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Das Lachen einer Novembernacht - ePaper - Die Welt

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KU N D E N S E RVI C E 0 8 0 0 / 9 3 5 8 5 3 7
KO M M E N TA R
Zippert zappt
Todesschütze
von Ferguson
spricht im TV
I
THEMEN
Habe „meinen Job
richtig gemacht“
Geht nach Hause!
Ein Polizist mit Helm und Schlagstock vertreibt mit harschen Befehlen die Demonstranten, die seit Wochen in Hongkong für mehr
Demokratie demonstrieren. Ihr Camp im Stadtviertel Mong Kok
wurde geräumt, Polizisten entfernten Barrikaden. Bei dem zweitä-
gigen Räumungseinsatz wurden insgesamt 148 Menschen festgenommen. Die Aktivisten hatten seit Ende September für eine freie
Wahl des Regierungschefs der chinesischen Sonderverwaltungszone im Jahr 2017 demonstriert – allerdings vergeblich.
Seite 6
Merkel rechnet im
Bundestag mit Putin ab
Sport
Die merkwürdige
Satzungsänderung
beim FC Bayern
Seite 18
Wirtschaft
Die Lust am
schwarzen Freitag
Seite 10
Wissen
Was ist eigentlich
ein Triggerpunkt?
Seite 20
Aus aller Welt
Ein Intensivtäter
und seine Liebe
zu Deutschland
B
undeskanzlerin Angela Merkel
(CDU) hat bei der Generaldebatte im Bundestag ihre harte
Haltung gegenüber Russland
bekräftigt – und schwere Vorwürfe gegen Moskau erhoben. Es gebe
nichts, das die Annexion der Schwarzmeerhalbinsel Krim oder „die direkte oder indirekte Beteiligung Russlands an den Kämpfen in Donezk oder Lugansk“ rechtfertige,
sagte Merkel. „Das Vorgehen Russlands
stellt die europäische Friedensordnung infrage und bricht internationales Recht“, fügte sie hinzu.
Da ein Waffenstillstand in den Separatistengebieten in weiter Ferne liege, müssten
die Wirtschaftssanktionen gegen Russland
beibehalten werden. Merkel sagte, sie erwarte, dass der Konflikt mit Russland lange
dauern werde. „Für unsere Bemühungen,
die Krise zu überwinden, brauchen wir Geduld und einen langen Atem“.
Die Bundeskanzlerin erklärte im Bundestag, sowohl sie als auch Außenminister
Frank-Walter Steinmeier (SPD) ließen
nichts unversucht, mit Russland eine diplomatische Lösung zu erreichen. Sie habe sehr
oft mit Präsident Putin über mögliche
Nachteile für Russland durch das EU-Assoziierungsabkommen mit der Ukraine ge-
DOW
Xetra-Schluss
EZB-Kurs
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FRAUEN UNVERZICHTBAR
Nach der Einigung in der großen
Koalition auf die Einzelheiten der Frauenquote hat Bundeskanzlerin Merkel den
Beschluss gegen Kritik aus der Wirtschaft
verteidigt. „Wir können es uns nicht
leisten, auf die Kompetenzen der Frauen
zu verzichten.“ So müssen etwa 100 börsennotierte und mitbestimmungspflichtige Unternehmen von 2016 an mindestens
30 Prozent weibliche Aufsichtsräte haben.
3500 Firmen, die entweder börsennotiert
oder mitbestimmungspflichtig sind, sollen
sich „Zielvorgaben“ zur Geschlechtergerechtigkeit setzen.
Seite 4
Leitartikel Seite 3
Tiere achten genau auf die emotionalen Bestandteile der Sprache
Im Plus
EURO
und Grünen. „Russland muss seine Guerillataktik beenden, an der Spaltung der Ukraine zu arbeiten“, sagte SPD-Fraktionschef
Thomas Oppermann. Sanktionen seien
richtig, weil Russland die europäische Friedensordnung infrage stelle.
Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter
verteidigte die Sanktionen ebenfalls mit
dem Argument, dass Russland seine Politik
der Destabilisierung im Osten der Ukraine
fortsetze. „In dieser Situation kann Europa
nur mit Geschlossenheit agieren“, sagte
Hofreiter. Es wäre „grundfalsch“, Putin im
Zweifel zu lassen, dass Europa geschlossen
zusammenstehe.
Kritik kam prompt von der Linkspartei.
Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende
Sahra Wagenknecht sagte: „Sie haben Europa in eine Neuauflage des Kalten Krieges hineingetrieben.“ Merkel vergifte das politische Klima und gefährde den Frieden in Europa. Mit den Sanktionen gegen Russland
wegen des Vorwurfs der Unterstützung von
Separatisten in der Ukraine habe die Kanzlerin einen „sinnlosen Wirtschaftskrieg“ angezettelt. Wagenknecht zur Kanzlerin: „Sie
warnen vor einem Flächenbrand, aber Sie
gehören doch zu denen, die mit einem brennenden Zündholz rumlaufen.“
Der Hund versteht den Menschen
Dax
Seite 15
Wir twittern
live aus dem
Newsroom:
twitter.com/welt
„Die Welt“ digital
Lesen Sie „Die Welt“ digital auf allen Kanälen –
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oder Tablet. Attraktive Angebote finden Sie
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Siehe Kommentar und Seite 9
christoph.schiltz@welt.de
Juncker kämpft
für mehr
Investitionen
315-Milliarden-Programm
soll Wirtschaft beleben
STRASSBURG –
M
ANZEIGE
Seite 23
DAX
sprochen. Die EU habe eine zwölfmonatige
Übergangsfrist eingeräumt, um auf russische Bedenken einzugehen.
„Wir sind bereit zu Gesprächen zwischen
der Eurasischen Union und EU über Handelsfragen“, betonte Merkel zudem mit
Blick auf den von Russland vorangetriebenen Wirtschaftsblock ehemaliger Sowjetrepubliken. Unterstützung erhielt sie von SPD
Junckers
Weckruf
EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat im Europaparlament für sein 315 Milliarden
Euro schweres Investitionsprogramm
geworben, mit dem die Wirtschaft belebt werden soll. Neben Strukturreformen und Haushaltsdisziplin sei der
Investitionsplan „das fehlende Stück
im Puzzle“, um Arbeitsplätze zu
schaffen, sagte Juncker. Neben Lob
gab es Zweifel an der Wirkung. Herzstück des Plans ist ein neuer Fonds
für strategische Investitionen, der ab
Mitte 2015 Investitionsprojekte etwa
in den Bereichen Energie, Verkehr
und Forschung absichern und dadurch ein Vielfaches an privaten Investitionen erzeugen soll.
Der Plan habe das Ziel, von 2015 bis
2017 Investitionen in Europa von
mindestens 315 Milliarden Euro auszulösen, sagte Juncker. Europa müsse
endlich zur Kenntnis nehmen, „dass
wir eine Schicksalsgemeinschaft
sind“. Die Volkswirtschaften seien
verflochten. „Mehr Wachstum in Südeuropa ist gut für das Wachstum in
Deutschland.“
Nach den schweren Krawallen in Ferguson hat sich der Todesschütze erstmals im US-Fernsehen
zu Wort gemeldet. Der weiße Polizist
Darren Wilson, der im August den
schwarzen Teenager Michael Brown
erschossen hatte, sagte, dass er seinen
Job „richtig gemacht“ habe und wieder so handeln würde. Er habe ein
„reines Gewissen“. Wilson beschrieb
den 18-Jährigen als „kräftigen“ Typ. Er
habe befürchtet, dass der Teenager
ihm die Dienstwaffe entreißen und sie
auf ihn richten könnte. „Er wollte
mich töten.“ Danach befragt, ob er
auch so gehandelt hätte, wenn Brown
weiß gewesen wäre, sagte der Polizist:
„Ja, … keine Frage.“ Die Eltern des
Opfers zeigten sich entrüstet. Die Äußerungen des Polizisten würden „alles
nur noch schlimmer machen“ und seien „so respektlos“, sagte die Mutter.
In der Nacht zu Mittwoch kam es
erneut zu Ausschreitungen. Obwohl
in Ferguson mehr als 2000 Nationalgardisten im Einsatz waren, gingen
am Rathaus Fensterscheiben zu
Bruch, ein Polizeiauto wurde angezündet, Polizisten wurden attackiert.
Seite 6
Deutliche Worte in der Generaldebatte: Die Annexion der Krim
lasse sich mit „nichts rechtfertigen“ und breche internationales Recht
C H R I STO P H B. S C H I LT Z
an kann es drehen und wenden, wie man will: Aus den Finanz- und Strukturkrisen der
vergangenen Jahre und den Milliardenverlusten von Steuerzahlergeldern zur
Rettung von Pleiteländern scheinen
die Europäer wenig gelernt zu haben.
Die unzähligen, schnell zusammengedrechselten Brüsseler „Pakte“ zur Stärkung der Währungsunion funktionieren im Kern nicht, und jedes Land
wurschtelt weiter vor sich hin. Die Folge: Laut OECD ist Europa zu einem
„großen Risiko für das weltweite
Wachstum“ geworden. Auch Deutschland attestieren die Experten „erheblichen Nachholbedarf“ in wichtigen
Wirtschaftsbereichen.
Was kann EU-Kommissionschef
Jean-Claude Juncker mit seinem neuen
Investitionspaket gegen diese Tristesse
ausrichten? Nicht viel. Der neue Juncker-Booster, der 21 Milliarden Euro
Garantien in 315 Milliarden Euro Investitionen verwandeln soll, wird die
verkrusteten Wirtschaftsstrukturen in
den europäischen Volkswirtschaften
nicht aufbrechen, er wird keine Reformpeitsche sein, er ist allenfalls ein
Tropfen auf den heißen Stein. Und
trotzdem ist Junckers Ansatz richtig.
Während viele EU-Länder, allen voran Frankreich und Italien, weitgehend
in Lethargie verharren, tut Brüssel etwas. Das ist ein Signal, ein Weckruf.
Immerhin sind die Investitionen in der
EU, verglichen mit 2007, um dramatische 430 Milliarden Euro gesunken.
Den Investoren fehlen Vertrauen, Sicherheit und Rendite. Dagegen will
Juncker sich stemmen. Das Prinzip ist
nicht neu: Die EU gründet mit relativ
wenig öffentlichen Geldern – ohne
neue Schulden zu machen – einen
Fonds, der privaten Geldgebern einen
wesentlichen Teil des Risikos abnimmt, ihnen so Risikoscheu nehmen
und neue Investitionen anstoßen soll.
Ob die Brüsseler Geldvermehrung aber
in vollem Umfang klappt, ist unklar. So
besteht das Risiko, dass sich einfach
nicht genügend Projekte und Investoren finden.
Denn letztlich wird nur dann in Infrastruktur, Energie und in Digitales
investiert, wenn die Renditeaussichten
gut sind und die Rahmenbedingungen
im jeweiligen Land stimmen: flexibler
Arbeitsmarkt, geringe Regulierungsdichte, wirtschaftsfreundliche Steuerpolitik. Dafür aber müssen die Mitgliedsstaaten selber sorgen.
Tun sie es nicht, wird der Markt sie
dafür bestrafen. Das ist gut. Brüssel
sollte die Marktkräfte endlich akzeptieren, anstatt mit einer teuren Subventionspolitik den Strukturwandel zu
verschleppen. Außerdem müssen die
Regeln für Stabilität und Haushaltsdisziplin endlich angewendet und nicht
länger mit politischer Akrobatik hin
und her gebogen werden. Dazu gehört
Mut. Juncker sollte ihn zeigen. Das alles ist wichtiger als sein gut gemeintes
Investitionspaket.
FERGUSON –
AP/KIN CHEUNG; SHOP.FCBAYERN.DE
n der Nähe von GarmischPartenkirchen löste sich ein
riesiger Felsbrocken und
stürzte zu Tal, am Timmendorfer Strand zerstörte eine
Monsterwelle mehrere Sandburgen, in Nörten-Hardenberg
kippte ein Lkw um, der mit
Schmierseife beladen war.
Deutschland drohte gestern im
Chaos zu versinken, nachdem
die schwarz-rote Koalition die
Frauenquote beschlossen hatte.
Das sind natürlich nur Vorboten der Katastrophen, die
unser Land in den nächsten
Monaten zwangsläufig heimsuchen werden. Es muss mit
Toten und Verletzten gerechnet
werden, die Frauenquote wird
mehr Opfer in Deutschland
fordern als Ebola und Vogelgrippe zusammen. Der Bundesverband Deutscher Unternehmer warnte vor einem wirtschaftlichen Zusammenbruch,
denn eine Quote von 30 Prozent Frauen in Aufsichtsräten
ist widernatürlich. Deutschland
hat außerdem gar nicht genügend Aufsichtsrätinnen, die
müssen erst aus Billigaufsichtsratsländern eingeführt werden.
Der Industrieverband BDI
verlangte, dass die Frauen den
von ihnen verursachten Schaden wiedergutmachen müssten,
und forderte die Einführung
eines Quotensolidaritätsbeitrags für weibliche Führungskräfte.
B **
D 2,20 E URO
D O N N E RSTAG , 2 7. N OVE M B E R 2 014
H
unde nehmen Sprache nach Angaben von Forschern ganz
ähnlich wahr wie wir Menschen. Wer sagt was wie? All
diese Informationen, die in einem Wort oder einem Satz
stecken, können sie aus der Sprache heraushören. Verschiedene
Sprachbestandteile werden dabei in unterschiedlichen Hirnhälften verarbeitet, wie britische Wissenschaftler im Fachblatt „Current Biology“ berichten.
Die Forscher hatten jeweils 25 Hunden Laute vorgespielt, und
zwar auf beiden Ohren gleichzeitig. Sie betonten dabei immer
einen Bestandteil der Sprache besonders stark, zum Beispiel
einen Befehl oder eine Stimmung. Dann beobachteten sie, in
welche Richtung der Hund seinen Kopf drehte. Dies erlaubt
Rückschlüsse darauf, in welcher Hirnhälfte einzelne Sprachbestandteile verarbeitet werden.
„Der Input der Ohren wird zum größten Teil in die jeweils
gegenüberliegende Hirnhälfte übertragen“, erläutert eine der
Wissenschaftlerinnen. Schaut ein Hund also nach einem be-
stimmten Laut nach links, heißt das, dass die darin steckenden
Informationen vor allem in der rechten Gehirnhälfte verarbeitet
werden. Im ersten Experiment betonten die Forscher den Befehl
„come on then“ („na los“). 80 Prozent der Hunde drehten den
Kopf daraufhin nach rechts. Das deute darauf hin, dass die bedeutungstragenden Sprachbestandteile in der linken Hirnhälfte
verarbeitet werden. Verstärkten die Forscher hingegen die emotionale Betonung eines Befehls, wendete ein Großteil der Hunde
den Kopf nach links – diese Sprachbestandteile werden also
eher in der rechten Hirnhälfte verarbeitet, folgern die Wissenschaftler. „Das ist besonders interessant, weil die Ergebnisse
nahelegen, dass die Sprachverarbeitung im Hundegehirn auf
zwei Hirnhälften und damit sehr ähnlich wie beim Menschen
aufgeteilt ist“, erläuterte David Reby von der University of Sussex. Das bedeute nicht, dass Hunde alles verstehen, was ein
Mensch sagt. Aber sie achteten vermutlich darauf, wer etwas wie
sagt und was gesagt wird.
DIE WELT, Axel-Springer-Straße 65, 10888 Berlin, Redaktion: Brieffach 2410 Täglich weltweit in über 130 Ländern
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