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GDL-Chef Weselsky schmettert Schlichtung ab - ePaper - Die Welt

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KU N D E N S E RVI C E 0 8 0 0 / 9 3 5 8 5 3 7
D 2,20 E URO
F R E I TAG , 2 1 . N OVE M B E R 2 014
KO M M E N TA R
Zippert zappt
Ramelow macht
Zugeständnis an
SPD und Grüne
J
THEMEN
Aus aller Welt
Interpol jagt jetzt
auch Wilderer und
Umweltsünder
Seite 24
Finanzen
Ökonom will
Bargeld abschaffen
Seite 15
Wissen
Warum können
manche Menschen
den Takt nicht
klatschen?
Seite 20
Feuilleton
Stuttgart zeigt
das Werk von
Oskar Schlemmer
Linke begnügt sich mit
nur drei Ministerien
GOSLAR – Flüchtlinge sollen die negative demografische Entwicklung im
Harz stoppen. Das hat Goslars Oberbürgermeister Oliver Junk (CDU) vorgeschlagen. Die Region leide stärker
als andere an Überalterung und Einwohnerschwund. Allein Goslar habe
binnen zehn Jahren 4000 Einwohner
verloren. Das mache den Wirtschaftsstandort unattraktiv. Junk: „Das einfachste Wachstumsprogramm für
Goslar heißt Zuwanderung.“ Damit
mehr Flüchtlinge in den Harz kommen, solle der Schlüssel für die Zuweisung von Flüchtlingen entsprechend geändert werden. Was spräche
beispielsweise dagegen, wenn wir in
Goslar für Göttingen und Braunschweig die Flüchtlinge mit unterbringen?“ In Goslar und im Oberharz
stünden Wohnungen und Pensionen
leer. Der Vorschlag stieß auf Zustimmung. Der Geschäftsführer des Niedersächsischen Städtetag, Heiger
Scholz, sagte: „Das entlastet alle anderen.“ Universitätsstädte beispielsweise hätten nicht genügend Wohnraum
für Flüchtlinge.
Kommentar Seite 3
Seite 4
torsten.krauel@welt.de
Verbeugung vor Ferrari
wechselt zu den Italienern und steht damit in einer Reihe mit
Rennlegenden wie Michael Schumacher und Wolfgang Graf Berghe
von Trips. Vettel: „Als ich ein Kind war, war Michael Schumacher
in seinem roten Auto mein größtes Idol.“
Seite 19
Zu viele Schüler sind mit
Computern überfordert
W
enn es um den Umgang mit Computer
und Internet geht,
schneiden
deutsche
Schüler im internationalen Vergleich nur mäßig ab. Sie erreichen einen Platz im Mittelfeld, ergab die
Schulleistungsstudie ICILS, die erstmals
die Kompetenzen von 12- bis 13-jährigen
Schülern der Jahrgangsstufe acht mit den
neuen Techniken in 21 Ländern gemessen
hat. Etwa ein Drittel der Schüler verfügen
sogar nur über „rudimentäre“ Fertigkeiten
im Umgang mit den neuen Technologien.
Diese Schülergruppe werde es schwer haben, erfolgreich am privaten, beruflichen
und gesellschaftlichen Leben im 21. Jahrhundert teilzuhaben, warnten die Studienleiter. Die höchste Kompetenzstufe erreichten gerade einmal 1,5 Prozent der
Schüler. Deutlicher als in vielen anderen
Ländern sind in Deutschland die Fähigkeiten der Schüler im Umgang mit neuen
Medien von ihrer sozialen Herkunft
abhängig.
Harsche Kritik übten die Forscher an
Schule und Lehrern. Die Computerausstattung in den Schulen sei veraltet, Leh-
rer bräuchten Fortbildungsangebote und
„pädagogischen Support“. „Hierzulande
lernen Schüler den Umgang mit Computern trotz Schule“, sagte Studienleiter
Wilfried Bos. Rechnerisch teilen sich 11,5
Schüler einen PC – in Norwegen sind es
dagegen nur 2,4 Schüler. Ohne eine konzeptionelle Verankerung digitaler Medien
in den schulischen Lehrprozessen werde
MÄDCHEN VORN
Auffallend ist, dass in allen untersuchten Ländern die Mädchen bei den
Computerkenntnissen besser abschnitten als die Jungen. Bei den Aufgaben sei
es nicht um rein technische Dinge gegangen, sondern um die Anwendung von
Wissen, hieß es. In Deutschland finden
sich zudem deutlich mehr Mädchen als
Jungen in der obersten Leistungsgruppe.
Allerdings machten die Mädchen zu
wenig aus ihren Kompetenzen, kritisierte
Wilfried Bos, Professor an der Uni Dortmund. Er verwies auf die geringe Anzahl
von Schülerinnen, die sich für ein Studium der MINT-Fächer entschieden.
Dax
Prima, mein Fressen piept
Kaum verändert
Kegelrobben lernen schnell, wo die leichte Beute schlummert
DAX
EURO
DOW
Xetra-Schluss
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Goslar will
besonders viele
Flüchtlinge
Überalterung im Harz
soll so gestoppt werden
D
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Seite 21
Seite 15
Siehe Kommentar und Seite 5
Achtklässler schneiden international nur mäßig ab. Ein Drittel hat lediglich
„rudimentäre“ Kenntnisse. Ausstattung in deutschen Schulen oft veraltet
STEFAN VON BORSTEL
Lüge als
Programm
Deutschland auch künftig nicht über ein
mittleres Leistungsniveau hinauskommen,
warnten die Forscher.
Die deutschen Achtklässler erreichten
bei dem Computertest 523 Punkte. Sie liegen damit auf dem gleichen Niveau wie
die Schüler aus der Schweiz oder Russland. Spitzenreiter sind die Tschechen mit
553 Punkten, gefolgt von Kanada, Australien und Dänemark. Schlusslichter bei der
Studie sind Thailand und die Türkei. Der
Studie zufolge sind die deutschen Lehrer
mehrheitlich zwar positiv gegenüber dem
Computereinsatz im Unterricht eingestellt. Es gibt aber auch erhebliche Skepsis: Drei Viertel haben Bedenken, weil das
Internet zum Kopieren animieren könnte.
Der grüne Bildungspolitiker Özcan
Mutlu forderte digitale Grundbildung für
alle. Die riesigen Potenziale der neuen
Technologien für die Förderung von Kindern und Jugendlichen blieben komplett
ungenutzt. Der Branchenverband Bitkom
plädierte für eine „digitale Agenda“ für die
Schulen. „Wir müssen die Ausstattung
verbessern, aber auch die Weiterbildung
der Lehrer vorantreiben“, erklärte der
Verband. Niemand dürfe als digitaler Analphabet zurückgelassen werden.
Mit kräftigen Zugeständnissen an SPD und Grüne hat die Linke
in Thüringen den Weg für die erste
rot-rot-grüne Landesregierung in
Deutschland frei gemacht. Die Partei
von Bodo Ramelow, der bundesweit
erster Ministerpräsident der Linken
werden soll, bekommt nur drei der
acht Ministerien, obwohl sie bei der
Landtagswahl auf zehn Prozentpunkte
mehr kam als SPD und Grüne zusammen. „Wir haben auf Augenhöhe verhandelt“, sagte Linke-Landeschefin
Susanne Hennig-Wellsow bei der Vorstellung des Koalitionsvertrags.
Trotz nur einer Stimme Mehrheit
wollen die Parteien größere Reformen
anstoßen. „Rot-Rot-Grün wird nicht
alles anders machen, aber vieles besser“, sagte Hennig-Wellsow. Mit der
Einigung der Parteien könnte die
Linkspartei 25 Jahre nach dem Fall der
Mauer ihren ersten Ministerpräsidenten ins Amt bringen. Das Dreierbündnis würde die CDU erstmals seit der
Wiedergründung Thüringens in die
Opposition schicken. Der neue Ministerpräsident soll am 5. Dezember gewählt werden.
ERFURT –
Sebastian Vettel beugt sich tief hinunter, um alle Details des Ferrari zu begutachten. Er trägt seinen Red-Bull-Rennanzug, in dem er
viermal Weltmeister wurde. Aber in der nächsten Saison wird Vettel auch Rot tragen, die legendäre Ferrari-Farbe. Der Deutsche
TO R ST E N K R AU E L
er Wolf hat Kreide gefressen,
und zwar kräftig. Alle Schulformen in Thüringen bleiben erhalten, was die Linke ausdrücklich nicht
wollte. Vom Kampf gegen den EuroSchutzschirm ist keine Rede mehr, obwohl die Linke genau diesen Kampf auf
ihre Fahnen geschrieben hatte. Über
Stromleitungen nach Bayern wird man
nachdenken, plötzlich. Ist die Linkspartei vom Zug ins Abseits abgesprungen,
auf dem sie seit 1990 Lokführer war?
Nein. Sie sagt nur nicht mehr die
Wahrheit darüber, wie sie wirklich
denkt und fühlt.
Der erste Ministerpräsident der
Linkspartei ist Westimport. Das macht
die Sache aber nicht besser, nur verlogener. Bodo Ramelow kommt ins Amt
wie Martin Luther als „Junker Jörg“ auf
die Wartburg, nur dass Ramelow nicht
sich selber tarnen muss, sondern die
Partei, der er angehört. Die Linke ist
nicht eine Partei für ökosoziale Thüringenpolitik, der es ausschließlich um dezentrale Energienetze oder die Förderung des Naturschutzes geht. Die Linke
ist eine Partei, die zu großen Teilen gegen Israel „allzeit bereit“ ist, wie es früher hieß, als Ramelow sich im fernen
Westen noch nicht für Junge Pioniere,
SED oder DDR interessierte. Natürlich
ist die Ablösung der zerstrittenen Landes-CDU nach 25 Regierungsjahren
kein Weltendrama. Aber die Übernahme des Chefsessels durch eine Partei,
die sich so verleugnet wie bei diesem
Koalitionstext, ist mehr als ein Regierungswechsel. Da lügt sich zusammen,
was nicht zusammengehört.
Verrenkungen bleiben nicht aus. Natürlich will die Linke sofort ihre Beobachtung durch den Verfassungsschutz
stoppen. Also darf niemand nur wegen
„ihrer politischen, religiösen und/oder
weltanschaulichen Auffassungen“ beobachtet werden. Das wird dann auch
für Rechtsradikale gelten müssen, denen die neue Regierung aber „konsequentes repressives Vorgehen“ ankündigt. Von Islamisten ist überhaupt keine Rede, was bei der Hamas-Nähe der
Linkspartei kaum verwundert.
Die Linke wird in Thüringen so tun,
als sei sie nur eine SPD mit anderer
Tradition, eine Partei, die sich auf dem
Handy vertippt und dann versehentlich
Putin oder Castro Nettigkeiten ins Ohr
sagt. Immer diese alten Telefonnummern zwischen den neuen, wie lästig!
Die eigentliche SPD tut derweil mit
den Grünen so, als sei die thüringische
Linke ein niedlicher kleiner Komet, auf
dem man nach langem Anlauf endlich
gelandet ist, um ihn in eine wohnlichere Umlaufbahn zu steuern. Was bei solcher Nähe zur Linken herauskommen
kann, hat Matthias Platzeck mit seinem
Vorstoß zur Krim gerade bewiesen. Da
wird die DDR zum zweiten Mal innerlich anerkannt. Putins Völkerrechtsbruch ist plötzlich eine lässliche Sünde,
die man tunlichst übersehen sollte, damit Thüringen in Frieden leben kann.
Das geht ganz schnell.
PA/ATP: PA/DPA
etzt haben wir es endlich
schriftlich. Die DDR war ein
Unrechtsstaat. Ihre Bewohner waren Unrechtsstaatsbürger. Das hat die Linke in
Thüringen offiziell unterschrieben. Ganz korrekt sprechen wir
jetzt nicht mehr von der ehemaligen oder Ex-DDR, sondern
von TUFNADDR = The Unrechtsstaat formerly known as
DDR. Es reicht in diesem Falle
nicht, die Deutsche Demokratische Republik in Gänsefüßchen
zu setzen, um Zweifel an ihrer
Rechtsstaatlichkeit zum Ausdruck zu bringen, sondern man
muss den Begriff TUFNADDR
benutzen. Allerdings bringt das
neue Probleme mit sich. Durch
die Wiedervereinigung wurde
die BRD zum Rechtsnachfolger
der DDR oder logischerweise
zum Unrechtsnachfolger. Ist die
BRD, ist Deutschland damit,
rein juristisch betrachtet, zu
einem Unrechtsstaat geworden?
Ist Angela Merkel die Fortsetzung Erich Honeckers mit kapitalistischen Mitteln? Wie
verhält man sich im Unrechtsstaat? So wie Thomas Middelhoff oder wie Bodo Ramelow?
Wenigstens muss der Text
unserer Hymne praktisch gar
nicht verändert werden: „Einigkeit, Unrecht, Unfreiheit …“
B **
S
o war das eigentlich nicht gedacht: Fische, die mit einem
Sender markiert sind, um die Wanderungswege für die
Wissenschaft zu erforschen, werden offenbar zur leichten
Beute für Robben: Versuche mit Kegelrobben in Gefangenschaft
hätten ergeben, dass diese rasch lernten, den von den Sendern
ausgestrahlten Ton als Zeichen für eine leichte Beute zu erkennen, berichten britische Forscher. In Untersuchungen zum Überleben oder zur Wanderung von Fischen werden solche Sender mit
Ultraschallfrequenz häufig eingesetzt.
Frühere Studien hatten bereits die Vermutung erbracht, dass
die Töne der Sender, die für die Fische nicht wahrnehmbar sein
sollen, von manchen natürlichen Feinden gehört werden können.
Die nun veröffentlichte Untersuchung ist aber die erste Studie,
die nachweist, dass Robben es sogar lernen können, diese Töne
als Zeichen für eine leichte Beute einzuordnen. Für den Versuch
wurden zehn junge Kegelrobben, die zuvor nie mit solchen Sendern in Berührung gekommen waren, in einem Wasserbecken mit
20 Kästen ausgesetzt. In die Kästen wurden markierte und unmarkierte Fische nach dem Zufallsprinzip eingesetzt; dann wurden 20 „Fressversuche“ gestartet. Nach Angaben der Wissenschaftler fanden die Kegelrobben die markierten Fische in den
späteren Versuchen schneller. Die Robben hätten somit „die
angelernte Nutzung der akustischen Markierung für das Auffinden von Essen“ aufgezeigt. Bei jedem neuen Versuch brauchten die Kegelrobben der Studie zufolge fünf Prozent weniger Zeit,
um den Kasten mit dem Sender darin zu finden. Und sie schwammen sehr viel häufiger zu den Kästen mit den markierten Fischen
als zu leeren Kästen oder zu Kästen mit Fischen ohne Sender.
Die Wissenschaftler hoben hervor, dass ähnliche Auswirkungen
auf das Ökosystem auch für andere markierte Tierarten oder für
vom Menschen verursachte Geräusche wahrscheinlich seien. So
könnten markierte Haie womöglich weniger erfolgreich bei der
Jagd nach Beute sein, wenn Robben oder andere Beutetiere vor
dem Signal flüchteten.
DIE WELT, Axel-Springer-Straße 65, 10888 Berlin, Redaktion: Brieffach 2410 Täglich weltweit in über 130 Ländern
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