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alles ist relativ und alles ist iterativ von bernd scholand

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Bernd Scholand
Werraweg 52
33689 Bielefeld
05205 / 75 49 047
bernd@scholand.de
ca. 8700 Wörter
ALLES IST RELATIV
UND
ALLES IST ITERATIV
VON
BERND SCHOLAND
Scholand / iterativ / 2
VORWORT
Vor Kurzem fragte mich ein Geschäftsfreund, ob ich eine Idee hätte, was er seinem
Schwiegersohn schenken könnte. Dieser hätte, ebenso wie ich, BWL mit Schwerpunkt Marketing studiert. Ich sagte ihm, dass ich an seiner Stelle, mich sehr über ein Buch freuen würde
dass sich mit den Iterationszyklen im Gehirn beschäftigt. Wie erstaunt war ich nun, dass es
dazu gar keine Bücher gibt. Natürlich gibt es Dossiers und einzelne Berichte aus vielen Lebensbereichen zu dem Thema. Es gibt auch Bücher, die sich im Bereich der Gehirnforschung
mit den Populationsvektoren der Synapsen beschäftigen. Aber offensichtlich hat noch niemand die Gemeinsamkeiten der Iterationszyklen in allen uns bekannten Bereichen aufgezeigt.
Das möchte ich nun nachholen!
Bereits 1993 traf ich auf wissenschaftliche Berichte, die sich mit dem Thema Mandelbrotmenge, Fraktale, Chaostheorie und anderen, durch Iterationszyklen entstandenen, Phänomenen befassten. Seit dem begleitet es mich hartnäckig. Ich habe mich intensiv, nicht nur
Monate, sondern Jahre mit diesen Themen beschäftigt. Im Besonderen, nachdem mir bewusst
wurde, dass unser menschliches Gehirn nach den gleichen Mustern funktioniert, wie unser
Universum: Es setzt, ausgehend von einfachsten Informationen, komplexe Strukturen
dadurch zusammen, dass es sich selbst ständig wiederholt! In der Mathematik und Informatik
spricht man vom Iterieren bestimmter Vektoren oder Algorithmen.
Bei meinem BWL-Studium im Jahr 2000 erklärte uns einmal unser Professor recht umständlich an der Tafel, dass das Gehirn durch sich selbst wiederholende Prozesse funktioniert.
Für mich war das eh klar und ich freute mich dass ein Gelehrter der gleichen Meinung war
wie ich. Das war bei weitem nicht selbstverständlich! Da er offensichtlich aber den passenden
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Begriff nicht kannte, wollte ich ihn unterstützen und sagte während seiner Erklärung: „Der
Mathematiker nennt das Iterationszyklen!“… Mein Nachbar zur Linken sagte nur leise:
„Zong!“ und konnte sich nicht verkneifen in sich hinein zu grienen. Der Professor jedoch
fand meinen Zwischenruf gar nicht lustig. Er drehte sich um und fragte süffisant: „Können
Sie das buchstabieren?“ - Nur gut, dass ich die wichtigsten Prüfungen in seinem Fach bereits
absolviert hatte…
Auch jetzt möchte ich niemanden belehren. Ich habe hier nur eine Aufarbeitung meines
Wissens zu diesem Thema zusammengetragen. Das Thema Iteration zieht sich durch unser
gesamtes Leben und alles was wir im Universum erkennen. Es geht selbst in die Relativitätstheorie von Albert Einstein und die Verhaltensweisen von uns Menschen hinein. Das finde
ich unglaublich faszinierend! Deshalb hoffe ich, dass auch Sie begeistert sind, wenn Sie diese
Lektüre gelesen haben. Vielleicht schaffe ich es sogar eine runde Erklärung vom Sein und
Nichtsein abzugeben, der vielleicht auch andere etwas Nützliches abgewinnen können.
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EINFÜHRUNG
Der Begriff Iteration steht im Lateinischen für „iterare“ = wiederholen und wird in unterschiedlichen Formen in vielen verschiedenen Bereichen verwendet. In der Mathematik setzt
man Iterationen ein um sich einem Ergebnis schrittweise nähern zu können (sukzessive Approximation). Die Ergebnisse eines Iterationsschrittes werden als Ausgangspunkt für den
jeweils nächsten Schritt genommen, solange, bis das Ergebnis zufrieden stellt. Beispiele dafür
sind das Newton-Verfahren oder das Regula-Falsi-Verfahren. Die Schritte können jedoch
auch rekursiv iteriert werden. Dann wird ausgehend vom Ergebnis „rückwärts“ gerechnet.
Eigentlich wenden wir es immer dann an, wenn wir etwas optimieren wollen, oder ein
Ergebnis benötigen dass wir nicht errechnen können, weil zu viele Unbekannte vorhanden
sind. Iterationen sind bekannt in der Wirtschaftsmathematik, der Physik, der Chemie, der
Meteorologie, dem Maschinenbau, der Informatik, der Philosophie, der Soziologie, der Linguistik, der Geschichtswissenschaft und, und, und. In der Gehirnforschung benutzt man inzwischen den Begriff „Populationsvektoren“ um die Funktion der Synapsen zu erklären. Was
in den Zellen selbst passiert, scheint jedoch noch unerforscht zu sein. Deshalb möchte ich an
dieser Stelle, für das was in der Zelle passiert, den Begriff „Zellalgorithmus“ verwenden.
Zunächst aber zur Erklärung, warum alles relativ ist.
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DER BLUMENKOHL
Albert Einstein hat uns mit der allgemeinen Relativitätstheorie bewiesen, dass es eine
vierte Dimension gibt, die man Raumzeit nennt. Nicht Zeitraum, also die Zeit die Etwas benötigt um von einem Ort zum anderen zu gelangen, sondern die Einheit von Raum und Zeit.
Die Zeit ist demnach relativ und kann von der Geschwindigkeit überholt werden. Könnten
wir uns mit der schnellsten Geschwindigkeit die auf der Erde bekannt ist, der Lichtgeschwindigkeit, bewegen, würden wir die Zeit überwinden, aber nicht den Raum.
Das Licht wiederum besteht aus Photonen, unterliegt der Gravitation, wird also auf dem
Weg durch das All abgelenkt und kann sogar zum Stillstand gebracht werden. Das ist der Fall
im so genannten schwarzen Loch. Man weiß inzwischen dass es mehrere dieser Löcher, die
die Fähigkeit haben Licht und Zeit zu schlucken, im All gibt.
Aber auch in unserem Körper gibt es, die schwarzen Löcher ähnelnde, Phänomene: Die
Quarks. Das sind die kleinsten bisher entdeckten Teile in den Atomen. Unser Körper scheint
demnach ähnlich aufgebaut zu sein wie das Universum.
Wenn wir uns nun mit dem Computer anhand der Chaostheorie einen "Mandelbrotbaum"
(Mandelbrot war der Entdecker der Fraktal- bzw. Chaosformel) erzeugen, können wir diese
unendliche Figur, die wir sowohl in unserem Körper als auch im Universum finden können,
sichtbar machen: Aus unendlichen Figuren setzt sich eine unendliche Figur zusammen, die
aussehen kann wie ein Blumenkohl. Betrachten Sie einmal einen Blumenkohl aus nächster
Nähe, dann erkennen Sie dass er aus lauter kleinen Blumenkohls besteht, die wiederum enthalten ebenfalls Blumenkohls, und so weiter.  Physiker, Mathematiker und Astronomen
haben also Gemeinsam das Gleiche entdeckt: Den Blumenkohl.
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E=MC²
ODER
DIE EINHEIT VON RAUM UND ZEIT UND ANDERE MERKWÜRDIGKEITEN
Die Relativitätstheorie ist etwas derart Kompliziertes, das selbst die intelligentesten Experten Schwierigkeiten haben sie zu verstehen. Das Verstehen
hat in diesem Fall aber nichts mit dem Intelligenzquotienten zu tun. Es liegt
ganz einfach daran, dass der Mensch alles was er sieht und denkt dreidimensional erlebt. Egal was wir sehen, es ist endlich, hat Formen und ist räumlich existent. Den
Strom aus der Steckdose kann man nicht sehen oder riechen, aber wir können sehen dass er
eine Lampe zum Leuchten bringt. Aus dem Radio kommen Töne, die über merkwürdige
Wellen unsichtbar durch die Luft und Wände wandern und einen Lautsprecher zum Klingen
bringen. Wir wissen zwar wie es funktioniert, aber "begreifen" im wahrsten Sinne des Wortes
können wir es nicht. Und doch haben wir es als gegeben hingenommen, weil es für uns täglich präsent ist. Lösen Sie sich deshalb jetzt von dem gewohnten dreidimensionalen Denken
und akzeptieren Sie, dass es mindestens eine vierte Dimension gibt. Ich sage "mindestens",
weil ich zu der Überzeugung gekommen bin, dass es fünf Dimensionen geben muss. Aber
jetzt erst einmal zur Vierten, der Raumzeit:
Einstein sagte: "... dass vielmehr für alle Koordinatensysteme, für welche die mechanischen Gleichungen gelten, auch die gleichen elektrodynamischen und optischen Gesetze gelten..." und "... dass sich das Licht im leeren Raum stets mit einer bestimmten, vom Bewegungszustande des emittierenden Körpers unabhängigen Geschwindigkeit c fortpflanze."
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(Einstein, A.; Lorentz, H. A.; Minkowski, H. Das Relativitätsprinzip. Stuttgart (Teubner)
1982).
Das bedeutet: Zwei Beobachter, die sich in Inertialsystemen mit gleich bleibender Geschwindigkeit relativ zueinander bewegen, werden für alle Phänomene äquivalente Beschreibungen
geben. Ein Beobachter, der sich relativ zu einem Beobachter in einem Inertialsystem dreht, ist
selbst kein inertialer Beobachter. Ein Beispiel macht das deutlicher:
Sie und ich, wir stehen an einem Feldrand und beobachten wie in der Ferne ein Zug vorüber fährt. Wir stehen nebeneinander und in gleicher Entfernung zum Zug, es gelten für uns
die gleichen physikalischen Gesetze. Der Zug bewegt sich, sowohl für Sie als auch für mich,
mit der gleichen Geschwindigkeit, denn wir sehen beide dass der Zug jetzt an dem Ahornbaum vorbeifährt und wenig später die Bahnschranke passiert. Er bewegt sich von "A" nach
"B".
Jetzt stellen Sie sich vor, Sie sitzen in dem Zug und ich sitze in einem anderen, der genau
parallel zu Ihrem Zug, mit genau der gleichen Geschwindigkeit, fährt. Alle Fenster sind verdunkelt, nur die Fenster
zum Nachbarzug sind
durchsichtig, so dass wir
uns ansehen können. Die
Züge fahren absolut geräuschlos durch die Dunkelheit und nur die Außenstehenden können sehen
dass sie fahren, nämlich
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immer noch von "A" nach "B". Wir jedoch sind uns absolut sicher das die Züge stehen.
Es kommt also auf den Standort des Betrachters an, ob sich etwas bewegt oder nicht. Setzen Sie das einmal auf den Weltraum um: Der Zug in dem wir sitzen ist unsere Erde. Alle
Bewegungen die wir beobachten sehen wir vom gleichen Standort und unter gleichen Bedingungen. Es gelten für alle Menschen auf der Erde die gleichen physikalischen Gesetze, allerdings sitzen wir nicht nur auf der Erde sondern auch im Universum. Wir bewegen uns in einem für uns unüberschaubaren System. Der Zug in dem wir sitzen ist so groß das wir weder
seinen Anfang noch sein Ende sehen können. Erst wenn wir aus diesem Zug aussteigen könnten, würden wir sehen ob er steht oder fährt. Zusammengefasst:
Solange wir uns in einem durch Koordinaten bestimmbaren System (Inertialsystem) bewegen, gelten für uns die gleichen physikalischen Gesetze. Weichen wir in unserer Bewegung relativ zu einem anderen Beobachter ab, gelten für diese beiden Beobachter nicht mehr
die gleichen physikalischen Gesetze.
Soviel vorerst zum ersten Zitat von Einstein. Im zweiten sagt er, dass das Licht sich im
leeren Raum stets mit der gleichen Geschwindigkeit bewegt, egal ob sich die Lichtquelle bewegt oder nicht.
Wenn Sie einen Stein aus einem fahrenden Zug werfen, fliegt er weiter als wenn Sie ihn
aus dem Stand werfen. Zusätzlich zu Ihrer Kraft kommt der Schwung, den die Bewegung des
Zugs mitbringt, hinzu. Wenn Sie aber eine Taschenlampe wegwerfen und erst im Flug einschalten, bewegt sich das Licht aus dieser Lampe deswegen nicht schneller. Es gibt keine
mehrfache Lichtgeschwindigkeit, egal was Sie mit der Lichtquelle anstellen, es setzt die ab-
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solute physikalisch mögliche Obergrenze. Das widerlegt zum Teil die Newtonschen Lehren
und ist nur sehr schwer verständlich, denn es bedeutet dass der absolute Raum, wie wir ihn
kennen, nicht existiert. Er ist nicht absolut, sondern relativ.
Wenn zwei Autos sich begegnen, das eine mit 80 km/h und das andere mit 60 km/h, so
addiert sich nach Newton deren Geschwindigkeit. Sie treffen also mit 140 km/h aufeinander.
Das ist absolut richtig, da der Standort des Betrachters hierbei unberücksichtigt bleiben kann,
denn die Geschwindigkeiten liegen beruhigend weit unter der Lichtgeschwindigkeit. Zwei
Raketen die sich mit einer Lichtgeschwindigkeit von 0,8 c und 0,6 c begegnen, müssten demnach mit 1,4 c aufeinander treffen, aber das trifft nicht zu. Um Lichtgeschwindigkeiten berechnen zu können dürfen wir nicht den Standort des Betrachters und seine Bewegung außer
Acht lassen. Wir müssen also als erstes herausbekommen, wie schnell bewegt sich der Gegenstand relativ zum Betrachter. Obiges Beispiel würde demnach nach folgender Formel
berechnet:
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√
V 2 
1  0,8 1,8
1  0,6 1,6

4
V  2 

9
1  0,6 0,4
1  0,8 0,2
und
die relative Geschwindigkeit zum Betrachter im Moment des Zusammentreffens wäre
V 2  V  2V  2  4 * 9  36 .
Jetzt können wir die tatsächliche Geschwindigkeit errechnen:
v V 2  1 36  1 35


  0,946c
c V 2  1 36  1 37
(näherungsweise), also nahe Lichtgeschwindigkeit.
Egal welche Werte wir einsetzen, es kommt nie mehr als 1 heraus. Warum?
In den Newtonschen Gesetzen gibt es eine grundlegende Verallgemeinerung wenn es
über die klassische Mechanik hinausgeht: die Erhaltungssätze, hier insbesondere die Gesetze
über die Erhaltung von Impuls und Energie:
- Jeder Körper, auf den keine Kräfte wirken, bewegt sich mit konstanter Geschwindigkeit.
- Eine gegebene Kraft erzeugt pro Zeiteinheit eine Impulsänderung, die gleich dieser Kraft
ist.
- Die Kräfte, die zwei Körper wechselseitig aufeinander ausüben, sind entgegengesetzt
gleich. Die Impulsänderung des einen Körpers ist also das Negative der Impulsänderung des
anderen Körpers. Damit bleibt die Summe beider Impulse konstant - das heißt erhalten.
Nach Newton wird ein Körper durch eine von außen wirkende Kraft beschleunigt. Das
erzeugt eine Impulsänderung pro Zeiteinheit die der Größe der Kraft entspricht, wobei der
Impuls als das Produkt aus Masse und Geschwindigkeit definiert ist. Bleibt die Kraft kon-
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stant, so nimmt der Impuls stetig zu  der Körper wird gleichmäßig beschleunigt und seine
Geschwindigkeit sollte schließlich die Lichtgeschwindigkeit überschreiten. Ein Beispiel
macht das wieder deutlicher:
Sie stoßen eine Kugel an und sie bewegt sich. Würde der Kugel keine Kraft entgegengesetzt und Sie würden ständig Ihre Kraft auf die Kugel einwirken lassen, also ständig anstoßen, müsste die Kugel, nach
Newton, irgendwann schneller
sein als das Licht.  Das ist
richtig, wäre die Kugel keine
Masse die sich selbst einen Widerstand entgegen setzt. Die mit
der Geschwindigkeit zunehmende Massenträgheit bewirkt, dass die Kraft immer ineffektiver eingesetzt, also unüberwindbar wird.
Der amerikanische Physiker Arthur Comton beschrieb 1923 die elastischen Zusammenstöße zwischen Elektronen und Licht, und belegte damit unmissverständlich den Teilchencharakter des Lichtes: Photonen. (1927 bekam er für seine Entdeckung den Nobelpreis).
Das Licht ist also auch eine Materie, da es sich selbst aber am wenigsten Widerstand entgegen setzt, kann es sich am schnellsten bewegen.  Keine Materie die uns bekannt ist, kann
sich schneller fortpflanzen als das Licht. Eventuell könnten unsere Gedanken sich schneller
bewegen, aber dafür müssten wir erst einmal herausfinden ob unsere Gedanken den Körper
verlassen können. Darauf möchte ich später noch einmal zurückkommen.
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Wir wissen jetzt also, warum nichts schneller ist als das Licht und warum die Geschwindigkeit, und damit auch die Zeit, relativ ist, und das die Zeit nur im Inertialsystem existieren
kann, also eng mit dem Raum verbunden ist.  Das ist die Raumzeit. Die Raumzeit kann aber
nur zweidimensional unendlich sein, also die Oberfläche einer unendlichen Kugel. Unsere
bekannten drei Dimensionen breiten sich, sowohl ins Plus als auch ins Minus, unendlich aus.
Sie treffen sich also in der Unendlichkeit, 
der Raumzeit, der vierten Dimension. Diese
Raumzeitkugeln können, meiner Meinung
nach, nur in einer nichtmateriellen Umgebung existieren, der fünften Dimension. Das
kann eigentlich nur noch so etwas wie eine
Gedankenwelt sein. Alle Materie und Zeit
verschwindet in den schwarzen Löchern. Ich bin mir sicher, könnten wir durch eines dieser
schwarzen Löcher fliegen, würden wir am anderen Ende als Quarks wieder entstehen und zu
dem werden, was wir vorher waren. Die schwarzen Löcher sind quasi wie ein Spiegel. Wir
sind also gefangen in einer Raumzeitkugel die nach innen, im Bereich der schwarzen Löcher,
verspiegelt ist. Alle Materie wird derart stark zusammengepresst, dass sie kleiner als ein
Quarks wird um als Quarks von der Spiegeloberfläche wieder zurückgeworfen zu werden,
das wäre die Wiedergeburt. Oder sie könnte die Raumzeitfläche durchdringen und als Antimaterie wieder wachsen,  was eine Existenz außerhalb dieses Systems in der Gedankenwelt wäre, das ewige Leben. Es bleibt vorerst die Frage, wie viel dieser schwarzen Löcher es
gibt. So viel wie Atome im Universum? wohl kaum; soviel wie Menschen im Universum
existieren?  wohl auch nicht;  ich weiß es nicht. Das Pendant zu den schwarzen Löchern
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im Universum sind die Quarks in uns. Sie sind, denke ich, die gemeinsame Verbindungsmöglichkeit zu unseren Mitbewohnern auf dieser Erde.
Es gibt noch viel mehr interessante Entdeckungen die im Zusammenhang zur Relativitätstheorie stehen, zum Beispiel die Halbwertzeiten der Neutronen, oder, dass Uhren im Gravitationsbereich langsamer gehen. Aber ich glaube, um zu verstehen dass die Zeit relativ ist muss
ich da nicht mehr drauf eingehen.
Um einen Körper in Bewegung zu bringen, wird Energie benötigt. Die Formel zur Errechnung lautet nun nicht: Arbeit = Kraft mal Weg, sondern: Energie = Masse mal Lichtgeschwindigkeit zum Quadrat (E=mc²). Übrigens kann der Mensch keine Energie erzeugen. Er
kann nur eine Energie nutzen um eine andere Energie hervorzurufen. Wenn wir elektrischen
Strom, sei es durch Reibung oder andere modernere Arten, erzeugen, können wir nur die positiven Spannungen von den negativen trennen, die Größen als solche bleiben erhalten. Das
Gleiche gilt für das Erwärmen von Stoffen genauso, wie für alle mechanischen Bewegungen.
Daraus resultiert, dass alle Energie aus einer Energie entstanden sein muss. Das belegt auch
die Tatsache, dass sämtliche Energie und alles Leben nach dem gleichen Prinzip funktionieren. Ich kann Ihnen das anhand der Fraktalformel erklären, womit wir also beim nächsten
Thema wären.
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DAS CHAOS REGIERT DIE WELT
Alle Bewegungen, alle Naturgesetze gründen aus einer anderen Bewegung heraus. Könnte ich alle Bewegungen auf der Welt zu einem bestimmten Zeitpunkt, über eine bestimmte
Dauer, in meinen Computer eingeben, könnte ich alle weiteren Bewegungen vorhersagen,
zum Beispiel das Wetter. Genau so gut könnte ich die Bewegungen zurück rechnen und somit
den Ursprung ergründen. Zum Glück gibt es keinen Computer der fähig wäre alle Bewegungen, also auch die Entstehung neuen Lebens, auf der ganzen Welt in seinen Berechnungen
berücksichtigen zu können. Dabei ist die Formel, nach der alles was wir kennen funktioniert,
sehr einfach.
Das Geheimnis besteht in der Iteration einer Routine. Wie Eingangs bereits beschrieben,
ist das eine Schrittweise Näherung, bei der jedes Mal der gleiche Rechenvorgang auf den
zuvor berechneten Wert angewendet wird. Ich erkläre das wieder an einem Beispiel:
Jeder weiß wie ein Baum aussieht: Eben ein Stamm mit Ästen. Vereinfacht dargestellt,
haben wir in der Mitte einen dicken Strich, von diesem Strich gehen am oberen Ende zwei
Striche, in einem bestimmten Winkel zueinander, ab. Diese Striche sind in ihrem Maßstab um
25% gegenüber dem unteren Strich verringert. Von diesen Strichen zweigen wieder zwei
Striche um 25% verringert ab, und so weiter. Wir haben hier also eine Routine die wir beliebig oft wiederholen können. Wenn wir diese Computerbäume nicht zwei- sondern dreidimensional errechnen lassen, können wir sehr schnell und einfach die schönsten Bäume kreieren.
So einfach funktioniert unsere Welt. Überlegen Sie jedoch welch immense Vielfalt dahinter
steckt. Können Sie sich das Gebilde vorstellen, wenn die Verzweigungen sich in alle Richtungen mehrere Millionen Mal fortgesetzt haben? Was entsteht wenn keine Striche, sondern
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Sterne, oder unförmige Kristalle oder Kugeln sich auf die Art verzweigen.  Sehen Sie sich
um, dann wissen Sie es.
Es ist unglaublich
und faszinierend
diese künstlichen
Welten aus dem
Computer zu entwerfen, und es ist
ein riesiges neues
Gebiet für alle
Wissenschaften.
Ich möchte Ihnen
ein paar Beispiele
aus den Gebieten
der Biologie, der Physik, der Medizin und der Soziologie aufzeigen, die Ihnen die schöpferische Revolution, die mit dieser einfachen Entdeckung von Benoit Mandelbrot einhergeht,
näher bringen wird.
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KOSMOS
Im Spiel der kosmischen Kräfte wird aus Chaos Ordnung. Alle Materie im Weltraum ist
penibel in Hierarchien geordnet und zwar vom Atomkern bis zu den Galaxien. Wenn wir
durch alle Größenordnungen des Alls bis in die kleinste Mikrokosmologie gehen, entdecken
wir, sich selbst ähnelnde Kosmen. Das heißt unser Körper ähnelt dem uns umgebenen Universum, die Kombinationen in unserem Körper finden wir im Universum wieder.
Dieses, chaotisch anmutende Bild gehorcht einer simplen dreidimensionalen Ordnung. Wir
finden sie wieder in unserer Milchstraße, als Plasmawolke, oder als Simulation der Schaltvorgänge in unserem Gehirn. Je dichter die Wolke, umso dunkler die Färbung. Wissenschaftler nennen die Flecken „Inseln der Ordnung“.
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Nebenstehende
fraktale Form
zeigt ein so genanntes Apfelmännchen. Die
verschiedenen
Farben zeigen die
Iterationstiefe.
Wenn Sie sich
den Rand des Apfelmännchens
ansehen, erkennen Sie, dass er sich aus anderen Apfelmännchen zusammensetzt. Vergrößern
Sie einen Ausschnitt aus dem Rand des Apfelmännchens und Sie erhalten das gleiche Bild
wie jetzt: Eine Figur, die sich aus sich selbst gleichenden Figuren zusammensetzt.
Diese „Eislandschaft“ ist ebenfalls das Ergebnis einer in alle drei Dimensionen gerechneten
fraktalen Formel. Wenn Sie genau hinsehen, erkennen Sie wieder „Apfelmännchen“.  Eine
künstliche Welt, so natürlich wie die Natur.
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SOZIOLOGIE
Der Bielefelder Soziologieprofessor Niklas Luhmann stieß in seinem Kollegenkreis auf
wütende Reaktionen ob seinen Thesen, dass die komplexen sozialen
Systeme wie „die Wirtschaft“ oder „die Politik“ auf die Umwelt reagieren indem sie sich selbst beobachten. Systeme entwickeln, erhalten und verändern sich nicht durch rationale Planungen und Beschlüsse sondern durch Evolution. Ich kann ihn sehr gut verstehen, denn was der einzelne
oder die Gruppe tut, ist nicht unbedingt die vorhersagbare Reaktion auf die Umwelt. Wenn
ein Familienvater anordnet dass um 12.30
Uhr gegessen wird,
heißt das noch lange
nicht dass auch alle um
die Zeit am Tisch sitzen. Es wurde zwar
geplant und alle ordnen
sich dem unter, aber es
kann bis dahin so vieles
passieren, dass vielleicht nie wieder um die Zeit gegessen wird. Einzelne Umstände haben bewirkt dass ein total
neues System entstanden ist. Kein Plan ist so gut dass er nicht einer Änderung bedarf. Jede
Gesellschaft kann nur existieren solange sie sich in Bewegung hält, und solange sie in Bewegung ist, ist sie keine Gesellschaft. Es gibt immer nur Ziele die angestrebt oder wieder ver-
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worfen werden. Sie ordnet sich Regeln unter, aber jede Regel hat ihre Ausnahme, wird missachtet, verworfen oder bekommt eine neue hinzu.
Das Systeme auf ihre Umwelt reagieren indem sie sich selbst beobachten wird am deutlichsten wenn wir uns nicht eine Gruppe, sondern den einzelnen Menschen betrachten, der ja
auch ein eigenständiges psychologisches System ist. Viele Menschen sind dafür, die Umwelt
besser zu schützen: Ein Jurist wird das nach den gesetzlich definierten Möglichkeiten machen; Ein Wirtschaftler greift ein, wenn sie seine Finanzen beeinflussen; Ein Arzt erkennt
Umweltschäden am Gesundheitszustand seiner Patienten; Ein Chemiker reagiert wenn gewisse Grenzwerte überschritten werden. Jeder reagiert aus seinem eigenen System heraus. Ich
glaube Aristoteles war es, der einmal sagte: „Wie kannst du mir Ratschläge geben, wo du
doch gar nicht weißt, was ich weiß?“ Das spiegelt sehr schön wieder, wie eigenständig die
Systeme unserer Welt sind. Alles was wir sind, ist gewachsen durch Entscheidungen, die getroffen wurden in
dem Augenblick,
als sie notwendig
waren. Äußere
und innere Einflüsse haben uns
und unser Leben
geprägt. Die größten Gangster und
Mörder lieferten
sich kaltblütig einer Schießerei mit der Polizei und starben dann im Kugelhagel. Doch noch
während sie starben sagten sie: „Ich konnte nichts dafür, ich musste mich doch verteidigen.“
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Sie haben in ihrem Leben Entscheidungen getroffen, von denen sie in dem Moment felsenfest
überzeugt waren das sie richtig sind. Sie erschießen ohne Skrupel einen Polizisten der ihnen
gegenübersteht, weil sie in dem Moment keinen anderen Ausweg sehen. Genauso krass wie
mit diesem Mörder, ist das auch mit uns „normalen“ Menschen. Wir treffen eine Entscheidung und wenn sich im Nachhinein herausstellt das sie falsch war, müssen wir sehen wie wir
damit fertig werden. Wir können nicht mehr zurück, sich dem Problem noch einmal stellen
und sagen, jetzt treffe ich die richtige Entscheidung.
Wir treffen unsere Entscheidungen aufgrund unserer Erfahrungen in dem Moment, wo sie
gefällt werden müssen, nach bestem Wissen und Gewissen. Es ist ein komplizierter Prozess,
der nach vielen Iterationen zu einem Ergebnis kommt, ausgehend von Informationen, die wir
erlebt, erfahren, gelernt und uns selbst erarbeitet haben. Eine kleine Evolution in unserem
Kopf, die wir nicht mehr Rückgängig machen können.
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GEHIRNFORSCHUNG / MEDIZIN
„Wenn das menschliche Gehirn so simpel wäre, dass wir es verstehen könnten, wären wir
so simpel, dass wir es nicht könnten.“ Dieser Satz des Amerikaners Emerson Pugh zeigt sehr
schön die Komplexität, die ich jetzt anreiße, aber ich kann seine Meinung absolut nicht teilen.
Seit jeher versuchen Wissenschaftler die Funktionsweise der Gehirne als solches zu ergründen, wobei man inzwischen, zum größten Teil, von der haltlosen Theorie abgekommen ist,
dass jede Zelle eine bestimmte Funktion erfüllt. Scheinbar „wahllos“ werden bei den Denkprozessen Zellen „eingeschaltet“. Auch die Verbindungsknoten der Zellen, die Synapsen,
sind keine starre Verbindung, sondern sie haben eine steuernde Funktion. Die chaosartig von
Außen einströmende Informationsflut wird genauso chaosartig weiter verarbeitet zu einem
Ergebnis. Es ähnelt also in keinster Weise der Funktionsart eines Computers, der nur auf
Grund wiederkehrender Informationen auf vorhandene Informationen zugreifen kann, um
dann auf einem vorgeschriebenen Weg ein Ergebnis auszugeben. Das neuronale Netz in unserem Kopf steuert sich selbst, es herrscht ein deterministisches Chaos. Ich erkläre das so:
Jede neue Information die das Gehirn von den Nervenzellen erhält, erzeugt eine Iteration,
das heißt, es wird eine Formel auf den Weg geschickt. Die Zelle hat den Auftrag die Formel
auszurechnen und das Ergebnis mitsamt der Formel weiterzureichen. Die Formel enthält also die Information,
wie viele Zellen die Formel erhalten sollen und von der
Nervenzelle kommt die Information, wie die Formel
weitergereicht werden soll. Eine einfache Iteration könnte somit die Information „kalt“ bedeuten, die zweite
„warm“ und so weiter. Beim Betrachten eines Bildes zum Beispiel, werden dann Tausende
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von Zellen auf einmal aktiviert und zwar nur auf Grund simpelster Informationen. Das Ergebnis dieser Iterationen wird weitergereicht an die Stellen die diese Information benötigen.
Das ist der einfache Lernprozess mit deren Ergebnissen wir die Körperfunktionen zum Beispiel steuern. Unser Gehirn greift also nicht auf einen riesigen Speicher zu, sondern setzt quasi aus einzelnen Buchstaben Sätze zusammen. Darum können wir anhand weniger Merkmale
noch nach Jahren ein Gesicht wieder erkennen, obwohl es sich stark verändert hat. Mit jedem
Impuls den unser Gehirn erhält, findet also eine kleine Schöpfungsgeschichte statt. Die Ergebnisse eines Impulses mit seinen Iterationen können aber auch als neue Information dem
Gehirn wieder zur Verfügung gestellt werden. Zusammen mit anderen Informationen entsteht
somit ein neuer Impuls, wir kombinieren, denken, „erweitern unseren Horizont“. Es ist wieder eine Iteration weiter gerechnet worden, einige Tausend Gehirnzellen wurden zusätzlich
angesprochen, wir wachsen über uns hinaus. Das zeigt auch warum der Mensch mit seinen
Aufgaben wächst. Wir müssen ihm nur genug Zeit lassen die neuen Impulse mit bekannten
Impulsen zu neuen Iterationszyklen verarbeiten zu können.
Die ersten Informationen erhält unser Gehirn bereits während der Entwicklung im Mutterleib, durch Erbinformationen, aber auch durch äußere Einflüsse schon während der Entwicklung, auf die Sinnesorgane. Wobei ein nicht zu unterschätzender Faktor bei der Gehirnentwicklung der Ungeborenen deren Gefühlswelt ist.
Dem Gehirn werden stets nur so viele Zellen zur Verfügung gestellt, wie es benötigt.
Über längere Zeit nicht benötigte Zellen sterben ab. So bilden sich mit der Zeit Netze und
Zentren für häufig benötigte Funktionen. Sollte eine Zelle nicht mehr vorhanden sein, verweist die zuständige Synapse an eine andere Zelle. Wenn die Bildung neuer Zellen nicht gestört wird und ihm genug Zeit bleibt, kann also ein Schlaganfallpatient alle verlorenen Funktionen neu erlernen. Anders herum, könnte aber auch jeder gesunde Mensch sich zu einem
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Genie entwickeln. Er muss nur dafür sorgen, möglichst viele neue Zellen zu produzieren. Das
heißt, er muss ständig Neues erlernen und darf seine Gedanken nicht aufgeben, sondern muss
sie zu Ende denken. Stark einseitig Begabte hätten sich demnach schon im Mutterleib einseitig orientiert.
Betrachten wir diese recht technische Sicht auf die Funktionsweise des Gehirns nun einmal medizinisch. Wir haben es hier mit einem neuronalen Netz von Nervenbahnen, Zellen
und Synapsen zu tun. Schätzungen sprechen von etwa 100 Milliarden Nervenzellen (Neuronen), die durch ca. 100 Billionen Synapsen eng miteinander verbunden sind. Die Nervenbahnen des Gehirns haben in etwa eine Länge von 5,8 Millionen Kilometer, das entspricht
dem 145-fachen des Erdumfangs. Es verarbeitet hocheffizient Sinneseindrücke und koordiniert komplexe Verhaltensweisen.
Die Gehirnforschung bzw. Medizin untersucht nur die physikalischen und psychischen
Phänomene. Sie kann erkennen und darlegen wie Informationen empfangen und weitergeleitet werden. So ist unser Gehirn in Regionen eingeteilt worden, weil sie festgestellt haben dass
bestimmte Dinge eben hauptsächlich dort verarbeitet werden. Es ist also nicht notwendig dass
jede Funktion des Körpers bewusst über das komplette Gehirn gesteuert wird. Sie sagen, es
herrscht im Großhirn eine Arbeitsteilung zwischen verschiedenen Bezirken, den sogenannten Rindenfeldern. Hier werden drei Typen unterschieden:
1. Sensorische Felder
Sie verarbeiten die Erregungen der Sinnesorgane
2. Motorische Felder
Sie aktivieren Muskeln
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3. Gedanken- und Antriebsfelder
Sie liegen im vorderen Teil des Gehirns und sind der Teil mit dem ich mich hier
hauptsächlich beschäftige
Im Zwischenhirn werden Gefühle, also der Informationsfluss von den Sinnesorganen zum
Großhirn, verarbeitet und gefiltert weitergeleitet. Unwichtiges bleibt hier auf der Strecke und
entlastet so das Großhirn, und schützt es vor Überlastung. Die Körpertemperatur, der Wasserhaushalt und weitere lebenswichtige Körperfunktionen werden hier gesteuert.
Das Mittelhirn regelt unter anderem die Augenbewegungen und die Ziliarmuskeln.
Das Kleinhirn koordiniert Bewegungen und steuert automatisierte Bewegungsabläufe. Lernen wir zum Beispiel Tanzen, so müssen wir anfangs die Bewegungen bewusst nacheinander,
gesteuert vom Großhirn, ausführen. Mit der Zeit merkt sich das Kleinhirn jedoch die Schrittfolgen und wir müssen uns nicht mehr bewusst darauf konzentrieren.
Die Übergangsstelle zum Rückenmark wird als Nachhirn bezeichnet. Hier werden die
Atemmuskulatur, Hustenreflexe und der Blutdruck geregelt.
Der Vollständigkeitshalber möchte ich hier die komplette Hierarchie aufführen. Allerdings ist
sie nicht in allen Lehrbüchern gleich, was mir wieder aufzeigt, wie wenig sinnvoll es ist das
Gehirn in Funktionsregionen aufzuteilen. Selbst die Experten sind sich nicht einig! Weil, wie
bereits erwähnt, ohne Probleme andere Neuronen die Arbeit der gestörten Neuronen übernehmen können und somit starre Funktionsregionen nur begrenzt vorhanden sind. Es sind
keine Computer-Festplatten!
 Prosencephalon (Vorderhirn)
o Telencephalon (Endhirn)
 Cortex cerebri
 Subcorticale Kerne
 Diencephalon (Zwischenhirn)
o Thalamus
o Epithalamus
o Subthalamus
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o Hypothalamus (Verbunden mit der Hypophyse)
o Metathalamus
 Mesencephalon (Mittelhirn)
o Tectum
o Tegmentum
o Crura cerebri
 Rhombencephalon (Rautenhirn)
o Metencephalon (Hinterhirn)
 Cerebellum (Kleinhirn)
 Vermis
 2 Hemisphären (Hirnhälften)
 Pons
o Myelencephalon (Nachhirn, Medulla oblongata)
 Rückenmark
Das menschliche Gehirn macht nur etwa 2% der Körpermasse aus, verbraucht aber ca. 20%
des Sauerstoffs und mehr als 25% der Glukose. Es hat nur sehr geringe Energiespeicher zur
Verfügung, was sehr schnell zu Hirnschäden führt wenn auch nur kurzzeitig die Energieversorgung ausfällt.
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UNSERE MITMENSCHEN BEURTEILEN
Wie können wir unsere Mitmenschen beurteilen, wie schätzen wir sie am einfachsten ein
und wie können wir am besten mit ihnen zusammen leben, ohne ihnen, oder uns Schaden
zuzufügen?  Wieder solch ein heikles und riesiges Thema an das ich mich da wage und über
das schon so viel geschrieben wurde, und von dem ich doch wohl wirklich keine Ahnung
habe, oder?  Und ob! Denn ich sage Ihnen nichts anderes als das, was Sie bereits wissen.
Jeder von uns handelt instinktiv und jeder hat eine innere Stimme die ihm Ratschläge gibt,
nur beachten wir sie in der Regel nicht, oder zu wenig. Ganz ähnlich ist das mit unserer Körpersprache. Jeder von uns setzt sie unbewusst ein und genauso unbewusst wird sie auch von
den meisten Menschen wahrgenommen. Die wichtigsten Körpersignale kommen aus dem Gesicht, im
Besonderen aus den Augen. Das ist jedem von Ihnen
bekannt und jeder weiß sie auch im Allgemeinen
richtig zu deuten, aber die Wenigsten gehen da bewusst drauf ein und handeln dementsprechend. Dabei
reagieren wir auf den ganzen Körper unseres Gesprächspartners, vom Haar bis zu den Füßen. Überlegen Sie einmal wie Sie auf kahl rasierte Frauenköpfe,
Dreitagebärte, Punker mit Irokesen schnitt, oder mit
Pomade „lackierte“ Herrenfrisuren reagieren. Allein
diese wenigen Beispiele der Haartrachten zeigen Ihnen wie ausdrucksstark unser Körper ist.
So hat jeder Körperteil seine Ausdrucksmöglichkeiten, die Stirn, die Nase, die Wange, der
Mund, die Schultern, die Arme, die Hände und so weiter. Alles spricht zu uns. Es gibt genug
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gute Bücher die einem diese Körpersprache bewusst machen und ich möchte mich deshalb
nur auf ein paar Beispiele beschränken. Wenn Sie sich mit der Körpersprache bewusst auseinander setzen, hat das den großen Vorteil dass Sie sich und die anderen Menschen besser
kennen lernen. Wir können unser Gegenüber besser verstehen und somit besser auf ihn eingehen. Gute Personalchefs zum Beispiel nehmen ihrem Gesprächspartner auf die Art die Prüfungsangst, oder erkennen die innere Einstellung zu dem was der Prüfling sagt.
Kratzt sich Ihr Gesprächspartner plötzlich am Hinterkopf, signalisiert das eine frustrierte
Aggression. Wenn wir wütend sind und jemanden schlagen wollen, heben wir automatisch
den Arm, um in der Abwärtsbewegung einen Hieb auszuführen. Diese, und noch viel mehr
unbewusste Bewegungen aus den Urtrieben, können wir nicht steuern, nur unterdrücken. Das
heißt, der Arm fliegt hoch, möchte zuschlagen, darf aber nicht, verharrt deshalb abgebremst
auf dem Kopf, so als wäre es beabsichtigt.  Hätten Sie das so bewusst wahrgenommen? Und
es gibt noch viel mehr solcher verblüffenden Beispiele. Durch gutes beobachten unserer
Mitmenschen können wir auf seine Signale eingehen und kommen ihm so näher.  Kratzt er
sich abrupt am Kopf, wissen wir: Oh ha, da hast du aber einen wunden Punkt getroffen. Jetzt
aber vorsichtig.
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Die Größe der Pupillen verändert sich sehr stark und auffällig unter Lichteinfall, aber
auch unter emotionalen Einflüssen weiten sie sich oder ziehen sich zusammen. Wenn wir
etwas sehen, dass uns gefällt, werden die Pupillen größer; wenn wir etwas abstoßendes sehen,
ziehen sie sich bis auf Stecknadelkopfgröße zusammen. Sehr wichtig für uns Menschen ist es,
die Augenbewegungen verfolgen zu können. Durch das
Weiße in den Augen sind
verräterische Blicke für uns
sofort erkennbar. Auf gesellschaftlichen Zusammenkünften neigen die Untergebenen
dazu, auf die Dominierenden
zu schauen, und die Dominierenden neigen dazu, die
Untergebenen zu übersehen,
ausgenommen unter besonderen Umständen. Feuert der
Chef eine Frage auf einen
Untergebenen ab, starrt er ihm dabei voll ins Gesicht. Der so fixierte schafft es nicht diesem
Blick längere Zeit stand zu halten und sieht die meiste Zeit, während er antwortet woanders
hin. Hier kommt deutlich die Rangordnung zum Tragen; eine Einzelperson hat Macht über
andere und übt sie aus.
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Treffen sich zwei ranggleiche Freunde sind die Augenbewegungen ganz anders; jeder
nimmt die Rolle des Untergeordneten ein. Jeder behandelt den anderen wie einen Übergeordneten; der Sprechende schaut weg und wirft nur hin und wieder einen Blick auf den anderen,
um seine Reaktion zu prüfen, dieser wiederum beobachtet ihn aufmerksam, wie einen Chef.
Es gibt nur zwei Momente, in denen die Menschen, aber auch andere Lebewesen, einander
länger in die Augen sehen: immense Liebe und immenser Hass. Liebende sehen sich unbewusst in die Augen um festzustellen, wie stark sich die Pupillen des anderen weiten. Hassende versuchen, mit dem starren Blick den anderen dazu zu bewegen, den Blick zu senken, was
einer Unterwerfung gleich kommt. Übrigens gibt es noch heute, besonders in den südlichen
Ländern, Menschen, die an den „bösen Blick“ glauben. Dieser Irrglaube stammt noch aus der
Zeit, als man glaubte, dass die menschlichen Augen Licht ausstrahlen könnten.
Die niedliche Nase eines Kleinkindes weckt in uns den Beschützerinstinkt. Daraus resultiert, dass wir zum Beispiel Fotomodelle mit
kleinen Nasen im Allgemeinen als hübscher empfinden, als solche mit riesigen Zinken im Gesicht.
Die kleine Kindernase übt teilweise solch einen
Reiz auf uns aus, dass wir nicht umhin kommen
sie mit den Fingern zu berühren. Übrigens, hat ein
besonders eifriger Wissenschaftler herausgefunden, dass die Nase beim Liebesakt mit Blut voll
gepumpt wird und anschwillt, und sich um zwei bis vier Grad erwärmt. Das Gleiche gilt aber
auch für die Lippen, die zusätzlich noch kräftiger Rot werden, und, für die Ohren, die übrigens genauso unterschiedlich sind wie unsere Fingerabdrücke.
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Die in der Tierwelt unvergleichliche Vielfalt der Ausdrucksmöglichkeiten des menschlichen Mundes brauche ich Ihnen, glaube ich, nicht näher zu erläutern, sie sind uns sehr vertraut. Ein bislang nicht gelöstes Geheimnis einer Mundbewegung ist allerdings das Gähnen.
Es gibt einige vernünftige Vermutungen wie, vermehrtes Luftholen, eine Streckbewegung vor
dem Schlafengehen, oder ein Signal der Müdigkeit an andere. Jedoch gähnen auch Fische
unter Wasser und bekommen dabei keine zusätzliche Luft, und das Gähnen findet nicht nur in
Gesellschaft statt. Bleibt allenfalls die Streckbewegung, aber warum ist sie so ansteckend?
Wenn Kinder am Daumen lutschen, ist das der Versuch sich das Behagen des oralen Kontaktes der Mutterbrust wieder zu beschaffen. Wir finden diese Form aber auch im Erwachsenenalter wieder; im Nägelkauen, im Nippen an süßen Getränken, im Einatmen von warmem
Zigarren- oder Zigarettenrauch, oder im Nuckeln am Pfeifenstiel. In allen diesen Fällen
durchleben wir wieder die köstlichen Momente unserer Kindheit, als wir an der Mutterbrust
oder der Milchflasche genuckelt haben. Die stressmindernden Fähigkeiten solcher „oralen
Tröstungen“ werden oft nicht berücksichtigt, wenn es darum geht, auf die, die Gesundheit
schädigenden Wirkungen, aufmerksam zu machen. Ähnliche Ursprünge hat das Küssen. Es
stammt aus der Zeit, als die Nahrung vorgekaut von der Mutter an ihr Kleinkind weitergegeben wurde und ist untrennbar mit kindlichem Wohlbehagen und Sicherheit verbunden. Die
etwas verhaltenere intime Kontaktaufnahme ist der Kuss auf die Wange. Eine Unterwürfigkeit kommt hinzu, durch das Senken des Hauptes beim Handkuss, die im Mittelalter durch
das Küssen des Rocksaumes oder der Füße noch verstärkt wurde. Heute bildet eine solche
Übertreibung eine Ausnahme, die allenfalls noch durch das Küssen der Startbahn eines Flug-
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platzes vom Papst erfüllt wird. Mit dieser Geste will er ein Gegengewicht zu dem Prunk und
der Macht seines offiziellen Status schaffen.
Ein ängstlicher Mann zieht sein Kinn ein, ein aggressiver streckt es heraus. Es liegt also
auf der Hand, dass Menschen mit einem fliehenden Kinn es schwerer haben sich zu behaupten, als solche mit einem „kantigen“ Gesicht. Dabei haben diese anatomischen Abweichungen wenig mit der tatsächlichen Durchsetzungskraft zu tun. Der Bart des Mannes unterstreicht diese, als männlich titulierten Eigenschaften, wie Aggressivität
oder Durchsetzungskraft, noch um ein Beträchtliches. Es gab Zeiten, da
wurden rasierte Männer als weibisch und undankbar gegen Gott und
die Natur beschimpft. Ein weiteres typisch männliches körperliches Merkmal sind breite
Schultern. Frauen, die sich behaupten wollen, bringen das dadurch
zum Ausdruck, dass sie Moden nutzen die die Schultern künstlich
verbreitern. Wenn wir ruhig und wachsam sind, halten wir unsere
Schultern unten und hinten, wir ziehen sie hoch und nach vorn in
Augenblicken der Angst, Unruhe oder Feindseligkeit. Der fröhliche, resolute oder tonangebende Mensch hält seine Schultern gesenkt und gerade. Der beherrschte, ängstliche oder wütende
Mensch zieht seine Schultern schützend hoch und seinen Kopf ein. Wenn wir lachen, ziehen
wir ebenfalls unsere Schultern hoch. Der Grund ist, dass das, was uns zum Lachen bringt,
etwas ist, das uns erschreckt, aber es ist ein Schrecken, der uns nichts „anhaben“ kann, und
wir lachen aus Erleichterung. Unsere Schultern jedoch, reagieren immer noch in urtümlicher
Form, indem sie uns vor einem Schlag schützen.
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Die menschliche Hand ist derart komplex, dass wahrscheinlich kaum ein Roboter sie jemals nachahmen kann. Im 18. Jahrhundert bezeichnete Kant die Hand als „den sichtbaren
Teil des Gehirns“. Bereits Neugeborene „befingern“ ihre Umwelt
und man schätzt, dass
sich die Finger im Laufe
eines durchschnittlichen
Lebens mindestens 25
Millionen Male beugen
und strecken und trotzdem klagen wir selten über „müde Hände“. Die vielen Gesten der Hände möchte ich hier nicht erwähnen, denn sie sind einerseits in den Ländern und Völkern oft
recht unterschiedlich und andererseits dürften sie Ihnen wohl bekannt sein. Allerdings möchte
ich anmerken, dass die Wissenschaftler inzwischen einige Parallelen zwischen den Handlinien und körperlichen Eigenheiten, wie Mongolismus und Krebsgefährdung, gefunden haben.
Eventuell haben sie die verallgemeinernde Ablehnung der Handlesung zu voreilig getroffen.
Das Gehen, mit den Händen auf dem Rücken, ist eine Haltung der Überlegenheit. Sie ist das
Gegenteil, der vor dem Körper verschränkten Arme, die eine defensive Barriere errichten.
Wenn die Hände hinter dem Rücken liegen ist die Vorderseite des Körpers völlig freigelegt,
während die Person voranschreitet, das zeigt Sicherheit und Beherrschung der Lage. In die
Hüften gestemmte Arme sind charakteristisch für Widerstand, sie symbolisiert den anderen,
Abstand zu halten. Möchte sich jemand zum Beispiel von einer Gruppe abgrenzen, die zu
seiner Linken steht, wird er nur den linken Arm gegen die Hüften stemmen. Diese Haltung
enthält eine gewisse Art von Autorität, aber auch Personen, die gerade einen Rückschlag er-
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litten haben zeigen damit: „Bleibt mir vom Leib. Ich ärgere mich dermaßen, dass ich jetzt
keinen in meiner Nähe haben möchte“.
Neulich sah ich im Fernsehen eine Talkshow, in der eine berühmte hübsche Schauspielerin interviewt wurde. Der arrogante und bissige Talkmaster saß hinter einem dicken Schreibtisch und sie saß ca. 2m von dem Schreibtisch entfernt, in einem kleinen unbequemen Designersessel, ohne Tisch vor oder neben sich. Allein diese Situation erzeugt schon in jedem Gast
ein starkes Unbehagen. Der Talkmaster hat eine schützende Barriere vor sich, und der Gast
ist ihm und dem Publikum schutzlos ausgeliefert. Hinzu kommen der unbequeme Sessel und
seine spitze Zunge. Die Schauspielerin versuchte das Beste aus dieser Lage zu machen, indem sie möglichst lange und locker redete. Dabei wechselte sie ständig ihre Sitzposition,
schlug mal das linke Bein, mal das rechte Bein über und wirkte irgendwie unruhig. Hin und
wieder streckte sie ein Bein aus, so, als wollte sie es auf den Schreibtisch legen. Das entging
dem Talkmaster natürlich nicht und er ging mit der Bemerkung darauf ein, ob sie nicht den
Sessel näher heranrücken wolle, um die hübschen Beine auf den Tisch zu bekommen, aber
der Sessel war festgeschraubt.
Das ist eine typische Situation, wie die menschlichen Signale falsch gedeutet werden. Das
Ausstrecken des Beines ist in etwa das Gleiche, wie das Aufstampfen eines Kleinkindes. Der
Fuß der Schauspielerin würde den Talkmaster am liebsten treten, aber das darf er natürlich
nicht, darum sticht er lediglich in die Luft. Das Abbremsen dieser Bewegung lässt das Bein in
der gestreckten Haltung ein wenig ruhen, so, als wolle man es hochlegen. Wäre der Talkmaster fähig, auf solche Signale richtig einzugehen, könnte er mit Sicherheit wesentlich interessantere Gespräche führen, als das allgemeine Geplänkel, das er normalerweise an den Tag
legt.
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Die Füße geben ein sehr ehrliches Zeichen davon ab, ob wir uns wohl fühlen, oder am
liebsten flüchten würden. Wenn die Füße eines Redners ständig vor und zurück wippen,
möchte er viel lieber weglaufen, als hier große Reden zu schwingen. Der wippende Fuß eines
Wartenden, kann uns auch bei unserem Gesprächspartner begegnen, aber als mitfühlender
Beobachter werden wir ihn mit seiner Ungeduld nicht lange auf die Folter spannen, oder?
Das Übereinanderkreuzen der Beine sagt uns, ob wir unserem Nebenmann „Den Rücken zukehren“, oder uns „ihm zuwenden“. Es ähnelt in der Aussage den in die Hüfte gestemmten
Armen, nur zeigt das Knie zu dem uns sympathischen.
Soviel zur Körpersprache. Nur eines noch. Sollten Sie sich mit den Körpersignalen auskennen, hat es keinen Zweck diese bewusst einzusetzen, denn Sie würden sofort durch Ihr unnatürliches Verhalten auffallen. Genau so, wie ein Schauspieler der sich nicht in seine Rolle
hinein lebt. Wir merken sofort, dass das nicht echt ist, was er uns vorgaukelt. Wenn Sie also
freundlich wirken wollen, muss das aus Ihrer inneren Einstellung kommen, andernfalls wirkt
es gekünstelt. Andererseits können Sie aber auch sich selbst beobachten. Fällt Ihnen zum
Beispiel auf, das Sie Ihre Arme vor der Brust verschränken, können Sie sich sagen: „Junge,
du verschließt dich doch zu sehr, gib ihm lieber eine Chance“.
Vor Gericht gilt der Angeklagte solange als Unschuldig, bis seine Schuld bewiesen ist.
Für mich ist jeder Mensch grundsätzlich ein guter Mensch, bis er mir das Gegenteil bewiesen
hat. Aber selbst dann fällt es mir nicht schwer ihm zu verzeihen, weil ich mich in dem Moment frage, warum er so gehandelt hat. In den allermeisten Fällen zeigen sie sich dann einsichtig, wenn ich sie unter vier Augen, in ruhiger Art, auf die Dinge aufmerksam gemacht
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habe. Sie erinnern sich, dass ich sagte, dass selbst Schwerverbrecher ihre Taten begründen
und hartnäckig verteidigen? Wenn sie aber Gelegenheit bekommen sich aus der Affäre ziehen zu können, ohne dabei ihr Gesicht zu verlieren, sieht die Sache ganz anders aus. Mit Demütigungen und Bestrafungen erreicht man genau das Gegenteil von dem was man bezwecken wollte. Kein Mensch zeigt sich einsichtig, wenn er vor versammelter Mannschaft zusammengestaucht wird, er bellt entweder zurück oder duckt sich und zieht anschließend über
seinen Widersacher her. Wenn mich jemand anschreit, unterbreche ich ihn nach dem ersten
Satz mit den Worten: „Das Mindeste was ich von Ihnen verlangen kann, ist, das Sie sich mir
gegenüber so verhalten, wie ich mich Ihnen gegenüber verhalte.“ Das schraubt die Emotionen
in der Regel schon sehr weit herunter. Trotzdem muss ich mir die Gardinenpredigt anhören 
und drüber nachdenken. Habe ich einen Fehler begangen, muss ich ihn zugeben und meinem
Angreifer sind sämtliche Argumente genommen weiter auf mich eindreschen zu können. Worüber soll er noch schimpfen, wenn ich sage: „Du hast Recht.“ Es ist unheimlich entwaffnend
dem Wütenden Recht zu geben, denn damit hätte er nun am wenigsten gerechnet. Hat er Unrecht und ich merke, das er zu diesem Zeitpunkt absolut uneinsichtig sein wird, lasse ich ihn
ausreden, mit dem Hintergedanken ihn, zu einem späteren Zeitpunkt wenn er sich beruhigt
hat, noch einmal darauf anzusprechen, und er sich dann mit Sicherheit bei mir entschuldigen
wird,  ohne das er dabei sein Gesicht verlieren muss. Auf die Art können aus den größten
Feinden Freunde werden, oder zumindest haben sie in Zukunft großen Respekt vor Ihnen.
Nun fällt das natürlich einem besonnenen und vernünftigen Typen
leichter, als einem feurigen Südländer. Aber ich glaube, das ist in
erster Linie eine Frage der inneren Einstellung. Man kommt dabei
leicht in die Versuchung den Ärger in sich hinein zu fressen, aber
das sollte man tunlichst vermeiden, denn es ist sehr ungesund.
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Wenn man Recht hat, muss man auch dafür sorgen, Recht zu bekommen, aber das geht mit
Sicherheit einfacher, wenn sich die Gemüter beruhigt haben. Geben Sie dem Anderen immer
die Möglichkeit sein Gesicht zu wahren.
Wie schon im Kapitel Soziologie beschrieben, reagieren wir immer nur, bewusst oder unbewusst, im Rahmen unserer Möglichkeiten. Wir sind ein Opfer unserer alten und neuen Iterationen in unserem Kopf.
Scholand / iterativ / 38
DER COMPUTER
Auch der Computer gehört inzwischen zu unserem Leben, wie alles andere uns längst
Vertraute. Meine Computergeschichte begann damit, dass es mich nervte, als ich in den
Computerabteilungen der Kaufhäuser stand und nicht wusste was die Zwölfjährigen mit diesen Dingern anfingen. Also kaufte ich mir einen VC-20 (Insider wissen, dass das der Vorgänger des legendären C-64 ist) und wurde süchtig. Ich lernte die Programmiersprache „BA
SIC“ und verbrachte
´zig Nächte damit den
„Syntax Error“ in Zeile 1038, oder andere
menschliche Fehler,
zu korrigieren. Die
„tollen“ Computerspiele haben mich,
damals wie heute, nie
richtig interessiert. War es doch viel aufregender neue Algorithmen zu entwickeln und versteckte Fehler zu entdecken, als in den Adventure-Spielen auf Schatzsuche zu gehen.
Ich entwickelte Assembler und Compiler, lernte „richtige“ Programmiersprachen wie „Turbo
PASCAL“ oder „C“ kennen, und kaufte mir natürlich sehr schnell den C-64 und später dann
den ersten richtigen PC-XT. Mensch, war das toll! Damals glaubte man noch, dass der Computer die ganze Welt verändern würde. Heute hat er sie bereits verändert und keiner hat es
gemerkt.
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Wir fahren mit dem Auto in fremde Städte und lassen uns auf einem digitalen Stadtplan
anzeigen, wo wir sind und wie wir auf dem schnellsten Weg ans Ziel kommen. Wir verschaffen uns mit dem PC virtuelle Welten, in denen wir uns in allen drei Ebenen bewegen können.
Es entstehen derart realistische Situationen, dass einem schwindelig wird. Computersimulationen ersetzen teure Testreihen in allen Lebensbereichen, von Tierversuchen über Crashtests,
bis zu Atombombenversuchen. Er zeigt uns, dass auch das Chaos seine Ordnung hat und sagt
uns deshalb das Wetter inzwischen sehr genau voraus. Er ist in nahezu allen Berufen zu einem nützlichen Werkzeug geworden.  Trotzdem, so scheint mir, hat der Mensch Schwierigkeiten ihm zu folgen.
Ob wir wollen oder nicht, wir müssen uns mit ihm auseinandersetzen. Es ist für mich unverständlich, wie Eltern ihrem Sohn einen Computer kaufen können, mit allem Drum und
Dran, um ihn dann mit dieser gewaltigen kreativen
Maschine alleine zu lassen. Die Kinder setzen sich
vollkommen unbefangen an diese Geräte und probieren einfach mal aus, was man damit alles machen
kann. Die Eltern stehen staunend daneben, weil sie
nicht verstehen wie der Computer funktioniert. Das
wissen die Kinder auch nicht, aber denen ist es egal.
Ihnen werde ich es erklären, denn es ist, wie alles, ganz einfach, wenn man weiß wie es geht.
Der Computer kann eigentlich nichts anderes, als erkennen ob Strom fließt, oder nicht.
Wenn wir kunstvoll auf der Computertastatur klimpern, passiert ganz simpel gesehen, nichts
anderes, als wenn wir das Licht einschalten, oder die Kaffeemaschine. Der Computer erkennt
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lediglich „an/aus“, oder „ja/nein“, oder „Wahr/Falsch“, oder 0/1, aber das sehr schnell. Legen wir nicht nur einen, sondern 8 Schalter auf einmal um, bekommen wir damit 256 mögliche Schaltungen. Jetzt nennen wir diese Schalter nicht „Schalter“, sondern „Bit“ und eine
Schalteinheit, also 8 Schalter (bzw. Bit) auf einmal geschaltet, ergeben ein „Byte“. Und
schon wissen wir, was die berühmten Bits und Bytes zu bedeuten haben. Der Computer bekommt seine Befehle also stoßweise aus
8 Schaltern, und das
bei den heutigen PCs
bis zu 1.330.000.000
Mal in der Sekunde. Also mit einer Frequenz von 1333 MHz. Übrigens, arbeiten die modernsten Computer nicht mehr mit einer „8-Bit Busbreite“, sondern mit 16, 32, oder 64 Bit.
Aber bleiben wir noch bei den 8-Bit. Aus diesen 256 Möglichkeiten die uns die 8 Bits geben,
erstellen wir uns nun einen Code. In diesem Code bedeutet dann die Zahlenkolonne
"01000001“ (also „aus/an/aus/aus/aus/aus/aus/an“) der Buchstabe „A“, und so weiter. Genauso, wie das Alphabet, können damit dann auch Befehle oder Zahlen festgelegt werden.
Um nicht ständig diese langen Zahlenreihen eingeben zu müssen, bedient man sich dem Hexadezimalsystem. Dadurch sind dann pro Byte nur noch zwei Zahlen, bzw. Buchstaben notwendig. Damit haben wir bereits die erste Computersprache, mit der so genannte maschinennahe Befehle, zum Beispiel für die Druckersteuerung, programmiert werden können. Für uns
Menschen ist das aber noch zu umständlich dem Computer auf die Art Befehle zu erteilen.
Darum wurde die so genannte Programmiersprache entwickelt, wo der Befehl „print“ zum
Beispiel dann „drucken“ bedeutet. Allerdings wird dadurch die Erteilung der Befehle quasi
„doppelt gemoppelt“. Damit die, mit einer Programmiersprache erstellten Programme trotz-
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dem nicht zu langsam werden, benötigen sie einen so genannten Compiler. Das ist ein Programm, das quasi als Übersetzer fungiert. Es setzt die Programmiersprache um, in den Binärcode, wie unsere Zahlenkolonnen richtigerweise genannt werden. Zwischen den programmierten Programmen und der Maschinensprache, steht ständig das „Betriebssystem“. Es sagt
dem Computer laufend die lebensnotwendigen Sachen, wie z. B. welche Sprache verwendet
wird, welcher Bildschirm vorhanden ist, und so weiter. Wenn Sie, als „Anwender“ (Neudeutsch „User“), sich vor den Computer setzen, bedienen Sie also ein Programm, das mit
einer Programmiersprache erstellt wurde. Was schon schwer genug ist, denn Sie haben
dadurch mit allen menschlichen Fehlern der Programmierer zu kämpfen.
Sämtliche Erfindungen, die bisher gemacht wurden, dienten in der Hauptsache dazu den
Körper des Menschen zu entlasten. Mit dem Computer ist aber nun eine Maschine erfunden
worden, die den Menschen nicht nur körperlich entlastet, sondern er
erleichtert ihm auch das
Denken. Was zur Folge
hat, das so mancher
Mensch sich überfordert
fühlt, weil er glaubt, der
Computer hätte etwas
mit Intelligenz zu tun. Dabei ist das nicht anders als bei anderen Maschinen auch: Wenn ich
sie nutzen möchte muss ich sie bedienen. So gibt es unheimlich komplizierte Maschinen, die
aber absolut einfach zu bedienen sind. Zum Beispiel in der Art: Ich stecke auf der einen Seite
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einen Baumstamm hinein und auf der anderen Seite kommt der fertige Wohnzimmerschrank
heraus. Genau so gibt es Maschinen, die mit riesigem Aufwand aus dem Baumstamm einen
Zahnstocher schnitzen. Es liegt allein an Ihnen, zu entscheiden welche Maschine sie nutzen
wollen, oder ob Sie eventuell selbst eine Maschine herstellen möchten.
In naher Zukunft können wir per Cyberspace im Versandhandel die Kleider dreidimensional in digitalisierter Form anprobieren und uns im Spiegel betrachten, um sie dann elektronisch zu bestellen.  Egal, ob sich das Geschäft in New York oder Kleinkleckersdorf befindet. Alles, was sich der
Mensch in seinem Kopf
vorstellen kann, kann er mit
dem Computer auch sichtbar machen. Große und
aufwendige Kinofilme bestehen doch heute schon
zum größten Teil aus Computeranimationen.
Humphrey Bogart und Nail
Armstrong laufen über die
Leinwand und bewegen
sich so wie der Computerfachmann es will. Grad so, als würden sie noch leben. Aus zweidimensionalen Ansichten der
Schauspieler aus den Filmsequenzen wurden im Computer dreidimensionale Wesen. Ihnen
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wurde die menschliche Motorik beigebracht und schon können sie sprechen und laufen. Das
ist keine Zukunftsvision, sondern bereits Existent.
Irgendwann wird es dem Menschen gelingen dem Computer das selbständige Denken und
Lernen beizubringen. Der Mensch schafft sich sein eigenes Spiegelbild, das dann irgendwann
vernünftiger handelt als er, weil es nur logisch kombinieren kann, ohne Emotionen. Der
Computer wird weltweit selbständig auf die Informationen anderer Computer zugreifen und
sie sinnvoll miteinander kombinieren. Er wird dem Menschen Ratschläge geben und die
Denkfaulen unter uns immer dümmer machen. Die intelligenten Menschen werden ihn sich
zu nutzen wissen und immer belesener werden. Die Kluft zwischen den Gebildeten und Ungebildeten wird immer größer werden.  Es ist allein Ihre Entscheidung, zu welcher Gruppe
Sie in Zukunft gehören möchten.
Nur Eines wird der Computer nie lernen: eigene Gefühle empfinden und wiedergeben. Er
wird die Körperhaltung der Menschen analysieren und deuten. Er wird feinste elektronische
Schwankungen am Menschen
messen und somit seine Gefühlsschwankungen erkennen.
Er wird aus den Worten ablesen
können, mit welchen Emotionen
der Mensch etwas geschrieben
hat und er wird emotionslos mit der passenden „Emotion“ auf das Schreiben antworten. Dabei wird er so „feinfühlig“ und gekonnt seine Worte wählen, wie es der findigste Schreiberling nicht könnte.  Nur unsere Gedanken wird er wohl nie lesen können. Unsere Gedanken
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sind absolut frei. Lediglich Wesen mit einer Seele können sie lesen und zwar nur, wenn wir
uns ihnen öffnen.
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SCHLUSSWORT
All diesen hier aufgeführten Phänomenen gemein ist, dass sie durch Iterationen entstanden sind und sich immer noch weiter entwickeln. Der Evolutionsprozess ist noch nicht abgeschlossen! Oder werden gar neue Iterationen aus sich selbst heraus generiert und der Prozess
endet nie? Ist das Universum genauso kreativ wie unser Gehirn und es entwickelt eigene und
neue Ideen? Ganz bestimmt! Fest steht, wir sind Teil dieser Evolution!
Faszinierend!
Scholand / iterativ / 46
LITERATURVERZEICHNIS
Julian Schwinger, „Die Einheit von Raum und Zeit“; Spektrum der Wissenschaft, Heidelberg
Geo Wissen, „Chaos und Kreativität“; Gruner und Jahr, Hamburg
Geo Wissen, „Intelligenz und Bewusstsein; Gruner und Jahr, Hamburg
Dossier: Klima und Energie; Spektrum der Wissenschaft, Heidelberg
Verständliche Forschung: Gravitation; Spektrum der Wissenschaft, Heidelberg
Desmond Morris, „Körpersignale“; Heyne Verlag , München
Richard Knerr, „Lexikon der Mathematik“; Spiegel Buch, Ulm
Diverse Berichte in den Fachzeitschriften von Spektrum der Wissenschaft, Heidelberg
Wikipedia (soweit sie bewiesen sind, bzw. als Gedankenanstoß): Iteration, MandelbrotMenge, Regula-Falsi, Meteorologie, Gehirn, Synapsen
© 2010, Bernd Scholand
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Seele and Geist
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