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SZ -Archiv: A58447738

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SZ-Landkreisausgaben
STADTVIERTEL
Montag, 3. November 2014
München City Seite R11
„Da haben viele andere mitgewirkt“
Hartmut Rohling erläutert, wie er die Ludwig-Richter-Höfe erhalten hat
Laim – Sie haben die Entscheidung noch
nicht als Baugenehmigung auf dem Tisch
liegen, aber das öffentliche Wort des Chefs
der Lokalbaukommission, Cornelius Mager: „Die Anwohner können aufatmen.“
Die bereits genehmigte Tiefgarage im Innenhof der Ludwig-Richter-Höfe werde
nicht gebaut. Stattdessen, so der Behördenleiter, könnten die Bauherren der Patrizia
AG Stellplätze entweder ablösen oder in benachbarten Bauprojekten nachweisen. Notwendig ist das, weil das Dachgeschoss des
Karrees ausgebaut und für die neuen Bewohner auch Parkraum vorgehalten werden muss. Die Bewohner hatten sich zur Initiative „Grüner Innenhof Laim“ zusammengeschlossen, um den Bau der Tiefgarage zu vereiteln. Sie initiierten den nachträglichen Eintrag der Anlage in die Denkmalschutzliste und bewirkten dadurch ein Umdenken bei den Verantwortlichen. Hartmut Rohling, einer der Sprecher der Initiative, spricht über den steinigen Weg zum
Ziel.
SZ: Herr Rohling, kann sich die Initiative
Grüner Innenhof diesen Erfolg ans Revers
heften?
Hartmut Rohling: Natürlich haben wir
maßgeblich dazu beigetragen, dass der Innenhof der Ludwig-Richter-Höfe in seiner
Idylle erhalten bleibt. Aber da haben viele
andere mitgewirkt. Da war der Bezirksausschuss Laim, der das Vorhaben abgelehnt
hat. Da war der Antrag der Grünen-Stadtratsfraktion mit dem gleichen Ziel. Da war
das Landsamt für Denkmalschutz, der
Bund Naturschutz und noch einige mehr.
Was hat Ihrer Ansicht nach dazu geführt,
dass die Stadt nun eine Alternative zum
Bau der Tiefgarage gestattet?
Wir kennen den internen Entscheidungsprozess in der Lokalbaukommission nicht.
Sicher haben die Initiativen aus der lokalen Politik, der Denkmalschutz, unsere Öf-
fentlichkeitsarbeit und die Presse diesen
Prozess beeinflusst. Wir vermuten, dass
auch die Patrizia davon beeindruckt wurde
und letztlich nachgegeben hat. Die wollten
die Tiefgarage anfangs auch gar nicht.
Welche Erfahrungen haben Sie auf dem
Weg zu diesem Ziel gemacht, mit den Ansprechpartnern in der Verwaltung, der Politik und natürlich auch mit dem Kontakt
zum Immobilien-Riesen-Patrizia?
Bäume samt Idyll gerettet: Hartmut
Rohling ist einer der Sprecher der
Laimer Initiative.
FOTO: S. RUMPF
Zunächst haben wir alle auf dem Weg zum
Erfolg viel gelernt. Die politische Seite hat
unseren Widerstand Ernst genommen und
positiv begleitet. Die Verwaltung, sicher
von rechtlichen Vorgaben her gebunden,
war anfangs sehr zurückhaltend. Sie hat
das Vorhaben ja im November 2013 im vereinfachten Verfahren genehmigt. Allerdings hat die Lokalbaukommission die Angelegenheit ohne Zögern neu verhandelt,
nachdem die Denkmaleigenschaften des
Ensembles klar waren. Über das Ergebnis
freuen wir uns.
Die Historie des Protests
Ende 2013 schien der Kampf bereits verloren. Trotz massiven Widerspruchs der Bewohner hatte die Stadt der Patrizia AG die Genehmigung erteilt, in den Innenhof der Ludwig-Richter-Höfe eine Tiefgarage zu bauen.
Eine Rampe hinein in die grüne Oase mit
zwölf riesigen Bäume, einige davon 90 Jahre
alt. 30 Stellplätze sollten hier entstehen und
damit ausreichend Parkraum für die neuen
Nachbarn. Denn die ziehen in 19 Wohnungen
ein, die unterm Dach der Anlage ausgebaut
werden, die von 1925 bis 1927 nach Entwürfen von Karl Stöhr an der Kreuzung AgnesBernauer-/ Lautensackstraße errichtet wurde. Die protestierenden Bewohner schlossen
sich zur Initiative Grüner Innenhof Laim zusammen. Sie sahen dadurch die grüne Lunge
vor der eigenen Tür bedroht. Weil weder alternative Planungsvorschläge noch die Unterstützung von Lokalpolitikern und Natur-
schutz etwas gebracht hatten, zog die Initiative die Denkmalschützer hinzu. Die nahmen
die Gesamtanlage wegen ihrer „Wirkmächtigkeit“ und geschichtlichen Bedeutung
nachträglich in die Denkmalliste auf. Daraufhin stellte die Patrizia Ende Juli 2014 einen
neuen Antrag auf Baugenehmigung – ohne
Tiefgarage. Cornelius Mager, der Leiter der
Lokalbaukommission, erklärt im Gespräch
mit der SZ, dass man „die Konsequenzen aus
der nachträglichen Denkmalaufnahme gezogen habe“. Damit gestattet die Stadt dem
Bauherren doch noch, die Stellplätze entweder abzulösen oder bei einem anderen Bauprojekt unterzubringen. Mager verweist
nach dieser Wende auf den „erheblichen wirtschaftlichen Aufwand“ für eine so kleine Tiefgarage, die den Dachausbau nahezu unökonomisch geraten lasse. Die zweite Baugenehmigung steht kurz bevor.
ANDS
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Wie professionell muss man sich als bürgerschaftliche Initiative inzwischen organisieren, um überhaupt etwas ausrichten
zu können?
Es war sehr schnell klar, dass wir unseren
Widerstand organisieren müssen. Die
Gründung und Arbeit der Initiative Grüner
Innenhof Laim hat eine Menge Erfahrung
aus allen Lebensbereichen zusammengeführt: Unternehmensberater, Freiberufler,
Beamte haben zusammengefunden und ihre diversen Stärken für ein gemeinsames
Ziel eingesetzt. Wir haben uns in viele Themen eingearbeitet, beispielsweise Baurecht, Denkmalrecht, Naturschutz, Stellplatzverordnung, Vorgartensatzung und
Wohnungseigentümergesetz. In einem
Kernteam trafen wir uns wöchentlich,
tauschten uns aus und handelten dann.
Wir haben uns anwaltlich und von anderen
Gruppen und Initiativen beraten lassen
und waren in der Öffentlichkeit präsent.
Was können andere Initiativen daraus lernen?
Ich glaube, es hängt immer von der jeweiligen Situation ab. Aber generell gilt: Zusammenschließen, informieren und Widerstand organisieren. Wichtig waren für uns
auch externe Beratung und Unterstützung. Außerdem sind schwierige Wegstrecken und Rückschläge in der Gruppe besser durchzustehen. Jedenfalls war das bei
uns so.
Noch ist die Genehmigung für den Umbau
des Dachgeschosses nicht erteilt. Gibt’s
für die Initiative noch was zu tun, nachdem sie ihr eigentliches Ziel bereits erreicht hat?
Wir gehen davon aus, dass die Untere Denkmalschutzbehörde der Landeshauptstadt
die Vorgaben des Landesamts für Denkmalschutz im Genehmigungsverfahren
umsetzt. Was dabei herauskommt, werden
wir kritisch beurteilen. Inzwischen sind
die meisten Eigentümer froh, sich in eine
denkmalgeschützte Anlage eingekauft zu
haben. Ein weiteres Problem sind die geplanten Aufzüge. Die sollten nach unserer
Auffassung zumindest barrierefrei ausgestaltet werden. Das sind sie nach derzeitiger Planung nicht. Der erste Zustieg ist erst
zwischen Hochparterre und erstem Stock
möglich. Also für die Mieter ein recht eingeschränkter Nutzen. Die Mieten dürften allerdings allein dadurch um ca. 100 bis 150
Euro steigen. Da sind wir noch dran.
Wann wird gefeiert und wo, im Innenhof?
Sicher wird es im nächsten Frühjahr ein
großes Hoffest geben. Da laden wir auch alle ein, die uns geholfen haben. Eines freut
uns ganz besonders, weil es über die Aktion gegen die Tiefgarage hinausgeht. Es ist
dadurch wieder ein Hofleben gewachsen.
Alt und Jung, Eigentümer und Mieter haben zusammengefunden, Feste gefeiert
und sich kennengelernt. Das bleibt.
interview: andrea schlaier
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