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21.10.2014
Anfängerpflichtübung 1
aus Strafrecht
Univ.-Ass. Mag. Sophie Goliasch
sophie.goliasch@univie.ac.at
ORGANISATORISCHES
• Anwesenheitspflicht (2x Fehlen)
• 2 Klausuren: 16. Dezember 2014 und 20. Jänner 2015
ACHTUNG: Lesesaal 11 !
• Klausurrückgabe: 13.1.2015 von 14.00 bis 15.00 Uhr!
ACHTUNG: Hörsaal in der Schenkenstraße 4, 4. Stock
• Mitarbeit: mind. 2 Mitarbeitsplus
• Literatur:
− Fuchs, Allgemeiner Teil I, 8. Auflage 2012.
− Fuchs/Reindl-Krauskopf, Besonderer Teil I, 4. Auflage 2014.
• E-mail: sophie.goliasch@univie.ac.at
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21.10.2014
ÜBERBLICK: Aufbau StGB
§§ 1 – 16 StGB – Allgemeiner Teil I
§§ 17 – 74 StGB – Allgemeiner Teil II
§§ 75 – 168e StGB – Besonderer Teil I
§§ 169 – 321 StGB – Besonderer Teil II
Deliktsarten
• Begehungs- und Unterlassungsdelikte
• Vorsatz- und Fahrlässigkeitsdelikte
• Verbrechen – Vergehen (§ 17 StGB)
• Sonstige:
− Allgemeine Delikte – Sonderdelikte
− Erfolgsdelikte – schlichte Tätigkeitsdelikte
− einaktige Delikte – mehraktige Delikte
− Zustands- und Dauerdelikte
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21.10.2014
Grunddelikt – Qualifikation – Privilegierung
• Grunddelikt (zB.: Diebstahl gemäß § 127 StGB)
• Qualifikation: es treten weitere Merkmale zum
GrundTB hinzu, wodurch die Tat strenger bestraft wird.
(zB.: Wertqualifikation in § 128 Abs 2)
• Privilegierung: es treten weitere Merkmale zum
GrundTB hinzu, wodurch die Tat milder bestraft wird.
(zB.: Begehung im Familienkreis gemäß § 166 StGB
Vorsätzliches Begehungsdelikt
I. TATBESTAND
1. Äußerer TB (Objektiver TB, Tatbild)
− Tatbestandsmäßige Handlung
− Handlungsobjekt
Bei Erfolgsdelikten zusätzlich zu prüfen:
− Erfolgseintritt
− Obj Zurechnung (Kausalität, Normative Zurechnung [AZ, RZ, RE])
2. Innerer TB (Subjektiver TB)
− Tatbildvorsatz
− ev. erweiterter Vorsatz
II. RECHTSWIDRIGKEIT (Rechtfertigungsgründe etc…)
III. SCHULD (Zurechnungsunfähigkeit, Entschuldigungsgründe etc…)
IV. ZUSÄTZLICHE VORAUSSETZUNGEN (Strafausschließungsgründe etc…)
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21.10.2014
Fall 1
A schlägt den X mit einem Baseballschläger auf den Kopf. X erleidet
Gehirnverletzungen und stirbt.
a) X ist A schon seit längerem ein Dorn im Auge und A möchte X durch den
Schlag loswerden.
b) A trifft X unabsichtlich mit dem Schläger als er sich gerade für ein
Baseballspiel aufwärmt.
c) A möchte dem vorlauten X eine Abreibung verpassen und ihm eine
ordentliche Platzwunde zufügen.
Prüfen Sie die Strafbarkeit von A!
Fahrlässigkeitsdelikt
I. TATBESTAND
1. Äußerer TB (Objektiver TB, Tatbild)
− Tatbestandsmäßige Handlung
− Handlungsobjekt
- Obj.
Sorgfaltswidrigkeit:
Verstoß gegen…
• eine Rechtsnorm?
• eine Verkehrsnorm?
• das Verhalten einer
Maßfigur?
Bei Erfolgsdelikten zusätzlich zu prüfen:
− Erfolgseintritt
− Objektive Zurechnung (Kausalität, Normative Zurechnung)
2. Innerer TB (Subjektiver TB)
− Tatbildvorsatz
− ev. erweiterter Vorsatz
-
Subj.
Sorgfaltswidrigkeit
-
Subj. Zurechenbarkeit
-
Zumutbarkeit rechtm.
II. RECHTSWIDRIGKEIT (Rechtfertigungsgründe etc…)
Alternativverhaltens
III. SCHULD (Zurechnungsunfähigkeit, Entschuldigungsgründe etc…)
IV. ZUSÄTZLICHE VORAUSSETZUNGEN (Strafausschließungsgründe etc…)
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21.10.2014
Fall 2
Auf einer Party geraten B und Y aneinander und beginnen miteinander zu
rangeln. Ohne Y ernsthaft verletzen zu wollen, gibt B dem Y einen kräftigen
Stoß gegen die Brust. Y strauchelt und stolpert so unglücklich, dass er sich den
Knöchel verstaucht.
Prüfen Sie die Strafbarkeit von B!
Fall 3
X gilt in seinem Heimatort als Einzelgänger. So gelingt es ihm auch nicht so recht, auf dem
Jahresfest der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr an der Geselligkeit teilzunehmen. Er verbringt
die Zeit auf dem Fest vielmehr damit, sich über andere Festbesucher lustig zu machen. Er wird
zwar mehrfach aufgefordert, damit aufzuhören, aber das spornt ihn nur noch mehr an. Als X
dann auch noch die Freundin des A verspottet und nicht damit aufhört, wird es diesem zu
bunt: Da sich A nicht anders helfen kann, versetzt er dem X zwei gezielte Faustschläge ins
Gesicht, ohne ihn freilich ernsthaft verletzen zu wollen.
Nun gibt X endlich Ruhe. Da ihm die Lust am Fest aber vergangen ist, will er nach Hause gehen.
Auf der Straße trifft er B, mit dem er seit langem verfeindet ist. Wie üblich stänkert B den X an,
dieser ignoriert ihn aber, was B wiederum so sehr ärgert, dass er dem X einige Schläge ins
Gesicht versetzt und dann davonläuft.
Als X am nächsten Morgen wegen starker Kopfschmerzen einen Arzt aufsucht, stellt sich
heraus, dass er als Folge eines Schlages einen verschobenen Nasenbeinbruch erlitten hat. Auf
welchen der erhaltenen Schläge diese Verletzung zurückzuführen ist, lässt sich jedoch nicht
ermitteln.
Prüfen Sie die Strafbarkeit von A und B!
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21.10.2014
Fall 4
A und X sind Hilfsarbeiter auf einer Baustelle. Aus Unachtsamkeit fällt A, der gerade dabei ist
das Dach zu decken, ein Dachziegel hinunter und trifft X am Kopf. X erleidet eine kleine
Platzwunde. X fährt sofort ins Krankenhaus, dort übersieht der behandelnde Arzt B, dass X
durch den Aufprall ein Blutgerinnsel im Hirn erlitten hat. Er versorgt Xs Wunden und schickt ihn
nach Hause. B hat die Röntgenbilder ungenau studiert, da X kurz vor Ende seines Dienstes
eingeliefert wurde und er an diesem Tag keine „Scherereien“ mehr haben wollte. In der Nacht
verstirbt X an den Folgen des Blutgerinnsels.
Variante: X betrachtet sich als „harten Kerl“, dem dieser Vorfall nichts anhaben kann. Auch auf
Anraten seiner Freunde, lässt er sich nicht untersuchen, obwohl seine starken Schmerzen
immer schlimmer werden. Da X nicht behandelt wird, bildet sich in seinem Kopf ein
Blutgerinnsel, an dem er stirbt. Wäre er rechtzeitig zum Arzt gegangen, hätte X wahrscheinlich
gerettet werden können.
Prüfen Sie die Strafbarkeit von A und B!
Durchbrechung des Risikozusammenhangs
• Verwirklichung des allgemeinen Lebensrisikos
zB.: Folgeunfälle bei abgesicherter Unfallstelle, Folgeerkrankungen, …
• Verwirklichung eines Risikos das ein Dritter geschaffen
hat
Grob sorgfaltswidriges nachträgliches Fehlverhalten eines Dritten
• Verwirklichung eines Risikos, das der Verletzte selbst
geschaffen hat
Grob unvernünftiges nachträgliches Verhalten des Verletzten selbst
• (Retterproblematik)
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21.10.2014
Fall 5
Der LKW-Fahrer C ist mit überhöhter Geschwindigkeit (80 km/h) im Ortsgebiet
auf einer Straße unterwegs, auf der eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 60
km/h gilt. Plötzlich läuft der gestresste Geschäftsmann Y unvermittelt auf die
Fahrbahn, weil er die Straßenbahn, die sich auf der gegenüberliegenden
Fahrbahnseite nähert, erwischen möchte. Da Y hinter einem Lieferwagen
hervorläuft, sieht C ihn erst im letzten Moment. Er leitet sofort eine
Vollbremsung ein, kann aber nicht verhindern, dass Y vom LKW erfasst wird. Y ist
auf der Stelle tot.
In einem Sachverständigengutachten wird festgestellt, dass auch dann, wenn C
mit den vorgeschriebenen 60 km/h gefahren wäre, der Unfall und die tödlichen
Verletzungen des Y eingetreten wären.
Prüfen Sie die Strafbarkeit von C!
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Kunst und Fotos
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