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GDL-Chef Weselsky schmettert Schlichtung ab - ePaper - Die Welt

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KU N D E N S E RVI C E 0 8 0 0 / 9 3 5 8 5 3 7
KO M M E N TA R
Zippert zappt
Türkei blockt
im Kampf gegen
Terrormiliz IS
E
THEMEN
60 Dschihadisten aus
Deutschland schon tot
BERLIN – Die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften in Deutschland
bleibt hoch. Das belegt der neue Arbeitsmarktindex der Jobbörse StepStone, die für die „Welt“ mehr als
zwei Millionen Stellenausschreibungen aus unterschiedlichen Quellen
auswertete. Besonders stark steigerte
sich die Nachfrage nach Ärzten. Hier
stieg der Index im Oktober 2014 im
Vergleich zum Durchschnittswert
2013 um 50 Prozent. Auch Experten
aus technischen Berufen werden häufiger gesucht, hier stieg die Zahl der
Stellenanzeigen um 28 Prozent.
Bei den Flächenländern liegt Hessen an der Spitze. So gibt es hier 538
Stellenausschreibungen für Fachkräfte
je 100.000 Erwerbsfähige. In Bayern
waren es 508 und in Baden-Württemberg 498 Stellenangebote. Nicht ganz
vergleichbar sind die Stadtstaaten
Hamburg (985 Angebote) und Berlin
(563 Angebote). Der Osten Deutschlands ist allerdings immer noch abgeschlagen. So bildet Sachsen-Anhalt
mit nur 110 Stellenausschreibungen
das Schlusslicht.
Kommentar Seite 3
Seite 11
michael.stuermer@welt.de
ten Mal nach 2008. Minuten später wird er dann auf der Tribüne, wo noch artig die Scheichs applaudieren, den Champagner
Seite 22
spritzen lassen.
Parteien laufen die
großen Spender weg
Für Träume muss
man sich nicht
schämen – sagt der
Psychoanalytiker
Seite 27
Finanzen
Die kleinen
Tricks der
Krankenkassen
Seite 17
Wissen
Hohe Handydichte
fördert die
Verbreitung von
Ebola
Seite 24
ANDREAS MAISCH
D
ie deutsche Wirtschaft überweist seltener Großspenden
an Parteien als in früheren
Jahren. 2014 gab es bis Mitte
November nur sieben Großspenden mit einem Wert von jeweils mehr
als 50.000 Euro. Es erscheint noch nachvollziehbar, dass im Bundestagswahljahr
2013 besonders viel gespendet wurde und
deshalb in diesem Jahr weniger Geld in die
Parteikassen fließt. Doch auch gegenüber
den Jahren 2006 und 2010, denen ebenfalls
Bundestagswahlen vorausgingen, sind die
Großspenden jetzt eingebrochen: Im Jahr
2010 erhielten Union, SPD, FDP, Grüne
und Linke bis Mitte November zusammen
noch rund 2,063 Millionen Euro, dieses
Jahr nur 758.000 Euro.
Für die etablierten Parteien bleibt heute
also nur noch rund ein Drittel der Großspenden früherer Jahre. Die Entwicklung
betrifft alle Parteien, besonders stark jedoch die CDU. Während sie nach Berechnungen der „Welt“ 2010 noch 903.237 Euro
erhielt, bekam sie im laufenden Jahr bis
Mitte November nur noch 225.000 Euro.
Der Politikwissenschaftler Karl-Heinz
Naßmacher von der Universität Oldenburg
wundert sich nicht über den Spendenrückgang. Unternehmensspenden hätten „heute für die Finanzen der Parteien keine große Bedeutung mehr“. So machten sie zuletzt bei der CSU nur sieben Prozent der
Gesamteinnahmen aus, bei der SPD lediglich zwei Prozent. Wichtiger seien Mitgliedsbeiträge, Mandatsträgerabgaben und
die Parteienförderung. Naßmacher rechnet
KEINE AUTOS MEHR
Der Fall BMW illustriert, wie sich
immer mehr Unternehmen von
Großspenden zurückziehen: Seit
Jahren verleiht das Unternehmen Fahrzeuge an die Parteien – verzichtet aber
auf Leasinggebühren. Doch damit ist es
nun vorbei, wie der Konzern der „Welt“
auf Anfrage mitteilte. „Zum Jahreswechsel 2013/2014 ist das Angebot der
Fahrzeugüberlassung ausgelaufen“, sagte
ein BMW-Sprecher. Konkrete Projekte
mit der eigenen Expertise zu unterstützen ergebe mehr Sinn, als einfach
nur Autos auf den Hof der Parteizentrale
zu fahren, teilte BMW mit.
Siehe Kommentar und Seite 8
Feuilleton
LOTTO:
1 – 5 – 6 – 11 – 25 – 37
Superzahl: 9 Spiel77: 5 9 3 6 5 5 5
Super6: 0 4 5 2 8 8
ohne Gewähr
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„Börse am Mittag“ und
„Börse am Abend“
mit Dietmar Deffner
Um 12.45 und 18.15 Uhr
Diskutieren
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Ärzte werden
besonders
häufig gesucht
Auch Nachfrage nach
Technikern ist groß
N
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Das Wunder von
Bern ist jetzt
ein Musical
Seite 26
Erdogan
taktiert
damit, dass die Großspenden immer weiter zurückgehen werden. „Durch die öffentliche Kritik an einzelnen Parteispenden ist es für Unternehmen immer unattraktiver, an eine Partei eine Großspende
zu überweisen.“ Unternehmen wollen sich
nicht mehr direkt mit einer Partei identifizieren lassen, erläutert der Professor, der
seit Jahrzehnten zur Parteienfinanzierung
forscht.
Überraschend ist, dass der Wahlverlierer FDP gar nicht so stark vom Großspendenrückgang betroffen ist, wie nach dem
Ausscheiden aus dem Bundestag zu erwarten wäre. So erhielt die FDP vor einigen
Tagen eine Spende über 200.000 Euro von
der R&W Industriebeteiligungen GmbH
mit Sitz in Köln.
„Die meisten Spender sind Überzeugungstäter, wollen ihre Partei unterstützen“, sagt Naßmacher. Sie hätten es außerdem gar nicht nötig, Politiker mit Spenden
zu beeinflussen. „Die großen Unternehmen haben einen viel stärkeren Hebel als
Parteispenden“, sagt der Politikwissenschaftler, nämlich „das Risiko, dass sie Arbeitsplätze abbauen“. Die Vorstellung,
man könne für 200.000 Euro eine Partei
kaufen, sei naiv.
Lewis der Große
CDU ist besonders betroffen. Politikwissenschaftler: Die öffentliche Kritik
mache es für Unternehmen immer unattraktiver, sich zu engagieren
Aus aller Welt
US-Vizepräsident Joe Biden ist in Istanbul mit dem Versuch
gescheitert, die Türkei enger in den
Kampf gegen die Dschihadistenmiliz
Islamischer Staat (IS) in Syrien und
im Irak einzubeziehen. Auch nach einem vierstündigen Gespräch konnten
Biden und der türkische Präsident
Recep Tayyip Erdogan keinen Durchbruch verkünden. Die USA wollen erreichen, dass sich die Türkei militärisch am Kampf gegen die IS-Extremisten in Syrien und im Irak beteiligt.
Dies lehnt Ankara ab, als Bedingung
für ein direktes Eingreifen fordert die
Türkei eine entmilitarisierte Zone an
der Grenze zu Syrien.
Mindestens 60 Deutsche sind nach
Angaben des Verfassungsschutzes bei
Kämpfen auf der Seite des IS getötet
worden. 550 Menschen hätten sich
aus Deutschland in das Kampfgebiet
in Syrien und im Irak aufgemacht,
sagte der Präsident des Bundesamtes
für Verfassungsschutz, Hans-Georg
Maaßen, der „Welt am Sonntag“. Behörden warnten vor Gefahren auch
durch an der Ausreise gehinderte Islamisten.
ISTANBUL –
Lewis Hamilton hat noch den Helm auf, steht auf seinem Mercedes und schwenkt die britische Fahne. Gerade ist er nach einer
turbulenten Saison Formel-1-Weltmeister geworden – zum zwei-
M I C H A E L ST Ü R M E R
icht von ungefähr hat Präsident Barack Obama seinen
Stellvertreter Joe Biden nach
Ankara geschickt, um in der türkischen Hauptstadt um militärische Unterstützung gegen die Kämpfer des Islamischen Staates zu bitten. Wenigstens doch erwartete der Amerikaner,
der vier Stunden lang mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan rang, die Erlaubnis, die Nato-Luftbasis Incirlik in der südlichen Türkei
für Angriffe von US-Kampfflugzeugen
aus der Luft zu nutzen – ohne den
weiten Weg vom Golf oder aus dem
Mittelmeer zu absolvieren. Doch weder Bodenunterstützung noch Öffnung der Luftbasis wurden gewährt.
Biden dürfte zu dem Schluss gekommen sein, dass wer solche Freunde
hat, keine Feinde mehr braucht.
Hinter dem militärstrategischen
Konzept Washingtons wie dem gegenläufigen Zögern und Taktieren Ankaras aber steht die Frage, wer künftig
im weiteren Mittleren Osten das Sagen hat, wer mit wem die Koalitionen
bestimmt und wie weit die Nato in
der Dauerkrise der Region eine Rolle
zu spielen vermag. Die Türkei ist seit
1954 Nato-Mitglied im Südosten, damals mit Front Sowjetunion. Seit dem
Ende des Kalten Krieges, vor allem
aber seit den religiösen Aufbrüchen
der arabisch-islamischen Welt ist die
Türkei auf der Suche nach Identität
im Innern und strategischer Umpolung nach außen. Erdogan ist Teil des
Problems, nicht der Lösung. Diese
strategische Wende ins Unbekannte
begann, anfangs noch im Halbdunkel
der Gebetshäuser, mit der Rückkehr
des Ajatollah Khomeini nach Teheran
1979. Seitdem hat diese Revolution in
ihren vielerlei sozial-religiösen Gestalten nicht aufgehört, Welle auf
Welle der Unruhe auszusenden, bis
tief hinein nach Europa.
Die USA sehen zwar im selbst ernannten Islamischen Staat einen toxischen Feind mit dem Potenzial, die
gesamte Region des Mittleren Ostens
ins Chaos zu stürzen und als neue
Ordnungsmacht aus Blut und Glauben zu triumphieren. Aber zugleich
scheut Obama, beraten von seinen
kriegsmüden Militärs, den Einsatz
amerikanischer „boots on the ground“
– also Infanterie, Panzer und Streitkräfte für besondere Aufgaben. Die
aber werden gebraucht, wenn Kampfjets die Hauptarbeit im Kampf gegen
die Terrormilizen geleistet haben.
Erdogan taktiert, wie schon seit
Langem, zwischen Westorientierung
und Islamismus. Er verlangt offenbar
von den Amerikanern, Syriens Herrscher Assad durch Flugverbotszonen
in die Enge zu treiben – die Amerikaner aber ahnen, dass Assad eines Tages noch gebraucht wird gegen die
Dschihadisten, und lehnten erst einmal ab. Kein Alexander ist da, den gordischen Knoten zu zerschlagen – auch
nicht die amerikanische Supermacht.
AFP/TOM GANDOLFINI; JAN STROMME
in wirklich schönes
Jubiläum konnte Hartmut Mehdorn feiern.
Das 100. offizielle Gerücht
über den Eröffnungstermin
des „Hartmut-Mehdorn-Gedächtnis-Flughafens“ wurde
verkündet. Frühestens Mitte
2017, wahrscheinlich aber
2018, heißt es aus Termingerüchtekreisen. Der Grund: Es
fehlen noch diverse Bauanträge und polizeiliche Führungszeugnisse. Eine Lebensmittelkontrolle soll Ende des Monats erst mal Klarheit bringen,
ob die Landebahnen Spuren
von Nüssen enthalten und ob
die Gepäckbänder wirklich
glutenfrei sind. Sonst kann das
Bauwerk nicht als erster allergikergerechte Flughafen
geführt werden. Am 12. Dezember will Mehdorn dann
seinen „Terminkorridor“ vorstellen. Mit Spannung wird
erwartet, ob der Korridor eine
Abzugsanlage hat und ob Mehdorn eine Zahl nennt, die im
21. Jahrhundert angesiedelt ist,
oder ob er die Einweihung
sogar ins dritte Jahrtausend
verlegt. Sollte die Eröffnung
nach 2020 stattfinden, greift
die Social-Freezing-Klausel in
Mehdorns Vertrag, und der
72-Jährige muss auf der Stelle
bis zur Flughafeneinweihung
eingefroren werden.
B *
D 2,20 E URO
M O N TAG , 2 4. N OVE M B E R 2 014
Moskau kauft Heidrun frei
Für eine halbe Million Euro bekommt Russland seine Spionin zurück
E
iner der spektakulärsten Spionagefälle seit dem Mauerfall
nimmt eine unerwartete Wendung: Die russische Topagentin Heidrun Anschlag, im Sommer 2013 zu fünfeinhalb
Jahren Gefängnis verurteilt, hat Deutschland vorzeitig in Richtung Heimat verlassen dürfen. Ihr Ehemann, den das Oberlandesgericht Stuttgart zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt hatte,
bleibt allerdings weiter in Haft. Die beiden Russen hatten rund 25
Jahre ein filmreifes Doppelleben geführt. Nach Überzeugung des
Gerichts lieferten sie Hunderte Dokumente über EU und Nato an
den russischen Geheimdienst SWR.
Der Generalbundesanwalt habe mit Blick auf die Ausweisung
der Verurteilten von der weiteren Vollstreckung abgesehen, sagte
eine Sprecherin in Karlsruhe. Paragraf 456a der Strafprozessordnung mache den Schritt möglich. Die Frau habe die Hälfte der
Strafe verbüßt. Um freizukommen, musste Anschlag nach einem
Bericht des „Spiegels“ ungefähr eine halbe Million Euro bezahlen.
Das hatte das Oberlandesgericht Stuttgart ihr und ihrem Mann
auferlegt. Die Summe entspricht dem geschätzten Agentenlohn
der beiden, hinzu kommen Prozesskosten. In Sicherheitskreisen
hieß es, es sei „nicht anders vorstellbar“, als dass Moskau das
Geld gegeben habe.
Laut einem früheren Bericht der Moskauer Zeitung „Kommersant“ hatte die russische Führung einen Agentenaustausch
angestrebt. Bis zur Festnahme hatte das Ehepaar, das österreichische Pässe als Heidrun und Andreas Anschlag ausweisen, im
baden-württembergischen Balingen und im hessischen Marburg
gelebt. Die wahren Identitäten der beiden kannte selbst das Gericht bis zum Urteil nicht. Die nach Moskau übermittelten Dokumente befassten sich unter anderem mit dem Afghanistan-Einsatz und der Strukturreform der Nato. Das Duo versteckte USBSticks in Erdlöchern und übermittelte geheime Botschaften in
Kommentaren zu Fußballervideos auf der Internetplattform
YouTube. Hinweise, unter anderem aus den USA, hatten Ermittler auf ihre Fährte gebracht.
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