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01 KLEINEZEITUNG GRAZ 20141026 Prod-Nr 203422 Seite 14 25

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STEIERMARK
SONNTAG, 26. OKTOBER 2014, SEITE 14
AUFWECKER
BERND HECKE
Ein Tausendsassa
im Mönchsgewand
STEIRER
DES TAGES
Die Fratze
E
Hochaltargemälde von Fischer von Erlach
Joch für Joch wurde restauriert
EDER
Die Kirche des Zisterzienserstiftes Rein erstrahlt im alten
Glanz – verantwortlich dafür zeichnet Pater August Janisch.
MONIKA SCHACHNER
s ist vollbracht: Mit dem heutigen Tag ist die Renovierung
offiziell abgeschlossen, die
Stiftskirche Rein erstrahlt im alten Glanz. „Jeder Quadratzentimeter wurde angeschaut und
konserviert“, betont Pater August Janisch, seit zehn Jahren und
damit von Beginn an zuständig
für das 3,1-Millionen-Euro-Projekt. Ganz nach dem Motto „Altes
erhalten“: „Wir haben abgeplatzte und versalzene Fresken wieder
angeleimt oder die Gemälde mit
Öl getränkt“, erklärt der 72-Jährige. Neue Farbe aufzutragen, sei
nicht mehr zeitgemäß. Ein wichtiger Teil war auch der Kampf gegen den durch Wasserschäden
entstandenen Schwamm und das
Austauschen morschen Holzes
an den Altarsockeln.
Einen neuen Weg ist das Stift
bei der Finanzierung gegangen:
Jeder konnte für 500 bis 2500
Euro Engelpate werden und damit das Herrichten eines der insgesamt 175 geflügelten Himmelswesen bezahlen. „Das ist eine Erfolgsgeschichte geworden, denn
jeder Spender konnte sagen: ,Da
oben, das ist mein Engel‘.“
Dass es den Aufwand wert war,
davon ist Pater August überzeugt: „Zum einen ist die Stiftskirche Ausdruck eines tiefen
Glaubens.“ Zum anderen sei sie
eine Besonderheit. Denn im Gegensatz zu anderen steirischen
Klöstern haben hier nur Handwerker aus der Steiermark gearbeitet. Zwei von ihnen, Joseph
Adam Ritter von Mölk und Ignaz,
der Meister der (Schein-)Archi-
E
ZUR PERSON
August Janisch, 1942 geboren,
studierte Theologie in Graz.
Seine Stationen als Priester:
Subregens im Bischöflichen
Seminar, ab 1980 Pfarrer von
Hartberg. Als solcher kümmerte
er sich intensiv um die Flüchtlinge im Bezirk, 1993 erstes Opfer
des Briefbombers Franz Fuchs.
Seit 2000 Mönch im Stift Rein.
tektur, sind bis heute auf einem
Deckenfresko zu sehen.
Seit Kurzem erst wieder zu besichtigen ist hingegen das Grab
von Markgraf Leopold in der angrenzenden Marienkapelle. Er
war der erste „Landeshauptmann“ der Steiermark und stiftete im 12. Jahrhundert das Zisterzienserkloster nördlich von Graz.
„Als wir 2006/07 die Kapelle renovierten, sind wir zuerst auf den
alten, romanischen Kapitelsaal
gestoßen und wenig später auf
das Grab.“
Keine Missverständnisse
11.000 Besucher, Tendenz deutlich steigend, kommen mittlerweile jedes Jahr ins älteste Zisterzienserstift der Welt. Durch den
religiös, kunsthistorisch und geschichtlich wichtigen Gebäudekomplex geführt werden sie dabei von 13 ehrenamtlichen Führern – und Pater August: „Wir
wollen Einblicke in ein Kloster
geben, aber ich kann oft auch
Missverständnisse rund um die
katholische Kirche ausräumen“,
erzählt der Zisterziensermönch.
Der gebürtige Oststeirer ist
erst seit der Jahrtausendwende
Ordensmitglied: „Nach einer
Krebsoperation hat mir der Bischof ein Sabbatjahr als Priester
gewährt. Ich habe mich dazu entschlossen, diese Zeit in Rein zu
verbringen. Nach einem halben
Jahr ist mir dann der Gedanke gekommen, ob das nicht etwas auf
Dauer wäre. Und das, obwohl ich
nie fix an einem Ort bleiben wollte.“ Davon zeugt auch sein Lebenslauf: Als Subregens im Augustinum war er nicht nur für alles Praktische rund um das Bischöfliche Seminar zuständig,
sondern unterrichtete auch Religion, Steno und Maschinschreiben. 20 Jahre lang war Janisch
Pfarrer von Hartberg, 12 Jahre
lang Missio-Direktor.
Der Zukunft sieht der 72-Jährige positiv entgegen: „Papst Franziskus spricht viele Leute an, die
der Kirche lange fern waren.“
Aber auch was das Stift betrifft:
„Zur Zeit Luthers wohnten nur
noch zwei Mönche in Rein, 100
Jahre später, um 1600, waren es
dann 100.“ Und: „Wir Mönche
sind keine Heiligen, aber es ist
ein Wunder, dass es hier in Rein
seit 1129 Mönche gibt.“
Für seine Arbeit tankt Pater
August Kraft beim Wandern im
nahen Stiftswald – oft alleine,
manchmal aber auch zu zweit.
„Bei uns gibt es die Möglichkeit,
ein paar Tage im Kloster mitzuleben. Hin und wieder begleitet
mich dann ein Gast und beginnt
von seinem Leben zu erzählen.
Ich kann nichts ändern, aber ich
habe das Gefühl, dass es dem anderen dann oft leichter ist.“ Dass
das Zur-Ruhe-Kommen, sich eine
Auszeit nehmen zum Mensch-
Auch die Wasserschäden wurden behoben
Die Künstler Ignaz und Josef Adam Mölk
Die Stiftskirche im neuen Glanz
Das Grab Markgraf Leopolds
MÖSTL (8)
in Nachbar beschimpft
Kinder als „Neger“, ein
Passant will einen
Megaphon-Verkäufer „zurück
nach Afrika“ schicken und
attackiert ihn mit einem
Pfefferspray. Ein Österreicher,
der aus Ägypten stammt, wird
aufgrund seiner Herkunft
nicht in eine Disco hineingelassen (siehe den Bericht auf
Seiten 16/17).
Der Rassismus zeigt in der
Steiermark auch im dritten
Jahrtausend immer noch
seine hässliche Fratze. Tag für
Tag in unserem Land. Auch
wenn er alltäglich ist, darf er
nicht salonfähig werden.
Dafür sorgen Menschen mit
Zivilcourage und Institutionen wie die Antidiskriminierungsstelle, die gerade eine
Kampagne zur Bewusstseinsbildung gestartet hat. Da
lernen wir Steirer auch, dass
nicht nur ethnische Herkunft
ein Grund für Diskriminierung ist. Spätestens im Alter
laufen wir alle Gefahr,
diskriminiert zu werden.
ie Kleine Zeitung unterstützt diese Kampagne ab
heute mit einem Themenschwerpunkt. Warum? Weil
Anschläge auf die Würde von
Menschen einfach nicht
hinzunehmen sind!
D
Sie erreichen den Autor unter
Die letzten Reinigungsarbeiten
Seit einem guten Jahrzehnt ist August Janisch Mönch in Rein und als solcher federführend bei der Renovierung
bernd.hecke@kleinezeitung.at
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sein dazugehören, davon ist Pater
August überzeugt: „Es gibt nicht
nur einen Body, einen
Körper, sondern auch
eine Seele.“
Buchtipp: „Ein Himmel auf
Erden. Basilika Stift Rein,
Meisterwerk des Barock.“
Elisabeth Brenner, Pater
Martin Höfler OCist., erhältlich im Klosterladen und in
allen Buchhandlungen.
FESTGOTTESDIENST
Heute, Sonntag, um 15 Uhr
STEIRISCH G’REDT
Godarn
Genuss in KUGELROT · ab € 110,-
Stifterfest zum Abschluss der
Innenrenovierung der Basilika
mit Diözesanbischof Egon Kapellari und Landeshauptmann
Franz Voves.
Bedeutung:
Fahrrad.
Eingesendet von
Klaus Pötsch.
Eingeladen sind alle Freunde des
Stiftes, im Anschluss an den
Festgottesdienst gibt es eine
Agape im Stiftshof.
blumau.com
Mehr steirische
Dialektwörter gibt’s
im Buch „Leck Fett’n!“
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Seele and Geist
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