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AN Vortrag Thomas Pilz Doku 2014-10-20 .pdf

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Stadtteilentwicklung Anpruggen
Shared Space / Begegnungszone
Der lebendige öffentliche Raum
Shared Space / Begegnungszone
als mögliche Strategie für Anpruggen
Vortrag von Architekt DI Mag Thomas Pilz
17. Oktober 2014 in Innsbruck
Charts
Thomas Pilz, Atelier für Architektur (Graz)
Protokoll
Peter Haimayer, Haimayer Projektbegleitung (Innsbruck)
Innsbruck, 20. Oktober 2014
Prozessbegleitung Stadtteilentwicklung Anpruggen
Haimayer Projektbegleitung & co:retis – projektpartner für nachhaltige entwicklung
web: www.anpruggen.at | e-mail: info@anpruggen.at
Stadtteilentwicklung Anpruggen
Shared Space / Begegnungszone
Inhalt
1
Vortrag und Diskussion ..................................................................................2
1.1
1.2
1.3
2
3
Generelle Aussagen ................................................................................2
Beispiele ..................................................................................................3
Anregungen aus dem Vortrag und der Diskussion..................................4
Statements aus der Walk-Space-Tagung 2014 .............................................7
Charts zum Vortrag von Thomas Pilz ............................................................8
1
Vortrag und Diskussion
1.1
Generelle Aussagen
Shared Space und Begegnungszonen
Shared Space (Begriff besteht seit 2004) und Begegnungszonen sind weitgehend identisch.
Die Begegnungszone ist seit Frühjahr 2013 in der österreichischen Straßenverkehrsordnung
ausgewiesen und definiert.
Motiv Sicherheit im Straßenraum
Entstanden sind Begegnungszonen in Holland mit dem Ziel, die Sicherheit im Straßenraum
zu erhöhen. Mit den Umsetzungen hat sich gezeigt, dass nur eine Straße, die ein attraktiver
Straßenraum ist, eine sichere Straße sein kann. Um den Straßenraum in diesem Sinne zu
gestalten, werden auch architektonische Elemente eingesetzt.
Drehscheibe öffentlicher Raum
Im öffentlichen Raum waren in der Geschichte immer Mehrfachnutzungen und viele
Vernetzungen gegeben. Zugleich hat im öffentlichen Raum die Verteilung wirtschaftlicher
Güter stattgefunden sowie die Kommunikation und der Austausch von Informationen. Der
öffentliche Raum war in historischer Zeit somit geprägt von Begegnung, Austausch und
Kommunikation. Diese standen untereinander immer in einem guten Gleichgewicht.
Ziele für die Raumnutzung
Mit den Qualitäten der Gestaltung korreliert das soziale Verhalten am Ort. Daher ist in einem
sozialen Leitbild die Frage zu beantworten, was mit dem Raum geschehen soll bzw. wie der
Straßenraum bespielt werden soll. Wenn die Menschen den Raum beanspruchen können,
wird der Verkehr automatisch langsamer.
Öffentlicher Raum ist Aufenthaltsraum
Es geht darum, alles zu tun, damit sich die Menschen im öffentlichen Raum aufhalten. Da
entsteht dann auch eine Art sozialer Kontrolle und es sind dort jene Menschen anzutreffen,
die man dort auch haben will. Straßenraumgestaltungen sind nicht zuletzt auch dazu da, um
zu sehen und gesehen zu werden.
Seite 2
Stadtteilentwicklung Anpruggen
Shared Space / Begegnungszone
1.2
Beispiele
Gleinstätten
Im Zuge der Errichtung der Begegnungszone wurde der Bereich der Schule zur Straße hin
geöffnet. Dank der Begegnungszone konnte die reale Geschwindigkeit der Kraftfahrzeuge
stärker reduziert werden als mit den herkömmlichen Verkehrszeichen.
Velden
Bei 16.000 Kraftfahrzeugen pro Tag war die Sorge gegeben, dass nach der Errichtung der
Begegnungszone selbstorganisierte Verkehrsumleitungen durch angrenzende Wohngebiete
stattfinden. Das war nicht der Fall. Der Verkehr wurde nicht künstlich reduziert, sondern er hat
sich den neuen Gegebenheiten (Geschwindigkeit, Achtsamkeit etc.) angepasst. Obwohl kein
Temporaum entstanden ist, hat die Straße in Bezug auf den Durchsatz dieselbe Leistung.
Statt der üblichen Poller für Begrenzungen wurden Skulpturen (Oktaeder aus Beton),
angebracht, die vielfältig genutzt werden können (Sitzen, Kinderspiele, Tische etc.).
Durch die gezielte Gestaltung des vielfältig gegliederten Straßenraums (Engstellen, breitere
Bereiche, Plätze etc.) ist eine Straße entstanden, die viele Geschichten erzählt.
Villach
In der Begegnungszone Bahnhofstraße wurde ein Mittelparkstreifen angebracht, der aus
beiden Richtungen angefahren werden kann. Hintergrund war, dass sich Vertreter der beiden
Straßenweiten nicht darauf einigen konnten, auf welcher Seite der Straße die Parkplätze
angelegt werden sollen.
St. Gallen
In St. Gallen: hat man in einem nicht so stark frequentierten Seitenbereich eine künstlerische
Gestaltung einer Begegnungszone gewagt. Dieser ungewohnte Ansatz kommt sehr gut an, er
führt zur Identifikation mit der Begegnungszone, er wird als Wert erkannt und er ziert daher
die Titelseite des Stadtplans (nicht das St. Galler Münster oder die berühmte Stiftsbibliothek).
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Stadtteilentwicklung Anpruggen
Shared Space / Begegnungszone
1.3
Anregungen aus dem Vortrag und der Diskussion
Im Folgenden sind im Vortrag getroffene Aussagen sowie Beiträge aus der anschließenden
Diskussion zu Anpruggen wiedergegeben. Sie sind im Sinne eines Ergebnisprotokolls sowie
aus Gründen der Übersichtlichkeit thematisch zusammengefasst. Festzuhalten ist in diesem
Zusammenhang, dass Thomas Pilz Ideen und Anregungen eingebracht hat, dass er seine
Aussagen aber nicht als definitive Gestaltungsvorschläge verstanden wissen will.
Generelle Aussagen im Zusammenhang mit Anpruggen
Vor der Einrichtung einer Begegnungszone sollte man sich darüber im Klaren sein, was für
ein Leben dort geführt werden soll. Wenn es gelingt, aus den räumlichen Qualitäten attraktive
Lebensräume zu machen, stellt der Verkehr nicht mehr das Problem dar.
Gestaltung: Allein schon Möblierung des Straßenraums bewirkt eine Verlangsamung des
Verkehrs, da müssen noch gar keine Menschen da sein. Essentiell wichtig ist die ästhetische
Gestaltung des Straßenraums. Zudem gilt: Je attraktiver ein Stadtraum mit Bäumen gestaltet
ist, desto vornehmer ist die Adresse. Die Intensität der Gestaltung hängt auch von der
Ausgangssituation ab. In Velden z.B. kamen wegen der heterogenen Bausubstanz bei den
Häusern entlang der Straße im Straßenraum selbst dann starke Gestaltungen zum Einsatz.
Ampeln und Mittellinien: Wenn der Straßenraum wirklich gut gestaltet ist, braucht es keine
Ampel mehr. Auch werden in modernen städtischen Straßenräumen keine Mittellinien mehr
angebracht.
Verlagerungseffekte: Diese treten nur dann auf, wenn sie beabsichtigt sind und wenn gezielt
an den dafür geeigneten Stellschrauben gedreht wird. Das war z.B. in Feldkirchen bei Graz
der Fall, wo Verlagerungseffekte beabsichtigt waren (die Autos sollten zum Flughafen einen
anderen Weg nehmen).
Evaluierung von Begegnungszonen: Wenn die Lösungen partizipativ entwickelt werden,
dann ist damit meist ein hoher Grad an Identifikation und auch Stolz verbunden. Wenn dann
in der Folge kleinere Mängel auftreten und Nachbesserungen erforderlich sind wird nicht
kritisiert und es wird auch nie das Projekt als solches in Frage gestellt.
Shared Space / Begegnungszone: Diese muss nicht automatisch die beste Lösung sein.
Wichtig ist, zu beachten, dass Shared Space Grundprinzipien beinhaltet und keinesfalls eine
fertige Gestaltung darstellt. Shared Space heißt nicht, überall alles zu einer durchgehend
gleichen Ebene zu machen. Gut ist jedenfalls der Wechsel zwischen straßenartigen und
platzartigen Bereichen - und das ist in der Innstraße durchaus gegeben. Für die Installierung
von Shared Space jene Bereiche nutzen, wo sich die Straße platzartig weitet. Das könnte in
Anpruggen in etwa so aussehen:




Mariahilfplatz
= Platz
Mariahilfstraße
= Straße
Innstraße
= Straße
Hans-Brenner-Platz = Platz (Frage nach der Ausdehnung in der Länge)
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Stadtteilentwicklung Anpruggen
Shared Space / Begegnungszone
Mariahilfplatz
Der Mariahilfplatz bildet eine Zäsur im Straßenverlauf, es ist jener Bereich, bei dem die
Straße zum Inn hinführt. Der Mariahilfplatz besitzt gute Voraussetzungen für die Einrichtung
einer Begegnungszone und er bietet sich aus mehreren Gründen für die Realisierung eines
ersten derartigen Projekts an.
Mariahilfstraße
Wenn die Parkplätze beibehalten werden sollen, besteht im Hinblick auf eine Neugestaltung
nicht viel Spielraum. Auf jeden Fall sollte das Grün erhalten bleiben. Einige Bäume könnten
eventuell direkt bei der Häuserfront gepflanzt werden, aber so, dass die Fassaden gut zur
Geltung kommen.
Kreuzung Innbrücke
Hier sind zu viele Abbiegespuren vorhanden und die Räume für die Fußgänger sind zu sehr
eingeengt.
Für Shared Space ist dieser Bereich nicht geeignet, eine ungeregelte Kreuzung nur schwer
vorstellbar. Rein theoretisch wäre eine Lösung mit einem kleinen Kreisverkehr denkbar, bei
dem der Bus die Mitte überfahren kann, um direkt in die Höttinger Gasse zu gelangen. Auf
jeden Fall gilt es bei der Innbrücke, den Flächenfraß der Abbiegespuren zu beseitigen.
Höttinger Gasse
Für die Höttinger Gasse könnte eine Lösung mit unterschiedlichen Straßenbelägen geeignet
sein, jedoch ohne Territorien für die unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer. Ein Beispiel dafür
wäre die schmale Gasse in Hartberg in der Steiermark, wobei diese Gasse allerdings bergab
führt und die Autofahrer eher auf der Bremse stehen. Bei einer Gasse mit Steigung wird eher
aufs Gas gestiegen.
Westliche Innstraße und Waltherpark
Der Querschnitt für Autos ist viel zu breit, d.h. wir haben zu breite Fahrbahnen. Bei
Verschmälerung der Fahrbahnen wäre ein vier Meter breiter Gehsteig möglich und Bäume
könnten dann auch auf der Hausseite gepflanzt werden.
In der Innstraße sollte eine spürbare Beziehung zwischen dem Waltherpark und der
Gebäudefassade hergestellt werden.
Das Turnus Vereinshaus ist in der westlichen Innstraße die schlimmste Sichtachse. Eine
Rhythmisierung mit Baumsetzungen und Materialwechsel könnte hier hilfreich sein.
Vom Waltherpark sollte auf keinen Fall etwas weggenommen werden. Allerdings bildet die
Mauer eine strikte Trennung, die aufgelöst werden sollte. Einzelne Bäume könnten zu Lasten
des einen oder anderen Parkplatzes im Bereich des Schrägparkstreifens gepflanzt werden. In
Verbindung mit einigen Bäumen auf der Häuserseite würde der Park visuell ausgeweitet und
man hätte den Eindruck, durch einen Park zu fahren. Das würde automatisch zu einer
Reduktion der Geschwindigkeit führen.
Die Stiege in der Mitte des Waltherparks wäre der Ansatzpunkt für eine Achse, auf der die
Menschen über die Straße geführt werden. Noch besser wären zwei Querverbindungen zur
anderen Straßenseite, verbunden mit einem Materialwechsel zwecks visueller Gestaltung.
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Stadtteilentwicklung Anpruggen
Shared Space / Begegnungszone
Hans-Brenner-Platz und Umfeld
Dieser Raum bietet im Bereich St. Nikolaus das größte Potenzial, er ist gleichzeitig aber auch
am schwierigsten zu händeln. Es gilt, die großen Qualitäten des Platzes und der Ensembles
zu nutzen und die räumlichen Qualitäten herauszuschälen. Die auf den Charts rot
gekennzeichneten Fassaden können im Straßenraum schon von der Weite her
wahrgenommen werden. Zudem würde der Platz sehr gewinnen, wenn keine Autos parken.
Auch ist zu überlegen, was in diesem Raum - an sozialem Leben - möglich ist.
Der Platz bietet viele Nischen, die nett gestaltet werden können, die derzeit aber sehr
schlecht oder überhaupt nicht genutzt. Auch gehört das Trafohäuschen weg. Es ist zu klären,
ob es in den Boden versenkt werden kann.
Die Gunst beim Eck, der schmalen Stelle beim indischen Restaurant Rama ist zu nutzen. Hier
könnte ein Eingangsbereich in den Platz und in die Begegnungszone geschaffen werden.
Der Platz ist jetzt gebuckelt, er sollte jedoch schalenartig gestaltet werden mit einer
Mittelentwässerung und in der Nacht eine dezente Beleuchtung erhalten.
Bei der Gestaltung des Hans-Brenner-Platzes und seines Umfeldes ist es wichtig, dass die
notwendige Balance gefunden wird. Man sollte bei den Zukunftsüberlegungen und bei den
Gestaltungsüberlegungen nicht von der Notwendigkeit der Parkplätze ausgehen. Eine Form
der Bespielung kann ja auch die sein, dass es auch Parkplätze gibt. Diese sind dann jedoch
konkret auszuweisen.
Zur Relation zwischen Fußgängern, Radfahrern und Autofahrern am Hans-Brenner-Platz: Vor
der Umgestaltung ist schwer zu ermessen, wie die Situation nach der Umgestaltung sein wird
(Fußgängerfrequenz etc.). Die Frequentierung durch die Fußgänger hängt stark davon ab,
wie attraktiv der Raum gestaltet ist. Ziel muss es sein, im zentralen Bereich des HansBrenner-Platzes Menschen anzuziehen. Der Hans-Brenner-Platz hat genug Potenzial, dass
hier viel stattfinden kann und dass sich die Autofahrer eingebremst werden können.
Innallee
Die Frage ist, welches Potenzial die Innallee aufweist und wofür sie sich eignet. Es kann nicht
auf allen Plätzen dasselbe gemacht werden, sonst verliert die Gestaltung / Inszenierung an
Wirkung. Erforderlich sind komplementäre Nutzungsmuster, damit sich die einzelnen
Örtlichkeiten gegenseitig ergänzen. Aus diesem Grunde ist bei der Innallee eher an
naturbezogene Nutzungen und entsprechende Gestaltungen zu denken. Demgegenüber
kann und soll am Hans-Brenner-Platz ein intensiveres soziales Leben stattfinden.
St. Nikolausgasse
Die Gasse ist sehr schmal, sie bietet daher nicht viele Möglichkeiten. Auf jeden Fall ist darauf
zu achten, dass auf der nördlichen Straßenseite nicht geparkt wird. Die St. Nikolausgasse
könnte analog zur Gasse in Hartberg gestaltet werden (sieh auch die Ausführungen zur
Höttinger Gasse). Diese Form der Gestaltung ist ein bewährtes Grundmotiv für schmale
Gassen.
Pfarrkirche St. Nikolaus
Die Kirche wäre es Wert, dass sie einen schönen Vorplatz bekommt, der bis auf die andere
Straßenseite zum Nikolostüberl hinüberreicht.
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Stadtteilentwicklung Anpruggen
Shared Space / Begegnungszone
2
Statements aus der Walk-Space-Tagung 2014
Im Folgenden einige nach Themen geordnete Statements aus Vorträgen und Diskussionen
verschiedener Rednerinnen und Redner zum Thema Begegnungszonen, die im Rahmen der
Walk-Space-Tagung vom 16. bis 17. Oktober 2014 in Innsbruck eingebracht wurden.
Motto
Vom Straßenraum zum öffentlichen Raum, von öffentlichen Raum zu Lebensraum.
Trends
Österreich: In allen österreichischen Städten sind Verkehrslösungen sowie die Verbesserung
der Aufenthaltsqualität die großen Herausforderungen. Bestrebungen zur Realisierung von
Begegnungszonen gibt es in ganz Österreich.
Österreich: In drei Bundesländern sind bereits Begegnungszonen auf Landesstraßen
eingerichtet.
Schweiz: Zahl der Begegnungszonen in einzelnen Schweizer Städten: Zürich 51, Bern 38,
Lausanne 33, Basel 31, St. Gallen 26, Genf 13. Diese Zahlen sind nicht ganz aktuell,
inzwischen ist die Entwicklung weiter vorangeschritten.
Anwendung
Instrument der Begegnungszonen hat in seiner Anwendung und Gestaltung einen sehr weiten
Einsatzbereich.
Für jede Situation ist zu prüfen, ob Begegnungszonen die richtige Lösung und wenn ja, dann
sind für jeden Ort individuelle Lösungen zu entwickeln. Eine Begegnungszone kann je nach
Situation bei 5.000 Kraftfahrzeugen pro Tag nicht funktionieren, bei 16.000 Kraftfahrzeugen
pro Tag aber sehr wohl.
Quantitative Vorgaben in Form von Richtlinien können sehr problematisch sein. Bei genauer
Auslegung der im Konzept vorliegenden „Richtlinien und Vorschriften für das Straßenwesen“
für Begegnungszonen in Österreich, hätten Projekte, die sich als äußert erfolgreich erwiesen
haben, gar nicht realisiert werden dürfen.
Frequenzen
Rankweil (Vorarlberg): Die Begegnungszone wird 500 Meter lang mit jeweils einem
Kreisverkehr an den Eingangsportalen. Die Begegnungszone ist für 18.000 Kraftfahrzeuge
pro Tag ausgelegt.
Duisburg (Deutschland): Begegnungszone mit 18.000 Kraftfahrzeugen pro Tag.
Umleitungsfunktion
Rheintal (Vorarlberg): Im Vorarlberger Rheintal soll mit Hilfe von Begegnungszonen der
Widerstand für den Verkehr in den Ortsdurchfahrten erhöht werden, um Kraftfahrzeuge auf
die übergeordneten Verkehrswege (z.B. Rheintalautobahn) zu lenken. Ein erstes Projekt ist in
Wolfurt realisiert mit einer Frequenz 12.000 Kraftfahrzeugen pro Tag.
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Stadtteilentwicklung Anpruggen
Shared Space / Begegnungszone
Sicherheit
In der Schweiz gibt es Untersuchungen, wonach 70 % der Autofahrer vor Zebrastreifen trotz
der dort wartenden Kinder nicht stehen bleiben, wogegen in Begegnungszonen 70 % der
Autofahrer die Kinder die Straße queren lassen - und zwar ohne Zebrastreifen
In Begegnungszonen kann auch eine punktuelle Bündelung des Fußgängerverkehrs
stattfinden.
Wirtschaftliche Effekte
Die Aufwertung des Straßenraums trägt dazu bei, dass sich dort mehr Menschen bewegen.
Wien: Im Zusammenhang mit der Einrichtung der Begegnungszone in der Mariahilfer Straße
und den damit verbundenen, aufwändigen Umgestaltungsmaßnahmen wurde kritisiert, dass
damit Wirtschaftsförderung für die hier angesiedelten Filialen internationaler Handelsketten
betrieben wird. Es wäre viel wichtiger gewesen, mit der Errichtung von Begegnungszonen in
jenen Straßenzügen zu beginnen, wo noch vorwiegend Klein- und Mittelbetriebe mit lokalen
bzw. regionalen Wurzeln tätig sind, da für deren wirtschaftliche Absicherung solche
Gestaltungsmaßnehmen im Straßenraum wesentlich wichtiger wären.
Schweiz: Bezüglich der wirtschaftlichen Auswirkungen von Begegnungszonen gibt es vom
Einzelhandel positive Signale. Negative wirtschaftliche Auswirkungen von Begegnungszonen
sind in der Schweiz nicht bekannt.
Umsetzung
Erfahrungen anhand der Mariahilfer Straße in Wien: Im Nachhinein betrachtet hat es sich
nicht bewährt, dass man zuerst Experimente mit Belagsbemalungen etc. gemacht hat, um
eine Teststrecke für einen gemeinsamen öffentlichen Raum einzurichten und den Menschen
damit zu zeigen, wie es funktioniert. Man hätte gleich ein Stück real bauen sollen, um den
Menschen am konkreten, fertigen Objekt zu zeigen, wie die Begegnungszone aussieht und
wie sie funktioniert.
3
Charts zum Vortrag von Thomas Pilz
Die folgende Zusammenstellung bietet aus Kapazitätsgründen eine Auswahl von Charts aus
dem Vortrag von Thomas Pilz. Bei der Auswahl wurde darauf geachtet, dass alle Beispiele
sowie die Charts mit den fachlichen Statements und den Arbeitsabläufen dokumentiert sind.
Seite 8
20.10.2014
Der lebendige öffentliche Raum
Shared Space | Begegnungszone als mögliche Strategie für Anpruggen
1. Geschichte und Prinzipien
2. Fragestellungen
3. Ein Blick nach Anpruggen
pilz@aaps.at | www.aaps.at | www.sharedspace.at
Shared Space
1
20.10.2014
London, Exhibition Road
Der öffentliche Raum als gesellschaftliche Realität
Begegnung Kommunikation
Verteilung allgemeiner Güter
Wasser am Brunnen, Information
Austausch
Markt, politische Debatte
Aufenthalt
Flaneure, Geschichtenerzähler
Rituale
Messen, Prozessionen, Feste, Sport
Verkehr
Transit Abfahrt und Ankunft
2
20.10.2014
Der öffentliche Raum
3
20.10.2014
4
20.10.2014
Shared Space - gemeinsam genutzter Raum
• Stadtraum Straße – ein öffentlicher Raum, den wir gemeinsam
nutzen
• Öffentlicher Raum – ein vielfach genutzter Raum
• Ein Lebensraum – nicht vom Verkehr dominiert
5
20.10.2014
6
20.10.2014
Koexistenz statt Dominanz?
Wie entsteht/was ist Shared Space
Eine sichere Straße erzählt von den Wünschen,
Möglichkeiten und von der Sehnsucht ihrer
Bewohner
Verkehrssicherheit
Hans Monderman, 1947-2008
Welche Botschaft soll das Bild der Straße vermitteln?
Stadtraum Straße
Fritz Kobi
The city is an invention to minimize the need of
travel and to maximize the possibilities of
spontaneous exchange
Urbanität
David Engwicht, 12 secrets of placemaking
7
20.10.2014
8
20.10.2014
Wann ist eine Straße sicher?
Eine sichere Straße erzählt von den Wünschen,
Möglichkeiten und von der Sehnsucht ihrer
Bewohner
Radfahrstreifen
Geschwindigkeitsbeschränkung
Mehr Polizei
Höhere Strafen
Mehr Erziehung
Automatische Strafmandate
Radar
Airbag für Radfahrer
Kameraüberwachung
Schwellen
Noch höhere Strafen
9
20.10.2014
Welche Botschaft soll das Bild der
Straße vermitteln?
10
20.10.2014
11
20.10.2014
“Wer will, dass sich Menschen wie in einer Kirche
verhalten, der muss eine Kirche bauen und keine
Disko.”
Hans Monderman
12
20.10.2014
Haren, NL
13
20.10.2014
Shared Space - die Prinzipien
• Keine Trennung von Nutzergruppen im öffentlichen Raum: gemeinsam
genutzter Raum statt zugewiesenen Flächen (keine Revierbildung)
• Eine neue Balance von Verkehrsnutzung und sozialer Nutzung im
öffentlichen Raum – sozial motivierte Gestaltung
• Gute räumliche Gestaltung ersetzt verkehrstechnische Regulierungen und
unterstützt das soziale Leben vor Ort
• Belebung des öffentlichen Raums: Bürgerbeteiligung, Rückeroberung,
Bewusstseinsbildung
14
20.10.2014
eine neue Planungskultur
15
20.10.2014
Shared Space in Gleinstätten Projekteinführung
16
20.10.2014
17
20.10.2014
Alle Bewegungen führen durch den Schulplatz
und nicht daran vorbei
18
20.10.2014
Shared Space - die Prinzipien
• Keine Trennung von Nutzergruppen im öffentlichen Raum: gemeinsam
genutzter Raum statt zugewiesenen Flächen (keine Revierbildung)
• Eine neue Balance von Verkehrsnutzung und sozialer Nutzung im
öffentlichen Raum – sozial motivierte Gestaltung
• Gute räumliche Gestaltung ersetzt verkehrstechnische Regulierungen und
unterstützt das soziale Leben vor Ort
• Belebung des öffentlichen Raums: Bürgerbeteiligung, Rückeroberung,
Bewusstseinsbildung
• Das safety paradox: Die Suche nach einem comfortable level of risk (David
Engwicht) – erhöhte Aufmerksamkeit
19
20.10.2014
20
20.10.2014
Velden (2009 - 2013)
Der öffentliche Raum
21
20.10.2014
22
20.10.2014
Velden - Zielvorgaben
Geschwindigkeitsverteilung - Reisezeit
23
20.10.2014
Räumliches Leitbild
24
20.10.2014
25
20.10.2014
Eine Straße - viele Geschichten
SHARED SPACE KUFSTEIN
Raumsegmente
1 Südportal | Kinkstrasse – Baumgartner Straße
2 Kinkstraße – Madersperger Straße
3 Volksschule | Vorplatz und Josef‐Egger‐Straße
4 Schillerstraße – Josef‐Egger‐Straße
5 BRG | Zugänge Nord und Süd
6 Bezirksgericht | Georg‐Pirmoser – Praxmarer Straße
7 Kreuzgasse
8 Nordportal | Kaiserbergstraße – Anton‐Karg‐Straße
9 Kaiserbergstraße
10 Franz‐Josef‐Platz
11 Hans‐Reisch‐Straße
12 Feldgasse
13 Inngasse
14 Marktgasse
15 Georg‐Pirmoser Straße (Westende)
16 Oberer Stadtplatz
17 Unterer Stadtplatz
18 Fischergries
19 Südtiroler Platz (Bahnhof)
20 Römerhofgasse
26
20.10.2014
Oberer Stadtplatz
Das Zentrum von allem, der zentrale Shared Space: irgendwo Auto(s)
(hinten) und Radler (Vordergrund), daneben die Bank, auf der einer
sitzt, und dann rechts und links einige (viele), die hier stehen, warten
beobachten, miteinander im Gespräch sind – wie der Chor in der
antiken Tragödie Die Zufahrten
Die Geschäftsstrasse mit platzartigen
Erweiterungen zeigt: Schaufensterschauende, Gehende (oder stehend im Gespräch), Radel im Ständer, ein Auto, das hinter einem Fußgänger wartet.
Bahnhofsvorplatz
Die Uhr, ein Bus, Wartende, Hastende, Radler, Taxi.
Flüchtiges, aber problemloses Durcheinander, Shared
Space eben.
Schulquadrant
Der Schulhof. Kinder, die Ball spielen, Seil springen, Drachen steigen lassen, radeln. Der Lehrer (groß) steht daneben, mit seinem Radl, unter einem Baum, am Rand.
Uni Campus im Stadtpark
Ruhe unter Bäumen (alte Bäume, neue Bäume), radelnde und zu Fuß
gehende Menschen, im Gras liegen, Picknickstimmung, Ballspieler – ein
urbaner Stadtpark, für Kufstein
Fischergries
Der jugendliche Freizeitplatz, chill out, als Shared
Space, Terrasse zum Inn, Wasserphontänen, an denen
Kinder spielen, Skater, ein Auto, der Würstelstand,
Menschen, die auf Stufen sitzen oder auf Bänken
liegen und sportlich gammeln
Arkadenhof
Hinterhof‐Cafe‐Stimmung, ein wenig steif,
dafür rollstuhlgerecht (Duett der
RollstuhlPiloten), kein Radel, gediegen und heiter, geschützt und ruhig
Unterer Stadtplatz
Die mondäne, klassische Gastronomie (Gastgarten, auf ebenen Terrassen) und Shopping Flaneure, (gemütliche) Radler (auf leicht geneigter Bahn – Bäume, die Geborgenheit geben
27
20.10.2014
Shared Space Potentialanalyse Kufstein
VOLKSSCHULE
VORBEREICH | JOSEF‐EGGER‐STRASSE
Shared Space Potentialanalyse Kufstein
VOLKSSCHULE
VORBEREICH | JOSEF‐EGGER‐STRASSE
28
20.10.2014
alle Bewegungen führen
durch den Platz
und nicht daran vorbei
SHARED SPACE KUFSTEIN
29
20.10.2014
SHARED SPACE KUFSTEIN
VORENTWURFSSTUDIE JOSEF EGGER STRASSE
SHARED SPACE KUFSTEIN
VORENTWURFSSTUDIE JOSEF EGGER STRASSE
30
20.10.2014
SHARED SPACE KUFSTEIN
SHARED SPACE KUFSTEIN
VORENTWURFSSTUDIE JOSEF EGGER STRASSE
31
20.10.2014
32
20.10.2014
Entwurfsstudie Villach Bahnhofstrasse
33
20.10.2014
Entwurfsstudie Villach Bahnhofstrasse
34
20.10.2014
Dann kommen die Falschen!
Nicht, wenn es elegant gestaltet ist.
Shared Space – Idee, Konzept, Strategie
DIE WICHTIGSTEN MERKMALE
• Keine Trennung von Nutzergruppen im öffentlichen Raum: gemeinsam genutzter Raum statt
zugewiesenen Flächen
• Keine Verkehrszeichen: räumliche Gestaltung statt Regelfolgen nach Piktogrammen (Das
Ideal des selbsterklärenden Stadtraumes)
• Eine neue Balance von Verkehrsnutzung und sozialer Nutzung im öffentlichen Raum
• Belebung des öffentlichen Raums: Bürgerbeteiligung, Rückeroberung, Bewusstseinsbildung
• Das safety paradox: Die Suche nach einem comfortable level of risk (David Engwicht)
35
20.10.2014
Shared Space – Idee, Konzept, Strategie
DIE WICHTIGSTEN MERKMALE
• Keine Trennung von Nutzergruppen im öffentlichen Raum: gemeinsam genutzter Raum statt
zugewiesenen Flächen
• Keine Verkehrszeichen: räumliche Gestaltung statt Regelfolgen nach Piktogrammen (Das
Ideal des selbsterklärenden Stadtraumes)
• Eine neue Balance von Verkehrsnutzung und sozialer Nutzung im öffentlichen Raum
• Belebung des öffentlichen Raums: Bürgerbeteiligung, Rückeroberung, Bewusstseinsbildung
• Das safety paradox: Die Suche nach einem comfortable level of risk (David Engwicht)
36
20.10.2014
Was macht den Verkehr dominant?
Geschwindigkeit und Sicherheitstechnik
Logik der Straße | Qualitäten des Raumes
Verkehrsverhalten | soziales Verhalten
Von den Möglichkeiten des Raumes und seiner Belebung ausgehen, nicht
von den Erfordernissen des Verkehrs
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20.10.2014
Einladung zum Aufenthalt
38
20.10.2014
39
20.10.2014
40
20.10.2014
41
20.10.2014
Shared Space | Begegnungszone
Rechtsformat mit klaren Regeln:
Tempo 20/30
Fußgänger dürfen die Fahrbahn benützen (jedoch den
Verkehr nicht beliebig behindern)
Parken nur auf gekennzeichneten Flächen
eine neue Planungskultur
42
20.10.2014
eine neue Planungskultur
43
20.10.2014
44
20.10.2014
45
20.10.2014
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20.10.2014
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20.10.2014
48
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