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Info-Grafik Revidierte Beschäftigungsstatistik und Rente - Portal

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Info-Grafik
Revidierte Beschäftigungsstatistik und Rente
»Jo-Jo-Effekt« beim Anpassungssatz
Im August 2014 hat die Bundesagentur für Arbeit (BA) eine
Revision der Beschäftigungsstatistik vorgenommen. Im Ergebnis steigt hierdurch die Anzahl der Arbeitnehmerinnen
und Arbeitnehmer. Über Umwege hat dies Auswirkungen auf
die künftige Höhe der Rentenanpassungen. Im kommenden
Jahr steigen die Renten schwächer als im Szenario ohne Revision der Statistik, im darauf folgenden Jahr fällt der Zuwachs aus dem gleichen Grund stärker aus. Am Ende kompensieren sich die beiden Effekte weitgehend. Wie aber sehen die rechnerischen Zusammenhänge genau aus?
Die Anpassung der Renten ist gekoppelt an die Entwicklung der
Löhne und Gehälter. Detailiert geregelt sind die Vorgaben in § 68
SGB VI. Neben der Lohnentwicklung spielen weitere Faktoren
wie etwa die Entwicklung des Beitragssatzes oder auch der
sogenannte Nachhaltigkeitsfaktor eine wichtige Rolle. Diese
Einflussgrößen bleiben im Folgenden allerdings ausgeblendet, da
es hier ausschließlich um den unmittelbaren Einfluss der
geänderten Statistik auf das Anpassungsverfahren gehen soll.
Das in die Anpassung einfließende Lohnplus ergibt sich aus der
Entwicklung der Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer im
Vorjahr (Durchschnittsentgelt) nach den Volkswirtschaftlichen
Gesdamtrechnungen (VGR). Und dieses Plus fällt 2014 infolge
der Einbeziehung weiterer Personen mit in der Regel niedrigem
»Entgelt« geringer aus. Durch die Revision sind zum Stichtag 30.
Juni 2013 u.a. zusätzlich folgende Gruppen hinzugekommen:
• 298.663 behinderte Menschen in anerkannten Werkstätten
oder gleichartigen Einrichtungen mit einem monatlichen
Verdienst von im Schnitt weniger als 200 Euro,
• 30.774 Personen in Einrichtungen der Jugendhilfe,
Berufsbildungswerken oder ähnlichen Einrichtungen für
behinderte Menschen sowie
• 77.476 Personen, die ein freiwilliges soziales / ökologisches
Jahr oder einen Bundesfreiwilligendienst leisten; alles
Tätigkeiten, bei denen es sich durchweg um keine klassische
Beschäftigung gegen Entgelt handelt.
Durch diese und weitere Maßnahmen steigt die ausgewiesene
Zahl der Beschäftigten zum Stichtag um 550.150 Personen.
Damit fällt der Anstieg des Durchschnittsentgelts 2014 gegenüber
2013 geringer aus als im Szenario ohne Revision.
All dies bliebe womöglich ohne Konsequenzen für die Höhe der
Rentenanpassung 2015, wenn auch für die Vorjahre auf die
revidierten Daten zurückgegriffen würde. Dem aber steht § 68
Absatz 7 SGB VI entgegen. Der nämlich bestimmt, dass für die
Vorjahre, also die Jahre vor 2014, die bei der letzten
Rentenanpassung verwendeten Daten heran zu ziehen sind. Dies
hat seine guten Gründe: Die Durchschnittsentgelte der
Anpassungsformel sind immer vorläufiger Natur – maßgebend ist
der Datenstand im März des Anpassungsjahres. Und diese
zurückliegenden Werte werden bei den folgenden Anpassungen
auch nicht aktualisiert, weil dadurch der Anpassungssatz infolge
einer methodischen Inkongruenz unkorrekt ausfiele.
Ein Rechenbeispiel soll die Zusammenhänge verdeutlichen. Um
die ganze Sache zu vereinfachen, wird im Folgenden eine
Lohnsteigerung von jährlich drei Prozent unterstellt. Mit einer
Ausnahme: Im Jahr 2014 betrage der Zuwachs der Löhne
revisionsbedingt lediglich zwei Prozent.
Revidierte Beschäftigungsstatistik und Rente
Dr. Johannes Steffen | 30.10.2014 | © www.portal-sozialpolitik.de
Für die Anpassung der Renten ist allerdings nicht nur die
Lohnentwicklung laut VGR maßgebend; die beinhaltet nämlich
auch nicht beitragspflichtige Entgelte bzw. Entgeltbestandteile.
Daher wird das VGR-Durchschnittsentgelt des jeweils
vorvergangenen Jahres mit dem Faktor gewichtet, der sich aus
der Division der Veränderungsrate der VGR-Entgelte des
vorvergangenen gegenüber dem dritten zurückliegenden
Kalenderjahr durch die Veränderungsrate der beitragspflichtigen
Entgelte im gleichen Zeitraum ergibt. Oder einfacher: Der
Änderungsfaktor der VGR-Durchschnittsentgelte wird durch einen
Wichtefaktor dividiert (vgl. Übersicht). Hierbei werden die
beitragspflichtigen Entgelte aus der Versichertenstatistik der
Deutschen Rentenversicherung ermittelt und sind daher nicht
betroffen von der Revision der Beschäftigungsstatistik. Beim
Zuwachs der beitragspflichtigen Entgelte werden im Übrigen
ebenfalls durchgehend drei Prozent pro Jahr unterstellt.
Revision der Beschäftigungsstatistik und Rentenanpassung
Rechenbeispiel für die Anpassungsjahre 2015 und 2016
Anpassung 2015
A. Anstieg des Durchschnittsentgelts
B. Wichtefaktor
BE 2013 (vor Revision)
BE 2014 (nach Revision)
=
BE 2012 (vor Revision)
1,0200*
BE 2013 (vor Revision)
bBE 2013
* Statt 1,03 ohne Revision
bBE 2012
A. Anstieg des Durchschnittsentgelts
= 1,0300
= 1,0000
= 1,0300
1,0200
=
= 1,0200
B. Wichtefaktor
1,0000
Anpassung 2016
A. Anstieg des Durchschnittsentgelts
B. Wichtefaktor
BE 2014 (nach Revision)
BE 2015 (nach Revision)
=
BE 2013 (vor Revision)
1,0300
BE 2014 (nach Revision)
bBE 2014
bBE 2013
A. Anstieg des Durchschnittsentgelts
= 0,9903
= 1,0300
1,0300
=
B. Wichtefaktor
= 1,0200
= 1,0401
0,9903
BE = Durchschnittsentgelt nach VGR, bBE = beitragspflichtiges Durchschnittsentgelt
© Portal Sozialpolitik 2014
Für die Rentenanpassung 2015 wäre dann ein Anstieg des
Durchschnittsentgelts von zwei Prozent maßgebend. Und da in
den Jahren vor 2014 durchweg alle Veränderungsraten mit drei
Prozent angenommen werden, hat der Wichtefaktor (1,0)
zunächst keine Auswirkungen. Alleine aufgrund der
Lohnentwicklung müssten die Renten also um zwei Prozent
steigen – statt um drei Prozent ohne Datenrevision.
Bei der Rentenanpassung 2016 sind für den Lohnzuwachs nur
noch revidierte VGR-Werte maßgebend; diese steigen der
Annahme zufolge dann wieder um drei Prozent. Allerdings fällt
der Wichtefaktor kleiner als eins aus, weil in dessen Berechnung
noch der geringe Entgeltanstieg aus 2014 (zwei Prozent) eingeht
und durch die höhere Zuwachsrate der beitragspflichtigen
Entgelte (drei Prozent) zu dividieren ist. Alleine aufgrund der
gewichteten Lohnentwicklung würden die Renten dann um vier
Prozent steigen – statt um drei Prozent ohne Revision.
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Gesundheitswesen
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