close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

14. Oktober 2014 - WELTBLICK Online

EinbettenHerunterladen
42 | 2014
UMWELT:
Höchste Zeit für Artenschutzfinanzierung
UGANDA:
Angriff auf Hauptexportgut Kaffee
PANAMA:
Hoffnung auf Entwicklungsschub durch Kanalausbau
JAPAN:
Feminisierung der
Armut
Jahrgang 33 | Nr. 42
IPS-Weltblick
14. Oktober 2014
INHALT
BLICKPUNKT
Der WELTBLICK bietet Ihnen jeden Dienstag
Nachrichten, Hintergrundberichte und Analysen
über den 'Global South' und informiert Sie eingehend über aktuelle und grundlegende Entwicklungen besonders in den Regionen Afrika, AsienPazifik und Latein-amerika-Karibik.
IPS berichtet unabhängig und kritisch. Themen
der menschenwürdigen und nachhaltigen Entwicklung sowie der internationalen Zusammenarbeit für eine 'faire Globalisierung' bilden den
Schwerpunkt. So schärft IPS das öffentliche Bewusstsein für die Bedeutung der nachhaltigen
Entwicklung.
IPS-Deutschland versorgt den deutschsprachigen
Raum mit Nachrichten, Berichten und Analysen
über Ticker, Internet, E-Mail und Print. In
Deutschland besteht IPS seit April 1981. Der
deutschsprachige Dienst wurde mit Unterstützung der Friedrich-Ebert-Stiftung gegründet.
IPS Deutschland ist ein Unternehmen des gemeinnützigen Vereins 'Global Cooperation Council' der 1983 als Nord-Süd-Forum zur Förderung
der Völkerverständigung gegründet wurde. IPS
Deutschland ist aber ein Teil der Gesamt IPSGruppe, die weltweit agiert. Die 1964 gegründete IPS-Agentur zählt zu den weltweit führenden
Anbietern von Informationen zu globalen Themen.
Die internationale Organisation IPS unterstützt
den Aufbau von Informations- und Kommunikationsstrukturen, die zur nachhaltigen Entwicklung,
Verbesserung der Menschenrechtslage und zur
Demokratisierung beitragen.
Wollen Sie unsere Texte veröffentlichen, dann
bitten wir Sie mit uns Kontakt per E-Mail auf
zunehmen: contact@ipsnews.de
IMPRESSUM
Herausgeber:
IPS-Inter Press Service Deutschland GmbH
Marienstr. 19/20, 10117 Berlin
Geschäftsführung und Chefredaktion:
Ramesh Jaura | Karina Böckmann
Tel.: 030 5481 4531 | Fax: 030 5482 2625
E-Mail: weltblick@ipsnews.de
Online: www.weltblick-online.de
Verlag:
Globalom Media Information <> Communication
<> Publishing Agency GmbH
ENTWICKLUNG: Kultur als Instrument der
Nachhaltigkeit
S. 03
UMWELT: Höchste Zeit, Artenschutzfinanzierungsversprechen einzulösen
S. 05
ERNÄRHUNG: Lebensmittelverschwendung
beschäftigt Medienforum
S. 07
ABRÜSTUNG: Atomwaffen - Gefahr bekannt,
doch nicht gebannt
S. 10
MENSCHENRECHTE: Erfolge im Kampf gegen
extreme Kinderarbeit
S. 12
AFRIKA
UGANDA: Angriff auf Hauptexportgut Kaffee
S. 14
SWASILAND: Förderprogramm für Subsistenzbauern
S. 16
ASIEN u. PAZIFIK
ASIEN/PAZIFIK: Massiver Artenschwund in
bevölkerungsreichster Region
S. 18
PAKISTAN: Wenn Schwangere fliehen
müssen
S. 20
SRI LANKA: Anhaltende Dürre trifft Ärmste
am härtesten
S. 22
JAPAN: Frauen wehren sich gegen Feminisierung der Armut
S. 24
LATEINAMERIKA u. KARIBIK
LATEINAMERIKA: Klimawandel bringt den
Hunger zurück
S. 27
PANAMA: Hoffnung auf Entwicklungsschub
durch Kanalausbau
S. 29
TITELSEITE
Der Planet Erde hat in den letzten vier Jahrzehnten
etwa 52 Prozent seiner Wildtiere verloren
Bild: Kanya D’Almeida/IPS
Jahrgang 33 | Nr. 42
IPS-Weltblick
14. Oktober 2014
BLICKPUNKT
ENTWICKLUNG: Kultur als Instrument der Nachhaltigkeit
Von A. D. McKenzie
Florenz (IPS) – Die Anerkennung von Kunst und Kultur als treibende Kräfte für nachhaltige Entwicklung haben Experten auf einer Konferenz Anfang Oktober in Florenz gefordert.
Kunst und Kultur seien entscheidende Faktoren
für Wirtschaftswachstum, Arbeitsplatzbeschaffung und Innovation, hieß es auf dem Treffen
vom 2. bis 4. Oktober in der italienischen Kulturmetropole. Ihre Förderungswürdigkeit müsse
deshalb in der UN-Nachhaltigkeitsagenda verankert werden. Ab 2016 werden die sogenannten Nachhaltigkeitsziele (SDGs) die bisherigen
Millenniumsentwicklungsziele (MDGs) zur Armutsbekämpfung ablösen.
Nach Angaben der UN-Kulturorganisation UNESCO hat sich der globale Handel mit Kulturgütern und –dienstleistungen in den zurückliegenden zehn Jahren auf 620 Milliarden US-Dollar
verdoppelt. Doch zusätzlich zu den finanziellen
Aspekten trägt der Kreativsektor zu sozialer Inklusion und Gerechtigkeit bei, wie die UNESCOGeneraldirektorin Irina Bokowa erklärte, die
das Forum im Palazzo Vecchio in Florenz eröffnet hatte.
"Die Länder müssen ebenso entschlossen in Kultur investieren wie in neue Technologien oder
Energie", betonte sie. "In einem schwierigen
ökonomischen Umfeld müssen wir Aktivitäten
ins Auge fassen, die die soziale Kohäsion wiederherstellen. Kultur bietet hier Lösungen."
Mit der Konferenz habe man den Beitrag der
Kultur zu unterschiedlichen MDGs wie Armutsbekämpfung, Grundschulbildung für alle, Stärkung der Rolle der Frau und ökologische Nachhaltigkeit unter Beweis stellen wollen, betonte
die UNESCO-Chefin im IPS-Gespräch.
Dennoch geben viele Regierungen zu wenig für
den Kultur- und Kreativsektor aus, "Viele Staaten investieren lieber in schlecht besuchte
Fußballstadien als in die Künste", bemängelte
Lloyd Stanbury, ein in der Musikbranche tätiger
jamaikanischer Anwalt. Er verwies auf das Beispiel Jamaika. "Reggae und Rastafari haben uns
einen Platz auf der Weltkarte erobert."
Stanbury plädiert dafür, dem Kunstunterricht
denselben Stellenwert wie jedem anderen
Schulfach einzuräumen. Es gelte die schönen
Künste in vielen Ländern aufzuwerten und als
förderungswerten Industriezweig anzuerkennen. Der Jurist betonte, dass viele Kulturschaffende nicht darauf aus sind, ein harmonisches
Agreement mit ihrer Regierung und deren Institutionen einzugehen, sondern vielmehr einen
politisch-gesellschaftlichen Beitrag leisten, indem sie mit ihrer künstlerischen Arbeit gegen
Korruption und Vetternschaft antreten.
-3-
Jahrgang 33 | Nr. 42
IPS-Weltblick
14. Oktober 2014
BLICKPUNKT
Für viele Staaten genießen Gesundheit, sanitäre Grundversorgung, Energie und Infrastruktur
Priorität vor der Kunst- und Kulturförderung.
Doch Peter N. Ives, Interimsbürgermeister der
US-Stadt Santa Fe schilderte auf dem Forum in
Florenz, wie sich der Kultursektor mit kleinen
Handgriffen unterstützen lässt. Ein Prozent der
Hotelbettsteuer wird für kulturelle Aktivitäten
ausgegeben. “Santa Fe hat mehr Pro-KopfKulturvermögenswerte als jede andere Stadt in
den USA", sagte er. Dank der Inklusion aller kulturschaffenden Gruppen würden sämtliche kreative Fähigkeiten benutzt.
Santa Fe Stadt verfügt zudem über einen
Kunstausschuss, der empfiehlt, welche Programme und Maßnahmen im Sinne der künstlerischen Exzellenz gefördert werden. Auf diese
Weise hat die Stadt nicht nur Schriftsteller und
andere Künstler angezogen, sondern auch Museen und öffentliche Ausstellungsräume geschaffen, die sich wiederum als Touristenmagneten erweisen.
Kohäsion schaffen konnten. In der Karibik und
in Teilen von Afrika und Asien haben Festivals
und Kulturpreise den bildenden Künsten eine
enorme Schubkraft verliehen – eine Erfahrung,
wie sie die reichen Staaten seit langem vorweisen können.
Das Forum, das von der UNESCO, der italienischen Regierung, der Region Toskana und der
Stadt Florenz organisiert worden war, beschäftigte sich auch mit der Frage nach Möglichkeiten, Kulturgüter in Kriegsgebieten zu schützen,
wobei der Fokus auf UNESCO-Projekten zum
Schutz des kulturellen Erbes etwa in Afghanistan und Mali lag.
Konferenzteilnehmer aus Dänemark und Belgien gaben einen Einblick, wie die Förderung
kultureller Aktivitäten als Teil einer ÜberseeEntwicklungshilfe dazu beitragen kann, Arbeitsplätze und Ausbildungsmöglichkeiten zu
schaffen sowie junge Leute zu einem größeren
gesellschaftlichen Engagement zu bewegen.
Kein Wunder also, dass die Stadt von der UNESCO in den Rang einer kreativen Stadt erhoben
wurde. Das im Rahmen der Globalen Allianz für
kulturelle Vielfalt 2004 ins Leben gerufene UNESCO-Programm 'Creative Cities' vernetzt
weltweit Städte, die Erfahrungen, Strategien,
Ideen und modellhafte Praxis im Bereich zeitgenössischer Kunst und Kultur inklusive der Kulturwirtschaft austauschen wollen.
"Wir leben in einer für die Entwicklungszusammenarbeit, die Kultur und Entwicklung sehr
feindlichen Atmosphäre. Dennoch möchte ich
einen Appell zugunsten einer größeren Zusammenarbeit in diesen Bereichen aussprechen",
erklärte Frédéric Jacquemin, Leiter von 'Africalia', einer belgischen Organisation, die Kunst
als wichtigen Motor für nachhaltige menschliche Entwicklung betrachtet.
Vielen Ländern, die mit Armut und Konflikten
zu kämpfen haben, mögen solche Erfolgsgeschichten als nicht nachahmbar erscheinen.
Doch Experten auf der Konferenz berichteten
von einem Rückgang von Gewalt in Kommunen,
in denen die Menschen aufgefordert wurden,
sich künstlerisch zu äußern.
Die Teilnehmer des Forums forderten in ihrer
'Erklärung von Florenz' die "vollständige Integration von Kultur in internationale, regionale und lokale Strategien für nachhaltige Entwicklung unter Einhaltung fundamentaler Errungenschaften, wie sie Menschenrechte, Redefreiheit, kulturelle Vielfalt, Geschlechtergerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit, Offenheit und Ausgewogenheit gegenüber allen kulturellen Ausdrucksformen bedeuten". 
Andere schilderten, wie in vielen Ländern Filmund Literaturfestivals ein Gefühl von Stolz und
Begleitbild:
Kultur mehr ins Rampenlicht rücken – Bild: A.D. McKenzie/IPS
Deutsche Bearbeitung: Corina Kolbe (TD06-10-2014)
http://www.ipsnews.net/2014/10/sustaining-the-future-through-culture/
-4-
Jahrgang 33 | Nr. 42
IPS-Weltblick
14. Oktober 2014
BLICKPUNKT
UMWELT: Höchste Zeit für Artenschutzfinanzierung
Von Stella Paul
Pyeongchang (IPS) – Der Planet Erde hat in den letzten 40 Jahren mehr als die Hälfte seiner wildlebenden Tiere eingebüßt. Für die Regierungsvertreter, die im südkoreanischen Pyeongchang mit
Aktivisten und Wissenschaftlern über Auswege aus der lebensbedrohlichen Misere diskutieren, hat
der scheidende Präsident der Artenvielfaltskonvention (CBD), Hem Pande, ein einfaches Erfolgsrezept zur Hand: endlich das zu tun, was sie im letzten Jahr versprochen haben.
Wie Pande, Vorsitzender der Biodiversitätsbehörde Indiens, das ein Jahr lang die Präsidentschaft der CBD-Vertragsstaatenkonferenz innehatte, am Rande der vom 6. bis 12. Oktober
laufenden Gespräche gegenüber IPS erklärte,
ist die Finanzierung ein schwaches Glied in der
Kette der globalen Bemühungen, die fragilen
Ökosysteme der Welt zu retten. Die CBDVertragsparten hielten sich nicht an ihre Zusagen.
Pande erinnerte an die vollmundigen Töne der
Teilnehmer des 11. Treffens der Vertragsstaaten (COP11) im Oktober 2012 im südindischen
Hyderabad, ihre Finanzierung von Umweltschutzmaßnahmen bis spätestens 2015 zu verdoppeln. Doch zwei Jahre später sei die Bilanz
ernüchternd, zog er Bilanz.
Solange die Staaten nicht Wort hielten, seien
signifikante Fortschritte nicht zu erwarten und
die 20 Biodiversitätsziele von Aichi, auf die sich
die Weltgemeinschaft auf dem Treffen 2010 im
japanischen Nagoya geeinigt habe, Makulatur,
so der CBD-Vorsitzende. "Es besteht ein riesiger
Bedarf an finanziellen Ressourcen. Doch die
Zuwendungen für den Umweltschutz schrump-
-5-
Jahrgang 33 | Nr. 42
IPS-Weltblick
14. Oktober 2014
BLICKPUNKT
fen. Es wird höchste Zeit, dass die Vertragsstaaten einhalten, was sie versprochen haben."
haben sich diese Prognosen als Fata Morgana
erwiesen.
Tatsächlich ist die Geschwindigkeit, mit der die
Menschheit ihren Artenreichtum zerstört, erschütternd. Dem am 6. Oktober vorgestellten
Vierten Globalen Biodiversitätsausblick (GBO-4)
zufolge hat die Welt in den vergangenen 40
Jahren 52 Prozent ihrer wildlebenden Tiere
eingebüßt und in den vergangenen 50 Jahren 17
Prozent ihrer Wälder gefällt. Die Gewässer
wiederum wurden seit 1970 drei Viertel ihrer
tierischen Bewohner beraubt, während Verschmutzung, Küstenentwicklung und Überfischung inzwischen 95 Prozent aller Korallenriffe bedrohen.
Paul Leadly, führender Autor des Artenschutzfortschrittsberichts GBO-4, bestätigte, dass die
Finanzierungsmittel "definitiv nicht ausreichen". Die gute Nachricht laute, dass es bei der
Finanzierung ein kleines Plus gebe. Die bittere
Pille, die es zu schlucken gelte, sei die Erkenntnis, dass sich nirgendwo eine Verdoppelung des Betrags abzeichne. Leadly zufolge
lässt sich angesichts von Stagnation und wirtschaftlichem Niedergang in vielen Teilen der
Welt nur schwerlich voraussehen, wie die Staaten ihre Zusagen in den nächsten zwei Jahren
einzuhalten gedenken.
Um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten, bedarf es umfangreicher Finanzmittel. Maßnahmen wie die Wiederinstandsetzung der Küstengebiete, die Förderung der wissenschaftlichen
Forschung, die Durchführung von Sensibilisierungsprogrammen oder die Schaffung alternativer Einkommensmöglichkeiten haben ihren
Preis.
Eine Reihe kritischer Stimmen warnen davor,
die wirtschaftlichen Probleme als Entschuldigung für die schlechte Zahlungsmoral gelten zu
lassen. Es gebe Länder wie Indien, die, in der
Hoffnung ein gutes Beispiel abzugeben, substanzielle Beträge in den Umweltschutz investiert haben, hieß es. "Seit 2012 haben wir zwei
Milliarden Rupien [umgerechnet 32,5 Millionen
Dollar] jährlich ausgegeben, um unsere artenreichsten Gebiete inklusive National- und andere Schutzparks zu verwalten und zu erhalten",
meinte Pande. Alle 171 CBD-Vertragsstaaten
sollten das Gleiche tun.
Um die 20 Nachhaltigkeitsziele von Aichi bis
2020 zu erreichen, bedarf es nach Schätzungen
der Umweltorganisation WWF jährlicher Investitionen in Höhe von 200 Milliarden US-Dollar.
Die Aichi-Ziele beinhalten unter anderem die
Abschaffung umweltschädlicher Subventionen,
eine nachhaltige Fischerei, mehr Schutzgebiete, die Restaurierung von 15 Prozent aller
weltweit degradierten Ökosysteme und Maßnahmen zum Schutz der bekannten bedrohten
Arten.
Das Abkommen, die Finanzmittel für den Artenschutz drastisch zu erhöhen, gehörte zu den
wichtigsten Ergebnissen der COP11. Auf der
Grundlage von durchschnittlichen nationalen
Investitionen in die Biodiversität der Jahre 2006
bis 2010 erklärten sich die Industriestaaten
damals dazu bereit, ihre Ausgaben zur Rettung
der Artenvielfalt zu verdoppeln. Obwohl keine
konkreten Zahlen auf den Tisch kamen, glaubten Experten mit jährlich bis zu zwölf Milliarden Dollar rechnen zu können. Doch inzwischen
Obwohl die finanziellen Zuwendungen für Indiens Ministerium für Umwelt und Wälder von
2012 bis 2013 von 391 Millionen auf 325 Millionen Dollar geschrumpft seien, hätten sich die
Gesamtausgaben durch die Umweltschutzausgaben anderer Ministerien und Behörden gegenüber den vorhergegangenen Jahren erhöht.
Als Beispiel nannte Pande die Mittel, die in die
Wiederherstellung von Land, Böden und Wasser, den Fischereisektor und in die ökologische
Entwicklung geflossen sind.
Da die internationalen Biodiversitätsabkommen
unverbindlich sind, kann kein Staat zum Handeln gezwungen werden. Somit wird es schwierig, die CBD-Vertragspartner auf ihre Versprechen festzunageln. Dem indischen Gesandten
zufolge haben zudem viele Länder noch nicht
einmal ihre nationalen Rechenschaftsberichte
-6-
Jahrgang 33 | Nr. 42
IPS-Weltblick
14. Oktober 2014
BLICKPUNKT
pünktlich eingereicht, was bedeutet, dass die
GBO-4-Zahlen und Zahlungszusagen nicht aktuell sind.
Die Mobilisierung von Finanzmitteln ist auch auf
der laufenden Konferenz in Südkorea ein vordergründiges Thema, wie Braulio Ferreira de
Souza Dias, Exekutivsekretär der CBD, gegenüber IPS versicherte. Von COP12 erwarte man
eine klare Strategie, die Gelder freizusetzen.
Leadly wiederum wies darauf hin, dass es zahlreiche kostengünstige Möglichkeiten des Artenschutzes gebe wie die Abschaffung staatlicher
Beihilfen. "Regierungen geben sehr viel Geld
zur Subventionierung etwa der Landwirtschaft,
Treibstoffe, Fischerei und der Düngemittel
aus." Diese Zuschüsse dem Artenschutz zuzuführen, wäre die bessere Investition. Seiner
Meinung nach sollten die laufenden indischen
Bemühungen, die Subventionen für Kunstdünger abzuschaffen, anderen Staaten als Vorbild
dienen. China sei ein Land, das den Düngemittelsektor sehr stark bezuschusse. Um das zu
ändern, sei ein großes Ausmaß politischer Entschlossenheit vonnöten.
Einige Staaten, darunter viele arme, unternehmen trotz finanzieller Engpässe Anstrengungen, um ihre natürlichen Reichtümer und
Dienstleistungen zu schützen. So hat Thailand
in diesem Jahr 150.000 Dollar mehr für den
Schutz seiner Wälder bereitgestellt. 54 Prozent
oder 291 Millionen Dollar des guatemaltekischen Haushalts sind für Maßnahmen zum
Schutz der Biodiversität vorgesehen. Namibia
gibt für ähnliche Zwecke um die 100 Millionen
Dollar aus, während Bangladesch und Nepal 360
respektive 86 Millionen Dollar aufwenden. 
Begleitbild:
Der Planet Erde hat in den letzten vier Jahrzehnten etwa 52 Prozent seiner Wildtiere verloren –
Bild: Kanya D’Almeida/IPS
Deutsche Bearbeitung: Karina Böckmann (TD08-10-2014)
http://www.ipsnews.net/2014/10/financing-for-biodiversity-a-simple-matter-of-keepingpromises/
http://www.ipsnews.net/2014/10/humanity-failing-the-earths-ecosystems/
ERNÄRHUNG: Lebensmittelverschwendung beschäftigt Medienforum
Von A. D. McKenzie
Neapel (IPS) – Gut 30 Jahre alt ist die Parodie auf den Michael-Jackson Song 'Beat it', die aus der
Feder des US-amerikanischen Satirikers und Musikers Weird Al Yankovic stammt. "Iss auf", heißt es
darin aus der Perspektive von Eltern, die ihren Zögling fragen, ob er denn nicht wisse, "dass Kinder
in Japan verhungern".
'Eat it' hat auch heute noch Relevanz und eignet sich als Schlachtruf von Aktivisten, die auf
den ernsten Zusammenhang zwischen drastischer Lebensmittelverschwendung und pervertierten Konsumverhaltens einerseits und dem
chronischen Hunger von 805 Millionen Menschen andererseits hinweisen. Die Weltlandwirtschaftsorganisation FAO gibt die Zahl der
Lebensmittelverluste mit 1,3 Milliarden Tonnen
jährlich an.
"Obwohl sich die globale Nahrungsmittelproduktion seit 1946 verdreifacht hat und der Anteil unterernährter Menschen in den letzten 20
Jahren 20 Jahren von 18,7 Prozent auf 11,3
Prozent gesenkt werden konnte, ist Ernäh-
-7-
Jahrgang 33 | Nr. 42
IPS-Weltblick
14. Oktober 2014
BLICKPUNKT
rungssicherheit eine große Herausforderung geblieben", sagte Ren Wang, stellvertretender
FAO-Leiter der Abteilung für Landwirtschaft
und Verbraucherschutz. auf dem Elften Internationalen Medienforum in Nepal.
Organisiert von 'Greenaccord', einer Umweltorganisation mit Sitz in Rom, hat das Forum mit
dem Thema 'Die Welt ernähren: Nahrung,
Landwirtschaft und Umwelt' im derzeitigen UNJahr der familienbetriebenen Landwirtschaft
vier Tage lang (vom 8. bis 11. Oktober) Experten, Journalisten und Entscheidungsträger in
Neapel zusammengebracht.
Der Anteil der Lebensmittel, die weltweit verderben und im Müll landen, entspricht einem
Drittel der globalen Nahrungsmittelproduktion.
Das bedeutet, dass es eigentlich keinen Grund
für eine weitere globale Ertragssteigerung gibt
Tatsächlich produziert die Welt nach Ansicht
von Forschern genug, um theoretisch jedem
einzelnen Erdenbürger jeden Tag mit einem
Überenergieangebot von 2.800 Kalorien zu versorgen. Doch während manche Menschen ihre
Nahrungsmittel in die Mülltonne klopfen, sitzen
andere vor leeren Tellern.
Auch wenn Verschwendung und Hunger nicht in
einem direkten Zusammenhang stünden, sei
unbestritten, dass globale Ernährungssysteme
durch Ungleichheit gekennzeichnet seien, erklärte Gary Gardner vom 'Worldwatch Institute', einer um Nachhaltigkeitsstrategien bemühten Forschungs- und Aufklärungsorganisation.
"In wohlhabenden Staaten stellt sich die Verschwendung häufig auf der Ebene der Händler
und der Verbraucher ein", meinte er gegenüber
IPS. In Entwicklungsländern gehen Nahrungsmittel auf dem Weg von den Farmen bis zu den
Märkten verloren. Es fehlt an adäquaten Kühloder Lagersystemen, die verhindern, dass die
Ware verdirbt.
Lebensmittelverschwendung
und
–verluste
schlagen nach Angaben der SAVE-FOODInitiative mit jährlich 680 Milliarden Dollar in
den Industriestaaten und 310 Milliarden Dollar
in den Entwicklungsländern zu Buche. SAVE
FOOD ist ein Kooperationsprojekt der Messe
Düsseldorf, der FAO und des UN-Umweltprogramms UNEP, das über weltweite Nahrungsmittelverluste informiert, Akteure vernetzt und Projektförderung betreibt.
-8-
Jahrgang 33 | Nr. 42
IPS-Weltblick
14. Oktober 2014
BLICKPUNKT
SAVE FOOD zufolge verschwenden die Verbraucher in den reichen Staaten rund 222 Millionen
Tonnen Nahrungsmittel. Das entspricht der gesamten Netto-Nahrungsmittelproduktion von
Sub-Sahara-Afrika. "Schon ein Viertel der weltweit verschwendeten Lebensmittel zu retten,
würde ausreichen, um 870 Millionen hungernde
Menschen zu ernähren."
"Vielfach stieß er auf ungeöffnete Kisten mit
genießbaren Cerealien, Sprudelwasser und anderen Nahrungsmitteln, die ohne ersichtlichen
Grund einfach weggeworfen worden waren",
erläuterte Gardner gegenüber IPS. "Das ist
wirklich keine optimale Art, um Lebensmittel
abzustoßen. Sie sollten gar nicht erst produziert werden."
In Europa hat die Entsorgung von Nahrungsmitteln durch den Handel öffentliche Proteste
hervorgerufen. Dies gilt vor allem dort, wo es
Menschen untersagt wird, sich aus den Abfallcontainern der Geschäfte für den Eigenbedarf
zu bedienen, und Aktivisten für den Verzehr
von Lebensmitteln werben, die weggeworfen
werden, nur weil ihr Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist.
Tesco und andere britische Supermarktketten
haben inzwischen zugesagt, sich an einem Programm zur Müllverringerung beizutragen. Und
in vielen Ländern ergreifen immer mehr Restaurants Maßnahmen, den Abfall nicht nur zu
verringern, sondern aus ihm Biogas zu erzeugen. Anstatt Nahrungsmittel wegzuwerfen, sollten die Supermärkte die Nahrungsmittel lieber
an Suppenküchen abgeben", so Gardner. "Doch
am allerbesten wäre es, Lebensmittelabfälle
von vornherein zu vermeiden."
Die britische Supermarktkette 'Tesco' hat bestätigt, in den ersten sechs Monaten des letzten Jahres 28.500 Tonnen Lebensmittel ausgesondert zu haben. In ganz Großbritannien werden Berichten zufolge jährlich 15 Millionen
Tonnen weggeworfen. In Deutschland waren es
einer Untersuchung der Fachhochschule Münster im Jahr 2009 zufolge 11,4 Millionen Tonnen
gewesen. Für die USA geht man davon aus, dass
etwa 40 Prozent der produzierten Nahrungsmittel auf den Müllkippen landen.
Auf dem Forum in Neapel, auf dem über die sozialen und ökologischen Konsequenzen der Nahrungsmittelverschwendung diskutiert wird, berichtete Gardner vom Worldwatch Institute von
den Erfahrungen, die der Aktivist Rob Greenfield bei seiner Fahrradtour durch die USA gemacht hatte, auf der er sich ausschließlich mit
Nahrungsmitteln aus den Abfallcontainern der
Lebensmittelläden ernährte.
"Ernährungssicherheit und Klimawandel weisen
einige gemeinsame Herausforderungen auf",
meinte Adriana Opromollo von der internationalen Hilfsorganisation 'Caritas International'.
"Auf lokaler Ebene konnten wir beobachten,
dass die Verwendung von Nahrungsmittelabfällen zur Herstellung von Biogas sinnvoll ist. Wir
brauchen Lösungen, die speziell auf den jeweiligen Kontext zugeschnitten sind."
Müllvermeidungsstrategien sind keine Grenzen
gesetzt, und oft können einfache Entscheidungen Großes bewirken. US-Schulkantinen machten die Erfahrung, dass die Ausgabe von Geschirr ohne Tabletts viele Schüler dazu bewegt,
sich nur so viele Lebensmittel zu nehmen, wie
sie auch verzehren können. Die Folge war, dass
ein Viertel weniger Abfall produziert wurde.
Vielleicht wäre auch diese Eat-it-Version einen
Song wert. 
Begleitbild:
Ren Wang von der FAO – Bild: A.D. McKenzie/IPS
Deutsche Bearbeitung: Karina Böckmann (TD10-10-2014)
http://www.ipsnews.net/2014/10/a-billion-tons-of-food-wasted-yearly-while-millions-still-gohungry/
-9-
Jahrgang 33 | Nr. 42
IPS-Weltblick
14. Oktober 2014
BLICKPUNKT
ABRÜSTUNG: Atomwaffen - Gefahr bekannt, doch nicht gebannt
Von D. Ravi Kanth
Genf (IPS/IDN*) – Derzeit befinden sich rund 2.000 russische und US-amerikanische Atomwaffen im
Status der Alarmbereitschaft. Darauf hat Aaron Tovish, ein führender Aktivist der Kampagne der
'Bürgermeister für den Frieden' zur Abschaffung von Kernwaffen, hingewiesen. Konkret bedeutet
dies, dass diese tödlichen Massenvernichtungswaffen in wenigen Minuten einsetzbar sind.
Und damit nicht genug. So wollen die USA in
den kommenden 30 Jahren fast eine Billion Dollar für die Modernisierung ihrer Atomwaffen
ausgeben. Großbritannien wiederum hat vor,
50 Milliarden Dollar in seine Trident-Atomrakete zu investieren.
Die Krisen in Syrien und der Ukraine werden
gern als Gründe für die Rückkehr in das Zeitalter des Kalten Krieges genannt. Doch während
moderne Bomben über dem Irak und Syrien abgeworfen werden, bereiten sich Überlebende
der Atombomben von Hiroshima und Nagasaki
('Hibakusha') auf ihre im nächsten Jahr geplante Weltschiffsreise vor, um vor den realistischen Gefahren einer Atomwaffendetonation
und den Folgen zu warnen.
"Wir verwehren uns ausdrücklich davor, die Ereignisse in Syrien und in der Ukraine als Vorwand zu nehmen, erneut in Nuklearwaffen zu
investieren, die eine besonders große Gefahr
für den Klimawandel und die Sicherheit darstellen", meinte Tovish. "Wir sind fest entschlossen, den Kampf für eine atomwaffenfreie Welt
bis 2020 zu verstärken."
Der Experte hatte sich an den Aktivitäten anlässlich der Feierlichkeiten des ersten Internationalen Tages zur Abschaffung von Atomwaffen am 26. September beteiligt. Er nahm den
UN-Tag zum Anlass, um ein von den Bürgermeistern für den Frieden und der Initiative
'Friedensboot' gemeinsam durchgeführtes Projekt 'Ich war in ihrem Alter' vorzustellen, das
den Hibakusha eine Plattform bietet, sich gegen Atomwaffen auszusprechen.
Die Atombombenanschläge auf Hiroshima und
Nagasaki 1945 hatte der ehemalige US-Präsident Harry S. Truman mit der Begründung an
geordnet, "den Tod von Zivilisten, sofern das
möglich ist, zu vermeiden". Doch wie einem offiziellen Bericht der 'U.S. Strategic Bombing
Survey' zu entnehmen ist, waren Hiroshima und
Nagasaki gerade wegen "der Konzentration von
Aktivtäten und Menschen ausgewählt worden",
wie der Historiker Howard Zinn betonte.
UNFOLD ZERO und das UN-Büro für Abrüstungsfragen (UNODA), die den ersten Jahrestag des
Welttages für die Abschaffung von Atomwaffen
organisiert hatten, forderten die globale Zivilgesellschaft dazu auf, dafür zu sorgen, dass die
Regierungen nicht vom Abrüstungskurs abweichen, sondern vielmehr für die Abschaffung von
Atomwaffen sorgen.
Wie Michael Moller, Generaldirektor des Büros
der Vereinten Nationen in Genf, erklärte, wird
der politische Wille dafür nicht allein auf der
Führungsebene geschmiedet. "Es ist häufiger
der Fall, dass er durch die Forderungen der Bevölkerung geschaffen wird, und wir brauchen
ein solches Engagement."
Im letzten Jahr hatte Indonesien im Namen der
blockfreien Staaten vorgeschlagen, eine starke
Resolution in die UN-Vollversammlung für den
26. September als Internationalen Tag zur Abschaffung von Atomwaffen einzubringen. Das
zugrundeliegende Ziel ist, ein öffentliches Bewusstsein für die Gefahren zu schaffen, denen
die Menschheit durch die Existenz von Atomwaffen ausgesetzt ist.
Die blockfreien Länder erinnerten die Atomstaaten auf die von ihnen in Artikel VI des
Atomwaffensperrvertrags eingegangene aber
inzwischen vergessene Verpflichtung, das atomare Wettrüsten einzustellen und nuklear abzurüsten.
- 10 -
Jahrgang 33 | Nr. 42
IPS-Weltblick
14. Oktober 2014
BLICKPUNKT
"Der Atomwaffensperrvertrag war ein befristetes Arrangement, das aus dem sogenannten
‘Großen Deal' hervorgegangen ist, der die
Nicht-Atomwaffenstaaten dazu verpflichtete,
auf Atomwaffen zu verzichten, wenn ihnen die
friedliche Nutzung von Atomenergie ermöglicht
wird", meinte Botschafter Jorge Lomonaco,
Mexikos Vertreter bei den Vereinten Nationen
in Genf. "Während die Nicht-Atomstaaten ihre
Versprechen gehalten haben, sind die Nuklearstaaten mehr als 40 Jahre nach Unterzeichnung
des Vertrags ihren Verpflichtungen bis heute
nicht nachgekommen", erklärte Lomonaco.
Der mexikanische Gesandte wies zudem auf die
zunehmende Gefahr einer unabsichtlich herbeigeführten Detonation oder eines Nuklearunfalls hin. Auch könnte die 'Bombe' in die Hände
nichtstaatlicher Akteure geraten. "Da es in unserer Zeit immer leichter ist, an wissenschaftliche Forschungsergebnisse zu gelangen, kennen
wir die möglichen Auswirkungen einer Atombombenexplosion auf Mensch und Natur, den
Klimawandel, die Ernährungssicherheit, Entwicklung und Wirtschaft", meinte er.
Mexiko, Norwegen, Österreich und andere Länder sind fest entschlossen, ihre Beteiligung an
der Kampagne zu intensivieren, die auf die
humanitären Folgen einer einzigen nuklearen
Sprengung hinweist. Indonesien, das sich bei
den UN für eine vollständige nukleare Abrüstung einsetzt, hat erneut die Bereitschaft zu
einer Welt ohne Atomwaffen eingefordert.
Die Interparlamentarische Union (IPU) wiederum, eine der ältesten multilateralen Organisationen, hatte im März eine Resolution angenommen, in der Abgeordnete aufgerufen sind,
dafür zu sorgen, dass Regierungen nicht auf die
Doktrin der nuklearen Abschreckung zurückgreifen. Darüber hinaus forderte die IPU die
Stärkung der Sicherheit allen Kernmaterials und
eine Konsolidierung der existierenden und weiteren atomwaffenfreien Zonen.
Seit bald 70 Jahren ringen die Staaten um die
Abschaffung von Atomwaffen. Die UNVollversammlung hatte die erste Resolution im
Januar 1946 verhängt. Etliche wichtige Entwicklungen markierten die Abrüstungsverhandlungen trotz des Wettrüstens zwischen den USA
und der ehemaligen Sowjetunion in der Zeit
des Kalten Krieges. Seither sind mehr Länder
im Besitz der tödlichsten aller Massenvernichtungswaffen. Auch sie rechtfertigen den Besitz
von Atomwaffen mit der Abschreckungsdoktrin.
Die beiden größten Atomwaffenstaaten USA
und Russland haben zwar ihre Atomwaffenarsenale von etwa 75.000 nuklearen Sprengköpfen
auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges Mitte
der 1980er Jahre auf inzwischen 16.300 abgespeckt.
Doch gibt es nach wie vor weitreichende und
gutfinanzierte Ausbau- und Modernisierungsprogramme. "Wir erleben die Perpetuierung
dessen, was UN-Generalsekretär Ban Ki-moon
die "ansteckende Doktrin der atomaren Abschreckung nennt, mit der sich inzwischen neun
Länder angesteckt haben", sagte DIE UNAbrüstungsexpertin Gabriele Kraatz-Wadsack.
Obwohl aufgrund der seit langem überfälligen
atomaren Abrüstung die Abrüstungsmaschinerie
immer weiter Rost ansetzt, gibt es etliche ermutigende Entwicklungen, um das Bewusstsein
für atomare Abrüstung zu schaffen. So spielt
die in Japan ansässige buddhistische Organisation 'Soka Gakkai International' (SGI) eine wichtige Rolle, um auf die Gefahr von Atomwaffen
hinzuweisen.
Auch sind Staaten wie Indonesien, Kasachstan,
Mexiko, Norwegen und Österreich gemeinsam
in Aktion getreten, um die Kampagnen gegen
Atomwaffen voranzubringen. Die 87. Weltfriedensreise der Hibakusha ist ein weiterer Vorstoß, um Atomstaaten dazu zu bewegen, ihre
Atomwaffenarsenale zu vernichten. 
*IDN-InDepthNews ist Kooperationspartner von IPS Deutschland
Deutsche Bearbeitung: Karina Böckmann (TD07-10-2014)
http://www.indepthnews.info/index.php/global-issues/2255-waiting-for-zero-nuke
- 11 -
Jahrgang 33 | Nr. 42
IPS-Weltblick
14. Oktober 2014
BLICKPUNKT
MENSCHENRECHTE: Erfolge im Kampf gegen extreme Kinderarbeit
Von Jim Lobe
Washington (IPS) – Die meisten Staaten der Welt ergreifen Maßnahmen, um die schlimmsten und
gefährlichsten Formen von Kinderarbeit zu unterbinden. Wie aus dem neuen Jahresfortschrittsbericht des US-Arbeitsministeriums hervorgeht, hat etwa die Hälfte von etwa 140 untersuchten Ländern und auswärtigen Territorien in diesem Bereich "moderate" Fortschritte vorzuweisen.
13 Staaten, die meisten davon in Lateinamerika, sind dabei laut dem Report '2013 Findings
on the Worst Forms of Child Labour' im vergangenen Jahr sogar "signifikant" vorangekommen.
In weiteren 13 Ländern und Territorien, insbesondere in der Demokratischen Republik Kongo,
in Eritrea, Usbekistan und Venezuela, seien
keine Fortschritte festgestellt worden.
"Der Bericht wirft ein Schlaglicht auf die Situation von Kindern auf dieser Welt, die ihrer Zukunft beraubt werden. Sie verbringen die Tage
und oft auch die Nächte mit der mörderischsten Arbeit, die man sich vorstellen kann", sagte
Arbeitsminister Thomas Perez bei der Vorstellung des Reports.
"Ich spreche hier von Kindern, die große Lasten
auf dem Rücken tragen, auf Farmen Macheten
schwingen, Müllhalden durchstöbern und in unterirdischen Minen nach wertvollen Mineralien
suchen, aus denen andere Profit ziehen können. Kinder mit Munitionsgürtel um den Leib
werden als Kombattanten in bewaffneten Konflikten eingesetzt. Andere werden Opfer von
Menschenhandel oder kommerzieller sexueller
Ausbeutung."
Der 2002 vom US-Parlament in Auftrag gegebene Bericht konzentriert sich auf Aktionen zur
Bekämpfung von Kinderarbeit, die von denjenigen Staaten vorangetrieben werden, die von
dem Allgemeinen Präferenzsystem (GSP) der
USA oder anderen Handelsförderprogrammen
profitieren. Der Report empfiehlt auch Maßnahmen, mit denen Regierungen ihr Vorgehen
gegen Kinderarbeit verbessern können.
Arbeits- und Kinderrechtsaktivisten in den USA
nutzen den Bericht dazu, die Öffentlichkeit zu
sensibilisieren und Druck auf Regierungen auszuüben. Das Arbeitsministerium in Washington
kann selbst keine Strafmaßnahmen gegen Staaten verhängen, die den Empfehlungen nicht
Folge leisten. Der Bericht kann jedoch Einfluss
auf andere US-Behörden wie das Büro des USHandelsvertreters nehmen, das in der Lage ist,
bei gravierenden Verstößen gegen internationale Arbeitsabkommen Handelsvorteile teilweise
oder ganz zu streichen.
"Der Bericht ist ein fantastisches Instrument für
Aktivisten", meint Reid Maki von der 'Child Labour Coalition' (CLC), der mehr als 20 Arbeits-,
Religions-, Verbraucherschutz- und Menschen-
- 12 -
Jahrgang 33 | Nr. 42
IPS-Weltblick
14. Oktober 2014
BLICKPUNKT
rechtsvereinigungen angehören. "Anhand des
Reports können wird jedes Jahr Fortschritte
messen."
Auch Brian Campbell vom 'International Labor
Rights Forum' (ILRF) in Washington sieht den
Report als "wichtige Errungenschaft". Er würdigte vor allem die Kritik gegen Usbekistan,
dessen Regierung seit Langem dafür kritisiert
wird, Schüler zur Teilnahme an der Baumwollernte zu zwingen. "Nun liegt es an anderen USBehörden, die Analyse fortzusetzen. Vom Zoll
beispielsweise wird erwartet, dass er den Import von Produkten verbietet, die durch
Zwangsarbeit hergestellt werden."
Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO)
fasst unter den schlimmsten Formen der Kinderarbeit unter anderem Schuldknechtschaft,
Kinderhandel und Zwangsrekrutierung Minderjähriger während bewaffneter Konflikte, die
Ausbeutung von Kindern zu Zwecken der Prostitution und Pornografie zusammen. Auch der
Einsatz von Kindern bei Drogenhandel und Aktivitäten, die das "physische, mentale und moralische Wohlergehen" eines Kindes gefährden,
werden verurteilt.
Laut ILO ist die Zahl derjenigen, die zu den
schlimmsten Formen von Kinderarbeit gezwungen werden, im Zeitraum von 2000 bis 2012 von
246 Millionen auf 168 Millionen gesunken. Dennoch ist weltweit immer noch etwa jedes zehnte Kind zwischen fünf und 18 Jahren betroffen.
In demselben Zeitraum ist die Zahl der Kinder,
die 'gefährliche Arbeiten' verrichten müssen,
von 170 Millionen auf 85 Millionen halbiert.
Der Bericht unterscheidet zwischen Ländern,
die 'signifikante', 'moderate', 'minimale' oder
'gar keine' Fortschritte bei der Beseitigung von
Kinderarbeit verzeichnen. Der Fortschritt wird
anhand mehrerer Kriterien gemessen. Dazu gehören die Erlassung von Gesetzen, Bemühungen
bei der Kontrolle der Einhaltung von Regelungen, die Einführung gezielter Strategien und
die Umsetzung von Sozialprogrammen.
Zu den 13 Staaten, die 'signifikante' Fortschritte vorweisen können, gehören Albanien, Brasilien, Chile, Costa Rica, Côte d'Ivoire, Ecuador,
El Salvador, Kolumbien, Peru, die Philippinen,
Südafrika, Tunesien und Uganda.
Maki, der auch für die 'National Consumers
League' arbeitet, berichtet, dass sich die Zahl
der Staaten, die besonders gut gegen Kinderarbeit vorangekommen seien, seit 2011 von zwei
auf 13 erhöht habe. Die Zahl der Länder, die
'moderate' Fortschritte vorweisen könnten, sei
von 47 auf 72 gestiegen.
Die Zahl der Staaten, die sich im Kampf gegen
Kinderarbeit wenig oder gar nicht hervorgetan
haben, ist von 82 auf 50 gesunken. Zu ihnen
gehören etwa Anguilla, Barbados, Tonga, Tuvalu sowie die Falkland-Inseln/Malwinen mit einer kleinen Bevölkerung. Länder wie Algerien,
Irak, Kasachstan, Mosambik, Serbien, Südsudan, Uruguay, Jemen und Simbabwe hinkten
stark hinterher.
Campbell kritisiert indes, dass der Bericht nicht
darauf eingeht, inwieweit der Privatsektor, darunter einflussreiche multinationale Konzerne,
zu dem Problem der schlimmsten Formen der
Kinderarbeit beitragen. "In dem Kapitel über
Malawi wird beispielsweise ausführlich dargestellt, wie die Regierung gehandelt hat. Das
Vertragssystem bei der Tabakproduktion, das
bei US-Unternehmen und ihren Tochtergesellschaften gang und gäbe ist, wird hingegen nicht
untersucht. Dabei ist dies eine der entscheidenden Ursachen für Kinderarbeit." 
Begleitbild:
Kinder bringen Schmuggelwaren über die Grenze zwischen Indien und Pakistan – Bild: Sujoy
Dhar/IPS
Deutsche Bearbeitung: Corina Kolbe (TD09-10-2014)
http://www.ipsnews.net/2014/10/most-nations-reducing-worst-forms-of-child-labour/
- 13 -
Jahrgang 33 | Nr. 42
IPS-Weltblick
14. Oktober 2014
AFRIKA
UGANDA: Angriff auf Hauptexportgut Kaffee
Von Prossy Nandudu
Kampala (IPS) –Als Abudu Zikusoka noch ein kleiner Junge war, brachte sein Vater in regelmäßigen
Abständen Fremde mit auf die Familienfarm in Ndesse, einem Dorf im Bezirk Mukono in
Zentraluganda. Dann sah er dabei zu, wie sie die geernteten Kaffeebohnen untereinander aufteilten, in Säcke füllten und auf ihre Fahrräder luden.
"Bevor sie davon fuhren, bezahlten sie meinen
Vater, der dann meiner Schwester einige Münzen zusteckte", erinnert sich Zikusoka. Später
konnte er beobachten, wie auch sein Bruder zu
Beginn eines jeden Schuljahrs einen kleinen Betrag in Empfang nahm. Seine Schwester erklärte ihm später, dass ein Teil der Kaffeeeinnahmen für die Schulgebühren verwendet wurde.
Die Erkenntnis, mit Kaffee genug für die Bedürfnisse der ganzen Familie verdienen zu können, gab den Ausschlag, dass Zikusoka in die
Fußstapfen des Vaters trat und ebenfalls Kaffee
anbaute. Auf einer einen halben Hektar großen
Parzelle, die der Sohn 2005 zur Hochzeit erhielt, baute er neben den Kaffeesträuchern Bananen, Kassava und Mais an. Inzwischen konnte
er seinen Besitz um einen weiteren Hektar vergrößern.
Kaffee ist Ugandas wichtigster Devisenbringer.
Das ostafrikanische Land ist zudem Afrikas Kaffeehauptlieferant. So nimmt allein Äthiopien
mehr als die Hälfte der ugandischen Kaffeeernten ab. Die Ugandische Kaffeeentwicklungsbehörde schätzt, dass Kleinbauern 85 Prozent des
gesamten in Uganda produzierten Kaffees erzeugen. Die jeweiligen Parzellen sind zwischen
0,5 bis 2,5 Hektar groß. Insgesamt beschäftigt
der Sektor 3,5 Millionen Menschen.
Doch im Zuge des Klimawandels ist Gefahr in
Verzug. "Die Erträge fallen inzwischen sehr
armselig aus, und fast die ganze Zeit sind die
Pflanzen von Schädlingen und Krankheiten bedroht", berichtet Zikusoka. "Doch am schlimmsten war die Kaffeewelke im letzten Jahr. Durch
sie habe ich fast alles verloren."
- 14 -
Jahrgang 33 | Nr. 42
IPS-Weltblick
14. Oktober 2014
AFRIKA
Wie Zikusoka gibt es viele Bauern im Bezirk
Mukono. Seit dem Erstbefall des ugandischen
Robusta-Kaffees sind mindestens zwölf Millionen Pflanzen eingegangen. Hinzu kommen die
Schäden, die der Schwarze Kaffeezweigbohrer
und andere Parasiten anrichten.
"Bevor sich die Kaffeewelke bei uns breitgemacht hatte, konnten wir in einer guten Saison
mit unseren Kaffeebohnen zwischen 700 und
1.000 US-Dollar verdienen", berichtet der Farmer. "Die wenigen verbliebenen gesunden
Sträucher werfen höchstens 250 Dollar ab. Ich
habe keine Ahnung, ob wir jemals wieder in der
Lage sein werden, mehr mit unseren Kaffeebohnen zu verdienen."
Zikusoka hofft nun auf neue resistente Kaffeesorten, die das Nationale Kaffeeforschungsinstitut (NaCORI) in Kituuza in Mukono entwickelt
hat. Die Varietäten sollen immun gegen die
Schädlinge sein, die sich längst an die höheren
Temperaturen gewöhnt haben.
Im August hatte der Weltklimarat seinen fünften Expertenbericht in der ugandischen Hauptstadt Kampala vorgestellt. Der Report bestätigte den Verdacht, dass Pflanzenschädlinge und –
krankheiten aufgrund des Klimawandels immer
weiter um sich greifen.
Wie Africano Kangire vom NaCORI betont, weist
alles darauf hin, dass der Temperaturanstieg
die Ausbildung von Krankheiten und Schädlingen begünstigt. Die Erderwärmung wird auf
menschliche Aktivitäten wie die Verbrennung
fossiler Brennstoffe, den Kahlschlag der Wälder
und auch die Holzkohleproduktion zurückgeführt.
"Hohe Temperaturen schaffen einen idealen
Nährboden für Kaffeeparasiten und Krankhei-
ten. Das hat sich schon im Zusammenhang mit
Malaria gezeigt, die inzwischen das Hochland
erreicht hat", betonte Kangire.
Dem Experten zufolge kommt es in Uganda inzwischen zu unberechenbaren Wetterschwankungen. Sollten die Temperaturen wie befürchtet um mehr als zwei Grad Celsius steigen,
könnte die Produktion von Robusta-Kaffee nur
noch in einigen wenigen, kühleren Hochlandgebieten möglich sein.
Kangire zufolge ist der Kaffeerost, der lange
Zeit nur die Kaffeepflanzen befiel, die unterhalb von 1.400 Meter über dem Meeresspiegel
angepflanzt worden waren, inzwischen auch in
1.800 Meter Höhe über dem Meeresspiegel anzutreffen. Auch die Kaffeebohnenkrankheit, die
dem Arabica-Kaffee zusetze, sei inzwischen
ebenfalls oberhalb der 1.800-Meter-Grenze anzutreffen. Zuvor hatte sie sich auf Höhen unterhalb der 1.600-Meter-Grenze beschränkt.
Laut dem jüngsten Bericht der Ugandischen
Kaffeeentwicklungsbehörde verdiente Uganda
mit seinen Kaffeeexporten im Juli 37,9 Millionen Dollar. Gegenüber dem Vormonat war dies
immerhin ein Plus von 6,5 Millionen Dollar. Der
Behördenchef Henry Ngabirano führt den Zuwachs auf die Verwendung von Klonkaffee zurück. Seiner Meinung nach hat das Land gute
Chancen, sich an den Klimawandel anzupassen.
Während Wissenschaftler am NaCORI an verbesserten und resistenten Kaffeesorten arbeiten, warnt Paul Isabirye vom Amt für Meteorologie, dass die Temperaturen seit der Veröffentlichung des Klimaratsberichts weiter gestiegen sind. Viel Sonne und wenig Regen bedeute jedoch, dass die Erträge kleiner ausfallen
werden. 
Begleitbild:
Bäuerin Sera Nafungo pflückt Kaffeebohnen in Bukalasi im Osten Ugandas – Bild: Wambi
Michael/IPS
Deutsche Bearbeitung: Karina Böckmann (TD07-10-2014)
http://www.ipsnews.net/2014/09/as-uganda-heats-up-pests-and-disease-flourish-to-attack-itstop-export-crop/
- 15 -
Jahrgang 33 | Nr. 42
IPS-Weltblick
14. Oktober 2014
AFRIKA
SWASILAND: Förderprogramm für Subsistenzbauern
Von Mantoe Phakathi
Mbanane (IPS) – Männer in blauen Arbeitsanzügen entladen Lkws mit Gemüse. Frauen verarbeiten
die frische Ware und verpacken sie, bevor sie im Kühlraum verschwindet. Dann rollt ein leerer Laster auf den Hof, der mit dem verpackten Gemüse beladen wird und danach die Sidemane-Farm
nahe Mbanae, der Hauptstadt des Königreichs Swasilands, wieder verlässt.
"Das ganze Jahr über werde ich von meinen
Vertragsbauern mit jungem Gemüse versorgt",
erläutert der Unternehmer Themba Dlamini,
der mit den Agrarerzeugnissen die WoolworthsSupermärkte in Südafrika beliefert. "Ein sehr
sensibles Geschäft", meint er. "Meine Kunden
erwarten nicht nur Spitzenqualität, sondern
auch die strikte Einhaltung von Lieferfristen."
Seit Dlamini das 1,6-Millionen-Euro-Unternehmen von seinem Vorgänger übernommen hat,
ist die Nachfrage mit jedem weiteren Jahr gestiegen. "Ich konkurriere mit Lieferanten aus
Südafrika und Kenia", berichtet er.
Die Vertragsbauern sind für das Überleben von
Dlaminis Firma entscheidend. Doch die von
ihnen bewirtschaftete Gesamtfläche von 90
Hektar reicht nicht mehr aus, um die wachsende Nachfrage zu decken. Dlamini muss, um expandieren zu können, nach zusätzlichen Bauern
Ausschau halten.
Sidemane beschäftigt inzwischen 95 Mitarbeiter
und exportiert monatlich 25 Tonnen Gemüse.
Das Potenzial liegt bei 40 Tonnen. Um es vollständig auszuschöpfen, müsste er mehr Bauern
unter Vertrag nehmen und entsprechend schulen. Eine weitere Hürde, die der Expansion im
Wege steht, ist der Mangel an Kapital. Um die
Farm zu kaufen, hatte Dlamini ein Darlehen
aufgenommen. "Solange ich den Kredit nicht
abgetragen habe, bekomme ich keinen neuen",
sagt er. "Doch ohne zusätzliche Mittel wird es
- 16 -
Jahrgang 33 | Nr. 42
IPS-Weltblick
14. Oktober 2014
AFRIKA
mir kaum möglich sein, das Geschäft auszubauen."
Im letzten Jahr hatte sich der Unternehmer erfolgreich um einen 380.000-Euro-Kredit beim
Marketing-Investmentfonds (MIF) bemüht, einer
EU-finanzierten Initiative des Swasiländischen
Agrarentwicklungsprogramms (SADP), das vom
Landwirtschaftsministerium umgesetzt wird.
Technische Hilfe kommt von der Weltagrarorganisation FAO.
MIF hat Dlamini den Kauf eines Kleinlasters, eines Notstromaggregats und der Holzkisten für
den Transport des Gemüses ermöglicht. "Wir
erleben viele Stromausfälle. Deshalb ist das
Notstromaggregat so wichtig", betont Dlamini.
Er ist einer von 47 Personen – Bauern und Nahrungsmittelhändlern –, die seit 2012 von dem
Agrarförderprojekt profitieren, wie die MIFKoordinatorin Betina Edziwa berichtet. Die Initiative ist für die Beteiligten der Anschub, den
sie brauchen, um sich wirtschaftlich weiterzuentwickeln.
"Wir haben festgestellt, dass die Bauern weniger ein Problem mit der Produktion haben,
sondern mit dem Marktzugang", erläutert sie.
"Darum kommt es vor, dass Farmer ihre Produkte zu Schleuderpreisen abgeben. Sie wollen
verhindern, dass ihre Erzeugnisse verderben."
Im Rahmen der Programme kamen die Bauern
in den Genuss der erforderlichen Technologien
und Managementkenntnisse.
Das Programm, das Swasiland mit seinen Entwicklungspartnern umsetzt, soll die Armut im
Königreich verringern und die Ernährung der
eine Million Swasiländer sichern. 63 Prozent der
Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze,
wie die Swasiländische Untersuchung zu Haushaltseinkommen und –ausgaben (SHIES) 2010
herausfand. Bedrohlich ist auch der hohe
HIV/Aids-Anteil von 26 Prozent in der erwerbsfähigen Bevölkerungsgruppe.
Agrarminister Moses Vilakati zufolge ist MIF
wichtig, um Subsistenzbauern den Übergang
zur kommerziellen Landwirtschaft zu ermöglichen. Doch seit Ende Juni stellt der Fonds keine Gelder mehr bereit. Deshalb will das Ministerium eine Agrobusiness-Sektion einrichten,
die die Nachhaltigkeit und die Ausweitung der
Initiative durch eine Anschlussschulung, kontrolle und Evaluierung der bisher geförderten Unternehmen und Bauern sicherstellt.
In einem unlängst auf der FAO-Webseite veröffentlichten Interview erklärte der höchste
technische Berater des SADP, Nehru Essomba,
dass der MIF Teil eines breiter angelegten SADP
sei, das 20.000 Farmern in vielen anderen Bereichen geholfen hat, sich zu entwickeln, und
für die Instandsetzung von sechs Bewässerungsdämmen zur Förderung von Landwirtschaft und
Viehwirtschaft gesorgt hat.
"Schon jetzt helfen wir mehr als 20.000 Bauern
beim Umstieg von der Subsistenzlandwirtschaft
zu einer marktorientierten Landwirtschaft, die
nachhaltiger ist und höhere Erträge abwirft",
meinte Essomba.
Es handele sich um einen umfassenden Ansatz
zur Verbesserung der Wertschöpfungskette,
ließ der EU-Botschafter in Swasiland, Nicola
Bellomo, auf der gleichen Webseite wissen. Das
Programm verbinde Produktion, Weiterverarbeitung und Produktmarketing, was für das
Netto-Import-Land im südlichen Afrika ein Novum sei. "Wir versuchen, die Kapazitäten und
Fähigkeiten zu entwickeln, Nahrungsmittel für
den Export zu erzeugen", so Bellomo. 
Begleitbild:
Beschäftigte auf der Sidemane-Farm nahe der swasiländischen Hauptstadt Mbabane – Bild: Mantoe
Phakathi/IPS
Deutsche Bearbeitung: Karina Böckmann (TD08-10-2014)
http://www.ipsnews.net/2014/09/from-subsistence-to-profit-swazi-farmers-get-a-helping-hand/
- 17 -
Jahrgang 33 | Nr. 42
IPS-Weltblick
14. Oktober 2014
ASIEN-PAZIFIK
ASIEN/PAZIFIK: Massiver Artenschwund in bevölkerungsreichster Region
Von Kanya d'Almeida
Colombo (IPS) – Im asiatisch-pazifischen Raum leben mehr als 4,2 Milliarden Menschen. Die Biodiversitätsanforderungen, die sich künftig an die bevölkerungsreichste Weltregion stellen, sind
immens.
Laut Scott Perkin, Leiter der Naturressourcengruppe des Asien-Büros des Weltnaturschutzverbandes (IUCN-Asien), kann die Region mit
Blick auf die Aichi-Biodiversitätsziele einige Erfolge vorweisen. 2010 hatte sich die internationale Gemeinschaft im japanischen Nagoya auf
insgesamt 20 Strategieziele verständigt.
"Eine Mehrheit der Länder hat ihre Nationalen
Biodiversitätsstrategien und Aktionspläne (Ziel
17) überarbeitet und gestärkt", so Perkin in einer E-Mail. Darüber hinaus hätten viele Staaten
das Nagoya-Protokoll (Ziel 16) ratifiziert.
Dennoch stehen die asiatisch-pazifischen Staaten seiner Meinung nach unter einem stetig
wachsenden Druck, den Artenschwund aufzuhalten. "Die Geschwindigkeit, in der Bevölkerung und Wirtschaft zulegen, befeuert nach wie
vor die Zerstörung der natürlichen Habitate. Es
bedarf größerer Anstrengungen, um das fünfte
Ziel zu erreichen, die Entwaldungsrate und die
Geschwindigkeit, in der die Habitate zerstört
werden, bis 2020 zu halbieren."
Allein Indonesien sah sich im Zeitraum 2000 bis
2003 mit einer jährlichen Entwaldungsrate von
einer Million Hektar konfrontiert. Eine neuere
Studie zeigt, dass das Land im Jahr 2012 aller
Wahrscheinlichkeit nach 840.000 Hektar Primärwald abgehackt hat. Damit hat das südostasiatische Land sogar Brasilien übertrumpft,
das im gleichen Jahr 460.000 Hektar abholzte.
Perkin zufolge stellt auch der illegale Handel
mit Wildtieren eine weitere Herausforderung
für Asien/Pazifik dar, um das zwölfte Aichi-Ziel
zu erreichen: die Ausrottung bekannter Arten
zu verhindern. Dabei lässt sich gerade anhand
dieser Region gut aufzeigen, dass sich Artenvielfalt und Wirtschaftlichkeit bedingen können. So geht aus dem am 6. Oktober veröffent-
lichten Globalen Biodiversitätsüberblick 4
(GBO-4) hervor, dass die Verringerung der Entwaldungsraten Einnahmen in Höhe von jährlich
183 Millionen Dollar in Form von Ökosystemleistungen generiert.
Das gleiche Muster ist im gesamten asiatischpazifischen Raum erkennbar. Besonders deutlich zeigt es sich dort, wo Regierungen die Ausbeutung der Meeresressourcen durch Schutzvorkehrungen ersetzt haben. Im westpazifischen Inselstaat Palau hat die Entscheidung,
den kommerziellen Fischfang zu verbieten,
dem Ökotourismus und dem Artenschutz Auftrieb gegeben. Hatte ein toter Hai, dessen Flossen in Ostasien eine begehrte Delikatesse sind,
dem Staat einst mehrere hundert US-Dollar
eingebracht, sind es nun 1,9 Millionen Dollar,
wenn die Spezies am Leben bleibt.
In Indonesien hat die Einrichtung des größten
Schutzgebietes für Teufelsrochen das Wirtschaftspotenzial des Meeresgetiers von 500 Dollar (als Fleisch- und Medizinlieferant) auf mehr
als ein Million Dollar (als Tourismusmagnet) erhöht, wie Bradnee Chambers, Exekutivsekretär
des Übereinkommens zur Erhaltung der wandernden wild lebenden Tierarten der Vereinten
Nationen (CMS), betonte.
Doch um den Artenschutz zu gewährleisten,
bedarf es umfassenderer Maßnahmen. "Es geht
um mehr als um die bloße Frage, wo wir unsere
Straßen und Autobahnen bauen", meinte David
Ainsworth, Pressesprecher des Sekretariats der
Artenvielfaltskonvention (CBD). "Es geht um die
fundamentale Frage, wie wir uns mit Blick auf
Natur und Artenvielfalt sozial und wirtschaftlich positionieren werden."
Bisher jedoch fallen Natur und Artenvielfalt in
der Regel wirtschaftlichen Interessen zum Op-
- 18 -
Jahrgang 33 | Nr. 42
IPS-Weltblick
14. Oktober 2014
ASIEN-PAZIFIK
fer – mit verheerenden Folgen für die biologische Vielfalt, wie der neue WBO-4 verdeutlicht. Demnach hat die Welt in den vergangenen 40 Jahren 52 Prozent ihrer Wildtiere eingebüßt und in den zurückliegenden 50 Jahren
17 Prozent ihrer Wälder gefällt. Die Gewässer
wurden seit 1970 drei Viertel ihrer tierischen
Bewohner beraubt, während Verschmutzung,
Küstenentwicklung und Überfischung inzwischen 95 Prozent aller Korallenriffe bedrohen.
Eine Flut von internationalen Konferenzen und
Abkommen in den letzten Jahren hat versucht,
die Bremse zu ziehen, um diesen scheinbar unaufhaltbaren Zug zum Stehen zu bringen. Es
wurden konkrete Ziele abgesteckt und Gesetze
erlassen, um die letzten Ökosysteme zu retten,
in denen die Menschheit noch nicht ihren tödlichen Fußabdruck hinterlassen hat.
Dazu soll auch der Strategieplan Artenvielfalt
2011 bis 2020 mit seinen Aichi-Zielen beitragen. Obwohl seine Bedeutung in den letzten
vier Jahren immer wieder von der UNVollversammlung und auf dem Rio+20-Erdgipfel
in Brasilien bekräftigt wurde, ist das Ausmaß
des Artenschwunds größer als die Erfolge, ihn
aufzuhalten.
Nach wie vor werden Wälder niedergemäht,
Müll in den Meeren entsorgt und Wildtierhabitate kurzlebigen wirtschaftlichen Profitinteressen geopfert. Die Bemühungen der letzten vier
Jahre, diesem Trend Einhalt zu gebieten, sind
derzeit Gesprächsthema der COP12 vom 6. bis
12. Oktober im südkoreanischen Pyeongchang.
Dem Revisionsbericht GBO-4 zufolge ist es an
der Zeit, "die Triebfedern des Artenschwunds
auszumustern, die fest in unseren Systemen der
politischen Entscheidungsfindung, der Kostenaufstellungen, der Produktions- und Konsummuster verankert sind".
Die internationale Umweltorganisation WWF
hat in ihrem letzten Living-Planet-Bericht kritisiert, dass die Menschen die Geschenke der Na-
tur so stark überstrapazierten, "als stünde uns
mehr als eine Erde zur Verfügung".
Der Living-Planet-Index des WWF zeigt anhand
von 10.000 Wirbeltieren wie Säugern, Vögeln,
Reptilien, Amphibien und Fischen den Zustand
der weltweiten biologischen Vielfalt auf. Demnach geht die Ausbeutung der Wildtiere in den
letzten 40 Jahre zu 37 Prozent auf das Konto
der Menschen, zu 31 Prozent auf die Degradierung der Habitate, zu 13 Prozent auf den Verlust der Habitate und zu sieben Prozent auf den
Klimawandel zurück.
Der gleiche Bericht kommt ferner zu dem
Schluss, dass die von Menschen verursachten
Folgeerscheinungen wie erhöhte Verschmutzung und Bauprojekte weitgehend für den Niedergang der Wildarten- und Frischwassersysteme verantwortlich sind. So verhinderten 45.000
Großstaudämme (von mehr als 15 Metern Höhe)
den freien Fluss einiger der weltgrößten Flüsse
zu Lasten des Artenreichtums.
.
Die Meerespopulationen sind um 40 Prozent zurückgegangen, wodurch die Dringlichkeit, angemessene Meeresschutzgebiete einzurichten,
unterstrichen wird. Dem GBO-4 zufolge "sind in
mehr als der Hälfte der Meeresgebiete keine
fünf Prozent des Areals geschützt".
Ainsworth zufolge sind Landwirtschaft und Ernährungssicherheit die größten Herausforderungen für die Menschheit. "Wohlwissend, dass
wir mit einem substanziellen Bevölkerungswachstum bis Ende des Jahrzehnts konfrontiert
sind, das mit Änderungen der Ernährungsweisen
wie einer Zunahme des Fleischkonsums einhergehen wird, geraten wir allein schon im Zusammenhang mit unserer landwirtschaftlichen
Situation unter einen unerhörten Druck."
Ein Teil dieses Drucks ließe durch einen Wandel
im Umgang mit den Nahrungsproduktionssystemen abbauen. So müsse der Verschwendungskreislauf im Umgang mit Nahrungsmitteln auf
allen Ebenen durchbrochen werden. 
Deutsche Bearbeitung: Karina Böckmann (TD09-10-2014)
http://www.ipsnews.net/2014/10/humanity-failing-the-earths-ecosystems/
- 19 -
Jahrgang 33 | Nr. 42
IPS-Weltblick
14. Oktober 2014
ASIEN-PAZIFIK
PAKISTAN: Wenn Schwangere fliehen müssen
Von Ashfaq Yusufzai
Peshawar, Pakistan (IPS) – In Pakistan hat der Militäreinsatz zur Vertreibung der Taliban aus den
Stammesgebieten unter Bundesverwaltung (FATA) eine humanitäre Krise ausgelöst, von der hunderttausende Menschen betroffen sind. Hauptleidtragende sind schwangere Frauen, die auch nach
den Strapazen der Flucht in Lebensgefahr schweben.
Als die pakistanische Armee Mitte Juni mit ihren Luftangriffen auf den 11.585 Quadratkilometer
großen
Verwaltungsbezirk
NordWaziristan begann, sah sich der überwiegende
Teil der Bevölkerung zur Flucht in die Nachbarprovinz Khyber Pakhtunkhwa gezwungen. Die
meisten leben dort in Auffanglagern. Die Hälfte
der auf 580.000 Menschen geschätzten Vertriebenen sind Frauen.
Die alte Stadt Bannu hat die meisten Binnenflüchtlinge aufgenommen. 40.000 der Menschen, die von der jüngsten Flüchtlingswelle
hier angeschwemmt wurden, sind schwangere
Frauen. Sie leben in der ständigen Angst, ohne
Arzt oder medizinische Grundversorgung entbinden zu müssen.
Für das Kind von Tajdara Bibi kam jede Hilfe zu
spät. Die 30-Jährige hatte nach einem mühseligen Fußmarsch von 55 Kilometern Bannu erreicht. Als sie endlich in der städtischen Entbindungsklinik behandelt wurde, konnten die
Ärzte nichts mehr für den Säugling tun.
Wie Muhammad Sarwar, die Bibi betreut hatte,
gegenüber IPS erklärte, fehlt es an weiblichen
Ärzten, um die vielen schwangeren Frauen
adäquat zu versorgen. "Mindestens vier Frauen
sind aufgrund von Komplikationen infolge von
Schwangerschaft oder Geburt auf dem Weg
nach Bannu gestorben", sagt sie. 20 andere hätten im Krankenhaus Fehlgeburten erlitten.
Die Not schwangerer Flüchtlingsfrauen traumatisiert auch deren Männer. So berichtet Gul
Rehman, ein 44-jähriger Ladenbesitzer, von der
Erfahrung, sich erst um die Gesundheit der eigenen Frau zu sorgen, dann das eigene Kind zu
verlieren und dann erneut um das Leben seiner
Frau zittern zu müssen.
Laut Fawad Khan von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind die Gesundheitszentren auf
die Welle der Flüchtlinge aus Nord-Waziristan
nicht vorbereitet. Die WHO leistet derzeit der
Gesundheitsbehörde von Khyber Pakhtunkhwa
Hilfe, um "unnötige Todesfälle zu verhindern".
Khan zufolge sind 73 Prozent der nach Bannu
- 20 -
Jahrgang 33 | Nr. 42
IPS-Weltblick
14. Oktober 2014
ASIEN-PAZIFIK
geflohenen Frauen und Kinder auf Hilfe angewiesen.
helfen den Nichtregierungsorganisationen vor
Ort bei der Bewältigung der Krise.
Etwa 30 Prozent der schwangeren Flüchtlingsfrauen werden von Geburtskomplikationen bedroht. Diese Situation ließe sich leicht durch
eine personelle Aufstockung und den Aufbau
neuer Behandlungszentren verbessern. So würden vor allem Gynäkologen gebraucht.
Ein Teil des Problems besteht nach Ansicht von
Ali Ahmed, dem Ansprechpartner der Vertriebenen, darin, dass nur wenige Ärzte und Krankenpfleger bereit sind, in einer von Milizen
durchseuchten Region zu arbeiten. Seit Jahren
operieren die Taliban ungehindert in den
Stammesgebieten an der 2.400 Kilometer langen Grenze zu Afghanistan. Solange in der Region keine Normalität hergestellt werde, nützten auch die lukrativsten Angebote nicht, um
die Ärzte in die Krisenregion zu locken.
Zwölf Gesundheitszentren wurden bereits eingerichtet, um die Unterernährung von Frauen
und Kindern in den Lagern zu bekämpfen, die
gerade Schwangeren zusetzt. Auch erhöht sich
dadurch die Gefahr, dass untergewichtige Kinder geboren werden.
"Vier Prozent aller vertriebenen Frauen sind
schwanger und müssen unverzüglich behandelt
werden", sagt Abdul Waheed, der Gesundheitsminister von Khyber Pakhtunkhwa, gegenüber IPS. Mehr als 20 Basisgesundheitszentren
seien personell verstärkt worden, um die Menschen zu versorgen.
Doch noch immer ist das Ausmaß der Krise so
groß, dass die Behörden in Bannu größte
Schwierigkeiten haben, die Not zu lindern. Vor
der jüngsten Menschenflut aus Nord-Waziristan
hatte die Provinz schon 1,5 Millionen Flüchtlinge aus den FATA aufgenommen. Der bislang
letzte Zustrom bringt die Zahl der seit 2001 in
Pakistan Vertriebenen auf 2,5 Millionen Menschen. "Wir schicken Ärzte aus den Lehrkrankenhäusern von Peshawar nach Bannu, damit
sie sich dort abwechseln", so Waheed.
Das Weltkinderhilfswerk UNICEF und der UNBevölkerungsfonds (UNFPA) haben sich der
WHO angeschlossen, um bei der Verbesserung
der Gesundheitsversorgung zu helfen. Rund 65
Ärzte aus dem Pakistanischen Institut für medizinische Wissenschaften (PIMS) in Islamabad
Derzeit ist die Regierung auf der Suche nach
fünf Ärzten und fünf Ärztinnen für das gerade
renovierte und personell und medizinisch unterversorgte Frauen- und Kinderhospital. Ähnlich desolat ist die Lage im Khalifa-Gul-Nawazund im Hauptverwaltungsbezirks-Lehrkrankenhaus. Ahmed zufolge hat sich die Zahl der
Flüchtlinge, die Hilfe brauchen, mehr als verdreifacht.
Drei ländliche Gesundheitszentren und weitere
34 Basisgesundheitseinheiten in unmittelbarer
Nähe der Flüchtlingslager wurden finanziell und
personell aufgestockt. 20 zusätzliche Ernährungsexperten behandeln derzeit 41 Prozent
der von Unterernährung betroffenen Kinder.
Doch noch größere Anstrengungen müssen unternommen werden, um die Krise in einem
Land zu bewältigen, in der die Müttersterblichkeit besonders groß ist.
"In Pakistan ist schon die durchschnittliche Müttersterblichkeitsrate mit 350 Todesfällen pro
100.000 Lebendgeburten sehr hoch", meint Fayyaz Ali, ein Gesundheitsbeamter in Khyber
Pakhtunkhwa. "Doch in den FATA ist die Rate
mit 500 zu 100.000 noch gravierender. Hier ist
Handeln gefragt." 
Begleitbild:
Eine Ärztin bei der Arbeit in einem Flüchtlingslager in Bannu in Pakistans Nordprovinz Khyber
Pakhtunkhwa – Bild Ashfaq Yusufzai/IPS
Deutsche Bearbeitung: Karina Böckmann (TD10-10-2014)
http://www.ipsnews.net/2014/10/displacement-spells-danger-for-pregnant-women-in-pakistan/
- 21 -
Jahrgang 33 | Nr. 42
IPS-Weltblick
14. Oktober 2014
ASIEN-PAZIFIK
SRI LANKA: Anhaltende Dürre trifft Ärmste am härtesten
Von Amantha Perera
Colombo (IPS) – Schlamm auf den Straßen seines Dorfes hat der srilankische Bauer Murugesu Mohanabavan zuletzt vor etwa einem Jahr gesehen. "Seit vergangenem Oktober hatten wir die ganzen
Tage über nur Sonne", erzählt der 40-jährige Vater zweier Schulkinder, der in einem Ort rund 300
Kilometer nördlich der Hauptstadt Colombo lebt.
Das Amt für Katastrophenschutz im Bezirk
Kilinochchi, in dem das Dorf liegt, verzeichnet
seit November 2013 unzureichende Niederschläge, die in dieser Jahreszeit nur noch etwa
30 Prozent der zu erwartenden Menge ausmachen. Von der schweren Dürre in Sri Lanka sind
laut Angaben der Regierung zurzeit rund 1,6
Millionen Menschen betroffen. Ungefähr 42
Prozent der Ernte sind verloren gegangen. Am
schlimmsten trifft die Trockenheit die Ärmsten
der srilankischen Gesellschaft.
Mehr als die Hälfte der unter der Dürre leidenden Bevölkerung – etwa 900.000 Menschen – leben in den nördlichen und östlichen Provinzen
des südasiatischen Inselstaates. In den seit jeher armen Gebieten wird vor allem Landwirt-
schaft betrieben. Infrastrukturen und Hilfsmechanismen gegen Naturkatastrophen sind dort
nicht vorhanden. Im Kilinochchi hat die Dürre
gut 74.000 der etwa 120.000 Einwohner getroffen, im angrenzenden Bezirk Mullaithivu sind es
rund 56.000 von 100.000.
Die meisten Bewohner dieser Gebiete sind
Kriegsheimkehrer, die die größte Last des im
Mai 2009 beendeten langen Konflikts zwischen
der Regierung und der Rebellenbewegung Befreiungstiger von Tamil Eelam LTTE trugen. Die
Zivilisten, die in den letzten Phasen des Bürgerkriegs vertrieben worden waren, kamen Ende 2010 nach und nach in die verwüsteten Dörfer zurück. Trotz eines mit drei Milliarden Dollar finanzierten Infrastrukturprogramms für die
- 22 -
Jahrgang 33 | Nr. 42
IPS-Weltblick
14. Oktober 2014
ASIEN-PAZIFIK
Nordprovinz herrscht dort weiterhin Armut. Offiziellen Angaben vom April dieses Jahres zufolge schnitten vier der fünf Bezirke im Norden
schlecht ab.
anderen Provinzen holen müssen, wenn es
nicht bald regnet. Mehr Menschen werden für
längere Zeit Unterstützung brauchen, also wird
noch mehr Geld benötigt", erklärt Sumanadas.
Die durchschnittliche Armutsrate in Sri Lanka
liegt bei 6,7 Prozent, in größeren Bezirken im
Norden und Osten hingegen noch weit darüber:
28,8 Prozent in Mullaithivu, 20,1 Prozent in
Mannar, 12,7 Prozent in Kilinochchi und 8,3
Prozent in Jaffna. Dagegen werden in den Bezirken Colombo und Gampaha in der Westprovinz lediglich 1,4 beziehungsweise 2,1 Prozent
Arme verzeichnet.
Im April dieses Jahres hatten das Welternährungsprogramm WFP und die srilankische Regierung gemeinsam gewarnt, dass die Ernährung
der Hälfte der Bevölkerung von Mullaithivu und
jedes dritten Einwohners von Kilinochchi gefährdet sei.
Muttukrishna Saravananthan, Leiter des Point
Pedro-Entwicklungsinstituts im Norden Jaffnas,
meint dazu, dass die ohnehin schon armen Gebiete nun auch unter der fortgesetzten Dürre
besonders zu leiden hätten.
Dem Bauern Mohanabavan haben seine etwa
8.000 Quadratmeter Ackerland bisher jährlich
umgerechnet etwa 1.500 US-Dollar eingebracht. Seit es nicht mehr regnet, ist er verschuldet. "Wir haben keine Ersparnisse mehr.
Unser Haus ist erst halb fertig und ich muss
zwei Kinder in die Schule schicken", sagt er.
"Der Albtraum geht weiter."
Der Agrarsektor trägt zehn Prozent zum jährlichen nationalen Bruttoinlandsprodukt von insgesamt rund 460 Millionen Dollar bei. In Provinzen im Norden und Osten leben mindestens 30
Prozent der Bevölkerung von der Landwirtschaft. Laut Kugadasan Sumanadas vom Amt für
Katastrophenschutz in Kilinochchi sind Mitte
des Jahres Hilfsprogramme für die von der Dürre betroffene Bevölkerung angelaufen. Etwa
37.000 Personen erhalten demnach täglich
Wasser aus Tankwagen. Außerdem werden in
dem Bezirk mehrere 'Bargeld-gegen Arbeitsleistung'-Programme zur Instandsetzung von Wasserleitungen und Bewässerungssystemen durchgeführt.
Selbst für die begrenzten Projekte, die zurzeit
umgesetzt werden, ist bei weitem nicht genug
Geld vorhanden. "Außerdem steht uns das noch
größere Problem bevor, dass wir Wasser aus
Sumanadas ist sicher, dass die Zahlen in den
nächsten vier Monaten weiter steigen werden.
Die Getreideernte ist verglichen mit 2013 um
42 Prozent gesunken. Die Reiserträge liegen um
17 Prozent unter denen von vier Millionen Tonnen im Vorjahr. Die Regierung hob daraufhin
den Importstopp auf Reis auf und will dadurch
mindestens fünf Prozent der Ernteverluste
wettmachen.
Die Hauptwasserquelle des Bezirks, der 50
Quadratkilometer große Iranamadu-Stausee,
konnte früher eine Fläche von rund 430 Quadratkilometern bewässern. Wie Sumanadas berichtet, ist der See inzwischen staubtrocken.
Auch in anderen Teilen der Insel seien die Wasserreserven auf durchschnittlich etwa 30 Prozent zurückgegangen, sagt Ivan de Silva vom
Wasserministerium. Die Folgen der Dürre führt
er auf die zunehmende Häufigkeit extremer
Wetterphänomene und einen schlechten Umgang mit der Ressource zurück. "In der Vergangenheit hatten wir alle zehn bis 15 Jahre eine
schwere Dürre, inzwischen aber fast jedes
Jahr", berichtet er.
Von einer ähnlichen Dürrekatastrophe waren
Ende 2012 waren fast zwei Millionen der insgesamt rund 20 Millionen Srilanker betroffen. Die
Agrarerträge gingen auf 20 Prozent der vorherigen Ernten zurück. Hurrikan Nilam mit seinen
Überschwemmungen setzte der Dürre Ende des
Jahres dann ein Ende.
De Silva merkt kritisch an, dass Strategien zur
besseren Verwaltung der Wasserreserven vonnöten wären, um mit der veränderten Wetter-
- 23 -
Jahrgang 33 | Nr. 42
IPS-Weltblick
14. Oktober 2014
ASIEN-PAZIFIK
situation umgehen zu können. Nur zögerlich
beginnt das Land auf den Klimawandel zu reagieren. Kürzlich startete die Regierung ein Programm zur Stärkung der Klima-Resilienz im Umfang von 100 Millionen Dollar. Etwa 90 Prozent
davon sollen für die Verbesserung der Infrastruktur verwendet werden. Geplant ist, 47 Millionen Dollar in den Ausbau der Kanalisation
und Wasserversorgungssysteme zu investieren.
36 Millionen Dollar sind für die Befestigung von
Straßen und sieben Millionen Dollar für die Sicherung von Schulgebäuden in potenziellen Katastrophengebieten bestimmt. Ein Teil der Mittel soll für die Untersuchung der neun wichtigsten Flussbecken des Landes verwendet werden.

Begleitbild:
Bewohner eines Dorfes in Sri Lanka graben einen Brunnen – Bild: Amantha Perera/IPS
Deutsche Bearbeitung: Corina Kolbe (TD06-10-2014)
http://www.ipsnews.net/2014/09/blistering-drought-leaves-the-poorest-high-and-dry/
JAPAN: Feminisierung der Armut
Von Suvendrini Kakuchi
Tokio (IPS) – Marlyn Maeda, eine ledige Journalistin in Tokio, die niemals in ihrem Leben eine feste
Anstellung hatte, kann sich ihren Traum von Unabhängigkeit im Alter endgültig abschminken. "Ich
habe vier Jobs und komme kaum über die Runden", stellt die 54-Jährige bitter fest.
Das Schreiben von Artikeln, die Arbeit in einem
Callcenter, der Verkauf von Kosmetik an fünf
Tagen und eine Nachtschicht pro Woche in einer Bar bringen Maeda – der Name ist ihr Pseudonym – keine 1.600 US-Dollar ein. Sie gehört
zu der Schicht der Armen, die sich in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt explosionsartig vergrößert.
In den 1980er und 1990er Jahren hatte sie das
Dreifache erhalten.
In Japan gelten alle diejenigen als arm, deren
Einnahmen unter 10.000 Dollar jährlich liegen.
Dies trifft vor allem auf Ältere und Teilzeitbeschäftigte zu. Maeda liegt mit ihrem hart verdienten Einkommen zwar fast doppelt so hoch,
kommt damit aber dennoch nicht viel weiter.
In zwei Jahrzehnten mit schleppendem Wachstum sind die Einkommen in Japan stark gesunken. Von den etwa 127,3 Millionen Einwohnern
des Landes findet kaum jemand noch einen festen Arbeitsplatz. Kein Wunder, dass im vergangenen Jahr die Armutsrate auf über 16 Prozent
geklettert ist.
Selbst die rnötigsten Ausgaben kann sie von den
kargen Einkünften kaum bestreiten. "Als das
Call Center meine wöchentliche Arbeitszeit auf
drei Tage kürzte und meine Autorenhonorare
schrumpften, fing ich an, mir ernsthaft Sorgen
um meine Zukunft zu machen", bekennt sie.
Am Beispiel von Maeda zeigt sich zudem, dass
in der am raschesten alternden Gesellschaft
der Welt immer mehr Seniorinnen unter prekären finanziellen Bedingungen leben werden.
Die Journalistin erklärt, dass sie inzwischen für
einen Artikel nur noch 50 Dollar Honorar erhält.
"Sollte ich krank werden und nicht mehr arbeiten können, werde ich auf der Straße leben
müssen." Wenn Maeda Miete, Steuern und
Krankenversicherung gezahlt hat, muss sie sich
manchmal Geld von ihren Eltern leihen, um
nicht zu verhungern.
- 24 -
Jahrgang 33 | Nr. 42
IPS-Weltblick
14. Oktober 2014
ASIEN-PAZIFIK
Viele Japanerinnen sind in einer ähnlich
schlimmen Lage. Dabei versucht die Regierung,
die Rechte von Frauen zu stärken und ihnen eine größere wirtschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. In diesem Jahr hat Ministerpräsident
Shinzo Abe ein Maßnahmenpaket eingeführt,
das bei Frauenrechtsaktivisten allerdings auf
Skepsis stößt. Sie kritisieren, dass Japanerinnen
nach wie vor zahlreiche soziale und ökonomische Hürden überwinden müssten.
In Anlehnung an die als 'Abenomics' bezeichnete Wirtschaftspolitik des Ministerpräsidenten,
die auf Anti-Deflation und eine Erhöhung des
Bruttoinlandsprodukts abzielt, hat sich die
neue Bewegung 'Womenomics' genannt.
Die Aktivisten fordern unter anderem, dass
Frauen ebenso viel wie Männer verdienen, rascher befördert werden sollen und eine längere
Kinderbetreuungspause einlegen dürfen. Bislang geben 60 Prozent der Japanerinnen ihre
Arbeitsstelle ganz auf, wenn sie eine Familie
gründen.
Abe hat versprochen, die Zahl der Kinderbetreuungsplätze um 20.000 zu erhöhen, um
mehr Frauen die Rückkehr in die Erwerbstätig
keit zu erleichtern. Auch die Hortplätze für
Schüler sollen bis zum Jahr 2020 um 300.000
aufgestockt werden. Bis dahin soll zudem der
Anteil von Frauen in Führungspositionen auf 30
Prozent angewachsen sein.
In einem Beitrag für das 'Wall Street Journal'
erklärte Abe kürzlich, dass der Wachstumsplan
seiner Regierung darauf abziele, die Produktivität in Japan mittel- bis langfristig um zwei Prozent zu steigern, um dadurch in einem Zeitraum von zehn Jahren ein durchschnittlich um
zwei Prozent wachsendes inflationsbereinigtes
Bruttoinlandsprodukt zu erreichen.
"Wir verfolgen das Ziel, bis zum Jahr 2020 den
Anteil der berufstätigen Frauen von derzeit 68
Prozent auf 73 Prozent zu erhöhen", schrieb
Abe. "Japanerinnen verdienen bisher durchschnittlich 30,2 Prozent weniger als Männer.
Diese Kluft müssen wir überbrücken." Im Vergleich dazu verdienen Frauen in Deutschland
ein Fünftel weniger als ihre männlichen Kollegen, während die Differenz auf den Philippinen
lediglich 0,2 Prozent beträgt.
Gender-Forscherinnen wie Hiroko Inokuma, die
sich mit den Problemen berufstätiger Mütter
- 25 -
Jahrgang 33 | Nr. 42
IPS-Weltblick
14. Oktober 2014
ASIEN-PAZIFIK
beschäftigt, betrachten Abes Vorhaben als sehr
ehrgeizig, zumal die zunehmende Gefährdung
von Arbeitsplätzen viele Frauen bereits jetzt in
die Armut abrutschen lässt. Statistiken geben
wenig Anlass zur Hoffnung auf eine Besserung
der Lage.
Wie der Think Tank NIPSSR mit Sitz in Tokio
festgestellt hat, lebt jede dritte alleinstehende
Frau im Alter zwischen 20 und 64 Jahren mittlerweile in Armut. Bei verheirateten Frauen
liegt der Anteil hingegen bei nur elf Prozent. In
dieser Gruppe sind zumeist ältere Witwen von
materieller Not betroffen. Etwa die Hälfte der
geschiedenen Japanerinnen hat Existenzsorgen.
Von den erwerbstätigen Frauen sind 31,6 Prozent arm und von den Männern 25,1 Prozent.
Laut dem Gesundheits- und Sozialministerium
erhielten 2,09 Millionen Menschen im Jahr 2010
staatliche Sozialhilfe. Das entsprach 1,64 Prozent der gesamten Landesbevölkerung. Nach
Ansicht von Akiko Suzuki von der gemeinnützigen Obdachlosenhilfsorganisation 'Inclusive Net'
gehen Abes Zielsetzungen an der Realität vorbei.
Die zunehmende Verarmung von Frauen führt
sie vor allem auf die steigende Zahl von Teilzeit- und Leiharbeitsstellen zurück. Vollzeitstellen in Unternehmen würden dadurch immer
weiter abgebaut, sagt sie. In der Pflegebranche
sind in Japan die meisten Teilzeitbeschäftigten
tätig, von denen 90,5 Prozent Frauen sind.
Nach Erkenntnissen von Inclusive Net machen
Frauen 20 Prozent der durchschnittlich rund
3.000 Personen aus, die jeden Monat wegen ihrer wirtschaftlichen Probleme bei der Organisation Hilfe suchen. Vor drei Jahren lag der Anteil noch bei weniger als zehn Prozent. "Manche
Frauen sind verzweifelt. Da sie keine festen
Stellen haben, wehren sie sich nicht gegen
häusliche Gewalt und Diskriminierung am Arbeitsplatz."
Etwa 20 Millionen Japaner – 40 Prozent aller
Erwerbstätigen – sind auf der Grundlage befristeter Verträge beschäftigt. Frauen machen 63
Prozent derjenigen Beschäftigten aus, die weniger als 38 Prozent der Gehälter von VollzeitAngestellten verdienen.
Von jeher müssten Japanerinnen im Vergleich
zu den Männern zurückstecken, sagt Aya Abe,
die für NIPSSR arbeitet. "Jahrzehntelang sind
die Frauen damit zurechtgekommen, weil entweder ihre Männer gut verdienten oder weil sie
noch bei ihren Eltern lebten. Der neue Verarmungstrend kann darauf zurückgeführt werden,
dass weniger Frauen heiraten und schlecht bezahlte Arbeiten annehmen müssen."
Abes Reformprogramm sieht zudem vor, einen
bislang hart verteidigten Steuervorteil für verheiratete Männer zu streichen, deren Frauen
ein Jahreseinkommen von weniger als 10.000
Dollar beziehen. Die Steuer wurde 1961 eingeführt, als in Japan zumeist nur Männer in lebenslanger Stellung arbeiteten und damit ihre
Familien ernährten.
Befürworter der Reform erklären, dass nun
mehr Frauen dazu ermutigt würden, in Vollzeit
zu arbeiten. Andere Beobachter wenden jedoch
ein, dass damit ein wichtiges soziales Sicherheitsnetz abgebaut werde.
Suzuki jedenfalls blickt mit Sorge in die Zukunft: "Eine alternde Gesellschaft und unstabile
Jobs bedeuten, dass Frauen weiterhin in Armut
leben werden." 
Begleitbild:
Frauen machen den größten Teil der Alten und Armen in Japan aus – Bild: S. H. isado/CC BYND 2.0
Deutsche Bearbeitung: Corina Kolbe (TD07-10-2014)
http://www.ipsnews.net/2014/09/can-womenomics-stem-the-feminisation-of-poverty-in-japan/
- 26 -
Jahrgang 33 | Nr. 42
IPS-Weltblick
14. Oktober 2014
LATEINAMERIKA u. KARIBIK
LATEINAMERIKA: Klimawandel bringt den Hunger zurück
Von Diana Cariboni
Montevideo (IPS) – "Wir könnten die letzte Generation von Lateinamerikanern sein, die hungern
müssen", meinte unlängst Raúl Benítez, ein regionaler Vertreter der Weltlandwirtschaftsorganisation FAO. Tatsächlich sind nach den jüngsten Zahlen nur noch 4,6 Prozent der Bevölkerung unterernährt. Das hört sich gut an, wäre da nicht noch die zweite Seite der Medaille: So wird der Klimawandel den Subkontinent bis spätestens 2030 gefährlich nah an den Abgrund neuerlicher Ernährungskrisen rücken.
Lateinamerika und die Karibik, Heimat von fast
600 Millionen Menschen, besitzen ein Drittel aller weltweiten Frischwasserreserven und mehr
als ein Viertel des Produktivlandes. Sie sind zudem die weltgrößte Netto-Nahrungsmittelexportregion der Erde und verbrauchen lediglich einen Bruchteil ihres landwirtschaftlichen
Potenzials für den Verbrauch und den Export.
Darauf wird in einem Buch hingewiesen, das die
Interamerikanische Entwicklungsbank in Partnerschaft mit der privatwirtschaftlichen Denkfabrik 'Global Harvest Initiative' in diesem Jahr
herausgegeben hat.
Dennoch lebt fast ein Viertel der Landbevölkerung der Region von weniger als zwei US-Dollar
pro Tag. Außerdem ist der Subkontinent für Naturkatastrophen wie Erdbeben, Wirbelstürme,
Überschwemmungen und Dürren besonders
prädestiniert. Die globale Erwärmung stellt für
die Zielsetzung der internationalen Gemeinschaft, Armut und Hunger auszurotten, eine
große Gefahr dar. Veränderungen der Niederschlagsmuster, der Böden und der Temperaturen setzten die landwirtschaftlichen Systeme
schon jetzt unter Druck.
Derzeit sind mehr als 800 Millionen Menschen
weltweit vom Hunger bedroht. Angesichts der
verheerenden Folgen für Ernten und Lebensgrundlagen geht man davon aus, dass die Zahl
bis 2050 um 20 Prozent angestiegen sein wird,
wie jüngste UN-Projektionen nahe legen. Die
Veränderungen bei den Temperaturen und Niederschlagsmustern könnten die Nahrungsmittelpreise bis 2050 um über 80 Prozent in die
Höhe treiben und somit Armut und Ungleichheit
erneut beflügeln.
Der Entwicklungsorganisation 'Oxfam International' zufolge ist auch ein drastischeres Szenario
vorstellbar. So könnten Hitze- und Wasserkrisen
die landwirtschaftlichen Erträge zwischen 2030
und 2049 um 25 Prozent zurückfahren.
Der Klimawandel wird vor allem die kleinbäuerlichen und Familienfarmen treffen, die mehr
als die Hälfte der regionalen Nahrungsmittel
produzieren und die nicht über die finanziellen
Mittel verfügen, die unvorhersehbaren Wetteranomalien zu kompensieren.
Trotz dieser Gefahren sind Nachhaltigkeitsstrategien noch längst nicht am Horizont erkennbar. Die treibenden Kräfte des Wachstums sind
exportorientierte Rohstoffe, und während einige Sektoren gewisse Fortschritte beim Aufbau
der Wertschöpfungskette, Technologien und Innovationen vorweisen können, gilt die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen nach wie als
Schlüssel für den wirtschaftlichen Aufschwung
der Region.
Bis 2011 hatten Rohstoffe und Waren einen Anteil an den regionalen Exporten von 60 Prozent.
2000 waren es noch 40 Prozent gewesen.
Gleichzeitig führte diese Zunahme der Rohstoffexporte zu einem Ersatz der einheimischen
Industrieprodukte durch Importgüter, was sich
wiederum negativ auf die Fertigungsindustrie
auswirkte.
In den ländlichen Gebieten konkurrieren Modelle einer kleinbäuerlichen Landwirtschaft mit
extensiven Monokulturen, auf den Gensaaten
ausgebracht werden, in einer Art David-gegenGoliath-Kampf um Land.
- 27 -
Jahrgang 33 | Nr. 42
IPS-Weltblick
14. Oktober 2014
LATEINAMERIKA u. KARIBIK
In Paraguay, dem viertgrößten Sojabohnenexporteur der Welt, besitzen 1,6 Prozent der
Landeigentümer 80 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen. In Guatemala sind acht Prozent
der Landeigner in Besitz von 82 Prozent der
landwirtschaftlichen Böden, in Kolumbien konzentrieren sich 80 Prozent der produktiven Flächen in der Hand von 14 Prozent der Landbesitzer.
Die Landwirtschaft und die durch sie bedingte
Entwaldung sind für einen größeren Ausstoß der
Klimagase in Lateinamerika verantwortlich.
Weitere Faktoren, die zu diesem Problem beitragen, kommen hinzu. Brasilien beispielsweise
hat sich längst dem Club der großen Verschmutzer angeschlossen.
Mit der Verbrennung fossiler Brennstoffe ist das
Land bereits für einen Großteil der CO2Emissionen mitverantwortlich. Und während
die Rohstoffindustrie boomt, wächst die Nachfrage nach neuen Autobahnen, Schienennetzen
und Häfen, was wiederum die Regierungen unter Druck setzt, sogenannte logische Blackouts
zu verhindern.
Die Nachfrage nach Energie nimmt gewaltige
Formen an. Sie kommt nicht nur von der Industrie, sondern auch von Millionen Menschen,
die der Armut entkommen wollen und als Verbraucher größere Bedürfnisse entwickeln. Die
Energienachfrage der Region im Zeitraum 2010
bis 2017 wird sich um jährlich fünf Prozent
nach oben schrauben.
Erwartet wird zudem, dass die Region eine
neue Obergrenze überschreiten wird, was die
Verbrennung fossiler Brennstoffe betrifft. Das
gilt insbesondere für Länder wie Argentinien,
Brasilien und Mexiko, die bestrebt sind, ihre eigenen politischen, finanziellen und technischen
Herausforderungen zu meistern, indem sie Rohstoffe in geologischen Formationen wie Vaca
Muerte in Argentinien oder das Öl, das in der
Nähe des brasilianischen Kontinentalschelfs unterhalb von Salzschichten lagert, bergen.
Es lässt sich nur schwer vermitteln, dass eine
Region, die so reich an natürlichen Ressourcen
ist, kein Recht haben sollte, diese nach dem
Angebot-und-Nachfrage-Modell
auszubeuten,
insbesondere, wenn sie Ländern wie Bolivien
dabei helfen konnte, die extreme Armut von 38
Prozent im Jahr 2005 auf 20 Prozent 2013 zu
drücken.
Doch Experten warnen, dass der Weg der
Nichtnachhaltigkeit und die Auswirkungen des
Klimawandels alle sozialen Zielsetzungen unterwandern könnten. In Guatemala bringt die
schlimmste Dürre der letzten 40 Jahre 1,2 Millionen Menschen in Gefahr, in den kommenden
Monaten Hunger zu erleiden. Diejenigen, die
am wenigsten zur globalen Erwärmung beigetragen haben, sind ausgerechnet jene, die am
stärksten betroffen sein werden.
Ein UN-Papier aus jüngerer Zeit, das die Aktivitäten zusammenfasst, die aus einem Aktionsprogramm hervorgingen, das 1994 auf der Internationalen Konferenz über Bevölkerung und
Entwicklung (ICPD) in Kairo verabschiedet wurde, kommt zu dem Schluss, dass nur "ein Drittel
der Weltbevölkerung Konsummuster vorweist,
die zu den Emissionen beitragen".
Unter einer Milliarde Menschen von diesem
Drittel hat einen größeren Anteil und eine kleine Minderheit dieser Personengruppe ist verantwortlich für den größten Anteil am Klimawandel. Und es werden die ärmsten Menschen
sein, die die Folgen zu tragen haben. Lateinamerika, das als nächster globaler Brotkorb gehypt wird, muss unbedingt lokal und global aktiv werden, um Nachhaltigkeit als Entwicklungsziel in den kommenden Jahren zu beherzigen. 
Deutsche Bearbeitung: Karina Böckmann (TD06-10-2014)
http://www.ipsnews.net/2014/10/latin-america-on-a-dangerous-precipice/
- 28 -
Jahrgang 33 | Nr. 42
IPS-Weltblick
14. Oktober 2014
LATEINAMERIKA u. KARIBIK
PANAMA: Hoffnung auf Entwicklungsschub durch Kanalausbau
Von Fabíola Ortiz
Panama-Stadt (IPS) – Der Panama-Kanal ist Panamas wichtigste wirtschaftliche Lebensader. Erwartet wird, dass sich nach Abschluss der laufenden Ausbauarbeiten im Dezember 2015 der Anteil des
zentralamerikanischen Landes am internationalen Handelsaufgebot verdreifachen wird. Viele Panamaer hoffen aber auch, ebenfalls von dem Megaprojekt zu profitieren.
100 Jahre ist es her, dass der Panama-Kanal als
Verbindungsweg zwischen Pazifik und Atlantik
eingeweiht wurde. 2006 stimmte die Bevölkerung in einem Referendum für den Ausbau des
Wasserwegs. Im Jahr darauf wurde mit der Erweiterung begonnen, die die Abfertigung größerer Schiffe ermöglichen wird.
Jedes Jahr nutzen rund 12.000 Panamax-Schiffe
die Abkürzungsroute. Panamax, ein Begriff aus
der Seefahrt, meint Schiffe, die höchstens 294
Meter lang und 32 Meter breit sein und einen
Tiefgang von maximal zwölf Meter haben dürfen, damit sie durch die bisherigen Schleusentore des Panama-Kanals passen.
Mit neuen Schleusentoren, die auch bis zu 400
Meter langen, bis 52 Meter breiten und bis zu
15 Meter tiefen Frachtern (PostpanamaxSchiffe) die Durchfahrt gestatten, soll dafür gesorgt werden, dass der Kanal 15 Prozent des
Seehandels abdeckt. Bisher sind es fünf Prozent, wie Olmedo García, Leiter des KanalInstituts der Universität von Panama, betont.
Der Ausbau des Panama-Kanals war per Referendum beschlossen und im Jahr darauf begon-
nen worden. Ursprünglich sollten die Arbeiten
in diesem Monat abgeschlossen sein. Doch Arbeiterstreiks und Dispute über die Kosten des
Vorhabens haben das verantwortliche Baukonsortium dazu gezwungen, den Termin auf Dezember 2015 zu verschieben. 'Sacyr' aus Spanien und 'Impregilo' aus Italien sind jeweils zu 48
Prozent an dem Vorhaben beteiligt.
Die riesigen Postpanamax-Schiffe haben ein
Fassungsvermögen von 14.000 Containern. Die
Kapazitäten der Panamax-Frachter liegen bei
nur 5.000 Containern. Darüber hinaus wird sich
die Durchfahrtszeit nach Abschluss der Erweiterungsarbeiten deutlich verkürzen: von derzeit
acht bis zehn auf zweieinhalb Stunden. Die Kanalnutzungsgebühren werden zudem um zwölf
Prozent sinken.
An dem Ausbau der 79 Kilometer langen Wasserstraße sind gut 7.000 Menschen beschäftigt.
90 Prozent sind Panamaer. Das 5,2 Milliarden
US-Dollar teure Projekt hat nach Angaben der
Panama-Kanal-Behörde (ACP) zudem 35.000 indirekte Jobs geschaffen. García zufolge leistet
der Kanal einen jährlichen Beitrag zum Staatshaushalt von 1,1 Milliarden Dollar. Die Brutto-
- 29 -
Jahrgang 33 | Nr. 42
IPS-Weltblick
14. Oktober 2014
LATEINAMERIKA u. KARIBIK
einnahmen belaufen sich auf 2,3 Milliarden Dollar, die Kanalbetriebskosten auf 1,2 Milliarden.
"Sobald die Erweiterungsarbeiten beendet sind,
werden wir über den Bau eines vierten Sets von
Schleusentoren nachdenken, die zwölf Milliarden Dollar kosten werden", meinte der Experte. Denn: "Der Kanal ist und bleibt unsere wichtigste Einnahmequelle."
Wie Ilya de Marotta, die in der ACP für die Expansionsarbeiten hauptverantwortliche Ingenieurin, betont, sind die Expansionsarbeiten zu
80 Prozent abgeschlossen. Sie seien wichtig, da
die Aufnahmekapazitäten des Kanals erschöpft
seien und man auf die globale Tendenz, größere Frachter einzusetzen, reagieren müsse.
Den bisherigen Projektionen zufolge werden
sich die Kanalnutzungseinnahmen bis 2019 auf
2,5 Milliarden Dollar und bis 2025 auf sechs Milliarden Dollar hochschrauben. "Als Kanalbetreiber und Logistikzentrum erwirtschaften wir 40
Prozent des panamaischen Bruttoinlandsprodukts (BIP)", so García. "Wir verfügen mit Häfen
an der Pazifik- und Atlantikseite, mit Eisenbahnen und der Freihandelszone lateinamerikaweit
über die beste logistische Anbindung."
Doch damit diese Einnahmen auch die ärmsten
Bevölkerungsgruppen erreichen, bedarf es eines Prioritätenwechsels. Trotz eines jährlichen
Wirtschaftswachstums von sieben Prozent leben einer Studie aus dem letzten Monat zufolge
27,6 Prozent der Bevölkerung unterhalb der
Armutsgrenze. García und andere Wissenschaftler sind der Meinung, dass die Armut
mindestens neun Prozent höher ist.
In den ländlichen Gebieten des 3,8 Millionen
Einwohner zählenden Landes sind sogar 49,4
Prozent der Bevölkerung arm. In den Städten
beträgt der Anteil zwölf Prozent. Am schlimmsten sind die Indigenen dran, von denen 70 bis
90 Prozent in sozialer Not leben.
Öffentliche Zahlen vom August zeigen ferner,
dass 38,6 Prozent der wirtschaftlich aktiven
Bevölkerung im informellen Sektor tätig sind.
Hinzu kommt, dass tausende Familien auf
grundlegende Leistungen wie sauberes Leitungswasser, Gesundheitsversorgung und öffentliche Transportmöglichen verzichten müssen.
Alfredo Herazo ist 29 Jahre alt. Jeden Tag besteigt er in Panama-Stadt den Bus, um zur Arbeit nach Colón zu fahren, wo er und sein Vater
eine Schlosserei betreiben. Wie er gegenüber
IPS berichtet, würde er gerne etwas anderes
tun, auch um sich die 79-Kilometer lange Busfahrt zu ersparen, die er zwei Mal am Tag auf
sich nehmen muss. "Doch ich habe keine andere
Wahl."
Colón ist eine Hafenstadt am karibischen Meer
nahe der Einfahrt in den Panama-Kanal. Die
zweitgrößte Stadt des Landes liegt in der einst
unter US-Kontrolle befindlichen PanamaKanalzone. Der Wasserweg befindet sich seit
dem 1. Januar 2000 vollständig in der Hand Panamas, so wie dies in den von beiden Ländern
1977 unterzeichneten Torrijos-Carter-Abkommen vorgesehen war.
Die 450 Hektar große Freihandelszone von
Colón ist die zweitgrößte der Welt nach Hongkong. Etwa 2.500 Import- und Exportunternehmen sind dort angesiedelt, die jährlich rund 30
Milliarden Dollar erwirtschaften. Allerdings
sorgten Streitereien mit Kolumbien und Venezuela, den größten Kunden, im letzten Jahr für
finanzielle Einbußen.
Jedes Jahr finden sich 250.0000 Besucher in
der Freihandelszone in Colón ein. "So wie alle
anderen meiner Landsleute würde auch ich
gern in der Kanal- oder Freihandelszone arbeiten", meint Herazo. "Die Löhne sind gut und der
Kanal ist unser ganzer Stolz. Bekäme ich die
Chance, dort als Verkäufer zu arbeiten, würde
ich sie sofort ergreifen."
Herazo bedauert, dass die Profite, die der Kanal generiert, nicht bei den normalen Menschen ankommen. Ein Vorwurf, der durch den
Zustand der historischen Altstadt bekräftigt
wird Die heruntergekommenen Häuser bieten
im Vergleich zu den modernen Gebäuden in der
Freihandelszone ein trauriges Bild.
- 30 -
Jahrgang 33 | Nr. 42
IPS-Weltblick
14. Oktober 2014
LATEINAMERIKA u. KARIBIK
Cesar Santos lebt seit sieben Jahren in Colón.
Er verkauft Obst und Gemüse auf dem zentralen Markt im Zentrum der Stadt. Jeden Morgen
baut er gegenüber dem Gemeindepark seinen
Stand auf. "Ich verdiene gerade so viel, um als
armer Mensch über die Runden zu kommen",
meint der 32-Jährige. "Das Leben in Colón ist
alles andere als gut."
Wie er berichtet, ist die städtische Infrastruktur eine Katastrophe. "Immer wenn es regnet,
wird alles überschwemmt. Die Straßen sind
dann unpassierbar, die Stadt ist dann lahmgelegt", sagt er. Doch am schlimmsten ist die soziale Not. "Die Menschen hier sind wirklich arm.
Wir leben in den heruntergekommenen Häusern
einer von den Regierungen vergessenen Stadt.
Es kommt zu Diebstählen und Raubüberfällen."
Der einzige Lichtblick sei die Freihandelszone,
ohne sie wäre die Lage noch verzweifelter.
Auch García in Panama-Stadt ist der Meinung,
dass von den Einnahmen aus dem Kanal und
dem Finanzzentrum auch die Armen profitieren
müssten. "Es gibt eine soziale Bruchstelle",
meint er. "Der Kanal dient dem Handel, der
Kommunikation und dem Weltfrieden. Nun sollte er noch dafür sorgen, dass eine soziale
Schuld beglichen wird. Ein Teil des Wohlstands
muss an die Menschen weitergegeben werden."

Begleitbilder:
Durch den Ausbau des Panama-Kanals bieten sich ganz neue Einnahmequellen – Bild: Fabíola
Ortiz/IPS
Der Niedergang des historischen Zentrums der Hafenstadt Colón zeigt, dass wirtschaftliche und soziale Entwicklung nicht notwendigerweise zusammengehen – Bild: Fabíola Ortiz/IPS
Deutsche Bearbeitung: Karina Böckmann (TD09-10-2014)
http://www.ipsnoticias.net/2014/10/panama-un-pais-y-un-canal-con-dos-velocidades-dedesarrollo
http://www.ipsnews.net/2014/10/panama-a-country-and-a-canal-with-development-at-twospeeds/
- 31 -
Faire Globalisierung setzt echte Kooperation voraus
Nachhaltige Globale Sicherheit setzt Kultur des Friedens voraus
Analysen, Hintergründe und Kommentare zu Themen, welche
die Welt bewegen
Analysen, Hintergrundberichte und Meinungen zur
Notwendigkeit atomarer Abrüstung
Die Welt im Ganzen betrachten
Der Eine-Welt-Verlag
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
16
Dateigröße
1 682 KB
Tags
1/--Seiten
melden