober 2014
9
SO
Keine weltfremden Fragen
Nebenbei notiert
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
am Ziel angekommen, aus
dem Auto gestiegen und
registriert: Irgendetwas ist
hier anders! Schnell wird
klar: Es ist die absolute Stil-
le. Im Kloster Gnadenthal
in Hünfelden ist es einfach
nur ruhig. Allenfalls war
während der zweitägigen
Redaktionswerkstatt ein
leises Blöken von Schafen
zu hören, die auf dem Hof
der Jesus-Bruderschaft
leben. Eine Wohlfühl-Oase
für das KirchenzeitungsTeam aus Limburg, Mainz,
Neue Stiftungsprofessur „Katholische Theologie im Angesicht des Islam“ in Sankt Georgen
Fulda und Frankfurt mit
besten Voraussetzungen,
produktiv zu sein. So sollen
im Mittelpunkt unserer
2015-er Jahresserie Frauen
stehen. Meine beiden
Kollegen und ich mussten
dabei von der Mehrheit
der Kolleginnen überhaupt
nicht überzeugt werden.
Wie sie sind wir total dafür
und freuen uns auf das
neue Jahresthema, das sicherlich beide Geschlechter
interessieren wird.
Dr. Tobias Specker ist Inhaber
der neuen Stiftungsprofessur
„Katholische Theologie im
Angesicht des Islam“ in der
Philosophisch-Theologischen
Hochschule Sankt Georgen in
Frankfurt. Im Interview äußert er sich auch zum weltpolitischen Geschehen. Unter
anderem war der 1971 in Goch
am Niederrhein geborene
Theologe und Jesuit Islambeauftragter im Bistum Speyer.
Frage: Ist die Stiftungsprofessur
eine unmittelbare Reaktion
auf das brutale Vorgehen der
IS-Terroristen in Syrien oder im
Irak, unter dem unter anderem
auch Christen massiv leiden,
oder war sie schon langfristig
geplant?
Bernhard Perrefort
b-perrefort@kirchenzeitung.de
Pater Specker: Nein, die Stiftungsprofessur ist keine unmittelbare Reaktion, obwohl die
Bedrohung des orientalischen
Christentums und das Zerbrechen des Jahrtausende langen
Zusammenlebens von Christen,
Muslimen und anderer Religionen im Nahen Osten wirklich
sehr ernst zu nehmen ist. Der
Stiftungsprofessur gehen bereits
einige Jahre an Planung voraus.
Und ihr Ziel ist es, künftige
Theologen und Theologinnen auf
die Begegnungen und Anfragen
vorzubereiten, die ihnen in ihrer
Arbeit in Deutschland entgegentreten werden. Und natürlich
auch die intellektuelle Neugier
zu wecken! Deshalb habe ich
auch bewusst – und soweit ich
sehe – als einziger Christ „islamische Theologie“ an einem der
neuen Zentren in Deutschland
studiert und nicht in Kairo oder
Ankara.
An der Strippe
Ein volles Lager
Sehr viele Winterkleidungs-Spenden
Frage: Sie haben einen
ungewöhnlichen Aufruf
im Hinblick auf die Kleiderspende gestartet. ...
Fischer: Die Regale im
Caritasladen hatten sich
geleert, auch weil vermehrt Flüchtlinge zu uns
kommen, die nur das
Nötigste haben. Auf einen
Spendenaufruf haben wir
dann eine überwältigende
Resonanz erfahren. Unsere
Lagerkapazitäten sind nun
aber ausgeschöpft, sodass
wir bitten, keine Winterkleidung mehr zu spenden.
Wir möchten uns ganz
herzlich für die Hilfsbereitschaft bedanken.
Welche Spenden können
Sie weiterhin gebrauchen, da ja nur Winterkleidung mehr als ausreichend vorhanden ist?
Ganz besonders Zeit.
Menschen, die mit Kindern
oder Erwachsenen deutsch
sprechen, bei der Gruppenschülerhilfe mithelfen,
zu Behörden begleiten.
Außerdem Windelspenden
und einen voll funktionsfähigen elektrischen Rollstuhl für einen Flüchtling.
Auch Geldspenden unter
dem Stichwort „Flüchtlingshilfe“ helfen uns
weiter.
Was passiert mit den
Geldspenden?
Wir haben ein Konto, von
dem konkrete Einzelfallhilfe für Flüchtlinge abgerufen werden kann – mal
Windeln, mal Busgeld oder
ein Schulbuch.
Welche hilfsbedürftigen
Menschen finden den
Weg zum Caritasladen?
Schwangere und Familien mit Kindern aus dem
ganzen Untertaunus. Wir
sind nach wie vor für alle
Familien da.
Foto: privat
Ein Anruf bei Sabina
Fischer (50). Zuständig für
die Gemeindecaritas im
Caritasverband Wiesbaden
– Rheingau – Untertaunus,
verantwortet sie auch den
Caritasladen Bad Schwalbach mit.
Erhalten diese die Waren
kostenlos?
Die Erstausstattung ist bei
uns gegen eine Bescheinigung der Beratungsstelle
kostenlos, anschließend
müssen wir eine kleine
Spende nehmen, um den
Caritasladen erhalten zu
können.
Welche weiteren Angebote gibt es im Caritasladen?
Die Verleihbörse für
Kinderwagen und Kindermöbel, die Gruppenschülerhilfe, einmal monatlich
ein internationales Frauenfrühstück und die Krabbelgruppe. Wir geben auch
gespendete Spielsachen
und Bücher kostenlos ab.
Anruferin: Gertrud Fritz
Ihr draht zu uns
Redaktion
Abo-Betreuung
Limburg: & 0 64 31 / 91 13 0
Mail: h-kaiser@kirchenzeitung.de
Frankfurt:
& 0 69 / 800 87 18 260
Mail: b-perrefort@kirchenzeitung.de
& 0 64 31 / 91 13 21
Mail: vertrieb@kirchenzeitung.de
Anzeigen-Annahme
& 0 64 31 / 91 13 22
Mail: anzeigen@kirchenzeitung.de
Gerade auch durch den IS
(Islamischer Staat) und andere
fundamentalistische Gruppen
ist das Bild des Islam bei vielen
Menschen negativ besetzt.
Sehen Sie Ihre Aufgabe darin,
aufzuklären? Sie selbst haben
bereits 2009 Ihren Vortrag im
Jesuitenkolleg Innsbruck über
den Islam in Europa mit der
Frage überschrieben: „Blauäugig oder schwarz sehend?“
Die Aufgabe der Theologie ist es,
grundlegende Fragen zu stellen,
die nicht weltfremd sein dürfen,
aber doch auch nicht der Kurzatmigkeit des politischen Tagesgeschäfts und der Oberflächlichkeit
von Talkshows gehorchen. Mir ist
es wichtig, dass ich weder professioneller Islamkritiker noch Pressesprecher des „wirklichen Islam“
bin. Es ist richtig, dass man Stereotypen unbedingt entgegentreten
muss (und es gibt sie auf beiden
Seiten). Stereotypen sind die
Wurzel von Gewalt, sie können
Stipendiaten
in Marienstatt
Marienstatt (bp). Zum Jahrestreffen hatte die Stiftung Dey ihre
Stipendiaten nach Hachenburg
und Marienstatt eingeladen. Höhepunkt des Tages war der Besuch im Kloster Marienstatt. Die
Teilnehmer erhielten einen guten
Einblick in den nach wie vor so
lebendigen Zusammenhang von
Spiritualität und Bildung, dem
sich die zisterziensische Gründung
verschrieben hat.
www.stiftung.dey.de
Hat islamische Theologie studiert: Pater Tobias Specker. tödlich sein. Aber „Aufklären“
müssen muslimische Theologen
und Theologinnen schon selbst.
Mich interessiert am meisten
etwas Langfristiges: Die Suche
nach gemeinsamen Themen,
die der Gewalt der fundamentalistischen Kurzschlüssigkeit
aus religiöser Motivation heraus
entgegenstehen: Zu nennen wäre
hier eine religiöse Wertschätzung des Zweifels, der auch eine
innerreligiöse Religionskritik
motivieren kann. Hinzuzufügen
ist sicherlich eine interreligiös
verantwortete Schöpfungstheologie, die dem Menschen als Abbild
und Stellvertreter Gottes eine
unverlierbare Würde zuspricht.
Wie wichtig ist es, die Rede von
„Gläubigen“ und „Ungläubigen“
noch einmal zu relativieren! Zu
denken ist schließlich auch an eine Theologie, die sensibel ist für
die Unverfügbarkeit und Unbegreiflichkeit Gottes, denn nur sie
verhindert, dass man sich allzu
sicher ist, dass Gott auf der eigenen Seite kämpft. Die Theologie
hat keine Armeen, aber wie man
glaubt und wie man versucht,
den Glauben zu erklären, das
macht schon einen Unterschied
– dafür bin ich jahrelang durch
die Hinterhöfe von Ludwigshafen
und Mannheim gezogen, um zu
wissen, dass das keine theoretische Fragen sind.
Arbeiten Sie dabei mit der
Christlich-Islamischen Begegnungs- und Dokumentationsstelle (CIBEDO) der Deutschen
Foto: privat
Bischofskonferenz zusammen,
die auf dem Sankt-GeorgenCampus ihre neuen Geschäftsräume bezogen hat?
Unbedingt! Mit Dr. Güzelmansur,
dem Geschäftsführer, habe ich ja
schon eine langjährige Zusammenarbeit. Und wir haben schon
vieles gemeinsam unternommen:
Ich denke da an eine Konferenz
mit einer ursprünglich türkischen islamischen Bewegung
zur religiösen Motivation der
Schulbildung oder an eine schon
etablierte Buchreihe, die die
schmerzhaften religiösen Themen im christlich-islamischen
Dialog neu versucht in den Blick
zu bringen. So haben wir gerade
einen Band zur „Schriftverfälschung“ veröffentlicht – ein Vorwurf, der Christen (und Juden)
traditionell sehr häufig gemacht
wird – und der das Gespräch
belasten kann.
Wie sollte die katholische Kirche in Deutschland aktuell auf
die Lage im Nahen und Mittleren Osten reagieren?
Zum einen geht es ja um Flüchtlinge, konkrete Menschen in
Not. Hier, finde ich, hat sich mit
Papst Franziskus der Blick noch
einmal geschärft. Ich sehe voll
Bewunderung, wie viele Christen
bereit sind, sich für Flüchtlinge
zu engagieren. Das ist sicherlich
das wichtigste Zeugnis, das wir
geben können. Das Gespräch mit
Muslimen sollten wir zudem auf
keinen Fall abreißen lassen. Der
großen Mehrheit der Muslime
glaube ich ihr Entsetzen und ihre
Abscheu vor der Barbarei. Die
vielen Verurteilungen, zuletzt
auch durch eine international renommierte Gruppe von über 120
Gelehrten, sprechen ja auch für
sich. Doch die schnelle Meinung
„das hat mit Islam gar nichts
zu tun“, die man jetzt so oft
hört, finde ich zugleich zu kurz
gegriffen. Denn das nimmt auch
die Muslime, die neu und anders
denken, nicht ernst.
Schließlich ist es auch für die
Kirche eine Frage, welche Überzeugungen und Ideale unsere
Gesellschaft eigentlich jungen
Menschen anzubieten hat. Denn
die jungen Männer und Frauen,
die in den Kampf ziehen, tun
dies ja nicht nur aus rein sozialen
Gründen. Es ist nicht gelungen,
sie davon zu überzeugen, dass
unsere Gesellschaft auch ideell
etwas anzubieten hat. Wenn in
diesem Kontext sehr häufig von
„strenggläubigen“ und „frommen“ Menschen die Rede ist,
sehe ich das übrigens als sehr
problematisch an: Religion und
überzeugte Religiösität werden
zunehmend als Problem angesehen.
Ihre Professur ist eine Stiftungsprofessur. Was bedeutet
das, wer hat sie eingerichtet?
Eingerichtet hat die Stiftungsprofessur die Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen – aber als Stiftungsprofessur.
Das heißt, dass es gelungen ist,
die Kosten mit Hilfe von vielen
Spendern zu bestreiten. Hier war
insbesondere der Freundeskreis
von Sankt Georgen wunderbar
aktiv; und auch die Deutsche Bischofskonferenz hat das Projekt
unterstützt.
Die Arbeit besteht inhaltlich zunächst einmal aus drei
Elementen: Dem eigentlichen
Lehrbetrieb – sicherlich die
Hauptaufgabe. Sodann dem
Zusatzstudiengang „Islam
und christlich-muslimische
Begegnung“, der sich auch an
Menschen richtet, die schon im
Beruf stehen. Schließlich in der
Betreuung der Website „Muslime
fragen, Christen antworten“, die
Pater Christian Troll zu einem
international verankerten Projekt
aufgebaut hat. Hier wird speziell
für Muslime über das Christentum in verschiedenen Sprachen
der sogenannten islamischen
Welt Auskunft gegeben. Hier
kommen zum großen Teil sehr
ernst gemeinte und manchmal
auch tiefe Fragen an, bei der eine
Kenntnis des islamischen Hintergrunds sehr hilfreich ist.
Interview: Bernhard Perrefort
www.sankt-georgen.de
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Seele and Geist
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