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15. Oktober 2014: Sarah Pichlkastner (Wien): Spital mit

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15. Oktober 2014: Sarah Pichlkastner (Wien): Spital mit Wirtschaftsbetrieb oder Wirtschaftsbetrieb mit
Spital? Einblicke in die Strukturgeschichte des Wiener Bürgerspitals in der Frühen Neuzeit (Moderation:
Anton Tantner)
Abstract: Das Mitte des 13. Jahrhunderts gegründete Wiener Bürgerspital bildete in der Frühen Neuzeit die
zentrale Armen- und Krankenversorgungseinrichtung der Stadt. Der im 19. Jahrhundert abgerissene riesige
Gebäudekomplex erstreckte sich zwischen Kärntner Straße, Neuem Markt, Lobkowitzplatz, Albertina und
dem heutigen Hotel Sacher. Die überlieferten Archivalien und dabei vor allem die erhaltenen
Rechnungsbücher des frühneuzeitlichen Wiener Bürgerspitals vermitteln den Eindruck, dass es sich dabei
um einen umfangreichen Wirtschaftsbetrieb handelte, der sozusagen als soziale Verpflichtung nebenbei
noch ein Spital führte. Mittelalterliche und frühneuzeitliche Spitäler wurden jedoch anders als heute nicht aus
der öffentlichen Hand beziehungsweise über Versicherungen unterstützt, sondern finanzierten sich selbst:
Von den Gründern und späteren WohltäterInnen mit umfangreichem Besitz und Einnahmequellen
ausgestattet, war das Wiener Bürgerspital Wein- und Bierproduzent, Ackerbauer, Grundherr, Kreditgeber
und vieles mehr. Der Vortrag soll erste Ergebnisse der derzeit laufenden strukturgeschichtlichen
Untersuchung zum Wiener Bürgerspital vorstellen und gleichzeitig einen Ausblick auf die im Anschluss
geplante tiefgehende Untersuchung zu InsassInnen, Personal und innerer Organisation geben.
Zur Person: Studium der Geschichte sowie des Masterstudiums „Geschichtsforschung, Historische
Hilfswissenschaften und Archivwissenschaft“ an der Universität Wien, seit 1. Oktober 2013 Mitarbeiterin im
FWF-Projekt „Insassen, Personal und Organisationsform des Wiener Bürgerspitals in der Frühen Neuzeit“
(Leitung: Martin Scheutz)
12. November 2014: Andreas Plackinger (München): Michelangelo als Mörder? Wechselwirkungen von
Kunst und Anatomie im 16. und 17. Jahrhundert (Moderation: Friedrich Polleroß)
Abstract: Spätestens seit Richard Carpenters Experience, Historie and Divinitie (London 1642) kursierte die
schwarze Legende vom mordenden Michelangelo. Vorzugsweise in der Viten- und Guidenliteratur wurde
wiederholt berichtet, der gefeierte Künstler habe ein Modell ans Kreuz geschlagen und schließlich getötet,
um auf diese Weise das Leiden Christi möglichst überzeugend dal naturale im Kunstwerk wiedergeben zu
können. Im Zusammenhang mit diesem ominösen Kruzifix, das noch den Marquis de Sade während seiner
Italienreise beschäftigten sollte, wurde bereits im 17. Jahrhundert auf den antiken Ursprung dieses
Erzählmotivs – das gemarterte Modell des griechischen Malers Parrhasios – hingewiesen. So überzeugend
diese Herleitung auch sein mag, sie liefert noch keine Erklärung dafür, warum der Mythos vom mordenden
Maler gerade auf Michelangelo übertragen wurde und dadurch eine Renaissance erlebte. Ziel dieses
Vortrags ist es daher, eine andere Wurzel dieses düsteren Narrativs freizulegen: die enge Verknüpfung von
Kunst und Anatomie im italienischen Cinquecento, eine Allianz für die Michelangelo wie kein Zweiter stand.
Es soll gezeigt werden, dass die vielfältigen Wechselbezüge zwischen ästhetischem und wissenschaftlichem
Diskurs um Michelangelo und Vesalius nicht nur die Möglichkeit boten, zentrale kunsttheoretische Positionen
zu veranschaulichen, sondern auch eine Quelle des Unbehagens und der Angst darstellten.
Zur Person: Dr. des. Andreas Plackinger aus Seligenstadt bei Frankfurt am Main ist Volontär/Curatorial
Assistant an den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in München. Er studierte Kunstgeschichte,
Neuere und Neueste Geschichte sowie klassische Archäologie in München, Paris und Venedig, war 2010–
2011 als wissenschaftlicher Mitarbeiter für die Ruhr-Universität Bochum tätig, danach Promotionsstipendiat
der Studienstiftung des deutschen Volkes und im Fall Semester 2012 als Visiting Researcher an der UC
Berkeley. Im Wintersemester 2013/14 Abgabe und Verteidigung der Doktorarbeit Violenza – Gewalt als
Denkfigur im michelangelesken Kunstdiskurs (Publikation in Vorbereitung). Veröffentlichungen zu
Parmigianino, Caravaggio sowie diverse Katalogbeiträge und Buchbesprechungen.
17. Dezember 2014: Max Maurer (Wien): Mangelverwaltung zwischen Stadt und Hof. Das Hofquartierwesen
im frühneuzeitlichen Wien (16.–18. Jahrhundert) (Moderation: Martin Scheutz)
Abstract: Das Hofquartierwesen zählte für die Stadt Wien zu den markantesten Kehrseiten des glänzenden
Kaiserhofes. Über zwei Jahrhunderte hindurch hatten die bürgerlichen Hausherren auf Basis des
landesfürstlichen Gastungsrechts die stetig anwachsende Zahl der Hofbediensteten mit Wohnraum – den
sogenannten Hofquartieren – auszustatten, wofür sie nur mit einer geringen „Quartiertaxe“ entschädigt
wurden. Der Vortrag zeichnet die wichtigsten Entwicklungslinien des Hofquartierwesens von seinen
Anfängen in der Mitte des 16. Jahrhunderts bis ins 18. Jahrhundert nach und setzt zwei thematische
Schwerpunkte: Zum einen wird die Hofquartierfrage als Konfliktgegenstand zwischen Stadt und Hof
thematisiert. Wie fanden Magistrat und Landesfürst beziehungsweise Hofbediensteter und Hausherr zu
einem modus vivendi? Besondere Beachtung kommt in dieser Hinsicht dem normierten Verfahren zur
Häuserkonskription, der sogenannten „Generalbeschreibung“ zu. Zum anderen werden Hofquartiere auch
aus der Sicht der Nutznießer zwischen Rechtsanspruch und Gnadenerweis beleuchtet: Welche Gruppen
und Schichten bei Hof beanspruchten ein Hofquartier und vor welche Probleme stellte der notorische
Quartiermangel die Beteiligten?
Zur Person: Maximilian Maurer, geb. 1985, studierte Geschichte und Publizistik und
Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien, derzeit im Masterstudium Geschichtsforschung,
Historische Hilfswissenschaften und Archivwissenschaft und arbeitet an der Edition eines Hofquartierbuchs.
21. Jänner 2015: Philipp Batelka (Freiburg im Breisgau): Raub und Zerstörung, Vergewaltigung und
Massaker in der Frühen Neuzeit (Moderation: Susanne Hehenberger)
Abstract: Im 18. Jahrhundert zogen Söldner von der Militärgrenze eine Spur der Verwüstung durch halb
Europa. Wo immer Kroaten, Panduren, Raitzen und Tolpatschen auftauchten, zeigte sich der Krieg von
seiner häßlichsten Seite. Im kleinen Krieg kamen diese wilden Fremden der Zivilbevölkerung in Bayern,
Böhmen, Schlesien und Preußen gefährlich nahe. Kaum ein Chronist, der nicht die Gräueltaten der Kroaten
beschrieben hätte, kaum ein Befehlshaber, der nicht über die Disziplinlosigkeit der Grenzer schimpfte und
kaum ein General, der nicht sofort bereit gewesen wäre, derart kampferprobte leichte Reiter in sein Heer
aufzunehmen. So menschenverachtend und barbarisch die Gräuel der Krieger von der Militärgrenze in den
Quellen beschrieben werden, so wenig ist über die »Kroaten« als Gruppe bekannt. Besaßen sie eigene
Rituale, Verhaltensregeln, eine Gruppenidentität und einen Zusammenhalt, der sie von anderen
Regimentern und Einheiten unterschied? Lässt sich durch die Untersuchung konkreter Gewalthandlungen
und Gewaltkontexte die Frage klären, ob die Grenzer eine fremde Gewaltkultur nach Mitteleuropa brachten
oder steckte hinter ihrer Gewaltausübung eine andere Logik?
Zur Person: Philipp Batelka studierte Philosophie, Geschichte und Englisch in Freiburg, Paris, Santiago de
Chile und Zagreb; Magister (Freiburg). Seit Oktober 2012 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschergruppe
Gewaltgemeinschaften an der Justus-Liebig-Universität Gießen.
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