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7 Mäuse und Spitzmäuse Bayerns - Ulmer

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7 Mäuse und Spitzmäuse Bayerns
Vorbemerkung: Im Folgenden werden
die einzelnen Arten nach einem einheitlichen Schema (Merkmale, Körpermaße,
Verbreitung in Europa, Verbreitung und
Bestandssituation in Bayern, Lebensraum, Häufigkeitswerte in Schleiereulengewöllen und – soweit zutreffend – RoteListe-Status in Bayern) abgehandelt. Die
systematische Einordnung der behandelten Arten in Ordnungen und Familien ist
aus dem Inhaltsverzeichnis ersichtlich.
Die Angaben zum Lebensraum
stammen aus verschiedenen Quellen
(eigene Beobachtungen bei Fallenfängen,
Angaben auf Etiketten von Sammlungsmaterial, Eintragungen in den Feldtagebüchern der Sammler, Literaturangaben).
Die entsprechenden Angaben aus der
Literatur beziehen sich nicht in jedem
Fall auf Bayern, soweit jedoch regionale
Besonderheiten der Habitätpräferenz bei
einzelnen Arten bekannt oder anzunehmen sind, wird darauf hingewiesen.
Kartografische Darstellung: Einen
wesentlichen Bestandteil der einzelnen
Artkapitel bilden die Verbreitungskarten,
die auf der Basis von Messtischblattquadranten erstellt wurden. Jeder Punkt
bzw. Kreis in der Karte bedeutet mindestens einen Vorkommensnachweis der
jeweiligen Art in dem betreffenden Quadranten der amtlichen topografischen
Karte 1 : 25 000, wobei aus Gründen der
Übersichtlichkeit nicht zwischen Direktund Gewöllenachweisen unterschieden
wurde.
Dargestellt sind nur solche Nachweise,
die belegt und somit jederzeit nachprüf-
bar sind (s. Kapitel 5). Sichtbeobachtungen oder Fundortmeldungen aus der
Literatur wurden nur in Ausnahmefällen
berücksichtigt, z. B. wenn es sich um
unverwechselbare Arten wie Brandmaus
oder Birkenmaus handelt, oder wenn
publizierte Maßangaben die betreffende
Art eindeutig kennzeichnen.
Gewöllenachweise wurden demjenigen
Messtischblatt-Quadranten zugeordnet,
in dem sich der jeweilige Gewöllefundort bzw. Nistkasten befand. Da sich die
Schleiereule im Mittel nur etwa 2 km,
während der Brutphase sogar nur etwa
600 m (Seebass 1994) vom Nest entfernt,
kann davon ausgegangen werden, dass
alle Beutetiere in der Nähe des Neststandortes erbeutet werden.
Die Karten spiegeln den derzeitigen
Bearbeitungsstand der bayerischen
Kleinsäugerfauna wider. Aufgrund der
gewählten Signaturen ist immer nur der
aktuellste Nachweis je Quadrant abzulesen. Fehlende Nachweise in einzelnen
Quadranten sind in den meisten Fällen
keine Verbreitungs-, sondern Dokumentationslücken, besonders dann, wenn
benachbarte Messtischblätter Nachweise
enthalten. Nähere Hinweise zur Gesamtverbreitung in Bayern, wie sie sich aus
der derzeitigen Datenlage ableiten lässt,
enthält der Text der jeweiligen Artkapitel.
Detailinformationen zu den Einzelnachweisen (Fundorte, Zeitpunkt und
Art der Nachweise usw.) sind in der ASKDatei des Bayerischen Landesamtes für
Umwelt (s. S. 6) erfasst.
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Waldspitzmaus
Sorex araneus Linnaeus, 1758
Abb. 11 Die meisten Waldspitzmäuse sind dreifarbig:
Der dunkel- bis schwarzbraune Rücken wird von
einem hellbraunen Flankenstreifen gesäumt, der Bauch
ist weißlich grau.
Merkmale
Adulte Tiere sind deutlich dreifarbig mit
einer hellbraunen Flankenregion zwischen dem dunkelbraunen Rücken und
dem weißlich grauen Bauch (Abb. 11).
Körpermaße
Kopf + Rumpf 50–85 mm; Schwanz
35–55 mm; Hinterfuß 12–14,5 mm;
Gewicht 6–14 g.
Verbreitung in Europa
Das Verbreitungsgebiet der Waldspitzmaus erstreckt sich über weite Teile
2901-3000
2701-2800
2501-2600
2301-2400
2101-2200
Höhe m ü.NN
1901-2000
1701-1800
1501-1600
1301-1400
1101-1200
901-1000
701-800
501-600
301-400
101-200
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Anzahl Fundorte
Höhenverbreitung Sorex araneus
150
200
der zentralen und westlichen Paläarktis einschließlich Skandinaviens und
Englands und reicht in Mitteleuropa
nach Westen bis in die Beneluxstaaten,
das östliche Frankreich und die Schweiz.
Isolierte Vorkommen gibt es im Zentralmassiv (Massif Central) in Frankreich
sowie in den Pyrenäen, ansonsten fehlt
die Waldspitzmaus in Westeuropa und
wird dort von der Schabrackenspitzmaus
(Sorex coronatus) ersetzt. Zwischen den
Westalpen und der Nordsee überlappen
die Areale beider Arten in einem breiten
Streifen, ohne dass es zur Hybridisierung
kommt.
Verbreitung und Bestandssituation
in Bayern
Mit Ausnahme höherer Lagen in den
Alpen ist die Waldspitzmaus nahezu
flächendeckend in Bayern verbreitet. Die
Mehrzahl der Funde stammt aus Höhen
zwischen 100 und 900 m ü. NN, doch
kann die Waldspitzmaus vereinzelt auch
in der Gipfelregion der Bayerischen Alpen
angetroffen werden, der höchste Fundort
liegt hier bei 2433 m (Wettersteinkopf im
Wettersteingebirge).
Aufgrund ihrer ökologischen Anpassungsfähigkeit (s. u.) und ihres großen
Vermehrungspotenzials ist die Waldspitzmaus eine der häufigsten Kleinsäugerarten in Bayern. Als einzige Spitzmausart
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war sie landesweit in allen untersuchten
Gewölleserien der Schleiereule vertreten
(Stetigkeit = 100 %).
Lebensraum
Die Waldspitzmaus ist eine euryöke
Kleinsäugerart, die sowohl auf feuchten als auch auf trockenen Standorten
dauerhaft siedeln kann, wobei allerdings feucht-kühle Biotope mit dichter
Bodenvegetation bevorzugt werden. Man
findet sie besonders häufig an Bachläufen
mit üppiger Krautschicht, in der Weichholzaue und im landwärtigen Teil von
Verlandungszonen (vgl. Bauer 1960).
In Gewässernähe führt sie eine teilamphibische Lebensweise und ernährt sich
teilweise von limnischen Organismen,
z. B. von Gastropoden und Trichopterenlarven (Kraft 1980). Weitere regelmäßig genutzte Lebensräume sind feuchte
oder bodenfrische Wiesen, Hoch- und
Niedermoore, Quellgebiete, Steinbrüche
mit Kleingewässern, Ruderalflächen,
Parkanlagen und naturnahe Heimgärten.
Günstige Lebensbedingungen bieten auch
vergraste Busch- und Baumkomplexe
(Haine und kleine Wäldchen) sowie
Laub- und Laubmischwälder mit einer
üppigen Kraut- und Strauchschicht und
hohem Totholzanteil (Turni 2003, Bäumler 1981, Haferkorn & Stubbe 1994).
Kraus (mündl. Mitt.) fing ein Exemplar
in einem Fichtenstangenbestand. In den
bayerischen Alpen lebt die Waldspitzmaus
auch auf Almweiden und Borstgrasrasen.
Auch in der intensiv genutzten Agrarlandschaft findet sie noch Lebensraum,
besiedelt dort aber bevorzugt Randzonenbereiche, z. B. Raine, Feldgehölze und
Hecken (vgl. Hoi-Leitner 1989).
Häufigkeitswerte in Schleiereulengewöllen
Relative Häufigkeit: 13,75 %; Stetigkeit:
100 %.
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Schabrackenspitzmaus
Sorex coronatus Millet, 1882
Abb. 12 Beim zweifarbigen
Färbungstyp der Schabrackenspitzmaus hebt sich die
dunkle Rückenzone nach
Art einer Satteldecke oder
Schabracke deutlich von der
hellen Seitenfärbung ab.
Merkmale
Es treten sowohl zweifarbige als auch
dreifarbige Individuen auf. Die Rückenmitte ist jeweils dunkelbraun und hebt
sich nach Art einer Schabracke von den
hellen Flanken ab. Bei zweifarbigen Tieren sind Flanken und Bauch einheitlich
hellgrau gefärbt, bei dreifarbigen Tieren
ist der Rand der dunklen Schabracke von
einem ockerfarbenen Streifen gesäumt.
Im Gegensatz zur ähnlich gefärbten
Waldspitzmaus ist die helle Bauchseitenfärbung bei vielen Individuen an den
Flanken weit nach oben gezogen, sodass
der Eindruck einer schabrackenartigen
Zeichnung hervorgerufen wird (Abb. 12).
Es gibt jedoch auch dreifarbige Tiere
mit breiter dunkler Rückenzone und
hellbraunem oder beigem Flankenstreifen, die äußerlich der Waldspitzmaus
gleichen (Abb. 13). Die Unterscheidung
der beiden Arten Wald- und Schabrackenspitzmaus erfolgte im Zuge dieser
Auswertung aus Sicherheitsgründen daher in jedem Fall anhand der von Turni
& Müller (1996) entwickelten Diskriminanzanalyse von Schädel- und Unterkiefermaßen. Lagen bei Gewöllematerial
Oberschädel und Mandibeln getrennt
vor, so erfolgte die Bestimmung anhand
des Indexwertes folgender Messstrecken
(Näheres bei Kraft 1998):
– Oberschädel: Abstand der Außenkante
der Postglenoidalfortsätze (PB) und
Zygomatische Breite (ZB). Bei Sorex
coronatus ist PB/ZB ≤ 1, bei Sorex araneus ≥ 1;
– Mandibel: Tangentiale Höhe des
Gelenkkopfes (AH) und dessen basale
Breite (AB). Bei Sorex coronatus ist
AH/AB ≥ 1,80, bei S. araneus ≤ 1,72.
Körpermaße
Kopf + Rumpf 60–80 mm; Schwanz
35–45 mm; Hinterfuß 12–14 mm; Gewicht 7–13 g.
Verbreitung in Europa
Die Schabrackenspitzmaus ist eine rein
europäische Art, deren Verbreitungsgebiet von Nordspanien und der Atlantikküste aus durch Frankreich, die nördliche Schweiz und die Beneluxstaaten
bis nach Deutschland reicht. Hier verläuft ihr östlicher Arealrand vom östlichen Bodenseebecken in annähernder
Nord-Süd-Richtung durch Bayern,
Thüringen und Niedersachsen bis zum
Elbe-Weser-Dreieck und ins südliche
Bremer Umland.
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