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GA 2014-1 Abiturprüfung Niedersachsen 2014 - STARK Verlag

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Abiturprüfung Niedersachsen 2014 – Politik-Wirtschaft
Grundlegendes Anforderungsniveau – Aufgabe 1
Thema: Arbeitslosigkeit
Themen und Inhalte 11 / 2: Wirtschaftspolitik in der Sozialen Marktwirtschaft
Aufgabenstellung
1. Fassen Sie Niggemeyers Aussagen und Forderungen hinsichtlich des Beschäftigungsproblems zusammen.
2. Arbeiten Sie die wirtschaftspolitische Konzeption, die Niggemeyers Forderungen
zu Grunde liegt, heraus.
3. Erörtern Sie mögliche Auswirkungen der von Niggemeyer geforderten „neue[n]
Politik für Vollbeschäftigung“ (Z. 19 – 20) für den Unternehmensstandort
Deutschland.
M 1: Lars Niggemeyer: Agenda 2010 – die große Beschäftigungsillusion
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[…] Immer mehr Menschen sind von einer neuen Form der Arbeitslosigkeit betroffen
– in der Sprache der Arbeitsmarktforschung nennt man dieses Phänomen Unterbeschäftigung. Treffender ist es, von Teilarbeitslosigkeit zu sprechen. Die Betroffenen
haben nur einen Teilzeitjob, sie würden aber gerne länger arbeiten.
Die offiziellen Zahlen gehen von knapp drei Millionen Arbeitslosen aus – und
sagen somit allenfalls die halbe Wahrheit. Nach belastbaren Untersuchungen würde
gut die Hälfte der Teilzeitbeschäftigten gerne ihre Arbeitszeit ausweiten. Rechnet
man alle Wünsche nach mehr Arbeit zusammen – die der registrierten Arbeitslosen,
der Unterbeschäftigten und der sogenannten stillen Reserve (also nicht erwerbstätige
Personen, die sich nicht arbeitslos melden) –, so fehlen in Deutschland derzeit zwischen 5,5 und 6 Mio. Vollzeitarbeitsplätze. Die tatsächliche Arbeitslosigkeit liegt
damit doppelt so hoch wie die offiziell ausgewiesene. Zwar gab es schon immer eine
Diskrepanz zwischen offiziellen und realen Arbeitslosenzahlen in Deutschland. Aufgrund der massiven Zunahme der Teilarbeitslosigkeit durch die Agenda 2010 dürfte
diese Lücke aber so groß sein wie nie zuvor. Kurzum: Die Agenda 2010 hat kein
Beschäftigungswunder hervorgebracht, sondern lediglich – mit Hilfe der Arbeitsmarktstatistik – eine Illusion geschaffen. Sie war somit nicht nur sozialpolitisch, sondern auch beschäftigungspolitisch ein Irrweg.
[…] In Zukunft muss es darum gehen, […] eine neue Politik für Vollbeschäftigung in Deutschland und der Europäischen Union durchzusetzen. Dies kann jedoch
nur mit einer Rückkehr zu einer Wirtschaftspolitik gelingen, die gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge betrachtet: Nicht der einzelne Arbeitslose ist individuell für
sein Scheitern verantwortlich, sondern es ist insgesamt zu wenig Arbeit für alle vorhanden. Der Privatsektor – Unternehmen und Haushalte – gibt insgesamt zu wenig
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Geld aus, um mehr Beschäftigung zu schaffen. In dieser Lage ist eine Erhöhung der
öffentlichen Investitionen überfällig – beispielsweise zur Beschleunigung der Energiewende, für moderne Infrastrukturen, hochwertige soziale Dienstleistungen und
bessere Schulen. […] Kürzungen der öffentlichen Ausgaben in Krisenzeiten erhöhen
die Arbeitslosigkeit massiv und senken somit die Einkünfte von Unternehmen und
Haushalten. In der Folge gehen oftmals die Steuereinnahmen stärker zurück als die
Ausgaben des Staates sinken.
Höheres Wachstum allein reicht jedoch nicht aus, um Vollbeschäftigung zu erreichen. Es muss auch darum gehen, Arbeit anders zu verteilen. Denn der Rückgang der
vorhandenen Arbeit ist nicht nur ein Phänomen des letzten Jahrzehnts, sondern eine
langfristig zu beobachtende Entwicklungstendenz in Deutschland. Seit 1975 ist die
pro Kopf vorhandene Arbeit um rund ein Viertel geschrumpft, auf faktisch rund 30
Stunden pro Woche. Dennoch arbeiten Vollzeitbeschäftigte heute wie damals unverändert etwa 40 Stunden. Um Arbeitslose und Unterbeschäftigte wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren, müssen daher auch die Arbeitszeiten der Vollzeiterwerbstätigen sinken.
Die Kurzarbeit kann hier als Modell dienen: Öffentliche Gelder könnten eingesetzt werden, um Arbeit anstelle von Arbeitslosigkeit zu finanzieren. Anders als bei
der Kurzarbeit ist angesichts der realen Lohnverluste der letzten elf Jahre ein voller
Lohnausgleich für die Vollzeitbeschäftigten nötig.
[…] Gleichzeitig sollten die Stundenlöhne kräftig steigen – sinnvoll wäre eine
Erhöhung gemäß des jährlichen Produktivitätszuwachses plus der Inflation und einer
Umverteilungskomponente. Die Lücke zwischen ursprünglichem und aktuellem Monatslohn würde sich mit dem Anstieg der Stundenlöhne Jahr für Jahr verringern. Die
öffentliche Bezuschussung würde sukzessive auslaufen bis zumindest das Ausgangsniveau – also der reale Monatslohn vor der Arbeitszeitverkürzung – wieder erreicht
ist. Die Vollzeitbeschäftigten verfügten im Ergebnis über erheblich mehr freie Zeit
ohne Lohnverlust. Arbeitslosigkeit und prekäre Beschäftigung wären drastisch vermindert.
[…] Gemeinsam mit den skizzierten antizyklischen Investitionsprogrammen würde eine solche Politik für Vollbeschäftigung nicht bloß illusionäre, sondern wirkliche
Verbesserungen der Arbeitsmarktstatistik herbeiführen.
Quelle: Lars Niggemeyer: Agenda 2010 – die große Beschäftigungsillusion. In: Blätter für deutsche
und internationale Politik. Berlin, Nr. 5/2013, Seite 41– 43
Der Autor ist Abteilungsleiter für „Arbeitsmarkt und Beschäftigung, Berufliche Bildung, Koordinierung Sozialpolitik“ beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) Niedersachsen.
Hilfsmittel: Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland
Niedersächsische Verfassung ohne ergänzende Kommentare
Gewichtung der Teilaufgaben: 30 % : 40 % : 30 %
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Lösungsvorschläge
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Der Operator „zusammenfassen“ verlangt hier von Ihnen eine pointierte Herausstellung der wesentlichen Kerngedanken und Begründungen des Autors. Gehen
Sie dabei methodisch vor: Den besten Eindruck hinterlassen Sie, wenn sich Ihre
Lösung auf den gefragten Aspekt fokussiert und Sie den gegebenen Text einer
eigenen Struktur folgend darlegen. Ein chronologisches Vorgehen dagegen neigt
häufig zu einer bloßen Nacherzählung des Textes. Generell müssen Sie sprachlich den Konjunktiv I und die direkte Rede verwenden sowie mit Zeilenangaben
arbeiten. Eigene Interpretationen sind bei dieser Aufgabenstellung unbedingt zu
vermeiden. Zudem sollten Sie allgemein wörtliche Zitate vermeiden, müssen aber
die im Material enthaltenen Fachbegriffe wiedergeben.
In dem gegebenen Auszug aus dem Artikel „Agenda 2010 – die
große Beschäftigungsillusion“, erschienen im Heft 5 des Jahres
2013 der Blätter für deutsche und internationale Politik auf den
Seiten 41– 43, fordert der Abteilungsleiter für „Arbeitsmarkt
und Beschäftigung, Berufliche Bildung, Koordinierung Sozialpolitik“ beim Deutschen Gewerkschaftsbund Niedersachsen, Lars
Niggemeyer, eine Abkehr von der Agenda 2010 hin zu einem
Programm für Vollbeschäftigung.
Dabei attestiert er der Agenda-Politik, nicht nur eine sozialpolitische, sondern auch eine beschäftigungspolitische Fehlentwicklung zu sein (vgl. Z. 17 f.). Es sei nur durch statistische
Mittel ein positiver Eindruck vermittelt worden. Niggemeyer
stellt dem gegenüber, dass die Hälfte der Teilzeitbeschäftigten
gerne mehr arbeiten würde (vgl. Z. 6 f.). Beziehe man diese
Personen mit ein, müsse man von bis zu 6 Mio. fehlenden Vollzeitarbeitsplätzen ausgehen (vgl. Z. 11). Die Agenda 2010 habe
diese Lücke – von Niggemeyer Teilarbeitslosigkeit genannt –
durch die massive Ausweitung der Teilzeitbeschäftigung deutlich verstärkt.
Der Autor fordert als Abhilfe zunächst ein Wachstumsprogramm unter Berücksichtigung der grundsätzlich fehlenden
Arbeit. So seien staatliche Investitionen in Bildung und Infrastruktur nötig, da Haushalte und Unternehmen nicht ausreichend konsumierten und staatliche Ausgabenkürzungen kontraproduktiv seien (vgl. Z. 24 ff.). Um Vollbeschäftigung in der
EU und in Deutschland zu erreichen, müsse die vorhandene
Arbeitszeit anders verteilt werden. Niggemeyer schlägt vor,
dass eine Vollzeitstelle zukünftig 30 Arbeitsstunden in der
Woche umfassen sollte (vgl. Z. 35 ff.). Der Staat solle hierbei
analog zur Kurzarbeit den vollen Lohnausgleich – und damit
Arbeit und nicht Arbeitslosigkeit – finanzieren. Darüber hinaus
fordert der Autor einen deutlichen Anstieg der Stundenlöhne
GA 2014-3
Einleitung
Quelle, Thematik
Textaussagen
Kritik an Agenda
2010
Alternativvorschlag
des Autors
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