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S
LE &
CHU
JOB
N o 0 4 / 1 4 -------------- j e t z t . d e
Drehmoment
Ein Heft über den Traum
vom DJ-Leben und
die Macht der Technik
Ich werde
Warenjongleur
Organisationsgenie
Datenspezialist
Kräuterkenner
Zahlenzauberer
IT-Künstler
Jetzt online bewerben!
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COVERFOTO FABIAN ZAPATKA
Liebe Leserin, lieber Leser,
wenn man etwas über die Zeit erfahren möchte,
in der man lebt, lohnt es sich zu schauen, wovon
die Leute in dieser Zeit träumen. Was sie sich wünschen:
in der Liebe, im Job, überhaupt im Leben. Was sie tun,
was sie werden wollen. Denn unsere Wünsche sind immer
auch Produkte unserer Möglichkeiten. In diesem Heft
gibt es deshalb Geschichten über Träume, Möglichkeiten
und Wünsche – den Traum, DJ zu werden (Seite 6), die
Möglichkeit eines freiwilligen digitalen Jahrs (Seite 28)
und den Wunsch, die Daten und Zahlen des eigenen
Lebens zu begreifen (Seite 22).
4 Zustand Was wir mögen, sagt, wer wir sind.
T
L
6 Träumen DJs sind die neuen Rockstars. Anton will einer werden.
14 Abhängen Warum Mädchen stolz sind auf ihre Faulheit.
A
H
IN
16 Eltern Wenn Mama Hilfe beim Onlinedating braucht.
20 Wissen Wichtiges und Unwichtiges zu MINT-Fächern.
22 Berechnen Wer Daten deuten kann, hat Macht.
28 Helfen Plädoyer für ein freiwilliges digitales Jahr.
30 Fühlen Wie echt ist eine Beziehung, die nur über das Internet geführt wird?
32 Rätsel Errätst du, welche Erfindung von welchem Erfinder stammt?
34 Interview Eine Partie „Mensch, ärgere Dich nicht“ mit Joko und Klaas.
jetzt 3
S&J No 04/14
Unser Geschmack wandelt sich im Lauf des Lebens. Doch zu jeder Zeit sagt das,
was wir gerade mögen, ein bisschen was über uns selbst.
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B
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Wen oder was hörst
du gerade?
Slowy & 12 Vince1
Wo war es zuletzt im
Urlaub super?
In Tunesien2
Welche Kleidung hast du zuletzt gekauft und gemocht?
Schuhe (New Balance 1500
BRT)3.
Welche Accessoires magst
du gerade?
Schuhe/5-Panel Caps
Auf welcher Website bist du
gerade Stammgast?
bandcamp.com
Welches Buch hast du zuletzt
gern gelesen?
Ich höre lieber Hörbücher
Welches Video hast du gerade gemocht oder empfohlen?
„Berlin Kidz“4.
Welche Fernsehsendung/
-serie findest du gerade gut?
„Sherlock“5
Welchen Film hast
du in letzter Zeit gesehen
und gemocht?
„Die Tiefseetaucher“
A
D
E
?
Welche Kunst findest du
gerade gut?
Die brasilianischen GraffitiKünstler Os Gêmeos6
Wo war die letzte gute Party?
Fusion
Welches Gericht hast du in
letzter Zeit gern gegessen?
Bananen7
Worauf könntest du im
Moment nicht verzichten?
Rauchen
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6
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Dominik, 24
5
1
2
7
4 jetzt
S & J N o 04 /1 4
WAS DOMINIK MAG, HABEN WIR HIER GEFUNDEN HHV.COM, BBC.COM, IMDB.COM, OSGEMEOS.COM.BR, ARRESTEDMOTION.COM, URBANSHIT.DE, BANDCAMP.COM
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VON TIM BRUENING / FOTO
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rewekarriere
Philipp G., ehemaliger Azubi,
jetzt stellvertretender Marktmanager
6 jetzt
S & J N o 04 /1 4
Platten
Spieler
Von DaViD SchelP / TexT & Fabian ZaPatka / FoTos
Seit DJs wie Rockstars
gefeiert werden, zieht es viele
junge Menschen ans Mischpult.
Aber gerade weil Auflegen
so leicht ist wie nie, ist es so
schwer wie nie, damit etwas
zu erreichen. Anton träumt
trotzdem davon.
Die Maschinen kommen in der Dunkelheit.
An einem winterkalten Aprilabend schaffen
drei Gestalten sie durch einen grauen Hinterhof, vorbei an Lüftungsrohren und kalkigen
Wänden, hoch in den vierten Stock eines Altbaus in Berlin-Mitte. Anton hat sie in weiße
Fleecedecken gewickelt, hat sie behutsam in
Umzugskisten und einem schwarzen Rucksack verstaut. „Hier sind die Schätze“, sagt er,
als er und zwei Freunde in die Wohnung wanken, in der er mit seiner Mutter und ihrem
Freund lebt.
Vor ein paar Tagen sind die „Schätze“ auf der
Geburtstagsparty einer Freundin zum Einsatz gekommen: zwei CD-Player, Mischpult,
Verstärker, Boxen. Anton, 18 Jahre alt, blonde Haare, fein gezeichnetes Gesicht, hat dort
aufgelegt. Zum ersten Mal vor Publikum. Drei
Stunden hat er fünfzig Tanzende mit Techno
beschallt, bis der Verstärker überhitzte. „Da
hättest du mehrere Spiegeleier nacheinander
drauf braten können.“
Hastig räumt er einen Stoß Schallplatten aus
dem Weg und wischt eine Handvoll Kondome
von einer weißen Tischplatte. Symmetrisch
ordnet er die Geräte darauf an, verbindet sie
mit Kabeln, schließt Strom an und drückt auf
„ON“. Nichts passiert. „Nee, jetzt muss ich
mir auch noch ’nen neuen Verstärker besorgen“, ruft er. „Fuck, ich würd voll gern auflegen heute!“
Seit etwa einem halben Jahr kauft Anton gebrauchtes Equipment. In einem eintägigen
Crashkurs hat er die Grundlagen der Musiksoftware Logic gelernt und sich auf der Suche
nach neuen Tracks tagelang durch Musikplattformen wie Beatport oder Soundcloud
gegraben. In seinem Zimmer übt er, die
Tracks in Sets zu mischen. Noch ist er ganz
am Anfang, aber in der Ferne lockt ein
Traum: Anton möchte DJ werden. Irgendwann will er in den Club.
Mitte der 2000er drängt Techno auf die Tanzflächen. Der Film „Berlin Calling“ und poppige Elektrohits machen die Subkultur, die in
den 90ern ihr erstes Hoch erlebte, zum Massenphänomen. Berlin, Antons Geburtsort,
wird so etwas wie die Welthauptstadt der
elektronischen Musik. In irgendeinem Park
oder unter irgendeiner Brücke findet immer
ein Rave statt. Clubs schießen aus dem Boden und ziehen Tausende Feiernde an. Antons Generation wird damit erwachsen, Techno prägt die Teenager der Stadt wohl mehr
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berlin,
antons
Geburtsort,
wird zur
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elektronischen
Musik.
tanzen
genügt
irgendwann
nicht mehr.
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15:0 0 Uhr Lerngruppe im Rathaus
18:0 0 Uhr Surfen Eisbachwelle
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als jedes andere Genre. „Die Kultur existiert
längst nicht mehr nur im Underground“, sagt
der Soziologe Jan-Michael Kühn, der in der
obersten Etage eines Ostberliner Plattenbaus
eine Doktorarbeit über die Technoszene der
Stadt schreibt. „Die wahnsinnige mediale
Präsenz hat dazu geführt, das DJing für viele
eine neue Form von Popstartum ist.“ Tanzen
genügt ihnen irgendwann nicht mehr. Sie wollen die Musik nicht nur konsumieren – sie
wollen sie spielen. Wer regelmäßig feiern
geht, versteht sich als Teil der wachsenden
Szene. „Aber nur wer vom Konsum in die
Produktion übergeht, gelangt in ihren Kern“,
erklärt Kühn. Man erlebe als aktiver Teil,
also zum Beispiel als DJ, ein tieferes und befriedigenderes Zugehörigkeitsgefühl als Leute, die einfach nur ausgehen.
Die Großen der Szene fliegen jedes Wochenende um die Welt. Manche DJs füllen ganze
Fußballstadien und kassieren üppige Gagen.
Der Niederländer Tijs Verwest verdient im
Schnitt sogar bis zu 250 000 Euro pro Auftritt. 2013 häufte er zehn Millionen mehr an
als Cristiano Ronaldo bei Real Madrid. Haben junge Menschen früher davon geträumt,
Drummer, Gitarrist oder Sänger in einer erfolgreichen Band zu werden, sind jetzt häufig
DJs die Protagonisten im Rockstar-Traum.
„Man muss sich nur mal das Tanzvolk in größeren Clubs ansehen“, sagt Olaf Möller von
Music Pool Berlin, einem Projekt, das jungen
DJs und Musikern hilft, im Kulturbetrieb
Fuß zu fassen. „Die starren gebannt nach
vorn wie bei einem Konzert und himmeln
den DJ an.“ Und welcher Teenager will das
nicht: angehimmelt werden?
Anton wirkt zumindest nicht wie einer, der
Fans will. Eher zurückhaltend und reflektiert. Dass er um jeden Preis ein Star-DJ werden will, geht ihm keinmal über die Lippen.
„Ich glaube, dass es mir Spaß machen würde,
in Clubs aufzulegen“, sagt er. Und immer
wieder: „Das Drumrum ist mir egal. Mir geht
es um die Musik.“
Vielleicht ist er so zurückhaltend, weil er verstanden hat, worauf es in der Szene ankommt
und was verpönt ist. „Wenn einer Charthits in
Clubmusik übersetzt wie David Guetta und
nur auflegen will, um Fame zu haben und Geld
zu verdienen, wird das als Ausverkauf wahrgenommen“, sagt Soziologe Kühn. Man müsse
das „subkulturelle Ideal“ des Berliner Techno
achten, um in der Szene anzukommen: Zurückhaltung statt großer Sprüche, Spaß am
Auflegen. Und echte Liebe zur Musik.
In Antons Leben hat Musik immer eine Rolle
gespielt. Er hat im Chor gesungen, Klavier
10 jetzt
S & J N o 04 /1 4
und Gitarre gespielt. Bis zur siebten Klasse
besucht er ein Musikgymnasium. Mit 15 fängt
er an, in Technoclubs zu gehen. Zuerst ist er
überwältigt: von der Lautstärke, den Lichteffekten, den zugedröhnten Nachtgestalten. Irgendwann hört er genauer auf die Sets der
DJs und merkt, dass ihm manche Tracks besonders gefallen – und andere überhaupt
nicht. Manchmal ist er verärgert, wenn er
morgens nach Hause kommt. Es wäre doch
gut, wenn überall, wo er ist, gute Musik laufen würde, denkt er. Wenn er seine Lieblingsstücke mit den Feiernden teilen könnte.
Vielleicht war es nie einfacher, DJ zu werden.
Niemand braucht heute noch einen großen
Maschinenpark aus Synthesizern, teuren
Plattenspielen und 500 Alben. Ein Laptop,
MP3s aus dem Internet und eine Software
zum Mischen tun es für den Anfang.
Vielleicht war es aber auch nie schwerer, DJ
zu werden. „Weil heute jeder auflegt“, sagt
Olaf Möller von der Künstlerberatung Music
Pool Berlin. Allein in der Hauptstadt gebe es
schätzungsweise 6000 DJs, die regelmäßig als
Residents in den geschätzten 200 bis 300
Technoclubs der Stadt spielen. Und mindestens noch einmal so viele, die darum ringen,
dorthin zu kommen. Nur ein geringer Prozentsatz dieser Masse schafft es an die Spitze.
Andere kommen nie über das Einsteigerlevel
hinaus. „Und das“, sagt Möller, „ist leider die
größte Gruppe.“ 95 Prozent der DJs hielten
sich gerade so über Wasser.
Es reiche schon seit zwanzig Jahren nicht
mehr, musikalisch zu sein und die Technik zu
beherrschen. Wer es in den Club schaffen
wolle, müsse Vorarbeit leisten, wie ein Unternehmer für sich werben: Sets auf Facebook,
Soundcloud oder der eigenen Internetseite
hochladen; ein Geschäftsmodell schreiben,
das haarklein skizziert, welche Musik man in
welchen Clubs spielen und wie man sich finanzieren will. Vor allem aber brauche man
Kontakte, sagt Möller: „Du musst so viele
Leute wie möglich anquatschen und von dir
überzeugen: Clubbesitzer, Partyveranstalter,
etablierte DJs.“
Das Aprilwetter ist warmer Maisonne gewichen. In einer dünnen Cordjacke läuft Anton,
die Kopfhörer um den Hals, durch Friedrichshain. Er wirkt unzufrieden. Vielleicht
liegt das daran, dass er sich ein paar Tage zuvor wieder für die Schule angemeldet hat. Er
möchte den Realschulabschluss nachholen,
später vielleicht das Abitur machen. Ein Jahr
hat er pausiert, seit er in der zehnten Klasse
den Anschluss verloren hat. „Ich habe mir
vorgestellt, dass ich mich in dieser Zeit selbst
entdecke, mich ein bisschen der Kunst widme“, sagt Anton. Dann schweigt er.
Ein paar Minuten später biegt er in einen
Sandweg, an dessen Ende ein ehemaliges
Heizkraftwerk freundlich in der Sonne
leuchtet: das „Berghain“. Es ist still im Club.
Nur ein paar Mitarbeiter tragen Kabeltrommeln und Getränkekisten durch leere Gänge. Im Treppenhaus unterhalten sich drei
Techniker unter der überlebensgroßen Fotografie einer Vagina.
Anton ist heute nicht zum Feiern gekommen.
Er will Ben Klock und Marcel Dettmann
treffen, die als Resident DJs regelmäßig im
„Berghain“ auflegen. Ihr Sound beeindruckt
ihn besonders. „Ich mag dieses Dolle und
Treibende, nicht so verspielt und ohne Gesang“, sagt Anton. Heute will er sie fragen,
wie sie es geschafft haben, DJs zu werden.
„Am Anfang war das echt hart“, sagt Dettmann, der sich an einem Besprechungstisch
im dritten Stockwerk des Clubs neben Ben
Klock niedergelassen hat. Ein berlinernder
Hüne mit langem, dunkelblondem Haar, kantigem Gesicht und freundlichen Augen. Er
wolle nicht wissen, wie viele „Scheißgigs“ er
gespielt hat: schlechte Anlage, unfreundliche
Veranstalter, miese Gagen. „Und das kann
Jahre dauern, bis du da überhaupt einmal
hinkommst.“
Dettmann ist in Brandenburg aufgewachsen,
eine halbe Stunde vor Berlin. Nach der Wende fängt er an, elektronische Musik zu hören.
In seinem Freundeskreis kursieren Mixtapes
mit den neuesten Tracks. „Da wollt ich natürlich mitmischen.“ Das Geld, das ihm Verwandte zur Jugendweihe schenken, investiert
Dettmann in Platten und Technics 1210er, die
Könige unter den DJ-Plattenspielern. Er organisiert Partys, nur um selbst auflegen zu
können. Bricht zwei Ausbildungen ab, um in
Plattenläden wie dem „Hard Wax“ in Kreuzberg zu jobben. „Ich wusst ja, wohin es für
mich gehen soll“, sagt er. „Alles andere hätte
mich nicht glücklich gemacht.“
Auch Ben Klock arbeitet unter der Woche
jahrelang als Grafikdesigner, bevor er entscheidet, sich allein als DJ durchzuschlagen.
Wie Anton hat er schon als Kind Musik gemacht und als Gitarrist in einer Band gespielt.
Über Jahre hangeln sich Klock und Dettmann von Auftritt zu Auftritt, bis sie irgendwann Resident DJs im „Ostgut“ werden, dem
Vorgänger des „Berghain“. Mit dem Club
werden sie weltweit bekannt. Meistens touren
sie von Donnerstag bis Dienstag durch Asien,
Australien, Europa, Lateinamerika, die USA.
anton
hätte nicht
gedacht,
dass berghain-DJs so
normal sind.
Wenn die
es geschafft
haben,
warum nicht
auch er?
In der restlichen Zeit produzieren sie Musik.
Wenn Marcel Dettmann davon schwärmt,
wie sehr er es genießt, seine Tochter in den
Kindergarten zu bringen oder den „Tatort“ in
der Mediathek zu gucken, wird klar, dass der
DJ-Beruf keine einzige Party ist. Sondern
auch ein Knochenjob.
„Und du willst auch DJ werden?“, fragt Ben
Klock Anton. „Deshalb auch die Kopfhörer“,
sagt Dettmann, „die hab ich auch, genau richtig für meinen Riesenschädel.“ Anton erzählt,
wie er im Club in der ersten Reihe tanzt, um
besser zu sehen, welche Knöpfe die DJs drehen und welches Equipment sie benutzen.
Dass er sich gern richtige Plattenspieler kaufen würde, auch wenn das finanziell natürlich
schwierig sei.
„Ich überlege immer noch, was ich dir jetzt
für ’nen Rat geben kann“, sagt Klock. „Is
schwierig, gibt ja keine Schule, wo du das einfach lernen kannst“, fügt Dettmann an. Dann
legen sie los.
Klock: „Als DJ musst du die Magie im Club
kreieren, die Leute mit deinem Set führen.“
Dettmann: „Und du musst Spaß dabei haben.
Wenn ich nur halb so viel Spaß beim Auflegen hätt, könnt ich das gar nich machen.“
Klock: „Ich glaube auch, dass eine Residency
total wichtig ist, um das Handwerk zu lernen.
Regelmäßig in einem Laden auflegen, egal,
wie klein der ist.“
Dettmann: „Promos verschicken an DJs und
Veranstalter, auch wichtig, wenn du später
selber produzierst. Aber schick denen nicht
zwanzig Tracks, schick denen deine drei besten, von denen du denkst: Da drehen die
durch, wenn se die hören.“
Klock: „Und überleg dir genau, ob du dir
überhaupt vorstellen kannst, ständig durch
die Welt zu reisen und allein in Hotels zu sitzen. Das hält nicht jeder aus.“
Als Anton später auf einer Eisentreppe vorm
Lieferanteneingang des Clubs sitzt, wirkt er
nachdenklich, vielleicht auch ein bisschen
überfordert. Bei ihm sei das ja alles noch
sehr weit weg. Er habe nicht gedacht, dass
„Berghain“-Residents ganz normale, nette
Menschen sind, sagt er dann. Der Gedanke
scheint ihn aber auch zu erleichtern. Wenn so
normale Typen das schaffen und dafür Jahre
kämpfen – schafft er es vielleicht auch?
Zwei Monate später, Anton ist gerade 19 geworden. Als er morgens aufwacht, stehen auf
dem Küchentisch ein Käsekuchen, ein Blumenstrauß – und ein silberner Technics-Plattenspieler mit einer blauen Schleife darum.
Fürs kommende Wochenende hat Anton
Freunde eingeladen, mit ihm in einem Park an
jetzt 11
S&J No 04/14
der Spree zu feiern. Er will einen Rave organisieren. Der DJ: Anton.
Durch brütende Julihitze drücken sich Bässe
über die Spree. Am Uferweg klebt ein Mädchen in Hotpants ein neongelbes „A“ an einen Laternenpfahl. Und einen Pfeil, der auf
eine kleine Wiese zeigt. Im Schatten einiger
Walnussbäume stehen 2,50 Meter hohe Boxentürme. Anton tritt unruhig von einem Fuß
auf den anderen. Er ist jetzt kurz davor, endlich wieder aufzulegen.
Um fünf vor acht dröhnt Minimal-Techno aus
den Boxen. Antons Freunde tanzen barfuß
im Gras. Einer hat sich ein T-Shirt um den Kopf
gebunden, andere schweben mit MDMA-
Lächeln auf den Lippen durch die Menge.
Den Kopfhörer am Ohr, steht Anton hinter
den Playern. Konzentriert dreht er an den
Knöpfen seines Mischpults, schaut immer
wieder auf zwei linierte DIN-A4-Blätter, seine Playlist. Passgenau bewegt er sich zur Musik, ungerührte Miene. Ab und an fischt er
eine neue CD aus einem roten Etui mit Reißverschluss. Bei den Übergängen unterläuft
ihm kein Patzer.
Eigentlich will Anton drei Stunden auflegen.
Es werden fast sieben. „Das war der anstrengendste Tag meines Lebens“, wird er eine
Woche später sagen. Er sagt es zufrieden und
auch ein bisschen stolz. Als Nächstes will er
endlich ein oder zwei Sets aufnehmen. Und
wenn er eines hat, mit dem er zufrieden ist,
möchte er es irgendwann der Mutter eines
Freundes schicken. Die ist Chefin des „Tresor“ und organisiert dort auch Veranstaltungen, auf denen Nachwuchs-DJs auflegen. Anfang der 90er hat die Berliner Elektroszene in
dem Club ihre Geburt erlebt. Anton war damals noch nicht auf der Welt. „Tresor“, das
war für ihn bisher eine Legende aus der Vergangenheit. Jetzt klingt der Name wie ein
Versprechen.
anton sagt: „Das war
der anstrengendste
tag meines lebens.“
12 jetzt
S & J N o 04 /1 4
Von Mercedes Lauenstein und christina Waechter / TexT
Sie sind antriebslos und faul, zeigen das
offen – und werden dafür gefeiert:
Die Slackermädchen erobern Internet und
Popkultur. Denn sie haben intuitiv
etwas verstanden, was andere
ihr ganzes Leben lang nicht lernen.
Manchmal sind die Ansprüche, die das Leben
an uns stellt, erdrückend. Deshalb kann es sich
herrlich anfühlen, sie einfach zu ignorieren.
Tagelang in derselben Jogginghose im Bett zu
lungern, die ganze Matratze mit Essen vollzubröseln, etliche Filme und Serien zu streamen.
Die meisten Menschen absolvieren diese
Flucht vor der Welt still und heimlich. Faulheit
und Motivationslosigkeit sind nichts, worauf sie
stolz sind. Seit einer Weile wächst jedoch die
Zahl von Tumblr-Bloggerinnen, die solche Bekenntnisse reihenweise in die Welt hinausschicken. Und dafür gefeiert werden. Sie schreiben: „Hab seit drei Wochen nicht mehr meine
Beine rasiert, egal.“ Oder: „Ich habe so wenig
Bock, aus dem Bett aufzustehen, dass ich mir
jetzt eine Standleitung zum Pizza-Lieferdienst legen lasse“. Oder: „Once I take my bra
off, don’t ask me to do shit for u bitch bc once
that bra comes off, I am clocked out of life. I am
done. I am finished. I am logged the fuck out.“
Dieser Tumblr-Eintrag wurde mehr als 350 000
Mal geteilt oder geliket.
Woher kommt die Begeisterung für diese
Worte eines wildfremden 17-jährigen Mädchens aus Wyoming? Warum lacht man darüber? Und warum ist man geradezu ein bisschen aufgeregt?
Wahrscheinlich ist es erleichternd, wenn sich
jemand traut, all die unfeinen Gedanken auszuformulieren, die man sich heimlich selbst so
oft macht. Das entspannt. Man ist im Innern
auf einmal weniger allein mit seinen Unsittlichkeiten.
Die beste Laune aber bereitet einem die Ahnung, dass das Slackertum nun endlich auch
offiziell bei den Frauen angekommen zu sein
scheint. Die männliche Variante hat schon lange einen festen Platz in der Welt der Popkul14 jetzt
S & J N o 04 /1 4
tur, von den Urmüttern aller Stonerfilme wie
„Cheech & Chong“ oder „Clerks“ bis hin zu
„The Big Lebowski“. Und auch im Kosmos der
Judd-Apatow-Filme („Knocked Up“, „The
40-Year-Old Virgin“, „Step Brothers“) wurde
der dauerkiffende, Unsinn quatschende Slacker ausgiebig gefeiert. Und weil Humor sehr
oft davon lebt, dass sich der Protagonist an
einem „Straight Man“ abarbeiten kann – also
irgendjemandem, der stellvertretend für den
Zuschauer den ganz normalen Spießer gibt –,
gab es in diesen Filmen für die Frauen meist
nur genau diese Rolle: die der „Straight Woman“, der augenrollenden Freundin, die den
Jungs die gute Laune verderben will, damit
sie endlich erwachsen werden.
Mit der Realität hat diese Rollenverteilung
eher wenig zu tun. Auch Mädchen graut es davor, erwachsen zu werden und Verantwortung
zu übernehmen. Und jetzt zeigen sie es öfter:
Sie sitzen phlegmatisch am Stadtbrunnen herum, hängen auf dem Supermarkt-Parkplatz ab
oder am See oder im eigenen Bett. Und natürlich im Internet. Dort können sie ihr leichtes
Aufmerksamkeitsdefizit nämlich am besten
ausleben und für null Anstrengung die schönsten Belohnungen bekommen: lustige Filmchen, den Kontakt zu Menschen, die sie nicht
anstrengen, wenn sie das nicht wollen, und natürlich: jede Menge anderer Slackermädchen,
mit denen es sich hervorragend über die eigene Motivationslosigkeit lachen lässt. Die auch
zwischen 13 und 30 Jahre alt sind, weder ein
klares Ziel vor Augen noch eine Topkarrierestrategie parat haben und auch keinen lückenlosen Lebenslauf zücken können. Die sich keinen Fitnessstudio-Body antrainieren, weil sie
sich keine „Abgerechnet wird am Strand“oder „Hol das Beste aus dir raus“-Mantren ver-
schreiben. Sie sind vielleicht nicht frei vom
Druck dieser gesellschaftlichen Ideale. Aber ihnen wirklich hinterherlaufen? Viel zu stressig.
Diese Slackermädchen also hat endlich auch
die Popkultur als taugliche Protagonistinnen
erkannt und in den vergangenen Jahren in
Filmen wie zum Beispiel „Young Adult“,
„Frances Ha“, „Bridesmaids“ oder der Serie
„Girls“ aufgegriffen. Doch wenn man genau
hinsieht, haben all diese Geschichten, trotz
großen Identifikationspotenzials und großer
Unterhaltsamkeit, die Kurve niemals ganz gekriegt. Dort gibt es weibliches Slackertum,
aber nie ohne schlechtes Gewissen, nie ohne
die Angst vor dem Versagen. Wenn die Ziele
im Leben aber, trotz allen Humors, Erfolg
und Prestige bleiben, dann ist die bewitzelte
Nachlässigkeit dazwischen wieder nur scheinheilige Koketterie.
In den USA wird jetzt aber eine Serie populär,
die das endgültig ändern könnte: „Broad City“
wurde von den beiden Hauptdarstellerinnen
Abby Jacobson und Ilana Glazer ursprünglich
fürs Web entwickelt, seit Januar läuft die Serie
auf dem US-Sender Comedy Central.
„Broad City“ verleiht dem Slackergirl ein Gesicht, das mit Demut nicht mehr viel zu tun
hat. Die Serie erzählt die Geschichte zweier
Freundinnen in New York. Ilana und Abby
halten sich mit unterbezahlten Nebenjobs
über Wasser, nennen sich gegenseitig „Dude“
und kiffen gern. Ilana ist zwar heimlich verknallt in einen Nachbarn, aber das wird selten
weiter thematisiert. Überhaupt geht’s nicht
dauernd um Typen und unerfüllte Liebschaften, sondern vor allem um die Freundschaft
der beiden Mädchen, das Rumhängen und die
uneitle Hoffnung auf die nächste Portion
Spaß. Irgendwann eine große Nummer zu sein
„Als Azubi bei der AOK habe ich
immer den Menschen im Fokus.“
tskasse
Tuncay Durgun, AOK – Die Gesundhei
Aufgaben mit viel Sinn. Eigeninitiative beweisen. Verantwortung
übernehmen. Persönliche Stärken entwickeln. Individuelle Perspektiven entdecken. Die AOK bietet motivierten Schülern (m/w)
Ausbildungen in unterschiedlichen Berufen.
oder die Beste in irgendwas – damit halten sie sich nicht
auf, ist ja eh ungefähr so wahrscheinlich, wie im Lotto zu
gewinnen. Warum sollte man sich also überhaupt auf all
die potenziellen Enttäuschungen einlassen?
Das widerspricht natürlich auf den ersten Blick allen derzeit vorherrschenden Mantren des guten Lebens und des
aktuellen Feminismus. Die diktieren einem schließlich:
Arbeitest du nicht diszipliniert daran, deine Talente in
Kapital umzuwandeln, mangelt es dir wohl an Selbstachtung, Stolz und Durchsetzungskraft.
Wahrscheinlich sind die Slackermädchen deswegen gerade
so beliebt. Weil sie das genaue Gegenteil beweisen: Weil
sie sich trauen, all der Selbstoptimierungsgesinnung den
Mittelfinger entgegenzuhalten, und zwar ohne als Fleißausgleich auf einen veganen Selbstversorgerhof zu ziehen.
Würde man Ilana oder Abby fragen, wo sie sich in fünf
Jahren sehen, würden sie vermutlich zurückfragen: Häh,
was ist das denn für eine anstrengende Scheißfrage? Und
damit zeigen, dass sie geschafft haben, wofür andere
Menschen ein ganzes Leben brauchen: zu verstehen, dass
man so sein darf, wie man gerade ist, wenn man schon
ungefragt auf die Welt geholt wurde. Dass es okay ist,
nicht viel mehr vom Leben zu wollen als ausreichend
Schlaf, eine entspannte Grundhaltung und gute Freunde.
Natürlich muss jeder tun, wozu es ihn drängt. Aber wenn
alle so verbissen damit beschäftigt sind, große Nummern
zu werden, Karriere, Kreativität und Konsum glanzvoll
und ohne Zeitverschwendung hinzulegen, dann ist keine
Zeit mehr übrig für das, was die Slackermädchen so gut
können: einfach miteinander zu sein, anstatt nur bei sich
selbst; immer jemanden zu haben, für den man bleibt, wer
man immer war; mit dem man sich an die Tanke setzen,
Cola trinken und sich blöde Witze erzählen kann, wenn alles andere den Bach runtergeht.
Berufseinstieg mit viel Zukunft:
Ausbildung bei der AOK.
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Mehr machen. Mehr bewegen. Mehr Zukunft. AOK.
Meine Mutter, ihr Date
und ich
Von Charlotte haunhorst / TexT & Jan robert Dünnweller / IllusTraTIon
Mit steigenden Scheidungsraten suchen
immer mehr Eltern neue Partner.
Ihre Kinder werden dann zu Beratern für
Onlinedating und Anlaufstellen bei
Liebeskummer. Manchmal ist das zu viel für sie.
Das Dorf, in dem Marlene und Luise wohnen,
ist winzig: Die Nachbarn starren schon, wenn
nur ein fremdes Auto vorbeifährt, falls überhaupt jemand auf der Straße ist. Kein Ort, um
sich unbemerkt zu verlieben. Und doch soll es
genau darum in dem Gespräch heute gehen:
um Liebe. Marlene und Luise sitzen also am
Wohnzimmertisch, es gibt vegane Muffins, ein
hellbrauner Welpe wuselt herum. Marlene hat
sich vor etwa zwei Jahren von ihrem Mann getrennt, seitdem sucht sie einen neuen Partner.
Online.
LUISE Manchmal gucken wir Profile von Männern auf Datingseiten zusammen an und kommentieren die. Dann sage ich schon: „Der sieht
doch nett aus – für sein Alter.“
MARLENE Manchmal fragst du auch: „Was tut
sich auf Parship? Mit wem telefonierst du?“
LUISE Aber optisch haben wir verschiedene Vorstellungen. Diesen Chemiker, den du gut fandest – den fand ich jetzt nicht so toll. Aber er
muss ja dir gefallen, nicht mir.
Marlene und Luise sprechen über Männer, als
wären sie beste Freundinnen. Sind sie aber
nicht. Sie sind Mutter und Tochter. Luise ist 18,
Marlene Mitte 50. Beziehungen und Partnersuche sind ein wichtiges Thema zwischen den
beiden – in beide Richtungen. Luise hat sich
lange Zeit einen Freund gewünscht; als sie 16
war, trennten sich ihre Eltern, und Marlene ist
auf einmal auch wieder Single. Eine ungewohnte Situation für die Tochter, die ihre Mutter bisher nur in Kombination mit dem Vater
kannte. Eines Nachts meldet Marlene sich
beim Onlinedating an, „aus Neugier und um
nicht vor dem Fernseher zu sitzen“, wie sie
heute am Wohnzimmertisch lachend sagt. Sie
ist lebenslustig, Typ Künstlerin, graue Haare in
wallender Mähne. Als die ersten Männer schrieben, musste sie ihrer Tochter davon erzählen:
LUISE Ich wollte wissen: Wer ist das? Gibt’s Bilder? Als du das erste Mal verliebt warst, hat es
mich amüsiert zu sehen, wie du rumgehüpft
bist, wenn er angerufen hat. Du hattest einen
richtigen Höhenflug damals.
MARLENE Als ich das erste Mal einen Mann
nach Hause brachte, war das für dich aber
trotzdem ein Hammer. Du hast gesagt: „Den
kannst du vergessen, Mama!“
LUISE Ich habe ihn anfangs ignoriert. Es war
halt doch komisch, dass du auf einmal einen
Freund hattest. Bis dahin waren wir ja länger
zu zweit gewesen.
Einer Studie des Bundesfamilienministeriums zufolge steigt die Zahl der Alleinerziehenden mit minderjährigen Kindern kontinuierlich. Im Jahr 2010 lebten 17 Prozent aller
minderjährigen Kinder mit nur einem Elternteil zusammen, in neun von zehn Fällen mit
der Mutter. Da viele Elternpaare sich erst
trennen oder scheiden lassen, wenn die Kinder nicht mehr ganz klein sind, ist ein Fünftel
der Kinder in Alleinerziehenden-Haushalten
älter als 15. Ein kompliziertes Alter für Beziehungen: Die eigenen kommen gerade erst
in Gang, aber man versteht genau, was es bedeutet, wenn Mama einen Mann mit nach
Hause bringt.
Sind Vater und Mutter noch zusammen, hinterfragen die wenigsten Jugendlichen die Beziehung ihrer Eltern. Erst wenn es schlecht
läuft, müssen sie sich darüber Gedanken ma-
chen. Und nach einer Trennung erleben sie die
Eltern plötzlich in einer ganz neuen Rolle: in
einer unsicheren, einer suchenden. Die frisch
getrennten Alleinerziehenden wollen in den
seltensten Fällen allein bleiben. Verständlich,
das Durchschnittsalter für eine Scheidung
liegt in Deutschland bei Anfang 40, es bleibt
genug Zeit, um von vorn anzufangen. Um zu
flirten, zu daten, sich neu zu verlieben. Oft ist
die Anmeldung zum Onlinedating der erste
Schritt in dieses neue Leben. Und die Kinder
bekommen diesen Schritt mit. Die Eltern lassen die Kinder teilhaben, sie erzählen, sie fragen. Aber wie sehr wollen und sollen die Kinder in diesen Prozess überhaupt eingebunden
werden?
Die Psychotherapeutin Marianne Rose setzt
sich in ihrer Praxis in Bonn vor allem mit den
Fällen auseinander, in denen die Kinder zu
stark von ihren Eltern in Anspruch genommen werden: „Parentifizierung“ nennt man
dieses Phänomen. Kinder werden zu Eltern
und umgekehrt. „Trennungen sind immer
schwierig und auch für die Eltern oft eine instabile Lebensphase. Die Kinder nehmen ihre
Eltern dann auf einmal als bedürftige Wesen
wahr“, sagt Rose. Und dann verschwimmen die
Grenzen: zwischen Neugier und Überforderung bei den Kindern. Zwischen dem Wissen
der Eltern, dass nicht alle Beziehungsdinge
die Kinder etwas angehen, und dem Gefühl,
sich mit jemandem über die neuen Erlebnisse
austauschen zu müssen. „Zunächst finden die
Kinder es toll, wenn sie für die Eltern auch
Ansprechpartner in Liebesdingen werden. Sie
fühlen sich wertgeschätzt. Oft schlägt das aber
jetzt 17
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auch in Überforderung um. Diese Kinder
kommen dann Jahre später zu mir in die Praxis und erzählen, dass sie sich von ihren Eltern
ausgenutzt fühlen“, sagt Rose. Denn natürlich
teilen Eltern auf Partnersuche nicht nur positive Erlebnisse mit den Kindern. Die bekommen auch mit, wenn ein Date die Hölle war,
der neue Freund fremdgeht oder Schluss
macht. Enttäuschungen gehören dazu.
Auch Marlene hat nach ihrer Trennung
schlechte Erfahrungen gemacht: Der erste
Mann, den sie zu Luise nach Hause bringt,
trennt sich nach einem Jahr von ihr – per Mail.
Danach Funkstille. Was man aus Teenie-Beziehungen kennt, betrifft auf einmal auch Erwachsene. Marlene leidet darunter, keine angemessene Erklärung für die Trennung zu
bekommen, und Luise leidet mit: Sie schauen
Rosamunde-Pilcher-Schnulzen und lackieren
sich auf der Couch gemeinsam die Zehennägel. Eine gute Zeit, sagen beide. Allerdings ist
es bereits die zweite schlechte Erfahrung, die
sie gemeinsam verarbeiten müssen.
MARLENE Eines Nachts schrieb mir ein angeblich alleinerziehender Vater in schlechtem
Deutsch. Zunächst dachte ich, dass da was nicht
stimmt. Und dann: Vielleicht ist er Engländer?
Wir haben auf Englisch geschrieben, und von da
an bin ich mit tollen Mails und Fotos bedient
worden – von ihm, seinem angeblichen Sohn, seinem Haus in England. Es ging rasant schnell.
LUISE Er hat dir Mails mit Herzchen geschickt,
und als du erzählt hast, dass du diesen Maler
magst, hat er – angeblich selbst nachgemalte –
Bilder von dem geschickt. Für mich sahen die
abgepaust aus. Aber du warst überzeugt. Was er
geschrieben hat, das war sehr gezielt auf dich
ausgerichtet.
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MARLENE Ich habe dann auch mit ihm geskypt.
LUISE Aber das war nicht er. Das waren FakeAufnahmen, die ständig dasselbe gezeigt haben: einen Mann, der schreibt und immer wieder in die Kamera lächelt. Nach einer Zeit sollte
ich ihm hallo sagen. Ich habe ihm gewinkt, und
er hat auch aufgeguckt, aber nicht zurückgewinkt. Ich fand das schon komisch.
Marlene ist das erste Mal seit der Trennung
von ihrem Mann verliebt. Ihre Tochter freut
sich für sie, ist gleichzeitig aber misstrauisch.
Aber soll sie das der Mutter sagen? Sie verletzen? Marlene will den Engländer unbedingt in
London treffen. Er ist begeistert, sagt aber
kurzfristig ab, nachdem sie einen Flug gebucht
hat. Dafür schickt er weiter Fotos: Bilder, auf
denen er seriös in Uniform posiert. So geht es
immer weiter, drei Monate, zu einem persönlichen Treffen kommt es nie. Marlene ist auf einen Love-Scammer hereingefallen, auf einen
Mann, der Frauen in Onlineforen anspricht
und auf ihre Bedürfnisse eingeht, nur um am
Ende Geld zu fordern.
LUISE Angeblich arbeitete er in Nigeria in einem Kinderprojekt, und sein Sohn wurde
krank. Er brauchte dringend Geld. Als Mama
gesagt hat, dass sie ihm keines geben kann, kam
ein böses Emoticon zurück. Da wurde sie skeptisch und hat mir die Unterhaltung gezeigt. Wir
haben die Uniformbilder noch einmal genauer
angeguckt: Das Namensschild auf der Uniform
war verpixelt, der Kopf in das Bild montiert.
Für Mama war das traurig, ich fand es aber
auch ein bisschen spannend.
MARLENE Ich habe mich geschämt, dass ich so
einem Betrüger auf den Leim gegangen bin.
Und wie ich ihn mir schöngeredet habe! Ich bin
danach in ein tiefes Loch gefallen.
Hätte Marlene nicht mit ihrer Tochter gesprochen, wäre das Schauspiel vermutlich viel länger weitergegangen. Luise übernimmt Verantwortung: Sie tröstet die Mutter, sagt ihr, dass
der Richtige schon noch kommen wird, dass
sie liebenswert ist. Sie tut das alles gern. Aber
ist das als Tochter ihr Job?
Psychologin Marianne Rose findet, Luise bekomme damit eine Verantwortung, der sie
nicht gerecht werden könne. Über die Grenzen
zwischen Eltern und Kind sagt sie: „Zu sagen,
dass man neu verliebt ist – das ist in Ordnung.
Aber wenn Kinder als Hilfskraft in die Partnersuche eingespannt werden, geht es zu weit.“
Dann sei Abgrenzung vonseiten der Kinder
angesagt.
Im Gegensatz zu Luise hat Paul häufiger das
Bedürfnis, zu seiner Mutter Stefanie „Nein“
zu sagen. Als sie sich von seinem Vater trennte,
kam er in die Grundschule. Seitdem hat Paul
einige Männer an der Seite seiner Mutter ein
und aus gehen sehen. Im kommenden Herbst
wird er nun ausziehen, ein Studium beginnen.
Paul ist eher schweigsam, seine Mutter hat ihn
zu diesem Gespräch ein bisschen überreden
müssen. Stefanie, 56, ist ein grundoptimistischer Typ. Sie arbeitet hin und wieder als Securitykraft bei Fußballspielen. Als sie erklärt,
sie könne somit sehr gut auf sich selbst aufpassen und brauche mit Paul keinen Beschützer,
feixt er. Richtig aus sich heraus kommt er erst,
als Stefanie von ihren bisherigen dreißig Dates
erzählt: „Was, so viele?! Ich habe vielleicht
fünf von denen gesehen!“, platzt es aus ihm heraus. Stefanie daraufhin locker: „Ich habe die
halt nicht alle mit nach Hause gebracht.“
PAUL Als meine Mutter sich vor ein paar Jahren bei Kwick registriert hat – das war ein Vorläufer der jetzigen Social Networks –, war ich
skeptisch. Ich selbst war da früher auch, bin
dann aber wie die ganzen anderen jungen Leute zu Facebook abgewandert. Seitdem ist es auf
Kwick richtig schlimm.
STEFANIE Was ich da im Chat erlebt habe – und
ich dachte wirklich, mir sei nichts Menschliches
fremd. Da ging es nur um dubiose Machenschaften und sexuelle Kontakte. Wenn man
dann so unbedarft ist wie ich anfangs, hört man
sich erst mal alles an. Weißt du noch der aus
Amerika? Der Geld von mir wollte?
PAUL Aber der war ja nicht echt, das habe ich
dir doch damals schon gesagt!
STEFANIE Paul ist so was wie mein Berater, er
kennt sich mit dem Internet ja viel besser aus.
Vielleicht ist es gerade die Digitalisierung, die
unser Eltern-Kind-Verhältnis nachhaltig verändern wird. Die Anmeldezahlen auf OnlineDating-Portalen steigen rasant, im Jahr 2011
waren 7,3 Millionen Menschen in Deutschland dort registriert. Oft sind es die Älteren, die nicht mehr durch Zufall in der Uni
oder auf einer Party eine neue Liebe finden
und deshalb auf Datingseiten ausweichen.
Gleichzeitig kennen ihre Kinder sich im
Netz viel besser aus. Psychotherapeutin
Marianne Rose muss bei diesem Thema lachen: Sie frage selbst immer ihre Tochter,
wenn sie mit dem PC nicht zurechtkommt,
gibt sie zu. Allerdings gehe es dabei nicht
um Onlinedating. „Sich von den Eltern abzugrenzen, Nein zu sagen, wenn es zu viel
wird – das ist ungemein wichtig“, sagt Rose.
„Da entwickelt sich momentan eine falsch
verstandene Offenheit zwischen Eltern
und Kindern. Die Kinder müssen doch erst
einmal ihr eigenes Leben sortieren, das ist
schon schwer genug.“
PAUL Manchmal erzählt meine Mutter mir
Sachen, die ich gar nicht hören will. Das
merkt sie aber schnell. Die Profile, die meine
Mutter bei diesen Börsen hat, kenne ich beispielsweise nicht. Das will ich nicht wissen.
STEFANIE Dann würdest du ja sehen, wie ich
mich verkaufe! Wobei ich auch denke, es
würde dich entlasten, das zu sehen – dann
wüsstest du zumindest, dass es nicht anrüchig ist. So denkst du dir ja sonst was.
PAUL Ich denke da gar nichts drüber. Ich
will es nur einfach nicht sehen.
Paul und Luise werden beide in nächster
Zeit ausziehen. Sie haben beide bereits eigene Beziehungen, über die sie viel (Luise)
bis wenig (Paul) mit ihren Müttern sprechen. Beide sagen, sie würden sich vor allem wünschen, dass ihre Eltern jemanden
finden, mit dem sie glücklich sind.
Auch wenn Abgrenzung für ein Kind
von Alleinerziehenden nicht immer einfach ist – eine Hoffnung gibt es: „Mit dem
Älterwerden ändert sich auch das Verhältnis von Kindern zu ihren Eltern. Schließlich werden die Kinder irgendwann auch
Erwachsene“, sagt Marianne Rose. Wie lange das dauert? Sie überlegt lange. Dann
sagt sie: „Meiner Erfahrung nach ab dem
vierzigsten Lebensjahr.“
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Erwachsen zu werden heißt, Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und auf Fakten zu achten,
die einem vorher ziemlich schnuppe waren. Also los! Heute: MINT-Fächer.
M.I.N.T.
Übersetzung Für alle Interessenten an den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik), die sich auch
in Richtung des englischsprachigen Raums orientieren möchten:
Da ist neben MINT auch die Abkürzung STEM gebräuchlich –
Science, Technology, Engineering, Mathematics. Fragt man sich natürlich: Warum diskriminieren die Angelsachsen die Informatik?
Aussichten In der stark auf Innovationskraft und Technologie fußenden deutschen Wirtschaft ist Nachschub an MINT-Akademikern gefragt. Außerdem gehen in den kommenden Jahren in diesem Bereich Jahr für Jahr mehr Leute in Rente. Noch ein Bonus:
Die Einstiegsgehälter liegen meist über dem Durchschnitt.
Abbrechen Die Jobaussichten mögen gut sein, das Studium selbst
ist offenbar für viele eine Qual: Im Bereich Mathe und Naturwissenschaften sind die Bachelor-Abbrecherquoten an den Unis und
Fachhochschulen am höchsten. Mehr als jeder Dritte schafft es
nicht bis zum Abschluss, an den Unis liegt die Abbrecherquote der
Mathe-Bachelorstudenten bei 47 Prozent. Auf Rang zwei der Negativliste: der Bereich Ingenieurwissenschaften mit 36 Prozent.
WENN DER CHEF NICHT HINSCHAUT …
Informatiker
Mathematiker
Ingenieur
Naturwissenschaftler
AUF LEINWAND
AUF DEM OHR
AUF PAPIER
„Good Will Hunting“
Professor entdeckt in Prügelproll Will Hunting ein Mathegenie. Der sieht nicht ein, warum er deshalb sein Leben ändern sollte.
Der Klassiker unter den Mathefilmen.
„The Social Network“
Der Film zur Facebook-Welteroberung, mit
einem wahnsinnig guten Jesse Eisenberg
als Mark Zuckerberg. Spätestens dieser Film
macht jedem klar: Programmieren ist Macht.
„Transcendence“
Johnny Depp spielt einen Wissenschaftler,
der das gesamte Menschheitswissen auf
Maschinen überträgt und diesen Emotionen
verleiht. Nachdem fortschrittsfeindliche Technikskeptiker ein Attentat auf ihn verüben,
macht er sich seine Technik zunutze. Alles
ziemlich übertrieben, aber spannend wie ein
WM-Finale.
U3000 – „Galaxie“
Obacht, Raketenforscher: Es geht hier um ganz
unbürokratisch angewandte Astronomie, nämlich ums Tanzen durch die Galaxie. „Ich hoffe auf
ein gutes Ende in diesen Sphären / ich werd mich
nie gegen Liebe wehr’n“.Frischer deutscher Indietronic, der definitiv noch länger in unserer Umlaufbahn kreisen wird!
Broken Bells – „Medicine“
Diese Supergroup (Inhaltsstoffe: Shins und
Danger Mouse) singt hier über ein pharmazeutisches Problem: Jemand nimmt seine Medizin
nicht und nervt alle mit seinen Schmerzen.
Morrissey – „Staircase At The University“
Großes Thema unter Bachelorstudenten, das
Morrissey hier mit Möbelpackergriff anfasst:
Leistungsdruck an der Uni! Der Song erzählt
von einem Mädchen, das sich die Treppe runterstürzt, weil es Daddy keine „drei Einser“ nach
Hause bringen kann.
Gary Shteyngart – „Super Sad True Love Story“
Die Menschen führen ihr Leben mit dem „Äppärät“,
einem pervertiert-hochgerüsteten Smartphone-Nachfolger, der automatisch „Fickfaktor“ und Einkommen
seines Besitzers anzeigt. Science-Fiction-Liebesgeschichte, aber in klug und satirisch.
Daniel Kehlmann – „Die Vermessung der Welt“
Die fiktive Doppelbiografie macht aus zwei deutschen
Wissenschaftslegenden – Mathematiker Carl Friedrich
Gauß und Naturforscher Alexander von Humboldt –
Menschen. Menschen, die krank sind und griesgrämig,
die ins Bordell gehen und Geburtstermine verpassen.
Historisch nicht immer einwandfrei, unterhaltungstechnisch schon.
Dave Eggers – „Ein Hologramm für den König“
Alan, ein alternder Loser, reist nach Saudi-Arabien,
um ein IT-Konzept für ein größenwahnsinniges Städtebauprojekt an den König zu verkaufen. Ein Roman
über die Tragik des Wirtschaftssystems.
WER HAT’S GELERNT?
Rowan Atkinson
Uschi Glas
hat einen Uni-Abschluss
in Elektrotechnik.
machte eine Ausbildung
zur technischen
Zeichnerin.
Dexter Holland
(The Offspring)
studierte
Molekularbiologie.
Dolph Lundgren
hat einen Master in
Chemieingenieurwesen.
Queen-Gitarrist
Brian May
hat einen Doktor in
Astrophysik.
Der Süddeutsche Verlag ist eine Tochterfirma der Südwestdeutschen Medienholding GmbH, einem der größten Medienhäuser
Deutschlands. An über 30 Standorten im In- und Ausland ist die Südwestdeutsche Medienholding in den Geschäftsfeldern
Tageszeitungen, Fachinformationen, Digitale Medien, Anzeigenblätter, Druck und Logistik sowie weiteren Dienstleistungen im
branchennahen Umfeld aktiv. Mit der Süddeutschen Zeitung gehört zur Südwestdeutschen Medienholding Deutschlands
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22 jetzt
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Vermessen
VON JAKOB BIAZZA / TEXT & JOANNA MÜHLBAUER / ILLUSTRATIONEN
Unser Autor weiß wenig über Statistik.
Aber die Statistik weiß viel über ihn.
Er wollte herausbekommen, was sich
mit diesem Wissen anstellen lässt.
Ein Selbstfindungstrip in die Welt der
Datenverarbeitung.
jetzt 23
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Die Analysten
Der Barista in meinem Stammcafé denkt, ich
betrüge meine Freundin. Er liegt falsch damit,
der Weg zu seiner Vermutung ist aber interessant: Als ich zum doppelten Espresso am
Samstagvormittag einen Cappuccino mit Sojamilch und am Sonntag einen normalen Latte macchiato mitgenommen habe, setzte er
ein wissendes Augurenlächeln auf und sagte:
„So, so!“ Und: „Das war gestern aber eine andere Kombination!“
Was der Mann gemacht hat, ist fortgeschrittene Datenverarbeitung. Er kennt meinen Namen. Er kennt meinen Familienstand. Er
weiß grob, wo ich wohne (irgendwo gegenüber), und ein paar Gewohnheiten hat er auch
noch gespeichert. Bringt er diese Informationen zusammen, kommt er zu dem zunächst
richtigen Schluss: wohl ein anderer Mensch
zum Frühstück. Nur beim „So, so!“ irrt er.
Und das ist symptomatisch für die Arbeit mit
Daten, die nicht Gruppen beschreiben, sondern einzelne Menschen. Und damit symptomatisch für diesen Text.
Ich will herausfinden, was Firmen, Menschen
und Institutionen heute schon über mich wissen. Wer hat welche Daten? Und welche
Schlüsse über mein – vielleicht sogar zukünftiges – Verhalten können sie aus ihnen ziehen? Daten sind die neue Währung, liest man
oft. Wer Daten richtig deutet, der hat Macht.
Aber was heißt das tatsächlich? Wissen Datenverarbeiter und Statistiker womöglich sogar etwas über mich, das ich selbst noch nicht
weiß? Warum schickt man mir personalisierte
Werbung für Outdoor-Sport und schnellere
Internetanschlüsse? Warum kostet meine Berufsunfähigkeitsversicherung mehr als die
des Freundes, der den Soja-Cappuccino getrunken hat? Und warum bekäme ich einen
Kredit von meiner Bank, ein Musikerfreund
aber nicht?
24 jetzt
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Ich falle ins „urban-nonkonforme Cluster“.
Genauer: mein Wohnhaus und mit ihm die
Bewohner. Unter meiner Adresse (wir reden
hier von der Hausnummer!) finden sich sehr
wahrscheinlich viele Menschen mit Abitur.
Sie sind „überwiegend ledig oder geschieden/
getrennt lebend“, außerdem oft Freiberufler,
Selbstständige und Studenten, die gern bei
Karstadt und Tengelmann einkaufen. Die
staatliche Altersabsicherung halten sie „für
unzureichend“, was sie vielleicht aus der FAZ,
der FR oder der SZ folgern. Die lesen sie
nämlich bevorzugt, und zwar am liebsten die
Themen Forschung und Wissenschaft, Politik,
Reisen. Freizeitverhalten: Kino, kulturelle Veranstaltungen, Mode, Joggen, Snowboarden,
Surfen. Das alles weiß die Acxiom Deutschland GmbH. Sie hat es berechnet, ihre Kunden können es in Analysen nachlesen. „Customer Insight View“ heißen die. Und die
Firma verdient damit sehr, sehr viel Geld.
Acxiom berät Kunden unter anderem bei
Markt- und Absatzplanung, hilft ihnen dabei,
Standorte mit dem richtigen Einzugsbereich
zu finden, die bereits vorhandenen Konsumenten noch genauer kennenzulernen und
potenzielle neue zu finden. „Und wir sorgen
dafür, dass sie weniger Streuverluste bei ihrer
Werbung haben – online und bei der Werbung per Post.“ Carsten Diepenbrock ist Managing Director bei Acxiom Deutschland.
Seine Firma hat das Land „in 1,46 Millionen
Straßenabschnitte“ eingeteilt. „Theoretisch
könnten wir 24,5 Millionen Häuser beschreiben.“ Weil darunter aber auch immer Einfamilienhäuser sind, geht das nicht. Der Datenschutz legt fest, dass eine beschriebene Zelle
aus mindestens fünf Haushalten bestehen
muss, damit der Einzelne anonym bleibt.
Neunzehn solcher Cluster benutzt Acxiom
zur Einteilung: „Hochetablierte Oberklasse“
heißt eines, „Aktiv-kleinbürgerliches Cluster“ oder „Großstädtisches Aufsteigercluster“
heißen andere. Dazu kommen zwölf Regiotypen, mit denen sie kombinierbar sind. Das
bietet schon in Deutschland viel Analysepotenzial. Nicht genau über mich als Person.
Aber über die Wahrscheinlichkeit, dass meine Nachbarn und ich mehr mit einem Outdoor-Katalog und schnellem Internet anfangen können als mit einem Gutschein für ein
Nagelstudio. „Heute kein Schokocroissant?“,
fragt der Barista im Stammcafé manchmal.
Wie beiläufig eher. Dieser perfide Datenanalyst! Oft nehme ich dann nämlich eines.
In den USA, wo es legal ist, Daten wie Geschlecht, Größe, Alter, Bildung oder Hinweise zur Gesundheit mit Kauf- und Zahlungsverhalten zusammenzubringen, explodieren
die Kombinationsmöglichkeiten von Acxiom.
Die „New York Times“ behauptet, die Firma
dringe tiefer in das Leben der Menschen ein
als das FBI. Oder Google. Oder Facebook.
Acxiom erhebt selbst keine Daten. Das Unternehmen kauft sie ein. Meine kommen von der
Gemini Direct marketing solutions GmbH.
Die
Selbstbestimmung
Und damit bin ich – zumindest auch – selbst
schuld. Auch! Das Bundesverfassungsgericht
hält das „Recht auf informationelle Selbstbestimmung“ für ein Grundrecht. Ich darf
grundsätzlich selbst bestimmen, wer was wann
und bei welcher Gelegenheit über mich erfährt. Aber ich habe mich schon oft entschieden, die Selbstbestimmung herzugeben. Weil
ich – wie so viele von uns – die allgemeinen
Geschäftsbedingungen bestätige, ohne sie zu
lesen. Und weil ich nicht auf meinen AppleAmazon-Libri-Sonstwas-Komfort verzichten
will, obwohl ich in den AGB gelesen habe,
dass Daten gespeichert und unter bestimmten Umständen weitergegeben werden.
Wenn wir solchen Bedingungen zustimmen,
geben wir freiwillig die Kontrolle über unsere
Daten ab. Und wir werden sie, wenn sich
nichts grundlegend ändert, auch nicht mehr
zurückbekommen, obwohl das Bundesdatenschutzgesetz theoretisch einen Pfad legt:
„§ 34 – Auskunft an den Betroffenen“.
Das Gesetz klingt in der Theorie gut. Ich
kann von sämtlichen Gewinnspielanbietern,
Versandhändlern oder Handyherstellern
Auskunft darüber verlangen, welche Daten
sie über mich gespeichert haben. Das erscheint im ersten Schritt leicht. Und im zweiten unmöglich. Apple etwa schickt mir auf
Anfrage ein PDF und drei große Excel-Tabellen. Darin: Name, Adresse, E-Mail-Adresse, alles, was ich bei iTunes gekauft habe,
sämtliche iCloud-Backups für sämtliche Geräte, Softwareaktualisierungen, jeweils mit
IP-Adressen. Und sehr viele Zahlen, die ich
nicht verstehe.
Aber meine Daten liegen auch bei unzähligen
Firmen, bei denen niemand nachfragt, weil
der Laie nie von ihnen hört. Oder wer, bitte,
kennt Schober Direct Media? Und selbst
wenn: Die Firma hat meine Adressdaten be-
reits weiterverkauft. An die Kabel Deutschland Vertrieb und Service GmbH sowie an
die Deltavista GmbH – ein Datenanalyst wie
Acxiom. Erhalten hat sie sie übrigens von der
Schober Information Group. Die ist nicht
mehr tätig. Vorher gingen meine Daten allerdings unter anderem an Bürgel Wirtschaftsinformationen, M-net, panadress marketing
intelligence oder GP Health Products.
Die Versicherungen
Was genau Firmen tun, wenn sie Daten analysieren, verrät übrigens niemand. Weil es
wettbewerbsrelevant ist und daher ein berechtigtes Interesse daran besteht, es der Konkurrenz nicht zu verraten. Thomas Franze schaut
in einem kleinen Besprechungszimmer bei
der Allianz in Unterföhring deshalb hin und
wieder unsicher zu der Pressesprecherin, die
mit am Tisch sitzt und aufpasst. Manchmal
fragt er auch direkt nach, ob er etwas erzählen darf. Meistens darf er. Franze ist Aktuar,
Versicherungsmathematiker also. Er versteht
die Algorithmen, die aus losen Daten Korrelationen herausfiltern und dann zum Beispiel
berechnen können, mit welcher Wahrscheinlichkeit bestimmte Schäden eintreten. Er ist
also verantwortlich für den „Kern einer Versicherung“, wie er sagt. Mit Ergebnissen wie
denen von Franze legen Versicherungen fest,
wie viel ihre Produkte für den Kunden kosten
müssen, damit die erwarteten Schäden finanzierbar sind – und die Versicherung noch Gewinn macht.
Früher, als die Analysen weniger ausgereift
waren, arbeitete man mit gröberen Werten:
Sehr junge und sehr alte Autofahrer verursachen beispielsweise überdurchschnittlich viele Unfälle. Sie müssen deshalb mehr bezahlen. Franze und seine Kollegen können solche
Kundengruppen inzwischen weiter aufschlüsseln und die Risiken genauer benennen. Primäre Daten wie Typklasse des Autos, Alter
des Fahrers oder die Kilometer, die er im
Jahr fährt, werden kombiniert mit sogenannten Stellvertretermerkmalen: Welcher Berufsgruppe gehört der Kunde etwa an? Ist er
beispielsweise ein Beamter? Alles, was damit
korreliert, wie viele Unfälle ein Mensch im
Schnitt baut, kann sich auch auf den Preis
auswirken. Wer mehr über Menschen, ein
Haus, ein Auto oder eine Fabrik weiß, kann
genauer rechnen, kann das Risiko besser einschätzen, kann seine Preise genauer kalkulieren. Und hat damit einen Wettbewerbsvorteil. Wenn ich bei Check24 die Daten eingebe,
die für die Kalkulation einer Versicherung
für mein Auto verlangt werden, und den Beruf dann auf „Angestellter im öffentlichen
Dienst“ ändere, werden die Angebote teurer.
Mache ich dasselbe mit dem Auto meiner Eltern, werden sie günstiger. Deutlich. Auch bei
Berufsunfähigkeitsversicherungen sind solche Korrelationen relevant: Menschen mit
bestehenden Allergien entwickeln leichter
neue Allergien. Deshalb wird eine Versicherung einen Bäcker mit Heuschnupfen wegen
der Gefahr, dass er an einer Mehlstauballergie
erkrankt, nur unter Auflagen gegen das Risiko
versichern, berufsunfähig zu werden.
Wie weit das theoretisch gehen kann, sieht
man heute schon in anderen Ländern und an
anderen Versicherungen. In New York müs-
CRE ATIVE MEDIA EDUCATION
DIGITAL
FILM & VFX
Diploma,- Bachelor- und Masterabschlüsse
in der Kreativbranche
Audio I Film I Web I Cross-Media I Games
Informationen zu Kursen und Studiengängen unter
www.sae.edu
TAG DE
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12. OKT
2014
jetzt 25
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26 jetzt
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sen Kunden ohne Hochschulabschluss beispielsweise 41 Prozent mehr für die Versicherung des gleichen Fahrzeugs zahlen als
Akademiker. Das nächste Projekt steht kurz
bevor: Elektronische Fahrtenschreiber könnten bald tatsächlich das konkrete Fahrverhalten kontrollieren und die Preise danach ausrichten. Für den Einzelnen. In Großbritannien,
Frankreich und Italien passiert das schon. Der
US-Versicherer United Healthcare bietet Rabatte für Kunden, die drei Monate lang mit
einem Schrittzähler beweisen, dass sie mindesten 5500 Schritte pro Tag gehen.
Die Zukunft
Man muss auch das einmal sagen: Das Sammeln und Auswerten von Daten ist nichts per
se Schlechtes. Datenanalysen können zeigen,
ob Medikamente oder Therapien wirken. Sie
können vorhersagen, wann bestimmte, vielleicht auch lebenswichtige Teile in Produkten
warum kaputtgehen. Sie können bei Katastrophen helfen, den Bedarf an Hilfsgütern
für einen bestimmten Ort zu ermitteln. Oder
sie können verhindern, dass mein Konto geplündert wird, weil meine Kreditkarte gehackt wurde. Man muss das wissen, um zu
verstehen, warum Stefan Rüpings Begeisterung für das Thema sogar durchs Telefon
noch ansteckt. Rüping ist Geschäftsfeldleiter
Big Data Analytics am Fraunhofer-Institut
für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS. In Deutschland wird gerade
wohl nirgends ambitionierter an der Auswertung von gigantischen Datenmengen geforscht als an dem Institut in Sankt Augustin
bei Bonn. Ob er in die Zukunft schauen könne? Ob er mir aus Daten theoretisch etwas
über mich erzählen könne, das ich noch nicht
weiß? „Den einzelnen, konkreten Menschen
zu beschreiben oder gar vorhersagen zu wollen, das geht in den meisten Fällen nicht.“
Man hört der Antwort das leicht schmunzelnde Kopfschütteln an – Rüping hat dieselbe
etwas abwegige Frage offenbar schon ein
paar Mal zu oft beantworten müssen. Ob jemand zum Beispiel ein Schokocroissant
kauft, hängt viel zu sehr vom Moment ab: Ist
mir der Barista, der es mir anbietet, sympathisch? Bin ich gerade in Eile, satt oder hatte
eben erst einen Schokoriegel? Der Einzelne,
Rüpings Ton wird da wieder euphorischer, sei
aber auch nicht entscheidend.
Die Arbeit in Sankt Augustin wird immer
dann besonders genau, wenn es sehr viele Daten gibt. Beispiel: Mit den „Fraud Detection“Technologien des Instituts lässt sich beinahe
in Echtzeit erkennen, ob Diebe eine gestohlene Kreditkarte benutzen. Das Prinzip gleicht,
extrem vereinfacht, dem des Allianz-Aktuars
Franze. Nur mit sehr viel mehr Daten: Rüping und seine Kollegen haben Unmengen an
Informationen über Kreditkarten zusammengetragen. Darin suchen sie nach Regelmäßigkeiten und Korrelationen: Wer A, B
und C gemacht hat, der wird mit großer
Wahrscheinlichkeit irgendwann auch D machen. Folgt auf C aber plötzlich X, ist etwas
nicht normal. Wird eine Karte, mit der zum
Beispiel eben noch in Frankfurt bezahlt wurde, nur eine Stunde später in New York verwendet, möglicherweise erst mit einem kleinen, kurz danach mit einem sehr großen
Betrag, dann erkennt der Algorithmus ein typisches Muster von Kreditkartendieben.
Dann kann die Karte gesperrt werden. Mit
demselben Verfahren könnten Zollbehörden
zum Beispiel auch illegale Importe aufspü-
ren. Wer sehr genau weiß, wie normales Verhalten in einer bestimmten Umgebung aussieht, kann Abweichungen erkennen. Heißt
das dann auch: Wenn ich nur genug Daten
über vergangene Verbrechen habe, kann ich
zukünftige vorhersehen? „Nicht von einzelnen Menschen. Hotspots lassen sich aber
identifizieren.“ Und Emotionen in größeren
Gruppen. Im Auftrag der EU arbeitet das
Fraunhofer IAIS gerade an einem Projekt,
mit dem beispielsweise bei Naturkatastrophen eine Art Stimmungslandkarte berechnet werden soll. Algorithmen lesen Twitter
und Facebook und versuchen, aus Reizwörtern Dinge wie Panik, Ärger oder Freude abzuleiten. Bei Massenveranstaltungen wie etwa Fußballspielen ließe sich damit vielleicht
sogar erkennen, dass die Stimmung sich aufheizt. Aber wäre das beim Arabischen Frühling dann auch gegangen? Könnte man damit
vergleichbare
Revolutionen
verhindern?
„Wahrscheinlich hätte man da zu wenige Daten gehabt, um Vorhersagen zu treffen.“
Mit diesem Wissen liest sich eine Meldung
aus dem Mai gleich anders: Facebook kündigte da an, mit „Audience Insights“ Werbekunden Daten seiner Mitglieder anzubieten. Natürlich beteuert das Unternehmen, dass die
Daten nur anonymisiert zum Einsatz kommen und dass nur Daten ausgewertet werden,
die die Nutzer selbst veröffentlicht haben.
Und man werde nur mit „vertrauenswürdigen
Partnern“ arbeiten. Eine der genannten Firmen: Acxiom.
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S&J No 04/14
Auf Heimatbesuch bei meinen Eltern erledige ich häufig
digitale Hausarbeiten. Ich lade Apps herunter, aktualisiere Virensoftware, schließe Drucker an. Alles, was so
anfällt. Und es fällt oft was an.
Solche generationsübergreifende Hilfe in Sachen Digitalisierung ist Alltag. Auch die Große Koalition hat die
Idee aufgegriffen. Das Familienministerium soll ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) Digital einführen. Sonderlich
weit ist das Ministerium noch nicht gekommen in seiner
selbst betitelten „Prüfphase“. Aber klar ist: Im Prinzip
soll das Netzjahr so funktionieren wie das bisherige FSJ,
nur eben mit Computern. Die Freiwilligen sollen Senioren im Altenheim erklären, wie man mit den Enkeln in
einer anderen Stadt skypt. Oder im Kindergarten zeigen,
wie Kinder sicher auf Facebook unterwegs sind. Wer programmieren kann oder sich mit Blogging-Software auskennt, zieht eine neue Vereinswebsite hoch oder bastelt
eine App für eine Kunstausstellung.
Die Idee ist gut: Das Netzjahr hilft nicht nur dem kleinen
Museum, das mit dem Internet so vertraut ist wie Mark
Zuckerberg mit edlen Anzügen. Es ist auch eine Gelegenheit für Bewerber, sich intensiver mit Code und Algorithmen zu beschäftigen, als sie das beim täglichen Facebook-Besuch tun dürften.
Oft werden meine Generation und ich „Digital Natives“
genannt, also Eingeborene in einer digitalisierten Welt.
Die Vorstellung stimmt nicht, fi nde ich. Auch wir Jüngeren müssen erst lernen, uns in dieser Welt zu bewegen.
Das mag selbstverständlicher und spielerischer passieren
als bei Älteren – aber passieren muss es. Das Problem:
Unser Interesse reicht oft nicht sehr weit. Es endet, wenn
wir wissen, wie man Informationen im Netz googelt, wie
Hilfsbereit
VON ANGELA GRUBER / TEXT & FILIPEK / ILLUSTRATION
Das Freiwillige Soziale Jahr
wird digital: Zukünftig sollen in
dieser Zeit Apps programmiert
oder Opa das Skypen beigebracht
werden. Höchste Zeit! Denn
gerade die Digital Natives selbst
würden am meisten profitieren.
28 jetzt
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man Nachrichten verschickt und feststellt, ob der Adressat sie gelesen hat. Was die App im Hintergrund an Informationen sammelt? AGB akzeptiert. Wie das Ranking
der Suchtreffer zustande kommt? Wird schon passen. Wir
benutzen Technik, haben aber eigentlich keine Ahnung,
wie sie funktioniert.
Das digitale FSJ könnte das ändern. Wer eine Vereinswebsite aufbauen will, muss sich erst einmal eine dieser
allgegenwärtigen URLs besorgen – die kommen nicht
automatisch aus der Facebook-Timeline. Und irgendwo
müssen die Informationen, die mal ins Netz sollen, gespeichert werden. Also muss man Platz auf einem Server
anmieten. Wie geht das? Wie präsentiere ich die Informationen im Netz gut? Wie erreiche ich meine Zielgruppe,
zum Beispiel über soziale Netzwerke? All das könnten
zukünftige FSJler in ihrem Digitaljahr in konkreten Projekten lernen – es wäre ein „Grundkurs Internet“.
Ein Netzjahr für junge Leute: Das klingt so einleuchtend,
dass ich beim ersten Hören das Gefühl hatte, dass es so
etwas doch schon lange geben muss. Dass die Politik
längst reagiert hat. Immerhin ist ständig die Rede von der
neuen „Weltsprache Code“, von Programmierinitiativen
in Schulen, von den MINT-Fächern, die man danach, bitte schön, studieren soll. Niemand darf mehr prahlen, in
Mathe immer einen Fünfer gehabt zu haben. Das I in
MINT steht für Informatik – auch so ein Fach, dessen
Absolventen gefragt sind und geldmäßig ziemlich gut dastehen. Ein freiwilliges Digitaljahr könnte Lust auf einen
Job machen, der mit Informationstechnik zu tun hat –
auch wenn längst nicht jeder neue FSJler programmieren
muss. Eigentlich sollte es im Interesse der Politik liegen,
ein solches Projekt schnell zu starten.
Die Idee mit dem Digitaljahr ist aber erst vor etwa drei
Jahren entstanden, auf einer Bahnfahrt nach Berlin. Nico
Lumma, Co-Vorsitzender des SPD-nahen Netzvereins
D64, beratschlagte sich im Zug mit einer Kollegin, wie
junge Leute dazu gebracht werden könnten, sich mehr mit
digitaler Technik zu beschäftigen. „Die Jugendlichen
können durch ein freiwilliges Netzjahr viel lernen. Und
den Vereinen und Verbänden hilft es ungemein, wenn ein
junger Mensch frischen Wind in den Laden bringt“, sagt
Lumma. Er hofft auf spannende Projekte, bei denen die
FSJler mehr sind als die Erklärbären fürs Internet oder
bloße Technik-Hiwis. „Ich stelle mir so einen FSJler nicht
als billige Arbeitskraft vor, die Druckerpatronen austauscht“, sagt Lumma. „Es geht mir darum, dass junge
Leute sich in einem Bereich austoben können, der bisher
bei vielen Trägereinrichtungen brachliegt.“
Lummas Idee kam an. Die SPD-Fraktion brachte sie im
Frühjahr 2013 als Antrag im Bundestag ein. Schon nach
den Bundestagswahlen im September landete sie dann
im Koalitionsvertrag von Union und SPD, unter dem
Punkt „Digitale Bildung und Forschung“ – Warp-Speed
in der Politikzeitrechnung. Seitdem dümpelt die Idee
aber vor sich hin. Viele FJSler starten jedes Jahr zum
1. August oder 1. September in ihren Freiwilligendienst.
Rund 50 000 sind es jedes Jahr. 2014 waren noch keine
Digitalanwärter dabei, es gab noch keine Angebote. Das
SPD-geführte Familienministerium soll das Modellprojekt planen, ziert sich aber bei der Frage, was denn schon
vorangegangen sei. Wann die ersten FSJler mit ihrem
Netzjahr loslegen und wie viele es sein werden? Das Ministerium will sich nicht festlegen.
Aber bleiben wir positiv: Vielleicht dürfen im Herbst
2015 die ersten Freiwilligen in ein Netzjahr starten. Altenheime, Kindertagesstätten oder Vereine sollten das
Modellprojekt dazu nutzen, ihrerseits neue Projekte anzustoßen und sich mehr mit dem Digitalen zu beschäftigen. Dann kommen auch spannende Angebote für FSJler raus – nicht nur für Programmiercracks. Andersherum
könnte das Netzjahr auch diejenigen für ein Jahr im
Dienst einer guten Sache begeistern, die das FSJ bisher
langweilig und öko fanden. Das Netzjahr könnte so dem
fünfzig Jahre alten Freiwilligendienst helfen, ein bisschen
moderner zu werden.
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Nicht zu fassen
Wie echt können Gefühle für einen Menschen
sein, den man noch nie gesehen hat? Wie real
ist eine Beziehung, die nur via Chat geführt
wird? Das fragte sich unsere Autorin, als sie
vom Freund ihrer kleinen Schwester erfuhr.
VoN Wlada KolosoWa / TexT
Meine vierzehnjährige Schwester hat den Menschen, der sie am besten kennt, noch nie gesehen. Dabei verbringt sie fast jede wache Minute mit B. – wie sie ihn für diesen Text nennen
möchte. Sie machen Hausaufgaben zusammen, gucken Youtube-Videos, hören Musik
und trösten sich, wenn es Stress mit ihren Eltern gibt. Sie haben sich noch nie getroffen,
noch nie Fotos ausgetauscht, noch nie die
Stimme des jeweils anderen gehört. Und trotzdem sagt meine Schwester: „Wenn etwas
Schlimmes passieren würde, würde er als Erster davon erfahren.“
Meine Schwester und B. haben sich vor zwei
Jahren in einem Onlinespiel-Forum kennengelernt. Dinge, die ich über ihn weiß: Er ist ein
Junge. Er ist drei Jahre älter als meine Schwester. Er wohnt etwa 400 Kilometer von ihr entfernt, und sie haben nicht vor, sich in absehbarer Zeit zu treffen. Natürlich ist meine
Schwester nicht der erste Mensch, der sich jemandem nahe fühlt, ohne ihn jemals gesehen
zu haben; Brieffreundschaften gibt es seit
Jahrhunderten. Das Internet hat das Ganze
beschleunigt, und spätestens seit Tom Hanks
und Meg Ryan sich in „e-m@il für Dich“ verliebten, weiß die Welt, dass Textzeichen ausreichen, um Gefühle für jemanden zu entwickeln.
Allerdings wäre ein Brieffreund wohl nie so
omnipräsent wie B. Weil meine Schwester ein
Smartphone hat, ist er immer mit dabei, in ihrer Hosentasche. Egal, wohin ich mit ihr gehe
– es ist eine Verabredung zu dritt. Am See und
im Buchladen fiept Whatsapp. Wenn wir einen
30 jetzt
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Film auf ihrem Laptop gucken, ploppen in der
Ecke Skype-Nachrichten auf. Manchmal sage
ich B. hallo, tausche mit ihm ein paar Sätze aus.
Aus Neugier. Und um sicherzugehen, dass er
kein glatzköpfiger Fünfzigjähriger ist, der sich
als Teenager ausgibt.
Ich kenne solche Nähe aus der Ferne von Zeiten, als 6000 Kilometer meinen Freund und
mich trennten. Was ich aber nicht verstehe:
Sind die beiden nicht neugierig auf ihre Gesichter? Meine Schwester schämt sich nicht
mehr für ihr Äußeres als jede andere Vierzehnjährige. Hat sie etwa Angst, dass sie nicht
damit zurechtkommt, wie B. aussieht? „Nö.
Ich würde ihn immer mögen“, sagt sie und
denkt eine Weile nach. „Auch wenn er übergewichtig wäre.“ Sein Äußeres sei ihr egal: „Auf
dem Schulhof geht es nur darum, welches
Mädchen den geilsten Arsch hat, welcher Junge die neuen Nike Air Max. Das will ich nicht“,
sagt sie. „Mit B. ist es, als seien unsere Gehirne
direkt miteinander verbunden.“
Ich mache mir keine Sorgen, dass meine
Schwester zum Geek wird, die Computer dem
echten Leben vorzieht: Sie liest gern, spielt
Gitarre, malt. Sie hat Freunde aus Fleisch und
Blut. Eigentlich war es ja gar nicht so schlecht,
dass sie zusätzlich eine Bezugsperson hatte,
die ihr das Furchtbare der Teenagerbeziehungen erspart: das zermürbende Abhängen in
der Fußgängerzone; nicht zu wissen, wohin mit
seinen Händen; Pickelscham. Warum war ich
trotzdem so skeptisch? Ich habe ja selbst
Freundschaften, die allein bei GChat, Whats-
app und Skype stattfinden. Der Unterschied:
Sie begannen bei Kaffee und Bier und sind
erst dann ins Netz abgewandert. Zwei Fragen
trieben mich in Bezug auf B. um: Wie echt ist
jemand ohne ein Gesicht? Und: Wie real ist
eine Beziehung, die man sich so hinbiegen und
dosieren kann, wie man gerade möchte? Chatten ja, Skype-Telefonie nein. Nachrichten verschicken ja, Fotos austauschen nein.
Die Antwort bekam ich, als ich mit meiner Familie „Her“ guckte. In dem Film verliebt sich
der introvertierte Theodore in Samantha. Samantha ist lebenshungrig, einfühlsam und
kann ein Buch in zwei Hundertsteln einer Sekunde lesen. Sie ist ein höchstintelligentes
Computerbetriebssystem. Samantha hat starke Gefühle für Theodore. Was sie nicht hat, ist
ein Körper oder ein Erscheinungsbild. Nur
ihre Stimme, die aus Theodores smartphoneähnlichem Gerät dringt.
Meine Schwester, die für romantische Filme
sonst nur Würgegeräusche übrig hat, stellte für
„Her“ sogar ihr dauerfiependes Handy auf
lautlos. In einer Szene fährt Theodore mit Samantha in die Berge. Ohne Ton sähe es aus, als
würde er allein in der Berghütte Schnaps trinken, allein tanzen, allein lachen. Meine Mama
sagte: „So ein einsamer Urlaub muss traurig
sein.“ Meine Schwester war empört: „Aber er
ist doch gar nicht einsam! Sie ist doch da.“ Diese Handlung sei unrealistisch, sagte Mama.
„Und die anderen Filme? Die Plots ‚Heißer
Mann trifft heiße Frau, und dann leben sie
glücklich bis an ihr Lebensende‘? Sind die re-
alistisch oder was?“, fragte meine Schwester.
An diesem Abend habe ich verstanden, dass B.
für meine Schwester nicht weniger real ist, als
ich es bin. Manchmal findet sie es schade,
dass sie mit B. nicht Eis essen oder zusammen
Fahrrad fahren kann. Dafür können sie mit
Google Earth um die Welt fliegen, gleichzeitig Serien gucken, einander gute Nacht sagen,
bevor ihnen die Augen zufallen. Küssen würde sie schon gern, aber Beziehungen, die sie
aus der Schule kennt, findet sie eher blöd:
„Zusammensein heißt, ständig Händchen zu
halten und rumzumachen. Viele knutschen
auch die ganze Zeit, weil sie sich nichts zu sagen haben.“
Anfangs sah ich in B. eine Realitätsflucht. Einen Freund, zu dem man das gewünschte Äußere dazufantasiert. Eine Beziehung, die man neben dem Fernsehgucken pflegen kann und
einfach ausschalten, wenn man keine Lust
mehr hat. Aber das wäre zu einfach. In „Her“
giftet Theodores Exfrau, dass er „in sein Laptop verliebt ist“, dass er eine Beziehung ohne
die Herausforderung von etwas Echtem möchte. Aber wer sich nicht von Angesicht zu Angesicht begegnet, macht sich trotzdem Sorgen,
streitet sich, vermisst sich. B. lernt mit meiner
Schwester für Französischklausuren. Wenn sie
zu spät aufbleibt, schickt er sie ins Bett. Wenn
sie nicht schlafen kann, bleibt er mit ihr wach.
Als es einmal im Urlaub keine Internetverbindung gab, lief meine Schwester herum, als hätte
man ihr das Lächeln amputiert. Sie vermisste
ihn wie jedes andere Mädchen seinen Freund.
Nur eben nicht, weil er weggefahren war. Sondern weil kein Internet da war.
B. ist kein Freund-Tamagotchi. „Ich erzähle
ihm Sachen, über die ich mit niemandem reden
kann“,sagt meine Schwester. „Nicht weil er weit
weg ist. Sondern weil er – er ist.“ Vor ein paar
Wochen hat er sie gefragt, ob sie miteinander
telefonieren wollen. Sie hätte gern Ja gesagt,
hatte aber zu viel Angst vor peinlichen Gesprächspausen. Irgendwann will sie ihn treffen,
aber das hat keine Eile: „Vielleicht in zwei, drei
Jahren, wenn ich erwachsen bin“, sagt sie. Ich
frage sie, was sie tun würde, wenn er plötzlich
aus dem Netz verschwände. „Ich wüsste nicht,
wohin mit mir“, sagt sie.
Am Ende von „Her“ verlässt Samantha Theodore. Es ist nicht so, dass ihm ihr Geruch fehlt.
Oder ihre Haare auf seiner Schulter. So gesehen, ist nur eine künstliche Computerstimme
aus seinem Leben verschwunden. Aber sein
Liebeskummer ist echt.
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· Sie haben einen gesamten Notendurchschnitt von 3,5 und besser in den Fächern
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sich vorstellen, nach Ihrer Ausbildung in einer unserer Außenstellen tätig zu sein
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finden Sie auf www.bamf.de/Ausbildung. Bei Fragen helfen Ihnen gerne:
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1
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S & J N o 04 /1 4
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Das Papier des Magazins
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und aller in ihr enthaltenen
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soweit sich aus dem
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Verarbeitung der auch in
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Veröffentlichung gemäß art. 8
abs. 3 Bayerisches pressegesetz
Alleinige Gesellschafterin der
süddeutsche Zeitung Gmbh
ist die süddeutscher
Verlag Gmbh, München.
An dieser sind beteiligt:
südwestdeutsche Medien
holding Gmbh, stuttgart: 81,25 %;
sV Friedmann holding Gmbh,
Grünwald: 18,75 %.
Michael Veith
ulrich rüGer
das nächste
jetzt Magazin erscheint
am 20. oktober 2014.
VON JAKOB BIAZZA / INTERVIEW
Ein Gespräch über Rückschläge, bei einer Partie „Mensch, ärgere Dich nicht“.
Sonderregel: Schmeißt der Reporter eine Figur der Interviewten, darf er eine
unangenehme Frage stellen. Umgekehrt dürfen die schamlos bewerben, was sie wollen,
wenn sie es schaffen, eine Figur des Reporters zu schmeißen.
JOKOUNDKLA AS, ÄRGERE DICH NICHT
Ein Büro in Berlin. Joko und Klaas zögern kurz, bevor sie einander herzlich umarmen – als müssten sie erst schauen, ob der andere sich verändert
hat. Es stimmt wohl: Die Moderatoren von „Circus HalliGalli“ und
„Das Duell um die Welt“ (wieder am 25. Oktober) haben privat wenig
miteinander zu tun. Beruflich schon: Das Spiel wird immer wieder durch
lange, feixende Dialoge zwischen den beiden gebremst. Wir brechen nach
einer guten Stunde ab. Klaas hat da als Einziger wenigstens eine Figur
heimgebracht. Heißt: „Ihr habt beide verloren.“ Na dann:
Was war für euch beruflich bislang der schwerste Rückschlag?
KLAAS Ich wollte mal ein Buch schreiben und habe etwa bei der Hälfte
gemerkt, dass es scheiße ist. Das war echt hart. Weil es ein ambitioniertes,
großes Projekt von mir war, für das ich mir alle Möglichkeiten erarbeitet
hatte. Ich hätte das sofort veröffentlichen können, musste mir aber eingestehen: Damit möchte ich nicht zur Leipziger Buchmesse fahren.
JOKO Du hast mir doch im Auto mal was draus vorgelesen. Ich fand’s
gar nicht so schlimm.
Bei dir, Joko?
JOKO Hm, ich würde wirklich viel dafür geben, wenn wir dieses blöde
Gotye-Covervideo mit der Gitarre nie imitiert hätten. Ich dachte bis zu
diesem Tag, einigermaßen singen zu können. Und dann haben mich auf
einmal alle ausgelacht.
KLAAS Moment: Das dachtest du wirklich?! Du bist jetzt Mitte 30, richtig?
Joko lacht hier zum ersten Mal das kehlige Lachen, bei dem man mittlerweile mehr an die „Switch reloaded“-Kopie denken muss als an ihn.
Wie geht ihr mit solchen Rückschlägen um?
KLAAS Du musst das Scheitern als Fernsehmacher so wegpacken können, dass es dich wenigstens privat nicht komplett aus den Socken haut.
Sonst bist du falsch in dem Job. Selbst die Ideallinie ist beim Fernsehen
immer wieder von Rückschlägen gesäumt.
Das Spiel schleppt sich, tröpfelt. Beide antworten so konzentriert, dass
sie dauernd das Würfeln vergessen.
Habt ihr Instanzen im Team, die euch sagen, wenn etwas schlecht ist?
JOKO Und wie. Bei uns hat niemand einen Karrierevorteil, wenn er Ideen nur beklatscht. Eher, wenn man mal sagt: „Das ist ’ne Kackidee!“
Das Kompetitive sitzt bei den beiden offenbar wirklich tief. Als Klaas
Joko schlägt, erntet er dafür Ärger, der kaum gespielt sein dürfte. Dafür
trommelt Joko vor Freude wild auf den Tisch, als wir nacheinander je
eine Figur von Klaas erwischen.
Man muss für die unangenehme Frage etwas ausholen.
KLAAS Kein Ding. Mach ganz langsam, bring mich in die Stimmung.
Eure gemeinsame Karriere ist bislang ja eher eine Evolution. Nicht
einmal beim Senderwechsel gab es Brüche …
KLAAS ...sondern nur dieselbe Sendung mit anderem Namen, meinst du?
Genau. Und ihr sagt selbst, dass ihr das, was ihr tut – die Duelle, den
Talk –, nicht mehr größer, schneller, härter machen könnt. Was soll also
noch anderes kommen als ein Bruch?
KLAAS Ich verstehe, was du meinst, sehe es aber anders. Dadurch, dass
wir keine allzu starren Konzepte haben, dadurch, dass die Sendungen
so stark an uns als Charakteren aufgehängt sind, können sie sich auch
ganz organisch mit uns mitentwickeln. Die können in zehn Jahren immer noch gleich heißen und inhaltlich völlig anders sein.
JOKO Ich darf Klaas auch noch eine Frage stellen, weil ich ihn geschlagen habe, oder?
Unbedingt.
JOKO Was sind deine Hobbys?
KLAAS Ich habe nicht ein einziges.
JOKO Ist wirklich so, gell?
Heißt das, wenn du eine Band wie Gloria gründest, hat das sofort einen
professionellen Anspruch?
KLAAS Das war vielleicht ein Hobby, stimmt. Wir haben es dann aber
professionalisiert, um uns den Spaß zu bewahren. Weil du doch mit
nichts immer auf der Stelle treten kannst. Für mich ist ein Hobby sonst
eher so etwas wie eine Dampfeisenbahn haben. Oder einen Lötkolben.
Ach so: Das ist übrigens auch das, was ich bewerben kann: Man kann
das „Gloria“-Album nach wie vor kaufen.
Hast du Hobbys, Joko?
KLAAS Joko interessiert sich für die schönen Dinge. „Luxus Winterscheidt“ wird er auch genannt. Obwohl er eigentlich ein Sparfuchs ist.
Das „Bitte?!“, das jetzt folgt, schießt mit ehrlicher Entrüstung aus Joko
hervor.
JOKO Also, ich lasse mir ja vieles vorwerfen, aber nicht, dass ich kniepig
bin. Egal, wo wir hingehen, ich muss dir immer Kohle leihen. Die ich
nie wiederkriege. Ich hab dir sogar mal einen Flug gebucht! Da musste
ich deinem Manager Monate später eine Mail schreiben, damit ich das
Geld bekomme – du Luftikus!
Ich nutze den Ausbruch, um eine Figur von Klaas zu schlagen.
Habt ihr nicht Angst, mit diesen Nickligkeiten irgendwann zum eigenen Klischee zu werden?
KLAAS Es ist auf jeden Fall ein Thema, bei dem man im Fernsehen vorsichtig sein muss. Weil man so schnell in einen Modus gerät, in dem
man nur das Bild von sich bedient.
Was ist eurer Meinung nach diese Authentizität, die man so an euch lobt?
KLAAS Ich glaube, dass wir am Ende des Tages doch sehr ernst meinen,
was wir tun. Dass wir wissen, was wir wollen und wie. Und es dann vor
allem auch so machen. Ansonsten ist das natürlich ein sehr schwieriges
Wort für etwas, das im Fernsehen passiert. Da geht ein großes Tor auf,
es gibt viele Lampen, irgendwo kommt Musik her, und eine Oma steht
im Kassenhäuschen. Klar ist das eine künstliche Situation. Aber wenn
man in die möglichst viel von seinem gestalterischen Willen einfließen
lässt, wird das als authentisch wahrgenommen.
Seht ihr selbst euch eigentlich als Tabubrecher?
KLAAS Überhaupt nicht.
Man liest es aber oft.
K LAAS Ich habe manchmal das Gefühl, dass es irgendwer sein muss.
Und dann sind’s eben gerade wir.
Gibt es im Fernsehen überhaupt noch Tabus?
K LAAS Nein. Aber man kann wie bei einem Film einen Spannungsbogen erzeugen, indem man erst selbst ein Tabu aufbaut, um es dann zu
brechen. Deshalb hält man manchmal immer noch Sachen für krass,
obwohl eigentlich schon alles da war.
NEON. Das Leben steckt
voller Unmöglichkeiten.
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