close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Aug / Sep 2012 - ECCLESIA in Groß-Umstadt

EinbettenHerunterladen
ECCLESIA AKTUELL 4 /14
ECCLESIA
AKTUELL
Internationale Gemeinde
Taufe mit acht
Migranten in
Neumarkt
Seite 3
Cyrille Tchamda
im Interview über
Deutsche und
Seite
Internationale
Fehler! Textmarke nicht
Seite 13
ECCLESIA AKTUELL
Letztens im Bus…
Impressum
ECCLESIA AKTUELL
Herausgeber:
Vorstand der Gemeinde der
Christen ECCLESIA e,V, Solingen
Internet:
www.ecclesia-gemeinden.de
Kontakt:
Merscheider Str. 40
42699 Solingen
Telefax:
0212 – 33 65 496
Email:
beger@ecclesia-gemeinden.info
Bankverbindung:
Gem. der Christen Ecclesia e.V.
DE 77 3425 0000 0000 1147 51
BIC SOLSED33XXX
Verwendungszweck:
Spende für Ecclesia Aktuell
Erscheinen:
4-6 Ausgaben pro Jahr
Bezugspreis:
Freiwillige Deckung der Kosten
Bankverbindung siehe oben
Bildnachweis:
Archiv des Gemeindeverbandes,
Freizeitbilder von FacebookTeilnehmern, GemeindeHomepages und Fotolia
… auf dem Weg zur Arbeit staunte ich,
mit wie vielen unterschiedlichen
Kulturen und Sprachen ich zusammen
unterwegs war. Erschreckt mich das?
Ob Integration gelingen kann, ist das
dabei Entscheidende. So wie der
deutsche Staat, sind wir als Botschafter
von Gottes Reich ebenso herausgefordert, ihnen ein Zuhause zu geben
und Begegnungen möglich zu machen.
Ein langjähriger Kontakt mit einer Familie aus dem Kosovo
machte uns klar: Viele haben keinen freundschaftlichen
Kontakt zu Deutschen, obwohl sie schon lange hier leben.
In Solingen erlebe ich durch die Kinderkirche viel Offenheit
- auch von Menschen mit muslimischem Hintergrund.
Was Martin Grube letztens sagte, hat mich bewegt:
Wir haben die Möglichkeit, Ausländer und Migranten aus
verschiedensten Ländern zu erreichen, in die wir sonst nie
gehen würden oder könnten. Durch Freundlichkeit und
Freundschaft können wir Ihnen Gottes Liebe zeigen – bevor
sie ggf. wieder in ihre Länder zurückgehen.
Schon immer haben mich Jesu Worte aus Matth. 25,31ff tief
berührt und sprechen ganz neu zu mir: „Was ihr einem
meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir
(Jesus) getan…“ – wir haben Jesus persönlich gedient!
Sind wir bereit dem Fremden bei Hunger & Durst, bei
Einsamkeit und Krankheit zu begegnen, wenn Jesus darauf
wartet, ihn zu besuchen? Es gibt ganz sicher in jeder Stadt
Christen, die allein durch ihre Sprachbarriere keinen Kontakt
zu uns aufbauen konnten und ohne Gemeinschaft mit
Geschwistern leben, weil wir sie (noch) nicht besucht haben.
Als Himmelsbürger sind wir auch Ausländer  mit einer
Mission. Die Liebe zu Jeus ist ein Motor, auch Ausländer
und Flüchtlinge zu lieben und ihnen Wertschätzung und
Heimat zu geben. Jesus war selbst so einer! Er sieht und
interessiert sich für sie und wir könn(t)en sie auch
kennenlernen!
Die wertvollen Artikel dieser Ausgabe dürfen uns
ermutigen, einen neuen Blick auf diese Menschen zu
werfen und sie mit Gottes Augen zu sehen. (Stefan Beger)
ECCLESIA AKTUELL
AUS UNSEREN GEMEINDEN
Taufe in Neumarkt für Asylbewerber
Florian Fürst – Auszug aus einem Zeitungsbericht:
In ein fremdes Land, ohne Sprachkenntnisse, ohne
Freunde. So kamen einige Asylbewerber aus dem Iran im
Landkreis an. Christen aus der Ecclesia-Gemeinde fuhren
zu ihnen und halfen. So entstanden Bindungen. Nun
ließen sich einige der Migranten taufen.
Begonnen hat alles im Dezember 2011. Die Ecclesia –
Gemeinde erfuhr aus der Zeitung von 20 Asylbewerbern in
Neuhaus. Die Neuankömmlinge waren isoliert und hatten
Schwierigkeiten, in Neuhaus Fuß zu fassen. Spontan
nahm die Ecclesia mit ihnen Kontakt auf. Die Gemeinde
lud die Asylbewerber zu einem Weihnachtsgottesdienst
und zum Essen ein. Daraus entwickelte sich eine tragfähige Beziehung zwischen
der Ecclesia und den 20 Asylbewerbern aus dem Iran und dem Irak.
Die Gemeinde unterrichtete die Asylbewerber jeden Samstag in deutscher Sprache,
organisierte einen Fahrdienst zu den Gottesdiensten mit gemeinsamen Mittagessen.
Vor allem die Integration der einzelnen Asylbewerber wurde gefördert. So wurden
ihnen Wohnplätze sowie Jobs geboten. Behördengänge, Grillfeste, Ausflüge sowie
deutsche Kochkurse bot die Freikirche an. Schnell entwickelten sich
Freundschaften. Bald schon waren die Asylbewerber gern gesehene, regelmäßige
Besucher der Freien Christengemeinde.
„Von Liebe überwältigt“
Ende 2013 erweiterte die Ecclesia die Migrantenarbeit. Zu etwa 30 Asylbewerbern
aus Neuhaus, Neumarkt, Parsberg und Seligenporten pflegt die Gemeinde heute
engen Kontakt. „Wir sind von der Liebe, die uns von der Ecclesia entgegengebracht
wird, überwältigt“, sagt ein Iraner und spricht auch den anderen aus dem Herzen.
Dann baten einige Asylbewerber die Ecclesia darum, getauft zu werden. Die
Freikirchen weltweit praktizieren die Erwachsenentaufe. Florian Fürst, angehender
Pastor in der Ecclesia, erklärt es so: „Einer vorangehenden bewussten
Entscheidung für Jesus folgt ein äußerliches Bekenntnis. Das ist die Taufe, wie wir
sie leben und praktizieren.
ECCLESIA AKTUELL 4 / 14
3
ECCLESIA AKTUELL
Für die Täuflinge wurde eigens ein Taufunterricht organisiert. Acht Wochen lang
trafen sie sich für eine Stunde am Sonntag. Dort lernten sie die Grundlagen des
christlichen Glaubens und stellten ihre Ernsthaftigkeit unter Beweis.
Am darauffolgenden Sonntag war es dann soweit. Insgesamt zwölf Täuflinge
freuten sich auf einen besonderen Tag, darunter auch acht aus dem Iran. Die
Zeremonie am Freystädter See begann morgens. „Wir taufen draußen am See,
denn da ist es am schönsten im Sommer“, so Florian Fürst. Jeder Täufling
bezeugte, dass er Jesus Christus als persönlichen Erlöser angenommen hat. Dann
wurden sie getauft und erhielten einen persönlichen Bibelvers. Es folgte ein
Gottesdienst in der Freikirche. Danach wurde zum gemeinsamen Grillfest
eingeladen.
Stets dabei sind die Zwillinge Mansureh und Marzieh Schodjaie. Die zwei Frauen
kommen ursprünglich aus Teheran, Iran. Dort studierten sie sechs Jahre Deutsch an
der Assad-Universität. Die zwei Akademikerinnen sind seit sechs Monaten
Asylbewerber. Da die meisten von ihnen wenig bis kaum Deutsch sprechen, sind die
Schwestern als Übersetzerinnen unverzichtbar. Das Übersetzen macht ihnen „sehr
viel Spaß.“ Jeder Asylbewerber hat seine eigene Geschichte.
Abas Asasi, seit sieben Monaten hier, erzählt seine:
1980 in der Stadt Ahvaz geboren, wird er, wie im Iran üblich, als Muslim erzogen.
Von der Ecclesia
wurde er herzlich
aufgenommen.
Als
seine Landsleute sich
taufen lassen wollten,
war
er
zunächst
abgeneigt. In der
darauffolgenden
Nacht, so berichtet er,
sei ihm Jesus in
einem
Traum
begegnet und habe
ihn
eingeladen.
Überzeugt von der
Existenz Jesu, meldet
er sich am nächsten
Tag doch zur Taufe.
ECCLESIA AKTUELL 4 / 14
4
A
EC
UC
S LUEN
SS
IA
E RAEKNT G
UEL
MLE I N D E N
Christentum oder Islam?
Etwas anders klingt die Geschichte von Saleh Bidar: Geboren 1987 in Ardabil, flieht
er als junger Erwachsener aus dem Iran. Auf seiner Flucht sieht er sich einen JesusFilm an, der ihn tief berührt. Als er auf einem Schlauchboot in Rumänien die Donau
überquert, gerät das Boot in einen Strudel. Das Boot ist kurz vorm Sinken, da schreit
Saleh zu diesem Jesus laut um Hilfe. Er könne sich nicht erklären wie, doch das
Boot habe es heil zum anderen Ufer geschafft.
Nun wägte er ab zwischen Christentum und Islam. Die Liebe, die er im Christentum
erfahre, sei ihm von größerer Bedeutung als seine Verwurzelung im Islam. So
entschied er sich für die Taufe. Er spricht von sehr guten Tagen, die er hier in
Freiheit erlebt. Voller Freude bedankte er sich bei den Helfern aus der Neumarkter
Ecclesia-Gemeinde.
Ziel der Ecclesia sei es, den Aslybewerbern zu
einer nachhaltigen Integration zu verhelfen, sagt
Florian Fürst. Die Gemeinde selbst sei reich
beschenkt worden durch das Kennenlernen von
Menschen aus anderen Nationen und durch ihre
Dankbarkeit für die Hilfe.
„Angelehnt an das Matthäuswort: ,Ich war
Fremdling und ihr nahmt mich auf‘ will die Ecclesia
den Menschen praktisch dienen und Gottes Liebe
dadurch weitergeben“
ECCLESIA AKTUELL 4 / 14
5
ECCLESIA AKTUELL
Auf dem Weg zu einer DeutschInternationalen Gemeinde
Seit gut 3 Jahren betreuen wir im Rahmen
des Familienflüchtlingsprojektes
„Kinderkirche Solingen“ Menschen aus
verschiedensten Ländern. Sie kommen u.a.
aus Syrien, Afghanistan, Ghana, Iran, Irak
und Osteuropa. Angefangen mit einem
monatlichen Kinderprogramm (im Anfang 30
Kinder) begrüßen wir nun in unseren Events
bis zu 120 Kinder und 80 Erwachsene. Der
von uns besuchte Personenkreis ist weit
größer.
.
Die allermeisten sind Flüchtlinge, die hier
mit ihren wenigen Habseligkeiten in einem der 9 Solinger Übergangsheime stranden
und für jedes bisschen Hilfe und Unterstützung dankbar sind. Wir geben diese Hilfe
auf verschiedene Weise:
 Besuche, Gebet für Kranke, Freundschaft
 Hilfsgüter für den Haushalt, Kinderkleidung (Kleiderkammer)
 Beratungshilfe für Formulare und die Asylsituation insgesamt,
… Hilfen, welche die Liebe Jesu, die wir selbst erleben, sichtbar machen.
Seit Herbst letzten Jahres haben die daraus entstandenen Beziehungen für uns
schnell und überraschend eine neue Dynamik bekommen, so dass nun regelmäßig
internationale Gäste unsere sonntäglichen Gottesdienste und die 14-tägig
stattfindenden Lobpreisabende besuchen.
Sie kommen mit ihrer Sprache, ihrer Kultur und auch anderen religiösen
Hintergründen, haben keine Scheu sich auch mal in die ersten Reihen zu setzen
und einfach da zu sein. Etliche Kinderwagen im Gottesdienstraum, auch englische
Lieder, fremdartig klingelnde Handys, Gäste, die Hilfe brauchen, die angesagte
Bibelstelle zu finden... Internationale Gemeinde ist dieses sicher noch nicht, aber es
fordert uns stark heraus, darüber nachzudenken, wie eine klassisch gut-bürgerlich
deutsch geprägte Gemeinde und diese bunte Schar zusammenfinden.
ECCLESIA AKTUELL 4 / 14
6
ECCLESIA AKTUELL
Im ersten Schritt haben wir nun seit ein paar Wochen eine Übersetzungsanlage im
Einsatz, um die Gottesdienste simultan ins Englische übertragen zu können. Mit
Rücksicht auf muslemisch geprägte Gäste verzichten wir beim gemeinsamen Essen
auf Schweinefleisch.
Die Begrüßungen sind äußerst unterschiedlich, vom
deutschen, höflichen Händedruck bis zur dreimaligen, festen Umarmung ist die
bisherige Stammgemeinde mit neuen Freundschaftsbekundungen konfrontiert.
Gastfreundschaft ist in diesen Kulturen ein wichtiger, hoher Wert. So laden wir
jeden Sonntag zum Gemeindecafe ein, dass dankbar angenommen wird. (Dieses
dauert oft so lange, dass meine Kinder sich regelmäßig über das gelbe „M“ freuen
dürfen.) . Schön zu sehen, wie einige ältere Geschwister sich beim Gemeindecafe
zu den Gästen setzen, um mit Händen und Füßen ein Gespräch zu führen.
Sehr spannend bleibt, wie die Entwicklung der Ohligser Gemeinde weitergeht. Wie
viel Prägung der deutschen Gemeinde und wie viel der internationalen Gäste
werden in Zukunft zusammenwirken? Welchen Ängsten von Gemeindegliedern
muss begegnet werden? Wie können wir Sprachbarrieren überwinden?
Und darüber hinaus braucht diese nun zusammengewürfelte Schar viele Wunder
Gottes, denn nicht wenige sind auch durch Abschiebung und Behördenwillkür
bedroht. Haben wir diese Menschen erst
einmal ins Herz geschlossen, wird es uns
betreffen und unser Gebetsleben verändern.
Die Gemeinde wird eine andere sein,
bereichert und ermutigt, das Evangelium in
unserer Stadt „in alle Welt“ hinauszutragen.
Wer dies auch erleben möchte:
Nun, Flüchtlingsheime gibt es in fast jeder
Stadt… wir beraten euch gerne.
Andreas Wiltzer, Ecclesia Ohligs
ECCLESIA AKTUELL 4 / 14
7
ECCLESIA AKTUELL
Das Busprojekt bleibt lebendig in Celle
Phillip Weigel: Vor den Bus-Tagen hatten wir eine
Gebetswoche. Das ist kein Schlüssel für erfolgreiche
Evangelisation, wenn sie nicht von leidenschaftlichen
Menschen gelebt wird.
Die Gemeinde hat dabei ein super Teamspiel hingelegt. Der
Ball wurde genial zugespielt. Vom Kuchen besorgen, dem
Gebet, Aufladen und Aufbauen, der Kinderbetreuung und
vielen anderen Aufgaben – waren es alles erstklassige Pässe
/ Zuspiele! Bei so einer Mannschaft erscheint es ein Opfer
"auf der Bank zu sitzen“, weil man gerade beruflich oder anders verhindert ist.
Für die Tage in der Stadt waren wir gewappnet. Jetzt konnte es losgehen. Von
Donnerstag bis Samstag waren wir dort präsent. Morgens wurde alles Notwenige
zusammengepackt und nach inbrünstigem Gebet ging es ab ins Stadtzentrum.
Wieder starke Zusammenarbeit! Jeder hat im Blick, wo noch angepackt werden
muss und "wir spielen uns die Bälle zu".
Von 11 bis 18 Uhr gab es viele Gespräche, die in den meisten Fällen mit Gebet
endeten. Offenbar musste sich auch das Wetter fügen, so dass sich Regen und
Gewitter ausschließlich am Samstag in einer geplanten Pause entlud. Danke Jesus!
Samstag nach 18.00 Uhr gab es dann einen geplanten Umbau! Wir sind gespannt,
ob unser Vorhaben ankommt und aufgeht: Kinogänger zu einer Wurst und Gespräch
einzuladen. Technische Probleme machen so eine Umbauphase spannend, aber im
Reich Gottes hat ein Krimi immer „Happy End“ - so war auch hier alles pünktlich
fertig. Cooles Licht, einladende Atmosphäre – unser Setting steht!
ECCLESIA AKTUELL 4 / 14
8
ECCLESIA AKTUELL
„Ganz chillig“ sitzen ein paar aus unserer Jugend neben dem Bus und füllen die Luft
mit Musik - „Herrlich! Der Grill nebenan konkurriert dazu mit appetitmachendem
Grillwürstchengeruch. Respekt! - Ich habe keine verbrannte Wurst gesehen!
Im Bus laufen jetzt rockige, christliche Live DVDs und ich bin erstaunt über den
guten Sound.
Die Jugend ist schon lange ausgeschwärmt, spricht Kinobesucher an und lädt zu
einer Wurst und Getränk ein. Zwischen Bus und Kino stehen jetzt nur noch Kicker
und unsere Sitzgruppen. Einfach super: So viele Gespräche! So viele fröhliche
Wurstesser! Drei Hingaben an Jesus an diesem Abend und ein
Heilungszeugnis machen uns zu einer wirklich lebendigen Truppe!
Gegen 23.00 Uhr bauen wir glücklich ab. Alle Anwesenden machen mit und unser
Abzug läuft unglaublich koordiniert.
Auch hier optimales Teamspiel!
Zum Schluss geht’s mit dem ganzen Bus-Transporter-Konvoi in die Gemeinde zum
Auspacken, Aufbauen und Wegsortieren.
Wir waren so gut, dass noch das Elfmeterschießen zwischen Niederlande und
Costa Rica im Anschluss drin war ;-)
5 Personen haben ihr Leben Jesus gegeben. Viele Gespräche endeten mit Gebet
und / oder Segen. Menschen wurden angerührt und auch geheilt!
Jetzt startet der Alphakurs - ich freue mich auf fragende Menschen!
Es war auch dieses Jahr ein genialer Einsatz - und es geht weiter!
Interessenten für einen Missionsbus-Einsatz vor Ort können sich an Markus Merk
unter: markusmerk@ecclesia-bielefeld.de wenden, der die deutschlandweiten
Einsätze unter Leitung von Andreas und Susanne Berger organisiert.
ECCLESIA AKTUELL 4 / 14
9
ECCLESIA AKTUELL
Internationale & zielorientierte
Gemeindearbeit in Ulm
David Schneider, Gemeinde Ulm:
Neben der offiziellen Geschichte, die aus Bündnissen und
Kriegen besteht, gibt es zwischen den Völkern noch eine
andere Geschichte, oft die Geschichte der Freundschaft
und der Liebe.
Das Internationale Christliche Zentrum Ecclesia Ulm
ist seit vielen Jahren eine lebendige und wachsende
Gemeinde. Heute zählen sich fast 700 Menschen aus
etwa 40 verschiedenen Nationen dazu.
Fünf Grundwerte zeichnen unsere Gemeinde aus:
Gott anbeten / Jesus bekannt machen / Das Leben
teilen / Einander dienen / Jeder ist willkommen!
Für mich zeichnet sich eine Internationale Gemeinde nicht dadurch aus, dass die
Gottesdienste in zwei oder auch zehn Sprachen übersetzt werden oder dass man
für jede Sprache & Herkunft einen eigenen Kreis initiiert, sondern sie zeichnet sich
darin aus, dass jeder willkommen ist, ein lebendiger Teil des Ganzen zu sein!
Jeder darf Gott anbeten, jeder soll Jesus bekannt machen, jeder ist eingeladen sein
Leben mit anderen Geschwistern zu teilen, jeder darf mit seiner Gabe dienen und
auch Hilfe erwarten und jeder ist willkommen. „Willkommen“ nicht im
Hinterstübchen, sondern mittendrin!
Was Integration anbetrifft ist unser Leitgedanke:
Da ist weder Jude noch Grieche, weder Mann noch Frau, sie sind alle eins in
Christus! d.h. Herkunft, Hautfarbe, Prägung spielen keine Rolle – nur dort, wo
Barrieren mitgebracht werden, sollten wir diese sehen und überbrücken!
Stellt sich die Frage, wozu integrieren wir? Eben in die Gemeinde – eine Gemeinde
voller wunderbarer Menschen!
Ich sehe ein älteres, eritreisches Paar vor mir. Es kommt sehr gerne in den
Gebetskreis, Seniorenkreis und natürlich in den Gottesdienst und jeder freut sich an
ihnen.
Ein
Herzstück
unserer
Gemeinde
ist
unsere
koreanische
Gemeindeschwester Namsin – sie kümmert sich um jeden, der Hilfe braucht! Unser
liebes deutsches Hausmeisterpaar Günther und Hannelore Hettich, das seit
Anbeginn dabei war, wird von unseren lieben eritreischen Paar Salomon und
Jerusalem Abraham wunderbar ergänzt.
ECCLESIA AKTUELL 4 / 14
10
ECCLESIA AKTUELL
Selbstverständlich sind sie die natürlichen Ansprechpersonen für neue Eritreer, die
in der Gemeinde andocken, doch sie selbst und ihre Kinder sind als Wahldeutsche
integriert. Ihre Kinder sprechen, denken und fühlen wie ihre Alterskameraden auch.
Wenn unsere Schwester Sylvie aus dem Kongo auf Französisch betet, mögen es
nicht alle verstehen, aber alle sind gesegnet, denn man spürt den Glauben an Gott
und die Leidenschaft für Gott! Es spielt überhaupt keine Rolle ob du als Italienerin,
als Brasilianerin oder aus dem Kongo kommend Teil der Jugendkirche wirst – du
integrierst dich einfach als „Jugendliche(r)“. Unsere Kindergruppen ähneln einem
Schoko-Vanille Pudding – es wimmelt von vielen wunderschönen Kindern.
Natürlich wollen wir die Sprachbarrieren nicht ignorieren – so
gibt es einen englischen, französischen, russischen &
portugiesischen Hauskreis, manchmal sogar einen Gottesdienst in
dieser Sprache (Portugiesisch) – dennoch treffen wir
uns alle zu unseren gemeinsamen Sonntagsgottesdiensten, denn
wir sind eine Gemeinde!
Um unseren internationalen Geschwistern Ehre zu erweisen,
haben wir vor drei Jahren unseren Namen in einem Festakt
umgetauft in „Internationale Christliche Zentrum Ecclesia Ulm“.
Dieses Fest feiern wir jedes Jahr als unser großes Fest mit viel
Musik und noch mehr kulinarischen Köstlichkeiten aus aller Welt.
Unsere Gemeinde ist von viel Konstanz geprägt:
von den Leitungspersönlichkeiten, dem Gottesdienstort, über den Namen bis hin
zum Allerwichtigsten: der gleichen Botschaft, und dem gleichen GOTT!
Unsere Gemeinde ist aber auch geprägt durch viele Veränderungen. So wie
unser eigenes Leben sich ständig verändert, so darf sich auch eine Gemeinde
ständig verändern! Veränderungen sind das normalste der Welt, sie werden nur
dann zum Problem, wenn davor jahrelang Stillstand herrschte.
Seit Jahren verfolgen wir einen zielgruppenorientierten Ansatz – heute sind wir in
sieben Lebensabschnittsstufen aufgestellt. Kinder, Teens, Jugendliche, Lifestyler
(junge Erwachsene), Familien mit Kids, Familien, Senioren.
Internationale Gemeinde findet in all diesen Gruppen statt.
Veränderungen gibt es in allen Altersstufen. Unsere Kinderkirche will gerade eine
siebte und achte Kindergruppe am Sonntag gründen. Dies ist herausfordernd, denn
es gilt etwa 20 neue Kindermitarbeiter zu finden! Dazu kommt ein Angebot während
der Woche, das mit Label „Kids Club“ drei unterschiedliche Züge anbietet: die Royal
Rangers, die Jungschar & neuerdings die Fußballjungschar! Trotz der Vielfalt
betonen wir aber ganz bewusst die Einheit – dies wird jedem durch den
gemeinsamen Start mit Kinderliedern ersichtlich.
ECCLESIA AKTUELL 4 / 14
11
ECCLESIA AKTUELL
Am stärksten sind die Veränderungen in unserer Jugendkirche. Trafen wir uns 1999
mit zehn Jugendlichen im Kreis zur Jugendstunde, haben wir schnell diese
Kreisform hinter uns gelassen und ganz bewusst eine Gottesdienststruktur
ausgesucht – stetes Wachstum prägt seither das Geschehen. Heute gehören etwa
300 Teens, Jugendliche, Studenten & Lifestyler (25-32 jährige) zur Jugendkirche
(drei der sieben Altersstufen).
Neben unserem Standardjugendgottesdienst feiern wir jeden Monat einen
außergewöhnlichen Gottesdienst: Unter der Bezeichnung „3D Gottesdienst“ finden
drei verschiedene junge Gottesdienste gleichzeitig statt – Limitless, Taste & See &
Lifestyle.
Dies hilft uns die ganz jungen Teenies heranzuführen und auch den Studenten und
den jungen Erwachsenen eine Plattform zu bieten die ihren Bedürfnissen entspricht.
Dazu kommt dreimal im Jahr das große Event „GOD IN THE CITY“ mit fast 500
Besuchern! Eine Veränderung, eingeführt von unseren Jugendpastoren, auf die wir
alle stolz sind! Genauso wichtig wie der Jugo sind unsere JugendHauskreise kontinuierlich entstehen neue Kreise. Diese Gruppen sind oft jahrelang gemeinsam
unterwegs und entwickeln so eine tiefe Freundschaft & Vertrautheit.
Veränderungen und Kontinuität gehören eben gepaart!
Die nächsten zwei Gruppen werden getrennt durch die Lebensrealität & Bedürfnisse
der Kinder - die Wanderfähigkeiten einer Familie mit Kleinkindern sind nicht zu
vergleichen mit denen eines Ehepaares im Alter von 50 – schnell trennt sich die
Spreu vom Weizen – also brauchen wir hier unterschiedliche Angebote!
Die letzte Gruppe, unsere Senioren, gibt es als Zielgruppe in fast allen Gemeinden.
Gerade auf der Ecclesia Konferenz durfte ich sehen wie fröhlich unsere Senioren
waren, als es darum ging von „alten Zeiten zu erzählen“ oder auch „Ihre“ Lieder zu
singen.
Internationale Gemeinde
– das ist sicherlich auch
die fröhliche, lebendige
und laute Art unseres
zweiten
Sonntagsgottesdienstes.
Schließlich gilt es auch
dem Juden ein Jude,
dem Grieche ein Grieche,
und dem Internationalen
ein Internationaler zu
werden!
ECCLESIA AKTUELL 4 / 14
12
ECCLESIA AKTUELL
Interview mit Cyrille Tchamda
Cyrille Tchamda ist in Kamerun geboren
und seit 13 Jahren in Deutschland, wo er
die Bibelschule in Beröa
besuchte.
Zusammen mit seiner Frau Andrea und
gemeinsamen Tochter Leah Joy wohnen
Sie in Brensbach.
EA: Was machst du gerne in deiner
Freizeit?
CT: Ich schaue und spiele gern Fußball
und ich lese und reise gern.
EA: Was schätzt du an deiner Frau?
CT: An meiner Frau schätze ich, dass sie ehrlich und direkt, aber gleichzeitig
liebevoll und geduldig ist. So eine Mischung habe ich bisher nur bei ihr gesehen.
Außerdem ist sie sehr fleißig, eine tolle Mutter, Gott hingegeben und gottesfürchtig.
Die beste Ehefrau, die ich mir vorstellen kann.
EA: Hast du ein persönliches Motto?
CT: In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst. (Aurelius Augustinus)
EA: Wie hast du deine Berufung erlebt?
CT: Meine Berufung erlebte ich im Alter von 15 Jahren am Strand von Kribi am
Atlantik. Auf einem Spaziergang erlebte ich Gott auf eine ganz beeindruckende Art
und Weise. Gott stellte mir da eine Frage, die mich mein ganzes Leben lang nicht
mehr losgelassen hat: Würdest du mir dein ganzes Leben geben und mir dienen
egal was es dich kostet und egal wohin ich dich senden werde? Nachdem ich lange
mit mir und dem Herrn gerungen habe sagte ich: „Ja, Herr, hier bin ich, sende mich“.
Schon in Kamerun, leitete ich viele Dienste in der Gemeinde, Schule und in der
Stadt, wo ich aufgewachsen bin. Ich bildete auch ein Team mit Freunden, gemeinsam gingen wir von Dorf zu Dorf evangelisieren. In dieser Zeit erlebten wir
Bekehrungen, Gemeindegründungen und viele Wunder. Das war eine sehr
spannende Zeit für mich. Dass der Herr mich nach Deutschland senden würde,
hätte ich mir nie vorstellen können, zum einen wegen der Sprache aber auch wegen
der Kultur. Aber Gott hatte ja gesagt: Egal wohin…
ECCLESIA AKTUELL 4 / 14
13
ECCLESIA AKTUELL
EA: Wer oder was hat dich besonders geprägt?
CT: Mein Vater - ein ganz ruhiger Mensch mit einer tiefen Liebe für Gottes Wort und
Gemeinde, was er uns als Kinder mitgegeben hat, sowie meine Pfingstgemeinde, in
der ich aufgewachsen war, machte mich „durch und durch zu einem Pfingstler“. Ich
liebe es, wenn der Geist Gottes weht, wenn Wunder geschehen, wenn Gottes
Kinder ihre Geistesgaben einsetzen und wenn die Gemeinde für den Herrn Jesus
brennt. Meine Frau kommt aus einer Brüdergemeinde und ich bin total fasziniert von
der Liebe zum Wort Gottes, die ich dort immer wieder erlebe. Die Mischung aus
Geist und Wort prägt meinen Dienst sehr. Ich habe auch seit meinem theol. Studium
ein Faible für die Gemeindewachstumsbewegung. Ich bin total begeistert von den
sogenannten „Megachurches“ weltweit. Ich verfolge ihre Entwicklung, studiere sie
und beobachte was Gott tut, weil ich auf keinen Fall klein denken möchte. Ich durfte
letztens eine dieser großen Gemeinden in Chicago besuchen und bin noch
begeisterter von Gemeindewachstum geworden. Groß bedeutet nicht immer flach
und unpersönlich. Ich brenne darauf zu sehen, was Gott in Deutschland tun will.
EA: Wie hast du die Deutschen in Bezug auf Gemeinde kennengelernt?
CT: Die deutschen Gemeinden sind treu und zuverlässig in ihren jeweiligen
Berufungen, aber ich finde, dass die Deutschen ihre Gemeinde nicht so lieben, wie
zum Beispiel ihren Job oder ihre Häuser. Die deutschen Gemeinden denken klein
und trauen sich nur im Extremfall Veränderungen zu. Die Begeisterung und Freude
in und für die Gemeinde ist sehr ausbaufähig. Aber ich habe in den letzten Jahren
festgestellt, dass Gott dabei ist, eine neue Generation heranwachsen zu lassen, die
Gemeinde anders sehen, die motiviert ist und groß denkt. Wenn die Begeisterung,
die die Jugendlichen kennzeichnet, und die Treue, Fleiß und Hingabe der Älteren,
zusammen in einer Atmosphäre der Liebe für einander zusammenpassen, werden
wir bald erleben, dass unsere Gemeinden lebendig und anziehend werden.
EA: Wie sollten wir Ausländern in unseren
Hast du „Tipps“ bzw. was ist (dir) dabei wichtig?
Gemeinden
begegnen?
CT: Zuallererst ist es wichtig, dass sie auf Deutsch angesprochen werden, und nicht
in schlechtem Englisch oder Französisch. Ich habe da viele schlechte Erfahrungen
gemacht. Wir wollen Deutsch sprechen und deswegen gehen wir in deutsche
Gemeinden. Wichtig ist auch, Ausländern auf Augenhöhe zu begegnen. Es soll ein
Austausch stattfinden. Afrikaner oder andere Gläubige sind nicht weniger geistlich,
weil sie viele Emotionen im Gottesdienst zeigen. Sie sind aber auch nicht geistlicher
weil sie aus den Ländern kommen, wo es Erweckungen gibt. Klischees, wie z.B. alle
Afrikaner können predigen oder tanzen, sollte man vergessen. Oder gar alle
Ausländer wollen nur etwas von den reichen Deutschen. Leider sind diese Klischees
immer noch in Begegnungen und schlimmer noch gelegentl. in Predigten zu hören.
ECCLESIA AKTUELL 4 / 14
14
ECCLESIA AKTUELL
EA: Wie „deutsch“ ist deine Gemeinde Brensbach und gibt es dort
Begegnungen mit Internationalen?
CT: Unsere Gemeinde in Brensbach ist eine ländliche Gemeinde. Sie ist sehr
deutsch, und sie hat auch nicht vor afrikanisch zu werden, nur weil der Pastor aus
Afrika kommt. Unser Ziel ist eine neutestamentliche Gemeinde nach dem Vorbild
von Apg. 2, für alle in unserer Umgebung zu werden. Trotzdem hat es nicht lange
gedauert, bis wir auch Farben in der Gemeinde sehen konnten. Wir haben Familien
aus Ghana, Kenia, Kamerun und Kolumbien. Mittlerweile sind wir also auch
international. Der Focus in unserer Gemeinde ist auf Familien gelegt. Besonders
Familien, die vor Ort leben, egal wo sie herkommen, sollen sich bei uns wohl fühlen,
und Jesus durch die Gottesdienste und die Gemeinschaft erleben. Wir haben einen
internationalen Hauskreis mit 10 Erwachsenen, die aus 6 unterschiedlichen
Nationen kommen. Wir durften in den letzten Monaten zwei internationale
Hochzeiten organisieren: eine deutsch-afrikanische und eine deutschsüdamerikanische. Bei einer von beiden kam die Braut über eine Stunde später, es
war sehr spannend! Die Gemeinde ist über sich hinausgewachsen. Alle Ausländer
fühlen sich wohl und sagen: „Unsere Gemeinde ist eine Gemeinde mit Herz!“
EA: Du betreust auch die Gemeinde in Worms, die intern. ausgerichtet
ist...
CT: Ja, in Worms leite ich eine wirklich internationale Gemeinde, die mittlerweile
hauptsächlich aus Afrikanern besteht. Die Gottesdienste werden auf Englisch und
Deutsch gehalten. Wir singen afrikanische Lieder, mit Trommeln, jauchzen und
Tanz. Dann singen wir deutsche Lieder. Bei diesen wissen alle nicht so genau wie
sie sich bewegen sollen. Wir haben viele Kinder in der Gemeinde und leider wenig
Mitarbeiter, die sich mit Kindern der 2. Generation auskennen. Diese Kinder können
Deutsch, wollen alles auf Deutsch machen, und verstehen die
Sprache und die Kultur ihrer Eltern oft nur zu wenig. Diese
Spannung ist sehr spürbar und eine echte Herausforderung, aber
die Gemeindemitglieder sind sehr motiviert und begeistert. Jeder
Gottesdienst ist ein Event. Wir sind gespannt wie es weitergeht.
EA: Wovon träumst du, wenn du an Gemeinde denkst?
CT: Ich träume von einer relevanten Gemeinde, die tatsächlich
„Die Hoffnung der Welt“ in ihrer Umgebung ist. Ich träume von einer Gemeinde wo
Jung und Alt von- einander lernen können und sich gegenseitig auf dem Weg der
Nachfolge motivieren. Ich träume von starken und wachsenden Gemeinden, die
eine Bandbreite von Angeboten für die ganze Familie haben, aber auch für
Menschen aus ihrer Umgebung, die aus anderen Ländern stammen. Ich träume von
Gemeinde, die begeistern kann und das Leben wiederspiegelt, das Jesus uns
versprochen hat, „Das Leben in Fülle“ (Joh10,10).
ECCLESIA AKTUELL 4 / 14
15
ECCLESIA AKTUELL
Gemeinde Jesu,
so bunt wie unsere Welt!
Missionskonferenz von
Liebe in Aktion reinhören unter:
www.ecclesia-ulm.de/de/media
„Den Ausländer, der bei euch
wohnt, sollt ihr wie einen von
euch behandeln und ihr sollt
ihn lieben wie euch selbst.“
3. Mose 19, 34
Leitertagung:
Tagungsstätte Hohe Rhön
vom 16. bis 18. Oktober 2014
Ecclesia Jahreskonferenz:
Pfingsten 2015
Glaubenszentrum Krelingen
vom 22. bis 25. Mai 2015
ECCLESIA AKTUELL 4 / 14
16
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
9
Dateigröße
1 649 KB
Tags
1/--Seiten
melden