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Feinstaubmessungen in NRW und die Belastungssituation im Rheinischen Braunkohlerevier
Dr. Klaus Vogt, LANUV, Essen, Oktober 2014
Die gesundheitliche Belastung durch Feinstaub in der Außenluft ist ein seit vielen Jahren
intensiv bearbeitetes Thema. In NRW wurde im Oktober 2010 dazu eine Literaturstudie
durch das LANUV erarbeitet und in einem Fachgespräch im MKULNV vorgestellt. Eine
der Kernaussagen dieser Veranstaltung besagt, dass ein Schwellenwert für Feinstaub,
bei dessen Unterschreitung keine gesundheitsschädlichen Wirkungen mehr auftreten, bis
heute nicht ermittelt werden konnte. Neue und teilweise alarmierende Untersuchungsergebnisse verschiedenster nationaler und internationaler Institutionen werden regelmäßig
in der Presse publiziert. Die Luftreinhaltung, hier die Verringerung der Belastung durch
Feinstaub, ist somit in erster Linie als Gesundheitsschutz zu betrachten.
In Deutschland werden die EU-weiten Grenzwerte für Feinstaub in der 39. BImSchV festgelegt. Sie betragen für PM10 für das Jahresmittel 40 µg/m³ und für das Tagesmittel 50
µg/m³ (mit 35 zulässigen Überschreitungen pro Jahr). Darüber hinaus ist ein seit 2010
gültiger Zielwert für PM2,5 als Jahresmittel von 25 µg/m³ festgelegt. Dieser Zielwert wird
ab 2015 in einen Grenzwert überführt.
Der ausschließliche Massenbezug als Kriterium für die Schädlichkeit von Feinstäuben
wird in Fachkreisen kontrovers diskutiert und weitere Kriterien wie die chemischen Zusammensetzung, die spezifische Partikelgröße und –form, aktive Oberflächen und andere als Beurteilungskriterien gefordert. Nach derzeitigem Kenntnisstand der Weltgesundheitsorganisation WHO (Studien HRAPIE und REVIHAAP, 2013) reichen die vorliegenden medizinischen Daten aber für eine eindeutige Korrelation von Gesundheitseffekten
zu anderen Feinstaubmetriken bisher nicht aus, um weitere oder alternative Grenzwerte
abzuleiten oder zu empfehlen. Insofern gelten für die Beurteilung von Luftqualitätsmesswerten weiterhin die in der 39. BImSchV festgelegten massebezogenen Grenzwerte.
Bei einer Zusammenstellung der Jahresmesswerte für PM10 im Jahr 2013 (Folie 4) fällt
auf, dass die Messwerte an den im Rheinischen Tagebaurevier liegenden Messstellen
gegenüber anderen ländlichen Hintergrundmessstellen erhöht sind, was angesichts der
Aktivität und des Ausmaßes der Tagebaue zu erwarten ist. Aus diesem Grund werden im
Landesmessnetz NRW die Immissionswerte im Bereich des Tagebaus seit vielen Jahren
gründlich überwacht. Hierzu zählen nicht nur die Bestimmung des Feinstaubgehalts in
der Außenluft, sondern auch begleitende meteorologische Messungen zur windrichtungsabhängigen Auswertung, die Modellierung der Belastungen und deren Ursachen
sowie weitergehende Untersuchungen von spezifischen Inhaltsstoffen. Neben den Messungen des Landes findet eine Vielzahl von Untersuchungen durch oder im Auftrag von
RWE statt, deren Ergebnisse regelmäßig mit dem LANUV ausgetauscht werden, hier
aber nicht weiter besprochen werden.
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Das Landesmessnetz 2013/2014 ist in Folie 6 dargestellt. Es konzentriert sich mit aktuell
5 Messorten auf die größeren Tagebaue Garzweiler und Hambach, nachdem die Messungen um den Tagebau Inden herum in den vergangenen Jahren keine Überschreitung
der Grenzwerte ergeben haben. Die Bilanz der Messergebnisse der vergangenen 10
Jahre zeigt Grenzwertüberschreitungen für das Tagesmittelwertkriterium in NiederzierHambach (zuletzt 2011) und Grevenbroich-Garzweiler (zuletzt 2006). Als Konsequenz
dieser Grenzwertüberschreitungen wurden zwischen 2005 und 2012 vier Aktionspläne
bzw. Luftreinhaltepläne aufgestellt.
Weitergehende Auswertungen der Messungen erlauben unter Verwendung der ermittelten Windrichtungen und Windgeschwindigkeiten eine Lokalisierung von ortstypischen
Quellen einer gegenüber dem umliegenden Hintergrund auftretenden Zusatzbelastung.
Chemische Inhaltsstoffe der Feinstaubimmissionen wurden im Auftrag von RWE in einer
elektronenmikroskopischen Studie von Prof. Weinbruch (TU Darmstadt, 2009) untersucht. Seit einigen Jahren Jahres misst das LANUV in diversen landesweiten Feinstaubproben den Levoglucosananteil, der als Tracer für Holzfeuerungen gilt und auch im Rheinischen Braunkohlerevier einen zusätzlichen Beitrag zu Feinstaubbelastung liefert (siehe
Vortrag Frau Dr. Schuck auf dieser Fachtagung).
Einen wichtigen Beitrag zur Beurteilung der gemessenen Belastung durch Feinstaub
liefern Rechnungen und Modellierungen für z.B. die Ursachenanalyse und die Differenzierung der im Staubgehalt überwiegenden Hintergrundbelastung (Folie 10). Diese Methoden und Ergebnisse werden im Detail in den Luftreinhalteplänen des Reviers dargestellt.
Wegen der Anforderung der 39. BImSchV an kalenderjährliche Messungen und Beurteilungen der Luftqualität werden Veränderungen des Messnetzes zum Jahreswechsel
durchgeführt. Für das Jahr 2014 wurden in Abstimmung mit den beteiligten Gemeinden
und Initiativgruppen zwei neue Messstellen in Jüchen und Erkelenz-Holzweiler eingerichtet. Die Messergebnisse im laufenden Jahr 2014 lassen an den derzeit fünf Messstationen keine Grenzwertüberschreitung beim Feinstaub PM10 erwarten. Auch die seit April
2013 in der Station Niederzier laufenden Untersuchung von PM2,5 liegen mit 10-11 µg/m³
als Mittelwert der bemessenen Jahresabschnitte 2013 und 2014 deutlich unterhalb des
Zielwerts.
Als Ausblick bleibt festzuhalten, dass das LANUV die Wanderung des Tagebaus weiterhin messtechnisch und beurteilend begleiten wird. Neben den Trendmessstellen insbesondere in Niederzier und Grevenbroich werden dazu „mitwandernde“ Messstellen eingerichtet. Für das Jahr 2015 ist konkret die Verlegung der Messstelle von Erkelenz nach
Wanlo vorgesehen. Darüber hinaus begleitet das LANUV fachlich die Umsetzung und
Fortführung der in den bestehenden Luftreinhalteplänen festgelegten Maßnahmen sowie
die Prüfung der Übertragbarkeit von Maßnahmen auf alle Tagebaue. Übergreifend soll
eine vor allem von den Bezirksregierungen Köln und Düsseldorf, den Anliegergemeinden
und dem LANUV erarbeitete Gesamtstrategie zur dauerhaften Verbesserung der Luftqualität im Rheinischen Braunkohlerevier im Frühjahr 2015 aufgestellt werden.
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Gesundheitswesen
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