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Beitrag in der Sächsischen Zeitung, 16.10.2014 - Sigrun Hellmich

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KULTUR
SÄCHSISCHE ZEITUNG
D O N N E R S TA G
1 6 . O KTO B E R 2 014
Meisterschüler fallen nicht vom Himmel
Eine Ausstellung im 250. Jubiläumsjahr der Leipziger Kunsthochschule signalisiert das Ende einer Ära.
Von Sigrun Hellmich
ist leider nur heruntergedimmt worden. Es
braucht Professoren, die mehr wollen und
können als die eigene Karriere. Das wird
besonders in der Malerei akut. Die Hälfte
der 20 ausstellenden Meisterschüler
kommt aus diesem Fachgebiet.
„in einer Situation sein“ nennt Stephan
Jäschke eine drei mal zehn Meter große
Malerei. Sie hängt nicht an der Wand, sondern liegt als zehn Meter lange Rolle auf
dem Boden. „Wie Minimal Art“, merkt der
Künstler an. Dass es noch den Zustand als
Drei-Meter-Rolle gibt, darüber kann man
sich auf dem Titelschild informieren oder
auf der Website des Künstlers.
„Blond“ – eine Eiswaffel mit Haarschopf ist einer der malerischen Kalauer,
mit denen Mona Broschár Klischees parodiert. Franziska Jyrch bringt es auf den
Punkt oder besser in den Schuh: In zwei ineinandergesteckten silbernen Exemplaren
prangen dekorativ kolorierte Keilrahmenstücke. Dass die diesjährige Schau den Titel
„The Golden Masters“ bekommen hat, ist
zwiespältig.
I
n „ISKRA Roman frei nach Tatsachen“
beschäftigen sich zwei frisch gekürte
Meisterschüler mit verdrängter Geschichte. Wer weiß noch, dass Iskra (russisch: der
Funke) der Titel der ersten kommunistischen Zeitung ist, die Lenin 1900 gründete
und heimlich in Leipzig drucken ließ? Die
zwei Grafikdesigner Joachim Bartsch und
Timo Grimberg haben ein Buch gemacht,
in dem sie ungesichtetes Material zur 1956
eröffneten Iskra-Gedenkstätte versammeln. Seit der Schließung 1991 leer stehend, wurde das Haus jetzt an privat verkauft. Das Buch zu Iskra erscheint im Institut für Buchkunst der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (HGB). Die hervorragende Ausbildung in Buchkunst und
Grafik-Design ist eine zu wenig wahrgenommene Konstante in der Geschichte der
Leipziger Kunsthochschule. In diesem Bereich können nach wie vor sowohl Handwerk als auch moderne Techniken erlernt
werden.
Fotografische Spurensuche
Hier wird aber auch motiviert, sich zu aktuellen und oft auch ausgeblendeten Themen
zu positionieren. Recherche ist auch Praxis
in der Fotografie. Sandra Schubert präsentiert mit vorgefundenen und eigenen Aufnahmen, Texten und zwei Büchern umfangreiche Spurensuchen zur Handelsmarine in der DDR und zu gescheiterten
Fluchtversuchen: Fotos von merkwürdig
umgebauten Paddelbooten oder einem
selbst konstruiertem U-Boot, auf die sie zufällig stieß, fand sie schließlich in einer von
der Stasi angefertigten „Bilddokumentation zu Angriffen auf die Seegrenze der
DDR“. Der Ägypter Ahmed Kamel zeigt einen Film, in dem er Landsleute auf der Pilgerreise nach Mekka begleitete und Deutsche auf dem Jakobsweg nach Santiago de
Compostela. Er hat sie zu ihren Vorstellungen vom Paradies zu Wort kommen lassen.
Vergangen und verworfen sind die Zeiten großformatiger, geltungsbedürftiger
Bildkunst. Überregional wurde die HGB vor
allem mit Fotografie und Malerei bekannt,
weshalb sie nach 1990 mehrfach umbenannt werden sollte. Sie hat ihren Namen
behalten. Ihr guter Ruf braucht aber unbedingt neue Impulse. In den letzten Jahren
Athen. Die Anwältin Amal Clooney hat die
griechische Forderung nach Rückgabe
mehrerer antiker Parthenon-Friesteile
durch Großbritannien bekräftigt. Das Britische Museum, in dessen Besitz die Fragmente sind, müsse anerkennen, dass die
Forderung Griechenlands gerecht sei, sagte
Clooney gestern in Athen. Zuvor hatte sich
die 36-jährige Juristin, frischgebackene
Ehefrau von Hollywood-Star George Clooney (53), mit dem griechischen Regierungschef Antonis Samaras getroffen und das
Museum der Akropolis besucht.
Ob es zu einem juristischen Tauziehen
kommen könnte, dazu hielt sich Amal
Clooney bedeckt. Die britische Kanzlei, für
die sie arbeitet, berät die Griechen bereits
seit 2011. Der Parthenon, übersetzt „Jungfrauengemach“, ist eines der berühmtesten noch existierenden Baudenkmäler des
antiken Griechenlands. (dpa)
Emilie wird
vermisst
Neo Rauch wird als Lehrer fehlen
Mona Broschár, Meisterschülerin bei Annette Schröter, malte mit „Blond“ eine ParoFoto: HGB
die – nicht auf die Eiswaffel, aber auf Klischees.
Das Ende einer Ära ist nicht zu übersehen.
Neo Rauch hat seine letzten vier Meisterschüler bis zur Übergabe der Urkunden begleitet. Er wird fehlen. Als ein Maler-Lehrer,
der auf Handwerk Wert legt und auf Imagination. Und auf ein Bild vom Menschen. Als
ein Streiter gegen die Beliebigkeit. Fünf
Jahre, nachdem er seine Professur beendete, zieht er nun auch einen Schlussstrich
für seine Meisterklasse an der HGB. Claus
Stabe gehört noch dazu. „Be Calm“ (Bleib
ruhig) schrieb er auf eine glühend rote Collage, für die er wieder und wieder das Papierformat zu gleichen Teilen zerschnitten
und wieder zusammengefügt hat.
Eine der eindrücklichsten Arbeiten ist
die fragile, ausufernde Installation auf dem
Boden der Galerie: Aus ungebranntem hellen Ton hat Orsolya Horváth eine Unmenge
von Figuren und Dingen geformt: Die leben, lieben, morden, leiden – für sich und
in der Menge. Wie seit eh und je und immer wieder … Die ungarische Meisterschülerin der Medienkunst überschreitet wagemutig Grenzen.
The Golden Masters – Meisterschülerausstellung der
HGB Leipzig, bis 25.10.14, Di-Fr 14-18 Uhr, Sa 12-16 Uhr
Noch einmal mit Gebläse
Liedersänger Funny van Dannen
lässt sich auf seiner neuen Platte
von einer Band zu mehr Druck
verhelfen. Das geht meistens gut.
Von Andy Dallmann
E
s gibt ja immer noch Menschen, die begeistert „Gib es zu, du warst im NanaMouskouri-Konzert“ vor sich hin singen
und glauben, einen Hit von Udo Lindenberg zu feiern. Das ist zwar insofern korrekt, als der Nuschelbarde diese Nummer
tatsächlich 1996 auf seinem Album „Und
ewig rauscht die Linde“ zum Besten gab.
Doch verfasst, zuerst gesungen und 1995
auf seinem Debütalbum „Clubsongs“ veröffentlicht hat dieses putzige Lied ein Wahlberliner namens Funny van Dannen.
Der mittlerweile 56-Jährige bevorzugt
allerdings für seine Interpretationen die
eher abgespeckte Form; ein Mann, eine Gi-
Anwältin Clooney fordert
antike Schätze zurück
Global orientiert: Funny van Dannen
besingt die „Geile Welt“ und erfindet
Foto: PR
sich selbst dabei neu.
tarre, eine Stimme – damit kam er bislang
ganz gut hin. Doch nun zog er für Album
Nummer 13 fast alle Register und ließ sich
von einer ausgewachsenen Band begleiten.
Möglicherweise regte ihn die schon etliche
Jahre währende Kooperation mit den Toten
Hosen, denen er einige Lieder und Texte
überließ, dazu an, selber einmal laut zu
werden.
So haben einige Songs vom Album „Geile Welt“ tatsächlich ein bisschen was von
der Attitüde, die Campino und Kollegen für
sich zum Markenzeichen gemacht haben.
Etwa wenn van Dannen zum zornigen Gitarrengrummeln und mit angestrengter
Stimme die Revolution anzetteln will. „Losgehen“ heißt das Stück, das nahezu ironiefrei bleibt. Eine Ausnahme im Gesamtwerk
des vierfachen Familienvaters. Denn statt
Haudrauf-Rumsbums zum Mitsingen servierte er bislang eine gut abgeschmeckte
Mischung aus Tiefsinn, Melancholie und
skurrilem Witz. Glücklicherweise beherrscht er dieses Metier noch immer.
Gerade der Titelsong, der von der üppigeren Instrumentierung profitiert und das
Zeug zur erfolgreichen Pop-Nummer hat,
steckt voller ironischer Tiefsinnigkeiten.
Oder „Gähnen“, abgefahren heiter und
dank eines schön hintergründig gesetzten
Bläsersatzes bereitet das Lied schon allein
musikalisch großes Vergnügen. Wie überhaupt die Vielfalt der eingestreuten Stile
und die wechselnden Stimmungen die Platte zum Genussprodukt machen.
„Ich fand es stets reizvoll, meine Lieder
musikalisch zu verstärken, um ihren Charakter etwas stärker aufzufächern“, erklärte Funny van Dannen zum Album-mitBand-Projekt. „Auch aus Spaß am Machen,
denn ich bin kein Solo-Fetischist.“ Er sei
nun so zufrieden und glücklich wie noch
nie nach einer Plattenproduktion. Zu
Recht. Wenn bei 17 Songs ein, zwei keine
Treffer sind, bleibt immer noch eine hervorragende Quote stehen. Die dürfte viele
Kollegen sehr neidisch machen.
Das Album: Funny van Dannen, Geile Welt. JKP/Warner
Das Dresden-Konzert: 2. April 2015, 20 Uhr, Alter
Schlachthof; Karten gibt es bereits jetzt in den SZ-Treffpunkten sowie unter 0351 48642002
Krimi-Tipp
Petra Hammesfahr erzählt von
einem Schüler, der gemobbt
wird, und alle schauen weg.
Von Bettina Ruczynski
E
in kleines Mädchen verschwindet. Am
helllichten Tag, in einer grundsoliden
Reihenhaussiedlung, wo jeder jeden kennt
und soziale Kontrolle oberste Priorität hat,
frei nach dem Motto: „Was sollen denn die
Nachbarn denken?!“ Petra Hammesfahr,
63, kennt sich mit diesem sehr speziellen
Phänomen offenbar bestens aus, das liest
man in ihrem neuen Roman.
Wie immer in ihren Büchern bietet sie
nicht nur eine spannende Kriminalgeschichte, sondern auch einen scharfen
Blick unter deutsche Dächer. Was da zum
Vorschein kommt, ist selten schön. Zum
Beispiel das Mobbing, dem Mario Hoffmann in der Schule pausenlos ausgesetzt
ist. Der schüchterne Junge ist das bevorzugte Opfer eines Mädchentrios, das brutaler
und härter schikaniert, als es männliche
Gleichaltrige tun. Und der Schuldirektor,
Marios Nachbar in der Reihenhaussiedlung, schaut weg. Einzig der kleinen Emilie
hat Mario sich anvertraut. Hat ihr Verschwinden etwas mit der skrupellos agierenden Mädchengang zu tun?
Kriminalhauptkommissar Arno Klinkhammer, für Hammesfahr-Leser ein guter
Bekannter, ermittelt. Und was er herausfindet, dürfte selbst den gewieften Krimi-Leser überraschen.
Petra Hammesfahr:
An einem Tag im November. Diana-Verlag,
494 Seiten, 19,99 Euro
UNART
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Armselig der Schüler, der seinen Meister
nicht übertrifft.
Leonardo da Vinci (1452-1519)
Kurz und schmissig
Jens Friebe stellt in Dresden sein
neues Album vor und überzeugt
nicht nur mit Sprachbildern.
Beginn der
MET-Saison
2014/2015
18. Oktober | 19 Uhr
Von Philipp Demankowski
Le Nozze
di Figaro
E
Mozart
Einzelticket: 28,50 €
The Metropolitan
Opera live im Kino
Live in High-Definition
RUNDKINO DRESDEN • PRAGER STRASSE 6, 01069 DRESDEN • WWW.CINEPLEX.DE/RUNDKINO
Schillergalerie • Tel. 3 15 68 68
www.DVTGMBH.de
PRINT
WEB
PICTURES
PROOFS
DATENHANDLING
KORREKTORAT
11.15 /Sa.–Mi.),
14, 16.15
Tel. 4 84 39 22
Lommatzscher Str.,
Tel. 8 41 41 41
12.15 (So., Di.), 14.45, 17.15
10.00 (Sa.), 10.15 (So.–Mi.),
12.00 (Sa.), 12.20 (Do., Fr.,
So.–Mi.), 14.10 (Sa.), 14.30
(Do., Fr., So.–Mi.), 17.00
Filmpalast
Bautzen
11.30 (So.–Mi.), 15.00, 17.30
12.30 (So.), 15.00 (Fr.–Mi.),
16.30
in großer Coup ist Jens Friebe mit seinem aktuellen Album „Nackte Angst
zieh dich an wir gehen aus“ gelungen.
Schon der Albumtitel stellt klar, dass Sprache in seiner Musik eine hervorgehobene
Rolle spielt. Immerhin hat der in Lüdenscheid geborene Liedermacher mit „52 Wochenenden: Texte zum Durchmachen“ bereits eine Sammlung von Blogbeiträgen in
gedruckter Form unters Volk gebracht.
Doch erst in seinen Liedern leben Friebes Sprachbilder richtig auf. Man ertappt
sich beim erstmaligen Hören eines neuen
Albums immer wieder dabei, wie man sich
auf den nächsten Reim freut. Denn ungewöhnliche und doch nie sperrige Zeilen à
la „Ich vergriff mich im Ton bei der Podiumsdiskussion“ schüttelt der 38-Jährige
scheinbar aus dem Ärmel. Der Auftritt im
Dresdner Ostpol sollte nun der Vorstellung
des fünften Albums dienen. Dieses Vorhaben geriet zum Triumphzug. Sofern der
kleine Klub in der Neustadt mit seinem heruntergekommenen Eckkneipen-Charme
für solch eine Metapher überhaupt taugt.
Für Friebes Show hätte man sich keinen
besseren Ort wünschen können.
Justine Electra hatte es dagegen mit ihrer One-Woman-Show inklusive Laptop
und Gitarre im Vorprogramm schwer. Ihre
zweifelsohne potenten Lieder funktionieren in anderen Zusammenhängen besser.
Anders bei Jens Friebe und seiner Band. Die
mitunter schlagerhaften Synthesizer auf
dem Album wurden live durch Maschinen
ersetzt, aus denen Aushilfskraft Andi Hudl
deutlich mehr Dampf rausholte.
Die Hingabe zur Popmusik war zwar
auch live in den ausgefuchsten Harmonien
und bei den Piano-lastigen Stücken stets
spürbar, doch wenn Jens Friebe die Gitarre
in die Hand nahm, regierte eher der gute
alte Indie-Rock. Chris Imler, der im Frühjahr im Beatpol das Publikum mit seinem
eigenen Soloalbum „Nervös“ verwirrt hatte, bearbeitete derweil mit Schmackes das
Standschlagzeug, wie er es schon in so vielen Bandkonstellationen zuvor getan hatte.
Die seligen Zuhörer schließlich dankten
der Band für eine kurze, aber schmissige
Show, indem sie das Trio erst nach drei Zugaben von der Bühne entließen.
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