close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Ärzte & der ambulante Sektor (PDF, 1,8 MB) - Fachgebiet

EinbettenHerunterladen
Einführung in das Management im
Gesundheitswesen
Ärzte und der ambulante
Sektor
Reinhard Busse, Prof. Dr. med. MPH FFPH
FG Management im Gesundheitswesen, Technische Universität Berlin
(WHO Collaborating Centre for Health Systems Research and Management)
&
European Observatory on Health Systems and Policies
27. Oktober 2014
Einführung in das Management im Gesundheitswesen
1
Grundlagen
Wesentliches Merkmal der Leistungserbringung im
Wesentliches Merkmal der Leistungserbringung im deutschen
deutschen Gesundheitssystem :
Gesundheitssystem :
klare institutionelle Trennung zwischen
– dem Öffentlichen Gesundheitsdienst,
– der haus- und fachärztlichen Versorgung im ambulanten
Sektor und
– der traditionell auf die stationäre Behandlung beschränkten
Krankenhausversorgung
27. Oktober 2014
Einführung in das Management im Gesundheitswesen
2
Haupt-Organisationstypen der Leistungserbringung
Deutschland
stationär
stationär
ambulant
HA
27. Oktober 2014
HA
HA
FA
FA
FA
HA
HA
HA
Einführung in das Management im Gesundheitswesen
3
Koordination der Patientenversorgung
• deutsches GKV-System:
traditionell kein Gatekeeping-System
• D.h. GKV-Versicherte haben freie Wahl unter den als
Vertragsarzt zugelassenen, niedergelassenen Ärzten
• gemäß Sozialgesetzbuch (§ 76 SGB V) sind GKV-Versicherte
zwar aufgefordert, einen Hausarzt zu wählen, den sie
innerhalb des Abrechnungsquartals nicht wechseln sollen,
aber die Einhaltung der Regelungen wird nicht kontrolliert
– in der Praxis konsultieren Patienten niedergelassene Fachärzte häufig
ohne Überweisung
– auch die Praxisgebühr (2004-2012) änderte dieses Patientenverhalten nicht wesentlich
Oktober 2014
Einführung in das Management im Gesundheitswesen
4
Ärzte als zentrale Berufsgruppe der
Leistungserbringer
27. Oktober 2014
Einführung in das Management im Gesundheitswesen
5
Struktur der Ärzteschaft 2013
- Zahlen in Tausend -
Stand: 31.12.2013
27. Oktober 2014
Einführung in das Management im Gesundheitswesen
6
Berufstätige Ärztinnen u Ärzte nach Arztgruppen
Summe berufstätige Ärztinnen und Ärzte – 357.252
Ärztinnen und Ärzte ohne Gebietsbezeichnung 106.660
(zumeist in der Weiterbildung
zum Facharzt, aber auch
„Praktische Ärzte“)
Innere Medizin 48.090
Allgemeinmedizin 43.248
Anästhesiologie 21.478
Chirurgie 20.214
Frauenheilkunde 17.337
Kinder- und Jugendmedizin 13.464
Orthopädie- und Unfallchirurgie 13.407
Psychiatrie & Psychotherapie 9.770
Radiologie 7.546
Augenheilkunde 7.076
HNO-Heilkunde 5.952
Neurologie 5.727
Quelle: Statistik des BÄK
27. Oktober 2014
Haut- &
Geschlechtskrankh. 5.584
Einführung in das Management im Gesundheitswesen
Stand: 31.12.2013
8
Struktur der Ärzteschaft 2013
- Zahlen in Tausend -
Stand: 31.12.2013
27. Oktober 2014
Einführung in das Management im Gesundheitswesen
8
Verhältnis Ärzte ambulant - stationär
Anteil in
Prozent
FA
FA
HA
HA
HA
Ärzte in der Praxis
67
70
60
FA
67
60
62
51
53
53
49
47
47
54
46
56
54
54
54
46
46
46
1995
2000
2005
54
50
40
38
40
33
30
33
44
46
Ärzte im Krankenhaus
stationär
20
10
1950
27. Oktober 2014
1955
1960
1965
1970
1975
1980
1985
Einführung in das Management im Gesundheitswesen
1990
2010
9
Jahr
Durchschnittsalter der Ärzte
Quelle: Statistik der BÄK und der KBV
Basis: unter 69-jährigen Ärzte
Stand: 31.12.2013
27. Oktober 2014
Einführung in das Management im Gesundheitswesen
10
Ärzte nach Bezeichnungen und ärztlichen Tätigkeitsbereichen
Einführung in das Management im Gesundheitswesen
www.bundesaerztekammer.de
www.bundesaerztekammer.de
27. Oktober 2014
Stand: 31.12.2011
Sektorale Trennung
Stand: 31.12.2013
11
Ärzte nach Bezeichnungen und ärztlichen Tätigkeitsbereichen
Belegärzte
Ermächtigte
Ärzte
Seit 2007 ist
Tätigkeit in beiden
Sektoren möglich!
Einführung in das Management im Gesundheitswesen
www.bundesaerztekammer.de
www.bundesaerztekammer.de
27. Oktober 2014
Stand: 31.12.2011
Sektorale Trennung
Stand: 31.12.2013
12
Struktur der Ärzteschaft 2011
- Zahlen in Tausend -
GKV
27. Oktober 2014
ACHTUNG – zwei Arten der
Unterscheidung der Ärzte:
1. Ärzte mit abgeschlossener
Weiterbildung („Gebietsärzte“)
vs. Allgemeinärzte (mit WB
Allgemeinmedizin) &
„Praktische“ Ärzte (ohne WB)
2. Fachärzte vs. Hausärzte
(einschl. der meisten Internisten
und Kinderärzte): GKV-Logik
Einführung in das Management im Gesundheitswesen
13
Entwicklung Hausärzte – Fachärzte (amb. Sektor)
Anteil
in %
70
Fachärztliche Versorgung
65,0
63,6
60
60,8
Hausärztliche Versorgung2
58,1
54,8
54,6
52,5
52,4
52,2
51,5
50
45,2
40
30
35,0
36,4
39,2
45,4
47,5
47,6
47,8
48,5
50,6
49,4
50,1
49,9
50,1
50,3
49,9 49,7
50,7
49,3
51,2
48,8
41,9
20
10
Jahr
1980 1985 1990 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007
27. Oktober 2014
Einführung in das Management im Gesundheitswesen
14
Angestellte Ärzte im ambulanten Sektor
- Zahlen in Tausend -
• in der Vergangenheit stark
GKV
27. Oktober 2014
eingeschränkt möglich (überwiegend zur Vorbereitung der
eigenen Vertragsarzttätigkeit);
• seit 2004 durch Medizinische
Versorgungszentren verstärkt
möglich;
• seit 2007 auch in
„normalen“ Praxen möglich
Einführung in das Management im Gesundheitswesen
15
Entwicklung der im ambulanten Bereich angestellten Ärzte
Quelle: Statistik der BÄK
Stand: 31.12.2013
27. Oktober 2014
Einführung in das Management im Gesundheitswesen
16
Der Ambulante Sektor
27. Oktober 2014
Einführung in das Management im Gesundheitswesen
17
Gesetzliche und strukturelle Rahmenbedingungen
 ärztliche Praxen haben eine zentrale Funktion
in der ambulanten Versorgung
 kollektivvertragliches Regelungswerk
 die wichtigsten Interessenverbände der Leistungserbringer
in der ambulanten Versorgung sind
die regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen, n=17)
bzw. die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV)
 die KVen tragen die Verantwortung für die Behandlung der
GKV-Versicherten in ihrer Region (sog. Sicherstellungsauftrag)
27. Oktober 2014
Einführung in das Management im Gesundheitswesen
18
The ambulatory care sector
Der ambulante Sektor
ca. 145.000 Ärzte, davon ca. 130.000 selbständig
ca. 83.000 Einzelpraxen (79%)
ca. 83.000 Ärzte (58%)
ca. 20.500 Gemeinschaftspraxen (19%)
ca. 51.500 Ärzte (36%)
Mitgliedschaft
in 17 KVen
(Kassenärztliche
Vereinigungen)
27. Oktober 2014
ca. 1.750 MVZ/ Medizinische
Versorgungszentren (2%)
ca. 9.500 Ärzte (6%)
Einführung in das Management im Gesundheitswesen
19
27. Oktober 2014
Einführung in das Management im Gesundheitswesen
20
27. Oktober 2014
Einführung in das Management im Gesundheitswesen
21
Physician Satisfaction with Practicing Medicine
%
Source: 2012 Commonwealth Fund International Health Policy Survey of Primary Care Physicians.
Ambulante haus- und fachärztliche Versorgung
• ambulante Gesundheitsversorgung findet überwiegend
durch private gewinnorientierte Leistungserbringer statt
• Wie z.B. durch Ärzte, Krankengymnasten, Apotheker
und technische Berufe.
Oktober 2014
Einführung in das Management im Gesundheitswesen
23
Gesetzliche Grundlagen
SGB V, 4.Kap.
• §72 Sicherstellung der vertragsärztlichen Versorgung:
Sicherstellungsauftrag für Kassenärztliche Vereinigungen und
Monopol auf ambulante Versorgung (§75)
• seit 1993 zunehmend gelockert; u.a. durch
- Androhung des Übergangs der Sicherstellung an
Krankenkassen (§72a),
- vor- und nachstationäre Versorgung im KH (§115a),
- ambulantes Operieren im KH (§115b),
- integrierte Versorgung,
- ambulante Versorgung durch KH in unterversorgten
Planungsbereichen (§116a),
- Öffnung der KH für hochspezialisierte ambulante Leistungen
und seltene Erkrankungen (§116b)  ambulante
spezialärztliche Versorgung laut GKV-Strukturgesetz
27. Oktober 2014
Einführung in das Management im Gesundheitswesen
24
Gesetzliche Grundlagen
SGB V, 4.Kap.
• §73: Vertragsärztliche Versorgung gliedert sich in hausärztliche
und fachärztliche Versorgung (Ärzte können nur in einem Sektor
tätig sein; getrennte Budgets)
• §77: bis 2004 23 KVen mit ehrenamtlichen Vorständen und
Vertreterversammlungen (VV); seit 2005 17 KVen,
hauptamtlichen Vorständen und relativ kleinen VVen
27. Oktober 2014
Einführung in das Management im Gesundheitswesen
25
Ambulante haus- und fachärztliche Versorgung
• Patienten haben freie Wahl von Ärzten, Psychotherapeuten (seit
1999), Zahnärzten, Apotheken sowie Notfallambulanzen
• ca. die Hälfte der Vertragsärzte ist in der hausärztlichen
Versorgung tätig
• Einzelpraxen sind die dominierende Organisationsform der
ambulanten Gesundheitsversorgung
• seit 2004: Möglichkeit multidisziplinärer Versorgungszentren
• vertragsärztliche Versorgung umfasst nahezu alle Fachgebiete
Oktober 2014
Einführung in das Management im Gesundheitswesen
26
Marktzugang/Zulassung zur vertragsärztlichen Versorgung
• § 95 Teilnahme an der vertragsärztlichen Versorgung*
• § 95a Voraussetzung für die Eintragung in das Arztregister für Vertragsärzte
• § 92 Richtlinien der Bundesausschüsse (Abs. 1, Nr. 1 zu „Bedarfsplanung“),
in Verbindung mit § 91 (Zusammensetzung des) Gemeinsamen
Bundesausschusses und § 94 Wirksamwerden der Richtlinien
• § 98 Zulassungsverordnungen
• § 96 Zulassungsausschüsse
• § 97 Berufungsausschüsse
• § 99 Bedarfsplan
• § 100 Unterversorgung
• § 101 Überversorgung
• § 102 Bedarfszulassung
• § 103 Zulassungsbeschränkungen
• § 104 Verfahren bei Zulassungsbeschränkungen
• § 105 Förderung der vertragsärztlichen Versorgung*
*wurden durch GKV-Strukturgesetz geändert, u.a. Aufkauf von Praxen in
überversorgten Gebieten durch KV, Strukturfonds für unterversorgte Gebiete
27. Oktober 2014
Einführung in das Management im Gesundheitswesen
27
Bedarfsplanung in der ambulanten Versorgung
 Abgrenzung von unterschiedlichen Planungsbezirken
 Bildung von arztgruppenspezifischen Verhältniszahlen
 Aufstellung von Bedarfsplänen
 Feststellung von „Überversorgung“ (Planungsbezirk
geschlossen), „normalen“ Niederlassungsmöglichkeiten und
„Unterversorgung“ (besondere Förderung)
 tatsächliche Zulassung
Bundesebene
(G-BA)
Landesebene
(Zulassungsausschuss)
 Regelung der Weitergabe von Praxissitzen
Ziele

Sicherstellung der vertragsärztlichen Versorgung

Bedarfsabhängige Zulassung
27. Oktober 2014
Einführung in das Management im Gesundheitswesen
28
Hintergrund / Ziele
Die Bedarfsplanung sichert das Solidarprinzip.
Aber sie musste neuen Herausforderungen angepasst werden.
§
"The Inverse Care Law is the principle that the availability of good
medical or social care tends to vary inversely with the need of the
population served"
Bedarfsplanung bis 2012
 Beplanung von 14 Planungsgruppen
 Planungsraum Landkreis und kreisfr. Städte
 Differenzierung nach 10 Regionstypen
 Heterogene Verhältniszahlen
Ergebnisse der
Bedarfsplanung
 Erreichbarkeit von
Ärzten ist sehr gut.
 Der Zuwachs von
Ärzten konnte z.T.
begrenzt werden.
 Planungssicherheit
 Flexibilität über
Sonderbedarf
Auswirkungen
Fortschritt
Aktuelle
Herausforderungen
Veränderte Lebensvorstellungen
Demographischer
Wandel
Die neue Bedarfsplanung
In der Richtlinie werden vier Versorgungsebenen unterschieden, die unterschiedlich große Planungsbereiche abbilden
Hausärztliche
Versorgung
Allg. fachärztl.
Versorgung
Spezialisierte
fachärztl. Vers.
Gesonderte
fachärztl. Versorg.
Mittelbereiche
Kreise
KVen
[klein]
[mittel]
Raumordnungsregionen
[größer]
[sehr groß]
Anzahl
883
Anzahl
372
Anzahl
97
Anzahl
17
Größe der Planungsbereiche am Beispiel der KV Sachsen-Anhalt
Die neue Bedarfsplanung
In der hausärztlichen Versorgungsebene werden durch die
kleinräumigere Planung Versorgungsdefizite klarer ausgewiesen.
Versorgungsgrad in %
Hier: Rhein-Kreis Neuss
Die neue Bedarfsplanung
In der allgemeinen fachärztlichen Versorgung
wird differenziert, um die Mitversorgungsbeziehungen abzubilden
 In der allgemeinen fachärztlichen Versorgung
werden die Mitversorgereffekte über eine
gegliederte Verhältniszahl (5 Typen) abgebildet. In den anderen Versorgungsebenen
bedarf es nur einer Verhältniszahl.
 Eigenversorgte Regionen werden klar
identifiziert. (Typ 5)
 Die Regionen, die von der städtischen
Mitversorgung profitieren, werden
differenziert dargestellt. (Typ 4 und Typ 3)
 Regionen, die von Mitversorgung profitieren
und selber angrenzende Regionen
mitversorgen werden benannt. (Typ 2)
 Regionen die starke Mitversorgungsleistung
erbringen werden ausgewiesen. (Typ 1)
Die neue Bedarfsplanung
B
Unter Berücksichtigung ihrer Einzugsbereiche werden die
Arztgruppen den Versorgungsebenen zugeordnet
Hausärztliche
Versorgung
Arztgruppen
 Hausärzte
Allg. fachärztl.
Versorgung










Augenärzte
Chirurgen
Frauenärzte
HNO-Ärzte
Hautärzte
Nervenärzte
Psychotherap.
Orthopäden
Urologen
Kinderärzte
Spezialisierte
fachärztl. Vers.




Fachinternisten
Anästhesisten
Radiologen
Kinder- und
Jugendpsychiater
Gesonderte
fachärztl. Versorg.
 PRM-Mediziner
 Nuklearmediziner
 Strahlentherap.
 Neurochirurgen
 Humangenetiker
 Laborärzte
 Pathologen
 Transfusionsmediziner
Die bisher nicht beplanten Arztgruppen sind hier kursiv dargestellt.
Arztgruppen, die eine wohnortnahe Grundversorgung sicherstellen, werden
eher kleinen Planungsbereichen zugeordnet.
Spezialisierte Arztgruppen mit großen Einzugsbereichen werden größeren
Planungsräumen zugeordnet.
bedarfsgerecht oder
„angebotsinduzierte
Nachfrage“?
27. Oktober 2014
Einführung in das Management im Gesundheitswesen
34
Noch mehr Interesse an Gesundheit?
facebook.com/mig.tuberlin
twitter.com/tubhealth
27. Oktober 2014
Einführung in das Management im Gesundheitswesen
35
Document
Kategorie
Bildung
Seitenansichten
9
Dateigröße
1 812 KB
Tags
1/--Seiten
melden