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Werkstattpraxis Klimaservice
Vorschriftsmäßig ‚schnüffeln’
Effiziente Suche nach dem Kühlmittelleck
Das schnelle und sichere Aufspüren von Undichtigkeiten im Kältemittelkreislauf zählt zu den
größten Herausforderungen bei der Wartung und Reparatur von Fahrzeugklimaanlagen. Zwar gibt
es viele Verfahren wie UV-Additiv, elektronische Kältemittel-Lecksucher oder auch Stickstoff und
Lecksuchspray. Allerdings weisen alle einen erheblichen Nachteil auf: Kleinere Lecks werden nur
sehr unzuverlässig oder gar nicht aufgespürt. Zuverlässiger ist hier die Spurengas-Lecksuche
mit Formiergas. KRAFTHAND informierte sich zu dieser Leckagesuche bei Kliwo und Delphi.
W
enn Fahrzeugklimaanlagen nur
noch unzureichend oder gar
nicht mehr kühlen, liegt es in den
meisten Fällen an Kältemittelverlusten
durch Leckagen. Kältemittel entweicht
durch gealterte Dichtringe an Ver-
schraubungen, poröse
Schläuche,
verhärtete Dichtringe an der Antriebswelle des Kompressors, gerissene Leitungen oder durch Steinschlag oder
Korrosion undicht gewordener Kondensatoren und Verdampfer. Wie schnell
eine Klimaanlage das Kältemittel verliert, ist abhängig von der Größe der
Undichtigkeit.
Die Ortung solcher Lecks mit Kontrastmittel und UV-Licht ist in der
Regel eine umständliche und zeitauf-
Spurensuche: Bei mit
Formiergas befüllten
Klimaanlagen kann der
Kfz-Profi mit einem sogenannten Schnüffler jetzt
Leckagen lokalisieren. Er
führt den Sensorkopf des
Lecksuchers an Schlauchverbindungen, Kondensator, Trockner und Dichtungen der Klimaanlage
im Motorraum entlang.
Bilder: Guranti
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Krafthand 10/2014
Text und Abbildungen des Beitrags sind urheberrechtlich geschützt.
Eine Verwertung ist ohne Einwilligung des Verlages unzulässig.
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Klimaservice
wendige Arbeit. Die heutigen Fahrzeuge sind im Motorraum stark verbaut, so
dass der Kfz-Profi für die Suche möglicherweise verschiedene Bauteile demontieren müsste. Außerdem verpflichtet
die EU-Klimaschutzverordnung die
Werkstätten seit 2008 gesetzlich dazu,
erst die Undichtigkeit im Klimasystem
zu beseitigen, bevor sie die Anlage wieder mit Kältemittel befüllen dürfen.
Das heißt: Kältemittel, auch in Verbindung mit Kontrastmittel, ist nicht mehr
zur Leckageortung an defekten Klimaanlagen geeignet.
Lecksuche mit Formiergas
Bei kleinen oder Kleinstleckagen, die
der Kunde erst Wochen oder Monate
später durch Kühlleistungsverlust seiner Klimaanlage bemerkt, tritt das Kältemittel nicht flüssig sondern gasförmig aus. Daher sollte der Kfz-Profi laut
den Klimaexperten kleinere Leckagen
mittels Gase orten, da Gase eine wesentlich geringere Dichte als Flüssigkeiten besitzen.
Bei dieser Lecksuche kommt ein
Gas mit einer besonders geringen Dichte zum Einsatz. Denn je kleiner das Gasmolekül ist, desto mehr entweicht aus
einer Leckage. Und je mehr aus einer
Leckage austritt, desto schneller findet
der Mechatroniker die Undichtigkeit.
Weil Wasserstoff als kleinstes Element und hoch flüchtig mit weniger als
1 ppm in der atmosphärischen Luft
vorhanden ist, lässt es sich über ein
Gasspürgerät orten. Allerdings ist
Wasserstoff brennbar, deshalb sollte
die Werkstatt keinen reinen Wasserstoff zur Lecksuche einsetzen. Der Klimaprofi setzt aus diesem Grund ein
Mischgas ein, bei dem Stickstoff mit
Wasserstoff in einem Verhältnis von 95
zu 5 Prozent gemischt wird. Durch die
geringe Beimischung von Wasserstoff
ist dieses Mischgas (Formiergas 95/5)
als nicht brennbar klassifiziert. Daneben benötigt der Werkstattfachmann
für die Suche noch ein Druckminderset
mit Absperrventil zum Anschluss an die
Klimaanlage und ein Wasserstoff-Gasspürgerät.
Grundsätzlich muss der Mechatroniker die Klimaanlage vor der Befülwww.krafthand.de
Werkstattpraxis
Spürnasen: Die Werkstattausrüster
haben verschiedene elektronische
Lecksucher in ihrem Portfolio.
lung mit Formiergas kurz
(maximal fünf Minuten) mit
dem Klimaservicegerät evakuieren, um Luft aus der
Anlage abzusaugen. Im Extremfall könnte nämlich das
eingefüllte Formiergas die vorhandene Luft in einen Bereich
der Klimaanlage drücken, in
der sich die Leckage befindet.
Dann würde aus dieser Undichtigkeit nur Luft und
nicht Wasserstoff dringen
und das Gasspürgerät möglicherweise nicht richtig reagieren.
Der Kfz-Profi füllt das
Formiergas über die Hochund Niederdruckanschlüsse
der Klimaanlage ein, um eine
gleichmäßige Verteilung im
System zu gewährleisten.
Füllt er das Gas nur über
eine Druckseite ein, so kann
es bei Klimaanlagen mit Expansionsventil nur über die
Ventilplatten des Kompressors auf die andere Druckseite gelangen. Grund hierfür: Das Expansionsventil ist
bei abgeschalteter Klimaanlage geschlossen, der Zeitaufwand erhöht sich dadurch. Nur bei
Klimaanlagen mit Festdrossel spielt
dies keine Rolle.
Wichtig ist, dass der Klimaprofi das
Gas am Anfang mit einem sehr geringen Druck zwischen circa 1,5 und 2,5
bar in die Anlage einfüllt. Der Grund:
Die Dichtheit eines Wellendichtrings ist
abhängig vom Verschleiß und vom
Druck. Je höher der Druck in der Klimaanlage ist, desto besser drücken die
Gummilippen des Wellendichtrings auf
die Welle des Kompressors. Zu beachten ist hierbei: Eine mit Formiergas be-
füllte Klimaanlage darf nicht in Betrieb
genommen werden!
Im Winter ist der Kältemitteldruck
aufgrund niedriger Temperaturen und
abgeschalteter Klimaanlage gering. Hat
der Wellendichtring in dieser Situation
seine Verschleißgrenze bereits erreicht,
entweicht das Kältemittel über die
Wintermonate gasförmig aus der Klimaanlage. Der Kunde wird sich mit Sicherheit im Frühjahr in der Werkstatt
anmelden, weil beim ersten Einschalten der Klimaanlage keine kühle Brise
aus den Lüfterdüsen strömt, sondern
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Werkstattpraxis Klimaservice
Anschluss: Mit einem geeigneten Schlauchsatz für Hoch- und Niederdruckanschlüsse
und Druckmanometer mit Absperrhahn (1)
verbindet der Klimaprofi die Fahrzeuganlage
mit dem Formiergas (2).
1
2
warme Luft. Deshalb ist die Prüfung
des Wellendichtrings mit geringem
Druck enorm wichtig. Stellt der Mechatroniker mit dem Spürgerät keine Gaskonzentration fest, ist der Wellendichtring in Ordnung. Dann kann er den
Gasdruck auf 5 bis 10 bar erhöhen.
Der Kfz-Profi sollte mit der Lecksuche an den Klimakomponenten beginnen, die am stärksten spritzwassergefährdet sind. Denn Spritzwasser ist
der größte Feind der Aluminiumteile in
der Klimaanlage, da Streusalze in Verbindung mit Wasser das Material oxidieren lassen. Idealerweise beginnt die
Lecksuche immer von oben nach unten, da Wasserstoff leichter als Luft ist.
Weitere wichtige Messpunkte sind
den Klimaexperten zufolge Verbindungen und Befestigungspunkte beispielsweise an der Karosserie, an denen sich
Spritzwasser sammeln kann. Undichte
Verdampfer im Fahrzeuginnenraum sind
sehr selten und meist auf Konstruktionsfehler zurückzuführen. Zur Überprüfung sollte der Mechatroniker je nach
Fahrzeugmodell und Hersteller das Innenraumgebläse oder den Regelwider-
Künstliche Nase:
Defekte Verdampfer
lassen sich beispielsweise ohne große
Demontagearbeiten
über die mittleren
Innenraumdefrosterdüsen überprüfen.
Sollte eine Undichtigkeit vorliegen, kann
der Werkstattfachmann den sehr flüchtigen Wasserstoff an
dieser Stelle mit dem
Lecksucher messen.
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Krafthand 10/2014
stand aus dem Klimakasten ausbauen.
Anschließend führt er den flexiblen
Sensorkopf in den Verdampferkasten
ein. Reagiert das Gasspürgerät, ist der
Verdampfer undicht. Alternativ kann
er mögliche Undichtigkeiten am Verdampfer auch über die mittleren Lüfterdüsen mit dem Gerät prüfen.
Wurde eine Undichtigkeit festgestellt, ist das betroffene Bauteil auszutauschen. Wichtig dabei: Zusätzlich
immer den Trockner erneuern. Anschließend sollte der Mechatroniker
nochmals die Dichtigkeit der Klimaanlage überprüfen. Das Formiergas lässt
der Fachmann danach einfach in die
Luft ab. Da es sich um natürliche Gase
handelt, wird die Umwelt nicht geschädigt. Danach wird die Klimaanlage mit
dem Servicegerät wieder für mindestens 20 Minuten vakuumiert. Jetzt wird
die Anlage nach Herstellervorgaben
befüllt und abschließend auf ihre
Funktion geprüft.
Leck-Diagnose
Bei der Diagnose eines Kühlmittellecks
ist es dem Klimaspezialisten Delphi zufolge nützlich zu wissen, was für eine
Art Leck in der Klimaanlage vorhanden
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Werkstattpraxis Klimaservice
Prima Klima
Die Auftaktveranstaltung der diesjährigen Krafthand-Dekra-Profischulungen widmete sich erstmals dem Thema Klimaservice. Die Abendveranstaltung bestand aus einem theoretischen und praktischen Teil. Klimaexperte Klaus Keitel, Geschäftsführer der Firma Kliwo, vermittelte dabei
am Schulungsort Bad Wörishofen kompetent und praxisbezogen die
Grundlagen zur Gasleckageortung an Kfz-Klimaanlagen.
Zu Beginn der Schulung wies Keitel auf die Gefahren im Umgang mit
Kältemittel hin und gab Tipps für den sicheren Transport. Großer Wissensdurst herrschte unter den Teilnehmern hinsichtlich der Kalkulation und
Spezifikation von Kompressoröl und Füllmenge im Kältemittelkreislauf.
Auch hierzu hatte der Dozent neben seinen umfangreichen Schulungsunterlagen wertvolle Praxistipps parat.
Zentrales Thema der Schulung war natürlich die Lecksuche an Klimaanlagen. Zu geringe Kältemittelmenge und somit zu wenig Druck in der
Anlage ist einer der häufigsten Ausfallgründe von Klimaanlagen. Um entsprechende Leckagen zu lokalisieren, empfiehlt Klaus Keitel weniger den
Einsatz von Kontrastmitteln als vielmehr, Leckagen mit Formiergas aufzuspüren. Dazu erläuterte der Experte neben der Zusammensetzung von Formiergas auch die erforderlichen Lecksuchgeräte und deren Anwendung.
Im praktischen Teil des Lehrgangs konnten die Teilnehmer in der
Krafthand-Redaktionswerkstatt dann selbst Hand anlegen. Hierzu stand
entsprechendes Equipment bereit: Prüffahrzeug, Klimastation, Formiergasflasche mit Manometer sowie mehrere Lecksuchgeräte. Dabei erklärte
Klaus Keitel nochmals schrittweise die Vorgehensweise bei der Lecksuche
– etwa das stufenweise Anheben des Prüfdrucks. Ebenfalls gab er den
Werkstattprofis Tipps, um auch kleinste Leckagen am Kältemittelkreislauf
aufzuspüren.
Zum Schluss der Veranstaltung gaben alle Teilnehmer sowohl dem Veranstalter als auch dem Dozenten ein durchweg positives Feedback. Weitere
Themen und Termine sowie detaillierte Informationen zu den KrafthandDekra-Profischulungen unter www.krafthand.de/Profischulungen.html.
jm
Kompetenter Wissenstransfer: Klimaexperte Klaus Keitel gab den Teilnehmern
zahlreiche Tipps und Tricks für die Fehlersuche und Reparatur von Kfz-Klimaanlagen.
Zentrales und bestimmendes Thema der Schulung – die Leckageortung mit
Formiergas. Bild: März
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Krafthand 10/2014
ist. Es gibt zwei Arten von Lecks: aktive
und passive. Ein aktives Leck ist für
den Kfz-Profi einfacher zu erkennen
als ein passives. Das Wissen um welche
Art Leck es sich handelt, hilft bei der
Auswahl des richtigen Werkzeugs zur
Ortung der Undichtigkeit.
Ein aktives Kühlmittelleck ist ein
ständiges Leck. Hierfür gibt es mehrere
übliche Ursachen. Dazu zählen: Porosität durch Korrosion an der Kältemittelleitung, dem Verdampfer oder Kondensator. Abblätternde Farbe an einer
metallenen Kühlmittelleitung oder am
Kondensator ist allerdings nicht immer
ein Zeichen für eine Undichtigkeit. Das
Abblättern der Farbe ist im Lauf der
Zeit vielmehr normal. Sieht der KfzProfi jedoch Öl an einer Kältemittelleitung mit Korrosion oder abblätternder
Farbe, weist dies hingegen klar auf ein
Leck hin.
Weitere aktive Undichtigkeiten entstehen bei Ablagerungen zwischen ORing oder Dichtungsring und Dichtfläche. Bei der Montage ist darauf zu
achten, dass der O-Ring unter anderem
nicht verdreht oder mit falscher Größe
verbaut wird. Bei der Reparatur der
Klimaanlage darf der Werkstattfachmann die Leitungen nicht durch Biegen beschädigen oder mit Werkzeugen
deformieren. Ebenso sind eventuell
unsachgemäß angezogene Bauteile
wie Kompressor, Wartungsventil und
Druckschalter genauestens zu prüfen.
Diese Undichtigkeiten lassen sich mit
einem elektronischen Lecksuchgerät
aufspüren.
Passive Lecks treten in der Regel
sporadisch auf. Sie werden durch
Veränderungen von Druck, Temperatur
oder Vibrationen verursacht, beispielsweise durch Ausdehnen und Zusammenziehen von nicht ausreichend
angezogenen Kältemittelleitungen, Anschlussstücken oder Einpassungen
während des Betriebs der Klimaanlage.
Hier ist laut Delphi der Einsatz von UVFärbemittel im Kältemittel effektiver,
um das Leck zu orten. Das Auffinden
des Lecks kann allerdings einige Zeit in
Anspruch nehmen, es hängt unter anderem vom Ausmaß der Undichtigkeit
und den Fahrgewohnheiten des Werkstattkunden ab.
Rudolf Guranti
Text und Abbildungen des Beitrags sind urheberrechtlich geschützt.
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