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Infektionskrankheiten in Baden-Württemberg - Öffentlicher

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Infektionskrankheiten
in Baden-Württemberg
Infektionsbericht für 2011-2012
Zahlen, Daten, Fakten
zu meldepflichtigen
Infektionskrankheiten
und Erregernachweisen
Infektionskrankheiten
in Baden-Württemberg
Infektionsbericht für 2011-2012
Impressum
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
Nordbahnhofstr. 135 • 70191 Stuttgart
Tel. 0711 904-35000 • Fax 0711 904-35000 • abteilung9@rps.bwl.de
www.rp-stuttgart.de • www.gesundheitsamt-bw.de
Redaktion
Anja Diedler
Dr. Christiane Wagner-Wiening
Dr. Dorothee Lohr
Dr. Günter Pfaff
Holger Knebel
Rainer Brosch
Dr. Iris Zöllner
Corinna Langhans
Oktober 2014
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Seite
5
1.
Meldesystem übertragbarer Krankheiten
6
1.1
Meldewege für meldepflichtige übertragbare Krankheiten
7
1.2
Aufgaben der IfSG-Meldestelle am LGA
7
1.3
Referenzdefinition als Grundlage dieses Berichts
8
2.
Infektionslage in Baden-Württemberg 2001-2010
8
2.1
Datenbasis
8
2.2
Orientierende Übersicht nach Jahren und Krankheiten
9
2.3
Orientierende Übersicht nach Landkreisen, Alter und Geschlecht
12
2.4
Todesfälle
17
3.
Epidemiologische Daten zu ausgewählten Infektionskrankheiten
20
3.1
Ausgewählte Magen-Darm-Infektionen
20
3.1.1
Campylobacter-Enteritis
21
3.1.2
E. coli-Enteritis
24
3.1.3
EHEC-Erkrankung
27
3.1.4
Hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS), enteropathisch
30
3.1.5
Giardiasis
31
3.1.6
Kryptosporidiose
34
3.1.7
Norovirus-Erkrankung
37
3.1.8
Rotavirus-Erkrankung
41
3.1.9
Salmonellose
44
3.1.10 Shigellose (bakterielle Ruhr)
48
3.1.11 Yersiniose
51
3.2
Virale Hepatitiden
54
3.2.1
Hepatitis A
55
3.2.2
Hepatitis B
60
3.2.3
Hepatitis C
63
3.2.4
Hepatitis E
66
3.3
Influenza
69
3.4
Tuberkulose
72
3.5
Weitere Erkrankungen
77
3.5.1
Adenovirus-Konjunktivitis
78
3.5.2
Clostridium-difficile-Infektion, schwerer Verlauf
81
3.5.3
Creutzfeld-Jakob-Krankheit (CJK)
84
3.5.4
Denguefieber
87
3.5.5
Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME)
90
3.5.6
Haemophilus influenzae, invasive Erkrankung
92
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
3
3.5.7
Hantavirus-Erkrankung
97
3.5.8
Legionellose
102
3.5.9
Listeriose
106
3.5.10 Masern
109
3.5.11 Meningokokken-Erkrankung
116
3.5.12 MRSA
121
3.5.13 Q-Fieber
124
3.5.14 Seltene Krankheiten
128
4.
Nichtnamentlich gemeldete Infektionskrankheiten nach § 7 Abs. 3 IfSG
132
5.
Ausgewählte Häufungen und Infektionsgeschehen 2011
135
5.1
Masernwelle im Frühjahr 2011
135
5.2
Masernerkrankungen mit Genotyp D8-Nachweis nach Italienaufenthalt
136
5.3
Neuer EHEC-Stamm: O104:H4 in Baden-Württemberg
136
5.4
Hantaviren 2007/2010
138
5.5
Erkrankungsfälle von Sarkozystose bei Reiserückkehrern aus Malaysia
138
5.6
Fallbericht: Giardia-duodenalis-Infektion
139
6.
Ausgewählte Häufungen und Infektionsgeschehen 2012
140
6.1
Masern 2012 in Baden-Württemberg
140
6.2
RSV-verursachter Ausbruch in einem Krankenhaus 2012
141
6.3
Salmonellosefälle 2012 bei Kleinkindern mit Reptilienhaltung im Haushalt
142
6.4
Häufung von Q-Fieber-Erkrankungen im Landkreis Göppingen
143
6.5
Adenovirus-Ausbruch 2011/2012
143
7.
Quellenverzeichnis
145
8.
Tabellenverzeichnis
146
9.
Abbildungsverzeichnis
147
10.
Bildnachweis
155
11.
Verwendete Abkürzungen
155
12.
Anhang
156
12.1
Auszug aus dem Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von
Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz - IfSG)
156
Ergänzende Verordnungen auf Bundesebene
161
12.2
12.2.1 Verordnung über die Meldepflicht bei Aviärer Influenza beim Menschen
(Aviäre-Influenza-Meldepflicht-Verordnung - AIMPV)
161
12.2.2 Verordnung zur Anpassung der Meldepflicht nach § 7 des Infektionsschutzgesetzes
an die epidemische Lage (Labormeldepflicht-Anpassungsverordnung - LabMeldAnpV)
162
12.3
Schwer verlaufende Clostridium-difficile-assoziierte Durchfallerkrankungen
162
12.4
Auszug aus der Verordnung des Sozialministeriums über Zuständigkeiten nach
dem IfSG vom 19. März 2001
162
4
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
Vorwort
Das Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (IfSG - Infektionsschutzgesetz) bestimmt seit 14 Jahren die Arbeit der Meldestelle im Landesgesundheitsamt
Baden-Württemberg (LGA). Die Übermittlung von Daten zu meldepflichtigen Infektionskrankheiten
aus den Land- und Stadtkreisen über das Landesgesundheitsamt an das Robert Koch-Institut (RKI)
schafft die Grundlage für die Beobachtung des Krankheitsgeschehens zu Infektionskrankheiten in der
Bevölkerung Baden-Württembergs.
Im vorliegenden Infektionsbericht werden die Infektionsdaten aus den Jahren 2011 und 2012 beschrieben und grafisch aufbereitet. Die Auswertung der Daten erfolgte mit Hilfe der vom RKI zur Verfügung gestellten Software-Programme SurvStat@RKI und SurvNet@RKI.
Wir danken allen Ärztinnen und Ärzten in Arztpraxen, Laboratorien und Krankenhäusern, die durch
ihre Meldung zur Überwachung des Infektionsgeschehens beigetragen haben. Für die Vollständigkeit
und Qualität der Daten zeichnen maßgeblich unsere Kolleginnen und Kollegen in den Gesundheitsämtern verantwortlich. Das LGA dankt allen Beteiligten für die gute und Ziel führende Zusammenarbeit.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
5
1.
Meldesystem übertragbarer
Krankheiten
Am 1. Januar 2001 wurde das seit 1961 gültige
Bundesseuchengesetz durch das Infektionsschutzgesetz (IfSG) abgelöst. Leitgedanken waren die Stärkung der Eigenverantwortung des
Einzelnen sowie der Träger und Leiter von Gemeinschaftseinrichtungen, Lebensmittelbetrieben
und Gesundheitseinrichtungen bei der Vorsorge
übertragbarer Krankheiten.
Das Infektionsschutzgesetz regelt zum einen,
welche Krankheiten bei Verdacht, Erkrankung
oder Tod vom Arzt an das Gesundheitsamt zu
melden sind. Zum anderem regelt es die Meldepflicht für labordiagnostische Nachweise
bestimmter Krankheitserreger. Bei definierten
Krankheitserregern ist im Sinne dieser Labormeldepflicht der direkte oder indirekte Nachweis zu
melden (soweit diese Nachweise auf eine akute
Infektion hindeuten). Ferner sind Krankheitserreger zu melden, soweit deren örtliche und zeitliche
Häufung auf eine schwerwiegende Gefahr für die
Allgemeinheit hinweist und nicht durch eine eigene Meldekategorie erfasst sind. Zudem besteht
für Erregernachweise nach § 7.3 eine nichtnamentliche Meldepflicht direkt an das RKI.
Aufgabe der Infektionssurveillance ist die zeitnahe und räumliche Erfassung des Infektionsgeschehens. Die Meldenden sind durch das IfSG
verpflichtet, ihre Meldung unverzüglich, spätestens innerhalb von 24 Stunden zu erstatten, damit Maßnahmen zur Verhinderung einer weiteren
Ausbreitung der Infektionskrankheit möglichst
rasch ergriffen werden können.
Voraussetzung für die Vergleichbarkeit und die
Standardisierung ist eine hohe Datenqualität.
Falldefinitionen für meldepflichtige Erkrankungen
enthalten bundesweit einheitliche Kriterien für die
epidemiologische Überwachung von Infektionskrankheiten. Die vom Robert Koch-Institut (RKI)
erstellten Falldefinitionen legen fest, welche Meldungen an die Landesstelle übermittelt werden.
Die Falldefinitionen wurden im Laufe der letzten
Jahre durch überarbeitete Ausgaben ersetzt, die
neue Diagnoseverfahren und Erfahrungen einbeziehen. Die im Jahr 2001 eingeführten Falldefinitionen wurden 2004 durch neue Falldefinitionen
abgelöst. Die dritte Ausgabe gilt ab dem 01. Januar 2007 und löste die 2004 in Kraft getretene
zweite Ausgabe der Falldefinitionen ab.
$U]W
'LDJQRVH
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5HIHUHQ]
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wöchentlicher
Infektionsbericht
6WDPP
.OLQLVFKH'LDJQRVH
†
/DERUEHIXQG
hEHUPLWWOXQJ
Datenbank
†
Abb. 1: Meldewege nach dem Infektionsschutzgesetz
6
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
1.1 Meldewege für meldepflichtige
übertragbare Krankheiten
Bei Verdacht auf oder Diagnose einer meldepflichtigen Erkrankung muss der Arzt unverzüglich, spätestens innerhalb von 24 Stunden nach
erlangter Kenntnis eine Meldung an das für den
Aufenthaltsort des Betroffenen zuständige Gesundheitsamt erstatten1. Wird ein meldepflichtiger Erreger nachgewiesen, hat das feststellende
Labor unverzüglich, spätestens innerhalb von 24
Stunden eine Meldung zu erstatten, Adressat ist
das für den Einsender (i.d.R. der behandelnde
Arzt) des Untersuchungsmaterials zuständige
Gesundheitsamt2. Gegebenenfalls wird die Meldung an das für den Wohnort des Betroffenen zuständige Gesundheitsamt weitergeleitet.
Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes führen
weitere Ermittlungen durch und veranlassen, falls
erforderlich, Maßnahmen des Infektionsschutzes.
Ausgewählte Daten werden in anonymisierter
Form an das Landesgesundheitsamt übermittelt.
Die Meldestelle am LGA führt eine Qualitätskontrolle durch und leitet die Daten arbeitstäglich an
das RKI weiter. In besonderen Ausbruchssituationen, beispielsweise während des bundesweiten HUS/EHEC-Ausbruch 2011, werden Daten
auch mehrmals täglich übermittelt.
Erregernachweise von Syphilis, HIV, Malaria,
Fuchsbandwurm, angeborener Toxoplasmose
bzw. angeborener Röteln werden vom untersuchenden Labor direkt an das RKI gemeldet3. Diese nichtnamentliche Meldung muss innerhalb von
zwei Wochen erstattet werden.
Gesetz zur Änderung des Infektionsschutzgesetzes und weitere Gesetze
Seit 03.08.2011 sind gemäß §6 Abs. 3 IfSG an
das Gesundheitsamt gemeldete nosokomiale
Häufungen nach §11 Abs. 2 IfSG an die zuständige Landesbehörde und das RKI zu übermitteln.
Diese Daten werden erstmals in diesem Infektionsbericht dargestellt. 2011/2012 gingen im LGA
45 §11-Meldungen ein. Darunter waren 15 Norovirus-Häufungen, 4 Keratokonjunktitivis-Häufungen, 4 Klebsiella pneumoniae-Häufungen und 3
Gastroenteritis-Häufungen.
1
2
3
4
Nach § 6 IfSG, siehe Anhang.
nach § 7 Abs. 1 IfSG, siehe Anhang.
nach § 7 Abs. 3 IfSG, siehe Anhang.
nach § 12
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
Gesetz zur Durchführung der Internationalen
Gesundheitsvorschriften (2005) und zur Änderung weiterer Gesetze
Am 29.03.2013 traten das IGV-Durchführungsgesetz sowie die Änderung des Infektionsschutzgesetzes in Kraft. Neben der Verkürzung der Meldefristen wurde die namentliche Meldepflicht auf
die Infektionskrankheiten Mumps, Keuchhusten,
Röteln und das konnatale Rötelnsyndrom sowie
Windpocken erweitert. Diese Änderungen betrifft
den vorliegenden Bericht, der sich auf die Jahre
2011 und 2012 bezieht, noch nicht. Zugleich wurde eine arbeitstägliche Übermittlung der Daten
eingeführt.
Das Auftreten von Erkrankungen mit möglicher
internationaler Tragweite wie Cholera, Diphtherie, Fleckfieber, Gelbfieber, virusbedingtem hämorrhagischem Fieber, Pest, Poliomyelitis, Rückfallfieber sowie Fälle von Influenzavirus-Nachweisen hat das Gesundheitsamt unverzüglich an das
LGA4 und dieses wiederum unverzüglich an das
RKI zu übermitteln. Das RKI hat die Meldung entsprechend den internationalen Verpflichtungen
an die Weltgesundheitsorganisation sowie der
Kommission der Europäischen Union und den
zuständigen Behörden der Mitgliedsstaaten zu
übermitteln (s. Kapitel 12).
1.2 Aufgaben der IfSG-Meldestelle
am LGA
Das Landesgesundheitsamt hat die Aufgabe,
das Infektionsgeschehen in Baden-Württemberg
zu überwachen. Die übermittelten Daten werden
hierzu analysiert und bewertet. Häufigkeit, zeitliches Auftreten, Geschlecht, Alter und Infektionsorte werden statistisch ausgewertet. Die aktuellen
Meldezahlen werden mit Vergleichszeiträumen
der Vorjahre, den bundesweiten Meldezahlen
sowie mit dem Auftreten in angrenzenden Bundesländern und im benachbarten Ausland verglichen. Im Falle einer Pandemie wird der Bezug
zum europa- und weltweiten Geschehen hergestellt. Wenn es erforderlich wird, übernimmt
das LGA als fachliche Leitstelle des Öffentlichen
Gesundheitsdienstes Baden-Württemberg den
grenzüberschreitenden Informationsaustausch
mit den regionalen Gesundheitsbehörden im benachbarten Ausland.
Jeweils in der zweiten Wochenhälfte arbeitet das
Landesgesundheitsamt die Daten aus der Vorwoche für einen „Infektionsbericht zu aktuellen
7
IfSG-Meldungen“ auf. Dieser Infektionsbericht
wird den Gesundheitsämtern, Ärzten und Laboreinrichtungen aber auch interessierten Laien zur
Verfügung gestellt. Im Internet sind die Infektionsberichte auf der Homepage www.gesundheitsamt-bw.de abrufbar.
1.3 Referenzdefinition
als Grundlage dieses Berichts
Eine ärztliche Diagnose, kann unterschiedliche
Stufen der Gewissheit durchlaufen. Der Sicherungsgrad reicht vom Krankheitsverdacht über
die klinische Diagnose und die Bestätigung durch
Laboruntersuchungen bis hin zur pathologischanatomischen Diagnose.
2.
Infektionslage in
Baden-Württemberg 2011-2012
In diesem Bericht werden die an das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg übermittelten
meldepflichtigen Erkrankungen und Erregernachweise aus den Jahren 2011-2012 dargestellt.
Hierbei werden nur solche Fälle berücksichtigt,
die der Referenzdefinition (s. 1.3) entsprechen.
Ausnahmen sind gekennzeichnet (s. Tabelle 1
„Anzahl Fallmeldungen“). Es werden sowohl absolute Fallzahlen als auch Inzidenzen dargestellt.
Die Inzidenz (lat.: incidere = vorfallen) gibt die
Anzahl der übermittelten Neuerkrankungen an,
die unter 100 000 Personen innerhalb eines Jahres neu auftreten. Die angegebenen Inzidenzen
beziehen sich auf Einwohner in Baden-Württemberg 2011.
Entsprechend muss das Gesundheitsamt
eine eingehende Meldung nach der diagnostischen Sicherheit bewerten. Dabei folgt es
den Falldefinitionen des RKI. Näheres unter:
http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/IfSG/Falldefinition/falldefinition_node.html.
Die Inzidenz der Erregernachweise wird erheblich
vom Einsendeverhalten der niedergelassenen
erstversorgenden Ärzte sowie vom länderspezifischen Engagement bezüglich des Umfangs der
Nachsuche zu weiteren Erkrankungen bestimmt.
Für Vergleichszwecke bedient man sich einer
sogenannten „Referenzdefinition“. Die Referenzdefinition fasst in der Regel die Kategorien
„klinisch-epidemiologisch bestätigte Erkrankung“
und „klinisch-labordiagnistisch bestätigte Erkrankung“ zusammen. Das RKI verwendet diese Referenzdefinition im Infektiologischen Jahrbuch.
Auch das LGA greift für die Berichterstellung darauf zurück.
2.1 Datenbasis
Labordiagnostisch nachgewiesene Infektionen
bei nicht erfülltem klinischen Bild oder bei unbekanntem klinischen Bild erfüllen nicht die Referenzdefinition und gehen nicht in die Meldestatistik ein. Ausnahmen bilden HUS, Hepatitis Non
A-E (sonstige akute Virushepatitis, nicht näher
klassifiziert), Masern, Tuberkulose, Poliomyelitis
und die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit. Bei diesen
Erkrankungen erfüllt bereits das klinische Bild die
Referenzdefinition. Bei der Hepatitis C umfasst
die Referenzdefinition alle erstmals labordiagnostisch nachgewiesenen Infektionen unabhängig
vom klinischen Bild.
Namentliche Meldungen
Als Datenquelle wurden Daten aus der SurvNet@
RKI-Datenbank verwendet, die den Landesstellen auf Datenträgern zur Verfügung gestellt werden. Datenstand ist der 01.03.2013. SurvNet@
RKI ist die Software, mit der das LGA die von den
Gesundheitsämtern übermittelten Meldungen zusammenführt, aufbereitet, auswertet und gebündelt an das RKI weiter übermittelt.
Die Vergleichszahlen für Deutschland stammen aus der im Internet verfügbaren Datenbank
SurvStat@RKI. Dieser vereinfachte Datenbestand zu den nach dem IfSG meldepflichtigen
Krankheitsfällen und Erregernachweise, gestattet
es, nach eigenem Bedarf Tabellen und Graphiken zu erstellen.
Nichtnamentliche Meldungen
Die sechs Meldekategorien Echinokokkose, HIV,
Malaria, konnatale Röteln, Syphillis und konnatale Toxoplasmose werden nichtnamentlich direkt
ans RKI gemeldet. Die Abfrage dieser Daten erfolgte ebenso mit der im Internet verfügbaren Datenbank SurvStat@RKI.de.
8
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
2.2 Orientierende Übersicht
nach Jahren und Krankheiten
Im Jahr 2011-2012 wurden insgesamt 69 674
Einzelfälle meldepflichtiger Infektionskrankheiten
(inklusive der Kategorien „Weitere bedrohliche
Krankheit (WBK)“ und „WBK gastro“) an das LGA
übermittelt. Auf diese beiden Meldekategorien
entfielen 438 Meldungen. Es gingen also 69 236
Einzelfälle in die SurvStat-Datenbank ein, welche die Kategorien WBK und WBK gastro nicht
enthält. Davon entsprachen 57 633 der Referenzdefinition (s. 1.3). Zusätzlich wurden aus BadenWürttemberg 1 354 nichtnamentliche Meldungen
nach § 7 Abs. 3 IfSG direkt an das RKI gemeldet.
Tabelle 1: Anzahl übermittelter Meldungen 2001-2012
(ohne „Weitere bedrohliche Krankheit (WBK)“ und „WBK gastro“)
Baden-Württemberg
Deutschland
Jahr
Anzahl
Fallmeldungen
(aus SurvNet)
Anzahl nach
Referenzdefinition (RD)
Übermittlungen
pro 100 000
Einwohner
(bez. RD)
Anzahl
Fallmeldungen
(aus SurvStat)
Anzahl nach
Referenzdefinition (RD)
Übermittlungen
pro 100 000
Einwohner
(bez. RD)
2001
30 011
28 191
261,4
261 363
234 428
284,4
2002
31 020
23 844
221,1
301 058
238 721
289,2
2003
28 341
21 531
199,6
264 028
221 145
267,9
2004
28 081
21 171
196,7
277 608
228 101
276,5
2005
30 407
23 371
216,8
301 086
255 726
310,2
2006
34 124
24 014
222,8
306 843
243 823
296,2
2007
48 071
32 259
299,2
456 935
328 755
399,9
2008
47 102
32 631
302,7
467 128
352 664
430,1
2009
60 377
45 568
422,7
581 215
475 780
581,6
2010
36 560
29 915
277,6
377 872
326 998
400,0
2011
36 069
30 059
278,7
391 482
354 770
433,5
2012
33 167
27 574
255,6
328 731
289 402
353,6
Die beiden Meldekategorien „Weitere bedrohliche Krankheit“ und „Weitere bedrohliche Krankheit gastro“ sind in den Übersichten nicht enthalten. Die Datenbank SurvStat@RKI, in der
die deutschlandweiten Daten abgefragt wurden,
enthält diese Meldekategorien nicht. Um die Vergleichbarkeit der Daten zu gewährleisten, sind
die Daten aus SurvNet@RKI ebenfalls ohne diese Meldekategorien dargestellt.
Unter „Weitere bedrohliche Krankheit“ können
bedeutende Einzelfälle oder Erkrankungshäufungen übermittelt werden, bei denen kein Erregernachweis vorliegt, bzw. ein Erreger nachgewiesen wurde, der ansonsten nicht in den einzelnen
Krankheitskategorien eingegeben werden kann.
„Weitere bedrohliche Krankheit gastro“ wurde für
Durchfall-Erkrankungen, die bisher in der Kategorie WBK übermittelt wurden eingeführt.
Im Jahr 2009 fällt die erhöhte Anzahl von Fallmeldungen und die damit verbundene höhere In-
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
zidenz auf. Dem liegt die pandemische Influenza
A(H1N1)pdm2009 zugrunde, welche sich ab April
2009 als sogenannte „Schweinegrippe“ ausbreitete.
Die Übermitlungsmodalitäten und die Meldepflicht zu Noroviren haben zwei Änderungen erfahren. Im September 2009 wurden die Übermittlungsmodalitäten angepasst, so dass aufwändige
Einzelfallübermittlungen seither erspart bleiben.
Klinisch-epidemiologisch bestätigte Erkrankungen konnten als Gesamtzahl der aufgetretenen
Erkrankungen zusammengefasst und übermittelt
werden. Im Oktober 2010 wurde die Falldefinition
geändert. Dadurch wurden nur noch labordiagnostisch bestätigte Erkrankungen übermittelt.
Diese aktuelle Fall- und Referenzdefinition wird
in der Datenbank SurvStat@RKI ebenso auf die
Vorjahre angewendet, um die Vergleichbarkeit zu
gewährleisten.
9
Tabelle 2: An das LGA übermittelte meldepflichtige Krankheiten 2001-2006 (ohne „WBK“)
Meldekategorie
2001
2002
2003
2004
2005
2006
Anzahl Inzidenz* Anzahl Inzidenz Anzahl Inzidenz Anzahl Inzidenz Anzahl Inzidenz Anzahl Inzidenz
Adenovirus
32
0,3
4
0,0
4
0,0
15
0,1
49
0,5
66
0,6
Botulismus
1
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
1
0,0
1
0,0
Brucellose
5
0,1
6
0,1
3
0,0
7
0,1
3
0,0
8
0,1
5954
55,2
5383
49,9
4962
46,0
5098
47,3
5834
54,1
5704
52,9
Cholera
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
1
0,0
CJK
11
0,1
7
0,1
20
0,2
10
0,1
2
0,0
12
0,1
Clostridium difficile
-
-
-
-
-
-
1
0,0
-
0,0
1
0,0
Campylobacter
Denguefieber
10
0,1
39
0,4
23
0,2
22
0,2
17
0,2
24
0,2
Diphtherie
0
0,0
1
0,0
0
0,0
1
0,0
0
0,0
0
0,0
E.-coli-Enteritis
552
5,1
360
3,3
341
3,2
276
2,6
283
2,6
366
3,4
Ebolafieber
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
EHEC/STEC
130
1,2
94
0,9
96
0,9
101
0,9
117
1,1
143
1,3
Fleckfieber
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
FSME
115
1,1
115
1,1
117
1,1
130
1,2
165
1,5
281
2,6
Gelbfieber
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
Giardiasis
772
7,2
511
4,7
579
5,4
696
6,5
661
6,1
626
5,8
Haemophilus influenzae
16
0,2
10
0,1
17
0,2
8
0,1
18
0,2
27
0,3
Hantavirus
58
0,5
164
1,5
65
0,6
120
1,1
110
1,0
22
0,2
Hepatitis A
329
3,1
177
1,6
178
1,7
214
2,0
109
1,0
132
1,2
Hepatitis B
414
3,8
200
1,9
152
1,4
120
1,1
126
1,2
118
1,1
Hepatitis C
1254
11,6
1046
9,7
1063
9,9
1227
11,4
1157
10,7
1320
12,2
Hepatitis D
0
0,0
2
0,0
2
0,0
2
0,0
3
0,0
0
0,0
Hepatitis E
4
0,0
1
0,0
5
0,1
11
0,1
11
0,1
7
0,1
Hepatitis Non A-E
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
HUS
6
0,1
24
0,2
18
0,2
10
0,1
11
0,1
12
0,1
Influenza
342
3,2
424
3,9
931
8,6
464
4,3
1811
16,8
345
3,2
Kryptosporidiose
391
3,6
86
0,8
124
1,2
95
0,9
136
1,3
139
1,3
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
Läuserückfallfieber
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
Legionellose
28
0,3
41
0,4
44
0,4
64
0,6
70
0,7
97
0,9
Lepra
0
0,0
0
0,0
0
0,0
1
0,0
1
0,0
1
0,0
Leptospirose
5
0,1
14
0,1
8
0,1
11
0,1
12
0,1
9
0,1
Listeriose
25
0,2
27
0,3
35
0,3
41
0,4
68
0,6
72
0,7
0,0
Lassafieber
Marburgfieber
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
694
6,4
41
0,4
32
0,3
16
0,2
22
0,2
121
1,1
Meningokokken
76
0,7
87
0,8
74
0,7
68
0,6
54
0,5
53
0,5
Milzbrand
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
MRSA
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
343
3,2
884
8,2
1054
9,8
1415
13,1
1856
17,2
2359
21,9
Ornithose
4
0,0
4
0,0
5
0,1
5
0,1
0
0,0
0
0,0
Paratyphus
11
0,1
15
0,1
13
0,1
19
0,2
12
0,1
19
0,2
Pest
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
Masern
Norovirus
Poliomyelitis
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
Q-Fieber
82
0,8
22
0,2
21
0,2
72
0,7
34
0,3
97
0,9
Rotavirus
5142
47,7
4770
44,2
3401
31,5
2680
24,9
3126
29,0
4627
42,9
Salmonellose
9944
92,2
7721
71,6
6643
61,6
6641
61,6
6298
58,4
6166
57,2
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
265
2,5
170
1,6
94
0,9
152
1,4
134
1,2
139
1,3
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
1
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
2
0,0
3
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
SARS
Shigellose
Tollwut
Tollwutexpositionsverdacht
Trichinellose
Tuberkulose
891
8,3
885
8,2
895
8,3
771
7,2
703
6,5
637
5,9
Tularämie
2
0,0
1
0,0
2
0,0
2
0,0
1
0,0
0
0,0
Typhus
11
0,1
12
0,1
13
0,1
12
0,1
19
0,2
12
0,1
VHF, andere Erreger
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
8
0,1
559
5,2
473
4,4
421
3,9
378
3,5
338
3,1
242
2,2
Yersiniose
* Übermittlungen pro 100 000 Einwohner
10
kursiv = 2001-2012 keine Übermittlungen
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
Tabelle 3: An das LGA übermittelte meldepflichtige Krankheiten 2007-2012 (ohne „WBK“)
Meldekategorie
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Anzahl Inzidenz* Anzahl Inzidenz Anzahl Inzidenz Anzahl Inzidenz Anzahl Inzidenz Anzahl Inzidenz
Adenovirus
43
0,4
15
0,1
27
0,3
38
0,4
65
0,6
345
3,2
Botulismus
1
0,0
2
0,0
1
0,0
0
0,0
2
0,0
0
0,0
Brucellose
5
0,1
9
0,1
2
0,0
2
0,0
3
0,0
5
0,1
7487
69,4
6863
63,6
6497
60,2
6152
57,0
6435
59,7
6385
59,2
Cholera
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
1
0,0
0
0,0
CJK
18
0,2
22
0,2
12
0,1
22
0,2
22
0,2
13
0,1
Clostridium difficile
6
0,1
39
0,4
47
0,4
89
0,8
139
1,3
114
1,1
Denguefieber
35
0,3
57
0,5
47
0,4
87
0,8
42
0,4
112
1,0
0,0
Campylobacter
Diphtherie
0
0,0
0
0,0
2
0,0
3
0,0
0
0,0
3
304
2,8
344
3,2
253
2,4
262
2,4
394
3,7
308
2,9
Ebolafieber
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
EHEC/STEC
88
0,8
69
0,6
74
0,7
73
0,7
295
2,7
102
1,0
Fleckfieber
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
E.-coli-Enteritis
FSME
96
0,9
130
1,2
145
1,3
118
1,1
201
1,9
72
0,7
Gelbfieber
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
Giardiasis
583
5,4
596
5,5
515
4,8
526
4,9
593
5,5
550
5,1
22
0,2
35
0,3
41
0,4
30
0,3
48
0,5
49
0,5
Hantavirus
1091
10,1
72
0,7
83
0,8
997
9,2
128
1,2
1693
15,7
Hepatitis A
109
1,0
108
1,0
77
0,7
63
0,6
72
0,7
88
0,8
Hepatitis B
114
1,1
93
0,9
80
0,7
68
0,6
59
0,6
61
0,6
Hepatitis C
1193
11,1
1033
9,6
839
7,8
823
7,6
782
7,3
823
7,6
Hepatitis D
1
0,0
1
0,0
1
0,0
4
0,0
0
0,0
0
0,0
Hepatitis E
10
0,1
9
0,1
9
0,1
28
0,3
21
0,2
41
0,4
Hepatitis Non A-E
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
HUS
12
0,1
13
0,1
10
0,1
15
0,1
36
0,3
14
0,1
2544
23,6
2229
20,7
19873
184,2
263
2,4
3284
30,5
1612
14,9
Haemophilus influenzae
Influenza
Kryptosporidiose
106
1,0
68
0,6
56
0,5
41
0,4
52
0,5
64
0,6
Lassafieber
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
Läuserückfallfieber
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
Legionellose
79
0,7
87
0,8
90
0,8
169
1,6
106
1,0
101
0,9
Lepra
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
Leptospirose
27
0,3
13
0,1
18
0,2
13
0,1
14
0,1
12
0,1
Listeriose
55
0,5
45
0,4
66
0,6
62
0,6
44
0,4
63
0,6
Marburgfieber
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
Masern
19
0,2
383
3,6
67
0,6
151
1,4
524
4,9
20
0,2
Meningokokken
56
0,5
51
0,5
46
0,4
33
0,3
38
0,4
50
0,5
Milzbrand
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
MRSA
-
-
-
-
3
0,0
292
2,7
246
2,3
255
2,4
7578
70,3
9908
91,9
8708
80,7
11632
107,8
8948
83,0
8465
78,5
Ornithose
1
0,0
3
0,0
5
0,1
2
0,0
3
0,0
0
0,0
Paratyphus
18
0,2
16
0,2
12
0,1
12
0,1
4
0,0
7
0,1
Pest
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
Poliomyelitis
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
Q-Fieber
20
0,2
128
1,2
62
0,6
228
2,1
59
0,6
40
0,4
Rotavirus
4081
37,8
4874
45,2
3667
34,0
4180
38,8
4181
38,8
3718
34,5
Salmonellose
6192
57,4
4168
38,6
2840
26,3
2646
24,5
2363
21,9
1747
16,2
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
123
1,1
97
0,9
100
0,9
84
0,8
84
0,8
56
0,5
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
Norovirus
SARS
Shigellose
Tollwut
Tollwutexpositionsverdacht
Trichinellose
Tuberkulose
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
0
0,0
617
5,7
540
5,0
527
4,9
541
5,0
525
4,9
485
4,5
Tularämie
11
0,1
3
0,0
1
0,0
7
0,1
4
0,0
8
0,1
Typhus
9
0,1
6
0,1
4
0,0
12
0,1
14
0,1
8
0,1
VHF, andere Erreger
5
0,1
3
0,0
8
0,1
10
0,1
5
0,1
1
0,0
254
2,4
218
2,0
180
1,7
127
1,2
180
1,7
137
1,3
Yersiniose
* Übermittlungen pro 100 000 Einwohner
kursiv = 2001-2012 keine Übermittlungen
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
11
12000
Anzahl Übermittlungen
10000
Norovirus
8000
6000
Campylobacter
4000
2000
Salmonellose
0
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Meldejahr
Abb. 2: Die drei am häufigsten nach IfSG übermittelten Infektionskrankheiten,
Baden-Württemberg 2001-2012
Die drei häufigsten bermittlungen aus BadenWürttemberg betrafen die Durchfallerreger oroviren, amp lobacter sowie Salmonellen.
Bei der Zunahme der orovirus-Erregernachweise flie en zwei rsachen ein. Im Beobachtungszeitraum haben sich die diagnostischen erfahren erheblich verbessert, weshalb sie auch häufiger angewandt werden. Die höhere Inzidenz ist
deshalb teilweise auf diese veränderte Diagnostik
zurückzuführen. Daneben kam es zu einer echten Zunahme von Durchfallerkrankungen durch
oroviren der enogruppe II.
12
2.3 Orientierende Übersicht
nach Landkreisen, Alter
und Geschlecht
Tabelle 4 zeigt die altersspezifischen Inzidenzen
über alle Landkreise, für die Regierungsbezirke
sowie für Baden-Württemberg.
Der Stadtkreis Baden-Baden fällt mit hohen Inzidenzraten vor allem bei den Säuglingen und
Kleinkindern sowie bei den älteren Erwachsenen
auf. Allerdings ist Baden-Baden der Kreis mit der
kleinsten Einwohnerzahl, so dass die Inzidenzraten nur durch relativ kleine Zahlen und damit eher
ungenau geschätzt werden können. Besonders
niedrige Raten wurden im Schwarzwald-BaarKreis beobachtet.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
Tabelle 4: Übermittelte Meldungen je 100 000 Einwohner (Inzidenz) nach Stadt- und
Landkreisen und Altersgruppen, 2011 (ohne „weitere bedrohliche Krankheit“)
Altersspezifische Inzidenzen
Kreise
Inzidenz
0-4
Regierungsbezirk
Freiburg
5-9
10-14
15-19
20-24
25-29
30-39
40-49
50-59
60-69
70+
363,58
303,34
1429,43
457,13
264,96
218,76
282,00
271,85
220,30
181,19
194,43
215,27
LK Breisgau-Hochschwarzwald 336,47
1243,94
244,05
276,91
270,45
472,46
379,94
232,09
256,28
244,63
288,81
375,14
LK Emmendingen
274,01
1022,37
385,43
147,88
203,84
344,10
235,38
282,41
166,67
207,43
240,93
294,21
LK Konstanz
316,88
1568,49
397,97
159,26
223,71
228,11
212,73
227,50
184,68
192,16
240,01
507,18
LK Lörrach
312,16
1802,27
228,58
262,45
222,67
229,67
226,19
219,83
149,24
214,77
210,93
442,23
LK Ortenaukreis
312,53
1530,64
861,54
429,88
260,24
232,70
250,62
179,88
142,73
185,48
183,62
324,97
LK Rottweil
191,03
742,99
307,46
125,93
138,84
186,36
108,49
135,93
130,66
161,47
148,01
237,78
LK Schwarzwald-Baar-Kreis
254,10
1298,4
653,67
168,08
144,68
234,63
193,78
172,69
149,54
120,79
160,88
306,29
306,75
LK Tuttlingen
280,17
1290,32
324,63
219,78
300,04
244,35
227,22
195,60
203,24
162,32
214,23
LK Waldshut
305,96
2085,35
278,90
237,12
122,03
292,25
327,94
187,00
150,14
148,22
191,87
375,67
SK Freiburg i. Breisgau
369,20
1343,40
419,29
410,28
227,95
341,06
411,48
331,45
273,49
272,38
258,09
376,80
Regierungsbezirk
Karlsruhe
257,60
971,45
331,03
211,95
215,63
248,60
235,00
214,31
175,89
189,82
186,25
324,59
LK Calw
330,11
1579,36
461,14
248,56
392,74
396,08
389,25
269,13
244,31
205,06
147,74
301,92
LK Enzkreis
218,13
1023,71
322,69
196,97
135,43
193,39
265,50
185,92
125,91
172,34
153,89
227,60
LK Freudenstadt
320,19 1698,04
429,34
151,95
233,84
268,55
199,02
252,94
124,35
216,67
213,82
512,08
LK Karlsruhe
313,18
299,59
281,99
231,23
300,30
250,01
269,36
204,04
209,07
238,16
462,47
1175,15
LK Neckar-Odenwald-Kreis
187,47
912,67
298,15
51,34
152,49
177,14
165,42
168,96
148,24
116,25
103,38
227,30
LK Rastatt
309,38
1616,83
461,80
262,31
210,97
312,70
265,12
217,65
249,07
231,11
187,89
286,39
LK Rhein-Neckar-Kreis
197,91
333,86
270,82
224,99
192,17
262,74
238,94
186,06
164,34
182,95
146,15
192,60
SK Baden-Baden
376,42
1868,13
697,21
435,92
162,27
431,54
261,98
250,99
227,30
263,26
360,54
395,95
SK Heidelberg
190,47
296,49
156,74
117,32
136,63
196,07
220,16
208,25
157,35
172,14
186,55
220,54
SK Karlsruhe
279,34
1100,69
335,10
170,97
273,72
203,74
225,75
227,03
158,74
231,33
202,30
409,52
SK Mannheim
241,32
818,23
293,47
184,16
227,66
205,48
214,95
183,73
158,16
124,46
208,99
398,42
SK Pforzheim
238,59
1053,03
350,68
171,38
175,80
201,21
137,38
178,33
149,82
197,34
168,07
293,27
Regierungsbezirk
Stuttgart
281,03
1430,78
447,13
234,24
208,60
238,57
232,01
178,49
161,29
168,72
201,63
355,17
LK Böblingen
248,97
1292,26
391,94
114,73
150,12
242,49
210,88
172,06
177,69
178,60
152,54
266,97
LK Esslingen
262,95
1429,51
444,89
265,43
226,03
209,42
211,80
189,81
165,34
149,44
133,38
279,56
LK Göppingen
239,28
1287,34
290,93
103,48
143,25
234,71
281,43
183,59
139,83
158,43
195,73
272,25
LK Heidenheim
270,04
1770,25
509,08
143,33
118,06
227,00
137,27
264,44
186,15
185,96
193,52
207,57
LK Heilbronn
331,27
1347,67
489,29
270,76
342,60
277,14
234,96
148,61
187,48
213,80
313,14
515,01
LK Hohenlohekreis
380,4
1714,05
465,75
244,34
362,10
424,60
381,80
203,63
221,79
223,26
386,14
459,07
LK Ludwigsburg
166,98
594,79
262,87
190,42
101,71
151,18
175,76
116,84
94,87
111,12
133,72
224,14
LK Main-Tauber-Kreis
240,61
1133,70
236,13
229,29
219,89
266,92
235,75
176,50
120,36
214,47
202,64
247,22
LK Ostalbkreis
309,96
2323,85
523,18
206,07
248,56
344,68
262,05
151,36
174,55
178,75
144,90
236,53
LK Rems-Murr-Kreis
293,47
1709,55
592,91
255,00
180,53
261,54
187,99
162,88
167,08
144,65
206,70
361,37
LK Schwäbisch Hall
375,70
2241,27
724,56
374,78
311,97
335,81
282,59
203,45
217,12
167,70
249,62
401,03
SK Heilbronn
367,79
1473,50
409,25
206,97
206,87
100,23
304,34
269,80
263,43
209,54
305,69
648,56
SK Stuttgart
326,54
1424,73
495,73
363,71
222,30
208,11
247,82
208,33
145,42
187,34
257,52
575,70
Regierungsbezirk
Tübingen
275,56
1280,33
362,38
230,41
240,29
250,54
259,68
205,26
183,11
188,70
188,29
305,15
LK Alb-Donau-Kreis
273,94
1241,36
258,02
255,96
229,71
236,18
270,17
209,27
192,39
129,09
173,24
379,74
LK Biberach
287,56
866,34
342,25
221,22
226,49
325,01
251,82
226,18
248,57
221,46
206,66
345,68
LK Bodenseekreis
325,65
2032,24
554,71
253,99
333,00
260,13
335,25
204,33
180,28
207,14
202,60
284,83
LK Ravensburg
284,63
1217,14
314,94
314,01
260,31
314,17
213,55
205,32
178,05
224,29
227,06
292,01
LK Reutlingen
223,47
1185,90
328,14
132,52
129,89
199,47
225,58
139,56
130,94
143,47
148,43
288,45
LK Sigmaringen
248,75
1357,05
359,65
195,31
241,11
225,59
278,05
175,81
195,55
203,15
174,00
131,16
LK Tübingen
209,48
671,21
323,23
149,82
211,18
214,94
249,18
221,65
164,93
140,84
135,69
226,12
LK Zollernalbkreis
351,10
1602,14
587,81
354,32
276,54
306,55
329,84
259,46
197,30
252,83
228,22
412,52
SK Ulm
304,84
1674,17
351,63
167,26
335,51
163,10
231,25
233,45
205,36
198,67
194,60
362,76
Baden-Württemberg
278,70
1292,27
406,32
234,61
218,09
252,43
245,41
200,08
172,74
182,90
198,20
340,92
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
13
Tabelle 5: Übermittelte Meldungen je 100 000 Einwohner (Inzidenz) nach Stadt- und
Landkreisen und Altersgruppen, 2012 (ohne „weitere bedrohliche Krankheit“)
Altersspezifische Inzidenzen
Kreise
Inzidenz
0-4
5-9
274,52
1432,61
288,45
147,97
LK Breisgau-Hochschwarzwald 317,45
1426,87
227,22
167,60
Regierungsbezirk
Freiburg
10-14
15-19
20-24
25-29
30-39
40-49
50-59
60-69
70+
186,71
242,93
246,93
223,84
160,14
191,30
215,27
325,34
263,69
394,89
220,36
297,37
190,45
252,69
256,32
369,97
230,25
LK Emmendingen
252,59
963,11
212,65
102,38
128,74
299,70
305,99
254,17
159,26
257,22
252,98
LK Konstanz
195,69
1301,13
211,69
123,06
176,26
178,52
206,98
157,98
119,62
136,53
144,00
138,32
LK Lörrach
257,52 1666,84
447,23
221,44
191,95
213,83
129,25
129,54
120,44
145,19
219,72
283,03
263,07
LK Ortenaukreis
226,14
1189,88
210,26
122,82
162,65
204,61
165,66
182,02
132,64
156,45
212,23
LK Rottweil
232,84
1080,72
322,83
88,15
92,56
223,63
216,98
194,19
121,95
156,42
119,82
379,53
LK Schwarzwald-Baar-Kreis
310,84
1930,05
370,41
177,42
110,64
226,54
235,91
261,25
158,89
154,34
192,16
443,69
LK Tuttlingen
295,82
1822,58
324,63
181,00
175,02
171,04
328,20
189,29
198,52
141,38
191,28
336,43
LK Waldshut
372,82
1491,51
329,61
194,01
335,57
302,68
338,87
247,50
212,40
300,55
290,71
563,50
SK Freiburg i. Breisgau
352,62
1608,16
353,08
107,97
227,95
258,10
378,38
334,52
233,66
259,25
278,74
409,41
Regierungsbezirk
Karlsruhe
249,28
974,11
242,13
150,01
181,98
257,76
245,44
195,62
171,11
190,82
194,88
329,91
LK Calw
256,18
1074,69
217,01
135,58
212,29
297,06
316,26
246,22
187,93
179,43
209,30
272,57
LK Enzkreis
254,75
1101,46
133,53
107,44
177,76
257,85
285,92
200,22
179,87
189,57
197,17
370,27
LK Freudenstadt
298,28
1043,37
232,56
75,98
206,33
409,89
336,80
215,74
233,77
233,78
299,35
372,93
LK Karlsruhe
316,88
1428,17
320,25
145,40
210,59
324,98
343,23
241,43
217,65
215,22
206,26
447,16
LK Neckar-Odenwald-Kreis
236,73
1002,15
223,61
51,34
164,22
259,80
229,04
294,12
172,28
214,62
180,91
227,30
LK Rastatt
344,20
1915,84
431,68
211,54
203,16
328,74
361,53
237,44
209,74
236,81
208,77
430,97
LK Rhein-Neckar-Kreis
143,94
184,50
141,66
129,09
153,74
172,94
189,16
139,54
107,41
137,53
121,24
172,97
SK Baden-Baden
411,30
1703,30
498,01
305,14
202,84
313,85
261,98
197,20
306,85
338,47
418,23
545,53
SK Heidelberg
145,02
197,66
97,96
19,55
75,91
222,21
120,09
189,74
91,10
172,14
149,24
137,84
SK Karlsruhe
295,14
1092,54
194,00
222,26
235,71
266,11
266,80
219,79
220,12
228,79
284,60
384,21
SK Mannheim
198,14
764,70
301,62
222,53
137,98
201,01
181,24
93,03
109,94
140,60
169,04
303,24
SK Pforzheim
324,75
1748,78
313,77
205,68
207,77
264,08
162,36
253,77
203,33
185,38
160,06
488,78
Regierungsbezirk
Stuttgart
257,77
1184,57
320,55
153,10
169,52
221,23
206,18
188,93
168,15
172,11
182,69
362,91
LK Böblingen
239,30
1268,66
285,55
149,65
150,12
164,90
173,39
189,27
165,00
140,19
175,42
292,92
243,82
LK Esslingen
258,70
1355,19
424,10
160,75
168,62
216,29
225,25
213,14
194,05
171,79
153,21
LK Göppingen
269,44
1061,32
246,85
103,48
143,25
269,23
339,15
200,91
241,08
233,48
242,85
282,25
LK Heidenheim
333,54
1462,38
186,66
229,32
249,25
347,18
315,72
271,40
291,16
239,09
250,86
383,56
LK Heilbronn
277,13
1096,77
324,08
169,89
216,65
219,62
216,85
183,88
180,41
215,89
216,79
438,31
LK Hohenlohekreis
333,54
1776,76
388,12
276,92
211,23
219,62
238,63
258,46
149,71
260,47
169,52
497,87
LK Ludwigsburg
133,39
266,20
206,25
69,58
91,19
185,54
152,10
106,36
103,90
105,56
106,25
183,27
LK Main-Tauber-Kreis
211,29
781,86
185,53
171,97
232,83
240,22
152,54
183,29
208,32
154,62
111,80
238,06
336,35
LK Ostalbkreis
244,55
1437,51
264,90
143,10
169,23
210,04
210,78
170,62
152,73
154,17
94,50
LK Rems-Murr-Kreis
306,46
1599,44
448,55
161,05
155,34
209,23
187,99
187,62
143,21
134,56
217,94
591,33
LK Schwäbisch Hall
321,04
2057,56
389,32
252,97
261,38
282,79
220,77
212,49
165,27
149,86
255,05
370,76
SK Heilbronn
275,24
1365,68
551,60
137,98
222,79
212,98
257,52
209,84
129,13
149,67
188,12
342,74
SK Stuttgart
289,86
1121,83
295,77
157,06
156,00
232,30
182,39
206,25
170,15
222,23
237,71
519,88
Regierungsbezirk
Tübingen
237,58
981,93
196,59
123,29
164,26
241,93
252,37
185,20
178,14
199,51
176,17
284,02
LK Alb-Donau-Kreis
247,07
1007,14
134,17
141,22
144,63
262,42
307,43
200,37
164,00
180,73
194,89
345,90
LK Biberach
174,12
528,80
124,46
70,79
201,33
213,82
260,81
119,74
156,16
103,35
128,46
222,77
LK Bodenseekreis
291,80 1896,00
435,07
117,92
216,45
193,00
240,69
200,25
183,19
159,60
243,95
297,08
LK Ravensburg
220,58
689,71
172,47
138,16
124,24
319,99
251,24
175,13
154,73
213,98
152,55
281,76
LK Reutlingen
183,97
751,63
122,10
72,89
80,41
140,80
194,25
151,69
124,61
187,99
116,62
267,35
LK Sigmaringen
244,13
1155,33
310,61
182,29
144,67
250,66
333,66
175,81
182,21
267,31
174,00
136,40
LK Tübingen
249,12
671,21
161,55
149,82
162,44
252,55
261,05
217,83
231,43
239,73
216,10
293,95
LK Zollernalbkreis
298,88
1335,11
203,93
161,98
240,86
324,59
229,89
259,46
278,16
263,51
152,15
324,12
SK Ulm
267,64
1242,12
195,35
92,92
251,64
228,34
241,30
183,43
147,44
186,25
251,36
380,32
Baden-Württemberg
255,64
1149,41
273,41
145,98
175,21
238,95
232,34
196,79
168,96
185,56
191,37
333,75
14
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
Norovirus
Campylobacter
Rotavirus
Influenza
Salmonellose
Hepatitis C
Giardiasis
Tuberkulose
Masern
E.-coli-Enteritis
MRSA
FSME
weiblich
EHEC/STEC
männlich
Yersiniose
0
5
10
15
20
25
30
35
40
45
50
55
60
65
70
75
80
85
90
Übermittlungen pro 100 000 Einwohner und Jahr nach Geschlecht
Abb. 3: Geschlechtsspezifische Inzidenzen der häufigsten Infektionskrankheiten, Baden-Württemberg, 2011
Norovirus
Campylobacter
Rotavirus
Hantavirus
Salmonellose
Influenza
Hepatitis C
Tuberkulose
Giardiasis
Adenovirus
E.-coli-Enteritis
MRSA
weiblich
Legionellose
männlich
Yersiniose
0
5
10
15
20
25
30
35
40
45
50
55
60
65
70
75
80
85
90
Übermittlungen pro 100 000 Einwohner und Jahr nach Geschlecht
Abb. 4: Geschlechtsspezifische Inzidenzen der häufigsten Infektionskrankheiten, Baden-Württemberg, 2012
Männer sind von den häufigsten Infektionskrankheiten insgesamt häufiger betroffen als Frauen.
Ausnahmen hiervon sind Norovirus-Erkrankungen sowie EHEC-Erkrankungen im Ausbruchsjahr
2011 und Influenza-Erkrankungen im Jahr 2012.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
Die genauen Angaben zu den geschlechtsspezifischen Unterschieden sind im jeweiligen Unterkapitel von „Epidemiologische Daten zu ausgewählten Infektionskrankheiten“ angegeben. Bei
den Noroviren wurde die Referenzdefinition inso-
15
fern geändert (s. S. 8), dass für alle Jahre nur die
klinisch-labordiagnostisch bestätigten Erkrankungen mitgezählt werden. Die tatsächlich an das LGA
übermittelte Anzahl der Norovirus-Meldungen liegt
6000
deutlich höher, die Inzidenz für Männer liegt nach
alter Referenzdefinition (galt bis 2010) bei 62,1
und die für Frauen bei 100,9 Erkrankungen pro
100 000 Einwohner des jeweiligen Geschlechts.
Salmonellose
Influenza
Campylobacter
Norovirus
Rotavirus
Anzahl Übermittlungen
5000
4000
3000
2000
1000
0
0-1
2-14
15-29
30-49
50-69
70+
Altersgruppen
Abb. 5: Häufigste Infektionskrankheiten nach Altersgruppen, Baden-Württemberg 2011
6000
Hantavirus
Salmonellose
Campylobacter
Norovirus
Rotavirus
Anzahl Übermittlungen
5000
4000
3000
2000
1000
0
0-1
2-14
15-29
30-49
50-69
70+
Altersgruppen
Abb. 6: Häufigste Infektionskrankheiten nach Altersgruppen, Baden-Württemberg 2012
16
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
Die Rangfolge der häufigsten übermittelten Erkrankungen ändert sich mit dem Alter deutlich.
Rotaviren fallen bei den Kleinsten am deutlichsten
ins Auge (800 Erkrankungen pro 100 000 bei den
unter 3-Jährigen). In der ältesten Gruppe stehen
die Noroviren im Vordergrund (200 Erkrankungen
pro 100 000 bei den über 70-Jährigen).
2.4 Todesfälle 2011-2012
In den Jahren 2011-2012 wurden an das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg im Rahmen
der IFSG-Meldungen insgesamt 300 Todesfälle
durch meldepflichtige Infektionskrankheiten übermittelt. Zu den Meldekategorien mit den meisten
Todesfallmeldungen gehörten 2011-2012 die
Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, Clostridium difficile
und Legionellose. Von 2001 bis 2006 waren die
meisten Todesfälle im Rahmen der IfSG-Meldungen auf Tuberkulose-Erkrankungen zurückzuführen. Mit Einführung neuer Meldekategorien im Jahr
2013 kamen andere Infektionen mit mehr Todesfallmeldungen hinzu, darunter Clostridium difficile
und MRSA (Meldepflicht 2009 eingeführt). Aber
auch Todesfallmeldungen mit Bezug zu Influenza
und Legionellosen haben zugenommen.
Die amtliche Todesursachenstatistik des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg weist
erheblich mehr Todesfälle an infektiösen und parasitären Krankheiten (A00-B99) aus, als im infektionsepidemiologischen Meldewesen übermittelt
werden. Zum einen, weil hier auch Todefälle durch
Infektionskrankheiten, die nicht über das IfSG-Meldesystem erfasst werden, berücksichtigt sind und
zum anderen, weil Todesfälle durch meldpflichtige
Infektionserkrankungen nicht immer im engen zeitlichen Zusammenhang mit der Diagnosestellung
und einer IfSG-Meldung auftreten können. Die Information über solche Sterbefälle erreicht die Gesundheitsämter nach Abschluss ihrer Ermittlungen häufig nicht. Für Baden-Württemberg weist
die amtliche Todesursachenstatistik für das Jahr
2011 insgesamt 1 919 Sterbefälle durch infektiöse
und parasitäre Krankheiten aus (Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, 2012). Im Rahmen
der IfSG-Meldungen wurden davon 162 Todesfälle
erfasst. Dieser Unterschied erklärt sich durch die
unterschiedlichen Ziele beider Erfassungswege.
Der Schwerpunkt des infektionsepidemiologischen
Surveillance liegt bei einer schneller Handlungsfähigkeit durch Beobachtung von Neuerkrankungen
durch bestimmte Infektionen. Dagegen geht es bei
der Todesursachenstatistik um eine möglichst vollständige Erfassung aller Todesfälle und des gesamten Todesursachenspektrums.
CJK
74,3 %
Clostridium difficile
43,1 %
11,1 %
Legionellose
MRSA
9,0 %
Haemophilus influenzae
8,2 %
Meningokokken
8,0 %
Listeriose
5,6 %
4,0 %
HUS
Tuberkulose
1,9 %
Hepatitis B
1,7 %
0,9 %
Kryptosporidiose
EHEC/STEC
0,8 %
Shigellose
0,7 %
Influenza
0,6 %
Hepatitis C
0,4 %
FSME
0,4 %
Norovirus
0,1 %
Salmonellose
0,0 % (2 von 4110)
0,0 % (1 von 12820)
Campylobacter
0
10
20
30
40
50
60
70
80
Anteil der Todesfälle pro Meldekategorie in Prozent
Abb. 7: Anteile der Todesfälle pro Meldekategorie, Baden-Württemberg 2011-2012
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
17
Tabelle 6: Übermittelte Todesfälle an meldepflichtigen Infektionskrankheiten 2011-2012
Meldekategorie
Campylobacter
Anteil VerAnteil VerGesamtzahl
Gesamtzahl
Anzahl
storbener an den
Anzahl
storbener an den
in dieser Meldein dieser MeldeTodesfälle 2011
Übermittlungen Todesfälle 2012
Übermittlungen
kategorie 2011
kategorie 2012
2011
2012
0
6435
0,0
1
6385
0,0
CJK
14
22
63,6
12
13
92,3
Clostridium difficile
62
139
44,6
47
114
41,2
EHEC/STEC
2
295
0,7
1
102
1,0
FSME
1
201
0,5
0
72
0,0
Haemophilus influenzae
2
48
4,2
6
49
12,2
Hepatitis B
1
59
1,7
1
61
1,6
Hepatitis C
0
782
0,0
6
823
0,7
HUS
2
36
5,6
0
14
0,0
Influenza
21
3284
0,6
6
1612
0,4
Kryptosporidiose
0
52
0,0
1
64
1,6
10
106
9,4
13
101
12,9
Listeriose
4
44
9,1
2
63
3,2
Meningokokken
3
38
7,9
4
50
8,0
24
246
9,8
21
255
8,2
Norovirus
4
8948
0,0
7
8465
0,1
Salmonellose
1
2363
0,0
1
1747
0,1
Shigellose
0
84
0,0
1
56
1,8
Tuberkulose
11
517
2,1
8
485
1,6
162
23699
138
20531
Legionellose
MRSA
Gesamtzahl
(nur Meldekategorien
mit Todesfällen)
Betrachtet man die in der infektionsepidemiologischen Surveillance erfassten Todesfälle, so standen im Zeitraum 2011-2012 mit 109 Todesfällen
mehr als ein Drittel aller übermittelten Todesfälle
im Zusammenhang mit Meldungen zu Clostridium
difficile. Von allen gemeldeten Erkrankungsfällen
durch Clostridium difficile war fast jeder zweite mit
einer Todesmeldungen verbunden. Mit 45 Todesfällen durch MRSA-Infektionen gehörte fast jeder
sechste der übermittelten Todesfälle in diese Kategorie. Bei 8 bis 10 % aller gemeldeten MRSA-Fälle
kam auch eine Todesfallmeldung. Weitere 27 Todesfälle wurden 2011-2012 im Zusammenhang mit
Influenza bekannt, das waren weniger als 1 % aller
Influenzameldungen.Bei 26 übermittelten Todesfällen war die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK)
Todesursache. Bei dieser Meldekategorie sind die
meisten der gemeldeten Fälle auch Todesfälle.
An fünfter Stelle folgen 23 Todesfälle durch Legionellosen. Hier sind vor allem ältere oder abwehrgeschwächte Menschen oder Patienten mit chro-
18
nischen Erkrankungen sowie Raucher gefährdet.
Europaweit wird versucht, die Gefährdung durch
Legionellen zu reduzieren, indem mögliche oder
vermutete Infektionsquellen wie z. B. Hotels und
Schwimmbadanlagen über ein Europäisches Netzwerk (ELDSNet) erfasst und an die zuständigen Gesundheitsbehörden auch in anderen Ländern weitergeleitet werden. So können vor Ort Wasseruntersuchungen und gegebenenfalls eine Sanierung von
solchen Einrichtungen veranlasst werden.
Abbildung 8 zeigt die Todesfälle an infektiösen und
parasitären Krankheiten (A00-B99) 2011 aus der
Todesursachenstatistik des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg. Die Daten für 2012
waren im Zeitraum der Berichterstellung noch nicht
verfügbar. Abbildung 9 zeigt die im Rahmen der
IfSG-Meldepflicht übermittelten Todesfälle der Jahre
2011 und 2012. Beide Abbildungen weisen zwar andere Dimensionen, dennoch aber die gleiche altersspezifische Verteilung mit deutlich mit dem Alter ansteigenden gemeldeten Raten an Todesfällen auf.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
120
pro 100 000 Einwohner
männlich
weiblich
100
80
Todesfälle aus der
Todesursachenstatistik
2011-2012
60
40
20
0
0-4
5-9
10-14
15-19
20-24
25-29
30-39
40-49
50-59
60-69
70+
Altersgruppe
Abb. 8: Altersspezifische Mortalitätsraten durch infektiöse und parasitäre Krankheiten aus der
Todesursachenstatistik5, Baden-Württemberg 2011-2012
15
pro 100 000 Einwohner
männlich
weiblich
10
Todesfälle aus
den IfSG-Daten
5
0
0-4
5-9
10-14
15-19
20-24
25-29
30-39
40-49
50-59
60-69
70+
Altersgruppe
Abb. 9: Altersspezifische Raten von (nach dem IfSG) übermittleten Todesfällen durch meldepflichtige
Infektionskrankheiten, Baden-Württemberg 2011-2012
5
Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
19
3.
Epidemiologische Daten zu ausgewählten Infektionskrankheiten
3.1 Ausgewählte
Magen-Darm-Infektionen
Dieses Kapitel enthält zu jeder aufgeführten meldepflichtigen Krankheit eine kurz gefasste Beschreibung des Erregers und des hierdurch hervorgerufenen Krankheitsbildes sowie die entsprechenden infektionsepidemiologischen Daten. Die
Beschreibungen orientieren sich an den Steckbriefen des RKI. Das Infektionsgeschehen in BadenWürttemberg ist im Bericht wie folgt dargestellt:
-
Anzahl der Fälle pro 100 000 Einwohner
(Bevölkerung 2011) und Jahr in Zeitreihen.
-
Teilweise kurze Beschreibungen von Ausbrüchen.
-
Darstellung der übermittleten Erkrankungsfälle nach Alter und Geschlecht.
-
Übersicht des zeitlichen Verlaufs, d. h. ein
Vergleich der Fälle der Jahre 2011 und
2012 mit der Streubreite der übermittelten
Erkrankungen (zumeist) aus den Jahren
2001-2010.
-
Geografische Verteilung der Erkrankungsfälle bzw. der Infektionsorte bei einigen Erkrankungen.
-
Besondere Ausbrüche im Kapitel 5 „Ausgewählte Häufungen in Baden-Württemberg“.
2000
Magen-Darm-Infektionen betreffen in deutlich erhöhtem Maße Säuglinge und Kleinkinder. Aus
Einrichtungen wie Kinderkrippen und Kindergärten
werden häufig Krankheitsausbrüche gemeldet. Im
Erwachsenenalter spielen Meldungen zu MagenDarm-Infektionen eine geringere Rolle. Erst bei
Menschen ab 70 Jahren steigt die Inzidenz erneut
stark an. Flüssigkeits- und Elektrolytverluste führen zwangsläufig oft zu Krankenhausaufhalten.
Bei Säuglingen und Kindern bis vier Jahren stellen
Magen-Darm-Infektionen 93 % aller Meldungen
dieser Altersgruppen dar. Für den Großteil sind
Noroviren, Rotaviren, Campylobacter und Salmonellen verantwortlich. Auch Erkrankungen durch
enteropathogene E. coli einschließlich EHEC und
Yersinien sowie Parasiten wie Giardien und Kryptosporidien spielen ein wichtige Rolle.
Auffällig ist der hohe Anteil der Rotavirus-Erkrankungen bei Säuglingen und Kleinkindern bis zu
einem Jahr. Er macht 54 % der insgesamt 11 229
von 2011-2012 übermittelten Durchfallerkrankungen dieser Altersgruppe aus. Noroviren sind bei
den Patienten ab 70 Jahren für 71 % der übermittelten Magen-Darm-Infektionen verantwortlich.
Gerade ältere Menschen sind besonders von
Norovirus-Ausbrüchen in Krankenhäusern, Altenheimen und Altenpflegeheimen betroffen.
Erkrankungen / 100.000
Einwohner
andere (EHEC, Yersiniose, Giardiasis, Kryprosporidiose,
HUS, Shigellose, weitere bedrohliche Krankheit (gastro))
1800
Campylobacter
1600
E.-coli-Enteritis
1400
Salmonellose
1200
Norovirus
1000
Rotavirus
800
600
400
200
0
0
1
2
3
4
5-9
10-14
15-19
20-24
25-29
30-39
40-49
50-59
60-69
70+
Altersgruppen
Abb. 10: Übermittelte Magen-Darm-Infektionen pro 100 000 Einwohner und Jahr nach Altersgruppen,
Baden-Württemberg, gemittelt über 2011-2012
20
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
3.1.1 Campylobacter-Enteritis
Campylobacter-Bakterien sind neben den Salmonellen die häufigsten
Verursacher von bakteriellen Durchfallerkrankungen. Die wichtigsten
humanpathogenen Spezies sind Campylobacter jejuni, Campylobacter coli und Campylobacter lari.
Vorkommen:
Weltweit, vor allem in einem Sommergipfel während der warmen
Jahreszeit.
Reservoir:
Verschiedene warm- und wechselblütige Tiere: Geflügel, Rinder,
Schweine, Vögel.
Infektionsweg:
Verzehr von kontaminierten oder infizierten Nahrungsmitteln: Kontaminiertes Geflügelfleisch und -produkte stellen die Hauptinfektionsquelle dar. Campylobacter bewirken weder einen sichtbaren
Verderb der Lebensmittel, noch kann man sie am Geruch erkennen.
Im Zusammenhang mit verschiedenen Ausbruchssituationen wurde
Rohmilch als Infektionsquelle beschrieben. Trinkwasserassoziierte
Ausbrüche wurden in Skandinavien beschrieben. Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch (fäkal-oral) ist wegen der geringen
Infektionsdosis möglich, jedoch selten.
Die Erreger sind umweltlabil und können sich im Gegensatz zu Salmonellen und pathogenen E. coli außerhalb des Wirtsorganismus
nicht vermehren.
Inkubationszeit:
2-5 Tage, in Einzelfällen 1-10 Tage.
Dauer der
Ansteckungsfähigkeit:
Die Patienten sind infektiös, solange Erreger mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Die mittlere Ausscheidungsdauer beträgt 2-4 Wochen.
Klinische Symptomatik:
Das Spektrum der Erkrankungen durch diese Bakterien reicht von
der akuten Gastroenteritis und Colitis (mit breiigen bis wässrigen,
gelegentlich auch blutigen Stühlen, häufig begleitet von Fieber und
Müdigkeit, Krankheitsdauer 1-7 Tage) über die systemische Erkrankung mit Bakteriämie und Vaskulitiden (Entzündung der Blutgefäße)
bis hin zur immunpathologischen Erkrankung wie Guillain-Barré-Syndrom (Nervenerkrankung mit Lähmungserscheinungen) und reaktive
Arthritis.
Vorbeugung:
Gute Küchenhygiene, insbesondere bei der Zubereitung von Geflügelfleisch. Ein typischer Sommergipfel fällt mit der Grillsaison zusammen. Geflügelfleisch muss beim Grillen oder Braten stets durcherhitzt
werden.
ZEITREIHE
Erkrankungen durch Campylobacter-Infektionen
sind mit 72 754 übermittelten Erkrankungen in
den Jahren 2001-2012 die häufigste meldepflichtige Durchfallerkrankung in Baden-Württemberg.
Durch die neuen Übermittlungsmodalitäten und
den geänderten Falldefinitionen fallen die Noroviren weiter zurück. Die Inzidenz für 2012 betrug
59,2 Erkrankungen pro 100 000 Einwohner. 2011
lag sie bei 59,7 Erkrankungen pro 100 000 Ein-
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
wohner. Im deutschlandweiten Vergleich waren
die Inzidenzen für Baden-Württemberg jedes
Jahr niedriger als die bundesweiten Inzidenzen.
Bundesweit ist seit 2001 eine Zunahme zu verzeichnen. Wie Abbildung 11 zeigt, lag BadenWürttemberg meist im bundesweiten Trend.
21
90
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
80
70
60
50
40
30
20
10
0
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Meldejahr
Abb. 11: Übermittelte Campylobacter-Erkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr von 2001 bis 2012,
Baden-Württemberg (Säulen) und Deutschland (Linie)
ALTERS- UND GESCHLECHTSVERTEILUNG
120
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
männlich
weiblich
100
80
60
40
20
0
0
1
2
3
4
5-9
10-14 15-19 20-24 25-29 30-39 40-49 50-59 60-69
70+
Altersgruppe
Abb. 12: Übermittelte Campylobacter-Erkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr nach Alter und
Geschlecht, Baden-Württemberg, gemittelt über die Jahre 2011-2012
22
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
Campylobacter-Infektionen haben zwei Altersgipfel. Überdurchschnittlich häufig werden Erkrankungen bei Kindern unter vier Jahren gemeldet.
In dieser Altersgruppe lag die Inzidenz, gemittelt
über die Jahre 2011-2012, bei 67 Erkrankungen
pro 100 000. Auch Erkrankungen bei jungen Er-
wachsenen zwischen 20 und unter 30 Jahren
waren mit 92 Erkrankungen pro 100 000 relativ
häufig. Mit zunehmendem Alter sinkt die Inzidenz
der übermittelten Erkrankungen.
SAISONALER VERLAUF
Campylobacter-Erkrankungen haben ein Maximum in den Monaten Juli bis September. In Abbildung 13 sind die übermittelten CampylobacterErkrankungen pro Meldewoche dargestellt. Die
Erkrankungen des Jahres 2012 sind als Säulen
und die des Jahres 2011 als Linie dargestellt.
Dahinter liegt die Streubreite der Anzahl übermittelter Erkrankungen aus den Jahren 2001-2010
(graue Fläche).
übermittelte
Erkrankungen / Woche
300
250
200
150
100
50
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53
Meldewoche
Abb. 13: Übermittelte Campylobacter-Erkrankungen in Baden-Württemberg nach Meldewoche 2012 (Säulen),
2011 (Linie) und Streubreite der Übermittlungen in den Jahren 2001 bis 2010 (Fläche)
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
23
3.1.2 E. coli-Enteritis
Escherichia coli (E. coli) gehört zu den Bakterien der normalen Darmflora. Es gibt jedoch darmpathogene Arten. Ihre Anwesenheit ist in
der Regel mit akuten Erkrankungen verbunden. Man unterscheidet
zwischen:
Enteropathogene E. coli (EPEC)
Enterotoxische E. coli (ETEC)
Enteroinvasive E.coli (EIEC)
Enteroaggregative E.coli (EAEC)
Diffus adhärente E. coli (DAEC)
Enterohämorrhagische E. coli (EHEC) und Hämolytisch-urämisches
Syndrom (HUS) werden in separaten Meldekategorien aufgeführt.
Vorkommen:
Weltweit, je nach Erregertyp unterschiedliche Schwerpunkte. EPEC,
ETEC und EIEC vorwiegend in warmen oder subtropischen Ländern.
Reservoir:
Mensch, Nutztiere, Haustiere.
Infektionsweg:
Übertragung durch Lebensmittel oder Wasser nach fäkaler Kontamination oder fäkal-oraler Schmierinfektion.
EPEC, ETEC und EIEC sind vorwiegend reiseassoziiert.
Inkubationszeit:
Vermutlich für alle darmpathogenen Escherichia coli 10-72 Stunden.
Dauer der
Ansteckungsfähigkeit:
Solange Ausscheidung der Keime besteht, bei symptomloser Ausscheidung keine Daten bekannt.
Klinische Symptomatik:
EPEC: wässriger Durchfall, Dehydration, Fieber
ETEC: wässriger Durchfall, Erbrechen, Bauchkrämpfe,
selbstbegrenzend, Dauer i.d.R. < fünf Tage
EIEC: Bauchkrämpfe, wässriger Durchfall, Fieber
EAEC: wässrig-schleimiger Durchfall, oft anhaltend (>14 Tage)
DAEC: wässriger Durchfall
Vorbeugung:
Gute Küchen- und Händehygiene. Besonders bei Reisen in warme
Länder nur gekochte Speisen und Wasser nur aus verschlossenen
Flaschen. Meiden von Rohmilch.
ZEITREIHE
Im Jahr 2012 wurden 308 Darmerkrankungen
durch E. coli-Infektionen aus Baden-Württemberg übermittelt. Die Inzidenz betrug 2,9 Erkrankungen pro 100 000 Einwohner. Im Vorjahr 2011
wurden 394 Fälle übermittelt, die Inzidenz lag bei
3,7 Erkrankungen pro 100 000 Einwohner. Im
deutschlandweiten Vergleich war en die Inzidenzen für Baden-Württemberg immer weit niedriger
als die bundesdeutschen Inzidenzen.
24
Dies ist aber nicht unbedingt ein Hinweis auf eine
schwächere E. coli-Aktivität in Baden-Württemberg.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
11
10
9
8
7
6
5
4
3
2
1
0
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Meldejahr
Abb. 14: Übermittelte E. coli-Enteritiden pro 100 000 Einwohner und Jahr von 2001 bis 2012,
Baden-Württemberg (Säulen) und Deutschland (Linie)
ALTERS- UND GESCHLECHTSVERTEILUNG
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
140
männlich
weiblich
120
100
80
60
40
20
0
0
1
2
3
4
5-9
10-14 15-19 20-24 25-29 30-39 40-49 50-59 60-69
70+
Altersgruppe
Abb. 15: Übermittelte E. coli-Enteritiden pro 100 000 Einwohner und Jahr nach Alter und Geschlecht,
Baden-Württemberg, gemittelt über die Jahre 2011-2012
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
25
Überwiegend werden Erkrankungen bei Säuglingen und Kleinkindern unter drei Jahren gemeldet. In dieser Altersgruppe waren es, gemittelt
über die Jahre 2011-2012, 76 Erkrankungen pro
100.000. Bei den unter 2-Jährigen beobachtete
man sogar über 90 Erkrankungen pro 100 000. Es
sind deutlich höhere Melderaten im Kindesalter
zu sehen sowie eine Abnahme der Inzidenz mit
zunehmendem Alter. Auch in anderen Bundesländern fallen die Übermittlungen mit dem Alter
deutlich ab, evtl. werden Laboruntersuchungen in
diesen Altersgruppen erst gar nicht veranlasst.
SAISONALER VERLAUF
E. coli-Enteritiden treten das gesamte Jahr über
auf. In Abbildung 16 sind die übermittelten E.
coli-Erkrankungen pro Meldewoche abgebildet.
Die Erkrankungen des Jahres 2012 sind als Säulen und die des Jahres 2011 als Linie dargestellt.
Dahinter liegt die Streubreite der Anzahl übermittelter Erkrankungen aus den Jahren 2001-2010
(graue Fläche).
übermittelte
Erkrankungen / Woche
35
30
25
20
15
10
5
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53
Meldewoche
Abb. 16: Übermittelte E. coli-Enteritiden in Baden-Württemberg nach Meldewoche 2012 (Säulen),
2011 (Linie) und Streubreite der Übermittlungen in den Jahren 2001 bis 2010 (Fläche)
Deutlich zeichnen sich in Abbildung 16 die Feiertagsausfälle in den Jahren 2011/2012 ab. Die
Osterferien lagen 2011 in den Meldewochen 1617 und 2012 in den Meldewochen 14-15. Die
Pfingstferien lagen 2011 in den Meldewochen 2425 und 2012 in den Meldewochen 22-23. Auch
während der Sommerferien sind niedrigere Übermittlungszahlen zu sehen.
26
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
3.1.3 EHEC-Erkrankung
EHEC-Erkrankungen werden durch E.coli-Bakterien verursacht, welche die Eigenschaft zur Absonderung von Giftstoffen haben. Diese
Shigatoxine (synonym: Shiga-like-Toxine oder Verotoxine – Stx, SLT,
VT) können schwere blutige Durchfälle auslösen. Daher werden
diese Stämme bezeichnet als enterohämorrhagische E. coli (EHEC)
oder Shigatoxin- bzw. Verotoxin-bildende E. coli (STEC bzw. VTEC).
Aufgrund ihrer Antigenstruktur werden sie verschiedenen Serovaren
zugeordnet. Der in Deutschland häufigste Serovar ist E. coli O157.
EHEC O104:H4 ist für den EHEC/HUS-Ausbruch im Jahr 2011 im
Zusammenhang mit Sprossen verantwortlich.
Vorkommen:
Weltweit.
Reservoir:
Wiederkäuer, vor allem Rinder, Schafe und Ziegen werden als
Hauptreservoir für EHEC angesehen. Auch Wildwiederkäuer wie
Rehe und Hirsche gelten als Reservoir.
Infektionsweg:
Überwiegend Nahrungsmittel, aber auch Trink- und Oberflächenwasser sowie direkte Tier-Mensch-Kontakte oder Übertragung von
Mensch zu Mensch (fäkal-oral). Neben ihrer besonderen Virulenz
besitzen die EHEC eine relativ große Umweltstabilität und eine gute
Überlebensfähigkeit in saurem Milieu.
Inkubationszeit:
Die Inkubationszeit beträgt ca. 2-10 Tage, im Durchschnitt 3-4 Tage.
Dauer der
Ansteckungsfähigkeit:
In der Regel dauert die Keimausscheidung 5-10, seltener bis 20
Tage. Sie kann besonders bei Kindern über einen Monat betragen.
Klinische Symptomatik:
Viele Infektionen verlaufen klinisch unauffällig. Die Mehrzahl der
Fälle tritt als leichter Durchfall in Erscheinung. Begleitsymptome
sind Übelkeit, Erbrechen und zunehmende Bauchschmerzen, selten
Fieber. Bei 10-20 % der Erkrankten entwickelt sich als schwere Verlaufsform eine hämorrhagische Kolitis mit Leibschmerzen, blutigem
Stuhl und teilweise mit Fieber.
In einzelnen Fällen kann im weiteren Verlauf als Komplikation ein
hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) auftreten, siehe 3.1.4.
Vorbeugung:
Händehygiene. Nach Tierkontakt, wie z. B. in Streichelzoos und Bauernhöfen mit Publikumsverkehr, Hand-Mund-Kontakt vermeiden und
Hände waschen. Gute Küchenhygiene. Kein Rohmilchverzehr.
ZEITREIHE
NACHGEWIESENE ERREGER
Im Jahr 2012 wurden 102 EHEC-Erkrankungen aus Baden-Württemberg übermittelt. Die
Inzidenz betrug 0,95 Erkrankungen pro 100 000
Einwohner. Im Ausbruchsjahr 2011 wurden 295
Erkrankungen übermittelt, die Inzidenz lag bei
2,7 Erkrankungen pro 100 000 Einwohner. Im
deutschlandweiten Vergleich waren die Inzidenzen für Baden-Württemberg bis auf 2001 immer
niedriger als die bundesdeutschen Inzidenzen.
Die toxinbildenden Erreger werden aufgrund ihrer
Antigenstruktur verschiedenen Serovaren zugeordnet. Allerdings wird aufgrund der kostenintensiven Diagnostik nicht in jedem Fall ein EHECNachweis veranlasst. Zudem können nicht in jedem Labor alle Serovare differenziert werden.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
Der in Deutschland häufigste Serovar ist E. coli
O157:H7 (Robert Koch-Institut, 2001). In den
Jahren 2011-2012 wurden insgesamt 397 EHECErkrankungen aus Baden-Württemberg übermittelt. In 70 % der Fälle konnten keine Angaben zu
den O-Antigenen gemacht werden. O157 wurde
in 19 Fällen angegeben, 35 mal wurde O104 angegeben.
27
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
6
5
4
3
2
1
0
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Meldejahr
Abb. 17: Übermittelte EHEC-Erkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr von 2001 bis 2012,
Baden-Württemberg (Säulen) und Deutschland (Linie)
25
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
männlich
weiblich
20
15
10
5
0
0
1
2
3
4
5-9
10-14 15-19 20-24 25-29 30-39 40-49 50-59 60-69
70+
Altersgruppe
Abb. 18: Übermittelte EHEC-Erkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr nach Alter und Geschlecht,
Baden-Württemberg, gemittelt über die Jahre 2011-2012
28
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
ALTERS- UND
GESCHLECHTSVERTEILUNG
EHEC-Erkrankungen wurden am häufigsten bei
Säuglingen und Kleinkindern unter vier Jahren
gemeldet. Im Mittel der Jahre 2011-2012 wurden
bei den 0- bis 3-Jährigen 14 EHEC-Erkrankungen je 100 000 Säuglinge und Kleinkinder unter
drei Jahren gemeldet. Bereits im Vorschulalter
nimmt die Inzidenz deutlich ab.
SAISONALER VERLAUF
EHEC-Erkrankungen treten das gesamte Jahr
über auf. Vereinzelt werden asymptomatische Infektionen bekannt, die z. B. durch Routine-Screenings nach den Sommerferien in lebensmittelproduzierenden Unternehmen auffallen.
Besonders fällt das Ausbruchsjahr 2011 ins Auge
in welchem 295 Erkrankungen übermittelt wurden (siehe S. 30).
übermittelte
Erkrankungen / Woche
40
30
20
10
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53
Meldewoche
Abb. 19: Übermittelte EHEC-Erkrankungen in Baden-Württemberg nach Meldewoche 2012 (Säulen),
2011 (Linie) und Streubreite der Übermittlungen in den Jahren 2001 bis 2010 (Fläche)
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
29
3.1.4 Hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS), enteropathisch
Beim Hämolytysch-urämischen Syndrom (HUS) handelt es sich um
eine schwere Komplikation, die bei bakteriellen Darminfektionen mit
shigatoxinbildenden, auch verozytotoxinbildenden Escherichia coli
(STEC bzw. VTEC) auftritt. Das HUS kann tödlich verlaufen.
Auch andere Erreger wie Shigellen können dieses klinische Krankheitsbild verursachen.
Vorkommen:
Weltweit.
Reservoir:
Wiederkäuer, vor allem Rinder, Schafe und Ziegen werden als
Hauptreservoir angesehen. Auch Wildwiederkäuer wie Rehe und
Hirsche gelten als Reservoir.
Infektionsweg:
Überwiegend Nahrungsmittel, aber auch Trink- und Oberflächenwasser sowie direkte Tier-Mensch-Kontakte oder Übertragung von
Mensch zu Mensch (fäkal-oral). Neben ihrer besonderen Virulenz
besitzen die EHEC eine relativ große Umweltstabilität und eine gute
Überlebensfähigkeit in saurem Milieu.
Inkubationszeit:
EHEC-assoziierte HUS-Erkrankungen beginnen ungefähr 7 Tage
(5 bis 12 Tage) nach Beginn des Durchfalls.
Dauer der
Ansteckungsfähigkeit:
Eine Ansteckungsfähigkeit besteht, solange EHEC-Bakterien im
Stuhl nachgewiesen werden. In Einzelfällen ist mit einer Ausscheidungsdauer von über einem Monat zu rechnen.
Klinische Symptomatik:
HUS-Erkrankungen sind charakterisiert durch die Trias hämolytische
Anämie, Thrombozytopenie und Nierenversagen bis zur Anurie. Diese schwere Komplikation tritt in etwa 5–10 % der symptomatischen
EHEC-Infektionen auf und ist der häufigste Grund für akutes Nierenversagen im Kindesalter. Hierbei kommt es häufig zur kurzzeitigen
Dialysepflicht, seltener zum irreversiblen Nierenfunktionsverlust mit
chronischer Dialyse. In der Akutphase liegt die Letalität des HUS bei
ungefähr 2 %.
Vorbeugung:
Händehygiene. Nach Tierkontakt, wie z. B. in Streichelzoos und Bauernhöfen mit Publikumsverkehr, Hand-Mund-Kontakt vermeiden und
Hände waschen. Gute Küchenhygiene. Kein Rohmilchverzehr.
Bei EHEC-Infektionen kann es zur Ausprägung
eines Hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS)
kommen. 50 HUS-Erkrankungen wurden 20112012 aus Baden-Württemberg übermittelt. Bei
42 davon wurde EHEC als Erreger angegeben,
bei den übrigen war keine Erregerdiagnostik
möglich. Die HUS-Erkrankungen sind auch unter
3.5.13 „Seltene Krankheiten“ aufgeführt. Im Jahr
2012 wurden 14 HUS-Erkrankungen aus BadenWürttemberg übermittelt, die Inzidenz betrug
0,13 Erkrankungen pro 100 000 Einwohner. 2011
(Ausbruchsjahr) wurden 36 Erkrankungen übermittelt, die Inzidenz lag bei 0,34 Erkrankungen
pro 100 000 Einwohner.
30
EHEC/HUS-Ausbruch 2011
Von Mai bis Juli 2011 kam es deutschlandweit
zum größten EHEC/HUS-Ausbruch mit Erkrankungsfällen, verursacht durch enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) des Serotyps O104:
H4. Auch in Baden Württemberg gab es Erkrankungsfälle. Im Landesgesundheitsamt wurden
vom 02.05. - 29.07.2011 958 Proben auf EHEC
untersucht. Mit Hilfe der O104:H4-spezifischen
PCR konnten 103 Proben von 63 Patienten dem
Ausbruchsstamm zugeordnet werden. Mehr dazu
in Kapitel 5 „Ausgewählte Häufungen in BadenWürttemberg“.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
3.1.5 Giardiasis
Die Giardiasis ist eine Durchfallerkrankung, die durch den Dünndarmparasiten Giardia lamblia (Giardia oder Lamblia intestinalis)
verursacht wird. Asymptomatische Infektionen kommen vor. Es kann
jedoch zu schweren Durchfallerkrankungen kommen.
Vorkommen:
Weltweit.
Reservoir:
Mensch, Haus- und Wildtiere.
Infektionsweg:
Aufnahme der Dauerstadien (Zysten) mit kontaminiertem Trinkwasser oder Lebensmittel. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch
durch Schmierinfektion ist möglich. Eine Verschleppung über Fliegen
kann ebenfalls eine Rolle spielen, ebenso der Kontakt mit infizierten
Haustieren.
Inkubationszeit:
3-25, im Mittel 7-10 Tage.
Dauer der
Ansteckungsfähigkeit:
Infizierte sind ansteckend, solange Erreger mit dem Stuhl ausgeschieden werden - möglicherweise über Monate. Dauerausscheider
möglich.
Klinische Symptomatik:
Häufig bleibt der Befall ohne Symptome. Bei ausgeprägtem Befall
jedoch meist explosionsartig auftretende, gelbliche, schaumige, übelriechende Durchfälle, Bauchkrämpfe, Blähungen und Gewichtsverlust.
Nach 2-3 Wochen kommt es meist spontan zur Besserung. Vereinzelt chronische Verläufe mit Schädigung der Dünndarmschleimhaut
und daraus resultierender Unverträglichkeit von Laktose (Milchzukker). Die Infektion hinterlässt keine Immunität. Wiederholte Infektionen sind deshalb möglich.
Vorbeugung:
Händehygiene, sicheres Trinkwasser, Vermeiden von potenziell
kontaminierten Lebensmitteln wie kopfgedüngte Salate und ungewaschenes Obst.
ZEITREIHE
Giardien sind in Deutschland die häufigsten parasitären Enteritiserreger. Im Jahr 2012 wurden aus
Baden-Württemberg 550 Infektionen übermittelt.
Die jährliche Inzidenzrate lag 2012 bei 5,1 Erkrankungen pro 100 000 Einwohner. Im bundesweiten Vergleich war Baden-Württemberg 2012
gleichauf mit der bundesdeutschen Inzidenz.
Giardiasis-Häufung nach Indien-Reise
Bei zwei Rückkehrern von einer Studienreise
nach Indien wurden Giardien nachgewiesen.
Beide Teilnehmer erkrankten bereits in Indien
an Durchfall, Erbrechen und Kreislaufschwäche.
Nach Angaben der Erkrankten wurden von der
Reisegruppe mehrere Lebensmittel verzehrt,
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
über die eine mögliche Giardien-Infektion erfolgen konnte, wie z. B. mit Eiswürfeln gekühlte Getränke, Speiseeis und Salat. An der Studienreise
nahmen 60 Personen teil. Im weiteren Verlauf
wurden die weiteren Reiseteilnehmer vom Gesundheitsamt angeschrieben und gebeten mit
dem zuständigen Hausarzt Kontakt aufzunehmen
und Stuhlproben zur Diagnostik abzugeben. Auf
Hygienemaßnahmen wurde hingewiesen. Bei 19
von 60 Teilnehmern konnten Giardien diagnostiziert werden. Neben mehreren Landkreisen in
Baden-Württemberg waren zwei weitere Kreise
in anderen Bundesländern betroffen. Die zuständigen Gesundheitsämter wurden informiert.
Quelle: Wochenbericht zu aktuellen IfSG-Meldungen
Meldewoche 12/2011. C. Gräbe, E. Beck, Gesundheitsamt Calw.
31
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
8
6
4
2
0
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Meldejahr
Abb. 20: Übermittelte Giardiasis-Erkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr von 2001 bis 2012,
Baden-Württemberg (Säulen) und Deutschland (Linie)
ALTERS- UND GESCHLECHTSVERTEILUNG
16
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
männlich
weiblich
14
12
10
8
6
4
2
0
0
1
2
3
4
5-9
10-14 15-19 20-24 25-29 30-39 40-49 50-59 60-69
70+
Altersgruppe
Abb. 21: Übermittelte Giardiasis-Erkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr nach Alter und Geschlecht,
Baden-Württemberg, gemittelt über die Jahre 2011-2012
32
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
Zu Giardiasis werden vor allem Erkrankungen bei
Kindern zwischen einem und vier Jahren gemeldet. In dieser Altersgruppe waren es, gemittelt
über die Jahre 2011-2012, 5,3 Erkrankungen pro
100 000. Ein zweiter Gipfel ist in den Altersgruppen der 20- bis 29-Jährigen mit 10,5 Erkrankungen pro 100 000 zu verzeichnen. Männliche Personen erkrankten insgesamt etwas häufiger als
weibliche.
SAISONALER VERLAUF
Giardiasis-Erkrankungen treten das ganze Jahr
über auf (Abbildung 22). Allerdings sieht man
etwas erhöhte Fallzahlen im September. Hierfür
sind vor allem im Ausland erworbene Erkrankungen verantwortlich, die nach Rückkehr aus den
Sommerferien diagnostiziert werden.
übermittelte
Erkrankungen / Woche
35
30
25
20
15
10
5
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53
Meldewoche
Abb. 22: Übermittelte Giardiasis-Erkrankungen in Baden-Württemberg nach Meldewoche 2012 (Säulen),
2011 (Linie) und Streubreite der Übermittlungen in den Jahren 2001 bis 2010 (Fläche)
GIARDIEN-INFEKTIONSORTE
In den Jahren 2011 bis 2012 wurden insgesamt
1 143 Erkrankungsfälle an Giardiasis übermittelt. Davon wurden 48 % der Erkrankungen in
Deutschland erworben, 49 % im Ausland. Zu 3 %
konnten keine Angaben gemacht werden.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
Unter den im Ausland erworbenen Erkrankungen wurde Indien 197 mal und damit am häufigsten genannt (35 % aller im Ausland erworbenen
Giardiasis-Erkrankungen), gefolgt von Italien und
Thailand mit jeweils 21 Erkrankungen.
33
3.1.6 Kryptosporidiose
Die Kryptosporidiose ist eine Durchfallerkrankung, die durch den
Dünndarmparasiten Cryptosporidium parvum verursacht wird.
Vorkommen:
Weltweit. Prävalenz des Erregers in Stuhlproben in Europa bis zu
4,5 %, in Entwicklungsländern bis zu 20 %.
Reservoir:
Mensch, Rinder und andere Haus- und Nutztiere. Auch ein Autoinfektionszyklus ist bekannt. Möglicherweise können die Oozysten
auch durch Inhalation aufgenommen werden.
Infektionsweg:
Orale Aufnahme von infektiösen Oozysten. Verbreitung durch Trinkwasser oder durch direkten Kontakt von Mensch zu Mensch oder
Tier zu Mensch ist möglich (fäkal-oral).
Inkubationszeit:
Vermutlich 1-12, im Mittel 7 Tage.
Dauer der
Ansteckungsfähigkeit:
Infektiöse Dauerstadien (Oozysten) können bis Wochen nach Abklingen der Symptomatik mit dem Stuhl ausgeschieden werden. In
der Umwelt können sie bei feuchtem Milieu über Monate infektiös
bleiben.
Klinische Symptomatik:
Bei Immunkompetenten verläuft die Infektion meist mild oder
asymptomatisch. Typische Symptome sind wässrige Durchfälle,
Bauchkrämpfe, Übelkeit, starke Blähungen und Fieber. Bei Immunschwäche wie z. B. AIDS kann es zu einer massiven Invasion
des gesamten Verdauungstrakts und anderer Organsysteme kommen und einen tödlichen Verlauf zur Folge haben.
Vorbeugung:
Oozysten sind widerstandsfähig gegenüber Desinfektionsmitteln.
Händehygiene, sanitäre Hygiene, sicheres Trinkwasser. Wasser aus
Seen, Flüssen, Schwimmbecken nicht verschlucken.
ZEITREIHE
Kryptosporidien sind in Deutschland nach Giardien die zweithäufigsten parasitären Enteritiserreger. Im Jahr 2012 wurden 64 Infektionen
aus Baden-Württemberg übermittelt. Die Inzidenz betrug 0,6 übermittelte Erkrankungen pro
100 000 Einwohner. 2011 waren es 52 übermittlete Erkrankungen, die Inzidenz lag bei 0,5 Er-
34
krankungen pro 100 000 Einwohner. 2001 lag die
Inzidenz bei 3,68. Ursache war ein einzelner aber
großer Ausbruch mit 199 Erkrankten bei der Bundeswehr.
Die Inzidenzen für Baden-Württemberg lagen in
den letzten Jahren jeweils weit unterhalb der bundesweiten Inzidenzen.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
4
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
3
2
1
0
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Meldejahr
Abb. 23: Übermittelte Kryptosporidiosen pro 100 000 Einwohner und Jahr von 2001 bis 2012,
Baden-Württemberg (Säulen) und Deutschland (Linie)
ALTERS- UND GESCHLECHTSVERTEILUNG
9
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
weiblich
männlich
8
7
6
5
4
3
2
1
0
0
1
2
3
4
5-9
10-14 15-19 20-24 25-29 30-39 40-49 50-59 60-69
70+
Altersgruppe
Abb. 24: Übermittelte Kryptosporidiosen pro 100 000 Einwohner und Jahr nach Alter und Geschlecht,
Baden-Württemberg, gemittelt über die Jahre 2011-2012
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
35
Die Inzidenz der übermittelten Erkrankungen ist
bei Säuglingen und Kleinkindern am höchsten
und fällt dann mit zunehmendem Alter ab. Grund
hierfür ist die erhöhte diagnostische Abklärung
von Durchfallerkrankungen bei Kindern.
Kinder unter fünf Jahren waren gemittelt über
die Jahre 2011-2012 mit 3,6 Erkrankungen pro
100 000 betroffen. Hingegen waren unter den Erwachsenen über 25 Jahren nur 0,3 Erkrankte pro
100 000 zu verzeichnen.
SAISONALER VERLAUF
In Abbildung 25 sind die übermittelten Kryptosporidiosen des Jahres 2012 pro Meldewoche dargestellt. Die Erkrankungen des Jahres 2012 sind
als Säulen und die des Jahres 2011 als Linien
dargestellt. Dahinter liegt die Streubreite der Anzahl übermittelter Erkrankungen aus den Jahren
2002-2010 (graue Fläche). Das Jahr 2001 ist aus
der abgebildeten Streubreite herausgenommen,
da der große Ausbruch die Skalierung der Abbildung zu stark strecken würde.
übermittelte
Erkrankungen / Woche
18
16
14
12
10
8
6
4
2
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53
Meldewoche
Abb. 25: Übermittelte Kryptosporidiosen in Baden-Württemberg nach Meldewoche 2012 (Säulen),
2011 (Linie) und Streubreite der Übermittlungen in den Jahren 2002 bis 2010 (Fläche) ohne
Ausbruchsjahr 2001
Knapp ein Drittel der 2011-2012 aus BadenWürttemberg übermittelten Kryptosporidiosen
wurden laut den Angaben der Erkrankten im Ausland erworben. Italien wurde dabei von 8 Erkrankten als wahrscheinliches Infektionsland genannt,
36
gefolgt von Frankreich mit vier und der Türkei und
Indien mit jeweils drei Erkrankten. Zu 67 % der
Kryptosporidiosen wurde Deutschland als Infektionsland angegeben.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
3.1.7 Norovirus-Erkrankung
Noroviren gehören zur Familie der Caliciviridae. Es handelt sich um
unbehüllte Viruspartikel mit einzelsträngiger RNA. Noroviren sind die
häufigsten Erreger von nicht bakteriell bedingten Magen-Darm-Erkrankungen.
Vorkommen:
Weltweit. Norovirus-Infektionen können das ganze Jahr über auftreten, wobei ein Gipfel in den Wintermonaten zu beobachten ist.
Reservoir:
Der Mensch ist das einzige bekannte Reservoir des Erregers. Nachweise bei Tieren stehen in keinem erkennbaren Zusammenhang mit
Erkrankungen beim Menschen.
Infektionsweg:
Die Viren werden über den Stuhl des Menschen und über Erbrochenes ausgeschieden Die Übertragung erfolgt fäkal-oral von Mensch
zu Mensch, durch Lebensmittel und Trink- bzw. Oberflächenwasser.
Eine Übertragung über Tröpfchen (Aerosole) kommt vor allem nach
Erbrechen vor. Ebenso können kontaminierte Gegenstände wie z. B.
Handtücher oder Flächen eine Übertragung ermöglichen. Die Viren
sind hoch ansteckend, wenige Viren lösen bereits eine Infektion aus.
Inkubationszeit:
12-72 Stunden.
Dauer der
Ansteckungsfähigkeit:
Mindestens bis zu 48 Stunden nach Beendigung der klinischen Symptomatik. Ausscheidung des Virus teilweise noch Wochen nach der
akuten Erkrankung.
Klinische Symptomatik:
Neben Durchfällen ist mehrfaches, schwallartiges Erbrechen ein
Leitsymptom. Ausgeprägtes Krankheitsgefühl mit Bauch-, Kopf- und
Muskelschmerzen, Mattigkeit und Fieber. Die klinischen Symptome
dauern üblicherweise zwölf bis 72 Stunden. Die Krankheit kann auch
leichtere oder asymptomatische Verläufe aufweisen.
Vorbeugung:
Isolation der Erkrankten, Norovirus-wirksames Händedesinfektionsmittel.
ZEITREIHE
Aufgrund der verbesserten Diagnosemöglichkeit
für Noroviren ist die Meldekategorie Norovirus ein
typisches Beispiel für die sogenannte „Scheinzunahme“ der Inzidenz in den letzten Jahren. Allerdings gab es auch eine „echte“ Zunahme durch
die Genogruppe II-Viren. Die neuerliche Abnahme stellt keine Abnahme der Krankheitslast dar,
sondern ist auf Änderungen der Meldemodalitäten zurückzuführen, wonach seit 01.09.2009 klinisch-epidemiologische Fälle ohne Labornachweis nicht mehr übermittelt werden.
Die Referenzdefinition für Noroviren wurde in
den Falldefinitionen Ausgabe 2007 dahingehend
geändert, dass nur klinisch-labordiagnostisch bestätigten sowie klinisch-epidemiologisch bestätig-
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
ten Erkrankungen einbezogen werden. Die neue
Referenzdefinition wurde in SurvNet und SurvStat
für alle Erkrankungen der vergangenen Jahre angewendet, damit die Vergleichbarkeit der Daten
über die Zeit möglich ist. Seit 2011 erfüllen nur
noch die labordiagnostisch bestätigten Norovirus-Erkrankungen die Referenzdefinition. Im LGA
liegen deshalb keine Meldedaten zu klinisch-epidemiologisch bestätigten Erkrankungen ohne Labornachweis vor. Dies führt zu einer deutlichen
Unterschätzung der Fallzahlen.
Noroviren sind mit 8 433 Erkrankungsfällen die
am häufigsten übermittelten Erreger im Jahr
2012. Die Inzidenzrate für Baden-Württemberg
lag 2012 bei 78,5 und damit weit unter der bundesdeutschen Inzidenz von 138,5 Erkrankungen
pro 100 000 Einwohner.
37
Norovirus-Gruppenerkrankung
nach Besuch eines Ausflugslokals
Anfang Juli 2011 erhielten das Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen und das Gesundheitsamt Konstanz Mitteilung über zwei Gruppenerkrankungen an infektiöser Gastroenteritis nach
Besuch eines Lokals. Die Mitteilungen erfolgten
unabhängig voneinander durch die jeweiligen
Reiseveranstalter.
Bereits am Tag der Meldung wurde das Lokal
durch die zuständige Lebensmittelbehörde überprüft. Da es keine Rückstellproben der verzehrten Speisen gab, wurden keine Lebensmittelproben untersucht. Stuhlproben von Erkrankten und
vom gesamten Personal des Lokals wurden im
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg untersucht. Dabei wurden bei den Erkrankten der
Reisegruppen und bei einer Service-Mitarbeiterin Noroviren nachgewiesen. Die Mitarbeiterin
gab an, keine gastrointestinale Beschwerden
gehabt zu haben. Die Norovirus-Isolate aus den
180
Stuhlproben von Erkrankten und der Bedienung
des Restaurants wurden mittels Gensequenzierung auf klonale Identität untersucht. Die Isolate
stimmten überein.
Kommentar: Der Ausbruch an infektiöser Gastroenteritis durch Noroviren betraf zwei Reisegruppen, die innerhalb von 18 Stunden das Restaurant unabhängig voneinander besuchten. Dies
allein ist bereits als Hinweis auf das Restaurant
als Infektionsort zu werten. Die Übereinstimmung
des Noroviren-Klons aus Stuhlproben beider Reisegruppen als auch aus der Stuhlprobe der Servicekraft, die beide Reisegruppen bediente, weist
auf das Restaurant als Infektionsort. Da bei der
Servicekraft nach eigenen Angaben keine Erkrankung auftrat, lässt sich nicht sicher sagen, ob
sie als Überträgerin in Frage kommt oder ob sie
sich zum selben Zeitpunkt selbst infiziert hatte.
Quelle: Wochenbericht zu aktuellen IfSG-Meldungen
Meldewoche 30/2011. H. Winterer, Gesundheitsamt
Konstanz.
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
160
140
120
100
80
60
40
20
0
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Meldejahr
Abb. 26: Übermittelte Norovirus-Erkrankungen pro 100.000 Einwohner und Jahr von 2001 bis 2012,
Baden-Württemberg (Säulen) und Deutschland (Linie)
ALTERS- UND GESCHLECHTSVERTEILUNG
Norovirus-Infektionen haben zwei Altersgipfel.
Überdurchschnittlich häufig werden Erkrankungen bei Kindern unter drei Jahren gemeldet. In
dieser Altersgruppe waren es, gemittelt über die
Jahre 2011-2012, mehr als 400 Erkrankungen
38
pro 100 000. Die höchste Inzidenz der gemeldeten und übermittelten Erkrankungen ist bei den
Einjährigen mit 570 pro 100 000 zu sehen. Den
zweiten Gipfel bilden die Erkrankungen bei den
über 70-Jährigen mit über 200 Erkrankungen pro
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
100 000. Bei den über 70-Jährigen sind Frauen
mit einer Inzidenz von 214 stärker betroffen als
Männer mit 186. Dies ist vor allem auf Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen sowie in Kran-
600
kenhäusern zurückzuführen. Es ergibt sich eine
U-Form der altersbezogenen Raten, d. h. höhere
Inzidenzen im Kindesalter und in höheren Altersgruppen.
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
männlich
weiblich
500
400
300
200
100
0
0
1
2
3
4
5-9
10-14 15-19 20-24 25-29 30-39 40-49 50-59 60-69
70+
Altersgruppe
Abb. 27: Übermittelte Norovirus-Erkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr nach Alter und Geschlecht,
Baden-Württemberg, gemittelt über die Jahre 2011-2012
600
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
1 Jahr
500
400
unter 1 Jahr
300
2 Jahre
200
70+ Jahre
3 Jahre
4 Jahre
100
60-69 Jahre
restliche
Altersgruppen
0
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Meldejahr
Abb. 28: Norovirus-Erkrankte pro 100 000 Einwohner und Jahr nach Alter und Meldejahr,
Baden-Württemberg 2001-2012
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
39
Über zwölf Jahre betrachtet sind vor allem bei
Säuglingen und Kleinkindern sowie bei den über
70-Jährigen sprunghafte Anstiege zu beobachten. In den Jahren 2006-2008 ist sogar ein Peak
zu beobachten. In den anderen Altersgruppen
steigen die Inzidenzen nicht so stark an. Möglicherweise werden Laboruntersuchungen in diesen Altersgruppen seltener veranlasst.
SAISONALER VERLAUF
Norovirus-Erkrankungen zeigen im Gegensatz
zu Salmonellosen oder Campylobacter-Erkrankungen typischerweise einen „Wintergipfel“ vom
Spätherbst bis in das Frühjahr hinein. In Abbildung 29 sind die übermittelten Norovirus-Erkrankungen pro Meldewoche abgebildet. Die Erkrankungen des Jahres 2012 sind als Säulen und die
des Jahres 2011 als Linie dargestellt. Dahinter
liegt die Streubreite der Anzahl übermittelter Erkrankungen aus den Jahren 2001-2010 (graue
Fläche).
Die 8 433 Norovirus-Erkrankungen im Jahr 2012
und 848 übermittelten Gruppenerkrankungen
betrafen besonders häufig medizinische und
Gemeinschaftseinrichtungen. Dabei traten auch
größere Ausbrüche mit über 50 Erkrankten auf.
Besonders bei Noroviren können sich Ausbrüche
sowohl auf unterschiedliche Einrichtungen bzw.
Haushalte als auch über mehrere Wochen und
mehrere Landkreise erstrecken.
übermittelte
Erkrankungen / Woche
1000
900
800
700
600
500
400
300
200
100
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53
Meldewoche
Abb. 29: Übermittelte Norovirus-Erkrankungen in Baden-Württemberg nach Meldewoche 2012 (Säulen),
2011 (Linie) und Streubreite der Übermittlungen in den Jahren 2001 bis 2010 (Fläche)
40
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
3.1.8 Rotavirus-Erkrankung
Rotaviren aus der Familie der Reoviridae sind unbehüllte Viren mit
doppelsträngiger RNA und Radspeichenstruktur (rota, das Rad). Man
unterscheidet 7 Serogruppen A-G, wobei der Gruppe A die größte
epidemiologische Bedeutung zukommt.
Rotaviren verursachen Durchfallerkrankungen, die vor allem Säuglinge und Kleinkinder betreffen.
Vorkommen:
Rotaviren lösen schwere Durchfallerkrankungen vor allem bei Kindern aus. In den Entwicklungsländern tragen sie maßgeblich zur
Mortalität bei Säuglingen und Kleinkindern bei.
Reservoir:
Hauptreservoir für Rotaviren ist der Mensch. Rotaviren wurden auch
bei Haus- und Nutztieren gefunden; Die Bedeutung für Erkrankungen
von Menschen ist nicht abschließend geklärt.
Infektionsweg:
Überwiegend fäkal-oral über Schmierinfektionen. Übertragungen
durch kontaminiertes Wasser und Lebensmittel sind beschrieben.
Die Viren können in der akuten Phase der Erkrankung auch in Sekreten des Nasen-Rachen-Raumes ausgeschieden werden. Infizierte
Personen ohne Symptome spielen als Überträger des Virus eine
wichtige Rolle. Das Virus ist umweltstabil und sehr leicht übertragbar.
Inkubationszeit:
Ein bis drei Tage.
Dauer der
Ansteckungsfähigkeit:
Virusausscheidung meist bis zu acht Tage, maximal bis zu 30 Tage.
Klinische Symptomatik:
Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen und Fieber sind typische
Symptome. Die Erkrankung kann bei Säuglingen und Kleinkindern
schwer verlaufen. Symptome bestehen meist 2-6 Tage. Bei Jugendlichen und Erwachsenen verläuft die Erkrankung häufig milder.
Vorbeugung:
Tragen von Schutzhandschuhen beim Umgang mit Fäkalien und
Erbrochenem, Hände- und Flächendesinfektion mit viruswirksamen
Mitteln. Im Krankenhaus Isolation von Patienten. Impfung von Säuglingen ab der 6. Lebenswoche.
ZEITREIHE
Rotavirus-Infektionen sind in den Jahren 20012012 mit 48 447 Übermittlungen die vierthäufigste
Meldekategorie in Baden-Württemberg. Im Jahr
2012 lag sie mit 3 713 Erkrankungen auf Platz
drei. Nur Erkrankungen durch Noroviren (8 433
übermittelte Erkrankungen) und Campylobacter
(6 379 übermittelte Erkrankungen) wurden häufiger gemeldet.
schen Inzidenzen, folgten aber dem selben Trend.
Ebenso wie in Deutschland war auch in BadenWürttemberg ein deutlicher Anstieg der Inzidenzen in den Jahren 2006 bis 2008 zu verzeichnen
mit einem deutlichen Peak im Jahr 2008. Die RVImpfung ist seit 2006 verfügbar. Seit 2008 sinken
die Infektionszahlen der < 2-Jährigen.
Die Inzidenz für 2012 betrug 34,4 Erkrankungen
pro 100 000 Einwohner. Im Jahr 2011 lag sie mit
38,8 höher. Die Inzidenzen für Baden-Württemberg lagen jeweils unterhalb der bundesdeut-
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
41
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
100
90
80
70
60
50
40
30
20
10
0
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Meldejahr
Abb. 30: Übermittelte Rotavirus-Erkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr von 2001 bis 2012,
Baden-Württemberg (Säulen) und Deutschland (Linie)
ALTERS- UND GESCHLECHTSVERTEILUNG
1200
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
männlich
weiblich
1000
800
600
400
200
0
0
1
2
3
4
5-9
10-14 15-19 20-24 25-29 30-39 40-49 50-59 60-69
70+
Altersgruppe
Abb. 31: Übermittelte Rotavirus-Erkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr nach Alter und Geschlecht,
Baden-Württemberg, gemittelt über die Jahre 2011-2012
42
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
Überwiegend werden Erkrankungen bei Säuglingen und Kleinkindern unter drei Jahren gemeldet.
Die Altersgruppe unter drei Jahren war mit 800
Erkrankungen pro 100 000, gemittelt über die
Jahre 2011-2012, am stärksten betroffen. Mit zunehmendem Alter sinkt die Inzidenz. Nur bei den
über 70-Jährigen kommt es nochmals zu einem
geringfügigen Anstieg auf 16,3 Erkrankungen pro
100 000 Einwohner über 70 Jahre.
SAISONALER VERLAUF
In den Jahren 2001-2012 war die Erkrankungshäufigkeit stets im Winter und Frühling am größten, also von Januar bis Ende Mai, mit einem Maximum im Monat März. In Abbildung 32 sind die
übermittelten Rotavirus-Erkrankungen pro Meldewoche abgebildet. Die Erkrankungen des Jahres
2012 sind als Säulen und die des Jahres 2011
als Linie dargestellt. Dahinter liegt die Streubreite
der Anzahl übermittelter Erkrankungen aus den
Jahren 2001-2010 (graue Fläche).
übermittelte
Erkrankungen / Woche
350
300
250
200
150
100
50
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53
Meldewoche
Abb. 32: Übermittelte Rotavirus-Erkrankungen in Baden-Württemberg nach Meldewoche 2012 (Säulen),
2011 (Linie) und Streubreite der Übermittlungen in den Jahren 2001 bis 2010 (Fläche)
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
43
3.1.9 Salmonellose
Die Salmonellose ist eine bakterielle Durchfallerkrankung, die durch
Bakterien der Gattung Salmonella verursacht wird. Salmonellen gehören zur Familie der Enterobacteriaceen. In Deutschland kommt
die Art S. enterica mit verschiedenen Subspezies und sehr vielen
verschiedene Serotypen vor, wie z. B. S. Enteritidis und S. Typhimurium. S. Typhi und S. Paratyphi fallen unter die Meldekategorie Typhus bzw. Paratyphus.
Vorkommen:
Weltweit. In Europa treten die Erkrankungen vermehrt mit einem
Gipfel im Spätsommer auf.
Reservoir:
Die Salmonellose ist eine Zoonose. Das Reservoir bilden verschiedene Tiere, insbesondere landwirtschaftliche Nutztiere wie Rinder,
Schweine und Geflügel.
Infektionsweg:
Überwiegend lebensmittelbedingt durch Verzehr von kontaminierten
Speisen, z. B. rohe oder unzureichend gekochte Eier, eihaltige Speisen, Geflügel- und Fleischprodukte. Fäkal-orale Übertragung von
Mensch zu Mensch ist möglich, aber im Wesentlichen auf Immunsupprimierte und Neugeborene beschränkt. Übertragung durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren, auch durch Reptilien möglich (s.
S.142: Salmonellosefälle 2012 bei Kleinkindern mit Reptilienhaltung
im Haushalt).
Inkubationszeit:
6-72 Stunden, meist zwischen zwölf und 36 Stunden.
Dauer der
Ansteckungsfähigkeit:
Die Erreger können Tage bis Wochen nach Beendigung der Symptomatik ausgeschieden werden.
Klinische Symptomatik:
Plötzlich einsetzender Durchfall, Kopf- und Bauchschmerzen, Unwohlsein, manchmal Erbrechen, häufig leichtes Fieber. Die Symptome dauern mehrere Tage an. Die Sterblichkeit ist niedrig (<0,1 %).
Milde Krankheitsverläufe sind häufig. Bei Durchdringen der Darmwand und Übertritt ins Blut kann es zu Komplikationen wie mannigfaltige Entzündungen, Abszesse, Hirnhautentzündung (Meningitis) und
Blutvergiftung (Sepsis) kommen.
Vorbeugung:
Produktion von salmonellenfreien Lebensmitteln durch hygienische Bedingungen z. B. durch Einhaltung bestimmter Temperaturbereiche bei
Herstellung, Lagerung und Transport sowie durch strenge Händehygiene. Salmonellenfreie Nutztiere durch Impfung und Hygienemaßnahmen.
ZEITREIHE
Salmonella-Enteritidis-Häufung bei Schülern
Die Salmonellose ist in den Jahren 2001-2012
die zweithäufigste meldepflichtige Infektionskrankheit. Allerdings ist die Anzahl der übermittelten Salmonellosen seit 2001 rückläufig. Seit dem
Jahr 2008 liegen die Salmonellosen nur noch auf
Rang vier der Meldestatistik, nach Norovirus-,
Campylobacter- und Rotavirus-Erkrankungen.
Die Inzidenz für 2012 lag bei 16,2 Erkrankungen
pro 100 000 Einwohner. Die Inzidenz für BadenWürttemberg lag jeweils unterhalb der bundesdeutschen Inzidenz, 2012 betrug diese 25,5 Erkrankungen pro 100 000 Einwohner. Beide zeigen sinkende Tendenz.
Im Juli 2011 informierte ein Schulleiter das zuständige Gesundheitsamt über Durchfallerkrankungen bei 15 Schülern. Montags hatte eine Lehrerin im Rahmen ihres Unterrichtes mit Klasse A,
und dienstags mit Klasse B Mousse au Chocolat
aus mitgebrachten Zutaten (Schokolade, Zucker,
Butter und je 16 Eier) in zwei Klassenzimmern
hergestellt. Die Mousse wurde bis Mittwoch in einer Frischhaltedose im Kühlschrank der Schule
gelagert. Beide Klassen haben die Mousse ein
bzw. zwei Tage nach Herstellung in zwei verschiedenen Unterrichtsstunden vollständig verzehrt. Die ersten Schüler erkrankten in der darauffolgenden Nacht. Von Klasse A erkrankten
12 von 24, von Klasse B vier von 27 Schülern.
44
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
Sie litten unter Durchfall, teilweise mit Fieber. Ein
Schüler musste stationär behandelt werden.
Wegen der kurzen Inkubationszeit wurde zunächst der Verdacht auf Staphylococcus aureus
(Schmierinfektion durch Wunden) geäußert. In
zwei Stuhlproben der Erkrankten konnte jedoch
Salmonella Enteritidis nachgewiesen. Die rohen
Eier werden als wahrscheinliche Quelle angesehen. Ein Beweis kann aufgrund des fehlenden
Nachweises in der Mousse au Chocolat nicht
geliefert werden. Es wurde keine Rückstellprobe
genommen. Eine Arbeitsflächen-Kontamination
erscheint eher unwahrscheinlich.
100
Mit der Schule und der Lehrerin wurde ausführlich über Hygiene und den Umgang mit Lebensmitteln in der Schule gesprochen. Einige Eltern
wurden telefonisch beraten. Die Schule wurde
auf die neue Broschüre des LGA: „Vermeidung
von Lebensmittelinfektionen für Ehrenamtliche
bei Vereinsfesten, Freizeiten und ähnlichen Veranstaltungen“ hingewiesen:
http://www.gesundheitsamt-bw.de/SiteCollectionDocuments/40_Service_Publikationen/Vermeidung_von_
Lebensmittelinfektionen_0713.pdf
Quelle: Wochenbericht zu aktuellen IfSG-Meldungen
Meldewoche 29/2011. O. Bock-Hensley, Gesundheitsamt Rhein-Neckar-Kreis, Heidelberg.
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
90
80
70
60
50
40
30
20
10
0
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Meldejahr
Abb. 33: Übermittelte Salmonellosen pro 100 000 Einwohner und Jahr von 2001 bis 2012,
Baden-Württemberg (Säulen) und Deutschland (Linie)
In den Jahren 2001-2012 wurden insgesamt
63 369
Salmonellosen
übermittelt.
Bei
45 235 (71 %), wurde das Serovar S. Enteritidis angegeben. Bei 8 325 und damit bei
13 % wurde S. Typhimurium nachgewiesen. Alle
anderen Serovare spielen mit jeweils 1 % oder
weniger eine untergeordnete Rolle.
Hier spielt der Erfolg des EU-weiten Salmonellose-Bekämpfungsprogramms, das die Europäischen Kommission 2008 startete, eine wichtige
Rolle. Damit werden repräsentative Daten über
das Auftreten von Zoonoseerregern in Futtermitteln, lebenden Tieren und Lebensmitteln gewonnen, ausgewertet und veröffentlicht und somit
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
Kenntnisse über die Bedeutung verschiedener Lebensmittel als mögliche Infektionsquellen für den
Menschen gewonnen. Im Zoonosen-Monitoring
2011 wurden Salmonella spp. bei Mastschweinen (9,4 % positive Kotproben) und Masthähnchen (4,8 % positive Blinddarmproben) häufig
nachgewiesen. Untersuchungen am Schlachthof
ergaben, dass der Schlachtprozess insbesondere bei Masthähnchen die Kontamination der
Schlachtkörper zu begünstigen scheint. Dementsprechend waren die Schlachtkörper (17,8 % positive Halshautproben) und frisches Hähnchenfleisch
(6,2 % positive Proben) häufig mit Salmonellen belastet. Schlachtkörper von Mastschweinen (4,0 %
positive Proben), frisches Schweinefleisch (0,4 %
45
positive Proben) und Schweinehackfleisch (1,3 %
positive Proben) waren seltener mit Salmonellen
kontaminiert. Dennoch stellen Schweine bzw.
Schweinefleisch nach Konsumeiern eine wichtige Infektionsquelle für den Menschen mit Salmonellen dar. Masthähnchen bzw. Hähnchenfleisch
scheinen nach Schätzung der EFSA im Vergleich
hierzu eine geringere Bedeutung als Quelle für Salmonellen-Infektionen beim Menschen zu besitzen.
Die Ergebnisse der Resistenzuntersuchungen
im Zoonosen-Monitoring zeigen eine hohe Heterogenität der Resistenzsituation bei den Salmonellen unterschiedlicher Herkünfte. Im Gegensatz zur Entwicklung im Jahr 2010 wurde beim
Resistenzmonitoring 2011 in den meisten Bereichen keine starke Veränderung der Resistenzlage festgestellt. Die überwiegende Mehrzahl der
Salmonella-Isolate aus Mastschweinebeständen
(88,1 % resistente Isolate) war resistent gegen
mehr als eine der untersuchten Substanzklassen.
Die Isolate von Schlachtkörpern und aus Schweinefleisch wiesen dagegen etwas geringere Resistenzraten auf. Im Vergleich hierzu, war die
überwiegende Anzahl der Salmonella-Isolate aus
Wildschweinfleisch (69 %) sensibel gegenüber
den getesteten antimikrobiellen Substanzen. Die
geringe Resistenzrate von Salmonellen aus Wildschweinfleisch ist vermutlich auf die geringere
Exposition von Wildschweinen gegenüber antimikrobiellen Substanzen zurückzuführen. Die am
Schlachthof aus dem Blinddarm von Masthähnchen gewonnenen Salmonella-Isolate waren zu
30 % resistent. Isolate aus Hähnchenfleisch im
Einzelhandel (58,3 % resistente Isolate) waren
wie bereits in den letzten Jahren deutlich häufiger
resistent. (Bundesamt für Verbraucherschutz und
Lebensmittelsicherheit, 2013)6
ALTERS- UND GESCHLECHTSVERTEILUNG
Unter den Meldungen zu Salmonellen-Infektionen überwiegen Erkrankungen bei Kleinkindern
bis einschließlich vier Jahren. Diese Altersgruppe
war, gemittelt über die Jahre 2011-2012, mit 75
100
Erkrankungen pro 100 000 am stärksten betroffen. Mit zunehmendem Alter fällt die Inzidenz ab.
Bei bei den Altersgruppen über 50 Jahren ist eine
geringe Zunahme zu verzeichnen.
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
männlich
weiblich
90
80
70
60
50
40
30
20
10
0
0
1
2
3
4
5-9
10-14 15-19 20-24 25-29 30-39 40-49 50-59 60-69
70+
Altersgruppe
Abb. 34: Übermittelte Salmonellosen pro 100 000 Einwohner und Jahr nach Alter und Geschlecht,
Baden-Württemberg, gemittelt über die Jahre 2011-2012
6
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (2013). Berichte zur Lebensmittelsicherheit 2011. Zoonosen-Monitoring.
46
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
SAISONALER VERLAUF
Wie bei Campylobacter-Erkrankungen zeigt sich
auch bei Salmonellosen ein Sommergipfel, d. h.
die meisten Erkrankungen fallen in die warmen
Jahreszeiten. In Abbildung 35 sind die übermittelten Salmonellosen pro Meldewoche abgebildet.
Die Erkrankungen des Jahres 2012 sind als Säu-
len und die des Jahres 2011 als Linie dargestellt.
Dahinter liegt die Streubreite der Anzahl übermittelter Erkrankungen aus den Jahren 2001-2010
(graue Fläche).
übermittelte
Erkrankungen / Woche
450
400
350
300
250
200
150
100
50
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53
Meldewoche
Abb. 35: Übermittelte Salmonellosen in Baden-Württemberg nach Meldewoche 2012 (Säulen),
2011 (Linie) und Streubreite der Übermittlungen in den Jahren 2001 bis 2010 (Fläche)
Zu fast allen Salmonellose-Erkrankungen aus
den Jahren 2011 bis 2012 wurden genauere Angaben zum Infektionsland übermittelt (Mehrfachnennungen sind möglich). Darunter wurde 3 459
mal (84 %) Deutschland als Infektionsland angegeben. Nennungen zu anderen als den in Tabelle
7 aufgeführten Ländern enthielten jeweils weniger als 1 % der Fälle.
Tabelle 7: Angaben zum Infektionsland bei den übermittelten Salmonellose-Erkrankungen,
Baden-Württemberg 2011-2012
Infektionsland
Anzahl
Prozent
3459
83,9
Türkei
101
2,4
Ägypten
69
1,7
Thailand
44
1,1
Spanien
44
1,1
Deutschland
andere Länder
Gesamtzahl der Angaben
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
jeweils weniger als 1 % der Fälle
4123
47
3.1.10 Shigellose (bakterielle Ruhr)
Die Shigellose ist eine bakterielle Durchfallerkrankung, die durch
Bakterien der Gattung Shigella verursacht wird. Die wichtigsten humanpathogenen Arten sind S. sonnei sowie S. dysenteriae, S. flexneri, S. boydii (verschiedene Serotypen).
Vorkommen:
Weltweit. Besonders in den warmen Monaten. Es sind überwiegend
Kleinkinder betroffen. S. boydii, S. dysenteriae und S. flexneri sind
am häufigsten in Entwicklungsländern, S. sonnei in Industrieländern.
Reservoir:
Einzig relevantes Reservoir ist der Mensch.
Infektionsweg:
Übertragung durch Lebensmittel oder Wasser nach fäkaler Kontamination und durch direkten Kontakt von Mensch zu Mensch durch fäkal-orale Schmierinfektion. Auch Fliegen können die Infektion durch
Kontamination der Lebensmittel übertragen. Für eine Infektion ist nur
eine sehr geringe Erregeranzahl notwendig.
Inkubationszeit:
ca. 12-96 Stunden.
Dauer der
Ansteckungsfähigkeit:
Nach Abklingen der Symptome ist der Erreger üblicherweise nach
längstens vier Wochen nicht mehr nachweisbar.
Klinische Symptomatik:
Wässrige Durchfälle, Magen-Darm-Krämpfe, Fieber. Durchfälle können aufgrund des Eindringens des Erregers in das Darmgewebe blutig, schleimig und eitrig sein (Dysenteriae). Die Schwere der Erkrankung variiert auch nach Erreger (S. dysenteriae > flexneri > sonnei).
S. dysenteriae produziert das Shigatoxin, das für die Epithelschäden
im Darm verantwortlich ist. Eine seltene Komplikation ist das Auftreten eines hämolytisch-urämischen-Syndroms (HUS).
Vorbeugung:
Gründliches Händewaschen, sauberes Trinkwasser, im Zweifelsfall
Abkochen des Trinkwassers bei Auslandsaufenthalt in Ländern mit
niedrigem Hygienestandard, Lebensmittelhygiene.
ZEITREIHE
NACHGEWIESENE ERREGER
In den Jahren 2011-2012 wurden insgesamt
140 Shigellose-Erkrankungen übermittelt, davon
56 im Jahr 2012. Die höchste Inzidenz wurde
im Jahr 2001 mit 2,5 Erkrankungen pro 100 000
Einwohner verzeichnet. Seitdem ist ein sinkender
Trend zu beobachten. Bei insgesamt rückläufiger Tendenz lag die Erkrankungshäufigkeit unter den Einwohnern Baden-Württembergs in den
Jahren 2001-2009 meist geringfügig über den
Vergleichszahlen für Deutschland und seit 2010
darunter. Im Jahr 2012 lag die Inzidenz bei 0,5
Erkrankungen pro 100 000 Einwohnern und damit unter der bundesdeutschen Inzidenz von 0,7
Erkrankungen pro 100 000 Einwohnern.
Die Serogruppe Shigella sonnei wurde bei 98 der
2011 bis 2012 Betroffenen als Erreger angegeben, S. flexneri bei 26, S. boydii bei 9 und S. dysenteriae bei 5. Bei zwei Betroffenen wurde der
Erreger nicht subtypisiert.
48
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
2,5
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
2
1,5
1
0,5
0
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Meldejahr
Abb. 36: Übermittelte Shigellose-Erkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr von 2001 bis 2012,
Baden-Württemberg (Säulen) und Deutschland (Linie)
ALTERS- UND GESCHLECHTSVERTEILUNG
2,0
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
männlich
weiblich
1,5
1,0
0,5
0,0
0
1
2
3
4
5-9
10-14 15-19 20-24 25-29 30-39 40-49 50-59 60-69
70+
Altersgruppe
Abb. 37: Übermittelte Shigellose-Erkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr nach Alter und Geschlecht,
Baden-Württemberg, gemittelt über die Jahre 2011-2012
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
49
Bei Shigellosen zeigen die Erkrankungen zwei
Altersgipfel. Überdurchschnittlich häufig gemeldet werden Erkrankungen bei Kindern unter fünf
Jahren. In dieser Altersgruppe wurden 2011-2012
sechs Erkrankungsfälle übermittelt. Den zweiten
Gipfel bilden die Erwachsenen zwischen 20 und
39 Jahren mit 61 übermittelten Erkrankungen in
den Jahren 2011-2012.
SAISONALER VERLAUF
Ein Gipfel der 2001-2012 übermittelten Shigellosen zeichnet sich im Herbst von September bis
Oktober ab. 2011-2012 fielen die meisten Erkran-
kungen in die Monate Januar und September. In
Abbildung 38 sind die übermittelten Shigellosen
pro Meldewoche abgebildet. Die Erkrankungen
des Jahres 2012 sind als Säulen und die des Jahres 2011 als Linie dargestellt. Dahinter liegt die
Streubreite der Anzahl übermittelter Erkrankungen aus den Jahren 2001-2010 (graue Fläche).
In Kalenderwoche 35 und 36 sind erhöhte Fallzahlen zu sehen, was an einer familiären Gruppenerkrankung mit zwölf Erkrankten im Jahr 2006
lag. Vermutlich war die Infektionsquelle ein in der
Türkei selbst hergestellter Schafmilchkäse, der
mit nach Deutschland gebracht wurde.
übermittelte
Erkrankungen / Woche
20
18
16
14
12
10
8
6
4
2
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53
Meldewoche
Abb. 38: Übermittelte Shigellosen in Baden-Württemberg nach Meldewoche 2012 (Säulen),
2011 (Linie) und Streubreite der Übermittlungen in den Jahren 2001 bis 2010 (Fläche)
REISEASSOZIIERTE INFEKTIONEN
Bei der Shigellose handelt es sich bei der Mehrzahl der Fälle um reiseassoziierte Erkrankungen.
108 mal lag der wahrscheinliche Infektionsort im
Ausland, 32 mal in Deutschland. Damit wurden
77 % der Erkrankungen im Ausland erworben.
Darunter wurde 38 mal als Infektionsland Indien
und 20 mal Ägypten angegeben.
Bei der reisefreudigen Gruppe der jungen Erwachsenen handelt es sich in den meisten Fällen
(87 %) um reiseassoziierte Infektionen. Indien
wurde dabei am häufigsten (21 mal) als wahrscheinliches Infektionsland gennant, gefolgt von
Ägyten (11 mal).
Bei den Kleinkindern wurde viermal Deutschland
als Infektionsland angegeben, jeweils einmal
Haiti und Bangladesch.
50
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
3.1.11 Yersiniose
Die Yersiniose ist eine bakterielle Durchfallerkrankung. Sie wird
durch Bakterien der Gattung Yersinia verursacht. Die wichtigsten
humanpathogenen Arten sind Y. enterocolitica und Y. pseudotuberculosis.
Vorkommen:
Weltweit, hauptsächlich in Nordeuropa und Japan.
Reservoir:
Verschiedene Säugetiere z. B. Wildtiere, besonders Nager, Hausund Nutztiere, Vögel.
Infektionsweg:
Am häufigsten Aufnahme des Erregers über kontaminierte tierische
Lebensmittel oder Trinkwasser. Die Hauptinfektionsquelle des Menschen für Y. enterocolitica stellen Schweinefleisch und Produkte
hieraus dar. V. a. der Rachen der Tiere kann stark mit Yersinien
besiedelt sein. Im Rahmen der Schlachtvorgänge kann es zur Kontamination von Fleisch kommen. Direkte Übertragung von Tier zu
Mensch oder von Mensch zu Mensch ist selten.
Inkubationszeit:
Ca. 2-7, maximal zehn Tage.
Dauer der
Ansteckungsfähigkeit:
Üblicherweise nicht länger als 2-3 Wochen nach Beginn der Symptomatik.
Klinische Symptomatik:
Wässriger Durchfall, insbesondere bei Kleinkindern. Krampfartige
Bauchschmerzen, gelegentlich Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit und
Erbrechen.
Gelegentlich kann es zu einer Schwellung der Lymphknoten im
Bauchraum kommen, deren klinisches Bild einer Blinddarmentzündung ähnelt, was zur unnötigen Blinddarmentfernung führen kann.
Bei 2-3 % der Betroffenen kann als Folge der Infektion eine reaktive
Gelenkentzündung entstehen. Selten kommt es zu septischen Verläufen.
Vorbeugung:
Schlacht-, Fleisch- und Lebensmittelhygiene.
Yersinia enterocolitica nach Spanienreise
35 Schüler eines Gymnasiums in Baden-Württemberg waren im Juli 2011 mit einem Bus auf Klassenfahrt in Spanien. Sie wohnten in einem Hotel
an der Costa Brava. Ein Schüler erkrankte mit
Bauchkrämpfen und Fieber. Weitere neun Schüler erkrankten am Folgetag mit derselben Symptomatik; ein Arztbesuch fand nicht statt. Nach
der Rückkehr wurde in einer Stuhlprobe Yersinia
enterocolitica O:3 nachgewiesen. Die Ermittlungen ergaben, dass alle Erkrankten die Mahlzeiten
gemeinsam im Hotel eingenommen hatten. Im
Rahmen der Halbpension wurden dabei reichlich
Schweinefleischzubereitungen verzehrt. Es lag
nahe, dass die Infektionsquelle im Bereich des
Hotels zu suchen ist, da sonst keine gemeinsame Verzehrsanamnese vorliegt. Die spanischen
Behörden wurden informiert.
ZEITREIHE
2011-2012 wurden in Baden-Württemberg insgesamt 317 Yersiniosen gezählt, davon 180 im
Jahr 2011 und 137 im Jahr 2012. Die Inzidenzen
lagen bei 1,7 Erkrankungen pro 100 000 Einwohner im Jahr 2011 und bei 1,3 im Jahr 2012.
Im deutschlandweiten Vergleich sieht man über
den gesamten Zeitraum, dass die Inzidenzen für
Baden-Württemberg deutlich unterhalb der bundesdeutschen Inzidenzen lagen. 2012 lag die
bundesweite Inzidenz mit 3,3 Erkrankungen pro
100 000 über 2 1/2 mal höher als die Inzidenz für
Baden-Württemberg.
Quelle: Wochenbericht zu aktuellen IfSG-Meldungen
Meldewoche 30/2011. Gfrörer S., Gesundheitsamt
Heilbronn.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
51
10
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
9
8
7
6
5
4
3
2
1
0
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Meldejahr
Abb. 39: Übermittelte Yersiniose-Erkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr von 2001 bis 2012,
Baden-Württemberg (Säulen) und Deutschland (Linie)
ALTERS- UND GESCHLECHTSVERTEILUNG
16
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
männlich
weiblich
14
12
10
8
6
4
2
0
0
1
2
3
4
5-9
10-14 15-19 20-24 25-29 30-39 40-49 50-59 60-69
70+
Altersgruppe
Abb. 40: Übermittelte Yersiniose-Erkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr nach Alter und Geschlecht,
Baden-Württemberg, gemittelt über die Jahre 2011-2012
52
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
Unter den Yersiniosen wurden vor allem Erkrankungen bei 1- und 2-jährigen Kindern gemeldet.
In dieser Altersgruppe waren es, gemittelt über
die Jahre 2011-2012, 7,7 Erkrankungen pro
100 000. Die Inzidenz ist im Kindesalter am höchsten und nimmt mit dem Alter ab.
SAISONALER VERLAUF
Ein klarer saisonaler Verlauf ist bei den übermittelten Yersiniose-Erkrankungen nicht zu erkennen.
Auch bundesweit ist laut RKI keine ausgeprägte
Saisonalität erkennbar. In Abbildung 41 sind die
übermittelten Yersiniose-Erkrankungen pro Meldewoche abgebildet. Die Erkrankungen des Jahres 2012 sind als Säulen und die des Jahres 2011
als Linie dargestellt. Dahinter liegt die Streubreite
der Anzahl übermittelter Erkrankungen aus den
Jahren 2001-2010 (graue Fläche).
übermittelte
Erkrankungen / Woche
20
18
16
14
12
10
8
6
4
2
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53
Meldewoche
Abb. 41: Übermittelte Yersiniose-Erkrankungen in Baden-Württemberg nach Meldewoche 2012 (Säulen),
2011 (Linie) und Streubreite der Übermittlungen in den Jahren 2001 bis 2010 (Fläche)
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
53
3.2 Virale Hepatitiden
Gemäß § 6 Abs. 1 IfSG ist der feststellende Arzt
verpflichtet, sowohl den Verdacht als auch Erkrankung und Tod an akuter Virushepatitis an
das zuständige Gesundheitsamt zu melden. Leiter von Untersuchungsstellen (Laboratorien) sind
verpflichtet (§ 7), den direkten oder indirekten Virusnachweis zu melden, soweit dieser auf eine
akute Infektion hinweist.
Bei der Hepatitis A ist der Anteil der im Ausland
erworbenen Infektionen höher als bei anderen
Infektionskrankheiten. Erkrankungsgipfel sind
regelmäßig nach den Weihnachts-, Oster- und
Sommerferien zu sehen, was an den Rückkehrern aus den warmen, mit höherem Expositionsrisiko verbundenen Urlaubsländern liegt. Bei der
Hepatitis A wurden als Infektionsländer häufig die
Türkei, Pakistan, Peru und Ägypten genannt.
Deshalb besteht für die Meldepflicht eine besondere Regelung. Der Nachweis von Hepatitis C ist
immer dann meldepflichtig, wenn nicht bekannt
ist, dass es sich um eine chronische Infektion
handelt. (Robert Koch-Institut, 2011)7
Es ist zu beachten, dass im Blut der Neugeborenen bis zum Alter von 18 Monaten die mütterlichen Antikörper nachgewiesen werden können.
Bei Kindern unter 18 Monaten muss bei Hepatitis
C zusätzlich die PCR-Bestätigung erfolgen.
Hepatitis E galt lange nur als reiseassoziierte
Krankheit, in den letzten Jahren werden jedoch
vermehrt einheimische Infektionen beobachtet.
Unter den virusbedingten Leberentzündungen
kommt der Hepatitis C eine Sonderstellung zu.
Wenn positive Seromaker für Hepatitis C nachgewiesen werden, kann hieraus nicht geschlossen
werden, wie lange die Infektion bereits besteht.
Somit kann nicht zwischen akuter und chronischer Infektion unterschieden werden.
7
Robert Koch-Institut (2011). Epidemiologisches Bulletin vom 25. Juli 2011/ Nr. 29. Virushepatitis B, C und D im Jahr 2010.
54
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
3.2.1 Hepatitis A
Das Hepatitis-A-Virus (HAV) ist ein unbehülltes RNA-Virus, das zur
Familie der Picornaviren gehört.
Vorkommen:
Weltweit.
Reservoir:
Mensch.
Infektionsweg:
Fäkal-oral, durch Kontakt- oder Schmierinfektion, kontaminierte Lebensmittel, Gebrauchsgegenstände oder kontaminiertes Wasser.
Inkubationszeit:
Ca. 15-50 Tage.
Dauer der
Ansteckungsfähigkeit:
1-2 Wochen vor und eine Woche nach Auftreten von Gelbsucht und
Anstieg der Leberenzyme. Säuglinge können das Virus mehrere Wochen im Stuhl ausscheiden.
Klinische Symptomatik:
Sehr häufig subklinisch oder asymptomatisch. Bei Erkrankung allgemeines Krankheitsgefühl mit Übelkeit, Erbrechen, Oberbauchschmerzen, Fieber und Erhöhung der Serumtransaminasen. Bei einem Teil
der Erkrankten kann sich eine Gelbsucht (Ikterus) mit Gelbfärbung
der Haut und Bindehaut entwickeln, die einige Tage bis mehrere Wochen andauern kann. Bei bis zu 10 % der Erkrankten kann der Verlauf der Krankheit über mehrere Monate andauern. Selten fulminante
Verläufe bei älteren Erwachsenen.
Vorbeugung:
Aktive und eventuell passive Impfung nach Impfempfehlung der
STIKO (Ständige Impfkommission).
Gründliches Waschen und Desinfizieren der Hände nach Kontakt mit
infizierten Personen, Abwischen von kontaminierten Oberflächen mit
geeigneten Desinfektionsmitteln. Ausreichendes Erhitzen von Lebensmitteln. Im Urlaub in Südeuropa, Asien, Tropen gilt: cook it, boil
it, peel it or leave it (“kochen, schälen oder nicht essen”).
Eine familiäre Hepatitis-A-Häufung
Im Dezember 2011 erkrankten zwei Erwachsene
einer Familie an Hepatitis A (HAV) mit Ikterus. Die
mögliche Infektionsquelle konnte nicht ermittelt
werden. Für alle fünf weiteren Familienmitglieder
wurde eine Impfempfehlung ausgesprochen. Vier
Personen ließen sich im Rahmen einer Riegelungsimpfung aktiv immunisieren. Drei Wochen
später erkrankte das ungeimpfte erwachsene
Familienmitglied an Hepatitis A. Eine stationäre
Behandlung war aufgrund des schweren Verlaufs
der Erkrankung erforderlich. Zehn Tage später erkrankte ein geimpftes Schulkind der Familie. Die
Diagnose erfolgte durch den Virusnachweis im
Stuhl, da eine IgM-Antikörper-Bestimmung nach
Impfung nicht als diagnostischer Marker für eine
akute Hepatitis A herangezogen werden kann.
Bei einem weiteren geimpften Familienmitglied,
einem Kindergartenkind, konnte mittels PCR Hepatitis-A-RNA im Stuhl nachgewiesen werden,
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
eine Symptomatik lag nicht vor. Beide Kinder wurden aus den Gemeinschafteinrichtungen ausgeschlossen. Sowohl Schule als auch Kindergarten
wurden über das Auftreten der Hepatitis-A-Infektionen informiert und die Eltern über notwendige
Hygienemaßnahmen und Impfempfehlung aufgeklärt. Folgeerkrankungen in den Gemeinschaftseinrichtungen traten nicht auf.
Das erkrankte Schulkind konnte drei Wochen
nach Erkrankungsbeginn wieder die Schule besuchen. Das Kindergartenkind durfte erst nach
negativem Stuhlbefund wieder in den Kindergarten.
Quelle: Wochenbericht zu aktuellen IfSG-Meldungen
Meldewoche 12/2012. Corea A., Gesundheitsamt Esslingen.
55
ZEITREIHE
In den Jahren 2011-2012 wurden 160 HepatitisA-Fälle aus Baden-Württemberg übermittelt. Zuvor waren die Zahlen im Trend rückläufig. Im Jahr
2010 wurde mit 63 Fällen die niedrigste Anzahl
seit Einführung des Infektionsschutzgesetzes
2001 übermittelt. Die Inzidenz für 2012 betrug
0,8 Erkrankungen pro 100 000 Einwohner, 2011
lag sie bei 0,7. Im deutschlandweiten Vergleich
3,5
für 2012 war die Inzidenz für Baden-Württemberg
unterhalb der bundesdeutschen Inzidenz von 1,0
Erkrankungen pro 100 000 Einwohner. Die Daten
für 2001 sind nicht vergleichbar, da in diesem ersten Jahr nach Einführung des IfSG viele Laborbefunde übermittelt wurden, die nicht der später
geltenden Falldefinition entsprachen.
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
3
2,5
2
1,5
1
0,5
0
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Meldejahr
Abb. 42: Übermittelte Hepatitis-A-Erkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr von 2001 bis 2012,
Baden-Württemberg (Säulen) und Deutschland (Linie)
Der Anteil der im Ausland erworbenen Infektionen ist hoch. 46 % der 2011-2012 übermittelten
Hepatitis-A-Infektionen wurden im Ausland erworben. Als wahrscheinliches Infektionsland wur-
de 20 mal wurde die Türkei, sieben mal Pakistan,
fünf mal Peru und vier mal Ägypten angegeben.
ALTERS- UND GESCHLECHTSVERTEILUNG
Überdurchschnittlich häufig werden Erkrankungen bei Kindern unter 15 Jahren gemeldet. In
dieser Altersgruppe waren es, gemittelt über die
Jahre 2001-2012, 1,5 Erkrankungen pro 100 000.
Allerdings sind die altersspezifischen Inzidenzen
bei den unter 15-Jährigen in den letzten Jahren
stark rückläufig. Im Jahr 2001 lag sie noch bei 10
Erkrankungen pro 100 000. Es sind höhere Mel-
56
deraten im Kindesalter zu sehen sowie eine Abnahme der Inzidenzen mit dem Alter bis 59 Jahren. Ab 60 Jahren ist wieder ein leichter Anstieg
zu sehen. Geschlechtsspezifische Unterschiede
sind nicht erkennbar.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
Erkankungen /
100 000 Einwohner
3,5
weiblich
männlich
3
2,5
2
1,5
1
0,5
0
0
1
2
3
4
5-9
10-14 15-19 20-24 25-29 30-39 40-49 50-59 60-69
70+
Altersgruppe
Abb. 43: Übermittelte Hepatitis-A-Erkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr nach Alter und Geschlecht,
Baden-Württemberg, gemittelt über die Jahre 2011-2012
Die Altersschichtung der Hepatitis-A-Infektionen
nach den vier häufigsten Infektionsländern zeigt
einen deutlichen Peak bei Kindern im Alter von 59 Jahren für Deutschland, Türkei und Pakistan.
einem Kombinationsimpfstoff durchgeführt wird.
Entsprechend wird die Impfung gegen Hepatitis
A und B mit einem Kombinationsimpfstoff als öffentlich empfohlen gewertet.
Zur Impfung gegen Hepatitis A besteht in BadenWürttemberg eine Besonderheit. Die von der STIKO empfohlene Impfung gegen Hepatitis B gilt
auch dann als öffentlich empfohlen, wenn sie mit
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
57
30
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
25
Deutschland
Türkei
20
Pakistan
Ägypten
15
10
5
0
0
1
2
3
4
5-9
10-14
15-19
20-24
25-29
30-39
40-49
50-59
60-69
70+
Altersgruppe
Abb. 44: Kumulierte Hepatitis-A-Erkrankte pro 100 000 Einwohner und Jahr nach Alter und häufigsten
Infektionsländern, Baden-Württemberg 2001-2012
übermittelte
Erkrankungen / Woche
12
10
8
6
4
2
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53
Meldewoche
Abb. 45: Übermittelte Hepatitis-A-Erkrankungen in Baden-Württemberg nach Meldewoche 2012 (Säulen),
2011 (Linie) und Streubreite der Übermittlungen in den Jahren 2002 bis 2010 (Fläche)
58
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
SAISONALER VERLAUF
Die Saisonalität der Hepatitis A ist deutlich an den
Übermittlungszahlen abzulesen. Es waren drei
Gipfel jeweils nach den Weihnachts-, Oster- und
Sommerferien auszumachen, was an den Rückkehrern aus den warmen, mit höherer Exposition
verbundenen Urlaubsländern lag. In Abbildung
45 sind die übermittelten Hepatitis-A-Fälle pro
Meldewoche abgebildet. Die Erkrankungen des
Jahres 2012 sind als Säulen und die des Jahres 2011 als Linie dargestellt. Dahinter liegt die
Streubreite der Anzahl übermittelter Erkrankungen aus den Jahren 2002-2010 (graue Fläche).
Da die Daten für 2001 nicht vergleichbar sind, ist
das Jahr 2001 aus den Abbildungen 45 und 46
herausgenommen.
Nach den Sommerferien traten über fünf Fälle pro
Meldewoche auf. Zu anderen Zeiten waren es
nur ein bis zwei Erkrankungen pro Woche. Auch
in den ersten Wochen des Jahres wurden höhere
Meldezahlen mit rund zwei bis drei Erkrankungen
pro Woche erzeichnet. Hier kann auch von einem
Urlaubsrückkehrer-Gipfel ausgegangen werden.
übermittelte
Erkrankungen / Woche
6
5
4
3
2
1
0
1
3
5
7
9
11
13
15
17
19
21
23
25
27
29
31
33
35
37
39
41
43
45
47
49
51
53
Meldewoche
Abb. 46: Hepatitis A - Anzahl der durchschnittlich in einer Meldewoche übermittelten Erkrankungen,
Baden-Württemberg, Jahresmittel für 2002-2012
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
59
3.2.2 Hepatitis B
Das Hepatitis-B-Virus (HBV) ist ein behülltes DNA-Virus der Familie
Hepadnaviren mit acht Genotypen.
Vorkommen:
Weltweit. Am häufigsten in West- und Zentralafrika, in Südostasien
und in Westpazifik-Staaten, hier bis zu 25 % chronisch HBc-Infizierte.
Reservoir:
Chronisch infizierte Personen.
Infektionsweg:
Blut- und Sexualkontakte, intravenöser Drogenkonsum (unsterile
Nadeln), vertikale Übertragung von Säuglingen unter der Geburt bei
HBs-positiver Mutter. Nosokomiale Übertragungsfälle und berufsbedingte Infektionen bei Angestellten im Gesundheitswesen. Ein Infektionsrisiko besteht auch bei hygienisch unsachgemäß durchgeführten
Zahnbehandlungen, Tätowierungen, Piercings oder Ohrlochstechen.
Im Blut ist die Konzentration an Hepatitis-B-Viren sehr hoch. Eine
Übertragung kann bereits durch kleinste Mengen Blut über eine Verletzung der Haut oder der Schleimhäute erfolgen. Auch in anderen
Körperflüssigkeiten ist das Virus enthalten, allerdings in wesentlich
geringeren Konzentrationen.
Inkubationszeit:
Ca. 45-180 Tage.
Dauer der
Ansteckungsfähigkeit:
Ansteckungsfähigkeit besteht unabhängig von den Symptomen, solange Merkmale der Virusvermehrung nachweisbar sind. Chronisch
infizierte Personen können das Virus, unterschiedlich ausgeprägt,
über Jahre hinweg ausscheiden.
Klinische Symptomatik:
In der Frühphase verläuft die Infektion meist unspezifisch mit Appetitlosigkeit, Übelkeit, Fieber und Gelenkschmerzen. Darauf folgt bei
ca. 1/3 der Infizierten eine Leberentzündung mit Gelbsucht. Bei 1/3
verläuft die Erkrankung ohne Gelbsucht und bei 1/3 verläuft sie symptomlos. Weniger als 1 % entwickeln einen schweren Verlauf mit Leberversagen. Bei ca. 5-10 % der Infizierten bildet sich ein chronischer
Verlauf aus, häufig ohne vorherige Symptome. Als Komplikation ist
als Spätfolge die Entwicklung von Leberzirrhose oder Leberkrebs bei
chronischer Infektion möglich.
Vorbeugung:
Impfung. Seit 1995 Regelimpfung bei Säuglingen, Kindern und Jugendlichen. Gebrauch von Kondomen bei häufig wechselnden
sexuellen Kontakten. Vermeidung des gemeinsamen Gebrauchs von
Spritzen bei Drogenkonsumenten.
ZEITREIHE
In den Jahren 2011-2012 wurden 120 Hepatitis-B-Fälle aus Baden-Württemberg übermittelt.
Im Jahr 2011 waren es 59 Fälle, dies war die
niedrigste Anzahl seit Einführung des Infektionsschutzgesetzes 2001. Seit 2001 wird ein Rückgang der übermittelten Hepatitis-B-Erkrankungen
beobachtet. Dieser lässt sich vor allem auf eine
Verbesserung der Datenqualität - insbesondere
auf den Ausschluss chronischer Infektionen - zurückführen. Im Jahr 2001 wurden 419 Fälle über-
60
mittelt, diese Zahl ist allerdings nicht vergleichbar, da in diesem ersten Jahr nach Einführung
des IfSG viele Laborbefunde übermittelt wurden,
die nicht der Falldefinition entsprachen. Die Inzidenzen für die Jahre 2011 und 2012 betrugen
jeweils 0,6 Erkrankungen pro 100 000 Einwohner.
Der deutschlandweite Vergleich zeigt, dass die
Inzidenzen für Baden-Württemberg seit 2003 unterhalb der bundesdeutschen Inzidenzen lagen.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
4
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
3,5
3
2,5
2
1,5
1
0,5
0
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Meldejahr
Abb. 47: Übermittelte Hepatitis-B-Erkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr von 2001 bis 2012,
Baden-Württemberg (Säulen) und Deutschland (Linie)
ALTERS- UND
GESCHLECHTSVERTEILUNG
Die Meldedaten der vor 2011 erkrankten Kinder
enthalten oftmals einen unklarer Impfstatus.
Die altersspezifische Inzidenz lag im Mittel der
Jahre 2011-2012 bei den 20- bis 39-Jährigen mit
1 Erkrankung pro 100 000 am höchsten. Die meisten Erkrankten waren den mittleren Altersgruppen zuzuordnen. 3/4 der Erkrankten waren Männer. Im Jahr 2011 wurde der Fall einer HBV-Infektion bei einem Säugling übermittelt. Hierbei konnte
die Mutter als Virusträgerin ermittelt werden.
SAISONALER VERLAUF
Seit den 80er-Jahren steht ein wirksamer und gut
verträglicher Impfstoff zum Schutz vor Hepatitis B
zur Verfügung. Bei knapp 70 % der 120 übermittelten akuten Hepatitis-B-Infektionen lagen Angaben zum Impfstatus vor. Von diesen Erkrankten
mit Angaben zum Impfstatus waren 87 % ungeimpft. Bei den elf geimpften Erkrankten lagen bei
sechs keine Angaben zur Art der Immunisierung
vor. Von den fünf geimpften Erkrankten mit Angaben zur Art der Immunisierung konnten bei
zwei keine Angaben zur Anzahl der Impfungen
gemacht werden. Eine Person war einmal, eine
weitere Person war dreimal geimpt. Bei dem erkrankten sieben Monate alten Säugling wurden
sechs Impfungen angeben.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
Bei den übermittelten Hepatitis-B-Fällen lässt sich
keine Saisonalität ablesen. In Abbildung 49 sind
die übermittelten Hepatitis-B-Fälle pro Meldewoche abgebildet. Die Erkrankungen des Jahres
2012 sind als Säulen, und die des Jahres 2011
als Linie dargestellt. Dahinter liegt die Streubreite
der Anzahl übermittelter Erkrankungen aus den
Jahren 2002-2010 (graue Fläche). Das Jahr 2001
ist nicht vergleichbar, da in diesem ersten Jahr
nach Einführung des IfSG viele Laborbefunde
übermittelt wurden, die nicht der Falldefinition
entsprachen.
61
2
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
männlich
weiblich
1,5
1
0,5
0
0
1
2
3
4
5-9
10-14 15-19 20-24 25-29 30-39 40-49 50-59 60-69
70+
Altersgruppe
Abb. 48: Übermittelte Hepatitis-B-Erkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr nach Alter und Geschlecht,
Baden-Württemberg, gemittelt über die Jahre 2011-2012
übermittelte
Erkrankungen / Woche
14
12
10
8
6
4
2
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53
Meldewoche
Abb. 49: Übermittelte Hepatitis-B-Erkrankungen in Baden-Württemberg nach Meldewoche 2012 (Säulen),
2011 (Linie) und Streubreite der Übermittlungen in den Jahren 2002 bis 2010 (Fläche)
62
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
3.2.3 Hepatitis C
Das Hepatitis-C-Virus (HCV) ist ein behülltes RNA-Virus der Familie
Togaviren.
Vorkommen:
Weltweit.
Reservoir:
Chronisch infizierte Personen, in Deutschland sind dies ca. 0,4 % der
Bevölkerung.
Infektionsweg:
Vor allem Blutkontakte, intravenöser Drogenkonsum (unsterile Nadeln), berufsbedingt bei Angestellten im Gesundheitswesen. In Abhängigkeit von der Viruskonzentration im mütterlichen Blut ist auch
eine Übertragung auf das Kind möglich (3-5 %). Auch eine sexuelle
Übertragung ist möglich.
Welche Rolle Piercings oder Tätowierungen bei der Übertragung von
HCV spielen, ist noch unklar.
Inkubationszeit:
Bis zu vier Monate, gewöhnlich 6-9 Wochen.
Dauer der
Ansteckungsfähigkeit:
Solange das Virus im Blut vorhanden ist, bei chronischer Infektion
dauerhaft.
Klinische Symptomatik:
Bei 75 % verläuft die Infektion asymptomatisch oder nur mit unspezifischen leichten Beschwerden, z. B. grippeähnlichen Symptomen.
Etwa 25 % der Infizierten entwickeln eine Leberentzündung mit meist
nur mäßig erhöhten Leberenzymen. Bei 50-85 % entwickelt sich ein
chronischer Verlauf, der häufig mild und unspezifisch mit Oberbauchbeschwerden, Müdigkeit, Leistungsschwäche, teilweise auch mit
Juckreiz und Gelenkbeschwerden einhergeht. Spätkomplikationen
durch Leberzirrhose und hepatozellulärem Karzinom.
Vorbeugung:
Bei beruflicher Exposition Einhalten von Hygienemaßnahmen, Aufklärung intravenöser Drogenkonsumenten, Bereitstellung steriler
Injektionsnadeln.
ZEITREIHE
In den Jahren 2011-2012 wurden 1 605 Hepatitis-C-Fälle aus Baden-Württemberg übermittelt.
Im Jahr 2011 waren es 782 Fälle und damit die
niedrigste Anzahl seit Einführung des Infektionsschutzgesetzes 2001. Die höchste Fallzahl
war 2006 mit 1 320 Fällen zu verzeichnen. Die
Inzidenz 2012 betrug 7,6 Erkrankungen pro
100 000 Einwohner. 2011 lag sie bei 7,3. Im
deutschlandweiten Vergleich lag die Inzidenz für
Baden-Württemberg stets oberhalb der bundesdeutschen Inzidenz.
schlossen werden und somit nicht zwischen akuter und chronischer Infektion unterschieden werden. Außerdem verlaufen die meisten HepatitisC-Neuinfektionen ohne Symptome. Die Ursache
für den vorübergehenden Anstieg im Jahr 2004
ist wahrscheinlich der Anpassung der Referenzdefinition geschuldet. Seit 2003 werden Meldungen mit erstmaligem Labornachweis, unabhängig
vom klinischen Bild, eingeschlossen.
Nach dem Infektionsschutzgesetz sind HepatitisC-Infektionen melde- und übermittlungspflichtig,
bei denen eine chronische Infektion nicht bekannt
ist. Bei der Hepatitis C kann anhand der positiven
Seromarker nicht auf die Dauer der Infektion ge-
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
63
14
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
12
10
8
6
4
2
0
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Meldejahr
Abb. 50: Übermittelte Hepatitis-C-Erkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr von 2001 bis 2012,
Baden-Württemberg (Säulen) und Deutschland (Linie)
ALTERS- UND
GESCHLECHTSVERTEILUNG
Erkrankungen bei Personen in den mittleren Altersgruppen werden am häufigsten gemeldet.
Wie bei der Hepatitis B überwiegen auch bei der
Hepatitis C die Männer (63 %) unter den übermittelten Infizierten. Während die altersspezifische
Inzidenz der übermittelten Hepatitis-C-Erstdiagnosen bei Kindern im Alter bis zu 14 Jahren und
bei Erwachsenen ab einem Alter von 60 Jahren
bei beiden Geschlechtern ungefähr gleich war,
sind die altersspezifischen Inzidenzen in den
mittleren Altersgruppen bei Männern deutlich
höher als bei Frauen. Bei Männern im Alter von
30-39 Jahren lag die Inzidenz mit 23,8 Fällen pro
100 000 viermal so hoch wie bei Frauen (7,9 Fälle pro 100 000). In den Jahren 2011-2012 wurden
zwei Erkrankungen bei Säuglingen übermittelt.
Bei einem davon war die Mutter Virusträgerin bei
der Geburt, bei dem anderen Säugling konnten
Angaben dazu nicht ermittelt werden.
64
Etwa zu jedem fünften Infizierten im Zeitraum von
2011 bis 2012 ist aus der Vorgeschichte Drogenkonsum bekannt. Fast 80 % der Infizierten die
angaben, vormals i. v. Drogen konsumiert zu haben, waren Männer (n= 260).
SAISONALER VERLAUF
Bei den übermittelten Hepatitis-C-Fällen lässt
sich keine Saisonalität ablesen. In Abbildung 52
sind die übermittelten Hepatitis-C-Fälle pro Meldewoche abgebildet. Die Erkrankungen des Jahres 2012 sind als Säulen und die des Jahres 2011
als Linie dargestellt. Dahinter liegt die Streubreite
der Anzahl übermittelter Erkrankungen aus den
Jahren 2001-2010 (graue Fläche).
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
25
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
männlich
weiblich
20
15
10
5
0
0
1
2
3
4
5-9
10-14 15-19 20-24 25-29 30-39 40-49 50-59 60-69
70+
Altersgruppe
Abb. 51: Übermittelte Hepatitis-C-Erkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr nach Alter und Geschlecht,
Baden-Württemberg, gemittelt über die Jahre 2011-2012
übermittelte
Erkrankungen / Woche
45
40
35
30
25
20
15
10
5
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53
Meldewoche
Abb. 52: Übermittelte Hepatitis-C-Erkrankungen in Baden-Württemberg nach Meldewoche 2012 (Säulen),
2011 (Linie) und Streubreite der Übermittlungen in den Jahren 2001 bis 2010 (Fläche)
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
65
3.2.4 Hepatitis E
Das Hepatitis-E-Virus (HEV) ist ein unbehülltes RNA-Virus der Familie Hepeviren mit vier Genotypen.
Vorkommen:
Vermutlich weltweit. Genotyp 1 und 2 vor allem in Zentral- und Südostasien, Nord- und Westafrika und Mittelamerika. Genotyp 3 und
4 in Nordamerika und Europa. Seit einigen Jahren Zunahme autochthoner Fälle in Deutschland.
Reservoir:
Genotyp 1 und 2: Mensch.
Genotyp 3 und 4: Zoonose, vor allem Schweine.
Infektionsweg:
Kontakt- oder Schmierinfektion mit menschlichen Fäkalien, kontaminiertes Wasser, kontaminierte Lebensmittel und Gegenstände.
Inkubationszeit:
Ca. 15-64 Tage.
Dauer der
Ansteckungsfähigkeit:
1-2 Wochen vor und eine Woche nach Auftreten von Gelbsucht und
Erhöhung der Leberenzyme. Säuglinge können das Virus mehrere
Wochen im Stuhl ausscheiden.
Klinische Symptomatik:
Unspezifische Bauchbeschwerden, Übelkeit, allgemeines Krankheitsgefühl, Gelenkschmerzen und gelegentlich Temperaturerhöhung und
Kopf- und Muskelschmerzen. Bei einem Teil der Betroffenen kann
sich eine Gelbsucht entwickeln. Die Erkrankung klingt gewöhnlich
nach 2-3 Wochen ab, kann aber auch bis zu drei Monate andauern.
Chronische Verläufe werden nicht beobachtet. In 0,5-4 % der Fälle
endet die Krankheit tödlich. Vor allem bei Kindern treten häufig nur
geringe oder keine Krankheitssymptome auf. Bei Schwangeren können Genotyp 1- und Genotyp 2-Infektionen in 10-20 % der Fälle zu
akutem Leberversagen führen.
Vorbeugung:
Abkochen des Trinkwassers in Endemiegebieten, gründliches Waschen und Desinfizieren der Hände nach Kontakt mit infizierten Personen, Abwischen von kontaminierten Oberflächen mit geeigneten
Desinfektionsmitteln. Kein Verzehr von rohem Schweinefleisch.
ZEITREIHE
In den Jahren 2011-2012 wurden 62 Hepatitis-EFälle aus Baden-Württemberg übermittelt. 2012
wurden 41 Fälle übermittelt. Das ist die höchste
Fallzahl seit Einführung des Infektionsschutzgesetzes im Jahr 2001. Die Inzidenz für 2012 betrug 0,4 Erkrankungen pro 100 000 Einwohner.
Im Vergleich zu den Jahren 2009 und 2008 mit
jeweils 0,1 hat sich die Inzidenz damit vervierfacht. Im deutschlandweiten Vergleich zog Baden-Württemberg 2010 mit der bundesdeutschen
Inzidenz von 0,3 Erkrankungen pro 100 000 Einwohner gleich. 2011 und 2012 lagen die Inzidenzen für Baden-Württemberg deutlich unterhalb
den bundesdeutschen Inzidenzen.
In Deutschland galt Hepatitis E lange nur als reiseassoziierte Krankheit. Bei den in tropischen und
66
subtropischen Ländern auftretenden HEV-Infektionen handelt es sich um Hepatitis-E-Viren der
Genotypen 1 und 2. In letzter Zeit wurden jedoch
vermehrt in Deutschland erworbene (autochthone) Infektionen durch den Genotyp 3 beobachtet.
HEV Genotyp 3 weist eine große Sequenzhomologie zu Isolaten von Schweinen auf.
Eine am RKI durchgeführte Studie von Wichmann et al. (2008) brachte den Verzehr von
Wildschweinfleisch und Innereien mit einem erhöhten Risiko einer Hepatitis-E-Erkrankung in
Verbindung. Dadurch konnten 53 % der Infektionen erklärt werden. Nach Untersuchungen des
Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) ist das
Virus in Wildschweinen in Deutschland weit verbreitet. Das Virus wurde in 22 von 148 untersuchten Tieren (15 %) aus dem Untersuchungsgebiet
(Brandenburg, Thüringen, Berlin und Potsdam)
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
nachgewiesen. Es ist jedoch noch nicht abschließend geklärt, inwiefern diese Viren direkt auf den
Menschen übertragen werden können. (Bundesinstitut für Risikobewertung, 2010; Robert KochInstitut, 2009b) 8 9
0,5
Weitere Ermittlungen zu Übertragungswegen und
Risikofaktoren werden derzeit in verschiedenen
Forschungseinrichtungen in Deutschland, unter
anderem vom Landesgesundheitsamt BadenWürttemberg, durchgeführt.
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
0,4
0,3
0,2
0,1
0
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Meldejahr
Abb. 53: Übermittelte Hepatitis-E-Erkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr von 2001 bis 2012,
Baden-Württemberg (Säulen) und Deutschland (Linie)
ALTERS- UND GESCHLECHTSVERTEILUNG
Männer sind mit 0,34 Erkrankungen pro 100 000
etwas häufiger betroffen als Frauen mit 0,24 Erkrankungen pro 100 000. Am häufigsten wurden
Erkrankungen in der Altersgruppe der 20- bis 59Jährigen übermittelt. In dieser Altersgruppe waren es, gemittelt über die Jahre 2011-2012, 0,4
Erkrankungen pro 100 000.
Die Erkrankungsfälle der Jahre 2011 und 2012
waren jeweils über das gesamte Jahr verteilt (Abbildung 55). Es handelt sich ausschließlich um
sporadische Fälle, Ausbrüche wurden nicht verzeichnet.
27 % der Hepatitis-E-Erkrankungen aus BadenWürttemberg 2011-2012 wurden wahrscheinlich
im Ausland erworben. Von diesen 17 wahrscheinlich importierten Erkrankungen wurde in 3 Fällen
8
9
Pakistan und bei jeweils zwei Venezuela und
Frankreich als Land der Ansteckung angegeben.
68 % der 2011-2012 übermittelten Erkrankungen
(n=43) wurden wahrscheinlich in Deutschland erworben.
SAISONALER VERLAUF
Bei den übermittelten Hepatitis-E-Fällen lässt sich
keine Saisonalität ablesen. In Abbildung 55 sind
die übermittelten Hepatitis-E-Fälle pro Meldemonat (wegen der wenigen Fälle nicht pro Meldewoche) abgebildet. Die Erkrankungen des Jahres
2012 sind als Säulen und die des Jahres 2011
als Linie dargestellt. Dahinter liegt die Streubreite
der Anzahl übermittelter Erkrankungen aus den
Jahren 2001-2010 (graue Fläche).
Bundesinstitut für Risikobewertung (2010). Hepatitis E-Virus in deutschen Wildschweinen. Information Nr. 012/2010 des BfR vom 1. März 2010.
Robert Koch-Institut (2009). Hepatitis E in Deutschland: eine lebenmittel-bedingte Zoonose?
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
67
0,7
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
männlich
weiblich
0,6
0,5
0,4
0,3
0,2
0,1
0
0
1
2
3
4
5-9
10-14 15-19 20-24 25-29 30-39 40-49 50-59 60-69
70+
Altersgruppe
Abb. 54: Übermittelte Hepatitis-E-Erkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr nach Alter und Geschlecht,
Baden-Württemberg, gemittelt über die Jahre 2011-2012
7
übermittelte
Erkrankungen / Monat
6
5
4
3
2
1
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
Meldemonat
Abb. 55: Übermittelte Hepatitis-E-Erkrankungen in Baden-Württemberg nach Meldemonat 2012 (Säulen),
2011 (Linie) und Streubreite der Übermittlungen in den Jahren 2001 bis 2010 (Fläche)
68
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
3.3 Influenza
Das Influenzavirus ist ein behülltes RNA-Virus der Familie Orthomyxoviren. Influenzaviren werden in die Typen A, B und C unterteilt.
Für den Menschen sind ausschließlich Influenza-A- und B-Viren von
Bedeutung. Influenza-A- und B-Viren haben stachelartige Oberflächenstrukturen, die durch die Glykoproteine Hämagglutinin (HA) und
Neuraminidase (NA) gebildet werden. Es sind derzeit 16 verschiedene HA und 9 NA bekannt. Influenza-A-Viren werden nach Typ und
Subtyp benannt, z. B. A(H3N2). Influenza B hat keine Subtypen, es
zirkulieren weltweit zwei genetisch unterschiedliche Linien (Yamagata-Linie und Victoria-Linie).
Vorkommen:
Weltweit. In den Zonen der Nord- und Südhalbkugel deutlicher jahreszeitlicher Rhythmus.
Reservoir:
Influenza A: Mensch, Schweine, Wasservögel.
Influenza B: Mensch.
Infektionsweg:
Übertragung durch respiratorische Sekrete in Tröpfchenform.
Inkubationszeit:
1-2 Tage.
Dauer der
Ansteckungsfähigkeit:
Die Ansteckungsfähigkeit beginnt kurz (< 24 Stunden) vor Auftreten
der klinischen Symptomatik und hält noch 4-5 Tage nach Auftreten
der ersten Symptome an.
Klinische Symptomatik:
Plötzlicher Beginn, hohes Fieber, trockener Husten, Hals-, Muskelund Kopfschmerzen.
Vorbeugung:
Schutzimpfung, Händehygiene, regelmäßiges Lüften, antivirale
Arzneimittel.
ÜBERMITTELTE ERREGER
Tabelle 8: Erreger der aus Baden-Württemberg übermittelten Influenza-Erkrankungen
2011-2012
Erreger
Anzahl
unbekannt
1 537
Influenza A Virus
1 875
Influenza A/B Virus (nicht unterscheidender Schnelltest)
843
Influenza B Virus
644
Gesamt
4 899
Quelle: SurvStat@RKI
SURVEILLANCE
Die Überwachung akuter respiratorischer Erkrankungen (ARE) wird von der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) unter wissenschaftlicher
Federführung des RKI durchgeführt. Dabei melden deutsche Sentinelpraxen die Anzahl von
Patienten mit ARE. Somit entsteht in jeder Influenzasaison ein guter aktueller Überblick über die
epidemiologische Situation zu akuten Atemwegserkrankungen und zur Influenza. Der Praxisin-
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
dex stellt die über alle Praxen gemittelte relative
Abweichung der bei Besuchern von Arztpraxen
beobachteten akuten respiratorischen Erkrankungen (ARE) gegenüber einem für jede Praxis
ermittelten „Normalniveau“ dar.
Die Surveillance auf europäischer Ebene durch
EISN (European Influenza Surveillance Network)
schafft die Datenbasis für vergleichbare Daten
69
zwischen den Ländern. Es soll dazu beitragen,
die Krankheitslast in Zusammenhang mit Influenza in Europa zu verringern durch zeitnahen Infor-
mationsaustausch sowie durch die Bestimmung
der jährlichen Impfstoff-Zusammensetzung.
Abb. 56: Winter-zentrierter Saisonvergleich des Praxisindex der AGI am RKI über 3 Jahre,
Baden-Württemberg (Quelle: Arbeitsgemeinschaft Influenza am RKI, Stand 24.10.2013)
ZEITREIHE UND
SAISONALER VERLAUF
Bei Einzelerkrankungen ist nur der Influenza-Erregernachweis meldepflichtig, nicht die Influenza-Erkrankung. Beim Auftreten von Häufungen
gilt die Meldepflicht auch für klinisch-epidemiologische Fälle. Deshalb übersteigt die Anzahl
der tatsächlich in der Bevölkerung auftretenden
Influenza-Erkrankungen regelmäßig die Anzahl
der gemeldeten Influenza-Erregernachweise.
Entsprechend stellen die Inzidenzen keine bevölkerungsbezogenen Häufigkeiten der Erkrankung,
sondern der positiven Erregernachweise dar.
Im Jahr 2012 wurden 1 612 Influenza-Nachweise
aus Baden-Württemberg übermittelt, 2011 waren
es 3 284. Die Inzidenz unterliegt in Abhängigkeit
von der Influenzaaktivität und der veranlassten
Labordiagnostik jährlichen Schwankungen. Für
das Jahr 2011 wurden 30,5 Influenza-Erregernachweise je 100 000 Einwohner gezählt, im Jahr
2012 waren es 14,9 je 100 000 Einwohner.
Influenza-Labornachweise wurden in BadenWürttemberg 2011-2012 hauptsächlich bei Kindern erbracht. Überdurchschnittlich häufig wurden Influenza-Erregernachweise bei 4-jährigen
Jungen gemeldet. In der Altersgruppe der 4-jährigen Jungen waren es, gemittelt über die Jahre
2011-2012, fast 95 Erkrankungen pro 100 000.
Es sind höhere Melderaten im Kindesalter zu sehen sowie eine Abnahme der Inzidenzen mit dem
Alter.
Von den 4 896 Influenzafällen mit Labornachweis des Virus aus den Jahren 2011-2012 waren 95,5 % nicht geimpft, bzw. es konnten keine Angaben zum Impfstatus gemacht werden.
4,5 % der Erkrankten gab an, geimpft gewesen
zu sein.
Die offizielle Influenzasaison beginnt in Deutschland Anfang Oktober (Meldewoche 40) und geht
bis Mitte Mai (Meldewoche 20). Die Influenza tritt
saisonal in Grippewellen auf, die deutschlandweit
meist zwischen Januar und März einsetzen und
dann 8-10 Wochen andauern.
70
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
9000
übermittelte
Fälle / Woche
8000
N=50 819
7000
6000
5000
4000
3000
2000
1000
0
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Meldewoche/Jahr
Abb. 57: Übermittelte Influenzafälle nach Meldewoche, Baden-Württemberg, 2001-2012
(aus SurvNet@RKI sowie aggregierte LGA-Pandemie-Listen)
ALTERS- UND GESCHLECHTSVERTEILUNG
100
Erregernachweise /
100 000 Einwohner
männlich
weiblich
80
60
40
20
0
0
1
2
3
4
5-9
10-14 15-19 20-24 25-29 30-39 40-49 50-59 60-69
70+
Altersgruppe
Abb. 58: Übermittelte Influenzafälle pro 100 000 Einwohner und Jahr nach Alter und Geschlecht,
Baden-Württemberg, gemittelt über die Jahre 2011-2012
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
71
3.4 Tuberkulose
Bakterien der Familie Mycobacteriaceae. Die für den Menschen relevanten Arten werden zusammengefasst als „Mycobacterium tuberculosis-Komplex“.
Vorkommen:
Weltweit.
Reservoir:
Mensch, Rinder (heute extrem selten), andere Tiere.
Infektionsweg:
Tröpfchen wie beim Husten, Niesen, Sprechen.
Tuberkulosen, die andere Organe als die Lunge betreffen, sind durch
soziale Kontakte kaum übertragbar, Ausnahme Kehlkopf-TB.
Inkubationszeit:
Wochen bis Jahre. Eine Ansteckung führt nicht zwingend zu einer
Erkrankung; letztere ist von vielen Faktoren abhängig, wichtigster
Faktor ist die Immunlage des Patienten.
Dauer der
Ansteckungsfähigkeit:
Bei offener Lungen-TB solange die Erreger ausgeschieden werden.
Klinische Symptomatik:
Zu Beginn oft nur wenig Beschwerden, leichtes Fieber, Nachtschweiß und Husten, unbehandelt langer schwerer Verlauf mit Appetit- und Gewichtsverlust. Die Erkrankung kann sich von der Lunge
ausgehend im ganzen Körper ausbreiten, in Abhängigkeit vom betroffenen Organ kommen andere Beschwerden hinzu.
Vorbeugung:
Frühzeitige Erkennung und Isolation der Erkrankten. Mindestens 6monatige konsequente Therapie einer Tuberkulose. Umgebungsuntersuchungen durch das Gesundheitsamt und eventuell vorbeugende
Behandlung. Einleiten von Maßnahmen nach RKI-Empfehlung.
Wegen der schlechten Wirksamkeit und der möglichen Nebenwirkungen wird die BCG-Impfung in Deutschland seit 1998 nicht mehr
empfohlen.
ZEITREIHE
In den Jahren 2011-2012 wurden 1 010 Neuerkrankungen an Tuberkulose aus Baden-Württemberg übermittelt. Im Jahr 2012 wurden 485 Erkrankungen registriert. Das war die niedrigste
Anzahl seit Einführung des Infektionsschutzgesetzes im Jahr 2001.
Die Inzidenz lag 2012 bei 4,5 Erkrankungen
pro 100 000 Einwohner. Im deutschlandweiten
Vergleich für 2012 lag die Inzidenz für BadenWürttemberg leicht unter der bundesdeutschen
Inzidenz von 5,2 Erkrankungen pro 100 000 Einwohner. Bundesweit wie auch in Baden-Württemberg ist eine fallende Tendenz zu beobachten.
72
ALTERS- UND
GESCHLECHTSVERTEILUNG
Überdurchschnittlich häufig werden Erkrankungen bei über 70-Jährigen sowie bei den 25 bis
29-Jährigen gemeldet. In beiden Altersgruppe waren es jeweils, gemittelt über die Jahre
2011-2012, 7,1 Erkrankungen pro 100 000 Einwohner. Die übermittelten Neuerkrankungsraten
steigen mit dem Alter an. Unter den über 70Jährigen sind Männer mit 9,6 TuberkuloseErkrankungen pro 100 000 häufiger betroffen als
Frauen mit 5,3 Tuberkulose-Erkrankungen pro
100 000 Einwohner.
Tuberkulose-Erkrankungen im Kindesalter sind
ein Hinweis darauf, dass es in der Bevölkerung
noch zu frischen Infektionen kommt. Die Anzahl
der erkrankten Kinder unter 15 Jahren stellt gewissermaßen einen Gradmesser für die Verbreitung der Tuberkulose im Land dar, da Kinder,
wenn sie mit dem Erreger infiziert sind, häufiger
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
10
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
8
6
4
2
0
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Meldejahr
Abb. 59: Übermittelte Tuberkulose-Erkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr von 2001 bis 2012,
Baden-Württemberg (Säulen) und Deutschland (Linie)
10
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
männlich
weiblich
9
8
7
6
5
4
3
2
1
0
0
1
2
3
4
5-9
10-14 15-19 20-24 25-29 30-39 40-49 50-59 60-69
70+
Altersgruppe
Abb. 60: Übermittelte Tuberkulose-Erkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr nach Alter und Geschlecht,
Baden-Württemberg, gemittelt über die Jahre 2011-2012
und zudem zeitnah erkranken. Deutschlandweit
war die Anzahl der Übermittlungen bei den Kindern in den letzten zehn Jahren rückläufig. Allerdings stiegen die Zahlen 2009 bis 2011 wieder
leicht an. Auch aus Baden-Württemberg wurden
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
immer weniger Erkrankungen bei Kindern übermittelt. Ausnahmen waren die Jahre 2003, 2009
und 2011. Im Jahr 2012 wurde eine Erkrankung
pro 100 000 übermittelt.
73
Neuerkrankungen bei älteren Menschen gehen
häufig auf Infektionen zurück, die schon vor Jahren oder Jahrzehnten stattgefunden haben. Besonders gefährdet für das Wiederaufflackern ei-
5
ner Tuberkulose sind Alkoholkranke, Menschen
ohne festen Wohnsitz, Drogenabhängige und
Patienten mit Immunschwäche.
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
4
3
2
1
0
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Meldejahr
Abb. 61: Übermittelte Tuberkulose-Erkrankungen bei unter 15-Jährigen pro 100 000 unter 15-Jährige und Jahr
von 2001 bis 2012, Baden-Württemberg (Säulen) und Deutschland (Linie)
übermittelte
Erkrankungen / Woche
40
35
30
25
20
15
10
5
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53
Meldewoche
Abb. 62: Übermittelte Tuberkulose-Erkrankungen in Baden-Württemberg nach Meldewoche 2012 (Säulen),
2011 (Linie) und Streubreite der Übermittlungen in den Jahren 2001 bis 2010 (Fläche)
74
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
SAISONALER VERLAUF
Bei den übermittelten Tuberkulose-Erkrankungen
lässt sich keine Saisonalität ablesen. Für die Tuberkulose ist eine lange Inkubationszeit und ein
schleichender Beginn der Erkrankung charakteristisch. In Abbildung 62 sind die übermittelten
Tuberkulosen pro Meldewoche abgebildet. Die
Erkrankungen des Jahres 2012 sind als Säulen
und die des Jahres 2011 als Linie dargestellt.
Dahinter liegt die Streubreite der Anzahl übermittelter Erkrankungen aus den Jahren 2001-2010
(graue Fläche). Das Tief zum Jahresende entsteht
durch Praxisferien.
Abb. 63: Karte der übermittelten Tuberkulose-Neuerkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr,
Baden-Württemberg, gemittelt über die Jahre 2011-2012
Die meisten Tuberkulose-Neuerkrankungen pro
100 000 Einwohner wurden im Jahresmittel für
2011-2012 aus den Stadtkreisen Heilbronn (9,3)
und Stuttgart (9,1) sowie aus dem Landkreis
Waldshut (9,0) übermittelt. Die niedrigste Inzidenz
war mit 1,8 Erkrankungen pro 100 000 Einwohner
im Landkreis Hohenlohekreis zu verzeichnen.
Bei der Tuberkulose wird auch das Geburtsland des Patienten gemeldet. Die Kenntnis des
Herkunftslandes ist wichtig für die Einschätzung
des Erkrankungsrisikos. Bei 87 % der 20112012 übermittelten Tuberkulose-Erkrankungen
liegen Angaben zum Geburtsland vor. Mindestens 55 % aller Erkrankten wurden im Ausland
geboren, knapp 33 % in Deutschland. Von den
550 im Ausland geborenen Erkrankten stammten
62 aus der Türkei, 58 aus Rumänien und 40 aus
Kasachstan. Weitere Angaben zum Geburtsland
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
bezogen sich auf Indien (32), Pakistan (29), Russische Föderation (27) und Polen (23).
Bei 739 Erkrankungen, also bei fast ¾ der übermittelten Tuberkulosen 2011-2012, ist die Lunge das hauptsächlich betroffene Organ. Bei 679
Patienten davon wurde ein kultureller Nachweis
veranlasst, bei 550 Patienten konnte M. tuberculosis-Komplex nachgewiesen werden, diese
74 % waren infektiös. Bei weiteren 123 lagen keine Angaben zum Erreger vor.
Eine mikroskopische Untersuchung des Sputums
wurde bei 78 % der 739 Patienen durchgeführt,
deren hauptsächlich betroffenes Organ die Lunge war. Bei 32 % (n=235) wurden säurefeste
Stäbchen im Sputum nachgewiesen. Diese Patienten waren „mikroskopisch offen“ und somit
hochinfektiös.
75
Die Behandlungsergebnisse der Tuberkulose-Erkrankten in Baden-Württemberg über die Jahre
2001-2012 sind in Tabelle 9 dargestellt. Insgesamt sind in den Jahren 2001 bis 2012 in Baden-
Württemberg 827 Patienten vor oder während
der Behandlung an Tuberkulose bzw. an anderen
Ursachen verstorben. 2012 ist wegen den langen
Behandlungszeiten noch nicht vollständig.
Tabelle 9: Behandlungsergebnisse der übermittelten Tuberkulose-Neuerkrankungen,
Baden-Württemberg 2001-2012
Behandlungsergebnis
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012 Gesamt
Abschluss der Behandlung
ohne Nachweis einer negativen Kultur
396
398
414
326
363
325
327
313
315
284
275
88
3824
Abschluss der Behandlung mit
Nachweis einer negativen Kultur im letzten Behandlungsmonat und zu wenigstens 1
früheren Zeitpunkt
319
251
261
206
162
167
126
119
104
109
88
24
1936
Abbruch der Behandlung
26
37
30
23
23
18
30
27
12
25
15
11
277
Fortführung der Behandlung
nach >=12 Monaten (Ergebnis
folgt noch)
2
11
23
8
3
4
2
7
2
3
6
0
71
Tod an TB vor Beginn oder
während der Behandlung
28
23
28
20
17
28
20
19
18
14
14
14
243
Tod anderer Ursache
49
79
58
67
49
37
49
31
44
58
36
27
584
Versagen der Behandlung
2
5
3
3
3
2
5
2
2
1
1
0
29
keine Angabe
30
28
42
90
64
36
37
8
11
32
75
313
766
nicht ermittelbar
39
53
36
28
19
20
21
14
19
15
15
8
287
Übermittelte Fälle gesamt
891
885
895
771
703
637
617
540
527
541
525
485
8017
RESISTENZEN
Erkrankungen durch Erreger mit Resistenzen gegenüber Antituberkulotika sind schwerer behandelbar und dadurch länger infektiös. Der Anteil
der Erreger der übermittelten Erkrankungen, die
gegen mindestens eins der fünf Standardmedikamente (Isoniazid, Rifampicin, Ethambutol,
Pyrazinamid, Streptomycin) resistent sind, lag
2011-2012 bei 8,2 %. Der Anteil multiresistenter
Erreger (MDR-TB, gleichzeitige Resistenz gegenüber Isoniazid und Rifampicin) lag 2011-2012
bei 1,3 %.
Die Übermittlungen von Tuberkulose-Neuerkrankungen mit vorliegender Multi-Drug-Resistenz
(MDR gegen INH und RMP) sowie mit 5-fachResistenz (gegen INH, RMP, PZA, EMB, SM)10
waren bis 2009 stark rückläufig. Nach einem Anstieg im Jahr 2010 waren die Meldezahlen wieder
rückläufig.
Bei 172 der gut 1 002 Tuberkulose-Neuerkrankungen 2011-2012 wurden oder konnten keine
Angaben zu Resistenzen gemacht werden. Die
Resistenz-Prüfungen wurden entweder nicht
durchgeführt oder konnten vom Gesundheitsamt
nicht ermittelt werden.
10
Antituberkulotika: Isoniazid (INH), Rifampicin (RMP), Pyrazinamid (PZA), Ethambutol (EMB), Streptomycin (SM).
76
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
3.5 Weitere Erkrankungen
Als „Weitere Erkrankungen“ werden folgende Erkrankungen beschrieben:
-
Adenovirus-Konjunktivitis
-
Clostridium-difficile-Infektion, schwerer Verlauf
-
Creutzfeld-Jakob-Krankheit (CJK)
-
Denguefieber
-
Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME)
-
Haemophilus influenzae, invasive Erkrankung
-
Hantavirus-Erkrankung
-
Legionellose
-
Listeriose
-
Masern
-
Meningokokken-Erkrankung
-
MRSA-Erkrankung
-
Q-Fieber
-
Seltene Krankheiten
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
77
3.5.1 Adenovirus-Konjunktivitis
Das Adenovirus ist ein unbehülltes DNA-Virus der Familie Adenoviridae, die in sechs Subgenera mit 47 Serotypen unterteilt wird.
Die Keratokonjunktivitis epidemica wird von den Adenovirus-Serotypen 8, 19 und 37 verursacht. Meldepflichtig sind Nachweise aus dem
Konjunktivalabstrich des Auges.
Vorkommen:
Weltweit.
Reservoir:
Mensch.
Infektionsweg:
Übertragung durch Tränenflüssigkeit als Schmierinfektion direkt von
Mensch zu Mensch oder über kontaminierte Hände oder Gegenstände. Adenoviren sind sehr umweltresistent, bei Zimmertemperatur
können sie wochenlang infektiös bleiben.
Übertragung der follikulären Konjunktivitis und des Pharyngokonjunktivalfiebers durch kontaminiertes Schwimmbadwasser möglich.
Inkubationszeit:
5-12 Tage.
Dauer der
Ansteckungsfähigkeit:
Bis zu 2-3 Wochen nach Erkrankung. Ansteckungsfähigkeit solange
das Virus in Sekreten nachweisbar ist.
Klinische Symptomatik:
Je nach Serotyp treten folgende drei Krankheitsbilder auf:
- Adenovirus 8, 19, 37: Epidemische Adenovirus-Keratokonjunktivitis
mit plötzlichem Beginn, Augenrötung, ringförmiger Bindehautschwellung und Schwellung der vor dem Ohr gelegenen Lymphknoten.
Fremdkörpergefühl, Lichtscheu, Juckreiz, Tränenfluss, hängendes
Oberlid. Als Spätfolgen kann es zu Epitheldefekten, Hornhautinfiltraten sowie zu Visusminderungen kommen.
- Adenovirus 3, 7: Pharyngokonjunktivalfieber. Epidemisch hauptsächlich bei Vorschul- und Schulkindern. Meist mild verlaufende
Erkrankung mit Rachenentzündung, Schnupfen, Schwellung der
Lymphknoten in der Halsregion und Fieber. In schweren Fällen
Pneumonie möglich.
- Adenovirus 3, 4, 7: Follikuläre Konjunktivitis. Sporadisch oder epidemisch bei Kindern und jungen Erwachsenen. Milder Verlauf, Konjunktivitis, Schwellung der Lymphknoten in der Halsregion. Kleinkinder und Kinder erkranken häufiger und schwerer.
Vorbeugung:
Hygienemaßnahmen, um Schmierinfektionen zu vermeiden. Bei Erkrankung Desinfektion der Hände und Instrumente. Erkrankte Personen sollen Handtücher und andere Hygieneartikel separat benutzen.
Hand-Augenkontakt vermeiden.
ZEITREIHE
Im Jahr 2012 wurden 345 Adenovirus-Keratokonjunktivitiden aus Baden-Württemberg übermittelt.
Damit ist die Anzahl der übermittelten Erkrankungen im Vergleich zu den Vorjahren stark angestiegen. Gegenüber 2011 hat sich die Anzahl
mehr als verfünffacht. Die Inzidenz für 2012 lag
bei 3,2 Erkrankungen pro 100 000 Einwohner.
Baden-Württemberg lag damit über der bundesdeutschen Inzidenz von 2,6 Erkrankungen pro
78
100 000 Einwohner. Allein aus dem Landkreis
Waldshut wurden 134 Erkrankungsfälle übermittelt, die Inzidenz lag dort bei 80,7 Erkrankungen
pro 100 000. 114 Erkrankungsfälle traten hierbei
im Zusammenhang mit einem Ausbruch auf. Zudem wurden vermehrt Einzelfälle ohne epidemiologischen Zusammenhang übermittelt.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
3,5
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
3
2,5
2
1,5
1
0,5
0
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Meldejahr
Abb. 64: Übermittelte Adenovirus-Nachweise in Abstrichen von der Augenbindehaut pro 100 000 Einwohner
und Jahr von 2001 bis 2012, Baden-Württemberg (Säulen) und Deutschland (Linie)
ALTERS- UND GESCHLECHTSVERTEILUNG
3,5
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
männlich
weiblich
3
2,5
2
1,5
1
0,5
0
0
1
2
3
4
5-9
10-14 15-19 20-24 25-29 30-39 40-49 50-59 60-69
70+
Altersgruppe
Abb. 65: Übermittelte Adenovirus-Nachweise in Abstrichen von der Augenbindehaut pro 100 000 Einwohner
und Jahr nach Alter und Geschlecht, Baden-Württemberg, gemittelt über die Jahre 2011-2012
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
79
Überdurchschnittlich häufig werden Erkrankungen bei den über 70-Jährigen übermittelt. Im
Jahr 2012 waren dies fast sechs Erkrankungen
pro 100 000. Beide Geschlechter waren ungefähr
gleich häufig beftroffen. Bei den 2- und 3-Jährigen wurden ausschließlich Erkrankungen bei
Jungen übermittelt.
SAISONALER VERLAUF
Aus den übermittelten Adenovirus-Konjunktividen lässt sich keine klare Saisonalität ablesen. In
Abbildung 66 sind die übermittelten AdenovirusKonjunktivitiden pro Meldewoche abgebildet. Die
Erkrankungen des Jahres 2012 sind als Säulen
und die des Jahres 2011 als Linie dargestellt.
Dahinter liegt die Streubreite der Anzahl übermittelter Erkrankungen aus den Jahren 2001-2010
(graue Fläche).
übermittelte
Erkrankungen / Woche
100
90
80
70
60
50
40
30
20
10
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53
Meldewoche
Abb. 66: Übermittelte Adenovirus-Nachweise in Abstrichen von der Augenbindehaut, Baden-Württemberg
nach Meldewoche 2012 (Säulen), 2011 (Linie) und Streubreite der Übermittlungen in den Jahren
2001 bis 2010 (Fläche)
80
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
3.5.2 Clostridium-difficile-Infektion, schwerer Verlauf
Clostridium difficile (C. difficile).
Nur unter Luftabschluss wachsendes, grampositives Stäbchenbakterium mit der Fähigkeit zur Sporenbildung. Die lufttoleranten Sporen
vertragen Wärme und Austrocknung sowie verschiedene chemische
Substanzen, darunter viele Desinfektionsmittel. Pathogene Stämme
bilden Toxine: Enterotoxin A, Cytotoxin B und/oder CDT (Clostridiumdifficile-Toxin).
Vorkommen:
In der Umwelt (Boden, Oberflächenwasser), im Darmtrakt von
Mensch und Tier. Häufig im Darm von Kleinkindern (bis zu 80 %),
selten im Darm von Erwachsenen (≤ 5 %).
Reservoir:
Mensch, Tiere.
Infektionsweg:
Erkrankungen treten als Darminfektion vor allem in Krankenhäusern
in der Folge einer Antibiotikatherapie auf. Orale Aufnahme; direkte
oder indirekte Übertragung der Sporen z. B. beim Kontakt mit Infizierten, kontaminierten Händen oder Oberflächen.
Inkubationszeit:
Unbekannt.
Dauer der
Ansteckungsfähigkeit:
Nach adäquater Therapie und abgeklungener Symptomatik bleibt
bei bis zu 30 % der Patienten der Toxinnachweis positiv. Isolierungsmaßnahmen sollten noch für 48 Stunden nach Abklingen der Durchfälle aufrechterhalten werden.
Klinische Symptomatik:
Abrupter wässriger Durchfall, Unterbauchschmerzen, Fieber, Darmverschluss. Entzündung des Dickdarms, meist als Folge einer antibiotikabedingten Überwucherung mit Clostridium difficile. Akute Erweiterung (Dilatation) des Dickdarms, Darmperforationen, Sepsis.
C. difficile verursacht ca. 15-20 % der Antibiotika-assoziierten Durchfallerkrankungen und mehr als 95 % der Fälle von pseudomembranöser Kolitis.
Vorbeugung:
Zurückhaltender Einsatz von Antibiotika, wie er auch für die Kontrolle
und Prävention von Antibiotikaresistenzen empfohlen wird. Umsetzung von Hygienemaßnahmen in Einrichtungen des Gesundheitswesens zur Prävention der Weiterverbreitung: U. a. Einzelunterbringung
in Zimmer mit Nasszelle, konsequente Personalhygiene, sachgerechte
Aufbereitung von Medizinprodukten sowie von Bedarfsgegenständen.
ZEITREIHE
Schwer verlaufende Infektionen durch Clostridium difficile werden als bedrohliche Krankheit
mit Hinweis auf eine schwerwiegende Gefahr
für die Allgemeinheit gewertet. Seit 01.07.2007
sind schwer verlaufende, mit Clostridium difficile assoziierte Durchfallerkrankungen gemäß § 6
Abs. 1 Nr. 5 a IfSG durch den behandelten Arzt
meldepflichtig. Das Robert Koch-Institut und die
Landesbehörden haben sich zur Bewertung von
C.-difficile-Infektionen, die im Rahmen nicht-erregerspezifischer Bestimmungen (insbesondere
gem. § 6.1.5) des IfSG gemeldet werden, abgestimmt. Danach gelten als „schwer verlaufend“
solche C.-difficile-Erkrankungen, die mindestens
eines der folgenden Kriterien aufweisen (Quelle:
RKI-Ratgeber für Ärzte):
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
1. Notwendigkeit einer Wiederaufnahme
aufgrund einer rekurrenten Infektion;
2. Verlegung auf eine Intensivstation zur
Behandlung der Clostridium-difficileInfektion oder ihrer Komplikationen;
3. Chirurgischer Eingriff (Kolektomie)
aufgrund eines Megakolon, einer
Perforation oder einer refraktären Kolitis;
4. Tod < 30 Tage nach Diagnosestellung
und Clostridium-difficile-Infektion als
Ursache oder zum Tode beitragende
Erkrankung;
oder der Nachweis des Ribotyps O27.
81
Seit Einführung der Meldepflicht steigt die Zahl
der übermittelten Clostridium-Infektionen. In Baden-Württemberg wurden nach 39 Übermittlungen im Jahr 2008 für 2009 47 schwere Verläufe
von Clostridium-Infektionen übermittelt. 2010 gab
es 89 Übermittlungen. Im Jahr 2011 wurden dann
139 und 2012 wurden 114 Clostridium-difficile-In-
1,4
fektionen mit schwerem Verlauf übermittelt. Die
Inzidenz für 2012 lag in Baden-Württemberg bei
1,1 Erkrankungen pro 100 000 Einwohner.
C.-difficile-Infektionen gehen mit einer hohen Letalität einher. Von im Jahr 2012 übermittelten 114
C.-difficile-Infektionen verliefen 41 % tödlich.
Standardisierung
der Erfassung,
Bewertung und
Übermittlung
Ende 2007
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
1,2
1
0,8
0,6
0,4
0,2
0
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Meldejahr
Abb. 67: Übermittelte Clostridium-difficile-Infektionen pro 100 000 Einwohner und Jahr von 2001 bis 2012,
Baden-Württemberg
ALTERS- UND GESCHLECHTSVERTEILUNG
Überwiegend werden Erkrankungen bei über
70-jährigen Patienten gemeldet. In dieser Altersgruppe waren es, gemittelt über die Jahre
2011-2012 6,4 Erkrankungen pro 100 000 Einwohner. Frauen erkranken mit 1,5 Erkrankungen
insgesamt etwas häufiger als Männer mit 0,9
Erkrankungen pro 100 000 Einwohner. Mit dem
Alter steigt die Inzidenz an. In den Jahren 20112012 wurden insgesamt 109 Todesfälle durch C.difficile-Infektionen aus Baden-Württemberg
übermittelt. Davon waren vier Verstorbenen
zwischen 60 und 69 Jahre alt; 101 Verstorbene
(93 %) waren 70 Jahre oder älter.
SAISONALER VERLAUF
Eine ausgeprägte Saisonalität lässt sich nicht
erkennen. Ob dies mit der Verordnung von Antibiotika gegen Atemwegserkrankungen während
der Wintermonate zusammenhängt, wird diskutiert. In Abbildung 69 sind die übermittelten Clostridium-difficile-Erkrankungen pro Meldewoche
82
abgebildet. Die Erkrankungen des Jahres 2012
sind als Säulen und die des Jahres 2011 als Linie
dargestellt. Dahinter liegt die Streubreite der Anzahl übermittelter Erkrankungen aus den Jahren
2008-2010 (graue Fläche).
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
8
männlich
weiblich
7
6
5
4
3
2
1
0
0
1
2
3
4
5-9
10-14 15-19 20-24 25-29 30-39 40-49 50-59 60-69
70+
Altersgruppe
Abb. 68: Übermittelte Clostridium-difficile-Infektionen pro 100 000 Einwohner und Jahr nach Alter und
Geschlecht, Baden-Württemberg, gemittelt über die Jahre 2011-2012
übermittelte
Erkrankungen / Woche
11
10
9
8
7
6
5
4
3
2
1
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53
Meldewoche
Abb. 69: Übermittelte Clostridium-difficile-Infektionen in Baden-Württemberg nach Meldewoche 2012
(Säulen), 2011 (Linie) und Streubreite der Übermittlungen in den Jahren 2008 bis 2010 (Fläche)
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
83
3.5.3 Creutzfeld-Jakob-Krankheit (CJK)
Die Creutzfeld-Jakob-Krankheit nimmt eine Sonderstellung unter
den übertragbaren Krankheiten ein. Es handelt sich um eine beim
Menschen seltene, durch atypische, infektiöse Eiweiße (sogenannte
Prionen) gekennzeichnete spongiformen Enzephalopathie. Diese
Krankheit kommt beim Menschen als übertragene, sporadische Form
(85 %) oder als genetische Form (10-15 %) vor. Sie gehört zum Formenkreis der spongiformen Enzephalopathien des zentralen Nervensystems.
Sie verläuft tödlich und tritt in der Regel sporadisch auf, kann vererbt
oder auch iatrogen (durch eine medizinische Behandlung) verursacht
werden. Nur die sporadischen und die iatrogen verursachten Erkrankungen sind meldepflichtig.
In Deutschland wurde bisher kein Fall einer 1996 erstmals in Großbritannien erkannten Variante der CJK (vCJK/“Rinderwahnsinn“)
beim Menschen bekannt.
Vorkommen:
Weltweit. Ein Fall pro 106 Einwohner im Jahr.
Reservoir:
Unbekannt.
Infektionsweg:
85-90 % der Fälle entstehen sporadisch, die Ursache ist bisher ungeklärt. Wesentlich seltener sind Übertragungen durch kontaminiertes
Material oder Gerätschaften auf den Menschen. Mögliche Übertragungswege sind die Gabe von menschlichen Wachstumshormonen,
Hirnhaut- oder Augenhornhauttransplantationen, wenn diese von
verstorbenen CJK-Patienten stammen.
Inkubationszeit:
Jahre bis Jahrzehnte.
Dauer der
Ansteckungsfähigkeit:
Keine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch.
Klinische Symptomatik:
Schleichender Beginn, die CJK ist durch Bewegungsstörungen und
eine rasch fortschreitende Demenz geprägt. Symptome: Schreckhaftigkeit, motorische Störungen, Gedächtnisstörungen, Störungen
der Wahrnehmung (Halluzinationen) und der Wachsamkeit, visuelle
Störungen und Persönlichkeitsveränderungen, vegetative Störungen
und Verwirrtheit, Demenz. Während der Erkrankung lassen sich im
EEG typische Veränderungen feststellen. Im Spätstadium akinetischer Mutismus. Tod innerhalb weniger Monate. 90 % aller Patienten
versterben innerhalb eines Jahres. Die Erkrankung wird im 6.-7. Lebensjahrzehnt am häufigsten beobachtet.
Vorbeugung:
Im normalen täglichen und pflegerischen Umgang mit Patienten müssen keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen berücksichtigt werden.
Körperflüssigkeiten wie Urin, Speichel, Schweiß sind nicht infektiös.
ZEITREIHE
Im Jahr 2012 wurden 13 CJK-Erkrankungen aus
Baden-Württemberg übermittelt. Die Inzidenz
für 2012 lag bei 0,12 Erkrankungen pro 100 000
Einwohner. Im deutschlandweiten Vergleich lag
Baden-Württemberg 2010 damit leicht unter der
bundesdeutschen Inzidenz von 0,15 Erkrankungen pro 100 000 Einwohner.
84
In den Jahren 2001 bis 2012 wurden insgesamt
171 CJK-Erkrankungen aus Baden-Württemberg
übermittelt. Bei 167 wurde die Diagnose „sporadische CJK“ angegeben, bei vier konnten keine Angaben zur speziellen Diagnose gemacht werden.
Fälle einer iatrogenen, also durch medizinische
Behandlung verursachten CJK, traten nicht auf.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
0,3
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
0,2
0,1
0
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Meldejahr
Abb. 70: Übermittelte CJK-Erkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr von 2001 bis 2012,
Baden-Württemberg (Säulen) und Deutschland (Linie)
ALTERS- UND GESCHLECHTSVERTEILUNG
0,6
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
männlich
weiblich
0,5
0,4
0,3
0,2
0,1
0
0
1
2
3
4
5-9
10-14 15-19 20-24 25-29 30-39 40-49 50-59 60-69
70+
Altersgruppe
Abb. 71: Übermittelte CJK-Erkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr nach Alter und Geschlecht,
Baden-Württemberg, gemittelt über die Jahre 2011-2012
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
85
Hauptsächlich werden Erkrankungen bei über 60Jährigen übermittelt. Gemittelt über die Jahre 2011
bis 2012 waren in dieser Altersgruppe Männer
und Frauen mit jeweils fast 0,6 Erkrankungen pro
100 000 betroffen. Mit zunehmendem Alter steigt
die Inzidenz an.
Im Jahr 1996 wurden in Großbritannien mehrere tödlich verlaufende Erkrankungen von jungen
Menschen an einer bis dahin nicht beobachteten
varianten Form der CJK bekannt. Als Ursache für
diese als vCJK bezeichnete Form gilt der Ver-
zehr von Rindfleisch, das mit boviner spongiformer Enzephalopathie (BSE, „Rinderwahn“) verseucht ist. In Deutschland wurden keine vCJKErkrankungen übermittelt. In den 12 Jahren von
2001 bis 2012 wurden acht CJK-Erkrankungen
in den jüngeren Altersgruppen (unter 50 Jahre)
gemeldet. Fälle von vCJK erwartet man eher in
jüngeren Altersgruppen. Allerdings handelte es
sich bei diesen acht Fällen um sporadische Erkrankungen.
SAISONALER VERLAUF
Aus den übermittelten CJK-Erkrankungen lässt
sich keine Saisonalität ablesen. Die Fallzahlen
aus Baden-Württemberg sind klein. Von einer
Darstellung zu den Meldewochen wird deshalb
abgesehen.
86
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
3.5.4 Denguefieber
Das Denguevirus ist ein behülltes Virus aus der Familie der Flaviviren. Vier Serotypen mit unterschiedlicher geografischer Verbreitung
werden unterschieden. Dengue-Fieber (DF) ist die medizinisch bedeutendste durch Stechmücken übertragene Virusinfektion. Typische
reiseassoziierte Infektionskrankheit. DF kommt in tropischen und
subtropischen Regionen außerhalb Europas endemisch vor. 2012
sind auf der Insel Madeira die ersten DF-Fälle in Europa aufgetreten.
Vorkommen:
Tropische und subtropische Regionen außerhalb Europas und Madeira.
Reservoir:
Wichtigstes Virusreservoir ist der Mensch.
Infektionsweg:
Übertragung durch tag- und nachtaktive Stechmücken der Gattung
Aedes (Aedes aegypti, A. albopictus und A. scutelaris) sowohl in
ländlichen Gebieten als auch im Rahmen urbaner Übertragungszyklen.
Inkubationszeit:
3-14 (gewöhnlich 4-7) Tage.
Dauer der
Ansteckungsfähigkeit:
Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch findet nicht statt.
Klinische Symptomatik:
Das klinische Spektrum reicht von milden atypischen Formen über
das klassische Dengue-Fieber bis zu der schweren komplikationsreichen Verlaufsform Dengue-hämorrhagisches-Fieber (DHF).
Vorbeugung:
Schutz vor Mückenstichen. Eine Impfung ist nicht verfügbar.
ZEITREIHE
Im Jahr 2011 wurden 42 Denguefieber-Erkrankungen aus Baden-Württemberg übermittelt.
2012 waren es 112. Die Inzidenz für 2012 lag
bei 1,04 Erkrankungen pro 100 000 Einwohner. Im deutschlandweiten Vergleich lag Ba-
1,2
den-Württemberg 2012 damit über der bundesdeutschen Inzidenz von 0,75 Erkrankungen pro
100 000 Einwohner. Mehr als jeder Dritte hat sich
wahrscheinlich in Thailand infiziert.
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
1
0,8
0,6
0,4
0,2
0
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Meldejahr
Abb. 72: Übermittelte Denguefieber-Erkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr von 2001 bis
2012, Baden-Württemberg (Säulen) und Deutschland (Linie)
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
87
ALTERS- UND GESCHLECHTSVERTEILUNG
Die Anzahl übermittelter reiseassoziierter
Dengue-Fälle hat seit 2008 stark zugenommen.
Haupsächlich sind 20 bis 29-Jährige betroffen.
Vermutlich ist dies darauf zurückzuführen, dass
diese Altersgruppe besonders reisefreudig ist.
Von den Erkrankten wurde als wahrscheinliches
Infektionsland zumeist Thailand (19), gefolgt von
Indien (7), Vietnam (3) und Indonesien (3) angegeben.
2012 wurden in Thailand 78 075 DenguefieberFälle und 81 Denguefieber-Todesfälle gezählt.
2013 wurde dort der größte Denguevirus-Ausbruch seit 20 Jahren mit über 150 000 Erkrankten und 132 Todesfällen registriert. Die höchsten
2,5
Inzidenzen wurden aus den südlichen Regionen
Thailands gemeldet. Thailands Department of
Disease Control hat seine Anti-Dengue-Kampagne daraufhin intensiviert. Die Bevölkerung wird
von lokalen Gesundheitsbehörden angehalten,
stehende Gewässer zu vermeiden und mögliche
Brutstätten der Überträger zu überwachen. Zudem sollen Moskitonetze, Insektenschutzmittel
und Larvizide verwendet werden. (Bangkok Post,
2014)
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
männlich
weiblich
2
1,5
1
0,5
0
0
1
2
3
4
5-9
10-14 15-19 20-24 25-29 30-39 40-49 50-59 60-69
70+
Altersgruppe
Abb. 73: Übermittelte Denguefieber-Erkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr nach Alter und
Geschlecht, Baden-Württemberg, gemittelt über die Jahre 2011-2012
SAISONALER VERLAUF
Virale Denguefieber-Erkrankungen werden aus
warmen Urlaubsländern nach Deutschland importiert. Es treten gehäuft Fälle nach den Urlaubszeiten auf, mit einem breiten Maximum in den Monaten Juni bis Oktober. In Abbildung 74 sind die
übermittelten Denguefieber-Erkrankungen pro
88
Meldewoche dargestellt. Die Erkrankungen des
Jahres 2012 sind als Säulen und die des Jahres
2011 als Linie dargestellt. Dahinter liegt die Streubreite der Anzahl übermittelter Erkrankungen aus
den Jahren 2001-2010 (graue Fläche).
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
übermittelte
Erkrankungen / Woche
9
8
7
6
5
4
3
2
1
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53
Meldewoche
Abb. 74: Übermittelte Denguefieber-Erkrankungen in Baden-Württemberg nach Meldewoche 2012 (Säulen),
2011 (Linie) und Streubreite der Übermittlungen in den Jahren 2001 bis 2010 (Fläche)
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
89
3.5.5 FRÜHSOMMER-MENINGO-ENZEPHALITIS (FSME)
Das FSME (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis)-Virus ist ein behülltes Virus aus der Familie Flaviviren.
Vorkommen:
Die Schwerpunkte der FSME-Verbreitung liegen in Albanien, Serbien, Kroatien, Slowenien, Ungarn, Österreich, Slowakei, Tschechien,
Polen, im Baltikum, Russland, Schweden und Finnland. In Deutschland v. a. in Baden-Württemberg und Bayern.
Reservoir:
Mäuse, Vögel, Rehe und Rotwild.
Infektionsweg:
Stich einer infizierten Zecke; sehr selten durch den Genuss von Rohmilchprodukten von infizierten Ziegen, Schafen oder Kühen.
Inkubationszeit:
Gewöhnlich 7-14, in Einzelfällen bis zu 28 Tage.
Dauer der
Ansteckungsfähigkeit:
Keine Mensch-zu-Mensch-Übertragung.
Klinische Symptomatik:
Bei ca. 30 % der Infizierten treten Krankheitserscheinungen auf.
Zweiphasiger Krankheitsverlauf. Bei manifesten Infektionen gelangen die Viren über das Lymphsystem in die Blutbahn und können
anschließend verschiedene Gewebe- und Organzellen z. B. Bindegewebe, Muskulatur und Drüsen infizieren. Das klinische Bild ist in
diesem Stadium von einer Sommergrippe nicht zu unterscheiden.
Bei komplizierten Verläufen bei bis zu 30 % kommt es nach einem
symptomfreien Intervall von durchschnittlich 8 Tagen zur Phase der
Organmanifestation mit schlagartigem Fieberanstieg, starken Kopfschmerzen und Nackensteifigkeit bis hin zur ausgeprägten Symptomatik mit Befall der Hirnhäute oder des Gehirns.
Vorbeugung:
Impfung: Grundimmunisierung (3x) + Auffrischimpfungen.
Tragen von heller, geschlossener Kleidung bei Aufenthalt im Freien.
Nach Aufenthalt im Freien den Körper nach Zecken absuchen. Vermeiden von unwegsamem Gelände insbesondere hohem Gras und
Anwendung von Repellants.
ZEITREIHE
In den Jahren 2001-2012 wurden insgesamt
1 685 FSME-Übermittlungen aus Baden-Württemberg registriert. Im Jahr 2012 waren es 72 Erkrankungen, 2011 gab es 201. Das bisherige Maximum wurde 2006 mit 281 übermittelten Erkrankungen verzeichnet. Die Inzidenz für 2012 lag bei
0,7 Erkrankungen pro 100 000 Einwohner, nach
90
1,9 im Jahr 2011. Im deutschlandweiten Vergleich
lagen die Inzidenzen für Baden-Württemberg immer weit über den Zahlen für Deutschland. 2012
betrug die bundesdeutsche Inzidenz 0,2 FSMEErkrankungen pro 100 000 Einwohner.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
3
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
2,5
2
1,5
1
0,5
0
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Meldejahr
Abb. 75: Übermittelte FSME-Erkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr von 2001 bis 2012,
Baden-Württemberg (Säulen) und Deutschland (Linie)
ALTERS- UND GESCHLECHTSVERTEILUNG
4,5
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
männlich
weiblich
4
3,5
3
2,5
2
1,5
1
0,5
0
0
1
2
3
4
5-9
10-14 15-19 20-24 25-29 30-39 40-49 50-59 60-69
70+
Altersgruppe
Abb. 76: Übermittelte FSME-Erkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr nach Alter und Geschlecht,
Baden-Württemberg, gemittelt über die Jahre 2011-2012
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
91
Überdurchschnittlich häufig werden Erkrankungen bei den 40- bis 69-Jährigen gemeldet. In
dieser Altersgruppe waren es, gemittelt über die
Jahre 2011-2012, 1,8 Erkrankungen pro 100 000
Einwohner. Mit zunehmendem Alter steigen die
Neuerkrankungsraten tendenziell an. Männer aus
Baden-Württemberg sind häufiger von FSME-Erkrankungen betroffen als Frauen. In den Jahren
2011-2012 betraf knapp 2/3 der Übermittlungen
Männer, nur gut 1/3 betraf Frauen.
SAISONALER VERLAUF
FSME-Erkrankungen wurden 2012, wie auch in
den Jahren zuvor, hauptsächlich vom Frühjahr
bis in den Herbst hinein übermittelt. Die zeckenstichübertragene FSME-Infektion ist an die Aktivität des Überträgers, des Holzbocks Ixodes ricinus, gebunden.
In Abbildung 77 sind die übermittelten FSMEÜbermittlungen pro Meldewoche dargestellt. Die
Erkrankungen des Jahres 2012 sind als Säulen
und die des Jahres 2011 als Linie dargestellt.
Dahinter liegt die Streubreite der Anzahl übermittelter Erkrankungen aus den Jahren 2001-2010
(graue Fläche).
übermittelte
Erkrankungen / Woche
30
25
20
15
10
5
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53
Meldewoche
Abb. 77: Übermittelte FSME-Erkrankungen in Baden-Württemberg nach Meldewoche 2012 (Säulen),
2011 (Linie) und Streubreite der Übermittlungen in den Jahren 2001 bis 2010 (Fläche)
64 % der Personen, die in den Jahren 2011-2012
an einer FSME erkrankten gaben an, einen vorangegangenen Zeckenstich bemerkt zu haben. Von
13 % konnten keine Angaben zum Zeckenstich
gemacht werden. 23 % der Erkrankten verneinten die Frage nach einen Zeckenstich. Zu 89 %
der Fälle wurde angegeben, dass die Betroffenen
nicht geimpft waren.
92
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt
eine FSME-Impfung für Personen, die in den auf
der Grundlage der epidemiologischen Daten definierten Risikogebieten zeckenexponiert sind.
In Baden-Württemberg wird die Impfung gegen
FSME durch das Sozialministerium ohne geografische Einschränkung öffentlich empfohlen, des
Weiteren gilt die Empfehlung der Ständigen Impfkommission.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
GEOGRAFISCHE VERTEILUNG
Baden-Württemberg ist FSME-Endemiegebiet. Die
von den Erkrankten aller übermittelten FSME-Erkrankung angegebenen möglichen Infektionsorte
liegen vermehrt im Regierungsbezirk Freiburg.
Dass es sich dabei um Gebiete handelt, die vermehrt als Naherholungsgebiete genutzt werden,
spielt hierbei eine wichtige Rolle. 2011-2012
wurden 273 Erkrankungsfälle übermittelt, dabei
wurde gerade 5 mal ein anderes Land als Infektionsland angegeben. 3 mal lag der Infektionsort in
einem anderen Bundesland. Elf mal wurden keine näheren Angaben zum Infektionsort gemacht.
Abb. 78: Karte der möglichen FSME-Infektionsorte, Baden-Württemberg 2011-2012
Das Epidemiologische Bulletin 15/2014 enthält
eine aktualisierte Darstellung der Risikogebiete
der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) in
Deutschland nach Kreisgebieten. Sie beruht auf
den gemäß Infektionsschutzgesetz (IfSG) dem
RKI übermittelten FSME-Erkrankungsdaten aus
den Jahren 2002 bis 2012, bei denen auch Angaben zum Infektionsort vorliegen.
Zecken exponierte Einwohner oder Touristen
bzw. beruflich Exponierte (Definition des Robert
Koch-Instituts).
43 Stadt- und Landkreise sind in Baden-Württemberg als Risikogebiete eingestuft. Damit war Baden-Württemberg fast komplett (bis auf SK Heilbronn) als FSME-Risikogebiet zu sehen.
Als FSME-Risikogebiete werden Endemiegebiete der FSME deklariert, in denen für Personen
mit Zeckenexposition ein Erkrankungsrisiko besteht, das nach einer Übereinkunft von Experten
präventive Maßnahmen begründet. Dazu gehört
vorrangig die verfügbare Impfung für gegenüber
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
93
3.5.6 Haemophilus influenzae, invasive Erkrankung
Haemophilus influenzae sind gramnegative kokkoide Stäbchenbakterien, die den Nasenrachen besiedeln. Es sind sechs Serovare bekannt, die mit a bis f sind bezeichnet werden.
Der Kapseltyp B (HIB), der zu invasiven, lebensbedrohlichen Infektionen v. a. bei Kindern führen kann, ist impfpräventabel. In letzter Zeit
traten v. a. kapsellose Stämme auf.
Vorkommen:
Weltweit. Zunahme invasiver Infektionen bei älteren Patienten.
Reservoir:
Mensch. Infektionsquellen sind kranke und gesunde Keimträger. In
Abhängigkeit vom Lebensalter stellt der Keim zwischen 1,8 % (bei
Kindern) und bis zu 0,5 % (bei Erwachsenen) der menschlichen Rachenflora.
Infektionsweg:
Tröpfcheninfektion.
Inkubationszeit:
Kann nicht angegeben werden.
Dauer der
Ansteckungsfähigkeit:
Solange Keime ausgeschieden werden.
Klinische Symptomatik:
Bei schweren Verläufen kommt es zu invasiven Haemophilus influenzae-Erkrankungen mit Sepsis und Meningitis. In seltenen Fällen
kommt es zum Waterhouse-Friderichsen-Syndrom.
H. influenzae wird bei der echten Virusgrippe als Erreger sekundärer Symptome angesehen, der von der Schwächung des Menschen
durch die Viren profitiert. Fieberhafte Infektion des Nasenrachenraums mit Mittelohr-, Nasennebenhöhlen- und Lungenentzündung.
Vorbeugung:
Schutzimpfung gegen H. influenzae Kapseltyp b (HIB-Impfung).
ZEITREIHE
Im Jahr 2012 wurden aus Baden-Württemberg 49 Haemophilus-influenzae-Erkrankungen
übermittelt. Die Inzidenz für 2012 lag bei 0,45
Erkrankungen pro 100 000 Einwohner. BadenWürttemberg lag damit über der bundesdeutschen Inzidenz von 0,39 Erkrankungen pro
100 000 Einwohner.
Die Zahl der übermittelten invasiven Haemophilus-influenzae-Fälle ist in den vergangenen
Jahren angestiegen, wobei der Anstieg im wesentlichen auf eine wachsende Anzahl älterer
Patienten zurückgeht. Auch für das Jahr 2011
wurde Haemophilus influenzae im wesentlichen
in der Altersgruppe der über 70-Jährigen nachgewiesen, gefolgt von den 60 bis 70-Jährigen. Die
Erkrankung betraf 2011 Männern und Frauen mit
je 24 Fällen gleichermaßen.
Im Rahmen der Surveillance invasiver Haemophilus-influenzae-Erkrankungen wird seit 2009 in
Kooperation mit dem Konsiliarlabor für Haemophilus influenzae an der Universität Würzburg
eine Studie durchgeführt. Um Informationen über
94
die Verbreitung der einzelnen Kapseltypen des
Erregers Haemophilus influenzae zu erhalten,
sind die Gesundheitsämter gebeten, bei labordiagnostischen Nachweisen eine Einsendung des
Isolats an das Konsiliarlabor zu veranlassen.
Für das Jahr 2011 konnte bei 39 der 49 Haemophilus-influenzae-Isolate (80 %) eine Typisierung
durchgeführt werden; bei den übrigen 10 Isolaten
konnte kein Material mehr eingesendet werden.
Bei 9 Isolaten (18 %) wurde der Kapseltyp f, bei
drei Isolaten (6 %) der Typ e nachgewiesen. Nur
zwei Isolate (4 %) entfielen auf den impfpräventablen Kapseltyp b (Hib), und zwar bei einer 6jährigen und einer 69-jährigen Person. Bei 15
Isolaten (52 %) sprechen die Ergebnisse für einen nicht typisierbaren Haemophilus influenzae
(NTHi), so dass der Eintrag: keine Kapsel erfolgt.
Bezogen auf die 39 typisierten Isolate wurden somit 64 % als kapsellos diagnostiziert.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
0,5
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
0,4
0,3
0,2
0,1
0
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Meldejahr
Abb. 79: Übermittelte Haemophilus-influenzae-Erkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr von 2001 bis
2012, Baden-Württemberg (Säulen) und Deutschland (Linie)
ALTERS- UND GESCHLECHTSVERTEILUNG
2,5
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
männlich
weiblich
2
1,5
1
0,5
0
0
1
2
3
4
5-9
10-14 15-19 20-24 25-29 30-39 40-49 50-59 60-69
70+
Altersgruppe
Abb. 80: Übermittelte Haemophilus-influenzae-Erkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr nach Alter und
Geschlecht, Baden-Württemberg, gemittelt über die Jahre 2011-2012
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
95
Haemophilus-influenzae-Erkrankungen
haben
zwei Altersgipfel. Überdurchschnittlich häufig
werden Erkrankungen bei Kindern unter einem
Jahr gemeldet. In dieser Altersgruppe waren es
1,13 Erkrankungen pro 100 000 Säuglinge (gemittelt über die Jahre 2011-2012). Auch Kleinkinder sind häufiger betroffen. Die Inzidenz sinkt mit
zunehmendem Alter ab, um ab 60 Jahren wieder
anzusteigen. In der Altersgruppe der über 70Jährigen liegt die Inzidenz bei 1,84 Erkrankungen
pro 100 000 Senioren.
Als häufigste Symptome traten vor allem bei den
über 70-Jährigen Fieber und Pneumonie auf. Bei
Pneumonien unklarer Genese sollte daher auch
auf den Erreger Haemophilus influenzae untersucht werden.
Schwere Verläufe mit Sepsis oder Meningitis/Enzephalitis waren 2011-2012 bei 29 Fällen zu verzeichnen. Bei 91 von insgesamt 97 Patienten war
eine stationäre Behandlung eingetragen. Acht
Patienten verstarben an den Folgen der Haemophilus-influenzae-Erkrankung.
SAISONALER VERLAUF
Aus den Übermittlungen zu Haemophilus-influenzae-Erkrankungen lässt sich keine Saisonalität
ablesen. In Abbildung 81 sind die übermittelten
Haemophilus influenzae-Erkrankungen pro Meldewoche dargestellt. Die Erkrankungen des Jah-
res 2012 sind als Säulen und die des Jahres 2011
als Linie dargestellt. Dahinter liegt die Streubreite
der Anzahl übermittelter Erkrankungen aus den
Jahren 2001-2010 (graue Fläche).
übermittelte
Erkrankungen / Woche
4
3
2
1
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53
Meldewoche
Abb. 81: Übermittelte Haemophilus-influenzae-Erkrankungen in Baden-Württemberg nach Meldewoche
2012 (Säulen), 2011 (Linie) und Streubreite der Übermittlungen in den Jahren 2001 bis 2010 (Fläche)
96
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
3.5.7 Hantavirus-Erkrankung
Hantaviren gehören zur Familie der Bunyaviridae, Genus Hantavirus.
Unterschiedliche Virusspezies. In Deutschland kommen zwei humanpathogene Hantavirus-Spezies vor. Das Dobrava-Virus tritt im Nordosten
auf. Das Puumalavirus kommt bundesweit vor.
Vorkommen:
Weltweit. Unterschiedliche Virusgruppen und Spezies.
Reservoir:
Puumalavirus: Rötelmaus, Dobravavirus: Brand- und Gelbhalsmaus.
Infektionsweg:
Inhalation virushaltiger Aerosole (Nagerexkremente, virushaltiger Staub).
Kontakt der verletzten Haut mit kontaminiertem Staub, Nagerbisse.
Inkubationszeit:
2–4 Wochen, in Ausnahmefällen wenige Tage bis zu zwei Monate.
Dauer der
Ansteckungsfähigkeit:
Eine Übertragung von Mensch zu Mensch findet nicht statt.
Klinische Symptomatik:
In Abhängigkeit vom Virustyp verschieden schwere Krankheitsbilder. Erkrankung beginnt meist mit abrupt einsetzendem Fieber, das 3–4 Tage
anhält, begleitet von unspezifischen grippeähnlichen Symptomen. Als
Komplikation hämorrhagische Verläufe möglich, bei Infektionen mit in
Deutschland vorkommenden Virustypen aber sehr selten. Meist grippeähnliche Symptome und Nierenbeteiligung (Nephropathia epidemica).
Vorbeugung:
Vermeiden des Kontakts mit Nagetieren und deren Ausscheidungen;
Mund-Nasenschutz bei Staubarbeiten. Lebensmittel für Nager unzugänglich aufbewahren.
ZEITREIHE
Puumala und in vier Fällen der Virustyp Dobrava bestimmt. 189 Hantavirus-Nachweise blieben
ohne Differenzierung. Zu 99 % wurde Deutschland als Infektionsland angegeben.
In den Jahren 2011-2012 wurden 1 821 Hantavirus-Erkrankungen aus Baden-Württemberg
übermittelt. Dabei wurde 1 598 mal der Virustyp
16
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
14
12
10
8
6
4
2
0
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Meldejahr
Abb. 82: Übermittelte Hantavirus-Erkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr von 2001 bis 2012,
Baden-Württemberg (Säulen) und Deutschland (Linie)
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
97
Die Jahre 2007, 2010 und 2012 waren in Bezug
auf die seit 2001 übermittelten Erkrankungen Rekordjahre. Alle drei Jahre waren durch Ausbrüche
von Puumala-Virus-Infektionen gekennzeichnet.
Die Häufungen sind vermutlich auf besonders
hohe Populationen an Rötelmäusen, welche
Überträger des Hantavirus sind, zurückzuführen.
Hauptnahrungsquelle der Rötelmaus sind Samen
wie Bucheckern. Regionen mit hohem Buchenanteil wie die Schwäbische Alb und der Schönbuch
sind daher besonders betroffen.
ALTERS- UND GESCHLECHTSVERTEILUNG
Überdurchschnittlich häufig werden Erkrankungen bei den 40- bis 49-Jährigen gemeldet.
Gemittelt über die Jahre 2001 bis 2010 waren
es in dieser Altersgruppe 14 Erkrankungen pro
100 000 Einwohner. Mit zunehmendem Alter
20
sinkt die Inzidenz wieder. Der Anteil der Männer
unter den übermittelten Erkrankungen lag über
70 %. Erkrankungen bei Kindern wurden nur selten übermittelt.
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
männlich
weiblich
18
16
14
12
10
8
6
4
2
0
0
1
2
3
4
5-9
10-14 15-19 20-24 25-29 30-39 40-49 50-59 60-69
70+
Altersgruppe
Abb. 83: Übermittelte Hantavirus-Erkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr nach Alter und Geschlecht,
Baden-Württemberg, gemittelt über die Jahre 2011-2012
SAISONALER VERLAUF
Hantavirus-Erkrankungen treten vor allem in der
warmen Jahreszeit auf, mit einem breiten Maximum in den Monaten April bis Juli. In Abbildung
84 sind die übermittelten Hantavirus-Erkrankungen pro Meldewoche dargestellt. Die Erkrankun-
gen des Jahres 2012 sind als Säulen und die des
Jahres 2011 als Linie dargestellt. Dahinter liegt
die Streubreite der Anzahl übermittelter Erkrankungen aus den Jahren 2001-2010 (graue Fläche).
GEOGRAFISCHE VERTEILUNG DER HANTAVIRUS-ERKRANKUNGEN
In 265 von 1 821 Fällen aus den Jahren 20112012 konnten keine Angaben zum Infektionslandkreis gemacht werden. Bei 16 Erkrankungsfällen lag der wahrscheinliche Infektionsort im
Ausland und in 15 Fällen in einem anderen Bundesland. Der Stadtkreis Stuttgart und die Land98
kreise Göppingen und Esslingen wurden am häufigsten als möglicher Infektionsort angegeben,
gefolgt von weiteren Landkreisen im Verlauf der
Schwäbischen Alb (Reutlingen, Tübingen, Zollernalbkreis).
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
übermittelte
Erkrankungen / Woche
140
120
100
80
60
40
20
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53
Meldewoche
Abb. 84: Übermittelte Hantavirus-Erkrankungen in Baden-Württemberg nach Meldewoche 2012 (Säulen),
2011 (Linie) und Streubreite der Übermittlungen in den Jahren 2001 bis 2010 (Fläche)
Abb. 85: Wahrscheinliche Infektionsorte und Anzahl hierzu übermittelter Hantavirus-Infektionen,
Landkreise in Baden-Württemberg, 2011-2012
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
99
Die Auswertung nach übermittelten Erkrankungen je Landkreis pro 100 000 Einwohner (gemittelt über die Jahre 2011-2012) zeigt die höchsten
Inzidenzen in den Landkreisen Göppingen mit
65,5 und Reutlingen mit 64,4. Es folgt der Landkreis Heidenheim mit 62,7 und der Landkreis
Sigmaringen mit 53,9 Hantavirus-Erkrankungen
pro 100 000 Einwohner. Die Abbildungen 86 und
87 zeigen die Hantavirus-Inzidenzen in BadenWürttemberg auf Gemeindeebene.
Informationen zur Vermeidung von Hantavirus-Infektionen sind zu finden unter: http://www.rki.de/
DE/Content/InfAZ/H/Hantavirus/Merkblatt.html.
Abb. 86: Anzahl übermittelter Hantavirus-Infektionen, Gemeinden in Baden-Württemberg, 2011
Abb. 87: Anzahl übermittelter Hantavirus-Infektionen, Gemeinden in Baden-Württemberg, 2012
100
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
Von Mäusen und Menschen mit Hantaviren
In der bisher größten Hantavirus-Epidemie im
Jahr 2012 erkrankten in Baden-Württemberg
1 693 Personen, mehr Menschen als in den früheren Ausbruchsjahren 2007 (1 089 Fälle) und
2010 (997 Fälle). Der Beginn des Ausbruchs
zeichnete sich bereits im Herbst 2011 durch einen Anstieg der Fälle ab. Ein starker Fruchtanhang bei Buchen und Eichen hatte das Jahr 2011
zu einem Mastjahr mit idealen Nahrungsbedingungen für Rötelmäuse als Überträger des Hantavirus gemacht.
Wie bei früheren Ausbrüchen waren vor allem
Männer (70 %) in der Altersgruppe zwischen
20-59 Jahren betroffen. Auch die geografische
Verteilung der Hantavirus-Fälle entsprach den
Verbreitungsgebieten der Vorjahre. Die am häufigsten verzeichneten Symptome waren Fieber,
Nierenfunktionsstörungen, Kopfschmerzen, Muskel-, Glieder- und Rückenschmerzen. Zwei Drittel der Fälle mussten im Krankenhaus behandelt
werden; es gab keinen Todesfall.
Bereits zu Beginn des Jahres 2012 veröffentlichte
das Regierungspräsidium Stuttgart eine Pressemitteilung des LGA zu Hantaviren und Präventionsmaßnahmen. Weitere Pressemitteilungen des
Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg
(LGA) im März und im Mai 2012 durch das Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie,
Frauen und Senioren Baden-Württemberg bewirkten ein breites Medienecho. Um Kenntnisse
darüber zu gewinnen, ob die Informationen zu Risikofaktoren und zur Prävention von HantavirusInfektionen von der Bevölkerung wahrgenommen
werden, wurde in Zusammenarbeit mit Gesundheitsämtern betroffener Kreise eine Fall-KontrollStudie begonnen. Zwischen Juli und Dezember
wurden 246 Erkrankte (Fälle) und 181 Nichterkrankte (Kontrollen) aus deren Nachbarschaft
zu Risikofaktoren, Anwendung von Präventionsmaßnahmen, zur Risikowahrnehmung und zum
Kenntnisstand über Hantavirus-Infektionen befragt. Vorläufige Ergebnisse lassen den Schluss
zu, dass Präventionsmaßnahmen wie das Tragen
von Mundschutz und Handschuhen zwar bekannt
sind, jedoch im Alltag selten umgesetzt werden.
Nach eigenen Angaben wandten Nichterkrankte
Präventionsmaßnahmen häufiger an, wie Lüften
von Räumen vor dem Reinigen und Händewaschen nach der Arbeit.
Auszug aus dem Jahresbericht 2012 des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg. Ides Boone,
Christiane Wagner-Wiening, Dorothee Lohr, Günter
Pfaff, Ref. 95.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
Hantavirus-Erkrankungen sind vielgestaltig
– aufmerksame Ärzte sind gefragt
Bei Hantavirus-Erkrankten muss der Arzt auch
mit untypischen Beschwerden rechnen. Das zeigt
eine Untersuchung des Gesundheitsamts Göppingen und des Landesgesundheitsamts BadenWürttemberg.
Der Hantavirus-Ausbruch 2012 bot Gelegenheit,
das Spektrum der klinischen Symptome bei Hantavirus-Erkrankungen zu erfassen, zu beschreiben und dabei bislang im Meldesystem nicht erfasste Symptome zu identifizieren.
Im Landkreis Göppingen wurde im Jahr 2012 die
zweithöchste Inzidenz von Hantavirus-Erkrankungen unter allen Stadt- und Landkreisen in
Baden-Württemberg festgestellt. Für die Ermittlungen des Gesundheitsamts wurde ein Fragebogen zu Symptomen und klinischen Parametern
erstellt. Von Juni bis November 2012 wurden
Informationen zu allen im Landkreis Göppingen
wohnhaften Patienten mit einer laborbestätigten
Hantavirus-Infektion, die in diesem Zeitraum entweder ambulant beim Hausarzt oder stationär im
Krankenhaus behandelt wurden, nach der so erstellten Beschwerdeliste erhoben und die Patienten kontaktiert. Von 38 Patienten kamen 37 Fragebögen zurück. 26 Patienten mussten stationär
behandelt werden; bei vier Patienten lag bereits
eine chronische Erkrankung (z. B. Asthma) vor.
Auffällig war die Vielfalt der angegebenen Beschwerden. Die meisten Patienten zeigten das
für eine Hantavirus-Infektion typische klinische
Bild einer Nephropathia epidemica. Bei weiteren
Patienten waren die angegebenen Symptome
jedoch nicht zwingend kennzeichnend für eine
Hantavirus-Erkrankung. Die Untersuchung gestattet jedoch keine Aussage darüber, warum
diese Patienten trotz unspezifischer Symptomatik
auf Hantaviren getestet wurden. Ein Grund dafür
könnte die gesteigerte Aufmerksamkeit ihrer behandelnden Ärzte gegenüber Hantavirus-Infektionen in diesem hoch endemischen Landkreis sein.
Daher sollte in Risikogebieten für Hantavirus-Erkrankungen auch bei unspezifischen Symptomen
eine mögliche Hantavirus-Infektion in Betracht
gezogen und gegebenenfalls durch eine Laboruntersuchung abgeklärt werden.
Auszug aus dem Jahresbericht 2012 des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg. Lukas Murajda,
Elisabeth Aichinger, Christiane Wagner-Wiening, Günter Pfaff, Ref.95; Birgit Villforth, Nadja Mürter, Gesundheitsamt Göppingen
101
3.5.8 Legionellose
Legionellen-Bakterien.
Über 40 Spezies sind bekannt, 90 % der Erkrankungen durch Legionella pneumophilia. Insgesamt sind 18 Serogruppen bekannt, am
häufigsten werden Erkrankungen mit Serogruppe 1 diagnostiziert.
Vorkommen:
Weltweit.
Reservoir:
Kommen in natürlichen Gewässern, aber auch in künstlich wasserleitenden Systemen vor. Ideale Bedingungen zur Vermehrung der
Bakterien bei Wassertemperaturen bestehen zwischen 25 und 45°C.
Bei Temperaturen über 60°C sterben Legionellen ab. Künstliche Erregerreservoire durch Klimaanlagen und Duschanlagen.
In sogenannten Protozoen - beispielsweise Amöben - können sich
Legionellen tausendfach vermehren. Amöben dienen den Legionellen als Wirt und bieten Schutz gegen alle gängigen Desinfektionsmittel. Zudem sind sie resistent gegen thermische Desinfektionsverfahren und Bestrahlung mit UV-Licht.
Infektionsweg:
Inhalation von bakterienhaltigem Wasser. Übertragungen finden dort
statt, wo es bei Warmwasser zu Sprühnebelbildung (Aerosol) kommt,
z. B. durch Klimaanlage, Whirlpool, Dusche, Springbrunnen, Rückkühlwerke.
Inkubationszeit:
Legionärskrankheit: 2-10 Tage.
Pontiac-Fieber: 5-72 Stunden, durchschnittlich 24-48 Stunden.
Dauer der
Ansteckungsfähigkeit:
Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht bekannt.
Klinische Symptomatik:
Zwei Krankheitsbilder werden unterschieden:
Legionärskrankheit: Lungenentzündung, einhergehend mit schwerem
Krankheitsgefühl, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen.
Pontiac-Fieber: Grippeähnliches Bild mit Fieber, Husten und Muskelschmerzen ohne Lungenentzündung.
Vorbeugung:
Verminderung der Verkeimung wasserführender Systeme, s. Informationen des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches e. V.
Im Jahr 2011 wurde die Trinkwasserverordnung aktualisiert (BGBl
61 vom 6.12.2011). Meldungen an das Gesundheitsamt sind nötig,
wenn der technische Maßnahmenwert für Legionellen, der 2011 in
die Trinkwasserverordnung eingeführt wurde, überschritten wird.
ZEITREIHE
In den Jahren 2001-2010 wurden insgesamt 769
Legionellen-Erkrankungen aus Baden-Württemberg übermittelt. Im Jahr 2010 war mit 169 Erkrankungen (die vor allem beim Ausbruch in Ulm
auftraten) das bisherige Maximum der Meldezahlen seit Einführung des IfSG im Jahr 2001
102
erreicht. Die Inzidenz für 2010 lag bei 1,6 Erkrankungen pro 100 000 Einwohner. In den Jahren
2009 mit 0,9 und 2008 mit 0,8 lag sie darunter.
Tendenziell sind die Meldezahlen in den letzten
Jahren ansteigend.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
2
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
1,5
Ulm
1
0,5
0
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Meldejahr
Abb. 88: Übermittelte Legionellosen pro 100 000 Einwohner und Jahr von 2011 bis 2012,
Baden-Württemberg (Säulen) und Deutschland (Linie)
Legionelloseerkrankung mit Todesfolge
Eine Person mit Vorerkrankung erkrankte 2012
an einer schweren Legionellose und verstarb drei
Wochen später. Die Typisierung der menschlichen Probe ergab den Nachweis von Legionella
pneumophila Serogruppe 1 MAB Typ Olda und
Sequenz Typ 45. Von drei möglichen Infektionsquellen wurden Wasserproben genommen und
am Landesgesundheitsamt untersucht. Lediglich
in den Proben der Hausinstallation des eigenen
Hauses konnten Legionellen nachgewiesen werden. Die Typisierung ergab ebenfalls Legionalla
pneumophila Serogruppe 1 MAB Typ Olda Sequenz Typ 45. Als wahrscheinliche rsache der
Legionelleninfektion kann daher das Wasser aus
der eigenen Hausinstallation angesehen werden
wobei eine reduzierte Immunlage diese Infektion
begünstigt hat.
Auszug aus dem Wochenbericht zu aktuellen IfS Meldungen Meldewoche 31 2012 des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg.
ALTERS- UND GESCHLECHTSVERTEILUNG
berwiegend werden Erkrankungen bei älteren
- ährigen Männer die höchste Inzidenz mit fast
Erwachsenen übermittelt. Mit zunehmendem Al- vier Erkrankungen pro 100 000. Männer sind mit
ter steigen die Neuerkrankungsraten an. emit- knapp 0 bei den Legionellosen deutlich häufitelt über die ahre 2011-2012 haben die 0 bis ger betroffen als rauen.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
103
4
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
männlich
weiblich
3
2
1
0
0
1
2
3
4
5-9
10-14 15-19 20-24 25-29 30-39 40-49 50-59 60-69
70+
Altersgruppe
Abb. 89: Übermittelte Legionellosen pro 100 000 Einwohner und Jahr nach Alter und Geschlecht,
Baden-Württemberg, gemittelt über die Jahre 2011-2012
SAISONALER VERLAUF
Bei den übermittelten Legionellosen ist im Jahresverlauf meist von Juni bis September ein leichter
Anstieg zu beobachten. Eine besondere Bedeutung kommt reiseassoziierten Erkrankungen zu,
da nicht selten Infektionen während einer Reise
und den damit verbundenen Aufenthalten in Hotels und anderen Unterkünften erworben werden.
Dieses mit Urlaubsreisen im Sommer verbundene Infektionsrisiko bildet sich im Diagramm vermutlich ab.
104
In Abbildung 90 sind die übermittelten Legionellose-Erkrankungen pro Meldewoche dargestellt.
Die Erkrankungen des Jahres 2012 sind als Säulen und die des Jahres 2011 als Linie dargestellt.
Dahinter liegt die Streubreite der Anzahl übermittelter Erkrankungen aus den Jahren 2001-2010
(graue Fläche).
Der Januar-Gipfel ist auf den Ausbruch im Januar
2010 in Ulm zurückzuführen.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
übermittelte
Erkrankungen / Woche
45
40
35
30
25
20
15
10
5
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53
Meldewoche
Abb. 90: Übermittelte Legionellosen in Baden-Württemberg nach Meldewoche 2012 (Säulen), 2011 (Linie)
und Streubreite der Übermittlungen in den Jahren 2001 bis 2010 (Fläche)
Bei den Übermittlungen wurde zu 85 % als Infektionsland Deutschland angegeben. Bei 15 %
der Angaben lag das Infektionsland im Ausland.
Somit gab es 2011-2012 insgesamt 32 Erkrankungsfälle, die sich vermutlich im Ausland infiziert
haben. Darunter wurden als wahrscheinliches Infektionsland Italien (10 Fälle), Griechenland (drei
Fälle), Spanien, Kroatien, Vereinigte Arabische
Emirate, Österreich und die Türkei (alle mit zwei
Fällen) angegeben.
Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes verwenden zur Unterstützung ihrer Ermittlungen einen
Erhebungsbogen für Legionellose. Die Mitarbeiter fragen damit mögliche Expositionsquellen ab,
die innerhalb der letzten 14 Tage vor Auftreten
der ersten klinischen Symptome benutzt wurden
(z. B. öffentliche Duschen oder Schwimmbäder).
Alle Übernachtungsorte während Reisen werden
genau ermittelt. Das Gesundheitsamt leitet entsprechende Maßnahmen zur Kontrolle ein oder
leitet die Informationen an die örtlich zuständige
Gesundheitsbehörde weiter.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
Seit September 2012 ist Deutschland Mitglied
des am ECDC (European Centre for Disease Prevention and Control) in Stockholm angesiedelten
Europäischen Legionellen-Netzwerks ELDSNet
(European Legionnaires Disease Surveillance
Network). Bei Bekanntwerden einer Infektion
mit Reiseanamnese im In- oder Ausland wird
das LGA sowie das RKI informiert. Eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit findet dann im
Europäischen Legionellen-Netzwerk ELDSNet
(früher EWGLINET) statt. Ziel des Netzwerkes
ist die frühzeitige Erkennung von reiseassoziierten Legionellen-Ausbrüchen in Europa, um so
bestehende Infektionsquellen in Hotels oder anderen Reiseunterkünften schnell aufspüren und
beseitigen zu können. ELDSNet informiert und
unterstützt die zuständigen Institutionen im betroffenen Infektionsland bei der Nachverfolgung
der potenziellen Infektionsquellen, bei denen die
beteiligten Fälle aus verschiedenen europäischen
Ländern stammen.
105
3.5.9 Listeriose
Listeria monocytogenes ist ein grampositives bewegliches Stäbchenbakterium. Es sind elf Serotypen bekannt.
Vorkommen:
Weltweit.
Reservoir:
Umweltkeim, kommt auch im Darm vieler Haus- und Nutztiere vor.
Infektionsweg:
Die Listeriose ist eine lebensmittelbedingte Erkrankung. Die Erregeraufnahme erfolgt üblicherweise durch den Verzehr von Produkten,
die mit Listerien kontaminiert sind. Die höchste Kontamination weisen
typischerweise folgende Lebensmittel auf: Räucherfisch, Rohmilchkäse, Rohwürste, Weichkäse, Schnittsalate.
Die Infektion von Neugeborenen kann sowohl während der Schwangerschaft über die Plazenta als auch unter der Geburt bei Durchtritt
durch den Geburtskanal erfolgen.
Inkubationszeit:
Bei Übertragung durch kontaminierte Lebensmittel 3-70 Tage.
Dauer der
Ansteckungsfähigkeit:
Ausscheidung der Erreger mit dem Stuhl über mehrere Monate möglich.
Klinische Symptomatik:
Bei immunkompetenten Erwachsenen kommt es nur selten zu einer
Erkrankung, die meist nur als uncharakteristische fieberhafte Erkrankung verläuft. Bei immungeschwächten Patienten kann sie plötzlich
und heftig beginnen, mit Fieber, Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit,
Übelkeit und Erbrechen als Zeichen einer Meningoenzephalitis oder
Sepsis. Grundsätzlich kann im Verlauf der Erkrankung jedes Organ
befallen werden. Eine Listerieninfektion in der Frühschwangerschaft
verläuft häufig unauffällig, kann jedoch zu einer Fehl- oder Totgeburt
des Fötus führen. Bei Erregerübertragung im letzten Schwangerschaftsdrittel oder unter der Geburt kann es innerhalb weniger Tage
nach Geburt zum Hautausschlag sowie zu Zeichen einer Meningitis
oder Meningoenzephalitis beim Neugeborenen kommen. Die Sterberate liegt bei infizierten Neugeborenen bei 30-50 % und beträgt bei
Erwachsenen bis zu 30 %.
Vorbeugung:
Allgemeine Hygienemaßnahmen bei der Zubereitung von Lebensmitteln: Hände waschen, Zubereitung von Fleisch und rohem Gemüse
auf getrennten Arbeitsflächen, Abkochen von Rohmilch vor dem
Verzehr und gründliches Durcherhitzen von Fleisch und Fleischwaren. Schwangere und abwehrgeschwächte Patienten wie Tumor-,
HIV-Patienten, und Personen mit Cortisontherapie sollten auf den
Verzehr von Rohmilch und Rohmilchprodukten sowie Räucherfisch
verzichten und generell tierische Lebensmittel möglichst lange vor
Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums verzehren.
ZEITREIHE
In den Jahren 2001-2012 wurden insgesamt 603
Listeriose-Erkrankungen aus Baden-Württemberg übermittelt. Im Jahr 2012 wurden 63 Listeriosen gezählt, 2011 waren es 44 Erkrankungen.
Die Inzidenz für 2012 lag bei 0,6 Erkrankungen
pro 100 000 Einwohner, höher als im Vorjahr mit
106
0,4 Erkrankungen pro 100 000 Einwohner. Im
deutschlandweiten Vergleich lag Baden-Württemberg 2012 über der bundesdeutschen Inzidenz
von 0,5 Erkrankungen pro 100 000 Einwohner.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
0,7
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
0,6
0,5
0,4
0,3
0,2
0,1
0
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Meldejahr
Abb. 91: Übermittelte Listeriosen pro 100 000 Einwohner und Jahr von 2001 bis 2012,
Baden-Württemberg (Säulen) und Deutschland (Linie)
Schwangerschafts-Listeriose
Zwischen der 32. und der 35. Kalenderwoche
2012 wurden dem Landesgesundheitsamt drei
Schwangerschafts-Listeriosen übermittelt. Dabei
kam es in einem Fall zu einer Totgeburt. Ermittlungen zur Verzehrsanamnese erbrachten keine
Hinweise auf mögliche Infektionsquellen.
Bei der Listeriose einer Schwangeren bzw. ihres
Kindes erfolgt die Infektion während der Schwangerschaft (transplazentar), während der Geburt
bei Durchtritt durch den Geburtskanal oder postnatal durch Kontakt. Während die Infektion bei
der Schwangeren in der Regel klinisch unauffällig
verläuft, kann es bei Infektion des ungeborenenen Kindes zu einer Früh- oder Totgeburt kom-
men. Kommt es zu einer Infektion des Kindes
während der Geburt (neonatale Listeriose) kann
es zum Auftreten schwerer Erkrankungen, gekennzeichnet durch Sepsis, Atemnotsyndrom,
Hautläsionen oder Meningitis kommen.
Die Listeriose der Schwangeren wird in der Regel lebensmittelbedingt durch den Verzehr von
mit Listeria monocytogenes belasteten nicht bzw.
unzureichend erhitzten vom Tier stammenden
Lebensmitteln erworben. Schwangeren wird daher empfohlen auf den Verzehr von Rohfleischerzeugnissen und Rohwurst, rohem Fisch sowie
geräucherten und marinierten Fischerzeugnisse
und Rohmilchweichkäse zu verzichten.
ALTERS- UND GESCHLECHTSVERTEILUNG
Die Altersverteilung bildet die drei speziellen Diagnosen der Listeriose ab. Der erste Gipfel stellt
die Neugeborenen-Listeriosen mit 6 Fällen in den
Jahren 2011-2012 dar, dazu war eine Totgeburt
zu verzeichnen. Analog wurden sechs ListerioseInfektionen bei asymptomatischen Schwangeren
verzeichnet, sowie eine Schwangerschaftslisteriose bei einer weiteren Patientin.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
Einen weiteren Gipfel bilden Erwachsene über 50
Jahren mit einer Erkrankungen pro 100 000. Ab
50 Jahren steigt mit zunehmendem Alter die Inzidenz an. Bei den über 70-jährigen Männern wurden 1,8 Erkrankungen pro 100 000 verzeichnet.
107
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
5
4,5
männlich
weiblich
4
3,5
3
2,5
2
1,5
1
0,5
0
0
1
2
3
4
5-9
10-14 15-19 20-24 25-29 30-39 40-49 50-59 60-69
70+
Altersgruppe
Abb. 92: Übermittelte Listeriosen pro 100 000 Einwohner und Jahr nach Alter und Geschlecht,
Baden-Württemberg, gemittelt über die Jahre 2011-2012
SAISONALER VERLAUF
Bei den übermittelten Listeriosen zeichnet sich keine deutlich saisonale Verteilung ab. In Abbildung
93 sind die übermittelten Listeriosen pro Meldewo-
che dargestellt. Die Erkrankungen des Jahres 2012
sind als Säulen und die des Jahres 2011 als Linie
dargestellt. Dahinter liegt die Streubreite der Anzahl
übermittelter Erkrankungen aus den Jahren 20012010 (graue Fläche).
übermittelte
Erkrankungen / Woche
9
8
7
6
5
4
3
2
1
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53
Meldewoche
Abb. 93: Übermittelte Listeriosen in Baden-Württemberg nach Meldewoche 2012 (Säulen), 2011 (Linie)
und Streubreite der Übermittlungen in den Jahren 2001 bis 2010 (Fläche)
108
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
3.5.10 Masern
Das Masernvirus ist ein behülltes RNA-Virus der Familie
Paramyxoviren.
Vorkommen:
Weltweit, jedoch Beeinflussung der Epidemiologie durch die Masernimpfung.
Reservoir:
Mensch.
Infektionsweg:
Hoch ansteckend über Speicheltröpfchen, z. B. beim Husten, Niesen
oder Sprechen. Auch über einen Kontakt mit infizierten Gegenständen wie z. B. Geschirr oder Besteck ist eine Ansteckung möglich.
Inkubationszeit:
7-18 Tage.
Dauer der
Ansteckungsfähigkeit:
Fünf Tage vor bis vier Tage nach Beginn des Hautausschlags.
Klinische Symptomatik:
Beginn mit unspezifischen Vorzeichen: Husten, Schnupfen und Fieber. Nach 4-6 Tagen fleckiger Hautausschlag, der hinter den Ohren
beginnt und sich dann über den ganzen Körper ausbreitet. Lichtscheu, häufig Bindehautentzündung.
Komplikationen bei 10-20 % der Erkrankten, am häufigsten Mittelohrund Lungenentzündung. Bei ca. 0,1 % der Erkrankten kommt es zu
einer Entzündung des Gehirns, die mit Bewusstseinsstörungen und
Koma einhergehen kann, bei 1/3 der Fälle bleibende Schäden hinterlässt und in 10-20 % zum Tode führen kann.
Spätkomplikationen: 7-11 Fälle pro 100 000 Erkrankte entwickeln eine
subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE). Die Masernviren
verbleiben in den Gehirnzellen und zerstören diese. Es kommt zu psychischen und geistigen Einschränkungen bis zum Verlust der Gehirnfunktion
mit tödlichem Ausgang.
Vorbeugung:
2-fach-Impfung mit einem Kombinationsimpfstoff gegen MasernMumps-Röteln (MMR) oder Masern-Mumps-Röteln-Windpocken
(MMRV)
Erstimpfung: 11.-14. Lebensmonat.
Zweitimpfung: 15.-23. Lebensmonat (Empfehlung der STIKO).
Nachholimpfung bzw. Vervollständigen des Impfschutzes bis zum 18.
Geburtstag. Nachholimpfung für nach 1970 Geborene: Eine Impfung
für Ungeimpfte, in der Kindheit einmal Geimpfte, Personen mit unklarem Impfschutz (vorzugsweise MMR-Impfstoff).
ZEITREIHE
Im Jahr 2012 wurden 20 Masern-Erkrankungen
an das LGA übermittelt. Dieses Meldeaufkommen wurde im Jahr 2011 deutlich überschritten,
es wurden 524 Masern-Erkrankungen aus Baden-Württemberg gezählt. Ursache für diese
Häufungen waren vornehmlich Masernausbrüche
in Schulen (296 Masernfälle).
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
Die Inzidenz für 2011 lag bei 4,9 Erkrankungen pro
100 000 Einwohner. Im Jahr 2012 lag sie bei 0,2
Erkrankungen pro 100 000 Einwohner. Im deutschlandweiten Vergleich lag Baden-Württemberg
2011 weit über der bundesdeutschen Inzidenz
von zwei Erkrankungen pro 100 000 Einwohner.
109
8
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
7
6
5
4
3
2
1
0
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Meldejahr
Abb. 94: Übermittelte Masernerkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr von 2001 bis 2012,
Baden-Württemberg (Säulen) und Deutschland (Linie)
2011: So viele Masern wie seit zehn Jahren nicht mehr
Am stärksten betroffen waren mit weitem Abstand
der Ortenaukreis (213 Masernfälle), gefolgt von
der Landeshauptstadt Stuttgart (94), dem Landkreis und der Stadt Karlsruhe (32 bzw. 5), der
Stadt Freiburg im Breisgau und dem Landkreis
Breisgau-Hochschwarzwald (32 bzw. 7) sowie
dem Landkreis Esslingen (13).
gen (28). Drei von zehn Masernerkrankten waren
älter als 14 Jahre (28,2 Prozent), und mehr als
jeder sechste Masernpatient war bereits erwachsen (17,5 Prozent). Bei älteren Masernpatienten kann die Viruskrankheit schwerer verlaufen.
Insgesamt wurde jeder neunte Masernpatient im
Krankenhaus behandelt (46 Masernfälle).
Ursache für diese Häufungen waren vornehmlich
Masernausbrüche in Schulen (296 Masernfälle).
Die meisten dieser Masernfälle kamen aus Schulen mit einem traditionell geringen Anteil geimpfter Kinder und Jugendlicher, vornehmlich aus
Waldorf-Schulen. Danach folgen Masernhäufungen in Familien (66) und Kindertageseinrichtun-
Von über 500 Masernpatienten war nur bei einer
Person eine 2-fach-Impfung dokumentiert; allerdings bestand bei diesem Patienten eine Grundkrankheit mit Beeinträchtigung der körpereigenen
Immunabwehr.
Importierte Masernerkrankungen aus Rumänien
In der 14. Kalenderwoche 2012 wurden dem Landesgesundheitsamt zwei Masernverdachtsfälle
bei zwei ungeimpften Reisenden aus Rumänien
übermittelt. Der Verdacht wurde labordiagnostisch durch IgM-Nachweis bestätigt. Abstrichmaterial wurde zur Typisierung an das Nationale Referenzzentrum für Masern, Mumps, Röteln
versandt. Weitere Ermittlungen ergaben keinen
Hinweis auf weitere Erkrankte. Die Einreise der
110
Erkrankten nach Deutschland erfolgte in einem
Überlandbus. Die Landesstellen der Bundesländer, in denen der Überlandbus hielt (Aussteigeorte), wurden über das Geschehen unterrichtet.
Auszug aus dem Wochenbericht zu aktuellen IfSGMeldungen Meldewoche 14/2012 des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
Masernhäufungen 2012
13 Tage nach einem zweitägigen Aufenthalt in
Straßburg/Frankreich erkrankte ein ungeimpfter
10-Jähriger im April mit Exanthem, Fieber und
Konjunktivitis. Der klinische Masernverdacht wurde durch das Nationale Referenzzentrum labordiagnostisch bestätigt. Ende April bzw. Anfang
Mai erkrankten zwei Klassenkameraden des Indexfalls, auch hier wurde der klinische Verdacht
labordiagnostisch bestätigt.
Ebenfalls im April erkrankte ein ungeimpfter 12-Jähriger an Masern. Er hatte die Osterwoche in Berlin
verbracht, so dass die Ansteckung vermutlich dort
erfolgte. Nach Kontakt mit dem Patienten erkrankte
eine ungeimpfte medizinische Angestellte der Arztpraxis, die der Erkrankte aufgesucht hatte.
Auszug aus dem Wochenbericht zu aktuellen IfSGMeldungen Meldewoche 19/2012 des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg.
ALTERS- UND GESCHLECHTSVERTEILUNG
16
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
männlich
weiblich
14
12
10
8
6
4
2
0
0
1
2
3
4
5-9
10-14 15-19 20-24 25-29 30-39 40-49 50-59 60-69
70+
Altersgruppe
Abb. 95: Übermittelte Masernerkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr nach Alter und Geschlecht,
Baden-Württemberg, gemittelt über die Jahre 2011-2012
Überwiegend werden Erkrankungen bei Kindern
bis vier Jahren gemeldet. In dieser Altersgruppe
waren es, gemittelt über die Jahre 2011-2012,
8,9 Erkrankungen pro 100 000.
In den Jahren 2011 und 2012 waren die 10 bis
19-Jährigen mit 9,5 Erkrankungen pro 100 000
besonders stark betroffen. Danach nimmt die Inzidenz mit dem Alter deutlich ab.
SAISONALER VERLAUF
Bei den übermittelten Masernerkrankungen zeigt
sich ein saisonaler Verlauf. Vermehrt treten die
Fälle im Frühjahr auf. Über 80 % der übermittelten
Erkrankungen waren 2001-2010 in den Monaten
Februar bis Juni aufgetreten. In der Abbildung 96
sind die übermittelten Masernerkrankungen pro
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
Meldewoche dargestellt. Die Erkrankungen des
Jahres 2012 sind als Säulen und die des Jahres
2011 als Linie dargestellt. Dahinter liegt die Streubreite der Anzahl übermittelter Erkrankungen aus
den Jahren 2001-2010 (graue Fläche).
111
übermittelte
Erkrankungen / Woche
80
70
60
50
40
30
20
10
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53
Meldewoche
Abb. 96: Übermittelte Masernerkrankungen in Baden-Württemberg nach Meldewoche 2012 (Säulen), 2011
(Linie) und Streubreite der Übermittlungen in den Jahren 2001 bis 2010 (Fläche)
Masern könnten global eliminiert werden, wenn
mindestens 95 % der Weltbevölkerung zweimalig
mit der MMR-Vakzine geimpft wären. Die Elimina-
tion der Masern und der Röteln wird für die WHORegion Europa für das Jahr 2015 angestrebt.
GEOGRAFISCHE VERTEILUNG
Die Menschen im Westen und Süden BadenWürttembergs sind am stärksten von Masernerkrankungen betroffen. Regionale Masernausbrüche z. B. in Schulen oder Kindergärten sind für
diese Erkrankungsgipfel verantwortlich. Sporadische Fälle und regionale Ausbrüche sind aufgrund der ungenügenden Durchimpfungsrate (s.
nachfolgende Abbildungen) weiterhin zu erwar-
112
ten. In der angrenzenden Schweiz gab es von
Dezember 2010 bis Juli 2011 eine Masernepidemie mit insgesamt 654 Masernfällen aus 21
Kantonen. Dem gegenüber stehen 40 Fälle in der
entsprechenden Zeitperiode im Jahr 2009/2010.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
Abb. 97: Karte der übermittelten Masernerkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr, Baden-Württemberg,
2011
ENTWICKLUNG DER MASERNIMPFRATEN IN BADEN-WÜRTTEMBERG
Bei 19 (3,6 %) der 524 in 2011 übermittelten Masern-Erkrankungen konnten keine Angaben zum
Impfstatus gemacht werden. 472 (90,1 %) waren
ungeimpft und 33 (6,3 %) Erkrankte waren geimpft. Von diesen Geipften lag bei 27 mindestens
eine Impfung gegen Masern vor, bei zwei Patienten lagen zwei Impfungen vor und in vier Fällen
konnten keine Angaben zur Anzahl der Impfungen gemacht werden.
Um eine Ausbreitung von Masern zu verhindern,
ist eine effektive Immunisierung von mindestens
95 % sowohl der ersten als auch der zweiten Masernimpfung erforderlich. In Baden-Württemberg
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
haben im Untersuchungsjahr 2012 erstmalig
95 % der untersuchten Kindern mit Impfausweis
mindestens eine Masernimpfung erhalten (Abb.
98). Der Anteil der Kinder, die zwei oder mehr
Dosen erhalten haben steigt stetig an. Er ist mit
89,2% noch unter dem WHO-Ziel.
In 31 Stadt- undLandkreisen ist die Impfrate der
ersten Masernimpfung über 95 %, und in zwei
Kreisen auch die Rate der Kinder, die zwei oder
mehr Masernimpfdosen erhalten haben, über
95 %. Die Impfraten in Baden-Württemberg liegen sowohl für die erste als auch für die zweite
Masernimpfung unter den Impfraten für Deutschland.
113
100
95 %
Impfrate in %
80
60
40
20
2012
2011
2010
2009
2008
2007
2006
2005
2004
2003
2002
0
Jahr
BW mind. 1
BW 2+
DE mind. 1
DE 2+
Abb. 98: Masernimpfrate bei der Schulärztlichen Untersuchung der Jahre 2002-2012 in Baden-Württemberg
(Säulen) und Deutschland (Linie)
Abb. 99: Anteil der Kinder mit mindestens einer Masernimpfung bei der Schulärztlichen Untersuchung im
Untersuchungsjahr 2011/12, Baden-Württemberg nach Stadt- und Landkreisen
114
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
Abb. 100:
Anteil der Kinder mit zwei und mehr Masernimpfungen bei der Schulärztlichen
Untersuchung im Untersuchungsjahr 2011/12, Baden-Württemberg nach Stadt- und Land
kreisen
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
115
3.5.11 Meningokokken-Erkrankung
Meningokokken sind Bakterien der Art Neisseria meningitidis. Diese
gramnegative Diplokokken können sich im Nasen-Rachen-Raum des
Menschen ansiedeln. Ca.10 % der Bevölkerung sind zeitweise Träger dieses Bakteriums, ohne dass es zu Krankheitszeichen kommt.
Aufgrund der Kapseleigenschaften werden zwölf Serogruppen unterschieden.
Vorkommen:
Weltweit. In Deutschland v. a. Serogruppen B und C. Selten die
Serogruppen Y und W135.
Reservoir:
Einziges Reservoir ist der Mensch.
Infektionsweg:
Übertragung durch Tröpfchen z. B. durch Husten und Niesen sowie
direkter Kontakt mit Sekreten aus dem Mund-Rachenraum.
Inkubationszeit:
Drei bis vier Tage, gelegentlich 2-10 Tage.
Dauer der
Ansteckungsfähigkeit:
Mit einer Ansteckungsfähigkeit ist 24 Stunden nach Beginn einer Antibiotikatherapie nicht mehr zu rechnen.
Klinische Symptomatik:
Schlagartig einsetzendes Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen,
Schwindel, Lichtscheu, Erbrechen, schmerzhafte Genickstarre und
schweres Krankheitsgefühl. Bei schwerem Verlauf können Einblutungen in die Haut auftreten (Petechien). Durch die sehr rasche Ausbreitung der Erreger im Körper kann es zu Herz-Kreislaufversagen und
zum Zusammenbrechen aller Abwehrvorgänge im Körper kommen
(Waterhouse-Friderichsen-Syndrom) was innerhalb von Stunden zum
Tode führen kann. Säuglinge zeigen häufig uncharakteristische Verläufe.
Vorbeugung:
Impfung gegen Serogruppe C für Kinder ab einem Jahr empfohlen
(STIKO). Bei besonderer Anzeige wird ein Vierfachimpfstoff gegen
die Serogruppen A, C, Y und W135 empfohlen. Ein MeningokokkenB-Impfstoff hat die Zulassung von der europäischen Zulassungsbehörde (EMA) erhalten und ist seit Ende 2013 verfügbar.
ZEITREIHE
Im Jahr 2012 wurden 50 und im Jahr 2011 38 Meningokokken-Erkrankungen aus Baden-Württemberg übermittelt. Die Inzidenz für 2012 lag bei 0,5
Erkrankungen pro 100 000 Einwohner. Im Jahre
2011 lag sie unter 0,4. Die Inzidenz für BadenWürttemberg lag 2012 erstmalig über der bundesdeutschen Inzidenz von 0,4 Erkrankungen pro
100 000 Einwohner. Die Tendenz der Meldezahlen fällt deutschlandweit deutlich. Auch in BadenWürttemberg zeichnete sich dieser Trend bis 2010
ab. Seither steigen die Meldezahlen wieder an.
Meningokokkensaison 2010/2011
Von der 40. KW 2010 bis zur 39. KW 2011
wurden 35 Meningokokkenerkrankungen übermittelt. Auffällig ist die vergleichsweise hohe
Anzahl in den Monaten Januar und September,
während in den Sommermonaten Juni und Juli
keine Erkrankungen auftraten und die „typischen
Gipfel“ im Februar und März ausfielen. Die meisten Erkrankungen entfielen auf die 15 bis 19Jährigen. Bei den über 70-Jährigen traten zwei
116
Todesfälle auf: Eine 79-jährige und eine 83-jährige Patientin verstarben an den Folgen einer
Meningokokkensepsis der Serogruppe B bzw. Y.
Ein 18-Jähriger verstarb an einem WaterhouseFriderichsen-Syndrom (Serogruppe B).
Auf besonderes Interesse stieß der Fall eines
Jugendlichen, der im Februar 2010 an Meningitis durch N. meningitidis Serogruppe Y erkrankte
und im September 2011 erneut wegen Meningokokkenmeningitis stationär aufgenommen wurde.
Bei der zweiten Erkrankung wurde Serogruppe B
nachgewiesen. Eine Nachuntersuchung beider
Patientenisolate am NRZ Würzburg bestätigte
diese Befunde. Somit muss von einer Neuerkrankung mit N. meningitidis Serogruppe B im
September 2011 ausgegangen werden. Dem
Patienten wurde die Vorstellung beim Meningokokkennetz der Uniklinik Freiburg empfohlen, um
abzuklären, ob bei ihm Risikofaktoren vorliegen.
Zudem wurde ihm sowie seiner Familie die Impfung mit dem tetravalenten Impfstoff empfohlen.
Auszug aus dem Wochenbericht zu aktuellen IfSG-Meldungen Meldewoche 42/2011 des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
1
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
0,8
0,6
0,4
0,2
0
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Meldejahr
Abb. 101:
Übermittelte Meningokokken-Erkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr von 2001 bis
2012, Baden-Württemberg (Säulen) und Deutschland (Linie)
ALTERS- UND GESCHLECHTSVERTEILUNG
Überwiegend werden Erkrankungen bei Kindern
unter vier Jahren gemeldet. In dieser Altersgruppe
waren es, gemittelt über die Jahre 2011-2012, 2,3
Erkrankungen pro 100 000. Mit dem Kindesalter
9
sinkt die Inzidenz zunächst und steigt bei den 15bis 19-Jährigen wieder auf 1,4 Erkrankungen pro
100 000 Jugendlichen an. Die beiden Altersgipfel
bei Kleinkindern und Jugendlichen sind typisch.
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
männlich
weiblich
8
7
6
5
4
3
2
1
0
0
1
2
3
4
5-9
10-14 15-19 20-24 25-29 30-39 40-49 50-59 60-69
70+
Altersgruppe
Abb. 102:
Übermittelte Meningokokken-Erkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr nach Alter und
Geschlecht, Baden-Württemberg, gemittelt über die Jahre 2011-2012
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
117
SAISONALER VERLAUF
Meningokokken-Erkrankungen traten bisher gehäuft in den Monaten Januar bis Mai auf, im Februar und März waren die höchsten Meldezahlen
zu verzeichnen. Im Jahr 2012 war auch im Juni
und von September bis November höhere Meldeaufkommen zu beobachten. In Abbildung 103
sind die übermittelten Meningokokken-Erkran-
16
kungen pro Meldemonat dargestellt (wegen der
geringen Fallzahlen nicht pro Meldewoche). Die
Erkrankungen des Jahres 2012 sind als Säulen
und die des Jahres 2011 als Linie dargestellt.
Dahinter liegt die Streubreite der Anzahl übermittelter Erkrankungen aus den Jahren 2001-2010
(graue Fläche).
übermittelte
Erkrankungen / Monat
14
12
10
8
6
4
2
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
Meldemonat
Abb. 103:
Übermittelte Meningokokken-Erkrankungen in Baden-Württemberg nach Meldemonat
2012 (Säulen), 2011 (Linie) und Streubreite der Übermittlungen in den Jahren 2001 bis 2010
(Fläche)
SEROGRUPPEN
Bei 78 von 88 Meningokokken-Erkrankungen aus
den Jahren 2011-2012 liegen Angaben zur Serogruppe der Erreger vor. 56 und damit über die
Hälfte aller übermittelten Erkrankungen waren
118
der Serogruppe B zuzuordnen, für die bis 2013
kein Impfstoff zur Verfügung stand. Die impfpräventable Serogruppe C wurde bei 12 Erkrankten
nachgewiesen.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
N=88
unbekannt
11%
Serogruppe W135
5%
Serogruppe Y
7%
Serogruppe B
63%
Serogruppe C
14%
Abb. 104:
Übermittelte Meningokokken-Erkrankungen nach Serogruppe, Baden-Württemberg 20112012, N=88
Nachweise von Serogruppe A wurden insgesamt
nur zweimal im Jahr 2002 übermittelt. Der Anteil
von Serogruppe C nimmt ab, was zeitlich mit der
Einführung der Impfung im Jahr 2006 einher geht
und der Beobachtung bedarf.
Anteil der Serogruppen
100%
80%
60%
40%
20%
0%
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Meldejahr
Serogruppe B
Abb. 105:
Serogruppe C
unbekannt
Serogruppe W135
Serogruppe Y
Serogruppe A
Anteil der Serogruppen der übermittelten Meningokokken-Erkrankungen nach Jahr,
Baden-Württemberg 2001-2012
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
119
Am Nationalen Referenzzentrum für Meningokokken werden Feintypisierungen aus Untersuchungsmaterialien wie Blut und Liquor durchgeführt. Bei diesen Spezialuntersuchungen kann
das Erbgut der Bakterien entschlüsselt werden,
um epidemiologische Zusammenhänge zwischen
Fällen beweisen zu können. Neben der Serogruppe sind der PorA- und FetA-Typ wichtige Marker
der Feintypisierung. Im Jahr 2011 wurden 130
und im Jahr 2012 wurden 124 unterschiedliche
Serogruppen-PorA-FetA-Kombinationen (= Feintypen) beobachtet (http://www.meningococcus.
uni-wuerzburg.de/startseite/berichte/).
12
In den Jahren 2011-2012 mussten sieben Meningokokken-Todesfälle verzeichnet werden.
Jährlich starben in Baden-Württemberg zwischen
drei Menschen z. B. im Jahr 2011 und zehn Menschen im Jahr 2003 an einer Meningokokken-Erkrankung. Trotz Einführung der Impfung im Jahr
2006 gab es 2010 drei Todesfälle, die der Serogruppe C zuzuschreiben waren.
In den Jahren 2001-2012 starben 21 Kinder unter
fünf Jahren an einer Meningokokken-Infektion.
Neun Todesfälle waren bei den 15- bis 19-Jährigen sowie zwölf bei den über 70-Jährigen zu
beklagen.
Zahl der Todesfälle
Serogruppe B
Serogruppe C
Serogruppe W135
Serogruppe Y
10
unbekannt
8
6
4
2
0
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Meldejahr
Abb. 106:
120
Übermittelte Meningokokken-Todesfälle nach Serogruppe und Jahr, Baden-Württemberg
2001-2012
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
3.5.12 MRSA-Erkrankung
Invasive Methicillin-resistente (MRSA) Staphylococcus-aureusBakterien.
Vorkommen:
Weltweit.
Reservoir:
Mensch (bevorzugt ist der Nasen-Rachen-Raum besiedelt), aber
auch Tiere.
Infektionsweg:
Übertragung meist durch Hände z. B. des Pflege- und ärztlichen Personals. MRSA-Stämme können vom Patienten selbst stammen oder
von Menschen, Tieren und unbelebter Umwelt, z. B. gemeinsam benutzte Badetücher, übertragen werden.
Inkubationszeit:
Bei MRSA-Erkrankungen stehen Infektionen im Vordergrund. Die
Inkubationszeit beträgt vier bis zehn Tage. Endogene Infektion auch
Monate nach Kolonisation. Eine orale Aufnahme von Staphylokokkentoxinen über Lebensmittel führt nach zwei bis sechs Stunden
zu Symptomen.
Dauer der
Ansteckungsfähigkeit:
Insbesondere während der Dauer klinisch manifester Symptome.
Auch von klinisch gesunden Personen mit Staphylokokken-Besiedelung übertragbar.
Klinische Symptomatik:
Eiterbildende Infektionen (z. B. Furunkel, Abszesse, Wundinfektionen), Invasive Infektionen (z. B. Parotitis, Osteomyelitis, Absiedelung
in Gelenken und Pleura) sowie Toxin-vermittelte Erkrankungen (z. B.
Lebensmittelintoxikationen, Toxisches Schock-Syndrom).
Vorbeugung:
Systematisches Hygienemanagement, Schulung von medizinischem
Personal.
ZEITREIHE
Seit dem 01.07.2009 ist nach § 7 IfSG der labordiagnostische Nachweis von MRSA aus Blut und
Liquor meldepflichtig.
In der Zeit vom 01.07. bis 31.12.2009 wurden
MRSA-Infektionen behelfsweise in Excel-Listen
übermittelt. Diese Daten gingen noch nicht in das
bundesweite Meldesystem ein. Deshalb wurden
im Jahr 2009 lediglich zwei MRSA-Infektionen
aus Baden-Württemberg elektronisch übermittelt.
Im Jahr 2010 wurden dann 292 MRSA-Nachweise aus Baden-Württemberg gezählt.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
2012 wurden 255 und 2011 wurden 246 MRSANachweise übermittelt. Die Inzidenz für 2012 lag
bei 2,4 Erkrankungen pro 100 000 Einwohner.
Im deutschlandweiten Vergleich lag die bundesdeutschen Inzidenz von 5,5 Erkrankungen pro
100 000 Einwohner damit mehr als doppelt so
hoch wie die Inzidenz für Baden-Württemberg.
121
Einführung der
Meldepflicht ab
01.07.2009
(Übermittlung via
Excel-Listen)
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
6
Einführung der
elektronischen
Übermittlung
am 01.01.2010
5
4
3
2
1
0
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Meldejahr
Abb. 107:
Übermittelte MRSA-Infektionen pro 100 000 Einwohner und Jahr von 2001 bis 2012,
Baden-Württemberg (Säulen) und Deutschland (Linie)
ALTERS- UND GESCHLECHTSVERTEILUNG
16
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
14
männlich
weiblich
12
10
8
6
4
2
0
0
1
2
3
4
5-9
10-14 15-19 20-24 25-29 30-39 40-49 50-59 60-69
70+
Altersgruppe
Abb. 108:
122
Übermittelte MRSA-Infektionen pro 100 000 Einwohner und Jahr nach Alter und
Geschlecht, Baden-Württemberg gemittelt über die Jahre 2011-2012
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
Überdurchschnittlich häufig werden MRSA-Infektionen bei den über 70-Jährigen gemeldet (v. a.
bei Patienten aus stationärer Behandlung). Im
Jahr 2012 waren es 10,4 Erkrankungen pro 100
000 Senioren über 70. Männer sind mit drei Er-
krankungen fast doppelt so häufig betroffen wie
Frauen mit 1,6 Erkrankungen pro 100 000. MRSA
wurde 2011-2012 bei vier Kindern unter 5 Jahren
diagnostiziert. Mit zunehmendem Alter steigt die
Inzidenz an.
SAISONALER VERLAUF
Aus den übermittelten MRSA-Infektionen des
Jahres 2012 lässt sich keine klare Saisonalität
ablesen. In Abbildung 109 sind die übermittelten
MRSA-Infektionen pro Meldewoche dargestellt.
Die Erkrankungen des Jahres 2012 sind als Säulen und die des Jahres 2011 als Linie dargestellt.
Die Meldepflicht wurde erst im Jahr 2009 eingeführt. Ein Vergleich mit früheren Jahren ist deshalb nicht möglich.
12
In den Jahren 2011 und 2012 wurden 75 MRSATodesfälle verzeichnet. Eine Person war lediglich
47 Jahre alt, sieben Personen starben im Alter
zwischen 50-59 Jahren, ebenfalls sieben waren
zwischen 60-69 Jahren und 60 verstarben in der
Altersgruppe der über 70-Jährigen.
übermittelte
Erkrankungen / Woche
10
8
6
4
2
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53
Meldewoche
Abb. 109:
Übermittelte MRSA-Infektionen in Baden-Württemberg nach Meldewoche 2012 (Säulen)
und 2011 (Linie)
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
123
3.5.13 Q-Fieber
Coxiella burnetii aus der Familie der Rickettsien. Kleine, intrazelluläre, ovale bis stäbchenförmige Bakterien.
Vorkommen:
Weltweit verbreitete Zoonose, sporadisches und epidemisches
Auftreten. Kleinraumepidemien in Deutschland.
Reservoir:
Das wichtigste natürliche Reservoir stellen infizierte Schafe und Rinder sowie infizierte Zecken (Dermacentor marginatus) dar.
Infektionsweg:
Der Erreger wird hauptsächlich über die Luft (aerogen durch Einatmen erregerhaltiger Stäube) übertragen. Eingetrocknete, erregerhaltige Geburtsprodukte und andere Ausscheidungen infizierter
Nutztiere stellen hierbei die wichtigsten Infektionsquellen dar. Übertragungen durch den Verzehr von Rohmilch sowie durch Exposition
im Labor und durch Bluttransfusionen wurden beschrieben.
Inkubationszeit:
In der Regel 2-3 Wochen, gelegentlich bis zu fünf Wochen.
Dauer der
Ansteckungsfähigkeit:
Keine Übertragung von Mensch zu Mensch.
Klinische Symptomatik:
Ein Großteil der Infektionen verläuft symptomlos oder als milde fiebrige Erkrankung und endet nach 1–2 Wochen. Typische Krankheitssymptome sind Fieber, starke Kopf- und Muskelschmerzen, Husten
und Lungenentzündung (Pneumonie). Gelegentlich Beteiligung des
zentralen Nervensystems oder akute Gelbsucht (Hepatitis). Bei chronischem Q-Fieber kann es zu Herz- und Nierenentzündungen kommen.
Coxiellen können bei Schwangeren zur Infektion des Fötus und somit
zur Frühgeburt oder Fehlgeburt führen.
Vorbeugung:
Präventiv- und Bekämpfungsmaßnahmen siehe RKI-Ratgeber für
Ärzte.
ZEITREIHE
Im Jahr 2012 wurden 40 und 2011 wurden 59
Q-Fiebererkrankungen aus Baden-Württemberg
übermittelt. Im Jahr 2010 wurde mit 228 Übermittlungen das bisherige Maximum seit Einführung des IfSG im Jahr 2001 beobachtet. Darunter waren 188 Erkrankungen, die dem bisher
größten registrierten Q-Fieber-Ausbruch in Baden-Württemberg zuzuschreiben waren (s. NOK
in Abb. 110). Als Infektionsquelle wurde eine
örtliche Schafherde identifiziert, deren Tiere im
fraglichen Expositionszeitraum um einen Ort im
Neckar-Odenwaldkreis gewandert waren und
dort gelammt hatten.
124
Die Inzidenz für 2012 lag bei 0,4 und 2011 bei
0,6 Erkrankungen pro 100 000 Einwohner. Im
deutschlandweiten Vergleich lagen die Inzidenzen für Baden-Württemberg seit 2006 über den
bundesdeutschen Inzidenzen.
Zwischen Mai und September 2008 fand ein QFieber-Ausbruch in der Gemeinde Baiersbronn,
Kreis Freudenstadt statt. Eine Wanderschafherde wurde als Expositionsquelle ermittelt. In diesem Zusammenhang wurden 41 Q-Fieber-Fälle
übermittelt (s. FDS in Abb. 110).
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
2,5
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
2
1,5
NOK
1
FDS
0,5
0
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Meldejahr
Abb. 110:
Übermittelte Q-Fiebererkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr von 2001 bis 2012,
Baden-Württemberg (Säulen) und Deutschland (Linie)
ALTERS- UND GESCHLECHTSVERTEILUNG
1,4
Erkrankungen /
100 000 Einwohner
männlich
weiblich
1,2
1
0,8
0,6
0,4
0,2
0
0
1
2
3
4
5-9
10-14 15-19 20-24 25-29 30-39 40-49 50-59 60-69
70+
Altersgruppe
Abb. 111:
Übermittelte Q-Fiebererkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr nach Alter und
Geschlecht, Baden-Württemberg, gemittelt über die Jahre 2011-2012
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
125
Q-Fieber-Erkrankungen wurden aus allen Altersgruppen bis auf die Altersgruppen der 0 bis
1-Jährigen und der 4-Jährigen gemeldet. Dabei
sind die 40- bis 49-Jährigen mit einer Inzidenz
von 0,9 Erkrankungen pro 100 000, gemittelt über
die Jahre 2011-2012, am stärksten betroffen.
64 % der Erkrankten waren Männer.
SAISONALER VERLAUF
Die jahreszeitliche Verteilung der Erkrankungen
an labordiagnostisch gesichertem Q-Fieber weist
einen Frühjahrsgipfel in den Monaten März und
April auf, der sich bis in den Frühsommer fortsetzt. In Abbildung 112 sind die übermittelten QFiebererkrankungen pro Meldewoche dargestellt.
Die Erkrankungen des Jahres 2012 sind als Säulen und die des Jahres 2011 als Linie dargestellt.
Dahinter liegt die Streubreite der Anzahl übermittelter Erkrankungen aus den Jahren 2001-2010
(graue Fläche).
übermittelte
Erkrankungen / Woche
40
35
30
25
20
15
10
5
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53
Meldewoche
Abb. 112:
126
Übermittelte Q-Fiebererkrankungen in Baden-Württemberg nach Meldewoche
2012 (Säulen), 2011 (Linie) und Streubreite der Übermittlungen in den Jahren 2001
bis 2010 (Fläche)
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
GEOGRAFISCHE VERTEILUNG
Die Menschen im Norden und in der Mitte BadenWürttembergs sind am stärksten von Q-Fiebererkrankungen betroffen. Diese Verbreitungsgebiete
entsprechen den Verbreitungsgebieten der landwirtschaftlichen Schaf- und Ziegenhaltung.
Abb. 113:
Karte der übermittelten Q-Fiebererkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr,
Baden-Württemberg, gemittelt über die Jahre 2011-2012
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
127
3.5.15 Seltene Krankheiten
Meldepflichtige Erkrankungen und Erregernachweise, die “selten” in Baden-Württemberg auftraten, sind in Tabelle 10 zusammengefasst. Kursiv sind Meldekategorien dargestellt, zu denen
2001-2012 keine Erkrankungen übermittelt wurden. Die Inzidenzen der seltenen Erkrankungen
sind in den Tabellen 2 und 3 abgebildet.
Tabelle 10: Seltene Krankheiten, Baden-Württemberg 2001-2012
Meldekategorie
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Botulismus
1
0
0
0
1
1
1
2
1
0
2
0
Brucellose
5
6
3
7
3
8
5
9
2
2
3
5
Cholera
0
0
0
0
0
1
0
0
0
0
1
0
Diphtherie
0
1
0
1
0
0
0
0
2
3
0
3
Ebolafieber
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
Fleckfieber
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
Gelbfieber
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
Hepatitis D
0
2
2
2
3
0
1
1
1
4
0
0
Hepatitis Non A-E
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
HUS
6
24
18
10
11
12
12
13
10
15
36
14
Lassafieber
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
Läuserückfallfieber
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
Lepra
0
0
0
1
1
1
0
0
0
0
0
0
Leptospirose
5
14
8
11
12
9
27
13
18
13
14
12
Marburgfieber
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
Milzbrand
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
Ornithose
4
4
5
5
0
0
1
3
5
2
3
0
Paratyphus
11
15
13
19
12
19
18
16
12
12
4
7
Pest
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
Poliomyelitis
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
SARS
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
Tollwut
0
0
0
0
1
0
0
0
0
0
0
0
Tollwutexpositionsverdacht
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
Trichinellose
0
2
3
0
0
0
0
0
0
0
0
0
Tularämie
2
1
2
2
1
0
11
3
1
7
4
8
Typhus
11
12
13
12
19
12
9
6
4
12
14
8
Virales hämorrhagisches Fieber (VHF),
andere Erreger
0
0
0
0
0
8
5
3
8
10
5
1
128
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
FALLBERICHTE AUS DEN INFEKTIONSBERICHTEN 2011 UND 2012
Brucellose
Nach Verzehr eines importierten selbstgemachten Käses aus dem Irak erkrankte eine 21-jährige
Patientin mit dem klinischen Bild einer Brucellose. Es konnten Brucellen in der Blutkultur nachgewiesen werden. Ein Isolat wurde zur weiteren
Typisierung an das Konsiliarlaboratorium für Brucellose weitergeleitet, es ergab B. melitensis.
einen vier Monate alten Hundewelpen, den er aus
dem Mittelmeerraum eingeführt hatte. Der Hund
wurde in ein Tierheim verbracht. Untersuchungen
des Tieres wurden veranlasst.
Da eine Erkrankung mit Rickettsia conorii nicht
unter die Meldekategorie Fleckfieber fällt, wurde
der Fall in die Meldekategorie WBK (Weitere bedrohliche Erkrankungen) übernommen.
Quelle: Auszug aus dem Wochenbericht zu aktuellen
IfSG-Meldungen Meldewoche 47/2011 des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg.
Quelle: Auszug aus dem Wochenbericht zu aktuellen
IfSG-Meldungen Meldewoche 22/2011 des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg.
Cholera-Infektion nach Aufenthalt in Indien
Leptospirose KW 29/2011
Eine 25-jährige Frau hielt sich für ca. vier Wochen
zur Ableistung eines privat organisierten freiwilligen Arbeitseinsatzes in medizinisch/sozialen
Einrichtungen in Indien auf. Dort hatte sie engen
Kontakt mit an Fieber und Durchfall erkrankten
Personen. Nach ihren Angaben trank sie dort nur
Wasser aus Flaschen mit intaktem Verschluss.
Ein Impfschutz gegenüber Cholera oder Typhus
bestand nicht. Auf dem Rückflug litt die Frau an
Erbrechen. Nach der Rückkehr nahm sie ihre berufliche Tätigkeit zunächst wieder auf. Die gastrointestinalen Beschwerden nahmen zu: Sie hatte
24 Stühle pro Tag. Zehn Tage nach Rückkehr erfolgte eine Arztvorstellung und Hospitalisierung.
Labordiagnostisch wurde der Nachweis einer Infektion mit Vibrio cholerae erbracht. Da die Frau
ihren Arbeitsplatz im Ausland hat, wurde die örtlich zuständige Behörde informiert.
Eine 68-jährige Frau kenterte während eines Betriebsausfluges mit einem Kanu und verschluckte
dabei Wasser. Zehn Tage später erkrankte sie
an Nierenfunktionsstörungen, grippeähnlichen
Beschwerden und Fieber. Bei der diagnostischen
Aufklärung konnte aus dem Urin ein LeptospirenNachweis mittels PCR (Polymerasekettenreaktion)
geführt werden. Die Beschwerden klangen nach
Beginn einer antibiotischen Behandlung ab.
Quelle: Auszug aus dem Wochenbericht zu aktuellen
IfSG-Meldungen Meldewoche 17/2011 des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg.
Fleckfieber bzw. Rickettsienerkrankung
In der 22. Kalenderwoche 2011 wurde ein Fleckfieber-Verdachtsfall mit Laborbefund Rickettsia
prowazekii übermittelt, dem eine Meldung nach
§12 IfSG folgte. Ein 77-jähriger Mann war bereits
Ende April 2011 mit dem Krankheitsbild eines
Nierenversagens, einer Enzephalitis, eines Exanthems und einer bilateralen Lungenembolie
erkrankt. Eine weiterführende Diagnostik ergab,
dass es sich nicht um eine Infektion mit Rickettsia prowazekii sondern mit Rickettsia conorii handelte. Somit konnte davon ausgegangen werden,
dass eine schwer verlaufende Mittelmeer-Fleckfieber-Erkrankung vorlag. Der Erkrankte besaß
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
Quelle: Auszug aus dem Wochenbericht zu aktuellen
IfSG-Meldungen Meldewoche 29/2011 des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg.
Leptospirose KW 37/2011
Bei einer jungen Patientin mit Fieber und grippeähnlichen Symptomen wurde mittels PCR eine
Leptospirose (Genotyp L. borgpetersenii) nachgewiesen. Während der Inkubationszeit hatte
sich die Patientin sowohl am Wohnort als auch
auf Mallorca aufgehalten. Nach Angabe der Patientin besuchte sie auf Mallorca eine Tropfsteinhöhle und einen stark verschmutzten Strand. Zuhause wurde die Patientin fünf Tage vor Erkrankungsbeginn von einer der insgesamt zehn in der
Wohnung gehaltenen Mäusen gebissen. Bei Untersuchung der Maus konnten Leptospiren nachgewiesen werden. Im Konsiliarlaboratorium für
Leptospirose konnte aus dem Blut der Patientin
und aus Proben der Maus mittels PCR Leptospiren-DNA der Spezies Leptospira borgpetersenii,
Serovar hardjo nachgewiesen werden. Dabei wurde eine Übereinstimmung der Isolate festgestellt.
Quelle: Auszüge aus den Wochenberichten zu aktuellen
IfSG-Meldungen Meldewochen 37 und 44/2011 des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg.
129
Leptospirose KW 40 und 49/2011
Tularämie KW 16/2011
Eine 42-jährige Frau zog sich bei der Rettung ihres Hundes aus einem Flusskanal eine Verletzung
am Unterschenkel zu. Sie erkrankte daraufhin an
einer Leptospirose (Serotyp: canicola) mit dem
klinischen Bild einer Meningitis/Enzephalitis.
Im Februar 2011 erkrankte ein Jagdpächter nach
Zerlegen eines Hasen an einer äußeren Tularämie mit Angina, Tonsilitis, Lymphknotenschwellung und einem Hautgeschwür am Hals. Im weiteren Verlauf erkrankte seine Ehefrau, die ebenfalls
Kontakt mit dem erlegten Hase hatte, mit Fieber
und Gliederschmerzen. In beiden Fällen konnten
Antikörper gegen Francisella tularensis nachgewiesen werden. Proben der Erkrankten und des
Hasens wurden an das Konsiliarlaboratorium für
Tularämie gesandt (Institut für Mikrobiologie der
Bundeswehr in München). Untersuchungsbefund: Francisella tularensis holarctica (Typ B)spez. DNA.
Ein 55jähriger Patienten erkrankte 12 Tage nach
dem Sturz in einen Fluss an einer ikterischen
Verlaufsform.
Quelle: Auszug aus den Wochenberichten zu aktuellen
IfSG-Meldungen Meldewoche 41/2011 bzw. 49/2011 des
Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg.
Ornithose KW 11/2011
In der 11. KW 2011 wurde der labordiagnostische
Nachweis von Chlamydia psittaci (AK-Nachweis
KBR) bei einer 50-jährigen Frau übermittelt. Bei
der Frau handelt es sich um eine Patientin mit einer dialysepflichtigen Nierenisuffizienz. Mitte Februar 2011 erkrankte sie mit einer leichten Bronchitis. In der Zwischenzeit erhielt sie einen Brief
des örtlichen Veterinäramtes: In der Zoohandlung, in der sie kurz zuvor einen Wellensittich
gekauft hatte, waren Wellensittiche verendet. Die
Zoohandlung hatte daraufhin das Veterinäramt
verständigt, das die Untersuchung der Vögel auf
Ornithose veranlasste. Dabei wurde der Ornithose-Verdacht bestätigt. Diese Erkrankung ist bei
Tieren anzeigepflichtig, d.h. das Veterinäramt
muss weitere Maßnahmen anordnen. Dazu gehört die Information von Kunden, die im entsprechenden Zeitraum Vögel in dieser Zoohandlung
erworben haben. Es wurden ca. 100 Kunden
angeschrieben und darauf hingewiesen, sich bei
Auftreten von respiratorischen Symptomen auf
Ornithose untersuchen zu lassen. Aufgrund der
vorliegenden Symptomatik suchte die Patientin
den Hausarzt auf. Der anfängliche KBR-Titer von
1:8 stieg in weiterem Verlauf auf 1:256 an. Eine
dreiwöchige Antibiose wurde eingeleitet. Es wurden keine weiteren humanen Fälle bekannt.
Alle anderen Vögel in der Zoohandlung wurden
antibiotisch behandelt. Die Zoohandlung durfte in
der Zwischenzeit diese Vögel nicht verkaufen. Bei
späteren Kotuntersuchungen der Vögel konnten
keine Ornithose-Erreger nachgewiesen werden.
Quelle: Auszug aus dem Wochenbericht zu aktuellen
IfSG-Meldungen Meldewoche 11/2011 des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg. Frau Dr. BockHensley, Gesundheitsamt Rhein-Neckar-Kreis.
130
Quelle: Auszug aus dem Wochenbericht zu aktuellen
IfSG-Meldungen Meldewoche 16/2011 des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg.
Tularämie KW 39/2011
Ein 50-Jähriger, der sich beruflich viel im Wald
aufhielt, erkrankte im Juli 2011 an einem Knoten
im Hals und Pharyngitis. Nach Vorstellung beim
Hausarzt wurde er ambulant im Krankenhaus vorstellig. Labordiagnostisch wurden Ende September 2011 Antikörper gegen Francisella tularensis
nachgewiesen. Aufgrund des klinischen Bildes
wurde die Diagnose oropharyngeale Tularämie
gestellt. Das Material wurde ans Konsiliarlabor
nach München geschickt. Zudem erfolgt eine serologische Kontrolluntersuchung.
Der Patient erinnerte sich an einen Zeckenstich
im April; aufgrund der Pharyngitis ist jedoch eher
von einer lebensmittelbedingten Infektion auszugehen. Der Verzehr von Hase wurde verneint, die
Infektionsquelle konnte nicht ermittelt werden.
Quelle: Auszug aus dem Wochenbericht zu aktuellen
IfSG-Meldungen Meldewoche 39/2011 des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg.
Tularämie KW 35/2012
In der 35. Kalenderwoche wurde ein Tularämiefall
nach Zeckenstich übermittelt. Bei dem Erkrankten
handelt es sich um einen 72-jährigen Rentner,
der sich Ende Juli bei einem Spaziergang im Enztal einen Zeckenstich zugezogen hat. Die Zecke
wurde erst am Folgetag im Bereich des Gesäßes
entdeckt und entfernt. Vier Tage später traten
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
die ersten Krankheitszeichen auf: zunehmendes
Schwächegefühl, Fieber, Schüttelfrost. Anfang
August stellte er sich mit reduziertem Allgemeinzustand beim Hausarzt vor; der Patient litt unter
Übelkeit, Erbrechen, Muskelschmerzen und wies
eine starke Lymphknotenschwellung in der rechten Leiste auf. Der Hausarzt fand eine Rötung im
Bereich der Einstichstelle und leitete eine antibiotische Therapie mit Cefuroxim ein. Nach 5-tägiger erfolgloser Therapie bei akut zunehmender
Reduktion des AZ und progredienter Lymphadenitis erfolgte die Einweisung ins Krankenhaus.
Sonographisch zeigten sich in der rechten Leiste
mehrere entzündlich veränderte Lymphknoten.
Aufgrund der entzündlichen Veränderung im
Einstichbereich (Rötung mit zentraler schwarzer
Zone) wurde diese als möglicher Infektherd für
die Lymphadenitis angesehen. Folglich wurde
die antibiotische Therapie mit Ceftriaxon i.v. über
siebenTage fortgesetzt. Der Patient wurde Mitte
August bei rückläufigen labordiagnostischen Entzündungsparametern und etwas gebessertem
Allgemeinzustand entlassen.
Vier Tage danach stellte sich der Patient bei
einem niedergelassenen Spezialisten vor. Aufgrund der inzwischen ulzerierten Stelle im Bereich des Zeckenstichs und weiter bestehender
Lymphadenopathie wurde der Verdacht einer
ulcero-glandulären Tularämie geäußert und eine
antibiotische Therapie mit Doxycyclin eingeleitet.
Die serologische Diagnostik bestätigte den Verdacht einer Tularämieinfektion. Daraufhin wurde die antibiotische Therapie geändert und mit
Levofloxacin für insgesamt 20 Tage fortgesetzt.
Der Patient berichtete nach 10-tägiger Therapie
mit Levofloxacin über eine deutliche Besserung
des AZ; die Lymphadenopathie ist rückläufig.
Abstrichmaterial vom Ulkus und Lymphknotenpunktat wurden ins Referenzlabor München eingesandt; dort erfolgte mittels PCR der Nachweis
von F. tularensis subspezies holarctica.
Typhus KW 40/2011
Ein 10-jähriges Mädchen hielt sich in den Sommerferien gemeinsam mit seiner Mutter und seinem Bruder in Pakistan auf. Der Rückflug aus
Karatschi, Pakistan, erfolgte in der zweiten Septemberwoche. Nach der Rückkehr besuchte das
Mädchen 2 Wochen lang die Schule. Dann entwikkelte sie eine Grippesymptomatik mit Kopf- und
Gliederschmerzen, Fieber und Durchfall. Ende
September diagnostizierte die Kinderärztin eine
Sommergrippe, verschrieb Medikamente gegen
Durchfall und Fieber, wonach der Durchfall in den
nächsten Tagen sistierte. Auf Grund des täglich
schlechteren Befindens des Mädchens erfolgte
zwei Tage später eine Laboruntersuchung, die
keinen Befund ergab. Das Mädchen sei erneut
nach Hause geschickt worden. Anfang Oktober
wurde es ins Klinikum eingewiesen. Dort wurde
vier Tage später der Typhusverdacht geäußert
und dann auch Salmonella Typhi nachgewiesen.
Beides wurde dem zuständigen Gesundheitsamt
gemeldet. Die eingeleiteten Maßnahmen beinhalteten im wesentlichen Besuchsverbote für
Gemeinschaftseinrichtungen bei den Kontaktpersonen bis zum Nachweis von drei negativen
Stuhlproben sowie ausführliche Hygieneanweisungen. Da die Patientin während des Fluges
asymptomatisch war, wurde nach Rücksprache
mit dem RKI das Infektionsrisiko für die anderen
Passagiere als gering eingeschätzt und auf eine
Ermittlung der Kontaktpersonen verzichtet.
Quelle: Auszug aus dem Wochenbericht zu aktuellen
IfSG-Meldungen Meldewoche 40/2011 des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg.
In der betroffenen Region war in den letzten Jahren bereits bei mehreren Feldhasen eine Tularämie diagnostiziert worden, so dass es sich dort
wahrscheinlich um ein lokales Endemiegebiet
handelt. Die niedergelassenen Ärzte, Krankenhäuser, Jäger und Forstmitarbeiter wurden vom
Gesundheitsamt mehrmals über das Risiko (auch
durch Insektenstich), Schutzmöglichkeiten, Symptome, Behandlungsmöglichkeit usw. informiert.
Quelle: Auszug aus dem Wochenbericht zu aktuellen
IfSG-Meldungen Meldewoche 35/2012 des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg. Frau Dr.Schmidt,
Gesundheitsamt Ludwigsburg.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
131
4.
Nichtnamentlich gemeldete Infektionskrankheiten nach § 7 Abs. 3 IfSG
Zu folgenden Erregern sind direkte oder indirekte
Nachweise nichtnamentlich meldepflichtig:
Diese Erregernachweise werden vom Labor bzw.
vom Arzt direkt nichtnamentlich an das RKI gemeldet. Das Gesundheitsamt wird im Einzelfall
nicht unmittelbar tätig.
- Treponema pallidum (Erreger der Syphilis)
- HIV
Deutliche Unterschiede sieht man zwischen den
Geschlechtern. Unter den Betroffen dieser 20112012 gemeldeten Erkrankungen sind 84 % Männer und 16 % Frauen.
- Plasmodium spp. (Erreger der Malaria)
- Echinococcus spp.
Seit April 2013 besteht eine namentliche Arztmeldepflicht für Röteln einschließlich Rötelnembryopathie sowie eine Labormeldepflicht für den Erreger der Röteln. Die neuen Meldepflichten kommen
im vorliegenden Bericht noch nicht zum Tragen.
- Toxoplasma gondii (konnatal)
- Rubellavirus (konnatal) (Erreger der Röteln)
Tabelle 11: Nichtnamentliche Meldungen aus Baden-Württemberg nach Jahren
Meldekategorie
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Echinokokkose
14
12
19
28
27
30
23
26
17
23
26
25
HIV
184
230
263
275
284
286
285
284
278
277
251
303
Malaria
210
142
150
119
92
87
71
76
64
75
78
75
0
1
0
1
0
0
0
0
1
0
0
0
191
211
220
265
237
295
276
255
227
228
273
323
4
4
2
1
1
2
3
2
0
1
0
0
Röteln, konnatal
Syphilis
Toxoplasmose, konnatal
600
Anzahl Meldungen
keine
Angabe
500
weiblich
männlich
400
300
200
100
0
Echinokokkose
HIV
Malaria
Röteln, konnatal
Syphilis
Toxoplasmose,
konnatal
Meldung
Abb. 114:
132
Nichtnamentliche Meldungen nach Geschlecht, Baden-Württemberg 2011-2012
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
Bei HIV liegt die höchste altersspezifische Inzidenz mit 5,9 bei den 25- bis 29-Jährigen. Bei
Syphilis liegt die höchste altersspezifische Inzidenz mit 10,7 Erkrankungen pro 100 000 bei den
40- bis 49-jährigen Männern. Bei Malaria liegt
10
der Gipfel mit 1,8 Erstdiagnosen pro 100 000 bei
den 20- bis 24-Jährigen. Die zu HIV und Syphilis
angegeben Infektionsrisiken sind aus Abbildung
116 ersichtlich.
HIV-Meldungen
Meldungen /
100 000 Einwohner
11
9
8
männlich
10
weiblich
9
Syphilis-Meldungen
Meldungen /
100 000 Einwohner
männlich
weiblich
8
7
7
6
6
5
5
4
4
3
3
2
2
1
1
0
0
00-14
15-19
20-24
25-29
30-39
40-49
50-59
60-74
75-99
00-14
15-19
20-24
25-29
Altersgruppe
2,5
Malaria-Meldungen
Meldungen /
100 000 Einwohner
30-39
40-49
50-59
60-74
75-99
Altersgruppe
Echinokokkose-Meldungen
Meldungen /
100 000 Einwohner
0,7
männlich
männlich
weiblich
2
weiblich
0,6
0,5
1,5
0,4
0,3
1
0,2
0,5
0,1
0
0
00-14
15-19
20-24
25-29
30-39
40-49
50-59
60-74
75-99
00-14
15-19
20-24
Altersgruppe
Abb. 115:
40-49
50-59
60-74
75-99
Alters- und geschlechtsspezifische Inzidenzen der nichtnamentlichen Meldungen,
Baden-Württemberg, gemittelt über die Jahre 2011-2012 (unterschiedliche Skalierungen)
Syphilis-Meldungen
n=596
Mutter/KindInfektionen
0% (2 Fälle)
Mutter-Kind
(konnatale) Infektion
0% (2 Fälle)
unbekannt
28%
Blutprodukte
0% (1 Fall)
Heterosexuelle
Kontakte
19%
i.v. Drogengebrauch
3%
Abb. 116:
30-39
Altersgruppe
HIV-Meldungen
n=554
Männer, die Sex mit
Männern haben
50%
25-29
unbekannt
28%
Männer, die Sex mit
Männern haben
55%
Heterosexuelle
Kontakte
17%
Angegebene Infektionsrisiken bei den gemeldeten HIV- und Syphilis-Infektionen,
Baden-Württemberg, 2011-2012, (Mehrfachnennungen möglich)
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
133
Trend der Syphilis-Meldungen
in Deutschland von 1971 bis 2012
Seit Ende der siebziger bis Anfang der neunziger
Jahre war ein Rückgang der Syphilis-Meldungen
zu verzeichnen, der sich mit dem Auftreten von
AIDS (Mitte der achtziger Jahre) weiter beschleunigte. Dem Rückgang, von über 9000 auf unter
2000 Fälle jährlich, liegt sehr wahrscheinlich eine
tatsächliche Abnahme der Erkrankungshäufigkeit
zugrunde, wobei für die neunziger Jahre eine
Dunkelziffer nicht gemeldeter Fälle von ca. 3040 % geschätzt wird. Während von 1995 bis 2000
deutschlandweit jährlich ca. 1150 Fälle registriert
wurden, stieg die Anzahl der Meldungen ab 2001
wieder an, was sich nur zum Teil auf das geänderte Meldeverfahren zurückführen lässt. Der Anstieg beschränkte sich auf Männer, während sich
die Zahl der gemeldeten Infektionen bei Frauen
nur wenig veränderte.
Zwischen dem Jahr 2004 und 2008 pendelten
sich die Meldezahlen für Syphilis auf 3.000 bis
3.500 Fälle pro Jahr ein, im Jahr 2009 sank die
Anzahl auf 2.742 Fälle. In den Jahren 2010 und
2011 stieg die Anzahl der gemeldeten Fälle wieder an auf 3 034 in 2010 (+10,6 %) und 3 698 in
2011 (+22 %). Im Jahr 2012 wurden 4 410 Syphilis-Fälle gemeldet. Damit lag die Zahl der gemeldeten Fälle um 19 % höher als im Vorjahr.
Syphilis in Baden-Württemberg
Betrachtet man die Summe der Fälle für die verschiedenen Kalenderjahre, so ist für 2012 mit 320
Fällen das bisherige Maximum erreicht. Von 2010
auf 2011 ist ein Anstieg um 20 % zu verzeichnen
und von 2011 auf 2012 ein nochmaliger Anstieg
um 17 %.
Die geographische Verteilung zeigt Folgendes:
Die höchste je aufgetretene Inzidenz betrifft den
Stadtkreis Mannheim mit einem Anstieg von
11,75 (2011) auf 14,93 (2012) . Die Fallzahl stieg
analog von 37 auf 47.
Hohe Inzidenzen verzeichnen 2012 auch die
Stadtkreise Freiburg (9,2) und Stuttgart (8,3).
In den anderen Landkreisen der Regierungsbezirke Karlsruhe, Stuttgart und Freiburg stiegen
die Fallzahlen deutlich an. In den Landkreisen
des Regierungsbezirks Tübingen ist eine Abnahme von 1,9 im Jahr 2011 auf 1,2 im Jahr 2012 zu
verzeichnen.
Quelle: Robert Koch-Institut, Dr. Viviane Bremer,
http://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/S/Syphilis/Syphilis_1971_2005/Syphilis_PPT_Tabelle.html
134
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
5.
Ausgewählte Häufungen und
Infektionsgeschehen 2011
Die hier ausgewählten Ausbrüche bzw. Häufungen traten im Jahr 2011 in Baden-Württemberg
auf. Die Berichte sind Auszüge aus der Arbeit der
Gesundheitsämter vor Ort und des Landesgesundheitsamtes.
5.1 Masernwelle im Frühjahr 2011
Das Frühjahr 2011 war durch eine hohe Masernaktivität in Baden-Württemberg geprägt. Der
größte Ausbruch mit 194 Fällen hielt insgesamt
11 Wochen an.
Während in Zeiten mit geringer Masernaktivität
im gesamten Kalenderjahr zwischen 20 und 70
Masernerkrankungen über die Gesundheitsämter
an das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg (LGA) übermittelt werden, verzeichnete die
Meldestelle nach Infektionsschutzgesetz (IfSG)
in den Jahren 2006 (134 Fälle), 2008 (385 Fälle)
und 2010 (160 Fälle) eine deutlich stärkere Verbreitung. Das Jahr 2011 übertraf jedoch mit 526
Erkrankungen die Vorjahre. Die häufigste Verbreitung fand mit 26 von 52 Ausbrüchen in Haushalten statt, da Erkrankte die Viren fast immer an
empfängliche Familienmitglieder, d. h. ungeimpfte Personen ohne bisherige Masernerkrankung,
weitergeben. Ein erheblicher Anteil entfiel auf den
größten und längsten Ausbruch mit 194 Fällen in
15 Wochen mit wesentlicher Ausbreitung an einer Waldorf-Schule. Dass man sich nicht nur in
Schulen oder Kindertageseinrichtungen anstekken kann, zeigen kleinere Ausbrüche nach Kontakten in einem Skaterpark, in der Tanzstunde
oder einer Sportveranstaltung: Teilnehmer eines
internationalen Fußballturniers in Rimini, Italien
importierten die Masern nach Baden-Württemberg und verbreiteten diese auf einem großen
Musikfestival, so dass letztendlich 13 Fälle in
sieben Landkreisen als Masernausbruch zusammengefasst wurden.
Typisierung am
Nationalen Referenzzentrum (NRZ)
Der Festival-Ausbruch wurde durch den in
Deutschland nicht einheimischen Stamm D8 verursacht, der auch von Masernerkrankten nach
Exposition in der Tschechischen Republik, Indien
und Italien (Florenz) eingeschleppt wurde. Ebenfalls aus dem Ausland importiert und in Deutschland im März 2011 erstmals diagnostiziert ist der
Stamm G3. Dieser wurde bei Patienten in zwei
benachbarten Landkreisen nachgewiesen und
verbreitete sich nicht weiter. Bei einem nach Kamerun gereisten Patienten wurde der Genotyp B
isoliert, der in Afrika endemisch ist. Die Mehrzahl
der im Berichtszeitraum typisierten Isolate entfielen auf den in Europa kursierenden Stamm D4.
Die Typisierung der Masernviren aus Untersu-
70
übermittelte Fälle/Woche
60
50
40
30
20
10
0
1
3
5
7
9
11 13 15 17 19 21 23 25 27 29 31 33 35 37 39 41 43 45 47 49 51 53
Kalenderwoche
Masern 2011 (Säulen) und 2008 (Linie) mit Maxima und Minima 2006, 2007, 2009 und 2010 (Fläche)
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
135
chungsmaterial wie Rachenabstrichen oder Urin
erfolgt am NRZ für Masern, Mumps und Röteln/
Berlin, das somit einen wertvollen Beitrag zur
Überwachung der Masernaktivität und -verbreitung liefert. Neben der Aufklärung von Infektketten durch Typisierung wird am NRZ wie auch bei
niedergelassenen Laboren die klinische Masern
diagnose bestätigt bzw. verworfen. Klinisch übermittelte Masernfälle, bei denen z. B. Röteln, Ringelröteln oder Scharlach nachgewiesen wurden,
konnten folglich gestrichen werden.
Auszug aus dem Jahresbericht 2011 des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg. Lohr, Ref. 95.
5.2 Masernekrankungen mit Genotyp
D8-Nachweis nach Italienaufenthalt
Zwei Fußballspieler erkrankten an Masern, nachdem sie vom 02.-05.06.2011 an einem Fußballturnier in Rimini teilgenommen hatten. Einer der
am 15.06. erkrankten Fußballspieler steckte seine beiden ungeimpften Geschwister an. Der andere Fußballspieler entwickelte am 17.06. Krankheitszeichen und nahm am South-Side-Festival
teil, das vom 17. bis 19. 06.2011 in Neuhausen
ob Eck (Landkreis Tuttlingen) stattfand. Dort hatte er Kontakt zu zwei jungen Erwachsenen. Einer
davon stecke seine Schwester und den Sohn des
Lebensgefährten der Mutter an. Weitere fünf Masernmeldungen von Teilnehmern des Festivals,
die aus anderen Landkreisen stammen, liegen
vor. Der Ausbruch umfasste daher 13 Fälle aus sieben Landkreisen im Alter von 11 bis 24 Jahren. Alle
Erkrankten waren nicht gegen Masern geimpft.
Genotypisch wurde am NRZ der in Deutschland
seltene Stamm D8 bei den beiden Fußballspielern und einem Teilnehmer des Musikfestivals
nachgewiesen.
Unabhängig hiervon wurden in der Meldewoche
26 zwei Masernfälle übermittelt, die sich ebenfalls auf einen Aufenthalt in Italien zurückführen
lassen. Ein 15-jähriger ungeimpfter Schüler, der
sich in der Inkubationszeit in Rom aufhielt, steckte während einer gemeinsamen Autofahrt nach
Frankreich einen 10-jährigen Mitreisenden an.
Beim Indexfall wurden die Masern in Frankreich nur
klinisch diagnostiziert; beim Sekundärfall liegt ein
Laborbefund mit Nachweis des D8-Genotyps vor.
Auszug aus dem Wochenbericht zu aktuellen IfSGMeldungen Meldewoche 29/2011 des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg.
136
5.3 Neuer EHEC-Stamm: O104:H4 in
Baden-Württemberg
Von Mai bis Juli 2011 kam es deutschlandweit zu
dem bisher größten Ausbruch mit HUS-Erkrankungsfällen und/oder blutiger Diarrhö, die vorwiegend bei Frauen mittleren Alters auftraten. Auch
in Baden Württemberg gab es Erkrankungsfälle.
Die Untersuchungen hierzu fanden u. a. im Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg statt.
Das Bakterium Escherichia coli ist Bestandteil der
Darmflora und hat eine große Bedeutung für die
Darmgesundheit. Durch Gentransfer haben sich
zahlreiche genetische Elemente bei bestimmten
E. coli-Varianten verbreitet, die unterschiedliche
Virulenzeigenschaften hervorgebracht haben.
Beim EHEC handelt es sich um ein Bakterium,
das durch den Kontakt zu Wiederkäuern, über
den Verzehr von kontaminierten Lebensmitteln
und von Mensch zu Mensch übertragen werden
kann. Es besitzt die Eigenschaft zur Bildung von
Zytotoxinen, sog. Shigatoxinen (Stx), die zwei
Hauptgruppen (Stx1 und Stx2) zugeordnet werden. Schwere Erkrankungen wie z. B. das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS), welches
bisher überwiegend bei Kindern aufgetreten war
und durch eine hämolytische Anämie, Thrombozytopenie und Nierenversagen bis hin zur Anurie
charakterisiert ist, werden überwiegend durch
Stx2 produzierende EHEC hervorgerufen.
Verantwortlich für den Ausbruch war ein EHEC
des Serotyps O104:H4, der neben dem Stx2-Toxin die Virulenzmerkmale eines enteroaggregativen E. coli zeigte, mit denen er sich an die Epithelien der Darmzellen anheften kann. Zusätzlich
wies er noch besondere Resistenzeigenschaften
gegenüber Cephalosporinen der 3. Generation
(Extended Spectrum Beta Lactamase [ESBL])
auf. Als Vehikel für den Ausbruchsstamm konnten
Bockshornkleesprossen verantwortlich gemacht
werden. Auch in Baden-Württemberg traten Erkrankungsfälle auf, die mit diesen Sprossen exponiert waren bzw. Folgeerkrankungen.
Bei den Laboruntersuchungen im LGA wurden
die Stuhlproben auf E. coli und anschließend
mit Hilfe einer Real-Time Polymerase-Kettenreaktion (PCR) auf EHEC untersucht (Toxinnachweis). Die Typisierung der Stx2-Toxinbildner
erfolgte durch eine konventionelle PCR, bei der
vier EHEC-O104:H4-spezifische Gene nachgewiesen wurden (1. Abbildung). Stämme, die nicht
alle vier Gene aufwiesen, wurden als O104:H4
negativ bewertet.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
Im Rahmen des Ausbruchs wurden im LGA 958
Proben auf EHEC untersucht (2. Abbildung). Dabei erwiesen sich 141 Proben als Stx2 positiv. Mit
Hilfe der O104:H4-spezifischen PCR konnten 103
Proben von 63 Patienten dem Ausbruchsstamm
zugeordnet werden.
Anzahl Proben
Zeitlicher Verlauf des EHEC-Ausbruchs anhand
der Probeneingänge im LGA vom 02.05. bis
29.07.2011
160
140
120
100
80
60
40
20
0
EHEC-Proben
O104:H4 pos. Proben
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
Kalenderwoche
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
137
Anhand von Kontrolluntersuchungen konnte die
Ausscheidungsdauer ermittelt werden. Sie betrug
zwischen drei und fünf Wochen, jedoch wurden
auch drei Langzeitausscheider identifiziert. Die
von uns erhobenen Daten zur Ausscheidungsdauer zeigen nur eine Tendenz an, da die Patientenzahl für eine exakte statistische Auswertung
zu gering war.
Nach Abschluss des Ausbruchgeschehens wurden keine O104:H4-Neuerkrankungen mehr registriert.
Auszug aus dem Jahresbericht 2011 des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg. Hartelt, Kirch &
Klittich, Ref. 93.
5.4
EHEC-Ausbruch 2011
Von Mai bis Juli 2011 traten bundesweit, jedoch
vorwiegend in Norddeutschland, vermehrt Erkrankungen an hämolytisch-urämischem Syndrom (HUS) und blutigem Durchfall auf. Ursache
waren Infektionen durch enterohämorrhagische
Escherichia coli (EHEC) des Serotyps O104:H4.
In Baden-Württemberg wurden insgesamt 234
Fälle EHEC und HUS Fälle gemeldet.
Während des EHEC Ausbruches 2011 traten
nach einer Veranstaltung in Baden-Württemberg
mehrere Erkrankungsfälle auf. 14 Personen ohne
Reiseanamnese nach Norddeutschland gaben
an, dass sie im Mai 2011 an einer gastronomischen Veranstaltung mit Theaterprogramm teilgenommen hatten. Ermittlungen der Veterinärbehörden ergaben, dass die im bundesweiten Ausbruch als Quelle identifizierten Sprossen in der
Speisenfolge verwendet wurden.
Im Rahmen einer Kohortenstudie wurden im Juli
Veranstaltungsteilnehmer telefonisch befragt.
Ziel war es, bisher unerkannte, erkrankte Personen und Ausscheider zu identifizieren, sie zu beraten und die Ausscheidungsdauer des Erregers
zu ermitteln. Allen Personen wurde eine kostenlose Stuhlprobenuntersuchung angeboten, die am
Universitätsklinikum Heidelberg sowie im Labor
des Landesgesundheitsamtes erfolgte.
Von 74 Teilnehmern konnten 44 (59 %) befragt
werden. Davon erinnerten sich 42 an den Verzehr
der mit Sprossen dekorierten Vorspeise (siehe
Bild). Bei acht Befragten mit bekanntem Erregernachweis wurden bereits wiederholt Stuhlunter-
138
Privatfoto eines Teilnehmers
suchungen zur Verlaufskontrolle der Ausscheidung eingeleitet. Unter 22 erstmals Beprobten
wurden zwei Teilnehmer positiv auf EHEC O104:
H4 getestet. Eine Person hatte trotz wochenlanger Magen-Darm Beschwerden keinen Arzt aufgesucht. Eine zweite Person war beschwerdefrei.
10 Teilnehmer sandten mehrere Stuhlproben ein:
die mittlere EHEC Ausscheidungsdauer betrug
65 Tage (Spannbreite 24-96).
Diese Untersuchung wurde zwei Monate nach
stattgefundener Veranstaltung eingeleitet. Kurzzeitige Ausscheider können daher unerkannt geblieben sein. Bei 10 Personen zeigte sich jedoch
eine Ausscheidungsdauer für EHEC O104:H4
von bis zu drei Monaten. Bei Verzicht auf wiederholte Stuhluntersuchungen erkrankter Personen
kann eine Ausscheidung unerkannt bestehen
und zu Folgeinfektionen führen.
Auszug aus dem Jahresbericht 2011 des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg. Aichinger &
Raithel, Ref. 95.
5.5 Erkrankungsfälle von
Sarkozystose bei Reiserückkehrern aus Malaysia
Das Epidemiologische Bulletin berichtete in der
Ausgabe 44/2011 über Erkrankungsfälle von
Sarkozystose bei Reiserückkehrern aus Malaysia. Betroffen waren Personen aus sechs verschiedenen Ländern (Deutschland, Frankreich,
Schweiz, Singapur, den Niederlanden, Kanada).
Insgesamt wurden 23 wahrscheinliche Falle von
Sarkozystose beschrieben. Alle hatten zwischen
Juni und August 2011 die Tioman Inseln besucht.
Unter den 13 Erkrankten aus Deutschland befanden sich auch 5 Reisende aus Baden-Württemberg. Die Fälle wurden in der 46. KW unter der
Meldekategorie WBK als klinisch epidemiologisch bestätigte Erkrankung an das Landesgesundheitsamt übermittelt.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
Durch Aufnahme von mit Fäkalien verunreinigter
Nahrung oder Wasser können Menschen zufallige Fehlwirte der zoonotischen Sarkozystose werden, wobei sich Bradyzoiten von Sarcocystis spp.
im Muskelgewebe entwickeln. Die Parasiten sind
in zahlreichen Säugetierarten weltweit, besonders auch in Süd-Ost-Asien verbreitet. Bei Reiserückkehrern aus Malaysia (insbesondere Tioman und den Nachbarinseln), die entsprechende
Symptome (Fieber, Muskelschmerzen, Eosinopohilie) aufweisen, sollte differenzialdiagnostisch
auch an eine Sarkozystose gedacht werden.
Auszug aus dem Wochenbericht zu aktuellen IfSGMeldungen Meldewoche 46/2011. Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg.
5.6 Fallbericht:
Giardia-duodenalis-Infektionen
Fragestellung:
Im Rahmen einer familiären Häufung von Giardia-duodenalis-Infektionen sollte analysiert werden, ob die Familienmitglieder mit den gleichen
Genotypen infiziert waren. Der Fokus lag darauf,
herauszufinden, ob Person 1, bei der die Infektion zu einem früheren Zeitpunkt festgestellt wurde, die mögliche Infektionsquelle für die anderen
Familienmitglieder (Personen 2 bis 5) darstellte.
Vorgeschichte:
Bei der asymptomatischen Person 1 („Indexfall“)
wurde als Zufallsbefund nach einer Operation
Ende April 2011 eine Giardiasis labordiagnostisch nachgewiesen. Über die Monate Mai bis
Juli erfolgten mehrere Therapieversuche, die
fehlschlugen, und es zeigte sich ein Wechsel zwischen negativen und positiven Befunden (28.04
/ 03.05. positiv; 20. / 21.06. positiv; 05. / 07.07.
negativ; 11. / 25.07. positiv; 26. / 28.07. negativ).
Am 25.07.2011 wurde bei Person 2 eine Giardiasis labordiagnostisch nachgewiesen während
eine Untersuchung von Person 3 am 20.06.2011
keinen Nachweis erbrachte. Für zwei weitere
Personen der Familie (4 und 5) lagen bis August
2011 keine Befunde vor.
Im August 2011 verreiste die Familie nach Spanien. Nach Rückkehr wurde bei allen Familienmitgliedern (alle asymptomatisch) durch die
Hausärztin nochmals eine Kontrolluntersuchung
veranlasst. Mit Ausnahme von Person 3 wurde
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
bei den Personen 1, 2, 4 und 5 labordiagnostisch
eine Giardiasis-Infektion nachgewiesen.
Neben dem Spanienaufenthalt konnte eine Katze
als weitere potentielle Infektionsquelle ermittelt
werden. Entsprechende tierärztliche Untersuchungen erbrachten einen negativen Laborbefund (05.09.2011).
Zur weiteren diagnostischen Abklärung und Therapie erfolgte eine Vorstellung der Familie im
Tropeninstitut des Universitätsklinikum Heidelberg. Nach nochmaliger Behandlung der Familie
durchgeführte Nachuntersuchungen (September 2011) erbrachten für vier Familienmitglieder
negative Befunde; hierbei wurde Person 1 als
asymptomatische Träger(in) eingestuft. Zur Abklärung möglicher Infektionsquelle(n) wurde das
Robert Koch-Institut FG16 Mykologie/Parasitologie/Intrazelluläre Erreger einbezogen.
Ergebnisse der molekularen Typisierung mittels PCR und Sequenzierung: (RKI FG 16; siehe auch Tabelle).
1. Analyse-Ansatz: Der Giardia-DNA-Nachweis
mittels PCR nach Sulaiman et al (2003) und nachfolgender Sequenzanalyse der PCR Produkte ergab in der Probe von Person 1 den Nachweis von
Giardia duodenalis Genotyp/Assemblage AII. Die
übrigen Familienmitglieder waren positiv für die
Assemblage B.
2. Analyse-Ansatz: Der Giardia-Nachweis mittels
PCR und spezifischen Primer für entweder Assemblage A oder B und nachfolgende Sequenzanalyse der Produkte bestätigte bei Person 1
den Nachweis von Assemblage AII-Parasiten,
während keine Parasiten vom Typ B nachgewiesen werden konnten. - Das heißt, dass eine
Doppelinfektion mit Assemblage B der Person
1 sehr unwahrscheinlich ist und damit Person 1
wahrscheinlich nicht als Quelle für die Infektion
der Familie in Frage kommt.
3. Analyse-Ansatz (Immunfluoreszenstest): Nur
in der Probe von Person 1 waren G. duodenalisZysten nachweisbar. In den Proben der übrigen
Familienmitglieder war nur noch Giardia-DNA
mittels PCR nachweisbar.
4. Analyse-Ansatz: bei den mikroskopisch positiven Proben wurde nach Aufarbeitung eine
Überführung in axenische Kultur versucht, die
wahrscheinlich aufgrund Alter und schlechtem
Zustand der Zysten nicht gelang.
139
Tabelle: Zusammenfassung der Ergebnisse
Identität
Giardia-spezifischer Immunfluoreszenstest
(Merifluortest)
Assemblage
(gem. Giardiaspezifischer PCR
nach Sulaiman et
al. 2003)
Spezifische PCR
für Assemblage A
und B (nach Geurden et al. 2009)
1
positiv
AII
AII
2
negativ
BIII
nd
3
negativ
B**
nd
4
negativ
B**
nd
5
negativ
B**
nd
nd: nicht untersucht
** Zuordnung zu Assemblage B Subtypen III oder IV nicht eindeutig
Schlussfolgerungen:
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Person
1 als Quelle der Infektion der übrigen Familienmitglieder ausscheidet, da sie mit Genoptyp AII
infiziert war und keine Hinweise auf eine Hintergrundinfektion mit Assemblage B bestehen.
Die Sequenzen der übrigen Familienmitglieder
sind eindeutig der Assemblage B zuzuordnen,
aber untereinander nicht identisch. Aus der Literatur ist bekannt, dass Assemblage B Stämme
sehr heterogen sind. Es wird deswegen vermutet,
dass die Infektionsquelle mit mehreren Stämmen
verseucht war.
Auszug aus dem Wochenbericht zu aktuellen IfSGMeldungen Meldewoche 49/2011 des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg. Diercks R., LRA
Calw; Klotz C. und Aebischer T., RKI; Wagner-Wiening
C. und Janke K.-H., LGA Baden-Württemberg.
6.
Ausgewählte Häufungen und
Infektionsgeschehen 2012
Die hier ausgewählten Ausbrüche bzw. Häufungen traten im Jahr 2012 in Baden-Württemberg
auf. Die Berichte sind Auszüge aus der Arbeit des
Landesgesundheitsamtes und den Gesundheitsämtern vor Ort.
6.1 Masern 2012
in Baden-Württemberg
Mit Blick auf die von der WHO für das Jahr 2015
angestrebte Maserneliminierung wurden die
übermittelten Masernfälle erstmals nach einem
neuen Berichtsformat der WHO aufgeschlüsselt.
Die Mitgliedsstaaten der WHO-Euro-Region haben sich die Eliminierung von Masern und Röteln
sowie die Prävention der kongenitalen Rötelninfektion bis zum Jahr 2015 zum Ziel gesetzt. Die
verstärkten Anstrengungen auf dem Weg zu diesem Ziel schließen auch eine fortgesetzte Beobachtung des aktuellen Status ein.
Im Jahr 2012 wurden insgesamt 28 Masernverdachtsfälle übermittelt. Davon haben sich neun
durch eingeleitete Laboruntersuchungen nicht
bestätigt; diese Fälle wurden gestrichen (0,08
verworfene Fälle/ 100 000 Einwohner).
Klassifizierung der Masernfälle 2012 nach
Bestätigungsgrad und Herkunft der Infektion
Fallklassifizierung
Herkunft
der
Infektion
laborbestätigt
epidemiologisch
verknüpft
klinisch
kompatibel
importiert
5
0
0
5
endemisch**
0
0
0
0
unbekannt
12
1
1
14
gesamt*
12
1
1
14
gesamt
* ohne importierte Fälle
** Zu mehreren dieser Fälle mit vermutlichem Infektionsland
Deutschland war die vorausgehende Infektkette nicht eruierbar.
Es kann deshalb nicht entschieden werden, ob es sich um endemische oder Import-assoziierte Fälle handelt. In der Tabelle sind
diese Fälle als unbekannt aufgelistet.
Mit 19 Masernerkrankungen wurden im Jahr 2012
somit erheblich weniger Masernerkrankungen als
im Vorjahr (2011: 525 Fälle) und auch in jedem
Jahr seit Einführung des IfSG-Meldewesens im
Jahr 2001 übermittelt. Für die Monate September
bis Dezember ist keine Masernerkrankung mehr
verzeichnet, so dass für 2012 keine ununterbro-
140
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
Masernfälle 2012 nach Alter und Impfstatus der laborbestätigten, epidemiologisch verknüpften und klinisch kompatiblen Fälle (ohne importierte Fälle)
Alter
Impfstatus
<1
Jahr
1-4
Jahre
5-9
Jahre
10-14
Jahre
15-19
Jahre
20-29
Jahre
30+
unbekannt
gesamt
0 Dosen = ungeimpft
1
1
1
4
2
2
0
0
11
1 Dosis
0
1
0
0
1*
0
0
0
2
2 oder mehr Dosen
0
0
0
0
0
0
0
0
0
unbekannter
Impfstatus
0
0
0
0
0
1
0
0
1
gesamt
1
2
1
4
3
3
0
0
14
* klinisch kompatibler Fall ohne Laborbestätigung oder epidemiologischen Zusammenhang
chene Masern übertragung stattfand. Der Anteil
der importierten Fälle lag mit 5/19 bei 26 %; das
Infektionsland der übrigen zwölf Fälle ließ sich
nicht eindeutig zuordnen (siehe erste Tabelle).
Die meisten Fälle betreffen weiterhin ungeimpfte
Kinder und Jugendliche, gefolgt von den jungen
Erwachsenen (siehe zweite Tabelle).
6.2 RSV-verursachter Ausbruch in
einem Krankenhaus 2012
Genotypisierung der
importierten und endemischen Fälle
Atemwegsinfektionen mit dem Respiratorischen
Synzytial-Virus (RSV) treten überwiegend in den
Wintermonaten auf. Am häufigsten betroffen sind
Säuglinge und Kleinkinder. Bei immunschwachen
Personen sind schwere bis tödliche Erkrankungen möglich. Anfang Januar 2012 wurde in der
hämatoonkologischen Abteilung eines großen
Klinikums eine Zunahme an Infektionen mit RSV
festgestellt.Trotz umfangreicher, durch die Klinik
eingeleiteter Hygienemaßnahmen wurden Mitte
Januar weitere RSV Fälle identifiziert. Mitarbeiter
des Landesgesundheitsamtes und des Robert
Koch-Instituts untersuchten den Ausbruch gemeinsam mit dem zuständigen Gesundheitsamt
und der Klinikleitung, um Faktoren zu identifizieren, die zu einer Verbreitung des Virus auf den
Stationen beigetragen haben könnten.
Von 17 Fällen mit Labornachweis (90 % aller Masernfälle) wurden sieben Proben am Nationalen
Referenzzentrum für Masern, Mumps und Röteln
genotypisiert. Das entspricht 41 % aller laborbestätigten und 37 % aller gemeldeten Masernfälle
im Jahr 2012. Bei zwei Proben der beiden Patienten eines Herdes mit Infektionsort Deutschland wurde der Genotyp D4 Manchester nachgewiesen ebenso wie bei einem Sekundärfall des
Herdes mit insgesamt vier Erkrankten, dessen
Indexfall sich in Deutschland oder Frankreich ansteckte. Bei einem weiteren Herd lag bei beiden
Erkrankten der Genotyp D4 Marmande vor. Bei
einem Patienten mit Infektion in Uganda wurde
der Genotyp B3 festgestellt, beim Patienten mit
Infek tion in den Niederlanden der Genotyp D8Villupuram. Von den drei Patienten mit Wohnsitz
in Rumänien konnte mangels passendem Material keine Genotypisierung durchgeführt werden:
zwei Geschwister im Alter von ein und zwei Jahren,
die bereits bei Einreise nach Deutschland symptomatisch waren (Herd), und eine 36-jährige Erwachsene, die nach der Einreise erkrankte (Einzelfall).
Auszug aus dem Jahresbericht 2012 des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg. Lohr & Pfaff,
Ref. 95.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
Im Winter häufen sich Atemwegserkrankungen,
auch durch Respiratorische Synzytial-Viren. Doppelzimmerbelegung begünstigten die Ausbreitung
der Viren in einem Krankenhaus.
Ab Mitte Januar wurden alle stationären Patienten
regelmäßig auf RSV gescreent. Auch in vorhergehenden Monaten abgenommene Patientenproben wurden auf RSV nachuntersucht. Das Konsiliarlabor für RSV in Würzburg erhielt alle RSVpositiven Proben zur Typisierung. Risikofaktoren
für eine Übertragung von RSV wurden in einer
Kohortenstudie sowie einer Fall-Kontroll-Studie
untersucht. Eine „nosokomiale“, also im Krankenhaus erworbene Infektion wurde angenommen,
wenn der Patient mindestens 2 Tage vor Beginn
141
seiner respiratorischen Episode stationär aufgenommen war. Ansonsten wurde die Infektion als
„ambulant“, also außerhalb des Krankenhauses
erworben, eingestuft. Ein „bestätigter“ Fall war
ein Patient mit labordiagnostischem RSV-Nachweis. Ein Patient wurde als ein „möglicher“ Fall
definiert, wenn ein RSV-Nachweis fehlte, er aber
während seines Krankenhausaufenthaltes an einer Pneumonie erkrankte.
Von November 2011 bis Februar 2012 wurden
insgesamt 53 nosokomiale Fälle dem Ausbruch
zugeordnet. Davon waren 36 (68 %) bestätigte
und 17 (32 %) mögliche Fälle. Von weiteren 24
Fällen, die ihre Infektion Ende Januar und im Februar außerhalb des Krankenhauses erworben
hatten, waren 19 (79 %) laborbestätigt und 5 (21 %)
mögliche Fälle (Abbildung 1). Die nosokomiale
Ausbruchswelle begann Anfang November und
erreichte Anfang Januar ihren Höhepunkt. Eine
zweite Ausbruchswelle von ambulant infizierten
Patienten hatte ihren Höhepunkt im Februar 2012,
führte aber nicht zu einer weiteren, nosokomialen
Übertragungswelle. Die Typisierung ergab bei 34
nosokomialen Fällen den identischen Ausbruchsstamm. Die Kohortenstudie ergab ein erhöhtes,
grenzwertig signifikantes, relatives Risiko zu erkranken, wenn der Patient häufig Kontakte zu
anderen Patienten und häufig sein Zimmer oder
die Station verlassen hatte (RR=2,9; 95 % Konfidenzintervall: 0,91-9,22; p=0,05). Die Fall-Kontroll-Studie ergab für einen bestätigten Fall ein
9,9-fach erhöhtes Risiko (95 % Konfidenzintervall: 2,2-92,3; p<0,001) vor seiner RSV-Infektion
gemeinsam mit einem anderen, schon potentiell
infektiösen, bestätigten oder möglichen Fall im
Doppelzimmer untergebracht gewesen zu sein.
12
Nosokomial, dem Ausbruch zugeordnet
RSV positive Fälle
10
Im privaten Umfeld erworben
Der Nachweis eines identischen Ausbruchsstammes lässt auf einen einmaligen Eintrag und eine
Weiterverbreitung des Erregers auf den Stationen schließen. Als begünstigenden Faktor für die
Verbreitung des Erregers konnte die Doppelzimmerbelegung mit einem potentiell infektiösen Patienten identifiziert werden.
Auszug aus dem Jahresbericht 2012 des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg. Aichinger, Ref.
95.
6.3 Salmonellosefälle 2012 bei Kleinkindern mit Reptilienhaltung im Haushalt
Für Kinder unter einem Jahr wurden insgesamt
elf Salmonellosefälle für die KW 1-13/2012 übermittelt; davon zwei mit möglichem Infektionsort
im Ausland (Ghana und Dominikanische Republik). Bei drei der übrigen acht Fälle wird vermutet, dass die Salmonelleninfektion über Reptilien
erfolgte:
Ein 11-Monate alter Junge erkrankte mit Erbrechen, Durchfall und Fieber. Labordiagnostisch
wurde Salmonella Cotham nachgewiesen, ein
Serovar, das bei Bartagamen vorkommt. Im
Haushalt des Jungen werden Bartagame gehalten; das GA wurde gebeten, das Veterinäramt zu
informieren. Leider erfolgte keine Untersuchung
der Bartagame auf Salmonellen.
Ein 4-Monate alter Junge erkrankte an Salmonellose und wurde stationär aufgenommen. Labordiagnostisch wurde S. Enteritidis nachgewiesen.
Im Haushalt des Jungen befand sich zum Zeitpunkt der Exposition eine Schlange, die mittlerweile abgegeben wurde. Auch hier wurden die
Schlangen nicht untersucht.
8
Ein Ein-Monat altes Mädchen erkrankte an S.
Johannisburg. Im Haushalt befanden sich Bartagame und eine Kornnatter, bei denen ebenfalls
Salmonella Johannisburg nachgewiesen wurde.
6
4
2
0
44 45 46 47 48 49 50 51 52 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12
Kalenderwoche 2011-2012
Auszug aus dem Wochenbericht zu aktuellen IfSGMeldungen Meldewoche 13/2012 des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg.
Nosokomiale, dem Ausbruch zugeordnete (n=54)
und im privaten Umfeld infizierte (n=24) RSV-Fälle;
November 2011-März 2012
142
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
6.4 Häufung von Q-Fieber-Erkrankungen im Landkreis Göppingen
Anfang August 2012 wurden dem Gesundheitsamt Göppingen innerhalb von zwei Tagen drei
labordiagnostisch bestätigte Q-Fieber Erkrankungen gemeldet. Alle Betroffenen mussten stationär im Krankenhaus behandelt werden. Zwei
Erkrankte wohnten im gleichen Ort, einer ca. 8
km entfernt. Durch die Ermittlungen des Gesundheitsamtes stellte sich jedoch heraus, dass der
Betroffene im gleichen Ort arbeitet.
Innerhalb einer weiteren Woche stieg die Zahl
der Erkrankten auf 9 Personen an. Der Verdacht
fiel auf eine, in einem bestimmten Gebiet weidende Schafherde als Auslöser der Erkrankungen.
Über die Stadtverwaltung konnte der Schafhalter
ausfindig gemacht werden. Das ebenfalls eingeschaltete Veterinäramt nahm Kontakt zum Schafhalter auf. Dieser war bereit, seine Tiere vom
Ortsrand in ein abgelegenes Tal zu treiben. Die
noch trächtigen Schafe wurden zum Ablammen
in den Stall gebracht. Es stellte sich heraus, dass
in den Wochen vor dem Auftreten der Erkrankungen ca. 100 Tiere auf Wiesen im Ortsrandbereich
gelammt hatten.
Die niedergelassenen Hausärzte in dem betroffenen Bereich wurden durch das Gesundheitsamt
über das Auftreten der Erkrankung und die Symptomatik informiert. Zur Information über weitere
Verdachtsfälle blieb man im engen Kontakt mit
den Kliniken.
Gleichzeitig wurde der Schafherdengesundheitsdienst eingeschaltet und es wurden Blutentnahmen bei den Schafen durchgeführt. Die Untersuchungsergebnisse bestätigten, dass die Schafherde mit dem Erreger des Q Fieber infiziert war
und es wurde eine erste Impfung der Schafe
durchgeführt. Die zweite Impfung wurde für Ende
September 2012 geplant. Danach durften die Tiere wieder auf die Weide.
Nach Einleitung der genannten Maßnahmen traten keine weiteren Neuerkrankungen auf.
Auszug aus dem Wochenbericht zu aktuellen IfSGMeldungen Meldewoche 38/2012 des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg. Mürter, N. LRA Göppingen.
6.5 Adenovirus-Ausbruch 2011/2012
Der bisher größte Adenovirus-Ausbruch in Baden-Württemberg mit 114 übermittelten Fällen
ereignete sich von Ende Dezember 2011 bis Januar 2012.
In vier Fällen wurde ein labordiagnostischer
Nachweis von Adenoviren geführt. Die weiteren
Erkrankten mit Keratokonjunktivitis stehen im epidemiologischen Zusammenhang. Die vier Patienten mit labordiagnostischem Adenovirusnachweis
und weitere Erkrankte haben während der Inkubationszeit eine stark frequentierte Augenarztpraxis
besucht. In der Augenarztpraxis wurden entsprechende Hygienemaßnahmen eingeleitet, u. a.
wurden Augeninnendruckmessungen nur in Ein-
400
n = 770
350
300
250
200
150
100
50
0
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
Fälle im Ausbruch
14
0
0
31
Einzelfälle
21
5
4
10
2008
31
4
11
0
19
68
34
15
2009
2010
2011
2012
0
2
11
194
32
44
65
155
Adenovirus-Konjunktivitis -Fälle nach Meldejahr, aufgeschlüsselt nach Einzelfällen und Fällen im
Ausbruch (Stand 13.12.2012).
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
143
zelfällen und mit Einmalköpfchen durchgeführt,
und die Hygiene- und Desinfektionspläne wurden
überprüft. Patienten mit Keratokonjunktivitis-Verdacht wurden in der Praxis von den anderen Patienten isoliert. Hände-, Flächen- und Instrumentendesinfektion wird mit in der RKI-Liste viruzid
ausgelobten Desinfektionsmitteln durchgeführt.
Praxen, Krankenhäuser und Gemeinschaftseinrichtungen in der Umgebung wurden informiert.
Proben der positiv getesteten Patienten wurden
zur weiteren Typisierung an das Konsiliarlabor in
Hannover gesendet, alle untersuchten Stämme
weisen Adenovirus-DNA der Spezies D, Typ 37
auf. Bei dem im Rahmen eines Adenovirus-Ausbruchs in Norddeutschland nachgewiesenen Stämmen handelt es sich um die Spezies D, Typ 8.
Auszüge aus den Wochenberichten zu aktuellen IfSGMeldungen Meldewoche 04/2012 und 49/2012 des
Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg.
144
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
7.
Quellenverzeichnis
SurvNet@RKI. Datenbank im Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg.
SurvStat@RKI. Im Internet verfügbare Datenbank des RKI.
Arbeitsgemeinschaft Influenza. https://influenza.rki.de/.
Bangkok Post (2014). Wednesday 9 April 2014. Ministry targets cut in dengue, malaria.
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (2013). Berichte zur Lebensmittelsicherheit 2011. Zoonosen-Monitoring.
Bundesinstitut für Risikobewertung (2010). Hepatitis E-Virus in deutschen Wildschweinen. Information
Nr. 012/2010 des BfR vom 1. März 2010.
Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz. Infektionsschutzgesetz. http://www.gesetze-im-internet.de/ifsg/.
Bundesministerium der Justiz. Infektionsschutzgesetz, Aviäre-Influenza-Meldepflicht-Verordnung und
Labormeldepflicht-Anpassungsverordnung.
Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Public Health Image Library (PHIL).
Department of Health. The Government of the Hong Kong Special Administrative Region. Travel
Health Service.
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oegd/Fachservice/Publikationen/LGA-Jahresberichte/Seiten/default.aspx.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg. Jahresbericht 2012. http://www.gesundheitsamt-bw.de/
oegd/Fachservice/Publikationen/LGA-Jahresberichte/Seiten/default.aspx.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg. Wochenberichte zu aktuellen IfSG-Meldungen. http://
www.gesundheitsamt-bw.de/oegd/Gesundheitsthemen/Epidemiologie/Landesstelle-MeldewesenIfSG/Archiv-IfSG-Wochenberichte/Seiten/default.aspx.
Ministerium für Arbeit und Soziales Baden-Württemberg. Auszug aus der Verordnung des Sozialministeriums über Zuständigkeiten nach dem IfSG vom 19. März 2001.
Robert Koch-Institut. Elektronenmikroskopische Aufnahmen. http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/
NRZ/EM/Aufnahmen/Aufnahmen_node.html.
Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber für Ärzte. Im Internet unter Infektionskrankheiten von A-Z. Wurden
als Grundlage für die Erstellung der Steckbriefe verwendet.
Robert Koch-Institut (2009). Hepatitis E in Deutschland: eine lebenmittel-bedingte Zoonose?
Robert Koch-Institut (2013). Epidemiologisches Bulletin vom 14. April 2014, Nr. 15. FSME: Risikogebiete in Deutschland (Stand: April 2014).
Robert Koch-Institut (2013). Syphilis-Meldungen von 1971 bis 2012. http://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/S/Syphilis/Syphilis_1971_2005/Syphilis_PPT_Tabelle.html.
Statistisches Landesamt Baden-Württemberg (2012). Gestorbene in Baden-Württemberg 2011 nach
Todesursachen und Geschlecht.
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
145
8.
Tabellenverzeichnis
Seite
TABELLE 1: ANZAHL ÜBERMITTELTER MELDUNGEN 2001-2012
9
TABELLE 2: AN DAS LGA ÜBERMITTELTE MELDEPFLICHTIGE KRANKHEITEN 20012006 (OHNE „WBK“)
10
TABELLE 3: AN DAS LGA ÜBERMITTELTE MELDEPFLICHTIGE KRANKHEITEN 20072012 (OHNE „WBK“)
11
TABELLE 4: ÜBERMITTELTE MELDUNGEN JE 100 000 EINWOHNER (INZIDENZ)
NACH STADT- UND LANDKREISEN UND ALTERSGRUPPEN, 2011 (OHNE „WEITERE BEDROHLICHE KRANKHEIT“)
13
TABELLE 5: ÜBERMITTELTE MELDUNGEN JE 100 000 EINWOHNER (INZIDENZ)
NACH STADT- UND LANDKREISEN UND ALTERSGRUPPEN, 2012 (OHNE „WEITERE BEDROHLICHE KRANKHEIT“)
14
TABELLE 6: ÜBERMITTELTE TODESFÄLLE AN MELDEPFLICHTIGEN INFEKTIONSKRANKHEITEN 2011-2012
18
TABELLE 7: ANGABEN ZUM INFEKTIONSLAND BEI DEN ÜBERMITTELTEN SALMONELLOSE-ERKRANKUNGEN, BADEN-WÜRTTEMBERG 2011-2012
47
TABELLE 8: ERREGER DER AUS BADEN-WÜRTTEMBERG ÜBERMITTELTEN INFLUENZA-ERKRANKUNGEN 2011-2012
69
TABELLE 9: BEHANDLUNGSERGEBNISSE DER ÜBERMITTELTEN TUBERKULOSENEUERKRANKUNGEN, BADEN-WÜRTTEMBERG 2001-2012
76
TABELLE 10: SELTENE KRANKHEITEN, BADEN-WÜRTTEMBERG 2001-2012
128
TABELLE 11: NICHTNAMENTLICHE MELDUNGEN AUS BADEN-WÜRTTEMBERG
NACH JAHREN
132
146
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
9.
Abbildungsverzeichnis
Seite
ABB. 1: MELDEWEGE NACH DEM INFEKTIONSSCHUTZGESETZ
6
ABB. 2: DIE DREI AM HÄUFIGSTEN NACH IFSG ÜBERMITTELTEN INFEKTIONSKRANKHEITEN, BADEN-WÜRTTEMBERG 2001-2012
12
ABB. 3: GESCHLECHTSSPEZIFISCHE INZIDENZEN DER HÄUFIGSTEN INFEKTIONSKRANKHEITEN, BADEN-WÜRTTEMBERG, 2011
15
ABB. 4: GESCHLECHTSSPEZIFISCHE INZIDENZEN DER HÄUFIGSTEN INFEKTIONSKRANKHEITEN, BADEN-WÜRTTEMBERG, 2012
15
ABB. 5: HÄUFIGSTE KRANKHEITEN NACH ALTERSGRUPPEN, BADEN-WÜRTTEMBERG 2011
16
ABB. 6: HÄUFIGSTE KRANKHEITEN NACH ALTERSGRUPPEN, BADEN-WÜRTTEMBERG 2012
16
ABB. 7: ANTEILE DER TODESFÄLLE PRO MELDEKATEGORIE, BADEN-WÜRTTEMBERG 2011-2012
17
ABB. 8: ALTERSSPEZIFISCHE MORTALITÄTSRATEN DURCH INFEKTIÖSE UND
PARASITÄRE KRANKHEITEN AUS DER TODESURSACHENSTATISTIK, BADENWÜRTTEMBERG 2011-2012
19
ABB. 9: ALTERSSPEZIFISCHE RATEN VON (NACH DEM IFSG) ÜBERMITTELTEN
TODESFÄLLEN DURCH MELDEPFLICHTIGE INFEKTIONSKRANKHEITEN, BADENWÜRTTEMBERG 2011-2012
19
ABB. 10: ÜBERMITTELTE MAGEN-DARM-INFEKTIONEN PRO 100 000 EINWOHNER
UND JAHR NACH ALTERSGRUPPEN, BADEN-WÜRTTEMBERG, GEMITTELT ÜBER
2011-2012
20
ABB. 11: ÜBERMITTELTE CAMPYLOBACTER-ERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER UND JAHR VON 2001 BIS 2012, BADEN-WÜRTTEMBERG (SÄULEN) UND
DEUTSCHLAND (LINIE)
22
ABB. 12: ÜBERMITTELTE CAMPYLOBACTER-ERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER UND JAHR NACH ALTER UND GESCHLECHT, BADEN-WÜRTTEMBERG,
GEMITTELT ÜBER DIE JAHRE 2011-2012
22
ABB. 13: ÜBERMITTELTE CAMPYLOBACTER-ERKRANKUNGEN IN BADENWÜRTTEMBERG NACH MELDEWOCHE 2012 (SÄULEN); 2011 (LINIE) UND STREUBREITE DER ÜBERMITTLUNGEN IN DEN JAHREN 2001 BIS 2010 (FLÄCHE)
23
ABB. 14: ÜBERMITTELTE E. COLI-ENTERITIDEN PRO 100 000 EINWOHNER UND
JAHR VON 2001 BIS 2012, BADEN-WÜRTTEMBERG (SÄULEN) UND DEUTSCHLAND (LINIE)
25
ABB. 15: ÜBERMITTELTE E. COLI-ENTERITIDEN PRO 100 000 EINWOHNER UND
JAHR NACH ALTER UND GESCHLECHT, BADEN-WÜRTTEMBERG, GEMITTELT
ÜBER DIE JAHRE 2011-2012
25
ABB. 16: ÜBERMITTELTE E. COLI-ENTERITIDEN IN BADEN-WÜRTTEMBERG NACH
MELDEWOCHE 2012 (SÄULEN), 2011 (LINIE) UND STREUBREITE DER ÜBERMITTLUNGEN IN DEN JAHREN 2001 BIS 2010 (FLÄCHE)
26
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
147
ABB. 17: ÜBERMITTELTE EHEC-ERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER UND
JAHR VON 2001 BIS 2012, BADEN-WÜRTTEMBERG (SÄULEN) UND DEUTSCHLAND
(LINIE)
28
ABB. 18: ÜBERMITTELTE EHEC-ERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER UND
JAHR NACH ALTER UND GESCHLECHT, BADEN-WÜRTTEMBERG, GEMITTELT
ÜBER DIE JAHRE 2011-2012
28
ABB. 19: ÜBERMITTELTE EHEC-ERKRANKUNGEN IN BADEN-WÜRTTEMBERG
NACH MELDEWOCHE 2012 (SÄULEN), 2011 (LINIE) UND STREUBREITE DER ÜBERMITTLUNGEN IN DEN JAHREN 2001 BIS 2010 (FLÄCHE)
29
ABB. 20: ÜBERMITTELTE GIARDIASIS-ERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER
UND JAHR VON 2001 BIS 2012, BADEN-WÜRTTEMBERG (SÄULEN) UND DEUTSCHLAND (LINIE)
32
ABB. 21: ÜBERMITTELTE GIARDIASIS-ERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER UND JAHR NACH ALTER UND GESCHLECHT, BADEN-WÜRTTEMBERG, GEMITTELT ÜBER DIE JAHRE 2011-2012
32
ABB. 22: ÜBERMITTELTE GIARDIASIS-ERKRANKUNGEN IN BADEN-WÜRTTEMBERG NACH MELDEWOCHE 2012 (SÄULEN), 2011 (LINIE) UND STREUBREITE DER
ÜBERMITTLUNGEN IN DEN JAHREN 2001 BIS 2010 (FLÄCHE)
33
ABB. 23: ÜBERMITTELTE KRYPTOSPORIDIOSEN PRO 100 000 EINWOHNER UND
JAHR VON 2001 BIS 2012, BADEN-WÜRTTEMBERG (SÄULEN) UND DEUTSCHLAND
(LINIE)
35
ABB. 24: ÜBERMITTELTE KRYPTOSPORIDIOSEN PRO 100 000 EINWOHNER UND
JAHR NACH ALTER UND GESCHLECHT, BADEN-WÜRTTEMBERG, GEMITTELT
ÜBER DIE JAHRE 2011-2012
35
ABB. 25: ÜBERMITTELTE KRYPTOSPORIDIOSEN IN BADEN-WÜRTTEMBERG NACH
MELDEWOCHE 2012 (SÄULEN), 2011 (LINIE) UND STREUBREITE DER ÜBERMITTLUNGEN IN DEN JAHREN 2002 BIS 2010 (FLÄCHE) OHNE AUSBRUCHSJAHR 2001
36
ABB. 26: ÜBERMITTELTE NOROVIRUS-ERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER UND JAHR VON 2001 BIS 2012, BADEN-WÜRTTEMBERG (SÄULEN) UND
DEUTSCHLAND (LINIE)
38
ABB. 27: ÜBERMITTELTE NOROVIRUS-ERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER UND JAHR NACH ALTER UND GESCHLECHT, BADEN-WÜRTTEMBERG, GEMITTELT ÜBER DIE JAHRE 2011-2012
39
ABB. 28: NOROVIRUS-ERKRANKTE PRO 100 000 EINWOHNER UND JAHR NACH
ALTER UND MELDEJAHR, BADEN-WÜRTTEMBERG 2001-2012
39
ABB. 29: ÜBERMITTELTE NOROVIRUS-ERKRANKUNGEN IN BADEN-WÜRTTEMBERG NACH MELDEWOCHE 2012 (SÄULEN), 2011 (LINIE) UND STREUBREITE DER
ÜBERMITTLUNGEN IN DEN JAHREN 2001 BIS 2010 (FLÄCHE)
40
ABB. 30: ÜBERMITTELTE ROTAVIRUS-ERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER
UND JAHR VON 2001-2012, BADEN-WÜRTTEMBERG (SÄULEN) UND DEUTSCHLAND (LINIE)
42
ABB. 31: ÜBERMITTELTE ROTAVIRUS-ERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER UND JAHR NACH ALTER UND GESCHLECHT, BADEN-WÜRTTEMBERG, GEMITTELT ÜBER DIE JAHRE 2011-2012
42
148
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
ABB. 32: ÜBERMITTELTE ROTAVIRUS-ERKRANKUNGEN IN BADEN-WÜRTTEMBERG NACH MELDEWOCHE 2012 (SÄULEN), 2011 (LINIE) UND STREUBREITE DER
ÜBERMITTLUNGEN IN DEN JAHREN 2001 BIS 2010 (FLÄCHE)
43
ABB. 33: ÜBERMITTELTE SALMONELLOSEN PRO 100 000 EINWOHNER UND JAHR
VON 2001 BIS 2012, BADEN-WÜRTTEMBERG (SÄULEN) UND DEUTSCHLAND (LINIE)
45
ABB. 34: ÜBERMITTELTE SALMONELLOSEN PRO 100 000 EINWOHNER UND JAHR
NACH ALTER UND GESCHLECHT, BADEN-WÜRTTEMBERG, GEMITTELT ÜBER
DIE JAHRE 2011-2012
46
ABB. 35: ÜBERMITTELTE SALMONELLOSEN IN BADEN-WÜRTTEMBERG NACH
MELDEWOCHE 2012 (SÄULEN), 2011 (LINIE) UND STREUBREITE DER ÜBERMITTLUNGEN IN DEN JAHREN 2001 BIS 2010 (FLÄCHE)
47
ABB. 36: ÜBERMITTELTE SHIGELLOSE-ERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER UND JAHR VON 2001 BIS 2012, BADEN-WÜRTTEMBERG (SÄULEN) UND
DEUTSCHLAND (LINIE)
49
ABB. 37: ÜBERMITTELTE SHIGELLOSE-ERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER UND JAHR NACH ALTER UND GESCHLECHT, BADEN-WÜRTTEMBERG, GEMITTELT ÜBER DIE JAHRE 2011-2012
49
ABB. 38: ÜBERMITTELTE SHIGELLOSEN IN BADEN-WÜRTTEMBERG NACH MELDEWOCHE 2012 (SÄULEN), 2011 (LINIE) UND STREUBREITE DER ÜBERMITTLUNGEN IN DEN JAHREN 2001 BIS 2010 (FLÄCHE)
50
ABB. 39: ÜBERMITTELTE YERSINIOSE-ERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER UND JAHR VON 2001 BIS 2012, BADEN-WÜRTTEMBERG (SÄULEN) UND
DEUTSCHLAND (LINIE)
52
ABB. 40: ÜBERMITTELTE YERSINIOSE-ERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER UND JAHR NACH ALTER UND GESCHLECHT, BADEN-WÜRTTEMBERG, GEMITTELT ÜBER DIE JAHRE 2011-2012
52
ABB. 41: ÜBERMITTELTE YERSINIOSE-ERKRANKUNGEN IN BADEN-WÜRTTEMBERG NACH MELDEWOCHE 2012 (SÄULEN), 2011 (LINIE) UND STREUBREITE DER
ÜBERMITTLUNGEN IN DEN JAHREN 2001 BIS 2010 (FLÄCHE)
53
ABB. 42: ÜBERMITTELTE HEPATITIS-A-ERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER UND JAHR VON 2001 BIS 2012, BADEN-WÜRTTEMBERG (SÄULEN) UND
DEUTSCHLAND (LINIE)
56
ABB. 43: ÜBERMITTELTE HEPATITIS-A-ERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER UND JAHR NACH ALTER UND GESCHLECHT, BADEN-WÜRTTEMBERG, GEMITTELT ÜBER DIE JAHRE 2011-2012
57
ABB. 44: KUMULIERTE HEPATITIS-A-ERKRANKTE PRO 100 000 EINWOHNER UND
JAHR NACH ALTER UND HÄUFIGSTEN INFEKTIONSLÄNDERN, BADEN-WÜRTTEMBERG 2001-2012
57
ABB. 45: ÜBERMITTELTE HEPATITIS-A-ERKRANKUNGEN IN BADEN-WÜRTTEMBERG NACH MELDEWOCHE 2012 (SÄULEN), 2011 (LINIE) UND STREUBREITE DER
ÜBERMITTLUNGEN IN DEN JAHREN 2002 BIS 2010 (FLÄCHE)
58
ABB. 46: HEPATITIS A - ANZAHL DER DURCHSCHNITTLICH IN EINER MELDEWOCHE ÜBERMITTELTEN ERKRANKUNGEN, BADEN-WÜRTTEMBERG, JAHRESMITTEL FÜR 2002-2012
59
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
149
ABB. 47: ÜBERMITTELTE HEPATITIS-B-ERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER UND JAHR VON 2001 BIS 2012, BADEN-WÜRTTEMBERG (SÄULEN) UND
DEUTSCHLAND (LINIE)
61
ABB. 48: ÜBERMITTELTE HEPATITIS-B-ERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER UND JAHR NACH ALTER UND GESCHLECHT, BADEN-WÜRTTEMBERG, GEMITTELT ÜBER DIE JAHRE 2011-2012
62
ABB. 49: ÜBERMITTELTE HEPATITIS-B-ERKRANKUNGEN IN BADEN-WÜRTTEMBERG NACH MELDEWOCHE 2012 (SÄULEN), 2011 (LINIE) UND STREUBREITE DER
ÜBERMITTLUNGEN IN DEN JAHREN 2002 BIS 2010 (FLÄCHE)
62
ABB. 50: ÜBERMITTELTE HEPATITIS-C-ERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER UND JAHR VON 2001 BIS 2012, BADEN-WÜRTTEMBERG (SÄULEN) UND
DEUTSCHLAND (LINIE)
64
ABB. 51: ÜBERMITTELTE HEPATITIS-C-ERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER UND JAHR NACH ALTER UND GESCHLECHT, BADEN-WÜRTTEMBERG, GEMITTELT ÜBER DIE JAHRE 2011-2012
65
ABB. 52: ÜBERMITTELTE HEPATITIS-C-ERKRANKUNGEN IN BADEN-WÜRTTEMBERG NACH MELDEWOCHE 2012 (SÄULEN), 2011 (LINIE) UND STREUBREITE DER
ÜBERMITTLUNGEN IN DEN JAHREN 2001 BIS 2010 (FLÄCHE)
65
ABB. 53: ÜBERMITTELTE HEPATITIS-E-ERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER UND JAHR VON 2001 BIS 2012, BADEN-WÜRTTEMBERG (SÄULEN) UND
DEUTSCHLAND (LINIE)
67
ABB. 54: ÜBERMITTELTE HEPATITIS-E-ERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER UND JAHR NACH ALTER UND GESCHLECHT, BADEN-WÜRTTEMBERG, GEMITTELT ÜBER DIE JAHRE 2001-2012
68
ABB. 55: ÜBERMITTELTE HEPATITIS-E-ERKRANKUNGEN IN BADEN-WÜRTTEMBERG NACH MELDEMONAT 2012 (SÄULEN), 2011 (LINIE) UND STREUBREITE DER
ÜBERMITTLUNGEN IN DEN JAHREN 2001 BIS 2010 (FLÄCHE)
68
ABB. 56: WINTER-ZENTRIERTER SAISONVERGLEICH DES PRAXISINDEX DER
AGI AM RKI ÜBER 3 JAHRE, BADEN-WÜRTTEMBERG (QUELLE: ARBEITSGEMEINSCHAFT INFLUENZA AM RKI, STAND 24.10.2013)
70
ABB. 57: ÜBERMITTELTE INFLUENZAFÄLLE NACH MELDEWOCHE, BADENWÜRTTEMBERG, 2001-2012
71
ABB. 58: ÜBERMITTELTE INFLUENZAFÄLLE PRO 100 000 EINWOHNER UND JAHR
NACH ALTER UND GESCHLECHT, BADEN-WÜRTTEMBERG, GEMITTELT ÜBER
DIE JAHRE 2011-2012
71
ABB. 59: ÜBERMITTELTE TUBERKULOSE-ERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER UND JAHR VON 2001 BIS 2012, BADEN-WÜRTTEMBERG (SÄULEN) UND
DEUTSCHLAND (LINIE)
73
ABB. 60: ÜBERMITTELTE TUBERKULOSE-ERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER UND JAHR NACH ALTER UND GESCHLECHT, BADEN-WÜRTTEMBERG, GEMITTELT ÜBER DIE JAHRE 2011-2012
73
ABB. 61: ÜBERMITTELTE TUBERKULOSE-ERKRANKUNGEN BEI UNTER 15-JÄHRIGEN PRO 100 000 UNTER 15-JÄHRIGE UND JAHR VON 2001 BIS 2012, BADENWÜRTTEMBERG (SÄULEN) UND DEUTSCHLAND (LINIE)
74
150
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
ABB. 62: ÜBERMITTELTE TUBERKULOSE-ERKRANKUNGEN IN BADEN-WÜRTTEMBERG NACH MELDEWOCHE 2012 (SÄULEN), 2011 (LINIE) UND STREUBREITE DER
ÜBERMITTLUNGEN IN DEN JAHREN 2001 BIS 2010 (FLÄCHE)
74
ABB. 63: KARTE DER ÜBERMITTELTEN TUBERKULOSE-NEUERKRANKUNGEN
PRO 100 000 EINWOHNER UND JAHR, BADEN-WÜRTTEMBERG, GEMITTELT ÜBER
DIE JAHRE 2011-2012
75
ABB. 64: ÜBERMITTELTE ADENOVIRUS-NACHWEISE IN ABSTRICHEN VON DER
AUGENBINDEHAUT PRO 100 000 EINWOHNER UND JAHR VON 2001 BIS 2012, BADEN-WÜRTTEMBERG (SÄULEN) UND DEUTSCHLAND (LINIE)
79
ABB. 65: ÜBERMITTELTE ADENOVIRUS-NACHWEISE IN ABSTRICHEN VON DER
AUGENBINDEHAUT PRO 100 000 EINWOHNER UND JAHR NACH ALTER UND GESCHLECHT, BADEN-WÜRTTEMBERG, GEMITTELT ÜBER DIE JAHRE 2011-2012
79
ABB 66: ÜBERMITTELTE ADENOVIRUS-NACHWEISE IN ABSTRICHEN VON DER
AUGENBINDEHAUT, BADEN-WÜRTTEMBERG NACH MELDEWOCHE 2012 (SÄULEN), 2001 (LINIE) UND STREUBREITE DER ÜBERMITTLUNGEN IN DEN JAHREN
2001 BIS 2010 (FLÄCHE)
80
ABB. 67: ÜBERMITTELTE CLOSTRIDIUM-DIFFICILE-INFEKTIONEN PRO 100 000
EINWOHNER UND JAHR VON 2001 BIS 2012, BADEN-WÜRTTEMBERG
82
ABB. 68: ÜBERMITTELTE CLOSTRIDIUM-DIFFICILE-INFEKTIONEN PRO 100 000
EINWOHNER UND JAHR NACH ALTER UND GESCHLECHT, BADEN-WÜRTTEMBERG, GEMITTELT ÜBER DIE JAHRE 2011-2012
83
ABB. 69: ÜBERMITTELTE CLOSTRIDIUM-DIFFICILE-INFEKTIONEN IN BADENWÜRTTEMBERG NACH MELDEWOCHE 2012 (SÄULEN), 2011 (LINIE) UND STREUBREITE DER ÜBERMITTLUNGEN IN DEN JAHREN 2008 BIS 2010 (FLÄCHE)
83
ABB. 70: ÜBERMITTELTE CJK-ERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER UND
JAHR VON 2001 BIS 2012, BADEN-WÜRTTEMBERG (SÄULEN) UND DEUTSCHLAND (LINIE)
85
ABB. 71: ÜBERMITTELTE CJK-ERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER UND
JAHR NACH ALTER UND GESCHLECHT, BADEN-WÜRTTEMBERG, GEMITTELT
ÜBER DIE JAHRE 2011-2012
85
ABB. 72: ÜBERMITTELTE DENGUEFIEBER-ERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER UND JAHR VON 2001 BIS 2012, BADEN-WÜRTTEMBERG (SÄULEN) UND
DEUTSCHLAND (LINIE)
87
BB. 73: ÜBERMITTELTE DENGUEFIEBER-ERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER UND JAHR NACH ALTER UND GESCHLECHT, BADEN-WÜRTTEMBERG, GEMITTELT ÜBER DIE JAHRE 2011-2012
88
ABB. 74: ÜBERMITTELTE DENGUEFIEBER-ERKRANKUNGEN IN BADEN-WÜRTTEMBERG NACH MELDEWOCHE 2012 (SÄULEN), 2011 (LINIE) UND STREUBREITE DER
ÜBERMITTLUNGEN IN DEN JAHREN 2001 BIS 2010 (FLÄCHE)
89
ABB. 75: ÜBERMITTELTE FSME-ERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER UND
JAHR VON 2001 BIS 2012, BADEN-WÜRTTEMBERG (SÄULEN) UND DEUTSCHLAND
(LINIE)
91
ABB. 76: ÜBERMITTELTE FSME-ERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER UND
JAHR NACH ALTER UND GESCHLECHT, BADEN-WÜRTTEMBERG, GEMITTELT
ÜBER DIE JAHRE 2011-2012
91
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
151
ABB. 77: ÜBERMITTELTE FSME-ERKRANKUNGEN IN BADEN-WÜRTTEMBERG
NACH MELDEWOCHE 2012 (SÄULEN); 2011 (LINIE) UND STREUBREITE DER ÜBERMITTLUNGEN IN DEN JAHREN 2001 BIS 2010 (FLÄCHE)
92
ABB. 78: KARTE DER MÖGLICHEN FSME-INFEKTIONSORTE, BADEN-WÜRTTEMBERG 2011-2012
93
ABB. 79: ÜBERMITTELTE HAEMOPHILUS-INFLUENZAE-ERKRANKUNGEN PRO
100 000 EINWOHNER UND JAHR VON 2001 BIS 2012, BADEN-WÜRTTEMBERG
(SÄULEN) UND DEUTSCHLAND (LINIE)
95
ABB. 80: ÜBERMITTELTE HAEMOPHILUS-INFLUENZAE-ERKRANKUNGEN PRO
100 000 EINWOHNER UND JAHR NACH ALTER UND GESCHLECHT, BADENWÜRTTEMBERG, GEMITTELT ÜBER DIE JAHRE 2011-2012
95
ABB. 81: ÜBERMITTELTE HAEMOPHILUS-INFLUENZAE-ERKRANKUNGEN IN BADEN-WÜRTTEMBERG NACH MELDEWOCHE 2012 (SÄULEN); 2011 (LINIE) UND
STREUBREITE DER ÜBERMITTLUNGEN IN DEN JAHREN 2001 BIS 2010 (FLÄCHE)
96
ABB. 82: ÜBERMITTELTE HANTAVIRUS-ERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER UND JAHR VON 2001 BIS 2012, BADEN-WÜRTTEMBERG (SÄULEN) UND
DEUTSCHLAND (LINIE)
97
ABB. 83: ÜBERMITTELTE HANTAVIRUS-ERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER UND JAHR NACH ALTER UND GESCHLECHT, BADEN-WÜRTTEMBERG, GEMITTELT ÜBER DIE JAHRE 2011-2012
98
ABB. 84: ÜBERMITTELTE HANTAVIRUS-ERKRANKUNGEN IN BADEN-WÜRTTEMBERG NACH MELDEWOCHE 2012 (SÄULEN); 2011 (LINIE) UND STREUBREITE DER
ÜBERMITTLUNGEN IN DEN JAHREN 2001 BIS 2010 (FLÄCHE)
99
ABB: 85. WAHRSCHEINLICHE INFEKTIONSORTE UND HIERZU ÜBERMITTELTE
HANTAVIRUS-INFEKTIONEN, LANDKREISE IN BADEN-WÜRTTEMBERG, 20112012
99
ABB. 86: ANZAHL ÜBERMITTELTER HANTAVIRUS-INFEKTIONEN, GEMEINDEN IN
BADEN-WÜRTTEMBERG, 2011
100
ABB. 87: ANZAHL ÜBERMITTELTER HANTAVIRUS-INFEKTIONEN, GEMEINDEN IN
BADEN-WÜRTTEMBERG, 2012
100
ABB. 88: ÜBERMITTELTE LEGIONELLOSEN PRO 100 000 EINWOHNER UND JAHR
VON 2001 BIS 2012, BADEN-WÜRTTEMBERG (SÄULEN) UND DEUTSCHLAND (LINIE)
103
ABB. 89: ÜBERMITTELTE LEGIONELLOSEN PRO 100 000 EINWOHNER UND JAHR
NACH ALTER UND GESCHLECHT, BADEN-WÜRTTEMBERG, GEMITTELT ÜBER
DIE JAHRE 2011-2012
104
ABB. 90: ÜBERMITTELTE LEGIONELLOSEN IN BADEN-WÜRTTEMBERG NACH
MELDEWOCHE 2012 (SÄULEN), 2011 (LINIE) UND STREUBREITE DER ÜBERMITTLUNGEN IN DEN JAHREN 2001 BIS 2010 (FLÄCHE)
105
ABB. 91: ÜBERMITTELTE LISTERIOSEN PRO 100 000 EINWOHNER UND JAHR VON
2001 BIS 2012, BADEN-WÜRTTEMBERG (SÄULEN) UND DEUTSCHLAND (LINIE)
107
ABB. 92: ÜBERMITTELTE LISTERIOSEN PRO 100 000 EINWOHNER UND JAHR
NACH ALTER UND GESCHLECHT, BADEN-WÜRTTEMBERG, GEMITTELT ÜBER
DIE JAHRE 2011-2012
108
152
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
ABB. 93: ÜBERMITTELTE LISTERIOSEN IN BADEN-WÜRTTEMBERG NACH MELDEWOCHE 2012 (SÄULEN), 2011 (LINIE) UND STREUBREITE DER ÜBERMITTLUNGEN
IN DEN JAHREN 2001 BIS 2010 (FLÄCHE)
108
ABB. 94: ÜBERMITTELTE MASERNERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER
UND JAHR VON 2001 BIS 2012, BADEN-WÜRTTEMBERG (SÄULEN) UND DEUTSCHLAND (LINIE)
110
ABB. 95: ÜBERMITTELTE MASERNERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER
UND JAHR NACH ALTER UND GESCHLECHT, BADEN-WÜRTTEMBERG, GEMITTELT ÜBER DIE JAHRE 2011-2012
111
ABB. 96: ÜBERMITTELTE MASERNERKRANKUNGEN IN BADEN-WÜRTTEMBERG
NACH MELDEWOCHE 2012 (SÄULEN), 2011 (LINIE) UND STREUBREITE DER ÜBERMITTLUNGEN IN DEN JAHREN 2001 BIS 2010 (FLÄCHE)
112
ABB. 97: KARTE DER ÜBERMITTELTEN MASERNERKRANKUNGEN PRO 100 000
EINWOHNER UND JAHR, BADEN-WÜRTTEMBERG, 2011
113
ABB. 98: MASERNIMPFRATE BEI DER SCHULÄRZTLICHEN UNTERSUCHUNG DER
JAHRE 2002-2012 IN BADEN-WÜRTTEMBERG (SÄULEN) UND DEUTSCHLAND (LINIE)
114
ABB. 99: ANTEIL DER KINDER MIT MINDESTENS EINER MASERNIMPFUNG BEI
DER SCHULÄRZTLICHEN UNTERSUCHUNG IM UNTERSUCHUNGSJAHR 2011/12,
BADEN-WÜRTTEMBERG NACH STADT- UND LANDKREISEN
114
ABB. 100: ANTEIL DER KINDER MIT ZWEI UND MEHR IMPFUNGEN GEGEN MASERN BEI DER SCHULÄRZTLICHEN UNTERSUCHUNG IM UNTERSUCHUNGSJAHR
2011/12, BADEN-WÜRTTEMBERG NACH STADT- UND LANDKREISEN
115
ABB. 101: ÜBERMITTELTE MENINGOKOKKEN-ERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER UND JAHR VON 2001 BIS 2012, BADEN-WÜRTTEMBERG (SÄULEN) UND
DEUTSCHLAND (LINIE)
117
ABB. 102: ÜBERMITTELTE MENINGOKOKKEN-ERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER UND JAHR NACH ALTER UND GESCHLECHT, BADEN-WÜRTTEMBERG,
GEMITTELT ÜBER DIE JAHRE 2011-2012
117
ABB. 103: ÜBERMITTELTE MENINGOKOKKEN-ERKRANKUNGEN IN BADENWÜRTTEMBERG NACH MELDEMONAT 2012 (SÄULEN), 2011 (LINIE) UND STREUBREITE DER ÜBERMITTLUNGEN IN DEN JAHREN 2001 BIS 2010 (FLÄCHE)
118
ABB. 104: ÜBERMITTELTE MENINGOKOKKEN-ERKRANKUNGEN NACH SEROGRUPPE, BADEN-WÜRTTEMBERG 2011-2012
119
ABB. 105: ANTEIL DER SEROGRUPPEN DER ÜBERMITTELTEN MENINGOKOKKENERKRANKUNGEN NACH JAHR, BADEN-WÜRTTEMBERG 2001-2012
119
ABB. 106: ÜBERMITTELTE MENINGOKOKKEN-TODESFÄLLE NACH SEROGRUPPE
UND JAHR, BADEN-WÜRTTEMBERG 2001-2012
120
ABB. 107: ÜBERMITTELTE MRSA-INFEKTIONEN PRO 100 000 EINWOHNER UND
JAHR VON 2001 BIS 2012, BADEN-WÜRTTEMBERG (SÄULEN) UND DEUTSCHLAND (LINIE)
122
ABB. 108: ÜBERMITTELTE MRSA-INFEKTIONEN PRO 100 000 EINWOHNER UND
JAHR NACH ALTER UND GESCHLECHT, BADEN-WÜRTTEMBERG GEMITTELT
ÜBER DIE JAHRE 2011-2012
122
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
153
ABB. 109: ÜBERMITTELTE MRSA-INFEKTIONEN IN BADEN-WÜRTTEMBERG NACH
MELDEWOCHE 2012 (SÄULEN) UND 2011 (LINIE)
123
ABB. 110: ÜBERMITTELTE Q-FIEBERERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER
UND JAHR VON 2001 BIS 2012, BADEN-WÜRTTEMBERG (SÄULEN) UND DEUTSCHLAND (LINIE)
125
ABB. 111: ÜBERMITTELTE Q-FIEBERERKRANKUNGEN PRO 100 000 EINWOHNER
UND JAHR NACH ALTER UND GESCHLECHT, BADEN-WÜRTTEMBERG, GEMITTELT ÜBER DIE JAHRE 2011-2012
125
ABB. 112: ÜBERMITTELTE Q-FIEBERERKRANKUNGEN IN BADEN-WÜRTTEMBERG
NACH MELDEWOCHE 2012 (SÄULEN); 2011 (LINIE) UND STREUBREITE DER ÜBERMITTLUNGEN IN DEN JAHREN 2001 BIS 2010 (FLÄCHE)
126
ABB. 113: KARTE DER ÜBERMITTELTEN Q-FIEBERERKRANKUNGEN PRO 100 000
EINWOHNER UND JAHR, BADEN-WÜRTTEMBERG, GEMITTELT ÜBER DIE JAHRE
2011-2012
127
ABB. 114: NICHTNAMENTLICHE MELDUNGEN NACH GESCHLECHT, BADENWÜRTTEMBERG 2011-2012
132
ABB. 115: ALTERS- UND GESCHLECHTSSPEZIFISCHE INZIDENZEN DER NICHTNAMENTLICHEN MELDUNGEN, BADEN-WÜRTTEMBERG, GEMITTELT ÜBER DIE
JAHRE 2011-2012 (UNTERSCHIEDLICHE SKALIERUNGEN)
133
ABB. 116: ANGEGEBENE INFEKTIONSRISIKEN BEI DEN GEMELDETEN HIV- UND
SYPHILIS-INFEKTIONEN, BADEN-WÜRTTEMBERG, 2011-2012
133
154
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
10. Bildnachweis
Titelseite:
© Lisa Eastman - Fotolia.com • © emeraldphoto - Fotolia.com •
© Chee-Onn Leong - Fotolia.com • © iMAGINE - Fotolia
Innenteil:
Die Bilder stammen aus der Datenbank „Public Health Image
Library (PHIL)” der Centers for Disease Control and Prevention (CDC).
Im Internet unter: http://phil.cdc.gov/phil/home.asp
sowie vom Robert Koch-Institut. Im Internet unter: http://www.rki.de/DE/Content/
Infekt/NRZ/EM/Aufnahmen/Aufnahmen_node.html
Zusätzlich wurden folgende Fotos verwendet:
• Nationales Referenzzentrum für TSE, Universitätsmedizin Göttingen (S. 85)
• Institut für Hygiene und Mikrobiologie, Universität Würzburg (S. 94)
• LGA-eigenes Foto für den Q-Fieber-Steckbrief (S. 124)
• LGA-eigenes Foto einer PCR (S. 137)
• Dem LGA zur Verfügung gestelltes Privatfoto eines Teilnehmers (S. 138)
11. Verwendete Abkürzungen
CJK
Creutzfeldt-Jakob-Krankheit
E. coli
Escherichia coli
EHEC
Enterohämorrhagische Escherichia coli
FSME
Frühsommer-Meningoenzephalitis
HEV
Hepatitis E-Virus
HIV
Human immunodeficiency virus
HUS
Hämolytisch-Urämisches Syndrom
IfSG
Infektionsschutzgesetz
KW
Kalenderwoche
LGA
Landesgesundheitsamt
LK
Landkreis
MRSA
Methicillin-resistente Staphylococcus aureus
RKI
Robert Koch-Institut
SK
Stadtkreis
STEC
Shigatoxin-produzierende Escherichia coli
STIKO
Ständige Impfkommission
WBK
Weitere bedrohliche Krankheit
WHO
World Health Organization (Weltgesundheitsorganisation)
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
155
12. Anhang
12.1
Auszug aus dem Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von
Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz - IfSG)
Ausfertigungsdatum: 20.07.2000, das zuletzt durch Artikel 1 des Gesetzes vom 28. Juli 2011 (BGBl. I S. 1622)
geändert worden ist.
3. Abschnitt - Meldewesen
§ 6 Meldepflichtige Krankheiten
(1) Namentlich ist zu melden:
1.
der Krankheitsverdacht, die Erkrankung sowie der Tod an
a) Botulismus
b) Cholera
c)
Diphtherie
d) humaner spongiformer Enzephalopathie, außer familiär-hereditärer Formen
e) akuter Virushepatitis
f)
enteropathischem hämolytisch-urämischem Syndrom (HUS)
g) virusbedingtem hämorrhagischen Fieber
h) Masern
i)
Meningokokken-Meningitis oder -Sepsis
j)
Milzbrand
k)
Poliomyelitis (als Verdacht gilt jede akute schlaffe Lähmung, außer wenn traumatisch bedingt)
l)
Pest
m) Tollwut
n) Typhus abdominalis/Paratyphus
sowie die Erkrankung und der Tod an einer behandlungsbedürftigen Tuberkulose, auch wenn ein bakteriologischer Nachweis nicht vorliegt,
2. der Verdacht auf und die Erkrankung an einer mikrobiell bedingten Lebensmittelvergiftung oder an einer
akuten infektiösen Gastroenteritis, wenn
a) eine Person betroffen ist, die eine Tätigkeit im Sinne des § 42 Abs. 1 ausübt,
b) zwei oder mehr gleichartige Erkrankungen auftreten, bei denen ein epidemischer Zusammenhang wahrscheinlich ist oder vermutet wird,
3. der Verdacht einer über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung,
4. die Verletzung eines Menschen durch ein tollwutkrankes, -verdächtiges oder -ansteckungsverdächtiges
Tier sowie die Berührung eines solchen Tieres oder Tierkörpers,
5.
soweit nicht nach den Nummern 1 bis 4 meldepflichtig, das Auftreten
a) einer bedrohlichen Krankheit oder
b) von zwei oder mehr gleichartigen Erkrankungen, bei denen ein epidemischer Zusammenhang
wahrscheinlich ist oder vermutet wird,
wenn dies auf eine schwerwiegende Gefahr für die Allgemeinheit hinweist und Krankheitserreger als Ursache in
Betracht kommen, die nicht in § 7 genannt sind.
Die Meldung nach Satz 1 hat gemäß § 8 Abs. 1 Nr. 1, 3 bis 8, § 9 Abs. 1, 2, 3 Satz 1 oder 3 oder Abs. 4 zu
erfolgen.
156
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
(2) Dem Gesundheitsamt ist über die Meldung nach Absatz 1 Nr. 1 hinaus mitzuteilen, wenn Personen, die an
einer behandlungsbedürftigen Lungentuberkulose leiden, eine Behandlung verweigern oder abbrechen. Die
Meldung nach Satz 1 hat gemäß § 8 Abs. 1 Nr. 1, § 9 Abs. 1 und 3 Satz 1 oder 3 zu erfolgen.
(3) Dem Gesundheitsamt ist unverzüglich das gehäufte Auftreten nosokomialer Infektionen, bei denen ein epidemischer Zusammenhang wahrscheinlich ist oder vermutet wird, als Ausbruch nichtnamentlich zu melden. Die
Meldung nach Satz 1 hat gemäß § 8 Abs. 1 Nr. 1, 3 und 5, § 10 Abs. 6 zu erfolgen.
§ 7 Meldepflichtige Nachweise von Krankheitserregern
(1) Namentlich ist bei folgenden Krankheitserregern, soweit nicht anders bestimmt, der direkte oder indirekte
Nachweis zu melden, soweit die Nachweise auf eine akute Infektion hinweisen:
1.
Adenoviren; Meldepflicht nur für den direkten Nachweis im Konjunktivalabstrich
2.
Bacillus anthracis
3.
Borrelia recurrentis
4.
Brucella sp.
5.
Campylobacter sp., darmpathogen
6.
Chlamydia psittaci
7.
Clostridium botulinum oder Toxinnachweis
8.
Corynebacterium diphtheriae, Toxin bildend
9.
Coxiella burnetii
10. Cryptosporidium parvum
11. Ebolavirus
12. a) Escherichia coli, enterohämorrhagische Stämme (EHEC)
b) Escherichia coli, sonstige darmpathogene Stämme
13. Francisella tularensis
14. FSME-Virus
15. Gelbfiebervirus
16. Giardia lamblia
17. Haemophilus influenzae; Meldepflicht nur für den direkten Nachweis aus Liquor oder Blut
18. Hantaviren
19. Hepatitis-A-Virus
20. Hepatitis-B-Virus
21. Hepatitis-C-Virus; Meldepflicht für alle Nachweise, soweit nicht bekannt ist, dass eine chronische Infektion
vorliegt
22. Hepatitis-D-Virus
23. Hepatitis-E-Virus
24. Influenzaviren; Meldepflicht nur für den direkten Nachweis
25. Lassavirus
26. Legionella sp.
27. Leptospira interrogans
28. Listeria monocytogenes; Meldepflicht nur für den direkten Nachweis aus Blut, Liquor oder anderen
normalerweise sterilen Substraten sowie aus Abstrichen von Neugeborenen
29. Marburgvirus
30. Masernvirus
31. Mycobacterium leprae
32. Mycobacterium tuberculosis/africanum, Mycobacterium bovis; Meldepflicht für den direkten
Erregernachweis sowie nachfolgend für das Ergebnis der Resistenzbestimmung; vorab auch für den
Nachweis säurefester Stäbchen im Sputum
33. Neisseria meningitidis; Meldepflicht nur für den direkten Nachweis aus Liquor, Blut, hämorrhagischen
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
157
Hautinfiltraten oder anderen normalerweise sterilen Substraten
34. Norwalk-ähnliches Virus; Meldepflicht nur für den direkten Nachweis aus Stuhl
35. Poliovirus
36. Rabiesvirus
37. Rickettsia prowazekii
38. Rotavirus
39. Salmonella Paratyphi; Meldepflicht für alle direkten Nachweise
40. Salmonella Typhi; Meldepflicht für alle direkten Nachweise
41. Salmonella, sonstige
42. Shigella sp.
43. Trichinella spiralis
44. Vibrio cholerae O 1 und O 139
45. Yersinia enterocolitica, darmpathogen
46. Yersinia pestis
47. andere Erreger hämorrhagischer Fieber.
Die Meldung nach Satz 1 hat gemäß § 8 Abs. 1 Nr. 2, 3, 4 und Abs. 4, § 9 Abs. 1, 2, 3 Satz 1 oder 3 zu erfolgen.
(2) Namentlich sind in dieser Vorschrift nicht genannte Krankheitserreger zu melden, soweit deren örtliche und
zeitliche Häufung auf eine schwerwiegende Gefahr für die Allgemeinheit hinweist. Die Meldung nach Satz 1 hat
gemäß § 8 Abs. 1 Nr. 2, 3 und Abs. 4, § 9 Abs. 2, 3 Satz 1 oder 3 zu erfolgen.
(3) Nichtnamentlich ist bei folgenden Krankheitserregern der direkte oder indirekte Nachweis zu melden:
1.
Treponema pallidum
2.
HIV
3.
Echinococcus sp.
4.
Plasmodium sp.
5.
Rubellavirus; Meldepflicht nur bei konnatalen Infektionen
6.
Toxoplasma gondii; Meldepflicht nur bei konnatalen Infektionen.
Die Meldung nach Satz 1 hat gemäß § 8 Abs. 1 Nr. 2, 3 und Abs. 4, § 10 Abs. 1 Satz 1, Abs. 3, 4 Satz 1 zu
erfolgen.
§ 8 Zur Meldung verpflichtete Personen
(1) Zur Meldung oder Mitteilung sind verpflichtet:
1. im Falle des § 6 der feststellende Arzt; in Krankenhäusern oder anderen Einrichtungen der stationären
Pflege ist für die Einhaltung der Meldepflicht neben dem feststellenden Arzt auch der leitende Arzt, in Krankenhäusern mit mehreren selbständigen Abteilungen der leitende Abteilungsarzt, in Einrichtungen ohne leitenden
Arzt der behandelnde Arzt verantwortlich,
2. im Falle des § 7 die Leiter von Medizinaluntersuchungsämtern und sonstigen privaten oder öffentlichen
Untersuchungsstellen einschließlich der Krankenhauslaboratorien,
3. im Falle der §§ 6 und 7 die Leiter von Einrichtungen der pathologisch-anatomischen Diagnostik, wenn ein
Befund erhoben wird, der sicher oder mit hoher Wahrscheinlichkeit auf das Vorliegen einer meldepflichtigen
Erkrankung oder Infektion durch einen meldepflichtigen Krankheitserreger schließen lässt,
4. im Falle des § 6 Abs. 1 Nr. 4 und im Falle des § 7 Abs. 1 Nr. 36 bei Tieren, mit denen Menschen Kontakt
gehabt haben, auch der Tierarzt,
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Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
5. im Falle des § 6 Abs. 1 Nr. 1, 2 und 5 und Abs. 3 Angehörige eines anderen Heil- oder Pflegeberufs, der für
die Berufsausübung oder die Führung der Berufsbezeichnung eine staatlich geregelte Ausbildung oder Anerkennung erfordert,
6. im Falle des § 6 Abs. 1 Nr. 1, 2 und 5 der verantwortliche Luftfahrzeugführer oder der Kapitän eines Seeschiffes,
7. im Falle des § 6 Abs. 1 Nr. 1, 2 und 5 die Leiter von Pflegeeinrichtungen, Justizvollzugsanstalten, Heimen,
Lagern oder ähnlichen Einrichtungen,
8.
im Falle des § 6 Abs. 1 der Heilpraktiker.
(2) Die Meldepflicht besteht nicht für Personen des Not- und Rettungsdienstes, wenn der Patient unverzüglich
in eine ärztlich geleitete Einrichtung gebracht wurde. Die Meldepflicht besteht für die in Absatz 1 Nr. 5 bis 7
bezeichneten Personen nur, wenn ein Arzt nicht hinzugezogen wurde.
(3) Die Meldepflicht besteht nicht, wenn dem Meldepflichtigen ein Nachweis vorliegt, dass die Meldung bereits
erfolgte und andere als die bereits gemeldeten Angaben nicht erhoben wurden. Satz 1 gilt auch für Erkrankungen, bei denen der Verdacht bereits gemeldet wurde.
(4) Absatz 1 Nr. 2 gilt entsprechend für Personen, die die Untersuchung zum Nachweis von Krankheitserregern
außerhalb des Geltungsbereichs dieses Gesetzes durchführen lassen.
(5) Der Meldepflichtige hat dem Gesundheitsamt unverzüglich mitzuteilen, wenn sich eine Verdachtsmeldung
nicht bestätigt hat.
§ 11 Übermittlungen durch das Gesundheitsamt
und die zuständige Landesbehörde
(1) Die an das Gesundheitsamt der Hauptwohnung namentlich gemeldeten Erkrankungen, Todesfälle sowie
Nachweise von Krankheitserregern werden gemäß den nach § 4 Abs. 2 Nr. 2 Buchstabe a veröffentlichten Falldefinitionen zusammengeführt und wöchentlich, spätestens am dritten Arbeitstag der folgenden Woche, an die
zuständige Landesbehörde sowie von dort innerhalb einer Woche an das Robert Koch-Institut ausschließlich
mit folgenden Angaben übermittelt:
1.
Geschlecht
2.
Monat und Jahr der Geburt
3.
zuständiges Gesundheitsamt
4.
Tag der Erkrankung oder Tag der Diagnose, gegebenenfalls Tag des Todes und wenn möglich Zeitpunkt
oder Zeitraum der Infektion
5.
Art der Diagnose
6.
wahrscheinlicher Infektionsweg, wahrscheinliches Infektionsrisiko, Zugehörigkeit zu einer
Erkrankungshäufung
7.
Land, soweit die Infektion wahrscheinlich im Ausland erworben wurde
8.
bei Tuberkulose Geburtsland und Staatsangehörigkeit
9.
Aufnahmen in einem Krankenhaus.
Für die Übermittlungen von den zuständigen Landesbehörden an das Robert Koch-Institut bestimmt das Robert
Koch-Institut die Formblätter, die Datenträger, den Aufbau der Datenträger und der einzelnen Datensätze. Die
Sätze 1 und 2 gelten auch für Berichtigungen und Ergänzungen früherer Übermittlungen.
(2) Ein dem Gesundheitsamt nach § 6 Absatz 3 als Ausbruch gemeldetes gehäuftes Auftreten nosokomialer
Infektionen ist vom Gesundheitsamt spätestens am dritten Arbeitstag der folgenden Woche an die zuständige
Landesbehörde sowie von dort innerhalb einer Woche an das Robert Koch-Institut ausschließlich mit folgenden
Angaben zu übermitteln:
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
159
1.
zuständiges Gesundheitsamt,
2.
Monat und Jahr der einzelnen Diagnosen,
3.
Untersuchungsbefund,
4.
wahrscheinlicher Infektionsweg, wahrscheinliches Infektionsrisiko,
5.
Zahl der betroffenen Patienten.
(3) Der dem Gesundheitsamt gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 3 gemeldete Verdacht einer über das übliche Ausmaß
einer Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung sowie der dem Gesundheitsamt gemeldete
Fall, bei dem der Verdacht besteht, dass ein Arzneimittel die Infektionsquelle ist, sind vom Gesundheitsamt
unverzüglich der zuständigen Landesbehörde und der nach § 77 Arzneimittelgesetz jeweils zuständigen Bundesoberbehörde zu übermitteln. Die Übermittlung muss, soweit ermittelbar, alle notwendigen Angaben, wie
Bezeichnung des Produktes, Name oder Firma des pharmazeutischen Unternehmers und die Chargenbezeichnung, bei Impfungen zusätzlich den Zeitpunkt der Impfung und den Beginn der Erkrankung enthalten. Über den
gemeldeten Patienten sind ausschließlich das Geburtsdatum, das Geschlecht sowie der erste Buchstabe des
ersten Vornamens und der erste Buchstabe des ersten Nachnamens anzugeben. Die zuständige Bundesoberbehörde stellt die Übermittlungen dem Robert Koch-Institut innerhalb einer Woche zur infektionsepidemiologischen Auswertung zur Verfügung. Absatz 1 bleibt unberührt.
(4) Die zuständige Behörde übermittelt über die zuständige Landesbehörde an das Robert Koch-Institut die
gemäß Artikel 4 der Entscheidung Nr. 2119/98/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 24. September 1998 über die Schaffung eines Netzes für die epidemiologische Überwachung und die Kontrolle übertragbarer Krankheiten in der Gemeinschaft (ABl. EG Nr. L 268 S. 1) vorgeschriebenen Angaben. Absatz 1 Satz
2 und § 12 Abs. 1 Satz 3 gelten entsprechend.
§ 12 Meldungen an die Weltgesundheitsorganisation
und das Europäische Netzwerk
(1) Das Gesundheitsamt hat der zuständigen Landesbehörde und diese dem Robert Koch-Institut unverzüglich
Folgendes zu übermitteln:
1. das Auftreten einer übertragbaren Krankheit, Tatsachen, die auf das Auftreten einer übertragbaren Krankheit hinweisen, oder Tatsachen, die zum Auftreten einer übertragbaren Krankheit führen können, wenn die
übertragbare Krankheit nach Anlage 2 der Internationalen Gesundheitsvorschriften (2005) (IGV) vom 23. Mai
2005 (BGBl. 2007 II S. 930) eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite im Sinne von Artikel 1
Abs. 1 IGV darstellen könnte,
2.
die getroffenen Maßnahmen,
3. sonstige Informationen, die für die Bewertung der Tatsachen und für die Verhütung und Bekämpfung der
übertragbaren Krankheit von Bedeutung sind.
Das Robert Koch-Institut hat die gewonnenen Informationen nach Anlage 2 IGV zu bewerten und gemäß den
Vorgaben der IGV die Mitteilungen an die Weltgesundheitsorganisation über die nationale IGV-Anlaufstelle zu
veranlassen. Das Gesundheitsamt darf im Rahmen dieser Vorschrift nicht übermitteln
1.
Name, Vorname
2.
Angaben zum Tag der Geburt
3.
Angaben zur Hauptwohnung beziehungsweise zum Aufenthaltsort der betroffenen Person
4.
Name des Meldenden.
Abweichungen von den Regelungen des Verwaltungsverfahrens in Satz 1 durch Landesrecht sind ausgeschlossen.
(2) Das Robert Koch-Institut hat die Angaben nach § 11 Abs. 4 der Kommission der Europäischen Union und
den zuständigen Behörden der Mitgliedstaaten umgehend zu übermitteln.
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Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
(3) Die Länder informieren das Bundesministerium für Gesundheit über unterrichtungspflichtige Tatbestände
nach Artikel 6 der Entscheidung Nr. 2119/98/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 24. September 1998 über die Schaffung eines Netzes für die epidemiologische Überwachung und die Kontrolle übertragbarer Krankheiten in der Gemeinschaft (ABl. EG Nr. L 268 S. 1).
§ 15 Anpassung der Meldepflicht an die epidemische Lage
(1) Das Bundesministerium für Gesundheit wird ermächtigt, durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates die Meldepflicht für die in § 6 aufgeführten Krankheiten oder die in § 7 aufgeführten Krankheitserreger
aufzuheben, einzuschränken oder zu erweitern oder die Meldepflicht auf andere übertragbare Krankheiten oder
Krankheitserreger auszudehnen, soweit die epidemische Lage dies zulässt oder erfordert.
(2) In dringenden Fällen kann zum Schutz der Bevölkerung die Rechtsverordnung ohne Zustimmung des Bundesrates erlassen werden. Eine auf der Grundlage des Satzes 1 erlassene Verordnung tritt ein Jahr nach ihrem
Inkrafttreten außer Kraft; ihre Geltungsdauer kann mit Zustimmung des Bundesrates verlängert werden.
(3) Solange das Bundesministerium für Gesundheit von der Ermächtigung nach Absatz 1 keinen Gebrauch
macht, sind die Landesregierungen zum Erlass einer Rechtsverordnung nach Absatz 1 ermächtigt, sofern die
Meldepflicht nach diesem Gesetz hierdurch nicht eingeschränkt oder aufgehoben wird. Sie können die Ermächtigung durch Rechtsverordnung auf andere Stellen übertragen.
12.2
Ergänzende Verordnungen auf Bundesebene
12.2.1 Verordnung über die Meldepflicht bei Aviärer Influenza beim Menschen
(Aviäre-Influenza-Meldepflicht-Verordnung - AIMPV)
Ausfertigungsdatum: 11.05.2007 (BGBl. I S. 732)
§1
(1) Die Pflicht zur namentlichen Meldung nach § 6 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 des Infektionsschutzgesetzes wird ausgedehnt auf
1.
den Krankheitsverdacht,
2.
die Erkrankung sowie
3.
den Tod eines Menschen
an Aviärer Influenza. Die Meldung eines Krankheitsverdachts nach Nummer 1 hat nur zu erfolgen, wenn der
Verdacht nach dem Stand der Wissenschaft sowohl durch das klinische Bild als auch durch einen wahrscheinlichen epidemiologischen Zusammenhang begründet ist. Die dazu vom Robert Koch-Institut auf der Grundlage
von § 4 Abs. 2 Nr. 1 des Infektionsschutzgesetzes veröffentlichte Empfehlung ist zu berücksichtigen.
(2) § 7 des Infektionsschutzgesetzes bleibt unberührt.
§2
Diese Verordnung tritt am Tag nach der Verkündung in Kraft.
(Diese Arzt-Meldepflicht ergänzt die bereits bestehende Labor-Meldepflicht für den direkten Nachweis von Influenzaviren (§ 7 Abs. 1 Nr. 24 IfSG).
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
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12.2.2 Verordnung zur Anpassung der Meldepflicht nach § 7 des
Infektionsschutzgesetzes an die epidemische Lage
(Labormeldepflicht-Anpassungsverordnung - LabMeldAnpV)
Ausfertigungsdatum: 26.05.2009 (BGBl. I S. 1139)
§1
Die Meldepflicht nach § 7 Absatz 1 Satz 1 des Infektionsschutzgesetzes wird auf methicillinresistente Stämme
des Krankheitserregers Staphylococcus aureus (MRSA) ausgedehnt. Die Meldepflicht gilt nur für den Nachweis
aus Blut oder Liquor.
§2
Diese Verordnung tritt am 1. Juli 2009 in Kraft.
12.3
Schwer verlaufende Clostridium-difficile-assoziierte
Durchfallerkrankungen
In letzter Zeit wurden vermehrt Clostridium difficile-assoziierte Todesfälle registriert. Laut RKI muss mit einer
Verbreitung von Clostridium difficile-Subtypen mit erhöhter Virulenz und veränderten Resistenzeigenschaften
gerechnet werden (z. B. mit Ribotyp 027, Toxinotyp III, PFGE NAP1). In Abstimmung mit den Ländern werden schwer verlaufende Infektionen durch Clostridium difficile als bedrohliche Krankheit mit Hinweis auf eine
schwerwiegende Gefahr für die Allgemeinheit gewertet.
Damit sind diese schwer verlaufenden Clostridium-difficile-assoziierten Durchfallerkrankungen gemäß § 6 Abs.
1 Nr. 5 a IfSG meldepflichtig. Für diese Meldungen gilt die Übermittlungspflicht gemäß § 11 Abs. 1 IfSG. Davon unberührt bleiben die namentliche Meldepflicht gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 2 b IfSG für gehäuftes Auftreten von
akuter infektiöser Gastroenteritis und die nicht namentliche Meldepflicht gemäß § 6 Abs. 3 IfSG für gehäuftes
Auftreten von nosokomialen Erkrankungen (Robert Koch-Institut, 2009a).
Stand: 27.05.2009
12.4
Auszug aus der Verordnung des Sozialministeriums über
Zuständigkeiten nach dem IfSG vom 19. März 2001
§1 Abs. 3
Zuständige Landesbehörde im Sinne von §11 Abs. 1 und 3 IfSG ist das Landesgesundheitsamt.
§1 Abs. 4
Zuständige Behörde im Sinne von § 11 Abs. 3, §§ 56, 57 und 58 IfSG ist das Gesundheitsamt.
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Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
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