close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Die Wikinger - Historischeausstellungen.de

EinbettenHerunterladen
Die Wikinger
Gallo-Römisches Museum, Tongeren (B)
18. Oktober 2014 bis 15. März 2015
Das Gallo-Römische Museum in Tongeren, der ältesten Stadt Belgiens, zeigt vom 18. Oktober 2014
bis zum 15. März 2015 die große kulturhistorische
Sonderschau „Die Wikinger“.
Die Wikinger machten auf ihren zahlreichen Raubzügen die Weltmeere unsicher und galten als blutrünstig, zerstörungswütig und immer begierig nach
Schätzen. Das Bild des blutrünstigen Wikingers mit
einem Kampfbeil in der Hand und einem gehörnten
Helm auf dem Kopf ist wohl jedem bekannt. In unserer Fantasie machen die unbändigen Gestalten
auf ihren prächtigen, am Vorsteven mit einem furchterregenden Drachenkopf verzierten Schiffen immer
noch die Meere unsicher. Plündernd, zerstörungswütig und gierig nach Reichtum brannten sie alles
nieder, was sich ihnen in den Weg stellte. Doch entsprechen diese über die Jahrhunderte überlieferten Stereotypen auch der Realität? Waren sie wirklich nur oder vor
allem mordlustige Plünderer? Die in zwei Jahren vorbereitete Großexposition spürt
diesen Fragen nach und untersucht unter anderem die Bedeutung der Nordmänner
auch als Künstler, Händler und Entdeckungsreisende. Zudem gilt das Augenmerk
der Wikinger-Schau auch der Rolle der Frauen in diesem faszinierenden Volk.
Tatsächlich lässt das Gallo-Römische Museum mit seiner neuen Ausstellung das
stereotype Bild der Normannen wie eine Seifenblase zerplatzen und bietet einen
neuen neutraleren und wissenschaftlich auf den neuesten Erkenntnissen fußenden
Blick auf die Wikinger. Eines darf man vorwegnehmen: Die Wikinger waren sicher
keine Unschuldslämmer, aber sie waren so viel mehr als die wilden Krieger, für die
man sie heute meistens hält. Die Mittelalterschau zeigt auf einer Präsentationsfläche
von 1.250 Quadratmetern rund 500 Exponate aus dem Swedish History Museum. Zu
bewundern sind Juwelen, Textilien, Waffen und ein echtes Wikingerschiff. Die Exponate belegen das hervorragende fachmännische Können der Wikinger. Mit Hilfe interaktiver Displays und Multimediainstallationen können die Besucher die für viele
sicherlich überraschend vielseitige Kultur näher kennen lernen.
Die Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Historischen Museum
(Historiska Museet) von Stockholm entstand, widmet sich zunächst der Expansionsgeschichte der Wikinger. Zwischen 750 und 1050 n. Chr. drückten sie der skandinavischen Geschichte dauerhaft ihren Stempel auf. Die Wikinger waren erfahrene Seefahrer. Sie reisten weiter nord- und westwärts als je ein anderes europäisches Volk
vor ihnen. Ihre Eroberungs- und Plünderungsfahrten, von denen auch Westeuropa
nicht verschont blieb, sind heute legendär. Die Großexposition erzählt aber auch eine
andere Geschichte. Und dabei stehen die Wikinger einmal nicht als blutrünstige Krieger im Mittelpunkt. Die Historienschau konzentriert sich auf das Familienleben und die tägliche Arbeit auf den Bauerhöfen, auf den Glauben, die Bestattungsrituale und die verfeinerten
Kunsthandwerke.
Mit Hilfe von Fotos, Filmen und Multimediainstallationen wird die reiche und vielseitige Kultur der Wikinger wieder zum Leben erweckt.
1
Kette © The Swedish History Museum.
Zusammen mit den neusten archäologischer Untersuchungen versucht die Mittelalterschau ein möglichst vollständiges Bild dieses berühmten Volkes aus dem Norden zu präsentieren. An der reichen Auswahl von Objekten aus dem Schwedischen
Historischen Museum lässt sich die Bedeutung der Frau in der Bauerngemeinschaft
ablesen und erkennen, dass die alten Götter Odin, Freya, Thor und andere durch
das Christentum in Bedrängnis gerieten. Vor allem aber ragen die handwerklichen,
dekorativen Fähigkeiten der Normannen heraus. Die goldenen, silbernen und bronzenen
Schmuckstücke haben eine so hohe Qualität, dass man sie heute kaum noch nachahmen kann. Daran sieht man, dass die Wikinger weit mehr waren als plündernde Barbaren.
Die Menschen, die wir heute als „Wikinger”
bezeichnen, lebten zwischen dem 8. und 11.
Jahrhundert in großen Teilen Skandinaviens,
in dem Gebiet des heutigen Schwedens
Dänemarks und Norwegens. Sie nannten
sich selber jedoch nicht Wikinger und fühlten
sich auch nicht so. Das Wort „Wiking“ kommt
nur selten auf Runensteinen aus dieser Zeit
vor und wenn, dann wird damit eine Handlung beschrieben. Männer und vielleicht sogar Frauen und Jünglinge gingen auf „Wiking”, d.h. auf eine Handelsreise oder einen
Raubzug. Auch die Bezeichnung „Normannen”, die wir ihnen manchmal verleihen, war
dort lange nicht üblich. Wahrscheinlich verwendeten sie einfach den Namen ihres Bauernhofes oder Dorfes, was nicht verwund- Gedenkstein, Smiss, När, Gotland, Schweden, SHM 11521 © The
erlich ist für eine Gesellschaft, in der die Swedish History Museum. Genau wie die Runensteine wurden auch die
textlosen Bild- oder Gedenksteine oft zum Gedenken an einen VerLandwirtschaft an erster Stelle stand.
storbenen errichtet. Gedenksteine sind bisher fast ausschließlich auf der
Die Männer bekleideten in dieser Gesell- schwedischen Insel Gotland gefunden worden. Auf diesem Gedenkschaft die offiziellen Funktionen. Die Frauen stein scheint eine mythologische Szene dargestellt worden zu sein: die
blieben anscheinend im Hintergrund, aber im mythische Reise ins Walhall. Das Walhall ist eine große Halle in Asgaard, dem Wohnort des Gottes Odin. Es ist das Totenreich, in das die
Haushalt und auf dem Bauernhof hatten sie Walküren, eine Art Kriegsgöttinnen, die Hälfte der Krieger bringen, die
das Sagen. Das kann man zwar als Ein- auf dem Schlachtfeld gefallen sind. Auf dem unteren Teil des Steins
schränkung der Frau betrachten, der Bau- befindet sich die Abbildung eines Schiffes, auf dem mit Schilden bewaffnete Krieger sitzen. Das Schiff symbolisiert die Reise ins Walhall.
ernhof bildete jedoch den Mittelpunkt des Oben wurde ein Schlachtfeld dargestellt, auf dem zwei Krieger miteinWeltbildes der Wikinger. In der Ausstellung ander kämpfen. Bei diesem Motiv handelt es sich möglicherweise um
werden noch tiefere Einblicke auf die außer- eine Hommage an den idealen Krieger.
gewöhnliche Stellung der Frau gewährt.
Von einem einheitlichen Wikingervolk oder einem Wikingerreich war nie die Rede.
Zwischen den verschiedenen Regionen bestanden zwar Gemeinsamkeiten, aber
auch große Unterschiede. Bemerkenswerte Parallelen finden wir in der Kunst, der
Sprache und der Religion. Das häufigste Motiv in der Kunst war ein stilisiertes Tier,
manchmal in Kombination mit menschlichen Gesichtern. Handwerker verarbeiteten
diese Tierornamente zu prächtigen goldenen und silbernen Gegenständen: Halsringen, Armbändern, Gewandnadeln und Gürtelbeschlägen. Geschliffene Stücke Bergkristall wurden dabei als Lupe verwendet. Viele der von den Wikingern angefertigten
Objekte sind qualitativ so hochwertig, dass es heute schwer ist, sie nachzumachen.
2
Für die Kommunikation verwendete man eine gemeinsame Sprache, das Altnorwegisch, das wie Englisch, Deutsch oder Niederländisch zur Familie der germanischen Sprachen gehörte. Zum
Schreiben benutzten die Normannen Runenzeichen. Die Runen,
die wir u.a. von Runensteinen kennen, sind zu starken Symbolen
der Wikingerzeit geworden, obwohl schon lange vor der Wikingerzeit und auch von anderen Völkern Runen verwendet wurden.
Eine gemeinsame theologische Lehre oder so etwas wie eine
„Bibel” kannten die Wikinger hingegen nicht. Die ursprüngliche,
einheimische Religion war außerdem keine Religion in der allgemeinen Bedeutung des Wortes, sondern eher ein gemeinsames System alter Sitten und Gebräuche, Auffassungen und
Wertvorstellungen, das mehr war, als nur die Verehrung eines
oder mehrerer Götter. Die Götterwelt der Wikinger bevölkerten
sowohl Götter als Göttinnen. In der Ausstellung kann man großartige Schmuckstücke bewundern, auf denen die
Anhänger in Form eines Miniaturhammers, Ödeshög, Österwichtigsten und bekanntesten Götter und Göttinnen
götland, Schweden
dargestellt werden: Odin, Thor und Freya. Viele
SHM 5671 © The Swedish History Museum. Dieser Andieser Götter wurden in großen Teilen Skandinahänger hat die Form eines Miniaturhammers. Es handelt
sich dabei um den Hammer von Thor, dem Donnergott.
viens verehrt.
Thor ist einer der Söhne Odins, des wichtigsten einheimiDas Gallo-Römische Museum arbeitet im Rahmen
schen Gottes der Wikinger. Dass Thor sehr beliebt war, beder Wikingerausstellung eng mit dem Centre Céweisen die Funde seines Hammers Mjölner. Wenn Thor in
einem von Böcken gezogenen Wagen am Himmel entlang
ramique in Maastricht (Niederlande) zusammen.
zieht und seinen Hammer schwingt, bricht überall ein GeDort findet gleichzeitig die Sonderschau „Wikinger
witter mit Donner und Blitzen los. Der Miniaturhammer
in Belgien und den Niederlanden” statt. Tongeren
wurde aus Gold und Silber angefertigt und mit einer feinen
Filigranarbeit verziert. Bei dieser Technik werden mit Goldund Maastricht erhielten im Jahr 881 Besuch von
und Silberdraht allerlei Muster auf der Oberfläche eines
den Wikingern, deshalb ziehen das Gallo-RömiSchmuckstücks angebracht. Der obere Teil des Hammers
sche Museum und das Centre Céramique jetzt an
wurde in Form eines Gesichts ausgearbeitet.
einem Strang und arbeiten eng zusammen an einer
grenzüberschreitenden Doppelausstellung.
Die Ausstellung kompakt
Titel:
Die Wikinger
Ort und Dauer:
Gallo-Römisches Museum, Kielenstraat 15, 3700 Tongern (B)
18. Oktober 2014 bis 15. März 2015
Veranstalter:
Gallo-Römisches Museum, Tongeren, in Zusammenarbeit mit The Swedish
History Museum und der Ausstellungsgesellschaft MuseumsPartner
Ausstellungstyp:
Sonderausstellung
Vorbereitungszeit:
2 Jahre
Exponate:
ca. 500 Exponate
Leihgeber:
Swedish History Museum
Ausstellungsfläche:
1.250 m²
Öffnungszeiten:
Di-Fr: 9-17 Uhr, Sa, So und feiertags: 10-18 Uhr, montags geschlossen
Eintritt:
10 €, Familien: 21 €
Senioren 55+, Menschen mit einer Behinderung, Ermäßigungsberechtigte und
Gruppen (pro Person): 8 €
Kinder und Jugendliche unter 26 Jahren: 1 €
Führungen:
Gruppenführungen (mindestens 25 Personen):
Dauer: 90 min, Gebühr: 55 € pro Gruppe zzgl. Eintritt
Audioguide:
im Eintrittspreis inbegriffen
Publikation:
Katalog
Allgemeine Infos:
Tel.: 0032 12670330
Internet:
www.galloromeinsmuseum.be
eMail:
grm@limburg.be
(© Dr. Martin Große Burlage, historischeausstellungen.de, www.historischeausstellungen.de,
eMail: info@historischeausstellungen.de, Tel.: 0049 (0)2572 959496)
3
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
2
Dateigröße
289 KB
Tags
1/--Seiten
melden