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Begründung Windenergie - Verbandsgemeinde Obere Kyll

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bghplan
umweltplanung und landschaftsarchitektur gmbh
Verbandsgemeinde
Obere Kyll
Flächennutzungsplan Teilfortschreibung
„Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung
Städtebauliche Begründung
incl. Umweltbericht (Entwurf)
Fassung zur Beteiligung der Öffentlichkeit und der
betroffenen Behörden sowie sonstiger Träger ö ffentlicher Belange gem. §§ 3(2) und 4( 2) BauGB
und der Nachbargemeinden gem. § 2(2) BauGB
Oktober 2014
Landschaftsarchitekten bdla | Beratende Ingenieure IKRP
Geschäftsführer Bernhard Gillich Christoph Heckel | HRB 41337 | AG Wittlich
Posthof am Kornmarkt | Fleischstrasse 56 - 60 | D-54290 Trier
Fon +49 651 / 145 46-0 | fax +49 651 / 145 46-26 | bghplan.com | mail@bghplan.com
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung
Inhalt
Seite
Städtebauliche Begründung
3
1
Einleitung
3
1.1
1.2
1.3
1.4
1.5
1.6
Anlass der Planung
Baurechtliche Vorgaben
Landesplanerische Vorgaben
Regionalplanerische Vorgaben
Flächennutzungsplan der VG Obere Kyll
Städtebauliche Zielsetzungen
3
3
4
5
6
6
2
Vorgehensweise bei der Ermittlung der Flächen für die
Windenergienutzung
9
2.1
2.2
Restriktionsanalyse
Eignungsanalyse
3
Kriterien der Flächenermittlung in der Restriktions- und Eignungsanalyse 11
3.1
Ausschluss aus tatsächlichen/rechtlichen Gründen („Harte“ Tabuzonen
der Restriktionsanalyse)
3.1.1
3.1.2
3.1.3
3.2
3.2.1
3.2.2
3.2.3
3.2.4
3.2.5
3.2.6
3.3
3.3.1
3.3.2
3.3.3
Ausschluss aus baurechtlichen Gründen
Ausschluss aufgrund normativer Gebietsfestsetzungen
Ausschluss aufgrund bestehender Nutzungen sowie sonstiger
nicht geeigneter Flächen
Ausschluss aus städtebaulichen Gründen („Weiche“ Tabuzonen der
Restriktionsanalyse)
Immissionsschutz und Sicherung der Siedlungsentwicklung
Arten- und Biotopschutz
Wald und Forstwirtschaft
Landschaftsbild und Erholung
Sonstiges
Konzentrationswirkung
9
10
11
11
11
12
12
12
14
17
18
20
20
Bereiche mit sonstigen öffentlichen Belangen, die der Windenergienutzung
entgegenstehen können (Eignungsanalyse der Potenzialflächen)
21
Arten- und Biotopschutz
Landschaftsbild und Erholungsnutzung
Sonstiges
21
24
25
4
Restriktionsanalyse
27
4.1
4.2
Anwendung der „harten“ und „weichen“ Ausschlusskriterien
Potenzialflächen (Potenzielle Eignungsflächen für Windenergienutzung)
27
27
5
Eignungsanalyse (Bewertung der potenziellen Eignungsflächen)
29
Mögliche Eignungsflächen
30
5.1
5.1.1
5.1.2
5.1.3
Eignungsfläche 1: Forst Arenberg
Eignungsfläche 2: Weidenhöchst
Eignungsfläche 3: Steinert
30
37
40
i
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung
5.2
Ergebnis der Eignungsanalyse
42
6
Verkehrserschließung
44
7
Ver- und Entsorgung
44
8
Auswirkungen auf Nutzungen
44
8.1
8.2
8.3
8.4
8.5
8.6
Städtebau
Landwirtschaft
Forstwirtschaft
Straßennetz
Luftverkehr
Versorgungsleitungen und Funkverkehr
44
44
45
45
46
46
9
Vereinbarkeit mit den Zielen und Grundsätzen der Regionalplanung
46
10
Darstellung bzw. Ausweisung im Flächennutzungsplan unter
Berücksichtigung der Ergebnisse der Umweltprüfung
49
Umweltbericht
51
11
Vorbemerkungen
51
12
Zielvorgaben des Umweltschutzes in Fachgesetzen und Fachplänen
51
13
Methodik, Merkmale und technisches Verfahren der Umweltprüfung
52
14
Beschreibung und Bewertung der Umweltauswirkungen
53
14.1
14.2
Wirkungen der Planung
53
Zustandsbewertung und umweltrelevante Ziele, Maßnahmen zur Vermeidung,
Verringerung und zum Ausgleich nachteiliger Wirkungen
54
14.2.1
14.2.2
Sondergebiet A – Forst Arenberg
Sondergebiet B – Weidenhöchst
54
68
15
Artenschutzrechtliche Beurteilung der Planung
82
16
Quellenangaben
83
Anhang

Karte 1 – Restriktionsanalyse („Harte“ und „weiche“ Tabuzonen)

Karte 2 - Eignungsanalyse

Karte 3 - Potenzielle Eignungsflächen für Windenergienutzung
(Ergebnis der Eignungsanalyse)

Karte 4 – Sondergebiete für Windenergienutzung zur Darstellung
im Flächennutzungsplan unter Berücksichtigung der Umweltprüfung



Karte UB-1 Sichtfeldanalyse Sondergebiet A
Fotomontagen von Windenergieanlagen in den geplanten Sondergebieten
Sondergutachten Artenschutz
ii
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung - Städtebauliche Begründung
Städtebauliche Begründung
1 Einleitung
1.1 Anlass der Planung
Durch die Teilfortschreibung des Landesentwicklungsprogramms (LEP IV) und die Neuaufstellung
des Regionalen Raumordnungsplans der Region Trier (RROP) ergibt sich für die Träger der Bauleitplanung, also die Verbandsgemeinden, eine Anpassungspflicht des Flächennutzungsplans an
die neuen übergeordneten Ziele und Vorgaben der Landes- und Regionalplanung.
Die noch bestehende Ausschlusswirkung des Regionalplans für Windenergienutzung außerhalb
der Vorranggebiete Windenenergie entfällt mit der Rechtswirksamkeit des neuen RROP. Im bestehenden Flächennutzungsplan (FNP) der Verbandsgemeinde (VG) Obere Kyll sind diese Vorranggebiete als Sondergebiete für die Windenergienutzung dargestellt.
Mit der Rechtswirksamkeit des neuen Regionalplans greift die Privilegierung der Windenergie im
Außenbereich nach §35 BauGB.
Städte und Gemeinden können aber auf ihrem Gebiet die Nutzung der Windenergie über die
Ausweisung von Sonderbauflächen für Windenergie im FNP steuern. Die Grundlage für diese
Steuerung durch Fortschreibung des FNP oder Aufstellung einer Teilflächennutzungsplans nach
§5 (2b) BauGB bildet ein flächendeckendes Gesamtkonzept für das gesamte Verbandsgemeindegebiet. Dieses Gutachten ermittelt unter Anwendung eines Katalogs von Ausschluss- und Vorbehaltskriterien, der in der gesamten Verbandsgemeinde gleichermaßen angewendet wird, potenziell geeignete Flächen für die Nutzung von Windenergie. Durch die Untersuchung soll eine Konzentration von Windenergieanlagen auf siedlungs- und landschaftsverträgliche Standorte gewährleistet werden.
1.2 Baurechtliche Vorgaben
Grundsätzlich ist die Errichtung von Windenergieanlagen nach §35 Abs. 1 Punkt 5 BauGB im Außenbereich privilegiert. Sie können überall dort errichtet werden, wo keine öffentlichen Belange
entgegenstehen und eine ausreichende Erschließung gesichert ist (§35 Abs. 1 BauGB).
Öffentliche Belange stehen einem Vorhaben dann im Wege, wenn sie u.a. den Darstellungen im
Flächennutzungsplan widersprechen (§ 35 Abs. 3 Pkt. 1 BauGB) oder durch den Flächennutzungsplan oder raumplanerische Ziele eine Ausweisung an anderer Stelle erfolgte (§ 35 Abs. 3
Satz 3 BauGB).
Die Darstellung im Flächennutzungsplan muss hierfür hinreichend konkret sein, d.h. die Flächen
müssen z.B. als Sondergebiet „Windenergie“ dargestellt sein und deren Auswahl muss ein planerisches Standortkonzept für das gesamte Gemeinde- bzw. Stadtgebiet zugrunde liegen. Die Auswahl- und Abwägungsentscheidungen für die Flächen im Zuge des Flächennutzungsplanverfahrens müssen nachvollziehbar dargelegt werden.
3
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung - Städtebauliche Begründung
Mit der Darstellung von Sonderbauflächen „Windenergienutzung“ im Flächennutzungsplan soll
für das übrige Gebiet der Verbandsgemeinde eine Ausschlusswirkung für Windenergieanlagen
erreicht werden (sog. Planvorbehalt nach § 35 Abs. 3 BauGB).
1.3 Landesplanerische Vorgaben
Das im November 2008 in Kraft getretene Landesentwicklungsprogramm (LEP IV) RLP wurde gemäß der Koalitionsvereinbarung in mehreren Punkten teilfortgeschrieben.
Die dort formulierten Ziele der Landesregierung in Bezug auf den Klimawandel, den Ausbau der
regenerativen Energien und insbesondere den Ausbau der Windenergienutzung sind:
- die Stromerzeugung aus Windkraft bis zum Jahr 2020 zu verfünffachen,
- den Beitrag aus der Fotovoltaik auf über zwei Terawattstunden zu erhöhen und damit
- bis zum Jahr 2030 bilanziell 100 % des Strombedarfs aus Erneuerbaren Energien zu decken.
Am 16. April 2013 wurde der Entwurf zur Teilfortschreibung des LEP IV vom Ministerrat beschlossen. Die Fortschreibung trat im 10. Mai 2013 in Kraft und sieht vor:
- Der bisherige Grundsatz G 163 wird dahin abgeändert, dass ein geordneter Ausbau der
Windenergieentwicklung über die Regional- und Bauleitplanung sichergestellt werden
soll.
- Als Grundsatz G 163a der Raumordnung wird festgelegt, dass mindestens zwei Prozent
der Landesfläche für die Windenergienutzung bereitzustellen sind. Da die verschiedenen
Planungsregionen des Landes unterschiedliche natürliche Voraussetzungen aufweisen,
haben sie einen Beitrag entsprechend diesen Voraussetzungen zu leisten.
- In dem neuen Ziel Z 163b ist die Verpflichtung enthalten, in den Regionalplänen Vorranggebiete auszuweisen. Dabei sind im jeweiligen Planungsraum die Gebiete mit hoher
Windhöffigkeit vorrangig zu sichern.
- Da auch der Wald verstärkt für die Windenergie genutzt werden soll, legt Grundsatz G
163c fest, dass mindestens zwei Prozent der Waldfläche des Landes für die Windenergienutzung zur Verfügung gestellt werden sollen. Die Regionen sollen dabei entsprechend
ihrer natürlichen Voraussetzungen einen anteiligen Beitrag leisten. Alte Laubholzbestände sollen von der Windenergienutzung freigehalten werden.
- Ziel Z 163d regelt verbindlich, in welchen Gebieten die Errichtung von Windenergieanlagen auszuschließen ist. Dies sind rechtsverbindlich festgesetzte Naturschutzgebiete und
einstweilig sichergestellte für eine Ausweisung als Naturschutzgebiet vorgesehene Gebiete, die Kern- und Pflegezonen des Naturparks Pfälzerwald, Nationalparke und die Kernzonen der UNESCO-Welterbegebiete Oberes Mittelrheintal und Obergermanisch-Raetischer
Limes. Außerdem sollen die Planungsgemeinschaften in den landesweit bedeutsamen
Kulturlandschaften (historische Kulturlandschaften) Gebiete konkretisieren, in denen die
Nutzung der Windenergie auszuschließen ist.
4
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung - Städtebauliche Begründung
Bei FFH- und Vogelschutzgebieten sowie den Kernzonen der Naturparke ist zu prüfen, ob durch
die Windenergienutzung der jeweilige Schutzzweck erheblich beeinträchtigt wird.
- Schließlich wird in Z 163e geregelt, dass die außerhalb der vorgenannten Gebiete und der
Vorranggebiete liegenden Räume der Steuerung durch die kommunale Bauleitplanung in
Form von Konzentrationsflächen vorbehalten sind. Dabei sind im jeweiligen Planungsraum Gebiete mit hoher Windhöffigkeit vorrangig zu sichern.
- Im Grundsatz G163f wird außerdem festgelegt, dass einzelne Windenergieanlagen grundsätzlich nur an solchen Standorten errichtet werden sollen, an denen der Bau weiterer
Anlagen im räumlichen Verbund planungsrechtlich möglich ist.
1.4 Regionalplanerische Vorgaben
Auf Ebene der Regionalplanung wird derzeit der Regionale Raumordnungsplan neu aufgestellt.
Das Beteiligungs- und Anhörungsverfahren wurde im Frühjahr 2014 eingeleitet.
Nach Beschluss der Regionalversammlung vom 20.09.2011 soll die Darstellung der Vorranggebiete für Windenergie gemäß der Fortschreibung von 2004 beibehalten werden. Neue Vorranggebiete werden nicht ausgewiesen.
Mit Beschluss der Regionalvertretung vom 26.09.2012 wurden als Ausschlussgebiete für Windenergie die Vorgaben des Änderungsentwurfs des LEP IV EE für die Region Trier übernommen.
Damit sind nur noch Naturschutzgebiete und die räumlich konkretisierten historischen Kulturlandschaften mit den Wertstufen 1 und 2 aus regionalplanerischen Sicht Ausschlussgebiete für
Windenergienutzung.
Die verbleibenden Flächen bleiben ohne raumordnerische Steuerung. Hier wird eine aktive Steuerung durch die kommunale Bauleitplanung empfohlen, da ansonsten die Privilegierung nach
BauGB § 35 greift.
Zur Ausweisung von Standorten im Wald empfiehlt die Planungsgemeinschaft folgende Kriterien
anzuwenden:
- Es sind Nadelholzreinbeständen und junge Waldbestände bzw. durch Sturm oder andere
Schadereignisse vorgeschädigte Bestände, in denen die Nutzung der Standorte im Hinblick auf den Eingriff in das Ökosystem Wald als unproblematisch angesehen werden
kann, zu bevorzugen
- „Auf die Nutzung von Standorten in geschlossenen Laub-Altholzbeständen soll verzichtet
werden.“
- „Die Windkraftanlagen sollen so in den Waldgebieten platziert werden, dass das vorhandene Waldwegenetz weitestgehend zum Antransport und zur Errichtung der Anlagen genutzt werden kann.“
- „Auf Standorte, die nur durch die Rodung und Anlage neuer Erschließungstrassen genutzt
werden können, soll verzichtet werden.“
5
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung - Städtebauliche Begründung
Bis zum Inkrafttreten des neuen Regionalen Raumordnungsplans bleibt die Teilfortschreibung
"Windenergie" des RROP von 2004 gültig. Für die Verbandsgemeinde Obere Kyll wurden bereits
2004 Vorranggebiete ausgewiesen. Mit Beginn des Beteiligungs- und Anhörungsverfahrens zum
neuen RROP sind auch dessen zukünftige Ziele bei der Ausweisung von Windenergiestandorten
in der kommunalen Bauleitplanung zu berücksichtigen.
1.5 Flächennutzungsplan der VG Obere Kyll
Im aktuell gültigen Flächennutzungsplan der VG Obere Kyll sind Sonderbauflächen für Windenergienutzung auf den Gemarkungen Schleid, Hallschlag, Ormont und Reuth im Umfang von insgesamt 165 ha ausgewiesen.
Nach Inkrafttreten des neuen RROP ist der Träger der Bauleitplanung, also die Verbandsgemeinde verpflichtet, den Flächennutzungsplan an die neuen übergeordneten Ziele und Vorgaben der
Regionalplanung anzupassen, da ansonsten nach einer Übergangsfrist die Privilegierung der
Windkraft im gesamten Außenbereich nach § 35 BauGB außerhalb der vorgenannten Ausschlussgebiete des LEP IV und des RROP greifen würde.
Deshalb hat der Verbandsgemeinderat in seiner Sitzung vom 08.09.2011 beschlossen, die zukünftige Nutzung der Windenergie über die Ausweisung von Sondergebieten für Windenergie zu
steuern und eine Teilfortschreibung des Flächennutzungsplanes gem. § 5 Abs. 2 Nr. 2 Buchst. b
BauGB für den Bereich "Windenergie" aufzustellen.
Am 24. Mai 2013 wurde die landesplanerische Stellungnahme beantragt. Der landesplanerische
Entscheid der Kreisverwaltung erging am 04. September 2013. Der VG-Rat hat über die Einlassungen des Entscheids in seiner Sitzung am 21. November 2013 beraten und die weitere Vorgehensweise beschlossen. Die frühzeitige Beteiligung gem. §§ 3(1) und 4(1) fand vom 20. Januar bis
21. Februar 2014 statt.
Der VG-Rat hat in der Sitzung am 8. April über die eingegangenen Stellungnahmen beraten und
abgewogen und nach Einarbeitung der daraus resultierender Änderungen beschlossen, die Beteiligung der Öffentlichkeit und der betroffenen Behörden sowie sonstiger Träger öffentlicher Belange gem. §§ 3(2) und 4(2) BauGB und der Nachbargemeinden gem. § 2(2) BauGB durchzuführen.
1.6 Städtebauliche Zielsetzungen
Im Folgenden sollen die von der Verbandsgemeinde Obere Kyll verfolgten Zielsetzungen der
städtebaulichen Entwicklung im Zusammenhang mit der Ausweisung von Sondergebieten für
Windenergienutzung erläutert werden.
Die VG Obere Kyll hat bereits vor mehr als 10 Jahren, ausgelöst durch die damalige Errichtung
einer Vielzahl von Windenergieanlagen (WEA) auf ihrem Gebiet, eine landschaftsverträgliche
Steuerung der Windenergienutzung durch Fortschreibung des FNP angestrebt. Damit sollte einerseits die Akzeptanz in der Bevölkerung gewährleistet werden, andererseits sollten die Belange
des Tourismus entsprechend seiner Bedeutung für die VG berücksichtigt werden. Deshalb wurde
6
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung - Städtebauliche Begründung
damals vom VG-Rat beschlossen, die Windenergienutzung auf den Westteil des VG-Gebietes zu
konzentrieren und den Ostteil des VG-Gebietes mit den touristischen Schwerpunkteinrichtungen
und den Aussichtsbereichen über das Kylltal und die Vulkaneifel von WEA frei zu halten. Diese
Absicht fand seinen Niederschlag in der damaligen Ausweisung von Sondergebieten für Windenergie ausschließlich im Westteil der Verbandsgemeinde.
Auch bei der vorliegenden Fortschreibung des FNP wird dieses Ziel weiter verfolgt. Die Windenergienutzung soll im Westteil der VG intensiviert werden. Diese Möglichkeit eröffnet sich
durch die Öffnung der hier großflächigen Wälder, soweit nicht artenschutzrechtliche Belange
dem entgegen stehen, und durch die Erweiterung bestehender Vorranggebiete soweit die Belastung angrenzender Siedlungen dies zulassen.
Der Ostteil der VG soll weiterhin als Schwerpunkt der aktuellen touristischen Nutzung und der
zukünftigen touristischen Entwicklung gefördert werden und deshalb von Belastungen durch
WEA frei bleiben. Hier befinden sich die Feriendörfer und sonstigen touristischen Einrichtungen
sowie die markanten Aussichtspunkte und die zertifizierten Wanderwege. Ein Teil dieser Einrichtungen (z.B. Eifelsteig, Eichholzmaar, Kylltalradweg) wurde erst in den letzten Jahren eingerichtet
oder ausgebaut.
Darüber hinaus wurde mit den Nachbarverbandsgemeinden Hillesheim und Gerolstein die Vereinbarung getroffen, das Kylltal und seine Randhöhen auch grenzüberschreitend vor Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes zu schützen.
Ebenso wurde mit der Gemeinde Blankenheim in Nordrhein-Westfalen die Verabredung getroffen, im landschaftlich weitgehend unbelasteten Grenzgebiet auf beiden Seiten keine WEA zu
fördern.
Da im Westteil der VG die dortigen Siedlungen und ihr Umfeld bereits stark durch WEA vorbelastet sind (mehr als 50 Bestandsanlagen), sollen in Siedlungsnähe möglichst keine weiteren WEA
errichtet werden, sondern lediglich durch Repowering mehrere kleine und ältere Anlagen durch
wenige neue Anlagen ersetzen. Für die Schaffung neuer Sondergebiete stehen deshalb fast ausschließlich bisher nicht geöffnete, siedlungsferne Waldflächen zur Verfügung.
Seit fast 25 Jahren setzt sich die VG in ihrer Flächennutzungsplanung konsequent für den Erhalt
von Natur und Landschaft ein. Eine möglichst intakte Natur ist nach Ansicht der VG die Grundlage
für die landschaftsbezogene Erholung und die Attraktivität als Wohnstandort. Ebenso sieht sich
die Verbandsgemeinde dem Schutz von Tieren und Pflanzen und deren Lebensräume verpflichtet. Diese Zielvorstellungen waren und sind integraler Bestandteil der Flächennutzungsplanung in
der Verbandsgemeinde. Dies kommt durch die Vorreiterrolle der VG in Bezug auf die Landschaftsplanung in Rheinland-Pfalz zum Ausdruck. Bereits Anfang der 1990er Jahre führte die VG
ein Pilotprojekt zur Landschaftsplanung der neuen Generation durch und integrierte die Ergebnisse in den FNP. Im Jahr 2005 wurde die Landschaftsplanung im Rahmen eines weiteren Pilotprojektes fortgeschrieben und in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Naturschutz eine Studie zum Beitrag der kommunalen Landschaftsplanung zur Umweltprüfung und –überwachung
7
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung - Städtebauliche Begründung
von Flächennutzungsplänen erstellt. Für diese vorbildlichen Planungsleistungen erhielt die VG
2008 den deutschen Landschaftsarchitekturpreis. Auch bei der hier vorliegenden Teilfortschreibung des FNP möchte die VG dem Natur- und Landschaftsschutz ein besonderes Gewicht beimessen.
Aus planerischer Sicht müssen zur Umsetzung der städtebaulichen Ziele für die Ausweisung neuer Sondergebiete für Windenergie folgende Punkte erfüllt sein:

Die Nutzung der Windenergie soll weiterhin großräumig Rücksicht auf die touristischen
Belange und den Erhalt der Landschaft im Ostteil der VG nehmen.

Die Windenergienutzung soll konzentriert stattfinden (mindestens 3 Anlagen in einem
Windpark oder ergänzend zu bestehenden Windparks.

Das Schutzbedürfnis der Bevölkerung vor Lärm, Schattenwurf und bedrängender Wirkung
soll wegen der bereits bestehenden Belastungen umfassend berücksichtigt werden und
deshalb neue Sondergebiete möglichst siedlungsfern ausgewiesen werden.

Für den Artenschutz und den regionalen Biotopverbund wertvolle Flächen sowie besonders windkraftsensible Tierarten sollen durch Windenergieanlagen möglichst wenig beeinträchtigt werden.

Die Windenergienutzung soll nur auf den windhöffigsten Gebieten stattfinden, um mit
wenigen Anlagen möglichst viel Energie zu gewinnen.
Die aus Sicht der Verbandsgemeinde überwiegenden öffentlichen Belange werden in der Restriktions- und Eignungsanalyse der Potenzialflächen eingestellt (s. Kap.4 und 5).
8
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung - Städtebauliche Begründung
2 Vorgehensweise bei der Ermittlung der Flächen für die Windenergienutzung
Zur Ermittlung der für eine Darstellung als Sondergebiet Windkraft geeigneten Gebiete im Flächennutzungsplan wird ein mehrstufiges Verfahren eingesetzt. Es wird flächendeckend und einheitlich für das gesamte Verbandsgemeindegebiet angewendet.
Das Verfahren gliedert sich in eine Restriktionsanalyse und eine Eignungsanalyse
Im ersten Schritt, der Restriktionsanalyse, werden für die Windenergie ungeeignete Flächen herausgefiltert. Hierzu werden „harte“ und „weiche“ Ausschlusskriterien (s.u.) flächendeckend und
einheitlich auf das gesamte Verbandsgemeindegebiet angewendet.
In einem weiteren Schritt, der Eignungsanalyse, werden die resultierenden potenziellen Eignungsflächen mit weiteren öffentlichen Belangen bzw. Vorbehalten gegenüber der Windenergienutzung überlagert. Hieraus ergeben sich dann Eignungsflächen für Windenergienutzung, welche mit unterschiedlich starken Konflikten belegt sind.
2.1 Restriktionsanalyse
In einem ersten Schritt (Beurteilungsebene 1) werden - ausgehend vom gesamten Verbandsgemeindegebiet - all jene Flächen ermittelt, welche aufgrund von rechtlichen oder tatsächlichen
Gründen grundsätzlich nicht für eine Windenergienutzung zur Verfügung stehen (sog. „harte“
Tabuzonen). Windenergieanlagen würden hier gegen geltendes Recht oder landesplanerische
Zielstellungen verstoßen.
Beurteilungsebene 1:
Gesamtfläche – „harte“ Tabuzonen = Potenzialflächen für Windenergienutzung
Die übrig bleibenden Flächen sind potenziell für die Windenergienutzung geeignet, soweit nicht
städtebauliche Belange oder andere öffentliche Belange der Windenergienutzung entgegen stehen.
Im nächsten Schritt (Beurteilungsebene 2) werden Flächen ermittelt, die einen hohen Vorbehalt
gegenüber Windenergieanlagen haben (sog. „weiche“ Tabuzonen). Sie umfassen Bereiche, die
zwar aus rechtlicher und landesplanerischer Sicht grundsätzlich für eine Windenergienutzung
geeignet wären, aber aufgrund starker Konflikte mit den städtebaulichen Vorstellungen der Verbandsgemeinde nicht für eine Windenergienutzung zur Verfügung stehen sollen.
Beurteilungsebene 2:
Potenzialflächen – „weiche“ Tabuzonen = mögliche Konzentrationszonen für
Windenergienutzung
9
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung - Städtebauliche Begründung
Nach Abzug der „harten“ und „weichen“ Tabuzonen vom Gesamtgebiet der Verbandsgemeinde
verbleiben potenzielle Eignungsflächen bzw. mögliche Konzentrationszonen für die Windenergienutzung, welche abschließend in einer Eignungsanalyse (Methodik s. Kap. 2.2) mit konkreten
öffentlichen Belangen, die ggf. der Windenergienutzung entgegenstehen können, in Beziehung
gesetzt werden.
2.2 Eignungsanalyse
In der Eignungsanalyse werden die potenziellen Eignungsflächen bzw. Konzentrationszonen (Ergebnis der Restriktionsanalyse) auf konkrete öffentliche Belange gem. §1 (6) mit einem möglichen Vorbehalt gegenüber der Windenergie untersucht.
Beurteilungsebene 3:
Mögliche Konzentrationszonen – sonstige öffentliche Belange = Konzentrationszonen für Windenergienutzung zur Darstellung als Sondergebiet im Flächennutzungsplan
Ziel der darauf aufbauenden Empfehlung für den Abwägungsprozess ist es, der Windenergie an
geeigneter Stelle substanziell Raum zu verschaffen, um ihrer Privilegierung nach § 35 Abs. 1 Nr. 5
BauGB gerecht zu werden. Die Gründe überwiegen entweder für die konkreten öffentlichen Belange oder für die Windenergienutzung. Ggf. müssen Teilbereiche einer potenziellen Eignungsfläche von der Windenergienutzung ausgenommen werden.
Als Ergebnis verbleiben Konzentrationszonen für die Windenergie, welche in einem letzten
Schritt einer Umweltprüfung unterzogen werden müssen. (siehe Teil 2 der Begründung).
10
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung - Städtebauliche Begründung
3 Kriterien der Flächenermittlung in der Restriktions- und Eignungsanalyse
Im folgenden Abschnitt werden erst die Kriterien für die Ausschlussflächen und die Bereiche mit
hohem Vorbehalt gegenüber der Windenergie definiert (Grundlage der Restriktionsanalyse) und
danach die sonstigen Vorbehaltskriterien, die Grundlage der Eignungsanalyse für diejenigen Flächen sind, die aus der Restriktionsanalyse resultieren.
3.1 Ausschluss aus tatsächlichen/rechtlichen Gründen
(„Harte“ Tabuzonen der Restriktionsanalyse)
Ausschlussbereiche für die Windenergienutzung sind jene Flächen, auf denen aus tatsächlichen
oder rechtlichen Gründen die Errichtung und der Betrieb von Windenergieanlagen ausgeschlossen sind. Sie stehen somit grundsätzlich für eine Windenergienutzung nicht zur Verfügung.
Die Ausschlussbereiche umfassen folgende Flächen:
3.1.1 Ausschluss aus baurechtlichen Gründen
-
Siedlungsflächen mit Wohnfunktion
3.1.2 Ausschluss aufgrund normativer Gebietsfestsetzungen
-
Naturschutzgebiete
Begründung:
Nach § 23 Abs. 2 BNatSchG sind „alle Handlungen, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Naturschutzgebiets oder seiner Bestandteile
oder zu einer nachhaltigen Störung führen können, nach Maßgabe näherer Bestimmungen verboten.“ Windkraftanlagen widersprechen dem Schutzzweck und in
der Regel auch der Schutzgebietsverordnung von Naturschutzgebieten.
Das LEP IV trifft folgende Aussage: „Die Errichtung von Windenergieanlagen ist in
rechtsverbindlich festgesetzten Naturschutzgebieten, in als Naturschutzgebiet vorgesehenen Gebieten, für die nach § 24 Landesnaturschutzgesetz eine einstweilige
Sicherstellung erfolgt ist, (…) auszuschließen.“
-
Wasserschutzgebiete (Zone I)
Begründung:
Die Fassungsbereiche sind grundsätzlich für die Errichtung baulicher Anlagen jedweder Art, die nicht mit dem Zweck der Wasserförderung in Verbindung stehen,
ungeeignet.
11
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung - Städtebauliche Begründung
Nach dem Merkblatt „Windkraftanlagen“ der Struktur- und Genehmigungsdirektionen Nord und Süd vom September 2011 sind Windenergieanlagen in der Zone I von Wasserschutzgebieten grundsätzlich unzulässig.
3.1.3 Ausschluss aufgrund bestehender Nutzungen sowie sonstiger nicht geeigneter
Flächen
- Bestehende Nutzungen (insbesondere Freizeitanlagen, Friedhöfe, Verkehrsflächen,
Gewerbe- und Industrieflächen, Freileitungen)
- Klassifizierte Straßen inkl. Bauverbotszonen
- Erdgasleitungen inkl. Schutzstreifen
- Gewässer inkl. Schutzstreifen
Begründung:
Die Flächen stehen aus tatsächlichen Gründen für die Windenergienutzung nicht
zur Verfügung.
3.2 Ausschluss aus städtebaulichen Gründen („Weiche“ Tabuzonen der Restriktionsanalyse) –
Bereiche mit hohem Vorbehalt gegenüber Windenergienutzung
Bereiche der städtebaulichen Ausschlusskriterien widersprechen nicht grundsätzlich einer Aufstellung von Windenergieanlagen, jedoch sind sie nach den städtebaulichen Vorstellungen der
Verbandsgemeinde nicht für WEA geeignet und sollen von einer entsprechenden Nutzung freigehalten werden.
Flächen, die aufgrund ihres sehr hohen Konfliktpotenzials gegenüber Windenergieanlagen nicht
für eine Windenergienutzung zur Verfügung stehen sollen, sind:
3.2.1 Immissionsschutz und Sicherung der Siedlungsentwicklung
-
Schutzabstand von 500 m um Siedlungsflächen (einschließlich Außenbereichssiedlungen) mit Wohnfunktion zur Einhaltung der Richtwerte nach TA Lärm
Begründung:
Von Siedlungsgebieten mit Wohnfunktion sind 500 m als Mindestabstand einzuhalten, um negative Immissionen wie Lärm und Schattenwurf im Siedlungsgebiet zu
minimieren. Der Betreiber einer Anlage ist nach § 5 Abs. 1 BImSchG dazu verpflichtet, die negativen Einflüsse so gering wie möglich zu halten: „(1) Genehmigungsbedürftige Anlagen sind so zu errichten und zu betreiben, dass zur Gewährleistung eines hohen Schutzniveaus für die Umwelt insgesamt 1. schädliche Umwelteinwirkungen und sonstige Gefahren, erhebliche Nachteile und erhebliche Belästigungen
für die Allgemeinheit und die Nachbarschaft nicht hervorgerufen werden können;
12
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung - Städtebauliche Begründung
2. Vorsorge gegen schädliche Umwelteinwirkungen und sonstige Gefahren, erhebliche Nachteile und erhebliche Belästigungen getroffen wird, insbesondere durch
die dem Stand der Technik entsprechenden Maßnahmen“.
Die TA Lärm definiert für verschiedene Typen von Bebauung unterschiedliche einzuhaltende Schallimmissionsrichtwerte. In Dorf- und Mischgebieten beträgt der
nächtliche Grenzwert 45 dB(A), für allgemeine Wohngebiete liegt er bei 40 dB(A).
In der Windpotenzialstudie des Saarlandes (MfUEV 2011) wurden für unterschiedliche Anlagenleistungsklassen Schallimmissionswerte und die daraus ableitbaren
Mindestabstände zur Wohnbebauung auf Grundlage der Grenzwerte der TA Lärm
berechnet. Für Anlagen mit 2 MW Leistung ergaben sich Abstände von 350 m (bei
einem 45 dB(A)-Grenzwert) bis 525 m (bei einem 40 dB(A)-Grenzwert). Bei Anlagen
mit 3 MW Leistung wurden Abstände von 425 m bis 650 m berechnet. Berechnungsgrundlage waren je zwei Windenergieanlagen des gleichen Typs in einem
Windpark.
Mit einem pauschalen Abstandspuffer von 500 m wird damit dem erforderlichen
Lärmschutz für Anwohner auf der Ebene der Flächennutzungsplanung ausreichend
Rechnung getragen. Je nach Art der betroffenen Wohnbebauung, dem gewählten
Anlagentyp und Zahl der Anlagen in einem Windpark können im Einzelfall durchaus
deutlich größere Schutzabstände erforderlich sein, die im Rahmen der Einzelgenehmigung festgesetzt werden.
-
Schutzabstand von 1.000 m um Ortslagen (ohne Aussiedlerhöfe / Einzelgehöfte) als
erweiterter Immissionsschutz und zur Sicherung der Siedlungsentwicklung
Begründung:
Der erweiterte Schutzabstand zu Ortslagen begründet sich zum einen aus dem Immissionsschutz. Nach TA Lärm ist u.a. für reine Wohngebiete, welche Teil der Ortslage sein können, ein nächtlicher Immissionsrichtwert von 35 dB(A) definiert. Dementsprechend erhöht sich der Mindestabstand von WEA deutlich (Vgl. Kap. 3.1.1:
Ausschluss aus baurechtlichen Gründen). Zudem bestehen in und an Ortslagen bereits Vorbelastungen, beispielsweise durch Gewerbebetriebe, welche ihrerseits
Schall emittieren. Der erhöhte Schutzabstand soll somit auch mögliche Summationseffekte begrenzen bzw. verhindern. Auch die Aufstellung mehrerer und/oder
leistungsstärkerer Windenergieanlagen auf einer Eignungsfläche führt zu erhöhten
Schallemissionen, welche wiederum einen erhöhten Schutzabstand erfordern.
Zum anderen trägt der erweiterte Abstand dem städtebaulichen Grundsatz zur
Rücksichtnahme auf das Orts- und Landschaftsbild (§ 1 Abs. 5 S. 2 und Abs. 6 Nr. 5
BauGB) Rechnung.
Die Kommune kann sich zudem Entwicklungsmöglichkeiten für ihre Siedlungsflächen erhalten, wenn ein erweiterter Abstand zu Standorten von Windenergieanla13
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung - Städtebauliche Begründung
gen eingehalten wird. Denn eine spätere Erweiterung von Siedlungen kann bei zu
geringen Abständen aufgrund der Vorgaben des Immissionsschutzes scheitern.
Grundlage der Abstandsermittlung sind die im rechtsverbindlichen Flächennutzungsplan dargestellten Siedlungsgebiete mit Wohnfunktion.-
3.2.2 Arten- und Biotopschutz
-
Geschützte Landschaftsbestandteile
Begründung:
„Die Beseitigung des geschützten Landschaftsbestandteils sowie alle Handlungen,
die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des geschützten Landschaftsbestandteils führen können, sind nach Maßgabe näherer Bestimmungen
verboten. Für den Fall der Bestandsminderung kann die Verpflichtung zu einer angemessenen und zumutbaren Ersatzpflanzung oder zur Leistung von Ersatz in Geld
vorgesehen werden.“ (§ 29 Abs. 2 BNatSchG)
-
Naturdenkmale
Begründung:
„Die Beseitigung des Naturdenkmals sowie alle Handlungen, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Naturdenkmals führen können, sind
nach Maßgabe näherer Bestimmungen verboten.“ (§ 28 Abs. 2 BNatSchG).
Der Schutzanspruch bezieht sich auf das Naturdenkmal selbst. Da Naturdenkmäler
selten raumeinnehmend wirken, ist die Umgebung kein pauschales Ausschlussgebiet für Windkraftanlagen.
-
Gesetzlich geschützte Biotope nach § 30 BNatSchG
Begründung:
„Handlungen, die zu einer Zerstörung oder einer sonstigen erheblichen Beeinträchtigung folgender Biotope führen können, sind verboten […].“ (§ 30 Abs. 2
BNatSchG). „Von den Verboten des Absatzes 2 kann auf Antrag eine Ausnahme zugelassen werden, wenn die Beeinträchtigungen ausgeglichen werden können.“ (§
30 Abs. 3 BNatSchG)
-
FFH-Lebensraumtypen in Natura 2000-Gebieten gem. EU-Richtlinie
Begründung:
FFH-Lebensraumtypen genießen gemäß der Festlegung in den Anhängen der FFHRichtlinie besonderen Schutzstatus und dürfen nicht beeinträchtigt werden.
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Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung - Städtebauliche Begründung
-
Natura 2000-Gebiete (FFH Gebiet, EU-Vogelschutzgebiet)
Begründung:
Natura 2000-Gebiete dienen dem Aufbau und der Erhaltung eines europaweiten
Netzes von Schutzgebieten zur Erhaltung von Flora und Fauna. Der Bau von Windenergieanlagen kann zu erheblichen Konflikten mit den Schutz- und Erhaltungszielen in diesen Gebieten führen, insbesondere wenn auch windkraftsensible Arten
(v.a. bestimmte Vogel- und Fledermausarten) betroffen sind. Zur Vermeidung von
Beeinträchtigungen und zur Erfüllung des Schutzzweckes sollen Natura 2000Gebiete auf dem Gebiet der Verbandsgemeinde daher nicht für die Windenergienutzung geöffnet werden.
Natura 2000 Gebiet
Einstufung des voraussichtlichen
Konfliktpotenzials mit der Windenergienutzung (nach Gutachten
LUWG et al. 2012 zum LEP IV)
Kennung
Name
FFH-5605-306
Obere Kyll und Kalkmulden gering
der Nordeifel
FFH-5704-301
Schneifel
mittel - hoch
FFH-5705-301
Duppacher Rücken
mittel - hoch
VSG-5706-401
Vulkaneifel
mittel - hoch
Tabelle 1: Übersicht über die Natura 2000-Gebiete in der VG Obere Kyll sowie in angrenzenden Gebieten
und Beurteilung des Konfliktpotenzials mit der Windenergienutzung
Das Vogelschutzgebiet „Vulkaneifel“ besteht aus mehreren kleinen Teilflächen, von
denen sich eine in der VG befindet, nämlich zwischen Birgel und Gönnersdorf. Die
übrigen Teilflächen berühren das Gebiet der VG nicht unmittelbar, sondern liegen
außerhalb. Die Zielart in diesem speziellen Fall ist der Uhu, der als windkraftsensible Art einer besonderen Berücksichtigung bedarf und für den ein Schutzabstand von
1.000 m empfohlen wird.
Das FFH-Gebiet „Obere Kyll und Kalkmulden der Nordeifel“ weist nach dem Gutachten des LUWG et al. 2012 nur ein geringes Konfliktpotenzial mit der Windenergienutzung auf, weil dort nach der Zielartenbeschreibung keine windkraftsensiblen
Arten betroffen sind. Da die Teilflächen aber oft relativ kleinflächig sind und dort
wertvolle Lebensraumtypen wie Kalk-Trockenrasen, Wacholderheiden, OrchideenKalk-Buchenwälder oder Auenwälder vorkommen, würde eine Überbauung mit
Fundamenten, Kranstellflächen und Zuwegungen einem Totalverlust gleichkommen. Wegen der schweren Ersetzbarkeit bzw. Wiederherstellbarkeit dieser Biotoptypen an anderer Stelle, ist der Verlust auch durch Kompensationsmaßnahmen
nicht zu beheben.
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Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung - Städtebauliche Begründung
Die FFH-Gebiete „Duppacher Rücken“ und „Schneifel“ reichen nur randlich und
kleinflächig auf das Gebiet der VG. Sie weisen als Zielarten windkraftsensible Arten
wie Schwarzstorch und Fledermäuse auf. Durch den Ausschluss von Windenergieanlagen in diesen Gebieten wird gewährleistet, dass diese Arten nicht beeinträchtigt werden.
-
Schutzwürdige Biotope nach Biotopkataster Rheinland-Pfalz
Begründung:
Die schutzwürdigen Biotope nach Biotopkataster Rheinland-Pfalz umfassen wertvolle, landschaftsökologisch und –ästhetisch relevante, meist aus verschiedenen
Biotoptypen aufgebaute und sinnvoll arrondierte Landschaftsausschnitte. Nach
fachlichen Empfehlungen aus landschaftsplanerischer Sicht sollten diese Bereiche
von Windenergieanlagen freigehalten werden, um eine Zerstörung und Beeinträchtigung zu vermeiden.
-
Bereiche mit sehr hoher Bedeutung für den regionalen Biotopverbund nach Landschaftsrahmenplanung 2009
Begründung:
Es handelt sich um Flächen, die im Zuge der Landschaftsrahmenplanung als Gebiete mit sehr hoher Bedeutung für den regionalen Biotopverbund als Ergänzung zum
landesweiten Biotopverbund festgestellt wurden. Diese Flächen werden nach Abwägung mit anderen regionalplanerischen Belangen im Regionalen Raumordnungsplan als Vorrangflächen für den Arten und Biotopschutz ausgewiesen. Es ist
zu prüfen, inwieweit durch Windenergieanlagen die Funktion der Flächen als wesentliche Elemente des Biotopverbunds nicht erheblich beeinträchtigt wird.
Auch wenn der Bau von Windkraftanlagen in diesen Flächen nicht pauschal ausgeschlossen ist, so werden nach § 21 BNatSchG hohe Anforderungen gestellt:
1) Der Biotopverbund dient der dauerhaften Sicherung der Populationen wild lebender Tiere und Pflanzen einschließlich ihrer Lebensstätten, Biotope und Lebensgemeinschaften sowie der Bewahrung, Wiederherstellung und Entwicklung funktionsfähiger ökologischer Wechselbeziehungen. Er soll auch zur Verbesserung des
Zusammenhangs des Netzes „Natura 2000“ beitragen.
(4) Die erforderlichen Kernflächen, Verbindungsflächen und Verbindungselemente
sind durch Erklärung zu geschützten Teilen von Natur und Landschaft im Sinne des
§ 20 Abs. 2, durch planungsrechtliche Festlegungen, durch langfristige vertragliche
Vereinbarungen oder andere geeignete Maßnahmen rechtlich zu sichern, um den
Biotopverbund dauerhaft zu gewährleisten.“
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Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung - Städtebauliche Begründung
-
Schutzabstand von 3.000 m zu Schwarzstorch-Nest
Begründung:
Der Schwarzstorch als äußerst seltene Art in Rheinland-Pfalz ist durch Windräder
besonders gefährdet, da entweder eine unmittelbare Kollisionsgefahr besteht oder
eine Scheuchwirkung entsteht. Davon sind sowohl Brut- und Nahrungshabitate als
auch die verbindenden Flugkorridore betroffen. Hohe Sterblichkeitsraten, die ggf.
den Erhaltungszustand der Lokalpopulation beeinträchtigen können, sind möglich.
Die staatlichen Vogelschutzwarten* geben deswegen für den Schwarzstorch eine
Abstandsempfehlung von 3.000 m an. Die Abstandsempfehlung ergibt sich aus den
artspezifischen Raumansprüchen für Brutaufzucht und Nahrungssuche. Diese Entfernung soll gewährleisten, dass für den Schwarzstorch keine Gefahr durch die Nähe zu Windkraftanlagen entsteht.
Wegen der Seltenheit und dem Gefährdungsgrad des Schwarzstorchs und aus der
Tatsache, dass das Vorkommen des Schwarzstorchs als Indikator für einen besonders guten Umweltzustand gilt, soll der empfohlene pauschale Schutzabstand
zu den einzelnen Horsten eingehalten werden, auch wenn ggf. nach speziellen
Funktionsraumanalysen der empfohlene Schutzabstand unterschritten werden
könnte.
*siehe auch „Naturschutzfachlicher Rahmen zum Ausbau der Windenergienutzung
in Rheinland-Pfalz“ vom 13.09.2012
Die Daten zum Vorkommen des Schwarzstorchs stammen aus der Datenbank des Landesamtes für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht (LUWG). Ergänzende aktuelle
Angaben zum Schwarzstorch basieren auf Beobachtungen durch den Biologen Torsten
Weber von der Bürogemeinschaft für Naturschutz und Landschaftsökologie, StadtkyllSchönfeld und von Mitarbeitern der Forstämter in RLP und NRW in den Jahren 2011-2013.
-
Nahrungshabitate des Schwarzstorchs
Begründung:
Neben dem Schutzabstand um den eigentlichen Horst können Schwarzstörche auch
deutlich größere Strecken überwinden, um geeignete Nahrungsquellen (v.a.
Feuchtwiesen) zu erreichen. Diese Nahrungshabitate werden gerade während der
Brutzeit besonders häufig aufgesucht, so dass WEA in der Nähe, aber auch im Anflugbereich zu diesen Flächen eine Gefahr darstellen und erhebliche Beeinträchtigungen verursachen können.
3.2.3 Wald und Forstwirtschaft
-
Waldgebiete mit besonders schützenswerten Funktionen (Schutzwald nach Landeswaldgesetz, Naturwaldreservate, Genressourcenschutzwald, Waldversuchsfläche,
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Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung - Städtebauliche Begründung
Erosionsschutzwald) nach dem forstfachlichen Beitrag zum Regionalen Raumordnungsplan der Region Trier)
Begründung:
Die Errichtung von Windkraftanlagen in Waldgebieten mit besonders schützenswerten Funktionen (äußerst bedeutsame Waldflächen des forstfachlichen Beitrages zum Regionalen Raumordnungsplan), ist mit der Aufrechterhaltung der besonderen Funktionen nicht zu vereinen. Windenergiestandorte in diesen sensiblen Bereichen würden zu erheblichen Eingriffen führen, die auf Grund der besonderen
standörtlichen Situationen und nicht ersetzbarer Funktionen nicht oder nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand zu kompensieren wären.
-
Wertvolle Laub- Altholzbestände
Begründung:
Gemäß dem LEP IV sollen „alte Laubholzbestände […] von der Windenergienutzung
freigehalten werden“. Ebenso soll nach Empfehlung der Planungsgemeinschaft
Trier vom 20.09.2011 in geschlossenen Laub-Altholzbeständen auf die Ausweisung
von Standorten für neue Windkraftanlagen verzichtet werden. Diese Bestände haben aufgrund ihrer erhaltenswerten Strukturvielfalt eine sehr hohe Bedeutung als
Habitat für Tiere und als Erholungsraum für den Menschen. Außerdem prägen sie
oftmals das Landschaftsbild.
3.2.4 Landschaftsbild und Erholung
Nach den Vorgaben des LEP IV (Z 91) sind in bestimmten Erholungs- und Erlebnisräumen die Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie der Erholungswert von Natur und Landschaft vorrangig zu sichern und zu entwickeln. Dazu gehören Räume mit einzigartiger Ausprägung von Natur und
Landschaft, Räume mit Bedeutung aufgrund ihrer landschaftlichen Leitstruktur und ihres hohen
kulturhistorischen Wertes, Räume mit besonderer Bedeutung als Naherholungsgebiet und Räume für naturnahe und landschaftsgebundene stille Erholung.
-
Historische Kulturlandschaft (nach Landschaftsrahmenplanung 2009)
Begründung:
In dem Planwerk wurden diejenigen Landschaftsteile abgegrenzt, die für die Vulkaneifel und die devonischen Kalkmulden sowie speziell für die Verbandsgemeinde
besonders charakteristisch sind und in ihrer Ausprägung noch weitgehend ungestört oder nur gering vorbelastet sind. Die Verbandsgemeinde ist der Ansicht, dass
zum Schutz dieser prägenden Landschaftsbildräume auf die Errichtung von Windenergieanlagen verzichtet werden sollte.
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Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung - Städtebauliche Begründung
-
Landschaftsbildrelevante Schutzgebiete
Landschaftsschutzgebiet Burgberg bei Lissendorf
Begründung:
Laut Reichsnaturschutzgesetz vom 26. Juni 1935 ist das Errichten und Erweitern
baulicher Anlagen im Landschaftsschutzgebiet „Burgberg bei Lissendorf“ von der
Unteren Naturschutzbehörde zu genehmigen.
Die Verbandsgemeinde ist der Ansicht, dass zur Erfüllung des Schutzzweckes in
Landschaftsschutzgebieten keine Windenergieanlagen errichtet werden sollen.
-
Schwerpunkteinrichtungen des Tourismus / der Erholung
-
Abstandszone von 200 m zu Qualitätswanderwegen
Begründung:
Zur Erhaltung der touristischen Attraktivität, sollen nach Ansicht der VG Obere Kyll
im Umfeld von 200 m keine WEA errichtet werden. Da Qualitätswanderwege in der
Regel durch attraktive Landschaftsteile geführt werden, ist mit dem Schutz dieser
zertifizierten Wanderwege auch ein Schutz der berührten hochwertigen Landschaftsteile verbunden.
-
Freihaltezone östlich der B51 (Landschaftsbild und naturgebundener Tourismus)
Begründung:
Nach dem Ratsbeschluss der VG Obere Kyll vom 16.10.2012 sollen östlich der B 51
aus Gründen des Schutzes des Landschaftsbildes und zur Erhaltung der Voraussetzungen für einen naturgebundenen Tourismus (Freihaltung der touristischen
Schwerpunkträume Kylltal und Wirfttal) keine WEA errichtet werden. In diesem Bereich finden sich die wichtigsten touristischen Schwerpunkteinrichtungen (u.a. Feriendörfer) der Verbandsgemeinde.
Die Freihaltung des östlichen Teils des Verbandsgemeindegebietes ist die konsequente Fortsetzung der bereits bei der letzten Fortschreibung des Flächennutzungsplans im Jahre 2008 beschlossenen Konzentration von WEA auf den Westteil der VG. Dort wurden im Lauf der vergangenen 10 – 15 Jahren ca. 60 WEA errichtet, die heute eine erhebliche Belastung und technische Überprägung eines
vormals vollständig ländlich geprägten Landschaftsraumes darstellen. Der Ostteil
der VG hingegen soll weiterhin gezielt als Schwerpunktraum für Erholung, Tourismus und Wohnen entwickelt werden. In diesem Zusammenhang wurde deshalb
auch eine grenzüberschreitende Übereinkunft mit den Verbandsgemeinden
Hillesheim und Gerolstein getroffen, auch dort den durch das Kylltal und seine
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Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung - Städtebauliche Begründung
Randhöhen geprägten Landschaftsraum großflächig von WEA frei zu halten. Von
Seiten der VG Obere Kyll wird damit auch dem Anliegen Rechnung getragen, die
Fernsichtbeziehungen von den Randhöhen des Kylltals in die Vulkaneifel mit ihren
charakteristischen vulkanischen Erscheinungsformen nicht zu beeinträchtigen.
3.2.5 Sonstiges
-
Wasserschutzgebiet (Zone II)
Begründung:
Nach dem Merkblatt „Windkraftanlagen“ der Struktur- und Genehmigungsdirektionen Nord und Süd vom September 2011 sind Windenergieanlagen auch in der Zone II von Wasserschutzgebieten grundsätzlich unzulässig.
Brunnen und Quellen und ihre unmittelbare Umgebung sowie Grund- und Oberflächenwasser allgemein sind vor Verunreinigungen zu schützen. Da mit dem Einbau
von Windenergieanlagen ein Eingriff in die Schutzfunktion der Deckschichten
(durch das Fundament, die Kabeltrasse und den Wegebau) und die Verwendung
wassergefährdender Stoffe (Hydrauliköle, Schmieröle, Schmierfette, Transformatorenöle) einhergeht, ist eine Gefährdung von Grund- und Oberflächenwasser möglich.
In Ausnahmefällen kann eine Befreiung von den Vorgaben der Schutzgebietsverordnung erteilt werden, wenn durch hydrogeologische Einzelgutachten die Verträglichkeit zwischen Errichtung und Betrieb von Windenergieanlagen und dem
Schutz des Grund- und Oberflächenwassers nachgewiesen wird.
3.2.6 Konzentrationswirkung
-
Mindestflächengröße
o Ausschluss von Eignungsflächen mit weniger als 50 ha und ohne räumlichen
Bezug zu angrenzenden Eignungsbereichen (mindestens 3 Windenergieanlagen der 3 MW-Klasse in einem Windpark)
Begründung:
Als Mindestgröße für die möglichen Konzentrationszonen wird eine Flächengröße
von 50 ha angesetzt. Splitterflächen mit räumlicher Beziehung (nicht weiter als
1.000 m voneinander entfernt) werden als eine Eignungsfläche weiter betrachtet,
sofern sie in Kombination mit den angrenzenden Eignungsflächen den Schwellenwert von 50 ha übersteigen. Flächen, die unter diese Größe fallen, werden ausgeschlossen.
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Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung - Städtebauliche Begründung
Um eine Zergliederung der Landschaft durch viele Einzelstandorte zu vermeiden
bzw. zu minimieren und um eine Konzentrationswirkung herbeizuführen, sollen
Windenergieanlagen in Windparks mit mindestens 3 Anlagen errichtet werden.
-
Ausschluss von Flächen mit geringer Windhöffigkeit: Bereiche mit einer mittleren jährlichen Windgeschwindigkeit in 140 Metern über Grund von weniger als 6,4 m/s (Datengrundlage: Windatlas RLP 2013)
Begründung:
Gemäß der Fortschreibung des LEP IV ist bei der Auswahl der Standorte die
Windhöffigkeit von zentraler Bedeutung. Die Gebiete mit hoher Windhöffigkeit
sind vorrangig zu sichern.
Windenergieanlagen sollen nach Möglichkeit in windstarken Bereichen konzentriert werden, um einerseits die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes zu reduzieren und andererseits einen wirtschaftlichem Anlagenbetrieb zu gewährleisten. Aus
diesem Grunde werden auf dem Gebiet der Verbandsgemeinde für die Windenergienutzung nur Flächen mit einer durchschnittlichen Windgeschwindigkeit von
mindestens 6,4 m/s in 140 m über Grund betrachtet.
Durch einen Verzicht auf Windenergieanlagen in Gebieten mit geringerer Windgeschwindigkeit wird gewährleistet, dass Windräder nur dort errichtet werden, wo
ein wirtschaftlich sinnvolles Verhältnis zwischen Ertrag und Eingriff in die Landschaft zu erwarten ist.
3.3 Bereiche mit sonstigen öffentlichen Belangen, die der Windenergienutzung entgegenstehen können
(Eignungsanalyse der Potenzialflächen aus der Restriktionsanalyse)
Sonstige Kriterien mit mäßigem Vorbehalt gegenüber der Windenergienutzung dienen der vergleichenden Eignungsprüfung und ggf. Einschränkung der in der Restriktionsanalyse ausgefilterten möglichen Konzentrationszonen / potenziellen Eignungsflächen.
3.3.1 Arten- und Biotopschutz
-
Abstandsempfehlung zu Brutvorkommen windkraftsensibler Vogelarten, hier besonders Uhu (1.000 m) und Rotmilan (1.500 m)
Begründung:
Windkraftsensible Vogelarten sind durch Windräder besonders gefährdet, da entweder eine unmittelbare Kollisionsgefahr besteht oder eine Scheuchwirkung entsteht. Davon sind sowohl Brut- und Nahrungshabitate und die verbindenden Flug21
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung - Städtebauliche Begründung
korridore als auch Rastplätze von Zugvögeln und deren An- und Abflugwege betroffen. Hohe Sterblichkeitsraten von Lokalpopulationen und Barrierewirkungen für
Zug- und Rastvögel sind möglich, die ggf. den guten Erhaltungszustand der Population beeinträchtigen können.
Die staatlichen Vogelschutzwarten* geben deswegen für die windkraftsensiblen
Vogelarten Rotmilan und Uhu Abstandsempfehlung von 1.000 m bzw. 1.500m an.
Die unterschiedlichen Abstandsempfehlungen ergeben sich aus den artspezifischen
Raumansprüchen für Brutaufzucht und Nahrungssuche. Diese Entfernungen sollen
gewährleisten, dass für Rotmilan und Uhu und ggf. weitere windkraftsensible Arten keine Gefahr durch die Nähe zu Windkraftanlagen entsteht.
Werden Aktionsraumanalysen für die einzelnen Arten durchgeführt, so kann der
empfohlene Schutzabstand unterschritten werden, wenn festgestellt wird, dass
die An- und Abflugkorridore sowie die Aufenthaltsräume der jeweiligen Art von
den geplanten WEA nicht erheblich beeinträchtigt werden.
*siehe auch „Naturschutzfachlicher Rahmen zum Ausbau der Windenergienutzung
in Rheinland-Pfalz“ vom 13.09.2012
Die Daten zum Vorkommen windkraftsensibler Vogelarten stammen aus der Datenbank
des Landesamtes für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht (LUWG). Die
Rotmilan-Erfassung erfolgte 2010 und 2012, die Angaben zum Uhu stammen von der Europäischen Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen und wurden in den Jahren 1999 -2004 und
2012 erhoben. Ergänzende aktuelle Beobachtungen zum Rotmilan und Uhu stammen aus
dem ornithologischen Fachgutachten des Büros Korn & Stübing (2014) zum geplanten
Windpark Kerschenbach-Ormont sowie aus dem Gutachten des Büros Raskin (2014) zum
Repowering von zwei WEA in Hallschlag.
-
Fledermausvorkommen (nur windkraftsensible Arten)
Begründung:
Insbesondere ziehende Fledermausarten sind durch ihre Flughöhe und ihr artspezifisches Verhalten von einem hohen Kollisionsrisiko mit WEA betroffen. Es handelt
sich hierbei um folgende Arten: Großer Abendsegler, Kleiner Abendsegler,
Breitflügelfeldermaus, Zwergfledermaus, Mopsfledermaus, Nordfledermaus, Große
Bartfledermaus, Kleine Bartfledermaus, Breitflügelfledermaus, Zwergfledermaus,
Mückenfledermaus, Rauhautfledermaus und Zweifarbfledermaus. Auf dem Gebiet
der VG ist unter den windkraftsensiblen Arten insbesondere die Zwergfledermaus
und die kleine Bartfledermaus zu nennen.
Zwar ist es durch bestimmte Abschaltmechanismen für WEA möglich, das Kollisionsrisiko zu minimieren, dennoch wird hier das Restrisiko bei der Beurteilung der
Eignungsflächen berücksichtigt.
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Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung - Städtebauliche Begründung
Die vom LUWG zur Verfügung gestellten Daten zu Fledermausvorkommen in der Verbandsgemeinde sind durchweg älter als 10 Jahre, teilweise älter als 20 Jahre, so dass eine
flächendeckende Beurteilung der aktuellen Situation nicht mehr möglich ist. Als Folge davon wird die Betroffenheit windkraftsensibler Fledermäusen erst im Umweltbericht bezogen auf das konkrete Sondergebiet beurteilt soweit dort aktuelle Daten aus verfügbaren
Einzelgutachten vorliegen.
-
Beobachtungsschwerpunkte der Wildkatze
Begründung:
Im Schreiben des Ministeriums f. Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau u.
Forsten vom 04.06.2012 zur „Berücksichtigung der Wildkatze bei Verfahren zur
Genehmigung von Windkraftanlagen im Wald“ heißt es, dass davon auszugehen
ist, „dass eine Betroffenheit der Wildkatze mit Ausnahme der anlagen- und baubedingten Auswirkungen nicht zu erwarten ist. […] Daher sind in der naturschutzrechtlichen Prüfung die anlagen- und baubedingte Betroffenheit zu prüfen und angemessen zu berücksichtigen“. Eine durch Windenergieanlagen betriebsbedingte
Betroffenheit der Wildkatze ist laut diesem Schreiben nach derzeitigem Kenntnisstand nicht nachgewiesen.
-
Bedeutsame Wildtierkorridore
Begründung:
Wildtierkorridore sollen gewährleisten, dass die Mobilität von Landtieren uneingeschränkt möglich ist. Dies geschieht durch den Erhalt oder die ergänzende Entwicklung von bandartigen, weitgehend ungestörten Landschaftsstrukturen (meist
Gehölzstreifen oder –inseln, Trittsteinbiotope u.a.), die zwischen den großen zusammenhängenden (Wald-)Lebensräumen Verbindungen herstellen. Eine Windenergieanlage kann diese Verbindungsfunktion einschränken, da der Wildtierkorridor durch die Anlage eingeengt werden kann und die Rotoren eine Scheuchwirkung
auf die Tiere haben können. Zudem erfordert die Errichtung von Windenergieanlagen oftmals den Ausbau von Zufahrtsstraßen/-wegen, welche eine Störwirkung auf
bestimmte Tierarten entfalten können.
-
Naturschutzrechtliche Kompensationsflächen (Ökokonto-Flächen)
Begründung:
Hier handelt es sich vorwiegend um kommunale Waldflächen, die für Maßnahmen
zur Aufwertung der Funktionen des Naturhaushaltes gemeldet worden sind, aber
noch nicht als Ausgleichsmaßnahmen für Eingriffe aus dem Ökokonto „ausgebucht“ wurden. Der naturschutzfachliche Wert dieser Flächen ist aktuell nur gering
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Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
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bis mäßig. Die Nutzung für Windenergieanlagen ist in der Regel unproblematisch.
Es handelt sich deshalb im engeren Sinne nicht um Restriktionsflächen. Vielmehr
können diese Flächen auch als Ausgleichsflächen für den durch den Bau von WEA
entstandenen Eingriff in den Naturhaushalt herangezogen werden.
3.3.2 Landschaftsbild und Erholungsnutzung
-
Landesweit bedeutsame Erholungs- und Erlebnisräume nach LEP IV
Begründung:
Nach den Vorgaben des LEP IV (Z 91) sind in bestimmten Erholungs- und Erlebnisräumen die Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie der Erholungswert von Natur
und Landschaft vorrangig zu sichern und zu entwickeln. Dazu gehören Räume mit
einzigartiger Ausprägung von Natur und Landschaft, Räume mit Bedeutung aufgrund ihrer landschaftlichen Leitstruktur und ihres hohen kulturhistorischen Wertes, Räume mit besonderer Bedeutung als Naherholungsgebiet und Räume für naturnahe und landschaftsgebundene stille Erholung.
In Z 134 wird ausgeführt, dass die landesweit bedeutsamen Erholungs- und Erlebnisräume die Grundlage für die Ausweisung von Vorrang- und Vorbehaltsgebieten
für Erholung und Tourismus auf regionaler Ebene bilden.
-
Raum mit besonderer Fernsicht in die Vulkaneifel (aus: Konkretisierung der Entwicklungsbereiche Windkraft VG Obere Kyll (2001))
Hohe Ausprägung der landschaftlichen Vielfalt – kleinräumiger Wechsel von Erlebnisräumen
Begründung:
Die oben genannten Funktionsbereiche werden bei der vergleichenden Beurteilung
der potenziellen Eignungsflächen zur Minimierung der Beeinträchtigung des Landschaftsbildes und der Erholungsfunktion berücksichtigt. Auch Vorbelastungen
durch z.B. bereits bestehende WEA finden Berücksichtigung.
-
Bereiche mit hoher Ausprägung der kleinräumigen visuellen Erlebnisqualität (hohe
Ausprägung der Eigenart / Schönheit der Landschaft)
Begründung:
Im Landschaftsrahmenplan und im Landschaftsplan wurden diejenigen Landschaftsteile abgegrenzt, die für die Vulkaneifel und die devonischen Kalkmulden
sowie speziell für die Verbandsgemeinde besonders charakteristisch sind und in ihrer Ausprägung noch weitgehend ungestört oder nur gering vorbelastet sind. Die
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Verbandsgemeinde ist der Ansicht, dass diese prägenden Landschaftsbildräume
erhalten werden sollen und deshalb von Windenergieanlagen freizuhalten sind.
Ebenfalls sind charakteristische Sichtachsen und Aussichtspunkte nicht erheblich zu
beeinträchtigen.
-
Abstandsbereiche um regional bedeutsame Tourismus- und Erholungseinrichtungen
Begründung:
In der VG Obere Kyll befindet sich das regional bedeutsame Ferienzentrum Wirfttal
mit Feriendorf, Campingplatz und einer Vielzahl touristischer Angebote. Im Kylltal
grenzt unmittelbar an das VG-Gebiet auf nordrhein-westfälische Seite das Ferienzentrum Kronenburger See mit ähnlichen Einrichtungen an. Mit mehreren hunderttausend Übernachtungen pro Jahr stellen diese Einrichtungen ausgesprochene touristische Schwerpunkte in der Eifel dar. Um die Attraktivität für Erholungssuchende
zu erhalten, soll das Umfeld bis 2 km um diese Einrichtungen von großtechnischen
Einrichtungen wie WEA, die das naturnahe Landschaftsbild überprägen möglichst
freigehalten werden.
-
Schutzabstand und Sichtachsen um Kulturdenkmäler mit landschaftsbildprägender
Bedeutung: Burgruine und historischer Ortskern Kronenburg, Marienkapelle Wahlhausen bei Steffeln
Begründung:
weithin einsehbare und identitätsstiftende Kulturdenkmäler prägen die Kulturlandschaft und sind sinnbildliches Zeugnis für Heimatgefühl und Heimaterleben. Aus
der umgebenden Landschaft ist das Kulturdenkmal ein Blickfang und optischer Ankerpunkt, der nicht durch dominante Bauwerke abgefangen werden soll. Vom
Denkmal aus sind die bedeutenden Sichtachsen von Windenergieanlagen freizuhalten, um den unverfälschten Ausblick über die jahrhundertealte Kulturlandschaft
nicht zu beeinträchtigen.
3.3.3 Sonstiges
-
Wasserschutzgebiet, Zone III
Begründung:
Nach dem Merkblatt „Windkraftanlagen“ der Struktur- und Genehmigungsdirektionen Nord und Süd vom September 2011 sind Windenergieanlagen auch in der Zone III von Wasserschutzgebieten unzulässig. Im Unterschied zur Schutzzone II ist
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aber anzunehmen, dass durch hydrogeologische Einzelgutachten, die eine Verträglichkeit zwischen der Errichtung von Windenergieanlagen und Wasserschutzgebieten nachweisen, eine Befreiung von der Schutzgebietsverordnung im Regelfall zu
erreichen ist.
-
Vorranggebiet Rohstoffabbau (übertage)
Begründung:
Nach dem Beschluss der Planungsgemeinschaft Region Trier zur weiteren Behandlung der Windenergienutzung in der Regional- und Bauleitplanung (für die Neuaufstellung des RROP) vom 20.09.11 soll die Zugänglichkeit und Abbaufähigkeit entsprechend qualifizierter Rohstofflagerstätten sichergestellt werden. Das LEP IV
hebt jedoch die pauschale Ausschlusswirkung auf. Demnach stehen Vorranggebiete für Rohstoffabbau der Windenergienutzung in der Regel nicht entgegen. Es ist
aber im Einzelfall zu prüfen, ob ein Zielkonflikt entsteht.
-
Richtfunkstrecke
Begründung:
Richtfunkstrecken können u.U. durch Windenergieanlagen beeinflusst werden.
WEA können Abschattung verursachen, die sich auf die Sendeleistung auswirken
oder es kann die vom Richtstrahl überstrichene Fläche der WEA als „Störsender“
wirken. Es wird deshalb ein Schutzabstand von 50-200 m je nach örtlichen Verhältnissen empfohlen. Die Beeinträchtigung ist jedoch im Einzelfall zu prüfen.
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4 Restriktionsanalyse
4.1 Anwendung der „harten“ und „weichen“ Ausschlusskriterien
In der folgenden Übersichtskarte sind die „harten“ und „weichen“ Tabuzonen für die Windenergienutzung sowie die verbleibenden außerhalb dieser Zonen liegenden Potenzialflächen für die
Windenergienutzung dargestellt (siehe auch Karte 1 im Anhang). Flächen mit weniger als 50 ha
Größe, die wegen ihrer mangelnden Konzentrationswirkung nicht für die Windenergienutzung
herangezogen werden sollen, treten nicht auf. Alle Potenzialflächen unter 50 ha Größe stehen im
räumlichen Zusammenhang (Abstand maximal 1.000 m) mit anderen Potenzialflächen, so dass
sie anschließend einer Eignungsprüfung unterzogen werden.
3
2
1
Abb. 1: Übersichtskarte Restriktionsanalyse mit Darstellung der „harten“ (dunkelgrau) und „weichen“ (hellgrau) Tabuzonen
sowie der Potenzialflächen für Windenergienutzung und der bestehenden Vorrangflächen Windenergie
4.2 Potenzialflächen (Potenzielle Eignungsflächen für Windenergienutzung)
Nach Anwendung der in den Kapiteln 3.1 und 3.2 genannten Kriterien ergeben sich potenzielle
Eignungsflächen mit einer Mindestgröße von 50 ha. Flächen, die kleiner als 50 ha sind und auch
zusammen mit benachbarten Flächen (bis 1.000 m Abstand) die Mindestgröße nicht erreichen,
werden nicht weiter berücksichtigt.
27
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung - Städtebauliche Begründung
Lfd. Nr. Fläche
1a
1b
1c
1d
1e
1f
1g
1h
2
3a
3b
Lage der Fläche
Flächengröße [ha]
nordöstl. Goldberg/Boosenbach
1
Goldberg
22
östlich Goldberg
15
Forst Arenberg
348
Auf´m steinigen Knipp
2
südöstl. Ormont
2
Steinberg
1
westl. Forsthaus
2
südwestl Hallschlag, zwischen Weidenhöchst und Rohlesberg
22
östl. Hallschlag / „Steinert“
16
südöstl. Hallschlag
2
Summe
433 ha
Tab. 1: Flächenbilanz möglicher Eignungsflächen
Auf dem Gebiet der Verbandsgemeinde Obere Kyll ergeben die potenziellen Eignungsflächen
insgesamt eine Größe von 433 ha. Das entspricht etwa 3,1 % der Verbandsgemeindefläche.
28
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung - Städtebauliche Begründung
5 Eignungsanalyse (Bewertung der potenziellen Eignungsflächen)
Die Eignungsanalyse dient der vergleichenden Betrachtung der einzelnen potenziellen Eignungsflächen bzw. möglichen Konzentrationszonen. Zudem werden mögliche Summationseffekte benachbarter Eignungsflächen beleuchtet.
Unter Anwendung der in Abschnitt 3.3 genannten sonstigen Vorbehalte bzw. städtebaulichen
Vorstellungen ergeben sich für die Eignungsflächen unterschiedlich starke Einschränkungen (vgl.
Karte 3 im Anhang). Es erfolgt eine Einteilung in drei Kategorien:
1. Potenzielle Eignungsflächen mit geringen Restriktionen, die für eine Windenergienutzung
grundsätzlich geeignet sind.
2. Potenzielle Eignungsflächen mit hohen Restriktionen, die für eine Windenergienutzung
bedingt geeignet sind.
3. Potenzielle Eignungsflächen mit erheblichen Restriktionen, die für eine Windenergienutzung ungeeignet sind.
Daraus resultieren schließlich die möglichen Konzentrationszonen zur Darstellung als Sondergebiete für Windenergie im Flächennutzungsplan (vgl. Karte 4 im Anhang).
29
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung - Städtebauliche Begründung
5.1 Mögliche Eignungsflächen
Die potenziellen Eignungsflächen werden anhand der sonstigen Vorbehalte bzw. städtebaulicher
Vorstellungen nach ihrer Eignung beurteilt.
5.1.1 Eignungsfläche 1: Forst Arenberg
geplante
Wildbrücke
Abb. 2: Lageplan Eignungsflächen 1a – 1h
Topografie/Gelände:
Fläche 1a erstreckt sich linksseitig des Boosenbachs in der Talmulde, nordwestlich der K64 /
Goldberg. Sie steigt von 580 m ü. NN im Südwesten auf 590 m ü. NN im Nordosten an. Die Fläche
wird landwirtschaftlich genutzt.
Fläche 1b schließt sich im Süden an Fläche 1a an und umschließt weite Teile des Goldberges. Sie
steigt von 570 m ü. NN im nordwestlichen Bereich auf 610 m ü. NN im südlichen Bereich an und
ist bedingt durch den Goldberg stark reliefiert. Der nördliche und der südliche Bereich werden
landwirtschaftlich genutzt, der Kernbereich des Goldbergs wird für Rohstoffabbau genutzt.
Die Flächen 1c – 1g befinden sich auf der Hochebene des Forstes Arenberg, die im Norden vom
Goldberg begrenzt wird. Im Westen grenzt der Steinberg (Flächen 1f) an und im Südosten begrenzt die B51 die Flächen. Mehrere Talzüge von Nebenbächen des Kalkenbachs sowie des Ei30
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung - Städtebauliche Begründung
senbachs schneiden in die Hochebene ein und untergliedern die Flächen am östlichen Rand. Die
höchsten Erhebungen befinden sich im Süden der Konzentrationszone bei ca. 660 m ü. NN. Nach
Nordwesten zum Kalkenbach und Eisenbach fällt das Gelände auf bis zu 580 m ü. NN ab. Die Flächen sind bis auf die nördlichen Bereiche der Flächen 1c und 1d größtenteils bewaldet. Fläche 1g
liegt etwa 550 m nördlich von Fläche 1d und 600 m westlich von der B 51.
Die Flächen 1a – 1g befinden sich auf dem Gebiet der Ortsgemeinde Ormont. Die Fläche 1d befindet sich auf den Gebieten der Ortsgemeinden Ormont, Kerschenbach, Stadtkyll und Reuth. Die
Fläche 1h liegt im Bereich der Ortsgemeinde Stadtkyll.
Flächengröße:
Fläche 1a
Fläche 1b
Fläche 1c
Fläche 1d
Fläche 1e
Fläche 1f
Fläche 1g
Fläche 1h
Gesamt:
1 ha
22 ha
15 ha
348 ha
2 ha
2 ha
1 ha
2 ha
393 ha
Windhöffigkeit:
in 140 m ü. Gr.
Fläche 1a
Fläche 1b
Fläche 1c
Fläche 1d
Fläche 1e
Fläche 1f
Fläche 1g
Fläche 1h
6,4 – 6,5 m/s
6,4 – 6,7 m/s
6,4 – 6,5 m/s
6,4 – 6,8 m/s
6,4 – 6,5 m/s
6,6 – 6,7 m/s
6,6 – 6,7 m/s
6,4 m/s
31
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung - Städtebauliche Begründung
Eignungsanalyse
Bereiche mit öffentlichen Belangen, die einer Windenergienutzung entgegenstehen können:
Vorbehalt
Fläche 1a
Fläche 1b
Fläche 1c
Fläche 1d
Fläche 1e
Fläche 1f
Fläche 1g
Fläche 1h
ja
ja
ja
teilweise
teilweise
nein
nein
ja
Vorkommen windkraftsensibler
Fledermausarten (Daten
LUWG)
nein
nein
nein
nein
nein
nein
nein
nein
Beobachtungsschwerpunkt der
Wildkatze
nein
nein
nein
nein
nein
nein
nein
nein
bedeutsamer Wildtierkorridor
nein
nein
nein
nein
nein
nein
nein
nein
naturschutzrechtliche Ausgleichsfläche (ÖkokontoFläche)
nein
nein
nein
nein
nein
nein
nein
nein
Eigentumsfläche der Naturschutzverwaltung
nein
nein
nein
nein
nein
nein
nein
nein
ja
ja
ja
ja
ja
ja
ja
ja
nein
nein
nein
nein
nein
nein
nein
nein
ja
teilweise
teilweise
teilweise
nein
nein
nein
nein
Bereich mit hoher landschaftlicher Vielfalt
nein
nein
nein
nein
nein
nein
nein
nein
Bereich mit hoher Ausprägung
der Eigenart / Schönheit der
Landschaft
nein
nein
nein
teilweise
nein
nein
nein
Arten- und Biotopschutz
Schutzabstand zu Rotmilanoder Uhu-Horst betroffen
Landschaftsbild und Erholung
landesweit bedeutsamer Erholungs- und Erlebnisraum
Bereich mit besonderer Fernsicht in die Vulkaneifel
Aussichtsbereich /Sichtachse
landschaftsbildprägender Kulturdenkmäler betroffen
1
nein
32
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Abstandsbereich zu regional
bedeutsamen Tourismuszentrum
nein
nein
nein
nein
nein
nein
nein
nein
Richtfunkstrecke
nein
nein
nein
nein
nein
nein
nein
nein
Wasserschutzgebiet, Zone III
nein
nein
nein
nein
nein
nein
ja
nein
Vorranggebiet für Rohstoffabbau übertage
nein
Ja
nein
nein
nein
nein
nein
nein
ungeeignet
bedingtgeeignet
bedingtgeeignet
geeignet
geeignet
geeignet
bedingtgeeignet
bedingtgeeignet
Sonstiges
Eignung nach Betrachtung
aller
Kriterien
1
2
2
nur eine kleine Fläche im äußersten Norden der Eignungsfläche ist betroffen
Aufhebung beantragt
33
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
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Gesamtbewertung und ergänzende Hinweise:
Die Flächen sind grundsätzlich wegen ihrer guten Windhöffigkeit geeignet. Für die einzelnen
Teilbereiche bestehen jedoch unterschiedliche Restriktionen.
Für die Fläche 1a ergeben sich ergänzend zu den oben in der Tabelle aufgeführten Vorbehalten
Einschränkungen aus der topografischen Situation (Talmulde), der Nähe zur Kreisstraße K64 und
dem notwendigen Abstand zu einer bestehenden Windenergieanlage. Hier muss über eine detaillierte Einzelfallprüfung geklärt werden, ob überhaupt eine Anlage errichtet werden kann.
Die Fläche 1b erstreckt sich über das Vorranggebiet für Rohstoffabbau Goldberg. Die Aufhebung
des Vorranggebietes ist beantragt. Bei Rücknahme der Vorrangausweisung kann Fläche 1b als
geeignet eingestuft werden. Beide Flächen liegen innerhalb eines regional bedeutsamen Landschaftsbildraumes mit hoher Leitbildnähe. Aufgrund der bestehenden Vorbelastung durch eine
Vielzahl an bereits bestehenden Windenergieanlagen und der zu erwartenden geringen Anzahl
neuer Anlagen (teilweise auch Repowering und damit verbundener Ersatz mehrerer kleiner Anlagen durch eine neue) ist nur mit geringen zusätzlichen Auswirkungen auf das Landschaftsbild zu
rechnen. Im nördlichen Bereich der Fläche 1b befindet sich die Altablagerungsstelle „233 05 232 0203 Ablagerungsstelle Ormont, Lavagrube Goldberg (Abgelagerte Abfälle: Bauschutt und Erdaushub, Siedlungsabfälle; geschätzte Flächengröße (bei der Erfassung): ca. 2.770 m²“. Weiterhin
befinden sich auf der Fläche 1b Schachtanlagen und Stollen. Bei Standorten in einem Radius von
40 m um die Fundstellen (GK-Koordinaten 2532570 5577810) ist eine archäologische Begleitung
mit Dokumentation erforderlich, dies ist auf der nachgelagerten Genehmigungsebene zu berücksichtigen.
Die weiteren Flächen (1c – 1h) der Konzentrationszone A sind ebenfalls grundsätzlich für die
Windenergienutzung geeignet. Allerdings erschweren die weitgehende Bewaldung und zum Teil
auch die Topografie das Aufstellen von Windkraftanlagen. Das Gebiet ist derzeit weitgehend
unzerschnitten und weist abgesehen von der querenden Hochspannungsleitung keine Vorbelastungen auf, so dass durch WEA das örtlich Landschaftsbild technisch überprägt wird.
Die Fläche 1g befindet sich in einem Wasserschutzgebiet der Zone III, dabei ist die Wasserschutzgebietsverordnung zu beachten. Darüber hinaus befinden sich die Teilflächen 1c, 1d und 1e in
einem Vorranggebiet für Grundwasserschutz nach dem Entwurf des neuen ROP.
Die Fläche 1d wird im östlichen Bereich von einer Hochspannungsleitung gequert, hier sind
Sicherheitsabstände einzuhalten. Für Freileitungen ohne Schwingungsschutzmaßnahmen beträgt
dieser mindestens das Dreifache des Rotordurchmessers und für Freileitungen mit Schwingungsschutzmaßnahmen mindestens der einfache Rotordurchmesser. Der Teilbereich ist bereits durch
die randlich verlaufende Bundesstraße B51 vorbelastet.
Zu den klassifizierten Straßen B 51 und K 64 sind entsprechende Schutzabstände (i.d.R.
Kipphöhe) einzuhalten. Für die B 51 ist zudem ein ausreichend großer Abstand für einen evtl.
zukünftigen 4-spurigen Ausbau zu berücksichtigen. Zusätzlich ist im weiteren Verfahren die Funktionsfähigkeit der geplanten Grünbrücke über die B 51 nördlich der L 24 (vgl. Abb. 2) zu berück34
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Teil 1 Windenergienutzung - Städtebauliche Begründung
sichtigen und bei der genauen Standortprüfung sind ggf. weitere Untersuchungen erforderlich,
um negative Auswirkungen auszuschließen.
Einige Teilflächen befinden sich vollständig oder teilweise in den empfohlenen Schutzabständen
zu Rotmilan- und Uhu-Horsten. Hier ist im Rahmen einer Funktionsraumanalyse zu klären, ob
eine erhebliche Gefährdung dieser Arten entstehen kann (siehe auch Umweltbericht).
Die Teilflächen 1c, 1e und 1h sind räumlich getrennt vom Rest der Konzentrationszone. Wegen
des geringen Abstandes von unter 350 m (1c und 1e) und ca. 600 m bei 1h sind sie jedoch im
Zusammenhang zu betrachten.
Südöstlich der Eignungsfläche Forst Arenberg befindet sich bei Schönfeld ein Aussichtspunkt, von
dem aus die Eignungsfläche einsehbar ist.
Bei der Beteiligung im Rahmen der landesplanerischen Stellungnahme sind von Seiten der Gemeinde Dahlem in Nordrhein-Westfalen Bedenken hinsichtlich der Wirkung von WEA auf die
Erholungsnutzung im Bereich des Kronenburger Stausees geäußert worden.
Die Verbandsgemeinde hat Fotomontagen anfertigen lassen, um die Wirkung möglicher WEA zu
veranschaulichen (siehe auch Anhang).
35
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung - Städtebauliche Begründung
Die Aufnahme von der Kronenburg zeigt, dass WEA auf den geplanten Sondergebieten von der
Kronenburg aus sichtbar sein werden. Je nach Witterungsbedingungen und Sichtverhältnissen
werden entweder der gesamte Rotor oder Rotorteile bei einer angenommenen Anlagenhöhe von
180 – 200 sichtbar sein. Vom Stausee aus bzw. vom Talboden aus werden die Anlagen nicht
sichtbar sein. Die Entfernung zu den nächstgelegenen Anlagen beträgt ca. 3.000 m.
Vom Feriendorf aus sind je nach Standpunkt des Betrachters einzelne Anlagen mit Teilen des
Rotors sichtbar (siehe auch Fotomontagen im Anhang).
Der nördliche Bereich der Fläche 1c überschneidet sich mit einer potenziellen Eignungsfläche für
Fotovoltaik (vgl. Standortkonzeption Solarenergie VG Obere Kyll, Karte 3 - Fläche 5). Ob eine
Doppelnutzung des Standortes möglich ist, muss durch eine Einzelfallprüfung geklärt werden.
Einerseits könnte dadurch die Fläche effektiver genutzt werden, andererseits bestünde jedoch die Gefahr von Eisschlag oder Verschattung durch die WEA.
In der nebenstehenden Abbildung
ist am Beispiel eines Wind- und Solarparks in der OG Rommersheim
eine mögliche Kombination dargestellt.
36
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung - Städtebauliche Begründung
Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Eignungsfläche 1 in weiten Bereichen gut für die
Windenergienutzung geeignet ist (v.a. Teilfläche 1d), in kleineren Teilbereichen aber wegen
möglicher Einschränkungen nur eine bedingte Eignung vorliegt.
5.1.2 Eignungsfläche 2: Weidenhöchst
Abb. 3: Lageplan Eignungsfläche 2
Topografie/Gelände:
Die Eignungsfläche 2 liegt auf den nach Südosten von 620 m ü. NN auf 590 m ü. NN gleichmäßig
abfallenden Flächen des Weidenhöchst. Lediglich im Osten wird die Fläche durch eine Tiefenlinie
eingeschnitten. Die Fläche wird vorwiegend landwirtschaftlich genutzt, teilweise ist sie bewaldet.
Flächengröße:
Fläche 2
22 ha
Windhöffigkeit:
Fläche 2
6,4 – 6,6 m/s
37
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Teil 1 Windenergienutzung - Städtebauliche Begründung
Eignungsanalyse Überlagerung mit mäßigen Vorbehaltsbereichen:
Vorbehalt
Fläche 2
Arten- und Biotopschutz
Schutzabstand zu Rotmilan- oder Uhu-Horst betroffen
teilweise
Vorkommen windkraftsensibler Fledermausarten (Daten LUWG)
nein
Beobachtungsschwerpunkt Wildkatze
nein
bedeutsamer Wildtierkorridor
nein
naturschutzrechtliche Ausgleichsfläche (Ökokonto-Fläche)
nein
Eigentumsfläche der Naturschutzverwaltung
nein
Landschaftsbild und Erholung
landesweit bedeutsamer Erholungs- und Erlebnisraum
Raum mit besonderer Fernsicht in die Vulkaneifel
Aussichtsbereich /Sichtachse landschaftsbildprägender Kulturdenkmäler betroffen
Bereich mit hoher landschaftlicher Vielfalt
Bereich mit hoher Ausprägung der Eigenart / Schönheit der Landschaft
Abstandsbereich zu regional bedeutsamen Tourismuszentrum
nein
nein
nein
1
ja
teilweise
1
nein
Sonstiges
Richtfunkstrecke
ja
Wasserschutzgebiet, Zone III
nein
Vorranggebiet für Rohstoffabbau übertage
nein
Eignung nach Betrachtung aller Kriterien
geeignet
1
Durch bestehende Windenergieanlagen ist das Landschaftsbild großflächig bereits vorbelastet, so dass dieses Kriterium nur noch
einen untergeordneten Stellenwert einnimmt.
Gesamtbewertung und ergänzende Hinweise:
Fläche 2 grenzt direkt an ein bestehendes Vorranggebiet an. Auf der Fläche selbst und im Umfeld
befinden sich bereits mehrere WEA. Topographie und Windhöffigkeit bieten gute Voraussetzungen für eine Windenergienutzung, aber durch die erforderlichen Abstände zu den bestehenden
Anlagen ergeben sich nur noch wenige Möglichkeiten, weitere WEA zu errichten.
Die Lage in einem Bereich mit „hoher Ausprägung der landschaftlichen Vielfalt – kleinräumiger
Wechsel von Erlebnisräumen“ nach dem Landschaftsplan ist aufgrund der hohen Vorbelastungen
durch die bereits bestehenden WEA (auch innerhalb der Fläche 2) nur bedingt zu berücksichtigen. Kleine Teilbereiche der Fläche mit „einer hohen Ausprägung der Eigenart / Schönheit der
Landschaft“ können bei der Detailplanung ausgespart werden.
Auf der Eignungsfläche befinden sich archäologische Fundstellen (Wüstungen aus dem Mittelalter). Bei Standorten in einem Radius von 80 m um die Fundstelle (GK-Koordinaten 2532570
5577810) ist eine archäologische Untersuchung im Zuge des Oberbodenabtrages erforderlich.
Am nordwestlichen Randbereich der Fläche befindet sich ein Aussichtspunkt, allerdings mit Blickrichtung nach Norden, sodass von der potenziellen Eignungsfläche keine Sichtbeeinträchtigungen
ausgehen.
38
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Der Westen der Eignungsfläche wird von einer Richtfunktrasse gequert. Hierzu ist bei der Errichtung von WEA ein Mindestabstand von beidseitig 20 m einzuhalten.
Der nordwestliche Rand der Eignungsfläche wird von der äußeren Schutzzone der „Gefahrenabwehrverordnung zur Verhütung von Unfällen durch Fundmunition im Bereich der ehemaligen
Munitionsfabrik ESPAGIT bei Hallschlag vom 27.06.2002“ berührt. Hier sind Eingriffe in den Boden nur nach Abstimmung mit dem staatlichen Kampfmittelräumdienst bei der Aufsichts- und
Dienstleistungsdirektion zulässsig.
Unter Berücksichtigung aller oben genannten Einschränkungen ist Eignungsfläche 2 zusammenfassend nur bedingt für die Windenergienutzung geeignet.
39
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5.1.3 Eignungsfläche 3: Steinert
Abb. 4: Lageplan Eignungsfläche 3
Topografie/Gelände:
Die Eignungsfläche 3 erstreckt sich auf einem größtenteils bewaldeten Rücken von „Auf dem
Bildstein“ im Süden bis über den „Steinert“ hinaus östlich von Hallschlag entlang der Grenze zu
Nordrhein-Westfalen. Die Fläche steigt zunächst von Süden nach Norden von 610 m ü. NN auf
645 m ü. NN (Steinert) an und fällt dann im nördlichen Bereich auf 560 m ü. NN in Richtung Kronenburger See ab. Ein kleiner Bereich in der Mitte der Fläche wird landwirtschaftlich genutzt.
Flächengröße:
Fläche 3a
Fläche 3b
Gesamt:
16 ha
2 ha
18 ha
Windhöffigkeit:
Fläche 3a
Fläche 3b
6,4 – 7,0 m/s
6,7 – 6,9 m/s
40
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Eignungsanalyse Überlagerung mit mäßigen Vorbehaltsbereichen:
Vorbehalt
Fläche 3a
Fläche 3b
teilweise
ja
Vorkommen windkraftsensibler Fledermausarten (Daten
LUWG)
nein
nein
Beobachtungsschwerpunkt Wildkatze
nein
nein
bedeutsamer Wildtierkorridor
nein
nein
naturschutzrechtliche Ausgleichsfläche (Ökokonto-Fläche)
nein
nein
Eigentumsfläche der Naturschutzverwaltung
nein
nein
nein
nein
nein
nein
ja
ja
teilweise
nein
teilweise
nein
ja
ja
Richtfunkstrecke
nein
nein
Wasserschutzgebiet, Zone III
nein
nein
Vorranggebiet für Rohstoffabbau übertage
nein
nein
ungeeignet
ungeeignet
Arten- und Biotopschutz
Schutzabstand zu Rotmilan- oder Uhu-Horst betroffen
Landschaftsbild und Erholung
landesweit bedeutsamer Erholungs- und Erlebnisraum
Raum mit besonderer Fernsicht in die Vulkaneifel
Aussichtsbereich /Sichtachse landschaftsbildprägender Kulturdenkmäler betroffen
Bereich mit hoher landschaftlicher Vielfalt
Bereich mit hoher Ausprägung der Eigenart / Schönheit der
Landschaft
Abstandsbereich zu regional bedeutsamen Tourismuszentrum
Sonstiges
Eignung nach Betrachtung aller Kriterien
Gesamtbewertung und besondere Hinweise:
Fläche 3 ist aufgrund ihrer guten Windhöffigkeit grundsätzlich für die Errichtung von Windkraftanlagen geeignet und auch die Topographie – mit Ausnahme des nördlichsten Bereichs – lässt
eine Nutzung zu. Allerdings besitzt der Standort eine außergewöhnliche Bedeutung hinsichtlich
Landschaftsbild und Tourismus für die Nachbargemeinde Dahlem/Kronenburg in NordrheinWestfalen. Die Fläche befindet sich nämlich nur in geringer Entfernung (ca. 400 m) zum Kronenburger Stausee und den dortigen touristischen Schwerpunkteinrichtungen (Feriendorf, Campingplatz). Es besteht ein direkter Sichtkontakt von Stausee, Feriendorf und Burg, so dass mit der
Errichtung von WEA erhebliche Beeinträchtigungen für die touristische Nutzung entstehen würden.
Da die Fläche außerdem nur 18 ha groß ist und zudem eine schmale und langgestreckte Form
aufweist sowie die Entfernung zum nächstgelegenen Eignungsbereich am Goldberg mindestens
700 m beträgt, entfaltet sie auch nicht die erwünschte Konzentrationswirkung. Ein enger räumli-
41
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cher Bezug zu der nächstgelegenen Eignungs- bzw. Vorrangfläche für Windenergie ist ebenfalls
nicht gegeben, so dass die Fläche letztendlich als ungeeignet eingestuft wird.
5.2 Ergebnis der Eignungsanalyse
Abb. 5: Übersichtskarte Ergebnisse der Eignungsanalyse (verkleinert – Originalgröße siehe Karte 3 im Anhang)
Ableitung von Konzentrationszonen / Sondergebiete für Windenergie im FNP
Konzentrationszonen fassen diejenigen potenziellen Eignungsflächen zusammen, die im nahen
räumlichen Bezug zueinander stehen.
Lfd. Nr.
A
B
Lage der Konzentrationszone
Forst Arenberg
Weidenhöchst
enthaltene Eignungsflächen
(teilweise oder ganz)
1b, 1c, 1d, 1e ,1f, 1g, 1h
2
Summe
Flächengröße [ha]
392
22
414 ha
Tab. 2: Flächenbilanz der Konzentrationszonen zur Darstellung als Sondergebiete für Windenergie im Flächennutzungsplan
42
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Auf dem Gebiet der Verbandsgemeinde Obere Kyll ergeben die möglichen Konzentrationszonen
zur Ausweisung als Sondergebiete für Windenergienutzung im Flächennutzungsplan insgesamt
eine Größe von 414 ha. Das entspricht etwa 3 % der VG-Fläche.
Diese Konzentrationszonen sollen als neue Sondergebiete für Windenergienutzung im Flächennutzungsplan dargestellt werden. Darüber hinaus werden die bereits bestehenden Vorranggebiete für Windenergie aus dem regionalen Raumordnungsplan als Sondergebiete für Windenergienutzung in den Flächennutzungsplan übernommen. Sie weisen eine Fläche von 165 ha auf.
Insgesamt ergeben sich damit 580 ha Sondergebietsflächen, die vorbehaltlich der Ergebnisse der
Umweltprüfung (siehe Umweltbericht) im Flächennutzungsplan ausgewiesen werden sollen. Das
entspricht 4,2 % der Fläche der Verbandsgemeinde.
Abb. 6: Sondergebiete für Windenergienutzung zur Darstellung im Flächennutzungsplan
43
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6 Verkehrserschließung
Für die Sondergebiete Windenergie sind ggf. Erschließungswege aus- bzw. neuzubauen. An der
Fläche „Weidenhöchst“ kann auf vorhandene Wegeinfrastruktur zurück gegriffen werden, um
zusätzliche Eingriffe in Natur und Landschaft zu vermeiden. Im Sondergebiet Forst Arenberg ist
mit dem Neubau und insbesondere mit dem Ausbau vorhandener Erschließungswege zu rechnen.
7 Ver- und Entsorgung
Der für einen Netzanschluss der Windenergieanlagen erforderliche Kabeltrassenverlauf wird erst
bei der konkreten Festlegung der Anlagenstandorte ermittelt. Der erforderliche
Netzeinspeisepunkt wird vom zuständigen Netzbetreiber bei genauer Kenntnis der Anlagenleistung und des Anlagenstandorts zugewiesen.
Zur Sicherung des Rückbaus von Windenergieanlagen nach Ende der Betriebsdauer sollten entsprechende Bürgschaften hinterlegt werden.
8 Auswirkungen auf Nutzungen
8.1 Städtebau
Lärmemissionen und Schattenwurf werden im Rahmen des immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahrens für Einzelanlagen bzw. Windparks über Sondergutachten berücksichtigt.
Bei der Neuausweisung von Wohngebieten in der Nähe von geplanten Windenergieanlagen sind
die Ergebnisse dieser Sondergutachten zu berücksichtigen.
8.2 Landwirtschaft
Landwirtschaftliche Belange sind unmittelbar in den Sondergebieten A und B betroffen. Der Umfang der Auswirkungen und die genaue Lage des Eingriffsortes werden im Einzelgenehmigungsverfahren geklärt. Aufgrund der geringen Flächeninanspruchnahme durch eine WEA ist sehr
wahrscheinlich nicht mit erheblichen Beeinträchtigungen landwirtschaftlicher Belange zu rechnen.
Eine mittelbare Betroffenheit landwirtschaftlicher Belange kann durch erforderliche naturschutzrechtliche und forstrechtliche Ausgleichsmaßnahmen auf landwirtschaftlichen Nutzflächen entstehen. Deshalb sollten im nachgelagerten Genehmigungsverfahren Ausgleichsmaßnahmen vorwiegend als Ersatzgeldzahlungen geleistet werden und landwirtschaftliche Flächen so wenig wie
möglich beansprucht werden.
44
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8.3 Forstwirtschaft
Der weitaus überwiegende Teil der Sondergebiete für die Windenergienutzung befindet sich im
Wald. Die Standorte für WEA werden durch intensive Abstimmung mit den zuständigen Forstämtern möglichst auf Waldflächen konzentriert werden, die entweder bereits vorgeschädigt sind
(Windwurf, Käferkalamität), nach Windwurf nur weniger wertvolle Jungholzbestände aufweisen
oder sich in hiebreifen Nadelholzbeständen befinden. Ebenso wird darauf geachtet, dass die verkehrsmäßige Erschließung der Standorte über vorhandene Forstwege gesichert ist und durch die
erforderlichen Rodungsarbeiten möglichst keine Angriffsflächen für Windwurf entstehen.
Das Arenbergische Forstamt Eifel vertritt die Auffassung, dass durch die geplanten Sondergebiete
wesentliche Funktionen des Waldes nicht erheblich beeinträchtigt werden. Auch das zuständige
Staatsforstamt sieht die betroffenen Waldflächen als geeignet für die Windenergienutzung an.
8.4 Wasserwirtschaft
Die abgegrenzten Sondergebiete überlagern sich abgesehen von einer kleinen Teilfläche nicht
mit Wasserschutzgebieten. Als Ergebnis der Umweltprüfung (siehe Umweltbericht) wird diese
kleine Teilfläche nicht als Sondergebiet ausgewiesen, so dass eine mögliche Gefährdung der
Wasserversorgung ausgeschlossen ist.
8.5 Bergbau und Rohstoffgewinnung
Ein großer Flächenanteil des Sondergebietes A ist von mehreren bereits erloschenen auf Eisen
verliehenen Bergwerksfeldern überdeckt. Ein Konflikt mit der Windenergienutzung ergibt sich
hieraus nicht. Weiterhin überschneiden sich Teile des Sondergebietes mit Flächen von LavasandGewinnungsbetrieben, die unter Bergaufsicht stehen. Betroffen ist eine Fläche im Umfang von
6,8 ha im Bereich der Lavagrube Goldberg. Die ursprünglich deutlich größere Überschneidungsfläche wurde als Ergebnis der Umweltprüfung (siehe Umweltbericht) aus Gründen des Vogelschutzes reduziert. Die verbleibende Eignungsfläche ist größtenteils ausgebeutet und der Betreiber der Grube selbst möchte dort die Windenergie nutzen. Ein Konflikt mit dem Rohstoffabbau
besteht demnach nicht.
8.6 Erholung und Tourismus
Die Schwerpunkte der touristischen Nutzung in der Verbandsgemeinde werden durch die Sondergebiete nicht tangiert. Durch die festgelegten Schutzabstände und die Freihaltung des Ostteils
der Verbandsgemeinde wurde den Interessen der Erholung Rechnung getragen. Die touristischen
Belange in der angrenzenden Gemeinde Dahlem mit dem Erholungsschwerpunkt Kronenburger
See wurden durch Verzicht auf Ausweisung eines Sondergebietes im Bereich „Steinert“ und
durch einen Schutzabstand von mehr als 2 km berücksichtigt.
8.7 Straßennetz
Die erforderlichen Schutzabstände zu klassifizierten Straßen werden im Rahmen der nachgelagerten Einzelgenehmigungsverfahren mit dem Landesbetrieb Mobilität abgestimmt und festge45
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legt. In der Regel ist ein Abstand einzuhalten, der der Kipphöhe der Windenergieanlage entspricht. Die geplante Straßenverbreiterung an der B51 sowie der geplante Bau einer Wildbücke
sind dabei zu berücksichtigen.
8.8 Luftverkehr
Durch die Sondergebiete Windenergie sind Belange des Luftverkehrs und der Flugsicherung nicht
betroffen. Die erforderliche Kennzeichnungspflicht für Anlagen mit einer Gesamthöhe über 100
m ist im nachgelagerten Einzelgenehmigungsverfahren zu klären.
8.9 Versorgungsleitungen und Funkverkehr
Schutzabstände zu ober- und unterirdischen Versorgungsleitungen werden im nachgelagerten
Einzelgenehmigungsverfahren festgelegt.
Im Regelfall ist zu Hoch- und Höchstspannungsleitungen ein Mindestabstand vom Dreifachen des
Rotordurchmessers einzuhalten (gemessen vom Vertikallot des äußeren Leiterseils bis zum Vertikallot der Rotorblattspitze). Werden schwingungsdämpfende Maßnahmen ergriffen, so kann der
Abstand auf das Einfache des Rotordurchmessers reduziert werden.
Zu einer 20-kV-Freileitung ist mindestens ein Schutzabstand einzuhalten, der dem 1-fachen Rotordurchmesser entspricht. Bei unterirdisch verlaufenden 0,4- und 20-kV-Kabeln ist beidseits im
Abstand von 0,5 m eine Bebauung unzulässig.
Zu Richtfunkstrecken sind im Regelfall beidseits der Trassenachse in einem Korridor von 20 m
keine Windenergieanlagen und keine in den Korridor ragenden Teile davon zulässig.
9 Vereinbarkeit mit den Zielen und Grundsätzen des in Aufstellung befindlichen
regionalen Raumordnungsplans
Der derzeit im Anhörungsverfahren befindliche neue regionale Raumordnungsplan der Region
Trier gibt raumordnerische Ziele und Grundsätze vor, die bei der Teilfortschreibung des Flächennutzungsplanes zu berücksichtigen sind.
Sondergebiet A:

Vorranggebiet Grundwasser (Z 111 im ROPneu): die für die dauerhafte Sicherung der
Trinkwasserversorgung unverzichtbaren regionalbedeutsamen Grundwasservorkommen
werden nicht beeinträchtigt, weil in dem großflächigen Vorranggebiet nur punktuell zum
Bau der Fundamente und der Leitungen und zum Ausbau einzelner Wegeabschnitte in
den Untergrund eingegriffen wird. Auf der Einzelgenehmigungsebene wird der Umgang
mit wassergefährdenden Stoffen geregelt. Wasserschutzgebiete sind mit Ausnahme einer
1 ha großen Teilfläche des WSG Ormont, Zone III im Südwesten des Sondergebietes nicht
betroffen. Im Zuge der Umweltprüfung (siehe Umweltbericht) wird empfohlen, auf diese
46
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung - Städtebauliche Begründung
Fläche als Sondergebiet zu verzichten, so dass insgesamt die Vereinbarkeit mit dem Ziel
der Sicherung der Trinkwasserversorgung gegeben ist.

Vorranggebiet Rohstoffabbau (Z 157 im ROPneu): hier sind künftige Raumansprüche, die
eine Rohstoffgewinnung auf Dauer ausschließen unzulässig. Betroffen ist eine Fläche im
Umfang von 6,8 ha im Bereich der Lavagrube Goldberg. Die ursprünglich deutlich größere
Überschneidungsfläche wurde als Ergebnis der Umweltprüfung (siehe Umweltbericht) aus
Gründen des Vogelschutzes reduziert. Die verbleibende Eignungsfläche ist größtenteils
ausgebeutet und der Betreiber der Grube selbst möchte dort die Windenergie nutzen. Ein
Konflikt mit dem Rohstoffabbau besteht demnach nicht.

Vorranggebiet Forstwirtschaft (Z 153 im ROPneu): hier ist der Wald gemäß seiner jeweiligen Funktion zu sichern und zu entwickeln, Beeinträchtigungen der jeweiligen Funktion
sind unzulässig. Bei den hier durch das Sondergebiet betroffenen Flächen handelt es sich
um Straßenschutzwald und um Erholungswald entlang von Waldwegen. Der Straßenschutzwald bleibt wegen der einzuhaltenden Abstände zu klassifizierten Straßen (üblicherweise Kipphöhe) bei der Realisierung von WEA im Sondergebiet weitestgehend erhalten, so dass seine Funktion auch nicht beeinträchtigt wird. Der Erholungswald als beidseitiger Abstandspuffer entlang von Wanderwegen wird ggf. durch Rodungen für Wegeverbreiterung oder Kranstellflächen örtlich beeinträchtigt. Ein weitgehender Verlust der Erholungsfunktion ist aber nicht zu erwarten, so dass die Vereinbarkeit mit dem Ziel der Erhaltung der raumbedeutsamen Nutzung oder Funktion erhalten bleibt.

Vorbehaltsgebiet Erholung und Tourismus (G 162 im ROPneu): Das Sondergebiet ist nahezu vollständig als Vorbehaltsgebiet Erholung und Tourismus festgelegt. Danach soll darauf
geachtet werden, dass die landschaftliche Eignung dieser Gebiete für die landschaftsbezogene Erholung und den Tourismus erhalten bleibt. Der Bau und der Betrieb von WEA
stehen im Konflikt mit naturnaher Erholung, die eine weitgehend unbelastete und von
technischen Bauwerken freie Landschaft voraussetzen. Da einerseits in der VG Obere Kyll
weite Bereiche des VG-Gebietes zu diesem Zwecke bewusst und planmäßig von Windenergieanlagen freigehalten werden (siehe Abschnitt 3.2.4 – Freihaltezone östlich der
B51) und andererseits der verträgliche Ausbau der erneuerbaren Energien als regionalplanerischer Grundsatz (G 220 im ROPneu) formuliert ist, ist nach Auffassung der Verbandsgemeinde unter Abwägung beider Belange mit dem vorliegenden Sondergebiet ein
verträglicher Kompromiss gefunden und damit die Vereinbarkeit mit den regionalplanerischen Grundsätzen hergestellt.

Naturpark Nordeifel (G 163 im ROPneu): Die Naturparke sollen in ihrer Bedeutung für die
freiraumbezogene Erholung gesichert und entwickelt werden. Die Ziele und Schutzzwecke
der jeweiligen Schutzgebietsverordnung sind zu beachten.
Nach § 3 der Schutzgebietsverordnung vom 6. Nov. 1970 „ist es verboten, die Natur zu
schädigen, das Landschaftsbild zu verunstalten oder den Naturgenuss zu beeinträchti-
47
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung - Städtebauliche Begründung
gen.“ Nach § 4 ist für die Errichtung baulicher Anlagen eine Genehmigung durch die Untere Naturschutzbehörde erforderlich.
Nach § 5 sind Maßnahmen, die in den Zielen der Landesplanung festgelegt sind, von den
Verboten der §§ 3 und 4 ausgenommen. Nach § 7 kann eine Befreiung von den Vorschriften der Schutzgebietsverordnung gewährt werden, wenn die Abweichung mit den öffentlichen Belangen vereinbar ist oder Gründe des allgemeinen Wohls die Befreiung erfordern.
Mit der Fortschreibung des Landesentwicklungsprogramms wurde als landesplanerisches
Ziel u.a. der Ausbau der Windenergie formuliert. In Z 163 d werden diejenigen Gebiete
aufgeführt, die für die Windenergienutzung nicht in Frage kommen. Landschaftsschutzgebiete kommen nach Z 163 e grundsätzlich im Rahmen der Steuerung durch die
gemeindliche Bauleitplanung für die Windenergienutzung in Frage. Eine Befreiung von
den Vorschriften der Schutzgebietsverordnung ist demnach auf Grund der landesplanerischen Zielvorgaben nicht erforderlich; eine Genehmigung für die Errichtung von Windenergieanlagen hingegen ist durch die Untere Naturschutzbehörde in der Regel zu erteilen. Daraus kann gefolgert werden, dass das Sondergebiet für Windenergie im Naturpark
Nordeifel formal mit den Grundsätzen der Regionalplanung vereinbar ist.

Vorbehaltsgebiet Forstwirtschaft (G 154 im ROPneu): hier ist im Falle konkurrierender
raumbedeutsamer Nutzungen der Sicherung und Entwicklung des Waldes mit allen seinen
Funktionen besonderes Gewicht beizumessen. Waldflächen können nur dann anderweitig
beansprucht werden, wenn sich die konkurrierende Nutzung im Rahmen der Abwägung
als höherwertig erweist oder außerhalb der Vorbehaltsgebiete nicht umsetzbar sind. Die
Standortkonzeption Windenergie als Grundlage dieser Begründung hat gezeigt, dass keine gleichwertigen Alternativen zur Verfügung stehen und deshalb das Sondergebiet mit
den Grundsätzen der Regionalplanung vereinbar ist.

Vorbehaltsgebiet Landwirtschaft (G 149 im ROPneu): das Sondergebiet ist randlich kleinflächig (4,8 ha) im Bereich des Goldberges mit einem Vorbehaltsgebiet für Landwirtschaft
überlagert. Bei der Abwägung ist den Belangen der Landwirtschaft besonderes Gewicht
beizumessen und planungsbedingte Nachteile für die Landwirtschaft sind zu vermeiden.
Durch den erforderlichen Schutzabstand zu den bestehenden WEA am Goldberg und dem
geringen Flächenbedarf für WEA dürfte die Vorbehaltsfläche Landwirtschaft nur geringfügig beeinträchtigt werden, so dass deren Funktion im Wesentlichen erhalten bleibt.
Sondergebiet B:

Vorranggebiet Landwirtschaft (Z 148 im ROPneu): hier kommt eine Inanspruchnahme für
andere Nutzzwecke nur in Frage, wenn die landwirtschaftliche Nutzung nicht beeinträchtigt wird. Dies ist wegen der Kleinflächigkeit der Windenergienutzung und der damit verbundenen geringen Auswirkungen gegeben.
48
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung - Städtebauliche Begründung

Vorranggebiet Forstwirtschaft (Z 153 im ROPneu): wegen des erforderlichen Schutzabstandes zu einer bestehenden WEA kann dieses sehr kleine Vorranggebiet nicht in Anspruch genommen werden. Die Schutz- und Nutzungsfunktionen bleiben erhalten.

Vorbehaltsgebiet Forstwirtschaft (G 154 im ROPneu): siehe Ausführungen zu Sondergebiet A

Vorbehaltsgebiet regionaler Biotopverbund (G 104 im ROPneu): dem Aufbau eines regionalen Biotopverbundsystems ist ein besonderes Gewicht beizumessen. Durch WEA kann
im Zuge von Ausgleichsmaßnahmen eine Verbesserung des Biotopverbundsystems erreicht werden, insofern ist eine Vereinbarkeit mit der Regionalplanung gegeben.

Naturpark Nordeifel (G 163 im ROPneu): siehe Ausführungen zu Sondergebiet A
Derzeit sind noch die Ziele und Grundsätze des Regionalen Raumordnungsplans - Teilfortschreibung Windenergie 2004 verbindlich. Darin sind Vorranggebiete und Ausschlussgebiete für Windenergie festgelegt. Die Vorranggebiete sind als Sondergebiete für Windenergienutzung in den
neuen Flächennutzungsplan zu übernehmen. Die neuen Sondergebiete für Windenergienutzung
aus dem Flächennutzungsplanverfahren befinden sich in Ausschlussgebieten des Regionalplans
2004. Bis zur Verbindlichkeit des neuen Regionalplans ist deshalb ein gesondertes Zielabweichungsverfahren erforderlich, wenn der neue Flächennutzungsplan vor dem Inkrafttreten des
neuen Regionalplans Rechtskraft erlangen soll.
10 Darstellung bzw. Ausweisung im Flächennutzungsplan unter Berücksichtigung
der Ergebnisse der Umweltprüfung
Die nachfolgend dargestellten Flächen A und B aus dem Ergebnis der Standortkonzeption (Restriktions- und Eignungsanalyse), der Abwägung und der Umweltprüfung sollen als Sondergebiete
für die Windenergienutzung gemäß § 5 Abs. 2 Ziff. 1 BauGB und gemäß § 1 Abs. 2 Ziff. 10 Baunutzungsverordnung mit der Zweckbestimmung Konzentrationsfläche für die Windenergienutzung gemäß § 35 Abs. 1 Ziff. 5 BauGB i.V. m. § 35 Abs. 3 Satz 3 BauGB im FNP ausgewiesen und
verbindlich dargestellt werden.
Es soll gemäß § 35 Abs. 3 Satz 3 BauGB festgelegt werden, dass außerhalb der dargestellten Sondergebiete für die Windenergienutzung im Geltungsbereich des Flächennutzungsplans der Verbandsgemeinde Obere Kyll keine weiteren Windenergieanlagen gemäß § 35 Abs. 1 Ziff. 5 BauGB
zulässig sind.
Mit den beabsichtigten Regelungen wird die planungsrechtlich ausschließende Wirkung für die
sonstigen Flächen im Verbandsgemeindegebiet klargestellt. Windenergieanlagen sind damit ausschließlich im Bereich der dargestellten Sondergebiete bzw. Konzentrationsflächen zulässig.
Das gilt auch für Kleinwindanlagen im Außenbereich mit einer Leistung von mehr als 10 kW soweit es sich nicht um untergeordnete, unselbstständige Nebenanlagen eines privilegierten Betriebs (Eigennutzung von mindestens 50 % der erzeugten Energie) handelt.
49
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung - Städtebauliche Begründung
Außerhalb der dargestellten Sondergebiete für Windenergieanlagen stehen öffentliche Belange
einer Windenergienutzung gemäß § 35 Abs. 3 Satz 3 BauGB entgegen.
Auf den zur Ausweisung geplanten Flächen ist unterlagert eine land- und / oder forstwirtschaftliche Nutzung weiterhin möglich.
Abb. 7: Sondergebiete für Windenergienutzung zur Darstellung im Flächennutzungsplan unter Berücksichtigung der Ergebnisse
der Umweltprüfung (verkleinert – Originalgröße siehe Karte 4 im Anhang)
Flächenbilanz:
Unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Umweltprüfung werden im Flächennutzungsplan insgesamt 560 ha Sondergebiete für Windenergienutzung ausgewiesen. Das entspricht 4,1 % der
Fläche der Verbandsgemeinde.
Von diesen 560 ha sind 395 ha Neuausweisungen und 165 ha Übernahmen aus dem regionalen
Raumordnungsplan. Die Neuausweisungen alleine nehmen 2,9 % der VG-Fläche ein.
50
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung – Umweltbericht
Umweltbericht
11 Vorbemerkungen
Nach § 2a BauGB ist im Aufstellungsverfahren dem Entwurf des Bauleitplans ein Umweltbericht
mit den auf Grund der Umweltprüfung nach § 2 (4) BauGB ermittelten und bewerteten Belangen
des Umweltschutzes beizufügen. Die Umweltprüfung umfasst nach § 2 (1) UVPG die Ermittlung,
Beschreibung und Bewertung der unmittelbaren und mittelbaren Auswirkungen auf
-
Menschen, einschließl. der menschlichen Gesundheit,
Tiere, Pflanzen und die biologische Vielfalt,
Boden,
Wasser,
Luft/Klima,
Landschaft (und landschaftsbezogene Erholung),
Kultur- und sonstige Sachgüter.
Im Umweltbericht sollen die nachteiligen Folgen der Planung für die oben genannten Schutzgüter
zusammenfassend dargestellt werden. Er dient der Ermittlung und Bewertung möglicher erheblicher Umweltauswirkungen und deren Wechselwirkungen.
Eine Prüfung der Auswirkungen auf diese Schutzgüter erstreckt sich nur auf die Flächen, die Gegenstand der Änderung des FNP sind, also die neu auszuweisenden „Sonderbauflächen Windenergie“. Auf dem Gebiet der Verbandsgemeinde Obere Kyll ergeben sich aus der Standortkonzeption die zwei Konzentrationszonen A und B (siehe Abb. 5 im Text und Karte 4 im Anhang) für
Windenergie. Sie befinden sich auf den Gemarkungen Stadtkyll, Reuth, Kerschenbach, Ormont
und Hallschlag. Die übrigen Flächen auf dem Gebiet der Verbandsgemeinde sind nicht Gegenstand der Betrachtung.
12 Zielvorgaben des Umweltschutzes in Fachgesetzen und Fachplänen
Folgende umweltrelevante Fachgesetze sind in besonderem Maße für den Umweltbericht relevant:
BBodSchG - Bundes-Bodenschutzgesetz vom 17. März 1998 (BGBl. I S. 5029) in der zurzeit gültigen Fassung.
51
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Teil 1 Windenergienutzung – Umweltbericht
BNatSchG - Bundesnaturschutzgesetz vom 25. März 2002 (BGBl. I S. 1193), zuletzt geändert am
29. Juli 2009 (BGBl. I S. 2542), Inkrafttreten gem. Art. 27 dieses G am 1.3.2010 ) in der zurzeit
gültigen Fassung.
TA Lärm - 6. Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum BundesImmissionsschutzgesetz (Technische
Anleitung zum Schutz gegen Lärm - TA Lärm) vom 26. August 1998 (GMBl. S. 503) in der zurzeit
gültigen Fassung.
LNatSchG - Landesgesetz zur nachhaltigen Entwicklung von Natur und Landschaft vom 28. September 2005 in der derzeit gültigen Fassung.
UVPG - Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung v. 21.2.1990 i.d. Neufassung v. 25. Juni
2005 in der zurzeit gültigen Fassung.
UVP-Richtlinie - Richtlinie des Rates 85/337/EWG vom 27.06.1985 über die Umweltverträglichkeitsprüfung bei bestimmten öffentlichen und privaten Projekten in der zurzeit gültigen Fassung.
WHG - "Wasserhaushaltsgesetz vom 31. Juli 2009 (BGBl. I S. 2585), in der zurzeit gültigen Fassung.
Außerdem besteht ein Anpassungsgebot an das Landesentwicklungsprogramm Rheinland Pfalz
(LEP IV) als Zielvorgabe der übergeordneten Planung.
13 Methodik, Merkmale und technisches Verfahren der Umweltprüfung
Die Umweltprüfung nutzt ein verbal-argumentatives Verfahren, wie es in der naturschutzrechtlichen Beurteilung von Bauleitplänen und Eingriffen geübte Praxis ist. Die diesbezüglichen Methoden werden vergleichbar auf die nicht dem Naturschutzrecht unterliegenden UmweltSchutzgüter übertragen.
52
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung – Umweltbericht
14 Beschreibung und Bewertung der Umweltauswirkungen
14.1 Wirkungen der Planung
Folgende allgemeine Wirkungen von Windenergieanlagen können zu Beeinträchtigungen von
Natur und Landschaft sowie des Menschen führen:
a) Baubedingte Wirkungen
- Zeitlich und räumlich begrenzter Baumaschineneinsatz mit Lärm- und Schadstoffemissionen
- Bodenumschichtung für Kabelverlegung (Graben) zum nächstgelegenen
Anschluss
- Bodenverdichtung beim Aufstellen der Anlagen
- Temporäre Bodenversieglung für die Aufstellung der Anlagen und Zufahrten
- Mögliche Beanspruchung von wertvollen Biotopen und/oder Habitaten/Lebensräumen geschützter Arten
b) Anlagebedingte Wirkungen
- Wahrnehmbarkeit von Windenergieanlagen in der Landschaft
- Bodenverlust durch Fundamente
- Teilweiser Bodenverlust durch Befestigung von Kranstellplätzen
- Anlage bzw. Ausbau von Zuwegungen zu Anlagenstandorten
c) Betriebsbedingte Wirkungen
- Geräuschemissionen
- Schattenwurf
- Bewegungsunruhe der Rotoren
- Scheuchwirkung und Kollisionsrisiken für windkraftsensible Arten (Vögel/
Fledermäuse)
- Fahrzeugverkehr durch gelegentliche Wartungsarbeiten
53
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung – Umweltbericht
14.2 Zustandsbewertung und umweltrelevante Ziele, Maßnahmen zur Vermeidung, Verringerung und zum Ausgleich nachteiliger Wirkungen
14.2.1 Sondergebiet A – Forst Arenberg
Auswirkungen auf
Umweltgüter
++ sehr positiv
+ positiv
Bewertungskriterien
Erläuterung
Bestand
überwiegend Nadelforst, in Teilbereichen Mischforst und Laubwald, im
Offenland Rohstoffabbaufläche und Intensivgrünland, einzelne Ackerflächen
Umweltziele
LEP IV:
o neutral
- negativ
-- sehr negativ

Landesweit bedeutsamer Bereich für die Forstwirtschaft
o

Landesweit bedeutsamer Bereich für Erholung und Tourismus
-

Teilweise landesweit bedeutsamer Bereich für den Grundwasserschutz
-
Regionaler Raumordnungsplan 1984:

Vorranggebiet für Erholung
-

Teilweise Schwerpunktbereich der weiteren Fremdenverkehrsentwicklung
-

Teilweise Vorranggebiet für Landwirtschaft
-
Regionaler Raumordnungsplan Entwurf 2014:

Vorranggebiet für den Grundwasserschutz

Vorranggebiet für die Forstwirtschaft
-
Flächennutzungsplan:

Flächen für die Landwirtschaft: keine weitergehenden Umweltziele

Erhaltung der Alleen

Flächen für die Forstwirtschaft: Laubholzanteil erhöhen; Erhaltung
von Wäldern auf Sonderstandorten

Renaturierung von Bachläufen
o
o
o
o
o
54
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung – Umweltbericht
Auswirkungen auf
Umweltgüter
++ sehr positiv
+ positiv
Bewertungskriterien
Erläuterung
Mensch
Die Abstände zu umliegenden bewohnten Ortslagen betragen min. 1.000
m: Ormont - 1.000m; Kerschenbach – 1.000m; Reuth – 1.000m; Schöndorf
– 1.200m; Stadtkyll - 1.700m; Kronenburg – 2.500m; die Abstände zu bewohnten Außenbereichssiedlungen (Kalkerheck und Forsthaus Arenberg)
betragen 500m.
o neutral
- negativ
-- sehr negativ
o
Schall, Schattenwurf
Mit einem pauschalen Abstandspuffer von 500m um Wohnnutzungen im
Außenbereich, 1.000m zu Ortslagen sowie 2.000m zu touristischen
Schwerpunkteinrichtungen wird dem erforderlichen Immissionsschutz für
Anwohner auf der Ebene der Flächennutzungsplanung Rechnung getragen.
o
Zum jetzigen Zeitpunkt kann aufgrund fehlender Konkretisierung keine
Lärmausbreitungsprognose, mit der die Betroffenheit von Wohngebäuden
abgeschätzt werden könnte, durchgeführt werden.
Beim immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren für die neuen
Anlagen ist auf der Basis einer detaillierten Lärmausbreitungsprognose der
Nachweis zu führen, dass Lärmbeeinträchtigungen auf einem Niveau gehalten werden, das den Vorsorge-Anforderungen der DIN 18005 Teil 1
genügt.
Infraschall
„In Laborversuchen am Menschen wurde festgestellt, dass auch der Infraschall die vom hörbaren Schall bekannten Wirkungen auf den Menschen
haben kann. Dies gilt aber nur, sobald der Schalldruckpegel die Hörschwelle erreicht. Infraschall im Frequenzbereich zwischen 2 und 20 Hz
verursacht nach heutigem Wissensstand keine Gehörschädigung, wenn der
Mittelungspegel - bezogen auf 8 Stunden pro Tag - unter 133 dB und der
Maximalpegel unter 150 dB liegt. Diese Werte werden von der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt als Grenzwerte für den Arbeitsplatz angegeben. Störungen des Wohlbefindens können auftreten, wenn der Mittelungspegel des Infraschalls am Arbeitsplatz 120 dB übersteigt.
o
Derartig hohe Schalldruckpegel werden durch WEA nicht erreicht. In den
dargestellten Messungen in nur 100 bis 250 m Entfernung zur WEA wurden - bei einer extrem hohen Windgeschwindigkeit, durch die selbst ein
hoher natürlicher Infraschall erzeugt wird - Werte im Bereich von 70 dB
bzw. bei normalen Windverhältnissen Werte um 50 dB gemessen. Da auch
der Infraschall mit der Entfernung von der Schallquelle pro Entfernungsverdoppelung um 6 dB an Stärke abnimmt, ist bei den aufgrund der sich
aus der TA Lärm ergebenden notwendigen Abständen von WEA zu Wohngebieten, die im Durchschnitt bei mindestens 500 m liegen, keine vom
Infraschall ausgehende Gefährdung bzw. Belästigung der dort wohnenden
Menschen zu erwarten.“ (Lehrte 2005, S.35-36)
55
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Auswirkungen auf
Umweltgüter
++ sehr positiv
+ positiv
Bewertungskriterien
Erläuterung
o neutral
- negativ
-- sehr negativ
optisch bedrängende Wirkung
Eine Windenergieanlage kann aufgrund der in der Höhe wahrzunehmenden Drehbewegung des Rotors gegen das in § 35 Abs. 3 Satz 1 BauGB
festgelegte „Gebot der Rücksichtnahme“ verstoßen. Hierzu muss sie allerdings nach den Umständen des Einzelfalles (Lage bestimmter Räumlichkeiten oder Terrassen zur Windkraftanlage, bestehende Abschirmung durch
andere Gebäude, topografische Situation) eine optisch bedrängende Wirkung haben.
Die nächstgelegenen Gebäude mit Wohnnutzung befinden sich in
Kerschenbach, Ormont und Reuth. Zwischen dem Sondergebiet und den
Ortslagen befinden sich Bereiche mit Gehölzbewuchs, der eine abschirmende Wirkung entfaltet. In Verbindung mit dem Mindestabstand von
1.000m tritt eine optisch bedrängende Wirkung nicht auf. Die Entfernung
zu Einzelgebäuden (Haus Kalkerheck und Forsthaus Arenberg) beträgt
mindestens 500m. Beide Gebäude sind in Richtung des Sondergebiets
unmittelbar von Wald umgeben, so dass die Sicht auf WEA auf den Sondergebieten stark eingeschränkt ist. Von einer optisch bedrängenden Wirkung kann hier somit auch nicht ausgegangen werden.
Tiere und
Avifauna
Pflanzen
Empfohlene Abstände von 3.000m zu Brutvorkommen des Schwarzstorchs werden eingehalten. Hier ist mit keiner erheblichen Beeinträchtigung zu rechnen. Auch die bekannten Nahrungshabitate des Schwarzstorchs sind für die Windenergienutzung ausgeschlossen.
In der Lavagrube am Goldberg innerhalb des geplanten Sondergebiets
befindet sich ein Uhu-Brutplatz. Er ist derzeit auf drei Seiten im Norden,
Osten und Süden von insgesamt 16 Windenergieanlagen umgeben. Die
nächstgelegene Anlage ist weniger als 100m vom Brutplatz entfernt. Über
Schlagopfer in der Nähe der Anlagen ist bisher nichts bekannt. Es ist also
davon auszugehen, dass der Uhu vorwiegend in nordwestlicher Richtung,
also über die Abbaufläche hinweg ab- und anfliegt und nicht über die
bestehenden WEA. Es ist auch zu vermuten, dass das östlich gelegene
Sondergebiet mit überwiegend dichter Bewaldung als Nahrungshabitat
unattraktiv für den Uhu ist und der Vogel deshalb überwiegend das reich
strukturierte Offenland westlich des geplanten Sondergebiets für die Nahrungssuche bevorzugt.
o
o
-
Es wird empfohlen, westlich der bestehenden Anlagen keine weiteren WEA
zu errichten und das Sondergebiet für Windenergie zum Schutz des Uhus
entsprechend zu verkleinern.
Bei der ornithologischen Untersuchung durch KORN&STÜBING 2014 wurden westlich der Lavagrube zwei Rotmilan-Horste festgestellt. Sie befinden sich 500 bzw. 800 m westlich des Sondergebietes. Der Abstand zu den
nächsten bestehenden Windenergieanlagen beträgt 400 bzw. 500m. Zur
Vermeidung von Beeinträchtigungen der Rotmilane wird empfohlen, die
westlichen Teile des Sondergebiets (siehe auch Empfehlung zum Uhu) im
Bereich der Lavagrube nicht weiter zu verfolgen.
-
56
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Teil 1 Windenergienutzung – Umweltbericht
Auswirkungen auf
Umweltgüter
++ sehr positiv
+ positiv
Bewertungskriterien
Erläuterung
Ein weiterer Rotmilan-Horst liegt zwischen Kerschenbach und Kalkerheck
in ca. 1.100m bzw. 900m Entfernung zum geplanten Sondergebiet am
westexponierten Hang des Kerschenbachtals. Zwischen Haus Kalkerheck
und dem Horst befindet sich auf der Hangschulter noch eine isolierte kleine Teilfläche des Sondergebiets im Abstand von lediglich 300m zum Horst.
Zur Verringerung des Kollisionsrisikos wird empfohlen, diese kleine Teilfläche nicht weiter als Sondergebiet zu verfolgen. Die übrigen Teilflächen im
empfohlenen Schutzabstand bis 1.500 m befinden sich in vollständig bewaldeten Gebieten, die für den Rotmilan als Nahrungshabitat kaum in
Frage kommen. KORN&STÜBING haben bei ihrer Untersuchung 2012
festgestellt, dass die Rotmilane bevorzugt das Offenland im Umfeld der
Horste für die Nahrungssuche nutzen und sich über den zusammenhängenden Waldflächen nur ausnahmsweise aufhalten.
o neutral
- negativ
-- sehr negativ
-
Westlich von Reuth in einer Entfernung von 1.100 m zum Sondergebiet
befindet sich ein weiterer Rotmilan-Horst (KORN&STÜBING 2014). Auch
dieses Paar jagt überwiegend im nahegelegenen Offenland, wurde aber
auch bei regelmäßigen Waldüberflügen beobachtet, wobei das Offenland
um Neuenstein angeflogen wird. Der regelmäßig überflogene schmale
Waldkorridor liegt jedoch südlich des Sondergebietes, so dass eine Beeinträchtigung unwahrscheinlich ist, solange in der unmittelbaren Umgebung
der neuen WEA keine attraktiven Nahrungshabitate für die Rotmilane
entstehen.
Der im Rahmen der frühzeitigen Bürgerbeteiligung genannte RotmilanHorst ca. 400 m südlich von Haus Kalkerheck ist nach Angaben des Beobachters (Hermann Linden, Stadtkyll, Auskunft vom 24.06.2014) seit
Durchforstungsmaßnahmen im Jahr 2013 nicht mehr vorhanden.
Im ornithologischen Fachgutachten von KORN&STÜBING 2014 wurden
weitere Brutvögel im Sondergebiet festgestellt. Ihr Konfliktpotenzial (Kollisionsrisiko, Meideeffekte, Störungen) mit WEA ist aber entweder vernachlässigbar oder durch die örtlichen Bedingungen bzw. die Verhaltensökologie der Arten nicht gegeben.
o
-
Lediglich beim Wespenbussard muss bei der Einzelgenehmigung von WEA
gewährleistet werden, dass die älteren Laubbäume vor einem Einschlag
gesichert werden, um dauerhaft geeignete Horstbäume zu sichern.
Vogelzug
o
Die Vogelzuguntersuchung (KORN&STÜBING 2014) zeigen, dass im Untersuchungsgebiet die Zugintensität und das Zugartenspektrum im Vergleich
zu anderen Beobachtungen in Südwestdeutschland durchschnittliche Werte aufweist. Die räumliche Verteilung ist homogen, auffällige Zugverdichtungen an topografischen Leitlinien wurden nicht beobachtet. Beeinträchtigungen durch das Sondergebiet sind nicht zu erwarten.
-
Hinsichtlich des Kranichzuges wurde festgestellt, dass bei gutem Wetter
keine Konflikte mit WEA zu erwarten sind. Bei ungünstigen Wetterlagen
hingegen wird in geringen Höhen geflogen, so dass ein Kollisionsrisiko
entstehen kann, auch wenn die Zugdichte dann in der Regel deutlich geringer ist. Es wird daher empfohlen, ein Kranichzugmonitoring durchzuführen und bei starkem Kranichzug und ungünstiger Witterung zukünftige
Anlagen abzuschalten.
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Auswirkungen auf
Umweltgüter
++ sehr positiv
+ positiv
Bewertungskriterien
Erläuterung
o neutral
- negativ
-- sehr negativ
Fledermäuse
Im Sondergebiet wurden bei Detektoruntersuchungen, durch Horchkisten,
bei Tagbeobachtungen und mit Netzfängen (KORN&Stübing 2014) 8 bzw.
9 Fledermausarten nachgewiesen (große und kleine Bartfledermaus konnten nicht eindeutig unterschieden werden). Die festgestellte Aktivität ist im
Vergleich zu anderen strukturreichen Mittelgebirgsräumen unterdurchschnittlich, entlang von Leitstrukturen wie Waldwegen wurden aber auch
hohe Aktivitäten festgestellt. Die Quartiersuche ergab einige Bereiche mit
sehr hoher Höhlenbaumdichte, wobei aber keine aktuell genutzten Quartiere gefunden wurden. Bei den Netzfängen hingegen wurden laktierende
Weibchen oder Jungtiere von Zwergfledermaus, Fransenfledermaus,
Mausohr und Braunem Langohr festgestellt, so dass auf jeden Fall mit
Fortpflanzungsquartiere von diesen Arten in der unmittelbaren Umgebung
des Untersuchungsgebietes gerechnet werden muss.
WEA im Sondergebiet können insbesondere ziehende Fledermausarten
gefährden, die hoch fliegen, in hoher Dichte auftreten und nicht an spezielle Leitstrukturen gebunden sind. Das sind im Untersuchungsgebiet insbesondere der Abendsegler und der Kleine Abendsegler.
Als nicht ziehende Art, die häufig von Kollisionen betroffen ist, kommt die
Zwergfledermaus im Untersuchungsgebiet vor.
KORN&Stübing (2014) kommen zu dem Ergebnis, dass für die meisten
nachgewiesenen Arten nur ein geringes Gefährdungspotenzial durch WEA
besteht. Ein erhöhtes Risiko ergibt sich für den Abendsegler während der
Zugzeit im Frühjahr und Herbst und für den Kleinabendsegler zusätzlich im
Juli. Daneben besteht ein generelles Konfliktpotenzial, auch bei anderen
Arten, durch den Verlust von Quartierbäumen.
-
Zur Vermeidung und Minimierung des Kollisionsrisikos wird mit Inbetriebnahme der WEA ein Gondelmonitoring und ggf. eine Abschaltung während
der Zugzeit empfohlen. Generell sind auf den zukünftigen Rodungsflächen
die potenziellen Quartierbäume vor Beginn der Rodungsarbeiten auf Besatz zu prüfen. GGf. sind einzelne Anlagen zu verschieben oder durch vorgezogene Maßnahmen ein Ersatz für den Verlust von Quartierbäumen zu
schaffen.
58
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Auswirkungen auf
Umweltgüter
++ sehr positiv
+ positiv
Bewertungskriterien
Erläuterung
o neutral
- negativ
-- sehr negativ
Wildkatze
Im Sondergebiet tritt die Wildkatze auf. Nach KORN&STÜBING (2014)
konnten anhand von Lockstock-Untersuchungen fünf Individuen identifiziert werden. Da Männchen und Weibchen festgestellt wurden, ist davon
auszugehen, dass im Untersuchungsgebiet Fortpflanzung stattfindet. Eine
Habitatkartierung zeigt, dass trotz der ausgedehnten Nadelwaldbestände
im Sondergebiet stellenweise auch gut geeignete Lebensräume für die
Wildkatze auftreten.
Wildkatzen sind sehr störungsempfindliche Tiere. Durch WEA kann es
anlagenbedingt (Kranstellflächen, Fundamentfläche, Zuwegung) und betriebsbedingt (Schallemissionen, Wartungsarbeiten, Besucher) zum Verlust
von Nahrungs- und Fortpflanzungshabitaten kommen.
-
Erhebliche Beeinträchtigungen der Reproduktion können durch einen
Baubeginn zwischen Oktober und Januar oder einer frühzeitigen Kontrolle
des Baufeldes während der Setzzeit vermieden werden. Der Habitatverlust
kann durch Kompensationsmaßnahmen in Form von naturnahen Umbau
von Wäldern mit bisher geringer Habitateignung erfolgen.
Biotope
Nach der Biotoptypenkartierung der Landschaftsplanung (BGHplan 2003)
sind 72% der Biotoptypen im Sondergebiet als Flächen mit geringer Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz bzw. als gering bis mäßig empfindlich eingestuft. Es handelt sich dabei überwiegend um Nadelforsten,
die Lavagrube sowie zum kleinen Teil um Ackerflächen und Intensivgrünland. 27% der Biotoptypen werden als Flächen mit lokaler Bedeutung für
den Arten- und Biotopschutz bzw. als deutlich empfindlich klassifiziert.
Darunter fallen vorwiegend Laub(misch)wälder mittlerer Standorte sowie
untergeordnet Ruderalfluren. Eingriffe in diese gut regenerierbaren Biotoptypen sind durch Kompensationsmaßnahmen auszugleichen.
Als Flächen mit landesweiter Bedeutung bzw. mit sehr hoher Schutzbedürftigkeit befindet sich im Sondergebiet kleinflächig Extensivgrünland (1,0 ha
/0,3 % der Sondergebietsfläche). Beeinträchtigungen dieses Biotoptyps
können durch eine entsprechende Platzierung der WEA vermieden werden.
Pauschal geschützte Biotoptypen nach §30 BNatschG und FFHLebensraumtypen befinden sich nicht im Sondergebiet.
o
-
o
++
Biotopverbund und Wildtierkorridore
Ausgewiesene Wildtierkorridore und sehr bedeutende Flächen des regionalen Biotopverbunds sind nicht betroffen. Beeinträchtigungen der Funktion der geplanten Wildbrücke über die E29/B51 nordwestlich Schönfeld
können durch eine entsprechende Festlegung der Einzelstandorte der WEA
vermieden werden (in der aktuell vorliegenden Detailplanung eines Windkraftentwicklers werden die Flächen im Umfeld der Wildbrücke von WEA
freigehalten.
o
59
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung – Umweltbericht
Auswirkungen auf
Umweltgüter
++ sehr positiv
+ positiv
Bewertungskriterien
Erläuterung
Boden
Im Sondergebiet dominieren Braunerden und Regosole aus lößhaltigem
grusführenden Schluff über devonischem Tonschiefer und quarzitischem
Sandstein. Daneben treten im Westteil verstärkt Pseudogleye und ihre
Übergangsformen zu den Braunerden auf. Auf den vulkanisch geprägten
Untergrund im Bereich der Lavagrube und im äußersten Südwesten des
Sondergebietes kommen Braunerden aus lösshaltigem grusführendem
Lehm über Sandgrus aus Tephra vor. Braunerden, Regosole und
Pseudogleye sind die vorherrschenden Bodentypen in der Eifel und sind
daher nicht selten oder besonders schutzwürdig.
- negativ
-- sehr negativ
o
o
Das Ertragspotenzial der Acker- und Grünlandstandorte im Sondergebiet
ist mit Bodenwertzahlen von 30 bis 45 vergleichsweise hoch. Das natürliche
Ertragspotenzial der Waldstandorte kann als mittel bezeichnet werden.
-
An steileren Hängen werden möglicherweise stärkere Abgrabungen für
Stellflächen einzelner WEA nötig. Eine nachfolgende Planung sollte möglichst auf große Bodenbewegungen/-Umlagerungen verzichten.
-
In der Lavagrube befindet sich eine Altablagerung.
Boden ist eine begrenzte Ressource. Durch den Bau der Fundamente und
der Kranstellflächen kommt es zu unvermeidbaren Bodenverlusten. Diese
Eingriffe in das Schutzgut Boden sind im Rahmen der Eingriffsregelung auf
der Ebene der Einzelgenehmigung zu kompensieren.
Wasser
o neutral
o
-
Grundwasser
Die anstehenden geologischen Schichten bestehen zum größeren Teil aus
Ton-, Silt- und Sandstein, zum kleineren Teil aus Quarziten und
quarzitischem Sandstein mit geringmächtigen Einschaltungen von Tonund Siltstein. Kleinräumig treten auch Kalk-, Mergel-, DolomitKalksandstein auf. Es handelt sich dabei um silikatische bzw. kleinräumig
auch silikatisch/karbonatische Kluftgrundwasserleiter mit mäßiger bis geringer Durchlässigkeit und mittlerer bis geringer Schutzwirkung der
Grundwasserüberdeckung.
Eine Grundwassergefährdung kann daher nicht ausgeschlossen werden,
insbesondere im Bereich der grundwasserhöffigeren Quarzite und
quarzitischen Sandsteine.
Das Risiko der Beeinträchtigung des Grundwassers durch möglicherweise
austretende wassergefährdende Stoffe oder durch Durchdringung der
Deckschichten bei der Fundament-Herstellung ist deshalb gegeben.
-
-
Technische Maßnahmen an den Windenergieanlagen zur Verhinderung
des Austretens wassergefährdender Stoffe sind in jedem Fall auf der nachfolgenden Planungsebene erforderlich. Dies kann beispielsweise mittels
flüssigkeitsdichter und mediumbeständiger Beschichtung der Auffangräume der Trafostationen geschehen. Sie dürfen keinerlei Öffnung oder
Abläufe besitzen und müssen den gesamten Ölinhalt der jeweils darin
untergebrachten Transformatoren zurückhalten können.
60
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung – Umweltbericht
Auswirkungen auf
Umweltgüter
++ sehr positiv
+ positiv
Bewertungskriterien
Erläuterung
Das Sondergebiet überschneidet sich im äußersten Südwesten kleinflächig
(ca. 1 ha) mit der Schutzzone III des Wasserschutzgebietes Ormont-„Auf´m
Bleichphenn“.
o neutral
- negativ
-- sehr negativ
-
Um eine Gefährdung der Trinkwasserversorgung zu vermeiden, sind besondere technische Vorkehrungen zum Umgang mit wassergefährdenden
Stoffen (im Fall von WEA Schmier- und Getriebeöle) zu treffen und es ist
eine Befreiung von der Schutzgebietsverordnung erforderlich. Da ausreichend Flächen für die Windenergienutzung im Sondergebiet verbleiben,
wird empfohlen, auf diese Teilfläche zu verzichten.
Die Quarzite und quarzitischen Sandsteine im Sondergebiet sind wegen
ihrer relativ hohen Grundwasserhöffigkeit als Vorranggebiet Grundwasserschutz im ROP-Entwurf 2014 dargestellt.
-
Oberflächengewässer
Im Sondergebiet befinden sich die Oberläufe von mehreren Quellbächen.
Da WEA in der Regel nicht in Taleinschnitten oder in steileren Hangbereichen errichtet werden, sondern auf den windhöffigen Hochflächen und
flachen Oberhängen ist normalerweise ein ausreichender Abstand zu Bachläufen in Mittelgebirgslagen gegeben. Durch die Anlage von teilversiegelten Flächen (Lagerplatz, Kranstellfläche, Zuwegung) kann der Oberflächenabfluss zunehmen und es punktuell zu größeren Einleitungen in die Quellbäche kommen. Hier sind naturnahe Rückhaltemulden anzulegen und die
üblichen Verfahren zur Vermeidung des Eintrags von wassergefährdenden
Stoffen in Gewässer zu beachten.
Generell sind schädliche Veränderungen im Umfeld von Gewässern mit
Wirkung auf die Gewässer auszuschließen. Dies gilt auch beim Ausbau von
Zuwegungen.
-
o
-
Bei der Errichtung von WEA mit einem Mindestabstand des Baufeldes von
weniger als 10 m zur Uferlinie ist eine wasserrechtliche Genehmigung
erforderlich.
Luft/Klima
Die Flächen im Sondergebiet haben keine bedeutenden lokalklimatischen
Funktionen. Entstehende Kalt- und Frischluft fließt in die umliegenden
Talräume ab (vor allem Kerschenbachtal). Punktförmige Eingriffe wie
Windenergieanlagen ohne relevante Aufheizeffekte führen zu keiner Beeinträchtigung der Kaltluftproduktion. Beeinträchtigungen der Lufthygiene
sind nicht denkbar.
Großräumig gesehen trägt die Substitution fossiler Energieträger durch
Strom aus der Windenergienutzung zur Luftentlastung und Erhaltung des
Klimas bei.
o
++
61
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung – Umweltbericht
Auswirkungen auf
Umweltgüter
++ sehr positiv
+ positiv
Bewertungskriterien
Erläuterung
Landschaftsbild
o neutral
- negativ
-- sehr negativ
Um die Wirkung auf das Landschaftsbild zu ermitteln, wurden von umliegenden Standorten aus Fotomontagen erstellt. Dabei wurde der ungünstigste Fall angenommen, nämlich dass das gesamte Sondergebiet mit
möglichst vielen WEA (24) bestückt wird (siehe Fotos und Übersichtskarte
mit den Fotostandorten im Anhang).
Nach der vorliegenden konkreten Windparkplanung (Unterlagen zur Genehmigung nach BImschG) werden im Sondergebiet voraussichtlich weniger Anlagen errichtet als für die Fotomontagen angenommen wurde. Deshalb werden im Anhang auch Fotomontagen dargestellt, die die Situation
für die konkrete Windparkplanung mit 14 WEA für den zentralen Bereich
des Sondergebietes aufzeigen. Im Randbereich des Sondergebietes können darüber hinaus aber noch weitere Anlagen errichtet werden soweit
dies Artenschutzbelange zulassen.
Für die Konzentrationszone wurde außerdem eine Sichtfeldanalyse durchgeführt, um aufzuzeigen, von welchen Flächen in der Umgebung eine
Sichtbeziehung zu den möglichen WEA besteht. Dabei wurde angenommen, dass eine deutliche Beeinträchtigung zu erwarten ist, wenn der gesamte Rotor oder mehr von mindestens 5 WEA zu sehen ist. Daneben
ergibt sich der Grad der Wirkintensität auch aus dem Abstand zu den WEA.
Hier wurde differenziert nach Abständen von 0 - 2,5km (sehr hoch - hoch),
2,5 - 5km (hoch - mäßig), 5 - 10km (mäßig - gering) und mehr als 10 km
(gering – sehr gering).
Durch die überwiegende Lage auf Höhenrücken bzw. auf einer Hochfläche
bestehen weitreichende Sichtbeziehungen in das umliegende Offenland.
Die tieferliegenden Talräume haben hingegen meist keinen Sichtkontakt
zu den Anlagen, weil sie durch steile und bewaldete Hangbereiche abgeschirmt werden.
Von den Ortsrändern von Reuth, Neuenstein und Kerschenbach aus ist
eine Einsehbarkeit mit sehr hoher bis hoher Wirkintensität gegeben.
In der Zone mit hoher bis mäßiger Wirkintensität haben die Ortslagen von
Kehr, Scheid, die höher gelegenen Teile von Hallschlag, Kronenburg,
Baasem, Schüller, Olzheim und Neuendorf Sichtkontakt zu den Rotoren
von mindestens 5 WEA.
Innerhalb der betroffenen Ortschaften ergibt sich an Stellen ohne
Sichtverschattung durch Gebäude oder Gehölze eine direkte Sicht auf die
WEA im Sondergebiet.
Betroffen von Sichtbeziehungen sich auch die landschaftsbildprägenden
Kulturdenkmäler Kronenburg (siehe Fotomontagen im Anhang) und die
Marienkapelle bei Steffeln (s. auch Erholung). Die Burgruine und das Burghotel in Kronenburg befindet sich mit ca. 3 km Entfernung zu den geplanten WEA in der Zone hoher – mäßiger Wirkintensität. Da die Aussichtsachse nach Süden in Richtung des Sondergebietes orientiert ist, sind Beeinträchtigungen zu erwarten. Die Fotomontagen (siehe Anhang) zeigen aber,
dass durch die Entfernung und dem dazwischen liegenden Höhenrücken
einerseits und dem Blickfang Kylltal im Vordergrund des Aussichtsfeldes
die Beeinträchtigung tolerierbar ist.
Das Aussichtsblickfeld von der Marienkapelle bei Steffeln ist nach Osten in
Richtung Vulkaneifel orientiert, während das Sondergebiet im Nordwesten
liegt. In Verbindung mit der relativ großen Entfernung von 6 bis 7 km sind
keine erheblichen Beeinträchtigungen zu erwarten.
--
--
-
-
-
o
62
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung – Umweltbericht
Auswirkungen auf
Umweltgüter
++ sehr positiv
+ positiv
Bewertungskriterien
Erläuterung
o neutral
- negativ
-- sehr negativ
Eine Vorbelastung des Landschaftsbildes besteht bereits durch die bestehenden WEA, insbesondere am Goldberg bei Ormont (16 WEA) und am
Dehner Maar östlich von Reuth (9 WEA), auch wenn diese Anlagen deutlich
niedriger sind als die geplanten. Ebenso führt eine Höchstspannungsleitung mit ca. 40 m hohen Masten randlich durch das Sondergebiet.
Summationseffekte ergeben sich durch die im näheren und weiteren Umfeld bereits vorhandenen WEA. Mit der Errichtung eines neuen Windparks
im Sondergebiet entsteht eine großflächige Konzentrationszone für Windenergienutzung, die sich von Kleinlangenfeld im Süden bis Scheid im
Nordwesten über eine Strecke von 12 km erstreckt und mehr als 100 WEA
umfasst. Es kann daher von einer weitgehend technischen Überprägung
der Landschaft gesprochen werden.
Ein Ausgleich eines Teils der Landschaftsbildbeeinträchtigung kann ggf.
durch Aufwertung angrenzender ausgeräumter Agrarräume mit Strukturelementen (Gehölzpflanzungen, Hecken, Raine) erfolgen oder durch Kulissenpflanzungen im Umfeld der betroffenen Ortsränder. Eine deutliche
Belastung bleibt in jedem Fall bestehen.
--
--
63
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung – Umweltbericht
Auswirkungen auf
Umweltgüter
++ sehr positiv
+ positiv
Bewertungskriterien
Erläuterung
Erholung
Eine intensive Erholungsnutzung oder bedeutende Erholungsinfrastruktur
ist im Bereich des Sondergebietes nicht zu verzeichnen. Lediglich am westlichen Rand tangiert die „Moor-Route“, ein deutsch-belgischer Rad- und
Wanderweg und ein örtlicher Rundweg das Sondergebiet. Der größte Teil
des Sondergebietes ist ohne ausgewiesene Wander- oder Radwege, so
dass von einer unmittelbaren Beeinträchtigung der Erholungsfunktion
nicht ausgegangen werden muss.
Von den Feriendörfern in Stadtkyll und Kronenburg sind jeweils von den
höchstgelegenen Teilen die geplanten WEA im Sondergebiet zu sehen.
Hier ist jedoch durch die starke Durchgrünung und der damit verbundenen
Sichtverschattung zumindest in den Sommermonaten mit den dann belaubten Gehölzen die Wirkintensität deutlich herabgesetzt (Feriendorf
Kronenburg) oder die Anlagen sind kaum sichtbar (Feriendorf Stadtkyll).
Die Burgruine in Kronenburg als beliebtes Ausflugsziel hat deutliche Sichtbeziehungen zum Sondergebiet, zumal auch die Hauptaussichtsachse nach
Süden in Richtung des Sondergebiets zielt.. Durch die Entfernung von 3 bis
6 km und dem vorgelagerten Blick auf das Kylltal mit dem Stausee relativiert sich allerdings die Wirkung, so dass von einer mäßigen Beeinträchtigung gesprochen werden kann.
o neutral
- negativ
-- sehr negativ
o
-
-
Von beiden touristischen Zielen wurden Fotomontagen mit Blick auf die
Konzentrationszone angefertigt (s. Anhang). Ein Teil der geplanten WEA ist
mit Teilen des Rotors oder dem gesamten Rotor einsehbar. Dies wird auch
durch die Sichtfeldanalyse (s. Anhang) bestätigt.
Durch die bloße Sichtbarkeit von Windenergieanlagen kann nicht auf eine
Beeinträchtigung der Erholungsnutzung geschlossen werden. Mehrere
unabhängige Studien im Bereich Tourismus und Windenergie haben in
den letzten Jahren gezeigt, dass kein direkter Zusammenhang zwischen
dem Vorhandensein von Windenergieanlagen und der diesbezüglichen
Meidung einer Region als Urlaubsziel besteht. Das Meinungsbild der befragten Urlauber geht je nach Alter, Herkunft oder Bildung weit auseinander (IfR 2012, CenTouris 2012, SOKO 2003-2009). Es ist anzunehmen, dass
ein bestimmter Grad der technischen Überprägung einer Landschaft vom
Urlauber akzeptiert wird. Für den Fall Kronenburg ist durch die teilweise
Sichtbarkeit der geplanten neuen WEA in einer Entfernung von ca. 3km in
Kombination mit der bereits bestehenden visuellen Vorbelastung (Höchstspannungsleitung und WEA) nicht damit zu rechnen, dass die Akzeptanz
als Erholungsort in größerem Maße beeinträchtigt wird.
Kultur- + Sachgüter
Neben den bereits erwähnten und diskutierten landschaftsbildprägenden
Kulturdenkmälern Kronenburg und Marienkappelle bei Steffeln sind keine
weiteren Kultur- und Sachgüter betroffen. Innerhalb des Sondergebietes
befinden sich auch keine bekannten archäologischen Fundstellen oder
sonstige Bodendenkmäler.
o
Wechselwirkungen
Mögliche kumulierende visuelle Wirkung auf die Erholungsnutzung an
stärker frequentierten touristischen Orten wie Aussichtspunkten und Qualitätswanderwegen im Offenland durch Zusammenwirken mit den bestehenden WEA sind wahrscheinlich.
-
64
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung – Umweltbericht
Auswirkungen auf
Umweltgüter
++ sehr positiv
+ positiv
Bewertungskriterien
Erläuterung
Schutzgebiete
Eine kleine Teilfläche des Sondergebiets liegt im Wasserschutzgebiet
Ormont „Auf´m Bleichphenn“ – Schutzzone III. Siehe hierzu Ausführungen
zum Schutzgut Wasser.
o neutral
- negativ
-- sehr negativ
-
Das Sondergebiet befindet sich im Landschaftsschutzgebiet „Naturpark
Nordeifel“. Nach § 3 der Schutzgebietsverordnung vom 6. Nov. 1970 „ist es
verboten, die Natur zu schädigen, das Landschaftsbild zu verunstalten oder
den Naturgenuss zu beeinträchtigen.“ Nach § 4 ist für die Errichtung baulicher Anlagen eine Genehmigung durch die Untere Naturschutzbehörde
erforderlich.
Nach § 5 sind Maßnahmen, die in den Zielen der Landesplanung festgelegt
sind, von den Verboten der §§ 3 und 4 ausgenommen. Nach § 7 kann eine
Befreiung von den Vorschriften der Schutzgebietsverordnung gewährt
werden, wenn die Abweichung mit den öffentlichen Belangen vereinbar ist
oder Gründe des allgemeinen Wohls die Befreiung erfordern.
Mit der Fortschreibung des Landesentwicklungsprogramms wurde als
landesplanerisches Ziel u.a. der Ausbau der Windenergie formuliert. In Z
163 d werden diejenigen Gebiete aufgeführt, die für die Windenergienutzung nicht in Frage kommen. Landschaftsschutzgebiete kommen nach Z
163 e grundsätzlich im Rahmen der Steuerung durch die gemeindliche
Bauleitplanung für die Windenergienutzung in Frage. Eine Befreiung von
den Vorschriften der Schutzgebietsverordnung ist demnach auf Grund der
landesplanerischen Zielvorgaben nicht erforderlich; eine Genehmigung für
die Errichtung von Windenergieanlagen hingegen ist durch die Untere
Naturschutzbehörde in der Regel zu erteilen.
Voraussichtl. Entwicklung ohne
Planung
Weiterführung der derzeitigen Nutzung (vorwiegend forstwirtschaftliche
Nutzung, auf Teilflächen landwirtschaftliche Nutzung und Rohstoffabbau)
Alternativen
Zur Ermittlung der für eine Darstellung als Sondergebiet Windenergie
geeigneten Gebiete im Flächennutzungsplan wurde in einem räumlichen
Gesamtkonzept ein mehrstufiges Verfahren eingesetzt.
o
o
Zuerst wurden für die Windenergie ungeeignete Flächen herausgefiltert
(„Harte“ und „Weiche“ Ausschlusskriterien). Hierzu wurden die Ausschlusskriterien flächendeckend und einheitlich auf das gesamte Verbandsgemeinde angewendet.
In einem folgenden Schritt wurden die verbliebenen Potenzialflächen mit
weiteren konkreten öffentlichen Belangen in Beziehung gesetzt und mögliche Konflikte sowie Summationseffekte benannt.
Als Ergebnis wurden planerische Empfehlungen für den Auswahl- und
Abwägungsprozess der Konzentrationszonen für die Windenergienutzung
zur Darstellung im Flächennutzungsplan gegeben.
Die Fläche verblieb neben einer weiteren als Ergebnis der Eignungsanalyse.
o
65
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung – Umweltbericht
Auswirkungen auf
Umweltgüter
++ sehr positiv
+ positiv
Bewertungskriterien
Erläuterung
Auswirkungen auf
das europ. Netz
„Natura 2000“
Das nächstgelegene FFH-Gebiet ist die „Obere Kyll und Kalkmulden der
Nordeifel“(Gebietsnummer: DE-5605-306) in ca. 150 - 200m Entfernung
zum Ostrand der Konzentrationszone. Das Gebiet dient dem Schutz bestimmter Lebensraumtypen gemeinschaftlicher Bedeutung (u.a. Buchenwälder, Kalk-trockenrasen, Zwergstrauchheiden, Auwälder, Bäche) sowie
verschiedener (potenziell) vorkommender Arten und deren Lebensräume.
Darunter befinden sich keine windkraftsensiblen Arten. Genannt werden
Skabiosen-Scheckenfalter, Blauschillernder Feuerfalter, Groppe und Bachneunauge. Beeinträchtigungen der Lebensraumtypen können ausgeschlossen werden, Beeinträchtigungen der genannten Arten sind durch die
räumliche Entfernung zum Schutzgebiet und die dazwischen liegende stark
befahrene E29/B51 sehr unwahrscheinlich.
o neutral
- negativ
-- sehr negativ
o
Das Erfordernis einer Verträglichkeitsbeurteilung gem. Art. 6 der
Richtlinie 92/43/EWG des Rates der EG v.21.Mai 1992 zur Erhaltung
der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen (FFH-Richtlinie) ist demnach nicht gegeben.
Gesamtbewertung des Eingriffs
Das Sondergebiet hat mäßige Umweltauswirkungen zur Folge. Es
können insbesondere Uhu und Rotmilan, der Kranichzug, die Wildkatze, Fledermäuse, das Schutzgut Wasser sowie das Landschaftsbild/ die
Erholungsfunktion beeinträchtigt werden.
-
Im Zusammenwirken mit bestehenden Konzentrationszonen kommt
es zu einer kumulativen Wirkung auf das Landschaftsbild. Touristische
Nutzungen werden nur gering beeinträchtigt.
Europäische Schutzgebiete (EG-FFH-Gebiet) sind nicht betroffen.
Die Wirkungen können durch eine Verkleinerung des Sondergebietes
und durch geeignete Maßnahmen vermieden bzw. minimiert sowie
ausgeglichen werden. Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes sind
unvermeidbar und nur zu einem kleinen Teil ausgleichbar.
Vorschläge für Vermeidung / Ausgleich von
Beeinträchtigungen

Die Ergebnisse der avifaunistischen Untersuchungen zeigen, dass durch eine Verkleinerung des Sondergebiets im Bereich des Goldbergs und dem Verzicht auf die
kleine Teilfläche nordwestlich Kalkerheck die Gefährdung für Uhu und Rotmilan minimiert werden kann.

Beim Wespenbussard muss bei der Einzelgenehmigung von WEA gewährleistet
werden, dass die älteren Laubbäume vor einem Einschlag gesichert werden, um
dauerhaft geeignete Horstbäume zu sichern.

Anlagenabschaltung bei Kranichzug unter ungünstigen Wetterbedingungen minimiert das Kollisionsrisiko für Kraniche.

Zur Vermeidung und Minimierung des Kollisionsrisikos von Fledermäusen wird mit
Inbetriebnahme der WEA ein Gondelmonitoring und ggf. eine Abschaltung während
der Zugzeit empfohlen. Generell sind auf den zukünftigen Rodungsflächen die potenziellen Quartierbäume vor Beginn der Rodungsarbeiten auf Besatz zu prüfen.
Ggf. sind einzelne Anlagen zu verschieben oder durch vorgezogene Maßnahmen ein
Ersatz für den Verlust von Quartierbäumen zu schaffen.
66
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung – Umweltbericht

Erhebliche Beeinträchtigungen der Reproduktion der Wildkatze können durch einen
Baubeginn zwischen Oktober und Januar oder einer frühzeitigen Kontrolle des Baufeldes während der Setzzeit vermieden werden. Der Habitatverlust kann durch Kompensationsmaßnahmen in Form von naturnahen Umbau von Wäldern mit bisher geringer Habitateignung erfolgen.

Beeinträchtigungen der kleinflächig auftretenden seltenen Biotoptypen können
durch eine entsprechende Platzierung der WEA vermieden werden.

Durch die Anpassung des Aufstellmusters von Windenergieanlagen kann eine Beeinträchtigung der Funktionsfähigkeit der geplanten Wildbrücke über die B51 minimiert werden.

Durch einen Verzicht auf Anlagen in steileren Hängen können stärkere Abgrabungen für Stellflächen einzelner WEA vermieden werden und dadurch die Erosionsgefährdung minimiert werden. In der Detailplanung sollten große Bodenbewegungen/-Umlagerungen möglichst vermieden werden und ggf. schutzwürdige Böden
von der Planung ausgespart werden.

Die kleine Teilfläche im Wasserschutzgebiet, Schutzzone III sollte aus der Planung
genommen werden, um aufwändige technische Schutzmaßnahmen zu vermeiden
und die Gefährdung des Trinkwassers zu minimieren. Auf eine Befreiung von den
Auflagen der Schutzgebietsverordnung kann dann ebenfalls verzichtet werden.
Durch die Anlage von teilversiegelten Flächen (Lagerplatz, Kranstellfläche,
Zuwegung) kann der Oberflächenabfluss zunehmen und es punktuell zu größeren
Einleitungen in die Quellbäche kommen. Hier sind naturnahe Rückhaltemulden anzulegen und die üblichen Verfahren zur Vermeidung des Eintrags von wassergefährdenden Stoffen in Gewässer zu beachten.
Bei der Errichtung von WEA ist ein Mindestabstand des Baufeldes von 10 m zur
Uferlinie einzuhalten.

Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes können ggf. durch Aufwertungen in angrenzenden ausgeräumten Agrarräumen mit Strukturelementen
(Gehölzpflanzungen, Hecken, Raine) erfolgen oder durch Kulissenpflanzungen im
Umfeld der betroffenen Ortsränder wenigstens teilweise kompensiert werden.
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Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung – Umweltbericht
14.2.2 Sondergebiet B – Weidenhöchst
Auswirkungen auf
Umweltgüter
++ sehr positiv
+ positiv
Bewertungskriterien
Erläuterung
Bestand
überwiegend Intensivgrünland, in Teilbereichen Nadelforst, kleinflächig
Brachen und Ruderalfluren
Umweltziele
LEP IV:

Landesweit bedeutsamer Bereich für Erholung und Tourismus
o neutral
- negativ
-- sehr negativ
-
Regionaler Raumordnungsplan 1984:

Vorranggebiet für Erholung
-

Schwerpunktbereich der weiteren Fremdenverkehrsentwicklung
-

Teilweise Vorranggebiet für Landwirtschaft
-
Regionaler Raumordnungsplan Entwurf 2014:

Teilweise Vorranggebiet für Landwirtschaft
-

Teilweise Vorranggebiet für die Forstwirtschaft
-
Flächennutzungsplan:

Flächen für die Landwirtschaft: keine weitergehenden Umweltziele

Flächen für die Forstwirtschaft: Laubholzanteil erhöhen
o
-
68
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung – Umweltbericht
Auswirkungen auf
Umweltgüter
++ sehr positiv
+ positiv
Bewertungskriterien
Erläuterung
Mensch
Die Abstände zu umliegenden bewohnten Ortslagen betragen min. 1.000
m: Ormont - 1.000m; Hallschlag – 1.000m; Kehr – 1.000m; die Abstände zu
dauerhaft bewohnten Außenbereichssiedlungen betragen mindestens
500m.
o neutral
- negativ
-- sehr negativ
o
Schall, Schattenwurf
Mit einem pauschalen Abstandspuffer von 500m um Wohnnutzungen im
Außenbereich, 1.000m zu Ortslagen sowie 2.000m zu touristischen
Schwerpunkteinrichtungen wird dem erforderlichen Immissionsschutz für
Anwohner auf der Ebene der Flächennutzungsplanung Rechnung getragen.
o
Zum jetzigen Zeitpunkt kann aufgrund fehlender Konkretisierung keine
Lärmausbreitungsprognose, mit der die Betroffenheit von Wohngebäuden
abgeschätzt werden könnte, durchgeführt werden.
Beim immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren für die neuen
Anlagen ist auf der Basis einer detaillierten Lärmausbreitungsprognose der
Nachweis zu führen, dass Lärmbeeinträchtigungen auf einem Niveau gehalten werden, das den Vorsorge-Anforderungen der DIN 18005 Teil 1
genügt. Dabei sind Vorbelastungen durch bereits vorhandene WEA zu
berücksichtigen.
Infraschall
„In Laborversuchen am Menschen wurde festgestellt, dass auch der Infraschall die vom hörbaren Schall bekannten Wirkungen auf den Menschen
haben kann. Dies gilt aber nur, sobald der Schalldruckpegel die Hörschwelle erreicht. Infraschall im Frequenzbereich zwischen 2 und 20 Hz
verursacht nach heutigem Wissensstand keine Gehörschädigung, wenn der
Mittelungspegel - bezogen auf 8 Stunden pro Tag - unter 133 dB und der
Maximalpegel unter 150 dB liegt. Diese Werte werden von der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt als Grenzwerte für den Arbeitsplatz angegeben. Störungen des Wohlbefindens können auftreten, wenn der Mittelungspegel des Infraschalls am Arbeitsplatz 120 dB übersteigt.
o
Derartig hohe Schalldruckpegel werden durch WEA nicht erreicht. In den
dargestellten Messungen in nur 100 bis 250 m Entfernung zur WEA wurden - bei einer extrem hohen Windgeschwindigkeit, durch die selbst ein
hoher natürlicher Infraschall erzeugt wird - Werte im Bereich von 70 dB
bzw. bei normalen Windverhältnissen Werte um 50 dB gemessen. Da auch
der Infraschall mit der Entfernung von der Schallquelle pro Entfernungsverdoppelung um 6 dB an Stärke abnimmt, ist bei den aufgrund der sich
aus der TA Lärm ergebenden notwendigen Abständen von WEA zu Wohngebieten, die im Durchschnitt bei mindestens 500 m liegen, keine vom
Infraschall ausgehende Gefährdung bzw. Belästigung der dort wohnenden
Menschen zu erwarten.“ (Lehrte 2005, S.35-36)
69
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung – Umweltbericht
Auswirkungen auf
Umweltgüter
++ sehr positiv
+ positiv
Bewertungskriterien
Erläuterung
o neutral
- negativ
-- sehr negativ
optisch bedrängende Wirkung
Eine Windenergieanlage kann aufgrund der in der Höhe wahrzunehmenden Drehbewegung des Rotors gegen das in § 35 Abs. 3 Satz 1 BauGB
festgelegte „Gebot der Rücksichtnahme“ verstoßen. Hierzu muss sie allerdings nach den Umständen des Einzelfalles (Lage bestimmter Räumlichkeiten oder Terrassen zur Windkraftanlage, bestehende Abschirmung durch
andere Gebäude, topografische Situation) eine optisch bedrängende Wirkung haben.
Die nächstgelegenen Gebäude mit dauerhafter Wohnnutzung befinden
sich in 500 – 600 m Entfernung auf Aussiedlerhöfen. Zwischen dem Sondergebiet und den Aussiedlerhöfen befinden sich Windschutzhecken, die
in gewissem Maße eine abschirmende Wirkung entfalten. Je nach konkreter Lage der zukünftigen WEA kann aber wegen der großen Höhe der
Anlagen eine optisch bedrängende Wirkung auftreten.
Bezüglich der Ortslagen ist durch den Mindestabstand von 1.000m eine
optisch bedrängende Wirkung nicht zu erwarten. Allerdings muss aufgrund
der Vielzahl bereits bestehender WEA im unmittelbaren Umfeld von einer
optischen Kumulationswirkung ausgegangen werden.
-
-
70
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung – Umweltbericht
Auswirkungen auf
Umweltgüter
++ sehr positiv
+ positiv
Bewertungskriterien
Erläuterung
Tiere und
Avifauna
Pflanzen
Empfohlene Abstände von 3.000m zu Brutvorkommen des Schwarzstorchs werden eingehalten. Hier ist mit keiner erheblichen Beeinträchtigung zu rechnen. Die bekannten Nahrungshabitate des Schwarzstorchs
sind in der gesamten VG für die Windenergienutzung ausgeschlossen. Im
weiteren Umfeld des Sondergebietes sind zudem keine Nahrungshabitate
bekannt. Bei den Untersuchungen durch das Büro RASKIN (2014) im Bereich zweier konkret geplanter Anlagenstandorte wurden im Jahre 2012
einmalig ein Überflug eines Schwarzstorchpaars nördlich des Sondergebiets im Bereich des bestehenden Windparks beobachtet. Die Tiere flogen
ungefährdet von Westen nach Osten in einer Höhe, die auf ein
Meideverhalten gegenüber dem bestehenden Windpark schließen lässt.
Nach RASKIN (2014) sind keine artspezifischen Vermeidungs- oder vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen erforderlich, weil Fortpflanzungs- und
Ruhestätten nicht beansprucht werden. Eine Betroffenheit der Art ist auszuschließen. Die Untersuchung von RASKIN (2014) bezieht sich auf das
Repowering bestehender Anlagen, wovon eine im Sondergebiet B liegt.
Die Aussagen können aber für das gesamte Sondergebiet gewertet werden, weil dort wegen der bestehenden Anlagen und der geringen Größe
der Fläche außer dem Repowering keine weiteren Anlagen möglich sind.
Der Uhu-Brutplatz in der Lavagrube am Goldberg befindet sich in einer
Entfernung von ca. 2 km und ist damit nicht mehr im empfohlenen Schutzabstand zum Sondergebiet.
Bei der ornithologischen Untersuchung durch KORN&STÜBING (2014)
wurden westlich der Lavagrube zwei Rotmilan-Horste festgestellt. Sie
befinden sich 900 bzw. 1.200 m östlich des Sondergebietes B. Der Abstand
zu den nächsten bestehenden Windenergieanlagen beträgt 400 bzw.
500m. Ergänzende Untersuchungen durch das Büro RASKIN (2014) im
Bereich zweier konkret geplanter Anlagenstandorte im Sondergebiet B
haben gezeigt, dass der Rotmilan den bestehenden Windpark und das
Sondergebiet überfliegt und nach großflächiger Mahd das Gebiet für die
Nahrungsaufnahme nutzt. RASKIN (2014) geht wegen der Entfernung zu
den Horsten und der hohen Zahl bereits bestehender Anlagen davon aus,
dass durch das Repowering kein signifikant erhöhtes Tötungsrisiko entsteht. Zur Vermeidung von Beeinträchtigungen der Rotmilane empfiehlt
sie, auf der Ebene der Einzelgenehmigung das Mahd-Regime im Umfeld
neuer WEA so zu regeln, dass keine Anreize für den Rotmilan entstehen,
das nahe Umfeld der WEA für die Nahrungsaufnahme anzufliegen (siehe
Raskin 2014). Ergänzend oder alternativ können die WEA die ersten Tage
nach der Mahd des Mastumfeldes abgeschaltet werden. Außerdem sollte
die unmittelbare Umgebung des Mastfusses, die sogenannte Mastfußbrache möglichst klein gehalten werden und die Mahd bzw. der Umbruch nur
im ausgehenden Winter erfolgen.
o neutral
- negativ
-- sehr negativ
o
o
-
71
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung – Umweltbericht
Auswirkungen auf
Umweltgüter
++ sehr positiv
+ positiv
Bewertungskriterien
Erläuterung
Als weitere windkraftsensible Art wurde von RASKIN (2014) einmalig ein
Graureiher beim Überflug beobachtet. Eine Brutkolonie im Umfeld bis
1.000 m ist mit Sicherheit auszuschließen. Da sich das artspezifische Kollisionsrisiko auf Flüge in brutplatznahe Nahrungsgebiete beschränkt ist eine
Betroffenheit der Art auszuschließen, artspezifische oder vorgezogene
Ausgleichsmaßnahmen sind nicht erforderlich.
Im ornithologischen Fachgutachten von RASKIN (2014) wurde als weiterer
Brutvogel im Sondergebiet ein Sperber-Horst festgestellt sowie östlich und
westlich des Sondergebiets Turmfalke und Mäusebussard als Nahrungsgäste beobachtet. Ihr Konfliktpotenzial (Kollisionsrisiko, Meideeffekte,
Störungen) mit WEA ist aber entweder vernachlässigbar oder durch die
örtlichen Bedingungen bzw. die Verhaltensökologie der Arten nicht gegeben.
o neutral
- negativ
-- sehr negativ
o
o
-
Beim Sperber muss bei der Einzelgenehmigung von WEA gewährleistet
werden, dass der Horstbaum und andere ältere als Horstbäume geeignete
Bäume vor einem Einschlag gesichert werden.
Vogelzug
Die Vogelzuguntersuchung (KORN&STÜBING 2014) zeigen, dass im Untersuchungsgebiet die Zugintensität und das Zugartenspektrum im Vergleich
zu anderen Beobachtungen in Südwestdeutschland durchschnittliche Werte aufweist. Die räumliche Verteilung ist homogen, auffällige Zugverdichtungen an topografischen Leitlinien wurden nicht beobachtet. Beeinträchtigungen durch das Sondergebiet sind nicht zu erwarten.
Hinsichtlich des Kranichzuges wurde festgestellt, dass bei gutem Wetter
keine Konflikte mit WEA zu erwarten sind. Bei ungünstigen Wetterlagen
hingegen wird in geringen Höhen geflogen, so dass ein Kollisionsrisiko
entstehen kann, auch wenn die Zugdichte dann in der Regel deutlich geringer ist. Es wird daher empfohlen, ein Kranichzugmonitoring durchzuführen und bei starkem Kranichzug und ungünstiger Witterung zukünftige
Anlagen abzuschalten.
o
-
72
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung – Umweltbericht
Auswirkungen auf
Umweltgüter
++ sehr positiv
+ positiv
Bewertungskriterien
Erläuterung
o neutral
- negativ
-- sehr negativ
Fledermäuse
Bei den Untersuchungen von RASKIN (2014) wurden im Sondergebiet
insgesamt 6 bzw. 7 Fledermausarten (große und kleine Bartfledermaus
konnten nicht eindeutig unterschieden werden) festgestellt. Die einzig
regelmäßig auftretende Art ist die Zwergfledermaus, während alle anderen
Arten nur vereinzelt erfasst wurden. Die festgestellte Aktivität ist im Vergleich zu anderen strukturreichen Mittelgebirgsräumen äußerst gering. Die
typischen gebäudebewohnenden Arten Zwerg- und Bartfledermaus haben
ihre Quartiere in den Ortslagen von Hallschlag und Ormont sowie in freistehenden landwirtschaftlichen Gebäuden. Sie nutzen das Plangebiet als
Jagdhabitat und fliegen dabei in geringer Höhe entlang von Leitlinien wie
Heckenstrukturen. Die übrigen Arten haben ihre Quartiere überwiegend in
Baumhöhlen. Wegen der vorherrschenden Fichtenwälder im Untersuchungsraum besteht nur ein sehr geringes Quartierangebot für diese Arten.
Es liegen keine Hinweise auf ein besonderes Zuggeschehen im Herbst vor.
Unter den nachgewiesenen Arten haben die Bartfledermaus (große und
kleine B.), der Große Abendsegler, die Rauhautfledermaus und die Zwergfledermaus ein besonderes Kollisionsrisiko, während die Fransenfledermaus und die Wasserfledermaus eher durch den Verlust von Quartierbäumen betroffen sein können.
RASKIN (2014) kommt in der artenschutzrechtlichen Prüfung zu folgenden
Ergebnissen:
Bartfledermaus
Fortpflanzungs- oder Ruhestätten werden nicht beansprucht. Ein potenziell
populationsrelevantes Kollisionsrisiko oder ein signifikant erhöhtes Tötungsrisiko sind nicht zu erwarten. Zur Kontrolle wird ein
Gondelmonitoring empfohlen, auf dessen Grundlage ggf. ein standortspezifischer Abschaltalgorithmus für die WEA entwickelt werden kann.
Fransenfeldermaus
-
o
Eine Betroffenheit der Art ist auszuschließen.
Großer Abendsegler
Fortpflanzungs- oder Ruhestätten werden nicht beansprucht. Ein potenziell
populationsrelevantes Kollisionsrisiko oder ein signifikant erhöhtes Tötungsrisiko sind nicht zu erwarten. Zur Kontrolle wird ein
Gondelmonitoring empfohlen, auf dessen Grundlage ggf. ein standortspezifischer Abschaltalgorithmus für die WEA entwickelt werden kann.
Rauhautfledermaus
-
-
Fortpflanzungs- oder Ruhestätten werden nicht beansprucht. Ein potenziell
populationsrelevantes Kollisionsrisiko oder ein signifikant erhöhtes Tötungsrisiko sind nicht zu erwarten. Zur Kontrolle wird ein
Gondelmonitoring empfohlen, auf dessen Grundlage ggf. ein standortspezifischer Abschaltalgorithmus für die WEA entwickelt werden kann.
o
Wasserfledermaus
Eine Betroffenheit der Art ist auszuschließen.
73
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung – Umweltbericht
Auswirkungen auf
Umweltgüter
++ sehr positiv
+ positiv
Bewertungskriterien
Erläuterung
o neutral
- negativ
-- sehr negativ
Zwergfledermaus
Fortpflanzungs- oder Ruhestätten werden nicht beansprucht. Ein signifikant erhöhtes Tötungsrisiko ist auf Grund der starken Vorbelastung weitestgehend auszuschließen. Zur Kontrolle wird ein Gondelmonitoring empfohlen, auf dessen Grundlage ggf. ein standortspezifischer Abschaltalgorithmus für die WEA entwickelt werden kann.
-
Wildkatze
Die Biotopstruktur im Sondergebiet entspricht nicht den Anforderungen
der Wildkatze, die in der Regel große, geschlossene und störungsarme
Wälder mit einzelnen Lichtungen bevorzugt. Es kann daher mit großer
Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass die Wildkatze im
Sondergebiet nicht auftritt.
o
Biotope
Nach der Biotoptypenkartierung der Landschaftsplanung (BGHplan 2003)
ist der weitaus überwiegende Teil der Biotoptypen im Sondergebiet als
Flächen mit geringer Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz eingestuft. Es handelt sich dabei um intensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen und um Nadelforsten. Lediglich 8% der Biotoptypen werden als Flächen mit lokaler Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz bzw. als
deutlich empfindlich klassifiziert. Darunter fallen Ruderalfluren und Brachen sowie Windschutzhecken. Durch die Kleinflächigkeit können durch
eine geeignete Standortwahl Eingriffe in diese Biotoptypen vermieden
werden. Unvermeidbare Eingriffe in diese gut regenerierbaren Biotoptypen
sind durch Kompensationsmaßnahmen auszugleichen.
Flächen mit landesweiter Bedeutung bzw. mit sehr hoher Schutzbedürftigkeit befinden sich im Sondergebiet nicht.
o
-
o
o
Pauschal geschützte Biotoptypen nach §30 BNatschG und FFHLebensraumtypen befinden sich ebenfalls nicht im Sondergebiet.
Biotopverbund und Wildtierkorridore
Ausgewiesene Wildtierkorridore und sehr bedeutende Flächen des regionalen Biotopverbunds sind nicht betroffen. Funktionen im lokalen Biotopverbund übernehmen die Windschutzhecken. Da sie im Sondergebiet
ausschließlich entlang der Wirtschaftswege auftreten, ist hier allenfalls
punktuell bei zu engen Kurvenradien für die Schwertransporte mit Eingriffen zu rechnen. Diese Eingriffe werden im Einzelgenehmigungsverfahren
durch Ersatzpflanzungen kompensiert. Dauerhafte Beeinträchtigungen für
den Biotopverbund entstehen dadurch nicht.
o
74
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung – Umweltbericht
Auswirkungen auf
Umweltgüter
++ sehr positiv
+ positiv
Bewertungskriterien
Erläuterung
Boden
Im Sondergebiet dominieren Braunerden und Regosole aus lößlehmhaltigem grusführenden Schluff über devonischem Tonschiefer und
quarzitischem Sandstein. Daneben treten Übergangsformen zu
Pseudogleyen auf. Braunerden, Regosole und Pseudogleye sind die vorherrschenden Bodentypen in der Eifel und sind daher nicht selten oder
besonders schutzwürdig.
Das Ertragspotenzial der Acker- und Grünlandstandorte im Sondergebiet
ist mit Bodenwertzahlen von 20 bis 35 vergleichsweise niedrig. Das natürliche Ertragspotenzial der Waldstandorte kann als gering bis mittel bezeichnet werden.
o neutral
- negativ
-- sehr negativ
o
o
An steileren Hängen werden möglicherweise stärkere Abgrabungen für
Stellflächen einzelner WEA nötig. Eine nachfolgende Planung sollte möglichst auf große Bodenbewegungen/-Umlagerungen verzichten.
o
Altablagerungen sind nicht bekannt.
o
Boden ist eine begrenzte Ressource. Durch den Bau der Fundamente und
der Kranstellflächen kommt es zu unvermeidbaren Bodenverlusten. Diese
Eingriffe in das Schutzgut Boden sind im Rahmen der Eingriffsregelung auf
der Ebene der Einzelgenehmigung zu kompensieren.
-
75
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung – Umweltbericht
Auswirkungen auf
Umweltgüter
++ sehr positiv
+ positiv
Bewertungskriterien
Erläuterung
Wasser
o neutral
- negativ
-- sehr negativ
Grundwasser
Die anstehenden geologischen Schichten bestehen zum größten Teil aus
Ton-, Silt- und Sandstein mit örtlich kleinteiligen Einlagerungen aus
quarzitischem Sandstein. Es handelt sich dabei um silikatische
Kluftgrundwasserleiter mit geringer bis äußerst geringer Durchlässigkeit
und mittlerer Schutzwirkung der Grundwasserüberdeckung.
Das Risiko einer Grundwassergefährdung ist außerhalb der Bachtäler als
gering einzustufen.
Unabhängig davon verbleibt das Risiko der Beeinträchtigung des Grundwassers durch möglicherweise austretende wassergefährdende Stoffe bei
Durchdringung der Deckschichten im Zuge der Fundament-Herstellung.
-
Technische Maßnahmen an den Windenergieanlagen zur Verhinderung
des Austretens wassergefährdender Stoffe sind daher auf der nachfolgenden Planungsebene erforderlich.
Wasserschutzgebiete sind nicht betroffen.
o
Oberflächengewässer
Im südöstlich Rand des Sondergebiets befindet sich der Quellbereich eines
vermutlich temporär wasserführenden Quellbaches. Hier besteht das Risiko, dass mit Geländeeinschnitten durch Fundamente, Wege und Kabeltrassen die Wasserzufuhr zum Quellbereich abgeschnitten werden kann. Durch
einen ausreichenden Abstand bei der Detailplanung kann dieses Risiko
minimiert werden.
Durch die Anlage von teilversiegelten Flächen (Lagerplatz, Kranstellfläche,
Zuwegung) kann der Oberflächenabfluss zunehmen und es punktuell zu
größeren Einleitungen in den Quellbach kommen. Hier sind naturnahe
Rückhaltemulden anzulegen und die üblichen Verfahren zur Vermeidung
des Eintrags von wassergefährdenden Stoffen in Gewässer zu beachten.
-
-
Bei der Errichtung von WEA mit einem Mindestabstand des Baufeldes von
weniger als 10 m zur Uferlinie ist eine wasserrechtliche Genehmigung
erforderlich.
Luft/Klima
Die Flächen im Sondergebiet haben keine bedeutenden lokalklimatischen
Funktionen. Entstehende Kalt- und Frischluft fließt in die umliegenden
Talräume ab). Punktförmige Eingriffe wie Windenergieanlagen ohne relevante Aufheizeffekte führen zu keiner Beeinträchtigung der Kaltluftproduktion. Beeinträchtigungen der Lufthygiene sind nicht denkbar.
Großräumig gesehen trägt die Substitution fossiler Energieträger durch
Strom aus der Windenergienutzung zur Luftentlastung und Erhaltung des
Klimas bei.
o
++
76
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung – Umweltbericht
Auswirkungen auf
Umweltgüter
++ sehr positiv
+ positiv
Bewertungskriterien
Erläuterung
Landschaftsbild
o neutral
- negativ
-- sehr negativ
Um die Wirkung auf das Landschaftsbild zu beurteilen, wurde von der
Hochfläche bei Scheid eine Fotomontage erstellt. Der Abstand beträgt ca.
2,2 km. Es wurde angenommen, dass auf dem Sondergebiet neben den
bestehenden Anlagen noch zwei weitere errichtet werden können (siehe
Foto und Übersichtskarte mit dem Fotostandort im Anhang).
Aus dem Foto wird deutlich, dass durch die bereits bestehenden 19 WEA
im Umfeld gravierende Vorbelastungen bestehen und die neuen Anlagen
nur durch ihre Höhe bzw. Flügelmarkierung auffallen.
Aus Sicht der Landschaftsbildbelastung ergibt sich keine wesentliche zusätzliche Beeinträchtigung, weil die bestehenden Anlagen bereits zu einer
soweit gehenden technischen Überprägung geführt haben, dass eine weitere Verdichtung faktisch nicht mehr als Beeinträchtigung wahrgenommen
werden. Das gilt sowohl im Fernbereich als auch im Nahbereich.
Von den Ortsrändern von Ormont, Kehr, Hallschlag und Scheid aus ist eine
Einsehbarkeit mit hoher Wirkintensität für fast alle Anlagen gegeben.
o
-
Innerhalb der betroffenen Ortschaften ergibt sich an Stellen ohne
Sichtverschattung durch Gebäude oder Gehölze eine direkte Sicht auf die
WEA im Sondergebiet.
Landschaftsbildprägende Kulturdenkmäler wie der historische Ortskern
von Kronenburg (s. auch Erholung) sind nicht betroffen. Das Burghotel in
Kronenburg befindet sich mit ca. 4 km Entfernung zu den geplanten WEA
in der Zone mäßiger Wirkintensität. Zwischen dem Burghotel und dem
Sondergebiet befindet sich ein bewaldeter Höhenrücken („Steinert“), der
die neuen Anlagen weitestgehend abschirmt. Je nach Lage der beiden
neuen Anlagen kann im ungünstigsten Fall nur das oberste Ende des Rotors in höchster Stellung gesehen werden. Außerdem ist die Aussichtsachse nach Süden orientiert ist, während das Sondergebiet in westsüdwestlicher Richtung liegt. Somit sind keine erheblichen Beeinträchtigungen
durch das neue Sondergebiet zu erwarten.
Mit der Errichtung der maximal zwei neuen Anlagen am Rande des bestehenden Windparks mit 19 WEA entstehen für das Landschaftsbild keine
besonderen Summationseffekte, da die Landschaft bereits heute weitgehend technisch überprägt ist.
o
o
o
Zur Verbesserung des Landschaftsbildes kann ggf. durch Aufwertung angrenzender ausgeräumter Agrarräume mit Strukturelementen
(Gehölzpflanzungen, Hecken, Raine) erfolgen oder durch Kulissenpflanzungen im Umfeld der betroffenen Ortsränder beigetragen werden. Die
erhebliche Belastung durch die Vielzahl der bereits bestehenden Anlagen
bleibt in jedem Fall bestehen.
77
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung – Umweltbericht
Auswirkungen auf
Umweltgüter
++ sehr positiv
+ positiv
Bewertungskriterien
Erläuterung
Erholung
Eine intensive Erholungsnutzung oder bedeutende Erholungsinfrastruktur
ist im Bereich des Sondergebietes nicht zu verzeichnen. Lediglich ein lokaler Rundwanderweg (G4) von Hallschlag über Kehr nach Hallschlag durchquert randlich das Sondergebiet. Regional- oder überregional bedeutsame
Wanderwege oder sonstige Tourismuseinrichtungen sind nicht betroffen,
so dass nicht von einer Beeinträchtigung der Erholungsfunktion ausgegangen werden muss.
Von den höchstgelegenen Stellen des Feriendorfs in Kronenburg ist je
nach Lage der neuen WEA im ungünstigsten Fall der halbe Rotor einer 200
m hohen Anlage sichtbar. Hier ist jedoch durch die starke Durchgrünung
des Feriendorfs und der damit verbundenen Sichtverschattung zumindest
in den Sommermonaten mit den dann belaubten Gehölzen die Wirkintensität sehr gering bzw. der Rotor ist nicht oder kaum sichtbar.
o neutral
- negativ
-- sehr negativ
o
o
Eine erhebliche Beeinträchtigung ist demzufolge auszuschließen.
Kultur- + Sachgüter
Neben dem bereits erwähnten und diskutierten landschaftsbildprägenden
Kulturdenkmal Kronenburg sind keine weiteren Kultur- und Sachgüter
betroffen. Innerhalb des Sondergebietes befinden sich auch keine bekannten archäologischen Fundstellen oder sonstige Bodendenkmäler.
o
Wechselwirkungen
Mögliche kumulierende visuelle Wirkung auf die Erholungsnutzung an
stärker frequentierten touristischen Orten wie Aussichtspunkten und Qualitätswanderwegen im Offenland durch Zusammenwirken mit den bestehenden WEA sind sehr unwahrscheinlich.
o
Schutzgebiete
Das Sondergebiet befindet sich im Landschaftsschutzgebiet „Naturpark
Nordeifel“. Nach § 3 der Schutzgebietsverordnung vom 6. Nov. 1970 „ist es
verboten, die Natur zu schädigen, das Landschaftsbild zu verunstalten oder
den Naturgenuss zu beeinträchtigen.“ Nach § 4 ist für die Errichtung baulicher Anlagen eine Genehmigung durch die Untere Naturschutzbehörde
erforderlich.
Nach § 5 sind Maßnahmen, die in den Zielen der Landesplanung festgelegt
sind, von den Verboten der §§ 3 und 4 ausgenommen. Nach § 7 kann eine
Befreiung von den Vorschriften der Schutzgebietsverordnung gewährt
werden, wenn die Abweichung mit den öffentlichen Belangen vereinbar ist
oder Gründe des allgemeinen Wohls die Befreiung erfordern.
Mit der Fortschreibung des Landesentwicklungsprogramms wurde als
landesplanerisches Ziel u.a. der Ausbau der Windenergie formuliert. In Z
163 d werden diejenigen Gebiete aufgeführt, die für die Windenergienutzung nicht in Frage kommen. Landschaftsschutzgebiete kommen nach Z
163 e grundsätzlich im Rahmen der Steuerung durch die gemeindliche
Bauleitplanung für die Windenergienutzung in Frage. Eine Befreiung von
den Vorschriften der Schutzgebietsverordnung ist demnach auf Grund der
landesplanerischen Zielvorgaben nicht erforderlich; eine Genehmigung für
die Errichtung von Windenergieanlagen hingegen ist durch die Untere
Naturschutzbehörde in der Regel zu erteilen.
o
Durch die bereits bestehende große Vorbelastung anderer WEA ist außerdem der Schutzzweck in diesem Teil des Naturparks generell in Frage
gestellt.
78
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung – Umweltbericht
Auswirkungen auf
Umweltgüter
++ sehr positiv
+ positiv
Bewertungskriterien
Erläuterung
Voraussichtl. Entwicklung ohne
Planung
Weiterführung der derzeitigen Nutzung (vorwiegend landwirtschaftlich
Nutzung, auf Teilflächen forstwirtschaftliche Nutzung)
Alternativen
Zur Ermittlung der für eine Darstellung als Sondergebiet Windenergie
geeigneten Gebiete im Flächennutzungsplan wurde in einem räumlichen
Gesamtkonzept ein mehrstufiges Verfahren eingesetzt.
o neutral
- negativ
-- sehr negativ
o
Zuerst wurden für die Windenergie ungeeignete Flächen herausgefiltert
(„Harte“ und „Weiche“ Ausschlusskriterien). Hierzu wurden die Ausschlusskriterien flächendeckend und einheitlich auf das gesamte Verbandsgemeinde angewendet.
In einem folgenden Schritt wurden die verbliebenen Potenzialflächen mit
weiteren konkreten öffentlichen Belangen in Beziehung gesetzt und mögliche Konflikte sowie Summationseffekte benannt.
Als Ergebnis wurden planerische Empfehlungen für den Auswahl- und
Abwägungsprozess der Konzentrationszonen für die Windenergienutzung
zur Darstellung im Flächennutzungsplan gegeben.
Die Fläche verblieb neben einer weiteren als Ergebnis der Eignungsanalyse.
o
79
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung – Umweltbericht
Auswirkungen auf
Umweltgüter
++ sehr positiv
+ positiv
Bewertungskriterien
Erläuterung
Auswirkungen auf
das europ. Netz
„Natura 2000“
Das nächstgelegene FFH-Gebiet ist die „Schneifel“(Gebietsnummer: DE5704-301) in ca. 2,8 km Entfernung. Das Gebiet dient dem Schutz von
Lebensraumtypen gemeinschaftlicher Bedeutung (u.a. Buchenwälder,
Übergangsmoore, Borstgrasrasen, Zwergstrauchheiden, Auwälder) sowie
verschiedener (potenziell) vorkommender Arten und deren Lebensräume.
Genannt werden u.a. Großes Mausohr, Haselhuhn, Mittelspecht, Rauhfußkauz und Schwarzstorch, also auch windkraftsensible Arten. Aufgrund der
Entfernung und der Lebensraumansprüche sind Beeinträchtigungen sehr
unwahrscheinlich.
Während der avifaunistischen Untersuchungen durch RASKIN (2014) wurde
einmalig ein Schwarzstorchpaar beim Überflug des Sondergebietes beobachtet. Da den beobachteten Tieren kein Horst zugeordnet werden konnte, ist unklar, woher sie stammen. Eine Betroffenheit des FFH-Gebiets
Schneifel kann daraus nicht abgeleitet werden. Außerdem ist der nächste
bekannte Horst mehr als 3 km von der Beobachtungsstelle, so dass der
empfohlene Abstand zum Schutz des Schwarzstorchs eingehalten wird.
Das FFH-Gebiet „Obere Kyll und Kalkmulden der Nordeifel“(Gebietsnummer: DE-5605-306) befindet sich in ca. 3,5 km Entfernung.
Das Gebiet dient dem Schutz bestimmter Lebensraumtypen gemeinschaftlicher Bedeutung (u.a. Buchenwälder, Kalktrockenrasen,
Zwergstrauchheiden, Auwälder, Bäche) sowie verschiedener (potenziell)
vorkommender Arten und deren Lebensräume. Darunter befinden sich
keine windkraftsensiblen Arten. Genannt werden SkabiosenScheckenfalter, Blauschillernder Feuerfalter, Groppe und Bachneunauge.
Beeinträchtigungen der Lebensraumtypen können ausgeschlossen werden,
Beeinträchtigungen der genannten Arten sind durch die räumliche Entfernung zum Schutzgebiet sehr unwahrscheinlich.
o neutral
- negativ
-- sehr negativ
o
o
o
o
Das Erfordernis einer Verträglichkeitsbeurteilung gem. Art. 6 der
Richtlinie 92/43/EWG des Rates der EG v.21.Mai 1992 zur Erhaltung
der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen (FFH-Richtlinie) ist demnach nicht gegeben.
Gesamtbewertung des Eingriffs
Das Sondergebiet hat mäßige Umweltauswirkungen zur Folge. Es
können insbesondere der Rotmilan sowie ggf. windkraftsensible Fledermausarten beeinträchtigt werden.
-
Durch die Vielzahl bestehender WEA im unmittelbaren Umfeld kommt
es zu keiner weiteren kumulativen Wirkung auf das Landschaftsbild.
Touristische Nutzungen werden nicht beeinträchtigt.
Europäische Schutzgebiete (EG-FFH-Gebiet) sind nicht betroffen.
Die Umweltauswirkungen können durch geeignete Maßnahmen vermieden bzw. minimiert sowie ausgeglichen werden.
Vorschläge für
Vermeidung /
Ausgleich von
Beeinträchtigun-

Zum Schutz des Rotmilans sollten die Wiesen im Sondergebiet nicht vor den Grünlandflächen in der Umgebung gemäht werden. Die Wiesen im Sondergebiet sind möglichst
gleichzeitig zu mähen. Bei Mahd oder Ernte der Flächen im Radius von 100 m um den
Mastfuß sollten die Anlagen 4 Tage abgeschaltet bleiben. Die unmittelbare Umgebung
80
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung – Umweltbericht
gen
des Mastfußes sollte nur im Winter gemäht oder umgebrochen werden.

Beim Wespenbussard muss bei der Einzelgenehmigung von WEA gewährleistet werden,
dass die älteren Laubbäume vor einem Einschlag gesichert werden, um dauerhaft geeignete Horstbäume zu sichern.

Anlagenabschaltung bei Kranichzug unter ungünstigen Wetterbedingungen minimiert
das Kollisionsrisiko für Kraniche.

Zur Vermeidung und Minimierung des Kollisionsrisikos von Fledermäusen wird mit Inbetriebnahme der WEA ein Gondelmonitoring und ggf. eine Abschaltung während der Zugzeit empfohlen.

Beeinträchtigungen der kleinflächig auftretenden Biotoptypen mit lokaler Bedeutung
können durch eine entsprechende Platzierung der WEA vermieden werden.

Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes können ggf. durch Aufwertungen in angrenzenden ausgeräumten Agrarräumen mit Strukturelementen (Gehölzpflanzungen, Hecken,
Raine) erfolgen oder durch Kulissenpflanzungen im Umfeld der betroffenen Ortsränder
wenigstens teilweise kompensiert werden.
81
Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung – Umweltbericht
15 Artenschutzrechtliche Beurteilung der Planung
Durch mehrere Gerichtsentscheidungen wurde festgelegt, dass artenschutzrechtliche Belange in
der Bauleitplanung zu berücksichtigen sind. Es wurde allerdings auch klargestellt, dass es nicht
Aufgabe der Bauleitplanung ist, ggf. auftretende Konflikte bereits abschließend zu bewältigen.
Vielmehr sind die Anforderungen des Artenschutzrechtes gem. § 44 BNatSchG („Vorschriften für
besonders geschützte und bestimmte andere Tier- und Pflanzenarten“) auf der Ebene der Bauleitplanung insoweit zu berücksichtigen, als dass keine Hindernisse bestehen bleiben, die dauerhaft eine Umsetzung der Inhalte des Bauleitplans verhindern.
In der vorliegenden vorbereitenden Bauleitplanung ist hinsichtlich der artenschutzrechtlichen
Belange folgendes zu berücksichtigen:
Die Darstellung der Konzentrationsfläche im Flächennutzungsplan stellt eine Angebotsplanung
dar, die nicht zwingend in vollem Umfang für bauliche Maßnahmen genutzt wird, sondern in der
Regel zu punktuellen Eingriffe innerhalb der Sonderbaufläche führt. Der genaue Eingriffsort und
Eingriffsumfang wird aber erst im Einzelgenehmigungsverfahren festgelegt, so dass eine abschließende Bewertung des Eingriffs auf der Ebene der Flächennutzungsplanung nicht möglich
ist.
Gleichwohl werden bei der Flächenfindung im Rahmen der Standortkonzeption Windenergie
(siehe städtebauliche Begründung) artenschutzrechtliche Belange berücksichtigt. Sowohl bei der
Restriktionsanalyse als auch bei der Eignungsanalyse wurden die von den Fachbehörden (Obere
Naturschutzbehörde, Landesamt für Umweltschutz) und von ehrenamtlichen Naturbeobachtern
zur Verfügung gestellten Informationen ausgewertet und die von den staatlichen Vogelschutzwarten empfohlenen Schutzabstände zu windkraftsensiblen Vogelarten berücksichtigt.
Darüber hinaus werden im Umweltbericht Aussagen über die voraussichtlichen Beeinträchtigungen der Belange des Arten- und Biotopschutzes unter Heranziehung von speziellen Artenschutzgutachten getroffen, die im Zuge der Unterlagen für die Einzelgenehmigung erarbeitet wurden.
Für das Sondergebiet A – Forst Arenberg kommt die artenschutzrechtliche Prüfung (Korn &
Stübing 2014) zu dem Ergebnis, dass für alle betroffenen Arten relevante und somit Verbotstatbestände vollständig ausgeschlossen werden können. Bei einigen Arten (Vögel, Fledermäuse,
Wildkatze und Haselmaus) sind dazu bestimmte Vermeidungsmaßnahmen erforderlich. CEFMaßnahmen sind nicht notwendig. Für die Wildkatze werden darüber hinaus Vorsorgemaßnahmen empfohlen.
Für das Sondergebiet B – Weidenhöchst ergibt die artenschutzrechtliche Prüfung (Raskin 2014),
dass bei Umsetzung von Vermeidungsmaßnahmen für den Rotmilan und für windkraftsensible
Fledermausarten Verbotstatbestände ausgeschlossen werden können und keine Verschlechterung des Erhaltungszustandes der jeweiligen Population auftritt.
Ausnahmen gem. §45 Abs.7 BNatSchG sind nicht erforderlich.
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Teil 1 Windenergienutzung – Umweltbericht
16 Quellenangaben
AL-PRO GmbH & Co. KG (2011): Windpotenzialstudie Saarland.
Baugesetzbuch (BauGB), i. d. F. v. 22.07.2011.
Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege (Bundesnaturschutzgesetz – BNatSchG), i. d. F. v.
06.02.2012.
Korn & Stübing (2014): Ornithologisches Sachverständigengutachten zum geplanten WindparkStandort Kerschenbach-Ormont (Landkreis Vulkaneifel, Rheinland-Pfalz).
Korn & Stübing (2014): Fledermauskundliches Sachverständigengutachten zum geplanten Windpark-Standort Kerschenbach-Ormont (Landkreis Vulkaneifel, Rheinland-Pfalz)
Korn & Stübing (2014): Sachverständigengutachten zum Vorkommen der Europäischen Wildkatze
(Felis silvestris) an dem geplanten Windparkstandort Kerschenbach-Ormont (Landkreis
Vulkaneifel, Rheinland-Pfalz).
Korn & Stübing (2014): Fachbeitrag Artenschutz (saP) zum geplanten Windpark-Standort
Kerschenbach-Ormont (Landkreis Vulkaneifel, Rheinland-Pfalz)
Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht Rheinland-Pfalz: Daten Schutzgebiete, Artvorkommen (Vögel, Fledermäuse).
Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation Rheinland-Pfalz: Digitale Topografische
Karte, Kartenblätter: 5605, 5606, 5705, 5706.
Länder-Arbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten (2007): Abstandsregelungen für Windenergieanlagen zu bedeutsamen Vogellebensräumen sowie Brutplätzen ausgewählter Vogelarten. In: Bericht Vogelschutz 44: S. 151-153.
Ministerium für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung: Landesentwicklungsprogramm (LEP IV) – Teilfortschreibung des Landesentwicklungsprogramms (LEP IV) Kap.
5.2.1 Erneuerbare Energien, i. d. F. v. 16.04.2013
Ministerium für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung (2013): Windatlas Rheinland-Pfalz (www.windatlas.rlp.de/windatlas).
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Verbandsgemeinde Obere Kyll: FNP-Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“
Teil 1 Windenergienutzung – Umweltbericht
Raskin, D. (2014): Fachbeitrag Artenschutz I – Vorprüfung/ Relevanzprüfung zum Repowering von
zwei Windenergieanlagen bei Hallschlag (Entwurf).
Raskin, D. (2014): Fachbeitrag Artenschutz II - Vertiefende Prüfung zum Repowering von zwei
Windenergieanlagen bei Hallschlag (Entwurf).
Sechste Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Bundes-Immissionsschutzgesetz (Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm – TA Lärm), i. d. F. v. 26.08.1998.
Staatliche Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland & Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht Rheinland-Pfalz (2012): Naturschutzfachlicher Rahmen zum Ausbau der Windenergienutzung in Rhienland-Pfalz, Artenschutz (Vögel, Fledermäuse) und NATURA 2000-Gebiete.
Struktur- und Genehmigungsdirektionen Nord und Süd (2011): Merkblatt „Windkraftanlagen“.
Verbandsgemeinde Obere Kyll – Flächennutzungsplan 26.06.2009
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Teil 1 Windenergienutzung – Umweltbericht
Anhang
Karten der Standortkonzeption Windenergie

Karte 1 – Restriktionsanalyse („Harte“ und „weiche“ Tabuzonen)

Karte 2 - Eignungsanalyse

Karte 3 - Potenzielle Eignungsflächen für Windenergienutzung
(Ergebnis der Eignungsanalyse)

Karte 4 – Sondergebiete für Windenergienutzung zur Darstellung
im Flächennutzungsplan unter Berücksichtigung der Ergebnisse der
Umweltprüfung
Karten des Umweltberichts

Karte UB-1 Sichtfeldanalyse Sondergebiet A
Fotomontagen von Windenergieanlagen in den geplanten Sondergebieten
Sondergutachten

Fledermausgutachten zum geplanten Windpark Kerschenbach-Ormont
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Vogelgutachten zum geplanten Windpark Kerschenbach-Ormont
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Wildkatzengutachten zum geplanten Windpark Kerschenbach-Ormont
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Fachbeitrag Artenschutz zum geplanten Windpark Kerschenbach-Ormont
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Fachbeitrag Artenschutz I – Vorprüfung/Relevanzprüfung zum Repowering von zwei
Windenergieanlagen bei Hallschlag
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Fachbeitrag Artenschutz II – Vertiefende Prüfung zum Repowering von zwei Windenergieanlagen bei Hallschlag
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Kunst und Fotos
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