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Die Galerie stellt sich vor - Cahn AG

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Cahn’s Quarterly 1/2014
Die Galerie stellt sich vor
Die Helfer im Hintergrund
Von Yvonne Yiu (Text) und Christian von Faber-Castell (Fotos)
Dieser letzte Artikel der Reihe «Die Galerie stellt sich vor» ist Personen gewidmet, die nicht direkt dem Galerieteam
angehören, sondern als «zugewandt Orte» eher unsichtbar im Hintergrund wertvolle Arbeit verrichten, ohne die der
Alltagsbetrieb der Galerie nicht aufrecht erhalten werden könnte.
Die mysteriöse Welt hinter dem Bildschirm
und der undurchschaubare Dschungel von
Kabeln, die im Serverraum zusammenlaufen, sind die Domäne von Markus Reinhard
der PowerSystem GmbH, Muttenz, unserem
Informatik-Fachmann. Er studierte nach der
Lehre als Feinmechaniker zunächst Maschinenbau (1987) und anschliessend Informatik
(1989) an der Fachhochschule Muttenz. Neben Netzwerktechnik und Webtechnologien,
ist er heute vorwiegend im Bereich Datenbanken tätig.
Markus Reinhard wurde 1997 von Jean-David Cahn gebeten, die Umstellung der väterlichen Firma HAC Kunst der Antike von Papier
auf EDV zu begleiten und eine Datenbank
für die Galerie zu entwickeln. Er erinnert
sich noch gut an die Speicherschreibmaschine mit einem Display, auf dem jeweils eine
Zeile gelesen werden konnte, welche die damalige Sekretärin verwendete, um Adressen
zu verwalten und die Messelisten zu schreiben – schier unglaublich aus heutiger Sicht!
Inzwischen sind komplexe Datenbanken und
Netzwerke entstanden, Videokonferenzen am
Bildschirm sind keine Seltenheit mehr, das
iPad ist ein unentbehrliches Tool an den Messen geworden und an den Auktionen kann
live online geboten werden.
Als Informatiker aus Leidenschaft sammelt
Markus Reinhard alte Computer und mechanische Rechenmaschinen, und kreiert
Kunstobjekte aus alten Computerteilen. Seine
Werke hat er früher schon an Ausstellungen
gezeigt und ist daran eine neue Ausstellung
mit befreundeten Künstlern zu organisieren.
Vielleicht gibt es einmal eine Ausstellung
zwischen antiker Kunst und antiker Technik!?
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Für viele ebenso mysteriös wie die Informatik ist die Buchhaltung mit ihren Aktiven
und Passiven, Aufwand und Ertrag und der
akribischen Genauigkeit, mit der jedem verlorenen Rappen nachgespürt wird. Zwar hat
die Galerie Cahn mit Elfie Gaiser (CQ 4/2013)
und Evelyn Reusser (CQ 2/2013) hausintern
bereits viel buchhalterische Fachkompetenz,
doch ist die sachkundige Unterstützung von
Denise Pernollet der BB Treuhand AG, Baar,
aus dem Firmenalltag nicht wegzudenken.
Die bündnerische Buchhalterin mit eidgenössischem Fachausweis ist bereits seit den
Anfängen der Jean-David Cahn AG mit dabei. In regelmässigen Abständen verbringt
sie ein bis zwei Tage in der Galerie, um die
Mehrwertsteuer abzurechnen, die Lohnbuchhaltung zu erstellen und eine ordentliche
Buchhaltung zu erfassen, damit Ende des Geschäftsjahres eine aussagekräftige Bilanz und
Erfolgsrechnung vorliegt. Bei den Auktionen
leistet sie jeweils einen Sondereinsatz, da sie
hilft, die Auktionsbücher zu führen.
Mancher Kunde wird auch Denise Pernollet
an der Auktion selber begegnet sein, da sie
jeweils, zusammen mit einer weiteren Person, die Gebote elektronisch sowie auf einer
Handliste erfasst und somit ermöglicht, dass
der glückliche Meistbietende noch während
der laufenden Auktion das ersteigerte Stück
zusammen mit der Rechnung in Empfang
nehmen kann.
Kurt Pätzold, der vierte unserer Restauratoren, machte zunächst eine Lehre als Maschinenmechaniker und besuchte anschliessend
die Ingenieursschule. Dies war jedoch, stellte
er bald fest, nicht seine Welt. Hingegen hatten
ihn Geschichte und Archäologie bereits als
Kind fasziniert. Dank seinem grossen handwerklichen Geschick und, wie er scherzhaft
sagt, wegen seinen blauen Augen, konnte er
sich einen der hochbegehrten Ausbildungsplätze am Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz, der europaweit führenden
Ausbildungsstätte für archäologische Restauratoren, sichern. Die dreijährige Ausbildung
schloss er mit dem Diplom als «Restaurator
der Archäologie» ab.
Nach der Rückkehr in die Schweiz im Jahr
1994 machte Kurt Pätzold sich selbständig
und nahm mit Herbert A. Cahn Kontakt auf.
Seine Probestücke wurden für gut befunden,
und seit inzwischen zwanzig Jahren gehen
die restaurierungsbedürftigen Skulpturen und
grösseren Bronzen durch seine Hände – die
Keramik war bereits die Domäne von Sandro
und Cristiana Cimicchi und die Kleinbronzen,
Terrakotten und Edelmetallobjekte diejenige
von André Lorenceau (CQ 3/2013).
Kurt Pätzold liebt die «unmöglichen Fälle»
ganz besonders. Damit meint er die Stücke,
an die sich sonst niemand wagt. Er erinnert
sich zum Beispiel an eine kleine ägyptische
Silbermaske, die völlig zerfallen war: «Da
konnte man nur verlieren – und dennoch
wurde sie gut!», oder an einen gänzlich zerquetschen Helm, dem er wieder zur rundplastischen Erscheinung verhalf. Solche «knifflige Sachen» sind für ihn eine spannende
Herausforderung.
CQ
Cahn’s Quarterly 4/2013
Die Galerie stellt sich vor
Die Geschäftsleitung
Von Yvonne Yiu (Text) und Christian von Faber-Castell (Fotos)
In den 150 Jahren seiner Geschichte wurde das Traditionsunternehmen Cahn stets von Mitgliedern der Familie Cahn
geführt. Dabei spielten die Frauen eine nicht zu unterschätzende Rolle.
Jean-David Cahn ist als Inhaber der Galerie
für die Firmenstrategie verantwortlich. Dem
klassischen Archäologen, der an der Universität Basel studierte und mehrere Jahre
Junior Research Fellow am Wolfson College
der Universität Oxford war, ist die optimale Betreuung von sowohl jungen wie auch
gestandenen Sammlern ein zentrales Anliegen. Entsprechend ist er in seinen Galerien,
an den Kunstmessen und, auf Wunsch, auch
bei den Sammlern zu Hause stets für seine
Kundschaft da. Damit eine attraktive Auswahl antiker Kunstwerke angeboten werden
kann, muss klug eingekauft werden. Seiner
Teilnahme an Auktionen und der Akquisition
direkt von privaten Anbietern gehen eingehende Recherchen voraus, um sicherzustellen, dass die Objekte höchsten ethischen und
qualitativen Standards genügen.
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Jean-David Cahn ist eng mit den verschiedenen Exponenten des Kunstmarktes vernetzt,
da er Board Member der Kunstmesse TEFAF
Maastricht, der International Association of
Dealers in Ancient Art (IADAA) und des Verbands Schweizerischer Antiquare und Kunsthändler (VSAK) ist, Kontakte zum schweizerischen Bundesamt für Kultur (BAK) pflegt
und mit Museumsdirektoren und -kuratoren,
Kunsthändlern sowie privaten Kunstsammlern weltweit befreundet ist.
Seine Kenntnisse der Archäologie und des
globalen Kunstmarkts haben es, im Verbund
mit den praktischen Erfahrungen im Tagesgeschäft, Jean-David Cahn ermöglicht, auch
im gegenwärtig schwierigen wirtschaftlichen und kunstpolitischen Umfeld eine erfolgreiche und kreative Firmenstrategie zu
entwickeln.
Diese entsteht im engen Gespräch mit seiner
Frau, der Rechstanwältin Antje Gaiser Cahn.
Seit Jahren diskutieren Antje Gaiser Cahn
und Jean-David Cahn laufend über alle Firmenanliegen.
Antje Gaiser Cahn studierte an der Universität Basel Jurisprudenz. Sie schloss das Studium mit dem Lizenziat utriusque iuris ab und
absolvierte nach erster Berufstätigkeit 1998
das Advokaturexamen. Bereits während des
Studiums interessierte sich Antje Gaiser Cahn
für Kunstrecht und vertrat in der Folge die
Interessen des Kunsthandels bei der Konferenz zur Unidroit Konvention in Rom (1996)
über gestohlene oder illegal exportierte Kulturgüter und im darauf folgenden Verfahren
zur Kulturgütergesetzgebung (KGTG) in der
Schweiz. Zusammen mit Jean-David Cahn
war sie für den Europarat als Expertin für
CQ
Cahn’s Quarterly 4/2013
Kunstrecht tätig sowie Mitbegründerin der
IADAA, welche ethische Richtlinien für den
Handel mit antiken Kunstwerken festlegt.
Die praktische Seite des Kunsthandels lernte Antje Gaiser Cahn unter der Ägide von
Herbert A. Cahn, Jean-David Cahns Vater, in
den 1990er Jahren kennen. Sie half tatkräftig
bei den vielen Messen mit, packte Kunstwerke ein und aus, unterstützte das Sekretariat
und betreute Kunden. Mit ihren vielseitigen
Erfahrungen im Kunstbetrieb und ihren juristischen Kenntnissen trug sie massgeblich
zur Gründung der Jean-David Cahn AG bei,
welche die väterliche Firma H.A.C. – Kunst
der Antike im Jahr 1999 ablöste, und bis heute verdankt sich der Erfolgskurs der Galerie
in hohem Masse ihrer Beratungs- und Führungstätigkeit.
Auch Elfriede Gaiser war bereits für die
H.A.C. – Kunst der Antike tätig. Ihr Schwiegersohn, Jean-David Cahn, der damals in
Oxford war, fragte 1997 die Versicherungsexpertin, ob sie bereit wäre, die Adresskartei im
Computer zu erfassen. Dass es anstatt fünfhundert Adressen deren dreitausend waren,
entlockt ihr heute noch ein Schmunzeln. Als
Herbert A. Cahns Sekretärin pensioniert wurde, übernahm Elfriede Gaiser einen Teil ihrer Aufgaben. Nach der Gründung der JeanDavid Cahn AG wurde ihr die Verantwortung
für das Rechnungswesen, die Buchhaltung
und das Personalwesen übergeben. Auch für
Versicherungsfragen ist sie zuständig. Da sie
zwanzig Jahre für die Neuenburger Versicherungen gearbeitet hat und sich über Entwicklungen in dieser Sparte auf dem Laufenden
hält, «lehrt sie», so Jean-David Cahn humorvoll, «die Versicherungsgesellschaften das
Fürchten». Elfriede Gaiser betrachtet die Arbeit in der Galerie als Lebensgewinn und tägliche Herausforderung. Die wenige Freizeit,
die ihr verbleibt, widmet sie der PorzellanMalerei, einer Kunstform, die viel Geduld und
Präzision voraussetzt – an einer grossen Vase
mit drei figürlichen Szenen hat sie über 400
Stunden gearbeitet!
CQ
Meine Auswahl
Bronzestatuette eines
Wagenlenkers
Von Jean-David Cahn
BRONZESTATUETTE EINES WAGENLENKERS. H. 7,3 cm. Bronze. Etruskisch, Mitte 5. Jh.v.C.
CHF 24’000
Von grösster Seltenheit ist die hier vorgestellte Bronze eines Wagenlenkers. An der Funktion des Dargestellten gibt es keinen Zweifel;
er trägt einen knöchellangen Umhang, der
über die rechte Schulter geschlungen ist und
mit einer Fibel zusammengehalten wird, einen Teil seines Prachtgewandes hat er über
den rechten Arm geworfen. Darunter trägt
er einen Ärmelchiton. Bezeichnend für seine Funktion sind aber vor allem die Riemen,
die um seine Oberarme und kreuzweise über
Brust und Rücken geschlungen sind, um dem
Wagenlenker in vollem Galopp Rückhalt gegenüber der enormen Zugkraft seiner Pferde
zu geben. Ganz typisch ist aber auch seine
merkwürdige Frisur mit kurzgeschorenem
Haar, das aber über dem Scheitel nach vorne lang belassen wird. Ein Kurzschwert ragt
links unter dem Umhang hervor. Auffällig
sind sein bartloses jugendliches Gesicht mit
weit aufgerissenen Augen und die fein gra-
vierten, dichten Brauen. Beide Arme sind
nach vorne angewinkelt, da unser Wagenlenker bereits fährt und sich der Umhang leicht
flatternd öffnet. Mit beiden Beinen steht er
dabei stramm. Die besten Vergleiche sind der
berühmte marmorne Lenker von Motye in
Sizilien und natürlich der Wagenlenker von
Delphi. In der Rundplastik ist dieses Thema
sehr selten, im Gegensatz zur Vasenmalerei
und den Reliefs. Die Feinheit der Ausführung
und der Detailreichtum machen diese Statuette mit ihrer dichten, dunkelolivgrünen Patina zu einem kleinen Meisterwerk der Mitte
des 5. Jh.v.C. Die reichen Drapierungen und
der expressive Stil des Antlitzes weisen auf
Etrurien hin. Dieses kleine Meisterwerk hat
mein Vater vor vielen Jahren an der TEFAF
Maastricht einem uns sehr lieben Sammlerehepaar verkauft und es ist mir eine Freude
Ihnen nun diese schöne Bronze wieder anbieten zu dürfen.
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Cahn’s Quarterly 3/2013
Die Galerie stellt sich vor
Die Restauratoren (Teil 1)
Von Yvonne Yiu (Text) und Christian von Faber-Castell (Fotos)
Nur wenige Kunstwerke überstehen den Verlauf der Jahrhunderte unbeschädigt, und auch die Ethik und Ästhetik
des Restaurierens hat sich stetig verändert. Unsere Restauratoren André Lorenceau, Sandro und Cristiana Cimicchi
und Kurt Pätzold entfernen unbefriedigende moderne Restaurierungen und konsolidieren den antiken Originalbefund. Sie ergänzen ihn behutsam, dort wo es für die Lesbarkeit des Objektes notwendig ist, und montieren ihn so,
dass das Kunstwerk zur bestmöglichen Geltung kommt.
Während es in der Archäologie (CQ 1) und der Administration (CQ 2) die üblichen personellen
Schwankungen gibt, zeichnen sich die Restauratoren durch ihre langjährige, ja generationenübergreifende Treue zur Firma Cahn aus. Sowohl André Lorenceau wie auch Sandro Cimicchi
arbeiten bereits über 50 Jahre für Herbert und Jean-David Cahn, und Sandro Cimicchis Tochter
Cristiana ist seit 2011 als in-house Restauratorin angestellt. Kurt Pätzold, der im CQ 5 porträtiert wird, restaurierte ebenfalls bereits für Herbert Cahn Objekte und ist schon über 20 Jahre
für das Haus Cahn tätig.
André Lorenceau ist als Spross einer Pariser
Kunsthändlerfamilie schon früh in Berührung
mit der Kunst gekommen. Während sein älterer Bruder die Führung der von ihrem Grossvater 1864 gegründeten Galerie (heute Brame & Lorenceau) übernahm, entschied sich
André Lorenceau für die Ausbildung zum
Silberschmied. Die Grundlagen dieser Kunst
erlernte er 1949-50 vom dänischen Silberschmied Christian Fjerdingstad, den er bis
zum heutigen Tag hoch verehrt. Fjerdingstad
sei ein wunderbarer Mensch und ein aussergewöhnlicher Lehrer gewesen, der höchste
Ansprüche setzte, aber auch zu loben und ermutigen wusste. Es folgten anderthalb Jahre
Militärdienst. Anschliessend arbeitete er für
die Maison Tetard Frères, eines der grossen
Ateliers in Paris, wo er viel von den alten Silberschmieden, die alles wussten, lernte. Von
1954-61 war er für das berühmte Restaurierungsatelier Maison André in Paris tätig, wo
er den Beruf des Restaurators erlernte. Zudem
verbrachte er 1957 vier Monate am Istituto
Centrale di Restauro in Rom und in den Florentiner Uffizien.
1961 übersiedelte André Lorenceau nach Basel, damals eine Hochburg der antiken Kunst,
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wo er für Herbert Cahn, Eli Borowski und andere Kunsthändler arbeitete. Zusammen mit
Sandro Cimicchi und ihrem gemeinsamen
Freund Franco Italiano gründete er die Restaurierungsfirma «Lekythos», für die er bis zu
seiner Pensionierung im Jahre 1995 tätig war.
Im Verlauf der Jahrzehnte hat André Lorenceau nach seiner Schätzung etwa neun- bis
zehntausend Objekte restauriert. In besonderer Erinnerung ist ihm ein Brustpanzer aus
Bronze geblieben, an dem er über 90 Stunden
arbeitete. Robert Käppeli hat dieses Meisterwerk in den 1950er Jahren bei Herbert Cahn
erworben und dem Basler Antikenmuseum
geschenkt. Ein weiteres bedeutendes Projekt
war die Restaurierung einer Bronzestatue aus
Meroë im Sudan, die zu diesem Zweck extra in die Schweiz eingeflogen wurde. Nichts
aber übertreffe das ausserordentliche Erlebnis, mit einem Objekt in Berührung zu kommen und wiederzuentdecken, was dieses Objekt einst gewesen sei.
André Lorenceaus Ruhestand zeichnet sich
durch bemerkenswerte Aktivität aus. Es wäre
für die Galerie Cahn schwer gewesen, auf seine grosse Kunstfertigkeit und Erfahrung zu
verzichten, und glücklicherweise war André
Lorenceau weiterhin bereit, für uns vor allem
Bronzen, aber auch Terrakotten und Gläser
zu restaurieren, und für Schmuck und Kleinkunst Sockel anzufertigen. Regelmässig, vor
den Messen manchmal mehrmals die Woche,
kommt er mit seinem alten, roten Weidenkorb, in dem die kleinen Kostbarkeiten zwischen Galerie und Werkstatt reisen, vorbei,
bespricht mit Jean-David Cahn und den Archäologinnen die notwendigen Arbeiten und
kommt für den obligaten Kaffee und einen
kurzen Schwatz ins Sekretariat hinauf. Seine
Besuche und sein französischer Charme sind
für uns stets eine Freude, und wir hoffen,
dass André Lorenceau noch viele Jahre bei
uns vorbeischauen wird.
Sandro Cimicchi, aus Castel Viscardo bei Orvieto, begann 1958 seine Ausbildung bei Ernesto Italiano, der Restaurator am Archäologischen Museum von Neapel war. Kurz darauf
reiste er zusammen mit seinem Lehrmeister
nach Berlin, wo sie Antiken im Schloss Charlottenburg restaurierten. Dieses Praktikum
war für Sandro Cimicchi sehr wichtig, da er
an hervorragenden Meisterwerken arbeiten
durfte. Es folgten weitere Aufenthalte an den
Museen von Basel und Monaco. Im Dezember
1959 lud Herbert Cahn die jungen Restauratoren Sandro Cimicchi und Franco Italiano,
den Sohn Ernestos, ein, nach Basel zu kommen und für die Münzen und Medaillen AG
zu arbeiten. 1961 gründeten die Restauratoren mit dem eben aus Paris eingetroffenen
André Lorenceau die Firma «Lekythos». Die
Jahre 1963-65 verbrachte Sandro Cimicchi
in Lugano, wobei er alle zwei Wochen nach
Basel reiste, um dort Aufträge zu erledigen.
1965 kehrte er «per sempre», für immer, nach
Basel zurück. Es wurden gerade die Wohnhäuser Nummer 10, 12 und 14 an der Malzgasse gebaut und die Münzen und Medaillen
AG machte ihm das unwiderstehliche Angebot, ihm dort eine Wohnung mit Atelier zur
Verfügung zu stellen. In den 1970er Jahren
machte sich Sandro Cimicchi selbständig,
aber weiterhin gingen alle restaurierungsbedürftigen Vasen, die von der Galerie Cahn
erworben wurden, durch seine Hände.
Die Keramik, welche Sandro Cimicchis Spezialgebiet ist, hat ihn schon von früh an fasziniert. In der Schule musste er Homers Ilias
lesen. Sie machte einen tiefen Eindruck auf
CQ
Cahn’s Quarterly 3/2013
ihn und er lernte viele Passagen auswendig.
Diese Figuren auf griechischen Vasen wiederzusehen, war für ihn ein Schlüsselerlebnis,
das den Rest seines Lebens geprägt hat. Auch
die Schönheit der Kunstwerke ist für Sandro
Cimicchi eine grosse Quelle des Glücks.
Seine Begeisterung für antike Keramik teilt er
mit seiner Tochter Cristiana Cimicchi. Bereits
als Jugendliche half sie im Atelier mit und
erlernte so das Handwerk des Restaurierens.
Während acht Jahren arbeitete sie für ihren
Vater und seit 2011 ist sie bei der Galerie Cahn
als Restauratorin angestellt. Ihre Werkstatt ist
für mich der geheimnisvollste Raum der Galerie. Im abgedunkelten Zimmer harren die
Objekte geduldig auf den Regalen, welche die
Wände säumen, bis sie an der Reihe sind. Einige Vasen sind bereits in Fragmente zerlegt
und säuberlich wie die Teile eines Puzzles auf
Holztabletts arrangiert. Der schlichte Arbeitstisch ist übersät mit Farbtuben, Pinseln und
Spachteln. In einer Kiste mit Sand steckt wie
ein Straussenei eine halb-zusammengesetzte
Vase und der Knochenleim blubbert leise auf
einer Elektroplatte vor sich hin. Cristiana bewegt eine korinthische Oinochoe im kalten
Lichtkegel hin und her und seufzt. «Da sind
Millionen von Farben drin, es ist zum Verzweifeln», erklärt sie mir und weist mit einer expressiven Geste von der Vase zu ihrer
Palette. Ich stutze, denn die Farben erscheinen mir nur derer drei: schwarzer Firnis, aufgelegtes Rot und der beige Tongrund. Doch
dann schaue ich mir den Zungenfries auf der
Schulter genauer an und tatsächlich vibriert
und lebt die Farbe. Die verschiedensten Gelb
und Grüntöne verbergen sich im Rot und ein
silbriges Blau schimmert im Schwarz: ein
wahres Universum von Nuancen erschliesst
sich dem geduldigen Auge. Vielleicht können
deshalb die Restauratoren von ihrem Beruf
nicht lassen, sondern arbeiten wie der greise
Giovanni Bellini oder Jacopo Tintoretto einfach weiter und weiter, im Bann der Kunstwerke, die erst durch den physischen Kontakt
mit ihnen ihr geheimnisvolles Wesen preisgeben.
CQ
Meine Auswahl
Eine Kore in Elfenbein
Von Jean-David Cahn
KORE. H. 6,4 cm. Elfenbein. Griechisch, wohl Inselionisch-Samisch, spätes 6.-frühes 5. Jh.v.C.
(Zeichnung von Jean-David Cahn, alle Abbildungen 1:1)
CHF 5’800
Bereits in der ersten und zweiten Ausgabe
stellte ich Ihnen Werke aus der archaischen
Zeit vor, der Epoche, die mich bis heute am
meisten anspricht. Bereits während meinem
Studiums merkte mein Professor in Basel,
Rolf Stucky, an, ich hätte mich nun genügend
der archaischen Plastik gewidmet und solle
endlich eine Seminararbeit zum römischrepublikanischen Porträt übernehmen, womit
er natürlich vollkommen Recht hatte. Trotzdem fasziniert mich diese Zeit, weil sie sich
wegen vordergründig kanonischer Formen in
einer sich sehr differenzierenden Sprache des
Landschaftsstils äussert.
Historisch ist es noch eine Zeit, die man als
die «Ruhe vor dem Sturm», den grossen Verwerfungen des 5. Jhs.v.C., bezeichnen kann.
Bald beginnt die Evolution, dann Revolution zur sogenannten radikalen Demokratie
in mancher Polis statt, militärisch finden
grundlegende Veränderungen in der Strategie
zu Land und zu Wasser statt, herausgefordert
durch den Persersturm und dann durch den
«grossen Krieg» innerhalb der griechischen
Welt. War die archaische Zeit deswegen eine
glückliche Zeit? Wir wissen es nicht. Aber gewiss war es eine Zeit mit festen Grundlagen
in der Form- und Bildersprache, Philosophie
und Politik. Möglicherweise ist das aber auch
meine verklärende Sehweise in Anbetracht
von gegenwärtigen rasanten Veränderungen.
Eine kleine Kore aus Elfenbein in einem Chiton-Mäntelchen und mit einer Frucht in der
Rechten fasziniert. Trotz der stark verwitterten Oberfläche erkennt man bei genauer und
vor allem geduldiger Betrachtung ein anmutiges und elegantes Faltenspiel der Gewänder,
unter denen sich zart der Körper abzeichnet.
Kleinkunst verdient es, im Detail betrachtet
zu werden; leider nehmen wir uns die dazu
notwendige Zeit viel zu selten. Selbst das
Fotografieren ist ein Prozess, der mit einer
gewissen Distanz zum Objekt einhergeht.
Gerne nehme ich mir deshalb ab und zu die
Zeit, mich still und leise zurückzuziehen um
ein solches Werk zu zeichnen. Es erlaubt mir
trotz aller Hektik im Alltag, mich wieder in
diese schöne Arbeit und Betrachtung zu verlieren. Das Zeichnen eines Objekts verlangt
immer wieder, das Gezeichnete zu prüfen,
und gewisse verwitterte Stellen erschliessen
sich einem erst beim Spielen mit dem Licht.
Dabei gilt es, mit Vorsicht zwischen Wunschdenken und Reellem zu differenzieren. Genau
wie eine Fotografie, bei der die Art des Lichts
sehr prägend sein kann, ist die zeichnerische
Umsetzung auf Papier nicht frei von Subjektivität; eine absolut objektive Wiedergabe ist
Utopie. Der Prozess des Zeichnens ermöglicht
aber oft erst zu erkennen, was man unmittelbar nicht sofort sieht, und erlaubt ein tieferes Erfassen des Werks. Mit der Schwärzung
der Zeichnung durch Punktierung in Tusche
erfolgt dann ein weiterer Schritt der Entfernung vom Original. Eine Zeichnung kann
deshalb nur als Sehhilfe und Interpretation
dienen.
Besonders reizvoll an dieser kleinen Statuette
in Elfenbein ist, dass sie die Formensprache
der Monumentalplastik übernimmt. Figuren
aus Elfenbein dienten als kostbare Weihgeschenke in Tempeln. Unsere Kore könnte aufgrund ihrer sehr flüssigen, weichen Formen
der Falten und der Volumetrie insgesamt ionisch sein und erinnert an die zahlreichen Elfenbeinfunde aus dem Heiligtum von Samos
aus dem 6. Jh.v.C.
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Cahn’s Quarterly 2/2013
Die Galerie stellt sich vor
Die Administration
Von Yvonne Yiu (Text) und Christian von Faber-Castell (Fotos)
In dieser Ausgabe von Cahn’s Quarterly möchten wir Ihnen die Administration vorstellen. Obwohl gegen aussen
wenig sichtbar, werden von ihr viele essentielle Aufgaben verrichtet, ohne die keine Messe oder Ausstellung
möglich wäre.
Wie bei vielen erfolgreichen Familienbetrieben ist auch in der Galerie Cahn ein Familienmitglied in jeder wichtigen Sparte des
Betriebs tätig. Während Jean-David Cahn die
Archäologie leitet, ist es seine Schwiegermutter, Elfriede Gaiser, die als Buchhalterin und
Personalverantwortliche in der Administration eine zentrale Position einnimmt. Sie wird
in der vierten Ausgabe von Cahn’s Quarterly
zusammen mit der Familie Cahn porträtiert.
Wer mit der Galerie Cahn telefoniert, spricht
in der Regel zunächst mit Senta Zeller oder
Evelyn Reusser.
Senta Zeller, Jean-David Cahns Sekretärin,
arbeitet seit Anfang des Jahres für die Galerie, nachdem sie während 15 Jahren als Anwalts- und Notariatsekretärin in Basel tätig
war. Mit dem Wechsel in den Antikenhandel
möchte sie an ihr ursprüngliches Interesse
für die Kunst anknüpfen. Vor ihrer Ausbildung zur Direktionssekretärin an der Neuen
Sprach- und Handelsschule, Basel, hatte Senta Zeller nämlich einige Semester Kunstgeschichte an der Universität Zürich studiert. In
der Galerie ist sie für die allgemeine Administration und für alle Belange, die Jean-David
Cahn betreffen, zuständig. Gerade wenn es
zum Beispiel kurz vor den Messen recht hektisch zu- und hergeht, sind alle um ihre gelassen-humorvolle Art und ihre grosse Erfahrung froh. Senta Zeller lebt mit ihrer Familie
in Basel und geht im Winter gerne eislaufen
(synchronised skating) und im Sommer segeln auf dem Walensee.
4
Evelyn Reusser ist schon sechs Jahre mit an
Bord. Zu ihren Hauptkompetenzen zählen die
Buchhaltung und Logistik und sie ist somit
Ihr Ansprechpartner für Fragen bezüglich
Rechnungen und Transporte. Zusätzlich zu
diesen Aufgaben unterstützt sie auch das
Sekretariat. Evelyn Reusser absolvierte nicht
allein die Ausbildung zur kaufmännischen
Angestellten an der Handelsschule KV Basel
sondern ist auch gelernte Köchin. Sie war
während mehreren Jahren stellvertretende
Geschäftsführerin im Restaurant Bergmatten in Hofstetten. In der Galerie sind wir sehr
glücklich, dass wir auf ihre Kenntnisse im
Catering zurückgreifen können etwa bei der
Organisation des Kunden-Diners im Vorfeld
der jährlichen Auktion mit Kunst der Antike.
In ihrer Freizeit erkundet Evelyn Reusser gerne zusammen mit ihrem Mann fremde Länder
und Kulturen, wobei die Karibik es ihnen besonders angetan hat.
Nadja Meichtry unterstützt seit vergangenem
Jahr Evelyn Reusser in vielen, zeitraubenden
Arbeiten wie zum Beispiel beim Einholen der
Art Loss Register Zertifikate, bei der Überprüfung der Objekte durch die TPA in Rom,
dem Archivieren von Dokumenten und dem
Briefversand. Sie studiert gegenwärtig an der
Pädagogischen Hochschule FHNW in Liestal
und freut sich auf ihren künftigen Beruf als
Primarlehrerin. Eine weitere Hilfskraft ist seit
kurzem Daniel Killenberger, der im Herbst
sein Informatikstudium beginnen wird. Er
ist unser Scanner-Assistent und packt auch
an, wenn es zum Beispiel schwere Kisten zu
schleppen gibt.
Die Kunsthistorikerin Yvonne Yiu und die
Althistorikerin Aline Debusigne sind ebenfalls der Administration angegliedert, nehmen aber eine Art intermediäre Stellung zwischen dieser und der Archäologie ein.
Yvonne Yiu ist seit 2005 für die Galerie tätig
und zählt somit bald zu den Veteranen. Die
in Hong Kong aufgewachsene halb Chinesin, halb Schweizerin studierte an den Universitäten von Basel und Edinburgh KunstCQ
Cahn’s Quarterly 2/2013
Aline Debusigne ergänzt das Team seit etwas mehr als einem Jahr und setzt als halb
Französin, halb Dänin einen weiteren multikulturellen Akzent in der Cahn’schen Equippe. Sie studierte römische Geschichte an der
Universität von Nizza und an der EPHE Paris.
Anschliessend verbrachte sie vier Jahre mit
Recherchen zur Sammlungsgeschichte von
Kunstwerken aus dem römischen Ägypten in
den öffentlichen Sammlungen Frankreichs.
Praktische Berufserfahrung sammelte Aline
Debusigne am Antikenmuseum und Sammlung Ludwig in Basel und an der Fondation
Berger in Lausanne. Ihre Kenntnisse über den
Kunstmarkt vertiefte sie am Sotheby’s Institute of Art, London. Für die Galerie organisiert Aline Debusigne die Messen und Sonderprojekte wie beispielsweise die letztjährige
Fotoausstellung in Rom. Ferner ist sie während der Winter- und Sommersaison in der
Galerie in St. Moritz für Sie als Kunstsammler
und -liebhaber da.
Meine Auswahl
Zu meinem bevorzugtem Bereich antiker Plastik gehört ganz eindeutig
archaische Skulptur zwischen ca. 680 und 500 v.C.
Eine archaische Kore
Von Jean-David Cahn
KOPF EINER KORE. H. 16,5 cm. Marmor. Ostgriechisch, um 530 v.C.
geschichte, Geschichte des Mittelalters und
Englische Literatur. Ihr Forschungsinteresse
gilt der altniederländischen Malerei und sie
hat ein preisgekröntes Buch über Jan van
Eyck sowie mehrere Aufsätze zur Kunst und
Kultur der Renaissance publiziert. Zweisprachig mit Englisch und Deutsch aufgewachsen, ist Yvonne Yiu für die Übersetzung
der Katalogtexte sowie für die Pressearbeit
und Werbung verantwortlich. Gelegentlich
ergänzt sie das Messeteam in London und
Basel. Als Kontrastprogramm zur Millionenstadt Hong Kong lebt Yvonne Yiu mit ihrer
Familie im Baselbiet auf dem Lande, wo sie
das Furlen-Ensemble für alte Musik leitet
und 23 Bienenvölker pflegt.
CQ
Vordergründig erscheinen die Skulpturen aus
archaischer Zeit kanonisch in Männer- und
Frauenstatuen unterteilt, abgesehen von der
Bauplastik. Alle schreiten sie voran, die Arme
bei den Männern meist an den Körper gelegt, die Frauen oft mit einer Blume in der
rechten, erhobenen Hand. Dieses Kanonische
zwingt die Bildhauer im Volumen und in der
Oberflächengestaltung der Augen, des Mundes und der Gewänder ihren künstlerischen
Ausdruck zu entwickeln. Diese Reduktion erzwingt die Konzentration auf das Wesentliche im Rahmen der kanonischen Formen. Gerade dadurch wird Landschaftsstil erkennbar,
die Bildhauerschule manifest. Ein vergleichbares Phänomen zeigen Madonnenbilder in
der romanischen und gotischen Kunst. Leider sind diese Statuen von Koren und Kouroi - also Mädchen und Jünglingen - sehr
selten, weil sie oft im Laufe des Persersturms
im 5. Jhs.v.C. und später auch aus anderen
Gründen als Baumaterial gebrochen wurden. Archaische Marmorwerke sind deshalb
im Handel ausserordentlich selten. Selbst die
führenden Museen Europas verfügen oft nur
über eine Handvoll Skulpturen dieser Zeit.
Beim Besuch des neuen Akropolis-Museums
werden wir mit der einzigartigen Dichte solcher Statuen nur deswegen konfrontiert, weil
diese alle aus dem Perserschutt der Akropolis stammen. Manche verblüffen durch die
erhaltene Farbe; erst dadurch wird uns der
enorme Verlust bewusst. Im Gegensatz zur
römischen Plastik müssen wir deshalb aus
dem Zerstörten extrahieren, das Fehlende ergänzen, und uns an dem so fragmentarisch
Erhaltenen freuen.
CHF 76’000
Unsere Kore hier zwingt uns daher zu Geduld
und Einfühlsamkeit beim Betrachten des weichen, vollen Gesichts. Eben ahnt man noch
ihr stilles Lächeln anhand der Mundwinkel
und der zarten, leicht schrägen, mandelförmigen Augen, die sie als ionische Bildhauerarbeit auszeichnen. Das gefasste Kopfhaar
ist durch breite, horizontale Ondulationen
subtil gestaltet, das Stirnhaar in unregelmässige, spannungsvolle Wellen geteilt, darüber
ein breites Haarband, das keck hinter dem
kleinen, aber markanten Ohr verläuft. Wohl
aus grobkristallinem Inselmarmor gearbeitet,
weist ihre formale Struktur auf eine inselionische Werkstatt um 530 v.C. hin. Eine Besonderheit dieser schönen Kore ist, dass mir
die Sammlung, in der sie in England stand,
bestens vertraut war, und dass sie Zeugnis eines echten Dilettanti – oder Cognoscenti – ist.
5
Cahn’s Quarterly 1/2013
Die Galerie stellt sich vor
Die Archäologen
Von Yvonne Yiu
In den vier Ausgaben von Cahn’s Quarterly möchten wir Ihnen jeweils eine
Gruppe von Personen, die für die Galerie Cahn tätig ist, vorstellen. In dieser
Ausgabe ist es das archäologische Team; es folgen die Administration, die
Restauratoren, der Fotograf und der Kunstspediteur sowie die Familie Cahn.
«Die Archäologie» der Galerie Cahn wird geleitet vom Inhaber, Jean-David Cahn, der
Klassische Archäologie an den Universitäten
von Basel und Oxford studierte. Er ist nebst
vielem anderem für den Einkauf und den
Verkauf der Objekte verantwortlich und steht
in engstem Kontakt zu den Sammlern und
Händlern antiker Kunst. Er gestaltet das Auftreten der Firma nach aussen grafisch und
inhaltlich. Er bespricht mit dem Fotografen
Niklaus Bürgin und den diversen Restauratoren die Ansichten und Montagen. In dieser
Arbeit wird er durch ein Team von drei Archäologinnen und einem Archäologen unterstützt. Mehr über Jean-David Cahn erfahren
Sie in der vierten Ausgabe von Cahn’s Quarterly, wo die Familie Cahn vorgestellt wird.
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Das Team wird von Isabelle Godbillon geleitet, die dieses Jahr ihr zehnjähriges Dienstjubiläum feiert. Die Deutsch-Französin studierte Klassische Archäologie, Griechische
Philologie sowie Ur- und Frühgeschichte an
den Universitäten von Freiburg und Aix-enProvence. Sie nahm teil an Grabungen in
Thugga in Tunesien und Nysa in der Türkei
unter der Leitung des Archäologischen Institutes der Universität Freiburg sowie an der
Grabung in Cumae bei Neapel unter der Leitung der Ecole Française de Rome. In der Galerie assistiert Isabelle Godbillon Jean-David
Cahn beim Einkauf der Objekte und bei der
Betreuung der Kunden, die Auktionsobjekte
einliefern. Ferner koordiniert sie die Katalogisierung der Kunstwerke. Als Teil des Messeteams ist sie regelmässig an den Kunstmessen
in Maastricht, London und München anzutreffen. Isabelle Godbillon lebt in Freiburg im
Breisgau und liebt es, wenn Familie und Beruf es erlauben, auf dem Rennrad durch den
Schwarzwald zu brausen.
Gerburg Ludwig ist bereits seit 2001 für die
Galerie Cahn tätig und somit die amtsälteste
Archäologin. Bereits als Kind wollte sie Archäologie studieren, doch als Tochter eines
Pfarrers in Sachsen zu Zeiten der DDR war
ihr die Zulassung zu Abitur und Studium
verwehrt, weshalb sie eine Ausbildung zur
Krankenschwester absolvierte. Doch nach
der Wende verwirklichte sie ihren Traum,
holte das Abitur nach und studierte Klassische Archäologie und Alte Geschichte an den
Universitäten von Leipzig und Freiburg. Sie
nahm zusammen mit Isabelle Godbillon an
der Freiburger Grabung in Nysa teil und begann schon in ihrer letzten Studienzeit für
die Galerie Cahn zu arbeiten. Gerburg Ludwig
ist vor allem für die Katalogarbeit verantwortlich. Sie war Hauptautorin der beliebten
Tierkataloge, die 2004-2008 zur Weihnachtszeit erschienen, sowie ab 2007 der Auktionskataloge. Die Online-Kataloge, die regelmässig auf cahn.ch hochgeladen werden,
stammen ebenfalls aus ihrer Feder. Zudem ist
sie auch an den Kunstmessen in Maastricht,
München und Basel präsent. Gerburg Ludwig
lebt in Hamburg und Zürich, wo sie im Bach
Collegium singt – demnächst in J.S. Bachs
Johannes-Passion als Sakrale Installation im
Zürcher Grossmünster.
Ulrike Haase aus Schwerin ist seit einem Jahr
mit an Bord. Sie studierte Klassische Archäologie, Alte Geschichte, Christliche Archäologie und Byzantinische Kunstgeschichte an der
Universität Greifswald. Die Teilnahme an der
deutsch-italienischen Grabung auf Pantelleria sowie derjenigen des Biblisch-Archäologischen Institutes Wuppertal in Jordanien ergänzten ihre Ausbildung. Für ihre Promotion
über die matronalen Sitzstatuen aus einem
italischen Heiligtum bei Capua, welche sie
voraussichtlich Ende 2013 abschliessen wird,
wechselte sie zu Dr. Dietrich Boschung an
die Universität Köln. In der Galerie Cahn ist
sie für die wissenschaftliche Bearbeitung der
Kunstwerke und für die Lagerverwaltung zuständig. Ferner ist sie die Ansprechperson für
Kunden und Kundinnen, welche die Galerie
CQ
Cahn’s Quarterly 1/2013
Meine Auswahl
Hunderte von Kunstwerken gehen jedes Jahr durch Jean-David Cahns Hände. Viele verborgene Schätze sind darunter. In dieser Rubrik möchte er Sie
an einigen ganz besonderen Entdeckungen teilhaben lassen.
Eine archaische Gorgo
Von Jean-David Cahn
Der Kanadier Dr. John Robert Guy ist einer der bedeutendsten Kenner der attischen
Vasenmalerei. Er doktorierte 1984 an der
Universität von Oxford bei Prof. C. Martin
Robertson über den Maler Douris. Von 19841991 war er Associate Curator der Antikenabteilung des Kunstmuseums der Princeton
University und von 1992-1999 hatte er das
Humfry Payne Senior Research Fellowship
in Classical Archaeology and Art am Corpus
Christi College der Universiät von Oxford
inne. Anschliessend arbeitete er als freischaffender Wissenschaftler und Kunstberater in
London. Robert Guy ist seit 1976 der Familie Cahn eng verbunden, da er seit seiner
Studienzeit in regem fachlichem Austausch
mit Herbert A. Cahn über das Thema der attischen Vasenmalerei stand und häufig zu
Besuch war. Seit 2009 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter der Firma und persönlicher
Berater von Jean-David Cahn bei Einkäufen.
Er katalogisiert die Keramik und ist zuständig für die Sorgfaltspflicht und das Controlling der Provenienzen der Kunstwerke. Nebst
seiner Arbeit für die Galerie Cahn ist Robert
Guy als Forscher tätig und nimmt an internationalen Kongressen teil. An Basel schätzt er
die ausserordentliche Dichte von kulturellen
Institutionen, nicht nur im Bereich der Kunst,
sondern auch der Musik.
in Basel besuchen und ein fester Bestandteil
des Messeteams. Was ihr an der Schweiz besonders gut gefällt? Ulrike Haase schätzt den
hohen Lebensstandard hier und ist sehr angetan von der Freundlichkeit der Schweizer.
Im flachen Mecklenburg-Vorpommern aufgewachsen, will sie es auch nicht versäumen,
in den Alpen das Skifahren zu lernen.
CQ
GORGONENHAUPT. B. 11 cm. Bronze. Grossgriechisch, Spätarchaisch, ca. 530 v.C.
2009 erwarb ich in London zufällig eine
Schachtel verschiedenster Objekte von anscheinend geringem Wert. Mir fiel mit schnellem Blick ein handtellergrosses, zerborstenes
Bronzeblech auf, welches eine ungemein feine spätarchaische Treibarbeit verbarg. Eine
partielle Reinigung durch meinen langjährigen, erfahrenen Restaurator André Lorenceau
legte eine zähnefletschende, starrende Maske der Gorgo frei, die wüsten Gesichtszüge
mit feinsten ziselierten Linien betont, in den
schönen mandelförmigen Augen noch Reste
ihrer weissen Pupillen in Elfenbein. Die Details werden kaum durch Fotos, sondern erst
durch das Abzeichnen erkennbar, eine Arbeit, die ich von jeher in meiner Forschung
sehr gepflegt habe. Was liegt hier vor? Ein
Beschlag wohl von einer Stirnplatte eines
Pferdes, ein Prometopodion, um 530 v. Chr.
Diese sind ausserordentlich selten und es sind
nur etwa acht Exemplare aus dieser Zeit bekannt (Museen von Karlsruhe, Basel, Malibu
und Neapel).
CHF 12’800
Der Betrachter der Gorgo erstarrt, deswegen
hat Perseus sie mit ihren eigenen Waffen,
nämlich mit einem Spiegel, besiegt. Beim
Anblick ihrer selbst erstarrte sie und wurde
enthauptet. Der Reiter erhofft sich dasselbe,
nämlich Schrecken, ausserdem bewirkt die
Vervielfachung der Augen von Pferd, Stirnplatte und Reiter Verwirrung.
Es geht dabei nicht nur darum, den Betrachter durch lähmende apotropäische Bilder zu
beeinträchtigen, sondern der Träger erhofft
sich dadurch Unverwundbarkeit oder gar eine
Vermeidung des nahen Todes.
Der Reiz dieses Bronzeblechs liegt gerade darin, dass man es nicht sofort erfasst. Es verlangt ein sorgfältiges, genaues Betrachten,
um die Feinheit der Linien und der Arbeit
zu erfassen. Diese Art des sich langsam erschliessenden Genusses erinnert an einen guten Jahrgang Bordeaux und ist für mich der
wahre Genuss beim Betrachten von Kunstwerken. Nicht slow food, sondern slow art!
Meine Faszination rührt daher, dass ich mich
jahrelang der Frage gewidmet habe, mit was
für bildlichen Inhalten reelle Waffen verbunden wurden. Der Krieger, der solche trug, verband Vorstellungen des Überlebens, des Jenseits und der Abschreckung damit. Waffen
sind im Gegensatz zu vielen Antiken in ihrer
Funktion präzise definiert. Sie schützen und
verletzen, sekundär können sie geschenkt,
gewidmet usw. werden.
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Seele and Geist
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