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Ansprache Dr . Fritz Schiesser, Präsident ETH-Rat - WSL

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Ansprache Fritz Schiesser, 20. Oktober 2014
Sperrfrist: 20. Oktober 2014, 17:00
Es gilt das gesprochene Wort
Eröffnung Nationales Pflanzenschutzlabor WSL Birmensdorf
Ansprache Dr. Fritz Schiesser, Präsident ETH-Rat
((Anrede))
Erlauben Sie mir kurz darzulegen, wer oder was der ETH-Rat ist, den ich als Präsident hier
heute vertreten darf: Der ETH-Rat ist das strategische Führungs- und Aufsichtsorgan des
sogenannten ETH-Bereichs – das sind die beiden Eidgenössischen Technischen Hochschulen
in Zürich und Lausanne sowie die vier Forschungsanstalten Paul-Scherrer-Institut, Empa,
Eawag und die WSL. Der ETH-Rat bestimmt die Strategie dieser Institutionen und vertritt
diese gegenüber der Politik und den Behörden. Der ETH-Rat ist zudem verantwortlich für das
strategische Immobilienmanagement. Der ETH-Rat war von Beginn an vom Nutzen und
Erfolg des Labor-Projekts überzeugt, weshalb ich mich nun besonders freue, das für den ETHBereich so bedeutende Ereignis mit Ihnen feiern zu dürfen.
Denn wir haben heute wahrlich einen Grund zum Feiern: Das neuste WSL-Gebäude ist
wegweisend für die Pflanzenforschung, für den Schutz des Waldes und der Biodiversität
sowie der Fauna und Flora in der Schweiz. Im Sicherheitslabor können biologische
Massnahmen entwickelt werden gegen importierte Insekten und Pilze, welche unsere
Wälder ernsthaft bedrohen. Ich denke da besonders an die zahlreichen Laubbaumarten, die
für die Schweiz im Hinblick auf den Klimawandel sehr wichtig sind, oder an die uralten
Kastanienselven im Tessin. Die Forschung der WSL ist somit nicht nur für die Umwelt von
Nutzen, sondern auch wichtig für die Kulturgüter in unserem Land und die Gesellschaft.
Ebenso bedeutsam ist für mich, dass wir mit dem neuen Labor unsere wissenschaftliche
Kompetenz weiter ausbauen und so in diesem wichtigen Fachgebiet das Expertenwissen im
eigenen Land haben. Damit leisten das Labor und die WSL einen wertvollen Beitrag, um
unseren Forschungsplatz und Wissensstandort weiter zu stärken.
Bei diesem Bauwerk ist für mich persönlich besonders erfreulich, dass Planung und Bau, aber
dann auch der Betrieb des Laboratoriums in enger Zusammenarbeit erfolgt zwischen
verschiedenen Ämtern, Behörden und Lehr- und Forschungsinstitutionen. Dadurch verkörpert dieses Gebäude auch das Erfolgsrezept des ETH-Bereichs: Die intensive Zusammenarbeit über Forschungsdisziplinen und Institutsgrenzen hinaus, und damit eine einzigartige
Vernetzung unserer Hochschulen und Forschungsanstalten – jede autonom und divers, aber
mit einer gemeinsamen Strategie und vereinten Zielen für den gesamten Bereich.
Die WSL, wie unsere anderen Forschungsanstalten, betreibt themenorientierte
Spitzenforschung, ergänzt durch anwendungsorientierte Forschung und Technologieentwicklung. Die Forschungsanstalten stehen damit an der Schnittstelle zwischen
Wissenschaft und praktischer Umsetzung im Alltag. Sie haben eine zentrale Rolle, wenn es
darum geht, das Know-How im ETH-Bereich der Schweiz zur Verfügung zu stellen – für die
Gesellschaft, die Wirtschaft und die Umwelt.
Ich bin zutiefst davon überzeugt: Dieser Transfer von Wissen und Technologie durch unsere
Hochschulen und Forschung hat in der jüngeren Geschichte der Schweiz entscheidend dazu
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Ansprache Fritz Schiesser, 20. Oktober 2014
beigetragen, dass es die Schweiz geschafft hat, von einem rohstoffarmen Agrar- und
Auswandererland zu den attraktivsten, innovativsten und wettbewerbsfähigsten Staaten der
Welt aufzusteigen.
Genauso zähle ich zu unseren Erfolgsfaktoren…
- unsere Spitzenforschung auf höchstem Niveau
- eine erstklassige Ausbildung des Nachwuchses
- die internationale Offenheit und Zusammenarbeit
- und nicht zuletzt der Umstand, dass unsere Hochschulen und Forschungsanstalten bisher
stets in der Lage waren, die international besten Köpfe und vielversprechendsten Talente in
die Schweiz zu holen.
All dies ist jedoch keine Selbstverständlichkeit, geschweige denn für die Ewigkeit garantiert –
im Gegenteil. Heute herrscht in der Forschergemeinde in der Schweiz wie im Ausland grosse
Unsicherheit darüber, ob in unserem Land die für die Forschung so wichtigen Rahmenbedingungen wie Berechenbarkeit und Planungssicherheit auch in Zukunft noch gegeben sind.
Als Präsident des ETH-Rates, aber auch als engagierter Staatsbürger, teile ich diese Bedenken
vollumfänglich. Damit die Institutionen des ETH-Bereichs ihren Auftrag im Dienste der
Schweiz erfüllen können, müssen sie auch in Zukunft an internationalen Forschungsprogrammen teilnehmen und Fachkräfte und Talente auch aus dem Ausland rekrutieren können.
Dies sicherzustellen, wird mit der Umsetzung der Masseinwanderungs-Initiative eine grosse
Herausforderung sein. Für die beiden ETH ist es schon heute nicht möglich, genügend
Ingenieure, Informatiker oder Physiker für die Schweizer Wirtschaft auszubilden. Fakt ist: In
diesen Studiengängen haben wir einen Akademikermangel! Und mit dem faktischen
Einwanderungsstopp der Ecopop-Initiative wäre es schlicht nicht mehr möglich, genügend
wissenschaftliches Personal für die Bildung und Forschung zu rekrutieren. Eine Annahme der
Initiative würde unseren Hochschulen und der Forschung enorm schaden - und die
Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes nachhaltig schwächen.
Meine Damen und Herren, genauso wie in der Wirtschaft, in der Politik oder im Sport, gilt
auch in Bildung und Forschung: Der Wettbewerb wird immer härter, die Konkurrenz im
Ausland schläft nicht. Umso wichtiger ist es, dass wir in der Schweiz den Rahmenbedingungen für die Forschung und Innovation, aber vor allem auch für die Ausbildung der
jüngeren Generation grösste Sorge tragen. Schliesslich geht es um eine Investition in die
Zukunft unseres Landes – eine Investition, die übrigens von Ihnen allen getragen wird, indem
Sie als Steuerzahlerinnen und Steuerzahler entscheidend für die Finanzierung unseres
exzellenten Bildungs- und Forschungswesens beitragen. Und dafür danke ich Ihnen herzlich.
***
ETH-Rat, Häldeliweg 15, CH-8092 Zürich, www.ethrat.ch
Der ETH-Rat ist das strategische Führungs- und Aufsichtsorgan des ETH-Bereichs. Den ETH-Bereich bilden die beiden
Eidgenössischen Technischen Hochschulen ETH Zürich und EPFL sowie die vier Eidgenössischen Forschungsanstalten PSI, WSL,
Empa und Eawag. Die Mitglieder des ETH-Rats werden vom schweizerischen Bundesrat gewählt. Der ETH-Rat überwacht die
Entwicklungspläne der Institutionen, gestaltet das strategische Controlling und stellt die Koordination sicher. Er erstellt für den Haushalt
des ETH-Bereichs den Voranschlag und die Rechnung und koordiniert die Bewirtschaftung sowie die Wert- und Funktionserhaltung der
Grundstücke. Er ist Ernennungsbehörde und vertritt den ETH-Bereich gegenüber den Behörden des Bundes. Ein Stab unterstützt den
ETH-Rat bei der Vorbereitung und Umsetzung seiner Geschäfte.
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Bildung
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