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aktuell - des Klinikums - Ludwig-Maximilians-Universität München

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04.2014
KLINIKUM
DER UNIVERSITÄT MÜNCHEN
klinikum
aktuell
D a s M a g a z i n d e s K l i n i k u m s u n d d e r M e d i z i n i s c h e n Fa k u l t ä t
Kunstherz
Erstmals minimalinvasiv eingepflanzt
Leber
So viel Feiern
verträgt das Organ
Zöliakie
Wenn Brot
krank macht
Moderne
Narkose
Die Enormen Fortschritte der Anästhesie
Dermatologie
Schöne Zähne
So funktioniert
Lifting ohne ein
Skalpell
Das leistet der
Bereich Kinderzahnheilkunde
Schlaganfall
Warum Sie sich früh
genug um Ihr Risiko
kümmern sollten
KLINIKUMaktuell 03.2011
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KLINIKUMaktuell 03.2013
editorial
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
das Thema Pflegenotstand ist vielen bekannt, immer
wieder diskutieren Politiker über das Problem, berichten
Medien über den eklatanten Mangel hierzulande. Selten wird dabei klar getrennt zwischen der Altenpflege in
Heimen und der Gesundheits- und Krankenpflege oder
auch .Kinderkrankenpflege im Krankenhaus. Das aber
ist wichtig, wenn man den vielen Facetten der Pflege in
einem Klinikum gerecht werden möchte, um damit auch
die Chancen und Möglichkeiten des Berufes darzulegen.
Gerade an einem Uniklinikum sind die Perspektiven vielfältig, in denen sich Pflegefachkräfte entwickeln und Karriere machen können.
Die Pflege ist integraler Bestandteil der Patientenversorgung. Ähnlich wie in der Medizin, nehmen die Anforderungen an das Können und Wissen der Pflegenden
ständig zu. Lebenslanges Lernen gehört längst zum Alltag jeder Pflegekraft. Daher ist es aus meiner Sicht nur
konsequent, dass die Akademisierung des Pflegeberufes
vorangetrieben wird. Die Etablierung von Studiengängen
entspricht den längst gelebten Strukturen, gerade an
einem Uniklinikum: klinische Forschung, Ressourcenallokation im Gesundheitswesen, interdisziplinäre Teamarbeit, um nur einige Schlagworte zu nennen. Fürsorge
und Zuwendung für den Patienten dürfen dabei nicht zu
kurz kommen. Aber um die Aufgaben in der Pflege erfüllen zu können, müssen angesichts der immer komplexer
werdenden Krankheitsbilder, aufgrund der demographischen Entwicklung und der voranschreitenden personalisierten Medizin, neue Wege beschritten werden.
Einen Meilenstein auf dem Weg zur Spitzenstellung der
LMU-Medizin stellen wir Ihnen in dieser Ausgabe von
Klinikum aktuell vor. Es handelt sich um die Erneuerung des Medizinischen Curriculums, kurz MeCuM, für
das Medizinstudium an der LMU. MeCuM ging aus der
Allianz mit der Harvard Medical School in Boston hervor und feiert in diesem Jahr sein 10-jähriges Bestehen
(S. 21). Ausführlich berichten wir auch über die Ernennung zum Onkologischen Spitzenzentrum durch die
Deutsche Krebshilfe. Das LMU-Klinikum und das Klinikum rechts der Isar der TU München haben die begehrte Förderung gemeinsam für
das CCC-M erhalten (S. 8 ff.). Wir
»Die Pflege ist
blicken zudem zurück auf die Großereignisse des Sommers: Jah- integraler Bestandresempfang (S. 28), Spatenstich
teil der PatientenKinderpalliativzentrum (S. 31) und
Eröffnung OPZ (S. 30). Wir infor- versorgung.«
mieren Sie über Neues aus der Anästhesie (S. 14), sagen Ihnen, was Sie für eine lebenslang
gesunde Leber tun können (S. 36) und was man gegen
die Probleme bei einer sogenannten Kalkschulter machen kann (S. 38). Diese und viele weitere Themen finden
Sie in der „Herbstausgabe“ von Klinikum aktuell.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern eine anregende und unterhaltsame Lektüre und unseren Patientinnen
und Patienten mitsamt ihren Angehörigen und Freunden
gute Besserung und alles Gute. Unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aller Berufsgruppen danke ich
ganz persönlich und herzlich für ihren täglichen Einsatz
in der Patientenversorgung sowie in Forschung und Lehre – und ganz besonders in der Pflege.
Ihre
Helle Dokken
Pflegedirektorin
KLINIKUMaktuell 04.2014 3
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Es gibt Zahlen,
die kann man nicht
beeinflussen.
Herbert (50) hat Bluthochdruck – und hat
seine Werte wieder unter Kontrolle.
Dafür arbeiten wir.
Fachklinik
Bad Heilbrunn
www.fachklinik-bad-heilbrunn.de
inhalt
S. 14
S. 38
S. 20
S. 32
S. 28
rubriken
PERSPEKTIVE KLINIKUM
Editorial
Das neue Hauner nimmt Fahrt auf
Panorama
l Fit bleiben im Kopf!
Impressum.................................................................... 45
Der Jahresempfang
DIAGNOSE & THERAPIE
Das OPZ ist in Betrieb
Helle Dokken, Pflegedirektorin. ......................................... 03
Neues aus Klinik und Fakultät. .......................................... 06
Das neue Krebszentrum
Münchner Unikliniken bündeln Kompetenzen........................ 08
Kleine Schnitte
Tumorchirurgie: minimal-invasive Eingriffe............................ 10
Hautkrebs lässt sich vermeiden!
Ärztliche Leitlinie zur Hautkrebsprävention............................ 11
l Ästhetische Dermatologie
Lifting ohne Skalpell................................................................ 12
l Angst vor der Narkose
Titelbild: Stefan Wartini, Klinikum der LMU München
S. 36
Anästhesie ist sicherer denn je................................................ 14
Große Aktionswoche in München............................................ 25
Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung..................... 26
40 Jahre Großhadern: Das Klinikum feierte............................. 28
Patientenversorgung auf höchstem Niveau............................. 30
Kinderpalliativzentrum: Spatenstich
Hier entsteht ein Ort der Geborgenheit................................... 31
Beruf: Hebamme
Zwischen Elternglück und Schichtdienst................................. 32
Das Klinikum in den Medien
Reflektionen zur Presselandschaft........................................... 33
Ehrungen & Preise.............................................................. 34
VORSORGE
l Kinderzahnheilkunde
l So viel Feiern verträgt die Leber
l Der Mann ohne Puls ...
HILFE & SELBSTHILFE
Spezielle Therapien für Jungen und Mädchen........................ 17
... lebt mit einem Kunstherz..................................................... 18
Station für alte Patienten
Das leistet die Akutgeriatrie..................................................... 20
FORSCHUNG & LEHRE
Ein Meilenstein in der Ausbildung
Zehn Jahre MeCuM.................................................................... 21
TRISOMIE 13
Ein Risiko bei Leukämie........................................................... 22
Die Zukunft der Hochschulmedizin
Neues Buch über Klinikum und Fakultät ................................ 23
News & Studien
Heilung bei Hepatitis C............................................................ 24
Interview mit Prof. Dr. Alexander Gerbes................................ 36
Kalk im Schultergelenk
Das kann die Orthopädie dagegen tun..................................... 38
Das Schwarze Brett
Termine für Patienten.............................................................. 41
WOHLFÜHLEN & GENIESSEN
l Wenn Brot krank macht
Eine Zöliakie lässt sich feststellen............................................ 42
Lesen, Rätselspaß............................................................... 45
Die letzte Seite
Stiftungen, Projekte, Initiativen...................................... 46
Unsere Titelthemen sind mit l gekennzeichnet
KLINIKUMaktuell 04.2014 5
PANORAMA
Spenden statt
Eiswasser
Am Firmenlauf nahmen 30.000 Menschen teil (l.), vom
Klinikum traten 300 (darunter Irene Kolb und Julia Reinbold, r.) an, angeführt von Teamkapitänin Martina Bayerl
und dem Kaufmännischen Direktor Gerd Koslowski (Mitte)
B2RUN – Das Klinikum macht
laufend Medizin
Kein Regen, kein Hagel, kein Gewitter, keine Bullenhitze – diesmal
gab es perfektes Wetter für den
B2RUN, Münchens großen Firmenlauf. Rund 30.000 Teilnehmer
waren dabei, darunter 300 Läufe-
rinnen und Läufer des Klinikums.
Mehr als die Hälfte des Klinikteams
spendete ihre Startgebühr: Das
„Neue Hauner“ bekam 2.489,32
Euro, der Verein „Frühstart ins Leben“ 2.489,33 Euro.
Engagement
für kleine
Patienten
Monika Nowak-Rummel (WilliAlthof-Stiftung) übergibt das
Gerät an (v. l.) Frank Born (Leiter des Herz-Lungen-Maschinen-Teams), Prof. Dr. Christian
Hagl und Prof. Dr. Heinrich Netz
Schon oft hat der Vorstand der
Willi-Althof-Stiftung die Abteilung
Kinderkardiologie und Pädiatrische Intensivmedizin (Direktor:
Prof. Dr. Dr. h.c. Heinrich Netz)
und die Elterninitiative Kinderklinik Großhadern (Vorsitzende:
Prinzessin Ursula von Bayern) mit
großzügigen Spenden unterstützt.
Auch jetzt erfolgte die spontane Zusage, als ein neues Projekt
der Abteilung Kinderkardiologie
und Pädiatrische Intensivmedizin
gemeinsam mit der Herzchirur-
6
KLINIKUMaktuell 04.2014
Prof. Dr. Maggie Walter und Verleger
Hubert Burda
Nach der Nominierung durch seine
Frau, Schauspielerin und Ärztin Maria Furtwängler, nahm auch Verleger
Hubert Burda (Hubert Burda Media)
die „ALS Ice Bucket Challenge“ an,
mit der auf die Nervenerkrankung
Amyotrophe Lateralsklerose aufmerksam gemacht wird. Zwar verzichtete er auf den Kübel Eiswasser,
den sich weltweit Prominente über
den Kopf gossen, unterstützte aber
die ALS-Forschung am FriedrichBaur-Institut mit einer Geldspende.
Der Verleger übergab einen Scheck
über 5.000 Euro an Prof. Dr. Maggie
C. Walter. Nicht die einzige Spende:
Auch der Sparkassenverband Bayern stiftete 1.000 Euro.
Krimi für den
guten Zweck
gischen Klinik (Direktor: Prof. Dr.
Christian Hagl) und der Pulmologie des Dr. von Haunerschen
Kinderspitals (Direktor: Prof. Dr.
Christoph Klein) in Angriff genommen werden sollte: Für schwerst
lungenkranke Kinder wird erstmals in München ein pulmonales
ECMO als Lungenersatztherapie
angeboten werden. Die Anschaffung des kompletten Gerätes einschließlich aller Zusatzteile wurde
durch eine großzügige Spende der
Willi-Althof-Stiftung finanziert.
Zu einer Benefiz-Kriminacht mit Schriftstellerin Ingrid Noll lud der Verein der
Freunde und Förderer des Klinikums
der Universität München e. V. in den Hörsaaltrakt am Campus
Großhadern.
Bevor
die Bestseller-Autorin aus ihrem neuen
Kriminalroman „Hab
und Gier“ las, begrüßte Prof. Dr. Alexander Ingrid Noll bei der
Berghaus, Vorstands- Lesung in Großhadern
vorsitzender des Vereins, die Gäste.
panorama
Ein informationstag
für Krebspatienten
In den 80er Jahren zählten die Zwillingsbrüder Michael und Uli Roth zu den besten Handballspielern Deutschlands. Beim Krebs-Informationstag 2014 berichteten die Zwillinge
über ihre Erfahrungen, als sie beide mit 47
Jahren an Prostatakrebs erkrankten und stellten sich offen und ungeschminkt den Fragen
des Publikums.
Im dicht besetzten Hörsaal
am Campus Großhadern gab
es Vorträge für die Besucher
des Krebsinformationstages
(oben)
Am lebensmut-Stand (v. l.) Prof. Dr.
Wolfgang Hiddemann, Uli Roth, Michael
Roth, Prof. Dr. Günter Schlimok
Begegnung mit Nobelpreisträgern
Zum 64. Mal fand in diesem Jahr die
Nobelpreisträgertagung in Lindau
statt. Mit 37 Nobelpreisträgern und
über 600 Nachwuchswissenschaftlern
aus 78 Ländern stellt die Tagung eine
einzigartige Möglichkeit des internationalen Austausches zwischen den
Forschergenerationen dar. Die Medizinische Fakultät der LMU war in
diesem Jahr mit drei Studierenden in
Lindau vertreten. Nach einer erstmals
durchgeführten Vorauswahl inner-
halb der Fakultät wurden vom Komitee der Nobelpreisträgertagung die
Medizinstudenten Alexandra Meuter,
Jan Bewersdorf und Maximilian Gassenmaier für die Teilnahme ausgewählt. Alle drei sind sich einig, dass
die Teilnahme an der Lindauer Nobelpreisträgertagung eine einmalige und
unvergessliche Erfahrung war, die sie
inspiriert und in ihrer Motivation für
die eigene wissenschaftliche Laufbahn deutlich bestärkt hat.
Jan Bewersdorf, Maximilian Gassenmaier
und Alexandra Meuter (v. l.)
Ein Forum für das Herz
Im gut besuchten Hörsaaal der Ziemssenstraße (oben)
saßen auf dem Podium Prof. Dr. Christian Hagl, Prof. Dr.
Ellen Hoffmann (Klinikum München), Moderator Michael
Backmund, Prof. Dr. Martin Halle (TU) und Prof. Dr.
Bruno Reichart (v. l.)
Das Klinikum der Universität München, die Münchner Abendzeitung
und die Techniker Krankenkasse
Bayern veranstalteten gemeinsam
das „AZ-Herzforum 2014 – von der
Prävention über die Diagnose bis
zur Therapie – die wichtigsten Erfol-
ge und Innovationen der modernen
Herzmedizin“. Dabei informierten
renommierte Experten über aktuelle
Erfolge der Kardiologie und Herzchirurgie und diskutierten über die
Zukunft der modernen Herzmedizin. Das Klinikum vertraten dabei
Prof. Dr. Christian Hagl, Direktor
der Herzchirurgischen Klinik, und
Prof. Dr. Bruno Reichart, emeritierter Direktor der Herzchirurgie und
Pionier seines Fachs.
KLINIKUMaktuell 04.2014 7
diagnose & therapie
Onkologische
auf Spitzennive
E
ine große Bestätigung für das Comprehensive Cancer Center München (CCC München): Die Deutsche Krebshilfe gab dem Antrag auf Förderung als
Onkologisches Spitzenzentrum im Juli statt und
wird das CCC München für vier Jahre mit 750.000 Euro pro
Jahr unterstützen. „Es gibt nur wenige geförderte Zentren
in Deutschland, das ist ein sehr exklusiver Club. Die Anerkennung als Onkologisches Spitzenzentrum und die damit
verbundene Förderung ist auf jeden Fall eine Auszeichnung
unserer Arbeit“, sagt Prof. Dr. Volker Heinemann, der Direktor des CCC München. Dieses Zentrum bündelt und
koordiniert alle therapeutischen, wissenschaftlichen und
Ausbildungsaktivitäten der beiden Münchner Universitäten
(Technische Universität und Ludwig-Maximilians-Universität) und des Tumorzentrums München für die Onkologie.
„Unser Ziel ist, Patienten mit Krebserkrankungen die besten heute international verfügbaren Behandlungserfolge zu
ermöglichen“, so Prof. Dr. Heinemann.
Im CCC München arbeiten das Comprehensive Cancer Center der
LMU (CCCLMU) und das Roman-Herzog-Krebszentrum
der TU zusammen, was
Informationstechnologie
sich auch in der Leitung
Die Deutsche Krebshilfe fördert
das gemeinsame Krebszentrum
von LMU und TU
Koordination der onkologisch aktiven Organzentren. Darüber
hinaus hat das CCC München auch eine wichtige Funktion in
der Koordination der onkologischen klinischen Forschung.
Diesbezüglich interagiert das CCC München eng mit den
Deutschen Konsortien für Translationale Krebsforschung
(DKTK). Das CCC München hat das Ziel, die Rahmenbedingungen für klinische Studien zu verbessern. Zur Schaffung
größerer Transparenz auf dem Gebiet der klinischen Studien
wird derzeit eine gemeinsame Studiendatenbank entwickelt.
Das CCC München widmet sich explizit vier Schwerpunktthemen, die im Rahmen von gemeinsamen Aktionsplattformen bearbeitet werden. Dazu gehören die Informationstechnologie (u. a. Tumordokumentation), die
supportive und palliative Therapie, die translaFort- und
Weiterbildung
tionale und klinische Forschung sowie Fortund Weiterbildung.
supportive
und palliative
Technologie
„Wir wollen die Dokumentation von
Tumorerkrankungen vorantreiben“,
so Heinemann. „Wir erfassen die
zeigt: Direktor ist Prof. Dr.
Daten von Patienten mit Pankreas-,
Volker Heinemann von der
Prostata-, Lungen- und Darmkrebs.“
LMU, sein Vize ist Prof. Dr. Petranslationale
und klinische
Diese Tumordokumentation soll in den
ter Herschbach von der TU. „Wir
Forschung
nächsten Jahren weiter hochgefahren werden,
ergänzen uns wunderbar, ich komme
um Tumorerkrankungen möglichst vollständig zu eraus der klassischen Onkologie, Prof. Herschfassen. Warum ist die Dokumentation so wichtig? „Wir wisbach ist Psychoonkologe“, erklärt Heinemann. Einmal
in der Woche besprechen sich die beiden Direktoren, regel- sen bisher noch zu wenig über unsere Krebspatienten und
mäßig gibt es auch Sitzungen mit dem kompletten Vorstand. wollen deswegen ein großes Krebsregister bekommen, mit
Ende des Jahres wird in der Pettenkoferstraße 8a eine eigene dem wir Qualitätskontrolle betreiben und auch rückblickende Analysen machen können“, erklärt Heinemann.
Geschäftsstelle des CCC München etabliert.
Was sind die Aufgaben des Krebszentrums? Im Vordergrund stehen koordinative und administrative Aufgaben der
Geschäftsstelle. Diese betreffen insbesondere die Beratungsangebote des CCC München, Fort- und Weiterbildung sowie Outreach-Aktivitäten. Die klinischen Aufgaben des CCC
München richten sich auf die Entwicklung gemeinsamer
SOPs (Standard Operating Procedures), die Gestaltung qualitätsgesicherter Tumorkonferenzen sowie die gemeinsame
8
KLINIKUMaktuell 04.2014
Vom größeren Patientenpool profitieren auch die gemeinsamen Biobanken der LMU und TUM, die aus Blut oder Gewebe Zellen und deren Bestandteile, z. B. Erbgut aus dem
Zellkern (DNA), Steuerungsmoleküle (RNA) oder Eiweißkörper, sammeln. „Je mehr Daten, je mehr unterschiedliche
Probenarten, und das von möglichst vielen Patienten mit der
gleichen Erkrankung, desto besser können wir vergleichen
und Rückschlüsse ziehen“, sagt Prof. Dr. Heinemann.
diagnose & therapie
Therapie
pitzenniveau
Generell wird für den Bereich der Forschung die Zusammenarbeit zwischen TU und LMU intensiviert und aufeinander abgestimmt, so dass nicht nur die Fachkompetenzen
der Wissenschaftler sondern auch die technische Ausstattung beider Universitäten noch besser eingesetzt werden
können. Die Probensammlung erfolgt dabei selbstverständlich ausschließlich im Rahmen von Projekten, die durch die
Ethikkommission genehmigt wurden und nach schriftlicher
Einverständniserklärung durch die Patienten.
Kontinuierlich weiterentwickelt wird auch die interdisziplinäre
Versorgung. Alle Patienten werden von einem Expertenteam
betreut, das alle wichtigen Fachgebiete der modernen Krebsmedizin wie Pathologie, Onkologie, Chirurgie, Radiologie und
Strahlentherapie miteinbezieht. „Die Therapie wird nicht von
einem einzelnen bestimmt, sondern ausschließlich interdisziplinär in der Tumorkonferenz“, sagt Prof. Dr. Heinemann.
Ein Thema des CCC München ist auch die Ausbildung der
Medizinstudenten sowie die Fort- und Weiterbildung aller
Berufsgruppen an beiden Universitäten und am Tumorzentrum. Noch bis Ende des Jahres finden einmal im Monat die
Fallarbeitsgruppen der Akademie für Psychoonkologie München (APOM) statt. In diesem Forum können Ärztinnen und
Ärzte sowie Psychotherapeuten ihre Belastungen anhand von
Krankheitsgeschichten der Patienten reflektieren und Bewältigungsmechanismen entwickeln. Die Lösungen werden in
kleinen Gruppen von maximal sechs Teilnehmern erarbeitet.
Ausgebaut werden sollen auch die Beratungsaktivitäten.
Neben den bereits vorhandenen Anlaufstellen können die
Patienten in Zukunft auch in zentraler Lage in der Pettenkoferstraße das Beratungsangebot des CCC München zu den
Themen Psychoonkologie, Komplementärmedizin, Ernährung und Sport bei Krebs wahrnehmen. „Zudem wollen wir
Krebspatienten die Möglichkeit geben, zu der für sie vorgeschlagenen Therapie eine zweite Meinung einzuholen“, betont Prof. Dr. Heinemann. Es wird auch eine Beratung für die
Teilnahme an Studien geben: Patienten des CCC München
nehmen bereits heute an ihnen teil, aber in Zukunft soll je
nach charakteristischen Eigenschaften des Tumors eines Patienten sofort computergestützt eine passende Studie gefunden werden.
„Das CCC München ist eine einmalige Chance, die Versorgung von Krebspatienten auf einem schon sehr hohen Niveau noch weiter zu verbessern“, sagt Heinemann.
KONTAKT
Prof. Dr. Volker Heinemann
)089/4400-78008
ccc.krebszentrum@med.uni*
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KLINIKUMaktuell 04.2014 9
diagnose & therapie
Kleine
Schnitte
Tumorchirurgie: Minimalinvasive Eingriffe
und Personalisierte Therapie
D
ie Klinik für Allgemeine, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß- und Thoraxchirurgie deckt das
gesamte operative Spektrum der chirurgischen
Disziplinen und Spezialdisziplinen ab – inklusive
Operationen an Speiseröhre, Magen, Darm, Leber, Gallenblase, Bauchspeicheldrüse, Lunge, Bronchial- und Gefäßsystem. Klinikchef Prof. Dr. Jens Werner: „Als eine der
größten chirurgischen Universitätskliniken zählen wir national und international zu den führenden Einrichtungen,
vor allem in der onkologischen Chirurgie, der Transplantationschirurgie und bei minimalinvasiven Verfahren.“
Zentren als tragende Aushängeschilder
Im Mittelpunkt stehen Krebsoperationen, sie machen über
50 Prozent der Eingriffe aus. Das Darmzentrum und das
Pankreaszentrum, von der Deutschen Krebsgesellschaft
zertifiziert (2009; 2013), gelten als tragende Säulen des
Comprehensive Cancer Centrum München (siehe Seite 8).
Ein weiteres Aushängeschild ist das Kompetenzzentrum
Hyperthermie, mit dem diese Form der Sarkomtherapie
in Deutschland etabliert wurde. Die Klinik ist am Campus
Großhadern und am Campus Innenstadt beheimatet.
Die minimal-invasive Chirurgie (MIC; „SchlüssellochTechnik“) rückt zunehmend in den Fokus, gerade auch bei
onkologischen Eingriffen. MIC ist für den Patienten besonders schonend, statt eines großen Schnitts in Bauch oder
Brustraum sind nur kleine Schnitte nötig, durch die der
Operateur die speziellen Instrumente einführt. Prof. Dr.
Wolfgang Thasler, leitender Oberarzt, Bereichsleiter Allgemein-, Minimalinvasive und Kolorektale Chirurgie: „MIC
ist ein wesentlicher Schlüsselfaktor für die Zukunft. Sie
bringt eine Reihe von Vorteilen für den alten Patienten –
das ist sehr wichtig angesichts der demographischen Entwicklung unserer Gesellschaft. So ist das Zugangstrauma
geringer als bei einer offenen Operation, die ein 30-jähriger Patient noch problemlos wegsteckt. Wir stellen die
Indikation nicht mehr nach dem Geburtsdatum, sondern
nach den Möglichkeiten, wir haben da klare Daten.“
10
KLINIKUMaktuell 04.2014
Generell gilt, dass Krebsoperationen auch bei fortgeschrittenem Lebensalter sinnvoll sind. Ein Mensch von 85 Jahren hat noch eine mittlere Lebenserwartung von sechs
Jahren. Gerade für diese Patienten bietet die Chirurgische
Klinik besonders schonende Operationsverfahren und eine
spezielle Risikoabklärung und Operationsvorbereitung an.
Klinikchef Prof. Werner: „Wir haben uns der personalisierten Medizin verschrieben. Die genetische Zusammensetzung des Tumors ist bei jedem Patienten verschieden. Wir
wollen den Tumor besser kennenlernen. Bildet er häufig
oder schnell Metastasen? Oder Lokalrezidive? So kommen
wir zu spezifischen, individuell abgestimmten Therapieoptionen, die vor oder nach der Chirurgie durchgeführt werden. Diese komplexen mulitmodalen Behandlungskonzepte werden immer interdisziplinär besprochen.“
Die Klinik erhält umfangreiche Fördermittel aus dem
Spitzenclusterprojekt „m4 – Personalisierte Medizin und
zielgerichtete Therapien“ des Bundesforschungsministeriums. Personalisierte Medizin berücksichtigt die individuellen Muster der Patienten und des Tumors: Die
Biomarker-Diagnostik teilt die Patienten in Gruppen mit
ähnlichen Eigenschaften ein – und liefert Hinweise für die
individuell beste Behandlung. Biomarker sind biologische
Merkmale, die über einen Menschen und seinen Körper
Informationen liefern.
KONTAKT
Prof. Dr. Jens Werner
089/4400-72791
)
jens.werner@med.uni*
muenchen.de
Prof. Dr. Wolfgang Thasler
) 089/4400-76561
wolfgang.thasler@med.uni*
muenchen.de
diagnose & therapie
Hautkrebs
lässt sich vermeiden!
Erstmals gibt es eine Ärztliche
Leitlinie zur Hautkrebsprävention
H
autkrebs gehört zu den häufigsten Tumorarten
überhaupt, doch wie kaum eine andere Krebsart lässt er sich durch Vorbeugung vermeiden.
Nun ist erstmals eine Leitlinie zur Prävention von
Hautkrebs erschienen. „Leitlinien sind systematisch entwickelte Entscheidungshilfen für Ärzte und ihre Patienten zur
angemessenen Vorgehensweise bei speziellen Erkrankungen“, erklärt Prof. Dr. Carola Berking, Leiterin der Onkologie
an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Klinikum der LMU. Berking ist auch im Vorstand der
Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie und hat die
Leitlinie mit erarbeitet. Die Leitlinie Hautkrebsprävention ist
eine sogenannte S3-Leitlinie, die den höchsten, international einheitlich definierten Ansprüchen entspricht. Und sie
ist dringend erforderlich, denn in Deutschland erkranken
jährlich rund 234.000 Menschen an Hautkrebs, davon etwa
28.000 am malignen Melanom, dem bösartigen schwarzen
Hautkrebs, der Rest an weißem Hautkrebs, bei dem unterschieden wird zwischen dem häufigeren Basalzellkarzinom
(kurz Basaliom) und dem Plattenepithelkarzinom (auch spinozelluläres Karzinom oder Spinaliom).
Neuer Wirkstoff aus Garten-Wolfsmilch
Aktinische Keratosen sind Frühformen des weißen Hautkrebses, in etwa zehn Prozent der Fälle entwickelt sich daraus
ein Plattenepithelkarzinom. Aktinische Keratosen haben
in Deutschland vorsichtig geschätzt sechs Millionen Menschen, bei den über 70-Jährigen ist jeder Zweite betroffen.
„Jede aktinische Keratose sollte grundsätzlich hautärztlich
behandelt werden. Es gibt eine Vielzahl von anerkannten Behandlungsverfahren, die je nach Lokalisation, Größe
und Anzahl der Herde auch kombiniert zum Einsatz
kommen können“, sagt Prof. Dr. Berking. Einzelne
Läsionen können mechanisch oder mit Lasertechnik abgetragen oder mit flüssigem Stickstoff vereist werden (Kryotherapie oder Kältebehandlung).
Bei mehreren und flächig verstreuten Herden steht die äußerliche Behandlung mit
Gelen und Cremes im Vordergrund. „Wir
Sonnencreme schützt
vor UV-Strahlen
benutzen als Wirkstoff unter anderem Diclofenac, das
man auch aus der orthopädischen Schmerzbehandlung
kennt. Oder auch den Immunmodulator Imiquimod, der
das körpereigene Immunsystem stimuliert. Es kommt zu
einer Entzündung der aktinischen Keratose, nicht aber
der gesunden Haut. Der Patient trägt die Creme selbst
über mehrere Wochen auf die Haut auf“, so Prof. Dr.
Berking. Relativ neu ist ein Gel mit dem aus der Garten-
Weißer Hautkrebs entsteht immer an Körperstellen, die viel
Sonne abbekommen, wie z. B. das Dekolleté
Wolfsmilch gewonnenen Wirkstoff Ingenolmebutat. „Das
ist eine Turbotherapie, behandelt wird nur zwei bis drei
Tage, während es zum Beispiel bei Diclofenac-Gel bis zu
drei Monate sind“, erläutert Prof. Dr. Berking. Nach wie
vor erfolgreich eingesetzt wird auch die sogenannte photodynamische Therapie (PDT), bei der die Hautstellen
mit aktinischer Keratose zunächst mit einer Creme vorbehandelt werden, die die Haut lichtempfindlich macht.
Einige Stunden später wird die Haut dann mit rotem Kaltlicht bestrahlt, wodurch gezielt Tumorzellen in der Oberund Lederhaut zerstört werden. „Aber am besten ist, man
sorgt vor, so dass auch Vorstufen von Hautkrebs gar nicht
erst entstehen“, sagt Prof. Dr. Berking. Die beste Prophylaxe, die auch in den neuen Leitlinien steht: Niemals ins
Solarium, kein Sonnenbad und bei einem Aufenthalt im
Freien (z. B. beim Bergwandern) mit Textilien und Sonnencreme vor den UV-Strahlen der Sonne schützen!
KONTAKT
Prof. Dr. Carola Berking
)089/4400-56325
(Onkologische Ambulanz Hautklinik)
carola.berking@med.uni-muenchen.de
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KLINIKUMaktuell 04.2014 11
diagnose & therapie
Lifting ohne
Skalpell
Wie minimal-invasive Eingriffe
Frauen und Männer deutlich jünger
aussehen lassen
N
iemand freut sich über Falten, denn noch nicht
einmal an sich sympathische Lachfältchen lassen
Menschen jünger aussehen. In Hollywood gibt es
kaum eine Schauspielerin über 40, die nicht geliftet ist, doch im normalen Leben scheuen Frauen eine große,
teure Operation mit ungewissem Ausgang, nur um optisch
ein paar Jahre wegzumogeln. Doch so ein großer Eingriff
muss auch gar nicht sein, schließlich gibt es eine Reihe von
Verfahren, die Falten glätten und trotzdem nur minimal-invasiv sind. KLINIKUM aktuell sprach mit PD Dr. Gerd Gauglitz,
verantwortlich für Ästhetische Dermatologie an der Klinik für
Allergologie und Dermatologie am Campus Innenstadt.
©lumenis
Die Ästhetische Dermatologie bietet eine Reihe von Verfahren an, eines der gefragtesten ist die Faltenunterspritzung
mit Hyaluronsäure. „Die kommt auch natürlicherweise in unserer Haut vor, bindet Feuchtigkeit und
verleiht Spannkraft. Mit zunehmendem Alter bildet
der Körper aber weniger, Falten entstehen“, erklärt PD
Dr. Gerd Gauglitz. Hyaluronsäure ist geeignet für die
Behandlung von Nasolabial- und Marionettenfalten, von
oberflächlichen Rillen rund um den Mund sowie zur
Wangenauffüllung. „Je nach verwendeter Hyaluronsäure-Konzentration hält der Fülleffekt ca. 6-15 Monate
an, danach muss die Behandlung wiederholt werden.“
Eine einzelne Injektion kostet ab 300 Euro, ein kompletter Volumenaufbau der Gesichts ungefähr 1.000
Euro – je nach benötigtem Material. Und wie
sieht es mit Nebenwirkungen aus? „Wie nach
jeder Injektion können auch hier im behandelten
Areal Rötungen, Schwellungen, Spannungsgefühl,
blaue Flecken oder leichte Schmerzen auftreten.
Diese Erscheinungen vergehen aber nach einigen
Tagen“, so Gauglitz. „Die Langzeitverträglichkeit
von Hyaluronsäure ist aber durch Studien mit tausenden von Patienten gut belegt.“
Mit dem fraktionierten CO2-Laser kann
man die Kollagenproduktion ankurbeln
12
KLINIKUMaktuell 04.2014
Nicht für alle Falten ist Hyaluronsäure geeignet, besonders
bei Mimikfalten injizieren Gauglitz und Kollegen lieber Botox. Die Substanz, die ursprünglich zur Behandlung einer
bestimmten Art des Schielens auf den Markt kam, reduziert
die Aktivität von Muskeln, die zu Falten führen. Das Gewebe
entspannt sich, und die Falten verschwinden. Die Wirkung
setzt allerdings nicht sofort ein, sondern es dauert zwei bis
drei Tage, bis man etwas bemerkt.
Botox lässt Falten verschwinden
Botox ist besonders geeignet für Denkerfalten auf der
Stirn, die Zornesfalte zwischen den Augenbrauen, Lachund Blinzellinien um die Augen und tiefere Rillen an der
Oberlippe. „Das eigentliche Spritzen dauert nur ein paar
Minuten. Dabei wird mit mehreren Piksern Botox in den
Muskel injiziert. Direkt nach der Behandlung sieht man
nur feine Einstiche, die schnell verschwinden“, erläutert
Dr. Gauglitz. Die Nebenwirkungen von Botox: „Injiziert
man in den falschen Muskel oder ist die Dosis zu hoch,
kann es passieren, dass zum Beispiel ein Augenlid hängt.
Aber das kommt bei einem erfahrenen Dermatologen sehr,
sehr selten vor“, sagt Gauglitz. Je nach Veranlagung hält
diagnose & therapie
der Effekt zwischen drei und sechs Monaten. Die Behandlung der Stirn und Zornesfalte kostet 250 bis 300 Euro, des
kompletten Gesichtes etwa 400 Euro.
Laser straffen die Haut
Noch keine Operation, aber invasiver als eine Injektion ist die
Behandlung mit einem Laser. Je nach verwendetem Modell
wird entweder ein Teil der Haut abgetragen, um nach der
Wundheilung neue, prallere Haut zu bekommen. Oder aber
es wird Tiefenwärme erzeugt, die die Kollagenbildung ankurbelt und so ebenfalls straffere Haut produziert. An der Klinik
im Einsatz sind Erbium-YAG- und CO2-Laser sowie sogenannte fraktionierte Laser. „Bei der fraktionierten Laserbehandlung dringen die Strahlen bis in die Lederhaut ein, um dort
tausende von winzigen, mikroskopischen, vertikalen LichtSäulen zu bilden, die thermische Änderungen verursachen.
Diese kleinen Gewebsschädigungen stimulieren die Bildung
von neuen Kollagenfasern und die behandelten, geschädigten Zellen werden abgestoßen“, sagt Dr. Gauglitz. „Im Vergleich zu konventionellen Lasern ist die Heilung schneller,
Nebenwirkungen wie unerwünschte Narbenbildung deutlich seltener.“ Um ein optimales Ergebnis zu erzielen, sind
je nach Indikation eventuell zwei oder sogar drei Sitzungen
im Abstand von ungefähr drei bis sechs Monaten notwendig. Der Abheilungsprozess dauert ca. zehn Tage, Reströtungen klingen in der Regel innerhalb von sieben bis 14
Tagen ab. Eine Behandlung des kompletten Gesichts kostet
ca. 1.200 Euro, die Effekte halten dann aber auch um die drei
Jahre an. Dr. Gauglitz macht aber bei allen Patienten vor dem
eigentlichen Eingriff eine Probelaserung an einer unauffälligen Stelle: „Nicht alle Menschen vertragen eine Laserbehandlung, einige reagieren darauf mit unschönen Pigmentflecken, sie sind dann für die Behandlung nicht geeignet.“
Wenn das Gesicht mit zunehmendem Alter nicht nur Falten bekommt, sondern auch an Kontur verliert, ist das
sogenannte Fadenlifting mit einem abbaubaren Faden
aus Polymilchsäure eine gute Lösung. Die Polymilchsäure ist ein Polymer (Aneinanderkettung vieler kleiner
einzelner Moleküle) der Milchsäure, die auch natürlicherweise im menschlichen Organismus vorkommt. In
der Chirurgie kennt man Milchsäure schon seit gut 20
Jahren, beispielsweise als Material für selbstauflösende Nahtfäden oder in Knochenplatten und -schrauben.
In der ästhetischen Dermatologie wird der Faden mit
einer feinen Nadel zum Beispiel an der Kinnlinie unter
die Haut im Fettgewebe appliziert und führt dort zu einer
Stimulation der Kollagenproduktion und damit zu einer
Straffung der Haut. Bis zu drei Tage nach dem Eingriff ist
das Gesicht geschwollen, etwa nach einer Woche ist man
wieder gesellschaftsfähig. 1.200 bis 1.500 Euro kostet die
Behandlung, erste Ergebnisse sind bereits direkt nach
der Behandlung sichtbar und verbessern sich im Laufe
der nächsten Wochen.
„Ganz egal für welche Therapie man sich entscheidet:
Am Anfang jeder Behandlung steht ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten, in dem seine Vorstellungen
besprochen und das Machbare diskutiert wird“, betont
Dr. Gauglitz.
KONTAKT
PD Dr. Gerd Gauglitz, MMS
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gerd.gauglitz@med.uni*
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KLINIKUMaktuell 04.2014 13
diagnose & therapie
Beim Aufsetzen der Atemmaske: Die Anästhesisten
Dr. Kristin Westphalen und Oberarzt PD Dr. Philip Lang
Angst vor der
Narkose?
Die Anästhesie hat in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht.
Was Patienten über Risiken und Komplikationen wissen sollten
V
iele Menschen haben mehr Angst vor der Narkose als vor dem Eingriff. Da geht es um das Gefühl
des Ausgeliefertseins, außerdem um die Sorge,
ob man wieder aufwachen wird. Tiefer Schlaf,
sanftes Erwachen – das ist das Ideal. KLINIKUM aktuell
sprach mit Prof. Dr. Bernhard Zwißler, Chefarzt der Klinik für Anaesthesiologie am Klinikum, eine der größten
ihrer Art in Europa. Das neue Operationszentrum OPZ ist
im September in Betrieb gegangen, mit 32 OP-Sälen und
einem Ambulanten OP-Zentrum mit vier Sälen.
Wie sicher sind Narkosen?
Narkosen sind sicherer denn je, weil wir seit einigen
Jahren über Medikamente verfügen, die uns erlauben,
Narkosen sehr präzise zu steuern. Wir können Einschlafen und Aufwachen zeitlich exakt an den Verlauf der OP
anpassen. Diese Medikamente sind sehr nebenwirkungs-
14
KLINIKUMaktuell 04.2014
Die Zahlen des Jahres 2013
Insgesamt 46.353 Anästhesieleistungen
Anzahl der Anästhesien
länger als 2 h = 19.493
Anzahl der Operationen
mit reiner Operationszeit > 2 h = 8.180
arm. Auch das Monitoring, also das Überwachen der
Vitalfunktionen wie Atmung, Puls, Kreislauf und Körpertemperatur, ist genauer als früher. Aber: Ein Restrisiko
für Komplikationen bleibt, vor allem bei kranken Patienten mit großen Operationen.
diagnose & therapie
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Was heißt das?
Man muss unterscheiden zwischen einem jungen, gesunden Patienten und dem nicht unbedingt alten, aber stark
vorerkrankten Patienten. Im zweiten Fall kann die Narkose
auch bei korrekter Durchführung zu Komplikationen führen. Denn Patienten mit einer schweren Herzerkrankung
können schon durch kleine Blutdruckschwankungen, die
bei einem gesunden Patienten keine Rolle spielen, gefährdet sein. Das Risiko ist deutlich höher bei Vorerkrankungen von Herz und Kreislauf, der Lunge (z. B. lebenslang
Raucher), aber auch des Stoffwechsels (z. B. Diabetes).
Wenn ein Patient mit 85 eine neue Hüfte benötigt und ansonsten gesund ist, kann man das ohne Probleme machen.
Wie steht es generell mit Risiken?
Anästhesie-spezifische Risiken sind überschaubar. Wir kennen sie normalerweise, der Patient wird umfassend befragt.
Zu einem tödlichen Zwischenfall allein durch die Anästhesie
kommt es selten, bei einem von ca. 100.000 bis 150.000 Patienten – das hat fast
immer mit Problemen
durch die Beatmung
zu tun. Wir operieren viele Menschen,
die noch vor 20 Jahren keinesfalls operiert worden wären.
Leichtes Übergewicht
ist unproblematisch.
Schwieriger wird es
bei krankhafter Fettsucht. Raucher sollten wenn möglich vor
einer Anästhesie auf
Nikotin verzichten, je
länger, desto besser.
Die bekannte Übelkeit
nach der OP lässt sich
Venenzugang am Handgelenk (ganz
oben), rückenmarksnahe Periduralanästrotz großer Bemüthesie (PDA, oben)
hungen nicht bei allen
Patienten sicher vermeiden. Und durch die Intubation kann
es zu Zahnschäden kommen. Manche Narkosemittel können
Allergien auslösen. Wer etwa allergisch auf Soja reagiert, soll
dies dem Anästhesisten unbedingt vor der OP sagen.
Und mit Komplikationen?
Mit Know-how und hervorragender Intensivmedizin lassen
sich selbst schwere medizinische Komplikationen üblicherweise gut beherrschen. Gefährlich wird es dann, wenn Komplikationen zu spät erkannt werden. Fälle von Patienten, die
nach Operationen nicht oder schlecht überwacht wurden
und einen Atemstillstand erlitten, gehen leider immer wieder durch die Medien. In unserem neuen OPZ werden die
Patienten in zwei Aufwachräumen mit insgesamt 52 Betten
ausschließlich von ausgebildeten Pflegekräften betreut, ein
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KLINIKUMaktuell 04.2014 1510.09.14
15:45
diagnose & therapie
Anästhesist ist vor Ort oder in Bereitschaft. Stolz sind wir
auf ein neues Sicherungssystem: Selbst für den Transport
vom OP in die Aufwachstation wird der Patient von seinem
mobilen Überwachungsmonitor begleitet.
Kann man während der OP wirklich aufwachen?
Wachheitsphänomene sind selten. Patienten berichten
über Stimmen und Geräusche – Schmerzen und „wie
gelähmt sein“ sind Raritäten. Es kann eine Panne dahinterstecken, weil ein Narkoseschlauch nicht richtig angeschlossen war und die Überwachungstechnik versagt hat.
In den Aufwachräumen werden die Patienten nach der OP von
ausgebildeten Pflegekräften betreut
Was ist was?
Es gibt die Allgemeinanästhesie (früher: Narkose)
und die Regionalanästhesie. Anästhesie (= ohne Empfindung) bedeutet, dass der Patient den Eingriff nicht
spürt. Mit Medikamenten werden Schmerzempfindung
und Bewusstsein ausgeschaltet, zudem werden Medikamente zur Muskelerschlaffung eingesetzt. Daher muss
der Patient künstlich beatmet werden, entweder über
eine Gesichtsmaske, eine Kehlkopfmaske (= Larynxmaske) oder über einen Beatmungsschlauch (= Tubus)
in der Luftröhre.
Regionalanästhesie: Durch die Blockade von Nervenbahnen werden die Empfindungen in einer bestimmten
Region (z. B. Beine, Unterleib, ein Arm) vorübergehend
unterbrochen. Periduralanästhesie (PDA): eine Form
der Regionalanästhesie (wie auch Spinalanästhesie).
Bei bestimmten Eingriffen kann die PDA mit einer Allgemeinanästhesie kombiniert werden.
Lokalanästhesie oder örtliche Betäubung: umfasst
den (kleinen) Bereich eines Körperteils, an dem ein
begrenzter operativer Eingriff stattfinden soll, etwa an
einem Finger.
Prämedikationsgespräch: Der Anästhesist erfragt umfassend die möglichen Risiken, beispielsweise bestehende Erkrankungen. Er klärt den Patienten über das
geplante Vorgehen auf und holt dafür die Einwilligung
ein. Extrem wichtig: Der Patient muss über alles Relevante informieren.
16
KLINIKUMaktuell 04.2014
Andere Gründe: Der Arzt bleibt bei der Dosierung der Mittel gezielt an der unteren Grenze, weil ein Unfallpatient
einen sehr niedrigen Blutdruck hat, der durch eine starke
Narkose weiter gesenkt würde. Oder: niedrige Dosierung
beim Kaiserschnitt, weil das Mittel über die Nabelschnur
zum Kind übertritt, das dann Atemprobleme bekommt. Wir
messen die Narkosetiefe häufig über Hirnströme, absolut
zuverlässig ist das leider nicht. Menschen sind verschieden, schon durch einen Schmerzreiz kann der Wachheitsgrad ansteigen. Wenn auf muskelentspannende Mittel verzichtet wird, sieht man, falls der Patient sich bewegt.
Premiere: Am 1. September fand die erste Operation im neuen OPZ
statt – eine laparoskopische Gallenblasenentfernung unter der Leitung
von Prof. Jens Werner, Direktor der Klinik für Allgemeine, Viszeral-,
Transplantations-, Gefäß- und Thoraxchirurgie
Ältere Patienten sind hinterher oftmals verwirrt …
Wir sprechen von einer postoperativen kognitiven Dysfunktion, also Störungen von Gedächtnis, Orientierung und Konzentration bis hin zum Delir. Das kann Tage oder Monate
anhalten. Häufiger betroffen sind alte Patienten mit längeren
Operationen. Ob die Narkose dazu beiträgt, ist nicht geklärt.
Wahrscheinlich wirken viele Auslöser zusammen, das Trauma der OP, die Medikamente, aber auch, dass gerade die
alten Menschen aus ihrem gewohnten Umfeld, ihrer vertrauten Routine gerissen werden und dabei die Orientierung verlieren. Wichtig: Man muss das Problem erkennen und versuchen, u. a. mit Medikamenten rechtzeitig gegenzusteuern.
Macht Narkose Kinder dumm?
Diese Diskussion verunsichert Eltern immer wieder. In
Tierexperimenten haben sich kognitive Beeinträchtigungen gezeigt, beim Menschen gibt es keine harten Belege dafür. Generell wird empfohlen, Kinder unter einem
Jahr nur zu operieren, wenn es unbedingt erforderlich ist.
Eingriffe, die später gemacht werden können, sollten verschoben werden, bis Kinder mindestens zwei sind.
KONTAKT
Prof. Dr. Bernhard Zwißler
)089/4400-74551
bernhard.zwissler@med.uni*
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diagnose & therapie
Gesunde Zähne
für kleine Patienten
Das leisten die Experten im Behandlungsbereich für Kinderzahnheilkunde
K
leine Patienten haben besondere Bedürfnisse,
trotzdem gibt es nur sehr wenige Uni-Kliniken in
Deutschland, die eine eigene Abteilung für Kinderzahnheilkunde vorweisen können. An den meisten
Häusern werden Kinder mit Zahnerkrankungen ohne Spezialisierung gemeinsam mit den erwachsenen Patienten versorgt. Anders am Klinikum der Universität München. Hier
gibt es einen eigenen Behandlungsbereich für Kinderzahnheilkunde, der an der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie angesiedelt ist. Hier kümmern sich fünf spezialisierte Kinderzahnärztinnen bzw. -ärzte ausschließlich um die
kleinen Patienten. Pro Jahr werden etwa 1.000 Jungen und
Mädchen behandelt.
„Zu uns kommen viele Kinder, die nicht nur ein Zahnproblem, sondern häufig auch eine angeborene oder erworbene
Behinderung, ein Down-Syndrom, einen Herzfehler oder
eine Blutgerinnungsstörung haben“, sagt PD Dr. Jan Kühnisch. „Anders als Kollegen in einer niedergelassenen Praxis verfügen wir über das Netzwerk einer Universitätsklinik
und arbeiten interdisziplinär mit anderen Kliniken und Abteilungen zusammen. Bei einer vorhandenen Blutgerinnungs-
PD Dr. Jan Kühnisch bei der Behandlung eines kleinen Patienten
störung ziehen wir beispielsweise die Kollegen von der
Blutgerinnungsambulanz im Haunerschen Kinderspital zu
Rate, umgekehrt werden wir von den Kinderärzten der Hämatoonkologie auch oft um die Einschätzung und Sanierung
der Zähne vor einer Chemotherapie oder Knochenmarktransplantation gebeten.“
Am häufigsten konfrontiert sind Kühnisch und seine
Kollegen mit der frühkindlichen Karies. Bundesweit
haben bereits bis zu etwa 15 Prozent der Kinder unter drei Jahren Karies. Bei der frühkindlichen Karies werden drei Typen (mild-moderat,
moderat-schwer, schwer) unterschieden, welche sich am Kariesbefallsmuster orientieren.
„Grundsätzlich handelt es sich bei der frühkindlichen Karies um eine schwerwiegende Gesundheitsstörung. Die Folge sind Schmerzen, Abszesse und Fieberzustände infolge stark zerstörter
Zähne. Leider führen diese weit fortgeschrittenen
Entzündungszustände dann erst zur Vorstellung des
Kindes durch die Eltern“, sagt Kühnisch. Dabei ließe
sich die Erkrankung in jedem Fall vermeiden – durch

Regelmäßige Mundhygiene
sollten Kinder früh lernen
KLINIKUMaktuell 04.2014 17
diagnose & therapie
eine zahngesunde Ernährung und regelmäßige Mundhygiene. So ist die dauerhafte Aufnahme zuckerhaltiger Getränke aus verschüttsicheren Nuckel- oder Trinkflaschen oft mit
Schuld an löcherigen Milchzähnen. „Neben der Behandlung
der Kinderzähne steht deswegen vor allem die Vorbeugung
und damit Ursachenaufklärung im Vordergrund unserer Arbeit“, so Kühnisch.
Medikamente als Ursache von Zahnproblemen
Ein weiteres, häufiges kinderzahnärztliches Problem sind
Strukturstörungen der Zähne. „Das sind in der Kindheit
erworbene oder angeborene Fehlbildungen der Zähne“,
erklärt PD Dr. Kühnisch. Die häufigste erworbene Strukturstörung ist die Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation.
Bei dieser Störung sind die Backenzähne (Molaren) und
die Schneidezähne (Inzisiven) von einer Schädigung der
zahnbildenden Zellen und einem Mineralmangel (Hypomineralisation) betroffen. Definitionsabhängig leiden
bis zu 20 Prozent der Jugendlichen in den Industrienationen daran. Damit ist klar, dass die Molaren-InzisivenHypomineralisation ein weit verbreitetes Thema ist und
vorbeugende Ansätze dringend benötigt werden. Da die
Ursache dafür bis heute weitgehend unbekannt ist, forschten Kühnisch und Kollegen in einem von der Deutschen
Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierten Projekt danach. Die dafür notwendige, hohe Zahl an Patientendaten
konnte das Team in Zusammenarbeit mit dem Institut für
Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum Neuherberg bzw.
dem Studienzentrum am Schwabinger Kinderkrankenhaus aus den zwei Münchner Geburtskohorten (GINIplusund LISAplus-Studie) gewinnen.
Mit den von Geburt an erfassten medizinischen Informationen und dem Zahnstatus der untersuchten Kinder war es
möglich, Rückschlüsse über mögliche Ursachen zu ziehen.
Eine Rolle bei der Entstehung scheinen Atemwegserkrankungen in den ersten vier Lebensjahren zu spielen. „Wobei
wir im Moment davon ausgehen, dass es vielleicht weniger
die Erkrankungen selbst, sondern die zur Behandlung erforderliche Medikation ist, welche zur Strukturstörung führt“,
so PD Dr. Kühnisch. Diesbezüglich werden weitere Detailauswertungen folgen, zumal die 15-Jahres-Untersuchungen
im Frühsommer dieses Jahres abgeschlossen wurden und
die Auswertungen nun anstehen.
KONTAKT
PD Dr. Jan Kühnisch
)089/4400-59343
jkuen@dent.med.uni-muenchen.de
*
18
KLINIKUMaktuell 04.2014
Der Mann
Prof. Dr. Ralf Sodian implantierte
einem Patienten zum ersten Mal
in Bayern ein Kunstherz minimalinvasiv
E
s gibt in Deutschland viel zu wenig Spenderherzen, umso mehr gewinnen Herzunterstützungssysteme an Bedeutung. Ein Kunstherz hilft, das
Blut durch den Körper zu pumpen, wenn das
eigene Herz zu schwach ist, allein eine ausreichende
Pumpleistung zu erbringen. Lange Zeit war die Implantation eines Kunstherzens eine große Operation, bei der das
Brustbein durchtrennt werden musste und die für schwer
kranke Patienten ein Risiko war. Prof. Dr. Ralf Sodian,
Leiter der Herzchirurgie am Augustinum und Leitender
Oberarzt der Herzchirurgischen Klinik am Klinikum der
Universität, implantierte jetzt zum ersten Mal in Bayern
ein Kunstherz minimalinvasiv. „Bei dem Eingriff bleibt
das Herz an Ort und Stelle“, erklärt Prof. Dr. Sodian. „Wir
Prof. Dr. Ralf Sodian mit Patient
Michael Schwarzenbeck
diagnose & therapie
So liegt das Kunstherz im Körper.
Ein Kabel führt durch die Bauchdecke
zu den Batterien
Copyright © 2014 HeartWare Inc.
nn ohne Puls
bringen dann das Kunstherz durch
einen kleinen Schnitt an der linken
Seite und einen circa fünf Zentimeter langen Schnitt über dem
Brustbein an die Herzspitze. Dort
pumpt es dann bis zu zehn Liter Blut
pro Minute von der linken Herzkammer
in die Aorta.“ Das Kunstherz wiegt etwa 300
Gramm und wird von einer Turbine angetrieben,
die sich etwa 4.000 Mal in der Minute dreht. Ein Kabel, das durch die Bauchdecke verlegt ist, verbindet das
Kunstherz mit der Steuerelektronik und den Batterien,
die der Patient außerhalb des Körpers in einem Gürtel
trägt. „Wir erhoffen uns natürlich ein Unterstützungssystem, das kabellos durch Induktion in Gang gehalten
wird“, sagt Sodian. „Aber das ist im Moment noch Zukunftsmusik.“
Sein Patient Michael Schwarzenbeck, 54, dessen eigenes
Herz vor dem Eingriff so schwach war, dass er nicht mehr
laufen konnte, ist auch mit Batterien überglücklich. „Hauptsache ist, ich habe meine Lebensqualität zurück“, sagt er.
Ursprünglich waren Kunstherzen nur zur Überbrückung
gedacht, bis für einen Patienten ein Spenderherz zur
Verfügung stand. Inzwischen haben sie sich auch als
Dauertherapie bewährt. „Es gibt viele, die schon
sehr lange mit einem Kunstherzen leben, zum
Teil fünf bis acht Jahre“, so Prof. Dr. Sodian. Der Herzchirurg ist von der neuen Methode jedenfalls angetan: „Die
minimal-invasive OP ist schonender,
Das Minies gibt weniger Komplikationen.“
Kunstherz wiegt
Michael Schwarzenbeck konnte
die Klinik nach drei Wochen verlassen – und verfügt jetzt
über ein medizinisches Kuriosum: Bei ihm ist kein Pulsschlag zu tasten, weil sein eigenes Herz nicht genügend
Wellen dafür erzeugt. Blut wird trotzdem durch seinen
Körper gepumpt – kontinuierlich von seinem Kunstherz.
KONTAKT
Prof. Dr. Ralf Sodian
)089/7097-1843
ralf.sodian@med.uni-muenchen.de
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KLINIKUMaktuell 04.2014 19
diagnose & therapie
Spezialstation
für alte Patienten
Das leistet die Akutgeriatrie in der Medizinischen Klinik IV
D
urch anhaltend niedrige Geburtenraten und die
weiter steigende Lebenserwartung verändert
sich unsere Gesellschaft: Seit 1990 ist die Zahl
der Menschen ab 65 Jahren um 42 Prozent angestiegen, während im gleichen Zeitraum die Gesamtbevölkerung nur um drei Prozent zunahm. Im Jahr 2030
wird jeder dritte Deutsche über 65 Jahre alt sein. Auf den
demografischen Wandel muss sich auch die Medizin einstellen: Am Klinikum der Universität, an dem schon heute
34 Prozent aller Patienten älter sind als 65 Jahre, wird es
an der Medizinischen Klinik IV ab Ende des Jahres eine
Station für Akutgeriatrie geben.
Das ist die erste Einrichtung dieser Art an einer bayerischen Universitätsklinik. „Im Klinikalltag haben wir festgestellt, dass ältere Menschen eine andere Versorgung
brauchen als Patienten im jüngeren Alter“, erklärt Prof. Dr.
Ralf Schmidmaier, Stellvertretender Direktor der Medizinischen Klinik IV. „Bisher ist es leider oft so, dass Männer
und Frauen über 70 Jahre, die wegen einer normalen Erkrankung wie zum Beispiel einer Lungenentzündung oder
einem Beinbruch zwei Wochen in der Klinik liegen müssen, anschließend nur noch schwer den Weg zurück in ein
selbstständiges Leben zu Hause schaffen.“ Deswegen hat
Prof. Dr. Schmidmaier ein Konzept für die Akutgeriatrie
erarbeitet, in dem ältere Patienten speziell betreut werden.
Über mindestens 14 Tage wird intensiv durch ein professionelles Team mit den Patienten gearbeitet: Mindestens 20
individuelle Therapieeinheiten aus den Bereichen Physiotherapie/Physikalische Therapie, Ergotherapie, Logopädie/fazioorale Therapie (Therapie von Gesicht und Mund)
sowie Psychologie/Neuropsychologie machen die Patienten wieder fit für das Leben zu Hause.
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auch nach dem Klinikaufenthalt.
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Ein interdisziplinäres Team aus Fachärzten für Geriatrie,
Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten, Sozialarbeitern sowie Neuropsychologen und vor allem speziell
geschulte Pflegekräfte kümmern sich um die Patienten.
Im Vordergrund steht dabei die so genannte aktivierendtherapeutische Pflege, bei der die Kranken dazu motiviert
werden, aufzustehen, sich anzuziehen und zu kämmen.
In einem Aufenthaltsraum gibt es Spiele, in einer Kaffeeküche können sich die Patienten mit Kaffee und Kuchen
versorgen. „Alle diese Maßnahmen führen dazu, dass die
älteren Patienten aktiv bleiben und nicht pflegebedürftig
werden“, erläutert Prof. Dr. Schmidmaier. „Das ist ein sehr
betreuungsintensives Konzept, das allerdings von den
Kassen mitgetragen und finanziert wird.“
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forschung & lehre
Ein besonderes
Jubiläum
10 Jahre Medizinisches Curriculum München (MeCuM)
D
ie neue Approbationsordnung für Ärzte erforderte im Jahr 2000 eine neue Studienordnung für
das Studium der Humanmedizin an der Medizinischen Fakultät der LMU. Das war die Geburtsstunde des Medizinischen Curriculums München (MeCuM), das es seit 2004 gibt. Inspiriert ist das Curriculum
nicht nur von den Vorschriften der Approbationsordnung,
sondern auch von der München-Harvard-Allianz (Munich
Harvard Alliance), die vor 15 Jahren von Prof. Klaus Peter, Prof. Reinhard Putz und anderen ins Leben gerufen
wurde. An Amerikas berühmtester medizinischer Fakultät
wurde schon lange vor MeCuM vollkommen anders und
praxisnäher unterrichtet. „Untersuchungen haben ergeben, dass nur 40 Prozent des Inhalts einer Vorlesung bei
den Zuhörern wirklich hängen bleiben, deswegen mussten wir bei der Ausbildung einfach umdenken“, sagt Prof.
Maximilian Reiser, der Dekan der Medizinischen Fakultät.
Im Mittelpunkt der Lehre steht seit MeCuM die Orientierung an Leitsymptomen, die Arbeit in kleinen Gruppen und
die Ausbildung zu psychosozial kompetenten Ärztinnen
und Ärzten, die in der Lage sind, sich mit den Herausforderungen wissenschaftlicher Entwicklungen und gesellschaftlichen Wandels auseinanderzusetzen. „Unser Ziel
sind empathische Ärzte, die beim Umgang mit Patienten
nicht nur fachliche, sondern auch soziale Kompetenz und
Empathie mitbringen“, so Prof. Maximilian Reiser. Wie
bringt man einem Patienten eine Diagnose verständlich,
ehrlich und schonend bei?
Wie geht man mit lebensbedrohlichen Erkrankungen um?
Die Medizinstudenten der LMU lernen das unter anderem mit Schauspielern, die im Bett liegen und Patienten
spielen. Per Videoanalyse können die künftigen Mediziner
dann sehen, wie sie ihr Auftreten am Krankenbett verbessern können.
Neu war auch, dass im Studium nicht nur die Lernenden,
sondern auch die Lehrenden bewertet wurden. Für viele
Professoren eine vollkommen neue Erfahrung, dass auch
sie noch einmal lernen mussten, wie man Wissen wirklich
vermittelt. „Teach the Teacher“ nennen das die Amerikaner. Neu war zudem ein Mentoring-Programm, das jedem
Studierenden nach dem Physikum Zugang zu einem Fakultätsmitglied als Mentor ermöglicht. Dabei wird einer
spontan entstandenen Mentoren-Beziehung immer der
Vorzug gegeben, Studierende und Mentoren dürfen sich
also primär gegenseitig selbst finden. Für alle, die sich
damit schwertun, gibt es eine Homepage, auf der Studierende sowie am Programm teilnehmende Mentoren ihre
Profile einstellen und sich auf diese Weise finden können.
„Mit der Einführung von MeCuM hat sich viel getan in
der Ausbildung. Ich denke, das war ein Meilenstein auf
dem Weg zu einem besseren Studium, wobei immer
neue, oft von den Studierenden initiierte Innovationen
eingeführt werden“, sagt Prof. Dr. Reiser. „Unsere Patienten treffen heute auf die wahrscheinlich am besten
ausgebildete Ärztegeneration, die wir je hatten.“
KONTAKT
Prof. Dr. Maximilian Reiser
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KLINIKUMaktuell 04.2014 21
forschung & lehre
Schlechte Prognose bei
Leukämie-Patienten mit
Trisomie 13
Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) untersucht erstmals Daten von 7.000 Patienten
E
in zusätzliches Chromosom 13 bei der Akuten
Myeloischen Leukämie (AML), einer bösartigen
Krebserkrankung des blutbildenden Systems im
Knochenmark, geht mit einem sehr ungünstigen
Krankheitsverlauf einher und zeigt in der Regel ein einzigartiges Mutationsprofil. Dies entdeckten Forscher einer
klinischen Kooperationsgruppe des Helmholtz Zentrums
München und des Klinikums der Universität. Bei der AML
ist seit langem bekannt, dass man anhand von bestimmten Chromosomenveränderungen der Leukämiezellen
den Verlauf der Erkrankung vorhersagen kann. Bei den
seltener vorkommenden Mutationen ist die prognostische
Ausschnitt eines Chromosomensatzes einer menschlichen
Leukämiezelle mit zusätzlichem Chromosom 13
Bedeutung bisher zumeist unklar. Dies galt zum Beispiel
auch für das Auftreten eines zusätzlichen Chromosoms 13
(Trisomie 13), was nur bei etwa einem Prozent der AMLPatienten beobachtet wird. Um derartige Veränderungen
erforschen zu können, sind deshalb sehr hohe Fallzahlen
notwendig. Die Zusammenarbeit der AML-Studiengruppen AMLCG und SAL im Rahmen des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung (DKTK) ermöglichte es, eine große Anzahl von Patienten auf ihre genetischen
Veränderungen hin zu untersuchen. Daran nahm auch die
Klinische Kooperationsgruppe (KKG) „Pathogenese der
Akuten Myeloischen Leukämie“ teil, eine gemeinsame
Einrichtung des Helmholtz Zentrums München und der
Medizinischen Klinik III am Klinikum der LMU München.
22
KLINIKUMaktuell 04.2014
Ziel der Forscher ist es, leukämieauslösende Mutationen
zu identifizieren und in Modellsystemen zu untersuchen,
ob und warum eine bestimmte Mutation eine Leukämie
verursachen kann. Diese Erkenntnisse sollen letztendlich
zu besseren Therapien für Leukämiepatienten führen.
Das Team um Dr. Tobias Herold, Dr. Philipp Greif, Prof. Dr.
Karsten Spiekermann und Prof. Dr. Wolfgang Hiddemann,
dem KKG-Leiter und Direktor der Medizinischen Klinik III
der LMU, konnte im Rahmen dieser Untersuchungen nun
erstmalig zeigen, dass die Trisomie 13 bei der AML mit
einer sehr schlechten Prognose verknüpft ist. „Dieses Ergebnis beruht auf klinischen und zytogenetischen Daten
von ca. 7.000 Studienpatienten“, betont Greif. „Wegen der
Seltenheit dieser Mutation konnten wir nur in rund 30 Fällen ein zusätzliches Chromosom 13 nachweisen.“ Die Zytogenetik, deren Ergebnisse ausgewertet wurden, ist das
Teilgebiet der Genetik, das die Chromosomen, als wesentliche Bestandteile des Erbguts im Zellkern, vorwiegend
mit dem Lichtmikroskop analysiert. Untersucht werden
Anzahl, Gestalt, Struktur und Funktion der Chromosomen.
Eine Besonderheit zeigte sich beim Mutationsprofil: Bei
nahezu allen AML-Patienten mit Trisomie 13 fanden die
Forscher zusätzliche Mutationen in den sogenannten Spliceosom-Genen. Die Splicing-Maschinerie sorgt in den Zellen für den korrekten Zusammenbau von verschiedenen
Genabschnitten. Ist sie gestört, kann dies zur Krebsentstehung beitragen. „Bei diesem Prozess könnten wir möglicherweise künftig ansetzen, um neue Behandlungen zu
entwickeln“, erklärt Dr. Herold.
KONTAKT
Dr. Philipp Greif
) 089/3187-1357
philipp.greif@med.uni-muenchen.de
*
Dr. Tobias Herold
089/4400-0
)
tobias.herold@med.uni-muenchen.de
*
forschung & lehre
Die Zukunft der
Hochschulmedizin
Ein Buch über Zustand und Perspektive von Klinikum und Fakultät
F
orschen heilen lehren“ heißt ein neues Buch, das
einen Überblick über die Arbeit des Klinikums
der Universität München und der Medizinischen
Fakultät gibt. Es ist im Buchhandel und an der
Hauptkasse in Großhadern für 25,99 Euro erhältlich. 60
Autoren, dazu die Herausgeber Udo Löhrs, Walter Neupert, Stephan Sattler und Gernot Sittner haben daran gearbeitet. Und allen voran Initiator und Co-Herausgeber
Prof. Dr. Klaus Peter. Der ehemalige Direktor der Klinik für
Anästhesiologie war auch lange Jahre Dekan und Ärztlicher Direktor. KLINIKUM aktuell sprach mit ihm.
Wie kam es zu diesem Buch?
Eigentlich wollte ich nach 31 Jahren Tätigkeit in der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität
Rückschau halten. Aber im Gespräch mit Freunden und
Kollegen hat sich dann aus dieser Idee ein ganz
anderes Projekt entwickelt: Die Medizinische Fakultät, die weltweite Anerkennung
genießt, soll durch ihre aktiven, leitenden
Persönlichkeiten selbst beschrieben werden.
Welchen Schwerpunkt setzten Sie?
Rückschau ist durchaus erlaubt, aber
der Schwerpunkt liegt auf zwei Aspekten: dem gegenwärtigen Stand der Forschung, der klinischen Medizin und der
studentischen Lehre und auf den PersProf. Dr. Klaus Peter
pektiven, die sich nach Meinung der Autoren
in den kommenden Jahren ergeben.
Wie sieht Ihrer Meinung nach die Zukunft der Hochschulmedizin aus?
Die Hochschulmedizin wird vom Fortschritt aller Disziplinen wie Physik,
Chemie, Biologie oder Biochemie profitieren. Wir werden eine noch engere Verzahnung der grundlagenorientierten, theoretischen Medizin
mit der klinischen Medizin haben. Der Trend zur Interdisziplinarität ist unverkennbar. Und wissenschaftliche
Fragestellungen werden heute nicht mehr lokal, sondern
in weltweiten Netzwerken untersucht und die jeweiligen
Einzelaufgaben in den Labors bzw. Kliniken der höchsten
Kompetenz bearbeitet. Der allgemeine wissenschaftliche
Fortschritt wird gewaltig sein, darüber dürfen wir aber
den Patienten als Menschen mit physischen und psychischen Bedürfnissen nicht aus den Augen verlieren.
Wie beurteilen Sie unser Gesundheitssystem?
Nirgendwo auf der Welt existiert das „perfekte Gesundheitssystem“, aber unter den „nicht-perfekten“ nimmt das deutsche einen der vordersten Ränge ein. Allerdings existiert
auch hierzulande der Konflikt zwischen den medizinischen
Notwendigkeiten und den ökonomischen Bedingungen.
Dies erfordert für die Zukunft klare Lösungsstrategien, die
den Stellenwert der Universitäten in der Forschung, Lehre
und Krankenversorgung sichern und weiter verbessern.
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KLINIKUMaktuell 04.2014 23
forschung & lehre
Heilung bei Hepatitis C
Neue wirksame Medikamente sind am
Klinikum bereits erprobt
D
as ist ein vielversprechender
werte feststellbar sind. Bei 20
Durchbruch in der Behandlung
Prozent der Infizierten schalder chronischen Leberentzüntet das Immunsystem die
dung durch das Hepatitis-CViren aus. Finden sich noch
Virus: Der Erreger lässt sich durch neue
ein halbes Jahr nach einer
Medikamente scheinbar vollständig aus
Infektion Viren im Blut, ist
dem Körper entfernen. Die Kombination
die Hepatitis C chronisch.
sogenannter Protease-Hemmer und antiviSchlimmste Folge: Leberfibraler Medikamente könnte über 90 Prozent
rose, Leberzirrhose, Leberzellder Erkrankten heilen. Sie ist am Klinikum
krebs, manchmal hilft nur eine OrEin Hepatitis-Cder LMU und am Leber Centrum des Klinikums,
gantransplantation.
Virus im Modell
Campus Großhadern, bereits erprobt. Die bisherige
Standardtherapie gegen Hepatitis C verspricht nur
Prof. Dr. Alexander Gerbes, Leiter des
eine Heilungschance von maximal 50 Prozent und bringt Leber Centrums (LCM): „Das neue Mittel Sofosbuvir
extrem belastende Nebenwirkungen mit sich.
kann das Virus an der Vermehrung hindern und kombiniert mit dem Antivirus-Medikament Ribavirin die Infek400 Millionen Menschen leben mit dem Virus Hepati- tion zum Stillstand bringen – innerhalb von etwa 24 Wotis Typ C, jährlich gibt es 1,45 Millionen Todesopfer. In chen und beinahe ohne Nebenwirkungen. Allerdings ist
Deutschland sind es geschätzte 800.000 Infizierte, 8.000 diese Behandlung extrem teuer und wird nur eingesetzt,
sterben. Die Infektion wird entweder im Mutterleib über- wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft wurden.
tragen oder durch den Kontakt mit kontaminiertem Blut: Erst die Kombination mehrerer dieser Präparate bringt
Wer vor den 1990er Jahren eine Bluttransfusion erhielt, den Erfolg, abhängig vom jeweiligen Genotyp des Hepawer Drogen gespritzt oder geschnupft hat, könnte He- titis-C-Virus. Damit können Heilungsraten von über 90
patitis C haben. Gefährdet ist auch, wer Tätowierungen Prozent in nur zwölf Wochen erzielt werden.“
oder Piercings unter hygienisch nicht einwandfreien Bedingungen durchführen lässt.
KONTAKT
Nur etwa 50 Prozent aller Infizierten wissen von der
Gefahr. Anfangs treten kaum Symptome wie verfärbter
Stuhl, Ikterus (Gelbsucht), Übelkeit, Müdigkeit, Konzentrationsprobleme oder Gliederschmerzen auf. Eindeutig
zuordnen lassen sie sich nur, wenn erhöhte Leberenzym-
Prof. Dr. Alexander L. Gerbes
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sekretariat.gerbes@med.uni*
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KLINIKUMaktuell 04.2014
20.08.14 16:33
perspektive klinikum
Das neue Hauner
nimmt Fahrt auf
Im Oktober wird in der Münchner Innenstadt bei der
Hauner-Woche für die künftige Kinderklinik getrommelt
S
eit über 160 Jahren leistet das Dr. von Haunersche
Kinderspital der LMU München einen unschätzbaren Beitrag zur medizinischen Versorgung von
Kindern und Jugendlichen aus aller Welt. Doch das
denkmalgeschützte Klinikgebäude in der Lindwurmstraße
entspricht nicht mehr den Anforderungen moderner Kindermedizin. Deshalb ist es Zeit für eine neue, zeitgemäße und
kindgerechte Universitätsklinik: Das neue Hauner. Mit noch
moderneren Ansprüchen, größeren Kapazitäten und innovativster Forschung soll am Campus Großhadern ein Zentrum
der Kindermedizin und Geburtshilfe entstehen – ein Leuchtturm der modernen Medizin. Nach aktueller Planung liegen
die geschätzten Baukosten für das ehrgeizige Großprojekt
bei 160 Millionen Euro. Die Politik übernimmt davon einen
Großteil. 20 Millionen Euro muss das Klinikum an Spenden
beisteuern. Dafür wurde die gemeinnützige Stiftung „Das
neue Hauner“ ins Leben gerufen. Inzwischen sind über drei
Millionen Euro zusammengekommen. Der nächste große
Schritt ist der Architekten-Wettbewerb, der in den nächsten
Wochen ausgeschrieben wird. Denn
2021 soll die neue Klinik bezogen werden.
Im Fokus steht die HaunerAktionswoche in München
vom 25. bis 31. Oktober. Dr.
Hermann Siedler, Leiter der
Stabsstelle Fundraising am Klinikum: „Wir wollen die Öffentlichkeit
mobilisieren, sensibilisieren, interessieren. Das geschieht durch umfassende Kooperation mit renommierten
Einzelhändlern, mit Kaufhäusern, den Innenstadtwirten und den Medien. Das neue
Hauner wird in der Innenstadt sehr präsent
Malen für kranke
Kinder: Münchner
Schulen sollen mitmachen
Informationen beim Spendertreffen: Klinikdirektor Prof.
Dr. Christoph Klein mit einem
Patienten, der an einer angeborenen seltenen Krankheit leidet
Das Hauner-Kind: Diesen Botschafter im Miniformat werden
Sie bei der Hauner-Woche auf
vielen Werbemitteln zu sehen
bekommen
sein: Luftballons, Aufsteller, Spendendosen, Infostände, Kinderschminken. Unser Motto: München spendet Hoffnung.“
Beispielhaft war die Unterstützung durch die Boutique des
Nobel-Schuhmachers Tod’s, die einen Wohltätigkeitsabend
veranstaltet hat.
Auch Kinder können mithelfen. Geplant ist ein Malwettbewerb unter der Schirmherrschaft des bayerischen Bildungsministers Dr. Ludwig Spaenle. Schülerinnen und Schüler der
Grund- und Mittelschulen in und um München sollen aufgerufen werden, das Kampagnen-Maskottchen des neuen Hauner zu gestalten. Fantasiewesen, Comicfigur, Glücksbringer,
Trostspender – der Siegerentwurf soll auf Anzeigen und Prospekten erscheinen und als Stofffigur produziert, verteilt und
verkauft werden.
Münc
Das Spendenkonto
Stiftung Das neue Hauner
hen
Hoff spendet
nung
Spen
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den
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it.
Stadtsparkasse München
IBAN: DE44 7015 0000 0000 8008 88
BIC: SSKMDEMM
KONTAKT
Dr. Hermann Siedler
)089/4400-58059
hermann.siedler@med.uni*
muenchen.de
www.das-neue-hauner.de
8
KLINIKUMaktuell 04.2014 25
perspektive klinikum
Fit im Kopf Bi
Blick in das Gehirn: Experten kontrollieren den Scan auf typische Veränderungen durch Schlaganfall und Demenz.
Bei neurodegenerativen Erkrankungen
wie einer Demenz gehen Nervenzellen
im Gehirn zugrunde
26
Fakten
Die Schlaganfall-Ambulanz
Schlaganfälle und Demenzen zählen weltweit zu den
zehn häufigsten Erkrankungen und zu den drängendsten gesundheitlichen Herausforderungen in alternden
Gesellschaften (WHO-Bericht 2002). Weltweit erleiden
jedes Jahr etwa 15 Millionen Menschen einen Schlaganfall. Davon sterben ca. fünf Millionen als direkte Folge des Schlaganfalls, weitere fünf Millionen bleiben
dauerhaft behindert. Die Anzahl dementer Patienten
wird Hochrechnungen zufolge von weltweit etwa 25
Millionen in 2005 auf mehr als 80 Millionen in 2040 ansteigen.
Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung (ISD)
Marchioninistr. 15, 81377 München
)089/4400-46046, 7089/4400-46040
ambulanz.isd@med.uni-muenchen.de
*
KLINIKUMaktuell 04.2014
Einweisung über Hausarzt/Facharzt. Anmeldung über
das Sekretariat: Montag bis Donnerstag 8:00-16:00 Uhr,
Freitag 8:00-14:00 Uhr
U6, Endhaltestelle Klinikum Großhadern. Haupteingang Klinikum, 1. OG/Besucherstraße, bei FG nach
rechts, dann Leitung zur Ambulanz des ISD folgen.
perspektive klinikum
s ins hohe Alter!
Am Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung sind Risikopatienten
in besten Händen. Gezielte Vorbeugung ist sehr wichtig
W
ir alle leben immer länger. Doch Altern ist
auch ein Risikofaktor für das Auftreten der
beiden großen Volkskrankheiten Schlaganfall und Demenz. Was viele Menschen nicht
wissen: Demenz (von Demens = ohne Geist) ist eine häufige,
aber wenig beachtete Komplikation bei Schlaganfall (medizinisch: Apoplex). Ein Schlaganfall verdoppelt das Risiko für
kognitive Beeinträchtigungen, wiederholte Schlaganfälle
steigern die Gefahr enorm.
Neun von zehn Demenzkranken leiden an der Alzheimer
Demenz oder an der vaskulären (gefäßbedingten) Demenz.
Letztere wird in der Regel durch viele kleine, zum Teil unbemerkte Schlaganfälle verursacht. Dabei wird durch Ablagerungen in den Blutgefäßen die Durchblutung bestimmter
Hirnbereiche (Mikro- und Makroangiopathien) unterbrochen, Gewebe wird zerstört, Nervenverbindungen werden
unterbrochen. Die betroffenen Gehirnabschnitte sind unter
anderem für die Kontrolle des Gedächtnisses, der Sprache
und der Lernfähigkeit verantwortlich. Bei vielen Betroffenen
treten Sprachprobleme, Lähmungen z. B. einer Körperhälfte,
Stimmungsschwankungen und epileptische Anfälle auf.
Das Risiko steigt mit bestimmten Krankheiten wie: Bluthochdruck, Vorhofflimmern, erhöhte Blutfette (Cholesterin), Zuckerkrankheit (Diabetes), Fettleibigkeit (Adipositas) sowie bei
Rauchen und Bewegungsmangel.
Prof. Dr. Martin Dichgans, Leiter des Instituts für Schlaganfall- und Demenzforschung (ISD) am Klinikum der Universität, Campus Großhadern: „Das Risiko, einen erstmaligen
Testen Sie Ihr Schlaganfall-Risiko!
Hohes Risiko
Vorsicht
Zwischen ISD und Neurologischer Klinik besteht eine
enge Zusammenarbeit, ebenso mit dem Deutschen Zentrum
für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE). Im Frühjahr
2015 wird das neue Centrum für Schlaganfall- und Demenzforschung (CSD) am Campus Großhadern eröffnet.
KONTAKT
Prof. Dr. Martin Dichgans
)089/4400-46019
martin.dichgans@med.uni*
muenchen.de
So hoch ist ihr Risiko
Kreuzen Sie Zutreffendes an. Vergleichen Sie dann die Gesamtpunkte mit
den Angaben rechts
Risikofaktor
oder erneuten Schlaganfall zu erleiden, lässt sich durch Prävention effektiv reduzieren. In unserer Schlaganfall-Präventionsambulanz erhalten Patienten und Risikopersonen eine
umfassende Diagnostik, Beratung und Behandlung. Neben
der Einschätzung des Schlaganfall- und allgemeinen Gefäßrisikos erfolgt eine gezielte Beratung zur effizienten Vorbeugung von kardiovaskulären Ereignissen auch bei komplexeren medizinischen Sachverhalten. Weitere Angebote
umfassen die soziale Beratung und die Vermittlung weiterführender Angebote bei bereits bestehenden Beeinträchtigungen. In der Ambulanz arbeiten Fachärzte für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Neuropsychologen,
Sozialarbeiter, Gedächtnistrainer sowie speziell geschultes
Pflegepersonal eng zusammen. Das ISD hat sich zum Ziel
gesetzt, die Forschung im Bereich von Schlaganfall- und
Demenzerkrankungen voranzutreiben und zur Entwicklung
neuer Behandlungsoptionen beizutragen.“
Geringes Risiko
Blutdruck
>140/90 oder
unbekannt
>120-139/90-89
<120/80
Vorhofflimmern
Unregelmäßiger
Herzschlag
Nicht bekannt
Regelmäßiger
Herzschlag
Rauchen
Raucher
Versuche aufzuhören
Nichtraucher
Cholesterin
>240 oder unbekannt
200-239
<200
Diabetes
Ja
Grenzwertig
Nein
Körperliche Bewegung
Wenig
Etwas Sport
Regelmäßiger Sport
Gewicht
Übergewicht
Leichtes Übergewicht
Normales Gewicht
Schlaganfälle
in der Familie
Ja
Nicht sicher
Nein
Gesamtpunkte
Hohes Risiko
Vorsicht
Geringes Risiko
Hohes Risiko >3: Informieren Sie sich umgehend über Schlaganfall-Prävention
Vorsicht 4-6: Ein guter Anfang! Versuchen Sie weiterhin Ihr Risiko zu senken
Geringes Risiko 6-8: Sie haben Ihr Risiko gut unter Kontrolle
Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, wie Sie Ihr Risiko
reduzieren können. Hier die Möglichkeiten:
1. Kontrollieren Sie Ihren Blutdruck zu Hause mit
einem Messgerät.
2. Lassen Sie beim Arzt feststellen, ob Sie Vorhofflimmern haben.
3. Wenn Sie Raucher sind: Stoppen Sie – es gibt
zahlreiche Kurse.
4. Lassen Sie beim Arzt feststellen, ob Ihr Cholesterinspiegel zu hoch ist.
5. Wenn Sie Diabetiker sind: Halten Sie sich
konsequent an die Vorgaben zur Kontrolle des
Blutzuckers.
6. Bewegen Sie sich regelmäßig (Faustregel:
3 X 30 Minuten pro Woche), treiben Sie Sport
7. Achten Sie auf salzarme Ernährung (nicht automatisch immer gleich nachsalzen).
Verlieren Sie keine Zeit!
112
sofort bei
Wählen Sie
Zeichen eines Schlaganfalls.
Typisch sind:
-Sehstörung
- Sprachstörung
- Lähmung
KLINIKUMaktuell 04.2014 27
perspektive klinikum
Die Aula der LMU: in der ersten Reihe (ab 6. von links) Gabriele von Gropper, der ehemalige Kultusminister Prof. Dr. Hans Maier,
Prof. Dr. Dr. h.c. Maximilian Reiser, Dekan der Medizinischen Fakultät, Bernd Huber, Präsident der LMU, Wissenschaftsminister
Dr. Ludwig Spaenle, Prof. Dr. Karl-Walter Jauch
Der Jahresempfang
40 Jahre Großhadern: Das LMUKlinikum feierte den international
erfolgreichen Medizincampus
E
ine besondere Premiere: Erstmals lud das Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität zu einem Jahresempfang. Der Anlass war bedeutend –
das Klinikum blickt heuer auf 40 Jahre Forschung,
Lehre und Patientenversorgung in Großhadern zurück.
Beim Festakt gemeinsam mit dem bayerischen Wissenschaftsminister Dr. Ludwig Spaenle feierte das Klinikum
den international erfolgreichen Medizincampus und läutete zugleich die Zukunft an den beiden Standorten Großhadern und Innenstadt ein. Dort werden jährlich knapp eine
halbe Million Patienten behandelt.
Über 750 Gäste waren in die Aula der Ludwig-MaximiliansUniversität geladen. Wissenschaftler, Kulturschaffende,
Politiker, Ärzte, Ehemalige, Studenten, ebenso Zeitzeugen
und Wegbegleiter aus den Anfängen auf der grünen Wiese
in Großhadern. So berichtete Gabriele von Gropper, die
erste Pflegedirektorin, dass sie seinerzeit im Bettenhaus
nachts in noch leeren Räumen das Licht brennen ließ,
damit nach außen ein besserer Eindruck entstand. Moderiert wurde der Abend von Dr. Christine Theiss, LMUMedizinerin und ehemalige Kickbox-Weltmeisterin.
28
KLINIKUMaktuell 04.2014
Prof. Dr. Karl-Walter Jauch und Moderatorin Dr. Christine Theiss
Zahlen & Fakten
Mit einem Gesamtumsatz von fast einer Milliarde
Euro entspricht das Klinikum einem großen mittelständischen Unternehmen. Und mit über 10.000 Mitarbeitern ist es in München ein größerer Arbeitgeber
als beispielsweise Siemens. Über 1.500 ausländische
Mitarbeiter stammen aus 94 Ländern, einschließlich
Nordkorea. Nur Australien ist ausgespart, dafür sind
dort Professoren aus München tätig. Prof. Jauch:
„Wir sind stolz auf unsere Internationalität.“ Stationäre Patienten kommen zu 57 Prozent aus Stadt und
Landkreis München.
perspektive klinikum
Den Festvortrag hielt Prof. Dr. Karl-Walter Jauch, der
Ärztliche Direktor des Klinikums. Er verhehlte nicht die
Problematik für die Spitzenmedizin, die nicht so wirklich in das System der Gesundheitsfinanzierung in unserem Lande passt. Prof. Jauch ging beispielhaft auf die
zunehmend älteren und mehrfach erkrankten Patienten
ein, für deren Versorgung am Klinikum eine akutgeriatrische Behandlungseinheit eingerichtet wird. Als weitere
zentrale Themenfelder nannte Prof. Jauch den Wettbewerb um die besten Mitarbeiter bei gleichzeitigem Personalmangel, strategische Investitions- und Bauplanung,
Forschungs- und Entwicklungskooperationen, Netzwerkstrukturen, um im internationalen Wettbewerb bestehen
zu können, strategische Partnerschaften. „Wir stehen vor
großen
Herausforderungen, für die wir gewappnet sind.“
universitären Patientenversorgung und Studentenausbildung der Hochschulmedizin am Klinikum der Universität
München.
Am Campus Großhadern soll bis 2021 das neue Hauner
entstehen. Nicht zuletzt erarbeitet derzeit eine Arbeitsgruppe ein Konzept, wie das Bettenhaus und die dazu
gehörende Infrastruktur in Großhadern den modernen
Anforderungen angepasst werden kann. Prof. Jauch:
„Wir stehen alle in der Verantwortung, die Zukunft zu
gestalten, Visionen Wirklichkeit werden zu lassen.“
Lesen Sie dazu in diesem Heft die Berichte über neue
Projekte auf den Seiten 20, 25, 30, 31.
Patientenbefragung:
Machen Sie mit!
Der Festakt stellte zugleich den Startpunkt
Pflege, Wartezeiten, medizinische Betreuung, Pafür
die
zukünftige
pierkram, Klinikessen und noch viel mehr: Wie wohl
Gestaltung der LMUfühlen sich unsere Patienten? Was könnte besser
Medizin dar. Sichtbar
funktionieren? Wo gibt es Defizite? Wo ist alles priProf. Dr. Erika von Mutius, Leibnizwird dies in erster Linie
ma? Fragen über Fragen: Das Klinikum will wissen,
Preisträgerin und Abteilungsleiterin
am Dr. von Haunerschen Kinderspital, durch eine Vielzahl von
wie zufrieden seine Patienten sind. Dafür wird
sprach über Erfolge und Herausforde- Bauprojekten. Am Camjetzt im Oktober die nächste große Befragungsrungen
aktion gestartet.
pus Innenstadt laufen
die Vorbereitungen für
Die Mitarbeiter der Pflege werden Sie auf unsere
den Neubau der PortalBefragung aufmerksam machen und die leicht verklinik – ein Zentrum für
ständlichen Fragebögen verteilen. Bitte nehmen Sie
Spitzenmedizin in den
sich einige Minuten Zeit für die schriftliche BeantBereichen
Innere
Mediwortung. Ihre Meinung und Ihre Erfahrung sind für
Anzeige im Klinikmagazin "aktuell" der LMU
uns sehr wertvoll. Denn nur mit offen geäußerten
zin, Chirurgie, Nothilfe
Ausgabe 4/2014 (ET: 8. Oktober)
Vorschlägen, mit konkreter Kritik (gerne auch Lob)
und
Geburtsmedizin
Druckunterlagenschluss: Anfangan
August!
lässt sich die Qualität der Abläufe und Strukturen
der Ecke Ziemssen-/
analysieren
(210 x 74Die
mm
+ 3 mm Anschnitt, 4-farbig
/ 1/4S. imDer
Innenteil
= 580und
€) kontinuierlich verbessern.
Nußbaumstraße.
Ausstellung „40 Jahre Großhadern“ zeigt medizinische Innovationen Neubau der PortalkliErgebnisse werden bis Februar 2015 erwartet.
der letzten Jahrzehnte am Medizinnik ist ein elementaSelbstverständlich werden die Antworten vollkomcampus. Sie ist bis Ende des Jahres
men anonym behandelt.
rer Baustein für Erhalt
in Großhadern in der Galerie der
Besucherstraße (1. Stock) zu sehen
und Neugestaltung der
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München: Klinikum Großhadern leistet einen Beitrag zur Energiewende
Foto: Klinikum der Universität München
R
SEW ® GmbH
•
47906 Kempen
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Lüftungs- und Klimaanlagen zählen seit je her zu den größten Energieverbrauchern
im Krankenhaus.
Das Klinikum der Universität München hat sich beim Neubau des OP-Zentrums
für den Einsatz der hocheffizienten GSWT®-Technologie entschieden und spart
dadurch nicht nur Energie, sondern auch hohe Anschlussleistungen für Wärme,
Kälte und Strom ein.
Die SEW®-Technologie zur hocheffizienten Wärme- und Kälterückgewinnung ist
besonders betriebssicher und dabei konstruktiv keim- und schadstoffübertragungsfrei.
Mittels dieser Technologie werden so jährlich mehrere Millionen kWh an Wärme,
Kälte und Strom sowie infolgedessen hohe Mengen an CO2 eingespart. Dies entspricht vorbeugendem Umweltschutz und dient allen.
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Mit den eingebauten GSWT®-Anlagen (327.000 m3/h Luftleistung in 11 Anlagen)
werden für Großhadern folgende Anschlussleistungen eingespart:
Heizleistung durch WRG (entspricht ca. 150 Einfamilien-Häusern): 2.763 kW Austauschgrad:
90% / 90%
Kälteleistung durch adiabatische Kühlung:
1.330 kW Jahreseffizienzwerte: > 1:20
Rückkühlleistung:
1.796 kW Energieeff. (EN 13053): > 75% (H1)
H1plus
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Elektroleistung:
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Foto:
Klinikum der Universität Münche
perspektive klinikum
Das OPZ
ist in
Betrieb
Im neuen Operationszentrum am
Campus Großhadern kommen
viele medizinische Innovationen
zum Einsatz
M
it einer feierlichen Schlüsselübergabe wurde das neue Operationszentrum OPZ, eines
der modernsten in Europa, eröffnet. Prof. Dr.
Karl-Walter Jauch, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender am Klinikum: „Dies ist das Herzstück moderner und interdisziplinärer Hochleistungsmedizin, das uns
ermöglicht, die Sicherheit für Patienten und die Qualität der
Medizin weiter zu verbessern. Die Baukosten wurden mit insgesamt 196 Millionen Euro inklusive der Einrichtungskosten
eingehalten, was
für ein Bauprojekt
dieser Größenordnung beispielhaft
ist.“
Auf 14.500 Quadratmetern Fläche
stehen 32 mit moGroßer Andrang des Publikums am OPZ dernster Medizintechnik ausgestattete Operationssäle für stationäre Patienten, ein ambulantes
OP-Zentrum mit vier OPs sowie 70 Intensivbetten und eine
zentrale interdisziplinäre Notaufnahme (ZNA) für die medizinische Versorgung bereit. In der ZNA werden die Patien-
Bei der Schlüsselübergabe (v. l.): Prof. Dr. Karl-Walter Jauch,
Ärztlicher Direktor, Helle Dokken, Pflegedirektorin, Prof. Dr. Dr.
h. c. Maximilian Reiser, Dekan, Ministerialdirektor Dr. Adalbert
Weiß, Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Prof. Dr. Bernhard Heindl, OP-Management,
Gerd Koslowski, Kaufmännischer Direktor des Klinikums
ten an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr von Fachärzten
aller Disziplinen betreut.
Das Interesse der Bevölkerung war riesig. Am Tag der offenen Tür strömten die ersten der 8.000 Besucher schon
frühmorgens auf das Gelände – neugierig auf Aktionen und
Führungen. An Infoständen, bei Reanimationsübungen, bei
Demonstrationen in den OPs und auf der Intensivstation gewannen sie spannende Eindrücke über die Fortschritte in der
Medizin sowie die innovative Infrastruktur und hochmoderne
Ausstattung des OPZ. Vor dem Gebäude zeigten Feuerwehr
und ASB ihre Fahrzeuge und ihr Können. Der Intensivtransporthubschrauber der DRF Luftrettung zog die Besucher
ebenfalls in seinen Bann. Die Hörsäle waren zum Teil bis
auf den letzten Platz besetzt, bei Referaten über Transplantationsmedizin, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und
vielen weiteren Themen.
Prof. Dr. Jauch: „Das Klinikum der Universität München
bedankt sich bei allen. Das gemeinsame Engagement von
Ärzten und Pflegekräften macht deutlich, dass für eine bestmögliche Patientenversorgung beide Bereiche Hand in Hand
arbeiten müssen – das ist beim Tag der offenen Tür einmal
mehr klar zu erkennen gewesen.“
Da staunten nicht nur kleine Besucher: Blick hinter die Kulissen der modernen Hochleistungsmedizin
30
KLINIKUMaktuell 04.2014
perspektive klinikum
Zugepackt (v. l.): Prof. Dr. Karl-Walter Jauch, Architekt Eugen Bauer, Thomas Barth, Karin Seehofer, Ministerin Melanie Huml,
Minister Dr. Ludwig Spaenle, Dr. Alois Glück, Prof. Dr. Monika Führer, Gerd Koslowski, Prof. Dr. Reinhard Hickel
Das Kinderpalliativzentrum:
SPATENSTICH
Neben der Palliativstation für Erwachsene entsteht ein ganz besonderer
Ort der Geborgenheit für unheilbar kranke Kinder und ihre Familien.
D
as Zentrum ist die erste Einrichtung dieser Art
an einem Universitätsklinikum und die zweite
überhaupt in Deutschland. Es soll für bis zu acht
schwerstkranke und sterbende Kinder und ihre
Familien zu einem Ort der Geborgenheit werden, bei gleichzeitig optimaler Palliativtherapie (= nicht heilen, sondern die
Krankheitsfolgen lindern). 9,05 Millionen Euro kostet das
Zentrum. Der für dieses Projekt gegründete Förderverein
Kinderpalliativzentrum München e. V. konnte innerhalb von
nur neun Monaten 5,5 Millionen Euro Spendengelder sammeln, das Klinikum der LMU trägt 3,55 Millionen Euro. Das Kinderpalliativzentrum im Modell
„Wir wollen umfassende menschliche Begleitung und optimale medizinische Versorgung für schwerstkranke Kinder
und ihre Familien in den schwierigsten Stunden ihres Lebens
ermöglichen“, betonte Bayerns Wissenschaftsminister Dr.
Ludwig Spaenle. Prof. Dr. Karl-Walter Jauch, Ärztlicher Di-
rektor des Klinikums: „Zum ersten Mal weltweit werden an
einer Universitätsklinik die Erwachsenen- und die Kinderpalliativmedizin Seite an Seite arbeiten und voneinander lernen
können.“
Für Prof. Dr. Monika Führer, Leiterin der Kinderpalliativmedizin im Dr. von Haunerschen Kinderspital, wird ein Traum
wahr: „Das ambulante Kinderpalliativteam kann Hand in Hand
mit der Station arbeiten, die Forscher nehmen die Fragen aus
der täglichen Arbeit auf, und ihre Ergebnisse können direkt in
die Versorgung der Kinder und in die Aus- und Weiterbildung
der Ärzte einfließen.“ „Der Tag des Spatenstichs ist ein Anlass,
all unseren Spendern, Helfern und Partnern zu danken“, sagte
Thomas Barth, Vorsitzender des Fördervereins und Vorstandsvorsitzender der E.ON Energie AG. Große Unterstützung erhält das Projekt von Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml, von Schirmherrin Karin Seehofer, Ehefrau
des bayerischen Ministerpräsidenten, und von Dr. Alois Glück,
Vorsitzender im Kuratorium des Fördervereins.
KONTAKT
Prof. Dr. Monika Führer
)089/4400-53704
monika.fuehrer@med.uni*
muenchen.de
KLINIKUMaktuell 04.2014 31
perspektive klinikum
Beruf: Hebamme
Zwischen Elternglück, Babygeschrei
und Schichtdienst
der Betreuung während Schwangerschaft, Geburt und
Wochenbett. Am Campus Großhadern bildet die Neuund Frühgeborenenstation mit Geburtshilfe, Ambulanz
für Pränatale Diagnostik und Therapie sowie der Wochenbettstation das hochspezialisierte Level 1-Perinatalzentrum (Leitung: Privatdozent Dr. Uwe Hasbargen). Die
Neonatologische (Neugeborenenmedizin) Abteilung ist
darüber hinaus eingebettet in die Kompetenz der Kinderklinik im Dr. von Haunerschen Kinderspital.
Sicherheit und Komfort unter einem Dach
Glückwünsche und praktische Tipps: Baby Florian mit Vater
Maximilian Kupferschmid und Mutter Heike Grünanger, beraten von den Hebammen Heike Wolff und Ruth Bernheim (l.)
G
enau 4.404 Babys kamen 2013 an den beiden Standorten Großhadern und Innenstadt
der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde
und Geburtshilfe des Klinikums zur Welt. Die
Zahlen steigen, auch deshalb, weil sich immer mehr
Schwangere für ein Krankenhaus in einer Großstadt entscheiden, ein Haus mit umfassenden Möglichkeiten bei
So wird man Hebamme
Ausbildungsziel: die Befähigung, Frauen während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett zu beraten, Fürsorge zu
gewähren, Vorsorge durchzuführen, normale Geburten zu
leiten, Komplikationen frühzeitig zu erkennen und adäquat
zu handeln, Neugeborene zu versorgen, den Wochenbettverlauf zu überwachen, eine entsprechende Dokumentation anzufertigen.
Drei Jahre Ausbildung an staatlich anerkannten Hebammenschulen an Krankenhäusern (www.hebammenverband.de).
Voraussetzungen: gesundheitliche Eignung, Realschulabschluss oder gleichwertige Schulbildung oder Hauptschulabschluss und eine mindestens zweijährige abgeschlossene
Berufsausbildung oder die Erlaubnis als Krankenpflegehel-
32
KLINIKUMaktuell 04.2014
Nach Großhadern kommen viele Frauen mit Risikoschwangerschaften, komplizierte Fälle aus dem weiten
Umland. 24 Hebammen arbeiten im Drei-Schicht-System
(etliche in Teilzeit), 16 Kreißsaalstellen sind eingerichtet. Hebammen sind hoch qualifizierte Fachkräfte und
als Unterstützung für die Frauen in dieser besonderen
Lebensphase von zentraler Bedeutung. Die leitenden
Hebammen Heike Wolff (über 2.000 Entbindungen) und
Ruth Bernheim (über 1.000) verfügen über reichlich Erfahrung und einen Bachelor bzw. einen Master als akademischen Grad.
Sie betonen: „Wir bieten unter einem Dach ein kompaktes Sicherheitskonzept mit einem Komfort-Rundumpaket.
Da fühlen sich unsere Patientinnen geborgen, wie wir immer wieder bestätigt bekommen.“ Die werdenden Mütter
können wählen, von Akupunktur, Aromatherapie und Homöopathie bis zur Wassergeburt. Heike Wolff: „Die Frauen
können selbst entscheiden, was sie wollen. Wir wollen sie
ermutigen, kompetent und partnerschaftlich begleiten.“
ferin oder Krankenpflegehelfer. Eine Ausbildung als Kranken-, Kinderkrankenschwester oder (Kinder)Krankenpfleger wird mit zwölf Monaten angerechnet.
Möglichkeiten: angestellte Hebamme (Kliniken; gesundheitsrelevante Einrichtungen). Freiberufliche Hebamme
(Geburtshaus); Beleghebamme; außerklinische Geburtshilfe. Weiterbildungsmöglichkeiten: z. B. Leitung einer geburtshilflichen Abteilung; Praxisanleiterin; Bereich Stillen/
Stillförderung. Weiterführendes Studium.
Die Hebammenschule des Klinikums ist der Frauenklinik am Campus Innenstadt angegliedert:
Staatl. Berufsfachschule für Hebammen,
Maistraße 11, 80337 München
)089/4400-54261
hebammenschule@med.uni-muenchen.de
*

perspektive klinikum
I
Das Klinikum
in den Medien
n der Gründungsgeschichte erfolgreicher US-ame- Durch die Aufmerksamkeit und Fachkenntnis von Ärzten,
rikanischer Unternehmen findet sich ein Ort immer Pflegekräften und Hebammen im Kreißsaal konnte die
wieder, so auch bei Apple oder Google. Sowohl Steve Situation schnell aufgeklärt werden, ohne dass Mütter
Jobs wie auch Larry Page und Sergey Brin starteten und ihre Kinder nachhaltig geschädigt wurden. Dennoch
laut eigener Darstellung in einer Gawar es für das Klinikum ein Schock.
rage. Auch wir hoffen auf den inspi»Wir sind stolz auf dieses Die Medien haben sich intensiv mit
rierenden Zauber dieser Örtlichkeit,
dem Fall beschäftigt, Journalisten haGebäude. Gute Voraus- ben nachgefragt und nachgehakt, die
begann doch das neue OP-Zentrum
genau genommen in einer Fahrzeugsetzungen also, um Öffentlichkeit informiert und auch
halle. Im Betriebshof am Campus
Kritik geübt. Letztlich ist klar gewordaraus eine ErfolgsGroßhadern wurden nämlich in der
den, dass es sich nicht um ein systegeschichte zu machen.« misches Versagen handelte, sondern
Planungsphase Muster-OP-Säle und
weitere Modellräume in Garagen einum die Tat einer einzelnen Person,
gerichtet, die dann von den Ärzten
die mit entsprechender krimineller
und Pflegekräften, Technikern und Hygienebeauftragten Energie die Sicherheitsmechanismen unterlaufen hatte.
begutachtet und bewertet wurden. In diesem Sommer Dennoch haben wir die Abläufe nochmals überprüft, an
nun konnten wir das OP-Zentrum eröffnen, seit 1. Sep- einigen Punkten Änderungen vorgenommen und auch
tember läuft der Betrieb in den OP-Sälen, der interdis- unser Handeln hinterfragt. Mit Sicherheit sind dadurch
ziplinären Notaufnahme und auf den Intensivstationen. nochmals kleine Verbesserungen erzielt worden. BesonOb die Garage ein gutes Omen als Startpunkt war, wird ders erfreulich: das Vertrauen der Schwangeren in unsich in den nächsten Jahren zeigen. Schon jetzt aber wird sere Kompetenz und Zuverlässigkeit ist größer denn je.
deutlich, dass Ärzte und Pflegekräfte, Medizintechniker, Die Zahlen der Anmeldungen für eine Geburt in GroßhaArchitekten, Planer und viele andere am Klinikum durch dern wie auch in der Innenstadt steigen. Ein Trend, der
das öffentliche Interesse der Bevölkerung und der Medi- in ganz München seit Jahren anhält.
en an diesem neuen Medizinkomplex zusätzlich motiviert
werden. Anders gesagt: Wir sind stolz auf dieses GebäuKONTAKT
de. Gute Voraussetzungen also, um daraus eine ErfolgsPhilipp Kreßirer
geschichte zu machen.
Leiter Stabsstelle Kommunikation
und Medien/Pressesprecher
Etwas getrübt wurde die Freude allerdings durch ein
) 089/4400-58070
anderes Ereignis, das für noch weitaus mehr Aufregung
philipp.kressirer@med.uni*
sorgte, wenn auch im negativen Sinne: die gefährlichen
muenchen.de
Manipulationen einer Hebamme in der Geburtshilfe.
 „Was für ein schöner Beruf –
das hören wir immer wieder“,
berichten die beiden, „trotz Nachwuchsmangel, Schichtdienst, schlechter Bezahlung. Es ist ein erfüllender Beruf,
doch man darf ihn nicht nur rosig sehen. Er verlangt viel
Engagement, Motivation, Verantwortung und ist sehr anstrengend. An einer großen Uniklinik ist man am Puls der
Zeit, weil man ständig gefordert wird. Diesen Beruf muss
man mit vollem Herzen machen. Wer sich dafür interessiert, sollte sich vorher ein umfassendes Bild verschaffen,
beispielsweise durch Praktika in verschiedenen Kliniken.“
KONTAKT
Heike Wolff
Ruth Bernheim
)089/4400-73800
heike.wolff@med.uni*
muenchen.de
ruth.bernheim@med.
*
uni-muenchen.de
KLINIKUMaktuell 04.2014 33
ehrungen & klinikum
preise
perspektive
herzlichen glückwunsch!
Bei der Übergabe der Lehrpreise (v. l.): Studiendekan Prof. Dr. Martin Fischer,
Prof. Dr. Christian Sommerhoff, PD Dr. Ute Wilbert-Lampen, Dr. Christian Kowalski,
Dr. Jutta Nagel, PD Dr. Andreas Bauer
Dr. Philipp Baumann
Die Studenten haben gewählt: hier die besten Lehrer
Die MeCuM Lehrpreise für den klinischen Abschnitt im Medizinstudium
werden einmal im Jahr zu Beginn des
Sommersemesters verliehen (MeCuM = Medizinisches Curriculum
München). Die Preisträger werden
durch die Auswertung der semesterbegleitenden Online-Evaluation mit
den Vorschlägen der Studierenden
ermittelt. Federführend ist das Insti-
tut für Didaktik und Ausbildungsforschung in der Medizin am Klinikum
der Ludwig-Maximilians-Universität
München, Direktor Prof. Dr. Martin
Fischer. Der Erhebungszeitraum umfasst Sommer- und Wintersemester
des vorhergehenden Jahres.
Es werden fünf Preise für herausragend gute Lehre vergeben und zusätzlich einer für die insgesamt meis-
Prof. Dr. Michael
Fischereder
ten Stimmen. Daneben bekommen
die zehn besten Dozenten nach dem
Preisträger eine Urkunde. Eine Dozentin/ein Dozent kann den Lehrpreis
nur einmal innerhalb von drei Jahren
erhalten. Jeder Lehrpreis ist mit 1.000
Euro aus Studienbeiträgen finanziert.
Bei mehreren Preisträgern wird die
Dotation geteilt.
Die Lehrpreisträger:
PD Dr. Ute Elisabeth Wilbert-Lampen,
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Gesundes Training im Wasser
Aqua- und Schwimmkurse in den M / Bädern
34
KLINIKUMaktuell 04.2014
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Sie wollen sich fit halten? Ohne großen Aufwand und ganz in Ihrer
Nähe? In den M-Bädern können Sie aktiv etwas für Ihre Fitness
tun. Training im Wasser ist fünfmal wirksamer als entsprechende
Bewegungen an Land. Die Kursangebote gibt es mit und ohne
Anmeldung. Bei Kursen mit Anmeldung bauen die Inhalte von Stunde
zu Stunde aufeinander auf. Die Programme ohne Anmeldung bieten
hohe Flexibilität bei Ihrer wöchentlichen Fitnessplanung. Buchen Sie
Ihren Kurs auf www.swm.de/aquakurse oder persönlich an jeder
Hallenbadkasse. Und nach dem Kurs tut ein Saunabesuch gut. Hier
können Sie sich wunderbar erholen und regenerieren.
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M / Bäder
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RätselAuflösung von s. 45
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PD Dr. rer. nat.
Alla
Skapenko, Leiterin des
Forschungslabors der Rheumaeinheit
an
der
Medizinischen und Poli- PD Dr. Alla Skapenko
klinik IV, Campus Innenstadt, hat den Dr. Walter
und Luise Freundlich-Preis 2014
bekommen. Ausgezeichnet wurden ihre Arbeiten zu T-Zellen in der
Entstehung rheumatischer Erkrankungen. Der mit 15.000 Euro dotierte Preis wurde bei der Jahrestagung
der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie überreicht.
PD Dr. Ronald Wolf, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, Campus
Innenstadt, ist
auf dem Jahressymposium der
Berliner
Stiftung für Dermatologie mit
dem Preis für
herausragende PD Dr. Ronald Wolf
wissenschaftliche Leistungen (10.000 Euro) ausgezeichnet worden. Dieser würdigt Dr.
Wolfs Verdienste bei der Erforschung
der Schuppenflechte (Psoriasis). Dr.
Wolfs Arbeiten sind mehrfach ausgezeichnet und gefördert worden.
6
Dr. Markus Reinholz, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, Campus Innenstadt, ist auf dem
Jahreskongress der Deutschen STI-Gesellschaft 2014
mit dem DetlefPetzoldt-Preis
ausgezeichnet
worden. Dieser
Wissenschaftspreis wird alle
zwei Jahre für
eine
herausDr. Markus Reinholz
Privatdozentin Dr. Alla
Skapenko
Privatdozent Dr. Ronald Wolf
9
Dr. Markus Reinholz
ragende Forschungsarbeit auf dem
Gebiet der Prävention von STI (von
sexually transmitted infections = sexuell übertragbare Krankheiten) oder
einem allgemeinen aktuellen Thema
der sexuellen Gesundheit vergeben.
Die Arbeit wurde in Archives of Dermatological Research 2014 veröffentlicht.
Zu diesen Krankheiten zählen u. a. HIV,
Syphilis, Genitalwarzen durch HPV-Viren (Condyloma acuminata).
5
Lehrform Vorlesung, Medizinische
Klinik und Poliklinik I, Campus Großhadern; Prof. Dr. Christian Sommerhoff, Lehrform Seminar, Institut für
Laboratoriumsmedizin; PD Dr. Andreas Bauer, Lehrform Unterricht am Patienten, Klinik für Anästhesiologie; Dr.
Philipp Baumann, Medizinische Klinik
und Poliklinik IV, Campus Innenstadt,
Prof. Dr. Michael Fischereder, Transplantationszentrum des Klinikums/
Nephrologischer Leiter, Dr. Jutta Nagel, Medizinische Klinik und Poliklinik
II, Campus Großhadern, gemeinsam
Lehrform Tutorial; Dr. Christian Kowalski, Übergreifender Lehrpreis, Klinik für Anästhesiologie.
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Die Alternative zum Pflegeheim:
Außerklinische Intensivpflege
für Kinder und Erwachsene
Getreu unserem Motto „Zurück ins Leben“ betreuen wir bayernweit intensivpflegebedürftige und/oder beatmungspflichtige Kinder und Erwachsene im eigenen Zuhause oder in einer betreuten
Wohngemeinschaft – an 365 Tagen, rund um die Uhr.
Bereits bei der Überleitung aus der Klinik unterstützen wir die Betroffenen u.a. bei der Kostenklärung und Hilfsmittelbeantragung.
Neben der professionellen Pfl ege durch examiniertes, festes
Fachpersonal begleiten wir unsere Klienten bei allen Aktivitäten
des Alltags und sogar in den Urlaub.
Nähere Informationen erhalten Sie unter:
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KLINIKUMaktuell 04.2014 35
vorsorge
Wie viel Feiern
verträgt
die Leber?
Für die Leber gibt es kein künstliches Ersatzsystem. Umso wichtiger ist es, sie
gesund zu erhalten. KLINIKUM aktuell sprach mit Prof. Dr. Alexander Gerbes,
Leiter des interdisziplinären Leber Centrums München®
D
ie Leber ist das zentrale Stoffwechselorgan: Sie
spielt nicht nur eine entscheidende Rolle bei der
Verdauung, sondern ist an fast allen biochemischen Auf- und Abbauvorgängen sowie an der
Entgiftung des Körpers beteiligt. Wenn die Leber versagt,
können Patienten nur sehr kurze Zeit überleben, ein künstliches Ersatzsystem gibt es für sie – anders als für Nieren oder
Herz – nicht. Umso wichtiger ist es, sie gesund zu erhalten.
KLINIKUM aktuell sprach mit Prof. Dr. Alexander Gerbes,
Leiter des interdisziplinären Leber Centrums München®.
Gerade in der kalten Jahreszeit essen wir gerne deftig
und trinken – manchmal reichlich – Alkohol dazu. Wie
viel Feiern verträgt denn die Leber?
Wenn man in Ausnahmefällen über die Stränge schlägt,
verkraftet das eine gesunde Leber durchaus. Anders
sieht es aus, wenn sie bereits geschädigt ist oder aber
wenn man täglich zu viel Alkohol konsumiert.
36
KLINIKUMaktuell 04.2014
Wie viel Alkohol ist denn als tägliche Dosis erlaubt?
Immer vorausgesetzt, das Organ ist gesund, sollten Frauen nicht mehr als 20 Gramm reinen Alkohol zu sich nehmen, bei Männern sind es 40 Gramm. 20 Gramm Alkohol
entsprechen etwa einem halben Liter Bier oder einem
0,2 Liter-Glas Wein. Aber nicht nur Alkohol kann der Leber schaden, in Deutschland gibt es auch zwei Millionen
nicht alkoholbedingte Fettlebern.
Was genau ist eine Fettleber?
Normalerweise verarbeitet die Leber Kohlenhydrate und
Fettsäuren aus der Nahrung und gibt sie in Form von Neutralfetten (Triglyceride) ins Blut ab. Zu viele Nahrungsfette
und/oder -kohlenhydrate kann die Leber nicht mehr vollständig verarbeiten und abtransportieren. Sie speichert
den Überschuss als Fett und wird so über Jahre zur Fettleber. Deswegen ist auch Diabetes ein Risiko für die Leber,
da der erhöhte Blutzucker zur Speicherung von Fett bei-
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vorsorge
trägt. Eine Fettleber kann sich entzünden, wir sprechen dann von der sogenannten
Fettleber-Hepatitis. Wird diese nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, kann die
Entzündung in eine Leberzirrhose münden. Dabei gehen Leberzellen zugrunde, die
Leber vernarbt und schrumpft. Schließlich kann sie ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen. Zugleich erhöht eine Zirrhose das Risiko für Leberkrebs.
So sieht eine normale Leber aus ...
… und so ein entzündetes Organ
Wie kann man vorbeugen?
Neben dem schon erwähnten vorsichtigen Umgang mit Alkohol sollte man sich ausgewogen ernähren. Wir empfehlen eine mediterrane Mischkost mit vielen Vollkornprodukten, magerem Fleisch und Fisch sowie Gemüse. Aufpassen muss man nicht
nur mit Fett, sondern auch mit Kohlenhydraten in Form von Stärke und Zucker. Viele
Menschen denken, sie tun etwas Gutes für ihre Gesundheit, wenn sie reinen Fruchtsaft trinken, dem kein Zucker zugesetzt ist. Leider enthält das Getränk aber sehr viel
natürlichen Fruchtzucker, der ebenfalls die Leber schädigen kann. Neben der Ernährung ist Bewegung ganz wichtig, um Übergewicht abzubauen und um das Diabetesrisiko zu senken.
Aber nicht nur Ess- und Trinkgewohnheiten können der Leber schaden?
Es gibt Wirkstoffe in Arzneimitteln, die die Leber bei übermäßigem oder unsachgemäßem Gebrauch schädigen können. So etwa der Wirkstoff Paracetamol, der in
vielen Schmerzmitteln und auch in einigen Kombinationsmitteln gegen Erkältungen
vorkommt. Bei richtiger Anwendung stellt dies für eine gesunde Leber kein Problem dar. Bei einer Überdosierung von Paracetamol kann die Leber aber irreparable
Schäden erleiden. Auch bei Heilpflanzen, die meist gut verträglich sind und kaum
Nebenwirkungen haben, gibt es Ausnahmen. Es gibt also viele Dinge, die der Leber
schaden können, man muss sein persönliches Risiko kennen. Deswegen haben wir
an unserem Leber Centrum einen Fragebogen entwickelt, mit dem man sein persönliches Risiko für eine Lebererkrankung auch einschätzen kann.
Muss man dafür in die Klinik kommen?
Nein, den kann man online ausfüllen (https://www.mashup-am-klinikum.
de/index.php/72429/lang-de) und bekommt auch sofort eine Auswertung. Das sind zehn einfache Fragen zu Alter, Body-Mass-Index, Impfungen und Lebensstil, mit denen man schon mal eine erste Einschätzung hat.
Trotzdem sollte man ab 35 Jahren natürlich einmal im Jahr zum Hausarzt und
im Rahmen eines Checks
auch die Leberwerte ermitKONTAKT
teln lassen. Lebererkrankungen sind oft kein unausProf. Dr. Alexander Gerbes
weichliches Schicksal, man
)089/4400-72290
kann sie im frühen Stadium
lebercentrum@med.uni*
muenchen. de
sehr gut behandeln und sogar umkehren.
KLINIKUMaktuell 04.2014 37
hilfe & selbsthilfe
Dem Schmerz
Was ist die Ursache dieser Kalkablagerungen?
Das ist noch nicht vollkommen geklärt. Eine Ursache sind wohl Durchblutungsstörungen, aber es gibt
auch eine hormonelle Komponente,
denn es erkranken mehr Frauen
als Männer, die meisten Patienten
sind Frauen zwischen 40 und 50
Jahren. Manchmal ist Kalkbildung
auch eine Folge des ImpingementSyndroms.
as komplizierteste Gelenk in unserem Körper ist das Schultergelenk. Zudem sind in der
Schulter extrem viele Nervenenden vorhanden,
so dass die kleinste Störung äußerst schmerzhaft ist. Bis Ende der 1980er Jahre war die Schulter ein
Stiefkind der Orthopädie, während die Therapien für
Hüft- und Knieerkrankungen ständig verbessert wurden,
bekamen Patienten mit Schulterproblemen häufig nur ein
Schmerzmittel in die Hand gedrückt. Doch in den vergangenen Jahrzehnten hat sich viel getan. KLINIKUM aktuell sprach mit Prof. Dr. Peter Müller, Stellvertretender
Direktor der Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Physikalische Medizin und Rehabilitation, über ein häufiges
Schulterproblem, die sogenannte Kalkschulter.
Was ist das denn?
Das ist der Fachbegriff für das Einengungs-Syndrom: Zwischen dem knöchernen Schulterdach, das aus einem Teil des Schlüsselbeines und
einem Fortsatz des Schulterblattes (Acromion) gebildet
wird, und dem Oberarmkopf bleibt nur begrenzt Raum
für die vorher erwähnte Rotatorenmanschette und den
Schleimbeutel (bursa subacromalis). Dieser Bereich ist
mechanisch stark beansprucht. Man spricht vom Subacromialraum. Durch harte körperliche Arbeit über lange
Zeit, Verletzungen oder Fehlbelastungen kann es im Subacromialraum zu Schwellungen, Entzündungsreaktionen
und Schädigungen des Schleimbeutels und Muskels bis
zum Riss der Rotatorenmanschette kommen. Der Körper
reagiert bei länger anhaltendem Reiz mit Bildung von
Knochenspornen am Gelenk zwischen Schlüsselbein und
Schulterblatt sowie mit Kalkeinlagerung im geschädigten
Sehnen- und Schleimbeutelanteil.
Eine Kalkschulter – was ist das genau?
Davon sprechen wir, wenn in den Sehnen und Sehnenansätzen der Schulter Kalkablagerungen vorhanden
sind. Häufig kommen sie an der Rotatorenmanschette
des Schultergelenks vor. Diese Rotatorenmanschette ist
eine Gruppe von Sehnen und Muskeln, die den Oberarmknochen in der sehr flachen Gelenkpfanne des Schultergelenks hält. Nach Schätzungen haben sieben bis zehn
Prozent der Bevölkerung diese Kalkablagerungen, allerdings haben nur etwa zehn Prozent der Betroffenen wirklich Beschwerden.
Wie stellen Sie die Diagnose Kalkschulter?
Zuerst muss man bei Schmerzen natürlich ausschließen, dass es sich um eine Infektion handelt. Um die
knöchernen Strukturen beurteilen zu können, wird die
Schulter zumindest in zwei Ebenen geröntgt. Die meisten Informationen erhält der erfahrene Orthopäde aber
durch die manuelle Untersuchung. Ultraschall gibt detaillierte Informationen über die Rotatorenmanschette
und den Schleimbeutel. Zusätzlich können die knorpeligen Anteile der Gelenkführung mit dem Kernspin beurteilt werden.
Was die Orthopädie bei Kalk im
Schultergelenk tun kann
D
38
KLINIKUMaktuell 04.2014
hilfe & selbsthilfe
chmerz die kalte
Schulter zeigen
Was passiert bei diesem Eingriff?
Über zwei ca. 5 mm lange Zugänge an der Vorder- und
Rückseite der Schulter können wir mit Spezialinstrumenten das Schultergelenk und den Subacromialraum von
Die Röntgenbilder zeigen von zwei Seiten unter dem Schulterdach ein Kalkdepot
den, wie die weitere Operation ablaufen muss. Bei Entzündung des Schleimbeutels wird zunächst der Schleimbeutel entfernt. Dann werden Kalknester ausgeräumt,
Knochenanbauten abgetragen (Acromioplastik) und gegebenenfalls Teilrisse der Rotatorenmanschette geglättet
oder genäht.

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Und wenn konservative Maßnahmen nichts bringen?
Wenn eine weitergehende Behandlung notwendig ist,
dann stellt die arthroskopische Druckentlastung und Entfernung von Kalknestern und Knochenspornen (Acromioplastik) eine schonende und effektive Methode dar.
innen beurteilen. Bei dieser Arthroskopie bietet sich im
Gegensatz zu indirekten Untersuchungsmethoden wie
Ultraschall die Möglichkeit, nicht nur den visuellen Aspekt zu beurteilen, sondern auch einen Tastbefund zu
erheben. Erst hierbei kann endgültig entschieden wer-
09-2014 ·
Wie therapieren Sie?
Besonders wenn der Schleimbeutel betroffen ist, haben die
Patienten so massive Schmerzen, dass wir starke Schmerzmittel, teilweise sogar aus der Gruppe der Opiate geben.
Steht eine durch den Kalk hervorgerufene Entzündungsreaktion des Schleimbeutels im Vordergrund, hilft auch die
Injektion von Kortison. Beim Impingement-Syndrom steht
ebenfalls die konservative Therapie im Vordergrund. Mit
Krankengymnastik wird die Muskulatur aufgebaut, die dafür sorgt, dass sich die Druck- und Belastungsverhältnisse
in der Schulter verbessern. Durch Medikamente in Tablettenform oder als Spritze direkt in den Schleimbeutel kann
die Schwellung oft soweit abgebaut werden, dass sich die
Druckverhältnisse wieder normalisieren. Auch homöopathische Maßnahmen oder Akupunktur können sinnvolle
therapeutische Ansätze sein.
WELLNESS ERHOLUNG 25 SAUNEN 26 RUTSCHEN
KLINIKUMaktuell 04.2014 39
hilfe & selbsthilfe
Mittlerweile ist dieses Verfahren weltweit in der Urologie
etabliert. In der Orthopädie kommt die extrakorporale
Stoßwellentherapie neben Problemen wie dem Tennisellbogen und dem Fersensporn auch bei der Kalkschulter
zum Einsatz.
Was genau bewirken Stoßwellen?
Stoßwellen sind kurz dauernde Druckwellen, die sich
dreidimensional im Körper ausbreiten und den Kalk zerkleinern, so dass er anschließend vom Körper selbst abgebaut werden kann. Auch werden die Schmerzvermittler positiv beeinflusst.
Mit dem pistolenartigen Aufsatz werden Stoßwellen appliziert
Wie lange muss man dafür in der Klinik bleiben?
In der Regel 3-4 Tage. Aber schon am ersten Tag nach
der Operation beginnen wir mit Krankengymnastik. Die
Fäden werden nach 10-14 Tagen entfernt, spätestens
nach vier Wochen kann man wieder arbeiten.
Für die Behandlung ist keine Betäubung notwendig.
In der Regel sind drei bis sechs Sitzungen notwendig.
Aber wie bei allen Schulter-Therapien gilt auch hier: Die
Schulter ist ein kompliziertes Gelenk, für die Heilung von
Erkrankungen muss man mehr Geduld mitbringen als
beispielsweise für das Knie.
KONTAKT
Was setzen Sie noch gegen Kalk ein?
Wir haben, besonders bei Kalk in den Sehnenansätzen,
gute Erfolge mit der extrakorporalen Stoßwellentherapie. Diese wurde Anfang der 1980er Jahre zur Therapie
von Nierensteinen am Campus Großhadern eingeführt.
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Campus Großhadern, Max-Lebsche-Platz 30
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Weltschlaganfalltag 2014
Dozenten: Dr. Anna Bayer-Karpinski,
Dr. Christopher Adamczyk
Allergieschocks durch Insektenstiche oder Campus Großhadern, Klinikum, Hörsaal I
Nahrungsmittel
Kontakt: ) 089/4400-46023
29.10.2014, 14:30-16:00
antonia.weingart@med.uni-muenchen.de
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Dozentin: Prof. Dr. Franziska Ruëff
29.10.2014, 14:00-15:30
Kontakt: Silke Meinecke
Gutes Gedächtnis im Alter
) 089/5147-6407
ASZ, Berg-am-Laim-Str. 141,
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Campus Innenstadt, Klinik und Poliklinik
Rererentin: Renate Köp
für Dermatologie und Allergologie, Großer
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Hörsaal, Eingang Thalkirchner Str. 48
Schlaganfall und Demenz
Dozentin: Renate Köp
Schulen in die Transplantationszentren
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Campus Großhadern, Hörsaal I (am Ende der 13.11.2014, 13:30-16:30
Gedächtnistest und Infos zu
Besucherstraße)
Demenzerkrankungen
Anmeldung: OA Dr. Helmut Arbogast
ASZ Sendling, Daiserstr. 37, 81371
) 089/4400-72600
Anmeldung: ) 089/779254
*helmut.arbogast@med.uni-muenchen.de
24.11.2014, 18:00-19:00
Veranstaltungen der Interdisziplinären
Pflegeheimfinanzierung und Sozialhilfe
Schmerzambulanz
Dozentin: Sabine Keybe
Im Rahmen des Münchner NaturheilkundSeminarraum am Max-Lebsche-Platz 30
lichen Schmerzintensivprogramms, danach
15.12.2014, 18:00-19:30 Uhr
Treff der Selbsthilfegruppe
Offene Fragerunde zu Demenz
21.10.2014 (Teil I), 04.11.2014 (Teil II),
Dozentin: Renate Köp
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Seminarraum am Max-Lebsche-Platz 30
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Anmeldung, sofern nicht anders angegeben:
Dozent: Dr. L. v. Stralendorff
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renate@koep@med.uni-muenchen.de
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Akupunktur
Infoveranstaltung für Patienten auf der
Dozent: P. Bäumler, MSc
Warteliste zur Lebertransplantation
Campus Innenstadt, Schmerzambulanz,
12.11.2014, 15:00-17:30
Pettenkofer Str. 8 A, Raum 312
Dozenten: Prof. Dr. Alexander Gerbes,
Kontakt: Katja Hanley ) 089/4400-57508
Prof. Dr. Markus Guba
schmerzambulanz.innenstadt@med.uni*
Campus Großhadern, Konferenzraum G12
muenchen.de
Anmeldung: ) 089/4400-72292
Informationsveranstaltungen des Instituts *
sekretariat.gerbes@med.uni-muenchen.de
für Schlaganfall- und Demenzforschung
27.10.2014, 18:00-19:00
LASIK und andere refraktive Korrekturen
27.10.2014, 24.11.2014, 18:00-19:30
Campus Innenstadt, Augenklinik,
Mathildenstr. 8, neuer Seminarraum
Anmeldung: Sabine Süss, Sekretariat des
CRT (Centrum Refraktive Therapie)
) 089/4400-55162 (Mo-Do 8:00-11:30)
crt@med.uni-muenchen.de
*
Vortragsreihe Brustkrebs und
gynäkologische Tumorerkrankungen
04.11.2014, 17:00-18:30
Wenn Mütter an Krebs erkranken
Campus Großhadern, Marchioninistr. 15,
Hörsaal V
02.12.2014, 17:00-18:30
Lymphödem nach Brust-OP und
gynäkologischen Eingriffen
Campus Innenstadt, Maistr. 11, Frauenklinik,
Großer Hörsaal (Zi. 181)
Kontakt: Sonja Stumpf ) 089/4400-76809
sonja.stumpf@med.uni-muenchen.de
*
www.lmu-brustzentrum.de
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Informationsabende und
Kreißsaalführungen für werdende Eltern
jeden Do. (außer Feiertag), 18:00-19:00
Frauenklinik Campus Innenstadt,
Maistr. 11, 1. Stock, großer Hörsaal (R 181)
Frauenklinik Campus Großhadern,
Marchioninistr 15, vor dem Kreißsaal.
Keine Anmeldung, Kontakt:
marianne.kerkmann@med.uni*
muenchen.de (Innenstadt);
heike.wolff@med.uni-muenchen.de
*
(Großhadern)
Treffen der Selbsthilfegruppe Adipositas
Jeden vierten Mittwoch im Monat (bis
17.12.2014), 19:00-20:30
Campus Großhadern, Konferenzsaal G12
Kontakt: Beatrice Maucher
Tel. 0176/92234798
shg.grosshadern@web.de
*
Alle Termine unter:
klinikum.uni-muenchen.de/de/
8
veranstaltungen
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KLINIKUMaktuell 04.2014 41
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Krank durch
Immer mehr Menschen streichen Lebensmittel mit Weizen – wegen gesundheitlicher Probleme, vom Durchfall bis zur Depression. Ob tatsächlich eine
ernsthafte Zöliakie dahintersteckt, lässt sich feststellen
G
luten-Unverträglichkeiten sind groß in Mode. Dieser Inhaltsstoff von Getreide, das sogenannte Klebereiweiß (lat. gluten = Leim) ist ein Proteinkomplex mit teilweise schwer verdaulichen Anteilen.
Er gilt als Auslöser zahlreicher Beschwerden – vom Durchfall
bis zur Depression. Belegt ist der Zusammenhang bei der
Zöliakie, einer Autoimmunerkrankung erblicher Prädisposition. Dabei löst das Protein im Darm Abwehrreaktionen des
körpereigenen Immunsystems aus, die zu einer chronischen
Entzündung der Dünndarmschleimhaut mit lebenslangen
Folgen führen. Etwa ein Prozent der Europäer leidet darunter,
längst nicht alle kennen eine Diagnose für ihre Probleme. Die
Krankheit gilt als Chamäleon der Darmkrankheiten. Zunehmend treten atypische Formen auf mit Auswirkungen auch
außerhalb des Verdauungstraktes. Neben der Zöliakie gibt
es auch Allergien gegen Gluten und andere Getreideeiweiße
und eine Gluten-Sensitivität. Beide Unverträglichkeiten sind
Krankmacher
Zöliakie kann alle Organe betreffen. Verdauungstrakt: Durchfall, Erbrechen, Blähungen, Schmerzen
und Nährstoffmangel, ebenso Gewichtsverlust, Probleme mit Leber und Gallenwegen. Je nach Verlauf
kann es u. a. zu verspäteter Pubertät, Kleinwuchs,
Anämie kommen. Viele Patienten mit unerkannter
oder unbehandelter Zöliakie entwickeln eine Osteoporose, Arthritis oder Probleme mit den Zähnen.
Frauen haben Probleme schwanger zu werden oder
neigen zu Frühgeburten.
Zu den Krankheiten, die mit Zöliakie auftreten, zählen primär andere Autoimmunerkrankungen (z. B. Schilddrüse, Typ-1-Diabetes), aber auch z. B. das Down-Syndrom.
Bei Risikopatienten bzw. nahen Verwandten sollte ein Test gemacht werden. Häufig bemerken Betroffene erst bei glutenfreier Ernährung, wie schlecht es ihnen
vorher ergangen ist.
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KLINIKUMaktuell 04.2014
durch Belastungstests zu beweisen oder auszuschließen.
KLINIKUM aktuell sprach mit Prof. Dr. Sibylle Koletzko, pädiatrische Gastroenterologin am Dr. von Haunerschen Kinderspital, Campus Innenstadt. Sie ist eine der Autorinnen
der neuen Leitlinien der Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS)
für die Diagnostik und Therapie der Zöliakie.
Woran erkennt der Kinderarzt eine Zöliakie?
Die klinischen Symptome sind altersabhängig und sehr
variabel. Klassisch sind bei Säuglingen und Kleinkindern
chronische Durchfälle, ein Blähbauch, Gedeihstörung,
schlechter Appetit, schlechte Laune. Häufiger sind gesund erscheinende Kinder ohne oder mit ganz unspezifischen Beschwerden. Zöliakie ist eine Multiorganerkrankung, die sich nicht nur im Darm manifestiert, sondern
auch Knochen, Haut, Herz, Gehirn und die Fruchtbarkeit
betreffen kann.
Sollten Eltern bei ihrem Kind eine glutenfreie Diät
versuchen?
Nein, eine glutenfreie Diät darf erst nach Beweis oder
Ausschluss einer Zöliakie durch entsprechende ärztliche
Untersuchungen begonnen werden. Eltern sollten ihre
Kinder nicht auf Diäten setzen. Denn Kinder können ihre
Ernährung nicht selbst bestimmen. Diäten sind belastend.
wohlfühlen & geniessen
durch Brot
Wenn Kinder in die Schule oder auf Klassenfahrten ihre Spezialgerichte mitnehmen müssen, fühlen sie sich ausgegrenzt.
Viele naschen heimlich, haben Schuldgefühle und fangen an zu lügen. All das
wirkt sich negativ auf die psychische
Entwicklung aus. Ist eine Zöliakie
durch einen Bluttest ausgeschlossen
und wird eine Weizenallergie oder
Gluten-Sensitivität vermutet, sollte
ein doppelt-blinder Belastungstest
durchgeführt werden. Dabei wird
das Essen in der Klinik-Diätküche
zubereitet. Kind, Eltern und Ärzte wissen nicht, ob das verdächtige Lebensmittel dabei ist. Solche
verdeckten Untersuchungen sind
wichtig, weil Kinder sehr empfänglich für Suggestion sind.
Wer bekommt Zöliakie?
Eine Zöliakie entsteht immer
auf der Basis einer ererbten
Veranlagung. Diese wird
durch die Gewebe-Antigene HLA-DQ2 und
HLA-DQ8 angezeigt.
Soll ich – oder soll ich
nicht? Wenn ausgerechnet Pizza zu den verbotenen Genüssen gehört,
wird es für Kinder sehr
schwierig

KLINIKUMaktuell 04.2014 43
wohlfühlen & geniessen
Fehlen diese Marker, ist eine Zöliakie ausgeschlossen.
Aber längst nicht alle Menschen mit dieser Disposition
entwickeln eine Zöliakie – das belegt, welche wichtige
Rolle zusätzliche Umweltfaktoren spielen.
Gabe kleiner Mengen Gluten im 5. und 6. Lebensmonat
das Risiko für eine Zöliakie vermindert. Die Ergebnisse
werden in den nächsten Wochen publiziert (Vriezinga et
al., The New England Journal of Medicine 2014, im Druck).
Welche äußeren Einflüsse die Entstehung begünstigen,
wird gerade in zwei großen Kohortenstudien untersucht,
an denen auch die Haunersche Kinderklinik beteiligt ist.
In einer von der EU finanziell geförderten Studie mit 1.000
Kindern aus erblich belasteten Familien (Prevent
Celiac Disease (CD), www.preventcd.com/
project) wird untersucht, ob die
Welche Faktoren sind das noch?
Neben der Ernährung können Infektionen, aber auch
andere Umwelt- oder psychosoziale Faktoren das Immunsystem so beeinflussen, dass die Toleranz gegenüber
Gluten verloren geht. In der TEDDY-Studie werden
7.000 Kinder aus den USA, Deutschland,
Schweden und Finnland auf Risikofaktoren für Zöliakie und Typ-1-Diabetes
untersucht. Beide Erkrankungen teilen die wichtigsten HLA-Risikomarker.
Wir fanden heraus, dass Kinder mit dem
höchsten HLA-Risikoprofil in Schweden häufiger an Zöliakie erkranken als in den anderen Ländern (Liu et al., The
New England Journal of Medicine 2014; 371, 42-9).
Lebenslang
Die Zöliakie wächst sich nicht aus, sie ist wie vergleichsweise Diabetes oder Gelenkrheuma eine Autoimmunerkrankung. Betroffene müssen lebenslang bestimmte
Getreidesorten meiden: u. a. Weizen, Dinkel, Gerste,
Roggen – also Brot, Nudeln, Pizza, Bier. Hafer ist erlaubt.
Wichtig: Auch Fertigprodukte bzw. verfeinerte Nahrungsmittel enthalten häufig Glutenbeimengungen.
Inzwischen bieten viele Hersteller glutenfreie Lebensmittel an.
Wie sicher ist die Diagnose?
Für die Diagnose stehen heute gute Tests zum Nachweis
von spezifischen Antikörpern (gegen Transglutaminase
TG2 und Endomysium) zur Verfügung. Ungeeignet sind
alle Stuhl-, Speichel- und Schnelltests und Untersuchungen auf Antikörper gegen natives Gliadin. Die mikroskopische Untersuchung von endoskopisch entnommenen Dünndarmproben (Biopsien) beweisen dann die
Diagnose. Bei Kindern mit klassischen Zeichen der Zöliakie und bestimmten Laborergebnissen kann auf Biopsien
verzichtet werden.
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Herausgeber: Vorstand des Klinikums der Universität München
Philipp Kreßirer (verantwortlich i.S.d.P.), Julia Reinbold
Stabsstelle Kommunikation und Medien des Klinikums der
Universität München, Lindwurmstraße 2 a, 80337 München
Tel. 089/4400-58071, Fax 089/4400-58072
E-Mail: info@klinikum.uni-muenchen.de
Internet: www.klinikum.uni-muenchen.de
Twitter: www.twitter.com/LMU_Uniklinikum
Facebook: www.facebook.de/LMU.Klinikum
Konzeption, Redaktion, Text: Ulrike Reisch, Rosemarie Ippisch
Realisation, Satz, Layout: Agentur Strukturplan, Carolin Pietsch,
Peter Pietsch, Tel. 089/74 14 07 37, www.strukturplan.de
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genommen, bis er beweist,
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Jedes Quadrat hat neun Unterquadrate, die jeweils
wieder aus neun Feldern bestehen. Das ergibt 81
Kästchen. In die müssen Sie Zahlen von eins bis
neun eintragen, ein Teil ist vorgegeben. In jedem
Unterquadrat, in jeder Zeile und in jeder Spalte des
Gesamtquadrats darf jede Ziffer nur ein einziges
Mal vorkommen. Knifflig: Sie sollten mit Bleistift
arbeiten und den Radiergummi bereithalten.
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Die
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Initiativen: Sie alle helfen
Stiftungen, Elterninitiativen, Fördervereine und Selbsthilfeorganisationen spielen am Klinikum eine wichtige Rolle, um
das Schicksal kranker Kinder und ihrer Eltern zu verbessern.
Wir stellen sie steckbriefartig vor. Sie arbeiten ehrenamtlich,
sind als gemeinnützig anerkannt und auf Spenden sowie Mitgliedsbeiträge angewiesen, um ihre Aufgaben zu finanzieren.
MEHR LEBEN FÜR KREBSKRANKE
KINDER – BETTINA-BRÄU-STIFTUNG
1994 von der Elterninitiative Intern3 am Dr. von Haunerschen Kinderspital zur Verwirklichung langfristiger Projekte gegründet. Die Stifterin und Irmgard Bräu
wählten den Namen der Tochter von Frau Bräu stellvertretend für viele Kinder, die ebenfalls dem Krebs erlegen sind.
Etwa 1.800 Kinder unter 15 Jahren erkranken jährlich in der
Bundesrepublik an einer Form von Krebs oder an Leukämie.
Die Überlebensraten sind kontinuierlich gestiegen und liegen derzeit bei 70 bis 80 Prozent. Das heißt aber auch, dass
immer noch jedes dritte bzw. vierte Kind verstirbt.
Konzept: Die Stiftung unterstützt das Onkologische/Hämatologische Kinderkrebszentrum des Haunerschen Kinderspitals (www.kinderkrebszentrum-muenchen.de). Sie fördert
vor allem Forschungsprojekte, z. B. zur medikamentösen
Therapie, oder zur Entstehung von Krebs. Und sie schafft Erleichterungen im sozialen Umfeld.
Kontakt: Horst E. Wendling, Balduin-Helm-Str. 61,
82256 Fürstenfeldbruck, ) 08141/23139
* horst.wendling@bettina-braeu-stiftung.de
Spendenkonto: IBAN: DE 73701 5000 0090 7219 000
BIC: SSKMDEMMXXX
www.bettina-braeu-stiftung.de
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CHRISTIANE HERZOG STIFTUNG
Christiane Herzog (1936-2000) hat sich mit der von ihr gegründeten Mukoviszidose-Hilfe e. V., dann mit der
Christiane Herzog Stiftung für die Versorgung
von Patienten mit Mukoviszidose (Cystische Fibrose, CF) und für die wissenschaftliche CF-Forschung engagiert und erhebliche finanzielle Mittel
akquiriert. Mukoviszidose, die häufigste erbliche Stoffwechselerkrankung in unseren Breiten, ist unheilbar. Rund 8.000
Kinder und Jugendliche leiden daran. Durch zähen Schleim
verlieren die Organe ihre Funktionstüchtigkeit.
Projekte: Als Frau des Bundespräsidenten hat Christiane
Herzog insbesondere 1994-1999 ihre Publizität eingesetzt,
um das CF-Zentrum der Kinderklinik und Poliklinik im Haunerschen Kinderspital zu unterstützen. Die CF-Ambulanz
(mit angegliedertem Christiane-Herzog-Forschungslabor) ist
die älteste und größte in Deutschland. Sie wird wesentlich
gefördert durch den Elternverein „cf-initiative-aktiv e. V.“
Kontakt: CH Stiftung, Geißstraße 4, 70173 Stuttgart,
) 0711/246346 * christianeherzogstiftung@gmx.de
Spendenkonto: IBAN: DE70 7015 0000 0000 0091 91
BIC: SSKMDEMM
www.christianeherzogstiftung.de
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CF-Ambulanz: Prof. Dr. Matthias Griese,
PD Dr. Matthias Kappler, ) 089/4400-57878,
* CF-Ambulanz@med.uni-muenchen.de
Spendenkonto CF-Ambulanz: IBAN: DE26 7005 0000
0010 0200 40, BIC: BYLADEMM Zahlungsvermerk:
Finanzstelle 80241035 oder 80241072
CF-INITIATIVE-AKTIV E. V. MÜNCHEN
Die Selbsthilfeorganisation ist ein tragendes Element im Raum Südbayern. Als Bindeglied zwischen
Betroffenen, Familien und Ärzten schafft sie ein Netz
der Solidarität. Zusammen mit der Christiane Herzog
Stiftung kämpft sie für Patienten an den Münchner CF-Zentren. In ihrer heutigen Form ist sie 2005 durch den Zusammenschluss der Münchner Selbsthilfegruppen entstanden;
die Vorläuferinitiative (1981 am Haunerschen gegründet) hat
früh mit Christiane Herzog zusammengearbeitet.
Konzept: Der Verein beschafft medizinische Geräte, ermöglicht angesichts knapper Klinikkassen die Anfinanzierung
von Stellen in der medizinischen, physiotherapeutischen und
psychologischen Betreuung, organisiert Klimakuren, hilft in
sozialen Notlagen und fördert Forschungsprojekte.
Kontakt: 1. Vors. Henriette Staudter, Münchener Str. 29,
85290 Geisenfeld ) 08452/70729 * info@cfi-aktiv.de
Spendenkonto: IBAN: DE25 7219 1600 0002 5750 00
BIC: GENODEF1PFI
www.cf-initiative-aktiv.de
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Seele and Geist
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