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6. TIBET FILM FESTIVAL ZÜRICH/DHARAMSALA - Verein

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6. TIBET FILM FESTIVAL
ZÜRICH/DHARAMSALA
24.-25. Okt. / 25.-26. Okt. 2014
Dhondup Wangchen frei!
13 Premieren - 3 Reprisen
Neu im Kino
Bild: „The Hunter and the Skeleton“, Gentsu Gyatso
Das Tibet Film Festival ist eine Kollaboration der Vereine
„Filming for Tibet“ und „Verein Tibeter Jugend in Europa“.
www.tibetfilmfestival.org
Auflage 1‘000
Layout und Redaktion: Jigme Risur
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Vorwort
Liebe LeserInnen
Als wir vor sechs Jahren vom tibetischen Amateurfilmemacher Dhondup Wangchen
erfuhren, hat uns dessen Mut sehr beeindruckt. Gleichzeitig hat uns sein Schicksal
sehr berührt, weshalb wir uns entschieden, bei der Organisation des ihm gewidmeten
Tibet Film Festival (TFF) mitzuhelfen, ohne genau zu wissen, was uns erwarten würde. Heute sind wir beim sechsten TFF in Folge und sehr stolz, dass das TFF mittlerweile an zwei Orten parallel (Zürich und Dharamsala in Indien) stattfindet, weltweit
das einzige Festival ist, das sich auf die Förderung tibetischen Filmschaffens konzentriert, und Filmenthusiasten und Tibet-Interessierte gleichermassen anzieht.
An dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich bei unserem Partner und Sponsor
Neugass Kino bedanken, welches uns die diesjährige Durchführung des TFF im kürzlich eröffneten Kino Houdini ermöglicht. Des Weiteren danken wir unseren langjährigen und neuen Sponsoren und den Personen, die mit ihrer Kreativität dem TFF sein
besonderes Bild verleihen. Nicht zuletzt möchten wir uns bei unseren grossartigen
KollegInnen vom Organisationskomitee und den zahlreichen freiwilligen HelferInnen
und den SpenderInnen bedanken, durch deren Unterstützung die Durchführung des
TFF erst ermöglicht wird.
Unser grösstes Dankeschön geht an unser Publikum, durch dessen Interesse für tibetisches Filmschaffen das TFF jedes Jahr wieder zu einem tollen Event wird.
Ihre Festival-Koordinatorinnen
Ganden Tethong und Chimie Tender
TIBET FILM FESTIVAL 2014 ZÜRICH/DHARAMSALA
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tibetfilmfes
Das TFF ist dem tibetischen Filmemacher Dhondup Wangchen gewidmet, der
nach Beendigung der Dreharbeiten zu seinem Dokumentarfilm „Leaving Fear
Behind“ festgenommen wurde. 2009 wurde Dhondup Wangchen wegen seines
Filmschaffens von einem chinesischen Gericht zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Leaving Fear Behind wurde in der Schweiz von „Filming for Tibet“ zu Ende
produziert und seither welt­weit aufgeführt. Dhondup Wangchen wurde am 5. Juni
2014 aus dem Gefängnis entlassen. Am letztjährigen Tibet Film Festival wurde
die Kampagne „Unchain the Truth“ ins Leben gerufen, welche sich für eine sichere
Heimkehr Dhondup Wangchens einsetzt. Mehr dazu weiter hinten im Programmheft unter „Dhondup Wangchen und das Tibet Film Festival“ und im Internet unter
www.filmingfortibet.org und www.unchain-the-truth.com.
ZÜRICH
Freitag, 24. Oktober
Samstag, 25. Oktober
Eröffnung (18 Uhr)
Preisverleihung Kurzfilme (17.30 Uhr)
KURZFILMWETTBEWERB (18.30h)
anschl. FILME 2014 (ab 18 Uhr)
anschl. FILME 2014 (ab 20 Uhr)
(Schluss ca. 23.30 Uhr)
(Schluss ca. 23.30 Uhr)
Für Detailprogramm siehe: www.tibetfilmfestival.org und www.kinohoudini.ch
Austragungsort des TFF ist das neu eröffnete Kino
Badenerstrasse 173, 8003 Zürich (3 Kinosäle plus Bar)
Tickets und Reservationen nur über Houdini.
Anreise: VBZ-Haltestelle Kalkbreite: Tram 2/3, Bus 32, Nachtbus N14
Bahnhof Wiedikon: S2/S8/S24, Nachtzug SN8
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stival.org
Das TFF ist dem tibetischen Filmschaffen gewidmet. Wir zeigen Filme, die massgeblich von Tibetern geschaffen wurden, d.h. von Tibetern produziert wurden bzw.
bei denen Tibeter Regie geführt oder das Drehbuch geschrieben haben. Damit ist
das 2-tägige Festival weltweit einzigartig. Zum 4. Mal in Folge wird das Festival
gleichzeitig und mit einem nahezu identischen Programm auch in Dharamsala,
Indien, durchgeführt.
DHARAMSALA
Das Festival wird vom 25. bis 26. Oktober in der Tipa Hall ausgetragen.
Foto: TFF 2012
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kurzfilm-we
Die Teilnehmenden und ihre Beiträge 2014 zum Thema RÜCKKEHR
Mit dem Kurzfilmwettbewerb, der seit
Tashi Wangyal „A game to remember“
2010 jährlich stattfindet, sollen junge
Alter: 46 Jahre | lebt in Québec, Kanada |
tibetische Filmemacher ermutigt
Studiert Filmproduktion an der Mel Hop-
werden, ihr Talent einem grösseren
penheim School of Cinema, Concordia
Publikum zu zeigen. Gleichzeitig stellt
University, Montreal, Canada
das TFF eine einzigartige Plattform für
Austausch und Networking dar.
Tenzin Norbu
„Loving Sister“
Alter: 17 Jahre | lebt in San Francisco,
Neu wird den Gewinnern des Jury-Prei-
USA | Schüler (zur Zeit 11th grade high
ses der Yak-Preis überreicht, der von
school) | Sohn von Dhondup Wangchen,
Thubten Purang eigens für das TFF
dem das Festival gewidmet ist
gestaltet wurde. Der in der Schweiz
lebende Künstler (früher Keramiker)
beschäftigt sich intensiv mit der tibetischen Kultur und im Besonderen mit
deren Schrift und Sprache.
Die Auszeichnungen
1. Jury-Preis (USD 500)
2. Jury-Preis (USD 300)
3. Jury-Preis (USD 200)
Zayden Tethong „The Goal“
Alter: 24 Jahre | lebt in Falls Church,
Virginia, USA | Abschluss in Film Studies,
Mount Holyoke College
Kelsang T. Khangsar „Pema Dorje“
Alter: 36 Jahre | lebt in Asniere Sur
Seine, Frankreich | Abschluss in
Politikwissenschaften sowie Kurs in
In Zürich und in Dharamsala wird je ein
Video Editing | er arbeitete an diver-
Publikumspreis (je USD 200) verliehen.
sen Filmprojekten und kann eigene
Filmarbeiten vorweisen
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ettbewerb
Ngawang Lektso „Second Chance“
Tenzin Phuljung „Found“
Alter: 25 Jahre | lebt in Dharamsala, Indien | Abschluss B.A. in Indo-Tibetischer
Tenzin Lama „Be the change“
Philosophie am Institut für Buddhistische
Alter: 21 Jahre | lebt in Frank-
Dialektik, Dharamsala | absolviert aktuell
furt am Main, Deutschland |
ein Praktikum beim Dharamsala Interna-
Diplom der Gutenbergschule
tional Film Festival
Frankfurt. Aktuell befindet sie
sich im Aufnahmeverfahren für
die Kunstakademie Offenbach,
Deutschland
Tenzin Namdol „Drinlen“
Takhla „Year 2020“
Alter: 25 Jahre | lebt in Dharamsala, Indien | TCV Gopalpur und Kurs in Massenmedien in Delhi | arbeitet als Freelance
Filmemacher
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WWW.PEMA-OF-TIBET.CH
Auf unserer Webseite erwarten Sie viele gehaltvolle Videos
und Hintergrundinformationen zu unseren Produkten
und Projekten. Im e-Shop für Privat- und Geschäftskunden finden
Sie traditionelles tibetisches und nepalesisches Kunst handwerk,
Silberschmuck, Ritual- und Meditationszubehör, Räucher artikel, Filz produkte, Klangschalen und andere traditionelle
Produkte aus der Himalaja-Region.
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Bodenacherweg
14ZÜRICH/DHARAMSALA
// CH-5235 Rüfenach // Switzerland
TIBET FILM
FESTIVAL 2014
T 056 290 23 90 // F 056 290 23 91 // pematibet@bluewin.ch // pema-of-tibet.ch
Die Jury 2014 für den Kurzfilm-Wettbewerb besteht aus:
Tsering Tashi Gyalthang ist ein tibetischer Filmschaffender der in Ho Chi Minh City,
Vietnam lebt. Er arbeitet als Creative Director bei Yeti|Creative Boutique, einem Kreativstudio, das auf Filme, Animationen und Motion Design spezialisiert ist. Sein Kurzfilm „Turtle Soup“ hat den „48-hour Film Project“ Preis im Jahr 2011 und den Kurzfilmwettbewerb des TFF 2012 gewonnen und durfte 2012 am Cannes Film Festival
präsentiert werden. vimeo.com/tsering vimeo.com/yeti
Losang Gyatso ist der Direktor von Voice of America’s Tibetan Service und hat langjährige Erfahrungen in Medienarbeit und Werbung. Er wirkte zuvor als Direktor beim
Mechak Center for Contemporary Tibetan Art in Boulder, Colorado, welches Arbeiten
junger tibetischer Künstler aus aller Welt ausstellt. Im Martin Scorseses Film “Kundun” spielte er die Rolle des Obersthofmeisters Phala. Ebenfalls ist er ein anerkannter
Künstler im Bereich der bildenden Künste.
Pema Shitsetsang hat die Schauspielschule an der Hochschule der Künste in Bern
im Jahre 2009 mit dem BA in Theater und Schauspiel abgeschlossen. Seither hatte
sie im Kinofilm ‘Escape from Tibet’ eine Rolle, war in Theateraufführungen zu sehen
und schreibt ihre eigenen Stücke. 2009 erhielt sie den ‘Migros-Kulturprozent‘ Preis für
Schauspielstudenten. www.facebook.com/pema.shitsetsang
Tenzing Sonam ist Filmschaffender, Autor und Essayist. Er und seine Partnerin Ritu
Sarin haben die Produktionsfirma „White Crane“ gegründet, welche sich hauptsächlich auf Filme zum Thema Tibet fokusssiert: „The Reincarnation of Khensur Rinpoche“
(1991), „The Trials of Telo Rinpoche“ (1993), „A Stranger in My Native Land“ (1998),
„The Shadow Circus: The CIA in Tibet“ (1998), „Dreaming Lhasa“ (2005), „The Thread
of Karma“ (2007), „The Sun Behind the Clouds: Tibet’s Struggle for Freedom“ (2009)
und „When Hari Got Married“ (2012). www.facebook.com/whitecranefilms
Kesang Tseten ist Filmschaffender und Autor. Die Liste seiner Filme beinhaltet u.a.:
We Corner People, Gewinner des Best Nepali Documentary am Kathmandu International Mountain Film Festival, 2007; On the Road with the Red God: Machhendranath,
Gewinner des Grand Prize am Kendal Mountain Film Festival und Best Nepali Documentary of the Decade von der Nepal Motion Picture Association, 2005.
www.shunyatafilms.com
TIBET FILM FESTIVAL 2014 ZÜRICH/DHARAMSALA
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Auf den folgenden Seiten wird eine Auswahl von Filmen
aus dem Programm des TFF 2014 vorgestellt.
Auch gezeigt werden
TFF-Premieren:
ARISE PEMA D. GAKYLL
TFF-Reprisen:
LEAVING FEAR BEHIND DHONDUP WANGCHEN
TIBET IN SONG NGAWANG CHOEPHEL
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TIBET FILM FESTIVAL 2014 ZÜRICH/DHARAMSALA
filme 2014
TIBET FILM FESTIVAL 2014 ZÜRICH/DHARAMSALA
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„Vara: a blessing“ war Eröffnungsfilm des Busan International Film Festival 2013 und
erhielt den Best Actress Award. Er wurde am Tribeca Film Festival Award 2014 und
am London Film Festival 2013 gezeigt.
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TIBET FILM FESTIVAL 2014 ZÜRICH/DHARAMSALA
Vara: a blessing
Khyentse Norbu | 2013 | Bhutan | Drama | 96‘ | Engl.
Lila lebt mit ihrer Mutter Vinata, einer Tempeltänzerin, die rituell mit einer Hindu-Gottheit verheiratet ist, im ländlichen Indien in ärmlichen Verhältnissen. Nach dem Tod
von Vinatas weltlichem Ehemann leben Lila und Vinata von der Hand in den Mund.
Lilas besondere Hingabe gilt der Gottheit Krishna, weshalb sie erwartungsvoll einem
der Religion gewidmeten Leben entgegensieht und ihrer Mutter nacheifert, um wie
diese eine Tempeltänzerin zu werden. Doch bald wird Lila weltlichen Hindernissen
gegenüberstehen. Arglos willigt sie ein, Shyam, einem jungen Mann aus einer tiefen
Kaste, der davon träumt, Bildhauer zu werden, Modell zu stehen. Damit zieht sie die
Aufmerksamkeit des Sohns des dörflichen Grundherrn, aber auch die Missbilligung
der Dorfbewohner auf sich und bringt unbewusst sich und Shyam in Gefahr.
Nach 10-jähriger Film-Absenz wartet Khyentse Norbu 2013 mit „Vara: a Blessing“
auf. Erstmals drehte er einen Film, der sich ausserhalb seines kulturellem Hintergrunds und seiner Heimat abspielt. Khyentse Norbu erzählt mit „Vara: a Blessing“
vom Erwachsenwerden einer jungen Frau in einem indischen Dorf, das noch nicht in
der Moderne angekommen ist. Der Film entführt in lebendige Traumwelten mit Hindu
Gottheiten, klassischem Bharatanatyam Tanz und Musik, zeigt aber auch die harte
Realität von gesellschaftlichen Zwängen. Eine zeitlose Geschichte über Liebe und
Hingabe.
Khyentse Norbu ist die Reinkarnation eines tibetischen Lamas aus Derge/Ost-Tibet.
1961 in Bhutan geboren, durchlief er die tibetisch-buddhistische Mönchsausbildung.
Sein Interesse am Film wurde geweckt, als er als Berater für Bertoluccis Film „Little
Buddha“ (1993) beigezogen wurde. 1999 stand er erstmals hinter der Kamera, als er
„The Cup“ drehte, eine humorvolle Geschichte über fussball-verrückte Mönche in Bhutan. „The Cup“ und sein nächster Film „Travellers and Magicians“ (2003) etablierten
Khyentse Norbu als Pionier-Filmemacher im isolierten Himalaya-Königreich Bhutan –
einem Ort, wo bis 1999 kein Fernsehen existierte.
TIBET FILM FESTIVAL 2014 ZÜRICH/DHARAMSALA
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TIBET FILM FESTIVAL 2014 ZÜRICH/DHARAMSALA
Bringing Tibet Home
Tenzin Choklay | 2013 | USA/Südkorea/Indien/Nepal | Dok | 82‘ | Engl./Tibet /engl UT
Von Kelden Losinger
Einmal im Leben auf tibetischem Boden ein paar Meter auf und ab zu gehen – dies
hat sich der 32-jährige Tenzing Rigdol aus New York zum Ziel gesetzt. In „Bringing
Tibet Home“ wünscht sich der tibetische Künstler mit 20‘000 Kilogramm Erde ein
Stück Frieden für die Seele. Sein Projekt nennt er „Our People, Our Land“. Die Erde soll
von Tibet nach Dharamsala geschmuggelt werden. Dieses nach Abenteuer klingende
Unterfangen wurde vom aufstrebenden Filmemacher Tenzin Tsetan Choklay – er hat
im August dieses Jahres im Rahmen des Asian American International Film Festival
in New York den „Emerging Director“ Award erhalten – mit der Kamera begleitet.
„I am a product, of what has happened in Tibet“ sagt Rigdol mit seiner weichen Stimme und seinem (unverkennbar tibetischen) sympathischen Akzent. Wir Zuschauer
identifizieren uns schnell mit seiner Aussage, sind wir doch alle in unterschiedlicher
Weise auch Produkte „of what has happened in Tibet“. In „Bringing Tibet Home“
werden Rigdol werden immer wieder Steine in den Weg gelegt und daher scheint sein
schöpferisches Projekt in weiten Teilen des Films nur harzig voranzuschreiten. Für
Auflockerung sorgt sein Kindheitsfreund Topten, der mit seinen typischen indischen
Gesten immer wieder für einen Lacher sorgt.
Nach der langen Reise ist man endlich im warmen und vertrauten Dharamsala
angekommen. Sofort fühlt man sich zuhause, erkennt sogar bekannte Gesichter. Die
fertige Ausstellung Rigdols auf dem TCV Basketball Platz ist beeindruckend gross
und dementsprechend ist alles anwesend, was Rang und Namen hat.
Die Rezeption des Films ist natürlich vom eigenen Hintergrund geprägt. Das Wort
Tibet trägt dabei von Indien über Belgien, Schweiz, Frankreich bis in die USA ganz unterschiedliche Bedeutungen. So beispielsweise beim Auftritt der in TCV-Schuluniform
gekleideten tibetischen Kinder, die im Einklang ein eigens einstudiertes Lied singen.
Die Gesichtsausdrücke zeigen emsige kleine Schüler, die mit grosser Ernsthaftigkeit
TIBET FILM FESTIVAL 2014 ZÜRICH/DHARAMSALA
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hinter ihrem Liedtext „I shall study hard and return to Tibet“ zu stehen scheinen. Ob
dies der jüngsten Generation Exiltibeter gelingen wird, bleibt offen. Tenzin Tsetan
Choklay zeigt uns in der nächsten Sequenz, dass auch unser Premierminister fest
davon überzeugt ist. Seine Worte wirken überzeugend und die Dringlichkeit und
Wichtigkeit sowohl seiner Rede als auch seiner Person selbst werden durch die starke
Untersicht verstärkt.
Der Film hält sich mit Experimenten zurück. Im Zentrum steht die Erzählung einer Geschichte. Choklays Dokumentarfilm funktioniert mit einer symbolträchtigen Narration.
Sie erzählt die Geschichte von einem verstorbenen Vater, einem unerfüllten Wunsch,
einer unerreichbare Heimat und von einem Sohn, der sich einer Mission verschrieben hat, und wiederspiegelt die Träume so mancher Tibeter, die sich in ihrem Leben
zwischen Moderne und Heimat im Film wiedererkennen. Gleichzeitig wirft er Fragen
nach eben dieser Heimat auf. Choklay gelingt es am Ende, ein Gefühl des Augenblicks
zu vermitteln. Noch wichtiger: Rigdol hat den Tibetern in Dharamsala Tibet ins ExilZuhause gebracht – Tenzin Tsetan Choklay hat mit seiner Verfilmung den Kreis um
ein Vielfaches erweitert.
Ausstrahlung in Anwesenheit des Regisseurs
Fakten zum Regisseur Tenzin Tsetan Choklay, 35 Jahre, geboren in Dharamsala
Ausbildung Werke 16
Intensives Workshop bei Meister-Regisseuren wie Hou Hsiao Hsien, Stipendium beim Korean Academy of Film Arts in Seoul mit Speziali-
sierung in Regie (Abschluss 2008)
Eine Reihe von in Südkorea gedrehten Kurzfilmen | Associate Producer für den Film „The Sun Behind the Clouds“ von Ritu Sarin and Tenzing Sonam.
TIBET FILM FESTIVAL 2014 ZÜRICH/DHARAMSALA
Tigernase
Lobsang Sotrug | 2010 | Schweiz | Dok | 52' | Schweizerdt./Tibetisch/dt. UT
Tanak Jigme Sangpo, „Tigernase“, ein 80-jähriger Tibeter, verbrachte über 30 Jahre
seines Lebens im Gefängnis. Heute lebt er in der Schweiz im Asyl. Der Autor ist ein
25-jähriger Schweizer mit tibetischen Wurzeln, der noch nie in Tibet war. Der Film
zeigt die Annäherung des jungen Filmemachers an seinen Protagonisten und setzt
sich mit der Identität des Filmemachers auseinander. Zwischen den beiden entsteht
durch die Begegnung eine besondere Beziehung.
Vaterland und Tröim
Lobsang Sotrug | 2008 | Schweiz | experiment. Kurzfilm | 15' | Schweizerdt./ dt. UT
Infolge eines Unfalls sitzt Tashi in
einer dunklen Zwischenwelt der
Abbilder fest und trifft dort seine
Familie. Durch das Erkennen seiner
Familienmitglieder realisiert er seine
eigene Identität. Der Film reflektiert
die inneren Spannungen der Frage
nach der Identität zwischen Moderne und Tradition eines jungen
Schweiz-Tibeters.
TIBET FILM FESTIVAL 2014 ZÜRICH/DHARAMSALA
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The Hunter and the Skeleton
Gentsu Gyatso | 2012 | Tibet/China | Animation | 26‘ | Kham-Dialekt / engl. UT
Von Pema Zatul
Gentsu Gyatso, auch als Bai Bin bekannt, erzählt in seinem knapp halbstündigen
Animationsfilm „The Hunter and the Skeleton“ ein altes tibetisches Volksmärchen. Ein
Jäger verlässt sein Dorf, um in die Berge zu gehen, und trifft auf seiner Reise auf ein
angsteinflössendes Skelett. Dieses möchte den Jäger essen, erkennt jedoch, dass
dieser eine gute Person ist, und gewährt ihm eine Galgenfrist. In dieser Zeit freunden
sie sich an und tauschen ihre Talismane als Zeichen ihres gegenseitigen Vertrauens
aus. Der eine will überleben, der andere muss essen um zu überleben. Der Jäger und
das Skelett befinden sich in einer wechselseitigen Beziehung zwischen Freundschaft
und Feindschaft.
Die Geschichte basiert auf einem der 42 Volksmärchen, welche Gentsu Gyatsos Mutter während der 1980er-Jahre in Kham sammelte. Sie besuchte Dorfbewohner in der
Ganzi Region, nahm die von ihnen erzählten Geschichten auf und transkribierte diese
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TIBET FILM FESTIVAL 2014 ZÜRICH/DHARAMSALA
anschliessend in ein Notizbuch. Diese Märchen begleiten den Künstler seit seiner
Kindheit und haben folglich grossen Einfluss auf sein Schaffen.
Laut Gentsu Gyatso lehnt die Figur des Skeletts an die buddhistische Gottheit Deshe
Dapor an. Religiöse Schriften besagen, dass Deshe Dapor aus Knochen von Toten
geformt ist. In den traditionellen Cham-Tänzen verkörpert Deshe Dapor die Gefühle
und den Zustand der Toten, welche sich in der Phase zwischen Tod und Wiedergeburt befinden. Basierend auf diesem traditionellen Bild vom Tod hat er die Figur des
Skeletts durch zeitgenössischen Pop-Art Stil umgeformt. Zudem hat das Konzept
des Talisman-Tausches eine wichtige Rolle in der spirituellen Welt Tibets. In der frühen Zeit der Bön-Religion galt die Seele neben dem Körper als wichtigster Teil einer
Person, und in der tibetischen Sprache bedeutet Talisman „Suzar“, die Wurzel des
Lebens. Die Seele einer Person soll in ein Objekt übertragen werden können.
Die Bilder des Filmemachers erinnern stark an buddhistische Thangka-Gemälde. Von
seinem Vater, seinem ersten Lehrer, lernte Gentsu Gyatso die traditionelle tibetische
Kunst kennen, indem er bei dessen Arbeiten mit buddhistischen Malereien und Skulpturen mithalf. Während seines Kunststudiums erweiterte Gentsu Gyatso sein Wissen
über die traditionelle tibetische Kunst und begann später seine eigenen grossen
Thangkas zu malen. Sein Stil ist sowohl von traditioneller tibetischer, ostasiatischer
sowie auch zeitgenössischer Kunst beeinflusst. Die Kombination von neuen Medien
und Tradition ist für Gentsu Gyatso ein Mittel, um die tibetische Kultur in die Gegenwart zu tradieren und auf diese Weise zu bewahren. Sein Werk „The Hunter and the
Skeleton“ vereint diese beiden gegenseitigen Pole auf harmonische und eindrückliche
Weise. Man kann auf jeden Fall auf zukünftige Projekte dieses experimentierfreudigen Künstlers gespannt sein!
Fakten zum Regisseur Gentsu Gyatso, 36 Jahre, geboren in Ganzi, Tibet, lebt in Adelaide, Australien
Ausbildung Werke Kunststudium an der Sichuan Fine Art Institute in Chonqing, China
The mantra of time (Experimentalfilm, 2004, nicht veröffentlicht),
Sagya Cham (Dokumentarfilm, 2006, nicht veröffentlicht),
The Hunter and the Skeleton (Empfehlung der Jury des Bei-
jing independent film festival 2012, , Grosser Preis Shenzhen Indepen
dent Animation Biennale 2013
TIBET FILM FESTIVAL 2014 ZÜRICH/DHARAMSALA
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Tibetan Guerillas in Exile
Kalsang Rinchen | 2008 | Indien | Dok | 32‘ | Engl
Von Reto Rufer
Tibeter und Guerilla? Für die meisten Nicht-TibeterInnen dürfte diese Kombination für
Erstaunen sorgen. Gemeinhin wird der tibetische Widerstand mit dem Dalai Lama,
dem Buddhismus und dem Prinzip der Gewaltlosigkeit assoziiert. Dies mag weitgehend zutreffen, aber trotzdem nicht die ganze Wahrheit darstellen: In den letzten
Jahren machten verzweifelte Akte der Gewalt gegen sich selbst einige Schlagzeilen:
die Selbstverbrennungen von Mönchen in Tibet. Ausserhalb der tibetischen Gemeinschaft wohl fast gänzlich unbekannt ist hingegen die Existenz einer tibetischen
Guerillaarmee. Der Film „Tibetan Guerillas in Exile“ von Kalsang Rinchen dokumentiert
diese Guerillaarmee anhand von Archivaufnahmen und eindrücklichen Erlebnisberichten von Veteranen dieser kleinen, geheimen Armee.
Die Gründung einer tibetischen Guerillatruppe erfolgt im Kontext der (traurigen)
Geschichte Tibets in den letzten 65 Jahren: 1949 der Einmarsch der Truppen Maos,
1959 der Exodus des Dalai Lama und Tausender von Flüchtlingen nach Indien, 1962
der Angriff Chinas auf Gebiete im indischen Himalaya. Vor diesem Hintergrund der
chinesischen Expansion beginnt das indische Militär in Zusammenarbeit mit der
CIA – aber ohne Unterstützung der tibetischen Exilregierung in Dharamsala – mit
dem Aufbau einer tibetischen Truppe innerhalb der indischen Special Frontier Force.
Nach einem 6-monatigen Training wurde die Truppe im März 1964 schliesslich an die
indisch-tibetische Grenze verlegt. Zeitzeugen dieser Epoche geben im Film eindrückliche Einblicke in den Aufbau der tibetischen Guerillaarmee und ihre damit verbundenen Hoffnungen.
Doch an der Grenze warten die Guerilla jahrelang vergeblich auf Angriffsbefehle.
Später, 1971, gerät die Truppe in den Strudel der Spaltung Pakistans und wird mehr
und mehr zum Spielball der Grossmächte: Indien, das im Krieg Bangladesh unterstützt, setzt die Tibeter fernab ihrer Heimat in den Chittagong Hills ein – 52 tibetische
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TIBET FILM FESTIVAL 2014 ZÜRICH/DHARAMSALA
Soldaten finden den Tod. Gleichzeitig stehen die USA – wie China – im Konflikt auf
der Seite Pakistans. Durch die Veränderung der geostrategischen Lage verliert die
tibetische Guerilla die Unterstützung der CIA – und gerät in Indien in Vergessenheit,
ohne je im Sinne ihrer ursprünglichen Bestimmung im Einsatz gewesen zu sein. Der
ernüchternde Kommentar im Film: „The dream to fight for freedom in Tibet did not
materialize“.
Vorführung in Anwesenheit des Regisseurs
Khayr
Kalsang Rinchen | 2013 | Indien | Fikt | 23‘ | Engl
Von Lobsang Reichlin
Tenzin Jigme, ein junger Exiltibeter aus Delhi, wird eines Tages in ein Polizeibüro
zitiert. Seit Monaten wartet er nämlich schon auf seine Reisedokumente und die
neue Identitätskarte (IC), denn er möchte demnächst Indien verlassen und in die
USA studieren gehen. Nichtsahnend folgt er dieser Einladung und gerät mitten in ein
Verhör. Sein ehemaliger Kommilitone, Abul Khayr, soll angeblich einer Terrorgruppe
angehören, die eine Zugsentführung plant, und Tenzin soll der Polizei Hinweise zu
seinem Aufenthaltsort liefern. Was nach einem Thriller klingt, entpuppt sich als ein
geschickt aufgebautes Drama über Freundschaft und Verrat. Kalsang Rinchen, der
ebenfalls in Indien aufgewachsen ist und später in den Vereinigten Staaten studiert
hat, erzählt in „Khayr“ die Geschichte eines jungen Exiltibeters, der von einer Zukunft
im Westen träumt. Einer Zukunft ohne Polizeiwillkür und Gewalt. Wenn etwa Tenzin
Jigme und Khayr angetrunken Liebesgedichte von Pablo Neruda zitieren und zusammen in die Nacht hinein träumen, wirken sie zufrieden und sorglos, wie einst in der
Schule Kalsang Rinchen hat es geschafft, mit kleinem Budget und Laiendarstellern einen qualitativ guten und sehenswerten Kurzfilm zu kreieren. „Khayr“ ist ein Film über
Freundschaft und Verrat, zwei grosse Themen, die Kalsang Rinchen in 23 Minuten
gekonnt verpackt.
Vorführung in Anwesenheit des Regisseurs
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Museum
Legler
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Öffnungszeiten:
Jeden letzten
Samstag im Monat (14-17 Uhr)
oder nach Vereinbarung
055 643 15 20
Hauptstrasse,
8777 Diesbach/GL
www.museum-legler.ch
Saving Dolma
Kesang Tseten | 2010 | Nepal | Dok | 62‘ | Arabisch/Nepali/engl. UT
Von Kelsang Gope
Mit einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von 692 US-Dollar gehört Nepal zu einem
der ärmsten Länder der Welt. Fast ein Fünftel der nepalesischen Bevölkerung leidet
an Unterernährung, nur rund 60 Prozent der Erwachsenen können lesen und schreiben. Aus diesem Umfeld stammt Dolma, die Protagonistin des Dokumentarfilms „Saving Dolma.“ Sie ist eine von 25‘000 nepalesischen Gastarbeiterinnen, die meist illegal
und unter menschenunwürdigen Bedingungen in den Golfstaaten leben und arbeiten.
Der Fall von Dolma erlangte internationale Aufmerksamkeit, als sie des Mordes an
einem philipinischen Kollegen beschuldigt und zum Tode verurteilt wird.
Mittels Interviews und dokumentarischen Beobachtungen zeigt der tibetische Filmemacher Kesang Tseten auf eindringliche Weise das persönliche Schicksal einer nepalesischen Gastarbeiterin und macht mittels des Falles auf ein Thema aufmerksam,
das durch die Todesfälle von nepalesischen Gastarbeitern auf einer Grossbaustelle
für die Fussball-WM in Qatar erst kürzlich in den Fokus der Öffentlichkeit gelangte: die moderne Form von Sklaverei in den Golfstaaten. Verschuldet, um die hohen
Anreisekosten zu zahlen, müssen die Gastarbeiter die Situation in den Golfstaaten
stillschweigend hinnehmen, um durch Kündigung nicht noch weiter in die Armut
abzurutschen.
„Saving Dolma“ ist Teil einer Trilogie, in welcher der in Kathmandu lebende Tibeter
Kesang Tseten auf das Schicksal der nepalischen Migranten in den Golfstaaten
aufmerksam macht. „Saving Dolma“ hat am Kathmandu International Mountain Film
Festival (KIMFF) den Publikumspreis gewonnen und wird am Tibet Film Festival als
Deutschschweiz-Premiere aufgeführt.
TIBET FILM FESTIVAL 2014 ZÜRICH/DHARAMSALA
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Who Will Be a Ghurka
Kesang Tseten | 2012 | Nepal/England/Norw./Finland | Dok | 75‘ | Nepali/Engl./engl UT Von Kelsang Gope
Wann immer die Briten in den vergangenen 200 Jahren in den Krieg zogen, marschierten die Gurkhas an vorderster Front mit. Mehr als 100‘000 nepalesische EliteSoldaten kämpften im ersten, beinahe 250‘000 im zweiten Weltkrieg für das Empire.
Ob in Zypern, dem Falkland-Krieg, in Sierra Leone, am Golf im Irak, im Kosovo oder
in Afghanistan – die Gurkhas wurden von den Gegnern stets gefürchtet und werden
auch heute noch von vielen als die „besten Soldaten der Welt“ bezeichnet.
Nachdem Gurkha-Krieger des nepalischen Königs im Jahr 1814 Kaschmir und
Bhutan angriffen und sich mit den ostindischen Kompanien bekämpften, griff
England mit 30‘000 Soldaten ein. Zwei Jahre lang konnten sich 12‘000 Gurkhas
gegen diese Überzahl bewähren. „Ich habe niemals mehr Ausdauer und Mut in
meinem Leben gesehen“, bekannte ein britischer Offizier „Sie flüchteten nicht und
schienen keine Angst vor dem Tode zu kennen, obwohl viele ihrer Kameraden um
sie herum fielen.“ Nach dem Sieg über Nepal erhielt Grossbritannien das Recht,
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TIBET FILM FESTIVAL 2014 ZÜRICH/DHARAMSALA
aus den örtlichen Stämmen Söldner zu rekrutieren.
In seinem mehrfach ausgezeichneten Dokumentarfilm „ Who Will Be a Gurkha“
schafft es Kesang Tseten, faszinierende und einmalige Einblicke in den Rekrutierungsprozess einer Militäreinheit, die Beziehung zweier Länder und das Verhältnis
zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu gewähren.
„Who Will Be a Gurkha“ wird am Tibet Film Festival als Schweizer Premiere aufgeführt.
Official selection IDFA (International Documentary Festival of Amsterdam and Thessaloniki Documentary Festival and Eurodocs, Oslo
Gewinner, International Category, Kathmandu International Mountain Film Festival
und Publikumspreis, Kathmandu International Mountain Film Festival
Anzeige
TIBET FILM FESTIVAL 2014 ZÜRICH/DHARAMSALA
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A Family
Pema Shitsetsang, Beat Graf | 2013 | Schweiz | Fikt | 6‘ | Schweizerdt./engl. UT
Schweiz 2035. Tenzin Peri ist in Tibet geboren, aber in der Schweiz aufgewachsen.
Ihre Mutter und Schwester leben auch in der Schweiz. Der Vater hat sich vor 25 Jahren in Tibet aus Protest gegen die chinesische Politik und die Unterdrückung Tibets
selbstverbrannt und erlag seinen Verletzungen. Tenzin nimmt an einer Interviewreihe
teil, wo Familienmitglieder von Selbverbrennungsaktivisten zu Wort kommen sollen.
Das Interview nimmt seinen Lauf.
Anzeigen
SUMO
Sushi & Momo
beim Central
Neumühlequai 6, 8001 Zürich
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TIBET FILM FESTIVAL 2014 ZÜRICH/DHARAMSALA
Kokonor
Dorje T. Chenaktsang | 2008 | Tibet/Frankreich | Dok | 53‘ | Amdo-Dialekt/engl UT Von Yangdon Dhondup *
Dorje Tsering Chenaktsangs dritter Film „Kokonor“ erzählt die schmerzhafte Geschichte tibetischer Nomaden, welche an den Ufern des Kokonor-Sees (Qinghai
See) leben, einem historisch tibetischen Gebiet im heutigen Westchina. Es ist eine
ungewöhnlich mutige Studie, die Themen wie Ungleichheit, Vertreibung, die Folgen
des Massentourismus und die zunehmende Armut anspricht. Die Gegend um den
Kokonor-See ist eine Hauptattraktion innerhalb der „ethnischen“ Reiseziele in Chinas
westlichen Regionen. Seit den 90er Jahren gab es mehrere Bauprojekte, welche die
Gegend drastisch veränderten. Am augenfälligsten ist ein riesiges Gelände für Touristen mit entsprechender Infrastruktur, erstellt von chinesischen Unternehmern und
unterstützt von der lokalen Regierung. Es handelt sich um Land, welches ursprünglich
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von Tibetern des Mokru Clan bewohnt wurde. Als die Führer dieses Clans gegen die
illegale Landenteignung Proteste veranstalteten, wurden sie kurzerhand verhaftet.
Kinder der Nomadenfamilien, welche um den heiligen Kokonor-See leben, kleiden sich
in farbige Gewänder, um mit chinesischen Touristen für Fotos zu posieren. Ganze
Familien sind von dieser bescheidenen Einnahmequelle abhängig. Dorje Tsering
ermöglicht uns mit seinem Werk einen seltenen Einblick in diese marginalisierte Gemeinschaft, welche sich in einem Kreislauf von Armut und Diskriminierung gefangen
sieht. Das Resultat ist eine fesselnde, facettenreiche Geschichte über Tibeter, vertrieben von ihrem eigenen Land, ohne entschädigt oder zumindest dazu befragt worden
zu sein, und mit keinerlei Hoffnung auf Zugang zu Schulbildung oder Arbeit.
Stilistisch gesehen ist „Kokonor“ charakteristisch für dieses Genre. Der Film zeichnet
sich aus durch Nahaufnahmen von emotionalen Wortwechseln, Szenen von singenden und tanzenden Kindern und selten gesehenen Archivaufnahmen. Der Regisseur
möchte, dass der Zuschauer, überwältigt von den Emotionen, die Not und Frustration
der porträtierten Tibeter (wie auch des Regisseurs) fühlt und sich mit ihnen identifiziert.
Als ich Dorje Tsering nach der Sicherheit der Tibeter fragte, welche in diesem Dokumentarfilm zu sehen sind, sagte er, dass die Angehörigen der Mokru-Gemeinschaft
den Film nicht kritisch genug befanden. Für sie war der Film eine selten Möglichkeit,
um der Aussenwelt ihre Version der Geschichte zu zeigen. Dorje Tsering weist darauf
hin, dass er Einiges an Material bewusst nicht verwendet hat, da er es als zu kritisch
und zu kontrovers empfand.
*Yangdon Dhondup ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der SOAS,
University of London. Ihr Artikel „der neue tibetische Dokumentarfilm“ im Abschnitt
„Hintergrund“ behandelt weitere Filme von Dorje Tsering.
Fakten zum Regisseur Dorje Tsering Chenaktsang (aka Jangbu), 50 Jahre alt,
aufgewachsen in Tibet, lebt in Frankreich/Tibet
Ausbildung Werke 28
Keine spezifische Filmausbildung
Tantric Yogi, Ani Lhacham, Kokonor, Yartsa.
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hi
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intergrund
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DhondupWangchen
und dasTibet Film Festival
2014 findet bereits die 6. Ausgabe des Tibet Film Festivals (TFF) statt. Vielleicht ist
manchem Besucher nicht bewusst, unter welchen Umständen das TFF einst ins
Leben gerufen wurde. Das Festival ist Dhondup Wangchen gewidmet, dessen Film
„Leaving Fear Behind“ den Anstoss zu einem Filmfestival für tibetische Filme gegeben
hatte. Dhondup Wangchen bezeichnet sich selbst als einfachen Tibeter, der nicht
einmal die Schule besuchen konnte. Im Schatten der olympischen Spiele 2008 in
Beijing nahm er Interviews mit Tibetern in Tibet auf Video auf, in denen diese erstmals
ihre unzensierte Kritik zu den Spielen und der chinesischen Herrschaft äusserten.
Eine Gruppe junger TibeterInnen realisierte mit dem aus Tibet und China herausgeschmuggelten Material den authentischen Dokumentarfilm „Leaving Fear Behind“.
Kurz nach der Veröffentlichung wurde Dhondup Wangchen wegen seines Filmschaffens zu sechs Jahren Arbeitslager verurteilt. Er ist zu einem der prominentesten
tibetischen politischen Gefangenen geworden und wurde mit internationalen Preisen
ausgezeichnet, die seinen Mut für die filmische Dokumentation der Situation in Tibet
würdigen.
Viele, die an dem Film mitgearbeitet hatten, fühlten sich verpflichtet, auf Dhondup
Wangchens Freilassung hinzuwirken und ihn auch während seiner Haftstrafe nicht in
Vergessenheit geraten zu lassen. So riefen sie im Oktober 2009 in Zürich das TFF ins
Leben und hofften, dass ein ihm gewidmeter Anlass dazu führen würde, dass mindestens einmal im Jahr seines unerschütterlichen Muts gedacht wird.
Dieses Jahr findet das TFF am letzten Oktober-Wochenende und damit bereits zum
6. Mal in Folge statt. Das Festival hat sich im Laufe der Jahre zu einer einzigartigen
Plattform für kreatives, tibetisches Filmschaffen entwickelt. Das TFF ist immer noch
weltweit der einzige Anlass, der sich ausschliesslich auf tibetisches Filmschaffen
konzentriert, und ist für die Tibeter und Tibeterinnen zu einer Brücke eines modernen,
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kulturellen Austausches geworden. Das TFF ist auch deshalb weltweit ein Unikum,
weil es seit 2011 zeitgleich an den zwei Orten Zürich und Dharamsala (Indien) stattfindet.
Am 5. Juni dieses Jahres wurde Dhondup Wangchen aus dem Gefängnis entlassen.
Es ist ihm jedoch nicht erlaubt, seine in Indien lebenden Eltern sowie seine Frau und
die vier Kinder, die mittlerweile in den USA Asyl erhalten haben, zu besuchen. Wir
sehen zuversichtlich dem Tag entgegen, an dem Dhondup Wangchen ausreisen darf
und das Festival mit seiner Anwesenheit beehren wird. Er wird bestimmt überrascht
und begeistert sein, welche Kreativität und Lebensfreude das ihm gewidmete Festival
ausstrahlt und zu welchem Symbol der Hoffnung für eine bessere Zukunft Tibets es
geworden ist.
Die Organisatoren des TFF
Mehr Infos. www.unchain-the-truth.org und www.leavingfearbehind.com
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Neue tibetische Dokumentarfilme
Von Yangdon Dhondup, wissenschaftliche Mitarbeiterin der SOAS, University of London
Ab dem Jahr 2000 begann eine wachsende Zahl von tibetischen Filmemachern,
Dokumentarfilme zu drehen. Einige bekannte Namen sind Phakpa Dhondup, Takla
Gyal, Dodrak, Jigme Dorje, Bende Khar und Khashem Gyal, welche alle aus der Provinz Amdo im Nordosten Tibets stammen. Einer der ersten Filmemacher aus dieser
Region war Dorje Tsering Chenaktsang (geboren 1963). Als ein führender Dichter
der literarischen Avantgarde hatte er sich in der zweiten Hälfte der 80er Jahre in
der tibetischen Literaturszene einen Namen gemacht. Damals schrieb er unter dem
Pseudonym Jangbu. Bekannt für den experimentellen und bisweilen auch obskuren
Stil seiner Gedichte vermochte er eine ganze Generation von jungen Tibetern zu
beeinflussen.1 Auch Dorje Tsering begann ab dem Jahr 2000 Dokumentarfilme zu
produzieren.
Sein erstes Werk „Tantric Yogi“ (2004) handelt von einem Tantriker (sngags pa)
aus Rebgong, der an einem Treffen von Tantrikern teilnehmen möchte, welches nur
alle 60 Jahre stattfindet. „Tantric Yogi“ ist kein hochglanzpolierter Film über einen
abgehobenen Meister der Esoterik und dessen exotische und mysteriöse Rituale.
Vielmehr ist er eine Studie über gewöhnliche Tibeter, welche mit einer schwierigen
Aufgabe betraut sind, wie dem Transport eines gigantischen Brotlaibes zu diesem
viele Meilen entfernt stattfindenden Treffen, wo es zur Verpflegung der Tausenden
von Teilnehmern dienen soll.
Wie in seinen Gedichten experimentiert Dorje Tsering auch mit seiner Kamera. Die
Filmaufnahmen sind kurz, Szenen werden plötzlich abrupt beendet, und die Kamera
bewegt sich mit dem Objekt. Dadurch lassen sich die holperigen Strassen förmlich
spüren und man erkennt, dass die teils eher lockere Art der Filmbearbeitung gewollt
ist, was ihn von anderen Filmschaffenden, welche Tibet und die Tibeter zu mystifizieren versuchen, deutlich unterscheidet. Über das Werk eines chinesischen Filmema-
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chers meinte Dorje Tsering in einem Interview: „Die Bilder, obwohl wunderschön und
faszinierend, kommen eher schwach und leer daher. Ich denke, dass sie weder eine
klare Erklärung zum Leben und zur Denkweise der Tibeter, zur tibetischen Geschichte
und Kultur liefern, noch in irgendeiner Weise ein Interesse an diesen Themen zeigen“.2
Robert Barnett meinte sogar, dass Dorje Tserings Werke nicht nur eine Form der
„Ablehnung von Exotik und Mystik“ sind, sondern auch eine Ablehnung des „Einsatzes
von formaler Ästhetik in der Komposition und im Narrativ“. 3 Tantric Yogi ist ganz klar
ein Dokumentarfilm, der das Leben von gewöhnlichen Tibetern darstellt. Menschen,
die sich nicht zwingend durch spezielle Fähigkeiten hervorheben, aber eigene Sehnsüchte und Hoffnungen haben. So handelt es sich um einen Dokumentarfilm, der
genau diesen Leuten eine Stimme verleiht und dadurch ihre Individualität hervorhebt.
Sein neuestes Werk heisst „Yartsa Rinpoche“ (2014), dessen Produktion
beinahe vier Jahre dauerte. Es handelt sich um die Geschichte von Tsondru, einem
ehemaligen Mönch, der nach Golok in Qinghai reist, um Yartsa Gunbu („summergrass, winter-worm“) zu sammeln. Yartsa Gunbu ist ein parasitärer Fungus, der auf
den hoch gelegenen Graslandschaften des tibetischen Plateaus lebt. Dieser Fungus,
manchmal auch einfach bu genannt („Wurm“ oder „Insekt“), ist in den letzten Jahren
eine der wichtigsten Einkommensquellen für viele Tibeter in ländlichen Gebieten
geworden. Er wird in der chinesischen Medizin zur Bekämpfung vielerlei Leiden, von
Erschöpfung bis hin zu Asthma, verwendet. Yartsa Gunbu soll angeblich generell die
Vitalität steigern und auch aphrodisierende Eigenschaften haben. Die Nachfrage nach
diesem Fungus ist in den gehobenen Klassen der chinesischen Gesellschaft sehr
hoch – die Preise haben sich zwischen 1997 und 2011 verzehnfacht. Gemäss Daniel
Winkler, einem Fungus-Experten, der ebenfalls im Dokumentarfilm zu sehen ist, kann
ein Kilo Yartsa Gunbu bis zu 600‘000 Yuan, ungefähr 90‘000 US-Dollars, kosten, zwei
Mal so viel wie für ein Kilo Gold. Angesichts dieser Preise überrascht es nicht, dass
Tibeter in den Graslandschaften nach diesem Fungus suchen. Ein Nomade erklärt
im Film: „Yartsa ist wie Geld, welches über der Grasfläche verstreut herumliegt. Was
bringt es, wenn Geld einfach im Gras verrottet? Wir sollten das Geld sammeln, denn
es ist uns sehr nützlich!“. Tsondru gibt zu, dass der Fungus sein Leben verändert hat.
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„Wir waren arm, aber dank Yartsa sind all unsere Probleme wie weggewaschen“.
Tsondru verfügt als Nicht-Einheimischer nicht über die erforderlichen Papiere, um
den Fungus zu sammeln. So werden er und andere Sammler immer wieder dabei
gefilmt, wie sie vor der lokalen Polizei und den Behörden flüchten müssen. Wenn sie
erwischt werden, werden sie nach Hause geschickt. Tsondru schafft es jedoch, die
Gegend zu erreichen, wo der Fungus geerntet wird. Mit dem verdienten Geld besucht
er seine Freundin und deren Vater und singt ein religiöses Lied, um den Vater zu
beeindrucken. „Wenn der Dalai Lama und der Panchen Lama zurückkehren, müssen
wir zu ihrer Begrüssung dieses Lied singen“. Der Gedanke, dass solche Aussagen nie
in einem offiziellen chinesischen Dokumentarfilm gemacht werden könnten, ruft die
politische Situation in Tibet in Erinnerung.
Dorje Tserings Filme greifen Themen auf, welche zu heikel sind, um von den chinesischen Behörden eine Bewilligung zu erhalten, und es ist sehr unwahrscheinlich, dass
seine Werke jemals in Kinos in China oder Tibet oder im dortigen Fernsehen gezeigt
werden. Dank neuen Technologien, DVDs und dem Internet finden einige seiner Werke trotzdem ihren Weg nach Tibet und werden von einem interessierten Publikum
gesehen.
(Der Text zu seinem dritten Film „Kokonor“ findet sich auf Seite 27 f.)
1 Nebst seinen Gedichten, ist Jangbu auch bekannt für seine Kurzgeschichten und Essays.
Bis heute hat er drei seiner Kollektionen veröffentlicht. Eine Kollektion seiner Gedichte, welche ins Englische übersetzt wurden, sind hier zu finden: Jangbu (aka Chenaktsang, Dorje Tsering) and Heather Stoddard, The Nine-Eyed Agate: Poems and Stories by Jangbu. London: Lexing-
ton Books, 2010.
2 Dorje Tsering, “An Introduction to my Experience as a Documentarist”, in Valeria Donati (ed.),
Tibetan Arts in Transition: A Journey through Theatre, Cinema and Painting. Rome: Asia
Onlus, 2009, pp. 71-73, 2009.
3 Robert Barnett, “Documentaries by Tibetan in Tibet”, in Latse Journal, volume 7, 2011-2012,
p. 52.
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Ein Kranich als Symbol der Freiheit vor dem Gefängnis in Tibet,
in welchem Dhondup Wangchen sechs Jahre infhaftiert war.
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Bild: „The Hunter and the Skeleton“, mit freundlicher Genehmigung von Gentsu Gyatso
Ohne die grosszügige Unterstützung der Sponsoren und Supportern wäre das
Tibet Film Festival nicht möglich. Herzlichen Dank!
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