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Merkblatt Legionellen - TWVO - Trinkwasserverordnung Anzeige

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Information zur Legionellenverkeimung in warmwasserführenden
Systemen
1. Einführung:
Aufgrund ihrer weltweiten natürlichen Verbreitung kommen Legionellen auch in geringer
Anzahl (meist < 1KBE/Liter) im Grundwasser vor. Daher ist es selbstverständlich, dass sich
in dem von den Wasserwerken gelieferten Trinkwasser Legionellen befinden können.
Im Warmwasser findet dann eine enorme Vermehrung vor allem bei 30°C bis 45°C statt.
Temperaturen über 50°C werden noch toleriert, und nennenswerte Absterbevorgänge
setzen erst über 60°C ein. Daher liegt die eigentliche Problematik im so genannten
Warmwasser-Niedrigtemperaturbereich.
Legionellen kommen nicht – ähnlich wie andere Mikroorganismen (z.B. Pseudomonas
aeruginosa) – als einzelne Bakterien vor, sondern sind geschlossen in dichten Schleimmatrices (Biofilmen) auf Oberflächen anhaftend. In den Schleimmatrices widerstehen sie
auch extremen Bedingungen (u.a. Desinfektion mittels Chlor, Spülung unter hohem Druck).
Aufgrund dessen sind grundsätzlich Sanierungsmaßnahmen zur Entfernung von Schleimmatrices, Verkrustungen usw. zielführend. Desinfektionsmaßnahmen bei bereits
bestehender Kontamination werden aus Erfahrung in regelmäßigen Abständen wiederholt
werden müssen, da einzelne Legionellen erneut aufkeimen. Folge dessen sind über einen
begrenzten Zeitraum engmaschige Kontrolluntersuchungen erforderlich.
2. Erkrankung und Erreger
Legionellosen treten in zwei unterschiedlichen Verlaufsformen auf:
Die eigentliche „Legionärskrankheit“ zeigt sich in einer schweren Lungenentzündung, die
unbehandelt in 15-20% der Fälle tödlich verläuft. Hier kann die Inkubationszeit bis zu zwei
Wochen betragen.
Beim weitaus häufiger vorkommenden „Pontiac-Fieber“ handelt es sich um eine fiebrige,
grippeähnliche Erkrankung mit einer Inkubationszeit bis zu zwei Tagen, die meist ohne
Lungenbeteiligung binnen weniger Tage abheilt. In Deutschland schätzt man, dass jährlich
mindestens 100.000 Erkrankungen vorkommen.
Gefährdet sind vor allem ältere Menschen, Raucher sowie Menschen mit geschwächtem
Immunsystem wie beispielsweise Diabetiker.
Es gibt verschiedene Serogruppen von Legionellenarten, die unterschiedliche Virulenzen
(krankmachende Eigenschaften) aufweisen.
Bei Legionellosen wird Legionella pneumophila bei über 90% der schweren Lungenentzündungen nachgewiesen und hier wiederum in etwa der 2/3 der Fälle die Serogruppe 1. Da
gelegentlich andere Legionellenarten humanpathogen sein können – schon 1997 waren 42
Arten mit 65 Serogruppen beschrieben worden – wurde mittlerweile die
Legionellenuntersuchung sowohl nach der novellierten Trinkwasserverordnung als auch nach
dem DVGW-Merkblatt 551 auf alle Legionellen (Legionella spezies) ausgedehnt.
Als Hauptinfektionsweg ist das Einatmen erregerhaltiger, lungengängiger Aerosole aus dem
Warmwasserbereich anzusehen. Somit stellen insbesondere Duschen aber auch Aerosole am
Wasserhahn Gefahrenquellen dar. Weiterhin gewinnen Legionellen als Krankheitserreger
auch im direkten Schwimmbeckenbereich zunehmend an Bedeutung, wo neben Whirlpools
auch sonstige mit einer Wasserversprühung oder -verrieselung versehene Anlagen wie
künstliche Wasserfälle, Fontänen und auch Rutschen eine Rolle spielen können. Ebenso ist
eine Legionellenübertragung über Aerosole von Kühltürmen und Klimaanlagen bis hin zum
Zahnarztstuhl möglich, sofern dies nicht durch Biozideinsatz, Verdampfung statt
mechanischer Luftbefeuchtung oder Verwendung von Sterilwasser verhindert wird.
Eine Übertragung von Mensch zu Mensch findet dagegen nicht statt. Wundinfektionen sind
äußerst selten und auch normales Essen und Trinken spielen keine Rolle, vorausgesetzt,
erregerhaltiges Wasser kommt nicht in die „unrechte Kehle“. Durch Aspiration kann es auch
über Beckenwasser und Leitungswasser zu Erkrankungen kommen.
3. Hausinstallationssysteme
Bis zu Temperaturen von etwa 20°C vermehren sich Legionellen nur sehr langsam, so dass
in diesem Bereich schon anzahlmäßig kein nennenswertes Erkrankungsrisiko besteht. Erst
über 20°C steigt die Vermehrungsrate allmählich an und ist etwa zwischen 30°C und 45°C
optimal. Ab etwa 50°C erfolgt meist kaum noch Vermehrung und bei etwa 55°C ist diese
nicht mehr möglich und es kommt langsam zum Absterben. Eine sichere und mit steigenden
Temperaturen zunehmend raschere Abtötung findet erst knapp oberhalb von 60°C statt.
Der über die Energieeinsparverordnung proklamierte Warmwasser-Niedrigtemperaturbereich ist somit in Bezug auf Legionellen kontraproduktiv.
Vermehrungsorte für Legionellen sind Wuchsbeläge oder Biofilme, die bevorzugt gebildet
werden, wenn große Oberflächen vorhanden sind wie z.B. in Filtern oder in zusätzlichen
Ablagerungen durch Kalkausfall, Schlämme oder Korrosionsprodukte. In derartigen
Biofilmen sind Legionellen wirkungsvoll durch zusätzlich produzierte Schleimsubstanzen vor
Desinfektionsmaßnahmen geschützt. Bei der chemischen Desinfektion kommt es z.B. neben
einer Chlorzehrung lediglich an der Oberfläche zu Oxidations- und Abtötungsvorgängen,
während die darunterliegenden Keime längerfristig überleben und sogar die durch Oxidation
aufgeschlossenen Nährstoffe nützen können. Derartige Biofilme stellen ein „Ökosystem“
dar, in dem auch Einzeller wie (harmlose) Amöben vorkommen, die sich wiederum von den
dort vorhandenen Mikroorganismen ernähren. Auch Legionellen werden aufgefressen,
jedoch im Innern der Amöbe nicht verdaut, können sich dort zudem vermehren und bis zu
annähernd 1000 Keimen anreichern sowie Virulenzgene aktivieren. Auch in Amöbencysten,
die als lungengängige Partikel zu betrachten sind und ebenfalls Schutz vor allen gängigen
Desinfektionsmaßnahmen bieten, sind sie lebendig vorhanden.
Anfällig für Legionellen sind insbesondere große Gebäude mit weitläufigem Leitungsnetz evt. sogar Stichleitungen -, ohne ständiges Bewohnen und demzufolge unregelmäßiger
Wasserabnahme und die eine ggf. unbefriedigende Warmwassertechnik (z.B. Hydraulik)
aufweist (Hotels, Krankenhäuser, Altenheime usw.).
Hinweise zum Betrieb und ggf. zur Sanierung von bereits existierenden Trinkwassererwärmungs- und Leitungsanlagen, die nicht die Anforderungen von Neuanlagen nach
DVGW W 553 entsprechen, gibt die technische Regel DVGW W 551 (Trinkwassererwärmungsanlagen; Technische Maßnahmen zur Verminderung des Legionellenwachstums;
Sanierung und Betrieb). In dieser Regel werden auch Hinweise zur möglichen
Dekontamination von Trinkwasserverteilungsanlagen gegeben, in denen ein erhöhtes
Legionellenwachstum festgestellt wird.
Prinzipiell setzen Maßnahmen voraus, dass auch die Hausinstallation als solche auf den
Prüfstand gestellt werden muss. Die verlegten Rohrmaterialien und Leitungswege müssen
bekannt sein. Beispielsweise führt die thermische Desinfektion bei feuerverzinkten Eisenleitungen im Warmwasserbereich zu einem enormen Korrosionsproblem. Totleitungen
sollten ohne Stauraum glatt vom Strang abgetrennt werden. Daher ist es unbedingt
empfehlenswert, Fachfirmen einzubinden.
Eine Sanierung ohne Entfernung von Wuchsbelägen ist nicht erfolgversprechend. Auch
Chlorungsmaßnahmen sind beim Vorhandensein von Wuchsbelägen in Hinblick auf den nach
der TrinkwV zulässigen Dosierungsbereich skeptisch zu betrachten. Hier ist zu befürchten,
dass dem Verbraucher überdosiertes Wasser in unzulässiger Weise oder bei Elektrolyseverfahren mit nicht zulässigen produzierten Stoffen zur Verfügung gestellt werden kann.
Die Bekämpfung von Legionellenverkeimungen ist bei Anwendung nur einer Methode meist
nicht erfolgreich.
Legionellenbekämpfungsmaßnahmen: Vor- und Nachteile
Maßnahme
Vorteile
Nachteile
→ keine Wuchsbelagsentfernung
Thermische Desinfektion
Intermittierende Aufheizung
→ sichere Legionellenabtötung
→ rasche Wiederverkeimung
→ keine Chemikalienzusätze
→ Verbrühungsgefahr → Riesenaufwand
→ Legionellenminimierung im Kessel
→ keine Wirkung im Leitungsnetz
des Heizkessels auf ≥ 70 °C
→ vielfach Leitungsüberdimensionierung
Temperatur nach DVGW:
Heizkessel ≥ 60 °C
Warmwasserzirkulation ≥ 55 °C
Chlorung
(Chlordioxid bildet keine HKW und
ist etwa 4x wirksamer als
Chlorbleichlauge)
Chlorelektrolyseverfahren
Anodische Oxidation
→ Legionellenminimierung
→ mögliche Erwärmung von
(Empfehlenswert bei
Kaltwasserstagnationszonen mit
Neuinstallationen)
Aufkeimung
→ Sichere Abtötung einzelner
Legionellen
→ Chemikalienzugabe
Bei Dauereinwirkung:
→ Legionellen in Biofilmen und Einzellern
→ keine oder verzögerte
werden ungenügend abgetötet
Biofilmneubildung
→ langfristiger Abbau von Biofilmen
→ Depotwirkung.
→ Legionellen in Biofilm-Partikeln und
UV-Bestrahlung
→ Sichere Abtötung einzelner
Einzellern werden ungenügend abgetötet
Legionellen
→ keine Depotwirkung
→ keine Chemikalienzugabe
→ kein Biofilmabbau im System
wie bei UV-Bestrahlung
UV-Bestrahlung mit
Ultraschallbehandelung
wie bei UV-Bestrahlung
→ keine Depotwirkung
(Ultraschall soll Legionellen aus
→ kein Biofilmabbau im System
Biofilmen und Einzellern zur sicheren
→ zuverlässige Legionellenfreisetzung
Abtötung vereinzeln)
durch Ultraschall nicht gutachtlich
bestätigt
Peroxid-Verbindungen
→ Ablösung von Biofilmen
→ nicht zulässig zur Dauerdesinfektion
→ keine Depotwirkung
Filter
→ „Sterilität im Filtrat“
→ kein Biofilmabbau im System
→ kostenintensiv → Druckabfall
→ Material- und Personalfehler
4. Hygienisch-mikrobiologische Untersuchungen wasserführender technischer
Systeme
Bei der Bewertung von Legionellenbefall in Hauswasserinstallationen wird unterschieden
zwischen einer systemischen und einer lokalen Kontamination. Ziel aller Maßnahmen ist es,
eine Kontrolle der systemischen Legionellenkontamination des Wassers zu erreichen. Sofern
die systemische Kontamination unter Kontrolle gehalten wird, kann einer lokalen
Kontamination, z.B. in Duschschläuchen nach Perioden der Stagnation, dadurch
entgegengewirkt werden, dass Entnahmestellen in der Peripherie vor Benutzung kräftig
durchgespült werden. Wenn jedoch eine systemische Kontamination besteht, wird eine
Nachlieferung von Legionellen aus der Tiefe des Systems erfolgen. Ein Durchspülen der
peripheren Entnahmestellen ist in diesen Fällen nicht ausreichend.
Um die Keimzahlen zu reduzieren, sind folgende betrieblich-technischen Maßnahmen
durchzuführen:

Anlagenteile, in denen eine Sedimentation stattgefunden haben kann (z.B.
Trinkwassererwärmer, Verteiler), sind vor den nachfolgend aufgeführten
Sanierungsmaßnahmen zu reinigen. Dabei sind Schutzmasken zu tragen (siehe
Unfallverhütungsvorschrift).

Wärmetauscher und Membranausdehnungsgefäße sind einer regelmäßigen
Entkalkung / Reinigung zu unterziehen.

Die Betriebstemperatur ist so einzustellen, dass Temperaturen von ≥ 60°C im
Heizspeicher und ≥ 55°C in der Peripherie eingehalten werden. Hierbei ist
insbesondere das Augenmerk auf die Temperaturen in der Peripherie zu richten, da
bei ungenügender Isolierung der Leitungen ein größerer Wärmeverlust auftritt.
Zirkulationspumpen sind ohne Unterbrechung zu betreiben.

Die Legionellenschaltung (sofern vorhanden), d.h. Erwärmung des Warmwasserspeichers sowie der Zirkulation auf 70°C, ist auf einen wöchentlichen Rhythmus
einzustellen. (Hausinstallationsanlagen, die nach den Regeln der Technik geplant
und gebaut wurden, bedürfen nach Einschätzung der Fachleute keiner Legionellenschaltung.)

Es sind regelmäßig die Perlatoren und Duschköpfe zu entkalken. Durchführung je
nach Verkalkungsgrad regelmäßig.

Bei Bedarf neue Duschköpfe einsetzen, die einen satten Wasserstrahl erzeugen
(geringere Aerosolbildung).
Die Dringlichkeit einer Sanierung ist aufgrund folgender Kriterien zu bewerten:
 Legionellennachweis (Legionella spezies)
 Höhe der Legionellen-Konzentration im Hausinstallationssystem (Legionella spezies)



Serogruppe der nachgewiesenen Legionellen
Art der Wassernutzung und
Gesundheitszustand der exponierten Personen.
Schlussbemerkung
Legionellen sind Krankheitserreger aus der Umwelt und stehen maßgeblich mit dem
Warmwasser-Niedrigtemperaturbereich im Zusammenhang. Insofern erscheint die
Legionellenminimierung vergleichsweise einfach: „Heißwasser muss genügend heiß sein und
es bleiben – Kaltwasser muss genügend kalt sein und es bleiben – Wasser muss in der
Leitung möglichst geringe Aufenthaltszeiten haben!“
Für weitere Fragen steht Ihnen das Landratsamt Lindau (B) – Fachbereich
Gesundheit
(Telefon 08382 / 9311-0) gerne zur Verfügung.
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