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Anlage 1 - Regionalverband Schwarzwald-Baar-Heuberg

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Anlage 1 zu Beilage 1/2014
Perspektive 2030
Regionales Entwicklungskonzept
für die Region
Schwarzwald-Baar-Heuberg
- Analyse der Strukturen und Entwicklungen in der Region -
Perspektive 2030
Regionales Entwicklungskonzept für die
Region Schwarzwald-Baar-Heuberg
- Analyse der Strukturen und Entwicklungen in der Region -
Bearbeitung:
Regionalverband Schwarzwald-Baar-Heuberg
Marcel Herzberg
Andreas Hemesath
Industrie- und Handelskammer
Schwarzwald-Baar-Heuberg
Christoph Moschberger
Axel Philipp
Wirtschaftsförderungsgesellschaft
Schwarzwald-Baar-Heuberg mbH
Heinz-Rudi Link
Handwerkskammer Konstanz
Joachim Kunz
Villingen-Schwenningen / Konstanz, 14.01.2014
Inhalt
Analyse der Strukturen und Entwicklungen in der Region
Seite
Abbildungsverzeichnis
4
Einführung
6
Methodik
8
Vorbemerkung zum Zensus 2011
1. Wirtschaft und Beschäftigung
12
13
Wirtschaftsstruktur
13
Beschäftigtenentwicklung
14
Arbeitsmarkt
17
Pendler
19
Tourismus
22
2. Bildung und Forschung
26
Hochschullandschaft
26
Hochschulabsolventen
27
Schüler
29
Forschung und Technologietransfer
30
3. Demografie und Daseinsvorsorge
32
Bevölkerungsentwicklung
32
Bevölkerungsvorausrechnung und Altersstruktur
34
4. Infrastruktur und Erreichbarkeit
37
Verkehrsinfrastruktur
37
Erreichbarkeit
38
Breitband
42
5. Klimaschutz und Energieversorgung
44
6. Lebensqualität, Kultur und soziales Miteinander
48
Lebensverhältnisse
48
Kaufkraft
51
„Kreative Klasse“
52
Familienfreundlichkeit / Vereinbarkeit von Familie und Beruf
53
7. Wirtschaftsförderung und Regionalmarketing
56
8. Fakten – Eine Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse
58
Region Schwarzwald-Baar-Heuberg teilraumübergreifend
58
Teilraum Rottweil/Tuttlingen
59
Teilraum Villingen-Schwenningen
60
Teilraum Südbaar
61
Teilraum Oberer Neckar
62
Teilraum Schwarzwald
63
4
Abbildungsverzeichnis
Seite
Abb. 1
Zuordnung der Gemeinden Baden-Württembergs zu Clustern nach
IREUS
10
Abb. 2
Zuordnung der Gemeinden der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg zu
den Clustern nach IREUS und damit zu den Teilräumen für die Analyse
11
Abb. 3
Die Wirtschaftsstruktur nach dem Anteil der SVP-Beschäftigten in den
Wirtschaftsbereichen 2012
14
Abb. 4
Die Entwicklung der SVP-Beschäftigten 1990 bis 2012
15
Abb. 5
Die Entwicklung der SVP-Beschäftigten im Produzierenden Gewerbe
1990 bis 2012
15
Abb. 6
Die Entwicklung des Frauenanteils an den SVP-Beschäftigten 1990 bis
2012
16
Abb. 7
Der Arbeitslosenanteil an der Summe der SVP-Beschäftigten und
Arbeitslosen 2005 bis 2012
17
Abb. 8
Die Einflussfaktoren auf die Entscheidung junger hochqualifizierter
Arbeitnehmer bei der Arbeitsplatzwahl
18
Abb. 9
Die Herkunft der Berufseinpendler am Arbeitsort (Teilräume 2009)
19
Abb. 10
Die Herkunft der Berufseinpendler am Arbeitsort (Kreisstädte der
Region 2009)
20
Abb. 11
Die Pendeldistanzen in der Region
21
Abb. 12
Die Pendeldistanzen in Deutschland
21
Abb. 13
Die Gliederung der Reisegebiete in Baden-Württemberg
23
Abb. 14
Die Entwicklung der Übernachtungszahlen 1990 bis 2012
24
Abb. 15
Die Entwicklung der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer 1990 bis 2012
25
Abb. 16
Die Hochschulstandorte in Baden-Württemberg
26
Abb. 17
Der Anteil der Hochschulabsolventen an den SVP-Beschäftigten 2011
27
Abb. 18
Die Entwicklung der SVP-Beschäftigten mit Hochschulabschluss 2000
bis 2011
28
Abb. 19
Die Entwicklung der Schulübergänge in der Region Schwarzwald-BaarHeuberg 1990 bis 2012
29
Abb. 20
Die voraussichtliche Entwicklung der Schülerzahlen in der Region
Schwarzwald-Baar-Heuberg 2009 bis 2020
30
Abb. 21
Die Entwicklung der Bevölkerungszahl 1990 bis 2010
32
Abb. 22
Der relative Wanderungssaldo 1990 bis 2010 (Saldo pro 1.000 EW)
33
Abb. 23
Der relative Natürliche Saldo 1990 bis 2010 (Saldo pro 1.000 EW)
33
Abb. 24
Die Vorausrechnung der Bevölkerungszahl 2008 bis 2030
34
Abb. 25
Die Vorausrechnung der Anzahl der Einwohner im Alter von 65 und
älter
35
Abb. 26
Die Straßennetz in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg
37
Abb. 27
Die Schienennetz in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg
38
Abb. 28
Die Erreichbarkeit von Autobahnen
39
5
Abb. 29
Die Erreichbarkeit von Fernbahnhöfen
39
Abb. 30
Die Erreichbarkeit von Hochschulen
40
Abb. 31
Die Erreichbarkeit von Gymnasien
40
Abb. 32
Die Erreichbarkeit von Hausärzten
41
Abb. 33
Die Erreichbarkeit von Arbeitsplätzen
41
Abb. 34
Breitbandversorgung mit 1 Mbit/s
43
Abb. 35
Breitbandversorgung mit 6 Mbit/s
43
Abb. 36
Die Struktur der Stromerzeugung in der Region und im Land 2011
45
Abb. 37
Die Struktur der Stromerzeugung in den einzelnen Teilräumen der
Region 2011
46
Abb. 38
Über- und unterdurchschnittliche Ausprägungen regionaler Lebensverhältnisse
49
Abb. 39
Das Mietpreisniveau in ausgewählten Städten Baden-Württembergs
2009
50
Abb. 40
Die ungebundene Kaufkraft in Euro je Einwohner 2009
51
Abb. 41
Der TTT-Index in den Kreisen und kreisfreien Städten
52
Abb. 42
Die Bewertung der Indikatoren im Themenfeld „Vereinbarkeit von
Familie und Beruf“ sowie weiterer ausgewählter Indikatoren im
Einzelnen
55
6
Einführung
Ausgangslage
Die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg, im Süden Baden-Württembergs gelegen, setzt sich aus
den drei Landkreisen Schwarzwald-Baar-Kreis, Rottweil und Tuttlingen zusammen. Die Region
ist mit rund 2.500 km² sowohl von der Fläche als auch mit ca. 473.000 Einwohnern eine der
kleinsten Regionen im Land.
Strukturprägend ist neben der im Landesvergleich unterdurchschnittlichen Bevölkerungsdichte
insbesondere
ein
starker
industrieller
Sektor.
Der
Anteil
der
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Produzierenden Gewerbe liegt mit rund 52 %
deutlich über dem in den anderen Regionen des Landes.
Die Regionalentwicklung wird zu großen Teilen beeinflusst durch die 4 Regionalakteure:
- Handwerkskammer Konstanz
- Industrie- und Handelskammer Schwarzwald-Baar-Heuberg
- Regionalverband Schwarzwald-Baar-Heuberg
- Wirtschaftsförderungsgesellschaft Schwarzwald-Baar-Heuberg mbH
Die Trägerschaft verschiedener regionalbedeutsamer Maßnahmen und Projekte liegt dabei bei
einer oder bei mehreren der genannten Institutionen. Um die einzelnen regionalen Projekte aber
zielführend umzusetzen und zu begleiten, kommt der Einbettung der verschiedenen
Maßnahmen in eine ganzheitliche regionale Gesamtstrategie eine immer entscheidendere
Bedeutung zu. Die Bündelung von Kompetenzen und die Erzeugung von Synergieeffekten im
Rahmen einer integrierten und koordinierten Regionalentwicklung aus einem Guss wird deshalb
zukünftig auch für die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg erfolgsbestimmend sein.
Um gegenüber anderen Regionen auch weiterhin gut positioniert zu sein, wird einer noch
intensiveren Kooperation zwischen Regionalverband, Industrie- und Handelskammer,
Handwerkskammer, regionaler Wirtschaftsförderungsgesellschaft und der kommunalen Ebene
eine maßgebliche Bedeutung zukommen. Die vielfältigen Herausforderungen, denen die Region
gegenwärtig und zukünftig zur Sicherung ihrer Wettbewerbsfähigkeit gegenüber steht, können
nur im Rahmen einer ganzheitlich regionalen Gesamtstrategie bewältigt werden.
Zentrale Handlungsfelder entstehen aufgrund von Trends wie dem demographischen Wandel,
der Globalisierung, des Fachkräftemangels oder der Energiewende. Themen wie die
Sicherung der regionalen Daseinsvorsorge, der Ausbau von interkommunalen
Kooperationen, die Akquise von Fachkräften, die Entwicklung einer leistungsfähigen
Infrastruktur, die Nutzung erneuerbarer Energien oder die Stärkung der regionalen
Wirtschaftsförderung erfordern dementsprechende koordinierte Strategien und Lösungswege.
Zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Regionen ist daher eine
Bündelung der vorhandenen Kompetenzen in Form einer gezielten Kooperation und einer
vorausschauenden Zusammenarbeit der entscheidende Erfolgsfaktor.
Ziel des Regionalen Entwicklungskonzepts
Das Ziel besteht darin, eine ganzheitlich regionale Gesamtstrategie in Form eines
Regionalen Entwicklungskonzepts für die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg zu erarbeiten.
Es soll Problemfelder und Potenziale aufzeigen, die sich in konkreten Maßnahmen und
7
Projekten wiederspiegeln und damit eine Art Leitfaden für die regionale Entwicklung
darstellen. Das Konzept soll als wesentlichen Bestandteil auch die regionalweite Festigung der
Dachmarke „Gewinnerregion“ beinhalten.
Das Wesentliche an diesem Konzept ist, dass dies vom Regionalverband, der Industrie- und
Handelskammer, der Handwerkskammer und der regionalen Wirtschaftsförderungsgesellschaft
in Kooperation erarbeitet wird. Dabei soll das Regionale Entwicklungskonzept kein starres
Gebilde oder Gutachten sein, sondern im Laufe der Zeit an die aktuellen Anforderungen
angepasst und – entsprechend neu konzipierter Maßnahmen – fortgeschrieben werden.
Wesentliche Anforderung an die Maßnahmen und Projekte soll dabei immer die
Umsetzungs-orientiertheit sein.
Fragestellungen, die im Zuge der Erarbeitung des Programms beantwortet werden sollen, sind
insbesondere:
- In welchen Bereichen bestehen aktuell die Potenziale der Region?
- In welchen Bereichen bestehen aktuell die Defizite der Region?
- In welchen Bereichen bestehen im Hinblick auf die Zukunft Chancen und Risiken?
- Mit welchem Ziel werden die einzelnen derzeit laufenden Projekte und Maßnahmen
betrieben? Inwiefern werden dabei bereits die identifizierten Chancen und Risiken
aufgegriffen und Synergien genutzt?
- Auf welche Art und Weise sind die einzelnen regionalen Akteure in diese Projekte
eingebunden?
- Welche zusätzlichen Handlungsfelder und Projekte sind für eine erfolgreiche Regionalentwicklung erfolgsbestimmend?
- Wie können diese Projekte und Programme konkret angestoßen werden?
- In welche Richtung muss das strategische Leitbild für die Region ausgerichtet werden?
Insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass der Erarbeitung eines Regionalen
Entwicklungskonzepts im Hinblick auf die Zuwendung von Fördergeldern zukünftig eine immer
entscheidendere Bedeutung zukommt, ist die hier formulierte Zielsetzung letztendlich mit
erfolgsbestimmend für die Weiterentwicklung der Region.
Erster Teil – Analyse der Strukturen und Entwicklungen in der Region
Mit dem vorliegenden ersten Teil des Regionalen Entwicklungskonzepts – der Analyse der
Strukturen und Entwicklungen in der Region – wurde in Form einer Art Impulspapier die
grundlegende Basis für die Aufstellung eines Regionalen Entwicklungskonzeptes erstellt. Darin
wurden die bisherige Entwicklung in der Region, die derzeitige Struktur sowie für bestimmte
Themen auch die voraussichtliche Entwicklung in der Zukunft analysiert und somit die aktuellen
Stärken und Schwächen der Region herausgearbeitet Neben den „harten“ Standortfaktoren
aus den Bereichen Bevölkerung, Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Infrastruktur etc. flossen auch
„weiche“ Standortfaktoren wie die Lebensqualität in die Betrachtung mit ein. Auch touristische
Determinanten und bildungsrelevante Themen wurden dabei berücksichtigt. Allerdings sollte die
Analyse nicht zu detailliert und damit seiner Funktion als Impulspapier entsprechend nicht zu
umfangreich ausfallen.
Entsprechend dieser Themen der Analyse wurden sogleich die Handlungsfelder für den zweiten
Teil des Regionalen Entwicklungskonzepts festgelegt, in welchem zu den einzelnen
Feldern regionale Leitziele definiert werden. Die analytischen Aussagen aus diesem ersten
Teil des Regionalen Entwicklungskonzepts stellen hierfür wichtige Anknüpfungspunkte dar. Die
regionalen Leitziele können sich somit aus spezifischen Trends, sich nachhaltig verändernden
Entwicklungsmustern oder auch aus besonderen regionalen Strukturen ergeben.
8
Methodik
Bevor in den nachfolgenden Kapiteln – gegliedert nach den Strategischen Themenfeldern – im
Rahmen einer Bestandsanalyse die Strukturen und Entwicklungen der Region SchwarzwaldBaar-Heuberg analysiert werden, soll zunächst die Methodik dieser Analyse erläutert werden.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Bestandsaufnahmen wird bei der folgenden Analyse auf eine
teilräumliche Untersuchung nach administrativen Raumeinheiten verzichtet. Sich aus einer
Teilraumanalyse von beispielsweise Landkreisen oder Mittelbereichen ergebende Ergebnisse
zeigen in der Regel nicht die Kernprobleme auf, sondern liefern in den meisten Fällen lediglich
wenig aussagekräftige Durchschnittswerte. Letztlich machen Entwicklungen nicht an
administrativen Grenzen halt und es stellen sich weder die Region, noch die Landkreise und
Mittelbereiche keineswegs als in sich homogene Räume dar. So variieren die Strukturen und
Entwicklungen innerhalb dieser Teilräume in beträchtlichem Maße. Deshalb muss es das Ziel
sein, Teilräume zu identifizieren, die über ähnliche Potenziale und Problemlagen verfügen. Nur
so können aussagekräftige Stärken und Schwächen herausgearbeitet werden sowie auch im
späteren Verlauf des Entwicklungskonzepts teilraumbezogene Handlungsfelder und
Maßnahmen entworfen werden.
Im Forschungsvorhaben „Der Beitrag der ländlichen Räume Baden-Württembergs zu
wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit und sozialer Kohäsion – Positionsbestimmung und
Zukunftsszenarien“ des Instituts für Raumordnung und Entwicklungsplanung an der Universität
Stuttgart (IREUS) 1 wurde eine sogenannte Clusteranalyse angewandt. So wurden die
Gemeinden des Landes in bezüglich ihrer Struktur und Entwicklung möglichst homogene
Gruppen eingeteilt. IREUS hat dabei den ländlichen Raum Baden-Württembergs in fünf Cluster
unterteilt, wobei in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg vier dieser Cluster vertreten sind
(Abb. 1, S. 10).
Überschlägig zeichnen sich vier Cluster in der Region durch folgende Merkmale aus:
Cluster A:
-
Beschäftigungszuwachs im Produzierenden Gewerbe.
Beschäftigungszuwachs im Dienstleistungssektor.
Niedrige Arbeitslosenquote.
Hoher Anteil der SVP-Beschäftigten in forschungs- und wissensintensiven
Wirtschaftszweigen.
Überdurchschnittlicher Hochschulabsolventenanteil an den Beschäftigten.
Bevölkerungszuwachs (natürliche Bevölkerungsentwicklung und Wanderung).
Unterdurchschnittlicher Anteil der über 64-Jährigen.
Cluster B:
1
Unterdurchschnittliche Entwicklung der Beschäftigten im Produzierenden Gewerbe
und im Dienstleistungssektor
Arbeitslosigkeit entspricht den Durchschnittswerten.
Bevölkerungsanstieg – trotz eines negativen Geburtensaldos – aufgrund hoher
Wanderungsgewinne.
Cluster B stellt das attraktivste Zielgebiet für die 18-24-Jährigen dar.
Institut für Raumordnung und Entwicklungsplanung an der Universität Stuttgart (Hrsg.): Der Beitrag der
ländlichen Räume Baden-Württembergs zu wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit und sozialer Kohäsion –
Positionsbestimmung und Zukunftsszenarien, Stuttgart 2011.
9
-
Cluster D:
Gemeinden ohne erkennbare Entwicklungsstärken.
Periphere Erreichbarkeitsverhältnisse.
Besitzt eine Reihe von Charakteristika von strukturschwachen Räumen.
Tendenz zur Abwanderung jüngerer Menschen.
Geringe Bevölkerungsabnahmen durch ausgeglichenen Wanderungs- und Geburtensaldo.
Geringer Beschäftigungsabbau mit allgemeiner Tendenz zu Verlagerungen in den
Dienstleistungssektor.
Cluster E:
-
Cluster mit dem größten Beschäftigtenrückgang.
Negative Bevölkerungsentwicklung (Wanderungen und natürliche Entwicklung).
Hoher Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung.
Starke Abwanderung von jungen Menschen.
Schlechte Erreichbarkeit von Arbeitsplätzen.
Stark bemerkbarer Strukturwandel.
Anhand dieser Aufstellung lässt sich schon grob erkennen, dass die Teilräume in der Region
Schwarzwald-Baar-Heuberg deutlich unterschiedliche Strukturen und Entwicklungen aufweisen
und damit auch sehr unterschiedliche Zukunftsperspektiven besitzen. Feststellbar ist zudem,
dass in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg „gut“ und schlecht“ zum Teil sehr nahe
beieinander liegen. Anhand der zwei Karten, die auf den folgenden Seiten abgebildet sind, soll
veranschaulicht werden, wie die Teilräume, die den Bezugsmaßstab für die Analyse darstellen,
abgegrenzt wurden. So bildet Abbildung 1 (S. 10) die von IREUS vorgenommene Zuordnung der
Gemeinden im ländlichen Raum Baden-Württembergs zu insgesamt fünf Clustern ab. Nachdem
diese Einteilung auf die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg heruntergebrochen wurde und – um
geeignete Teilräume zu identifizieren, die für eine analytische Betrachtung im Rahmen des
Regionalen Entwicklungskonzepts geeignet sind – einzelne „Unebenheiten“ beseitigt wurden,
ergab sich die in Abbildung 2 (S. 11) dargestellte Karte. Diese bildet somit die fünf Teilräume ab,
die bei der Bestandsanalyse als Bezugsräume fungieren.
Im Einzelnen sind dies:
-
Teilraum Rottweil/Tuttlingen (der Südliche Teil des Landkreises Rottweil, der gesamte
Landkreis Tuttlingen ohne die Gemeinden Geisingen und Immendingen sowie die Gemeinde
Niedereschach aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis)
-
Teilraum Villingen-Schwenningen (das Oberzentrum sowie sieben Kommunen in dessen
direktem Umland)
-
Teilraum Südbaar (Die Städte Bräunlingen, Hüfingen und Blumberg aus dem SchwarzwaldBaar-Kreis sowie die Gemeinden Geisingen und Immendingen aus dem Landkreis
Tuttlingen)
-
Teilraum Oberer Neckar (Sechs Städte und Gemeinden aus dem Norden des Landkreises
Rottweil)
-
Teilraum Schwarzwald (Insgesamt 15 Städte und Gemeinden aus dem westlichen Teil der
Landkreise Schwarzwald-Baar-Kreis und Rottweil)
Als Datengrundlage für die Bestandsaufnahme diente stets – sofern keine andere Quelle
angegeben ist – die Struktur- und Regionaldatenbank des Statistischen Landesamts BadenWürttemberg. 2
2
www.statistik.baden-wuerttemberg.de/SRDB/, Stuttgart 2012.
10
Abb.1: Zuordnung der Gemeinden Baden-Württembergs zu Clustern nach IREUS
Quelle: Institut für Raumordnung und Entwicklungsplanung an der Universität Stuttgart (Hrsg.): Der
Beitrag der ländlichen Räume Baden-Württembergs zu wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit und sozialer
Kohäsion – Positionsbestimmung und Zukunftsszenarien, Stuttgart 2011, S. 139.
11
Abb. 2: Zuordnung der Gemeinden der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg zu den Clustern nach IREUS
und damit zu den Teilräumen für die Analyse
Quelle: Eigene Darstellung, Villingen-Schwenningen 2012.
12
Vorbemerkung zum Zensus 2011
Während der Erarbeitung der vorliegenden Analyse wurden im Mai 2013 erste Ergebnisse des
Zensus 2011 veröffentlicht. Die letzte große Volkszählung fand in den alten Bundessländern im
Jahr 1987 statt. Viele Bevölkerungs- und Statistikdaten basierten seitdem auf Fortschreibungen
dieser Zählung. Im Laufe der Zeit haben die Ungenauigkeiten jedoch immer mehr zugenommen,
so dass im Jahr 2011 mit dem Zensus eine Volks-, Gebäude- und Wohnungszählung
durchgeführt wurde.
Bundes-, landes- und regionsweit stellen sich die Ergebnisse höchst unterschiedlich dar. In der
Region Schwarzwald-Baar-Heuberg beispielsweise lag die Differenz der bislang
angenommenen Bevölkerungszahl zum 30.06.2011 und der nach dem Zensus 2011 am
Stichtag 09.05.2011 gezählten bei -1,5 %. In manchen Gemeinden lag die Abweichung sogar
bei rund 10 %. Aufgrund dieser Diskrepanzen mussten die neu ermittelten Daten auch in der
Analyse zum Regionalen Entwicklungskonzept ihre Berücksichtigung finden. Dies geschah
allerdings nur bei den Daten zur Demografie und in diesem Fall auch nur dann, wenn sie für das
Jahr 2011 oder 2012 Erwähnung fanden. Ein Hinweis ist an den entsprechenden Stellen
angebracht. Da die Ergebnisse des Zensus 2011 die Zahlen nicht „zurück schreiben“, bleiben so
die schon seit geraumer Zeit von den tatsächlichen Zahlen abweichenden Annahmen für die Zeit
vor 2011 unberührt.
So sind bei den Darstellungen und Beschreibungen zu Entwicklungen in den letzten 10 oder 20
Jahre die Ergebnisse des Zensus unberücksichtigt geblieben. Aufgrund der zum Teil
erheblichen Differenzen würde die Entwicklung durch die dann sprunghafte Veränderung
zwischen 2010 und 2011 nicht der Realität entsprechen. Aus diesem Grund wurden die
demographischen Entwicklungen lediglich bis zum Jahr 2010 abgebildet. Letztlich sind somit
zwar die zugrunde liegenden absoluten Zahlen in Wirklichkeit abweichend, doch hat sich der
grundsätzliche Trend durch die Zensusergebnisse nicht wesentlich verändert. Insofern sind
diese Abbildungen unproblematisch. Letztlich basieren sie auf den offiziellen Daten des
Statistischen Landesamt zum Stichtag 25.01.2013. Unberücksichtigt blieben zudem diejenigen
Zensuszahlen, die bis Redaktionsschluss (20.12.2013) noch nicht in der notwendigen regionalen
Tiefe (bspw. Hochschulabsolventen) oder noch gar nicht veröffentlicht wurden (bspw.
sozialversicherungspflichtig Beschäftigte).
Ein Sonderfall stellt ferner das Kapitel zur Bevölkerungsvorausrechnung von 2008 bis 2030 dar.
So ist hier sowohl die Ausgangszahl für 2008 als auch der entsprechende Verlauf bis 2030 nach
den Ergebnissen des Zensus 2011 vermutlich mit erheblichen Abweichungen behaftet. Dennoch
dürfte sich auch hier der generelle Trend nicht wesentlich verändert haben. Eine neue
Bevölkerungsvorausrechnung, die auf den Ergebnissen des Zensus beruht, lag im Dezember
2013 noch nicht vor.
13
1. Wirtschaft und Beschäftigung
Die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg erwirtschaftete im Jahr 2011 ein Bruttoinlandsprodukt
(BIP zu Marktpreisen) von 16,4 Mrd. Euro und stellte damit 4,3 % des BIP im Land. Der
Bevölkerungsanteil lag mit 4,5 % in einem ähnlichen Bereich. Auch hinsichtlich der Entwicklung
zwischen 1991 und 2011 lag die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg mit einer Steigerung um 66 %
in etwa auf Höhe des landesweiten Durchschnitts (+65 %). Auffällig war allerdings der Einbruch im
Krisenjahr 2009, der sich in der Region stärker als im Land bemerkbar machte. Während im
Land im Vergleich zum Vorjahr 2008 ein Einbruch um 7,1 % stattfand, wurde in der Region ein
Rückgang des BIP um 9,7 % beobachtet.
Wirtschaftsstruktur
Die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg ist im Vergleich zum Land überaus stark vom
Produzierenden Gewerbe geprägt. So entfielen im Jahr 2011 50 % der Bruttowertschöpfung
(BWS zu Herstellungspreisen) in der Region auf diesen Wirtschaftsbereich. Im Land waren
es 39 %. Auffällig war zudem wiederum die Entwicklung im Jahr 2009, wo sich die Entwicklung
infolge der Wirtschafts- und Finanzkrise besonderes im Produzierenden Gewerbe bemerkbar
machte. Während im Vergleich zum Vorjahr 2008 in der Region bei der
Gesamtbruttowertschöpfung „nur“ eine Abnahme um 9,7 % stattfand, musste im Produzierenden
Gewerbe ein enormer Rückgang um 17,6 % verkraftet werden. Auch im Land fiel der Einbruch der
BWS in diesem Wirtschaftsbereich bei einem Rückgang um 18,3 % ähnlich stark aus. Langfristig
von 1991 bis 2008 betrachtet, war das Wachstum der Gesamtbruttowertschöpfung in der
Region mit 57 % leicht höher als im Land (54 %), wobei der Unterschied im Bereich des
Produziereden Gewebes zugunsten der Region deutlich größer war (+46 % vs. +34 %).
Die hohe Bedeutung des Produzierenden Gewerbes in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg
wird auch durch die Beschäftigtenanteile in den einzelnen Wirtschaftssektoren belegt. Während im
Land im Jahr 2012 „nur“ 38 % der sozialversicherungspflichtig (SVP) Beschäftigten im diesem
Wirtschaftsbereich arbeiten, sind es in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg 52 %. Eine
besonders hohe Bedeutung des Produzierenden Sektors ist dabei vor allem in den Teilräumen
Schwarzwald und Südbaar festzustellen. Hier sind 66 bzw. 61 % der Beschäftigten im
Produzierenden Gewerbe tätig. Einzig im Teilraum Villingen-Schwenningen ist die Mehrzahl
der Beschäftigten im Dienstleistungssektor tätig. Mit 66 % liegt deren Anteil dort sogar über
dem Landesdurchschnitt. Die Landwirtschaft besitzt in allen untersuchten Räumen einen kaum
wahrnehmbaren Beschäftigtenanteil (Abb. 3).
Hinsichtlich der einzelnen Wirtschaftszweige im Produziereden Gewerbe dominiert in der
Region Schwarzwald-Baar-Heuberg eindeutig das Verarbeitende Gewerbe. So arbeiten im
Jahr 2012 89 % der Beschäftigten des Produzierenden Gewerbes in diesem Wirtschaftsbereich. Im
Land kommen auf das Verarbeitende Gewerbe zwar auch die absolut klar meisten, prozentual aber
„nur“ 83 % der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Produziereden Gewerbe. Dagegen ist
das Baugewerbe in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg im Landesvergleich unterrepräsentiert
(9 vs.14 %).
Im Dienstleistungsbereich sind sowohl in der Region als auch im Land neben dem Handel
(inklusive der Instandhaltung und Reparatur von Kfz) vor allem der Wirtschaftszweig des
Gesundheits- und Sozialwesens dominierend. So sind in der Region Schwarzwald-BaarHeuberg im Handel 24 % (Land: 18 %) und im Gesundheits- und Sozialwesen 20 % (Land: 22 %)
der sozialversicherungspflichtig Beschäftigen des Dienstleistungsbereichs tätig.
14
Mit einem hohen Anteil an Produzierendem Gewerbe sind für eine Gemeinde in der Regel höhere
Gewerbesteuereinnahmen als in einer vom Dienstleistungssektor geprägten Kommune verbunden.
Dieser positive Effekt zeigt sich auch in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg, wo die
Gewerbesteuereinnahmen pro Einwohner im Jahr 2012 beispielsweise im vom
Produzierenden Gewerbe dominierten Teilraum Schwarzwald deutlich höher als im
dienstleistungsgeprägten Teilraum Villingen-Schwenningen sind. Mit rund 654 Euro pro
Einwohner liegt dieser Wert im Teilraum Schwarzwald auch über dem im Land (ca. 509 Euro/EW).
Im Teilraum Villingen-Schwenningen werden pro Einwohner nur etwa 436 Euro aus der
Gewerbesteuer eingenommen.
Abb. 3: Die Wirtschaftsstruktur nach dem Anteil der SVP-Beschäftigten in den Wirtschaftsbereichen 2012
100%
90%
80%
70%
60%
50%
40%
30%
20%
10%
0%
Landwirtschaft
Produzierendes Gewerbe
Dienstleistungen
Quelle: Eigene Darstellung, Villingen-Schwenningen 2013; Daten: Statistisches Landesamt BadenWürttemberg, Stuttgart 2013.
Beschäftigtenentwicklung
Bei der Betrachtung der Entwicklung der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zwischen
den Jahren 1990 und 2012 lässt sich für die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg eine etwas
ungünstigere Entwicklung als im Landesdurchschnitt beobachten. Nach in etwa parallel
verlaufenden Zyklen ab Mitte der 1990er Jahre wurde im Land insgesamt ein Zuwachs um 8 % und
in der Region einer um 4 % konstatiert. Besonders bemerkenswert ist jedoch, dass nach dem
allgemeinen Aufschwung zum Ende der 1990er Jahre im Teilraum Rottweil/Tuttlingen – im
Gegensatz zum allgemeinen Trend – die Beschäftigtenzahl stabil blieb und ab 2004 zudem
ein klar überdurchschnittliches Wachstum verzeichnet wurde. Erheblich unterdurchschnittlich
verlief die Entwicklung dagegen im Teilraum Oberer Neckar. Hier wirkte sich insbesondere der
starke Beschäftigtenverlust zu Beginn der 1990er Jahre infolge des Rückgangs in der Wehrtechnik
am Standort Oberndorf nachhaltig negativ aus. Trotz der zur Jahrtausendwende und vor allem ab
dem Jahr 2009 erfolgten deutlichen Wiederzunahme an Beschäftigten wurde dort über den
Gesamtzeitraum eine Abnahme der Beschäftigtenzahl um 10 % registriert (Abb. 4).
15
Abb. 4: Die Entwicklung der SVP- Beschäftigten 1990 bis 2012
120%
115%
110%
105%
100%
95%
90%
85%
80%
1990
1992
1994
1996
1998
2000
2002
2004
2006
2008
2010
2012
Rottweil/Tuttlingen
Villingen-Schwenningen
Südbaar
Oberer Neckar
Schwarzwald
Region Schwarzwald-Baar-Heuberg
Baden-Württemberg
Quelle: Eigene Darstellung, Villingen-Schwenningen 2013; Daten: Statistisches Landesamt BadenWürttemberg, Stuttgart 2013.
Abb. 5: Die Entwicklung der SVP-Beschäftigten im Produzierenden Gewerbe 1990 bis 2012
110%
100%
90%
80%
70%
60%
50%
1990
1992
1994
1996
1998
2000
2002
2004
2006
2008
2010
2012
Rottweil/Tuttlingen
Villingen-Schwenningen
Südbaaar
Oberer Neckar
Schwarzwald
Region Schwarzwald-Baar-Heuberg
Baden-Württemberg
Quelle: Eigene Darstellung, Villingen-Schwenningen 2013; Daten: Statistisches Landesamt BadenWürttemberg, Stuttgart 2013.
16
Bei der differenzierten Betrachtung der Beschäftigtenentwicklung nach Wirtschaftsbereichen lässt
sich der fortschreitende Strukturwandel in Richtung einer zunehmenden Tertiärisierung erkennen.
So ist über den Gesamtzeitraum zwischen 1990 und 2012 gesehen sowohl im Land als auch in der
Region ein Rückgang der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Produzierenden
Gewerbe zu beobachten. Während im Land ein Rückgang um 26 % stattfand, wurde in der Region
jedoch „nur“ eine Abnahme um 18 % gemessen. Nach der Jahrtausendwende ist dann ähnlich wie
im Land und in der Region auch in den meisten Teilräumen eine Stabilisierung festzustellen. Im
Teilraum
Rottweil/Tuttlingen
konnte
sogar
analog
zum
allgemein
hohen
Beschäftigtenwachstum in diesem Teilraum ein neu einsetzender deutlicher Zuwachs an im
Produzierenden Gewerbe Beschäftigten registriert werden. So arbeiten dort heute sogar mehr
Beschäftigte in diesem Sektor als noch im Jahr 1990 (Abb. 5).
Im Dienstleistungssektor dagegen ist durchgehend ein Anstieg der Beschäftigtenzahlen zu
registrieren. Während zwischen 1990 und 2012 im Land und in der Region in etwa eine ähnlich
hohe Steigerung um 48 bzw. 47 % zu beobachten war, sind die Unterschiede in den Teilräumen
der Region allerdings beachtlich. So stieg die Anzahl der im Tertiären Sektor Beschäftigten im
Teilraum Schwarzwald nur um 20 % und auch im Teilraum Südbaar um lediglich 27 %. Dagegen
wurde in den anderen drei Teilräumen stets eine Steigerung von über 50 % erzielt, wobei der
Teilraum Villingen-Schwenningen mit 56 % den höchsten Anstieg konstatieren konnte.
Abb. 6: Die Entwicklung des Frauenanteils an den SVP-Beschäftigten 1990 bis 2012
50%
48%
46%
44%
42%
40%
38%
36%
34%
32%
30%
1990
1992
1994
1996
1998
2000
2002
2004
2006
2008
2010
Rottweil/Tuttlingen
Villingen-Schwenningen
Südbaar
Oberer Neckar
Schwarzwald
Region Schwarzwald-Baar-Heuberg
2012
Baden-Württemberg
Quelle: Eigene Darstellung, Villingen-Schwenningen 2013; Daten: Statistisches Landesamt BadenWürttemberg, Stuttgart 2013.
Des Weitern von Bedeutung ist eine gesonderte Betrachtung der Entwicklung der weiblichen
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. So zeigt sich zum einen zwischen den Jahren 1990
und 2012 zwar generell ein ähnlicher zyklischer Verlauf wie bei der Betrachtung der
Beschäftigtenentwicklung insgesamt, zum anderen lässt sich aber – und das ist auffällig – im
Teilraum Schwarzwald ein außergewöhnlich hoher Rückgang um 12 % konstatieren. Von Interesse
17
ist jedoch in erster Linie die Entwicklung des Anteils der Frauen an den Beschäftigten. Dieser
liegt im Jahr 2012 in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg bei 44,2 % und damit leicht unter
dem Landesniveau (44,8 %). Bei der Betrachtung der Teilräume sind insbesondere der Teilraum
Villingen-Schwenningen mit stark überdurchschnittlichen 49,4 % sowie der Teilraum
Südbaar mit einem Frauenanteil an den Beschäftigten von nur 38,8 % auffällig. Auch die
Entwicklung ist bemerkenswert. Während im Teilraum Villingen-Schwenningen zwischen 1990 und
2012 ein kontinuierlicher Zuwachs des Frauenanteils zu beobachten war, stagnierte der Anteil im
Teilraum Südbaar bis zur Jahrtausendwende auf einem sehr niedrigen Niveau zwischen 34 und 36
% und konnte erst nach einem deutlichen Anstieg bis 2003 ein kontinuierliches Wachstum
entsprechend dem allgemeinen Trend verzeichnen (Abb. 6). Die Beschäftigtensituation der Frauen
ist zudem durch die Struktur der Teilzeitarbeit kennzeichnend. So sind im Jahr 2011 89 % der
Teilzeitbeschäftigten in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg weiblich. Diese Zahl ist zwar
leicht rückläufig, aber immer noch über dem Landesniveau mit im Jahr 2011 85 %.
Arbeitsmarkt
Hinsichtlich der Arbeitsmarktsituation wird als Kenngröße der Anteil der Arbeitslosen an der
Summe der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und der Arbeitslosen verwendet.
Hierbei zeigt sich, dass der Anteil der Arbeitslosen im Jahr 2012 in der Region SchwarzwaldBaar-Heuberg mit 4,4 % niedriger als im Land (5,2 %) ist.
Abb. 7: Der Arbeitslosenanteil an der Summe der SVP-Beschäftigten und Arbeitslosen 2005 bis 2012
12%
10%
8%
6%
4%
2%
0%
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Rottweil/Tuttlingen
Villingen-Schwenningen
Südbaar
Oberer Neckar
Schwarzwald
Region Schwarzwald-Baar-Heuberg
Baden-Württemberg
Quelle: Eigene Darstellung, Villingen-Schwenningen 2013; Daten: Statistisches Landesamt BadenWürttemberg, Stuttgart 2013.
Von den Teilräumen befinden sich zudem nur die Räume Oberer Neckar und Südbaar leicht über
dem Landesniveau. In allen anderen Teilräumen liegt der Anteil der Arbeitslosen unter dem
Landesdurchschnitt, wobei sich der Wert im Teilraum Rottweil/Tuttlingen mit 3,8 % am
18
günstigen darstellt. Generell ist festzustellen, dass in allen Räumen im Jahr 2012 der niedrigste
Stand innerhalb des Betrachtungszeitraums ab 2005 (Einführung von Hartz IV) erreicht wurde
(Abb. 7).
Jedoch ist anzumerken, dass der Anteil der Frauen an den Arbeitslosen in der Region leicht
höher als im Land ist. So sind in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg im Jahresdurchschnitt
2012 mit 50,7 % über die Hälfte der Arbeitslosen weiblich. Im Land liegt der Frauenanteil an den
Arbeitslosen bei 48,9 %. Bei den Teilräumen besitzen die Räume Südbaar und Oberer Neckar mit
jeweils 52,4 % den höchsten Anteil, wobei dort vor allem die Entwicklung auffällig ist. So wurde in
diesen Teilräumen mit Werten von jeweils rund 58 % (im Jahr 2007) der im Betrachtungszeitraum
2005 bis 2012 über alle Räume gesehen höchste jährliche Frauenanteil an den Arbeitslosen
registriert. Der im Jahr 2012 niedrigste Wert wurde im Teilraum Villingen-Schwenningen gemessen
(48,8 %). Hinsichtlich der Entwicklung weiterhin auffällig ist, dass sich in der Region sowohl die
Anzahl der Arbeitslosen insgesamt als auch die Anzahl der weiblichen Arbeitslosen zwischen den
Jahren 2005 und 2012 in etwa halbiert hat.
Abb. 8: Die Einflussfaktoren auf die Entscheidung junger hochqualifizierter Arbeitnehmer bei der
Arbeitsplatzwahl
Lage des Unternehmens
3,9%
Regionale Toleranz
4,5%
Lebenshaltungskosten an Wohn-/Arbeitsort
5,1%
Lebensqualität des Arbeitsortes
5,5%
Regionales Umfeld des Arbeitsortes
6,8%
Entfernung von Freunden und Familie
7,5%
Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben
7,5%
Summe der vom Unternehmen kaum beeinflußbaren Faktoren
40,8%
Nähe zum Hauptsitz des Unternehmens
1,9%
Nähe zu weiteren Akteuren der Branche
3,2%
Wirtschaftliche Lages des Unternehmens
3,6%
Unternehmensgröße
6,0%
Unternehmskultur
5,7%
Aufstiegschancen
5,8%
Arbeitsplatzsicherheit
6,9%
Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten
7,8%
Image des Unternehmens
8,1%
Gehalt
10,1%
Summe der vom Unternehmen beeinflußbaren Faktoren
59,2%
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
Quelle: Eigene Darstellung, Villingen-Schwenningen 2012 nach: Prognos AG (Hrsg.): Trendletter 1/2011 –
Bildung 3.0, Basel 2011.
Insgesamt zeugen die Arbeitsmarktzahlen von einem überdurchschnittlichen Arbeitsplatzangebot in
der Region, was aber auch zur Folge hat, dass der Fachkräftemangel in der Region
Schwarzwald-Baar-Heuberg härter durchschlägt als in anderen Regionen. Aufgrund der
aktuellen demografischen Entwicklungen muss davon ausgegangen werden, dass in der Region
zukünftig eine erhebliche Zahl an Fachkräften fehlen wird. Von Bedeutung in Bezug auf diesen
Fachkräftemangel ist, dass die „weichen“ – vom Unternehmen nicht beeinflussbaren –
Entscheidungsfaktoren bei der Wahl eines Arbeitsplatzes zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Insbesondere die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie die Entfernung des Arbeitsorts von
Familie und Freunden sind dabei von hoher Bedeutung. Diese Einflussfaktoren spielen bei der
19
Arbeitsplatzwahl gleich nach dem Gehalt, dem Image des Unternehmens und den Fort- und
Weiterbildungsmöglichkeiten die wichtigste Rolle (Abb. 8).
Pendler
Bei der Betrachtung der Berufsauspendler wird deutlich, dass im Jahr 2009 nur 8 % der
Erwerbstätigen, die in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg wohnen, ihren Arbeitsplatz
außerhalb der Region besitzen. Dieser Anteil wird im Land nur von den Regionen Stuttgart,
Südlicher Oberrhein und Hochrhein-Bodensee unterboten, wobei die Berufsauspendler ins
benachbarte Ausland in der Statistik nicht erfasst werden. So dürfte insbesondere der
Auspendleranteil in der Region Hochrhein-Bodensee, wo viele Erwerbstätige in der Schweiz
arbeiten, im Endeffekt erheblich höher sein. Die Annnahme, dass dieser Anteil in der Region
Schwarzwald-Baar-Heuberg deutlich geringer sein dürfte, lässt die in der Region engen räumlichen
Verflechtungen zwischen Arbeits- und Wohnort noch klarer erkennen. Im Saldo kann die Region
Schwarzwald-Baar-Heuberg zudem auf ein Einpendlerplus von knapp 1.000 Erwerbstätigen
blicken.
Abb. 9: Die Herkunft der Berufseinpendler am Arbeitsort (Teilräume 2009)
Rottweil/Tuttlingen
Villingen-Schwenningen
Oberer Neckar
Schwarzwald
Südbaar
Berufseinpendler in die
Teilräume nach Arbeitsort
2009
innergemeindlich
von außerhalb der Gemeinde aus
aus dem Teilraum
von außerhalb des Teilraums
aus der Region
von außerhalb der Region
Herkunft nicht bekannt
Quelle: Eigene Darstellung, Villingen-Schwenningen 2012; Daten: Statistisches Landesamt BadenWürttemberg (Hrsg.): CD Die Berufpendler in Baden-Württemberg, Stuttgart 2011.
Hinsichtlich der einzelnen Städte und Gemeinden wird die hohe Bedeutung der Stadt Tuttlingen
als Arbeitsplatzzentrum durch den mit 27 % geringsten Auspendleranteil der Region
verdeutlicht. Während diesbezüglich auch Villingen-Schwenningen mit 32 % einen sehr geringen
Wert einnimmt, sind in Rottweil jedoch rund 45 % der in der Stadt wohnenden Erwerbstätigen in
20
einer anderen Gemeinde beschäftigt. Auffällig bezüglich dieser Statistik sind zudem insbesondere
die Kommunen Furtwangen und Bubsheim. In diesen Orten pendeln nur 30 bzw. 32 % der dort
wohnenden Erwerbstätigen auf dem Weg zur Arbeit in eine andere Gemeinde. Im Vergleich dazu
liegt dieser Wert in über einem Drittel der Städte und Gemeinden in der Region bei über 70 %. Der
in absoluten Zahlen mit Abstand höchste Auspendlerüberschuss wird in der VillingenSchwenninger Umlandgemeinde Brigachtal mit etwa 1.800 gemessen. Danach folgen die Städte
Trossingen und Dornhan mit einem Pendlersaldo von jeweils rund -1.500.
Die innerhalb der Region engen räumlichen Verflechtungen zwischen Arbeits- und Wohnort zeigt
auch die Analyse der Berufseinpendlerbewegungen auf. Hier lässt sich vor allem festhalten, dass
im Jahr 2009 in keinem Teilraum mehr als 15 % der Erwerbstätigen von außerhalb der Region
in den Teilraum pendeln. Im Teilraum Villingen-Schwenningen sind es sogar nur 8 %. Den
prozentual größten Anteil an Einpendlern besitzt der Teilraum Rottweil/Tuttlingen mit 57 %, wobei
dort mit nur 23 % so wenig Pendler wie in keinem anderen Teilraum von außerhalb des Teilraums
kommen. Allerdings dürfte beides im wesentlichen mit statistischen Merkmalen zusammenhängen.
Zum einen bewirkt die sehr kleinräumige Gemeindestruktur in diesem Teilraum, dass wesentlich
geringere Distanzen für die Fahrt in den Nachbarort benötigt werden und somit schon deshalb
mehr Pendler registriert werden. Zum anderen ist es im wesentlichen auch der Größe des
Teilraums Rottweil/Tuttlingen geschuldet, dass in diesem Teilraum mit 77 % soviel
Erwerbstätige wie in keinem anderen Teilraum im selben Teilraum wohnen und arbeiten.
Dieser Indikator ist aber auch in den Teilräumen Oberer Neckar und Schwarzwald mit jeweils 73 %
stark ausgeprägt. Dass dieser Wert im Teilraum Südbaar mit 67 % am schwächsten ausgeprägt ist,
hängt in erster Linie wiederum mit der (hier geringen) Göße des Teilraums Südbaar zusammen.
Dafür ist in diesem Teilraum der Anteil der innergemeindlichen Pendler (d.h. Wohnort am
Arbeitsort) mit 54 % am größten (Abb. 9).
Abb. 10: Die Herkunft der Berufseinpendler am Arbeitsort (Kreisstädte der Region 2009)
Stadt Villingen-Schwenningen
Stadt Tuttlingen
Stadt Rottweil
Berufseinpendler in die Kreisstädte der Region nach Arbeitsort 2009
innergemeindlich
von außerhalb der Gemeinde
aus dem Teilraum
von außerhalb des Teilraums
aus der Region
von außerhalb der Region
Herkunft nicht bekannt
Quelle: Eigene Darstellung, Villingen-Schwenningen 2012: Daten: Statistisches Landesamt BadenWürttemberg (Hrsg.): CD Die Berufpendler in Baden-Württemberg, Stuttgart 2011.
21
Bei Betrachtung der in der Region wichtigsten Arbeitsplattzzentren fällt zum einen auf, dass in der
Kreisstadt Villingen-Schwenningen mit 55 % deutlich mehr Erwerbstätige am Arbeitsort wohnhaft
sind als in den Kreisstädten Tuttlingen und Rottweil. Während es in Tuttlingen 46 % sind, wohnen
in Rottweil sogar nur 38 % der in der Stadt arbeitenden Erwerbstätigen (Abb. 10). Zudem
besitzt Rottweil gleichzeitig den geringsten Einpendlerüberschuss der drei Kreisstädte (ca. 5.000,
TUT: 9.300, VS: 8.900). Unabhängig davon ist Rottweil mit rund 16.200 Erwerbstätigen nach
Villingen-Schwenningen (ca. 45.800) und Tuttlingen (ca. 25.700) das drittwichtigste
Arbeitsplatzzentrum der Region. Die Mittelzentren Schramberg und Donaueschingen folgen mit
rund 12.800 bzw. 11.600 Erwerbstätigen am Arbeitsort. Alle anderen Städte und Gemeinden der
Region registrieren weniger als 10.000 Erwerbstätige.
Hinsichtlich der Pendlerbewegungen fallen zudem vor allem die Gemeinden Schiltach und
Rietheim-Weilheim als Sitze von großen Unternehmen auf. In Rietheim-Weilheim sind nur 20 % der
Erwerbstätigen am Arbeitsort auch im Ort wohnhaft. Statt dessen ist der Einpendlerüberschuss mit
rund 1.300 der sechsthöchste in der ganzen Region. Auch Schiltach besitzt einen ähnlich hohen
Pendlersaldo (ca. +1.400), hat aber immerhin rund 31 % der Arbeitnehmer auch vor Ort wohnen.
Dies bedeutet auch, dass in Schiltach im Jahr bei rund 3.900 Einwohnern 3.400 Erwerbstätige
arbeiteten. In Rietheim-Weilheim fielen auf etwa 2.700 Einwohner 2.600 Arbeitsplätze.
Abb. 11: Die Pendeldistanzen in der Region
Abb. 12: Die Pendeldistanzen in Deutschland
km
Quelle: Eigene Darstellung, Villingen-Schwenningen
2012 nach: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und
Raumforschung (BBSR)
im
Bundesamt für
Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.):
Raumordnungsbericht 2011, Bonn 2012, S. 78.
Quelle: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und
Raumforschung (BBSR)
im
Bundesamt für
Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.):
Raumordnungsbericht 2011, Bonn 2012, S. 78.
22
Ein weiterer wesentlicher Indikator zur Analyse der Pendlerverflechtungen in einer Region sind die
Pendeldistanzen. Hierbei fällt auf, dass in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg äußerst
geringe Distanzen auf dem Weg zur Arbeit zurückgelegt werden. Dies spricht für ein gutes
Arbeitsplatzangebot. So wird in der Region im Jahr 2009 maximal eine durchschnittliche
Pendeldistanz von 24 km erreicht, was im Süden des Teilraums Oberer Neckar und im Norden des
Teilraums Schwarzwald der Fall ist. Im überwiegenden Teil der Region wird letztendlich aber eine
noch geringere durchschnittliche Distanz von maximal 18 km zurückgelegt. Insbesondere in den
Teilräumen Villingen-Schwenningen und Südbaar sowie im Süden des Teilraums
Rottweil/Tuttlingen werden oftmals sogar weniger als 14 km gependelt (Abb. 11). Im
deutschlandweiten Vergleich fällt auf, dass ähnlich kurze Pendeldistanzen großräumig nur noch in
weiten Teilen Nordrhein-Westfalens sowie in Oberfranken und im Raum Chemnitz/Osterzgebirge
zu beobachten sind. Vor allem in den dünn besiedelten Gebieten Mecklenburg-Vorpommerns und
Brandenburgs sowie im Bereich der Altmark werden dagegen vielfach mehr als 30 km auf dem
Weg zur Arbeit zurückgelegt (Abb. 12).
Tourismus
Die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg erstreckt sich über zwei Tourismusdestinationen. Während
die Landkreise Rottweil und Schwarzwald-Baar-Kreis zum „Mittleren Schwarzwald“ gezählt
werden, ist der Landkreis Tuttlingen Teil der Destination „Schwäbische Alb“. Zählt man den
unmittelbar südlich angrenzenden Bodenseeraum hinzu, wird die Region Schwarzwald-BaarHeuberg von drei bedeutenden Toursimusregionen geprägt (Abb. 13). Allerdings wird diese, sich
durch eine hohe Vielfältigkeit auszeichnende, touristische Attraktivität der Region aufgrund des
Fehlens einer eigenen Destination von außerhalb der Region nur wenig wahrgenommen.
Letztendlich wird die Qualität und der Umfang der Tourismusbedeutung heute weniger über
einzelne Attraktionspunkte definiert, sondern vielmehr über das Vorhandensein einer Destination,
die verschiedene Einzelattraktionen koordniert miteienander vernetzt. So kann sich eine hohe
Vielfältigkeit beim Fehlen einer Destination gewissermaßen auch als Nachteil auswirken.
Insgesamt spielt der Destinationsbegriff mit ansteigender Reiseentfernung eine zunehmende Rolle.
Die einzelnen für die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg relevanten Destinationen werden sehr
unterschiedlich nachgefragt. Innerhalb der Destination Schwarzwald hat der „Südliche
Schwarzwald“ die mit Abstand größte Anziehungskraft. So übernachteten dort im Jahr 2012 rund
9,3 Mio. Gäste. Dagegen waren es im „Nördlichen Schwarzwald“ nur 6 und im „Mittleren
Schwarzwald“ nur 5,2 Mio.. Die Reisegebiete Bodensee und Hegau konnten zusammen mit 5 Mio.
ähnlich viele Gäste verbuchen, bevor die Schwäbische Alb mit im Jahr 2012 3,9 Mio.
Gästeübernachtungen folgt.
Betrachtet man die Destinationen differenziert nach Landkreisen, so stellt man fest, dass im
„Mittleren Schwarzwald“ lediglich etwa 2 Mio. Übernachtungen auf die Landkreise SchwarzwaldBaar-Kreis (1,7 Mio.) und Rottweil (0,3 Mio.) fielen und dagegen der Großteil von rund 3,2 Mio.
Übernachtungen im Ortenaukreis getätigt wurden. Auch von den insgesamt ca. 2 Mio. Ankünften
im „Mittleren Schwarzwald“ konnten in den Landkreisen der Region nur rund 500.000 registriert
werden. Im Reisegebiet der Schwäbischen Alb stellt sich die Situation für die Region SchwarzwaldBaar-Heuberg noch differenzierter dar. Von den insgesamt etwa 3,7 Mio. Gästeübernachtungen
der Destination „Schwäbische Alb“ fielen lediglich rund 200.000 auf den Landkreis Tuttlingen. 3
3
Vgl. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg (Hrsg.): Statistische Berichte Baden-Württemberg:
Beherbergung im Reiseverkehr Baden Württembergs im Kalenderjahr 2012, Stuttgart 2013, S. 6-11.
23
Abb. 13: Die Gliederung der Reisegebiete in Baden-Württemberg
Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Statistisches Monatsheft 10/2009, Stuttgart 2009,
S.38.
Zudem präsentiert sich auch die Entwicklung des Tourismussektors unterdurchschnittlich. So
nahm die Zahl der Übernachtungen in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg im Zeitraum
zwischen 1990 und 2012 um 13 % ab. Währenddessen wurde im Land ein Zuwachs der
Übernachtungen um 23 % registriert (Abb. 14). Auch bei der Betrachtung der durchschnittlichen
Aufenthaltsdauer verbucht die Region bei einem Rückgang um 1,2 Tage eine ungünstigere
Bilanz als das Land (-0,9 Tage).
Die sowohl im Land, als auch in der Region differenzierte Situation spiegelt sich auch bei der
Betrachtung der regionalen Teilräume wieder. So unterscheidet sich die touristische Bedeutung der
Teilräume Oberer Neckar (ca. 79.000 Übernachtungen im Jahr 2012) Südbaar (ca. 95.000),
Rottweil/Tuttlingen (ca. 158.000) und Villingen-Schwenningen, wo von den insgesamt rund 989.000
Übernachtungen mehr als die Hälfte im Kurort Bad Dürrheim (ca. 539.000) getätigt wurden,
deutlich von der des Schwarzwaldes. Mit im Jahr 2012 rund 729.000 Übernachtungen besitzt
der Toursimus dort einen sehr hohen wirtschaftlichen Stellenwert. Umso schwerwiegender ist im
24
Teilraum Schwarzwald dann allerdings auch der kontinuierlich verlaufede Negativtrend bei den
statistischen Übernachtungszahlen (-30 % seit 1990) und der durchschnittlchen
Verweildauer (-1,7 Tage seit 1994, Abb. 15).
Abb. 14: Die Entwicklung der Übernachtungszahlen 1990 bis 2012
150%
140%
130%
120%
110%
100%
90%
80%
70%
60%
1990
1992
1994
1996
1998
2000
2002
2004
2006
2008
2010
2012
Rottweil/Tuttlingen
Villingen-Schwenningen
Südbaar
Oberer Neckar
Schwarzwald
Region Schwarzwald-Baar-Heuberg
Baden-Württemberg
Quelle: Eigene Darstellung, Villingen-Schwenningen 2013; Daten: Statistisches Landesamt BadenWürttemberg, Stuttgart 2013.
Jedoch müssen bei der Analyse des Tourismussektors in den Teilräumen mehrere statistische
Besonderheiten berücksichtigt werden. Zum einen werden beim Statistischen Landesamt
grundsätzlich nur die Übernachtungen in Beherbergungsstätten mit mehr als acht Betten erfasst,
wobei für Orte mit weniger als drei solcher Betriebe gar keine Zahlen herausgegeben werden. So
ergibt sich insbesondere im Teilraum Rottweil/Tuttlingen die Situation, dass zahlreiche Betriebe
nicht in die Analyse miteinfließen, da sie der einzige oder einer von insgesamt nur zwei
Beherbergungsstätten vor Ort sind. Deshalb zeigen sich auch in manchen Jahren extreme
statistisch begründete Schwankungen. Dies ist dann der Fall, wenn sich ein neuer Betrieb ansiedelt
oder ein Betrieb schließt und somit die Übernachtungen von gleich drei Betrieben hinzukommen
beziehungsweise wegfallen. Dies schlägt zum Beispiel im Teilraum Südbaar aufgrund der
Entwicklung in der Stadt Geisingen extrem zu Buche.
Da auch bei der Analyse der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer nur dementsprechend erfasste
Beherbergungsbetriebe betrachtet werden konnten, sind auch hier Unsicherheiten vorhanden.
Jedoch kommen dabei Durchschnittswerte und keine Summen zum Tragen, weshalb zumindest
keine unnatürlichen Schwankungen zu bewerten sind. Jedoch spielen bei der Betrachtung der
Aufenthaltsdauer statt dessen umso mehr die Veränderungen im Kurgewerbe eine Rolle. Kürzere
Kuraufenthalte machen sich so zum Beispiel in extremem Maße im Teilraum VillingenSchwenningen bermekbar, wo sich bei einem insgesamt schwach ausgeprägten
Tourismusgewerbe die Entwicklung Bad Dürrheims überproportial auswirkt. So musste in der
Kurstadt von 1995 bis heute ein Rückgang der durchschnittlichen Aufentaltsdauer um rund 11 Tage
25
registriert werden. Darüber hinaus ist zu beachten, dass erst seit dem Jahr 2004 Campinggäste in
die Bilanzen miteinflossen. Dies erklärt unter anderem die spunghafte Steigerung der
Übernachtungen im Teilraum Rottweil/Tuttlingen zu diesem Zeitpunkt. Zudem verweilen
Campinggäste genauso wie Gäste von Ferienhausgebieten tendendziell überdurchschnittlich lange
an einem Ort. So muss beispielsweise im Teilraum Villingen-Schwenningen das HapimagFerienhaus-Resort in Unterkirnach als spezieller Einflussfkator bei der Bilanz der Verweildauer der
Gäste berücksichtigt werden.
Abb. 15: Die Entwicklung der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer 1990 bis 2012
8
7
6
5
4
3
2
1
0
1990
1992
1994
1996
1998
2000
2002
2004
2006
2008
2010
2012
Rottweil/Tuttlingen
Villingen-Schwenningen
Südbaar
Oberer Neckar
Schwarzwald
Region Schwarzwald-Baar-Heuberg
Baden-Württemberg
Quelle: Eigene Darstellung, Villingen-Schwenningen 2013; Daten: Statistisches Landesamt BadenWürttemberg, Stuttgart 2013.
26
2. Bildung und Forschung
Hochschullandschaft
Bei Betrachtung der Hochschulstandorte in Baden-Württemberg fällt auf, dass diese sich in
erster Linie auf die Agglomerationsräume Stuttgart und Rhein-Neckar sowie Karlsruhe und
Freiburg konzentrieren (Abb. 16). Im Wintersemester 2012/13 werden an allen BadenWürttembergischen Hochschulen zusammen rund 330.000 Studierende registriert. In der Region
Schwarzwald-Baar-Heuberg ist in erster Linie die Hochschule Furtwangen University mit
Standorten in Furtwangen, Villingen-Schwenningen und Tuttlingen zu nennen. Auf diese drei
Standorte fallen im Wintersemester 2012/13 insgesamt 5.800 Studierende. Der bedeutendste
Standort ist dabei Furtwangen mit 3.223, bevor Villingen-Schwenningen mit 2.097 und Tuttlingen
mit 480 Studierenden folgen. Auffällig ist zudem, dass an der Hochschule Furtwangen University
nur rund ein Drittel der insgesamt Studierenden weiblich ist. Allerdings ist die Tendenz
ansteigend. So lag der Frauenanteil im Wintersemester 2002/03 noch bei etwa nur einem
Viertel.
Abb. 16: Die Hochschulstandorte in Baden-Württemberg
Quelle: http://mwk.baden-wuerttemberg.de/hochschulen/hochschulkarte/ (Zugriff: 03.12.2013).
27
Weitere Hochschulen in der Region sind die Duale Hochschule Baden-Württemberg (2.409)
und die Hochschule für Polizei (1.251) jeweils in Villingen-Schwenningen sowie die Staatliche
Hochschule für Musik in Trossingen (472). 5 Die Zentralisierung der Hochschulen auf
Agglomerationsräume ist ein maßgeblicher Grund, weshalb junge Menschen zum Studium den
ländlichen Raum verlassen. Selbst bei einer positiven Bewertung des Heimatstandorts ist es
zweifelhaft, ob diese jungen Menschen nach dem Studium wieder zurückkommen oder nicht
doch als ausgebildete Fachkraft in den Ballungsräumen „hängenbleiben“.
Hochschulabsolventen
Abb. 17: Der Anteil der Hochschulabsolventen an den SVP-Beschäftigten 2011
14,0%
12,0%
10,0%
8,0%
6,0%
4,0%
2,0%
0,0%
Quelle: Eigene Darstellung, Villingen-Schwenningen 2013; Daten: Statistisches Landesamt BadenWürttemberg, Stuttgart 2013.
Die Tendenz zum Verbleiben am Universitätsstandort oder in einem der Agglomerationsräume
lässt sich auch am Anteil der Hochschulabsolventen in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg
erkennen. So besitzt die Region im Vergleich zum Land einen deutlich geringeren Anteil an
Hochschulabsolventen an den Gesamtbeschäftigten. Während im Land im Jahr 2011 11,7 %
der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einen Hochschulabschluss besaßen, waren es in
der Region lediglich 6,6 %. Auffällig ist zudem, dass dieser Anteil im Teilraum Südbaar sogar nur
bei 4,2 % lag. Der höchste Hochschulabsolventenanteil an den Beschäftigten wird im Teilraum
Villingen-Schwenningen gemessen (7,3 %, Abb.17).
Trotz des relativ geringen Anteils an Beschäftigten mit Hochschulabschluss ist in der Region
Schwarzwald-Baar-Heuberg zu beobachten, dass die Anzahl derer deutlich steigt. So konnte
zwischen 2000 und 2011 ein kontinuierlicher Anstieg um 33 % registriert werden, wobei die
5
http://mwk.baden-wuerttemberg.de/hochschulen/hochschulkarte/ (Zugriff: 03.12.2013).
28
Entwicklung damit dennoch weniger dynamisch als im Land verlief. Dort fand eine Steigerung um
40 % statt. In der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg äußerst günstig verlief jedoch die
Entwicklung im Teilraum Rottweil/Tuttlingen. Dort stieg die Anzahl der Beschäftigten mit
Hochschulabschluss um 57 %. Während auch die anderen Teilräume deutliche Zuwächse
zwischen 20 und 30 % registrieren konnten, verlief allerdings die Entwicklung im Teilraum
Südbaar auffällig unterdurchschnittlich. Dort machte sich insbesondere der deutliche
Rückgang der Beschäftigten mit Hochschulabschluss in der Stadt Hüfingen im Zeitraum
zwischen 2001 und 2004 negativ bemerkbar (Abb. 18).
Abb. 18: Die Entwicklung der SVP-Beschäftigten mit Hochschulabschluss 2000 bis 2011
160%
150%
140%
130%
120%
110%
100%
90%
80%
70%
2000
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
Rottweil/Tuttlingen
Villingen-Schwenningen
Südbaaar
Oberer Neckar
Schwarzwald
Region Schwarzwald-Baar-Heuberg
Baden-Württemberg
Quelle: Eigene Darstellung, Villingen-Schwenningen 2012; Daten: Statistisches Landesamt BadenWürttemberg, Stuttgart 2012.
Vom derzeitigen Anteil her ebenfalls ungünstig stellt sich in der Region Schwarzwald-BaarHeuberg
die
Situation
hinsichtlich
der
Beschäftigten
in
wissensintensiven
Dienstleistungsbereichen
dar.
So
liegt
im
Jahr
2012
der
Anteil
der
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in wissensintensiven Dienstleistungen in der
Region mit 27 % deutlich unter dem Landesdurchschnitt (36 %). Besonders auffällig
präsentiert sich dabei der Landkreis Tuttlingen (weite Teile des Teilraums Rottweil/Tuttlingen),
wo mit lediglich 19 % so wenig Beschäftigte in den hierzu zählenden Wirtschaftsbereichen tätig
sind, wie in keinem anderen Landkreis in Baden-Württemberg. Dagegen überdurchschnittlich
stellt sich die Situation bei den Beschäftigten in industriellen Hochtechnologiebranchen dar.
Während in Baden-Württemberg insgesamt 17 % in diesen Branchen beschäftigt sind,
liegt der Anteil in der Region bei 19 % 6. Damit wird erneut die hohe Bedeutung der Industrie in
der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg deutlich (vgl. Kapitel 1 Wirtschaft und Beschäftigung).
6
Vgl. http://www.statistik-bw.de/arbeitsmerwerb/arbeitsmarktbw/ArbmIII_07.asp (Zugriff: 04.12.2013).
29
Schüler
Im Bereich der Schüler ist feststellbar, dass in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg zum Jahr
2012/2013 mit lediglich 37 % deutlich weniger Schüler auf das Gymnasium übergingen als
im Landesdurchschnitt (44 %). Während andererseits im Land nur 16 % der Schüler zur
Hauptschule gingen, waren es in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg 19 %. Weiterhin
bemerkenswert ist, dass in der Region in den letzten 20 Jahren die Realschule die
Hauptschule als dominierende Schulform abgelöst hat. Nachdem im Jahr 1990 die
Hauptschule noch mit 42 % die eindeutig meisten Schulübergänge zu verzeichnen hatte, geht
heute mit ebenfalls 42 % der größte Anteil auf die Realschule über.
Diese Tendenz lässt sich auch anhand der Entwicklung der absoluten Zahlen ablesen. So ist bei
den Schulübergängen in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg in den letzten Jahrzehnten
deutlich der Trend zugunsten des Gymnasiums und der Realschule erkennbar. Dagegen nimmt
die Zahl der auf die Hauptschule übergehenden Schüler seit 2003 kontinuierlich in drastischer
Form ab. Im Gesamtbetrachtungszeitraum zwischen 1990 und 2012 wurde dort ein Rückgang
um rund 58 % verzeichnet (Abb.19).
Abb. 19: Die Entwicklung der Schulübergänge in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg 1990 bis 2012
2400
2200
2000
1800
1600
1400
1200
1000
800
1990
1992
1994
1996
1998
Gymnasium
2000
2002
Realschule
2004
2006
2008
2010
2012
Hauptschule
Quelle: Eigene Darstellung, Villingen-Schwenningen 2013; Daten: Statistisches Landesamt BadenWürttemberg, Stuttgart 2013.
Aber auch bei der Betrachtung der allgemeinen Schülerzahlen an öffentlichen und privaten
allgemeinbildenden Schulen in der Region kann schon seit knapp einem Jahrzehnt ein
kontinuierlicher Abwärtstrend beobachtet werden. So fand zwischen dem Schuljahr 2003/2004
und dem Schuljahr 2011/2012 ein drastischer Rückgang der Schülerzahlen von rund 63.500 auf
etwa 55.200 statt. Der Trend der abnehmenden Schülerzahlen ist auch im Land zu erkennen.
Auch der Blick in die Zukunft deutet vor dem Hintergrund des demografischen Wandels sowohl
im Land als auch in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg auf einen weiteren
30
kontinuierlichen Rückgang der Schülerzahlen hin. Nach der Modellrechnung des
Statistischen Landesamtes wird in der Region im Zeitraum zwischen 2009 und 2020 ein
Rückgang der Schülerzahlen um insgesamt 21 % stattfinden. Bei den Gymnasien muss sogar
von einer Abnahme um rund 29 % ausgegangen werden, wobei dies in entscheidendem Maße
auch eine Folge der Schulreform mit einem verkürzten achtjährigen Gymnasium ab dem Jahr
2012 ist. In absoluten Zahlen bedeutet dies, dass in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg im
Jahr 2020 mit voraussichtlich nur noch rund 10.000 Gymnasiasten etwa 4.000 Schüler weniger
als noch im Jahr 2009 das Gymnasium besuchen werden. Aber auch bei den Werkreal- und
Hauptschulen sowie bei den Realschulen kann von deutlichen Rückgängen um 22 bzw. 20 %
ausgegangen werden. Die Werkreal- und Hauptschule wird im Jahr 2020 wohl nur noch
zusammen etwa 7.000 Schüler ausbilden. Bei den Grundschulen wird der Rückgang der
Schülerzahlen auf 14 % beziffert. Insgesamt wird sich die Schülerzahl damit bis 2020
voraussichtlich auf rund 43.500 verringern (Abb. 20). Diese Entwicklung macht sich auch auf
dem Ausbildungsmarkt bemerkbar, wo zunehmend mehr Ausbildungsplätze nicht besetzt
werden können. Durch den drastischen Rückgang der Schülerzahlen wird sich diese Situation
in Zukunft weiter verschärfen.
Abb. 20: Die voraussichtliche Entwicklung der Schülerzahlen in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg
2009 bis 2020
20.000
18.000
16.000
14.000
12.000
10.000
8.000
6.000
2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020
Gymnasien
Realschulen
Werkreal-/Hauptschulen
Grundschulen
Quelle: Eigene Darstellung, Villingen-Schwenningen 2012; Daten: Statistisches Landesamt BadenWürttemberg, Stuttgart 2012.
Forschung und Technologietransfer
Ein weiterer entscheidender Faktor für die Bewertung des Bereichs Bildung und Forschung ist
die Ansiedlung von außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Ähnlich wie bei den
eingangs erwähnten Hochschulen konzentrieren sich diese insgesamt nahezu 50 Institutionen
im Land in erster Linie auf die Agglomerationsräume Stuttgart und Rhein-Neckar sowie
Karlsruhe und Freiburg. Hierbei sind insbesondere die Institute der Max-Planck- und Fraunhofer-
31
Gesellschaft von Bedeutung. In der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg ist diesbezüglich das
Institut für Mikro- und Informationstechnik der Hahn-Schickard-Gesellschaft für
angewandte Forschung e.V. (HSG-IMIT) mit Sitz in Villingen-Schwenningen zu nennen.
Das HSG-IMIT zählt in Baden-Württemberg zu den führenden Forschungs- und
Entwicklungsdienstleistern von mikrotechnischen Komponenten und Systemen. Das
Dienstleistungszentrum bietet kundenspezifische Beratung und Fortbildung, technologische
Dienstleistungen, Machbarkeitsstudien, die Herstellung von Prototypen und Kleinserien sowie
Serienproduktionen in Kooperation mit kommerziellen Partnern an. Das HSG-IMIT ist Mitglied
der Innovationsallianz Baden-Württemberg, der im Land insgesamt 12 Institute angehören. 7
Für den Technologietransfer zwischen Wirtschaft und Wissenschaft sind in der Region
neben den Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen aber beispielsweise
auch folgende Einrichtungen von Bedeutung:
Kunststoff-Institut Südwest GmbH & Co. KG, Villingen-Schwenningen
Das Kunststoff-Institut Südwest bietet Firmen einen umfassenden Service in der
Kunststofftechnik mit den Schwerpunkten Hybridtechnik, Feinwerktechnik und Medizintechnik.
Es orientiert sich bei seiner Arbeit an den Erfahrungen und der Innovationskraft des KunststoffInstituts Lüdenscheid und kann bei Bedarf auf dessen technische Unterstützung zurückgreifen.
Das
Bildungszentrum
KISW
bietet
außerdem
ein
umfangreiches
Ausund
Weiterbildungsprogramm für alle kunststoffverarbeitungsrelevanten Themen.
Steinbeis Transferzentrum, Villingen-Schwenningen
Die Umsetzung technologischer und anwendungsorientierter Innovationen sichert Unternehmen
einen
Vorsprung
im
globalen Wettbewerb.
Steinbeis
führt
vorwettbewerbliche
Forschungsergebnisse und konkrete Problemstellungen von Unternehmen über beauftragte,
angewandte Forschung und praxisrelevante Entwicklungen zusammen. Das Portfolio reicht von
der Optimierung von Produkten, Verfahren und Systemen über die Integration neuer
Technologien in bestehende Anwendungen bis hin zu kompletten Neuentwicklungen.
MicroMountains Applications AG, Villingen-Schwenningen
Kernkompetenz der MicroMountains Applications AG ist es, innovative Forschungsergebnisse
aus der Mikrotechnik in die industrielle Produktion von kleinen und mittelständischen
Unternehmen zu überführen. Es ist das einzige Applikationszentrum für Mikrotechnik und
Mikrosystemtechnik in Baden-Württemberg.
Institut für Angewandte Forschung, Furtwangen
Das Institut für Angewandte Forschung (IAF) ist das zentrale fakultätsübergreifende
Forschungsinstitut der Hochschule Furtwangen. Neben der auftragsgebundenen Forschung und
Entwicklung für Unternehmen werden Projekte bearbeitet, die durch Landes-, Bundes- und EUProgramme gefördert werden. Viele Projekte entstehen dabei in einem interdisziplinären Umfeld
mit anderen Forschungspartnern (Verbundforschung). Dies ermöglicht dem IAF mit namhaften
Firmen, Universitäten, Hochschulen und Forschungsinstituten zusammen zu arbeiten und im
internationalen Wettbewerb zu bestehen.
7
Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg (MWK) sowie http://researchexplorer.dfg.de/research_explorer.de.html?r=baden_wuerttemberg und
http://www.innbw.de/die_12_institute.lasso; Zugriff jeweils: 29.11.2012).
32
3. Demografie und Daseinsvorsorge
Bevölkerungsentwicklung
Die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg ist mit am 31.12.2012 insgesamt 472.614 Einwohnern
und einer Fläche von rund 2.529 km² eine der kleinsten Regionen in Baden-Württemberg.
Strukturprägend ist dabei auch die im Landesvergleich unterdurchschnittliche
Bevölkerungsdichte. Während im Land auf einem Quadratkilometer 296 Einwohner leben, sind
es in der Region lediglich 187 Einwohner. Mit einer Bevölkerungsdichte von 326 EW/km² ist in
der Region der Teilraum Villingen-Schwenningen am dichtesten besiedelt. Dagegen leben im
Teilraum Südbaar nur 96 Einwohner auf einem Quadratkilometer (Fortschreibung auf Basis
Zensus 2011).
Abb. 21: Die Entwicklung der Bevölkerungszahl 1990 bis 2010
115%
110%
105%
100%
95%
90%
1990
1992
1994
1996
1998
2000
2002
2004
2006
2008
2010
Rottweil/Tuttlingen
Villingen-Schwenningen
Südbaar
Oberer Neckar
Schwarzwald
Region Schwarzwald-Baar-Heuberg
Baden-Württemberg
Quelle: Eigene Darstellung, Villingen-Schwenningen 2012; Daten: Statistisches Landesamt BadenWürttemberg, Stuttgart 2012.
Im Zeitraum zwischen 1990 und 2010 hat sich die Einwohnerzahl in der Region SchwarzwaldBaar-Heuberg im Vergleich zur Entwicklung im Land unterdurchschnittlich entwickelt (Abb.
21). Während die Bevölkerungszahl im Land um 9,5 % anstieg, lag die Zunahme in der Region
bei lediglich 5,4 %. Auffallend ist dabei vor allem die rückläufige Entwicklung in der Region
ab dem Jahr 2005. Diese Umkehr der Entwicklung spiegelt sich auch in den Teilräumen
Villingen-Schwenningen, Südbaar und Oberer Neckar wieder, während im Teilraum
Rottweil/Tuttlingen erst ab dem Jahr 2008 eine rückläufige Tendenz zu beobachten ist.
Insgesamt verlief die Entwicklung der Einwohnerzahl in diesem Teilraum bei einem Anstieg
um 12,3 % sogar erkennbar günstiger als im Land. Dramatische Bevölkerungsverluste
sind dagegen im Teilraum Schwarzwald zu beobachten. Dort sank die Bevölkerungszahl seit
1991 kontinuierlich um insgesamt 8,3 %.
33
Abb. 22: Der relative Wanderungssaldo 1990 bis 2010 (Saldo pro 1.000 EW)
30
25
20
15
10
5
0
-5
-10
-15
1990
1992
1994
1996
1998
2000
2002
2004
2006
2008
Rottweil/Tuttlingen
Villingen-Schwenningen
Südbaar
Oberer Neckar
Schwarzwald
Region Schwarzwald-Baar-Heuberg
2010
Baden-Württemberg
Quelle: Eigene Darstellung, Villingen-Schwenningen 2012; Daten: Statistisches Landesamt BadenWürttemberg, Stuttgart 2012.
Abb. 23: Der relative Natürliche Saldo 1990 bis 2010 (Saldo pro 1.000 EW)
5
4
3
2
1
0
-1
-2
-3
-4
-5
1990
1992
1994
1996
1998
2000
2002
2004
2006
2008
Rottweil/Tuttlingen
Villingen-Schwenningen
Südbaar
Oberer Neckar
Schwarzwald
Region Schwarzwald-Baar-Heuberg
2010
Baden-Württemberg
Quelle: Eigene Darstellung, Villingen-Schwenningen 2012; Daten: Statistisches Landesamt BadenWürttemberg, Stuttgart 2012.
34
Bei einer differenzierten Betrachtung der Bevölkerungsentwicklung wird deutlich, dass im
Zeitraum zwischen 1990 und 2010 insbesondere der negative Wanderungssaldo den
Ausschlag für den derzeit zu beobachtenden Rückgang der Bevölkerung gab. Abgesehen vom
Teilraum Schwarzwald, der bereits seit 1992 fast durchweg hohe Abwanderungsverluste
verzeichnete, lag die Anzahl der Zuwanderungen in allen Teilräumen noch bis zum Jahr 2004 in
der Regel stets über der Anzahl der Abwanderungen. Seitdem befand sich der
Wanderungssaldo jedoch nahezu durchweg im negativen Bereich. Im Landesdurchschnitt
wurde bis 2010 dagegen noch stetig ein leichtes Zuwanderungsplus registriert (Abb. 22).
Während der Natürliche Saldo zwar von den Auswirkungen her im Vergleich zum
Wanderungssaldo nur eine untergeordnete Rolle spielt – der Saldo von Geburten und
Sterbefällen ist deutlich geringer als der von Zu- und Abwanderungen – sind die Unterschiede
zwischen den Teilräumen hier relativ groß. So überragen die Teilräume Südbaar und vor
allem Rottweil/Tuttlingen sehr deutlich die anderen Räume und konnten ab 2003 dann als
einzige Teilräume der Region weiterhin vereinzelte Geburtenüberschüsse aufweisen. Dagegen
wies der Teilraum Schwarzwald bereits seit dem Jahr 1999 einen deutlich ansteigenden
Sterbeüberschuss auf (Abb. 23).
Bevölkerungsvorausrechnung und Altersstruktur
Abb. 24: Die Vorausrechnung der Bevölkerungszahl 2008-2030
101%
100%
99%
98%
97%
96%
95%
94%
93%
92%
91%
2008
2010
2012
2014
2016
2018
2020
2022
2024
2026
2028
2030
Rottweil/Tuttlingen
Villingen-Schwenningen
Südbaar
Oberer Neckar
Schwarzwald
Region Schwarzwald-Baar-Heuberg
Baden-Württemberg
Quelle: Eigene Darstellung, Villingen-Schwenningen 2012; Daten: Statistisches Landesamt BadenWürttemberg, Stuttgart 2012.
Mit der positiven Geburtenbilanz korreliert in den Teilräumen Rottweil/Tuttlingen und
Südbaar die relativ junge Bevölkerungsstruktur. So liegt der Anteil der Anteil der Einwohner
im Alter von 65 Jahren und älter im Teilraum Rottweil/Tuttlingen nach den Berechnungen des
Zensus 2011 bei nur 19,3 % und im Teilraum Südbaar bei sogar lediglich 18 %. Im regionalen
35
Durchschnitt befinden sich 20,5 % der Einwohner in dieser Altersgruppe. Der
Landesdurchschnitt weist allerdings einen Anteil von nur 19,5 % aus, so dass die Werte in den
Teilräumen Villingen-Schwenningen und Schwarzwald von 21,6 bzw. 22,4 % einen deutlichen
Hinweis auf die dort hohe Altersstruktur geben. Bemerkenswert ist auf der anderen Seite aber,
dass der Anteil der jungen Bevölkerung (unter 18 Jahren) in der Region leicht höher ist als
im Land (18,3 vs. 17,7 %).
Nicht nur im Hinblick auf die Altersstruktur ist zudem insbesondere der Blick in die Zukunft von
Bedeutung. Zunächst zeigt Abbildung 24, dass laut der Bevölkerungsvorausrechnung des
Statistischen Landesamts die Gesamtbevölkerung ausgehend vom Jahr 2008 bis zum Jahr
2030 kontinuierlich abnehmen wird. Danach wird insbesondere im Teilraum Schwarzwald
ein sehr starker Rückgang der Einwohnerzahl stattfinden (-8,6 %), der sich deutlich von den
anderen Teilräumen der Region abhebt. Aber auch im Teilraum Rottweil/Tuttlingen, wo noch von
der insgesamt günstigsten Entwicklung ausgegangen werden kann, wird sich der bereits im Jahr
2008 eingesetzte Schrumpfungsprozess zukünftig weiter fortsetzen.
Bezogen auf die Altersstruktur wird sich dieser allgemeine Schrumpfungsprozess vor allem bei
der jüngeren Bevölkerung niederschlagen. So soll laut der Bevölkerungsvorausrechnung des
Statistischen Landesamts zwischen 2008 und 2030 die Gruppe der Einwohner im Alter von
unter 15 Jahren im Land und in der Region um rund 17 % abnehmen. Dabei wird der
Teilraum Südbaar mit einem Rückggang um knapp 23 % voraussichtlich den stärksten
Verlust an jungen Einwohnern zu erwarten haben. Der Teilraum Villingen-Schwenningen
dagegen muss sich nur auf einen Rückgang um etwa 14 % einstellen.
Abb. 25: Die Vorausrechnung der Anzahl der Einwohner im Alter von 65 und älter
145%
140%
135%
130%
125%
120%
115%
110%
105%
100%
95%
2008
2010
2012
2014
2016
2018
2020
2022
2024
2026
2028
2030
Rottweil/Tuttlingen
Villingen-Schwenningen
Südbaar
Oberer Neckar
Schwarzwald
Region Schwarzwald-Baar-Heuberg
Baden-Württemberg
Quelle: Eigene Darstellung, Villingen-Schwenningen 2012; Daten: Statistisches Landesamt BadenWürttemberg, Stuttgart 2012.
Im Gegensatz zum Verlust der jungen Bevölkerungsgruppe wird die Anzahl der Einwohner im
Alter von 65 Jahren und älter insgesamt stark zunehmen (Abb. 25). Nach der
36
Vorausrechnung soll diese Altersgruppe bis 2030 kontinuierlich wachsen, so dass zwischen
2008 und 2030 ein Anstieg um bis zu 41 % (Südbaar) anzunehmen ist. In der Region soll der
Anstieg voraussichtlich bei rund 25 % liegen, wobei im Schwarzwald – insbesondere
aufgrund der insgesamt abnehmenden Bevölkerungszahl – der geringste Zuwachs an
älteren Einwohnern erfolgen wird (+13 %).
37
4. Infrastruktur und Erreichbarkeit
Verkehrsinfrastruktur
Hinsichtlich der Straßenverkehrsinfrastruktur besteht in Nord-Süd-Richtung mit der Autobahn 81
(Stuttgart – Singen) eine leistungsfähige Verkehrsachse. In etwa parallel dazu verläuft von Rottweil
bis Blumberg zudem die von Tübingen her kommende Bundesstraße 27. Für die Nord-SüdErschließung über die Straße ist des Weiteren insbesondere die B 14 von Bedeutung, die von Sulz
am Neckar über Rottweil nach Tuttlingen und im weiteren Verlauf bis nach Stockach führt. In OstWest-Richtung sind in erster Linie die den Schwarzwald überquerenden B 33 bzw. E 531 (VillingenSchwenningen – Offenburg) und B 31 (Geisingen – Donaueschingen – Freiburg) sowie die von
Rottweil über Schramberg nach Schiltach führende B 462 (im weiteren Verlauf nach Freudenstadt
bzw. Offenburg) entscheidend. Nach Osten hin wird die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg zudem
von der B 523 (Villingen-Schwenningen – Tuttlingen) sowie der B 311 (Tuttlingen – Ulm)
erschlossen (Abb. 26). Beim Ost-West-Verkehr besteht für die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg
jedoch vielfach Optimierungsbedarf. So sind beispielsweise die Lücke zwischen der B 33 und der B
523 im Bereich Villingen-Schwenningen sowie die fehlende Schramberger Talstadtumfahrung (B
462) entscheidende Schwachpunkte im Straßenverkehrsnetz der Region.
Abb. 26: Das Straßennetz in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg
Quelle: Eigene Darstellung, Villingen-Schwenningen 2012.
38
Entlang dieser überregional bedeutsamen Straßen verlaufen auch die wichtigsten Schienenwege.
So sind in Nord-Süd-Richtung die Gäubahn (Stuttgart – Zürich) und in Ost-West-Richtung vor allem
die Schwarzwaldbahn (Kreuzlingen – Offenburg) entscheidend. Während der Süden der Region
zudem von der Donautalbahn (Donaueschingen – Ulm) und der Höllentalbahn (Freiburg –
Neustadt, Schwarzw. – Donaueschingen) erschlossen wird, ist für den Nahverkehr in der Region
der Ringzug, der die Zentren Donaueschingen, Villingen-Schwenningen, Rottweil, Tuttlingen und
Blumberg miteinander verbindet, die wichtigste Schienenverbindung (Abb. 27). Zukünftig wird die
Region über das System der Breisgau-S-Bahn umsteigefrei an den Raum Freiburg angebunden.
Dafür wird die Elektrifizierung des Teilstücks der Höllentalbahn Neustadt-Donaueschingen bis 2018
angestrebt. Ebenfalls prioritär für die Region ist der Ausbau der Gäubahn. Aufgrund der derzeitigen
Eingleisigkeit der Strecke dauern die Fahrten von Zürich nach Stuttgart so lange, dass die
weiterführenden Fernverkehrszüge am Stuttgarter Hauptbahnhof verpasst werden. Darüber hinaus
stellt sich durch die Eingleisigkeit die Verspätungsanfälligkeit der Züge als äußerst hoch dar.
Abb. 27: Die Schienennetz in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg
Quelle: Eigene Darstellung, Villingen-Schwenningen 2012 unter Verwendung von: NVBW, SPNV-Angebot in
der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg, Präsentation in der Verbandsversammlung des Regionalverbands
am 12.12.2008.
Erreichbarkeit
Die Leistungsfähigkeit der regionalen Straßenverkehrsinfrastruktur drückt sich auch durch die
Erreichbarkeit von Autobahnen aus. In der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg weisen
diesbezüglich insbesondere die Gemeinden entlang der A 81 gute Erreichbarkeitsstrukturen auf.
Vor allem im direkten Umfeld der sieben Anschlussstellen Sulz, Oberndorf, Rottweil, VillingenSchwenningen, Tuningen, Donaueschingen (ab Dreieck Bad Dürrheim über Zubringerautobahn A
864) und Geisingen beträgt die Fahrzeit zur nächsten Autobahn in der Regel nicht mehr als 15
Minuten. Defizite bestehen dagegen im Westen des Teilraums Schwarzwald. Hier werden oftmals
mehr als 30 Minuten bis zur nächsten Autobahnanschlussstelle benötigt (Abb. 28).
39
Hinsichtlich der Schienenverkehrsinfrastruktur ist die Erreichbarkeit von Haltepunkten des
überregionalen Bahnverkehrs von Bedeutung. Hier wird die Entfernung zum nächstgelegenen
Fernverkehrsbahnhof dargestellt. Als Fernverkehrsbahnhof werden Haltepunkte von ICE, IC oder
EC-Zügen mit regelmäßigen Halts in einem Abstand von maximal zwei Stunden definiert. Dabei
präsentiert sich der Teilraum Rottweil/Tuttlingen mit den Gäubahn-Haltestellen Rottweil und
Tuttlingen äußerst günstig erschlossen. In diesem Teilraum werden mit dem Pkw selten mehr als
30 Minuten zum nächsten Fernverkehrsbahnhof benötigt. Je weiter man allerdings Richtung
Westen kommt, desto länger dauert die Fahrt. So braucht man von zahlreichen Kommunen des
Teilraums Schwarzwald in der Regel mehr als 45 Minuten (Abb. 29). Mit der Schwarzwaldbahn
besteht für die nördlichen Gemeinden des Schwarzwald-Baar-Kreises allerdings eine
leistungsfähige Regionalverkehrsverbindung.
Abb. 28: Die Erreichbarkeit von Autobahnen
Abb. 29: Die Erreichbarkeit von Fernbahnhöfen
Quelle: Eigene Darstellung, Villingen-Schwenningen 2012 nach: Institut für Raumordnung und
Entwicklungsplanung an der Universität Stuttgart (IREUS), Der Beitrag der ländlichen Räume BadenWürttembergs zu wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit und sozialer Kohäsion – Positionsbestimmung und
Zukunftsszenarien, Stuttgart 2011, S. 83-85.
Ein weiterer wichtiger Indikator für die Verkehrsinfrastruktur ist die Erreichbarkeit von
internationalen Flughäfen. In der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg werden mit Ausnahme vom
äußersten Norden mehr als eine Autostunde zum nächsten internationalen Flughafen benötigt. Von
vielen Kommunen des Schwarzwaldes aus beträgt die Fahrzeit mehr als 90 Minuten. Die nächst
gelegenen Flughäfen für die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg sind Stuttgart, Zürich, BaselMulhouse-Freiburg, Friedrichshafen und Karlsruhe/Baden-Baden. Neben diesen Flughäfen sind in
der Region noch die zwei Verkehrslandeplätze Donaueschingen-Villingen in Donaueschingen und
Schwenningen sowie die Sonderlandeplätze Schramberg-Winzeln, Blumberg und Neuhausen ob
Eck angesiedelt. Obwohl diese zwar – und dabei vor allem der Landeplatz DonaueschingenVillingen – für Geschäftsreisende der Region eine hohe Bedeutung besitzen, flossen sie aufgrund
ihrer insgesamt nur untergeordneten Rolle nicht in die Analyse der Erreichbarkeit von
40
internationalen Flughäfen ein.
Neben den verkehrsinfrastrukturellen Erreichbarkeitsstrukturen ist zudem die Erreichbarkeit von
Einrichtungen der sozialen Infrastruktur zu analysieren. Hierzu gehören Bildungseinrichtungen
wie Schulen und Hochschulen sowie Institutionen der Gesundheitsversorgung wie Krankenhäuser
und Hausärzte.
Wie bereits in Kapitel 2 der Bestandsaufnahme dargestellt, befinden sich in der Region
Schwarzwald-Baar-Heuberg mit Furtwangen, Villingen-Schwenningen, Tuttlingen und Trossingen
mehrere Hochschulstandorte. Deshalb stellt sich die Erreichbarkeit von Hochschulen recht
günstig dar. Mit dem Auto werden so nur selten mehr als 30 Minuten zum nächsten
Hochschulstandort benötigt. Einzig im äußersten Nordwesten der Region stellt sich die Situation
mit mehr als einer Stunde Fahrzeit auffallend ungünstig dar (Abb. 30; Berücksichtigung von
Hochschulen >1.000 Studierende). Das begrenzte Studienangebot der relativ kleinen Hochschulen
in der Region führt allerdings dazu, dass in vielen Fällen eine weiter entfernt liegende Hochschule
außerhalb der Region zur Ausbildung gewählt wird. Die insgesamt günstige Erreichbarkeit von
Hochschulen in der muss also differenziert betrachtet werden.
Abb. 30: Die Erreichbarkeit von Hochschulen
Abb. 31: Die Erreichbarkeit von Gymnasien
Quelle: Eigene Darstellung, Villingen-Schwenningen 2012 nach: Institut für Raumordnung und
Entwicklungsplanung an der Universität Stuttgart (IREUS), Der Beitrag der ländlichen Räume BadenWürttembergs zu wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit und sozialer Kohäsion – Positionsbestimmung und
Zukunftsszenarien, Stuttgart 2011, S. 79-81.
Bei Betrachtung der Erreichbarkeit von Gymnasien ist die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg
ebenfalls günstig positioniert. Lediglich im äußersten Osten und Süden gibt es vereinzelt
Kommunen, aus denen mit dem Pkw mehr als 15 Minuten bis zum nächsten Gymnasium benötigt
werden. Überraschend gut stellt sich die Situation im Teilraum Schwarzwald dar. Hier wird oftmals
in weniger als 5 Minuten Fahrtzeit das nächste Gymnasium erreicht (Abb. 31).
41
Im Bereich der Gesundheitsinfrastruktur wurde die Anzahl der erreichbaren Hausärzte in den
einzelnen Städten und Gemeinden untersucht. Hier zeigt sich, dass insbesondere im Osten des
Teilraums Rottweil/Tuttlingen sowie im Schwarzwald oftmals nur weniger als zehn Hausärzte
innerhalb von 15 Minuten erreicht werden. Dagegen lassen sich im Teilraum VillingenSchwenningen sowie in Tuttlingen und Umgebung oftmals mehr als 40 Hausärzte innerhalb dieser
Zeitspanne erreichen (Abb. 32).
Abb.32: Die Erreichbarkeit von Hausärzten
Abb. 33: Die Erreichbarkeit von Arbeitsplätzen
Quelle: Eigene Darstellung, Villingen-Schwenningen 2012 nach: Institut für Raumordnung und
Entwicklungsplanung an der Universität Stuttgart (IREUS), Der Beitrag der ländlichen Räume BadenWürttembergs zu wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit und sozialer Kohäsion – Positionsbestimmung und
Zukunftsszenarien, Stuttgart 2011, S. 87-92.
Von zentraler Bedeutung für die Standortattraktivität ist nicht zuletzt die Erreichbarkeit von
sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen. In der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg stellt
sich die Situation überwiegend als gut dar (vgl. auch Kapitel 1 Wirtschaft und Beschäftigung). So
profitieren insbesondere die Gemeinden entlang der A 81 von dieser leistungsfähigen
Verkehrsachse und können somit innerhalb von 30 Minuten in der Regel mehr als 120.000
Arbeitsplätze erreichen. Dies vor allem im Bereich der großen Arbeitsplatzzentren VillingenSchwenningen, Tuttlingen und Rottweil. Einzig im Teilraum Oberer Neckar wirkt sich der Vorteil der
Autobahn eher bedingt aus, so dass dort lediglich 50.000 bis 90.000 Arbeitsplätze in einer halben
Stnde Zeitspanne erreichbar sind. Im Bereich des Heubergs sowie im äußersten Westen und
Süden der Region jedoch sind die Möglichkeiten, eine gut erreichbare Arbeitsstelle zu finden,
nochmals deutlich geringer. Hier können teilweise keine 35.000 Arbeitsplätze innerhalb von 30
Minuten mit dem Pkw angefahren werden (Abb. 33).
42
Breitband
Hinsichtlich der Infrastruktur spielt die Breitbandversorgung eine immer wichtiger werdende Rolle.
Dies gilt insbesondere als Standortfaktor für die Wirtschaft. So zeigte eine Umfrage der Industrieund Handelskammer Schwarzwald-Baar-Heuberg, welche in Zusammenarbeit mit der Hochschule
Furtwangen University durchgeführt wurde 8, dass bei der Standortwahl von Unternehmen die
Breitbandinfrastruktur mittlerweile ausschlaggebender als die Verkehrsanbindung ist.
Zudem stufen rund 88 % der befragten Gewerbetreibenden eine schnelle Breitbandversorgung als
wichtig oder sehr wichtig für ihr Unternehmen ein.
Bei der quantitativen Befragung von Unternehmen in Form einer Online-Umfrage wurde eine
Rücklaufquote von circa 20 % erreicht, was repräsentative Aussagen zu den Umfrageinhalten
ermöglicht. Da in einer Online-Umfrage individuelle Aussagen aufgrund der großen Anzahl der
Befragten nicht möglich sind, wurden ergänzend einzelne Unternehmen im Rahmen eines
persönlichen Gesprächs befragt. In der Kombination beider Befragungsformen ist es möglich, die
Ergebnisse der Online-Umfrage zu vertiefen und mögliche Hintergründe aufzuzeigen. Neben der
kommunalen Breitbandversorgung und dem zukünftigen Bedarf wurden in den Gesprächen auch
die Bedeutung und der Einsatz zukunftweisender Anwendungen (z.B. „Cloud-Computing“) erörtert.
Die Ergebnisse der Breitbandstudie der IHK liefern so zahlreiche Informationen über die Situation
und den Bedarf der Breitbandversorgung in der Region.
Dabei zeigt sich zum einen, dass etwa der Hälfte der Unternehmen eine niedrigere Bandbreite als
6 Mbit/s zur Verfügung steht. Mit 59 % ist so die Mehrzahl der befragten Unternehmen mit ihrer
Internetanbindung unzufrieden. Der Schwerpunkt des Bedarfs liegt derzeit in einem Bereich von
11-50 Mbit/s. Zudem geben 43 % der Befragten an, bereits heute symmetrische
Breitbandanschlüsse zu benötigen, um die Daten mit der gleichen Geschwindigkeit senden und
empfangen zu können. Rund ein Drittel meint aber, dass sie aufgrund nicht ausreichender
Bandbreiten bereits heute starke Einschränkungen bei ihren Anwendungen und beim
Dokumentenaustausch haben. Besonders nachteilig wirkt sich aus, dass Gewerbegebiete in der
Breitbandversorgung tendenziell benachteiligt gegenüber Misch- und Wohngebieten sind (s.
unten). Belegt wird dies auch dadurch, dass nahezu 3/4 der Unternehmen dabei bereits heute eine
Beeinträchtigung ihrer Geschäftsprozesse sehen.
Auf der anderen Seite geben 80 % der befragten Unternehmen an, dass sie in drei bis fünf
Jahren einen hohen oder sehr hohen Bandbreitenbedarf haben werden. Dazu passt, dass
75 % der Befragten in der Breitbandversorgung einen großen Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit
ihres Unternehmens sehen. Es sind hier vor allem die Trends zu zunehmender
Standortvernetzung, Zentralisierung der IT-Ressourcen sowie weitergehender Auslagerung
(„Cloud-Computing“) und Veränderungen in der Kultur der Unternehmenskommunikation (Social
Media), die als ursächlich für den zukünftigen Bandbreitenbedarf gesehen werden können. Ein
Standard-Anschluss mit 100 Mbit/s symmetrisch wird aus Sicht einiger befragter Unternehmen in
naher Zukunft erforderlich.
Mittels der gewonnenen Daten der Umfrage konnte die Situation in Bezug auf die Versorgung der
Gewerbetreibenden in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg gut erfasst werden. Danach ist
festzuhalten, dass in der Region ein vielfach noch ungenügender Standard besteht und sich nur
wenige Gemeinden der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg im Bereich der Breitbandversorgung
auf einem Stand der Technik befinden, der den gegenwärtigen und zukünftigen Bedürfnissen
gerecht wird. In diesem Bereich besteht also noch ein großer Handlungsbedarf, um als Region – im
wahrsten Sinne des Wortes – nicht den Anschluss an ein schnelles Breitband zu verpassen.
8
IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg (Hrsg.): Trendanalyse zur Breitbandversorgung in der Region Schwarzwald-BaarHeuberg, Villingen-Schwenningen 2011.
43
Dies zeigt sich auch bei der Betrachtung der allgemeinen Breitbandversorgung in der Region. Bei
dieser detaillierten Analyse ergibt sich zwar, dass Ende des Jahres 2011 mit 57 in den meisten der
76 Städte und Gemeinden der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg mindestens 95 % der
Einwohner mit einer Internet-Bandbreite von 1 Mbit/s versorgt sind (Abb. 34). Hinsichtlich einer
schnellen Bandbreite von 6 Mbit/s gilt dies jedoch mit 41 nur für etwas mehr als die Hälfte der
Städte und Gemeinden. Bezüglich der Teilräume werden insbesondere in den Teilräumen
Schwarzwald und Südbaar Defizite beim Versorgungsgrad festgestellt. So sind in diesen beiden
Teilräumen nur 74 bzw. 76 % der Einwohner mit einer leistungsfähigen Bandbreite von 6 Mbit/s
versorgt. Im Teilraum Schwarzwald besitzen in manchen Städten und Gemeinden sogar weniger
als die Hälfte der Einwohner eine Bandbreite von 6 Mbit/s. Besser sieht die Situation dagegen in
den anderen drei Teilräumen aus, wobei vor allem in den Teilräumen Villingen-Schwenningen
und Rottweil/Tuttlingen mit 96 bzw. 94 % nahezu alle Einwohner an das schnelle Internet
angebeunden sind. Allerdings gibt es im Teilraum Rottweil/Tuttlingen auch die Situation, dass in
manchen Kommunen noch nicht einmal 20 % der Einwohner einen Breitbandanschluss mit 6 Mbit/s
besitzen (Abb. 35).
Abb. 34: Breitbandversorgung mit 1 Mbit/s
Abb. 35: Breitbandversorgung mit 6 Mbit/s
Quelle: Eigene Darstellung, Villingen-Schwenningen 2013; Daten: Landesanstalt für Kommunikation BadenWürttemberg, Stuttgart 2012.
Bei dieser Darstellung des Versorgungsgrades in den einzelnen Kommunen der Region muss
allerdings berücksichtigt werden, dass die Breitbandanbindung in den Ortskernen zumeist deutlich
besser ist, als an den Ortsrändern. In den Randlagen der Städte und Kommunen sind die
Verbindungslängen bis zum nächstgelegenen Hauptverteiler oftmals sehr groß, so dass sich dies
tendenziell negativ auf die verfügbare DSL-Bandbreite auswirkt. Da sich in den Ortsrandlagen viele
Gewerbegebiete befinden, sind davon in erster Linie Unternehmen betroffen. Der Versorgungsgrad
der regionalen Wirtschaft kann aus dieser Betrachtung daher nicht pauschal abgeleitet werden.
44
5. Klimaschutz und Energieversorgung
In den letzten Jahrzehnten wurde eine globale Erwärmung der Erdatmosphäre beobachtet, die
statistisch mit der fortschreitenden Industrialisierung korreliert und auf den Ausstoß von
Treibhausgasen zurückzuführen ist. Das bedeutendste Treibhausgas ist das Kohlendioxid (CO2),
welches bei allen Verbrennungsprozessen in der Industrie, im Verkehr und in Haushalten entsteht
und dessen Anteil sich in der Atmosphäre in den letzten Jahrzehnten fortlaufend erhöht hat. Mit
einem verbindlichen Aktionsprogramm haben sich deshalb im Kyoto-Abkommen, das im Jahr 2005
in Kraft trat, zahlreiche Industriestaaten zur Reduktion der CO2-Emissionen verpflichtet. Auch die
Bundes- und Landesregierung haben in ihren Klimaschutzkonzepten ähnliche Zielvorstellungen
entwickelt. Die wichtigsten Gemeinsamkeiten sind der Ausbau der regenerativen
Energieerzeugung, die Optimierung der Energienutzung durch Kraft-Wärme-Kopplung, der Ausbau
des
Stromnetzes
sowie
Energieeinsparungen
im
privaten
Wohnungssektor
und
Kraftstoffeinsparungen im Verkehrswesen. Als weiterer Faktor für den politisch anvisierten Umbau
der Energieversorgung sind die Ereignisse von Fukushima im März 2011 zu sehen. So fordert der
von der Bundesregierung beschlossene Atomausstieg bis 2020 ein verstärktes Umdenken bei der
Energieversorgung. Der Ausbau der erneuerbaren Energien als Alternative zu fossilen
Energieträgern (Öl, Kohle, Erdgas) und Kernbrennstoffen (Uran) ist demnach ein zentrales
Thema, mit denen sich Kommunen, Landkreise und Regionen beschäftigen müssen.
Auf das Ziel der Treibhausgasemissionsminderung sowie der Etablierung und Anwendung hierfür
notwendiger Umsetzungsinstrumente ist auch der „Gesetzentwurf zur Förderung des
Klimaschutzes in Baden-Württemberg“ ausgerichtet, der zugleich zu einer nachhaltigen
Energieversorgung beitragen soll. Die wesentlichen Strategien und Maßnahmen sollen in einem
integrierten Energie- und Klimaschutzkonzept benannt werden. Unter den im Gesetzentwurf
genannten Aufgaben sollen künftig die Behörden, Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des
öffentlichen Rechts im Rahmen Ihrer Zuständigkeit zur Verwirklichung der Klimaschutzziele
beitragen und den Belangen des Klimaschutzes ein besonderes Gewicht verleihen. Dies betrifft
insbesondere die Vorhaben zur Errichtung von regionalbedeutsamen Windenergieanlagen,
Wasserkraftanlagen ab 50 kW, immissionsschutzrechtlich zu genehmigenden Biogasanlagen,
gebäudeunabhängigen Photovoltaikanlagen ab 500 kW und Solarthermie-Anlagen ab einer
Kollektorfläche von 1000 m². Im Rahmen seiner Zuständigkeit hat der Regionalverband
Schwarzwald-Baar-Heuberg sich bereits seit längerem mit dem Komplex Klimaschutz und
Energieversorgung beschäftigt und sich die Erstellung einer regionalen Klimaschutzkonzeption
zum Ziel gesetzt. Als erster Meilenstein diente die Erstellung einer Potenzialanalyse und
Potenzialabschätzung über die verfügbaren erneuerbaren Energieträger in der Region. Dabei
konnte auf Fördermittel des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
zurückgegriffen werden.
Im Rahmen der Potenzialstudie wurden zunächst die Anteile der erneuerbaren Energien am
heutigen Stromverbrauch (bezogen auf das Jahr 2010) in der Region untersucht und die Potenziale
für das Zieljahr 2020 abgeschätzt und dargestellt. Die erhobenen Daten wurden zudem im darauf
folgenden Jahr aktualisiert. Danach sind die jeweiligen Anteile der erneuerbaren Energieträger in
der Region höchst unterschiedlich. So wurden im Jahr 2011 – jeweils ca. – 213.000
Megawattstunden (MWh) aus Photovoltaik- (auf Gebäuden und Freiflächen) und 186.000 MWh aus
der energetischen Nutzung von Biomasse sowie 44.000 MWh aus Windenergieanlagen und 23.000
MWh aus Wasserkraftanlagen eingespeist.
Das bedeutet, dass der Anteil der erneuerbaren Energien am regionalen
Gesamtstromverbrauch im Jahr 2011 bei rund 16 % lag. Im Land lag der Anteil bei etwa 14 %,
wobei hier vor allem die „große Wasserkraft“ mit einem Gesamtanteil von 5 % in die Bilanz
45
einfließt. In der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg sind dagegen die Anteile der Stromerzeugung
durch Photovoltaikanlagen mit 7,4 % sowie Biomasse mit 6,4 % überdurchschnittlich (Abb.
36). In der Potenzialstudie wird unter der Annahme, dass bis zum Jahr 2020 eine engagierte
Klimapolitik betrieben wird, das Erreichen eines Anteils am regionalen Gesamtstromverbrauch von
rund 33 % über die untersuchten erneuerbaren Energieträger als realistisch eingeschätzt.
Energieeinsparpotenziale wurden in der Studie nicht berücksichtigt. Insgesamt verdeutlichen die
energiepolitischen Ziele auf Bundes- und Landesebene, die für das Jahr 2020 einen Gesamtanteil
von 38 % vorsehen, eindeutig die Handlungserfordernisse in der Region.
Abb. 36: Die Struktur der Stromerzeugung in der Region und im Land 2011
Quelle: Eigene Darstellung, Villingen-Schwenningen 2013 nach Regionalverband Schwarzwald-BaarHeuberg (Hrsg.): Regionales Klimaschutzkonzept – Potenzialanalyse der verfügbaren ErneuerbarenEnergieträger in der Region (Aktualisierung), Villingen-Schwenningen 2012.
Betrachtet man die einzelnen Teilräume hinsichtlich ihrer jährlichen Stromeinspeisung aus
erneuerbaren Energien in 2011, lässt sich erkennen, dass der Teilraum Oberer Neckar dieses
politische Ziel schon fast erreicht hat. Dort werden rund 36 % des Gesamtstromverbrauchs mit
erneuerbaren Energien abgedeckt. Eine besonders große Rolle spielt in diesem Teilraum die
energetische Verwertung von Biomasse, die 18,6 % einnimmt. Auffällig hoch sind darüber hinaus
auch die Wasserkraftnutzung mit einem Anteil von 3,9 % sowie die Photovoltaik mit 10,3 %.
Ein noch höherer Stellenwert kommt der Photovoltaik jedoch im Teilraum Südbaar zu, wo 12,5 %
des Gesamtenergieverbrauchs über die Photovoltaik abgedeckt sind. Da dort ebenfalls auch eine
stark überdurchschnittliche Nutzung von Biomasse registriert wird, kann der Teilraum Südbaar für
sich mit rund 32 % ebenfalls einen sehr starken Erneuerbare-Energien-Anteil verbuchen.
Unterdurchschnittlich ist der Anteil dagegen vor allem im Teilraum Villingen-Schwenningen
mit insgesamt lediglich etwa 11 %. Auch im Teilraum Schwarzwald sind Besonderheiten zu
registrieren. Aufgrund der fehlenden landwirtschaftlichen Gunstlagen hat der Biomasseanteil mit
2 % dort einen so geringen Stellenwert wie in keinem anderen Teilraum. Dagegen ist die Windkraft
mit 4,9 % überdurchschnittlich ausgeprägt. Wie sich der Erneuerbare-Energien-Anteil an der
Stromeinspeisung in den Teilräumen im Einzelnen darstellt, zeigt Abbildung 37.
Zur Windkraft ist anzumerken, dass dort besondere Voraussetzungen gelten. Die Zielsetzung des
Landes beinhaltet einen Anteil des heimischen Windstroms an der Bruttoenergieerzeugung bis
2020 von 10 %. Nachdem der Baden-Württembergische Landtag im Mai 2012 die Änderung des
Landesplanungsgesetzes mit den von der Landesregierung vorgesehenen Inhalten verabschiedet
46
hat, werden die regionalplanerisch festgelegten Vorranggebiete für regionalbedeutsame
Windkraftanlagen mit kombinierter Ausschlusswirkung zum 01. Januar 2013 aufgehoben. Dennoch
wird der Regionalverband in enger Abstimmung mit den Verwaltungsräumen weiterhin
„Vorranggebiete für Standorte regionalbedeutsamer Windkraftanlagen“ in einer
Regionalplanteilfortschreibung festlegen.
Abb. 37: Die Struktur der Stromerzeugung in den einzelnen Teilräumen der Region 2011
Quelle: Eigene Darstellung, Villingen-Schwenningen 2013 nach Regionalverband Schwarzwald-BaarHeuberg (Hrsg.): Regionales Klimaschutzkonzept – Potenzialanalyse der verfügbaren ErneuerbarenEnergieträger in der Region (Aktualisierung), Villingen-Schwenningen 2012.
Mit dem „Gesetz zur Förderung des Klimaschutzes in Baden-Württemberg“ ist eine Änderung des
Landesplanungsgesetzes insoweit vorgesehen, dass die künftigen Festlegungen zur Erreichung
der im Gesetz beschriebenen Ziele zum Klimaschutz (Gebiete für Standorte zur Nutzung
erneuerbarer Energien, Standorte und Trassen für sonstige Infrastrukturvorhaben wie etwa für
Energieversorgung und Energiespeicherung) anhand konzeptioneller Überlegungen und unter
Berücksichtigung der regionalen Potenziale begründet werden.
47
Die Potenzialstudie als Meilenstein zum Regionalen Klimaschutzkonzept, die Beiträge in den
Regionalverbandsgremien zum Thema Klimaschutz und Energieversorgung sowie das Regionale
Entwicklungskonzept, das den Klimaschutz und die Energieversorgung in den Kontext zur
Raumentwicklung stellt, werden eine dementsprechende Grundlage konzeptioneller Überlegungen
darstellen, um die Energiewende in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg und damit anteilig im
Land Baden-Württemberg voran zu bringen.
48
6. Lebensqualität, Kultur und soziales Miteinander
Bei der Bewertung der Lebensqualität in einer Region spielen sowohl weiche als auch harte
Standortfaktoren eine Rolle. Diese bestimmen auch die gefühlte Lebensqualität. Weiche und harte
Standortfaktoren sind grundsätzlich komplementär und decken zusammen das gesamte Spektrum
relevanter Bestimmungsgrößen für Lebensqualität ab. Beide Arten von Standortfaktoren sind eng
miteinander verknüpft und bedingen sich wechselseitig. Insgesamt wird die Lebensqualität sehr
stark durch den Standortfaktor „Wohn- und Freizeitwert“ geprägt.
Als Schlüsselfaktoren zur Bewertung der Lebensqualität und Lebenslage sind vor allem das
Freizeitverhalten, die Freizeitgestaltung, das Verhältnis von Freizeit zu Arbeitszeit, das
Konsumverhalten, die sozialen Kontakte, das Kommunikationsverhalten, die Lebensziele, die
Sicherheit, die Selbstidentifikation und das Zughörigkeitsgefühl sowie Werte und Traditionen
anzusehen..
Bei Betrachtung dieser Schlüsselfaktoren stellt
sich die Lebensqualität in der Region
Schwarzwald-Baar-Heuberg aus der Innensicht des in der Region etablierten Bewohners
als gut dar. Dabei spielt der hohe Freizeitwert
eine wichtige meinungsbildende Rolle.
Herzlich willkommen
in der
Lebensverhältnisse
Der hohe Freizeitwert wird vor allem durch die
Vielzahl an Einrichtungen touristischer, kultureller
und
gastronomischer
Art
sowie
durch
Sportveranstaltungen und ein großes Angebot an
Fest- und sonstigen Freizeitveranstaltungen
geprägt. Somit ist das kulturelle Angebot in der
Region attraktiv und bietet in Bezug auf die
Vielfalt
im
Vergleich
zu
vielen
Agglomerationsräumen eine ähnliche Bandbreite.
Allerdings ist die starke geographische Verteilung des Angebotes über die drei Landkreise hinweg
schwer abzubilden und somit schwer zu vermarkten. Dies erklärt unter anderem, warum die
Lebensqualität in der Innenansicht besser abschneidet als in der Betrachtung von außen. Durch die
Schaffung eines einheitlichen regionsweiten Ticket-Verkaufssystems sowie der regelmäßig in der
Presse erscheinenden Übersicht über eine Vielzahl von Kulturveranstaltungen in den einzelnen
Städten und Gemeinden der Region sind aber bereits erste Ideen für eine bessere Vernetzung der
Veranstaltungsattraktionen umgesetzt worden.
Neben dem breiten Kulturangebot trägt in ähnlicher Weise auch die landschaftliche Attraktivität
zum hohen Freizeitwert der Region bei. Stark verschiedenartige Naturräume wie zum einen die
Gebirgskämme des Hochschwarzwaldes im Westen und die Höhenzüge der Schwäbischen Alb im
Osten sowie zum anderen die Baar-Hochmulde und das Obere Gäu mit dem Neckartal im Süden
bzw. Norden der Region bieten vielfältige Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Einzigartige
Naturparks wie der Naturpark Obere Donau oder der Naturpark Südschwarzwald sowie
landschaftliche Attraktionen wie Deutschlands höchste Wasserfälle oder die Wutachschlucht mit
ihrer einzigartigen Wildflusslandschaft sind dabei spezielle Anziehungspunkte. Aber auch die
49
vielfältige Quellenlandschaft (u.a. Donauquelle) sowie die zahlreichen kleinräumigeren unberührten
Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete sind wichtige Bestandteile der regionalen Identität und
Lebensqualität mit einem hohen Wert für Freizeit und Erholung.
Ein weiterer wichtiger Faktor zur Bestimmung der Lebensqualität sind die Lebensverhältnisse. Die
Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse ist im Grundgesetz verankert und gilt zudem
gemäß des Raumordnungsgesetzes als Leitvorstellung der Raumordnung. Deshalb hat auch der
Raumordnungsbericht 2011 9 unter anderem die Situation der regionalen Lebensverhältnisse in der
Bundesrepublik analysiert. Die Grundlage für diese Untersuchung bildete ein komplexer
Indikatorensatz für sechs Teilbereiche regionaler Lebensverhältnisse.
Abb. 38: Über – und unterdurchschnittliche Ausprägungen regionaler Lebensverhältnisse
Sehr stark überdurchschnittlich
Stark überdurchschnittlich
Ausgeglichene Lebensverhältnisse
Stark unterdurchschnittlich
Sehr stark unterdurchschnittlich
Quelle: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und
Raumordnung (BBR) (Hrsg.): Raumordnungsbericht 2011, Bonn 2012, S 26.
So wurden die regionalen Situationen hinsichtlich Demographie, Wirtschaft, Arbeitsmarkt,
Wohlstand, Infrastruktur und Wohnungsmarkt untersucht. Dabei stellt sich heraus, dass sich die
Region Schwarzwald-Baar-Heuberg im Bundesvergleich mindestens durchschnittlich bis
9
Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR)
(Hrsg.): Raumordnungsbericht 2011, Bonn 2012.
50
oftmals sogar stark überdurchschnittlich darstellt. Insbesondere in den Teilbereichen
Arbeitsmarkt – wo zum Beispiel die Arbeitslosenquote herangezogen wird – Wohlstand (bspw.
verfügbares Pro-Kopf-Einkommen) und Wohnungsmarkt kann die Region ein klar
überdurchschnittliches Niveau aufweisen. Anhand der Zusammenfassung der Ergebnisse dieser
Untersuchungen für die sechs Teilbereiche lässt sich erkennen, in welchen Räumen Deutschlands
ausgeglichene Lebensverhältnisse herrschen. Letztendlich konnten 82 % der Kreise und kreisfreien
Städte in Deutschland ausgeglichene Lebensverhältnisse aufweisen. Dies bedeutet, dass in diesen
Gebieten ein bestimmter Mindeststandard an Leistungen und Infrastruktur zur Verfügung steht. Der
Raumordnungsbericht 2011 beschreibt dabei auch, dass die Ausprägungen regionaler
Lebensverhältnisse laut Umfragewerten mit der subjektiven Zufriedenheit mit dem Wohnort sowie
der Beurteilung der eigenen wirtschaftlichen Lage und damit letztendlich auch der Lebensqualität
korreliert.
In der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg sind in allen drei Landkreisen mindestens
ausgeglichene Lebensverhältnisse anzutreffen, wobei der Landkreis Tuttlingen sogar stark
überdurchschnittliche Ausprägungen aufweist. Ein solch hoher Standard ist in ganz
Deutschland nur in neun Landkreisen und kreisfreien Städten vorzufinden. Hier wird das Niveau
einer Mindestversorgung deutlich übertroffen. Im Landkreis Tuttlingen sind dafür vor allem die stark
überdurchschnittlichen Situationen in den Bereichen Demographie – wo beispielsweise die
Bevölkerungsentwicklung ein Indikator ist –, Arbeitsmarkt, Wohlstand und Wohnungsmarkt
verantwortlich. Insgesamt lässt die Untersuchung des Raumordnungsberichts 2011 also darauf
schließen, dass in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg auch die Lebensqualität relativ hoch ist.
Negativ ungleichgewichtige Lebensverhältnisse sind in Deutschland nahezu ausschließlich in den
neuen Bundesländern anzutreffen. Dies bedeutet, dass in solchen Fällen eine garantierte
Mindestversorgung der Bevölkerung gefährdet erscheint (Abb. 38).
Abb. 39: Das Mietpreisniveau in ausgewählten Städten Baden-Württembergs 2009
Quelle: Eigene Darstellung, Villingen-Schwenningen 2012; Daten:
http://www.focus.de/immobilien/mieten/miet-spiegel/; Zugriff: 24.10.2012
51
Auffällig günstig schnitt die Region beim Teilbereich Wohnungsmarkt ab. Dabei wurden die
durchschnittlichen Hauspreise für Einfamilien-Standardhäuser in Relation zum regional verfügbaren
Haushaltsjahres-Einkommen in Relation gesetzt. Dabei gehören die drei Landkreise der Region
zu
den
insgesamt
nur
fünf
Landkreisen
Baden-Württembergs,
die
ein
unterdurchschnittliches Preisniveau aufweisen (in den Lk. TUT und RW als einzige im Land
sogar stark unterdurchschnittlich). Ansonsten dominiert hinsichtlich der HauspreisEinkommensrelation im Süden Deutschlands ein recht hohes Preisniveau.
Diese Analyse aus dem Raumordnungsbericht 2011 deckt sich mit dem Mietpreisniveau im
privaten Wohnungsbereich. So präsentieren sich beispielsweise die Städte Tuttlingen, Rottweil und
Schramberg mit durchschnittlichen Mietpreisen pro Quadratmeter von 5,97 € bis 6,41 € äußerst
günstig (Abb. 39).
Kaufkraft
Das günstige Mietpreisniveau spielt auch in die Analyse der ungebundenen Kaufkraft in der
Region mit hinein. Die ungebundene Kaufkraft am Wohnort gibt an, wie viel Geldmittel der
Bevölkerung in dem Gebiet zu Konsumzwecken frei zur Verfügung stehen. Dazu werden von den
Erwerbs- und Übertragungseinkommen (Renten, Sozialhilfe …) die direkten Steuern und
Sozialabgaben, die zur Vermögensbildung verwendeten Mittel sowie die Wohnungskosten
abgezogen. Bei dieser Analyse zeigt sich, dass die Region Schwarzwald Baar-Heuberg ein
überdurchschnittliches Kaufkraftniveau aufweist.
Abb. 40: Die ungebundene Kaufkraft in Euro je Einwohner 2009
19.000
18.000
17.000
16.000
15.000
14.000
13.000
12.000
11.000
10.000
Quelle: Eigene Darstellung, Villingen-Schwenningen 2012; Daten: Statistisches Landesamt BadenWürttemberg, Stuttgart 2012.
52
Während die ungebundene Kaufkraft je Einwohner im Jahr 2009 im Land bei 15.370 Euro lag,
wurde in der Region ein Wert von 16.623 Euro je Einwohner gemessen. Die Kaufkraft-Kennziffer
lag somit bei 108 (Land = 100). Dies ist zugleich der höchste Wert aller Regionen in BadenWürttemberg. Hinsichtlich der Teilräume in der Region ist zudem auffällig, dass lediglich der
Teilraum Südbaar eine unterdurchschnittliche ungebundene Kaufkraft aufwies (14.532 € je EW). Im
Teilraum Schwarzwald dagegen war das Kaufkraftniveau mit 17.729 Euro je Einwohner mit
Abstand am höchsten. Dort lag die Kennziffer 2009 somit bei 115. Eine ebenfalls stark
überdurchschnittliche Kaufkraft wurde zudem im Teilraum Rottweil/Tuttlingen gemessen (Abb. 40).
„Kreative Klasse“
Bedingt durch den derzeit hohen Fachkräftemangel haben sich viele Regionen dazu entschlossen,
vermehrt auf Kreativwirtschaft (Aktivitäten zum Vertrieb von Kulturprodukten) zu setzen. Vor
allem in den ländlichen Gegenden, die von der Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte besonders
stark betroffen sind, bemühen sich die Regionen, Strategien zu entwickeln, die diesem Trend
entgegenzuwirken. Eine ausführliche Darstellung dessen erfolgt in der Studie der Agiplan GmbH
zur Kreativen Klasse in Deutschland. 10 In dieser Studie wird auf den amerikanischen
Wirtschaftswissenschaftler Richard Florida hingewiesen, der in seinen Arbeiten zeigte, dass ein
Klima gesellschaftlicher Offenheit ein zentraler Wettbewerbsvorteil von Städten sein kann. Ein
solches Klima bindet kreative Erwerbspersonen an den Standort und zieht hochmobile „High
Potentials“ an.
Die
diesbezügliche
Wettbewerbs- Abb. 41 : Der TTT-Index in den Kreisen und kreisfreien
Städten
fähigkeit von Standorten wird nach
Florida durch einen sogenannten TTTIndex definiert. Dabei steht das erste
„T“ für den Technologieindex und damit
für die wirtschaftliche Entwicklung in
Technologiebranchen
und
das
technische
Innovationspotential.
Während das zweite „T“ als Talentindex
unter anderem zeigt, wie hoch der
Anteil der kreativen Beschäftigten ist,
misst das dritte „T“ als Toleranzindex
die Offenheit von Standorten. Dabei
wird beispielsweise der Anteil der
Künstler und Ausländer betrachtet.
Die
Landkreise
der
Region
Schwarzwald-Baar-Heuberg weisen
durchweg
einen
leicht
unterdurchschnittlichen TTT-Index
auf. Deutlich höher ist der Wert
insbesondere in den großen Städten
wie beispielsweise Stuttgart, München
und Berlin (Abb. 41).
Quelle: agiplan GmbH (Hrsg.): Kreative Klasse in Deutschland
2010 – Technologie, Talente und Toleranz stärken
Wettbewerbsfähigkeit - eine Chance für offene Städte und
Kreise, Mülheim 2010, S. 16.
10
agiplan GmbH (Hrsg.): Kreative Klasse in Deutschland 2010 – Technologie, Talente und Toleranz stärken
Wettbewerbsfähigkeit - eine Chance für offene Städte und Kreise, Mülheim 2010.
53
Bei einer differenzierten Betrachtung des TTT-Index wird anhand der Indizes-Karten der agiplanStudie deutlich, dass in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg bei einem überdurchschnittlichen
Technologieindex, der vor allem im Landkreis Tuttlingen einen sehr hohen Wert einnimmt,
insbesondere die unterdurchschnittlichen Ergebnisse beim Toleranzindex und Talentindex
ausschlaggebend für das unterdurchschnittliche Gesamtergebnisse sind.
Ging man in der Industrie bisher vom Leitsatz ‚people follow jobs“ aus, so hat sich dies durch den
Fachkräftemangel zu ‚jobs follow people“ gewandelt. Unternehmen werden vermehrt dazu
übergehen müssen, ihre Standorte nicht mehr ausschließlich nach harten Standortfaktoren zu
bestimmen, sondern vermehrt auch danach, wo die hoch qualifizierte „kreative Klasse“ leben
möchte. Dieses Erfordernis wird durch die zunehmend wissens- und kulturbasierte Ausrichtung der
heutigen Wirtschaft bedingt. Die Theorie der kreativen Klasse macht Kreativität zum
entscheidenden Wachstumsfaktor für die Wirtschaft des 21. Jahrhunderts. Kreativität wird dabei
nicht mehr als das Monopol von Werbern und Künstlern verstanden. Kreativität ist vielmehr Teil
jeder Tätigkeit, die Wissen innovativ zur Produktion aller Art von Gütern nutzt.
Die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg, die Unternehmen in der Region und die hiesigen
Hochschulen stehen in ihren Bemühungen, Studenten und Arbeitskräfte für den Standort zu
gewinnen und langfristig zu binden, in Konkurrenz zu anderen Regionen. Die Region SchwarzwaldBaar-Heuberg kann dabei als Arbeits- und Lebensstandort durch seine wirtschaftliche Stärke, einen
hohen Freizeitwert und gute Lebensbedingungen überzeugen, besitzt jedoch augenscheinlich den
Nachteil, dass diese Stärken außerhalb der Region – zum Teil auch innerhalb der
Region – nicht genügend wahrgenommen werden.
Familienfreundlichkeit / Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Durch die Auswirkungen des demografischen Wandels rücken Strategien zur Erreichung einer
ausbalancierten Altersstruktur zunehmend in den Fokus. Eine Schlüsselrolle kommt dabei der
Familienpolitik zu. Die Abnahme der Zahl der jungen Einwohner bei einer gleichzeitigen Zunahme
der Zahl der älteren Einwohner (s. Kapitel 3 Demografie und Daseinsvorsorge) lässt in vielen
Themenfeldern einen hohen Handlungsbedarf erkennen. Eine hohe Attraktivität der
Lebensbedingungen für Familien kann dabei einen Erfolgsfaktor darstellen. Durch den Zuzug junger
Menschen mit Familie lässt sich der demografische Wandel abschwächen oder zumindest durch die
Vermeidung des Wegzugs von Familien eine Verschärfung dessen verhindern.
In Bezug auf die Familienfreundlichkeit liefert der Familienatlas 2012 des Bundesministeriums für
Familie, Senioren, Frauen und Jugend 11 wertvolle Erkenntnisse. Im Familienatlas 2012 werden
insgesamt 24 Indikatoren zu vier Themenfeldern der Familienpolitik untersucht. Dabei fällt bei der
Betrachtung der drei Landkreise in der Region insbesondere das unterdurchschnittliche Ergebnis
im Themenfeld „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ auf. Bei einem nach diesem Kriterium
gelisteten Ranking der Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland belegt in der
Gesamtbetrachtung jeder der Landkreise der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg einen Platz im
unteren Drittel.
Die Ergebnisse der anderen Themenfelder fallen in den Landkreisen der Region dagegen sehr
differenziert aus. Während im Bereich „Wohnsituation und Wohnumfeld“ die Landkreise
Schwarzwald-Baar-Kreis sowie Tuttlingen unterdurchschnittlich abschneiden und der Landkreis
Rottweil zu den „Top 35“ in Deutschland zählt, präsentieren sich im Bereich „Bildung“ der Landkreis
Tuttlingen wiederum unterdurchschnittlich und die Landkreise Schwarzwald-Baar-Kreis sowie erneut
11
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.): Prognos AG: Familienatlas 2012, Berlin
2012.
54
Rottweil überdurchschnittlich. Einzig im Themenfeld „Angebote und Organisation der regionalen
Familienpolitik“ zeigt sich wieder ein recht homogenes Bild. Hier kann einzig der Landkreis
Schwarzwald-Baar-Kreis im Gegensatz zu den anderen beiden unterdurchschnittlich
abschneidenden Landkreisen einen Platz im Mittelfeld belegen.
Aufgrund dieser auf Landkreisebene stark variierenden Gesamtergebnisse soll im Folgenden
lediglich das zentrale Themenfeld „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ näher untersucht werden.
Hinsichtlich der anderen Bereiche lassen sich lediglich bei den Einzelindikatoren
Kriminalitätsbelastung, Inklusion von Migrationskindern in die Kindertagesbetreuung,
Ausbildungsplatzdichte sowie Schulabschlussquote ausländischer Schüler eindeutige Aussagen für
die Region ableiten. Während sich die Kriminalitätsbelastung, die Betreuungsquote von
Kindern mit Migrationshintergrund und die Ausbildungsplatzdichte in allen drei Landkreisen
überdurchschnittlich bewerten lässt, ist die Schulabschlussquote ausländischer Schüler in
allen drei Landkreise klar unterdurchschnittlich.
Im Themenfeld „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ werden im Familienatlas vor allem die
Indikatoren Ganztagsbetreuungsquote im Kindergartenalter sowie der netto-Ausbau der
Ganztagsbetreuung von Kindergartenkindern ungünstig bewertet. Die Ergebnisse dieser
Kriterien sind in allen drei Landkreisen erheblich unterdurchschnittlich ausgefallen. Die
Ganztagesbetreuungsquote im Kindergartenalter bezieht sich auf Kinder im Alter von drei bis unter
sechs Jahren, die mehr als 7 Stunden am Tag betreut werden. Diese Quote liegt im Jahr 2011 in
keinem der drei Landkreise bei über 10 %. Während in Deutschland rund 35 % der Kinder in
dieser Altersgruppe ganztägig betreut werden, sind es im Landkreis Tuttlingen lediglich 3,4
%. Dieser Wert wird in Deutschland von nur drei Kreisen unterboten. Der Netto-Ausbau der
Ganztagsbetreuung von Kindergartenkindern (3 bis <6-jährige) gibt an, wie sich die
Ganztagsbetreuungsquote im Zeitraum zwischen 2006 und 2011 bei einer unterstellten konstanten
Kinderzahl
veränderte.
In
der
Region
Schwarzwald-Baar-Heuberg
nahm
die
Ganztagsbetreuungsquote um rund 1 bis 4 % zu. Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt von 10 %
war wiederum insbesondere der Wert im Landkreis Tuttlingen auffällig ungünstig (1,1 %).
Während sich in den Landkreisen Rottweil und Tuttlingen darüber hinaus auch die Betreuungsquote
der unter 3-jährigen Kinder sowie die Chancengleichheit am Arbeitsmarkt bemängeln lassen,
schneidet der Landkreis Schwarzwald-Baar-Kreis weiter auch beim Kriterium „Familienbewusste
Arbeitgeber“ unterdurchschnittlich ab (Abb. 42).
Aufgrund des im Zuge des demografischen Wandels immer höheren Anteils älterer Einwohner stellt
aber auch die Pflege und Betreuung älterer Familienangehöriger einen wichtigen Aspekt der
Vereinbarkeit von Familie und Beruf und damit der Familienfreundlichkeit dar. Da die Versorgung
allein durch staatliche oder gewerbliche Einrichtungen kaum mehr leist- und finanzierbar ist. gilt
mittlerweile auch die Möglichkeit der Versorgung und Pflege älterer Angehöriger als ein wichtiger
Standortfaktor.
55
Abb. 42: Die Bewertung der Indikatoren im Themenfeld „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ sowie weiterer
ausgewählter Indikatoren im Einzelnen
Lkr. SBK Lkr. SBK Lkr. RW
Indikatorwert
Rang
(von 402)
Indikatorwert
Lkr. RW
Rang
(von 402)
Lkr. TUT Lkr. TUT
Indikatorwert
Rang
(von 402)
Ø-Wert
Deutschland
Themenfeld „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“
Chancengleichheit am
Arbeitsmarkt
Verhältnis der Erwerbsquoten (SVPBeschäftigte) von Frauen und Männern
(2010)
Betreuungsquote < 3-jähriger
Kinder
Betreute Kinder unter 3 Jahren pro
Gleichaltriger gesamt (2011)
netto-Ausbau der
Betreuungsquote < 3-jähriger
Kinder
Zunahme der Betreuungsquote von Kindern <3 Jahren zwischen 2006 und 2011
bei (unterstellter) konstanter Kinderzahl
Ganztagsbetreuungsquote im
Kindergartenalter
Kinder von 3 bis < 6 Jahren, die mehr als
7 Std. am Tag betreut werden (2011)
netto-Ausbau der
Ganztagsbetreuungsplätze für
Kindergartenkinder
Zunahme der Ganztagsbetreuungsquote
von Kindern zwischen 3 und < 6 Jahren
zwischen 2006 und 2011 bei (unterstellter)
konstanter Kinderzahl
86,4
200
81,4
296
83,5
257
87,9
19,4%
226
18,5%
247
15,7%
306
25,2%
11,5%
171
11,9%
156
10,8%
199
10,9%
9,6%
347
5,8%
385
3,4%
399
34,9%
3,1%
319
3,9%
302
1,1%
356
10,0%
1,3
242
2,0
211
3,7
128
3,8
Familienbewusste Arbeitgeber
Zahl der mit dem audit „berufundfamilie“
zertifizierten Arbeitgeber je 100.000 SVPBeschäftigte am Arbeitsort
Themenfeld „Wohnsituation und Wohnumfeld“ (Auswahl)
Kriminalitätsbelastung
Bekannt gewordene Fälle von
Körperverletzung und Einbruchdiebstahl je
100.000 EW (2010)
393
29
433
52
522
111
813
1,08
95
1,08
95
1,12
78
1,00
85,3%
379
85,6%
371
88,0%
341
91,8%
103,1
79
102,7
95
102,7
95
100,8
Themenfeld „Bildung“ (Auswahl)
Inklusion von Kindern mit
Migrationshintergrund in die
Kindertagesbetreuung
Betreuungsquote 3 bis 6-jähriger Kinder
mit Migrationshintergrund in Relation zum
Bundesdurchschnitt (2011)
Schulabschlussquote
ausländischer Schüler
Anteil der Schulabgänger mit (mind.)
Hauptschulabschluss an allen
ausländischen Schulabgängern (Schuljahr
2009/2010)
Ausbildungsplatzdichte
Gesamtangebot an betrieblichen Ausbildungsplätzen je 100 Nachfragenden (2008)
< 160 überdurchschnittlich
160 – 240 durchschnittlich
> 240 unterdurchschnittlich
Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.): Prognos AG: Familienatlas
2012, Berlin 2012.
56
7. Wirtschaftsförderung und Regionalmarketing
In einer zunehmend globalisierten Welt stellen Wirtschaftsförderung und Regionalmarketing
mehr denn je eine überlebenswichtige Notwendigkeit für Kommunen, Landkreise und Regionen
dar. Dabei kommt es in immer stärkerem Maße darauf an, eine Region als einheitlichen Standort
zu vermarkten. Die Positionierung als starke Wirtschaftsregion besitzt im Wettbewerb –
insbesondere mit den Ballungsräumen und Metropolregionen – eine immer höhere Bedeutung.
Auch die Förderpolitik der EU sowie von Bund und Ländern zwingen die Kommunen und
Landkreise geradezu zu einer regionalen Vorgehensweise.
In der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg, die sich
unter der Dachmarke „Gewinnerregion“ nach
innen und nach außen vermarktet, wurde im Jahr
2001 eine regionale Wirtschaftsförderung als
eigenständige GmbH ins Leben gerufen.
Gesellschafter sind 17 (von insgesamt 76) Kommunen der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg,
die drei Landkreise Schwarzwald-Baar-Kreis, Rottweil und Tuttlingen, die IHK SchwarzwaldBaar-Heuberg, die Handwerkskammer Konstanz und der Regionalverband Schwarzwald-BaarHeuberg.
Insgesamt zählen somit 23 Gesellschafter zur Wirtschaftsförderungsgesellschaft SchwarzwaldBaar-Heuberg. Der Aufsichtsrat wird durch 19 Mitglieder aus den Reihen der Gesellschafter
repräsentiert und durch einen wiederum 19 Personen umfassenden Beirat aus Wirtschaft,
Hochschulen, Wirtschaftsjunioren, Banken und der Bundesagentur für Arbeit beraten. Der Beirat
bringt zudem eigene mit den Gesellschaftern abgestimmte Projekte auf den Weg. Geleitet wird
die Wirtschaftsförderung von einem hauptamtlichen Geschäftsführer, der von zwei weiteren
Mitarbeiterinnen unterstützt wird. Darüber hinaus besteht mit dem sogenannten Competence
Board ein sich regelmäßig treffender Arbeitskreis, der sich aus den kommunalen
Wirtschaftsförderern und den für die Wirtschaftsförderung zuständigen Mitarbeitern von
Kammern und Regionalverband zusammensetzt und damit die Klammer für eine verzahnte
Vorgehensweise aller Akteure in der Region bildet.
Laut Gesellschaftsvertrag ist der Gegenstand der Gesellschaft die Verbesserung der
wirtschaftlichen und sozialen Struktur der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg, die Entwicklung
wirtschaftsfreundlicher
Rahmenbedingungen,
das
Betreiben
eines
regionalen
Standortmarketings sowie die Information, Kooperation und Koordination in allen Bereichen der
regionalen Wirtschaftsförderung. Dazu gehört auch die Projektentwicklung und Vermarktung
eines regionalen Gewerbegebietes. Zusammengefasst geht es darum, die Vorzüge der Region
sowohl nach innen als auch nach außen darzustellen und bei den für die regionale
wirtschaftliche Weiterentwicklung relevanten Zielgruppen zu vermarkten. Hierunter fallen
Investoren, angesiedelte Unternehmen, Hochschulabsolventen, Fachkräfte auf allen Ebenen,
Bürger und potentielle Neubürger. Letztere vor allem, um der demografischen Entwicklung bei
Einwohnern und Beschäftigten entgegen zu wirken.
Im Regionalmarketing können die Ziele in externe und interne Zieleaufgeteilt werden. Interne
Ziele umfassen vorrangig die ganzheitliche Identifikation der Bürger mit der Region. Externe
Ziele hingegen umfassen die Förderung des Images einer Region durch Erhöhung ihres
Bekanntheitsgrades und ihrer Attraktivität. Um jedoch die Aufgaben und Ziele des
Regionalmarketings auch funktional unterscheiden zu können, ist eine weitere Differenzierung
notwendig.
57
Das Regionalmarketing muss die Kräfte einer Region zur Durchsetzung und Realisierung der
Aufgaben bündeln sowie Aktivitäten und Maßnahmen in der Region voranbringen. Ideen und
Innovationen müssen in die Region eingebracht werden und Wünsche der Zielgruppen
umgesetzt werden. Hierbei kommt dem Regionalmarketing die wichtige Aufgabe zu, die
entscheidenden Maßnahmen in einer Region aufeinander abzustimmen und ein gegeneinander
Arbeiten zu vermeiden. Grundlegend notwendig ist darüber hinaus die Beschaffung und
Verarbeitung von Informationen über die Zielgruppen, die Konkurrenten wie auch über die
eigene Region.
Die
Wirtschaftsförderungsgesellschaft
Schwarzwald-Baar-Heuberg m.b.H bewegt
sich gezielt in diesem Anforderungsprofil
und die regionale Wirtschaftsförderung
gewinnt dadurch – stetig die regionalen
Interessen im Fokus – an Bedeutung. Diese Bedeutung muss bei allen Akteuren, insbesondere
bei den kommunalen, nicht nur erkannt sondern vielmehr auch mitgetragen und aktiv unterstützt
werden. Hier besteht, unter anderem aus historischen Gründen, noch ein Defizit.
58
8. Fakten – Eine Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse
Region Schwarzwald-Baar-Heuberg teilraumübergreifend
Wirtschaft und Beschäftigung
- Im Landesvergleich überdurchschnittliche Bedeutung des Produzierenden Gewerbes
- Im Landesvergleich unterdurchschnittliche Bedeutung des Dienstleistungssektors
- Sehr hoher Beschäftigtenzuwachs im Dienstleistungssektor
- Sehr niedriger Arbeitslosenanteil
- Im Bundesvergleich stark unterdurchschnittliche Pendlerdistanzen
- Vielfältige touristische Attraktivität
- Fehlen einer eigenständigen Tourismusdestination
- Im Landesvergleich unterdurchschnittliche Entwicklung der Gästeübernachtungen im
Tourismus
- Im Landesvergleich überdurchschnittliche Aufenthaltsdauer der Gäste im Tourismus
- Rückgang der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer der Gäste im Tourismus
Bildung und Forschung
- Begrenztes Studienangebot an den nur relativ kleinen Hochschulen
- Im Landesvergleich stark unterdurchschnittlicher Anteil an Hochschulabsolventen
- Hoher Anstieg der Zahl der Hochschulabsolventen
- Im Landesvergleich unterdurchschnittlicher Anteil an Gymnasiasten
- Anstieg der Zahl der Gymnasiasten und Realschüler
- Starker Rückgang der Zahl der Hauptschüler
- Rückgang der allgemeinen Schülerzahlen in Vergangenheit und Zukunft
Demographie und Daseinsvorsorge
- Im Landesvergleich unterdurchschnittliche Bevölkerungsdichte
- Im Landesvergleich unterdurchschnittliche Bevölkerungsentwicklung in der
Vergangenheit und Zukunft
- Im Landesvergleich unterdurchschnittlicher Wanderungssaldo
- Im Landesvergleich unterdurchschnittlicher natürlicher Bevölkerungssaldo
- Hoher, aber im Landesvergleich unterdurchschnittlicher Anstieg an älteren Einwohnern
Infrastruktur und Erreichbarkeit
- In Nord-Süd-Richtung gut ausgebaute Straßenverkehrsinfrastruktur
- In Ost-West-Richtung nicht optimal ausgebaute Straßenverkehrsinfrastruktur
- Dichtes Schienennetz mit guten Nahverkehrsverbindungen
- Kein optimaler Anschluss an Schienenfernverkehrsverbindungen
- Internationale Flughäfen sind in der Regel innerhalb von 90 Minuten erreichbar
- Überwiegend gute Erreichbarkeit von Autobahnen
- Überwiegend gute Erreichbarkeit von Hochschulstandorten
- Überwiegend gute Erreichbarkeit von Arbeitsplätzen
- Gute Erreichbarkeit von Gymnasien
Lebensqualität und soziales Miteinander
- Im Bundesvergleich ausgeglichene bis sehr stark überdurchschnittliche
Lebensverhältnisse
- Im Landesvergleich unterdurchschnittliches Mietpreisniveau
- Im Landesvergleich überdurchschnittliche ungebundene Kaufkraft
- Im Bundesvergleich unterdurchschnittliche Ausstattung im Bereich „Vereinbarkeit von
Familie und Beruf“
59
Teilraum Rottweil/Tuttlingen
Wirtschaft und Beschäftigung
- Im regionalen Vergleich überdurchschnittliche Bedeutung des Produzierenden Gewerbes
- Im regionalen Vergleich unterdurchschnittliche Bedeutung des Dienstleistungssektors
- Im regionalen Vergleich überdurchschnittliche Beschäftigtenentwicklung
- Sehr hoher Beschäftigtenzuwachs im Dienstleistungssektor
- In der jüngeren Vergangenheit im regionalen Vergleich überdurchschnittliche
Beschäftigtenentwicklung im Produzierenden Gewerbe
- Sehr niedriger Arbeitslosenanteil
- Im Bundesvergleich stark unterdurchschnittliche Pendlerdistanzen
Bildung und Forschung
- Im regionalen Vergleich unterdurchschnittlicher Anteil an Hochschulabsolventen
- Im regionalen Vergleich stark überdurchschnittlicher Anstieg der Zahl der
Hochschulabsolventen
Demografie und Daseinsvorsorge
- Im regionalen Vergleich überdurchschnittliche Bevölkerungsentwicklung in der
Vergangenheit
- Im regionalen Vergleich überdurchschnittlicher natürlicher Bevölkerungssaldo
- Im regionalen Vergleich überdurchschnittlich junge Bevölkerungsstruktur
- Im regionalen Vergleich trotz Rückgangs überdurchschnittliche Bevölkerungsentwicklung
in der Zukunft
- Im regionalen Vergleich überdurchschnittlicher Anstieg an älteren Einwohnern in der
Zukunft
Infrastruktur und Erreichbarkeit
- Im regionalen Vergleich unterdurchschnittliche Fahrzeiten zu Fernverkehrsbahnhöfen
(Gäubahn-Haltepunkte Rottweil und Tuttlingen)
- Gute Erreichbarkeit von Gymnasien
- Im Osten des Teilraums Erreichbarkeitsdefizite im Bereich der Gesundheitsinfrastruktur
Klimaschutz und Energieversorgung
- Im regionalen Vergleich unterdurchschnittlicher Regenerative-Energien-Anteil
Lebensqualität und soziales Miteinander
- Im regionalen Vergleich überdurchschnittliche ungebundene Kaufkraft
- Im Bundesvergleich insgesamt sehr stark überdurchschnittliche Lebensverhältnisse im
Landkreis Tuttlingen
- Unterdurchschnittliche Ausstattung im Bereich „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ in
den Landkreisen Tuttlingen und Rottweil
60
Teilraum Villingen-Schwenningen
Wirtschaft und Beschäftigung
- Im regionalen Vergleich überdurchschnittliche Bedeutung des Dienstleistungssektors
- Im regionalen Vergleich unterdurchschnittliche Bedeutung des Produzierenden
Gewerbes
- Im regionalen Vergleich unterdurchschnittliche Beschäftigtenentwicklung
- Im regionalen Vergleich stark unterdurchschnittliche Beschäftigtenentwicklung im
Produzierenden Gewerbe
- Sehr hoher Beschäftigtenzuwachs im Dienstleistungssektor
- Im regionalen Vergleich überdurchschnittlicher Frauenanteil an den Beschäftigten
- Sehr niedriger Arbeitslosenanteil
- Im Bundesvergleich stark unterdurchschnittliche Pendlerdistanzen
- Im regionalen Vergleich überdurchschnittlicher Rückgang der durchschnittlichen
Aufenthaltsdauer der Gäste im Tourismus (insb. Kurgäste in Bad Dürrheim)
Bildung und Forschung
- Standort von mehreren Hochschul- und Forschungseinrichtungen
- Im regionalen Vergleich überdurchschnittlicher Anteil an Hochschulabsolventen
Demografie und Daseinsvorsorge
- Im regionalen Vergleich stark überdurchschnittliche Bevölkerungsdichte
- Im regionalen Vergleich unterdurchschnittlicher natürlicher Bevölkerungssaldo
- Im regionalen Vergleich überdurchschnittlich hohe Altersstruktur
- Im regionalen Vergleich trotz Rückgangs überdurchschnittliche Bevölkerungsentwicklung
in der Zukunft
- Im regionalen Vergleich unterdurchschnittlicher Rückgang an jüngeren Einwohnern in
der Zukunft
Infrastruktur und Erreichbarkeit
- Verkehrsknotenpunkt im Straßen- und Schienenverkehr
- Sehr gute Erreichbarkeitsverhältnisse
Klimaschutz und Energieversorgung
- Im regionalen Vergleich unterdurchschnittlicher Regenerative-Energien-Anteil
Lebensqualität und soziales Miteinander
- Im regionalen Vergleich unterdurchschnittliche ungebundene Kaufkraft
61
Teilraum Südbaar
Wirtschaft und Beschäftigung
- Im regionalen Vergleich überdurchschnittliche Bedeutung des Produzierenden Gewerbes
- Im regionalen Vergleich unterdurchschnittliche Bedeutung des Dienstleistungssektors
- Im regionalen Vergleich überdurchschnittliche und stabile Beschäftigtenentwicklung im
Produzierenden Gewerbe
- Hoher Beschäftigtenzuwachs im Dienstleistungssektor
- Sehr niedriger Arbeitslosenanteil
- Im Bundesvergleich stark unterdurchschnittliche Pendlerdistanzen
Bildung und Forschung
- Im regionalen Vergleich unterdurchschnittlicher Anteil an Hochschulabsolventen
Demografie und Daseinsvorsorge
- Im regionalen Vergleich stark unterdurchschnittliche Bevölkerungsdichte
- Im regionalen Vergleich unterdurchschnittlicher Wanderungssaldo in der jüngeren
Vergangenheit
- Im regionalen Vergleich überdurchschnittlicher natürlicher Bevölkerungssaldo
- Im regionalen Vergleich überdurchschnittlich junge Bevölkerungsstruktur
- Im regionalen Vergleich unterdurchschnittliche Bevölkerungsentwicklung in der Zukunft
- Im regionalen Vergleich strak überdurchschnittlicher Anstieg an älteren Einwohnern in
der Zukunft
- Im regionalen Vergleich überdurchschnittlicher Rückgang an jüngeren Einwohnern in der
Zukunft
Infrastruktur und Erreichbarkeit
- In der Regel günstige Erreichbarkeitsverhältnisse
- Gute Erreichbarkeit von Gymnasien
Klimaschutz und Energieversorgung
- Im regionalen Vergleich stark überdurchschnittlicher Regenerative-Energien-Anteil
Lebensqualität und soziales Miteinander
- Im regionalen Vergleich unterdurchschnittliche ungebundene Kaufkraft
62
Teilraum Oberer Neckar
Wirtschaft und Beschäftigung
- Im regionalen Vergleich überdurchschnittliche Bedeutung des Produzierenden Gewerbes
- Im regionalen Vergleich unterdurchschnittliche Bedeutung des Dienstleistungssektors
- Im regionalen Vergleich unterdurchschnittliche Beschäftigtenentwicklung im Zeitraum
1990 bis 1996
- Im regionalen Vergleich stark unterdurchschnittliche Beschäftigtenentwicklung im
Produzierenden Gewerbe im Zeitraum 1990 bis 1998
- Stabile Beschäftigtenentwicklung im Produzierenden Gewerbe seit dem Jahr 1999
- Sehr hoher Beschäftigtenzuwachs im Dienstleistungssektor
- Sehr niedriger Arbeitslosenanteil
- Im Bundesvergleich stark unterdurchschnittliche Pendlerdistanzen
- Im regionalen Vergleich unterdurchschnittliche Entwicklung der Übernachtungszahlen im
Zeitraum 1990 bis1998
- Im regionalen Vergleich überdurchschnittliche Entwicklung der Übernachtungszahlen seit
dem Jahr 1999
Bildung und Forschung
- Im regionalen Vergleich unterdurchschnittlicher Anteil an Hochschulabsolventen
Demografie und Daseinsvorsorge
- Im regionalen Vergleich stark unterdurchschnittlicher natürlicher Bevölkerungssaldo in
der jüngeren Vergangenheit
- Im regionalen Vergleich trotz Rückgangs überdurchschnittliche Bevölkerungsentwicklung
in der Zukunft
Infrastruktur und Erreichbarkeit
- In der Regel günstige Erreichbarkeitsverhältnisse
- Gute Erreichbarkeit von Gymnasien
Klimaschutz und Energieversorgung
- Im regionalen Vergleich stark überdurchschnittlicher Regenerative-Energien-Anteil (insb.
Biomasse)
Lebensqualität und soziales Miteinander
- Im regionalen Vergleich unterdurchschnittliche ungebundene Kaufkraft
63
Teilraum Schwarzwald
Wirtschaft und Beschäftigung
- Im regionalen Vergleich überdurchschnittliche Bedeutung des Produzierenden Gewerbes
- Im regionalen Vergleich unterdurchschnittliche Bedeutung des Dienstleistungssektors
- Im regionalen Vergleich unterdurchschnittliche Beschäftigtenentwicklung
- Im regionalen Vergleich überdurchschnittliche und stabile Beschäftigtenentwicklung im
Produzierenden Gewerbe
- Hoher Beschäftigtenzuwachs im Dienstleistungssektor
- Im regionalen Vergleich unterdurchschnittlicher Frauenanteil an den Beschäftigten
- Sehr niedriger Arbeitslosenanteil
- Im Bundesvergleich stark unterdurchschnittliche Pendlerdistanzen
- Im regionalen Vergleich überdurchschnittliche Übernachtungszahlen im Tourismus
- Im regionalen Vergleich überdurchschnittlicher Rückgang der Übernachtungszahlen im
Tourismus
- Rückgang der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer der Gäste im Tourismus
Bildung und Forschung
- Hochschule Furtwangen als bedeutendster Hochschulstandort in der Region
- Im regionalen Vergleich überdurchschnittlicher Anteil an Hochschulabsolventen
Demografie und Daseinsvorsorge
- Im regionalen Vergleich stark unterdurchschnittliche Bevölkerungsentwicklung in der
Vergangenheit und Zukunft
- Im regionalen Vergleich stark unterdurchschnittlicher Wanderungssaldo
- Im regionalen Vergleich stark unterdurchschnittlicher natürlicher Bevölkerungssaldo
- Im regionalen Vergleich überdurchschnittlich hohe Altersstruktur
- Im regionalen Vergleich stark unterdurchschnittlicher Zuwachs an älteren Einwohnern in
der Zukunft
Infrastruktur und Erreichbarkeit
- Im regionalen Vergleich überdurchschnittliche Fahrzeiten zu Fernverkehrsbahnhöfen
- Gute Erreichbarkeit der Schwarzwaldbahnhaltepunkte und damit einer leistungsfähigen
Regionalverkehrsverbindung
- Gute Erreichbarkeit von Gymnasien
- Zum Teil Erreichbarkeitsdefizite im Bereich der Gesundheitsinfrastruktur
Lebensqualität und soziales Miteinander
- Im regionalen Vergleich überdurchschnittliche ungebundene Kaufkraft
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